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Zeitschrift der Katholischen Studierenden Jugend Ausgabe Drei 2011

Auf Spurensuche


Ausgabe Drei 2011

Auf Spurensuche U N S ER T i telt h em a 端 b er J 端 d i sch es Leb en i n N e w Yo rk Ci ty un d ei ne S tu d i en Rei se n ach Ausschwi t z A b S ei te 6

Eine fast Ideale Konferenz

U18-Wahlen in Berlin

Beri ch t vo n Her b std i ko i n M端 nster S ei te 20

A b S ei te 16

Drei 2011 #2

Fotos: Simon Ritter und KSJ Berlin

T i te l t h e m a : Au f S p urensu c h e


Einstieg

Einstieg Liebe Leserinnen und Leser, vor euch liegt die d!rect-Ausgabe Drei 2011. Waren wir am Anfang des Jahres noch an den Orten des arabischen Frühlings unterwegs, widmen wir uns nun jüdischem Leben und Geschichte. Unser Redakteur Niko Lelle recherchierte vor Ort in New York und schreibt in seiner Reportage von der jüdischen Gemeinde in der bevölkerungsreichsten US-amerikanischen Stadt. Für einen weiteren Artikel besuchte er das ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz in Polen – seine Erfahrungen verarbeitete er in einem emotionalen und ergreifenden Bericht, einer Reise auf den Spuren jüdischer wie deutscher Geschichte.

Nach diesem eindrucksvollen Titelthema freut sich die d!rect-Redaktion jetzt schon auf die Bundeskonferenz 2011 und natürlich auch eure Artikel für die nächsten Ausgaben. Wie immer wartet der Postkasten von direct@ksj.de auf eure Berichte, Leserbriefe, Anmerkungen und Meinungen.

Beste Grüße aus der Redaktion, A ndreas S pinrat h

Inhalt 2

Überblick

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d!rect Einstieg und Inhalt

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Tagebuch

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d!rect hingewiesen: Stipendien von der Katholischen Journalistenschule ifp

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d!rect getitelt: Am Puls Jüdisches Leben in New York City

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d!rect berichtet: DIKO der KSJ Münster Von Matthias Lütke Wenning

d!rect berichtet: Präventionsaustauschtreffen gegen sexuelle Gewalt Von Lea Wixler UND Christiane Eckardt

d!rect Berichtet: Rechte und Pf lichten am Sandstrand - KSJ-Gruppenleiterausbildung Von Matthias Lüttke Wenning

Eine reportage von Niko Lelle

d!rect getitelt: Judentum Fabrik des Todes - Reisbericht einer Studienfahrt nach Ausschwitz

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d!rect ungegrüßt / Impressum

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Schreibtisch: Fundsachen / KSJ-Kassette

Von Niko Lelle

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d!rect kommentiert : Im Westen nichts Neues

von Niko Lelle

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d!rect berichtet: U18-Wahlen in Berlin

d!rect Verbindungen

Von Rebekka Schuppert

Drei 2011 #3


Liebes Tagebuch, die Liebe ist ein vieldiskutiertes Phänomen. Keine Ausgabe einer x-beliebigen Zeitung, keine Fernsehshow kommt aus ohne irgendein ach so schönes Paar zu beglückwünschen. Dabei, was ist denn ein Traumpaar? Ich will nicht behaupten, dass es heute keine mehr gibt. In einem bestimmten Sinne traumhaft ist es, wenn zwei sich finden, die den Rest der Welt nur nerven, aber zusammen einfach glücklich sind. Pinky und Brain sind so zwei. Die überaus gescheite, nervige Laborratte lebt in streitbarer Harmonie mit der tollpatschig, sympathischen Ratte und alle finden es okay, zuweilen sogar lustig. Diese nervigen Traumpaare müssen sich aber fragen lassen was das Verbindende an ihrer Beziehung ist. Warum gerade die beiden? Wieso verliebt sich ein abgehalfterter, glatzköpfiger Realpolitiker in eine nie-lächelnde, super-streng-aussehende, aber wenigstens bücherschreibende, junge Frau? Und vor allem umgekehrt: Was findet Sarah Wagenknecht, die bestimmt nicht sonderlich sympathisch, aber dafür umso intelligenter ist, an diesem Uralt-Saarländer Lafontaine? Und was macht LOVEontaines Frau nun? Und was passiert mit dem „Palast der sozialen Gerechtigkeit“ - Lafontaines kleinem Schlösschen im malerischen Saarland? Irgendwie kann man ja froh sein, dass die sich gefunden haben. Dann lassen sie den Rest der Welt in Ruhe. Aber selbst das ist ja falsch, weil die Medien pausenlos über das nervigste Paar des Jahres berichten müssen. Ich wünsche mir Pinky und Brain in die Schlagzeilen zurück, dein schreiender Beobachter.

Drei 2011 #4


hingewiesen

Die Bewerbungstermine für die Ausbildungsangebote des Instituts zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp) in München rücken näher. Am 1. März 2012 endet die Bewerbungsfrist für die Volontariate in katholischen Medien. Wer parallel zum Studium eine Journalistenausbildung machen möchte, kann sich bis 31. Mai 2012 bewerben. Weitere Informationen unter www.ifp-kma.de.

Stand- und Spielbein: Volontariat in der Redaktion und beim ifp Die Volontäre durchlaufen eine zweijährige Ausbildung in kirchlichen Medien (u.a. Katholische Nachrichtenagentur, Kirchenzeitungen, domradio, Münchner Kirchenradio) und nehmen an den multimedialen Seminaren des ifp teil. Integriert in die Ausbildung sind Praktika bei Zeitungen, Nachrichtenagenturen, Fernsehbzw. Radiosendern oder Onlineredaktionen. Voraussetzung für das Volontariat ist entweder das Abitur oder die Mittlere Reife plus eine abgeschlossene Berufsausbildung.

