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gibt ein Überwiegen der Frauen in dieser Altersgruppe, die Studienpopulationen sind aber überwiegend durch Männer geprägt. Zahlreiche Komorbiditäten führen zu zusätzlichen Interpretationsproblemen der Ergebnisse. Des Weiteren wächst die Bevölkerung insbesondere in diesem Alterssegment, so dass letztlich die Erkrankungen häufiger werden.

% 40

35

38,0

PCIs isolierte Koronaroperationen

30

33,5

33,1

28,6

25

20

Koronarinterventionen bei alten Patienten: Was ist anders? Bei alten Patienten ist die physiologische kardiovaskuläre Anpassung an Stresssituationen reduziert. Es kommt häufiger zu diastolischen Dysfunktionen, die Sauerstoffaufnahme ist reduziert. Häufig ist die AV-Überleitung reduziert, auch die Nierenfunktion ist oft eingeschränkt. An Komorbiditäten sind Herzinsuffizienz, COPD, periphere arterielle Verschlusskrankheit, zerebrale Erkrankungen und Nierenversagen als die wichtigsten Begleitdiagnosen zu nennen. Die Patienten sind also in einer Situation, in der komplizierte und lange Prozeduren normalerweise nicht gut toleriert werden. Gleichzeitig besteht aber bei alten Patienten oft eine komplexe Koronaranatomie und auch häufiger eine Mehrgefäßerkrankung. Auch schwere Kalzifikationen kommen bei alten Patienten häufiger vor als bei jungen. Die Arterien sind insgesamt fragiler. Somit ist bei schlechterer Eingriffstoleranz ungünstigerweise dennoch eher mit längeren Katheterprozeduren zu rechnen. Batchelor und Kollegen (1) konnten bereits im Jahr 2000 zeigen, dass die Anzahl tödlicher Komplikationen wie auch von Myokardinfarkten und zerebrovaskulären Ereignissen während Koronarinterventionen ab einem Alter von etwa 70 Jahren deutlich zunimmt. Das auf der Basis einer Datenerfassung von 2001 bis 2002 angefertigte New York State Angioplasty Registry (2), das 5782 Patienten über 80 Jahre, 40 869 Patienten zwischen 60 und 80 Jahren und 24 525 Patienten im Alter von unter 60 Jahren zusammenfasst (Abb. 3), zeigt eine deutliche Zunahme der Komorbiditäten mit dem Alter bezüglich aller wesentlichen Begleiterkrankungsbilder. Im

17,0

15,9

15

13,2

10 7,8

7,1 4,5

5 0,9 0,4 0 18–40

40–50

50–60

60–70

70–80

80 und älter

Abb. 6: PCIs und isolierte Koronaroperationen (Bypassoperationen) in Relation zum Patientenalter; nach: Bruckenberger Herzbericht 2007 (3)

Hinblick auf das prozedurale Risiko ist insbesondere das Auftreten von Blutungskomplikationen bei älteren Menschen einer der wesentlichen Unterschiede im Vergleich zu jüngeren Patienten (Abb. 4). Sowohl das Entstehen von Hämatomen größeren und kleineren Ausmaßes als auch retroperitoneale Blutungen, die Notwendigkeit von Bluttransfusionen wie auch die Entstehung von Pseudoaneurysmata (mit oder ohne chirurgische Behandlungsnotwendigkeit) sind beim Patienten über 80 Jahren ebenfalls deutlich häufiger als bei Patienten unter 80 Jahren.

Koronarinterventionen bei alten Menschen in Deutschland Über die „Real world“-Situation in Deutschland geben in umfassender Weise die Daten des Bruckenberger-Reports Auskunft (3), die für den vorliegenden Artikel aus dem Herzbericht 2007 entnommen wurden und die Daten des Jahres 2006 abbilden. Hier zeigt sich auch, dass diagnostische Linksherzkatheteruntersuchungen wie auch Koronarinterventionen ihren altersmäßigen Häufigkeitsgipfel im Alter zwischen 70 und 80 Jahren haben

Kardioforum 3 | 2009

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Ausgabe Kardioforum 3/09

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