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www.kronicher.de Ausgabe 09 März 2012

- Zum Mitnehmen -

Im Porträt: Oswald Marr

Landrat mit zwei Berufen

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Partner des Kronacher Landkreismagazins

Bilderrätsel Ausgabe Februar 2012 LÜsung: Kiesellift Tettau Gewinner des Abos: Horst Letsch aus Knellendorf


Inhalt Beruf Tagesmütter im Landkreis Kronach: Tendenz: steigend!

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Porträt Oswald Marr: Landrat mit zwei Berufen

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Natur & Umwelt Hochlandrinderzucht: Erst belächelt, jetzt bewundert!

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Historisches Jahrhunderthochwasser 1967: Kronach an Weihnachten Land unter

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Gesellschaft Schließung des »Sunset Clubs«: R.I.P. »Hummi«

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Tradition Was bleibt, ist die Asche: Urnenbestattungen immer beliebter

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Ratgeber N���� � U����� |14

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Beauty & Wellness Dies & Das Mode

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Rubriken S����� � B������ |16

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Editorial Nachgefragt bei... Vermischtes Daten & Fakten Mein Rezept für den Landkreis Das allerletze Interview

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KRONICHER. Das Magazin für den Landkreis Kronach

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Herausgeber: Verlag Carlo Fehn Rodacher Str. 26d 96317 Kronach

Telefon: 09261­9100148 Telefax: 09261­9100149 E­Mail: redaktion@kronicher.de Internet: www.kronicher.de Redaktion/Texte: Carlo Fehn (V.i.S.d.P.) Corinna Tübel Satz/ Layout: Carlo Fehn Anzeigen: Rainer Renk, Carlo Fehn Fotos: Carlo Fehn, Repro Gerd Fleischmann, Bernd Graf, Karsten Schulz, Itting Elektro GmbH, Heinz Holding GmbH, Ursula Ingram, Hajo Barnickel, WEKA Kaufhaus Wittmann, Friseur­ atelier Korda Druck: Schneider Printmedien GmbH, Weidhausen Erscheinungsweise: Monatlich in ausgewählten Vertriebsstellen Druckauflage: 5.000 Stück

KRONICHER. | Ausgabe März 2012

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Editorial Liebe Leserinnen und Leser, liebe »Kronicher«!

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ann haben Sie eigentlich Ihr letztes Glas selbst­ gemolkener Ziegen­ milch getrunken? Wissen Sie nicht mehr? Vielmehr wird es doch so sein, dass die meis­ ten von uns das überhaupt noch nicht gemacht haben, oder? Unser Landrat geht hier beispielhaft voran - und das jeden Tag früh um sechs. Das ist aber nicht das einzig Interessante, was KRONICHER. für Sie im Porträt über Oswald Marr zusammengestellt hat. Ein Mann, der mit Fug und Recht behaupten kann, zwei Berufe auszu­ üben. Haben Sie Kinder? Kleinkinder mögli­ cherweise? Dann sind die sicherlich im Kindergarten. Immer individuel­ ler werden die Anforderungen, wenn

es darum geht, seine Kinder - vom Säugling bis zum Schüler - tagsüber betreut zu wissen. Auf der einen Seite steht die Flexibilität im Berufsleben, die man nicht aufgeben möchte, an­ dererseits möchte man den Sprösslin­ gen aber auch das notwendige päda­ gogische Angebot garantieren. Der Trend - in ländlichen Regionen noch eher schleppend - geht zur Tagesmut­ ter. KRONICHER. hat sich im Land­ kreis umgesehen und Fakten und Ein­ drücke für Sie gesammelt. Die Jüngeren von uns werden davon vielleicht noch nicht einmal gehört haben. Den älteren Generationen - vor allem im südlichen Landkreis dürfte der Heiligabend 1967 ein Le­ ben lang in Erinnerung bleiben. Die Weihnachtsflut sorgte für Zerstörung und Leid in der Bevölkerung. Auch Todesopfer mussten beklagt werden. Lesen Sie über die dramatischen Er­ eignisse vor 45 Jahren. Wer hat sich nicht schon einmal über

diese langhaarigen, träge und den­ noch irgendwie vertraulich wirken­ den Hochlandrinder gewundert, die den Landkreis nunmehr seit über drei Jahrzehnten bewohnen und kultivie­ ren? Was anfangs belächelt wurde, hatte seinen Ursprung in einem ern­ sten landwirtschaftlichen Problem, das durch die Gründung der Hoch­ landrinderzucht Frankenwald einge­ dämmt werden konnte. Heute schaut man stolz auf eine importierte Tradi­ tion. Ich wünsche Ihnen nun wieder gute Unterhaltung mit Ihrem Landkreis­ magazin. Mit besten Grüßen

Carlo Fehn

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KRONICHER. | Ausgabe März 2012


Nachgefragt bei...

Jessica Wich

Die gebürtige Kronacherin Jessica Wich hat sich mit erst 21 Jahren längst als Profi­Fußballerin in der Frauen­Bundesliga etabliert. Nach drei errungenen Meistertiteln und dem Gewinn der Champions­ League mit dem 1.FFC Turbine Potsdam, wechselte die U20­ Weltmeisterin 2011 zum Liga­ konkurrenten Hamburger SV. Mit KRONICHER. sprach sie über einen fehlenden Titel in ihrer Sammlung, die Chancen in der A­National­ mannschaft und das »Gekochte von Mama«.

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bereitet. Jede einzelne Spielerin in unserem Team ist wichtig für die gesamte Mannschaft und das ist ein tolles Gefühl.

Mit meinem Schlüsselbein ist soweit alles in Ordnung. Ich absolviere bereits wieder alle Trainingseinheiten und Testspiele. Zusätzlich muss ich aber noch viele Krafteinheiten speziell für die Schulter abarbeiten.

Sie haben in sehr jungen Jahren be­ reits Elternhaus und Heimat für den Fußball verlassen. Was hat Ihnen die bisherige Reise an persönlichen Erfahrungen gebracht?

Foto: Karsten Schulz

Frau Wich, zunächst zu Ihrem Ge­ sundheitszustand. Alles wieder klar nach dem Schlüsselbeinbruch im Dezember?

Mir fehlt noch der DFB Pokalsieg. Es wäre eine Sensation, wenn wir mit dem HSV im Mai in Köln auflaufen. Die Chancen stehen gut, Bayern München können wir im Halbfinale schlagen. Langfristig gesehen möchte ich meine Leistung in vielen Bereichen verbessern, ob man dann über eine Nominierung in der A-Nationalmannschaft sprechen kann, muss man sehen. In meinem Kopf ist es aber natürlich.

Wie erwartet, spielen wir mit dem HSV gegen den Abstieg. Aber es ist eine neue und tolle Herausforderung, die mir Spaß KRONICHER. | Ausgabe März 2012

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Sie sind U20-Weltmeisterin, Champions­League­Siegerin und dreifache Deutsche Meisterin - und das mit 21 Jahren. Was sind mittel- und langfristig Ihre sportlichen Ziele?

In Ihrem ersten Jahr beim HSV haben Sie bisher die Erwartungen erfüllt und sind eine Leistungsträgerin des Teams. Wie lautet Ihr bisheriges Fazit nach dem Wechsel von Potsdam nach Hamburg?

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Ja, mit 17 bin ich von zu Hause ausgezogen und habe eine eigene Wohnung in Potsdam bekommen. Durch die vier Jahre in Potsdam habe ich auch viel von Berlin sehen können. Wenn man aus einer kleinen Stadt wie Kronach kommt, dann sind die Eindrücke anfangs sehr überwältigend. Man lernt auch verschiedene Mentalitäten kennen. Die »kühlen« Nordlichter und die direkte »Berliner Schnauze« - beide auf

ihre eigene Art - finde ich interessant. Des Weiteren wird man immer selbstständiger, vielleicht etwas schneller, als wenn man noch zu Hause leben würde. Ich bin froh, diesen Weg gemacht zu haben, auch wenn man sich vielleicht an manchen Tagen das Gekochte von Mama wünschen würde.

Sie sind natürlich auch Vorbild für viele junge Kickerinnen im Landkreis. Welche Tipps auf dem Weg nach oben können Sie denen geben? Das A und O ist der Spaß. Nur wer es gerne macht, entwickelt sich weiter. Wichtig ist es auch diszipliniert zu sein. Ab einem gewissen Alter heißt es, hart an sich arbeiten und sich nicht auf seinem Talent ausruhen. Oft muss auch auf einiges aus dem Freundeskreis verzichtet werden - aber es lohnt. Also: Bleibt am Ball!

Welche Schlagzeile würden Sie in den großen deutschen Tageszeitun­ gen gerne einmal über sich lesen? Schwierige Frage. Zeitnah gesehen vielleicht »Wich schießt den HSV ins Pokalfinale«. Aber ich denke, die Überschrift »Die Raute-Frauen sind DFB-Pokalsieger 2012« würde mich mit Sicherheit nicht weniger glücklich machen.

Vielen Dank für das Gespräch. Interview: Carlo Fehn

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Tendenz: steigend!

Die Rechtsgrundlage zur Tagespflege hat sich durch­ das Tagesbetreuungsaus­ baugesetz vom 01.10.2005 geändert. Die Regelungen zur Tagespflege wurden neu gefasst und die Be­ deutung dieser Förder­ art gestärkt. KRONICHER. hat sich im Landkreis un­ ter anderem in zwei Ein­ richtungen von aktuellen Tages­müttern ein Bild ver­ schafft. 6

S

andra Müller-Biesenecker ist im Kreisjugendamt momentan in Teilzeit für die Bereiche Dauer- und Tagespflege angestellt. Im Bereich der Tagespflege für Kinder ist sie für die Organisation von Qualifizierungs­ kursen für potenzielle und die Or­ ganisation von Fortbildungen für be­ reits tätige Tagesmütter zuständig. Darüberhinaus berät sie Eltern, die in Erwägung ziehen, ein Kind bei einer Tagesmutter unterzubringen, sie ver­ mittelt auch Tagesmütter und wird nicht müde, das Thema »Tagesmut­ ter« in der Öffentlichkeit noch stärker ins Bewusstsein zu bringen. Außerdem überprüft sie in regelmäßi­ gen Abständen die gemeldeten Tages­ mütter und führt eine Bedarfsermitt­ lung durch. Bedarf gibt es nämlich

nach ihrer Einschätzung genug. Und dass Kinder - vor allem kleine Kinder - von den Eltern in die Obhut anderer Erwachsener gegeben werden, ist ja nichts Neues. »Früher«, erklärt San­ dra Müller-Biesenecker, »gab es die sogenannten ›Laien-Tagesmütter‹. Eltern schlugen der Behörde eine Person vor, bei der sie ihr Kind für bestimmte Zeiten abgeben wollten. Meistens war das jemand aus dem Bekanntenkreis oder die Oma. Dafür gab es dann zwei Euro pro Stunde.« Mit dem Tagesbetreuungsausbau­ gesetz (TAG) von 2005 hat sich diese Variante geändert oder besser ge­ sagt: Man kann sein Kind zwar weiter­ hin bei der Großmutter lassen, aller­ dings wird dies nicht mehr wie vorher gefördert. »Mit dem Tagesbetreu­ KRONICHER. | Ausgabe März 2012


ungsausbaugesetz wollte man nun dem Umstand Rechnung tragen, dass es sich bei der Laienpflege nicht um ein pädagogisches Angebot handelte, sondern«, so sagt die Kronacher Sozi­ alpädagogin, »eher um eine Verwah­ rung von Kindern.«