Katholische Journalistenschule ifp vergibt Volontariate und Stipendien J et z t f ü r d i e neuen Aus b i ld un g sj a h r g ä n g e b e w er b en

Ein echtes Plus: Studium UND Journalistenausbildung Die Studienbegleitende Journalistenausbildung richtet sich an katholische Studierende aller Fachrichtungen und findet überwiegend in den Semesterferien statt. Die Ausbildung besteht aus Seminaren und Praktika in verschiedenen Medien. Das ifp nimmt jährlich 15 Stipendiaten auf. In den mehrwöchigen ifp-Seminaren führen erfahrene Journalisten die Stipendiaten und Volontäre in den Presse-, Hörfunk-, Online- und Fernsehjournalismus sowie in das multimediale Arbeiten ein. Unter realitätsnahen Bedingungen entstehen druck- und sendefähige Beiträge. Die Seminare finden im modernen Schulungszentrum des ifp mit eigenem Fernseh- und Hörfunkstudio statt. Außerdem vermittelt das ifp Praktika. Das ifp ist die Journalistenschule der katholischen Kirche in Deutschland und hat seit der Gründung im Jahr 1968 mehr als 2.000 Journalisten ausgebildet. Zu den Absolventen gehören Bettina Schausten (ZDF), Thomas Gottschalk, Dr. Heribert Prantl (SZ), Stefan von Kempis (Radio Vatikan) und Klaus Brinkbäumer (Der Spiegel).

Kontakt und Informationen zur Bewerbung: Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp), Kapuzinerstr. 38, 80469 München, Tel. 089-549103-0, Fax 089- 5504486, E-Mail: info@ifp-kma.de, Internet: www.ifp-kma.de.

Drei 2011 #5


getitelt

Jüdisches Leben in New York City e i ne R e p o rt a g e v o n N i k o Le l l e

Dass etwas fehlt, merkt man oft erst, wenn man direkt danach sucht oder aber in einer anderen Situation an einem anderen Ort auf genau dieses Fehlende stößt, das dort wie selbstverständlich alltäglich ist. So erging es auf jeden Fall mir und davon erzählt diese Reportage.

Linke Seite: Empire State- und Chrysler Building, Foto: Simon Ritter Rechte Seite: Ein typischamerikanischer „school bus“ mit hebräischer Werbebeschriftung vor einer Synagoge, Foto: Niko Lelle

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getitelt

J

üdisches Leben ist aus Deutschland weitestgehend verschwunden. Die jahrhundertelange Geschichte des Antisemitismus in Deutschland, die in der Shoah, dem Holocaust, kulminierte, führt dazu, dass jüdisches Leben in Deutschland (fast) nicht mehr präsent ist. Abgesehen von den wichtigen, mahnenden Worten des jüdischen Zentralrats, treten Jüd_innen als solche kaum öffentlich in Erscheinung und man trifft selten jüdische Menschen in Alltagssituationen und kommt, wenn nicht aktiv gewollt, auch kaum in Kontakt zu jüdischen Gemeinden. Es kann sich jede_r ja mal selbst fragen, Jüdisches Leben in was er von Jüd_innen weiß. Was Deutschland: weißt du von jüdischen Feiertagen, Gebräuchen und Traditionen? Von Vor der Shoah lebten in Deutschland zwischen den Problemen jüdischen Lebens in 500.000 und 600.000 Jüd_innen. 1950 lebten geDeutschland? Von den Sorgen und rade mal noch 16.000 Jüd_innen in Deutschland. Nöten derer, die Kinder und Enkel Heute leben in Deutschland schätzungsweise von KZ-Überlebenden sind? 200.000 Jüd_innen. 105.000 davon sind Mitglie-

Geschichte der Emigration

der in einer Gemeinde, die dem Zentralrat der Juden angehört. 2004 gab es insgesamt 87 jüdische Gemeinden. Die größten Gemeinden befinden sich in Berlin, München, Frankfurt a.M. und Düsseldorf.

Viele Jüd_innen sind im Laufe der Zeit in die USA geflohen. Erste jüdische Gemeinden gibt es in den Vereinigten Staaten schon seit dem 17. Jahrhundert. Stark zu genommen hat die Flucht in die USA in den frühen 1880er Jahren als in Osteuropa die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung zunahm und antisemitische Pogrome tobten. Zwischen dem Ende des 19. Jahrhunderts und 1924 erreichten 2 Millionen Jüd_innen das rettende Land. Viele von ihnen siedelten sich im Staat New York an. Allein aus Deutschland flohen in den 30er Jahren 100.000 Jüd_innen in die USA. Auch nach 1945 waren die Vereinigten Staaten Zufluchtsstätte für unzählige jüdische Menschen, die traumatisiert durch die Zeit in den Vernichtungs- und Konzentrationslagern versuchten hier ein neues Leben anzufangen. Viele Jüd_innen blieben in New York City.

Jüdisches Leben und NYC Hier ist jüdisches Leben präsent. 12 % der New Yorker_innen sind Jüd_innen; das heißt, sie sind jüdischen Glaubens oder jüdischer Abstammung. Das sind insgesamt 972.000 Einwohner_innen. Damit ist New York die Stadt mit der größten jüdischen Einwohnerzahl außerhalb Israels. Jüdisches Leben ist hier alltäglich geworden. Das zeigt sich beispielsweise darin, dass die New School New York – eine der großen Universitäten – an Rosh Hashana, dem jüdischen Neujahrstag, ebenso selbstverständlich geschlossen bleibt wie an christlichen oder staatlichen Feiertagen. Koschere Falafelläden finden sich in ganz New York und es gibt sogar koschere Fast-Food-Ketten. In Bars liegt die Jewish Review aus, eine kostenlose Zeitschrift über die ansässiDrei 2011 #7


getitelt

gen jüdischen Gemeinden und Bagels gibt es in jedem Supermarkt zu kaufen. Im Süßigkeitenladen gibt es jüdisches Gebäck mit dazu passender Neujahrsgrußkarte und in Coney Island, dem weltbekannten Vergnügungspark, kann man auch schon mal jüdisch-orthodoxe Kinder beim Achterbahnfahren beobachten. Alles in allem ist jüdisches Leben hier selbstverständlich geworden und muss sich nicht – wie in Deutschland – immer wieder neu rechtfertigen.

