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BRIGITTE STAFFNER BRIGITTE STAFFNER

ENTDECKE DIE SANFTEN

Heilkräfte der Natur

ENTDECKE DIE SANFTEN

Heilkräfte der Natur BEWÄHRTE HAUSMITTEL & WICKELANWENDUNGEN


BRIGITTE STAFFNER

ENTDECKE DIE SANFTEN

Heilkräfte der Natur BEWÄHRTE HAUSMITTEL & WICKELANWENDUNGEN


Alle Rechte vorbehalten Copyright © 2008 Berenkamp Buch- und Kunstverlag Wattens–Wien www.berenkamp-verlag.at ISBN 978-3-85093-235-6 1. Auflage 2008 4. Auflage 2016

Bildnachweis Umschlag: Fotolia.at Foto Eppensteiner, Photografie Watzek, Christian Wieser Zeichnungen aus H. Potonié, Illustrierte Flora von Nord- und Mitteldeutschland, Band 2, Atlas, 6. Auflage, Jena 1913, und Fotolia.at

Bibliographische Information der Deutschen Bibliothek Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliographie; detaillierte bibliographische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar


Inhaltsverzeichnis 7

Vorwort

8

Natürliche Heilmittel

10 Wirkstoffe 10 Ätherische Öl 10 Alkaloide 11 Bitterstoffe 11 Cumarine 11 Flavonoide 11 Gerbstoffe 12 Glykoside 12 Kieselsäure 12 Saponine 12 Schleimstoffe 12 Vitamine, Mineralien, Spurenelemente 14 Sammeln, lagern und anwenden 14 Grundlegendes 14 Wichtige Hinweise 16 Wickelanwendungen 16 Begriffe 16 Praktische Tipps 16 Wickeltücher 17 Wärmekissen 17 Wärmflasche 18 Warme Wickel 18 Heiße Wickel 19 Kühle Wickel 21 Wirkstoffe und deren Anwendungsmöglichkeiten 22 Arnika (Arnica montana) 24 Ätherische Öle 35 Baldrian 37 Bienenwachs 38 Bockshornklee (Trigonella foenum graecum) 39 Brennnessel (Urtica urens) 41 Eichenrinde (Cortex quercus)


44 44 45 48 50 51 53 56 58 60 61 63 65 66 68 70 72 74 75 78 80 81 83 85 87 90 92 95

Gelkompressen Heilerde (Lehm) Heublumen Holunder (Sambucus) Hopfen (Humulus lupulus Ingwer (Zingiber officinale) Johanniskraut (Hypericum perforatum) Kamille (Chamomilla) Kartoffel (Solanum tuberosum) Kneipp-Wickel Kohl (Brassica oleracea) Kren (Meerrettich, Armoracia rusticana) Lavendel (Lavandula officinalis) Lein (Linum usitatissimum) Linde (Tilia platyphyllos) Lรถwenzahn (Taraxacum officinale) Melisse (Melissa officinalis) Rettich (Raphanus sativus var. niger) Ringelblume (Calendula officinalis) Salbei (Salvia officinalis) Salz Schafgarbe (Achillea millefolium) Schwarzer Senf (Brassica nigra) Spitzwegerich (Plantago lanceolata) Thymian (Thymus vulgaris) Topfen Zitrone (Citrus lemon) Zwiebel (Allium cepa)

98 Wickelanwendungen bei Fieber 102

Einsatzmรถglichkeiten der Wirkstoffe

109

Literaturverzeichnis

110

Register

118

Die Autorin


Vorwort

D

ieses Buch enthält eine Sammlung von Anwendungen natürlicher Heilmittel, die einfach und schnell anzuwenden sind; es entstand im Rahmen meiner Seminartätigkeit. Das Sammeln und Aufschreiben derartiger „Rezepte“ wurde in den letzten Jahren zu einem richtigen Hobby von mir. Die meisten Anleitungen habe ich an mir und meiner Familie ausprobiert und sehr gute Erfahrungen damit gemacht. Wir lernten, bewusster auf die Signale unseres Körpers zu hören und darauf mit natürlichen Heilmitteln zu reagieren. Vor allem unsere Kinder entwickelten dadurch ein natürliches Gesundheitsbewusstsein und Vertrauen in die eigenen Selbstheilungskräfte. Viele der beschriebenen Wirkstoffe kennen Sie wahrscheinlich und haben diese zum Teil wohl auch zu Hause. Alle Wirkstoffe sind im Supermarkt, auf dem Bauernmarkt, in der Apotheke oder im Bioladen erhältlich. Achten Sie bei der Auswahl der Wirkstoffe auf persönliche Vorlieben und haben Sie den Mut, eigene Anwendungsmöglichkeiten der verschiedenen Wirkstoffe auszuprobieren. Doch beachten Sie, dass natürliche Heilmittel keine Wundermittel sind; wenn die Beschwerden nicht besser werden oder unklar sind und –7–

