Issuu on Google+

Foto Š by Rainer Sturm / pixelio.de


Foto: fotolia.de

HERZLICH WILLKOMMEN

KräuterGarten-Gruppe: „Häuser der Begegnungen“ Der Leitsatz unseres Seniorenhauses Melisse in Feldbach lautet: „Es sind die Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen!“ Dieses Motto ist kein einfaches Lippenbekenntnis, sondern wird von BewohnerInnen, deren Angehörigen und natürlich unseren MitarbeiterInnen Tag für Tag gelebt. Darüber hinaus ist es sehr erfreulich, dass uns viele Menschen bei Festen und Veranstaltungen besuchen und so am Geschehen aktiv teilnehmen. Ein offenes Haus bietet eben ausreichend Gelegenheiten für Begegnungen.

Besonders wichtig ist es aber auch, dass man betagten Menschen mit dem gebührenden Respekt und mit der nötigen Aufmerksamkeit begegnet. Wünsche und Sorgen müssen sehr ernst genommen werden und gehören ebenso zur modernen Pflegeversorgung wie etwa eine optimale Betreuung und eine professionelle medizinische Versorgung. Diesen Bereichen werden von den MitarbeiterInnen große Sorgfalt und sehr viel Einfühlungsvermögen entgegengebracht, was Begegnungen auf sehr vielen Ebenen ermöglicht.

Impressum

Herausgeber und für den Inhalt verantwortlich: KräuterGarten Betriebs- und Beteiligungs GmbH Gesellschaft: Kräutergarten Gruppe, Zum Golfzentrum 7, 8292 Neudauberg, Tel: 03326-55 222 Redaktion: Michael Langhans, Michael Dellamartina Fotos: Kräutergarten Gruppe - Michael Langhans, fotolia.de, pixelio.de Textkonzept: Die Häuser der KräuterGarten Gruppe, Michael Langhans Gestaltung, Grafik & Layout: Michael Langhans und Michael Dellamartina Irrtum und Druckfehler vorbehalten

www.kraeuter-garten.at


Editorial

Das Magazin der Steirischen Seniorenhäuser der

Geschätzte Leserinnen und Leser!

Es freut mich, Ihnen die zweite Ausgabe des Magazins der Steirischen Seniorenhäuser der KräuterGartenGruppe zum Frühlingsbeginn vorstellen zu dürfen. Ein bunter Mix aus Fachinformation, Wissenswertem und Unterhaltung soll Ihnen Einblick in die Welt der KräuterGartenSeniorenhäuser und darüber hinaus geben. In den vielen Beratungs- und Informationsgesprächen, welche in unseren Seniorenhäusern ständig stattfinden, zeigt sich immer wieder der Bedarf an vertiefter Information zu den Themen: „Was bedeutet der Einzug in eine Pflegeeinrichtung für die betroffenen Menschen?“, „Wie wird die Inanspruchnahme und Aufenthalt finanziert?“, „Wie hoch sind die Ersatzleistungen (Regress) der unterhaltspflichtigen Kinder?“. Aus diesem Grund wird das Thema „Einzug in ein Pflegeheim“ ausführlich im Magazin dargestellt. Damit Sie für den Anlassfall gut gerüstet sind, haben wir alle wichtigen Informationen für Sie auf Checklisten zusammengefasst, die Sie aus dem Magazin entnehmen und als Arbeitstool verwenden können.

und für ein Leben in hoher Lebensqualität in unseren Seniorenhäusern, alle uns mögliche Unterstützung, Begleitung und Hilfe an. In den Berichten aus den Seniorenhäusern wird Ihnen das breite Spektrum an buntem und vielfältigem Leben vorgestellt. Im Steirerland sind sehr erfolgreiche Menschen daheim. Günter Timischl, Mitglied der berühmten Austropop Gruppe STS, gibt uns in einem ausführlichen Interview einen tiefen Einblick in sein Wirken als Musiker. Das Steirerland hat auch wunderschöne Landschaften. Die stärkste Festung des Abendlandes, die Riegersburg wird Ihnen bildreich vorgestellt; die schönsten Pilgerwege der „grünen Mark“ laden ein, sich auf den Weg zu machen, um Kraft zu tanken. Somit wünschen wir Ihnen viel Freude beim Lesen der jüngsten Ausgabe „Echtes Steirerherz“ und freuen uns auf Ihre Rückmeldungen.

Wir in den Seniorenhäusern der KräuterGartenGruppe sehen uns als Ihre Partner für alle pflegeheimrelevanten Fragen und Anliegen und bieten Ihnen für ein gutes Gelingen des Einzugs in ein Seniorenhaus

ECHTES STEIRER HERZ

Maga. Maria Theresia Reisinger Pflegedirektion Kräuter-Garten Gruppe


Seite 6

WALLFAHRT

PFLEGE

Inhalt Seite 40

SCHWERPUNKT „EINZUG“

Seite 24 DIE RIEGERSBURG

PILGERN IN DER STEIERMARK

Wer auszieht, um die kraftvolle Verbindung zwischen Seele und Natur zu erneuern oder zu stärken, wird auf den steirischen Pilgerwegen mit mehr als nur Erkenntnis belohnt.

MUSIKALISCH

STARKE FESTUNG

„Viola“-Hausleiterin Ulrike Spielberger begleitet Sie beim behutsamen Übergang zum neuen „Lebensmittelpunkt“

Seite 44

INTERVIEW: GÜNTER TIMISCHL

Unzählige Sagen und Mythen ranken sich um dieses eindrucksvolle Wahrzeichen der Steiermark. Die Riegersburg galt einst als stärkste Festung des Abendlandes.

Wir haben das „T“ von „STS“ in seiner Heimat zu einem ausführlichen Gespräch über seine musikalische Laufbahn und ganz persönliche Erlebnisse getroffen.

ECHTES STEIRER HERZ


Das Magazin der Steirischen Seniorenhäuser der

INTERESSANT Die Seniorenhäuser der KräuterGarten Gruppe zeigen, wie wichtig Heute „Pflege mit Herz“ ist.

SÖCHAU

TROFAIACH NEUER „ROSENGARTEN“

Für „Menschen mit besonderen Bedürfnissen“ gibt es nun eine eigene Etage

HUNDERTSTER GEBURSTAG

Seite 18

Gratulationen für Elisabeth Fischinger Seite 34

HAUSFRAUEN

Erinnerungen an die anstrengenden Waschtage von „anno dazumal“ Seite 30

„ZEIT-HILFS-NETZ“ Trofaiach

Ein Gemeinde-Projekt, bei dem gegenseitige Hilfe im Mittelpunkt steht

Seite 38

FELDBACH

KAMMERN BUND FÜR`s LEBEN

Gerda und Franz Völkl sind das erste Bewohnerpaar, das in der Melisse heiratet

Seite 16

Die Kräuterpädagogin Bernadett Kionka zur inneren Reinigung nach dem Winter

Seite 23

ICH ERINNERE MICH

HERBSTFEST UND EHRENAMTLICHE Viele Gäste in der Melisse

FRÜHJAHRSPUTZ

Seite 20

Frau Margaretha Mühlbacher blickt für uns zurück auf ihr ereignisreiches Leben Seite 32

MUSEUMSHOF KAMMERN

Ausstellung „Maße und Gewichte“

Seite 58

KNITTELFELD „MINI-MED-STUDIUM“ in Knittelfeld

UNTERHALTUNG „ECHTE STEIRER IM PORTRAIT“ Der Koch-Profi Josef Kniendl Seite 60

Wegwarte unterstützt erfolgreiche GesundheitsVeranstaltungsreihe

PREISRÄTSEL

10x10 JAHRE AGATHE RAUCH

KRÄUTER- UND PFLANZENKUNDE

Seite 35

Stimmungsvolle Hunderterfeier

Seite 37

Die Wegwarte

ECHTES STEIRER HERZ

Seite 66 Seite 67


SCHWERPUNKT

Foto: Fotolia.de

Ein neuer Lebensmittelpunkt...


Das Magazin der Steirischen Seniorenhäuser der

SCHWERPUNKT

... Einzug in ein Pflegeheim Verlust der Selbstbestimmung, der gewohnten Umgebung und der Freunde? Nach diesen negativen Begrifflichkeiten zu schließen ist es schwer vorstellbar, dass der Eintritt in ein „Heim“ etwas Positives sein kann. An dieser Stelle kann ich Sie beruhigen, dieses kritische Lebensereignis kann durch eine Vielzahl an Maßnahmen im Vorfeld sehr wohl positiv erlebt werden und so als Übergang zum neuen „LEBENSMITTELPUNKT“ erfahren werden. Zurück zum Anfang und dem Begriff „Heim“, welcher wohl mehr negative als positive Impulse in uns Menschen auslöst. Einerseits ein Begriff der ausschließlich bekannt bzw. verbunden ist, mit starren Regeln, die sich daraus ergebende dauernde Reglementierung und somit der Verlust der Selbstbestimmung und Aufgabe der individuellen Autonomie. Im Gegensatz das „DaHeim“, welches grundsätzlich mit Geborgenheit, Vertrautsein und Unabhängigkeit verbunden wird. Es sollte daher eines der Grundprinzipien von Betreuungseinrichtungen sein, nicht nur die Institutionalisierung zu vermeiden sondern bei der Wahl der negativen Bezeichnungen Abstand zu nehmen und sich hin zu offenen Lebensumgebungen, in welchen die notwendigen Unterstützungsmöglichkeiten geboten werden, zu entwickeln. Die Seniorenhäuser der KräuterGartenGruppe sind nicht nur bemüht Stigmen zu vermeiden, sondern vielmehr im täglichen Leben jenen Menschen Unterstützung zu leisten, welche nachfolgende Fragen beschäftigen, um

letztendlich kompetenter Wegbegleiter in einer wie anfangs erwähnten, kritischen Lebensphase, zu sein. Wann ist der Übertritt in eine Betreuungseinrichtung notwendig, wann ist dieser unvermeidbar? Wenn eine selbstständige Haushaltsführung und persönliche Pflege aufgrund gesundheitlicher Faktoren, wie schweren Erkrankungen und / oder geistigen Beeinträchtigungen, sowie die Alltagsgestaltung ohne Unterstützung nicht mehr möglich ist. Des Weiteren, wenn für die notwendigen Hilfestellungen das soziale Netzwerk nicht ausreichend ist, weil zu wenige Personen aus dem Familienumfeld zur Unterstützung zur Verfügung stehen und diese auch durch andere Betreuungsdienste nicht kompensiert werden können. Ein wesentlicher Faktor neben den gesundheitlichen Aspekten ist das private Umfeld, welches zumeist schwer zu adaptieren ist. Bauliche Maßnahmen um Barriere freie Zugänge zu schaffen,

ECHTES STEIRER HERZ

7


Informatives aus den Steirischen Seniorenhäusern

finden in den eigenen vier Wänden, in welchen das Leben bis dato so stattgefunden hat, nicht die notwendige Akzeptanz. Welche Ängste und Belastungen tragen die Betroffenen? Primär denkt man bei dieser Frage bei den „Betroffenen“ an Jene, welche Unterstützung benötigen, also die Hilfebedürftigen. Bei dem Prozess der Entscheidung zu einem Einzug in eine Betreuungseinrichtung ist der Kreis der Betroffenen aber auf das soziale Umfeld aus zu weiten. Auf Nachbarn, Freunde, Bekannte und last but not least die Angehörigen, welche zumeist die Initiatoren für eine derartige Lebensveränderung sind. Die Pflegebedürftigen gehen einen Weg ins Ungewisse, welche Wohn- und Lebensbedingungen werden sie in ihrer neuen Umgebung vorfinden. Wie wird das Miteinanderleben mit diesen vielen, fremden Menschen werden? Was kann noch individuell alleine entschieden werden, wie die Lebensgewohnheiten in diesem neuen Lebensumfeld beibehalten werden? Die bisherigen Wegbegleiter, die sekundär Betroffenen, sind zumeist geplagt vom „schlechten Gewissen“ wie es der Volksmund beschreibt, da es in der Vergangenheit zur Selbstverständlichkeit zählte, im Sinne des Generationenvertrages, seine Angehörigen im Falle von Hilfebedürftigkeit zu pflegen. Die Angst, die Angehörigen nicht gut versorgt zu wissen, und die Entscheidung zu einem Einzug in eine Betreuungseinrichtung nicht zum Wohle derer zu treffen, ist bei diesen Betroffenen ein wesentlicher Aspekt. Aus den genannten Ängsten ergibt sich die dringende Notwendigkeit einer guten Planung, im besten Fall zu einem Zeitpunkt, zu wel-

8

chem noch kein unmittelbarer Bedarf für diese Lebensveränderung besteht. Die Entscheidung, welche das zukünftige Leben vollständig verändert, sollte wenn möglich selbstständig getroffen werden, diese Möglichkeit gibt Sicherheit, Klarheit und Selbstbestätigung. Es empfiehlt sich daher, Betreuungseinrichtungen in der eigenen oder der Umgebung der nahen Angehörigen, zu besichtigen. In den Pflege- und Betreuungseinrichtungen der steirischen KräuterGartenHäuser haben Sie die Möglichkeit diese zu den zahlreichen Festen und Veranstaltungen zu besuchen, deren Termine individuell im Veranstaltungskalender auf der jeweiligen Homepage zu finden sind. Gerne erhalten Sie auch persönliche Auskünfte aus den Verwaltungen oder aber auch persönliche Gesprächstermine mit den Hausleitungen Vorort. Entsteht bei den Besuchen Interesse für eine Betreuungseinrichtung, kann beispielsweise ein Kurzzeitaufenthalt, zu einem Zeitpunkt, zu welchem ein unterstützender Angehöriger aufgrund eines Urlaubsaufenthaltes nicht verfügbar ist, vereinbart werden. Bei derartigen Aufenthalten wird zumeist der Grundstein, für einen angstfreien Übergang in eine Betreuungseinrichtung gesetzt. Die Betroffenen haben nicht nur die Möglichkeit sich wertfrei ein eigenes Bild zu machen, sondern auch alle wichtigen Fragen im Vorfeld zu stellen und die Zeit, sich im eigenen Tempo, von den bisherigen Lebensinhalten zu verabschieden. Durch die genannte Vorgehensweise wird das Gefühl „abgeschoben“ zu werden ausgeschlossen und die Kränkung des Selbstwertgefühls vermieden.

ECHTES STEIRER HERZ


SCHWERPUNKT

Das Magazin der Steirischen Seniorenhäuser der

Wichtiges im Überblick Wer kann in eine Betreuungseinrichtung einziehen und wie ist diese Hilfe zu finanzieren? Die Inanspruchnahme ist auf Basis „Selbstzahler“ für alle pflegebedürftigen Personen auf Basis Freiwilligkeit möglich. Selbstzahlerbasis bedeutet, dass alle Kosten selbst getragen werden müssen. Ist dies nicht möglich, müssen Aufnahmekriterien, welche in den Ländern im Sinne des Sozialhilfegesetzes geregelt sind, erfüllt werden. In der STEIERMARK gilt als Aufnahmekriterium die wirtschaftliche Hilfsbedürftigkeit und die Pflegebedürftigkeit aufgrund der Pflegestufe 4 laut Pflegestufenbescheid, als Voraussetzung für die Gewährung der (Rest-)Kostenübernahme durch die Bezirksverwaltungsbehörde, ausgenommen der Pflegebedürftige verfügt über Vermögen. Was passiert mit dem vorhandenen Vermögen? Vermögen wird bis zu einem „Sockelbetrag“ abgeschöpft, dass heißt der Pflegebedürftige muss so lange die Kosten selbst bezahlen bis ihm Euro 7.000,00 verbleiben o d e r Euro 4.230,00 wenn eine Sterbeversicherung vorhanden ist Was passiert mit sonstigem Vermögen wie Immobilien? Da dieses Kapital nicht sofort verwertbar ist, wird dieses Vermögen als Haftungskapital für Forderungen des Sozialhilfeträgers verwendet, das heißt der Sozialhilfeträger streckt die Kosten für die Unterbringung vor und behält sich eine grundbücherliche Sicherstellung bis hin zum Verkauf der Immobilie oder des Grundstückes. Was passiert wenn das Vermögen, verschenkt, verkauft oder übergeben wird? Geschenknehmer oder Erwerber sind zum Kostenersatz verpflichtet, wenn diese Schenkung innerhalb der letzten 3 Jahre erfolgt ist. Gesetzliche Bestimmungen hierfür finden sich ebenfalls im Steiermärkischen Sozialhilfegesetz und sind im Einzelfall entsprechend behördlich ab zu klären. uuu

ECHTES STEIRER HERZ

9


Informatives aus den Steirischen Seniorenhäusern

Wer bezahlt, wenn die Kosten mit dem eigenen Einkommen und Vermögen nicht bezahlt werden können? Dann besteht Hilfsbedürftigkeit im Sinne des Steiermärkischen Sozialhilfegesetzes und es kann ein Antrag auf Hilfe zur Sicherung des Lebensbedarfs durch Übernahme der Heimkosten gestellt werden. 1. Der Antrag auf (Rest-)Kostenübernahme ist vor dem Eintritt in eine stationäre Einrichtung zu stellen. 2. Der Antrag ist bei der Bezirksverwaltungsbehörde zu stellen, in dessen Bezirk sich der Hilfeempfänger vor dem Eintritt in einer stationären Einrichtung, aufgehalten hat. 3. Folgende Anlagen sind dem Antrag beizulegen: Einkommensnachweise (Pensionsbescheid, Pflegegeldbescheid, Rentennachweise, Unfallrente, Abfertigung, Mieteinnahmen, Krankengeld) Nachweise über festgesetzte Unterhaltsansprüche (Vergleich/Beschluss/Urteil Nachweise über Sparbücher, Bausparverträge, Lebens- u. Sterbeversicherungen (Polizzen) Wertpapiere usw. (jeweils Kopien) Kopien der Kontoauszüge der letzten 3 Monate vor dem Eintritt in die Betreuungseinrichtung. Grundbuchsauszug, der im Eigentum des Antragstellers stehenden Immobilie, Kopie von Übergabs- oder Schenkungsverträgen Sachwalterschaftsbeschluss (so ferne ein Sachwalter bestellt ist) Welche Kosten hat der Hilfeempfänger selbst zu tragen? Der Hilfeempfänger leistet maximal 80% seiner Pension und des zugesprochenen Pflegegeldes, ausgenommen der genannten Vermögenswerte.

