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April 2019


Ab 12.4.19

Komรถdie von Anton Tschechow


Armin Breidenbach Schauspieldramaturg

Liebes Publikum Es sind die ersten Tage des Frühlings, der Himmel ist strahlend blau, doch morgens zeigt das Thermometer manchmal noch Minusgrade an. Aus unseren Büros schauen wir auf den Unteren Brühl, wo die Bäume rund um die Visiere für das Provisorium darauf drängen, endlich ausschlagen zu können. Besonders der Kirschbaum direkt vor meinem Fenster kann die ersten Blüten kaum noch erwarten. Ein wenig ähnelt die Situation dem Beginn von Tschechows Komödie Der Kirschgarten: Da kommt die Gutsbesitzerin Ranjewskaja aus Paris zurück nach Hause. Zwar weiss sie, dass sie sich um ihr hochverschuldetes Gut kümmern muss. Doch steht ihr der Sinn nicht nach Veränderungen. Denn der Kirschgarten, der zu ihrem Gut gehört, müsste für die Idee des reichen Kaufmanns Lopachin, die Familie mit dem Bau von Sommerhäusern zu retten, abgeholzt werden – unvorstellbar! Lopachin, ein Macher, der vor Jahren noch ein gewöhnlicher Bauer war, ersteigert schliesslich das Gut. Die Schulden werden getilgt, die Kirschbäume werden gefällt. Er hat gehandelt, während sich die Gutsbesitzerin einfach zu lange geziert hat. Nun werden für das Provisorium weder Kirsch- noch andere Bäume weichen müssen. Vielmehr erhält die Stadt mit dem vieleckigen Bau vor der Tonhalle einen neuen architektonischen Hingucker, während das Theater für zwei Jahre in den Sanierungsschlaf fällt. Noch können wir uns das Gebäude nur vorstellen. Doch wenn das nächste Mal die Kirschbäume blühen, sind die Pläne weit fortgeschritten. So lange müssen Sie nicht auf die nächsten Premieren im Schauspiel warten: Schon am 4. April steht in der LOK die Schweizer Erstaufführung von sterben helfen an, eines zeitgenössischen Stücks des deutschen Autors Konstantin Küspert, das in einer Gesellschaft spielt, in der Trauer und Leiden abgeschafft sind und selbstbestimmtes Sterbern die Norm ist. Und in der folgenden Woche feiert dann Der Kirschgarten am 12. April im Grossen Haus seine Premiere. Geniessen Sie die Sonne!

4 «sterben helfen» – Regisseur Manuel Bürgin im Gespräch 6 Lachen und weinen mit Anton Tschechow 9 Oper für Gross und Klein 10 Felix Landerers neues Tanzstück «Coppél-A.I.» 12 DRAMENPROZESSOR: Abschlusspräsentation 13 Mise en Scène 17 Kurz notiert 18 Das Provisorium nimmt Gestalt an 19 Besuch von «Wüstenblume»Autorin Waris Dirie 21 Impressionen von den 5. Schultheatertagen 22 Perspektiven der Romantik im 9. Tonhallekonzert 24 Wir sind Theater 25 Veranstaltungskalender

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«Wir reden lieber über das Leben als über den Tod» Interview mit Regisseur Manuel Bürgin

sterben helfen Schauspiel von Konstantin Küspert Schweizer Erstaufführung Premiere Donnerstag, 4. April 2019 20 Uhr, Lokremise Leitung Inszenierung: Manuel Bürgin Ausstattung: Florian Barth Licht: Rolf Irmer Musik: Sandro Corbat Dramaturgie: Stefan Späti Besetzung Lucy: Jessica Cuna Trude: Anja Tobler Vater: HansJürg Müller Mutter / Tod: Birgit Bücker Dr. Asche: Marcus Schäfer Baptist / Silvester / Bellerophon / Autor: Fabian Müller Die nächsten Vorstellungen Dienstag, 9. April 2019, 20 Uhr Donnerstag, 11. April 2019, 20 Uhr Samstag, 13. April 2019, 20 Uhr Sonntag, 14. April 2019, 17 Uhr Dienstag, 16. April 2019, 20 Uhr Mittwoch, 17. April 2019, 20 Uhr (mit Nachgespräch) Donnerstag, 25. April 2019, 20 Uhr Freitag, 26. April 2019, 20 Uhr Sonntag, 28. April 2019, 17 Uhr (zum letzten Mal)