Sie sich unsicher fühlen, dann ist ein Besuch bei Ihrem Hausarzt unbedingt zu empfehlen. Schulmedizinische Behandlungen können Sie sehr gut mit natürlichen Heilmitteln unterstützen und dadurch schneller wieder gesund werden. Finden Sie ein gesundes Mittelmaß zwischen Schulmedizin und Naturmedizin und vertrauen Sie Ihrem Hausverstand, dann können Sie eigentlich nichts falsch machen bei der Anwendung von natürlichen Heilmitteln. Ein besonderes Anliegen ist mir, dass dieses Buch für Sie ein nützlicher Gesundheitsratgeber wird, in dem Sie immer wieder gern nachlesen, der Sie und Ihre Familie in ihrem körperlichen und seelischen Wohl wirksam unterstützt. Dieses Buch wurde von mir sorgfältig erstellt; es erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Alle Angaben sind ohne Gewähr. Ich übernehme keine Haftung bei eventuellen gesundheitlichen Nachteilen. Entdecken Sie, wie schnell und einfach man sich selbst etwas Gutes tun kann und welche Vielfalt an sanften Heilkräften die Natur bietet. Gutes Gelingen und viele erholsame Stunden! Brigitte Staffner St. Johann in Tirol, Herbst 2016


Natürliche Natürliche Heilmittel

Anwendungen von natürlichen Heilmitteln sind so alt wie die Menschen selbst. Die Heilkunde in der heutigen Form war unbekannt, bei Beschwerden war man daher gezwungen, Mittel zu finden, die in der Natur vorkamen. Dabei musste man sich auch auf eigene und die Erfahrungen anderer verlassen. Überall auf der Erde wachsen Pflanzen mit heilenden Wirkstoffen. Sie wurden schon früh zum Räuchern, zum Herstellen von Salben und Tinkturen, als Tee, als Badezusatz oder für Wickel verwendet. In Europa entwickelte sich vor allem die Anwendung der Heilpflanzen in Form von Wickeln; sie zählte zu den erfolgreichsten Heilmitteln im Mittelalter. Das Wissen darum wurde von Generation zu Generation weitergegeben. „Die Natur folgt nicht dir, sondern du musst ihr folgen“, sagte schon Paracelsus (1493 bis 1541). Bei vielen natürlichen Heilmitteln verbindet sich das Wissen aus der Pflanzenheilkunde mit dem der Wasseranwendungen. Mitte des 19. Jahrhunderts erkannte Sebastian Kneipp die Heilkräfte des kalten Wassers und wurde weltberühmt. Durch Anwendung einfacher Ratschläge lassen sich nach der Kneipp-Methode viele Beschwerden lindern, die Abwehrkräfte stärken und die Gesundheit erhalten. Durch die moderne Entwicklung der Schulmedizin ging das Wissen um natürliche Heilmittel fast verloren. Aber immer mehr Menschen der Moderne greifen wieder auf das überlieferte Wissen zurück, das Teil unseres kulturellen Erbes ist. Die Wirkungen von natürlichen Heilmitteln und Methoden –8–


e Heilmittel Die Menschen sind mehr, als sie wahrhaben wollen, ein Ausdruck des Teils der Erde, in dem sie leben. Eine Rose des Westens sollte nicht danach trachten, so zu blühen wie der Lotus des Ostens. Gareth Knight

sind in wissenschaftlichen Arbeiten längst erforscht und bestätigt – sehr zum Vorteil der Menschen, denn: • Die natürlichen Heilmittel beeinflussen den ganzen Menschen in Körper, Geist und Seele. • Die Aufmerksamkeit und Zuwendung, die man sich selbst oder einem anderen Menschen schenkt, wirken positiv auf den gesamten Heilungsverlauf. • Die Durchblutung des Körpers wird je nach Anwendung beeinflusst: Kühle Anwendungen verengen die Blutgefäße und verringern die Durchblutung. Durch warme Anwendungen werden die Blutgefäße weiter, was die Durchblutung steigert. Auch kurze Kältereize regen die Durchblutung an. • Verschiedene Heilpflanzen und Wickelanwendungen regen die Ausscheidungsfunktion der Haut und inneren Organe (Galle, Nieren) an. • Durch die Anwendung natürlicher Heilmittel lernt der Körper, die Selbstheilungskräfte anzuregen und die Abwehrkräfte zu stärken. • Durch die Auseinandersetzung mit sich selbst und mit der Natur fördert der Mensch sein Gesundheitsbewusstsein und nimmt seinen Körper bewusster wahr.

