Page 30

Risikoreduktion in der HYVET-Studie zeigte die antihypertensive Behandlung im Vergleich zu Placebo keinen Einfluss auf die Abnahme kognitiver Fähigkeiten und auf die Progression bzw. das Auftreten einer Demenz. Möglicherweise waren die Patienten zu alt, um signifikante Effekte auf die kognitive Funktion zu erzielen, oder die Behandlungsdauer war zu kurz. Demnach sollte bei älteren Patienten über 80 Jahren ein Zielblutdruck von unter 150/90 mmHg angestrebt werden. Eine Kombination aus Diuretika und ACEHemmer bzw. AT1-Blocker erscheint nach bisherigen Daten besonders wirksam, wobei auf eine zu starke Absenkung des diastolischen Blutdruckes insbesondere bei Patienten mit koronarer Herzerkrankung geachtet werden sollte. Schließlich zeigen neuere Daten, dass Patienten speziell mit koronarer Herzerkrankung bei zu starker Absenkung der diastolischen Blutdruckwerte ein erhöhtes koronares Risiko entwickeln können (5).

Differentialtherapie und Nebenwirkungen Im Gegensatz zu Diuretika, Kalziumantagonisten, ACE-Hemmern und AT1-Blockern scheinen Betablocker bei älteren Patienten mit unkomplizierter Hypertonie insbesondere im Hinblick auf die Schlaganfallprävention unterlegen zu sein. Dennoch haben Betablocker bei älteren Patienten, insbesondere bei kardialen Erkrankungen wie einer systolischen Herzinsuffizienz oder einer koronaren Herzerkrankung, aber auch bei tachykarden Herzrhythmusstörungen eine unveränderte Relevanz. Für die Auswahl von Antihypertensiva beim älteren Hypertoniker spielen weitere Risikofaktoren, Endorganschädigungen sowie manifeste kardiovaskuläre Erkrankungen und altersbedingte Beschwerden eine große Rolle. Bei einer Tendenz zu bradykarden Herzrhythmusstörungen sollten Betablocker und Antisympathotonika nur mit Vorsicht verordnet werden. Bei einer häufig im Alter vorhandenen depressiven Grundstimmung sollten Betablocker zur antihypertensiven Therapie nicht eingesetzt

werden. Diuretika und Alpha1-Blocker sind besonders ungünstig bei vorhandener Inkontinenz. Kalziumantagonisten können die Darmmotorik verstärken. Insbesondere Diuretika können eine häufig im Alter vorliegende OrthostaseSymptomatik intensivieren. Deshalb sollte grundsätzlich bei älteren Patienten der Blutdruck im Sitzen und Stehen gemessen werden. Ferner sollte jede antihypertensive Medikation vorsichtig und niedrig dosiert eingeleitet werden, um orthostatische Nebenwirkungen zu vermeiden. Eine 24-Stunden-Blutdruckmessung kann insbesondere kritische Blutdruckabfälle in der Nacht detektieren, die zu kritischen Myokardischämien führen können. Bei älteren Patienten sollte die Diuretika-Therapie sorgfältig anhand der Retentions- und der Elektrolytwerte überprüft werden. Bei normaler Nierenfunktion sollten Schleifendiuretika aufgrund ihres relativ rasch einsetzenden Effektes und der größeren Wirkstärke eher vermieden werden. Schließlich sind ältere Patienten durch Hypovoliämie und Hyponatriämie besonders gefährdet. Bei der Anwendung von ACE-Hemmern und AT1-Blockern sollte berücksichtigt werden, dass bestimmte Faktoren, wie Diabetes mellitus, Azidose und die Applikation von nephrotoxischen Substanzen zur Hyperkaliämie prädisponieren können. Die Einnahme von nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR), die auch zu einer Blutdruckerhöhung führen kann, darf nur unter besonderer Kontrolle der Nierenfunktion erfolgen. Insgesamt liegen erstmals gesicherte Daten einer kardiovaskulären Risikoreduktion bei älteren Hypertonikern über 80 Jahren durch eine anithypertensive Therapie mit Diuretika und ACE-Hemmern mit einer Blutdrucksenkung auf einen Zielblutdruck unter 150/90 mmHg vor. Trotz der demographischen Entwicklung unserer Bevölkerung und der damit zunehmenden Zahl älterer Hypertoniker im Alter über 75 Jahren haben sich diese aktuellen Aspekte zur antihypertensiven Therapie in der Praxis noch nicht durchgesetzt.

Literatur (1) Beckett NS et al. Treatment … N Engl J Med 2008; 358:1887–1898 (2) Mancia G et al. Guidelines … J Hypertens 2007; 25:1105–1187 (3) Meisinger C et al. Regional J Hypertens 2006; 24:293–99 (4) O`Rourke MF Adji A An updated clinical primer … Curr Opin Cardiol 2005; 20:275–281 (5) Peters R et al. Incident dementia and blood pressure … Lancet Neurol 2008; 7:683–89

Kardioforum 3 | 2009

27

Kardioforum 3/09  

Ausgabe Kardioforum 3/09

Kardioforum 3/09  

Ausgabe Kardioforum 3/09

Advertisement