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SOFIJASILVIA

TIBOR GYENIS UND BARNA ILLES


Ausstellung zeitgenössischer F ot o k u n st a u s K r o at i e n , Österreich und Ungarn

21.02.2013 - 12.04.2013 Galerie UngArt

des Balassi Institut – Collegium Hungaricum Wien


Kroatien, Österreich und Ungarn: drei Länder, die sich gern als beliebte touristische Destinationen präsentieren, und aus völlig unterschiedlichen Gründen, aber zu Recht, als wichtige Reiseländer Europas betrachtet werden. Jeder kennt die österreichischen Alpenspitzen, die kroatische Adriaküste oder den wogenden Balaton in Ungarn aus den Urlaubskatalogen oder noch besser aus eigener Erfahrung. In der Ausstellung Über das „Reisen” / O „putovanju” / Az „utazásról” sucht man jedoch vergeblich nach dem romantischen Sonnenuntergang auf den Hochglanzaufnahmen der Werbebroschüren. Statt dessen wird in dieser internationalen Schau das weite Thema des Reisens zum Objekt einer besonders aussagekräftigen zeitgenössischen Kunst: Es geht nicht um Protest oder Kritik, sondern um das radikale Erlebnis des Reisens, des unterwegs Seins und der Landschaftsbetrachtungen. Das Faszinierende an der Kombination der ausgewählten drei Positionen aus Österreich, Kroatien und Ungarn ist der Kontrast zwischen der relativ homogenen Gesamterscheinung der ausgestellten Werke auf den ersten Blick, und der doch so unterschiedlichen subjektiven Akzente in der Tiefenstruktur beim zweiten Hinschauen. Für den Österreicher Klaus Mähring ist Reisen ein Grundelement seines Lebens. Die Kroatin SofijaSilvia hält die stille Magie des Ortes mit seiner Geschichte fest, während das ungarische Fotografenduo, Tibor Gyenis und Barna Illés, uns mit dem Reisen als mögliche Täuschung und Illusion – oder als unerfüllter Wunsch – konfrontiert. Die Auswahl der Künstler ist das Ergebnis eines besonders angenehmen Austauschs und Dialogs zwischen Institutionen und Experten in Österreich, Kroatien und Ungarn. Die Ausstellung ist in Zusammenarbeit mit der Fotogalerie Wien und der Botschaft der Republik Kroatien in Österreich entstanden, bei denen wir uns an dieser Stelle für die exzellente Zusammenarbeit von Herzen bedanken möchten. Für ihre kuratorische Tätigkeit und ihre unentbehrliche Fachkompetenz danken wir Susanne Gamauf und Brigitte Konyen von der Fotogalerie Wien, sowie dem ungarischen Experten Károly Kincses vom Haus der Ungarischen Fotografie in Budapest. Ein besonderer Anlass für dieses Projekt ist der anstehende EU-Beitritt Kroatiens, der im Juli 2013 stattfinden wird und nun auch durch diese europäische künstlerische Zusammenarbeit gefeiert werden soll. Dr. Márton Méhes Direktor, Balassi Institut – Collegium Hungaricum Wien


SOFIJASILVIA (Silvia Potočki Smiljanić) – lebt und arbeitet in Pula, Kroatien 2002 erhielt sie ihren Hochschulabschluss (BA) von FAMU – der Film- und Fernsehfakultät der Akademie der Musischen Künste in Prag und 2007 schloss sie ihr Studium (MA) an der Central Saint Martins School of Art and Design in London ab. Ihre Arbeiten wurden bereits in der Galerie Camera Austria im Kunsthaus Graz ausgestellt und in der Hilger Brot Kunsthalle in Wien sowie in Galerien in Slowenien, der Tschechischen Republik, Deutschland, Ungarn und im Vereinigten Königreich. 2010 organisierte sie die internationale Gruppenausstellung und das Symposium Inside the Island, im Nationalpark Brijuni, 2011 hatte sie mit Chrystel Lebas eine gemeinsame Ausstellung mit dem Titel Conversations on Nature im Museum für Moderne und Zeitgenössische Kunst in Rijeka, Kroatien. Ihre Arbeiten wurden im Magazin Camera Austria International, den tschechischen Zeitschriften Blok und Fotograf, den slowenischen Magazinen Fotografija und Emzin, dem serbischen Nova misao und den kroatischen Zeitschriften Kontura, Čovjek i prostor und Oris veröffentlicht. 2011 filmte die Kroatische Staatliche Rundfunkgesellschaft (HRT) zwei Dokumentarfilme über ihre Arbeit und zuletzt wurde der Dokumentarfilm SofijaSilvia – Fotografie in Kroatien (15 Min.) in Paris bei der Cité Internationale des Arts in der Ausstellung Croatian Photography Through the Eyes of Peter Knapp gezeigt.