New Yorker Gemeinden In New York kann es dir passieren, dass du unvermittelt durch Brooklyn spazierend in einem Viertel landest in dem vor allem orthodoxe Jüd_innen wohnen. Dort finden sich dann ebenso viele hebräische wie englische Schilder. Sogar der Schulbus und die Werbung ist in beiden Sprachen beschriftet. Williamsburg ist dafür ein gutes Beispiel. Eigentlich ist das Viertel als Hipster-Hochburg bekannt und das zeigt sich auch an jeder Ecke. Hier gibt es viele kleine Boutiquen, verschiedenste SzeneBars und man hat das Gefühl, dass alles hier ein riesiges Kunstwerk ist. Das ist die eine Seite des Viertels. Spaziert man aber beispielsweise auf der Bedford Avenue Richtung Süden befindet man sich in einem Teil des Viertels, in dem eine sogenannte chassidische Gemeinde lebt. 57.000 chassidische Jüd_innen leben hier. Viele Gemeindemitglieder sind Holocaustüberlebende und stammen aus Ungarn oder Rumänien. Nach 1945 emigrierten sie nach Brooklyn, um Schutz vor Verfolgung zu erhalten. Doch auch in Williamsburg kam und kommt es zu Konflikten zwischen der afro-amerikanischen, lateinamerikanischen und jüdischen Bevölkerung. Diese waren zeitweise so schlimm, dass die jüdische Gemeinde eigene Securitys brauchte, die wie eine Bürgerwehr patroullierten. Mit 45.000 Mitgliedern lebt hier sogar die größte Satmar-ChassidimGemeinde der Welt. Diese orthodoxe Glaubensrichtung orientiert sich streng an der Tora und dem Talmud #8

und beruft sich auf die Kabbalah, eine mystizistische Strömung des Judentums. Sie lehnen den Zionismus als politisches Projekt ab und verweisen auf den kommenden Messias, der die Rückkehr nach Erez Israel erst möglich macht. Mit acht Kindern pro Familie hat diese Gemeinde die höchste Geburtenrate des ganzen Landes und feiert jedes Jahr zwischen 300 und 400 Hochzeiten. Die Satmar-Gemeinde gibt auch eine Wochenzeitung auf jiddisch heraus, die „Der Yid“ heißt. Mit einer Auflage von 75.000 Exemplaren hat diese Zeitung den größten Leserkreis aller auf jiddisch publizierten Zeitungen.

Religiöses Leben in einer chassidischen Gemeinde Mittelpunkt einer satmar-chassidischen Gemeinde ist der Rabbiner oder Rebbe, wie er auf jiddisch heißt. Diese charismatische Figur gibt die Lehren der Satmar durch Reden und Gleichnisse an seine Schüler weiter. Das chassidische Ideal ist es ein geheiligtes Leben zu führen, das sich streng an den Glaubenssätzen orientiert. Hierzu leben die Gläubigen in sogenannten Courts, einer Untergruppe der Gemeinde, die sich um einen Rabbiner zentrieren, der als politische und religiöse Autorität gilt. In Brooklyn gibt es 60 dieser Courts. Die Männer tragen lange Bärte, Schläfenlocken, lange Mäntel, weiße Hemden und wochentags schwarze Hüte. Am Schabbath und anderen Feiertagen tragen verheiratete Männer sogenannte Schtreimel, eine Kopfbedeckung aus Fell. Die chassidischen Frauen sind nicht so leicht durch ihre Kleidung zu identifizieren. Ihre Kleidung ist eher moderat, meist schwarz oder dunkel. Allerdings bedecken sie ihre Haare; entweder durch einen Schal oder durch eine Perücke. Der Chassidismus verfolgt vier Ziele: Erstens hat er zum Ziel die Jüd_innen physisch und spirituell wiederaufzubauen. Der erste Aspekt ergibt sich aus der Geschichte des Chassi-


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dismus, der eine Reaktion auf die verheerenden Pogrome in Osteuropa war. Zweitens predigt er eine streng auf dem jüdischen Gesetz beruhende Frömmigkeit. Drittens lehrt er, dass es nicht reicht sich einfach neue Verhaltensweisen anzutrainieren, sondern durch die Annahme des chassidischen Glaubens soll sich die Tiefe und Stärke NYC: der eigenen Natur grundlegend verändern. Viertens versucht der New York City ist mit über 8 Millionen EinwohChassidsmus die komplizierten nern die größte Stadt der USA und liegt im Lehren der Kabbalah für jedermann verständlich zu machen. Bundesstaat New York, in dem fast 20 Millionen Menschen leben. Die Stadt New York teilt sich in die fünf Boroughs (Stadtbezirke) Manhattan, The Bronx, Brooklyn, Queens und Staten Island, die sich wiederum in unzählige Viertel aufteilen. Die größten Bevölkerungsgruppen sind White mit 44,7%, Black mit 26,6% und Hispanics mit 27%. Religionsverteilung: 37% Katholisch; 17% keiner Religion zugehörig; 13% jüdisch; 6% protestantisch.

Nicht-orthodoxe Jüd_innen besuchen nur vor Feiertagen die Mikveh, ein jüdisches Bad, in dem rituelle Waschungen durchgeführt werden. Bei dieser Waschung taucht der Gläubige bis zum Scheitel unter Wasser. Chassidische Juden dagegen legen Wert darauf jeden Tag die Mikveh aufzusuchen.

