Page 1

|

50 LAND & LEUTE

Den Jagdschein in drei Wochen Landwirtssohn Karl Kevin Kottsieper aus Remscheid hat einen Kompaktkurs belegt

einen Kurs in der Jagdschule Rotes Schloss in Jagsthausen bei Heilbronn belegt. Auf das Jagen aufmerksam geworden ist Karl Kevin Kottsieper durch Freunde. Oft ist er als Treiber bei einer Jagd mitgegangen. „Es macht einfach Spaß, in der Natur unterwegs zu sein. Und so ganz nebenbei gewinnt man unglaublich viel Allgemeinwissen“, hat er festgestellt. Auch die Abende und Gespräche nach der Jagd seien in der Gemeinschaft der Jäger einfach klasse. „Gerade wenn ich viele Stunden am Schreibtisch und in Vorlesungen zugebracht habe, ist es ein wunderbarer Ausgleich, draußen in der Natur zu sein. Das ist meine Art zu entspannen“, berichtet er. Über 1 000 Jagdzeiten merken, Jagdhunde, Pflanzen und Vögel erkennen – wie kommen so viele Daten in drei Wochen in einen Kopf und bleiben auch dort haften? „Wir haben uns Eselbrücken gebaut. Bei den Jagdzeiten haben wir uns einfach die Zahlenabfolgen gemerkt“, kann Karl Kevin Kottsieper einen Tipp geben. „Rehbock 1-5-15-10“ steht für „Der Rehbock ist vom 1. Mai bis zum 15. Oktober zum Abschuss freigegeben.“ Um die verschiedenen Vogelarten zu pauken, hat er mit Fotokarten gearbeitet.

▶ Eselsbrücken bauen und mit Fotokarten lernen

Frischgebackener Jäger: Karl Kevin Kottsieper hat seinen Jagdschein in drei Wochen gemacht. Foto: Privat

Innerhalb von drei Wochen hatte Karl Kevin Kottsieper seinen Jagdschein in der Tasche. „Zwei Wochen lang haben wir den neuen Stoff im Kompaktkurs gelernt und in der dritten Woche alles wiederholt. Wir haben natürlich viel Wissen in kurzer Zeit gepaukt, aber von der Stundenzahl bedeutet es den gleichen Aufwand, als wäre der Kurs über neun Monate verteilt“, erklärt der 23-Jährige, der von einem Geflügelbetrieb in Remscheid stammt und im fünften Semester Agrarwissenschaften in Stuttgart-Hohenheim studiert. Er hat

Bei dem Wissen, das er sich neu anlesen musste, ist er nach der WegstreichMethode vorgegangen: Beim ersten Durchgang markierte er alles Wichtige gelb, beim zweiten Durchgang alles rot, bis immer weniger übrig blieb und er sich diese Sätze nach dem Prinzip „Von der Hand in den Kopf“ heraus schrieb. Besonders gut konnte er sich auch die Dinge merken, die er im Vorbereitungskurs auf die Jagdprüfung selbst erlebt hat. „Für die Trichinenuntersuchung mussten wir in der Prüfung den Zwerchfellfeiler erkennen. Das war kein Problem, weil wir im Kurs ein Hausschwein seziert hatten“, erzählt er. Ein Buch lag dabei immer auf seinem Schreibtisch: „Vor und nach der Jägerprüfung“ von Joachim Krebs. „Das ist ein Klassiker und das zu Recht! Es ist einfach super, um etwas nachzuschlagen und das Wissen wird kompakt vermittelt“, meint er. Auch das Schießen selbst trainierten die angehenden Jäger in der Jagdschule. „Ehrlich gesagt, habe ich vor dem Kurs noch nicht oft ein Gewehr in der Hand