Individuelle Betreuung nötig Da die pädagogische Erziehung auf­ grund des hohen Bedarfs von den vorhandenen Tagesstätten aber nicht mehr abgedeckt werden konnte und zudem durch den gesellschaftlichen Wandel sich immer mehr die Not­ wendigkeit individueller Betreuungs­ angebote zeigte, musste für Tagesbe­ treuungen eine rechtliche Grundlage geschaffen werden. Das Gesetz hatte also bewirkt, dass es zukünftig KRONICHER. | Ausgabe März 2012

Grundvoraussetzungen geben würde, damit man als Tages­mutter überhaupt zugelassen wird. Sandra Müller-Biesenecker erzählt von ak­ tuell ca. 30 Tagesmüttern im Land­ kreis Kronach, die theoretisch Kinder zur Betreuung aufnehmen dürfen. Tatsächlich ist in ihrer Liste auch ein Mann zu finden, der den 60stündigen Qualifizierungs­kurs absolviert hat, dann aber aufgrund­ eigenen Nach­ wuchses nicht zur Verfügung stand. Tagesvater? Geht das? »Grundsätz­ lich ja«, sagt Müller-Biesenecker, die selbst Mutter ist. »Allerdings hatte ich noch keine Anfrage nach einem Tagesvater. Sind die Voraraussetzun­ gen generell gegeben, kann natürlich auch ein Mann den Kurs machen.« Ein Schulabschluss, geeignete Räume,

die Persönlichkeit an sich - das sind so die ersten wichtigen Kriterien, an­ hand derer eine Eignung festgestellt werden kann. »Natürlich kann ein eigenes Kind hilfreich sein, die Ab­ sicht für den Beruf zu verdeutlichen. Im umgekehrten Fall muss bei kinder­ losen Frauen schon genauer auf die Motivationsgründe geschaut werden, da hier die Gefahr eines Konkurrenz­ verhaltens zur leiblichen Mutter bestehen kann.« Seit der Gesetzesänderung 2005 belegen die Zahlen für den Landkreis Kronach, dass das Thema »Tagesmüt­ ter« - wenn auch mit kleinen Schrit­ ten - immer präsenter wird. Während es sich in den Jahren 2006 und 2007 noch um ein paar einzelne Frauen handelte, ist die Ent­wicklung seit­ 7


Beruf dem stetig positiv. So gab es Ende 2011 eine Gesamtzahl von 80 Tages­ pflegeplätzen, von denen im ver­ gangenen Jahr 47 gleichzeitig belegt waren und über das ganze Jahr hin­ weg wurden 63 Kinder betreut. Die Tagesmutter der ersten Stunde ist Gabriele Grüdl aus Lauenhain. Die Gabriele (li.) und Kerstin Grüdl vor ihrem »Storchennest« in Lauenhain

34­jährige gelernte Kinderpflegerin war nach der Gesetzesänderung 2005 die Vorreiterin und öffnete ihr »Storchennest« für die Kleinsten von acht Monaten bis drei Jahren. Mittler­ weile hat sie Unterstützung von ihrer Schwägerin Kerstin bekommen, die die Qualifizierungskurse absolviert hat und somit scharen die Beiden täglich bis zu acht Kinder um sich. »Fünf sind eigentlich das Maximum für eine Tagesmutter. Wenn man zu zweit ist, dürfen es eben acht sein«, erklärt Gabi Grüdl. Sie ist selbst Mut­ ter zweier Söhne (10 und 14 Jahre) und sagt, dass sie eigentlich in ihrem Traumberuf arbeite. Allerdings setzt sie sich auch kritisch mit den An­ forderungen und Rahmenbedingun­ gen auseinander. Die Rahmenbe­ dingungen für die betreuten Kinder sind bei Gabi Grüdl etwas anders als bei den meisten Tagesmüttern. »Als ich mich damals dafür entschieden habe, wurde zur gleichen Zeit in un­ serem Haus eine Wohnung im Erdge­ schoss frei. Das war noch einmal ein Verstärker für meine Entscheidung.« Sie sagt nämlich, dass es für sie nur schwer denkbar wäre, den Beruf der Tagesmutter in den eigenen vier Wänden auszuüben. »Ich möchte das 8

einfach getrennt haben.« 30 Kilome­ ter weiter südlich tummeln sich bei der Kronacherin Anja Mayer fünf »Strolche« zwischen 1 und 3 Jah­ ren und es macht den Eindruck, als befände man sich mitten im Tages­ ablauf einer »kleinen Großfamilie«. Die Sozialpädagogin ist auch schon ein alter Hase unter den im Kreisju­ gendamt gemeldeten Tagesmüttern. Sie denkt schon, »dass in der Bevölkerung und gerade bei jun­ gen Frauen, die nach einer Geburt und in Elternzeit vielleicht überlegen, wie es danach weitergehen soll, die Mei­ nung herrschen könnte: ›Ach, das kann ich doch auch machen. Das ist doch einfach verdientes Geld.‹ So ist es aber nicht. Ich glaube, wenn man das nicht mit Herz und Leidenschaft macht, macht man es nicht sehr lange.« Das ist auch mehr oder weni­ ger belegt. Sandra Müller­Biesene­ cker vom Kreisjugendamt sagt, dass die Zahl der Tagesmütter, die nach ihren ersten Betreuungen wieder aufhören, doch relativ hoch ist. Aber wie ist das nun eigentlich, plötzlich nicht nur die zwei eigenen Töchter ­ wie im Fall von Anja Mayer ­ sondern auch noch die »Geschwister« mit ins Familienleben intergrieren zu müs­ sen? Die 37­Jährige sagt: »Wenn das

Immer was los im »Storchennest« vorab nicht geklärt und zu hundert Prozent in­ nerhalb der Familie akzeptiert wird, kann es nicht funk­ tionieren. Bei mir funktioniert es so­ wohl mit meinem Mann als auch mit meinen beiden Töchtern, bei denen ich sogar weiß, dass sie meine Tages­ kinder auch schon ein bisschen als Brüder und Schwestern ansehen.«

Mit lei� und Seele Gabi und Kerstin Grüdl sowie Anja Mayer haben die Leidenschaft, die für diesen Beruf wichtig ist. Dass das Geld dabei natürlich keine völlig unwichtige Rolle spielt, ist klar. Alle Frauen sind sehr gut ausgebucht, das macht es einfacher und angenehmer. Tagesmütter, die vom Kreisjugend­ amt qualifiziert sind, bekommen als Selbstständige monatlich vom Amt ein Entgelt, das sich aus den von den

Eine echte Rasselbande hat die Kronacherin Anja Mayer um sich versammelt. KRONICHER. | Ausgabe März 2012


Beruf

« bei Gabriele und Kerstin Grüdl. Eltern gebuchten Betreuungszeiten für die Kinder errechnet. Erst ab zehn Stunden wöchentlicher Betreuung pro Kind wird das Entgelt gezahlt. Nehmen wir ein Beispiel: Eine Tagesmutter betreut ein Klein­ kind täglich zwei Stunden. Für die zehn Wochenstunden fällt hier ein Elternbeitrag von 60 Euro monatlich an. Mit staatlichen und kommunalen Zuschüssen erhält die Tagesmutter jedoch insgesamt 118 Euro. Bei 40

Stunden pro Monat, ent­ spricht das gerade mal einem Stundelohn von 2,95 Euro. Da rückt das Thema Leidenschaft für den Beruf wieder in den Fokus. Län­ gere Betreuungszeiten und mehrere Kinder gleichzeitig erhöhen natürlich das Ent­ gelt, Gabi Grüdl sagt aber ganz klar: »Es geht darum zu fördern und nicht darum zu füttern.« Heißt: Das pädagogische Angebot je nach Altersgruppe muss im Vordergrund stehen und nicht der finanzielle Aspekt. Und ob das Ange­ bot stimmt, davon können sich Eltern, die ihre Kinder in die Tagespflege ge­ ben möchten, beim Schnuppern im »Storchennest« überzeugen. Gabi Grüdl sagt: »Es ist nicht nur wichtig, dass wir irgendwann merken, dass das Kind kein Problem mehr damit hat, wenn die Mutter geht.« Der umgekehrte Fall sei ebenso nicht

zu vernachlässigen. »Wenn ich merke ­ und das sieht man an der Mimik ­, die Mutter ist noch nicht bereit, das Kind jetzt hierzulassen, dann drängen wir da auch nicht. Es muss von allen gewollt sein.« Sie ist sich sicher, dass zu ihren bisher 42 betreuten Kindern in den letzten Jahren noch viele dazu kommen werden und der Trend hin zur Tagesmutter sich auch noch ver­ stärken wird. von Carlo Fehn

 Für Fragen und Informationen zum Thema »Kindertagespflege« steht im Kreisjugendamt die Ansprechpartnerin Sandra MüllerBiesenecker zur Verfügung. Telefon: 09261-678333 E-Mail: sandra.mueller@lra-kc.bayern.de

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KRONICHER. | Ausgabe März 2012

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Porträt

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»Es widerstrebt mir, platte politische Sprüche zu machen!« 10

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Porträt

Da zu sein, wo er heute ist, das führt der Kronacher Landrat, Oswald Marr, auch und vor allem auf prägende Erfahrungen in der Kindheit und während der Berufsausbildung zurück. Mittler­ weile amtiert der Schmölzer zum dritten Mal. Von Amtsmüdigkeit scheint nicht die Rede zu sein, möglicherweise auch deshalb, weil er mit einer ausfüllenden Nebenbeschäftigung einen guten Ausgleich zum Beruf gefunden hat. ANZEIGE

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er kann schon von sich be­ haupten, jeden Morgen über die Straße hinüber auf seinen eigenen kleinen Bauernhof zu gehen und sich nicht nur ein Glas frischer Ziegen­ milch zu holen ­ nein, dieses auch noch selbst zu »zapfen«? Dass Oswald Marr neben der privaten Handwer­ kerei auch ein ausgesprochener Tier­ liebhaber ist, mag bekannt sein. Das allmorgendliche Ritual ist für ihn zu­ dem ein wichtiger Bestandteil eines guten Starts in den Tag. Er gerät fast ins Schwärmen, wenn er den ersten Schluck in Gedanken beim Erzählen vor seinem geistigen Auge ablaufen lässt. »Das ist für mich eine Labsal, da geht nichts drüber. Das gibt mir un­ heimlich viel für den Tag.« Ist das also das Erfolgsrezept? Ziegen­ milch? Oder steckt hinter der kom­ munalpolitischen Karriere des ge­ bürtigen Schmölzers doch noch ein anderes Geheimnis? Seit Dezember 1998 ist Oswald Marr nun Landrat des Landkreises Kronach. Bei der letz­ ten ­ und für ihn altersbedingt auch tatsächlich letzten ­ Wahl erhielt er fast doppelt so viele Stimmen wie sein Konkurrent. Ein Punkt, der ihn in seiner bisherigen Arbeit bestätigt,

