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Perspektiven: Flexibilisierung der Eingliederung in Arbeit und Vorrang der Jugendsozialarbeit

Der Bedarf benachteiligter junger Menschen geht über die rein berufliche Integration hinaus, sie benötigen eine sozialpädagogisch begleitete ganzheitliche Förderung, um die soziale Inte‌gration zu erreichen. Befinden sie sich im System des SGB II, stehen ihnen meist weder die geeigneten Angebote noch die für ihre Bedarfe geschulten Ansprechpartner/innen zur Verfü‌gung, denn bei den Grundsicherungsträgern sind häufig keine pädagogischen Fachkräfte be‌schäftigt.

Damit junge Menschen zu einer eigenständigen Lebensführung einschließlich einer Erwerbs‌tätigkeit hingeführt werden können,

Hinzu kommt, dass das Förder- und Maßnahmesystem komplex

braucht es eine Flexibilisierung des mechanischen Sy‌stems des SGB

und unüberschaubar ist und die Projektlaufzeiten und zeitlichen

II im Bereich der Eingliederung in Arbeit. Notwendig sind ein in-

Vorgaben für die Höchstmaßnahmedauer pro Hilfeemp‌fänger oft

dividuelles, lebensweltorientiertes Fördern und Fordern und eine

nur eine kurzfristige Unterstützung ermöglichen.

verbindliche Kooperation, die eine Monopol‌stellung bei der Steuerung des Hilfeprozesses vermeidet.

Um eine bestmögliche und nachhaltig zielführende Unterstützung benachteiligter Jugendli‌cher und junger Erwachsener zu erreichen

Für integrationsgefährdete Jugendliche und junge Erwachsene ist

und die Klippen der Schnittstellenproblematik zwi‌schen den ver-

darüber hinaus die vorran‌gige Zuständigkeit der Jugendhilfe gebo-

schiedenen Hilfesystemen zu umschiffen, braucht es notwendig

ten.

eine gute Ko‌operation aller Beteiligten – vor allem der Grundsi-

haltig individuell begleitende System der Jugendhilfe bietet diesen

cherung und der Jugendhilfe. Doch trotz bestehender Gebote zur

jungen Menschen die oft dringend notwendige Unterstützung. //

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Denn nur das ganzheitlich lebensweltorientierte und nach-

Zusammenarbeit (§ 18 SGB II, § 81 SGB VIII) findet sich in der Pra‌xis kaum systematische Kooperation, die über das Einzelen-

Die Autorin: Diana Eschelbach arbeitet in der Rechtsberatung/

gagement motivierter Mitarbei‌ter/innen in beiden Systemen hin-

Rechtspolitik beim Deutschen Institut für Jugendhilfe und Famili-

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ausgeht. Es gibt aber durchaus einzelne Leuchtturmprojekte, die

enrecht e. V. (DIJuF). - E-Mail: eschelbach@dijuf.de

Wege für eine strukturelle Zusammenarbeit – etwa räumlich in Jugendberufsagenturen oder durch gemeinsam entworfene und 9

finanzierte Angebote – aufzeigen.

dreizehn Heft 4 2011

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Die Analyse

dreizehn, Ausgabe 4  

Zeitschrift für Jugendsozialarbeit I Herausgegeben vom Kooperationsverbund Jugendsozialarbeit

dreizehn, Ausgabe 4  

Zeitschrift für Jugendsozialarbeit I Herausgegeben vom Kooperationsverbund Jugendsozialarbeit

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