Jagdschein: Daten und Fakten Bei einem Kompaktkurs lernen die Teilnehmer zwei bis drei Wochen lang die Inhalte für die Jagdprüfung. In der darauffolgenden Woche wird die Prüfung an zwei Tagen abgelegt. Es gibt verschiedene Kursmodelle: Ein Jagdkurs kann über neun Monate absolviert werden, aber auch in mehreren Blockoder Wochenendkursen. Ein Jagdschein kostet rund 2 200 bis 2 500 €. Schüler und Studenten erhalten oft bis zu 10 % Rabatt. Die Jägerprüfung besteht aus einer schriftlichen und mündlichen Prüfung sowie einer Schießprüfung. In den meisten Fällen sind die möglichen Fragen vorab bekannt, so dass man sich gezielt vorbereiten kann. Die Trainingswaffen sind in der Regel auch die Prüfungswaffen. Es fallen weitere Kosten nach der Jagdscheinprüfung an: Für den Besitz eines Jagdscheines bezahlen Jäger alle drei Jahre bei der zuständigen Kommune einen Betrag, wobei die Summe je nach Stadt und Gemeine unterschiedlich hoch ist. Zu den Kosten kommt eine Jagdhaftpflichtversicherung, die bei rund 100 € jährlich liegt. Eine Übersicht über Jagdschulen in Nordrhein-Westfalen gibt es unter www.jagdschulatlas.de. ab

gehabt. Das kann man aber schnell lernen und schon innerhalb von zwei Wochen treffsicher werden“, betont er. Zwei Nachmittage pro Woche übten die Teilnehmer des Kompaktkurses das Schießen auf Tonscheiben.

▶ Nach dem Kurs weiterlernen Wenn der Kurs am späten Nachmittag zu Ende war, hieß es: weiter an den Schreibtisch. „Abends haben wir den Stoff des Tages noch einmal für uns persönlich wiederholt. Die Zeit braucht man auch, da man natürlich viele Daten und Fakten auswendig lernen muss“, erinnert er sich. Als Landwirtssohn hatte er beim Erlernen der Gräser und Getreidearten einen großen Vorteil – das kannte er bereits alles. „Zu meinem Glück wurde dies auch teilweise in der LZ 1 · 2013


|

LAND & LEUTE 51 Schein hat, ist man noch lange kein sicherer Autofahrer, sondern muss noch viel trainieren. Die meisten Jäger bestätigen, dass man das Jagen erst nach der Jägerprüfung richtig lernt. Das sieht man allein am Aufbrechen der Tiere. In der Vorbereitung auf die Jagdprüfung bricht man einmal ein Tier auf mit mehreren Teilnehmern. Da gehört schon noch mehr Routine dazu, bis man das Messer richtig hält“, hebt der junge Mann hervor, der auch in Zukunft einen Jagdhund ausbilden möchte.

Landwirtschaft und Jagen – das passt gut zusammen. Foto: Andrea Bahrenberg

mündlichen Prüfung abgefragt. Insgesamt kann ich sagen, dass die Prüfer den Teilnehmern wohl gesonnen sind und das gewonnene Wissen zum Vorschein bringen wollen“, zieht er eine positive Bilanz über die Prüfung. Jetzt gilt es Erfahrungen zu sammeln und das neue Wissen umzusetzen. Die Gelegenheit mit Freunden auf die Jagd zu gehen, hätte Karl Kevin Kottsieper genügend, sofern es ihm die Zeit neben dem Studium und der Mithilfe auf dem elterlichen Betrieb erlaubt. „Das ist wie beim Führerschein: Nur weil man den

Als Landwirtssohn wollte Karl Kevin Kottsieper auch die Sicht der Jäger verstehen. „Ich finde es wichtig, dass man sich auch als Landwirt mit der Jagd auskennt. Schließlich gibt es zwischen der Landwirtschaft und der Jagd zahlreiche Berührungspunkte“, sagt der frisch gebackene Jagdscheinbesitzer, der von einem guten Verhältnis zwischen Jägern und Bauern in Remscheid berichten kann. Jagdpächter und Landwirte arbeiten optimal zusammen. Seine Familie sät beispielsweise einen Wildacker ein, um die Arbeit der Jäger zu unterstützen. Seine Nachbarn zäunen ihren Mais ein, um ihn vor Wildschäden zu schützen und die Schadenssummen nicht in die Höhe zu treiben. „Es ist wichtig, dass Bauern und Jäger an einem Strang ziehen. Jetzt kann ich mich mit meinem neu gewonnen Fachwissen noch mehr einbringen“, freut er sich und erklärt: „Ich kann nur jedem Landwirt empfehlen, den Jagdschein zu machen. Es hilft auf jeden Fall dabei, für ein gutes Miteinander zwischen Bauern und Jägern zu sorgen. Und nur mit einer guten Zusammenarbeit können wir nachhaltig wirtschaften.“ ab