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weil er der Meinung ist, dass bei so einer Wahl nicht in erster Linie auf die Parteizugehörigkeit geschaut wird, sondern auf die Person. »Und wenn man sich dann anschaut, dass die SPD bei überörtlichen Wahlen vielleicht auf 25 Prozent der Stimmen kommt, sieht es doch so aus, als ob die Kro­ nacher im ganzen Landkreis nicht unzufrieden mit meiner bisherigen Arbeit sind. «

Pro Kommunal�olitik Marr sagt, dass es nie seine Be­ strebung gewesen sei, in irgendein Parlament zu kommen. Die »große Politik« hätte er nie angestrebt. Er habe sehr bald verstanden, wie diese funktioniert und sei als praktisch ver­ anlagter Mensch, der gerne auch sel­ ber anpackt und vor dem zu Hause keine Reparaturarbeit sicher ist, je­ mand, der etwas bewegen möchte. »Das kann man am besten, wenn man immer möglichst nahe am Puls der Zeit ist und das Ohr so nah wie möglich bei den Bürgern hat.« Er sei keiner, der dick auftrage und Verspre­ chungen mache, die er nicht einhalten könne. Er wisse, dass es oftmals ein schmaler Grat sei, und wenn er man­ 11


Porträt

»

Ich überlege nicht, wohin ich im Sommer in Urlaub fahre, sondern ob ich meinen heißgeliebten, 45 Jahre alten Traktor jetzt doch mal durch einen neuen ersetze. Eine schwierige Entscheidung. (Oswald Marr, Landrat des Landkreises Kronach und [Hobby-]Landwirt)

che Dinge nicht versprechen könne, so versuche er dann zumindest, das Bestmögliche umzusetzen. Seine Au­ thentizität möchte er nicht verlieren: »Es widerstrebt mir, platte politische Sprüche zu machen.« Anpacken, au­ thentisch, nahe bei den Menschen ­ einer von ihnen? Ja, so würde sich Oswald Marr wohl bezeichnen. Nicht, weil er »everybody’s darling« sein möchte. Eher, weil er da herkommt, wo die Vielzahl der Bürger aus seinem Landkreis auch herkommt. »Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass ich in einfachen Verhältnissen in einer schwierigen Zeit aufgewach­ sen bin. Aber mein Elternhaus und meine berufliche Anfangszeit haben mir wichtige Werte vermittelt und mich nachhaltig geprägt.« Demnächst wird der Kronacher Land­ rat 65 Jahre alt. Er hat dann noch eine Restamtszeit von vier Jahren vor sich. Nahe dem beruflichen Zenit schaut er bereits jetzt mit Zufrieden­ heit auf die Ära in der Güterstraße: »Auf der eine Seite ein Mensch zum Anfassen, außerdem ein Mensch, auf den man sich verlassen kann und ein­ er, der vieles bewegt hat.« Blicken wir

zurück: Am 29. März 1947 kommt Oswald Marr als viertes Kind der Familie auf die Welt.

Kindheit �r�gend Die Nachkriegsjahre sind hart, seine Eltern halten die Familie mit Korb­ macherarbeiten über Wasser. Ein überraschendes Angebot, in Baden­ Württemberg zu arbeiten, kann der Vater nicht ablehnen und ver­ lässt die Familie 1951, um nach Bad Waldsee zu gehen. Erst zwei Jahre später kommt die Mutter mit den vier Kindern hinterher. »Ich muss sa­ gen, dass ich eine sehr interessante Kindheit hatte«, sagt Marr, der selbst dreifacher Vater erwachsener Kinder ist. Die folgenden Jahre waren für den Jüngsten vor allem in schulischer Hinsicht eher schwierig. Nachdem die Familie 1959 die Chance bekommen hatte, in Schmölz ein Grundstück zu erstehen und dort ein Haus zu bauen, stand der Rückkehr nichts mehr im Weg. Nach einer schweren Krankheit der Mutter und einem Schulwechsel auf die Hauptschule Schmölz, machte er dort 1961 seinen Abschluss. Was dann folgte, beschreibt Oswald Marr heute als sehr wichtige Zeit. Beim damaligen Autohaus Friedrich Mül­ ler in Kronach absolvierte er eine kaufmännische Lehre, in der er von der Reparaturannahme über die Verwaltung des Ersatzteillagers,

die Rechnungsstellung bis hin zur Garantieabwicklung alle möglichen Jobs machte und dazu ­ sozusagen »freiwillig« ­ jedes Wochenende für fünf Mark noch Tankstellendienst im Autohaus hatte. Der Landrat erinnert sich: »Mein damaliger Geselle ging, noch bevor meine Lehre zu Ende war, zur Bundeswehr und hinterließ mir sozusagen seine Aufgabenbereiche. Im Nachhinein ­ auch wenn es an­ fangs hart war ­ eine prägende Zeit für mich, in der ich auch schon lernte, Verantwortung zu übernehmen und die mich selbstbewusst und sehr stark gemacht hat.« Was dann folgte, war die Frage: Bundeswehr oder Bundesgrenz­ schutz? Marr entschied sich für die Grenzschützer, besuchte dort drei Jahre lang die Berufsfachschule und hatte sich nach einigen weiteren Lehrgängen relativ rasch zum Meister beim Bundesgrenzschutz hochgear­ beitet.

Einstieg in Kommunal�olitik Es stellte sich dann wiederum die Frage: Bleiben oder gehen? Der Kro­ nacher Landrat heute: »Das war schon eine schwierige Entscheidung. Ich hatte einen Vertrag über acht Jahre, hatte mittlerweile Vorgesetz­ tenfunktion, die Arbeit machte Spaß und die Situation auf dem Arbeits­ markt ­ es war 1968 ­ war ja auch

»

Besonders schätze ich seine Offenheit und Ehrlichkeit im Umgang sowohl mit den Bürgerinnen und Bürgern als auch mit uns, den Mitarbeitern. (Stefan Schneider, persönlicher Mitarbeiter des Landrats)

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Porträt nicht besonders rosig. Also bin ich erst mal geblieben.« Irgendwann stand dann aber in der Zeitung, dass die Gemeinde Ebersdorf bei Coburg für den mittleren Verwaltungsdienst zwei Leute suchen würde. Alles ging dann relativ schnell, Marr absolvierte noch eine zweijährige Ausbildung im mittleren Dienst und war dann insge­ samt neun Jahre als Kassenverwalter und Personalratsvorsitzender tätig und lernte somit auch den Aufbau der kommunalen Verwaltung bis ins Detail kennen. Allerspätestens mit Antritt der Stelle in Ebersdorf war der Kommunalpolitiker Oswald Marr praktisch geboren. Der Posten in der Kreiskämmerei in Kronach ab 1981 bedeutete die nächst höhere Ebene in der Finanzverwaltung. Zwei Jahre später wurde er zum persönlichen Mitarbeiter des damaligen Landrats Dr. Heinz Köhler und bereits ab 1978 war er Gemeinderat in Küps und Kreistagsmitglied. Nach dem Ende der Ära Köhler und dem Einzug von Dr. Werner Schnappauf ins Landratsamt endete auch zunächst Oswald Marrs Tätigkeit in der Geschäftsstelle des Landrats und wiederum stellte sich die Frage: was nun? Nachdem er be­ reits 1978 von der SPD für den damals kurz vorher abgesprungenen Kandi­ daten ins Rennen geschickt worden war, sah Marr in den bevorstehenden Bürgermeisterwahlen im März 1990 in Küps eine Chance. Seine letztendli­ che Wahl bezeichnet er selbst heute noch als »wichtigen Meilenstein«. Mit der Kandidatur für den Landrat 1998 schloss sich dann der Kreis für

«Man muss auch mal ein lenken können, wenn man auf dem Holzweg ist.«

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Foto rechts: Die Arbeit auf seinem kleinen Bauernhof ist für Landrat Marr nicht nur eine willkommene Abwechslung, um einmal abzuschalten. Bis zu 500 Ballen Heu, die er im Sommer selbst produziert und einlagert, lassen erahnen, dass der Schmölzer nach Ende der kommunalpolitischen Karriere sicher keine Langeweile haben wird.

den Schmölzer. Wenn man heute durch die Amtsstuben gehen und die Mitarbeiter befragen würde, würde man nach Meinung von Oswald Marr eine durchaus zufrie­ denstellende Zensur für den »Chef« feststellen können. »Es gab natürlich gerade in den letzten Jahren auch kos­ tenbedingt Stellenstreichun­ gen oder ­umbesetzungen. Das da nicht alle ›Hurra‹ ge­ schrien haben, ist doch klar. Aber ich denke, man weiß meine Art zu schätzen. Ich verlange viel von meinen Mitarbeitern, ich bin aber auch der Letzte, der dann nicht diese oder jene Gemeinschaftsveran­ staltung erlaubt. Geben und nehmen ist einfach wichtig.« Und ginge man raus auf die Straßen des Landkrei­ ses, um ein Meinungsbild zu bekom­ men? »Die Leute würden sagen: ›Der passt!‹, denke ich.« Trotz seiner fast 65 Lenze vermutet der eine oder die andere vielleicht auch den Golf spielenden Sunnyboy hinter Marr, der den verdienten Urlaub fernab auf einer schönen Insel verbringt. Weit

sagen: «Ich denke, die Leute Der Passt!«

gefehlt: »Ich brauche keinen Urlaub. Die beste Erholung ist für mich, wenn ich mich um meinen Bauernhof küm­ mern kann. Im Sommer mache ich vier­ bis fünfhundert Heuballen, die ich alle selbst auflade, nach Hause transportiere und einlagere. Das ist für mich Urlaub.« Und das frische Glas Ziegenmilch wird auch dann bestimmt nicht fehlen. von Carlo Fehn

«Irgendwann wird es wieder ein Trend, zurück aufs Land zu ziehen.«

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Sport

Aus der Not geboren, zur Tradition geworden! Am 1. Mai 1980 werden die ersten Tiere in Perth/Schottland besichtigt und sechs weibliche Tiere kommen am 17. Juni in den Frankenwald. Wurde diese notwendige Initiative anfangs belächelt und bekämpft, gilt die Zucht schottischer Hochlandrinder im Frankenwald heute als Erfolgsstory und Touristenattraktion.

