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Der Kommentar

Das Jahr geht, die Armut steigt

Das Europäische Jahr gegen Armut & soziale Ausgrenzung „Armut ist kein Naturereignis, das es mit jeder neuen Statistik frisch zu bestaunen gilt. Es gibt ge‌nügend Instrumente und Möglichkeiten, im Vollzug der Sozialhilfe, in der Schule, beim Wohnen und mit sozialen Dienstleistungen gegenzusteuern.“1

B

Katharina Fournier is 2020 soll die Zahl der armutsgefährdeten Perso-

tivi‌täten auf den OECD-weiten Trend steigender Ungleichheit und

nen in Europa um 20 Millionen und der Anteil der

Armut aufmerksam gemacht und ihre Forderungen eingebracht.

Schulabbrecher/innen von derzeit 15 % auf unter 10

Auch die Organisationen im Kooperationsverbund Jugendsozi-

% gesenkt werden. Am Ende des Europäi‌schen Jahres

alar‌beit waren mit lokalen Projekten, bundesweiten Kampagnen

gegen Armut und soziale Ausgrenzung sind diese beiden Ziele der

und Veranstaltungen gegen die stei‌gende Jugendarmut aktiv: Denn

Europa-Strategie 2020, die im Juni 2010 auch gegen den Protest

tatsächlich ist die Armutsquote bei Jugendlichen und jungen Er-

der deutschen Delegation verabschiedet wurde, die einzigen Licht-

‌wachsenen im Vergleich zu anderen Altersgruppen am höchsten

blicke einer armutspräventiven Politik.

– durchschnittlich ist jeder 5. Ju‌gendliche in Deutschland von Armut bedroht, in Ostdeutschland ist es sogar jeder dritte. Mehr

Für die Beteiligten und Engagierten in Deutschland bleibt am Ende

als jeder zehnte Jugendliche ist arbeitslos, fast eine Million jun-

des Europäischen Jahres ein bitterer Nachgeschmack zurück: Die

ger Menschen zwischen 15 und 25 Jah‌ren erhalten Leistungen des

aktuellen Reformvorschläge für die Hartz-IV-Regelsätze und die

SGB II . Die Debatten um „schärfere Sanktionen“ im Bereich der

ausländerfeindlichen Debatten sprechen eine andere Sprache als

Sozi‌alleistungen sind aus Sicht der Jugendsozialarbeit zynisch vor

die offiziellen europäischen Dokumente. Die von der EU geforder-

dem Hintergrund, dass unter 25-Jährige dreimal so häufig sankti-

te „intelligente, nachhaltige und integrative Wachstumsstrate‌gie“

oniert werden wie über 25-Jährige. Bei 19 % aller sanktionierten

ist auf nationaler Ebene derzeit nicht in Sicht.

Jugendlichen wurden 2009 alle Leistungen gestrichen.

Dabei mangelt es weder an Erkenntnissen noch an Vorschlägen.

Unter diesen widrigen Voraussetzungen ist das sozialpolitische

Im Europäischen Jahr haben Nicht‌regierungsorganisation, gesell-

Engagement der Jugendsozialarbeit nötiger denn je. Im Rahmen

schaftliche Initiativen und Betroffene mit unterschiedlichsten Ak-

der Kampagnen „Jugend(ar)mut“ der BAG Katholische Jugend-

dreizehn Heft 4 2011

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Der Kommentar

dreizehn, Ausgabe 4  

Zeitschrift für Jugendsozialarbeit I Herausgegeben vom Kooperationsverbund Jugendsozialarbeit

dreizehn, Ausgabe 4  

Zeitschrift für Jugendsozialarbeit I Herausgegeben vom Kooperationsverbund Jugendsozialarbeit

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