Lotte hat eine FacebookSeite Um die Informationen zu den Aktivitäten von dem Milch-Maskottchen Lotte noch weiter zu verbreiten, hat die Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW eine Facebook-Seite für Lotte eingerichtet. Sie ist bei Facebook unter dem Namen „Lottes Welt“ zu finLZ 1 · 2013

den. Auch über die Internetseite www. milch-kann-mehr.de kann dieser Account erreicht werden. Die Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW freut sich über viele Fans, ◀ die „Gefällt mir“ klicken.

Apps für Jäger Mit der App „Jagdzeiten“ können Interessierte über 1 000 Jagdzeiten, die auf dem aktuellen Stand gehalten werden, abrufen. Damit sind alle Jagdzeiten in Deutschland immer und sofort auf dem Handy verfügbar. Natürlich ist keine Internetverbindung während der Nutzung erforderlich. In welchem Bundesland sich der Jäger in dem Moment befindet, wird mittels GPS ermittelt. Via Internet kann man sich von Zeit zu Zeit Aktualisierungen der Jagdzeiten herunterladen. Das App ist in einem dunklen Bildschirmhintergrund gestaltet, damit Jäger auch beim Nachtansitz vom Wild unbemerkt die Jagdzeiten überprüfen können. Die App, die für Android-Systeme genutzt werden kann, kostet einmalig 2,99 € und kann im Internet unter www. jagdzeiten.de heruntergeladen werden. Eine ähnliche App namens „Jagdzeit“ gibt es auch für iPhones für 1,79 € im Appstore. Zur Vorbereitung auf die Jagdscheinprüfung gibt es einige Apps, mit denen man auch von unterwegs aus lernen kann. Die wichtigsten Grundlagen zum bestehen der Jägerprüfung kann man mit der App „JagdWissen“ erlernen. Die Prüfungsfragen sind von erfahrenen Jägern in rund 1 000 Lernkarten zusammengestellt. Die App eignet sich dazu, sich selbst oder seine Freunde abzufragen, ähnlich dem Karteikarten – Lernprinzip. Interessierte haben die Option, richtig beantwortete Fragen „bei Seite zu legen“ und sich auf die Themengebiete zu konzentrieren, welche noch nicht 100%ig sitzen. Das gesamte Wissen ist in die fünf Prüfungsrelevanten Fachbereiche – Jagdrecht, Wildbiologie, Jagdbetrieb/Hundewesen, Wildhege/Naturschutz und Waffenkunde – aufgeteilt und sinnvoll strukturiert, so dass man mühelos Thema für Thema ablernen kann. Die App für 7,99 € benötigt keine Internetverbindung und ist somit jederzeit einsatzbereit. Die App „Jagdschein Prüfungsfragen“ für 2,69 € ist für iPhones konzipiert. Diese App enthält weit über 800 Fragen, wie sie bei der Prüfung zur Erlangung des Jagdscheins gestellt werden. Intuitiv zu bedienen, werden die Fragen auf „Lernkarten“ angeboten, wahlweise mit automatisch angezeigten Antworten, getrennt nach den Fachgebieten: Wildtierkunde, Jagdbetrieb, Jagdwaffenkunde, Jagdrecht, Jagdhundewesen und weitere. Als besonderes Merkmal enthält die App auch 28 hochwertige MP3-Aufnahmen der wichtigsten, auf dem Jagdhorn geblasenen Jagdsignale. Die App kann unter http://appshopper.com/ education/jagerprufung heruntergeladen werden. Für verschiedene Bundesländer gibt es auch Apps, in denen die länderspezifischen Regeln und der offizielle Prüfungsfragenkatalog abgefragt werden. ab

Den Jagdschein in drei Wochen  

Landwirtssohn Karl Kevin Kottsieper aus Remscheid hat einen Kompaktkurs belegt

Read more
Read more
Similar to
Popular now
Just for you