Tradition und Moderne ecken an Der orthodoxe Lebensstil der chassidischen Jüd_innen eckt in einer freien, demokratischen Gesellschaft wie der amerikanischen ständig an. Es gab beispielsweise einen längeren Streit über einen Fahrradweg in Williamsburg, der durch das Viertel der orthodoxen Jüd_innen führte. Zum einen störten sich die Chassiden an der Kleidung speziell der Fahrradfahrerinnen Chassidismus: und zum anderen versuchen diese ihre täglichen Wege zu Fuß zu Der Chassidismus entstand in Osteuropa im 17. gehen, sodass es leicht zu UnfälJahrhundert als Reaktion auf die verheerenden len mit schnell heranfahrenden Pogrome, die über 700 jüdische Gemeinden verFahrradfahrer_innen kommen nichteten. Er ist die erste große mystizistische kann. Ebenfalls in Erscheinung Bewegung des Judentums. Durch die Shoah ist trat die chassidische Gemeinde die chassidische Tradition in Europa fast vernichin einer Demonstration gegen tet worden. Der Chassidismus konnte sich aber den Marriage Equality Act, der Reorganisieren und spielt in den USA, in Israel, es homosexuellen Pärchen seit aber auch in London wieder eine wichtige Rolle. dem 24.06.2011 erlaubt zu heiraReligiös zeichnet sich diese Form des orthodoten und immer wieder werden sie medial herangeführt, wenn es xen Judentums durch die Annahme einer Omnidarum geht zu zeigen, dass noch präsenz Gottes und der Idee des Devekut, einer nicht mal alle Jüd_innen hinter IsArt meditativen Zustands, der während dem rael als Staat stehen. Gebet erreicht wird, aus. Ziel des letzteren ist es Gott im Gebet zu schauen. Linke Seite: Hebräische Straßenschilder, ein Geschäft für Gebetschals, Fotos: Niko Lelle Mitte: New Yorker Ausblick, Foto: Simon Ritter

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Fabrik des Todes E i n R e i se b er i c h t v o n e i ner S tu d i en f a h rt n a c h Aus c h w i t z

„Von Frankfurt aus über die A5 in Richtung Norden fahren.

Das Stammlager Auschwitz

In Gießen die A48 Richtung Osten fahren. Die A48 wird

Die Ankunft vor dem sogenannten Stammlager Auschwitz (Auschwitz I) irritiert. Unzählige Busse, Schulklassen und Touristengruppen. Jährlich werden hier 1,3 Millionen Besucher aus der ganzen Welt durchgeschleust. Natürlich auch viele aus Israel. Vielleicht Nachkommen derer, die hier gefangen gehalten wurden und um ihr Leben kamen?

später die A4 heißen, an Erfurt, Dresden, Breslau vorbei Richtung Kattowitz fahren, wo man nach Süden abbiegen soll. Nach etwa 30 Minuten erscheint Auschwitz.“ 1

E

s ist wichtig über Auschwitz zu lesen, die Fakten zu kennen, die Geschichte des Ortes. Auschwitz steht zu Recht symbolisch für die Shoah. An diesem schrecklichen Ort, in seinen drei großen Hauptlagern und unzähligen Nebenlagern wurden Menschen gequält, gefoltert und systematisch vernichtet. Eine Million, vielleicht zwei Millionen Menschen wurden hier ermordet; wer würde da aufrechnen wollen? Auschwitz hat alles verändert was danach kam. Nichts ist wie zuvor. Die Shoah ist ein Zivilisationsbruch. Dieses Wissen ist wichtig und treibt einen an die Grenze des Begreifbaren. Ebenso wichtig ist es aber das Wagnis einzugehen und an den Ort des Schreckens nach Oswiecim – wie Auschwitz auf polnisch und also richtig heißt – zu fahren und das Konzentrationslager Auschwitz zu besuchen (aber besucht man ein Konzentrationslager? Besichtigt man es? Wohl kaum). Auf der Reise, von der dieser Text berichtet, sollte der Versuch unternommen werden dem Unbegreiflichen auf die Spur zu kommen. Das Ortsschild ist passiert – Oswiecim. Das Lager Auschwitz kommt immer näher und schon umfängt einen dieses Gefühl, dieses Unbehagen. Hinter jeder Ecke könnte es lauern, um hervorzuspringen. Jedes Bahngleis könnte es sein. Sind über diese Gleise Millionen Menschen, in Viehwaggons zusammengedrängt, gerollt? Unwissend was die Zukunft für sie bringt, aber ahnend, dass das nichts Gutes sein wird. Jedes alte Haus schreit danach Lagerbaracke gewesen zu sein. Alles in Oswiecim steht im Schatten von Auschwitz.

# 12

Man kann das Lager nur betreten, wenn man unter dem Tor durchläuft über dem das Schild „Arbeit macht frei“ thront. Genau hier sind unzählige Menschen durchgetrieben worden, um Zwangsarbeit zu verrichten, die sie meistens vernichten würde und sollte. Das Stammlager I wurde von der roten Armee am 27.01.1945 befreit, noch bevor die SS dieses zerstören konnte, weshalb noch viele der Blöcke, wie die Lagerbaracken heißen, stehen. Jeder einzelne Block ist heute zu einer Art Ausstellung umgebaut. Eine Zusammenballung von Beweisen für das Unbegreifliche was in Auschwitz über Jahre passiert ist. So entstand eine gigantische Ausstellung, in der die Mordmaschine Auschwitz mit Bildern, Videos und Dokumentationsmaterial beleuchtet wird. Wer den Trubel der Menschenmassen einigermaßen ignorieren kann, der muss durchatmen wenn er von einer Ausstellungsbaracke endlich wieder an der frischen Luft angekommen ist; um dann festzustellen, dass man immer noch mitten in diesem Lager, im Konzentrationslager Auschwitz I, steht. Das Grauen, das in den nächsten Baracken auf einen wartet, rückt spürbar näher. Erschreckend die Tonnen Haare zu sehen, die unzähligen Kinderschuhe, die Koffer, die Bürsten, 1 Aus einer Dokumentation

über den Auschwitz-Prozess vom Fritz-Bauer-Institut.