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Der Autor Konstantin Küspert erzählt in sterben helfen aus dem Jahr 2016 von einer Gesellschaft, in der die palliativmedizinische und pflegerische Begleitung bis zum natürlichen Tod als verpönt, finanziell unvernünftig und egoistisch gelten. Lucy, unterstützt einzig von ihrer Ehefrau, kämpft für ihren Wunsch, auf natürliche Weise zu sterben, scheinbar auf verlorenem Posten. Lucy ist eine erfolgreiche Geschäftsfrau Ende 30. Zusammen mit ihrer Ehefrau zieht sie deren kleinen Sohn auf. Ein zweites Kind wächst in ihr heran. Da erhält sie bei einer Routineuntersuchung die Diagnose Gebärmutterkrebs – in fortgeschrittenem Stadium. Die Behandlung beginnt unverzüglich. Schwangerschaftsabbruch, Entfernung der Gebärmutter, Chemotherapie. Doch die Prognosen sind nicht gut, und für den behandelnden Arzt Dr. Asche steht bald fest: Es ist Zeit, loszulassen. Lucy lebt nämlich in einer Gesellschaft, in der es üblich ist, sein Leben von eigener Hand zu beenden, sobald keine Therapie mehr Erfolg verspricht und eine Heilung aussichtslos scheint. Deshalb verfügt jede Person ab 18 Jahren über einen Inhalator mit einem sofort wirkenden, tödlichen Gift. Weder die Krankenkassen noch die Angehörigen sollen zu sehr belastet werden. Die eigene Beerdigung als grosse Feier vor dem letzten Atemzug bis ins Detail selbst organisieren zu können, gilt als erfüllendste Form der Verabschiedung. Dramaturg Stefan Späti unterhielt sich mit Regisseur Manuel Bürgin, der die Schweizer Erstaufführung von sterben helfen in der Lokremise inszeniert.

Konstantin Küspert konfrontiert das Publikum mit einem Thema, mit dem sich wohl die meisten Menschen nicht gern freiwillig auseinandersetzen. Wie schafft er es, die Zuschauer zu erreichen, sie zum Nachdenken und Mitdenken anzuregen? Küspert gestaltet eine Zukunftsvision, eine Art weiterführendes Spiel unserer heutigen Realität. Er etabliert das Thema autonomes Sterben nicht in unserem aktuellen Verständnis, sondern zeigt eine fiktive Gesellschaft, die eine Form gefunden hat, mit dem Tod umzugehen. Die Trauer ist dort weitgehend abgeschafft. Das Publikum ist eingeladen, mitzudenken und sich zu fragen, was sein könnte. Gleichzeitig gelingt es auf diese Weise, die Thematik etwas von sich fernzuhalten und sie mit Abstand zu betrachten. Lucy ist eine Ausnahmeerscheinung in ihrem Umfeld, sie nimmt einen langsamen und qualvollen Tod in Kauf und sträubt sich damit gegen die Norm. Wie beurteilst du diese Figur, und was löst sie in ihrem Umfeld aus? Ich sehe in ihr zwei Facetten. Im ersten Teil des Stücks seht Lucy für den Zuschauer, für unsere Sicht von aussen und die mögliche Kritik, die wir an diesem System üben. Sie scheint skeptisch, und damit können wir uns identifizieren. Aufgrund ihres persönlichen Schicksals erkennt sie zunehmend, wie der gängige Umgang mit Krankheit und


Tod an den Anschlag gerät, wenn es um das Individuum geht. Sie spaltet mit ihrer Radikalität ihr Umfeld im Stück, aber möglicherweise auch zunehmend das Publikum. Je mehr sie sich selbst und anderen zumutet, desto mehr hinterfragen wir ihr Vorgehen. Wie weit wollen wir gehen im Umgang mit Krankheiten? Was nehmen wir in Kauf, und wollen wir so etwas durchstehen? Vor allem zu Beginn der Proben wurde im Ensemble viel diskutiert, sich ausgetauscht, von eigenen Erfahrungen berichtet. Ist das für dich ein übliches Vorgehen oder ist es der Thematik des Stücks geschuldet? Das ist eindeutig der Thematik geschuldet. Ich bin sonst nicht so ein Fan von langen Diskussionen, aber hier war das Gespräch wichtig, um auf einen gemeinsamen Nenner, einen Konsens, zu kommen. Sich auszutauschen über das beschriebene System und den Bezug zu unserem Verständnis von Medizin und Sterbehilfe herzustellen, war elementar. Sonst hätten wir viele Fragen für uns nicht beantworten können. Im Bühnen- und Zuschauerraum herrscht eine recht ungezwungene Atmosphäre. Die Zuschauer werden auf Sofas, Sesseln und an Tischen sitzen, nah dran an den Akteuren. Warum habt ihr diese Form gewählt? Dem Ausstatter Florian Barth und mir war rasch klar, dass wir keine «Draufguck»-Situ-

