Issuu on Google+

20 REGION

4. November 2011

Zum Schluss

Pfefferkorn

Krux der Betroffenheit Sterbehilfe ist eines der Themen, das Befürworter und Gegner entzweit wie kaum ein anderes Thema. Das zeigt sich auch jetzt wieder bei der Absicht des Luzerner Stadtrates, Sterbehilfe in den städtischen Betagtenzentren zuzulassen. Weil eine entsprechende Regelung bisher fehlte, müssten Bewohner und Bewohnerinnen im Falle eines Wunsches nach Sterbehilfe den Pflegeplatz verlassen. Im privaten Rahmen ist sie erlaubt. Die Reaktionen auf diese Neuerung sind heftig, die Argumentationen scheinen unverrückbar. Selbst Experten untermauern gelegentlich ihre Standpunkte mit persönlicher Betroffenheit und verlassen sich nicht allein auf Hintergrundwissen. Themen aber, egal welcher Art, einzig aus der Sicht der eigenen Betroffenheit und persönlichen Erfahrung zu beurteilen, ohne die Erfahrungen vieler oder Studien miteinzubeziehen, ist unzulässig. In Umfragen und Leserbriefen zum Thema Sterbehilfe findet sich das besonders häufig wie bei jenem Luzerner, der über Monate schwer krank in Spitälern lag und sich heute glücklich schätzt, ein zweites Leben bekommen zu haben. Dabei äusserte er etwas, was unsere Mütter den Kindern schon immer mit auf den Lebensweg gaben, dass nämlich «mit etwas Mut und Hoffnung immer ein Türchen aufgeht». Deshalb sei er gegen die Sterbehilfe. Diese Argumentation ist sicher ehrenwert und ehrlich. Trotzdem ist sie ein Ärgernis, gar eine Beleidigung für die Todgeweihten. Sie verkennt, dass es Menschen gibt, die unheilbar krank sind, vielleicht zwar noch mit intaktem Geist, aber deren Körper von Tag zu Tag immer mehr zerfällt, unwiderruflich – verbunden mit viel Leid, Beschwernissen und Schmerzen – und das trotz palliativer Pflege. Für sie geht kein Türchen mehr auf; sie können vielleicht Hoffnung und Mut schöpfen, aber einzig für ein Leben nach dem Tod. Es sind nur ganz wenige Menschen, die in solchen Situationen den begleiteten Suizid wählen. Diesen Menschen ist die Entscheidung frei zu überlassen.

FCL oder KKL?

Hab e nz i n s o d e r geb e n Z i n s ?

Inserieren Sie dort, wo über 40'000 Augen jede Woche das Neuste aus der Region und darüber hinaus lesen. Auch Ihr Inserat. Jetzt mit neuen attraktiven Platzierungsmöglichkeiten. Mehr dazu bei Publicitas Hochdorf, Tel. +41 41 914 30 10

Inserieren Sie dort, wo über 40'000 Augen jede Woche das Neuste aus der Region und darüber hinaus lesen. Auch Ihr Inserat. Jetzt mit neuen attraktiven Platzierungsmöglichkeiten. Mehr dazu bei Publicitas Hochdorf, Tel. +41 41 914 30 10

❏ Ich bestelle die REGION für ein Jahr zum Preis von Fr. 125.– ❏ Ich bestelle ein Schnupperabo zum Preis von Fr. 30.– für drei Monate. ❏ Ja, ich bin Abonnent der Zeitung REGION und bestelle TV-Star für ein Jahr zum Preis von Fr. 112.– (statt Fr. 149.– mit regulärem Abo). Name Vorname Strasse PLZ/Ort Talon einsenden an: Verlag DIE REGION, Baselstrasse 21, Postfach 7254, 6000 Luzern 7

ABONNIEREN LESEN MITREDEN

Tel. 041 469 60 90

Preis-Tendenz

Richtpreis per 3.11.2011/100 l inkl. CO2-Zuschlag von Fr. 9.54 und Mwst.