Welche Einnahmen bleiben dem Hilfeempfänger selbst zur Verfügung? 20 % der laufenden Pension + Euro 44,30 das sind 10% der Pflegestufe 3 + Sonderzahlungen, das sind die 13. und 14. Pension zur Gänze Auskünfte über die aktuellen Tarife erhalten Sie gerne in den steirischen Seniorenhäusern der KräuterGartenGruppe. Ansonsten erhalten Sie diesbezügliche Auskünfte bei den zuständigen Bezirksverwaltungsbehörden (Sozialreferat), den Gemeindeämtern oder über den Sozialserver des Landes Steiermark. Alle Informationen beziehen sich ausschließlich auf das Bundesland Steiermark und sind ohne Gewähr (Stand Jänner 2014).

10

ECHTES STEIRER HERZ


SCHWERPUNKT

Das Magazin der Steirischen Seniorenhäuser der

Welche Kosten tragen die Kinder der Hilfeempfänger? Die Höhe der Ersatzpflicht (Regress) der unterhaltspflichtigen Kinder, richtet sich nach deren jährlichem Nettoeinkommen, welches inkl. der Sonderzahlungen berechnet wird. Schwieger- und Enkelkinder werden NICHT zum Aufwandersatz herangezogen.

Einkommen in Euro Von

Bis

Aufwandersatz jedes Kindes in % des Einkommens

1.500,00

1.599,00

4,00

1.600,00

1.699,00

4,50

1.700,00

1.799,00

5,00

1.800,00

1.899,00

5,50

1.900,00

1.999,00

6,00

2.000,00 2.100,00 2.200,00 2.300,00 2.400,00 2.500,00 2.600,00 Ab 2.700,00

2.099,00 2.199,00 2.299,00 2.399,00 2.499,00 2.599,00 2.699,00 ---

6,50 7,00 7,50 8,00 8,50 9,00 9,50 10,00

© VRD - Fotolia.com

Beispiel: Monatseinkommen Netto € 1.200,00 x 14 : 12 = 1.400,00 Monatseinkommen In diesem Fall wäre kein Aufwandersatz zu leisten, da diese Pflicht erst ab € 1.500,00 beginnt (siehe nachfolgende Tabelle).

Welche Einnahmen bleiben dem Hilfeempfänger selbst zur Verfügung? Die Kosten für die Unterbringung sind durch die LEVO Leistungsentgeltverordnung im Pflegeheimgesetz geregelt und setzen sich aus folgenden Komponenten zusammen: • Hotelkomponente, das sind die Kosten für Unterbringung und Verpflegung • Pflegezuschlag, das sind die Aufwendungen für die Betreuung und Pflege. Berechnungsbasis hierfür ist die aktuelle Pflegestufe laut Bescheid. • Einbettwohneinheiten sind in der Regel aufzahlungspflichtig und entsprechend der Kategorie mit Euro 6,60 pro Tag begrenzt. uuu

ECHTES STEIRER HERZ

11


Informatives aus den Steirischen Seniorenhäusern

Meine persönliche

CHECKLISTE für meinen Umzug

Vorbereitungen / Anträge

Anmerkungen

Erledigt

1. Antrag zur Sicherung des Lebensbedarfes stellen

Abgabe bei der Bezirksverwaltungsbehörde

O

2. Antrag auf Pflegegeld stellen (nur wenn bisher kein Pflegegeld

Abgabe bei der Pensionsversicherungsanstalt

O

3. Antrag auf Erhöhung d. Pflegegelds stellen (nur wenn sich der

Abgabe bei der Pensionsversicherungsanstalt

O

4. Persönliche Dokumente

Personalausweis od. Pass

O

Geburtsurkunde

O

Staatsbürgerschaftsnachweis

O

Heiratsurkunde

O

Meldezettel Original

O

bezogen wird)

Pflegebedarf erhöht hat)

(Kopien)

5. Ärztliche Befunde und ECard 6. Einkommensnachweise

7. Heilbehelfe

O Pensionsbescheid

O

Pflegegeldbescheid

O

Rezeptgebührenbefreiung

O

Inkontinenzvesorgung

O

Gehbehelfe

O

Hörbehelfe

O

Zahnbehelfe

O

8. Heimvertrag 9. Persönliches

12

Datum

O Bekleidung

O

Toiletteartikel

O

Erinnerungsstücke

O

ECHTES STEIRER HERZ


Das Magazin der Steirischen Seniorenhäuser der

1. Administrative Erledigungen Alle formalen Erledigungen, welche unmittelbar mit dem Einzug in die Betreuungseinrichtung verbunden sind. • Antrag zur Sicherung des Lebensbedarfes zur (Rest-)Kostenübernahme stellen. Das Formular und Unterstützung bei der Antragstellung erhalten Sie in den Betreuungseinrichtungen der KräuterGartenGruppe. Dieses Formular erhalten Sie auch bei den Gemeindeämtern, den Bezirksverwaltungsbehörden sowie als Download des Sozialservers vom Land Steiermark. • Antrag auf Pflegegeld stellen (sofern dieses noch nicht bezogen wird) oder • Antrag auf Erhöhung des Pflegegeldes stellen (sofern sich ihr Betreuungsbedarf aufgrund ihres Gesundheitszustandes erhöht hat). Das Formular und Unterstützung bei der Antragstellung erhalten Sie in den Betreuungseinrichtungen der KräuterGartenGruppe. Diesen Antrag erhalten Sie ansonsten bei den Pensionsversicherungsanstalten sowie als Download auf deren Homepage. • Vorbereitung persönlicher Dokumente • Vorbereitung ärztlicher Befunde Arztbrief und E-Card • Vorbereitung Einkommensnachweise • Vorbereitung persönlicher Heilbehelfe • Heimvertrag: Diesen erhalten Sie vor dem Eintritt von der jeweiligen Betreuungseinrichtung zum Durchlesen, nachdem Ihnen diese Vertragsbasis im Zuge eines Beratungsgespräches erläutert wurde. Die Unterzeichnung desselbigen erfolgt spätestens am Einzugstag durch die be-

© Orlando Florin Rosu - Fotolia.com

Was kann vor dem Einzug in eine Betreuungseinrichtung erledigt werden?

treuungsbedürftige Person, ausgenommen es besteht eine Sachwalterschaft für alle Belange. In diesem Fall erfolgt die Unterzeichnung durch den gerichtlich bestellten Sachwalter. Nach den notwendigen administrativen Tätigkeiten nehmen wir uns nun der Vorbereitungen an, welche den Übergang in das neue Lebensumfeld erleichtern werden. Jene Tätigkeiten, die wie am Anfang erwähnt dazu beitragen, den Schritt des Umzuges in die Betreuungseinrichtung, als positiv zu erleben. uuu

ECHTES STEIRER HERZ

13


Informatives aus den Steirischen Seniorenhäusern

2. Maßnahmen für einen glücklichen Einzug Wenn es Ihr körperliches Befinden zulässt können Sie nachfolgende Maßnahmen selbst durchführen, ansonsten empfiehlt es sich in der Zeit der Veränderung eine Vertrauensperson mit allen genannten Erledigungen zu beauftragen. Diese Vertrauensperson soll die betreuungsbedürftige Person, neben den zukünftigen Ansprechpersonen ihres neuen Lebensmittelpunktes, bei dem Übertritt begleiten. • Lieblings- und Erinnerungsstücke (Bilder, Fotos, Zierkissen, Dekorationsgegenstände) einpacken. • Möchten Sie ihren eigenen Fernsehsessel nicht missen, dann klären Sie dies mit der Leitung Vorort, ob Sie dieses Sitzmöbel in dem neuen Lebensraum einsetzen können. • Vergessen Sie nicht auf ihre Grünpflanzen, diese wollen auch nach Ihrem Umzug in die Betreuungseinrichtung von Ihnen gepflegt werden, wenn Ihnen dies bisher Freude bereitet hat. • Einpacken der Bekleidung: Vielleicht ist es hilfreich für Sie, sich vorzustellen, dass Sie auf Reisen gehen. Packen Sie nur das ein worin Sie sich wirklich wohl fühlen, weil die Bekleidung so bequem ist oder weil Sie darin besonders adrett sind. Sie lassen an diesem Tag nichts zurück, sondern machen bei Ihrem Kleiderschrank in übertragenem Sinn nur den alljährlichen Frühlings- oder Herbstputz. • Tonträger – Musik: Nicht vergessen, denn Musik berührt die Seele und hilft, die Emotionen zu leben. Sofern das Hören von Musik immer schon zu Ihren Hobbys gezählt hat, wenn andere Beschäftigungen ihren Alltag geprägt haben, lassen Sie zukünftig ihre Mitbewohner daran teilhaben, wie zum Beispiel an Kartenspielen.

Wie wird der Tag des Übertrittes gestaltet? Professionelle Betreuungseinrichtungen bereiten sich für dieses einschneidende Ereignis, der betreuungsbedürftigen Personen, interdisziplinär professionell vor. • Der Einzugstermin wird zeitlich so vereinbart, dass entsprechend jene Mitarbeiter Vorort sind, welche die betreuungsbedürftigen Personen zukünftig begleiten werden • An diesem Tag sind alle beteiligten Personen dazu angehalten, sich Zeit für Sie zu nehmen! Je mehr Informationen die zukünftigen Wegbegleiter in der Betreuungseinrichtung von Ihnen erhalten, umso besser werden Ihre individuellen Bedürfnisse berücksichtigt werden, was wiederum zu Ihrem Wohlbefinden und einem glücklichen Verbleib beitragen wird. • In den Betreuungseinrichtungen der KräuterGartenGruppe wird der neue Mitbewohner beispielsweise mit einer Willkommensmappe begrüßt, in welcher Informationen zu dem Tagesablauf, zu den verantwortlichen Personen, sowie Serviceleistungen nach zu lesen sind. Implementiert sind eigene Visitenkarten, welche bereits vom ersten Tag des Einzuges beginnend, an Freunde und Bekannte weitergeleitet werden können. Wenn es Ihrem Wunsch entspricht werden für Sie Einladungen an von Ihnen genannte Kontaktpersonen versendet, um Ihr neues Zuhause im Rahmen eines gemütlichen Beisammenseins in der hauseigenen Cafeteria vor zu stellen. • Schritt für Schritt wird die neue Umgebung an diesem Tag vorgestellt, die neuen Mitmenschen bekannt gemacht. In der gesamten Zeit der Integrationsphase ist der offene und kontinuierliche Kontakt zwischen allen Bereichen Voraussetzung für ein zukünftig glückliches Leben in der neuen Lebensumgebung. uuu

14

ECHTES STEIRER HERZ


Das Magazin der Steirischen Seniorenhäuser der

Wann sind die Pflegebedürftigen „angekommen“?

Höchste Priorität dabei hat jedoch immer die Selbst respektive Mitbestimmung derjenigen:

Hierzu gibt es wissenschaftlich fundierte Zeitangaben, Statistiken die besagen, dass die ersten sechs Monate als kritische Phase zu bezeichnen sind. In dieser Zeit hängt es von der Begleitung in der Betreuungseinrichtung ab, wie weit der Pflegebedürftige seine „Trauerarbeit“ bewältigen kann. Trauerarbeit seit dem Einzug aufgrund des Verlassens, des Abschiednehmens von der vertrauten Umgebung und den vertrauten Menschen. Dem Umgang mit dem gekränkten Selbstwertgefühl, weil Hilfebedürftigkeit bei Verrichtungen des täglichen Lebens besteht.

• So zu akzeptiert werden wie Sie sind

Die wichtigste Aufgabe liegt in der Stärkung des Selbstwertgefühles, die durch Integration der Betroffen bei den vorhandenen Fähigkeiten, den Ausgang findet.

• Das Leben, IHR Leben mitbestimmen • Eine Aufgabe zu haben • Gebraucht zu werden • Aktiv zu sein, wenn Sie es wollen • Gesellschaft zu haben, wenn Sie es wollen. um sich letztendlich so wie zu Hause zu fühlen. Die individuelle Bedürfnisbefriedigung der Pflegebedürftigen mit den strukturellen Abläufen und den vorhandenen Ressourcen zu verknüpfen ist somit der Schlüssel zu einem glücklichen Leben in einer Betreuungseinrichtung. t

Hilfeleistung nur dort anzubieten, wo diese aufgrund des Krankheitsbildes notwendig ist und nicht zu verrichten, weil die Handlung durch die Pflegeperson schneller verrichtet ist. Vorhandene Ressourcen dürfen, sollen, müssen individuell gefördert werden, um diese zu stärken. Verlorene Ressourcen, im Sinne einer ganzheitlich aktivierenden Pflege wieder gefordert werden. Vorangegangene Maßnahmen haben das Ziel das Selbstwertgefühl zu steigern, das „gebraucht werden“ zu verdeutlichen und den Alltag erfüllt und glücklich wahr zu nehmen. Auf die Frage, wann die Pflegebedürftigen „angekommen“ sind, ihre neue Wohnumgebung als Lebensmittelpunkt akzeptieren und diesen so empfinden, gibt es aufgrund der subjektiven Wahrnehmungen eine Vielzahl von Antworten.

Die Autorin Ulrike Spielberger Seit 2007 Hausleiterin des Seniorenhauses Viola in Kammern im Liesingtal Seniorenhaus Viola, Hauptstraße 74, 8773 Kammern Tel.: +43 (0)3844 - 80 375 - 0 Mail: hausleitung@dieviola.at

Schwing dich auf Es ist die Sehnsucht, die unserem Handeln Flügel schenkt. Es ist der Mut der sie Wirklichkeit werden lässt.

ECHTES STEIRER HERZ

Frank Hartmann

15


Informatives aus den Steirischen Seniorenhäusern

Ein rührender Bund für´s Leben im SeniorInnenhaus Es war ein wunderschöner Herbsttag. Der blaue Himmel über Feldbach bildete die Kulisse für reinstes Postkartenwetter. Doch die Sonne strahlte an diesem Freitag nicht nur von oben. Dort, wo man es wahrscheinlich am wenigsten vermutet, haben sich zwei Herzen gefunden, die den Bund für´s Leben eingingen.

I

Frisch vermählt und überglücklich: Gerda und Franz haben sich getraut und leben nun als Ehepaar Völkl gemeinsam im Seniorenhaus Melisse in Feldbach.

16

m Seniorenhaus Melisse sagten Gerda Scheucher und Franz Völkl „Ja“ zueinander. Hier haben sie sich kennen und lieben gelernt. Im Kreise der großemn„Melisse-Familie“ wurde auch geheiratet. Schon seit einigen Jahren hatten die beiden im Seniorenhaus an der Raab gewohnt. Die Liebe zueinander entdeckte man schon vor einiger Zeit und so entwickelte sich eine Lebensgemeinschaft, die nun durch die Hochzeit gekrönt wurde. Die festliche Zeremonie wurde vom MitarbeiterInnen-Team der Melisse und vielen fleißigen Helfern mit viel Liebe vorbereitet. Dabei blieb nichts dem Zufall überlassen. Im Beisein von Bürgermeister Kurt Deutschmann traute Karlheinz Westermayer das Paar. Für die musikalische Begleitung zeichnete in bewährter Qualität Dorothea Ebner-Huter verantwortlich. „Lieder der Liebe“ sorgten für die passende Stimmung und so konnte man bei den vielen Hochzeitsgästen die eine oder andere Träne der Rührung sehen. Bis in den letzten Winkel des Seniorenhauses Melisse verteilten sich Schau-

ECHTES STEIRER HERZ


Das Magazin der Steirischen Seniorenhäuser der

lustige, die Zeugen einer wundervollen Trauung wurden. Die Beistände Manfred Puntigam und Andreas Neuburg waren hervorragende Unterstützer des frischgebackenen Ehepaares Völkl. Melisse Hausleiterin Dir. Karin Erkenger hat die ungewöhnliche Romanze von Anfang an miterlebt und schwärmt von dem rührigen Liebespaar: „Im Jahr 2010 hat es zwischen Gerda und Franz „gefunkt“. Schon bald zog man in eine gemeinsame Wohneinheit. Mit der Hochzeit haben die beiden nun die „wilde Ehe“ beendet und den Bund für´s Leben offiziell gemacht. Von uns allen in der Melisse

kann ich nur die allerbesten Glückwünsche zum Ausdruck bringen. Ich wünsche den beiden von ganzem Herzen noch viele schöne gemeinsame Jahre!“ Im Anschluss an die Trauung gab es ein gemeinsames Mittagessen. Das Anschneiden der Hochzeitstorte erledigte das Brautpaar bereits in einer Gemeinschaftsaktion. Gefeiert wurde bis in den Abend hinein und die Spuren waren im Seniorenhaus Melisse auch noch Tage später zu bemerken. Gerda und Franz Völkl sind für viele zu einem lebendigen Beispiel dafür geworden, dass es für einen gemeinsamen Lebensweg wirklich nie zu spät ist.

Geschmackvolle Hochzeitstorte aus der eigenen „KräuterGarten-Konditorei“.

Dorothea Ebner-Huter sorgte für die gelungene und stimmungsvolle musikalische Umrahmung der Trauung.

Von links nach rechts: Melisse Hausleiterin Dir. Karin Erkenger, Pflegedienstleiterin Dijana Baranja, Beistand Andreas Neuburg, Bürgermeister Kurt Deutschmann, Standesbeamter Karlheinz Westermayer, die Sachwalterinnen Anna Leitl und Elisabeth Klammler, sowie Beistand Manfred Puntigam mit dem Brautpaar Franz und Gerda Völkl.