Vorhergehende Doppelseite: Auschwitz Birkenau: In der Mitte befindet sich die sogenannte Rampe, links das Frauenlager. Am Horizont befinden sich die Krematorien; Rechte Seite: Lagerbaracken im Stammlager Auschwitz, Fotos: Niko Lelle

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getitelt

Blick über einen Teil des Lagers, Foto: Niko Lelle

die Töpfe. Sich zu vergegenwärtigen, dass das alles mal Menschen gehört hat, die auf brutalste Weise vernichtet und noch ihres Letzten beraubt wurden, das zwingt einen fast in die Knie und löst ein Gefühl der Ohnmacht aus.

die Kinder leben mussten an denen Dr. Mengele seine Versuche machte, sind erhalten. Bis auf eins, das von einer Widerstandsgruppe 1944 gesprengt wurde, wurden alle Krematorien von der SS kurz vor der Befreiung des Lagers zerstört.

Auschwitz-Birkenau

Die Asche der Menschen, die hier bestialisch ermordet wurden, wurde in Seen oder auf Wiesen geschüttet. Auschwitz-Birkenau ist somit der größte Friedhof Europas und als solcher eine der wichtigsten Gedenkstätten für die Ermordung der europäischen Juden. Die Ausmaße dieses Lagers sind selbst beim Durchlaufen kaum zu ermessen und es gab Pläne die Größe des Lagers noch zu verdoppeln.

Zwei Kilometer Luftlinie vom Stammlager entfernt befindet sich Auschwitz-Birkenau (Auschwitz II). Hier kamen unzählige Deportationszüge an. Die Menschen, von den Deutschen als Juden oder „Zigeuner“ identifiziert, wurden aus den Zügen auf die Rampe getrieben und von einem SS-Arzt selektiert. Für die Meisten endete diese Selektion mit dem Todesurteil. Sie wurden daraufhin in die Gaskammern getrieben; nicht bevor sie sich ausgezogen hatten, ihrer Koffer und Güter beraubt wurden und die Haare geschoren bekamen. Die Anderen wurden zur Zwangsarbeit eingeteilt oder für medizinische Versuche verwandt, bekamen eine Nummer in den Unterarm tätowiert und mussten fortan versuchen unter den schlimmsten Bedingungen zu überleben. Zwangsarbeit war allerdings Vernichtung durch Arbeit und die medizinischen Tests überlebten die meisten Menschen auch nicht. Die Holzbaracken stehen heute nicht mehr. Einige Rekonstruktionen sind wiederaufgebaut, um die schrecklichen Zustände in dem Lager aufzuzeigen. Im sogenannten Frauenlager stehen noch einige Steinbaracken. Auch die Kinderbaracken, in denen # 14

Während das Stammlager vorwiegend aufklärt und informiert, mahnt Auschwitz-Birkenau. Nur zusammen ergibt sich ein Bild des Ausmaßes, auch wenn das Ganze doch unbegreiflich bleibt. In Auschwitz zu stehen, es unter seinen Füßen zu spüren und vor sich zu sehen ist eine ungeheure Zumutung, verleiht einem aber die Einsicht, dass alles dafür zu tun ist, „daß Auschwitz nicht sich wiederhole, nichts ähnliches geschehe“ (Adorno). N iko L elle


KO M M EN TA R

Im Westen nichts Neues Eine neue Studie aus Bielefeld zeigt es und kurz sind mal wieder alle geschockt: 20% der Deutschen sind latent antisemitisch. Das ist nichts Neues und sollte doch eigentlich auch niemanden mehr schockieren, gehört es doch vielmehr zur Grundkonstitution der deutschen Gesellschaft. Schon 2008 und wahrscheinlich auch unzählige Male davor zeigte eine Studie von US-Forschern, dass etwa ein Viertel aller Deutschen latent antisemitisch sind – Tendenz steigend. Wer darf sich da heute noch wundern. Wenn in Reaktion auf die Bielefelder Studie „Antisemitismus in Deutschland“ von Vorurteilen gegen Juden geredet wird, so kann das nur als Verharmlosung abgetan werden. Antisemitismus ist kein Vor-Urteil, dass durch eine Konfrontation mit Jüd_innen dann durch ein Urteil korrigiert werden könnte. Antisemitismus sitzt tiefer. Er ist ein Ressentiment, das nichts mit real-existierenden Jüd_innen zu tun hat. Im Gegenteil. Mit Jean Paul Sartre muss man davon ausgehen, dass die Antisemiten sich Juden erfinden würden, wenn es keine gäbe. Der konstatierte latente Antisemitismus beschränkt sich noch auf dumme Sprüche, Meinungen und Gedanken. Doch alles latente zeichnet sich dadurch aus, dass es manifest werden kann. 20% latente Antisemit_ innen in Deutschland. Da sollten die Alarmglocken klingen. N i ko L e ll e

Drei 2011 #15


berichtet

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U18 –Was´n das? Ne neue U-Bahn Linie?! 8

. September um halb zehn in der Neuköllner Marienschule: Wahlkabinen, Wahlurne, Stimmzettel, Infoplakate, KSJ Fahne, Ghettoblaster. Alles ist vorbereitet und an seinem richtigen Platz. Bei allen fleißigen Helfern macht sich Nervosität breit. Wie viele Jugendliche werden heute wohl unser Wahllokal besuchen? Die ersten Wetten werden abgeschlossen. Fast ein Jahr haben wir auf diesen Tag hingearbeitet: den Wahltag der U18-Wahl. Aber zurück zum Anfang.

U18 mit BDKJ und KSJ

23,5 % 22,5 %

21,6 %

14,4 %

15,0 % 

11,5 %

U18 - Was´n das? Die U18–Wahlaktion findet immer eine Woche vor den „richtigen“ Wahlen statt. In Schulen oder Jugendeinrichtungen werden Wahllokale aufgebaut, in denen unter 18-jährige Kinder und Jugendliche ihre Stimme abgeben können. Das Ergebnis zählt zwar nicht bei der echten Wahl, allerdings ist es eine gute Möglichkeit für Kinder und Jugendliche das Wählengehen schon mal zu üben, bevor es richtig los geht. Außerdem wird mit viel Öffentlichkeitsarbeit immer wieder auf das Projekt aufmerksam gemacht und gezeigt, was die Wähler von morgen heute wählen. Genauso wichtig wie der Wahltag sind die Vorbereitungen darauf. Durch Aktionen, Projekttage und anderes sollen Kinder und Jugendliche auf die Wahl aufmerksam und für politische Themen sensibilisiert werden.