ation wollen. Ich fände es pietätlos, Lucys Sterben wie auf dem Sockel auszustellen. Es muss ein gemeinsamer Raum sein, sodass das Publikum mit den Spielerinnen und Spielern im gleichen Boot sitzt und sich im selben Gedankenraum befindet, ohne dabei zum Mitmach-Theater zu werden. Es geht mir auch darum, dass sich die Zuschauenden den Vorgängen nicht entziehen können, sie werden ein Stück des Bühnenbilds und dieser Welt, die präsentiert wird, ohne aktiv miteinbezogen zu sein. Im besten Fall besteht anfangs eine innere Gemeinschaft, die nach und nach zerfällt. Ich könnte mir vorstellen, dass das ein schönes Spannungsfeld ergibt. Der Musiker Sandro Corbat ist bei vielen Proben dabei und entwickelt einen Sound, der dann am Abend eingespielt wird. Was ist die Rolle der Musik bei dieser Inszenierung? Sie schafft die Möglichkeit, Lucy eine eigene Melodie zu geben, uns Emotionen, die nicht explizit dargestellt werden, zu vermitteln. Eine Sehnsucht zum Beispiel, oder den Versuch, an etwas festzuhalten, was mal schön war. Ich könnte mir auch vorstellen, eine schwermütige Szene mit einer leichten Melodie zu unterlegen, um dieser Schwere entgegenzuwirken, sie zu konterkarieren. Dazu kann die Musik die verschiedenen Denksysteme – das von Lucy und jenes ihrer Umgebung – die da aufeinanderprallen

unterlegen und mal die eine, mal die andere Seite verstärken. Sandro kann die Stimmung und Energie auf den Proben wie nach seinem Empfinden direkt erfassen und umsetzen. Wenn wir nochmal eine Brücke zu meiner Eingangsfrage schlagen: Warum sollte man sich dieses Stück ansehen, sich mit dem Thema Sterben konfrontieren? Weil der Tod nun mal ein Teil des Lebens ist, wie Dr. Asche im Stück sagt. Der Satz ist bezeichnend. Man kann sich von ihm distanzieren oder man kann ihn als völlig logisch akzeptieren. Das Sterben ist ein Teil von uns, der vielleicht in unserer Gesellschaft gerne an den Rand gedrängt wird, über den man nicht gern spricht, der aber jede und jeden betrifft. Wir reden lieber über das Leben als über den Tod. Aber das reicht halt nicht immer.

Nachgespräch Dramaturg Stefan Späti disktutiert mit Regisseur Manuel Bürgin und weiteren Gesprächsteilnehmern Mittwoch, 17. April 2019 im Anschluss an die Vorstellung

Regisseur Manuel Bürgin bei der Probenarbeit mit Birgit Bücker, Jessica Cuna und Anja Tobler (von links).

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Lachen und weinen Tschechows Komödie Der Kirschgarten  am Theater St.Gallen

Der Kirschgarten Komödie von Anton Tschechow in der Übersetzung von Thomas Brasch Premiere Freitag, 12. April 2019 19.30 Uhr, Grosses Haus Einführungsmatinee Sonntag, 7. April 2019 11 Uhr, Lokremise, Eintritt frei Leitung Inszenierung: Mélanie Huber Bühne: Nora Johanna Gromer Kostüme: Lena Hiebel Komposition und musikalische Leitung: Martin von Allmen Dramaturgie: Armin Breidenbach Dramaturgische Mitarbeit: Stephan Teuwissen Besetzung Ljubow Andrejewna Ranjewskaja: Diana Dengler Anja: Pascale Pfeuti Warja: Anna Blumer Leonid Andrejewitsch Gajew: Christian Hettkamp Jermolai Alexejewitsch Lopachin: Tobias Graupner Pjotr Sergejewitsch Trofimow / Jascha: Benno Schulz Boris Borissowitsch Simjonow-Pischtschik / Ein Vorübergehender: Matthias Albold Semjon Pantelejewitsch Jepichodow: Oliver Losehand Charlotta Iwanowna: Kay Kysela Dunjascha: Janna Antonia Rottmann Firs: Bruno Riedl Ein Musiker: Martin von Allmen