ECHTES STEIRER HERZ

17


Informatives aus den Steirischen Seniorenhäusern

hat einen neuen Rosengarten Eröffnung eines neuen Bereiches im Seniorenhaus Kamille für Menschen mit „besonderen Bedürfnissen“. Gäste aus der Gemeinde Söchau überzeugten sich von den Neuerungen im Haus.

Z

u den zahlreichen Gästen durften wir Bürgermeister Josef Kapper, Postenkommandant Inspektor Karl Wünscher und einige Nachbarn und Freunde zählen. Der Rosengarten wurde nach einer kurzen räumlichen Adaptierung für Bewohner mit psychiatrischen Beeinträchtigungen eröffnet. Täglich von Montag bis Sonntag wird von 09:00 - 17:30 Uhr durch eine Alltagsbegleitung auf die speziellen Bedürfnisse von zwölf Bewohnern eingegangen, ein abgestimmtes Aktivitätenprogramm, das von handwerklicher Betätigung über Bastelarbeiten bis hin zu Einzelgesprächen reicht.

18

Die Bezeichnung „Rosengarten“ leitet sich von Hannah Green´s Bestseller „Ich habe dir nie einen Rosengarten versprochen“ ab. In diesem autobiografischen Buch geht es um die Heilung der psychisch kranken Hannah, die durch intensive Betreuung durch eine Ärztin und das Pflegepersonal möglich gemacht wird. In der Kamille erfreut sich der „Rosengarten“ seit seiner Eröffnung größter Beliebtheit und die BesucherInnen aus der Gemeinde Söchau konnten sich überzeugen, dass für „Menschen mit besonderen Bedürfnissen“ in der Kamille eine optimale Betreuung gewährleistet ist.

V.r.n.l.: Der diplomierte Psychiatrische Krankenpfleger Hans-Jürgen Gspurning, Bürgermeister Josef Kapper, Kamille Pflegedienstleitung Marina Gritschnigg, MSc., Postenkommandant Insp. Karl Wünscher sowie Nachbarn und Freunde des Seniorenhauses Kamille.


Hündin als Therapie

„Bionda“ hat sich im Seniorenhaus Kamille in Söchau bereits einen festen Platz in den Herzen der BewohnerInnen erobert. Sichtlich geht es dabei allen blendend...


b

Informatives aus den Steirischen Seniorenhäusern

Kräuterecke

Foto © by Bernadett Kionka

FRÜHJAHRSPUTZ von Kräuterpädagogin Bernadett KIONKA

Körper, Geist und Seele benötigen nach der langen Winterzeit eine Reinigung. Nach den kalten Wintertagen sehnt sich alles in uns nach Frühling, Wärme und luftiger Kleidung. Durch Mangel an Licht und Bewegung, ,sowie vitaminärmerer und kohlehydratreicherer Ernährung machen sich oft Arbeitsunlust und Frühjahrsmüdigkeit bemerkbar. Manch einer hat auch ein paar Kilo zugenommen und das Spiegelbild zeigt, dass die Haut auch etwas fahl aussieht. Eine Frühjahrskur hat den Sinn, die Schlacken (Stoffwechselprodukte und Toxine) die sich während der Winterzeit in unserem Körper angesammelt haben, loszuwerden. Die Ausscheidungsorgane: Haut, Niere, Leber und Darm können mit manchen Frühlingskräutern

20

angeregt werden, die Giftstoffe auszuleiten. Während einer Frühjahrskur sollte man weitestgehend auf schweres Essen, Alkohol, Kaffee und Nikotin verzichten. Die Kräuter können als Tee, Frischpflanzensäfte, Smoothies oder im Essen zu sich genommen werden. Ein paar Beispiele: • Eine dreiwöchige Brennesselteekur schwemmt die überschüssigen Schlacken aus dem Körper, reinigt das Blut und regt die Nierentätigkeit an. Außerdem ist die Brennnessel ein wichtiger Eisen- und Vitamin C Lieferant. Einen Teelöffel getrocknete Brennnesseln mit einer Tasse kochendem Wasser übergießen, ca. 5 min. zugedeckt ziehen lassen,

ECHTES STEIRER HERZ


Das Magazin der Steirischen Seniorenhäuser der

abseihen. 3 mal täglich zu den Übergangszeiten (morgens auf den nüchternen Magen, mittags und abends) trinken.

Stellen Sie sich die Frage: Benötige ich diese Dinge wirklich zum Leben oder enthalten sie vielleicht negative Erinnerungen oder Energien die nicht förderlich sind. Wie oft passiert es Ihnen beim Schrank ausmisten, dass Kleidungsstücke wieder zurückgehängt werden mit dem Gedanken „die könnte ich irgendwann vielleicht noch anziehen“ (was ja doch nicht passiert).

Foto © by Birgit Meyke / pixelio.de

Krimskrams, der nur unnötigen Ballast darstellt. Kleidung und Gegenstände nehmen Energien auf. Vielleicht ist es an der Zeit, diese Dinge endlich hinter sich zu lassen, sie abzulegen. Trennen wir uns von Dingen, ist das ein Loslassen. Sicher ist dies manchmal schwer, aber in manchen Fällen auch ganz gut so. Die Brennesselteekur entschlackt, regt die Nieren an und reinigt das Blut.

• Wildkräutersmoothies liefern dem Körper Mineralien, Vitamine, Spurenelemente und Mikronährstoffe. Außerdem versorgen sie uns mit Chlorophyll, welches für uns so wichtig ist, wie Sonnenlicht. Hierfür eine Handvoll Wildkräuter wie z. B. Löwenzahn, Bärlauch, Brennnessel, Vogelmiere, Birke, Brunnenkresse, Giersch oder Gundelrebe waschen, mit etwas Wasser und Obst pürieren. Bei Bedarf mit Wasser aufgießen. Aber auch der Geist und die Seele benötigen eine Reinigung. Ein Rundgang durch Haus oder Wohnung zeigt uns die vielen Dinge, die sich in den vielen Jahren angesammelt haben.

Foto © by derkien / Fotolia

• Der Löwenzahn eignet sich hervorragend zum Durchputzen. Auch er entschlackt wunderbar, ist harntreibend und ein großartiger Kaliumlieferant. Als Salat mit warmen Kartoffeln und Kernöl ist der Löwenzahn eine Spezialität.

Wildkräutersmoothies liefern alles, was der Körper braucht.

Auch auf der seelischen Ebene ist ein Loslassen wichtig, damit sich nicht negative Gefühle in unserem Körper manifestieren. Hilfreich ist hierbei am Abend eine seelische Reinigung (Psychohygiene). Man lässt den Tag noch einmal Revue passieren. Szenen die nicht so gut gelaufen sind, versucht man nun im Gedanken so zu durchleben und zu ändern, dass sie positiv ablaufen. Wichtig ist es, hier nur für sich selbst zu arbeiten und nicht für andere. Bewegung an der frischen Luft fördert Körper, uuu

ECHTES STEIRER HERZ

21


Informatives aus den Steirischen Seniorenhäusern

Geist und Seele. Wir leben Gott sei Dank noch in einer relativ gesunden Umwelt. Nehmen Sie die Natur rund um sich mit allen Sinnen war. Hören Sie auf den Wind und die Vögel, spüren Sie den Wind der Ihnen um die Nase weht, fühlen Sie den Boden unter Ihren Füßen. Die Erde nährt und trägt uns. Geben wir ihr etwas Respekt zurück. Dieser Artikel behandelt nur kleine Aspekte von den Heilpflanzen. Er kann den Rat einer heilkundlich ausgebildeten Person nicht ersetzen. Für eine Einnahme oder Anwendung sind je nach Zubereitungsform Nebenwirkungen und Gegenanzeigen zu beachten, die hier nicht angeführt sind. Die Autorin übernimmt keinerlei Haftung für Schäden oder Folgen, die sich aus dem Gebrauch oder Missbrauch der hier vorgestellten Informationen ergeben. Zur Person: BERNADETT KIONKA 2009: Traditionelle Thor Zentrum

Heilkräuterkunde

2010: Kräuterpädagoge Drumbl Akademie 2012: Touch for Health I + II 2013: Lithotherapeutische Beratung Institut Ritzberger KONTAKT: Kalwang 167/2/15 8775 Kalwang Tel.: +43 (0)664 - 45 19 192 E-Mail: kionka@aon.at

22

BUCHTIPPS ZUM THEMA: „Praxis-Lehrbuch der Heilpflanzenkunde“

modernen

Grundlagen, Anwendung, Therapie

von Ursel Bühring Phytotherapie traditionell und modern – eine einzigartige Synthese aus Erfahrungsheilkunde und evidenzbasierter Medizin. Theorie, Grundlagen und unmittelbar anwendbares Wissen ermöglichen es Ihnen, individuelle Mischungen von Heilpflanzen zu verordnen und diese optimal anzuwenden. Sie erlernen die Grundlagen der Therapie mit Heilpflanzen sowie die Wirkstoffgruppen leicht verständlich und praxisnah. Der große Praxisteil bietet Ihnen bewährte Therapiekonzepte für viele Indikationen, ergänzt durch Pflanzensteckbriefe und Tipps zur Durchführung. Auf dieser Basis können Sie Phytotherapie gekonnt und sicher anwenden. Interessante Zusatzkapitel, wie z.B. die Wildkräuterküche und Räuchern, runden dieses umfassende Werk ab. Ein Buch, das sich für alle medizinischen Berufsgruppen und interessierte Laien eignet; didaktisch konsequent aufbereitet, vermittelt es Freude am Lernen und Anwenden. 736 Seiten ISBN: 978-3-8304-7368-8

„Die Kräuter in meinem Garten“ von Siegrid Hirsch und Felix Grünberger Ein ausführliches Werk, das moderne wissenschaftliche Erkenntnisse mit traditionellen Überlieferungen und ganzheitlichen Energieformen aufs Beste verbindet. In einem umfassenden Pflanzenlexikon werden über 500 wirksame Heilpflanzen unserer Heimat von Alant und Alpenveilchen bis Zwergholunder und Zwiebel beschrieben. Übersichtlich alle Informationen mit über 700 Farbfotos, Anbauanleitungen, Blüte- und Sammelzeit, Trocknung, Anwendung als Heilmittel, Rezepte mit Zubereitung für Tees, Tinkturen, Weine, Liköre, Schnäpse, Essig, Säfte, Salben und Bäder. Zugeordnete Edelsteinenergien, TCM, Kräutermagie, Planetenzuordnung, Homöopathie, Bach-Blüten, Schüßler Salze, und viele Tabellen zur Mittelfindung, Symptome- Verzeichnis, Kräutergärten, Sachregister. Das große Kräuterhausbuch fü den ständigen Gebrauch in Garten und Küche 792 Seiten ISBN-10: 3902134798 und ISBN-13: 978-3902134790

ECHTES STEIRER HERZ


Das Magazin der Steirischen Seniorenhäuser der

Viel Besuch in der Ehrenamtliche Besucher Besonders wichtig und vor allem immer willkommen sind unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter. Sie nehmen sich immer wieder Zeit für Besuche, Spaziergänge, Ausfahrten mit dem „Graf-Carello“ oder das eine oder andere „Plauscherl“. Vor Kurzen machten die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Roten Kreuzes eine Ausfahrt mit unseren BewohnerInnen. Herbstfest mit einer bunten Trachtenmodenschau

Immer willkommen in der Melisse: Die vielen ehrenamtlichen HelferInnen.

Im Rahmen unseres traditionellen Herbstfestes gab es gleich mehrere Höhepunkte. Mit großer Freude konnten wir der feierlichen Haussegnung beiwohnen, die nach unserem erfolgten Um- und Zubau von Dechant Mag. Friedrich Weingartmann und dem Evangelischen Pfarrer Mag. Erich Klein vorgenommen wurde. Über 100 Gäste fanden sich in der Melisse ein und wurden bei sommerlichen Temperaturen und einer hervorragenden musikalischen Umrahmung durch das Bläserensemble der Stadtmusik Feldbach unter der Leitung von Mag. Rudi Trummer Zeugen einer einmaligen Modenschau. BewohnerInnen und MitarbeiterInnen schlüpften für einen Nachmittag in die Rollen von Laufsteg-Models. Wie immer hatte die Firma Trachten TRUMMER aus Dietersdorf schon bei der Vorbereitung ganze Arbeit geleistet und war somit wieder einmal Garant für ein unvergessenes Erlebnis. Noch bis in den Abend wurde bei Speis und Trank weitergefeiert.

Ausgestattet von der Firma „Trachten TRUMMER“ verwandelte unsere Akteure die Melisse für einen Nachmittag lang in einen großen Laufsteg. Freude daran hatten sichlich alle...

ECHTES STEIRER HERZ

23


Steirische Landschaftsjuwelen

24


Das Magazin der Steirischen Seniorenhäuser der

Die Riegersburg Unzählige Sagen und Mythen ranken sich um dieses eindrucksvolle Wahrzeichen. Die Riegersburg, die in den Jahrhunderten ihres Bestehens nie erobert werden konnte, galt einst als stärkste Festung des Abendlandes. Heute ist sie ein allseits beliebtes Ausflugsziel.

S

ie thront auf einem hoch emporragenden Basaltfelsen eines ehemaligen Vulkanes und gewährt einen herrlichen Ausblick. Schweift man den Blick über die sonst sanfte Hügellandschaft mit Wäldern, Weingärten, Wiesen und Feldern der nach ihr benannten Marktgemeinde hinaus, sieht man bis zum Wechsel, nach Ungarn, Slowenien und bei klarer Luft sogar bis zum Großvenediger.

strategischen Punktes auch von Slawen und Römern. Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Riegersburg als „Ruotkerspurch“ 1138. Der Name leitete sich vom damaligen Besitzer, einem Edelherrn namens Rüdiger, ab. Zur Zeit der Türkenkriege wurde sie zu einer uneinnehmbaren Festung ausgebaut und erweitert. Dabei erhielt die Burganlage ihre heutige Ausdehnung.

Diese einzigartige Lage wurde bereits von Menschen der Bronzezeit genutzt. Archäologische Funde verraten die Nutzung dieses

Bereits der Aufstieg bis zur Burg ist ein Erlebnis. Kilometerlange Wehrmauern mit unzähligen Schießscharten säumen den historischen Fußweg, welcher sich entlang von elf Basteien und durch sieben Tore empor windet. Abenteuerlustige können sich auch für den Klettersteig entscheiden, welcher mittels Stahlseil sicher über den nackten und teilweise senkrechten Felsen führt. Schnell und Kräfte sparend geht es mit dem modernen Schrägaufzug empor. Die zahlreichen Räume der Burg beherbergen drei Ausstellungen:

Der historische Fußweg auf die Riegersburg windet sich durch sieben Tore.

Das Hexenmuseum im Kellergeschoß Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts wurden auch in der Steiermark rund 300 angeblichen Hexen bzw. Zauberern der Prozess gemacht. uuu

ECHTES STEIRER HERZ

25


Informatives aus den Steirischen Seniorenhäusern

Dabei sind nicht nur Außenseiter und sozial Schlechtgestellte mit den absonderlichsten Anschuldigungen belastet worden. Bei Verdacht auf ein Kapitalverbrechen, wie beispielsweise das Herbeizaubern eines Gewitters, wurde zur Wahrheitsfindung gefoltert. Dies führte zu Geständnissen und in weiterer Folge zur Hinrichtung der Beschuldigten. Das Hexenmuseum gibt Einblick in dieses dunkle und rätselhafte Kapitel der Geschichte und versucht zu vermitteln, wie es überhaupt soweit kommen konnte.

Das Hexenmuseum gibt Einblick in ein dunkles und rätselhaftes Kapitel der Geschichte.

Das Burgmuseum in den Prunkräumen Hier begibt sich der Besucher auf Zeitreise zurück in das 17. Jhdt.. Als Kulisse dient unter anderem der Rittersaal. Über die Biografie der Burgherrin Elisabeth Katharina Freifrau von Galler, der sog. Gallerin, erfährt man vieles über diese bewegte Epoche: von Leibeigenschaft und dem Leben der Untertanen, über den damalige Einfluss der Kirche und die Stellung der Frau, bis zu den Türkenkriegen und ihren Opfen. Aber auch detailverliebtes Kunsthandwerk und barocke Lebenslust mit berauschenden Festen sind untrennbar damit verbunden.

26

Die Waffenausstellung Oft stellten Besucher die Frage: „Das ist eine Burg. Wo sind die Waffen?“ Seit 2013 fällt uns die Antwort leicht: „In der neuen Waffenausstellung“. Nicht nur der Großteil des Waffenarsenals der Burg kann hier gesichtet werden, sondern auch Exponate aus der Privatsammlung der Familie Liechtenstein und eigens angeschaffte Stücke werden präsentiert. Waffen für den Sport, für die Jagd und für den Krieg; Schwerter, Helmbaten, Rüstungen, Gewehre & Pistolen - vom Mittelalter bis zur Gegenwart.