Da in diesem Jahr das Berliner Abgeordnetenhaus neu gewählt wurde, gab es passend zur Wahl auch eine U18-Wahlaktion. Betreut und begleitet wurde diese in Berlin von den Bezirksämtern. Auch der BDKJ entschloss sich bei dieser Aktion mitzumachen und versuchte infolgedessen die Mitgliedsverbände zu motivieren sich für dieses Projekt zu begeistern.

8,9 %

9,0 %

7,1 %

7,5 %

0 %

SPD

CDU

GRÜNE

Die Linke

Natur- PIRATEN schutzpart.

Sonstige

Was die KSJ betrifft war dies ein voller Erfolg und so entschlossen sich die Mitglieder der KSJ Berlin auf der Diözesankonferenz 2010 mitzumachen. Kurz nach Jahresanfang starteten wir mit dem BDKJ auch schon in die Vorbereitung. Eine Arbeitshilfe wurde entworfen und es gab einen beeindruckenden Methodenworkshop vom BDKJ. Dort wurden eifrig Methoden vorbereitet, durchgeführt und kennen gelernt. Von der Vielfalt und Masse ein wenig erschlagen konnten wir super in die Planung unserer Diözesanweiten Fahrten starten.

U18 in unserer KSJ-Diözese

Wahlergebnis der U18-Wahl in Berlin, Wahllokal der KSJ in der Marienschule. Foto: KSJ Berlin, Grafik: S.Ritter

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Stadtgruppenfahrten, Diözesanwochenende und Sommerlager drehten sich nun viel um das Thema Politik und die anstehenden Wahlen. Es wurden die großen Parteien vorgestellt und die Wahlprogramme auseinander genommen. Hierzu wurden die zentralen Forderungen der Parteien in Sketchen dargestellt. Natürlich konnten die Teilnehmer auch daran arbeiteten eine eigene politische Meinung


berichtet 34,6 %

30,0 %

zu erlangen. Es wurde im Rahmen von Planspielen beispielsweise eine eigene Partei gegründet und ein eigener Wahlkampf durchführt oder Videos mit Legofiguren produziert, welche bestimmte politische Felder thematisieren. Dabei entstanden Videos zum Thema Atomkraft und Umweltschutz, Kinderarmut und Baustellen, die in der Stadt gedreht wurden. Um auch Jugendliche zu erreichen, die nicht in der KSJ sind, gingen die Gruppenleiter an der Marienschule in den Wochen vor den Wahlen durch die Klassen und hatten die Möglichkeit im Rahmen des Geschichts- oder Deutschunterrichts eine Stunde Programm zu den Wahlen zu machen. Durch ein Parteien-Salat-Spiel und einem coolen „1,2 oder 3“-Quiz konnten sich die Schüler hoffentlich ein wenig mehr für Politik und die Wahl begeistern. Dann rückte der große Wahltag näher, es wurde die von der Stadtgruppe eigens angefertigte Wahlurne in Form einer Litfaßsäule in das Foyer der Schule getragen und mit Hilfe der Hausmeister ein Wahllokal auf die Beine gestellt. Ganz aufgeregt saßen nun Diözesanleitung, FSJlerin, Stadtgruppenleitung und die Leiter der Stadtgruppe im Foyer. Vor dem Klingeln zur großen Hofpause, gab es noch eine Durchsage, dass heute das Wahllokal aufgebaut sei und schon ging es los. Völlig überrascht

20,0 %

20,0 % 17,0 %

9,0 %

10,0 %

4,0 % 0%

SPD

CDU

GRÜNE Die Linke

4,6 %

FDP

3,3 %

NPD

2,3 %

2,3 %

Die Partei

BIG

0,6 % Pro D

0,3 % Fr. Wähler PIRATEN

U18-Wahlergebnis des KSJ-Wahlbüros an der Marienschule. Grafik: S.Ritter, unten: KSJ-Wahlbüro, Foto: KSJ Berlin

von der Menge der Schülern, die in unser Wahllokal stürmte, versuchten wir Struktur ins Chaos zu bringen. Die Schüler mussten sich wie bei der richtigen Wahl zuerst anstellen um ihren Namen abhaken zu lassen und einen Stimmzettel zu bekommen. Anschließend mussten sie sich anstellen um in der Wahlkabine geheim wählen zu können. Zum Schluss ging es mit dem Zettel in die Wahlurne und als Belohnung gab es am Ende einen Lolli. Der Ansturm riss nicht ab und so kamen den ganzen Tag unter 18-Jährige Jugendliche um zu wählen. Am Ende des Tages wurden über 300 Wahlzettel ausgezählt und wir konnten diese Aktion als erfolgreich abschließen und glücklich nach Hause gehen.