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us Überlegungen zur Offenhal­ tung der Landschaft heraus be­ schlossen 1979 Carl­August Heinz, Bernd Heinz, Lothar Heinz, Friedrich Döbrich, Hermann Fischer, Klaus Franke, Walter Löffler, Arthur Papst, Heinz Söllner, Ralph Söllner und Achim Zipfel nach einer längeren In­ formationsphase, schottische Hoch­ landrinder auf den brachliegenden bzw. schon aufgeforsteten Flächen rund um Kleintettau zu züchten. Zu diesem Zweck gründeten diese Personen 1980 die »Schottische Hochlandrinderzucht Frankenwald GmbH«. Das Ziel dieser Gesellschaft war und ist es, der Verbuschung und Versteppung der ehemaligen Kul­ turflächen entgegenzuwirken. Gleichzeitig wollte man damit ein Modell für alle Menschen schaffen, die als Vollzeitlandwirte nicht mehr 14

existieren können oder wollen, die aber als Nebenerwerbslandwirte in einer extensiven Form der Land­ wirtschaft ihren Grund und Boden weiter für sich nutzen und die Kul­ turlandschaft erhalten wollen. In diesem Zusammenhang bietet das Hochlandrind den Vorteil gegenüber z.B. Schafen, dass es einfacher zu halten ist, insbesondere benötigt es keine Schur. Zudem braucht das Highland Cattle im Winter keine Stal­ lung, kommt mit Tiefschnee auch zurecht, gebärt aufgrund der natürli­ chen Lebensweise sehr leicht, zertritt die Grasnarbe kaum und weidet mit einer Weideausnutzung von über 90 Prozent das Grasland sehr sauber

und doch schonend ab. Selbst karge Kost im Winter und Temperaturen bis zu ­30°C sind kein Problem. Ein weiterer Vorteil ist, dass diese Tiere nicht gemolken werden müssen. Die Hochlandrinder rund um Kleintettau wurden auch eine touristische Attrak­ tion. Im »Hofladen« in Kleintettau können Wurstspezialitäten aus Hoch­ landrinderfleisch erworben werden. Ein Fleisch, das von sehr guter Quali­ tät, durchwachsen und von wildähnli­ chem Geschmack ist und das es beim Metzger Kraus in Tettau und Kronach gibt.

Zum Hintergrund Die Situation in der Gemeinde Tettau spitzte sich Mitte der siebziger Jahre dermaßen zu, dass nur noch ein Landwirt in Kleintettau übrig geblieben war, der aufgrund der schlechten Ertragslage der Landwirtschaft einerseits und KRONICHER. | Ausgabe März 2012


Natur & Umwelt der guten Ent­wicklung der Indu­strie anderer­seits im Jahre 1978 auch noch aufgab. Auch in den benachbarten Gemeinden sah die Lage nicht viel anders aus. Kleintettau war wegen der Lage im Grenzgebiet und zugleich als extre­ mer Industriestandort in einer beson­ deren Situation. Waren dreihundert Jahre lang Glas-Handwerk und Land­ wirtschaft miteinander verbunden durch die Jahreszeiten gegangen, forderte die Industrie durch Schicht­ arbeit und bessere Bezahlung für ihre Beschäftigten immer mehr Op­ fer unter den Landwirten. Schließlich stand das Land, welches - zum Teil erst nach den Kriegsjahren - in mühe­ vollster Handarbeit gerodet worden war, wieder zur Aufforstung an. Hatte man in den schwierigen Zeiten nach dem Zweiten Weltkrieg noch um jede Handbreit Anbaufläche gekämpft, so drohte im Zeichen des Wirtschaftswunders und des Wohl­ standes das Ergebnis der harten Ar­

 Chronik Highland Cattle West Highland oder Kyloe Cattle. Ursprünglich im westlichen Hochland von Schottland und auf den der nord-west-britischen Westküste vorgelagerten Inseln beheimatet. Diese Rinderrasse kommt den ursprünglichen Wildrindern der britischen Inseln am nächsten und ist genetisch noch sehr nahe am europäischen Auerochsen und hat die dafür charakteristischen Merkmale fast unverändert beibehalten. Das lässt den Schluss zu, dass sich auch an dem Charakter dieser Rinderrasse nur wenig geändert hat, wenn man von einer sorgfältigen Zuchtauslese absieht. Die Tiere sind kleiner als die meisten modernen Hausrinder und der Urahn vom europäischen Festland der berühmte Minotaurus - und werden kaum schwerer als 14 Zentner, Bullen bis 20 Zentner. Sie leben allerdings auch noch unter Bedingungen, die ein anderes Rind nicht überstehen könnte.

beit der Kleinbauern und Ziegenhalter wieder zunichte gemacht zu werden. Die Brachflächen rund um Kleintet­ tau wurden immer mehr. Weide, Birke, Eberesche und Fichte nahmen wieder Besitz von den Äckern und Wiesen der Kleinbauern und der Wald drohte Kleintettau wieder völ­ lig einzuschließen, zu verdunkeln, noch kälter und feuchter werden zu lassen. Die Wiesengründe versumpf­ ten und die Böden versauerten. Der Platz zum Leben wurde immer ärm­

licher hin­sichtlich Flora und Fauna. Die Kleintettauer Flur war und ist auf Grund ihrer extremen Hanglage völlig uninteressant für Großbetriebe von außerhalb. Lediglich einige Staats­ flächen wurden genutzt, um darauf Gülle kostengünstig auszubringen.

Nicht mehr wegzudenken Heute beweiden über 130 Hochland­ rinder über 100 Hektar Wiesenfläche bzw. lichten Waldbestand und hal­ ten derzeit das Land grün, offen und ANZEIGE

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Natur & Umwelt Fauna vielfältig. Circa 15 bis 20 Tiere ­ langsam gewachsen, meist älter als 2 ½ Jahre ­ werden geschlachtet und ab und an auch mal ein Fell oder ein Gehörn zu dekorativen Zwecken ge­ nutzt. Und die Hochlandrinder haben auch dafür gesorgt, dass schottische Spezialitäten in Kleintettau und in der näheren Region ­ nach der Grenz­ öffnung dann auch auf der thüringi­ schen Seite ­ Einzug gehalten haben, nicht zuletzt auch guter schottischer Straight Malt Whiskey. Außerdem haben die Kleintettauer mit den Highland Cattle auch diverse Disziplinen der typisch schottischen Highland Games eingeführt und halten alle paar Jahre solche Spiele ab und werden auch dadurch immer wieder zu einem Anziehungspunkt  In�o Herd�uchzucht Das Zuchtbuch (auch Herdbuch oder Zuchtstammbuch) ist eine geordnete Zusammenstellung beglaubigter Abstammungsnachweise von Zuchttieren, Tierfamilien oder Stämmen. Die Viehzucht hat ein großes Interesse, die Abstammung der Zuchttiere zu kennen, weil deren Nachkommenschaft die verlangten Eigenschaften umso sicherer besitzen wird, je reiner Eltern und Voreltern des betreffenden Tiers in der bestimmten Rasse fortgezüchtet sind und je ausgeprägter diese die geschätzten Rasseeigentümlichkeiten besaßen. (Quelle: Wikipedia)

Foto rechts: Bei einem Besuch des dama­ ligen Bundespräsidenten Karl Carstens im Jahr 1984 in Tettau sagte dessen Frau Veronika, die jungen Rinder wirkten auf sie »wie Plüschtiere«.

für ehemalige Kleintettauer sowie für Gäste aus aller Welt, die sonst den Weg nach Kleintettau nicht finden, obwohl Kleintettau bzw. der nördli­ che Landkreis Kronach aufgrund hier heimischer Industriebetriebe, die international oder sogar global auf­ gestellt sind, relativ viele ausländi­ sche Kunden, Lieferanten und auch Mitarbeiter hat. Und die treffen hier auf eine offene Gesellschaft, denn die Glasmacher waren schon immer welt­ offen, auch weil sie dazu gezwungen waren (Wanderschaft für die Ausbil­ dung, Verkauf der Produkte schon im Mittelalter über größte Entfernun­ gen) und mit den Hochlandrindern bzw. den von den Hochlandrindern gewonnenen Produkten finden auch verwöhnte Großstädter (z.B. aus New York, London und Paris) hier Dinge, die sie zuhause nicht oder nur sehr schwer sehen oder bekommen kön­ nen. Allerdings hat sich die Idee mit den Hochlandrindern aus Kleintet­ tau in Deutschland schon in den 80er Jahren so verbreitet, dass Anfang der 90er Jahre mehr schottische

Hochlandrinder in Deutschland be­ heimatet waren als in ganz Großbri­ tannien ­ und dabei die erste deutsche Herdbuchzucht 1980 in Kleintettau begann. Darauf sind die Hochlandrinder züch­ tenden Glasmacher ein bisschen stolz und fühlen sich dadurch auch verpflichtet, diese inzwischen schon zu einer Tradition gewordene Sache ebenso hartnäckig durchzuhalten wie ihr Glasmacherhandwerk. (Text: frankenwald-highlander.de/ Ute Schaller/ Carlo Fehn)

 Glasca�e und Ho�laden in Kleintettau Seit Anfang 2010 besteht im Anschluss an einen Besuch des Glasflakonmuseums oder nach einer Wanderung über den traditionsreichen Rennsteig, vorbei an Hochlandrinderweiden, die Möglichkeit, bei einer gemütlichen Tasse Kaffee und einem leckeren Kuchen oder auch einer herzhaften Brotzeit die Eindrücke auf sich wirken zu lassen. Das Glascafe ist inzwischen ein Treffpunkt geworden für Kleintettauer und andere Gäste aus Nah und Fern. Viel zu lange hat man auf ein derartiges Angebot gewartet. Neben dem Glascafe gibt es die Möglichkeit, im Hofladen Bio-Produkte zu kaufen. So gibt es zum Beispiel Wurstspezialitäten vom Schottischen Hochlandrind. Glascafe und Hofladen sind täglich außer Sonntag geöffnet, wie das Glasmuseum.

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Vermischtes

Ziel mehr als erreicht! Azubis und Spendenempfänger überglücklich! Als Nadine Dehmel, Projektleiterin des Teams der Raiffeisen­Volksbank Kronach­ Ludwigsstadt eG, den Anwesenden das Ergebnis der Spendenaktion »Gewinn­ sparen« präsentierte, waren die jungen Bankmitarbeiter auf der einen Seite stolz, die Empfänger der Spenden aus der Ak­ tion andererseits überglücklich. Rückblick: Im April 2011 starteten fünf Auszubildende zusammen mit zwei »frisch ausgelernten« Mitarbeiterinnen ihr Gewinnsparprojekt mit dem Ziel, sich sozial zu engagieren und gemeinnützige Organisationen durch Spenden zu un­ terstützen. Die Spenden wurden durch den Verkauf von Gewinnsparlosen des Gewinnsparvereins Bayern generiert. Neben dem Wunsch, die Region zu unter­ stützen sowie dem damit verbundenen Absatzziel von 2.500 neuen Losen stand hierbei ganz klar der Lerneffekt für die jungen Bankmitarbeiter im Vordergrund: In dem bis zum 31.12.2011 dauernden

Rundum glücklich und zufrieden präsentierten sich im Anschluss an die abschließende Präsenta­ tion die Projektmitarbeiter und Spendenempfänger.