SILENT ISLANDS, BRIJUNI 2009–2012 Die vielschichtige Wirklichkeit der Inselgruppe liegt jenseits dessen, was man anfangs erfassen kann. Sie ist eine vor langer Zeit geschaffene, unwirkliche Landschaft; eine in höchstem Maße manipulierte und konstruierte Umwelt, die auf den ersten Blick natürlich scheint. Die Inseln waren über die Jahrhunderte ein Ort der privilegierten Isolation und Inspiration für jene, die sie seit der Antike bewohnt hatten. Sie haben viele berühmte Persönlichkeiten angezogen, so wurde auch Thomas Manns Novelle Tod in Venedig durch seine Reise auf die Inseln auf seinem Weg nach Venedig inspiriert. Damals gehörten sie dem österreichischen Industriellen, Paul Kupelwieser, später wurden sie zur Privatresidenz des jugoslawischen Staatschefs Tito. SofijaSilvia hielt die Inseln zum Zeitpunkt ihrer Wandlung fest. Die Hotels werden modernisiert, daher sind viele der fotografierten Interieurs bereits verschwunden. Die Landschaft wird nach Plänen der Verwaltung umgewandelt, märchenhafte Landschaftsbilder wie zwischen den Inseln umherschwimmende Hirsche werden bald der Vergangenheit angehören.


Stille Inseln, Brijuni – Imaginäre Landschaften – Nr. 01 – Idylle, analoger C-Print, 2009 Tihi otoci, Brijuni – Imaginarni krajolik – br. 01 – Idila, 2009


Stille Inseln, Brijuni – Zimmer – Nr. 01, analoger C-Print, 2009 Tihi otoci, Brijuni – Sobe – 01, 2009


Stille Inseln, Brijuni – Zimmer – Nr. 03, analoger C-Print, 2009 Tihi otoci, Brijuni – Sobe - 03, 2009


A good traveler has no fixed plans, and is not intent on arriving. – Lao Tzu Klaus Mähring aka Captain Klaus, geboren 1975 in Graz, lebt und arbeitet seit 2003 on the road in einem österreich-ungarischen Steyr-Ikarus Linienbus. Der Bus, ein ehemaliger Mannschaftswagen der Grazer Polizei, dient als Fotolabor, als Ausstellungsraum/ Atelier für Mährings Projekt Galeria Nowhere sowie als Rathaus des Projekts Nomadic Village, das Mähring als Diplomat und ehrenamtlicher Bürgermeister seit 2009 organisiert. Das großzügig dimensionierte Vehikel ermöglicht einen Rückzug ins Private an fremden Orten. Der Diskurs zwischem dem Ich, dem Inneren, und der Welt und den Menschen, die einem auf Reisen ins Unbekannte begegnen, spiegelt sich in den Porträt- und Landschaftsaufnahmen und in den installativen Fotoarbeiten wider. Das experimentelle Verständnis, besonders im Farbprozess, wurde für mich durch das Entstehen der digitalen Fotografie umso wichtiger, je mehr diese Neuerungen die auf Film basierende Fotografie in Frage stellen; für diese ergeben sich, ähnlich wie für die Malerei zur Zeit der Erfindung der Fotografie, neue Möglichkeiten, Freiheiten und Werte. Das Negativ erhält einen neuen Stellenwert, eine analoge Rauheit und der analoge Prozess können zu einer eigenen Bildsprache werden; zentral ist eine umfassende und vielschichtige Reflexion über die Situation der Fotografie in der heutigen Zeit. Fotoarbeiten mit dem Vermerk „printed on the road“ sind Unikate, die unterwegs im Bus fertiggestellt wurden. Sie tragen Spuren der Arbeit vor Ort und sind Zeitzeugen von Expeditionen, bei denen das Ankommen unwichtig, aber das Unterwegssein essentiell ist.