Was hat‘s gebracht? Nicht nur an der Marienschule fand die U18-Wahlaktion statt, sondern auch in 256 anderen Wahllokalen wurde gewählt. Insgesamt haben sich 26.705 Jugendliche an der Wahl beteiligt. Dieses Ergebnis wird als überwältigender Erfolg bewertet. Das Projekt wurde von Prof. Dr. Klaus Hurrelmann (Mitherausgeber der Shell-Studie) in Form einer Wählerbefragung wissenschaftlich begleitet. Ergebnis war, dass Jugendliche vor allem auf Grund inhaltlicher Argumentation ihre Entscheidung fällen. Hohen Wert haben dabei Bildungs- und Umweltfragen. Die Teilnehmer der U18-Wahlen schätzen selbst ein, dass ihr Interesse und Wissen an Politik gestiegen ist. Und auch die Einschätzung der Experten kommt zu dem Schluss, dass durch das U18Projekt Jugendliche dazu befähigt werden sich eine politische Meinung zu bilden und diese auch mitteilen zu können. Wir sind froh und stolz bei dieser Aktion dabei gewesen zu sein und können sie jeder Jugendgruppe, die sich für politische Partizipation von Jugendlichen einsetzt, nur empfehlen. R ebekka S c h uppert

# 18


KSJ d!rect verbunden Paderborn: Unter dem Leitthema „Bildung - Gleiche Chancen für alle“, wurde der größte deutsche Ehrenamtspreis am 7.Oktober in Steinheim verliehen. Das KSJ-Schülercafé Willebadessen gehört mit zu den Preisträgern auf Kreisebene. Die Jury verlieh ihnen Urkunde, Glaspokal, sowie ein Preisgeld in Höhe von 500,- €. Vor allem die Integration und das Miteinander verschiedener sozialer und kultureller Gruppen haben die Jury überzeugt. Das Team möchte mit dem Café Anlaufstelle für die Jugendlichen sein. Ethnische, soziale und kulturelle Unterschiede spielen in diesem Café keine Rolle. Um so mehr freuen sie sich, von dem Preisgeld eine neue Spülmaschine kaufen zu können, damit den Kochabenden mit Spezialitäten aus den verschiedensten Ländern nichts mehr im Wege steht. Desweiteren können sie nun auch am Bundesentscheid teilnehemen. Wir drücken auf jeden Fall die Daumen.

Fulda Gemeinsames Heliand-Wochenende

Weiter Informationen zum Café gibt es unter:

Vom 4.-6.11.11 trafen sich 25 Frauen aller Altersgruppen zum gemeinsamen Wochende vom Heliand Frauen- und Mädchenkreis in Fulda. Thematisch drehte sich alles um Frauen in den Medien, so gab es Arbeitskreise zu Frauen in Werbung, in Literatur und bei den Simpsons. Aber auch für den Wohlfühlfaktor war mit Entspannungsangeboten und geselligem Beisammensein gesorgt. Dabei zog sich das Motto der Veranstaltung „Generationen im Gespräch“ durch viele persönliche und bereichernde Gespräche. Im nächsten Jahr geht es dann wieder nach Bonn und zwar vom 23.-25.11.2012.

www.ksj-willebadessen.de

Drei 2011 #19


berichtet

Eine fast ideale Konferenz

B

orken - Vier Jahre ist es her seit die Diözesankonferenz der KSJ Münster zuletzt in Borken gastierte.

Seitdem hat sich einiges verändert. So präsentierten am 12.-13. November die KSJ‘ler der Stadtgruppe BorkenBurlo als Gastgeber voller Stolz ihr neu gebautes Jugendhaus, welches in punkto Modernität und Ausstattung die Delegierten aus dem Bistum in Staunen versetzte. Schließlich war das Haus bis vor wenigen Jahren noch die Pfarrkirche der St.Josef-Gemeinde. Der Rahmen für eine erfolgreiche Herbst-DiKo war ideal. Mit der Feststellung der Beschlussfähigkeit fiel dann endlich der Startschuss für die zweitägige Konferenz. Gemeinsam arbeiteten die Delegierten der Stadtgrup-

Her b st-

pen und Schülercafés mit der Diözesanleitung an den

d i ö z es a n k o n f eren z

band BDKJ war durch seinen Präses Thorsten Schmöl-

d er K S J M ü nster

wichtigen Themen des Verbandes. Auch der Dachverzing vertreten. In fairen Debatten und Abstimmungen konnte der Verband viele gute Ergebnisse erzielen. So wählten die Delegierten einen Finanzausschuss, Kassenprüfer sowie eine Delegation für die Bundeskonferenz und bestätigten die Haushaltsplanung für 2012. Inhaltlich setzten sich die KSJ‘ler unter anderem mit dem Jahresschwerpunkt „Im Sinne des Volkes?!?“ auseinander und setzten diesen in direkten Bezug zum eigenen Verbandleben. Ebenso fokussierten sie erneut den Blick auf ihre Kampagne „Kritischer Konsum“. Mit diesem Dauerthema geht es den KSJ‘lern darum Jugendliche für einen reflektierten Umgang mit Produkten von Großkonzernen mit ausbeuterischer Herstellung zu sensibilisieren. So beteiligt sich die KSJ seit Jahren aktiv am bundesweiten Coca-ColaBoykott, sie setzt zudem vermehrt auf Lebensmittel aus der Region und leistet Aufklärungsarbeit. Einziger Wehmutstropfen war die Vorstandswahl. So konnten mangels Kandidaten die zwei freien Posten in der männlichen ehrenamtlichen Diözesanleitung nicht besetzt werden. Mit ausreichend Raum für Gottesdienst und Party konnte das Jugendhaus als Veranstaltungsort erneut über-

Die Teilnehmer am Ende derzweitägigen Diözesankonferenz Foto: KSJ Münster

zeugen. Dies lag nicht zuletzt auch an den gastgebenden KSJ‘lern, die es geschickt verstanden, die Konferenz auch jenseits der Debatten zu einem überregionalen Fest zu machen. M att h ias L ütke W enning