Die Burg hat viel zu bieten Der Burgschmied führt in der historischen Schmiede vor, wie einst Waffen und Werkzeuge produziert wurden. Für Jene, die es genauer wissen wollen, bietet er auch Kurse an. In der Taverne wird mit Speis und Trank für das leibliche Wohl gesorgt. Hier werden regionale Köstlichkeiten aller Art, von echten Suppen, über deftige Knödelgerichte bis hin zu Mehlspeisen, hausgemacht und frisch kredenzt. Begleitet mit lokalen Säften, Most oder Wein kann man diese im Gastgarten oder Stüberl genießen. Die flacheren Hänge des Burgberges werden

ECHTES STEIRER HERZ


als Weingarten genutzt. Von der einzigartigen Qualität des hier entstehenden Weines sollte man sich auf jeden Fall selber überzeugen. Für Interessierte werden spezielle Führungen und Verkostungen angeboten. Natürlich ist auch ein Kinderspielplatz vorhanden. Des Weiteren gibt es am Burgberg noch Nutztiere zu entdecken. Das Grenzlandehrenmal erinnert an die bewegte Geschichte der Region und die zahlreichen Opfer der ständigen kriegerischen Auseinandersetzungen. Die Greifvogelwarte Riegersburg zählt zu den besten Europas. Die Falkner führen mehrmals täglich die Flugkünste von Falken, Habichten, Adlern und Geiern vor. Dabei sind atemberaubende Sturzflüge und andere akrobatische Einlagen aus nächster Nähe zu bewundern. In der Schatzkammer stehen neben dem gesamten Sortiment an Burgwein, weitere Sinnesfreuden, von Honigprodukten über Kürbiskerne bis zu Zotter-Schokoladen, zum Verkosten und Erwerben bereit. Die Kulturgeschichte der Imkerei bringt einem der kleine Bienengarten nahe der Liftstation näher. Von einfachen Klotzbeuteln, wie sie bereits in der Antike Verwendung fanden, bis zu heute gebräuchlichen Magazinkästen war es ein langer Weg, welcher hier lückenlos nachvollziehbar ist. Im Kletter- und Erlebnispark warten ein Hochseilgarten, viele Teamelemente und 10.000m² Naturfelsen. Ein Team an Guides nimmt sich Anfängern an, hält Kurse, führt bei Bedarf über die Klettersteige und organisiert und begleitet Abenteuerwanderungen etc.. Im Juli und August herrscht in den Vollmondnächten reges Treiben. Rittertourniere und Hexenprozesse werden abgehalten. Es wird musiziert und gefeiert; Gespenster spuken durch die Burg und schauerliche Geschichten werden vorgetragen. ACHTUNG:Auf Seite 62 können Sie 3 Burgeintritte für 2 Personen inklusive Liftfahrt gewinnen!

ECHTES STEIRER HERZ

27


Das Magazin der Steirischen Seniorenhäuser der

Wem gehört die Riegersburg? 1822 kauft Fürst Johann Josef von und zu Liechtenstein die Herrschaft Riegersburg im Zuge einer Versteigerung. 1869 setzte die planmäßige Restaurierung ein. Bereits vor dem 2. Weltkrieg wurde die Burg touristisch genutzt. Bis 1972 wurde die Burg von Deutschlandsberg aus mitverwaltet. 1972 siedelte sich der damalige Eigentümer Prinz Friedrich v.u.z. Liechtenstein in der Gemeinde Riegersburg an. Seit 2009 befindet sich die Burg Riegersburg im Besitz von Dr.med. Emanuel Prinz v.u.z. Liechtenstein, welcher als Geschäftsführer die Burg Riegersburg TourismusGmbH leitet und als Alleineigentümer um ihre Erhaltung bemüht ist. INFORMATIONEN:

Die Familie Liechtenstein ist bestrebt, die Riegersburg als historisches Denkmal erfolgreich in das 22. Jahrhundert zu führen.

Öffnungszeiten:

Telefonnummern: BURG: +43 (0)3153 - 82 13 TAVERNE: +43 (0)3153 - 82 13 - 2 LIFT: +43 (0)3153 - 200 84

April und Oktober: tägl. von 10.00 bis 17.00 Uhr Mai bis September: tägl. von 09:00 bis 17:00 Uhr Alle Ausstellungen können ohne Führung besichtigt werden. Regelmäßige Führungen finden in den Monaten Juli und August täglich statt, ansonsten nur an Sonn- und Feiertagen: Burgmuseum: 10:00 Uhr, 12:30 Uhr und 15:30 Uhr Hexenmuseum: 13:30 Uhr Waffenausstellung: 11:00 Uhr und 15:00 Uhr

E-Mail: veste-riegersburg@aon.at Homepage: veste-riegersburg.at

Führungen für Gruppen sind gegen Voranmeldung jederzeit möglich.

Burg Riegersburg Riegersburg Nr. 1 8333 Riegersburg

ECHTES STEIRER HERZ

29


Informatives aus den Steirischen Seniorenhäusern

Einmal Hausfrau, immer Hausfrau Wäsche waschen „anno dazumal“ in der

I

m Zuge der Erinnerungsarbeit gibt es immer wieder Themen aus der Vergangenheit zu diskutieren. Viele der BewohnerInnen erinnern sich mit Wehmut an die so genannten „Waschtage“, die heute kaum mehr vorstellbar sind. Mit wie viel Kraft und Ausdauer diese so genannten Waschtage abliefen, werden wir auf dieser Doppelseite beschreiben.

Foto © by Dietmar Meinert / pixelio.de

Um eine „weiße Weste“ zu bekommen, brauchen wir modernen Hausfrauen nur die Waschmaschine auf START zu drücken, mit einem Waschmittel versehen und schon

So lange ist es noch gar nicht her: Waschtag „anno dazumal“ mit der Waschrumpel

dreht sich die Wäsche im Kreis. Das Trocknen der Wäsche geschieht oft schon über Wäschetrockner. Wir haben ein Glück, wir kommen im Normalfall mit keinen ätzenden Waschmitteln mehr in Berührung. Margarethe Jereb, Jg. 1920, Elisabeth Vollmann Jg. 1928, Rosa Routil Jg. 1946 beschreiben nun so einen Waschtag vor gar nicht all zu langer Zeit. Die wichtigsten Utensilien waren, der Waschkessel, die Wäschezange, die Reibbürste, der Waschlöffel, das Waschbrett oder wie der Volksmund sagt, die „Woschrumpl“, Holz, Kohle und Waschmittel. Kernseife, Hirschseife, Ariel, Dixan usw. gab es auch in unserer Zeit schon. Holzasche, oder die so genannte Pottasche und Soda wurden noch von unseren Müttern als Waschmittel verwendet. Diese wurden um 1898 geboren. Wenn unsere Mütter gewusst haben, dass Waschtag ist, haben wir nur ein kleines, karges Essen gehabt. Meistens die „Restln“ vom Vortag, da sie ja den ganzen Tag Schwerarbeit zu verrichten hatten. Zuerst musste der Waschkessel mit Wasser aufgeheizt werden. Gewaschen wurde in ei-

ECHTES STEIRER HERZ


Foto © by Joujou / pixelio.de

Unsere Bewohnerinnen Elisabeth Vollmann (rechts) und Rosa Routil demonstrieren, wie man seinerzeit sehr heiße Wäsche mittels einer Klammer gefahrlos „angreifen“ konnte.

ner Lauge aus Holzasche oder Soda. Diese Lauge war sehr ätzend. Ihre Hände schauten danach immer aus wie Reibeisen. Sehr ausgetrocknet mit wunden Stellen. Nach dem Einweichen und Aufkochen in der Lauge standen das anstrengende Schlagen, Kneten und Reiben auf dem Waschbrett am Programm. Meistens nur in eiskaltem Wasser. Nach mehrmaligem spülen, bleichen und wringen kam die Wäsche schließlich auf die Leine. Große Wäsche, wie echte Leintücher und Bettwäsche, legten sie einfach auf der Wiese in die Sonne auf. Dort wurde sie wunderbar weiß. So war die Sonne ihre beste Hilfe.

halb der zugeteilten Zeit den Wasch- und Trockenplatz. Bei Schönwetter hängten wir die Wäsche im Freien auf. Sie roch dann immer so gut. Bei Schlechtwetter trugen wir sie auf den Dachboden zum Aufhängen.“ Elisabeth Vollmann erzählt, dass sie so um das Jahr 1960 herum ihre erste Waschmaschine kaufte. Es war eine große Erleichterung. Margarethe Jereb meinte dazu, das konnten sich aber nur die besser Verdienenden leisten. Daraufhin fiel Margarethe Jereb spontan ein Zungenbrecherreim aus ihrer Kindheit ein:

„Zu meiner Zeit erinnere ich mich an unsere Waschintervalle“, erzählt Margarethe Jereb. „Wir waren mehrere Parteien im Haus, und hatten alle 14 Tage unseren Waschtag und den zugeteilten Platz auf der Wäscheleine. „Nette“ Nachbarn teilten sich auch außer-

„Wir Wiener Wäsche Weiber wollen weiße Wäsche waschen, wenn wir wüssten, wo warmes Wasser wäre. Warmes Wasser wissen wir, weiße Wäsche waschen wir.“

ECHTES STEIRER HERZ

31


Informatives aus den Steirischen Seniorenhäusern

Ich erinnere mich... Seit März 2013 lebt Frau Margaretha Mühlbacher im Seniorenhaus Viola in Kammern und hat sich bereit erklärt aus ihrem Leben zu erzählen.

F

rau Margaretha Mühlbacher wurde im Jahre 1929 in Kärnten, St. Martin am Silberberg geboren. Als Zweitgeborene erblickte sie nur ein Jahr nach ihrer Schwester Franziska das Licht der Welt, die nun bereits seit 14 Jahren in einem Pflegeheim lebt, weil sie an Alzheimer leidet.

Die Eltern von Frau Mühlbacher waren nicht verheiratet, weil die Mutter dies aufgrund der Eifersucht des Vaters nicht wollte, dies führte auch letztlich zur Trennung der Eltern im Jahre 1932. Margaretha siedelte mit ihrem Vater in die Steiermark, weil sie dort bei der Großmutter mit ihrer „englischen Gliederkrankheit“ besser versorgt war. Sie musste als „Therapie“ immer Lebertran trinken. Der Kontakt zu ihrer Mutter nach Kärnten wurde aber gehalten, indem sie diese hin und wieder besuchte und mit dem Zug nach Kärnten fuhr. Durch den

V.r.n.l.: Margaretha Mühlbacher, ihr Vater, die Großmutter, Stiefbruder Gustl und die Stefmutter.

32

ECHTES STEIRER HERZ


Das Magazin der Steirischen Seniorenhäuser der

guten Verdienst ihres Vaters im Bergbau Leoben war dies möglich. Bei ihrer Großmutter verbrachte Margaretha eine schöne Kindheit, im Vergleich zu ihrer älteren Schwester hatte sie das bessere Los gezogen. Franziska hatte keine schöne Kindheit, da die Mutter als Magd in den Dienst ging und Franziska bereits als Kind mitnahm. Ihr Vater hat geheiratet als Margaretha 9 Jahre alt war, durch die Heirat bekam sie nicht nur eine Stiefmutter, sondern auch einen Stiefbruder den Gustl, der drei Jahre jünger wie sie war. Ihren Erzählungen nach gab es schon Reibereien weil die Stiefmutter den Gustl doch immer bevorzugt hat. Schulzeit und Lehre Margaretha besucht die Volksschule in Proleb und Hauptschule in der Stadt. Im Anschluss absolvierte sie eine Lehre als Schneiderin, obwohl ihr Berufswunsch Krankenschwester gewesen war. Damals musste man für einen Lehrplatz noch bezahlen. Aufgrund des Zeitgeschehens und der wirtschaftlich, schwierigen Zeit wurden in der Schneiderei immer alte Bekleidungsstücke oder alte Stoffe verwendet. Sie erinnert sich, dass in der Schneiderei viel für die Russen-Frauen genäht wurde, welche sehr schöne Frauen waren. Ihre Chefin war eine Tschechin und so konnte sich diese mit den Russinnen gut verständigen. Margaretha erinnert sich, dass sie sich einmal aus Angst hinter den Nähmaschinen versteckt hatten, weil sie Angst vor den Russen hatten, doch diese kamen nicht. Die Russinnen versorgten sie damals sogar mit großen Brotlaiben. Krankheit und Ziegenmilch Bei der Näharbeit war man immer Staub ausgeliefert, was mitunter zur weiteren Erkrankung von Margaretha führte. Sie litt an einer offenen Lungen- und Drüsen TBC und viel dadurch beinahe ein Jahr durch Krankenhausaufenthalten bei der Lehre aus. Diese Zeit durfte

Margaretha Mühlbacher mit ihrem Gatten Karl in jungen Jahren.

ein anderes Mädchen ohne Bezahlung ihren Lehrplatz einnehmen. Margaretha wurde durch die Gesellenprüfung „geschleust“ wie sie lachend erzählt. Trotzdem hat sie mit diesem Gewerk in ihrem weiteren Leben Geld verdient und ihr der Beruf Freude bereitet. Nach dem Krankenhausaufenthalt wurde sie von ihren Eltern nach Oberösterreich auf einen Bauernhof zu Verwandten ihrer Stiefmutter geschickt. Dort bekam sie „Goasmilch“ zu trinken, wodurch die TBC besser wurde. Margaretha erzählt, dass die Ärzte über den Genesungs- und Heilungsprozess durch die Ziegenmilch beeindruckt waren. Heirat und die erste Trafik Mit 19 Jahren lernte Margaretha ihren zukünftigen Mann Karl kennen, sie heirateten im 51er Jahr und ein Jahr darauf kam ihre Tochter Christa zur Welt. Ihr Mann Karl hatte ein Kriegsverletzung, einen Einschuss in der Hüfte und war dadurch Kriegsinvalide. Er durfte zu der Kriegsinvalidität aber noch ein Jahr in seiuuu

ECHTES STEIRER HERZ

33


Informatives aus den Steirischen Seniorenhäusern

zugesprochen wurden und sie als Gattin mitfahren durfte. Auto wurde nie eines angeschafft, man ging zu Fuß oder fuhr mit dem Rad, dafür konnte man sich schließlich eine Eigentumswohnung in Lerchenfeld kaufen.

Zum Preis von 10.000 Schilling kaufte das Ehepaar Mühlbacher einen Kiosk.

nem Beruf als Bäcker arbeiten, danach stellte er ein Ansuchen zur Eröffnung einer Trafik, welchem statt gegeben wurde. Es wurde der Kiosk um 10.000,00 Schilling gekauft, wofür sie von einer lieben Bekannten das Startkapital geliehen bekamen. Die Erweiterung und Umsiedelung vom Kiosk zur Trafik ging wieder mit hohen Kosten einher, jedoch arbeiteten sie dann beide in dem Geschäft und Margaretha ist heute noch berührt, wenn sie an die schwere Zeit der Erweiterung denkt und wie die Kunden zu deren Geschäft gestanden sind. Diese mussten nämlich über ein kleines Brückerl zu ihnen in die Trafik stapfen, wie sie erzählt. Arbeitsleben und Erholung 23 Jahre lang arbeitete sie mit ihrem Mann als Trafikantin. In der Freizeit unternahmen sie gerne Tagesreisen, gingen auf den Berg oder Radfahren. 22 Jahre lang fuhr das Ehepaar Mühlbacher auf Kur nach Bad Schallerbach, die letzten Jahre davon nach Bad Schönau in Niederösterreich, weil ihrem Mann diese Aufenthalte aufgrund seiner Kriegsverletzung

34

Einzug in die Viola Bis März 2013 lebte das Ehepaar Mühlbacher in Leoben. Nach mehreren Operationen ,welchen sich Gatte Karl unterziehen musste, entschlossen sie sich dazu, in die Viola zu ziehen. „Mein Karl verstarb im Juli 2013 und ich war froh, dass ich nach dem Tod meines Mannes nicht alleine war. Ich wollte nicht wieder in die Wohnung zurück. Karl meinte noch: „Jetzt haben wir noch einen schönen Lebensabend!“. Der Zuspruch und die familiäre Atmosphäre in der Viola halfen mir über den Tod meines Mannes hinweg. Die Viola ist jetzt meine Heimat“, erzählt Margaretha Mühlbacher.

Familie Mühlbacher mit Tochter Christa bei einem ihrer Ausflüge.

ECHTES STEIRER HERZ


Das Magazin der Steirischen Seniorenhäuser der

unterstützt „MINI-MED“-Studium in Knittelfeld Gegründet wurde die erfolgreiche Gesundheits-Veranstaltungsreihe im Jahr 2000 in Tirol und findet seit dem Jahre 2012 durch großes Engagement der Stadtgemeinde auch in Knittelfeld erfolgreich statt.

M

INI MED ist Österreichs erste nachhaltige medizinische Vorlesungsreihe für die Gesamtbevölkerung. Mediziner aller Fachbereiche stellen kostenlos im Rahmen von öffentlichen Vorträgen und Vorlesungen ihr Wissen zur Verfügung, um interessierten Menschen in Knittelfeld und deren Umgebung aktuelles und wissenswertes der Medizin sowie neue Erkenntnisse der medizinischen Forschung in allgemein verständlicher Sprache nahe zu bringen. Im Anschluss an die Vorträge beantworten die engagierten Mediziner gerne alle Fragen der Zuhörer. Das MINI MED Studium leistet einen wesentlichen Beitrag zur Gesundheitsvorsorge. Außerdem stehen die verschiedenen Vorlesungen auch unseren MitarbeiterInnen als Fortbildungsmaßnahme zur Verfügung, um deren Wissen zu aktualisieren und neue Erkenntnisse im Bereich der Medizin und Pflege zu erlangen. Diese Wissenserweiterung trägt dazu bei, dass unsere Bewohnerinnen und Bewohner weiterhin optimal und auf neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen basierend Pflege und Betreuung erfahren.