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Wirkstoffe Wirkstoffe

Jede Heilpflanze enthält (meist mehrere) Wirkstoffe. Oft ist es aber ein Hauptwirkstoff, der den Heilcharakter einer Pflanze bestimmt. Daneben gibt es Begleitstoffe, die für die Aufnahme der Wirkstoffe in den Körper verantwortlich sind. Die Wirkstoffe sind nicht gleichmäßig in der Pflanze verteilt, sie finden sich oft unterschiedlich in den Blüten, Blättern, Wurzeln, Samen, Früchten oder in der Rinde. Auch Standort, Ernte und Lagerung der Heilpflanzen beeinflussen den Wirkstoffgehalt. Viele Wirkstoffe sind wissenschaftlich nachweisbar. Jedoch sind viele Wirkstoffe noch unbekannt und nicht erfasst. Wichtige und bekannte Wirkstoffe sind:

ÄTHERISCHE ÖLE Die meisten Pflanzen enthalten ätherische Öle. Sie sind die Duftstoffe der Pflanze und setzen sich aus vielen verschiedenen Substanzen zusammen. Ätherische Öle sind enthalten zum Beispiel in Arnika, Baldrian, Bockshornklee, Heublumen, Holunder, Hopfen, Ingwer, Johanniskraut, Kamille, Kren, Lavendel, Lindenblüten, Melisse, Rettich, Ringelblume, Salbei, Schafgarbe, Schwarzer Senf, Thymian, Zitrone, Zwiebeln und im Bienenwachs. ALKALOIDE Alkaloide sind stickstoffhaltige Verbindungen und wirken als sogenannte „Heilgifte“. Pflanzen mit einem hohen Gehalt an Alkaloiden sind nur äußerlich anwendbar, weil eine hohe Dosis giftig wirkt. Allgemein wirken Alkaloide blutdrucksteigernd, nervenanregend und krampflösend. Alkaloide sind enthalten zum Beispiel in Baldrian, Beinwell, Eisenhut, Goldregen, Pfeffer und Tollkirsche. – 10 –


Thymian

Rosmarin

Salbei

BITTERSTOFFE Bitterstoffe sind keine einheitliche chemische Gruppe. Die Inhaltsstoffe schmecken bitter. Sie wirken entzündungshemmend, verdauungsfördernd und kreislaufanregend sowie appetitanregend. Bitterstoffe sind enthalten zum Beispiel in Bockshornklee, Brennnessel, Hopfen, Kamille, Löwenzahn, Melisse, Ringelblume, Salbei, Schafgarbe, Thymian und Zwiebeln. CUMARINE Cumarine strömen einen charakteristischen Geruch aus. Sie riechen ähnlich wie duftendes Heu und wirken krampflösend, beruhigend und entzündungshemmend. Cumarine sind enthalten zum Beispiel in Heublumen, Kamille und Lavendel. FLAVONOIDE Flavonoide ist ein Sammelbegriff für verschiedene Stoffe, die eine gleiche chemische Grundstruktur aufweisen. Sie haben unterschiedliche Eigenschaften und sind stets an der Gesamtwirkung einer Heilpflanze beteiligt. Ihre Wirkung kann harntreibend, gefäßerweiternd, blutdrucksenkend, gerinnungshemmend und galleanregend sein. Flavonoide sind enthalten zum Beispiel in Arnika, Bockshornklee, Eichenrinde, Kohl, Lavendel, Löwenzahn, Lindenblüten, Holunder und Melisse. GERBSTOFFE Gerbstoffe können Eiweißstoffe der Haut und Schleimhaut binden und in unlösliche Stoffe umwandeln. Darauf beruht oft die Hauptwirkung einer Pflanze. Sie wirken entzündungshemmend und zusammenziehend auf – 11 –