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berichtet

Präventionsaustauschtreffen gegen sexuelle Gewalt A

m 6. Oktober 2011 trafen sich Diözesanleitungen und SchulungsteamerInnen aus ganz Deutschland um sich über sexualisierte Gewalt, die Folgen der Skandale der letzten Jahre in der Kirche und den Umgang mit diesem Thema auszutauschen und auseinander zu setzen. Das Treffen begann mit einem gemeinsamen Abendessen im Naturfreundehaus Hannover, bei dem wir die Teilnehmer aus den Diözesen Berlin, Eichstätt, Aachen, Trier und die Bundesleitung wieder trafen bzw. kennenlernten. Danach starteten wir auch gleich in das Thema mit einem interaktiven Einstieg, bei dem wir verschiedene Situationen bewerten und einschätzen sollten, ob es sich dabei um sexuelle Gewalt handle. Wir mussten feststellen, dass es gar nicht so leicht ist festzumachen, wo die Trennlinie zwischen freundschaftlichem Umgang und Grenzüberschreitung liegt. Nun war es an der Zeit zu berichten und sich auszutauschen, was jeder Diözesanverband in dieser Thematik erlebt hat und wie sie damit umgegangen sind. Die Erfahrungen waren sehr unterschiedlich und in vielen unterschiedlichen Bereichen und Situationen gemacht worden. Besonders die Offenheit des Gesprächs und das gegenseitige Verständnis für die schwierige Lage wurden von allen Teilnehmern als sehr schön empfunden und man konnte auch aus den Erfahrungsberichten der anderen viel für sich lernen. Der Abend klang trotz dieser sehr ernsten Thematik gemütlich in geselliger Runde aus. Der Freitag begann mit einem sehr leckeren Frühstück. Frisch gestärkt erstellten wir in zwei Gruppen Plakate, die die KSJ Struktur zeigen sollten und was auf den verschiedenen Ebenen getan werden muss

und kann, um sexueller Gewalt vorzubeugen. Im Anschluss daran wurden uns die rechtlichen Grundlagen, was sexueller Missbrauch ist, erklärt. Daraufhin begannen wir zu diskutieren welche Regeln auf Zeltlagern beispielsweise sinnvoll wären um Grenzüberschreitungen vorzubeugen und tauschten uns hierzu über schon bestehende Regeln in den verschiedenen Diözesen aus. Nun ging es konkret an die Ausarbeitung eines Notfallplans: Was sollen GruppenleiterInnen, Diözesanleitungen und andere Verantwortungspersonen tun, wenn sie über einen Fall von sexueller Belästigung oder Missbrauch informiert werden oder einen Verdacht haben? Abschließend schauten wir die verschiedenen Materialien für Gruppenstunden, Schulungen und Studienteile zu diesem Thema von BDKJ, DPSG und anderen Verbänden durch. Diese Materialien konnten wir auch mit in unsere Diözesen nehmen, um dort mit ihnen zu arbeiten. Ein großes Dankeschön gilt Bekki und Charly, die dieses Treffen mit sehr viel Engagement vorbereitet und durchgeführt haben. Euer Motto zu diesem Thema hat uns sehr beeindruckt: Kinder stark machen! Wir denken, dafür haben uns diese zwei Tage viel geholfen und uns für diese Thematik stärker sensibilisiert. L ea W i x ler und C h ristiane E ckardt

Drei 2011 #21


berichtet und ungegrüßt

Impressum Herausgeber: Die Bundesleitungen der Katholischen Studierenden Jugend; Heliand Mädchenkreis & Schülergemeinschaft im Bund Neudeutschland; Gabelsbergerstraße 19, 50674 Köln, Telefon 0221/942018-0, Telefax 0221/942018-22, Mail: bundesamt@ksj.de,

Rechte und Pflichten am Sandstrand

Internet: www.ksj.de Verlag: Katholische Studierende Jugend Bundesamt e.V. Redaktion: Christiane Eckardt, Niko Lelle, Theresa Menard, Simon Ritter, Rebekka Schuppert, Andreas Spinrath, Matthias Lütke Wenning, Lea Wixler, Dominik Haupt (V.i.S.d.P.)

K S J b i l d et Gru p p en l e i ter a us Büsum – So herzlich wurde selten eine Jugendgruppe in einem Selbstversorgerhaus empfangen. Als die 14 Neuleiter aus den Stadtgruppen der KSJ Münster im holsteinischen Büsum gerade ihre Zimmer beziehen wollten, entdeckten sie den freundlichen Gruß der heimischen KSJ Hamburg: eine große Schwarzwälder Kirschtorte. Die Hamburger hatten gerade ihre Diözesankonferenz im Andreashaus beendet, welches unter ihrer Verwaltung steht, und Platz gemacht für den münsteraner Nachwuchs. Für diese begann inmitten der Herbstferien eine spannende Woche: der hauseigene Gruppenleiterkurs. Zum ersten Mal waren sie mit der KSJ im Status eines Leiters unterwegs, lernten KSJ‘ler aus anderen Städten kennen und inhaltlich wartete das große Ein-mal-eins der Gruppenleitung. Und das Ganze auch noch in einem tollen Haus am Meer. Wenn jetzt noch das Wetter gestimmt hätte, wäre alles perfekt gewesen.

der Jugendarbeit zu erlernen. In vielen Workshops und Praxiskursen sammelten die KSJ‘ler neue Kenntnisse, zum Beispiel in den Bereichen und

Leitungsverhalten,

Verbandswesen.

Kindeswohlgefährdung

Für

das

nahmen

Thema sich

die

KSJ‘ler besonders Zeit. Viel Bewegung an der frischen Meeresluft und eine Abschiedsparty rundeten den Kurs ab. Am Ende schauten sie auf anstrengende, lehrreiche, aber auch spaßige Tage zurück, so die Teilnehmer. Leider wird das Haus in Büsum wohl im nächsten Jahr nicht mehr gebucht. Der allgemeine Sparkurs lässt die weite Anfahrt nicht mehr zu, sodass die KSJ Münster ihren Gruppenleiterkurs wieder in der Nähe anbieten wird. Der bekannten Qualität der Ausbildung wird dies jedoch keinen Abbruch tun. M att h ias L ütke W enning

Aber man war ja nicht zum Urlaub machen in Büsum, sondern um die Grundkenntnisse

d!rect ungegrüßt Wir würden uns freuen, wenn mal wieder jemand grüßt! Solange es aber niemand anderes tut, machen wir das eben: Seid gegrüßt von der d!rect-Redatkion! Wenn ihr das nächste Mal wieder was Persönliches lesen wollt, dann mailt eure Grüße an direct@ksj.de!

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Rechtslage

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Weihnachten wird auf dem Karussel entschieden! Oder...?


d!rect Drei / 2011