Nachdem Anton Tschechow am 15. Juli 1904 im deutschen Kurort Badenweiler an Tuberkulose verstorben war, wurde sein Leichnam mit dem Zug nach Moskau verbracht, wo er eine Woche später beerdigt wurde. Einer Legende zufolge kam sein Sarg zeitgleich mit dem eines hochrangigen Generals am Bahnhof an, sodass die Menge dachte, der Tote werde mit militärischen Ehren empfangen, und tatsächlich zuerst dem falschen Sarg folgte – eine Geschichte, die Tschechow selbst nicht besser hätte schreiben können, lässt sich doch lächeln über

Die nächsten Vorstellungen Mittwoch, 17. April 2019, 19.30 Uhr Freitag, 26. April 2019, 19.30 Uhr Sonntag, 28. April 2019, 14.30 Uhr Freitag, 3. Mai 2019, 19.30 Uhr Freitag, 10. Mai 2019, 19.30 Uhr

Anton Pawlowitsch Tschechow ( 1860 – 1904 )

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eine eigentlich traurige Begebenheit, typisch Tschechow. Nach Aufklärung des Missverständnisses erwiesen dem schon zu Lebzeiten äusserst erfolgreichen Schriftsteller und Dramatiker Tausende die letzte Ehre. Da war die Uraufführung von Der Kirschgarten, seines letzten Stücks, gerade mal ein halbes Jahr her. Am Moskauer Künstlertheater übernahm Konstantin Stanislawski die Regie, der das Theater gemeinsam mit Wladimir Nemirowitsch-Dantschenko leitete. Sie hatten die Premiere Tschechow zu Ehren sogar auf seinen 44. Geburtstag am 17. Januar (russischer Kalender) gelegt. Schon der erste Entwurf des neuen Stücks hatte in Moskau Begeisterung ausgelöst. So schrieb Nemirowitsch dem Autor gleich nach der Lektüre ein Tele-


gramm: «Mein persönlicher erster Eindruck – als Bühnenwerk vielleicht mehr Theaterstück als alle vorausgegangenen. Das Sujet klar und fest. Im Ganzen als Stück harmonisch. […] Bemerkenswertester Akt in Stimmung, Dramatik und grausamer Kühnheit ist der letzte, in Grazie und Leichtigkeit der erste. Neu in Deinem Schaffen die grelle, saftige und einfache Dramatik.» Um den Text mit einigen Schauspielern zu lesen, hatte er extra eine Probe für ein anderes Stück unterbrochen. Den Plan, nach Drei Schwestern wieder für das Künstlertheater zu arbeiten, hatte Tschechow bereits wenige Wochen nach der Uraufführung im Januar 1901 gefasst. Und schon zu diesem Zeitpunkt war ihm klar, was für ein Stück es werden würde. Er schrieb an Olga Knipper, eine Schauspielerin des Künstlertheaters, die er im Mai 1901 heiraten sollte: «Das nächste Stück, das ich schreiben werde, wird unbedingt komisch, sehr komisch, zumindest im Plan.» Und er wiederholte sein Vorhaben sechs Wochen darauf: «Minutenweise überkommt mich das starke Verlangen, für das Künstl. Theater [Künstlertheater] ein Vaudeville in vier Akten oder eine Komödie zu schreiben. Und ich werde es auch tun, wenn mich nichts daran hindert, aber dem Theater werde ich

das Stück nicht vor Ende 1903 geben.» Nun war es nicht so, dass Tschechow nicht auch andere Stücke bereits mit dem Untertitel «Komödie» versehen hätte. Die Möwe (Uraufführung 1898) nannte er so, auch die Urfassung des später zur Tragödie umgearbeiteten Iwanow. Das verwirrt zuweilen Leser und Theaterbesucher, die sich einen lustigen Abend mit viel Gelächter erwarten. Dabei ging es Tschechow eher wie Balzac mit dessen «Comédie Humaine» um das Nachdenken über letzte Dinge und grosse Fragen der Menschheit. Und oft sind es eben erhabene Momente, die schneller als gedacht ins Lächerliche kippen. Die sprichwörtliche russische Schwermut abzubilden, war nicht sein Anliegen. Der Humorist Tschechows literarische Karriere hatte mit humoristischen Erzählungen begonnen, mit denen er früh den Lebensunterhalt seiner Familie sicherte. Geboren 1860 als Sohn eines Kaufmanns im südrussischen Taganrog am Asowschen Meer, war er schon in der Schule wegen seiner Begabung für das Parodieren von Lehrern aufgefallen. Früh hatte er heimlich das örtliche Theater aufgesucht und ebenfalls früh mit dem Schreiben begonnen. Nachdem sein drakonischer Va-