Schleimhaut und Gewebe. Gerbstoffe sind enthalten zum Beispiel in Arnika, Bockshornklee, Brennnessel, Eichenrinde, Holunder, Hopfen, Lavendel, Lindenblüten, Löwenzahn, Salbei, Schafgarbe, Spitzwegerich, Thymian und Zwiebeln. GLYKOSIDE Glykoside haben eine große Vielfalt an Wirkstoffen und Wirkungen und kommen sehr häufig vor. Sie können durch Wasser und Enzyme gespalten werden. Ihre Wirkeigenschaften können schleimlösend, schweißtreibend, abführend und herzstärkend sein. Glykoside sind enthalten zum Beispiel in Holunder, Kamille, Kohl, Kren, Lindenblüten, Ringelblume und Spitzwegerich. KIESELSÄURE Einige Pflanzen können die Kieselsäure aus dem Boden aufnehmen und speichern. Kieselsäure wirkt auf Bindegewebe, Haare, Haut und Nägel. Kieselsäure ist enthalten zum Beispiel in Arnika, Brennnessel, Holunder, Löwenzahn, Spitzwegerich und in der Heilerde. SAPONINE Saponine sind pflanzliche Glykoside und haben großen Anteil an der Gesamtwirkung einer Heilpflanze. Sie unterstützen die Aufnahme anderer Inhaltsstoffe aus dem Darm und binden Cholesterin. Ihre Wirkungen sind sehr vielfältig, sie können abwehrstärkende, entzündungshemmende, harntreibende und schleimlösende Eigenschaften aufweisen. Saponine sind enthalten zum Beispiel in Bockshornklee, Lindenblüten, Ringelblume und Thymian. SCHLEIMSTOFFE Schleimstoffe sind unterschiedliche Stoffe, die in Wasser aufquellen und sich schleimig anfühlen. Sie haben erweichende, reizlindernde und einhüllende Wirkung, die vor allem bei Entzündungen der Schleimhäute nützlich ist. Schleimstoffe sind enthalten zum Beispiel in Bockshornklee, Holunder, Kamille, Kartoffeln, Kohl, Lindenblüten, Rettich, Spitzwegerich und Zwiebeln. VITAMINE, MINERALIEN & SPURENELEMENTE Diese Nährstoffe fehlen in keiner Pflanze und sind auch für den Menschen lebensnotwendige Stoffe. Vitamine, Mineralien und Spurenelemente sind enthalten zum Beispiel in Bockshornklee, Brennnessel, Heublumen, Holunder, Ingwer, Kamille, Kartoffeln, Kohl, Kren, Leinsamen, Löwenzahn, Melisse, Rettich, Schafgarbe, Spitzwegerich, Zitrone, Zwiebeln und im Bienenwachs, in der Heilerde und im Topfen.

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Oregano Lavendel

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Minze


Sammeln, Sammeln, lagern & anwenden

GRUNDLEGENDES Bei der Anwendung von natürlichen Heilpflanzen müssen folgende Ratschläge unbedingt beachtet werden: • Natürliche Heilmittel sehr sorgfältig und verantwortungsbewusst anwenden. • Mit der Anwendung bei den ersten Krankheitsanzeichen beginnen und während der akuten Phase öfters am Tag wiederholen. Auch wenn die Beschwerden abgeklungen sind, die Anwendungen noch einige Tage durchführen, sodass die Erkrankung vollständig ausheilen kann. • Säuglinge und Kleinkinder reagieren empfindlicher, daher nur milde Wirkstoffe anwenden. • Bei den verschiedenen Anwendungen und Wirkstoffen Vorsichtsmaßnahmen unbedingt beachten! • Das Herumprobieren von verschiedenen natürlichen Heilmitteln vermeiden, weil der Körper sonst überreizt wird! • Werden Schmerzen, Entzündungen oder andere Beschwerden nicht besser oder gar stärker und häufiger, unbedingt den Hausarzt aufsuchen! WICHTIGE HINWEISE • Sammeln von Heilpflanzen: Die meisten Heilpflanzen werden im Sommer gesammelt. Vernünftigerweise pflückt man sie nur an unbedenklichen Orten und beachtet den Naturschutz. Zum Transport sollte ein Korb oder eine Stofftasche verwendet werden. Blätter sammelt man vor der Blütezeit, Blüten, solange sie duften. – 14 –


lagern & Tu Deinem Körper Gutes, damit Deine Seele Lust hat, darin zu wohnen! Teresa von Avila, 1515–1582

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Die Ernte des ganzen Krauts empfiehlt sich während der Blütezeit. Wurzeln sammelt man hingegen erst, wenn die Pflanze bereits verwelkt ist. Trocknen von Heilpflanzen: Die gesammelten Heilpflanzen müssen so trocknen, dass sie ihre Wirkstoffe nicht verlieren. Dazu eignet sich am besten ein luftiger, warmer, trockener und dunkler Raum (z. B. Dachboden). Die Blüten und Blätter auf einem Leinentuch großzügig ausbreiten. Das Leinentuch über einen Wäscheständer ausbreiten, sodass auch von unten Luft dazukommt; die Pflanzen öfters wenden. Oder die Heilpflanzen zu Bündeln zusammenbinden und kopfüber aufhängen. Sie sind richtig trocken, wenn sie beim Abrebeln knistern. Lagern von Heilpflanzen: Getrocknete Heilpflanzen lichtgeschützt und trocken lagern und mit Datum beschriften. Gut eignen sich Schraubgläser oder kleine Kartonschachteln. Die getrockneten Heilpflanzen nach einem Jahr ersetzen. Kauf von Heilpflanzen: In der Apotheke, im Bioladen oder beim Kräuterbauern nur biologische Heilpflanzen kaufen – wenn möglich –, weil über die Haut Rückstände von Düngemitteln aufgenommen werden und zu Hautreizungen führen könnten. Anwendung von Heilpflanzen: Die meisten Heilpflanzen eignen sich für Wickel, als Tee, für Tinkturen und Bäder. Sie können einzeln oder gemischt angewendet werden. Beim Mischen auf die eigenen Vorlieben achten und auch darauf, dass sich die Wirkungen positiv ergänzen. – 15 –