„Eine Krankheit verstehen zu lernen und mit dieser umgehen und leben zu können ist der Schlüssel dafür, diese Erkrankung auch zu bewältigen. Der Dialog zwischen ÄrztInnen und PatientInnen ist dabei unverzichtbar. Aus diesem Grund wollen wir solch wichtige Veranstaltungen mit unserem Beitrag sehr gerne unterstützen.“ Harald FISCHL Geschäftsführer der KräuterGarten-Gruppe (Betreibergesellschaft des Seniorenhauses Wegwarte in Knittelfeld)

ECHTES STEIRER HERZ

35


Informatives aus den Steirischen Seniorenhäusern

100. Geburtstag in der E

inen ganz besonderen Ehrentag beging Frau Elisabeth Fischinger im Söchauer Seniorenhaus Kamille. Im Kreise einer großen Gratulantenschar feierte die rüstige Bewohnerin ihren 100sten Geburtstag. Ihr Sohn reiste eigens mit Gästen aus Wien an und Bürgermeister Josef Kapper, sowie Pfarrer Alois Schlemmer überbrachten der Jubilarin herzliche Glückwünsche. Kamille-Pflegedienstleitung Marina Gritschnigg, MSc. dankte Frau Fischinger für die jahrelange Treue und gratulierte im Namen des gesamten KamilleTeams. Unter den Gästen der Feierlichkeiten waren auch zahlreiche Freunde des „Geburtstagskindes“ und BewohnerInnen des Seniorenhauses. Frau Elisabeth Fischinger ist seit 2006 Bewohnerin des Seniorenhauses Kamille. Gemeinsam mit ihrem Gatten, der leider bereits verstorben ist, zog sie damals von Wien in das Kräuterdorf Söchau.

Die Jubilarin Elisabeth Fischinger im Kreise einiger Gratulanten (v.l.n.r.) Pfarrer Alois Schlemmer, der Söchauer Bürgermeister Josef Kapper, Kamille Pflegedienstleitung Marina Gritschnigg, MSc., Vizebürgermeister Johann Thier und Notburga Meister (sitzend).

36

Ihren 100. Geburtstag konnte sie in voller geistiger Frische feiern. Die Jubilarin bringt auch mit ihren 100 Lebensjahren ihre Umgebung mit dem einen oder anderen Scherz stets auf´s Neue zum Lachen.

ECHTES STEIRER HERZ


Das Magazin der Steirischen Seniorenhäuser der

...und in der I

n

n Seckau als Agathe Fraissl 1914 geboren, war für unsere Bewohnerin durch den Kriegsbeginn schon das erste Lebensjahr ein Schicksalsjahr. Der Vater fiel und die Mutter hatte sechs Kinder durchzubringen. Nach entbehrungsreichen Jahren als Magd und Familienhelferin schenkte Agathe Rauch ihrem Sohn Gustav das Leben, der heute ebenfalls im Seniorenhaus Wegwarte wohnt. Die rüstige Jubilarin war ihr Leben lang vielseitig interessiert und eine begeisterte Sängerin und Tänzerin. So ist ganz klar, dass bei ihrer Geburtstagsfeier der „Fidele Franz“ mit seiner Ziehharmonika gerade recht kam und sogar Bürgermeister Siegfried Schafarik zur Überraschung den „Steirischen Brauch“ als Ständchen darbrachte. Die Eierlikörtorte schmeckte schließlich allen Gästen, die Agathe Rauch hochleben ließen.

Agathe Rauch beging ihren „100er“ mit vielen Gästen, Musik und guter Laune. Oben am Foto mit Bürgermeister Siegfried Schafarik und Wegwarte-Pflegedienstleiterin Manuela Brunner.

Unter den Gratulanten war auch Pfarrer Mag. Rudolf Rappel (4.v.l.), der Agathe Rauch von Messbesuchen kennt.

ECHTES STEIRER HERZ

37


Informatives aus den Steirischen Seniorenhäusern

„Zeit - Hilfs - Netz“ in Trofaiach Soziales Gemeinde-Projekt in der

G

egenseitige Hilfe wird in der Stadt Trofaiach groß geschrieben. Es gibt viele Menschen, die gerne ihre Zeit zur Verfügung stellen, um anderen zu helfen. Unter anderem soll das Zeit-Hilfs-Netz Trofaiach der Vereinsamung von Menschen entgegenwirken. Auch im Seniorenheim Verbena gibt es einige BewohnerInnen, die keine Angehörigen mehr haben und viel alleine sind. Sie wünschen sich einfach mehr Gesellschaft. Mitglieder des Zeit-Hilfs-Netz besuchen die

Menschen, plaudern oder spielen mit ihnen oder sie gehen gemeinsam spazieren. Weiters gibt es Literaturnachmittage oder gemeinsame Singstunden. Es ist schön zu sehen, wieviel Freude diese gemeinsamen Aktivitäten den Menschen macht. Weiters stellen sich die ehrenamtlichen HelferInnen des Zeit-Hilfs-Netz für Botengänge, gemeinsames Basteln oder Nähen, sowie auch für Besuche im Krankenhaus zur Verfügung. Tierliebende BewohnerInnen werden mit Hunden besucht. Die organisatorischen bzw. administrativen Tätigkeiten werden von der Koordinatorin des Projektes bei der Stadtgemeinde, Susanne Sacher, sowie von der Pflegedienstleiterin des Seniorenheimes Verbena, DGKS Christine Stenzel erledigt. Die geleisteten Stunden werden in einer Datenbank den Mitgliedern gutgebucht.

Gemeinsame Aktivitäten wie Lesen, Singen, und Spazierengehen sind eine Bereicherung für Jung und Alt.

38

ECHTES STEIRER HERZ


Das Magazin der Steirischen Seniorenhäuser der

Im Gespräch zum Sozial-Projekt Wie werden die ehrenamtlichen HelferInnen auf ihre Tätigkeit vorbereitet?

In einem Interview erläutert Verbena Pflegedienstleiterin Christine Stenzel ihre Sichtweise über das „Zeit - Hilfs - Netz“ im Seniorenhaus Verbena.

In den Erstgesprächen legte ich bereits großen Wert darauf, dass die „Laien“ die rechtliche Komponente im Umgang mit Senioren erfahren. So wurde im Zuge dieser „Einschulungen“ der Lebens- und Wohnbereich unserer Senioren erfahrbar gemacht. Auch war es mir sehr wichtig, für eventuelle Notfälle dem Besuchsdienst die Grundlagen der Ersten Hilfe nahe zu bringen um ihnen dafür die bestmöglichste Sicherheit zu geben. Passieren kann nämlich immer etwas. Nach diesen abgeschlossenen Einführungen können wir nun schon ein paar Aktivitäten vorzeigen, wie z.B. Einzelgespräche, Begleitung bei Spaziergängen und eine Singrunde. Diese hatte einen besonders guten Einstand. Auch die Gespräche kommen sehr gut. Es bedarf dabei eines sensiblen Umganges. Es soll dabei nie zu einer Zwangsbeglückung kommen, sondern für beide Seiten ein positives Einverständnis.

Wie ist das Projekt bisher angelaufen und worauf kommt es besonders an?

Gibt es auch spezielle Angebote für die Freiwilligen selbst?

Wir selbst stehen ja auch erst am Anfang des Projektes und sind gespannt, wie sich alles entwickeln wird. Für mich ist es aber sehr wichtig, dass die Ehrenamtlichen vom „Zeit-Hilfs-Netz“ eine gewisse Sicherheit im Umgang mit den Senioren erhalten. Da ja alle BewohnerInnen im Seniorenhaus verschiedene Bedürfnisse aufweisen.

Als kleines Danke, so zu sagen als Gegenzug, bieten wir den Ehrenamtlichen die kostenlose Teilnahme an hauseigenen Seminaren an. Ich hoffe, dass das Projekt in der Zukunft weiterhin gut angenommen wird. Es soll dabei zu einem regen Austausch kommen. Jede der Personen, ob Bewohner oder Ehrenamtliche, soll für sich eine positive Erfahrung mitnehmen.

ECHTES STEIRER HERZ

39


Am Veitscher Ölberg: Das größte Pilgerkreuz der Welt befindet sich am „Mariazellerweg Nummer 06“

40

© Steiermark Tourismus / Pilgerkreuz Veitsch


Das Magazin der Steirischen Seniorenhäuser der

Pilgern in der Steiermark Die Kraft der Natur spüren, zu sich selbst finden – wer auszieht, um die kraftvolle Verbindung zwischen Seele und Natur zu erneuern oder zu stärken, wird auf den steirischen Pilgerwegen mit mehr als nur Erkenntnis belohnt. Unterschiedlichste Menschen, herrliche Landschaften und spirituelle Erlebnisse verschmelzen bei der Wallfahrt zu einer einzigartigen Erfahrung. Hier finden Sie Tipps, wo sie Körper, Geist und Seele wieder in Einklang bringen...

Jahr für Jahr pilgern rund eine Million Wallfahrer in den Norden der Steiermark nach Mariazell, dem größten Wallfahrtsort Mitteleuropas. Aus allen Himmelsrichtungen führt ein gut ausgebautes Netz an Pilgerwegen, die als Weitwanderwege allesamt die Nummer 06 tragen, zum Ziel des Fußmarsches: der Magna Mater Austriae in Mariazell. Aber wer sich aufmacht, um zu Pilgern, für den ist der Weg das Ziel. Denn Wandern an sich trägt schon Spuren des In-Sich-Einkehrens, das gemächliche Tempo lässt die Gedanken frei werden und die Impressionen der Landschaft beflügeln den Geist.

die Seelsorge zu übernehmen. Als ihm nach Tagen, am Ende seiner Kräfte, ein riesiger Felsbrocken das Tal versperrte, holte er aus seinem Gepäck eine aus Lindenholz geschnitzte Marienstatue und betete. Auf wundersame Weise teilte sich der Felsen. Aus Dankbarkeit errichtete er eine ‚Zelle’ für die Statue und begründete so den Wallfahrtsort Mariazell.

© Steiermark Tourismus / Hochschwab

Alle Wege führen nach Mariazell

Der Mariazeller Gründerweg Im Jahre 1157 sandte, so die Legende, der Abt des Benediktiner-Klosters St. Lambrecht einen Mönch in die Gegend von Mariazell, um dort

Der Mariazeller Gründerweg schlängelt sich durch das Land des legendenumwobenen Hochschwabs. uuu

ECHTES STEIRER HERZ

41


Informatives aus den Steirischen Seniorenhäusern

© Steiermark Tourismus / Hödl

Die Basilika in Mariazell: Ziel zahlreicher Pilgerwege

Der Steirische Mariazeller Weg Er gilt als einer der bemerkenswertesten und mit 216 Kilometern längsten Pilgerwege Österreichs: Der Steirische Mariazeller Weg. Als Hauptroute des Steirischen Pilgerwegesystems folgt man dem Weg von der Südweststeiermark über Graz in das Oststeirische Hügelland, um schließlich durch die Waldheimat und über die Hohe Veitsch nach neun ausgiebigen Pilgertagen ans Ziel Mariazell zu gelangen. Eine meditative Wanderung, die zum Großteil über Wald- und Wiesenwege leitet und nur wenige steinige Pfade im alpinen Bereich vorgibt.

42

Pilger aus der Oststeiermark können in Vorau, das als Pilgerzentrum mit dem einzigen noch aktiven Augustiner-Chorherrenstift der Steiermark bekannt ist, den Zubringerweg nehmen, der dann in den Steirischen Mariazeller Weg einmündet. Auf dieser Variante erwartet Pilger mit dem Teufelsstein eine besondere Begegnung: Sechs Meter hoch ist der sagenumwobene Turm aus aufgeschichteten Steinen – eine der Legenden besagt, dass ihn der gefallene Engel Luzifer unendlich hoch bauen wollte, um so wieder in den Himmel zu gelangen.

© Steiermark Tourismus / Manfred Glössl

Dem Weg des Mönches folgend, schlängelt sich heute der Mariazeller Gründerweg durch das Land und über den legendenumwobenen Hochschwab 182 Kilometer weit, die in acht Tagen zu je fünf bis elf Stunden Gehzeit zu bewältigen sind. Eine kürzere Variante startet in Aflenz, von wo man die Basilika Mariazell in zwei Tagen erreicht.

Das Augustiner-Chorherrenstift in Vorau

ECHTES STEIRER HERZ


Das Magazin der Steirischen Seniorenhäuser der

Weststeirischer Jakobsweg

Aber nicht alle Pilgerwege führen nach Mariazell. Der steirische Hemma-Pilgerweg führt Wallfahrtswillige ins kärntnerische Gurk, in dessen Domkrypta die heilige Hemma beigesetzt ist. Seinen Ausgangspunkt nimmt der Pilgerweg beim bereits im Jahr 1074 gegründeten und damit ältesten Stift der Steiermark in Admont. Es beherbergt die größte Klosterbibliothek der Welt und ein modernes Museum. Es werden barocke und aktuelle Architektur, Kunst vom Mittelalter bis zur Gegenwart, ein Naturhistorisches Museum, frühe Handschriften, Drucke und noch viel mehr gezeigt. Der sehr anspruchsvolle, siebentägige Pilgermarsch nach Gurk führt über 163 Kilometer vorbei an Natur- und Kulturschönheiten, die den Weg nach Süden zu einem wunderbaren Erlebnis werden lassen.

Der Jakobsweg zum angeblichen Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela besteht seit dem frühen 11. Jahrhundert und war ursprünglich die Hauptverkehrsachse Nordspaniens. Heute zieht sich ein breites Wegenetz durch halb Europa. Und jeder für sich ist ein Erlebnis ganz anderer Natur. Wir entführen Sie hier durch die Weststeiermark bis ins kärntnerische Lavamünd. Der Weg führt von Thal bei Graz vorbei bei der Hundertwasserkirche St. Barbara in Bärnbach und durch die Lipizzanerheimat bis nach Soboth. Von hier aus ist es eine Tagesetappe bis wir im kärntnerischen Lavamünd ankommen.

WICHTIGE ADRESSEN in der KräuterGarten Gruppe

Der Hemma-Pilgerweg

Weitere Tipps, exakte Routenbeschreibungen und zusätzliche Informationen: www.steiermark.com/pilgerwege

TEl: 03387 -2225-0, FAX DW 75 Ihre Ansprechpartnerin: Marina Gritschnigg, MSc. e-mail: verwaltung@kamille.at - www.kamille.at TEl: 03152 - 37037, FAX DW 9777 Ihre Ansprechpartnerin: Dir. Karin Erkenger mail: verwaltung@melisse.at - www.melisse.at TEl: 03847 - 30090, FAX DW 333 Ihr Ansprechpartner: Michael Chachlikowski mail: verwaltung@verbena.at - www.verbena.at TEl: 03844 - 80375, FAX DW 30 Ihre Ansprechpartnerin: Ulrike Spielberger mail: verwaltung@dieviola.at - www.dieviola.at TEl: 03512 - 86245, FAX DW 9500 Ihre Ansprechpartnerin: Sabine Brass mail: verwaltung@diewegwarte.at www.diewegwarte.at

ECHTES STEIRER HERZ

43


Das Feuer brennt immer noch!


Informatives aus den Steirischen Seniorenhäusern

Günter Timischl Ein Exklusiv-Interview mit dem STS-Musiker

Wir beginnen in dieser Ausgabe unseres Magazins „Echtes Steirerherz“ mit einer InterviewReihe, die Ihnen interessante Persönlichkeiten aus Musik, Kunst, Sport und Wirtschaft näher bringen soll. Diesmal hat Michael Langhans das „T“ der Musikgruppe „STS“ getroffen: Günter Timischl. Die beiden kennen sich seit vielen Jahren, haben sich jedoch zum ersten Mal zu einem Interviewtermin verabredet... Ich treffe Günter Timischl an einem angenehmen Vor-Frühlingstag auf seinem Bauernhof in der Nähe von Fürstenfeld. Im Innenhof zeige ich mich stets auf´s Neue vom selbst geschaffenen und auf angenehme Art verspielten Ambiente begeistert. Die liebevolle Gestaltung des gemütlichen Eigenheimes erzeugt schnell eine echte Wohlfühl-Stimmung. Eine kreative Melange aus Bodenständigkeit und neugieriger Experimentierfreudigkeit. Ähnlich der Musik Günter Timischls. Rasch ist entschieden, dass wir sogleich wieder aufbrechen, um die Gunst der Nachmittagssonne für ein paar Fotos zum Interview zu nutzen. Eine gute Idee. Durch die doch recht steife Brise dieses Februartages angetrieben führt uns der Weg schon bald in die warme Stube des Dorfgasthauses in Altenmarkt bei Fürstenfeld. Hier hat sich Günter Timischl bei einer Tasse Kaffee reichlich Zeit genommen, um meine Fragen zu beantworten.

46

Man sieht es Günter Timischl zwar nicht an, aber auch er zählt bereits zur „Generation 60+“. An welchen Projekten arbeitest Du derzeit, oder genießt du bereits den Ruhestand? Günter Timischl: Ich arbeite an meinem Vorruhestand und ich schwöre dir, das ist eine gewaltige Aufgabe. (lacht) Wir sind heuer, genau in diesem Jahr 2014, in der absoluten Ruhe und planen für 2015 noch ein paar Schlusskonzerte, die sich auf die Hauptstädte der Bundesländer beschränken werden und im deutschen Raum. München, Nürnberg, Würzburg bis Stuttgart – auch dort werden wir ein paar Großstädte noch mitnehmen. Das wird dann mehr oder weniger die Schlusstournee, sollten wir alle noch bei Kräften sein. Eigentlich war schon die letzte Tournee als Abschluss gedacht, aber wir haben danach derart viele Anfragen bekommen, ob wir nicht doch noch eine kleine Runde ziehen könnten. Zuletzt waren wir nur mehr in den großen Hallen, was ca. 30 bis 35 Konzerte pro Tournee bedeutet hat. Für 2015 haben wir nur mehr ungefähr 15 Konzerte geplant und so bleibt das in einem engen Rahmen von drei Wochen. Vielleicht teilen wir das aus Regenerationsgründen auch auf, weil es ist gar nicht mehr so einfach, eine Tournee durchzuhalten. Die Wege werden länger und dadurch die Regenerationszeiten kürzer. Früher haben wir fast jeden Tag gespielt, aber die Wege waren kurz.

ECHTES STEIRER HERZ


Günter Timischl plant mit STS für 2015 noch rund 15 große Konzerte, die er als „Schlußtournee“ bezeichnet.