ter – übrigens Nachfahre von Leibeigenen – wegen der drückenden Schuldenlast die Stadt verlassen musste, schlug sich der junge Tschechow dort einen Sommer allein durch. Dann folgte er der Familie nach Moskau, nahm ein Medizinstudium auf und wurde mit dem Schreiben rasch zum Ernährer aller. Da das Schreiben ihm so leicht von der Hand ging und er zudem der Einzige war, der die Familienkasse füllen konnte, wurde er bald das Oberhaupt und in allen Fragen konsultiert. Jedoch erkrankte Tschechow bereits in Moskau an Tuberkulose, einer damals noch unheilbaren Krankheit, gegen die selbst er als examinierter Arzt nichts ausrichten konnte und an der auch sein Bruder Nikolai 1889 starb. Die Tuberkulose hatte ihn jedoch nie vom Schreiben abgehalten, im Gegenteil: Man könnte fast meinen, er habe gegen den Tod angeschrieben. Gerade im Kirschgarten ist das spürbar. Das Stück atmet eine Grosszügigkeit und Weite, arbeitet mit Wiederholungsmotiven und vor allem mit der Zeit. Man könnte meinen, mit dem Warten auf den Tod. Ranjewskaja und ihre Familie Der titelgebende Kirschgarten gehört zum Gut von Ljubow Andrejewna Ranjewskaja, sie ist das Zentrum von Tschechows Stück

Anton Tschechows Haus in Jalta zu Anfang des 20 . Jahrhunderts.

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und wurde in der Uraufführungsinszenierung von Olga Knipper gespielt. Ranjewskaja kehrt nach Jahren in Paris zurück auf ihr Landgut in Russland. Geld hat sie keines mehr, zudem sind Schulden abzubezahlen, was nur durch den Verkauf des Guts gelingen kann. Ranjewskaja kann und will das nicht akzeptieren, ist wie imprägniert gegen die heranrollenden Probleme, und verschenkt weiter Geld, statt sich um die Versorgung der Familie zu kümmern. Der um einiges jüngere Lopachin, ein ehemaliger Leibeigener, der mittlerweile zu Geld gekommen ist, macht ihr immer wieder gutgemeinte Vorschläge, wie sie von den Schulden befreit werden könnte – dafür müsste allerdings ihr geliebter Kirschgarten weichen. Davon will weder Ranjewskaja etwas wissen noch ihr Bruder Gajew, so sehr Lopachin auch drängt, was er über Monate immer wieder tut. Schliesslich wird der Familienbesitz wirklich versteigert, und zwar an Lopachin, der den Geldmangel gar nicht ausnutzen wollte, sondern am Ende einfach zugeschlagen hat. Olga Knippers Figur, die Ranjewskaja, ist verschwenderisch und naiv, sensibel und zugleich als Mutter verantwortungslos, doch dabei immer bezaubernd und faszinierend. Aber den Abschied von ihrem gewohnten Leben kann sie nicht vollziehen, die Notwendigkeit einer Veränderung nicht begreifen. So handelt das Stück nicht nur von Geld und Geldmangel, sondern auch von der Lethargie der ehemaligen Besitzenden, die die neuen Verhältnisse nicht anerkennen können. Ausserdem spielt Tschechow wie in seinen anderen Stücken mit den Beziehungen der auf dem Land versammelten Gesellschaft: Da gibt es Liebeleien, Eifersucht, die Sehnsucht nach einem Leben in Frankreich – und vor allem prägt die Abschaffung der Leibeigenschaft einige Jahre zuvor die Strukturen nachhaltig. Liebe und Geld Zwar stand der Titel schon länger fest, doch tatsächlich geschrieben hat Tschechow den Kirschgarten erst 1903, weil die kommende Spielzeit des Künstlertheaters definitiv geplant werden musste. Ein Grund für die Verzögerung findet sich in seinem Brief vom 24. November 1901 an Olga Knipper. «Draussen schneit und regnet es. Meine Hände sind kalt, in meinem Arbeitszimmer ist es düster und kalt, das Schreiben fällt 8