Wickelanw Wickelanwendungen

BEGRIFFE • Wickel: Der Wickel umhüllt rundherum. • Auflage (Kompresse): Die Auflage wird nur auf die betroffene Stelle aufgelegt und enthält Zusätze. Auch sie bezeichnet man umgangssprachlich als „Wickel“. PRAKTISCHE TIPPS • Lernen Sie, (wieder) auf Ihren Körper zu „hören“! Das persönliche Empfinden bestimmt, wie oft und wie lange ein Wickel angelegt wird. Beachte! Bei hautreizenden Wickelzusätzen wie Schwarzem Senf, Kren oder Ingwer einen Wecker stellen und die Haut kontrollieren! • Wickelanwendungen in einem warmen Raum durchführen und Zugluft vermeiden. • Wickelmaterialien vorbereiten, die Tücher bei Bedarf anwärmen. Wärmekissen (Dinkel-, Kirschkern- oder Hirsekissen) im Backofen oder auf der Heizung erwärmen! Vor dem Anlegen die Temperatur des Wickels auf der Innenseite des Unterarms prüfen. • Auf warme Füße (Baumwoll- oder Wollsocken anziehen) und eine bequeme Liegeposition (eine Knierolle oder einen Polster unter die Kniegelenke geben) achten. • Gute Beobachtung während der Wickelanwendung! Selbsterfahrung ist sehr wichtig! Nur wer schon einmal einen Wickel oder ein anderes Hausmittel selbst ausprobiert hat, weiß, was hilft und angenehm ist. • Wenn möglich, nur Wirkstoffe aus biologischem Anbau verwenden. WICKELTÜCHER Als Wickeltücher eignen sich Handtücher, Leintücher, Windeln, Geschirrtücher, Socken, Wollschals oder sonstige Textilien aus natürlichen Fasern (Wolle, Baumwolle, Leinen, Flanell, Seide). – 16 –


wendungen Alle Berge, Hügel und Täler sind Apotheken! Paracelsus, 1493–1541

Als Innentuch dient bei feuchten Wickeln ein Geschirrtuch oder eine Stoffwindel aus Leinen oder Baumwolle. Als praktisch für trockene Wickel haben sich auch Küchenrolle und Stofftaschentuch erwiesen. Als Zwischentuch – man benötigt ein solches nur bei feuchten Wickelanwendungen – eignet sich ein Geschirrtuch oder Leintuch; es sollte nach Möglichkeit aus Baumwolle sein. Als Außentuch können ein Badetuch, ein Handtuch oder ein Flanelltuch verwendet werden; geeignet sind auch eine Wolldecke oder ein Wollschal. Das Außentuch hat die Funktion, die Wärme oder Kälte des Wickels zu erhalten und vor Nässe zu schützen. Ein Nierenwärmer (Nierenschützer) oder abgeschnittene Socken und Strumpfhosen halten den Wickel eng am Körper und sind besonders praktisch, wenn man keine Zeit oder auch nicht das Bedürfnis hat, sich ins Bett zu legen, oder wenn der Wickel bei Kindern angewendet wird. WÄRMEKISSEN Die Kissen – es gibt Dinkel-, Hirse- oder Kirschkernkissen – können heiß oder kalt angewendet werden. Soll das Kissen warm angewendet werden, erwärmt man es im Backofen bei 160 °C; soll es kalt angewendet werden, legt man es in die Gefriertruhe. Die Kissen passen sich gut der Körperform an und sind natürliche Wärmespeicher. Wärmekissen sind nur bei trockenen Anwendungen geeignet, weil sie nicht feucht werden sollen. Das Dinkelkissen ist locker und luftdurchlässig. Das Hirsekissen ist fein, weich und besonders angenehm im Geruch. Das Kirschkernkissen ist etwas gröber und speichert sehr lange die Wärme. WÄRMFLASCHE Der Einsatz einer Wärmflasche empfiehlt sich bei feuchten Wickelanwendungen. Bei der Verwendung der Wärmflasche ist darauf zu achten, dass im – 17 –


