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habe. Die Autofahrer erschrecken richtig über meine flotte Linie. Na ja, es ist Dezember. Im Frühjahr auf der Hausstrecke am Eisenberg setzen dann die „Abstandshalter“ an den Fußrasten auf. Das Gewicht der Dicken stört mich nicht mehr. Nur gewachsen bin ich leider nicht. Wenn nun die Koffer dran sind, brauche ich fast einen Kran zum Aufsteigen. Gott sei Dank ist der Seitenständer massiv, und ich kann über die Fußrasten aufsteigen. Die Lastwechselreaktionen sind geringer geworden. Alles passt, die Capo und ich werden immer mehr eins. Urlaubsplanung: Meine Frau will ans Meer – relaxen und ich in die Berge – Moped fahren. Streit? Ehekrise? Scheidung? Nein. Wie im letzten Jahr geht es wieder nach Italien, Ligurien. Übers Internet buchen wir eine Ferienwohnung in Imperia in der Nähe von Monaco an der Mittelmeerküste. Die Capo kommt wieder auf den Anhänger, so haben wir vor Ort zwei Fahrzeuge. Die Rampe hatte ich im Winter gerichtet und verstärkt. Am ersten Tag setze ich meine Frau in einem Badeort am Strand ab und verziehe mich in das Hinterland. Innerhalb von nur 50 Kilometern von Meereshöhe auf 1.800 Meter? Das ist hier kein Problem. Ein Problem ist eher, ein gerades Stück Straße zum Überholen zu finden. Kurve an Kurve an Kurve – ein Paradies für Kurvensüchtige wie mich. Der weiße, durchgezogene Mittelstreifen gilt in Italien für Zweiradler nur als Empfehlung, schnell habe ich mich an die italienische Fahrweise gewöhnt. Ab sofort lasse ich die Packtaschen in der Wohnung – die beiden Koffer machen ganz schön breit in der Hüfte. Und hier ist die Capo in ihrem Geläuf: Kurvige Straßen, Beschleunigen, Bremsen alles im zweiten oder dritten Gang so zwischen 2.500 und 5.000 Umdrehungen. Der Motor hat richtig Bums, ruckfrei zieht er unten raus. Und ist eine Gerade zwischen den Kurven, so hat die Fuhre ab 5.000 richtig Biss bis 9.000 U/min. Dann heißt es feste zupacken, die vorderen Stopper greifen herzhaft zu, während die Hinterradbremse aufgrund der Temperatur wieder mal aussteigt. In Triora treffe ich den einzigen Capo-Fahrer während meiner Reise. Er berichtet in gebrochenem Englisch von den gleichen Problemen. Ab sofort wird hinten nur noch bei ausgehendem Talent gebremst. Kommen wir zum Fahrwerk/Federung: Egal ob neuer Belag, leichte Verwerfungen im Asphalt, Belagflickerei ohne Bitumen oder ein kleines Schlagloch, nichts holpert, hüpft oder springt. Selbst eine Unebenheit im Scheitelpunkt einer Kurve – die Capo fährt wie an einer Schnur gezogen. Die Gabel bügelt alles weg. Das Gewicht hält das Vorderrad immer am Boden. Ich bin begeistert. Und steigt meine Herzdame zu, wird ganz einfach von außen die Federung hinten vorgespannt.

Herrliche Landschaft und ein dazu passendes Motorrad – Herz, was willst du mehr?

...mit Charakter

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Kradblatt Ausgabe 01 2015  

Fahrberichte KTM RC 390, Yamaha MT-09 Tracer; Lesererfahrung Aprilia Caponord; Umbau Honda CB 750 four F2; Reise Russland; Ausprobiert: Gerb...

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