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Thomas Budde nahm das Angebot an, arbeitete zwei Monate lang auf der neurochirurgischen Intensivstation in Duisburg und wusste anschließend, dass die Medizin tatsächlich das Richtige für ihn war. „Allerdings fand ich die Neurochirurgie etwas deprimierend: Da kamen Leute zu Fuß auf die Station, und hinterher konnte man mit denen wochenlang nicht mehr vernünftig reden, weil sie am Kopf operiert worden waren.“ Was ihn jedoch von Anfang an faszinierte, war die Intensivmedizin. Außerdem hatte er sich schon in der Schule sehr für Physik und technische Dinge interessiert. „Also fragte ich mich: Auf welchem medizinischen Gebiet kann man sowohl in der Praxis als auch am Krankenhaus tätig sein, und welches Gebiet hat mit Intensivmedizin zu tun? Das rückte das Organ Herz in meinen näheren Gesichtskreis. Damals gab es fürs Medizinstudium den Numerus clausus, und ich hatte genau den Notendurchschnitt von 1,5, den man brauchte. Also bewarb ich mich in Düsseldorf und bekam den Studienplatz.“

Ein Herz fürs Herz Während des Studiums entdeckte Thomas Budde dann schon sehr bald sein Herz fürs Herz. Was fasziniert ihn an der Kardiologie? „Es gibt ein bekanntes Sprichwort unter Managern: Holzhacken ist deshalb so populär, weil man die Ergebnisse seines Tuns sofort sehen kann“, sagt er. „In der Intensivmedizin ist es ähnlich. Das Interessante an unserem Gebiet ist außerdem, dass es sich inzwischen eigentlich sehr in Richtung der chirurgischen Tätigkeit entwickelt hat – und man kann während der Interventionen sogar noch mit den Leuten reden. Eine echte HightechMedizin. Das finde ich spannend.“ Thomas Budde absolvierte sein praktisches Jahr in Düsseldorf und San Diego, promovierte am Diabetesforschungsinstitut der Düsseldorfer Universitätsklinik über den Stoffwechsel bei diabetischen Herzen und bewarb sich um eine Stelle als Assistenzarzt und wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung für Kardiologie, Pneumologie und Angiologie der Uniklinik Düsseldorf bei Professor Franz Loogen. Als eine solche Stelle dann kurz danach frei wurde, bekam er sie. „Zu jener Zeit spielte die Arbeitsgruppe Elektrophysio-

logie in Düsseldorf eine führende Rolle. Professor Günther Breithardt und (damals) Dr. Martin Borggrefe, der als Zivildienstleistender Arzt auf der gleichen Station wie ich arbeitete, führten mit Professor Ludger Seipel zusammen gerade die ersten elektrophysiologischen Untersuchungen durch“, erinnert er sich. Das faszinierte Thomas Budde, und er trat der Arbeitsgruppe bei und begann, an Experimenten zu Elektrodenkonfigurationen von implantierbaren Defibrillatoren mitzuwirken.

Erste Katheterablation an einem Schnitzel „Eines Tages kam Professor Breithardt zu mir und sagte: ,Du musst mal deine Frau anrufen. Die soll mal ein Schnitzel in die Klinik bringen. Ich habe von Osypka (1) so einen Katheter gekriegt, damit kann man Löcher in das Myokard machen. Das nennt man Ablation.‘ Und dann haben wir tatsächlich dieses Schnitzel in ein Wasserbad gelegt und mit dem Katheter Löcher hineingebrannt.“ Nach weiteren experimentellen Arbeiten fand im Jahr 1986 an der Düsseldorfer Uniklinik die erste HochfrequenzKatheterablation in Deutschland statt, die durch Günther Breithardt und Martin Borggrefe durchgeführt wurde. Wegen medikamentös nicht therapierbarer und auch nach zweimaliger Katheterablation mit energiereichen Gleichstromimpulsen rezidivierender Vorhoftachykardien mit schneller Überleitung wurde bei einer 49-jährigen Patientin eine Katheterablation des AV-Überleitungssystems mit Hochfrequenzwechselstrom durchgeführt, um eine dauerhafte Unterbrechung der atrioventrikulären schnellen Überleitung zu erzielen. Obwohl keine kardiale Grunderkrankung vorlag, waren bei der Frau zum Teil täglich Tachykardieanfälle und insgesamt zehn Synkopen aufgetreten. Nach der Ablation blieb die Patientin rezidivfrei. Geradezu prophetisch klingen die abschließenden Worte des Artikels in der Zeitschrift für Kardiologie, in dem Thomas Budde und seine Kollegen diese erste erfolgreiche Intervention beschrieben: „Sollte sich im Rahmen ausgedehnter Untersuchungen die Wirksamkeit der Hochfrequenzablation bestätigen lassen, stünde ein Verfahren zur Verfügung, das aufgrund seiner vergleichsweise einfachen

Kardioforum 3/09  

Ausgabe Kardioforum 3/09

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