Plastikgummi keine Haarrisse bestehen; solche treten vor allem bei älteren Wärmflaschen auf. Sie vergrößern die Gefahr des Verbrühens! Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) hat zutreffend gesagt: „Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden. Es ist nicht genug zu wollen, man muss es auch tun.“ Im Folgenden sei daher das konkrete Tun beschrieben. WARME WICKEL Bei Wickelanwendungen ist auf das persönliche Gefühl zu achten, in welcher Temperatur der Wickel angenehm ist. Warme Wickel wärmen den ganzen Körper, beruhigen und entspannen. Sie regen den Stoffwechsel, die Durchblutung und die Verdauung an und lindern Schmerzen. Außerdem schenken sie ein Gefühl von Geborgenheit und Wärme und stärken darüber hinaus die Abwehrkräfte. Warme Wickel sind durch sanfte Wärme geprägt. Sie wirken besonders angenehm und sind vor allem bei Kindern und älteren Menschen geeignet. Warme Wickel sind hilfreich bei depressiven Verstimmungen, Husten und Entzündung der Atemwege, Lungenentzündung, Ohrenschmerzen und rheumatischen Beschwerden. Vorsicht ist geboten bei: • Bauchschmerzen: Ist die Ursache der Bauchschmerzen unklar, unbedingt zum Arzt gehen! • Bluthochdruck: Nur sanfte Wärme anwenden. • Blutniederdruck: Vorsichtig anwenden, weil es zu einer Kreislaufschwäche mit Schwindel kommen kann. • Erkrankungen an den Blutgefäßen: Es kann erhöhte Thrombosegefahr bestehen, daher nur sanfte Wärme anwenden. • Herzbeschwerden: Durch die Anregung des Blutkreislaufs kommt es zu einer höheren Belastung für das Herz – warme Wickel daher vorsichtig anwenden. • Nieren- und Gallenkolik: Geht die Kolik mit Schüttelfrost und Fieber einher, unbedingt den Arzt aufsuchen. HEISSE WICKEL Heiße Wickel sind durch große Wärme, ja Hitze geprägt. Beachte: Bei Menschen mit verminderter Reaktionsfähigkeit, Erkrankungen der Blutgefäße oder empfindlicher Haut können heiße Wickel zu Rötungen und Brandblasen führen. Die Wärme prüft man daher vor Anlegung des Wickels – am besten an der Innenseite des Unterarms. Heiße Wickel sind hilfreich bei Abszess, Geschwür, chronischer Gelenksentzündung, Nasennebenhöhlenentzündung (Stirn- und Kieferhöhlen), Rückenschmerzen und Verspannungen. – 18 –


Vorsicht ist geboten bei: • Verdacht auf Blinddarmentzündung (Gefahr eines Blinddarm-Durchbruchs), • Bauchspeicheldrüsenentzündung, • Blutungsgefahr oder Bluthochdruck, • Durchblutungsstörungen durch verengte Blutgefäße, • Herzbeschwerden oder Kreislaufbeschwerden, • Zuckerkrankheit, • Kopfschmerzen, • Krampfadern, • Lähmungen, • Verdacht auf Magen-Darm-Blutung, • Säuglingen und Kleinkindern, • Sensibilitätsstörungen (Verbrennungsgefahr), • Schlaganfall, • Schwellung und Ödemen (Wasseransammlungen im Gewebe), • Verwirrtheit. KÜHLE WICKEL Kühle Wickel wirken entzündungshemmend, schmerzlindernd und entspannend. Ein kurzer kühler Reiz kann den Kreislauf anregen und die Abwehrkräfte stärken. Beachte! Vor der Anwendung eines kühlen Wickels kühle Haut erwärmen und auf warme Füße achten. Kühle Wickel sind hilfreich bei akuter Gelenksentzündung, Halsschmerzen, Hexenschuss, Sportverletzung und oberflächlicher Venenentzündung. Vorsicht ist geboten bei verminderter Reaktionsfähigkeit und Erkrankungen der Blutgefäße, da Kälte das Gewebe schädigen kann. Keine kühlen Wickel anwenden bei: • älteren und geschwächten Menschen, • Blasenentzündung, • Entzündung der Atemwege, • Lungenentzündung, • Durchblutungsstörungen, • Fieber, • Lähmungen, • Mittelohrentzündung, • Nasennebenhöhlenentzündung, • Nierenbeckenentzündung, • Säuglingen und Kleinkindern.