schwer, die Finger wollen irgendwie nicht gehorchen, obwohl das Thermometer 12 Grad Wärme zeigt. Und so wird es den ganzen Winter gehen! Das heisst bis Ende April.» Neben der Kälte und seiner nicht aufzuhaltenden Erkrankung gab es noch zahlreiche andere Gründe dafür, dass es mit dem Schreiben nicht so recht voranging, unter anderem die Hochzeit mit Olga Knipper und einige Spannungen zwischen seiner frisch gebackenen Ehefrau und Tschechows Schwester Maria sowie ungezählte Gäste und Besucher, die Tschechow von der Arbeit in Jalta, wo er sich wegen seiner Lunge aufhalten musste, abhielten. Die Figuren des Stückes sah er bereits klar vor Augen, auch hatte er das Stück, wie schon im Fall der Drei Schwestern, auf einzelne konkrete, bekannte Schauspieler des Künstlertheaters hin konzipiert. Für seine Frau hatte Tschechow die komische Rolle der Charlotta Iwanowna vorgesehen; dass ihr schliesslich die grosse Rolle der Ranjewskaja zufiel, war einer der Gründe für die zahlreichen Meinungsverschiedenheiten zwischen Autor und Theater hinsichtlich der Uraufführung. Bei den Proben Tschechow wollte sich natürlich selbst ein Bild machen von der Arbeit mit seinem vielleicht letzten Stück. Am 4. Dezember 1903 traf er in Moskau ein, am 5. Dezember besuchte er die erste Kirschgarten-Probe. Welchen Akt, welche Szenen er zu sehen be-

kam, ist nicht überliefert, doch muss das, was er gesehen hat, ihn vor den Kopf gestossen haben. Die Probenarbeit des Theaters wird in keinem der Briefe, die Tschechow in den sechs Wochen bis zur Premiere aus Moskau schrieb, erwähnt oder kommentiert. In seinen Memoiren erweckt Stanislawski den Anschein, als habe Tschechow an allen Proben teilgenommen, indem er dessen Auftreten auf Proben im Allgemeinen beschreibt und nur zwei konkrete Details benennt, die mit dem Kirschgarten zusammenhängen: seinen, Stanislawskis Wunsch, den Schluss des 2. Akts zu streichen, worauf Tschechow blass geworden sei, dann aber zugestimmt habe, sowie die berühmte ironische Spitze Tschechows an die Adresse des Regisseurs: «Hören Sie! – erzählte Tschechow jemandem, aber so, dass ich es hören musste –, ich werde ein neues Stück schreiben, und das wird so beginnen: ‹Wie wunderbar, wie still! Man hört weder Vögel, noch Hunde, noch Kuckucke, noch Käuzchen, keine Nachtigall, keine Uhr, keine Glöckchen und keine einzige Grille.›» Tschechow war mehr oder weniger verzweifelt – die Regie hatte aus seiner zarten Komödie ein Rührstück gemacht. Das kam zwar beim Publikum, nicht aber bei seinem Autor an. So besteht seitdem der Reiz für alle, die seine Komödien inszenieren, darin, die ganz besondere Atmosphäre seiner Stücke immer wieder aufs Neue zu erforschen und Tschechows Figuren zu interpretieren. (ab)

Anton Tschechow (mit Buch) im Jahr 1899 , umgeben von Schauspielern des Moskauer Künstlertheaters.


Eine Oper für Gross und Klein Familienvorstellungen von L’elisir d’amore

Gaetano Donizettis Oper L’elisir d’amore (Der Liebestrank) ist ein Meisterwerk des Belcanto und eine feinsinnige Komödie. Der schüchterne Nemorino, die leichtlebige Adina, der aufgeblasene Sergeant und der salbadernde Quacksalber sind klassische Komödienfiguren und zugleich lebensnah und detailreich gezeichnete Charaktere. L’elisir d’amore erzählt die alte Geschichte vom Liebestrank auf heitere und märchenhafte Weise: Nemorino erhält nur ein Placebo, doch sein unerschütterlicher Glaube an dessen Wirksamkeit lässt ihn seine Schüchternheit überwinden, und so gewinnt er schliesslich tatsächlich Adinas Herz. Regisseur Ulrich Wiggers und Ausstatter Leif-Erik Heine lassen die Handlung in einem Kinderzimmer spielen: Die Figuren der Handlung sind Spielzeugfiguren, die zum Leben erwachen. Die Kostüme übersetzen die Typen der Commedia dell’arte in typische Spielzeugfiguren wie Cowboy, Action-Held oder klassisches Holzspielzeug, und die starke Vergrösserung der Bühne, die sich daraus ergibt, dass Opernsänger Spielzeugfiguren spielen, ergibt viele überraschende szenische Pointen. Aber auch die Poesie und die Leidenschaft der Figuren kommen in dem verspielt surrealen Setting besonders zur Wirkung. Für diese Inszenierung, die von der Presse als «hinreissend komisch und voller Tiefsinn» gelobt wurde, gibt es zwei Familienvorstellungen: Bei den Sonntagsvorstellungen am 7. April und 12. Mai erhalten Kinder / Jugendliche bis 15 Jahre Tickets zum Spezialpreis von CHF 25 – egal in welcher Platzkategorie. Ausserdem richtet sich die Kurzeinführung jeweils eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn besonders an Familien mit Kindern. Beide Vorstellungen sind jedoch für alle interessierten Besucher zugänglich. (mb)