Projekt erhielten und erarbeiteten sie jede Menge Know­How für ihre berufliche Praxis. Organisation und Koordination in­ nerhalb der Projektgruppe, Absatzpla­ nung, Entwicklung von Marketing­ und Vertriebsideen, Planung und Umsetzung von Vertriebsmaßnahmen, Mitarbeiter­ motivation, Vertriebscontrolling und auch den Umgang mit Kunden und das Sam­ meln von Vertriebserfahrung. Nun war es also Zeit, eine Bilanz zu zie­ hen und diese fiel mehr als positiv aus.

Filmvorführung und Ausstellung Grenzfahrten e.V. Der erste Film, der das Innenleben der DDR-Grenztruppen zeigt Am 17. und 18. April zeigt der Verein Grenzfahrten e.V. speziell für Schulklassen der Klassen 9 und 10 und die Bevölkerung den Kinofilm »Grenze«. Der Film erzählt die Geschichte von vier Männern, die vor 26 Jahren in ihrer Jugend ­ mit Anfang 20 ­ Frontdienst in Deutschland leisteten. Und es ist die Geschichte eines Fünften, der dieses Schicksal fürchtete. Es ist der erste Film, der sich dem In­ nenleben der Grenztruppen der DDR widmet und zeigt, welche Menschen an den Zäunen zwischen Ost­ und West­ deutschland, an der Grenze zwischen Warschauer Pakt und NATO, der Front des dritten Weltkrieges standen. »Grenze« ist eine Reise an den gespenstisch konservi­ erten Ort des Geschehens, auch eine Rei­ se ins Innere der Protagonisten, an ihre seelischen Grenzen ­ und eine Zeitreise. Im Februar 1986 werden sie ins Grenzaus­ bildungsregiment Halberstadt einberufen, um nach dem dortigen Training in den KRONICHER. | Ausgabe März 2012

Schutzstreifen (Sprachregelung Ost) oder Todesstreifen (Sprachregelung West) ir­ gendwo zwischen Helmstedt (West) und Hötensleben (Ost) versetzt zu werden und anderthalb Jahre lang ihren Wehr­ dienst zu absolvieren. Keiner von ihnen hatte sich freiwillig gemeldet. Sie sind so unterschiedlich, wie man nur sein kann, doch der Drill einer sozialistischen Armee und der zusätzliche Druck des Grenzre­ gimes zwingen ihnen die gleichen Erleb­ nisse auf und stellen sie vor existentielle Fragen. Doch in dem Alter erträgt man viel, verdrängt manches und hat Träume für die Zeit danach. Spannend und anschaulich berichtet vor Beginn der Vorführung ein ehemaliger DDR­Lehrer aus seinem Leben, Schikanen und dem von Misstrauen geprägten All­ tag in der DDR. Als Pädagoge lässt er den Schülerinnen und Schülern auch Platz für Fragen und Diskussionen. Durch seine um­ fangreiche Stasi­Akte, die bei der Staatssi­

Durch zahlreiche Aktionen, mit denen das Bestreben aktiv beworben und forciert wurde, schafften es die jungen Leute, 2.917 Lose im Projektzeitraum zu verkaufen. Über eine Spende in Höhe von jeweils 3.000 Euro dürfen sich die Kinder­ und Jugendbetreuung des BRK Kronach, der katholische Kindergarten St. Marien in Steinwiesen sowie der evangelische Kindergarten »Sonnenschein« in Kronach freuen. von Carlo Fehn

cherheit unter dem operativen Vorgang »Bindung« geführt wurde, belegt er die zahlreichen Spitzelaktivitäten, die jeden Lebensbereich abgedeckt haben. Abgerundet wird das Programm durch die Ausstellung »Die heile Welt der Dik­ tatur? Herrschaft und Alltag in der DDR«. Was war die DDR? Diese Frage wird mehr denn je diskutiert. Noch 1989 schien die Antwort eindeutig: Damals gingen Hun­ derttausende in der DDR auf die Straße, um gegen die Diktatur der SED, für Rei­ sefreiheit und bessere Lebensverhält­ nisse zu demonstrieren. Heute wird der Alltag in der DDR häufig verklärt. Gab es tatsächlich so etwas wie eine »heile Welt« inmitten der Diktatur? Oder waren SED­ Herrschaft und Alltag letztlich untrennbar miteinander verbunden? Der Film wird in der Filmburg Kronach am 17. und 18. April jeweils um 10 Uhr, 14 Uhr und um 19 Uhr vorgeführt. Der Kostenbeitrag für Eintritt mit Zeitzeugengespräch und Begleitausstellung liegt bei 6,- Euro pro Person. von Oliver Porzelt/ Grenzfahrten e.V.

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Frisurenmode Frühjahr/Sommer 2012

Good Vibrations Traumfrisuren für jeden Typ? Genau das! Die neuen Summer-Styles punkten mit spannenden Stilbrüchen und bestechen durch ihr Spiel mit Form und Farbe. Die Trendkollektion des Zentralverbandes des Deutschen Fri­ seurhandwerks (ZV) zeigt, wie schön der Som­ mer ist. Und das fühlt sich mächtig gut an. Schönheit hat viele Gesichter. Und zu jedem gehört eine Frisur. Gerade im Sommer vollenden die richtigen Trendlooks unseren modischen Auf­ tritt. Dafür haben die Modemacher im Team des Zentralverbandes ihrer Kreativität freien Lauf gelas­ sen. Natürlich nach allen Regeln der Kunst. Auffällig sind dabei die spannenden Retrospektiven auf große Modethemen vergangener Zeiten und der Stilbruch als Prinzip der äs­ thetischen Erneuerung. Die Frisurenkollektion für das Frühjahr und den Sommer 2012 fasziniert durch ihr virtuoses Spiel mit Formen und Far­ ben. Die neuen Hairstyles des ZVModeteams bringen uns trendsicher durch die warme Jahreszeit. DAMENTRENDS Pilzköpfe und 80er Jahre­Styles sind wieder im Kommen ­ und ihre aktu­ ellen Interpretationen muten frisch und originär an, dank kunstfertiger Schnitttechniken, perfekter Colora­ tionsverfahren und innovativer Stylingideen. Bei den Damen domi­ nieren sommerliche Blondtöne, die mal in leuchtendem Honig­Beige, mal natürlich verwaschen mit dunklen An­ sätzen und hellen Längen daherkom­ men. Unverzichtbar für aufregende, lebendige Strukturen: Der Undercut, der speziell den Kurzhaarfrisuren Tex­ tur und Ausdruckskraft gibt. Lange Haare hingegen betören mit üppi­ gen Wellen und Locken ­ ein Fest der Weiblichkeit. 18

KÖNIGIN DES STILS... ...und vielleicht auch der Herzen zu werden ­ das verspricht dieser neue Shortcut für den Sommer. Inspiriert durch den legendären Stufenschnitt von Lady Di kommt die Neuinterpreta­ tion allerdings sehr viel läs­ siger und fri­ scher daher als das Original. Dabei sorgt ein dezenter Undercut für schmale Seitenpartien, die Längenvariationen am Ober­ und Hinterkopf schaffen Volumen und Leichtigkeit. Ein leuchtendes Honig­ Beigeblond gibt dem Shortcut zudem Tiefe und betont die Strukturen. Statt bretthartem Föhnstyling wie in den Achtzigern werden die Haare wie zufällig aufgelockert und sehr soft modelliert ­ für ein natürliches Finish. Leicht und unkompliziert: So sollte der Sommer­Look für 2012 sein. Aber es geht auch anders ­ wie die unorthodoxe und progressive Styling­ variante zeigt. GRAPHIC ART Von wegen »Yesterday«! Pilzköpfe sind schwer im Kommen. Vorausset­ zung für diesen topmodischen Rund­ schnitt sind exakte Konturen. Ein extremer Undercut mit nahezu aus­ rasierten Seiten­ und Nackenpartien sorgt für eine schlanke und eng an­

liegende Silhouette. Das Deckhaar bleibt gleichmäßig lang, ein Bogen in der stumpf geschnittenen Ponypar­ tie verstärkt den grafischen Charakter. Die kompakte Tex­ tur am Ober­ und Hinterkopf softet und har­ monisiert den Look. Seine Leuchtkraft er­ hält er durch einen intensiven Kupfer­ ton am Ansatz, der zu den Spitzen hin in ein helles Kupfergold ausläuft. Die Two­Tone­Optik verleiht der Textur expressive Lebendigkeit. Beim Sty­ ling liegt der Fokus auf Natürlichkeit. Trendgebot Nummer Eins: Haare, die wie vom Wind frisiert anmuten.

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HERRENTRENDS Männerköpfe verabschieden sich von Akkuratesse und Konformismus ­ individuelle Looks mit ungleich­ mäßigen Längen sind der Trend du jour. Effektvolle Double­Cuts, die an­ gesichts kurzer Seiten und längerem Deckhaar wie zwei Schnitte in einem anmuten, feiern ihren Siegeszug im Modesommer. Ob Stachellook, Pop­ perschnitt oder New Romantic ­ auch hier stehen die 80er Jahre Pate, aber ungewöhnliche Schnitteffekte und Stylingkonzepte überführen diese »Klassiker« gekonnt in die modische Jetztzeit. GEGEN ALLE REGELN Ungleiche Längen sind jetzt erwünscht. Die Grundlage für das ge­ wollte, wenngleich kontrollierte »Cha­ os« dieses Shortcuts bildet eine aus­ gefeilte Schnitttechnik, bei der Passé für Passé gegeneinander geschnitten wird. Dadurch entsteht eine insge­ samt stache­ lige Textur. An den Seit­ en kurz und knapp, ent­ faltet der Cut am Oberkopf sein volles Po­ tenzial. Mit Mattproduk­ ten aufgestellt, entsteht eine punkige Note. Leicht aufgehellte Spitzen setzen subtile Farbakzente und ver­ stärken die ungebändigte Optik. Das lieben nicht nur junge Männer. Oder

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doch ein bisschen mehr Ordnung er­ wünscht? Auch kein Problem ­ mit Glanzprodukten in die Stirn gestylt ist der Look gleich ein wenig braver. Aber noch lange nicht gewöhnlich. NEW POP FESTIVAL Kurze Seiten­ konturen, kom­ paktes Pony und schwere Texturen am Oberkopf: Das war einst das Fashion­ Statement der Popper­Gene­ ration. In diesem Sommer erlebt der Look ein höchst trendiges Revival. Und dabei geht es richtig wild zu: Unter­ schiedliche Längen lockern die Silhou­ ette auf und gewollt »verschnittene«

Partien setzen neue Formakzente. Zugrunde liegt ein Double Cut, wobei der Übergang von den extrem kurzen Seiten zu der Länge am Oberkopf bewusst hart gestaltet wird. Optisch gesoftet wird diese Kante durch das strahlende Goldblond ­ eine Farbe, die im Sommer auch für Männer den Ton angibt. Die formbetonte Styling­ variante à la David Beckham präsen­ tiert sich vergleichsweise adrett: Der gegelte Sleek­Look mit Seitenscheitel verleiht eleganten Männer­Chic. (Copyright Text und Fotos: Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks)