the swiss energy

EMMEN – Eine Krawatte aus Gold, und das für einen Kaufpreis von 7500 Franken? Tatsächlich, das gibts. Entwickelt wurde der Goldfaden für die Krawatte von der Empa, produziert wird der Faden auf einer Maschine der Spinnerei Tersuisse in Emmen. Nein, Niklaus Zemp, Geschäftsführer der Tersuisse in Emmen, besitzt keine goldene Krawatte für 7500 Franken. Dafür eine silberne, nicht ganz so teuer und nicht weniger modisch. Sie ist schon über ein Jahr alt «und immer noch schön», wie Zemp stolz sagt. Das ist nicht selbstverständlich. In den Labors der Empa in St. Gallen hat sich gezeigt: Fäden mit Gold beschichtet sind beständiger als mit Silber beschichtete. Seit zehn Jahren wird in der Empa getüftelt, wie Gold oder Silber nanometerdünn auf einen Faden übertragen werden kann. Das Ergebnis ist eine rund zwei auf vier Meter grosse Pilotmaschine, die seit rund drei Jahren in der Tersuisse in Emmen steht und ihre Dienste im Bereich Forschung leistet. Mit dieser Maschine, die in Emmen weiterentwickelt wurde, wird nach einem von der Empa entwickelten Hightech-Plasmaverfahren Garn be-

schichtet, das weich, webbar und sogar waschmaschinenfest ist. «Es gibt niemanden auf der Welt, der Fäden so beschichten kann», sagt Niklaus Zemp. Bisher gab es ein elektrochemisches

Tersuisse-Geschäftsleiter Niklaus Zemp zeigt vor der Plasmabeschichtungsmaschine eine Spule mit Silberfäden. Verfahren, doch die Beschichtung halte weniger gut und sei auch weniger schön. Die Plasmabeschichtungsanlage bei der Tersuisse sieht wenig spektakulär aus. So viel sei verraten: Im Innern wird eine Goldplatte mit schnell fliegenden Argon-Ionen beschossen und dadurch abgetragen. Die Goldatome «versprühen» und setzen sich auf dem Polyesterfaden fest, der durchgezogen wird.

Socken, CO2- und Herzfrequenzmesser Nach der gleichen Methode wurden Fäden auch schon mit Titan, Aluminium, Inox, Stahl und Kupfer beschichtet. Ziel des Projekts war zunächst ein Silberfaden, der verschiedene Abnehmer

fand: Mit Silber beschichtete Fäden wirken antibakteriell, was einen Sockenfabrikanten interessierte. Silber ist ausserdem elektrisch leitfähig, und deshalb ist der Faden geeignet für Sensorbauteile und für antistatische Filterstoffe der Industrie. Auch wurde ein Kleid geschneidert, mit dem der CO2Gehalt der Luft gemessen wird. Zudem gibt es eine angenehm zu tragende Variante eines Brustbandes zur Messung der Herzfrequenz. «Vorläufig sind das Spielereien, bis so was marktreif ist und wirklich Einnahmen bringt, geht es sehr lange», sagt Zemp.

Acht Gramm Gold am Hals Immerhin hat auch die Modebranche Gefallen an diesem Faden gefunden.

uba

Insbesondere das «Goldfadenprojekt», das in diesem Sommer aufgenommen wurde, hat in der Weisbrod-Zürrer AG einen Interessenten gefunden. Bislang wurde Stoff für drei Krawatten produziert. Rund ein Dutzend sollen bis Weihnachten folgen. Auch sollen mal Einstecktücher, Fliegen, Schals und Spitzenapplikationen oder gar Handtaschen im Licht golden glänzen. Die erste weltweit limitierte Serie, geschneidert in der Zürcher Krawattenfabrik Hofmann und Co AG, wird für 7500 Franken pro Stück angeboten. Übrigens: Das Goldstück am Hals des Mannes enthält rund 8 Gramm Gold zum Preis von zirka 200 Franken ... Ueli Bachmann

Die persönliche Meinung

Gemeinden später fusionieren geht immer

EMMEN ROTH E N B U RG L I T TAU M A LT E R S

ich will jeden Donnerstag Informationen aus meiner Gemeinde.