Drei Mal hintereinander in Salzburg, zwei Mal in Innsbruck, drei Mal in Wien und fünf Mal in Graz. Da konnte man richtig ausschlafen und dann die Stadt besichtigen. Aber jetzt geht es wirklich Schlag auf Schlag. Jetzt planen wir die Tournee aber so, dass wir einen Tag auftreten und einen Tag frei haben, um sich richtig regenerieren zu können. Es ist eine sehr intensive Geschichte auf Tour zu sein. Was ist das Anstrengendste bei einer Tournee? Das ist ja auch körperlich relativ belastend. G.T.: Man muss sich das so vorstellen: Die meisten Menschen haben schon einmal einen Langstreckenflug erlebt.Tournee ist wie ein Jetlag. Du baust sukzessive ab und du fühlst dich immer müder und müder, wie bei einem Jetlag. Aber am Abend, wenn du auf die Bühne springst, schießt trotzdem das Adrenalin ein und die Nervosität ist die Hölle. Das ist dann die Mixtur, die dich wach hält, die dich aufmerksam macht und die dich konzentriert arbeiten lässt. Am Ende dann, wenn du deine zwei Kilo herausgeschwitzt hast, dann bist noch müder als am Vortag und dann brauchst du irgendwann eine Pause. Wir haben das immer so

gehalten, dass wir drei bis vier Tage hintereinander gespielt haben und dann zumindest einen freien Tag hatten. Nur jetzt, 20 bis 30 Jahre später, muss man das einfach anders gestalten. Was macht man an so einem Regenerationstag? G.T.: Ich habe große Freude daran, mir Städte anzuschauen. Jetzt ist es natürlich so, dass man früher immer neue Städte während einer Tournee kennen gelernt hat. Jetzt sind wir natürlich mit den meisten Städten bereits vertraut. Aber man kennt immer irgendetwas noch nicht und das versuche ich dann eben zu finden. Unsere Tourneen finden meistens im Winter statt. Also heißt es aufpassen, dass man sich nicht verkühlt. Gute und sorgfältige Planung ist das wichtig, wenn man sich der Kälte aussetzt. Man hat permanent eine angereizte Stimme und nimmt natürlich irgendwelche Pastillen, die die Stimme schmieren. Udo Jürgens hat schon immer Kamillentee empfohlen. Diese Dinge muss man halt streng einhalten. Zum Thema Udo Jürgens. Er wird heuer unglaubliche 80 Jahre alt. Wird Günter Timischl mit 80 auch noch auf der Bühne stehen? uuu

ECHTES STEIRER HERZ

47


Informatives aus den Steirischen Seniorenhäusern

G.T.: Nein, sicher nicht! Ich stehe seit meinem neunten Lebensjahr auf der Bühne. Heute bin ich 66, also ich bin im 57. Berufsjahr. Es ist nicht mehr so, dass mich das unglaublich reizt. Ich weiß nicht, was den Udo Jürgens dazu bewegt. Naja, er lebt alleine. Vielleicht deswegen. Ich habe ein Haus voller Menschen daheim. Bei mir wohnen meine Enkelkinder, meine Lebensgefährtin Roswitha und drei Hunde. Ich habe also Beschäftigung ohne Ende. Wie lange wird es dauern und ich bin Urgroßvater. Dann geht alles wieder von vorne los. Du bist ein sehr bodenständiger Mensch und lebst ruhig auf einem Bauernhof in der Nähe Deiner Geburtsstadt Fürstenfeld. Was schätzt Du so an dieser Region und am „einfachen“ Leben hier? G.T.: Ich war mein Leben lang gewohnt, Fürstenfeld zu verlassen, um Spielen zu fahren. Für mich hat das Tourneegebiet nach der Fürstenfelder Ortstafel begonnen. Keine Frage. Zuerst sind wir nach Ilz gefahren oder sonst wo hin und dort hat man seine Auftritte gemacht. Und jedes Mal war das „Nach Hause Fahren“ wieder da. Der Auftritt war super, Geld haben wir dafür auch noch bekommen – was will man mehr. Dieses Doppelleben zwischen Wegfahren und Heimkommen war das Hochspannende dabei. Das hat mir immer gefallen. Heute ist mein Zuhause mein Ruhepol. Da kann man in Ruhe über etwas nachdenken. Unterwegs hast du keine Zeit zum Denken, da geht es nur dahin. Gemma, gemma! Früher hatten wir vor dem Auftritt noch Interviews und haben Rundfunkstationen besucht. Das war ein „G´riss“ um uns wie heute etwa beim Andreas Gabalier. Da wird man nur mehr von Tür zu Tür gereicht. Heute ist das sehr angenehm. Heute muss ich niemandem mehr etwas beweisen. Manchmal muss ich sogar aufpassen, dass die Ruhe nicht zu viel wird. Aber ich bin sehr zufrieden so wie es ist und wenn 2015 dann die Tournee vorbei

48

sein wird ist „der Schiffi“ (Schiffkowitz) 70, ich bin 68 und der Gert 63. Dann sind wir alle in einem Alter, wo man schön langsam an die Pension denkt. Sollte es wirklich eintreten, dass wir dann noch einmal Lust verspüren und man ist so fit, dann kann man irgendwo in einem Stüberl in einer Seniorenband spielen. Warum nicht? Das kann auch ein ganz normales Probelokal sein, wo man sein Hobby pflegt. Mit irgendwelchen Freunden, die auch noch leben (lacht). Gibt es eigentlich ein Erlebnis auf der Bühne, dass man als besonders schön erlebt hat und das man nie mehr vergisst? G.T.: Natürlich gibt es das. Das ist tatsächlich so. Ich habe ein Lied von Bob Dylan übersetzt, „He, alter Liedersänger“, das im Original „Hey Mister Tambourine Man“ heißt. Dieses Lied spiele ich auf einer kleinen Ukulele. Das habe ich immer alleine auf der Bühne dargebracht und irgendwann kam dann das Donauinselfest und dort habe ich es auch gespielt. Die Jungs marschieren von der Bühne, kein Mensch ist mehr da und ich bin allein. Und dann habe ich hinausgeschaut und da standen 200.000 Menschen und ich durfte für sie spielen. Das war unglaublich. Da läuft es mit kalt den Rücken hinunter. Das sind die Dinge, die man sich wirklich merkt. Natürlich gibt es auch mit der Band einschneidende Geschichten, aber dort teilt es sich mehr auf. Da erlebt der ein manches intensiver, der andere weniger. Aber das Erlebnis beim Donauinselfest werde ich mein Leben lang nicht vergessen. Gänsehaut bekommt man auch, wenn man etwa in München im „Circus Krone Bau“ spielt. Dort, wo früher schon die Beatles und die Rolling Stones auf der Bühne gestanden sind. Das ist etwas ganz Besonderes. Auch die Nibelungenhalle in Passau ist ein sehr geschichtsträchtiger Ort, an dem wir bereits aufgetreten sind.

ECHTES STEIRER HERZ


Gleich hinter der Ortstafel von Fürstenfeld beginnt für den „Heimatverbundenen“ das Tourneegebiet.


Informatives aus den Steirischen Seniorenhäusern

Wie war es im Vergleich dazu, als du in deiner Heimatstadt Fürstenfeld vor einem prall gefüllten Hauptplatz auf der Bühne gestanden bist. Das muss ja auch ein Erlebnis dieser speziellen Qualität gewesen sein. Na, das ist eine eigene Veranstaltung. Zuhause spielen, das ist das Ärgste was du dir überhaupt anschaffen kannst. (lacht) In Graz? Gerne! Alles außerhalb von Fürstenfeld ist Tourneegebiet. Jederzeit gerne! Aber in Fürstenfeld hat man im Vorfeld so viele Wünsche zu erfüllen. Von Freunden oder Schulterklopfern. Das ist sehr fordernd und man will natürlich auch in keinem Fall „Nein“ sagen, sonst gilt man gleich als arrogant. Also, man muss sehr dosiert durch die Welt gehen. Ich habe mir angewöhnt, dass nur mehr meine Freundin Roswitha das Telefon abgehoben hat. Ich war dann offiziell irgendwo auf Tour, sonst wird man mit dem Ganzen nicht fertig. Der Auftritt selbst ist dann wie jeder andere. Wenn du auf der Bühne sitzt kann passieren was will. Mir ist sogar einmal eine Saite gerissen und dann lacht man und denkt sich „Das auch noch! Das gehört noch dazu!“ Meistens ist die Gitarre danach nämlich verstimmt und

wenn du Pech hast, ist sie schwer verstimmt. Das spielt aber kaum eine Rolle, da wir sofort jemanden auf der Bühne haben, der spätestens beim nächsten Lied eine neue Gitarre zur Verfügung stellt und die andere wird auch gleich restauriert. „Suchen muaß i eh a Leb´n lang“ ist eine Zeile aus Deinem Lied „Das Feuer“. Was sucht Günter Timischl oder hat er es vielleicht schon gefunden? Das Komische ist, du findest immer irgendetwas. Immer ein neues Stückerl vom Leben, das dir Freude und Spaß macht. Es läuft aber manchmal auch nicht so gut. Das gibt es ja auch. Das Leben besteht nicht nur aus tollen Momenten. Keine Frage. Die Suche wird aufrecht bleiben, da wird sich nicht viel ändern! Ich hoffe, dass ich das noch lange durchhalte und dass ich neugierig bleibe. Du machst einen sportlichen Eindruck. Wie hält sich Günter Timischl körperlich fit? G.T.: Ich bin ein passionierter Frühstücksgolfer.

Foto: Gerald Hirt

Ganz in seinem Element: Günter Timischl auf der Bühne im Rahmen der STS-Tournee 2005.

50


Das Magazin der Steirischen Seniorenhäuser der

Früher habe ich Tennis gespielt, bin gelaufen, mit dem Rad gefahren. Ich habe immer Sport betrieben. Jedes Alter hat seinen Sport. Golf ist eine der schönsten Sportarten im Alter. Man braucht niemanden dazu, der Platz ist der Gegner. Ich bin immer einer der ersten am Golfplatz, das heißt im Sommer kannst du mich schon um halb sechs Uhr früh spielen sehen. Da hat man Ruhe, der Platz gehört dir und wenn man nach der Runde zurückkommt fangen alle anderen erst an zu spielen. Dann gehe ich bereits wieder nach Hause. Das hält den Alters-Zucker in Grenzen. Du machst seit deiner Kindheit Musik. War es eigentlich immer klar, dass du die Laufbahn des Musikers einschlägst oder gab es auch andere Pläne für deine berufliche Zukunft? G.T.: Für mich war es immer klar. Für die Eltern nicht. Mein Vater ist sehr früh verstorben. Dadurch bin ich in der Hierarchie aufgerückt. Mein Bruder ist acht Jahre älter als ich und war zuhause faktisch nicht mehr vorhanden, der lebte in einer anderen Zeit. Mit 13 Jahren habe ich mich selbst gefragt „Was willst du eigentlich werden?“ und die Antwort war natürlich „Musiker!“. Aber richtig! Nicht nur ein Samstagsoder Sonntags-Musiker, sondern jeden Tag! Das war ein entscheidender Moment in meinem Leben, denn ab diesem Zeitpunkt habe ich mein Ziel verfolgt, was nicht immer einfach war. Das war auch mit Entbehrungen und Dingen verbunden, die gekostet haben. Was sich letzten Endes auch im Alter von 25 in einem Brand im Probelokal gezeigt hat. Da habe ich mein ganzes musikalisches Vermögen verloren. Jeder von uns. Mit meiner damaligen Gruppe „Magic“ waren wir im Probelokal und dabei ist im Holz- oder Kohleofen eine Verpuffung passiert und hat das Haus in Brand gesteckt. In diesem Gebäude war alles aufbewahrt, was wir uns jemals sehr hart erarbeitet hatten. Da waren auf einen Schlag 300.000 Schilling weg.

Was waren eigentlich die wichtigsten Stufen deiner musikalischen Karriere? G.T.: Die wesentlichen Stufen waren gleich am Anfang meiner Karriere, wie ich ab dem 14. Lebensjahr als Selbstbestimmter durch das Leben gehen konnte. Da habe ich bei einer Band zu spielen begonnen, auch um Geld dazu zu verdienen. Nach dem Tod meines Vaters war die Familie plötzlich ohne Ernährer, wenn man es so nennen will. Meine Mutter war Kindergärtnerin und hat natürlich etwas verdient. Aber es war nicht schlecht, dass ich etwas dazu verdient habe. Damals habe ich bei einer Band namens „Poleros“ angefangen. Die haben alle Stücke gespielt. Die sind mit Saxophon und Posaune aufgetreten und dort habe ich wirklich das Handwerk erlernt, wie man so schön sagt. Dort habe ich das erste Mal so richtig von B-Tonarten gehört, was ich vorher gar nicht gekannt hatte. Ich bin vom Flötenspiel gekommen und da habe ich nur die Kreuztonarten gekannt. Der zweite Schritt war dann, dass wir gleich nach der Lehrzeit Berufsmusiker geworden sind. Das habe ich zwei Jahre gemacht. Wir haben jeden Tag gespielt. Zum Beispiel in Rosenheim, in Salzburg und in der Austria-Bar in Villach. Überall in Häusern, die damals in Österreich sehr berühmt waren. Im Hotel Baumann in Leoben waren wir gleich für 6 Monate. Das Haus hatte ungefähr 300 Zimmer und die Gäste sind am Abend in den Keller gekommen um uns zu erleben. Auch von außerhalb sind die Leute gerne gekommen und so war das Haus meistens voll und wir konnten unser Engagement Monat für Monat verlängern. Dann mussten wir aber zum Bundesheer und danach haben wir die Magic-Band gegründet. Da kamen auch die ersten Erfolge in Richtung Rundfunk, die erste Schallplatte und irgendwann danach fand der Zusammenschluss von STS statt. Dazwischen habe ich auch mit Opus und der Ersten Allgemeinen Verunsicherung gearbeitet, um als Musiker überleben zu könuuu

ECHTES STEIRER HERZ

51


Informatives aus den Steirischen Seniorenhäusern

nen. Mehr war das nicht. Aber es musste immer etwas mit Musik zu tun haben – nur nicht wieder zurück in einen normalen Beruf. Welche Musiker bzw. Musikgruppen haben Dich geprägt? G.T.: Natürlich die Beatles, Stones,The Who. Im Prinzip schon die mehrstimmigen Bands. Da gehören die Rolling Stones weniger dazu. Ich denke da an die Beatles, die Beach Boys, The Who, die Yardbirds und, und, und. Die gab es damals ohne Ende, aber die genannten Gruppen kennt man heute noch. Bei den Stones hat mir der Rabaukenstil sehr gefallen. Lustig war, dass das Management der Beatles und der Stones immer versucht hat, die Fans in zwei Gruppen gegenseitig auszuspielen. Die einen sind die Braven und die anderen die Bösen. Dabei sind beide Bands in den Kneipen zusammen gesessen und haben sich blendend verstanden. Heute weiß man, dass beide manchmal gleich bös waren. (lacht) Gibt es für dich aus der jetzigen Generation von Musikern bemerkenswerte Künstler? G.T.: Ja, „Ich & Ich“ hat mir zum Beispiel in der letzten Zeit sehr gefallen. Oder jetzt auch der Bruno Mars. Es gibt pro Jahr nur zwei bis drei Lieder, die dann überbleiben... „Doch a poar Liada wenn ma Glück hom bleim, die nimmt uns kaner mehr weg, die heb ma uns für´n nächsten kolten Winta auf, in an sicharen Versteck.“ Das ist ein Zitat vom Schiffkowitz, das mir immer sehr gefallen hat. Eine tolle Zeile. Das erwähne ich gerne, weil diese Zeile prägt dich, wenn du sie einmal gehört und auch begriffen hast, worum es da wirklich geht. Diese paar Geschichten bleiben über. „Ich & Ich“ ist eine tolle Geschichte mit gescheiten Texten. Generell ist mir egal, ob die Musik deutsch- oder englischsprachig ist. Bei dem einen gefällt es mir,

52

weil er singt wie ein Gott und bei anderen finde ich wiederum die Texte bemerkenswert. Die Rolling Stones sollen ja angeblich auf einer Tournee wieder nach Europa kommen. Wirst du sie dir anhören? G.T.: Keine Ahnung, das kann ich jetzt noch nicht sagen. Dieses Ereignis muss ungefähr zwei Wochen vor mir liegen, dann kann ich mehr sagen. Ich war übrigens nie wirklich ein begeisterter Konzert-Geher. Die Konzerte, die ich erlebt habe, reduzieren sich auf zwei Mal zehn Finger. Dabei war eines der besten ein Konzert von Chicago. Dann war ich auf einem Konzert von The Who. Da hat mir allerdings die Vorband noch besser gefallen. Das war die Band „Golden Earring“, die damals das Lied „Eight Miles High“ derartig toll gespielt hat. Die „Who“ waren dann eher enttäuschend. Da habe ich gesehen, dass eigentlich alle nur mit Wasser kochen. Die Gruppen hatten unglaubliche Aufbauten, die wir uns niemals hätten leisten können. Aber das waren Welt-Bands, keine Frage. Inzwischen könnten wir uns das auch leisten, aber die Frage ist, ob das wirklich notwendig ist. Wir haben eben unseren Stil und der gefällt unseren Fans und es gibt Gruppen mit anderen Vorstellungen, die dann wieder eigene Anhänger findet. Diese Vielfältigkeit soll es ja auch geben. Ein bekannter Musiker hat einmal gesagt: „Jedes meiner Lieder ist wie ein Kind für mich, das ich mit mehr oder weniger Anstrengungen in die Welt gesetzt habe.“ Auf welches Lied, das Du geschrieben hast, bist Du am meisten stolz? Oder sind es gleich mehrere? G.T.: Es ist so: Wenn du gerade an einem Lied arbeitest hörst du es sehr oft. Du merkst wie es wächst. In diesem Sinne stimmt die Aussage „Kind“ schon. Es gibt aber auch Kinder, für die man sich fremdschämen muss. (lacht laut)