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Dies & Das

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Weltwassertag 2012 Der Weltwassertag wird jährlich am 22. März begangen. Er steht in jedem Jahr unter einem an­ deren Thema. Wie die Was­ serdekade 2005 bis 2015 und das Weltwasserjahr 2003, wirbt der Weltwassertag vor allem für die Bedeutung des Wassers für die Menschheit, in der breiten Öffentlichkeit und der Politik. Der Weltwassertag ist ein Ergebnis der Weltkonferenz über Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro, er wird seit 1993

jährlich aufgrund einer Resolu­ tion der UN-Generalversam­ mlung vom 22. Dezember 1992 gefeiert. Im Jahre 2012 werden die Feierlichkeiten zum Welt­ wassertag sich auf Marseille konzentrieren, die Gastgeber­ stadt des Weltwasserforums. Die UNESCO stellt den vierten Weltwasserbericht vor. Der

Weltwassertag 2012 wird das Thema Nahrungssicherheit und Wasser haben. Die Weltland­ wirtschaftsorganisation FAO wird die Hauptverantwortung für die Gestaltung des diesjäh­ rigen Welttags tragen. (Text: www.unesco.de)

Tipps vom Fachmann: Thomas Häring, Rundfunk-/Technikmeister bei Itting Elektro GmbH

Umstellung Analog- auf Digital-TV Herr Häring, was sind eigentlich die Gründe für die Umstellung von Ana­ log- auf Digital-Empfang? Es gibt im Wesentlichen zwei Gründe: Die Programmvielfalt hat enorm zugenommen, allerdings sind die Transponderplätze relativ begrenzt. Die Überlegung war nun einfach, wie man diese ganzen Programme auf den Satelliten unterbringt. Das geht über die Digital-Technik, womit mehr Programme auf einen Transponder passen. Außerdem ist die Übertragungsqualität in Bild und Ton wesent­ lich höher als im Analogbereich. Was bedeutet das nun für den Kon­ sumenten ab 1. Mai 2012? Es gibt verschiedene Ausgangssituationen: Wer eine analoge Satelittenanlage hat, muss auf jeden Fall auf 20

digital umrüsten, um nicht schwarz zu sehen. Das erfolgt durch einen Austausch des Empfangsteils an der Schüssel und zusätzlich benötigt man einen neuen Satelliten-Receiver der digital-tauglich ist. Bei Kabelfernsehen ist zu beachten, ob von Seiten des Kabelanbieters eventuell einige Programme weiterhin auch nach dem 30. April analog zu empfangen sind. Falls nicht, ist entweder ein KabelReceiver notwendig - dabei handelt es sich um ein relativ kleines Kästchen, das man direkt beim TV-Gerät auf­ stellen kann. Bei schon etwas älteren Fernse­ hern ohne Digi­

tal-Tuner - Röhrengeräte können grundsätzlich kein digitales Signal empfangen - macht dann womöglich die Anschaffung eines neuen Gerätes Sinn, das heutzutage diesen DigitalTuner standardmäßig hat. Was ist dann beim Neukauf eines TVGeräts zu beachten? Es kommt lediglich darauf an, ob man über eine Satellitenanlage oder über Kabel fernsieht. Im Falle der SatAnlage muss das Neugerät mit der DVB-S Technologie ausgestattet sein, im anderen Fall mit DVB-C. Sollte man in Erwägung ziehen, zum Beispiel in der Zukunft von Kabel auf Satellit umzusteigen, sollte beachtet werden, dass beide Tuner eingebaut sind. Interview: Carlo Fehn

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MODe

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Bei WEKA heißt es nicht umsonst »...mehr als nur einkaufen!« Immer wieder Neues erleben heißt: »...mehr als nur Einkaufen!« In unserer Herrenabteilung tut sich was. Die Herren Mode­Shops von Lerros, Camp David, Esprit und s.Oliver werden umgebaut. Schöner, größer ­ im neuen Look! Übrigens: Jetzt in der Umbauphase können Sie super Schnäppchen machen. Auf Einzelteile, Restgrößen und Winter­Saisonware gibt´s noch mal (also auch auf bereits reduzierte Artikel) 20% Rabatt, an der Kasse abgezogen! Das sollten Sie sich nicht entgehen lassen! Die Mode­Shops für IHN ­ Lerros, Camp David, Esprit und s.Oliver ­ starten völlig neu in den Frühling. Lassen Sie sich überraschen und kommen Sie vorbei. Die neuen Kollek­ tionen werden Sie begeistern. Farbig jung oder klassisch chic ­ für jeden haben die neuen Frühjahr/Sommer­Kollek­ tionen das richtige Outfit parat. So macht Einkaufen noch mehr Spaß! ...und weiter geht’s bis April in unserer Damen­ und Her­ renwäscheabteilung. Auch hier werden wir für Sie neue Marken­Shops einrichten. Triumph, Ringella, Mey, Schiesser,

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Der neue Lerros man - Shop, bei WEKA in Kronach, im 1. Obergeschoss

Tom Tailor und viele mehr. Das wird ein Frühling! Von dufti­ ger Nachtwäsche, bequemer Freizeitwäsche oder reizvol­ len Dessous bis zu klassischen Wäsche­Sets für jede Figur, für jeden Geschmack, haben wir für Sie eingekauft. Lassen Sie sich überraschen und kommen Sie auf einen Einkaufsbummel bei uns vorbei. WEKA - mehr als nur einkaufen!

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Menschen & Geschichten Historisches

auch am Marienplatz.

Repro: Gerd Fleischmann

Hochwasseralarm gab es

Repro: Gerd Fleischmann

Die Weihnachtsflut 1967

le.

Auch durch Steinberg w채l

zte sich der aufgew체hlte

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Kronachfluss.

Repro: Gerd Fleischmann

eich der Cranach-Schu

Der Kronachfluss im Ber

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Menschen & Geschichten Historisches ielen ist der Heilige Abend im Jah­ re 1967 noch in unangenehmer Erinnerung. Damals sorgte ein Jahr­ hunderthochwasser für Angst und Schrecken. Der Frankenwald erlebte eine Katastrophe von ungeahnten Ausmaßen. Die Täler verwandelten sich in Seenlandschaften. Selbst die dramatischen Ereignisse von 1890 und 1920 wurden noch übertroffen. Dazu die Vorgeschichte: Während des ganzen Dezembers hatte es kräftig geschneit. Zwei Tage vor Heiligabend stiegen die Temperaturen einige Grad über Null und am 23. Dezem­ ber setzte dann starker Regen ein, der die Schneemassen sehr schnell zum Schmelzen brachte. Das Unheil nahm nun seinen Lauf. Bereits gegen 23 Uhr musste die Kronacher Feuer­ wehr erstmals ausrücken, um Keller auszupumpen. Dann ging es Schlag auf Schlag. Während bei einem üblichen Hoch­ wasser an die 65 Kubikmeter Wasser in der Sekunde in der Haßlach gen Kronach schießen, sorgte das Ereignis im Jahre 1967 mit 85 Kubikmetern für einen absoluten Rekord. Entspre­ chend groß waren die Auswirkun­ gen. Für viele Menschen gab es kein Weihnachten im Lichterglanz und in Geborgenheit. Dafür kamen am 24. Dezember Not, Elend und Schrecken über die Familien. Die riesigen Was­

sermassen, die sich in Haßlach, Kro­ nach und Rodach Richtung Süden wälzten, richteten in Stadt und Land schlimme Verwüstungen an. Auch zwei Todesopfer waren zu beklagen: Ein fünfjähriger Junge und ein 61­ jähriger Mann starben. Außerdem gingen viele Tiere in der reißenden Strömung elend zu Grunde. Hart traf es wieder einmal die Kro­ nacher in den unteren Stadtberei­ chen. Unheilvoll klangen schon die Meldungen von den Oberläufen der Haßlach und der Kronach, die am Vorabend beim Straßen­ und Was­ serbauamt ständig eingegangen waren und die bereits in der Nacht zum Heiligen Abend ernste Hochwas­ sergefahr erkennen ließen. Am Sonn­ tag, 24. Dezember, löste schließlich die Polizei mittels Sirene gegen 5.45 Uhr Katastrophenalarm aus.

Enorme Sch�den Trostlos war das Bild im Bahnhofsvier­ tel, insbesondere in der Rosenau, wo das Wasser in die dortigen Geschäfte eindrang und enorme Schäden an­ richtete. Schwer betroffen waren vor allem das Möbelhaus Hess und die Drogerie Dölling. Die Hochwassermassen der Kronach setzten auch den Ziegelwinkel auf weiten Strecken unter Wasser und ergossen sich als breiter Strom über

die Staatsstraße 2200 wieder in das Kronachbett. Ein ähnlich schauriges Bild bot sich an der Spitalbrücke. Trostlos sah es auch in Kronach­Süd in der Siedlung aus. Die Wassermas­ sen der Rodach setzten dort fast alle Keller unter Wasser. Aber auch in vielen Orten des Frankenwaldes kam es zu dramatischen Zuspitzungen mit schlimmen Folgen. Landrat Dr. Edgar Emmert, Bürger­ meister Konrad Popp und die Bürger­ meister der betroffenen Gemeinden waren entsetzt über den beträchtli­ chen Schaden. Bereits am 2. Weih­ nachtsfeiertag besuchte Regierungs­ präsident Dr. Fritz Stahler den Landkreis und informierte sich vor Ort über die Katastrophe. Auch die Land­ tagsabgeordneten Baptist Hempfling und Louis Welsch sowie MdB Karl Hofmann versprachen, sich für eine rasche Hilfe einzusetzen. Auch heute noch erinnern sich die Zeitzeugen mit gemischten Gefühlen an die Katastrophenweihnacht von 1967. Obwohl in den nachfolgenden Jahrzehnten Abermillionen in den Hochwasserschutz ­ vor allem im Be­ reich von Kronach ­ investiert wurden, lässt sich eine Wiederholung dieser Schreckenstage nicht ausschließen. von Gerd Fleischmannn

Repro: Gerd Fleischmann

V

Das Hochwasser von 1967 verwandelte das Rodachtal bei Neuses in eine Seenlandschaft. Die Zollschere verschwand in den Wasserfluten.

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R. I. P. »Hummi«!

Der Patient wurde für tot erklärt, die Todesursache ist bekannt, die Beisetzung hat statt­ gefunden. Dass es sich um einen Scheintod handelt, kann nicht hundertprozentig ausge­ schlossen werden, gilt jedoch als nahezu unwahrscheinlich. Die Trauer hat begonnen, das Leben muss weitergehen. Der »Sunset Club« ist tot! KRONICHER. hat sich mit einem der Macher über eine zwölfjährige Erfolgsgeschichte unterhalten.