Die nächsten Vorstellungen Mittwoch, 3. April 2019, 19.30 Uhr Sonntag, 7. April 2019, 14.30 Uhr (Familienvorstellung) Dienstag, 23. April 2019, 19.30 Uhr Donnerstag, 25. April 2019, 19.30 Uhr Samstag, 4. Mai 2019, 19.30 Uhr Sonntag, 12. Mai 2019, 14.30 Uhr (Familienvorstellung)

Leif-Erik Heine, Marius Bolten, David Stout und Ulrich Wiggers bei der Familienmatinee am 17 . März.

Kristian Breitenbach und Marius Bolten beim Dreh des Einführungsvideos im Kinderzimmer in Normalgrösse.

Belcore, Nemorino und Adina mit dem Chor im überdimensionierten Kinderzimmer.

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Coppélia und Artificial Intelligence Felix Landerers neues Tanzstück Coppél-A.I.

Coppél-A.I. Tanzstück von Felix Landerer Uraufführung Donnerstag, 2. Mai 2019 20 Uhr, Lokremise Öffentliche Probe Samstag, 13. April 2019 12 Uhr, Lokremise Einführungsmatinee Samstag, 27. April 2019 11.30 Uhr, Lokremise Leitung Choreografie: Felix Landerer Ausstattung: Till Kuhnert Musik: Christof Littmann Licht: Rolf Irmer Dramaturgie: Marius Bolten Mit Fabio Agnello, Jay Diego Ariës, William Bridgland, Stefanie Fischer, Clea Godsill, Swane Küpper, Lorian Mader, Genevieve O’Keeffe, Emily Pak, Giulio Panzi, Thanh Pham Tri, Nimrod Poles, Lisette Robijn, Ana Sánchez Martínez, Robina Steyer, Flurin Stocker Die nächsten Vorstellungen Samstag, 4. Mai 2019, 20 Uhr Dienstag, 7. Mai 2019, 20 Uhr Freitag, 10. Mai 2019, 20 Uhr Mit grosszügiger Unterstützung Hedy Kreier, St.Gallen

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Künstliche Intelligenz ist ein grosses Thema unserer Zeit. Die Universität St.Gallen hat seit einem halben Jahr eine Professur für Artificial Intelligence and Machine Learning. KI ist auch in allen Medien präsent, und regelmässig mischt sich ein leichtes Schaudern in die technische Faszination. Einschlägige Schlagzeilen lauten: «Roboter auf dem Vormarsch», «Was Roboter zu sagen haben», «Sophia, warum siehst du aus wie eine Frau?», «Clevere Roboter bedrohen 300 000 Arbeitsplätze» und «Wehe, die Computer sagen einmal ‹ich›». Die Frage, wie aus toter Materie lebendige, intelligente Wesen mit eigenem Willen und Persönlichkeit werden, beschäftigt die Menschheit seit Jahrtausenden. Und fast ebenso alt ist der Wunsch, dieses Schöpfungswunder selbst vollbringen zu können – verbunden mit der Angst vor den Konsequenzen. In Ovids Metamorphosen ist es eine Utopie: Der Bildhauer Pygmalion verliebt sich in seine Statue, und die Liebe bewirkt das Wunder, dass sie wirklich lebendig wird. Die mittelalterliche jüdische Figur des Golems dagegen ist eine ambivalente Figur, und Frankensteins Kreatur aus Mary Shelleys Roman wird zum Monster. Im Roman Frankenstein wie auch in modernen Varianten des Golem-Themas (z.B. Eugen d’Alberts 1926 uraufgeführter Oper Der Golem) wird auch die Perspektive des künstlichen Geschöpfes geschildert, das ein Aussenseiter bleibt und von den Menschen nicht als ihresgleichen akzeptiert wird. Steven Spielberg hat diese Perspektive in seinem Film A.I. – Künstliche Intelligenz von 2001 fortgesetzt.