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Wirkstoffe & deren Anwendungsmรถglichkeiten


Arnika

Arnica Montana Arnika wirkt auf Magen, Darm und Nervensystem anregend, hemmt Entzündungen, löst Krämpfe, fördert die Wundheilung, lindert Schmerzen, regt den Kreislauf an, senkt den Blutdruck, fördert die innere Wärmebildung und stärkt die Abwehrkräfte. Beachte! Manche Menschen reagieren allergisch auf Arnika! Es kann zu Bläschenbildung, Brennen, Hautveränderungen oder Juckreiz kommen.

Arnika wird auch Bergwohlverleih, Bergwurz oder Engelkraut genannt und steht in Tirol unter Naturschutz. Daher dürfen nur kleine Mengen gesammelt werden. Das Zusammenspiel vieler Wirkstoffe macht Arnika zu einem wertvollen Naturheilmittel. Verwendet werden die Blüten und das Kraut (Mai bis August) sowie die Wurzel (August bis Oktober). „Arnika ist nicht mit Gold zu bezahlen“, sagte Sebastian Kneipp. Arnika wird hauptsächlich äußerlich verwendet. Innerlich darf Arnika nicht angewendet werden, weil einige Inhaltsstoffe giftig sind.

Arnikalösung Vorbereitung: getrocknete Arnikablüten, Wasserkocher, Tasse. Zubereitung: 1 bis 2 Teelöffel getrocknete Arnikablüten mit 250 ml kochendem Wasser übergießen, zehn Minuten ziehen lassen und abseihen. Abgekühlt als Lösung verwenden. Wirkung: abwehrstärkend, krampflösend, durchblutungsanregend, entzündungshemmend, fördert die Wundheilung. Hilfreich zum Gurgeln bei Entzündungen in Mund und Rachen sowie Halsschmerzen, zum Spülen von Wunden, als Wickelzusatz. Arnikatinktur Vorbereitung: 10 g getrocknete Arnikablüten, 100 ml Alkohol 50 % (Apotheke), dunkle Glasflasche. Zubereitung: Arnikablüten mit dem Alkohol in einem Glasgefäß vermischen und zudecken. An einen

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hellen, sonnigen Platz stellen und täglich umrühren. Nach zwei Wochen die Mischung auspressen. Nochmals zwei Wochen stehen lassen und klar abseihen. In die Glasflasche abfüllen und mit Datum beschriften. Beachte! Bei Anwendungen die Arnikatinktur unbedingt verdünnen, weil der Alkohol die Haut reizen kann. Wirkung: entspannend, beruhigend, kühlend, schmerzlindernd, entzündungshemmend. Hilfreich als Badezusatz (5 Esslöffel für Vollbad), als Gurgel- und Spüllösung (1 Esslöffel mit 150 ml Wasser verdünnen), als Wickelzusatz (2 Esslöffel Arnikatinktur mit 200 ml Wasser verdünnen).

Arnikawickel Vorbereitung: Arnikatinktur, Stofftaschentuch. Zubereitung: 2 Esslöffel Arnikatinktur mit 200 ml Wasser verdünnen. Stofftaschentuch mit verdünnter Arnikatinktur befeuchten, um die betroffene Körperstelle wickeln und befestigen. Den Wickel über mehrere Stunden feucht halten. Wirkung: entspannend, kühlend, entzündungshemmend, schmerzlindernd, abschwellend. Hilfreich bei Bluterguss, Gelenksentzündung, Gicht, Halsschmerzen, Heiserkeit, Insektenstich, Krampfadern, Muskelzerrung, rheumatischen Beschwerden, oberflächlicher Venenentzündung, Verstauchung.

Arnikaöl Vorbereitung: 10 g getrocknete Arnikablüten, 100 ml kaltgepresstes Olivenöl oder Sonnenblumenöl, dunkle Glasflasche. Zubereitung: Arnikablüten in ein Glas mit Schraubdeckel füllen, mit dem Öl bedecken, Glas mit dem Deckel verschließen und an einen sonnigen Platz stellen. Nach drei Wochen durchseihen, in die dunkle Flasche abfüllen und kühl aufbewahren. Wirkung: heilend, entspannend, beruhigend, schmerzlindernd, entzündungshemmend. Hilfreich bei Hämorrhoiden, Verspannungen, offenen Wunden, Gelenksentzündungen oder empfindlicher Haut; eignet sich sehr gut als Massageöl und Gelenksöl.