B

ekannt gemacht wurde es schon, einer Closing­ folgte bereits eine 80er Revival­Party und der kleine Funke Hoffnung, der für den »Sun­ set Club« in Hummendorf womöglich einen Sunrise bedeuten könnte, wird nach Aussage von Hajo Barnickel kein neues Feuer für die verständnislose Fangemeinde entfachen können. »Es ist schon traurig und wir fragen uns wirklich: Warum?« Der Kronacher Zahnarzt, der Ende der 1990er Jahre zusammen mit seinem Kollegen, Michael Kaiser, nach einer Idee suchte, ein Konzept für einen Diskotheken­Betrieb umzusetzen, muss sich mit der Aussage des Ge­ bäudeeigentümers zufriedengeben, der schlicht und einfach keine Disko mehr haben möchte ­ Punkt! Zum Stand der Dinge sagt Hajo Barnickel mit einem deutlichen Schuss Weh­ mut in der Stimme: »Wenn nicht et­ was Außergewöhnliches passieren sollte ­ und davon gehen wir nicht aus ­, dann werden wir das Gebäude 24

im April so übergeben, wie wir es damals übernommen haben.« Das Herzblut, das er, Michael und Tho­ mas Kaiser, Stefan Messelberger und der im vergangenen Jahr als Teilhaber dazugekommene Christian Sünkel bei Um­ und Ausbau und ­ teilweise auch erst kürzlich durchgeführten ­ Reno­ vierungen in die einzige »richtige Disko« im Landkreis gesteckt haben, ist dann zwar versickert, doch alles andere könnte womöglich in einer neuen Location gebraucht werden.

Aus S�ass wurde Ernst »Das ist natürlich jetzt eines unserer wichtigsten Themen«, sagt Barni­ ckel, der sich selbst als eine kon­ stante Größe der regionalen House­ Szene und passionierten Partygänger bezeichnet. Er blickt zurück und ver­ gleicht die Entscheidungssituation für solch eine Unternehmung damals mit heute: »Michael Kaiser und ich hatten Anfang der 90er unsere Zahn­ arztpraxen eröffnet und später ein

Dentallabor mitgegründet. Wenn du noch relativ jung bist und schon zwei Unternehmen erfolgreich gestartet hast, fragst du dich dann mal so aus Spaß: ›Und was kommt jetzt?‹. Es gab zu dieser Zeit keine richtige Diskothek im Landkreis und so haben wir einfach mal ein paar Visionen durchgedacht.« Das zu diesem Zeitpunkt leerstehende und völlig heruntergekommene Ge­ bäude in Hummendorf hatte unter dem Eigentümer viele gute Disko­Jah­ re bis Ende der 1980er hinter sich und war danach mit zumeist wenig durch­ dachten Konzepten bis zum endgülti­ gen Stillstand wiederbelebt worden. »Da war wirklich nicht mal mehr ein Lichtschalter, geschweige denn Stromkabel oder sonstige Dinge, die den Laden für uns attraktiv gemacht hätten«, beschreibt Hajo Barnickel einen ersten Besichtigungstermin da­ mals. Nach einigen Überlegungen und Abwägungen beschlossen die vier Un­ ternehmer ­ Thomas Kaiser und Ste­ fan Messelberger waren mit im Boot KRONICHER. | Ausgabe März 2012


Gesellschaft

»

Es wird jetzt wirklich schwer, in Kronach am Wochenende wegzugehen.

- dann allerdings, das Projekt »Hum­ mi« anzupacken. Trotz der schwieri­ gen Startbedingungen gab es keine sinnvolle Alternative. Barnickel sagt: »Das war eine Marke, die wir einfach nur wecken mussten. ›Hummi‹ war und ist ein Begriff, nicht nur bei uns im Landkreis. Da kannst du überall in der Region fragen, sogar bis nach Nürnberg fahren und die Leute ken­ nen das.« Barnickel, der eingesteht, dass er innerhalb des Teams derjenige war, der das Samstag-Nacht-Geschäft in Absprache den Anderen überlassen hat und der - auch aufgrund sei­ner Bekanntheit in der Szene - die Kon­ takte herstellte, Trends aufzeigte und die PR übernahm, ist der Meinung, dass mit der Schließung des »Sunset Clubs« nicht nur ein Stück Kronacher Club-Geschichte verschwindet.

Lücke entstanden »Das Problem ist ja nicht, dass wir als Betreiber auf die Gastronomie angewiesen wären. Wir haben alle ›anständige Berufe‹, die uns voll aus­ füllen. Der Club war für uns immer Hobby, eine Passion, nie Geschäft. Aber es waren aufregende Jahre und jetzt muss man sich einfach mal an­ schauen, welche Möglichkeiten man im Landkreis und speziell in Kronach noch hat, am Wochenende wegzuge­ hen. Und vor allem so wegzugehen, dass man auch mal ein paar Bekann­ te trifft. Das war ja gerade für unser Stammpublikum ein wesentlicher Faktor. Man konnte sich auf die Kon­ tinuität bei der Musik verlassen, es war alles relativ gut überschaubar und man wusste immer, man würde Leute treffen, die man kennt. Es war auch irgendwo dieser ganz famili­ äre Charakter, der uns so beliebt gemacht hat. Unglaublich viele Bezie­ hungen fanden hier ihren Anfang.« Heute und jetzt sei im Vergleich zu KRONICHER. | Ausgabe März 2012

(Hajo Barnickel, Initiator und Mitgesellschafter des »Sunset Clubs« Hummendorf)

damals einiges anders, so Barnickel. Der »Hummi«-Faktor als Anziehungs­ punkt aufgrund der Bekanntheit von früher findet sich nirgends, wenn man jetzt überlege, irgendwo anders wieder etwas aufzubauen. »Wir haben uns schon ein bisschen umgehört und bekommen viele Hin­ weise. Aber im Moment sind wir in erster Linie natürlich damit be­ schäftigt, in Hummendorf auszuzie­ hen und alles abzuwickeln. So einfach aus dem Bauch heraus wird eine Ent­ scheidung diesmal wohl auch nicht zu treffen sein«, so der Kronacher Zahn­ arzt. Ob alle fünf Gesellschafter überhaupt weitermachen würden, sei noch nicht ganz klar, aber auch nicht das eigent­ liche Problem. »Es geht natürlich um die Investition, die man dann erst mal wieder tätigen und aufholen müsste und vor allen Dingen wird es schwie­ rig, die Nachhaltigkeit unseres erfolg­ reichen Konzepts hinsichtlich Musik, Zielgruppe und Öffnungszeiten jetzt einfach von A nach B zu transpor­ tieren. Der ›Sunset Club‹ war und ist eben etwas Besonderes.« Und das

hat nicht in erster Linie etwas damit zu tun, dass Barnickel dort auch seine Lebensgefährtin Doreen ken­ nengelernt hat. »Wir brauchen hier in Kronach ein Angebot. Wo sollen die jungen Leute, aber auch die End­ zwanziger und die jung gebliebenen Dreißiger denn hin? Und wie sieht das aus: eine Kreisstadt ohne nächtli­ chen Fixpunkt?« Der »Sunset Club« in Hummendorf wird das mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr sein. Und das schon bemühte »letzte Fünkchen Hoffnung« ist auch für Barnickel kaum noch als zündender Funke für einen Restart denkbar. Aber bevor nicht die letzte Steckdose abgeschraubt ist, sagt er zumindest: »Ich kann es mir nicht vorstellen, dass es weitergeht, ausschließen kann ich es aber auch nicht.« Mittlerweile gibt es auch von Seiten der Stadt ein klares Bekenntnis, hier gemeinsam mit potenziellen Investoren nach Möglichkeiten zu suchen, die Lücke zu schließen, die »Hummi« hinterlas­ sen wird. von Carlo Fehn

Foto: Dass Hajo Barnickel Lebensgefährtin Doreen in seinem »Sunset Club« kennen­ lernte, kommt nicht von ungefähr.

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Menschen & Geschichten

Was bleibt, ist die Asche Immer mehr Menschen auch im Landkreis Kronach entscheiden sich im Todesfall für eine Feuerbestattung. Die Gründe hierfür haben sich stark verändert, ebenso wie die Möglichkeiten der Realisierung.

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s ist ein Thema, das viele in der Gesellschaft lange vor sich her­ schieben: der eigene Tod, der Tod naher Angehöriger und die folgende Bestattung. Meist ist in Familienkrei­ sen der grundlegende Wunsch des Verstorbenen bekannt: Erd­ oder Feuerbestattung. Letztere nimmt sowohl deutschlandweit als auch im Landkreis Kronach zu. Sowohl Wer­ ner Schmidt vom Bestattungsinsti­ tut Walter Pause, als auch Torsten Schönsee vom Bestattungshaus Schönsee schätzen diese auf rund 60 Prozent, die Tendenz sei steigend. Aileen Krässe vom gleichnamigen Be­ stattungsinstitut taxiert den Anteil für die Stadt Kronach mittlerweile sogar auf 70 Prozent. »Da wir in einer recht strukturschwa­ chen Region leben, ergibt sich zum Beispiel nach Wegzug der Kinder fast zwangsläufig das Problem der Grabpflege. Da die Pflege bei einem Urnengrab nicht so aufwändig ist, stellt das für viele eine gute Möglich­ keit dar«, erklärt Torsten Schönsee. Aileen Krässe sagt: »In der Regel ist eine solche Beisetzung kostengünsti­ ger sowie hygienischer. Eine Urnen­ bestattung ist das Sauberste, was es gibt.“ Im Fall einer Feuerbestattung 26

muss der Wille des Toten oder sei­ ner Angehörigen dazu ausdrücklich bekundet sein und die Identität darf keine Zweifel zulassen. Dabei gibt es zwei grundlegende Arten im Ablauf der Urnenbestattung: Entweder fin­ det nach der Aussegnung eine Trau­ erfeier mit dem Sarg des Toten statt, der vor dem Leichenhaus des Fried­ hofes oder in einem Fahrzeug aufge­ bahrt ist. Der Tote wird anschließend ins Krematorium gebracht, dort ver­ brannt und die Urne ein paar Tage später meist im engsten Familienkreis beigesetzt, dies in einem Urnengrab oder einem bereits bestehenden Ein­ zel­ oder Gemeinschaftsgrab. Die zweite Möglichkeit besteht in einer Trauerfeier, bei der die Urne nach der Kremation bereits zur Trauerfeier ge­ bracht wurde.

