Page 31

Bericht vom ESC Congress 2009 in Barcelona Matthias Leschke er diesjährige ESC-Kongress 2009 fand vom 29. August bis zum 2. September 2009 in Barcelona statt. Insgesamt nahmen ca. 35 000 Kongressbesucher, Aussteller und Begleitpersonen daran teil. Höhepunkt des Kongresses waren die täglichen „Hotline“- und „Clinical Trial Update“–Sitzungen, bei denen mit großer Spannung erwartete aktuelle Studiendaten vorgestellt wurden. Aufgrund der Vielzahl dieser aktuellen Studien, der Vorstellung neuer Leitlinien zur pulmonalen Hypertonie, zum perioperativen Management von Patienten bei nicht-kardialen Operationen und zur Synkope sowie der aktuellen Sitzungen zum Stellenwert des interventionellen Aortenklappenersatzes genießt der Europäische Kongress mittlerweile ein mindestens den Amerikanischen Kongressen AHA und ACC vergleichbares Renommee. Am 30. August wurden die Daten einer doppelt so hohen Clopidogrel-Dosis bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom aus der CURRENT OASIS 7-Studie vorgestellt, an der 25 087 Patienten mit akutem Koronarsyndrom teilnahmen, die in einen Arm mit einer doppelten Clopidogrel-Dosis von 600 mg initial (gefolgt von 150 mg von Tag 1 bis Tag 7 mit anschließender 75-mg-Dosis) und in den Standarddosisarm von 300 mg Clopidogrel initial (gefolgt von 75 mg täglich) randomisiert wurden. 70% der Studienpopulation erhielten eine Koronarintervention. In dieser PCI-Gruppe wurde eine 22%ige Reduktion an Myokardinfarkten in der Gruppe mit der doppelten Clopidogrel-Dosierung wie auch eine 42%ige Reduktion von Stentthrombosen erzielt. Überraschenderweise ergaben sich keine wesentlichen Blutungsunterschiede in den beiden Armen. In der anschließenden Diskussion wurde betont, dass die doppelte Clopidogreldosierung initial und in der ersten Woche beim Einsatz von Clopidogrel bei ACS-Patienten in der kli-

D

28

Kardioforum 3 | 2009

nischen Praxis empfohlen wird. In der gleichen Sitzung wurden die mit Spannung erwarteten Ergebnisse der PLATO-Studie (PLATelet inhibition and patient Outcomes) vorgestellt. In dieser Studie wurde der orale PSY12–Antagonist Ticagrelor mit Clopidogrel bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom verglichen. Dabei konnte mit dem Einsatz von Ticagrelor nach 360 Tagen Randomisation gegenüber Clopidogrel eine signifikante Reduktion des gemeinsamen Endpunktes von kardiovaskulärem Tod, Herzinfarkt, Schlaganfall – Ereignisrate Clopidogrel 11,7% versus Ticagrelor 9,8%, entsprechend einer 16%igen Risikoreduktion (p = 0,003) – erzielt werden. Nach den in dieser Studie definierten Blutungsereignissen zeigte sich kein statistisch signifikanter Unterschied bei schwerwiegenden Blutungen in dem Clopidogrel- gegenüber dem Ticagrelor-Arm. Demnach könnte der Einsatz von Ticagrelor gegenüber Clopidogrel bei 1000 Patienten über 12 Monate zu einer Reduktion von 14 Todesfällen, 11 Myokardinfarkten und 6–8 Fällen von Stentthrombosen ohne verstärkte Blutungskomplikationen führen. Als Nebenwirkungen wurden – bezogen auf den Einsatz von 1000 Patienten – 9 Fälle von Dyspnoe analysiert. Möglicherweise ist der Einsatz von Ticagrelor aufgrund der kürzeren Halbwertzeit und besseren Steuerung insbesondere auch im perioperativen Management bei nicht-kardialen Operationen von zukünftigem Interesse. Ebenfalls am 30. August 2009 wurde eine Subgruppenanalyse der BEAUTIFUL-Studie vorgestellt, bei der 1 507 Patienten mit Angina pectoris in einen Ivabradin- und einen Placebo-Arm randomisiert wurden. In dem Ivabradin-Arm wurde eine Herzfrequenzsenkung von 64 gegenüber dem Placebo-Arm von 68 erzielt. Bei den Patienten mit erhöhter Herzfrequenz über 70/min reduzierte Ivabradin das Risiko einer Revaskularisati-

Kardioforum 3/09  

Ausgabe Kardioforum 3/09

Kardioforum 3/09  

Ausgabe Kardioforum 3/09

Advertisement