ECHTES STEIRER HERZ


Das Magazin der Steirischen Seniorenhäuser der

Wenn du im Nachhinein weißt, was du hättest besser machen können und es ist dir nicht gelungen – diese „Kinder“ gibt es ganz einfach, um in diesem Terminus zu bleiben. „Das Feuer“ ist als komplette Komposition sicher eines meiner besten Lieder. Von den letzteren Songs ist „Die Zeit“, mit dem Text vom Kollegen Schiffkowitz, meiner Meinung nach unglaublich gelungen. „Das Wunder meiner Seligkeit“ hat als Liebeslied betrachtet natürlich eine gewisse Einmaligkeit, weil es sehr verspielt ist. Das sind Nummern, die man auch auf der Bühne gerne spielt. Da weiß man: „Das ist ein gutes Lied!“. Vor der Entstehung des Songs „Das Feuer“ hat es öfter geheißen, dass es jetzt wohl bald aus sein wird mit STS. Da waren die Neider sehr laut. Und meine Antwort war: „Nein, nein, Burschen! Das Feuer brennt immer noch!“. Und genau so ist es dann. Dabei gefällt mir die Studioaufnahme gar nicht so gut wie die LiveVersion. Ich habe dem Rudi in meiner Kneipe mittlerweile verboten, die Studio-Version zu

spielen, weil das Lied live einfach viel besser ist. Ich bin zwar auch im Studio ein guter Musiker, aber live bin ich halt immer besser. (lacht) Ich brauche das Licht, die Leute, ich brauche den ganzen Stress damit ich explodiere. Kannst du eigentlich euer Lied „Fürstenfeld“ überhaupt noch hören? G.T.: Natürlich, ich habe da keine Aversion dagegen. Ich lege es mir ja nicht daheim auf. (lacht) Ich höre es ja zwei bis drei Jahre gar nicht, bis wir es auf Tournee wieder spielen. Das ist ein Lied, wofür man keine Probe braucht. Aber du spielst es trotzdem in der Probe zum Konzert durch, damit du die Anfänge und alles andere kennst. Da kommt dann die Frage auf: „Hat eh´ jeder das richtige gelernt und weiß eh´ jeder noch alles?“. Auf der Bühne ist „Fürstenfeld“ dann wie immer eine eigene Welt. Du fängst an und alle singen mit. Du brauchst nur mehr zu spielen. Das Lied gehört einfach zu einem STS-Konzert dazu. Wenn ich ein Konzert der

„Gefällt mir!“: Günter Timischl über den Dächern von Fürstenfeld.

uuu

53


Foto: Gerald Hirt

Informatives aus den Steirischen Seniorenhäusern

Live mit den Kollegen Gert Steinbäcker und Schiffkowitz: Für eine Explosion braucht Günter Timischl das Licht, die Menschen und den Stress.

Stones besuchen würde möchte ich auch „Satisfaction“ hören. Obwohl ich das auch schon Millionen Mal gehört habe, glaube ich. Wir sind als Musiker Unterhalter und nicht dazu da, um die Leute zu nerven. So sind wir auf die Welt gekommen, das wollten wir auch so. Also haltet euch bis zum Lebensende daran und wenn ihr euch selbst jeden Tag neu erfinden müsst, na Bitte, dann tut das auch. Aber wundert euch nicht, wenn die Menschen aufhören euch zu lieben. Das ist einfach so. „Großvater“ ist Günter Timischl natürlich auch schon. Wie wird die Welt Deiner Meinung nach aussehen, in der Deine Enkelkinder leben werden, wenn sie Dein derzeitiges Alter erreicht haben? G.T.: Keine Ahnung! Ich hoffe nur, sie sind fleißig damit sie die ganzen Schulden bezahlen können, die unser Staat fabriziert hat (lacht). Die Entwicklungen sind beängstigend. Wenn die Schere immer weiter aufgeht wird es irgendwann „kleschen“! In Venezuela und in Thailand gibt es massive Schwierigkeiten und in Syrien herrscht ein ausgewachsener Krieg. In Portugal und Italien brodelt es auch schon. Wie will man die Jugend in Ländern mit über 50-prozentiger

54

Arbeitslosigkeit niederhalten? Wie soll man die ruhig halten? Mit Geld sicher nicht! Da kannst du Geld drucken ohne Ende bis wir eine Inflation haben, die alle Schulden beseitigt. Ich verstehe nicht, wie man es so weit kommen lassen kann und warum es da keine Verantwortlichen gibt. Wie man sich so hinausschwindeln kann, aus der ganzen Übung? Wie kann ein kleines Land 20 Milliarden Euro an Haftungen eingehen? 20 Milliarden Euro! Ich kann mich erinnern, als man das Atomkraftwerk in Zwentendorf stillgelegt hat. „Sieben Milliarden Schilling!“ hat es damals schon geheißen. Das sind Preise, die die Jugend noch abzuwickeln hat. Diese Größenordnungen sind unvorstellbar. Es muss auch energiepolitisch ein Umdenken geben. Ich habe gelesen, dass man seitens der Lobbys die AKWs wieder forcieren will. Die Energiewende mit Windrädern und Photovoltaik will man schon wieder verhindern. Die Energie der AKWs soll billiger sein, wollen uns die Lobbys Glauben machen. So wie in Fukushima? Jetzt gibt es verstrahltes Treibgut vor der amerikanischen Küste. Ich bin gespannt, wie man das wieder abfangen will. Na super! Wenn sie so weitermachen, kannst du nur auf einen Meteoriten hoffen (lacht). Damit die Erde wieder ein bisschen Ruhe hat und sich

ECHTES STEIRER HERZ


Das Magazin der Steirischen Seniorenhäuser der

neu erholen kann. Der Welt würde es sicher nicht schaden. Die hat ja noch ein paar Milliarden Jahre, bis sich die Sonne ausdehnt. Dann ist sowieso Ende – auch das weiß man. Ich kann mir aus heutiger Sicht nicht vorstellen, dass der jetzige Zustand länger dauert als bis zum Jahr 5000. Außer sie schaffen die Energiewende indem man Fusionen weiterbringt, die eben nicht radioaktiv sind. Ich habe gelesen, dass es Wissenschaftler neulich geschafft haben, mit sieben Batterien eine Fusion zu erzeugen, mit der man eine Batterie füllen konnte. Das ist gut, das ist ein Anfang! Das ist ein Schritt dorthin. Aber die Öl-Lobby sagt: „Wir haben eine Technik, die schon seit 150 Jahren funktioniert! Warum wollt ihr darauf verzichten? Was sollen wir mit dem Öl denn sonst machen, als es zu verheizen?“. Dann versorgt man uns mit so lächerlichen Meldungen, dass das Öl sowieso nicht aus fossilen Wäldern gebildet wird sondern durch die Erdkrustenreibung. Wenn ich so etwas lese denke ich: „Mit welchem Scheiß werden wir da schon wieder gefüttert?“ Das ist ja unglaublich! Oder ist es wirklich möglich? Wenn man bei Google nachschaut hast du genau wieder acht Meinungen zu einem Problem und danach gibt es 16 Meinungen zu den vorangegangenen acht Meinungen. Es hört nie auf! Deswegen muss man das Leben irgendwie listig und lustig sehen. Es hilft nichts. Sonst packst du das nicht mehr. Welche Erinnerungen hast Du an Deine Großeltern? G.T.: Ich war ein „Spätkind“. Meine Eltern waren schon über 40, als ich auf die Welt gekommen bin. Ich habe meine Großeltern eigentlich nicht oder nur kaum erlebt, muss ich leider sagen. Mein Großvater ist gestorben als ich sechs Jahre alt war, meine Großmutter als ich 8 war. Diesbezüglich hatte ich eine wilde Kindheit. Jedes Jahr ist irgendeine Verwandtschaft von mir gestorben und immer war ich auf irgendeinem

Begräbnis. Deswegen mag ich heute auch nicht mehr zu Begräbnissen gehen. Ich bin diesbezüglich traumatisiert. Immer haben alle um mich herum geweint und ich habe mir gedacht: „Warum weinen die alle, es ist doch so schön auf der Welt!“ Vielleicht bin ich auch deswegen Musiker geworden, weil mich das ewige Weinen gestört hat. Das kann ein tiefenpsychologischer Beweggrund sein. In Beziehung zu meinen Enkelkindern lebe ich ein ganz normales Leben. Ich lasse mir von ihnen nichts bestimmen aber ich helfe ihnen auch soweit es geht und ich überhaupt helfen kann. So wie meinem Enkelsohn, der gerade seinen „L 17“ Führerschein gemacht hat. Da bin ich mit ihm circa 2500 Kilometer mit dem Auto gefahren. Seine Mutter hat die restlichen 500 Kilometer mit ihm zurückgelegt. Aber es ist klar, sie ist in der Arbeit und ich habe Zeit. Es war spannend! Vor allem die ersten Kilometer, wo er noch nicht so sicher war. Da habe ich auch gedacht: „Komme ich heute heil nach Hause?“. Aber er hat das sehr gut gemacht. Er ist ein guter Junge. Er kann sehr konzentriert sein. Das hat mir gefallen. Wie geht es eigentlich Deinen beiden Freunden Gert Steinbäcker und Schiffkowitz? G.T.: Die machen auch Vorruhestand. Die beiden sind gerade auf Urlaub in Kuba. Der Gert war schon drei Mal drüben und jetzt hat er den „Schiffi“ mitgenommen, gemeinsam mit dem Gunter Dorner, dem Programmchef von Antenne. Da habe ich gesagt: „Aha, da fährt „SDS“ gemeinsam nach Kuba hinüber!“. Steinbäcker, Dorner, Schiffkowitz. Das hat mir gut gefallen. Der Gert hat, glaube ich, eine eigene CD geplant. Bei, „Schiffi“ weiß ich es nicht. Darüber haben wir noch nicht geredet. Das Thema der letzten Zeit war mehr die Tournee 2015. Was jeder selbst bis dorthin macht weiß ich auch nicht im Detail. Wir sind aber telefonisch in uuu

ECHTES STEIRER HERZ

55


Informatives aus den Steirischen Seniorenhäusern

Kontakt. Ich mit dem Gert ein bisschen weniger, dafür mit dem „Schiffi“ ein bisschen mehr. Der „Schiffi“ dafür mehr mit dem Gert. Das ist so ein Wechselspiel. Aber wenn es um STS geht erfahre ich alles meistens vom Gert, weil er ist unser Personalplaner. Der „Schiffi“ ist unser „Hofrat“ und ich bin der „Unterhaltungsdi-

rektor“. Ich sorge immer für die Stimmung im Haus, damit es ein bisschen was zum Lachen gibt. Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für die kommenden beruflichen und privaten Pläne!

Bei der Lektüre unseres Magazins „Echtes Steirerherz“: Günter Timischl zeigte sich beim Interview sehr interessiert an der Themenvielfalt der letzten Ausgabe.

56

ECHTES STEIRER HERZ


ZUR PERSON Günter TIMISCHL wurde am 11.Mai 1948 in Fürstenfeld geboren. Seine musikalische Laufbahn startete er im Alter von sieben Jahren mit der Blockflöte. Die Liebe zur Musik wurde ihm schon von seinen Eltern in die Wiege gelegt. Bereits mit neun Jahren begeisterte er mit grandiosem Gitarrenspiel, was zu frühen Auftritten führte. Seine erste Gruppe trug den Namen „Little Band“. Nach verschiedenen Engagements gründete er mit Freunden in Fürstenfeld die Formation „Magic 69“, mit der nationale Erfolge erreicht werden konnten. Im Laufe der Zusammenarbeit mit Gruppen wie „Opus“ und der „EAV“ lernte er Gert Steinbäcker und Helmut Röhrling („Schiffkowitz“) kennen. 1984 kam für STS mit dem Hit „Fürstenfeld“ der ganz große Durchbruch. Seither steuerte Günter Timischl zu insgesamt elf Studioalben so erfolgreiche Kompositionen wie „Das Feuer“ und „Wunder meiner Seligkeit“ bei. 2002 wurde er mit dem „Josef-Krainer-Preis“ ausgezeichnet und 2012 erhielten die Mitglieder von STS das „Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich“. Interview und Fotos (S. 45/46, 47, 49, 53, 56, 57): Michael Langhans

57


Informatives aus den Steirischen Seniorenhäusern

Museumshof Kammern

„Was wiegt’s, das hat‘s“ Mit „Maße und Gewichte“ und traditionellem Kunsthandwerk startet der Museumsverein Kammern ins neue Jahr

D

er Museumshof Kammern ist seit seiner Entstehung bestrebt, die Geschichte sowie die Lebensweise unserer Vorfahren nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. So legt die 125 Jahre alte Scheune Zeugnis über eine 200 Jahre alte landwirtschaftliche Historie ab und präsentiert das Leben im Kohle- und Bergbau, sowie in der Landwirtschaft. In der architektonisch äußerst bemerkenswerten Scheune sind Großobjekte ausgestellt, etwa schwere Dreschmaschinen, verschiedene Sensen, Sicheln und Dreschflegeln bis hin zu originalen Heu-, Milch- und Kohlekrippen. Der Verein „Freunde des Museumshofes Kammern“, der sich im Jahr 2011 aus engagierten Kammerner Bürgern gegründet hat, hat es sich zur Aufgabe gemacht, das museale Juwel in seiner Entwicklung zu begleiten. So führt der Verein jedes Jahr zahlreiche kulturelle Veranstaltungen durch, von Lesungen über Konzerte bis hin zu Museumsfesten. Die Mitglieder zeichnen auch für die jährlich wechselnde Sonderausstellung verantwortlich. Nach „Kaffee“, „Fallen“ und „Hygiene“ präsentiert der Verein heuer „Maße und Gewichte“.

58

Von Kilos, Hektar und Dezimalwaagen Mit der Sonderausstellung „Maße und Gewichte“ geht der Verein vielen grundlegenden Fragen auf den Grund. So wird der Obmann des Museumsvereins, Dr. Rüdiger Böckel, bei seinem Vortrag am 2. Mai erklären, was ein „Daumensprung“ ist, warum man Wasser nicht mit der Wasserwaage misst und wieso eine Eigenjagd ausgerechnet 115 Hektar groß ist. Darüber hinaus erfährt man, was es mit den Bezeichnungen Kilo, Meter, Liter und Karat auf sich hat. Wer Rüdiger Böckel kennt, weiß aber schon jetzt, dass auch das Sprachliche nicht zu kurz kommen wird. So kann sich der Besucher darauf verlassen, dass der Vortrag „mit Maß und Ziel“ vonstattengeht und Böckel sicher nicht „maßlos übertreiben wird“. Wenn es auch manchmal heiter ist, der Boden der Realität bleibt gewahrt. Denn „was wiegt’s, das hat’s.“ Traditionelles Handwerk Neben der Sonderausstellung wartet der Verein aber auch mit der Workshop-Reihe „Traditionelles (Kunst-)Handwerk erlernen“ auf. Am 24. Mai kann man sich hautnah über-

ECHTES STEIRER HERZ


zeugen, dass man Eisen schmieden muss, solange es heiß ist. An diesem Tag können die Teilnehmer beim „Kunstschmieden“ einmal selbst den Hammer schwingen. Am gleichen Tag gibt es beim Kurs „Stoffdruck“ die Möglichkeit, Vorhänge, Taschen oder Kissen nach eigenen Vorstellungen zu bedrucken. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Die zweite Workshopreihe findet am 12. Juli statt. Da werden die Besucher in die Kunst

des Seifensiedens eingeweiht. Diese existiert bereits seit tausenden von Jahren und kann in Kammern nun erlernt werden. Parallel dazu findet der Kurs „Korbflechten“ statt. Schritt für Schritt erlernen die Teilnehmer, wie aus getrockneten Weiden ein fertiges Gebilde entsteht. Information und Anmeldung: museumshof.kammern@gmail.com 0664-5051931 (ab 2. Mai).

INFORMATIONEN MUSEUMSHOF KAMMERN: GEÖFFNET: 1. Mai bis 31. Oktober ÖFFNUNGSZEITEN: Donnerstag bis Sonntag: 10:00 – 12:00 Uhr und 14:00 – 17:00 Uhr Gruppenführungen auch nach Voranmeldung: +43 (0)664-5051931 oder +43 (0)3844-80 20 16 EINTRITTSPREISE: Erwachsene: € 4,–, Kinder (von 6 bis 16 Jahre): € 2,–, Pensionisten: € 3,– Gruppenpreis (ab 10 Personen): € 3,– pro Person bzw. Schulklassen: € 1,– pro Person www.museumshof-kammern.at

ECHTES STEIRER HERZ

59


Echte Steirer im Portrait

„Komm´mal her, Junge!“ Josef Kniendl: Ein kulinarischer Lebensweg mit Geschichten von Curd Jürgens, seinem Freund Anton Mosimann, der Koch der Queen wurde und über einen stolzen Lehrer, der alljährlich den Kernölchampion krönt.