Friedho�szwang Dass Urnen vergänglich sein müssen, ist nicht jedem bekannt. Auf dem Coburger Stadtfriedhof beispielsweise werden nur biologisch abbaubare Urnen verwendet. Im Landkreis Kro­ nach ist dies noch nicht so. Auch das Erscheinungsbild der Urne an sich als Behältnis hat sich gewandelt. Es gibt sie heute in vielen verschiedenen

Größen, Farben und Materialien, wie zum Beispiel aus Holz, Biorohstoffen, Kupfer­, Metall­, Porzellan­, Ton­ oder Keramiklegierungen. Ebenso wün­ schen sich viele Menschen, die Urne des Verstorbenen mit nach Hause zu nehmen und an einem beson­ deren Ort aufzustellen. Das ist in Deutschland nicht möglich, denn es herrscht »Friedhofszwang« per Ge­ setz. Eine Beisetzung auf einem »Gottes­ acker« ist Pflicht, eine Lockerung gab es lediglich in Form der See­ oder Naturbestattung, beispielsweise dem »Ruheforst«, wie er vor wenigen Jah­ ren in Tambach bei Coburg realisiert wurde. Im Landkreis Kronach gibt es derzeit einen sogenannten »Urnenkreis« auf dem Stadtfriedhof Kronach ­ eine Urnengemeinschaftsgrabanlage. In anderen Ländern können die Urnen teils von den Angehörigen mit nach Hause genommen werden, sowie es die Möglichkeit der Fels­, Diamant­ oder Weltraumbestattungen gibt ­ letztere entsprechend teuer. Zu den deutschen Bestatterleistungen kann man sagen, dass hier je nach in­ dividuellen Wünschen eine gewisse Spannbreite möglich ist. Dass eine KRONICHER. | Ausgabe März 2012


Tradition Feuerbestattung schon deshalb nicht generell billiger ist als eine Erdbe­ stattung, hängt auch damit zusam­ men, ob beispielsweise bereits ein Familien­grab bestehe. »Was in jedem Fall billiger ist, ist die Gebühr für ein Urnengrab in der je­ weiligen Gemeinde«, erklärt Werner Schmidt. Hierfür gibt es jedoch bei allen fünf Bestattungsinstituten im Landkreis Kronach individuelle Bera­ tung. Dass der saisonbedingte Aufwand nicht mit in die Kostenab­rechnung einfließt, versteht sich von selbst: dennoch benötige man im Winter bei gefrorenem Boden etwa die drei- bis vierfache Zeit bei der Arbeit.

Anders trauern Torsten Schönsee beschreibt einen Wandel der hiesigen Trauerkul­ tur: Früher habe es nicht nur in Deutschland noch eine traditionelle Totenwache am Bett des Verstor­ benen gegeben, wo man Abschied vom Verstorbenen nehmen konnte. Viele ältere Menschen kennen das heute vielleicht noch aus Erzählun­ gen. Da heute aber viele Menschen im Krankenhaus oder im Hospiz stür­ ben und oft danach nicht mehr in ihr altes Zuhause kämen, entfalle dieses bewusste Loslassen. Dass die Art der Bestattung von der Konfession abhänge, denkt auch Ai­ leen Krässe nicht: »Trauer ist Trauer.« Sie erzählt: »Bis vor zehn oder 15 Jah­ ren etwa war es in katholischen Or­ ten noch nahezu undenkbar, sich ver­ brennen zu lassen.“ Heute sieht sie - ebenso wie Pfarrer Segenschmiedt aus Küps - keine Unterschiede zwi­ schen Katholiken und Protestanten. Der Geistliche verweist dabei auf die Geschichte: Früher galt die Erd­ bestattung als bewusste Abgrenzung der Christen gegen die Praktiken der Römer. »Verbrennen bedeutete: keine Hoffnung auf neues Leben mehr ha­ ben.« Vielmehr seien es Unterschiede, die aus einem Stadt- oder Landleben resultieren. Viele Großstädter hätten in ihrem unmittelbaren Umkreis keine KRONICHER. | Ausgabe März 2012

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nahen Angehörigen mehr, die sich um das Grab kümmern könnten. Deshalb kommt es oft vor, dass ihre Urne in das Grab eines verstorbenen Elternteils kommt. Es sei ein allgemeiner Trend. Ebenfalls zugenommen habe die Zahl der anonymen Bestattungen, wie sie beispielsweise in Coburg ermöglicht wurden. »Individuell muss jeder für sich entscheiden, was für ihn das Richtige ist - auch innerhalb der Arten der Urnen­ bestattung«, befindet er. „Für manche stellt die Tatsache, dass man dem abfahrenden Lei­ chenwagen mit dem Verstor­ benen nachseh­ en muss, einen verzögerten Ab­ schied dar. Etwas, das noch nicht abgeschlossen ist. Andere füh­ len sich bei einer reinen Trauer­ feier mit Urne unwohl, weil sie denken, dass so s­chnell nicht viel übrig bleibt.« Auch deshalb sei es wichtig, das Thema »Tod« nicht zu verdrän­

gen und sich schon früh zu seinen Wünschen zu äußern. »Ich habe nun seit 17 Jahren zum ersten Mal den Fall, dass eine Frau genau gesagt hat, was sie haben will, sogar die Liedaus­ wahl für die Trauerfeier.« von Corinna Tübel

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Daten & Fakten

IN

ZAHLEN

ca. 60 60 ca. 500

Anteil der Feuerbestattungen im Landkreis Kronach in Prozent

Monatlicher Elternbeitrag in Euro für die Tagespflege eines Kindes, das 10 Stunden pro Woche bei einer Tagesmutter untergebracht ist. Heuballen, die Landrat Oswald Marr jeden Sommer selbst produziert und einlagert

(Quellen: Bestattungsinstitute im Landkreis, Kreisjugendamt)

DER

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Mein Rezept für den Landkreis

NO-BAKE OATMEAL COOKIES (Ha�er�locken-Schoko-Pl�tzchen)

von Ursula Ingram

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Sie hier? Ganz einfach! Schicken Sie uns Ihren Rezept­ Tipp an: redaktion@kronicher.de Betreff: Mein Rezept Ein aktuelles Foto (Auflösung 300 dpi) sollte ebenfalls dabei sein.

Zutaten*:

Zubereitung:

Zuerst folgende Zutaten mi­ schen, dann eine volle Minute sehr gut aufkochen und ständig rühren: • Ungesüßtes Kakaopulver • Milch • Butter • Zucker

• • • • • •

ca. 40 g ungesüßtes Kakaopulver ca. 125 ml Milch ca. 125g Butter (oder etwas weniger) ca. 500 g Zucker ca. 8 Esslöffel Erdnussbutter 1 Päckchen Vanillin ca. 275g Haferflocken

Ausschneiden und sammeln!

*Es ist möglich, dass die Portionen aufgrund der Umrechnung der amerikanischen Maße ein bisschen angepasst werden müssen. Der Teig sollte ziemlich fest sein, damit die Plätzchen nach dem Abkühlen nicht zerfallen.

Von der Heizplatte entfernen und folgende Zutaten einrüh­ ren: • Erdnussbutter • Vanillin • Haferflocken Alles nochmals gut durchrüh­ ren und die Masse löffelweise auf Wachspapier tropfen.

Gut abkühlen lassen und genießen!

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Das allerletzte Interview

Mal ehrlich, Herr Gräbner! Norbert Gräbner (SPD) ist seit 1996 Bürgermeister des Marktes Marktrodach. Der 55­Jährige ist verheiratet und hat eine Tochter. Vor seiner Amtszeit war er als Verwal­ tungsamtsrat Bauamtsleiter beim Markt Küps.

Was steht auf Ihrem Frühstückstisch? Ich bin ein »Frühstücker«, deshalb zumin­ dest am Wochenende das volle Programm wie Tee, Kaffee, Brötchen, Marmelade, Honig, Wurst, Käse und natürlich frisch gepresster Orangensaft. Ein Tag beginnt für Sie richtig gut, wenn... ...die Sonne lacht und ich in den Tageszei­ tungen gute Nachrichten lesen kann. Wann waren Sie das letzte Mal im Kino? Vor wenigen Wochen. Welcher Film? Der neue Sherlock Holmes »Spiel im Schatten«. Welches politische Projekt möchten Sie umgesetzt wissen? Der kommunale Finanzausgleich kann schon seit Jahren nicht mehr als gerecht angesehen werden. Hier muss eine Än­ derung passieren, damit die Kommu­ nen mehr Selbständigkeit erhalten und wirtschaftlicher arbeiten können. Dann würden sie auch mehr Freiraum bekom­ men, um noch vieles mehr zum Wohl der Bürger gestalten zu können. Ihre Lieblingsfarbe? Keine. Die beeindruckendste Leistung, die ein Mensch vollbracht hat? Es gibt viele phantastische Leistungen von Menschen in der Geschichte. Für mich nicht nur beeindruckend, sondern 30

auch am bedeutendsten ist, wie Michail Gorbatschow im vergangenen Jahr­ hundert auf friedliche Weise die Welt verändert hat. Ohne ihn, seine Glasnost und Perestroika, hätte es die friedliche Revolution und eine Wiedervereinigung Deutschlands ohne Blutvergießen sicher nicht gegeben. Welchen Traum würden Sie sich gerne erfüllen? In einem Raumschiff die Erde umkreisen. Wen würden Sie gerne einmal für einen ausführlichen Meinungsaustausch treffen und warum? Helmut Schmidt. Er war für mich der beste und weitsichtigste Bundeskanz­ ler, vielleicht gemeinsam mit Konrad Adenauer, den wir jemals hatten. Seine Ansichten sind oftmals auch unbequem aber immer zutreffend, so dass sein Rat auch heute noch sehr gefragt ist. Er ist weise im wahrsten Sinne des Wortes. Aber auch Gorbatschow steht aus oben genannten Gründe ebenfalls auf meiner Wunschliste. Wie würden Sie in einer Pilsbar in Ham­ burg einem Nordlicht die »Kronicher« beschreiben! Leute, die zuerst reserviert wirken, aber nach dem »Auftauen« so gastfreundlich und Fremden gegenüber so aufgeschlos­ sen sind, dass sie auch mit einem »kühlen« Hamburger ins Gespräch kommen. Dabei ist auch die erste Fremdsprache der Fran­ kenwäldler, nämlich das Hochdeutsche, sehr schnell kein Problem mehr.

Natürlich hoffe ich, dass die Bürger mit mir zufrieden sind. Trotz klammer Kas­ sen wurde vieles geleistet, für manches jedoch braucht man Geduld, einen Lotto­ gewinn oder eine Gesetzesänderung. Es freut mich, wenn man mal gelobt wird, aber auch für Kritik bin ich empfänglich, denn nur so kann man etwas verbessern. Für jeden und fast immer ansprechbar zu sein war und ist meine Devise, als ich Bürgermeister vor 16 Jahren wurde. Dass dies heute noch funktioniert, zeigt die Zeit, die ich brauche, um vergessene Kleinigkeiten beim örtlichen Vollversorger einzukaufen. Das letzte Buch, das Sie gelesen haben? »Limit« von Frank Schätzing. Ein Zukunfts­ roman, der in einer Zeit spielt, in der das Erdöl seine Bedeutung für die Energiever­ sorgung gerade verloren hat. Sie dürften einen Werbeprospekt für den Landkreis Kronach mitgestalten. Welcher Slogan würde die Titelseite zieren und warum? Landkreis Kronach! Kultur, Natur und Gau­ menfreuden, einfach einzigartig in seiner Kombination! Was wäre Ihre Henkersmahlzeit? Da ich es bei diesem Anlass sicher nicht eilig haben werde, würde ich ein umfang­ reiches Menü mit mindestens zehn Gän­ gen wählen. Da es sich um etwas absolut einmaliges handelt, sollte es auch von einem Sternekoch zubereitet sein. Vielen Dank für das Gespräch. Interview: Carlo Fehn

Ein Grund, warum die Bürger Ihrer Gemeinde mit ihrem Bürgermeister zufrie­ den sind? KRONICHER. | Ausgabe März 2012


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