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Koronarintervention beim älteren Patienten – jetzt erst recht? B. ist ein männlicher Patient, 57 Jahre alt. Er ist Nichtraucher, hat eine arterielle Hypertonie und eine leichte Hypercholesterinämie. In seiner Familie gibt es eine Anamnese einer koronaren Herzerkrankung. Bisher hat er nur wenige sportliche Aktivitäten unternommen, führt jedoch ein insgesamt sehr aktives Leben mit vielen Reisen, Auslandsurlauben und kulturellen Aktivitäten. Seit vier Monaten hat Herr B. eine typische Angina pectoris, die zunächst der CCS-Klasse III entsprach. Jetzt hat er manchmal schon in Ruhe Druckgefühle im Thorax. Die Einnahme von Nitro-Spray hilft meistens, oft jedoch nur verzögert. Manchmal halten die Beschwerden länger als eine Stunde an. Bei seinem Hausarzt hat Herr B. ein Ruhe-EKG anfertigen lassen. Hier zeigten sich fragliche Zeichen eines „alten“ Hinterwandinfarktes. Im Belastungs-EKG kam es bei 50 Watt zu Angina pectoris. Es zeigten sich einzelne ventrikuläre Zweiersalven unter Belastung, aber keine sicheren (zusätzlichen) Ischämiezeichen. Die durchgeführte Echokardiographie zeigte eine nur sehr umschriebene Hypokinesie der inferioren Wand und war ansonsten unauffällig. Im Labor ergaben

H.

Korrespondenzadresse: Prof. Dr. Thomas Budde Medizinische Klinik I/Kardiologie Alfried Krupp Krankenhaus Alfried-Krupp-Str. 21 D-45131 Essen Tel.: 0201 434-2524/2525 Fax: 0201 434-2376 thomas.budde@krupp-krankenhaus.de www.krupp-krankenhaus.de

Rechte Herzkranz- Linke Herzkranzarterie (LCA) arterie (RCA) Abb. 1: Kasuistik, H B., männlich: Koronarangiographie vor der Intervention

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Kardioforum 3 | 2009

Thomas Budde

sich keine außergewöhnlichen Befunde. Hausärztlicherseits war eine Medikation mit Betablockern, einem Nitrat, Acetylsalicylsäure, einem ACE-Hemmer und einem Statin eingeleitet worden. Wegen

Tabelle 1: Weiteres Vorgehen? • Weitere Diagnostik? • Konservativ „alles versuchen“? • PCI mit DES? • PCI ohne DES? • Bypass-OP? Kasuistik, H. B., männlich: Differenzialtherapeutische Möglichkeiten in Kenntnis des Koronarangiographiebefundes

Persistenz der Beschwerden im klinischen Alltag wie auch bei geringer Belastung während der Ergometrie und wegen der Zweiersalven unter Belastung sowie der Hypokinesie (nach Infarkt (?)) im Echokardiogramm wurde die Indikation zur Durchführung einer Koronarangiographie gestellt. Das Ergebnis ist in Abb. 1 wiedergegeben. Es zeigt sich eine signifikante Stenosierung im Ramus interventricularis anterior, der sehr klein und in seinen Endästen teilweise verschlossen ist. Der Ramus circumflexus zeigt mindestens zwei signifikante Stenosen, von denen die proximale Stenose subtotal ist. Die rechte Herzkranzarterie ist proximal verschlossen. Zum weiteren Vorgehen standen mehrere Möglichkeiten zur Diskussion, die in Tabelle 1 aufgeführt sind. Wenn ich seither den Angiographiefilm von Herrn B. anderen klinisch tätigen Kardiologen gezeigt habe, so hat sich die Mehrheit jeweils klar für ein interventionelles Vorgehen bzw. eine Bypassoperation entschieden. Es ist jetzt an der Zeit, eine erste wich-

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Ausgabe Kardioforum 3/09

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