Arnika-Pulswickel Vorbereitung: Arnikatinktur, Stofftaschentücher, 2 Pulswärmer (abgeschnittene Strumpfhose oder Sockenstulpen). Zubereitung: 1 Esslöffel Arnikatinktur mit 100 ml Wasser verdünnen. Die Stofftaschentücher mit verdünnter Arnikatinktur befeuchten. Handund/oder Fußgelenke locker umwickeln und die Pulswärmer darüberstülpen. Wirkung: entspannend, beruhigend, kühlend, Halt gebend. Hilfreich bei Bluthochdruck, Fieber, Gedankenkreisen („Nicht-abschalten-Können“), Kopfschmerzen, Migräne, Schwindelgefühl, motorischer Unruhe in Armen und Beinen.

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Ätherische Öle Duftstoffe der Pflanzen Sie kommen in Form von winzigen • Öle lichtgeschützt (in dunklen FlaBrigitte Staffner zeigt, wie einfachund und bei schnell Tröpfchen in den verschiedenen Pflanschen) Raumtemperatur viele natürliche Heilmittel anzuwenden sind. zenteilen vor, zum Beispiel in den kindersicher aufbewahren. Dabei lernen Sie gleichzeitig, bewusster auf die Blättern, Blüten, Samen, Wurzeln Aufnahme Öle erSignale Ihres usw. Körpers• zuDie hören und daraufätherischer zu Die Gewinnung erfolgtreagieren. durch Wasserfolgt einerseits über die Nase: Sie fördern dadurch Ihr natürliches dampfdestillation, Kaltpressung oder Der Geruchssinn ist direkt mit dem Gesundheitsbewusstsein, nehmen Ihren Kördurch verschiedene per ExtraktionsverGehirn wieder bewusster wahr undverbunden stärken das und spielt für fahren. Jedes Öl ist damit ein inhochdas seelischedes Gleichgewicht und Vertrauen die Selbstheilungskräfte ei– wichtige Voraussetzungen für wichtige Rolwirksames Konzentrat,genen das Körpers sehr viele die Gesundheit eine die Stärkung Ihrer Abwehrkräfte. Das Buch istregen beim Einheilende Wirkungen besitzt. Besonders le. Die Duftstoffe ein Gesundheitsratgeber, in dem man immer hilfreich sind die ätherischen Öle bei atmen die Riechhärchen an; diese wieder nachlesen kann und der Sie und Ihre seelischen Beschwerden wie Stress, geben Nervensignale zum Gehirn Familie in körperlichem und seelischem Wohl Schlafstörungen und innerer Anspanweiter. Das Riechhirn regt benachwirksam unterstützt. nung. Auch Verspannungen derSie, Musbarteschnell Gehirnzentren Entdecken wie einfach, und wirk- an, die Horkeln, Erkältungsbeschwerden, rheumamone produzieren sam man sich selbst Gutes tun kann und wel- und Gefühle tische Beschwerden, Schmerzen und intensiver ein Mensch che Vielfalt an sanften steuern. HeilkräftenJe die Natur Hautbeschwerden können auf einen angenehm empfundenen bietet.positiv beeinflusst werden. Geruch anspricht, umso stärker Brigitte Staffner ist verheiratet, von sind seineMutter Selbstheilungskräfte. zwei Kindern und lebt in St. Johann in Tirol. Die Bei der Anwendung von ätherischen diplomierte Gesundheitsund KrankenschwesÖlen sind folgende Grundsätze zu „Die Augen sind die Wege des Menter besuchte Weiterbildungen Altenpflege beachten: schen,fürdie Nase ist sein Verstand.“ und Hauskrankenpflege und absolvierte Aus• Nur hochwertige Öle – 100 % bioHildegard von Bingen bildungen über Wickelanwendungen, Aromalogisch naturrein – verwenden. 1098–1179 pflege, Massagen, Akupunkt-Massage und • Öle mit Respekt behandeln. Klangschalen-Massage. • Vor der ersten Anwendung • Die Aufnahme Öle erSeit 2004 immer ist sie freiberuflich im Bereich ätherischer Geeinen Hauttest an sundheitsförderung der Arminnen- undfolgt andererseits Beratung tätig, hältüber die Haut: seite durchführen und mindestens Öle werden auch von Seminare und bietet im Ätherische eigenen Gesundheitsundlassen. Wellness-Studio Massagen an. aufgenommen, sie gelan24 Stunden einwirken der Haut • Nicht innerlich anwenden. gen in die Lymph- und Blutbahn, • Wenige Tropfen genügen, um eine wo sie sich im ganzen Körper verReaktion hervorzurufen. teilen. • Bei geschwächten Menschen, Kindern unter sechs Jahren und in der Beachte! Bei der Verwendung ätheSchwangerschaft nur milde ätheririscher Öle als Wickelzusatz, als ISBN: 978-3-85093-235-6 sche Öle in geringer Konzentration Badezusatz oder bei der Massage anwenden. müssen die Öle mit einer Trägerwww.berenkamp-verlag.at

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