D

isziplin, Würde und Respekt sind drei Begriffe, die Josef Kniendl ein Leben lang geprägt haben. Wenn man dem versierten Koch begegnet, kann man diese Wesenszüge auch rasch erkennen. Korrektes Auftreten gepaart mit zuvorkommender Höflichkeit und eiserner Geradlinigkeit scheinen ihm angeboren. Und wenn nicht, dann zumindest perfekt auf seinem Lebensweg erlernt. Im Laufe dieses Weges war wohl sehr viel Disziplin notwendig. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die Berufswahl zum Koch traf der Fürstenfelder Josef Kniendl schon in frühesten Jahren. Diese Faszination wurde in erster Linie von seiner Mutter ausgelöst. Mit einem Holzsche-

60

mel als Erhöhung „bewaffnet“ okkupierte der junge Seppi die Küche und schaute der Mutter leidenschaftlich über die Schulter. Im Alter von sechseinhalb Jahren überraschte der ambitionierte Jungkoch die Frau Mama bereits mit einem Kühlschrank voller selbstgemachtem Vanillepudding, was sie zu Tränen rührte. Mit 12 Jahren meldete sich Josef Kniendl ohne das Wissen seiner Eltern im nahe gelegenen „Hotel Hitzl“ für seine Kochlehre an. Schnell erhielt er seinen Segen vom Vater, der selbst in diesem Beruf eine großartige Zukunft für seinen selbstbewussten Sohn erkennen konnte. Er wurde im „Hotel Hitzl“ natürlich aufgenommen und drei Jahre später, nach erfolgreich absolvierter Lehrabschlussprüfung,

ECHTES STEIRER HERZ


Der aufstrebende Koch Josef Kniendl (ganz links) 1973 im Hotel „Palace“ in Luzern. In der gleichen Reihe, rechts neben dem Herrn in Schwarz, ist Anton Mosimann abgebildet. Seine Karriere machte ihn zum Leibkoch der englischen Queen.

führte der Berufsweg Josef Kniendl erst einmal ins Hotel Sacher nach Wien. Drei Jahre lang lernte er - in der damals besten Küche Österreichs – seinem Handwerk einen internationalen Schliff zu geben. In der Küche des Hotels Sacher der 1960er Jahre gab es keine Fenster, da im Keller gelegen, und auch keine Klimaanlage. Das gleichzeitig eher schlechte Betriebs-Klima, geprägt von gehässigen Streichen unter den Köchen, war es dann auch, das Josef Kniendl in die weite Welt führte. Ein Plakat in einem Reisebüro auf der Wiener Kärntnerstraße wies dem 21-jährigen seinen Weg in die Zukunft. Luzern in der Schweiz! Da wollte er hin. Gesagt, getan. Schon nach vier Tagen erhielt Josef Kniendl Antwort auf seine Bewerbung im Hotel „Palace Luzern“. Vor allem die mehr als Verdoppelung seines bisherigen Gehalts von Tausend Schilling machten die Aussichten auf die Schweiz noch schmackhafter. Bei Küchenchef Otto Schlegel arbeitete Josef Kniendl die kommenden drei Sommersaisonen. Menüs mit sechs Gängen für bis zu 400 Personen standen auf der Tagesordnung. Im Tagesgeschäft des „Palace“ lernte er dann schließlich jene drei Eigenschaften, die für einen Koch unumgänglich sind: Disziplin, Würde und Respekt. Diese waren das Rüstzeug für seine verantwortungsvolle Aufgabe als „Chef de Partie“. Im „Palace“ begann auch die Freundschaft mit Anton Mosimann, der es

immerhin zum Leibkoch von Englands Königin Elizabeth brachte. Ihn werden wir in unserer Geschichte später noch mehrmals treffen. In den Wintersaisonen der Jahre 1971 bis 1974 verschlug es den aufstrebenden Koch nach Davos, wo er im Hotel „Seehof“ als Abteilungschef arbeitete, nach Stuttgart zu Günter Putz ins Hotel „Schlossgarten“ wo er als „Chef-Saucier“ sein Können unter Beweis stellte. Hier machte Josef Kniendl auch Bekanntschaft mit internationalen Managern von Unternehmen wie Porsche und Mercedes und damaligen Showgrößen wie etwa Gert Fröbe, der mehrmals die Woche Gast war. Im Winter 1973-74 kochte er dann im Hotel „Olden“ in Gstaad für Weltstars wie Elizabeth Taylor, Richard Burton, David Niven, Curd Jürgens, Roman Polanski, Julie Andrews und Grace Kelly mit Fürst Rainer von Monaco. Curd Jürgens verewigte, begleitet von den Worten „Komm´ mal her, Junge!“, schriftliche Silvesterwünsche auf einer Kochhaube Josef uuu

ECHTES STEIRER HERZ

61


Informatives aus den Steirischen Seniorenhäusern

Kniendls, die er bis heute in Ehren hält. Dabei wurde der, für seine Genauigkeit bekannte, Steirer nur ein einziges Mal nachlässig: die Haube wurde bis heute nicht mehr gewaschen, was in diesem Zusammenhang mehr als verständlich ist. Die Zeit in der Schweiz war für Josef Kniendl ereignisreich und voller Erfahrungen. Genau so sollte es auch weiter gehen. Diesmal in Kanada, wo er am 5. Mai 1974 ankam. In Montreal begann er im „Queen Elizabeth“, wo er unter der Leitung des Schweizer Küchenchefs Albert Schnell gemeinsam mit 135 Köchen bis zu 1000 Abendessen „Á la carte“ auf den Tisch zauberte und Bankette für bis zu 5000 (!) Personen ausrichtete. Dafür waren regelrecht „Schlachtpläne“ für die Vorbereitung und Durchführung nötig. Viele davon hat Josef Kniendl noch heute in seinem Fundus. Nach einem Jahr im „Queen Elizabeth“ ging es dann ins „Canadian Pacific“, wo er es unter der Führung von Christian Hitz bis zum „ersten Souschef“ brachte.

Montreal: Im Hotel „Canadian Pacific“ wurde auf höchstem Niveau gekocht.

62

„Schlachtplan“ für ein Bankett mit 4500 Personen. Da Planung bekanntlich alles ist, schaffte Josef Kniendl auch diese Herausforderung in Kanada.

Auf den Tag genau 5 Jahre nach seiner Emigration kehrte Josef Kniendl zurück nach Österreich und hier führte ihn sein Weg gleich in seine Heimat Fürstenfeld, wo er wieder in seinem ursprünglichen Lehrbetrieb „Hotel Hitzl“ zu wirken begann. Schon bald bot man hier für junge Menschen auf dem zweiten Bildungsweg auch Kochkurse an, die von Josef Kniendl geleitet und vor allem begleitet wurden. Die Prüfungen wurden dann sehr oft „mit Auszeichnung“ abgelegt, sicher zu einem großen Maß Verdienst der Hingabe des „Lehrmeisters“ Kniendl. Im Rahmen dieser praxisnahen Ausbildungstätigkeit erkannte Josef Kniendl wohl seine Begeisterung für den Lehrberuf. Ab 1988 unterrichtete er an der Berufsschule in Bad Gleichenberg, wo er bis zu seiner Pensionierung 2011 sehr erfolgreich tätig war.. Viele der AbsolventInnen der Berufsschule wurden anerkannte Köche, wie etwa Heinz Reitbauer jun. vom bekannten „Steirereck“ am Pogusch.

ECHTES STEIRER HERZ


Das Magazin der Steirischen Seniorenhäuser der

Ein schönes Geschenk von seinen SchülerInnen im Jahr 1988 und ein ganz besonderer Dank für den Lehrer Josef Kniendl, dem es offenbar ganz hervorragend gelungen ist, bei seinen Schülern die Liebe zum Beruf zu entfachen.

Wer den „Seppi“ kennt weiß, dass neben seiner Lehrtätigkeit im Laufe der Jahre auch sehr viele weitere Projekte in Angriff genommen wurden. Schon 1988 war er Mitbegründer eines Kochvereines in Graz, der, neben Reisen zu Zielen mit kulinarischer Bedeutung, unter dem Titel „Junge Steirer kochen kreativ“ auch einen Wettbewerb für KöchInnen ins Leben rief. Aus diesem Bewerb gingen - unter vielen anderen - Könner wie Hans Peter Fink und Jürgen Kleinhappl hervor. Auf den Reisen besuchte der Kochverein Johann Lafer, Lea Linster und kulinarische Metropolen wie New York, Las Vegas und Berlin, wo die Teilnehmer zufällig Augenzeugen des Mauerfalls wurden. Wo Josef Kniendl dabei ist, da ist scheinbar immer etwas los.

Mit Begeisterung berichtet Josef Kniendl von einem Besuch auf der Stromburg von Johann Lafer, den er mittlerweile ebenso zu seinen Freunden zählt wie Eckart Witzigmann, Heinz Winkler, Erwin Plachutta und Anton Mosimann. „Bei Johann Lafer ist alles um eine Spur größer als sonstwo“, berichtet Josef Kniendl. „Da gab es, als Geschenk von einem betuchten Gast aus Frankfurt, einen echten Dali, der im Lokal hing und Johann hat für seinen Sohn als Kind einen höhenverstellbaren Herd bauen lassen!“, erzählt er weiter. Bei Josef Kniendl selbst hatte es früher ein Holzschemel auch getan... Der echte Dali wurde mittlerweile übrigens in den Tresor verbracht und gegen einen Kunstdruck ausgetauscht. Im Jahr 2005 wurde Josef Kniendl vom Bunuuu

ECHTES STEIRER HERZ

63


Informatives aus den Steirischen Seniorenhäusern

Seit Jahren befreundet: Starkoch Eckart Witzigmann und der Fürstenfelder Josef Kniendl.

Mit Anton Mosimann, dem Leibkoch der Queen, beim Kernölchampionat in Bad Gleichenberg.

Mit dem Steirer Johann Lafer bei dessen Geburtstagsfeier im Jahr 2007.

64

despräsidenten der Berufstitel „Schulrat“ verliehen. Seit 2005 übt der Allrounder auch eine weitere Tätigkeit aus, die seiner Vielseitigkeit entgegenkommt. Als Mitorganisator richtet er jährlich im September mit der Berufsschule Bad Gleichenberg das „Kernölchampionat“ aus. Was als kleine Veranstaltung von der „Gemeinschaft Steirisches Kürbiskernöl g.g.A.“ (g.g.A. bedeutet „geschützte geografische Angabe“) initiiert wurde ist bis dato zu einem vielbeachteten Bewerb geworden, der Jahr für Jahr die besten Öle einheimischer Kernölbauern prämiert. Vor allem Josef Kniendls Kontakten ist es zu verdanken, dass in der Jury bereits Koch-Größen wie Erwin Plachutta, Toni Mosimann, Liesl Wagner-Bacher Rudolf Obauer und Heinz Winkler saßen und dass mit Kathi Wenusch ein begeisterter Fan des „Kernölchampionats“ gewonnen werden konnte, was zu vielen guten RundfunkBerichten in den Anfängen geführt hat. Dabei ist Kniendl auch noch Mitorganisator des gesamten Ablaufs und kümmert sich auch noch um die Unterbringung seiner prominenten Freunde aus der Kochwelt. Auch hier überlässt er nichts dem Zufall. Der Gast für die heurige Prämierung ist natürlich wieder eine Berühmtheit, die uns Josef Kniendl aber noch nicht verraten wollte. Die Erfolgsgeschichte des „Kernölchampionats“ wird sicher auch 2014 um ein Kapitel reicher werden. Am Rande dieser Lebensleistungen gefragt, nennt Josef Kniendl als „das am wenigsten beliebte Gerät der modernen Küche“ sofort den Mikrowellenherd. „Durch seinen Einsatz kommt es zu einer chemischen Verwandlung und einer Zerstörung der Inhaltsstoffe der Speisen!“, kritisiert der Fachmann. „Mir ist klar, dass die Menschen heutzutage keine Zeit mehr für vernünftiges Kochen haben. Dabei ist es doch so einfach! Für einen Salat brauche ich keine Gewürzmischung im Sackerl. Essig und Öl anrühren, mit Gewürzen, Salz und Pfeffer abschmecken. Fertig ist der Salat!“,

ECHTES STEIRER HERZ


Das Magazin der Steirischen Seniorenhäuser der

INFORMATION ZUM „KERNÖLCHAMPIONAT“: Kriterien bei der Verkostung: Farbe, Viskosität, Geruch und Geschmack sind ausschlaggebende Kriterien bei der Kür. So muss Kürbiskernöl die typische Zweifarbigkeit aufweisen – dunkelgrün und leicht rotbraun schimmern. Hinsichtlich der Viskosität muss bestes Öl dickflüssig vom Löffel auf den Teller fließen. Der Geruch muss frisch sein und einen typischen nussigen Ton haben, idealerweise auch Nuancen von Schokotönen und Brotrinde dabei haben. Im Mund muss der Geschmack von Kürbiskernöl frisch und den Gaumen mit einem nussigen Geschmack nuanciert mit Schokotönen und Brotrinde umspülen.

Quelle: Presseaussendung der „Gemeinschaft Steirisches Kürbiskernöl g.g.A.“

so Josef Kniendl. Chemische Zutaten lehnt er kategorisch ab. Und weiter: „Mir ist bekannt, dass man heute Geschmacksverstärker chemisch herstellen kann, die mit drei Tropfen eine Geschmacksexplosion auslösen. Aber es ist halt immer noch Chemie...“ Als Buchtipp nennt uns der vielseitig Interessierte in diesem Zusammenhang übrigens den Bestseller „Vom Verzehr wird abgeraten“ von Hans-Ulrich Grimm. Wie man richtig vorgeht, um mit einem KochRezept Erfolge zu erzielen, kann der Profi natürlich erklären: „Man stellt vorher alle Zutaten genau in der Reihenfolge auf, wie sie im Rezept genannt werden. Das nennt man in der Fachsprache „Markieren“. Und wenn ich dann nach Anleitung vorgegangen bin ist das Rezept mit Zugabe der letzten Ingredienz fertig. So einfach ist das!“, doziert Josef Kniendl mit einem Augenzwinkern, denn er weiß genau, dass Kochen eine sehr schwierige Handarbeit ist, für die man Gefühl braucht. Und natürlich „Disziplin, Würde und Respekt“ – frei nach dem Lebensmotto von Josef Kniendl.

Der erfahrene Koch mit einer Passion für Kernöl hat seine Rezepte gemeinsam mit prominenten KollegInnen auch schon in Buchform verewigt. Das Buch mit dem Titel „Steirische Versuchung - Das Steirische Kürbiskernöl und die besten Rezepte der heimischen Haubenköche“ ist beim Verein „Gemeinschaft Steirisches Kürbiskernöl g.g.A.“ bzw. unter der ISBN Nummer 978-3-200-01203-5 erhältlich.

ECHTES STEIRER HERZ

65


Informatives aus den Steirischen Seniorenhäusern

Preisrätsel Worträtsel: Beantworten Sie acht Fragen zum Thema Riegersburg und Sie erhalten die Lösung. Der gesuchte Begriff ist von Oben nach Unten in den stark umrahmten Quadraten zulesen. Ein Tipp: Bei der Beantwortung der Fragen ist es besonders hilfreich, wenn Sie den dazugehörigen Artikel über die Riegersburg ab Seite 24 lesen. Darin finden Sie alle gesuchten Begriffe. Frage 1: Die Riegersburg ist heute ein allseits beliebtes .......... Frage 2: Die flacheren Hänge des Burgberges nuzt man als .......... Frage 3: Falken, Habichte, Adler und Geier zeigen ihre Flugkünste in der .......... Frage 4: Im Kletter und Erlebnispark gibt es einen .......... Frage 5: Im Kellergeschoß befindet sich das ......... Frage 6: In den Prunkräumen gibt es das .......... Frage 7: Die Zahl der Tore, die man beim Aufstieg passieren muss ist ....... Frage 8: Die Riegersburg thront auf einem ehemaligen ..........

A W G H H B S V Unser Riegersburg-Gewinnspiel: Wenn Sie den gesuchten Begriff in den fett umrandeten Quadraten gefunden haben, so senden Sie die Antwort bitte bis 30.04.2014 per E-Mail an marketing@kraeuter-garten.at oder geben Sie den Begriff mit Ihrem Namen und Ihrer Adresse in der Verwaltung eines unserer steirischen Seniorenhäuser ab. Unter den richtigen Antworten verlosen wir: 3 Riegersburg-Burgeintritte für 2 Personen inklusive Liftfahrt (Berg und Tal) Viel Glück! 66

ECHTES STEIRER HERZ


Das Magazin der Steirischen Seniorenhäuser der

Kleine Kräuterund Pflanzenkunde

Die Wegwarte (Cichorium intybus)

Die Wegwarte mit ihren stark verzweigten Stängeln ist eine 30 bis 120cm hohe Pflanze, die auf allen Kontinenten verbreitet und auch in Mitteleuropa sehr verbreitet ist.. Sie gedeiht auf Brachland, Schuttplätzen, bebauten Gebieten und speziell an Weg- und Straßenrändern bis in Höhen von 1200 Meter und ist aus diesem Grund auch äußerst leicht kultivierbar. Die Blätter der Wegwarte sollte man vor der Blüte sammeln und in frischem Zustand als Breiumschlag verwenden. Die Wurzeln können während der Ruhephase der Pflanze aus dem Boden gezogen werden. Danach werden sie gewaschen, in Stücke geschnitten und in der Sonne oder im Backrohr bei mäßiger Hitze getrocknet. Danach sollte man die Wurzeln vor Licht und Feuchtigkeit schützen. Die therapeutischen Eigenschaften der Wegwarte werden als reinigend, bitter-tonisch, harntreibend, verdauungsfördernd und schweißtreibend beschrieben. Bei Hautrötungen und als erweichendes Mittel ist die Wegwarte zur äußerlichen Anwendung bestens geeignet. Tipp: Die Blätter der Wegwarte sind reich an Mineralsalzen und Vitaminen und bereichern im rohen Zustand Sommersalate. In gekochter Form eignen sie sich für Suppen und Gemüsebeilagen. Die gerösteten Wurzeln können als Kaffee-Ersatz verwendet werden.

ECHTES STEIRER HERZ

67


Die MARKEN für erstklassige Pflege in der Steiermark

SÖCHAU - 03387 2225 - 0 www.kamille.at

FELDBACH - 03152 37 0 37 www.melisse.at

TROFAIACH - 03847 300 90 www.verbena.at

KAMMERN - 03844 80 375 www.dieviola.at

www.kraeuter-garten.at

KNITTELFELD - 03512 86 245 www.diewegwarte.at


"Echtes Steirer Herz" Frühjahr 2014