www.klaus.maehring.at www.nomadic.cd


Kobaltmine, Marokko, C-Print, 2011


Bus in der Sahara, Marokko, C-Print, printed on the road, 2011


Mural Ăźber das Nomadic Village, Bulgarien, SchwarzweiĂ&#x;-Emulsion auf Stein, 2009


TIBOR GYENIS geb. 1970 in Pécs, bildender Künstler und Fotograf

Er studierte Kunst an der Janus Pannonius Universität in Pécs Malerei bei István Bencsik und Bildhauerei bei Gyula Konkoly, begann sich aber schon früh mit der Fotografie zu beschäftigen. Anstatt Ereignisse zu dokumentieren, setzt er Geschehnisse, Situationen oder gebaute Landschaften in Szene, die er manuell herstellt und welche oft mit grotesken, manchmal sogar mit fast erschreckenden Elementen versehen sind. Wenn sie fertig sind, fotografiert er sie, und dann wird nur der fertige Gegenstand wichtig – das Ereignis verschwindet spurlos. Auf seinen Bildern sind die den physischen Gesetzen widersprechenden, irrationalen, absurden Einstellungen, Szenen und Körper alle manuell hergestellt. Als Grundlage seiner künstlerischen Vision dienen reale Situationen. Er kreiert, verschränkt, wandelt um. Seine Fotos entstehen meistens analog, ohne digitalen Eingriff und Manipulation.

BARNA ILLE'S geb. 1964 in Budapest, Fotograf, Universitätsdozent

Studierte verschiedene Bereiche der Fotografie u.a. bis 2005 an der Budapester Szellemkép Szabadiskola und der ehem. ungarischen Hochschule für Kunst und Design. Obwohl ihn sein Professor, Miklós Gulyás, anfangs beeinflusste, entfernte er sich von der durch ihn vertretenen subjektiv dokumentarischen Richtung und interessiert sich heutzutage für die Untersuchung von existierenden und nicht existierenden Realitäten aus fotografischer Sicht. Der Weg von Barna Illés als Fotograf wird von seiner künstlerischen Sichtweise bestimmt, deren Hauptmerkmal die Reflexion auf das Medium ist. Ihn interessiert die Verwischung der Grenzen zwischen Illusion und Realität. Er hinterfragt den dokumentarischen Charakter des Fotos, ihn interessiert eher die Infragestellung der konventionellen und direkten Sichtweise. Die beiden Künstler schaffen in ihrer Fotoserie In unbekannten Landschaften entsprechend ihrer eigenen Arbeitsmethoden Landschaften, die jedoch nur durch Zufall realen Landschaften gleichen. Die 8 Fotos der Serie zeigen Modelle, die in ihrer wirklichen Größe in einer Wohnung Platz hätten. Die Werke zeigen, wie man sogar in unserer gewohnten städtischen Umgebung mit Hilfe vergrößerter, eventuell hier und da manipulierter Details die exotischsten und wildesten Reisewelten heraufbeschwören kann. Die geschaffenen visuellen Situationen regen zum Nachdenken an, indem sie Absichten der durch die Tourismusindustrie genutzten Bilder mit Realität und Fiktion gemäß ihrer besonderen Manier miteinander vermischen.


In unbekannten Landschaften, Nr. 1, Lambda-Print auf Aluminium, 2004


In unbekannten Landschaften, Nr. 3, Lambda-Print auf Aluminium, 2005


In unbekannten Landschaften, Nr. 5, Lambda-Print auf Aluminium, 2006


IMPRESSUM Kuratiert von Susanne Gamauf, Brigitte Konyen (Fotogalerie Wien) Károly Kincses (Haus der Ungarischen Fotografie, Budapest) Herausgeber & Redaktion Balassi Institut – Collegium Hungaricum Wien 1020 Wien, Hollandstraße 4 www.collegium-hungaricum.at Grafik Kriszta Klebercz Druck Keskeny és Társai 2001 Kft., Budapest

Botschaft der Republik Kroatien

Botschaft von Ungarn



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