6000 Liter Fr. 196.30 3000 Liter Fr. 198.50 1500 Liter Fr. 102.00

Goldener Luxus dank Tersuisse

Ueli Bachmann

Ja,

AgrolA Heizöl von Ihrer lAndI

Kantischüler unter Strom

LUZERN – Mit Podien, die eine Schule organisiert, ist das so eine Sache. Die geladenen Promis wollen es sich mit den Schülern und Schülerinnen, aber auch mit der Lehrerschaft nicht verderben und geben sich in der Diskussion meist zurückhaltend artig. Vergangene Woche am Klima-Aktionstag der Kantonsschule Alpenquai war das anders. Die hochkarätigen Gäste blieben sich in der Kanti-Aula beim Podium zu den Themen fossile Energien, Atomenergie, erneuerbare Energien, Strommarkt Stromsparen und Energiepolitik nichts schuldig. Dies lag auch an den klugen Fragen, die zwei Schülerinnen auf dem Podium stellten, aber auch an den Podiumsteilnehmern selber, die ihre Positionen ungeschönt und schnell absteckten. Dabei zeigte sich ein Graben zwischen jenen, die viel von Errungenschaften etwa im Bereich Solarenergie halten, und Vertretern von Stromgrosskunden respektive Stromproduzenten. Zu Letzteren gehören Marcel Imhof, Unternehmensleiter der Schmolz +Bickenbach AG, und CKW-Chef Andrew Walo (1. u. 2. Referent v. l. auf dem

Bild). Beide konnten nicht in das Begeisterungslied von Adrian Kottmann, Chef der Luzerner Photovoltaik-Firma Benetz AG, oder in das des Ethikers Thomas Gröbly einstimmen. Einig waren sich Walo und Imhof auch in ihrer Skepsis gegen die «heuchlerische Politik» und die «unter dem Eindruck von Fukushima und im Wahljahr innerhalb von sieben Wochen» durchgepaukten Atomausstiegsentscheide. Für Walo wirft dieser Ausstieg mehr Fragen als Antworten auf. Und Imhof erinnerte daran, dass ein Stahlwerk nicht einfach aus Energiespargründen die Produktion zurückschrauben kann, da die Kosten trotzdem anfallen. Überhaupt der Preis: Die jugendliche Zuhörerschaft dürfte etwas desillusioniert festgestellt haben, dass es bei der ganzen Energie-Debatte immer auch um den Mammon geht. Thomas Joller, kantonaler Dienststellenleiter Umwelt und Energie, schlug beim Schlusswort einen versöhnlichen Ton an mit der Begründung, es gelte bei diesen jungen Leuten unbedingt die Zukunftseuphorie etwas aufrechtzuerhalten. (uba)

In Sursee und Luzern drängen Behörden und Politiker Richtung Fusion. Weil es plötzlich eilt, spüren immer mehr Menschen ein Unbehagen. Luzerner Fusionen wurden im Hinblick auf den bilateralen Weg in die EU geplant. Auch ein Kanton Zentralschweiz war kein Tabu. Behörden und Politiker wollen dies einfach nicht offen kundtun. Es scheint, dass in Europa und in Luzern nicht wahr sein kann, was nicht wahr sein darf: Europa und der Euro sind gescheitert. Das fusionierte Europa und fusionierte Gemeinden verlieren Autonomie und Mitspracherecht. Durch die Fusion ganz Europas zum Euroland hätten wir dank dem Euro neue Freiheiten gewinnen sollen – hiess es. Immer mehr spüren wir alle, dass genau das Gegenteil zutrifft: Maximale gegenseitige Abhängigkeit verhindert, dass die Menschen in den Regionen Europas selbstständig sozialen Frieden und Vollbeschäftigung erreichen können. Die einfache Ankündigung, dass die Griechen in einer Volksabstimmung demokratisch darüber entscheiden dürfen, ob sie das so genannte Hilfspaket der EU an-

nehmen möchten, wirft hohe Wellen. Dies ist keineswegs überraschend. Die schweizerische und europäische Politik- und Wirtschaftselite hat sich daran gewöhnt, das Volk für wichtige Entscheide nicht zu befragen. So durfte das Schweizer Volk 2002 über das neue Nationalbankgesetz nicht befinden. Ohne Befragung oder trotz Befragung der Bevölkerung wurden auch der Euro und die europäische Verfassung eingeführt. In Luzern und Sursee darf nicht jeder kommunizieren, was er denkt, wenn es um Gemeindefusionen geht. Gemeinderäte, die gegen Gemeindefusionen sind, werden unter Druck gesetzt, wenn sie es wagen, sich öffentlich zu äussern. Wichtige Argumente gegen Fusionen dürfen nicht abgedruckt werden. Aufgrund der aktuellen Unsicherheiten in der Schweiz und in Europa lohnte es sich, bei Fusionen in Sursee und Luzern einen Zwischenhalt zu machen. Später Fusionieren können wir immer. Eine Fusion rückgängig zu machen, ist viel schwieriger. Das Geld, welches der Kanton heute für Fusionen zur Verfügung stellen will, kann er auch in vier Jahren noch zusichern. Ivo Muri Unternehmer und Zeitforscher, Sursee


Kantischüler unter Strom