In E.T.A Hoffmanns 1816 veröffentlichter Erzählung Der Sandmann gibt es den unheimlichen Alchimisten Coppelius und seinen Wiedergänger Coppola, der dem Studenten Nathanael ein Perspektiv verkauft, durch das ihm die Puppe Olimpia seines Professors wie ein lebendiges Mädchen erscheint. Nathanael zerbricht daran, dass er sich an die Illusion eines lebendigen Wesens verliert. Im darauf basierenden Ballett Coppélia von Léo Delibes nach einem Libretto von Charles Nuitter und Arthur SaintLéon, das 1870 an der Pariser Opéra uraufgeführt wurde, heisst der Puppenmacher Coppélius und nennt seine künstliche Tochter Coppélia. Das Thema der Flucht in virtuelle Welten und das Risiko, nur noch mit Automaten zu kommunizieren und diesen die Kontrolle zu überlassen, sind heute vielleicht aktueller denn je. Was man bei Google und Instagram sieht, wird weitgehend von Algorithmen bestimmt, und der Direktor der KI -Forschung bei Facebook sagt: «Ohne Künstliche Intelligenz funktioniert Facebook nicht.» Beate Vollack, Leiterin der Tanzkompanie, hat den deutschen Choreografen Felix Landerer, der am Theater St.Gallen bereits bei Es ist was … choreografiert hat, eingeladen, sich unter dem Titel Coppél-A.I. mit dem Verhältnis von Mensch und künstlichen Wesen zu beschäftigen. Ausgangspunkt von Felix Landerers Choreografie ist der Puppenmacher, der seine Geschöpfe quasi als Menschen sieht; und so verhalten sie sich auch zu ihm und probieren ihr Menschsein aus. Er seinerseits wird durch die Fixierung auf die künstlichen Wesen selbst ein Stück weit roboterhaft. Doch schliesslich bricht sich sein Bedürfnis nach echten menschlichen Kontakten und Berührungen, nach Dreck und Spontaneität Bahn, und er reisst die Wand seiner selbstgewählten Isolation ein. Ausstatter Till Kuhnert stellt einen abgeschlossenen, klinisch weissen Innenraum in die Lokremise, hinter dessen Wänden das lebendige Unterbewusstsein schattenhaft pulsiert. Christof Littmanns Musik verbindet die mathematische Strenge Johann Sebastian Bachs mit modernen Klängen. (mb)


Figurinen und Modellfotos von Till Kuhnert.

Es ist was..., April 2017 : Szenefotos und Felix Landerer mit Mitgliedern der Tanzkompanie bei den Proben.

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DRAMENPROZESSOR 2018 / 2019: Abschlusspräsentation Werkstatt für szenisches Schreiben

Der DRAMENPROZESSOR wurde 2001 durch das Theater Winkelwiese ins Leben gerufen. In den 18 Jahren ihres Bestehens hat sich die Schreibwerkstatt zu einem unverzichtbaren und landesweit einzigartigen Instrument der nachhaltigen Autorenförderung entwickelt und liefert wichtige Impulse für die Arbeit der freien The-

aterszene. Mittlerweile haben 51 AutorInnen das Programm absolviert. 2015 wurde der DRAMENPROZESSOR mit dem Schweizer Theaterpreis ausgezeichnet. Das Theater St.Gallen ist zum zweiten Mal Kooperationspartner.

Ivona Brdjanovic, Eva Roth, Werner Rohner und Maria Ursprung haben ein Jahr lang im intensiven Austausch untereinander und mit Fachleuten aus der Theaterpraxis vier abendfüllende Theaterstücke geschrieben, die in Form von szenischen Lesungen erstmals der Öffentlichkeit präsentiert werden. Was die legendären Abschlusspräsentationen des DRAMENPROZESSORS ausmacht, ist die geballte Ladung neuer Theatertexte, die als Marathon-Veranstaltung alle zwei Jahre die Neugier eines bunt gemischten Publikums aus LiteraturfreundInnen, VerlegerInnen und Theaterbegeisterten weckt. Die diesjährigen szenischen Lesungen werden von Sabine Harbeke, dem Theater Marie (Patric Bachmann und Olivier Keller), Anja Horst und Sophia Bodamer eingerichtet. Es lesen SchauspielerInnen aus der freien Szene und Ensemblemitglieder des Theaters St.Gallen. Die Abschlusspräsentation des DRAMENPROZESSORS 2018/19 findet am 27. April 2019 im Theater Winkelwiese in Zürich und 3. Mai 2019 am Theater St.Gallen in der Lokremise statt. Partner des DRAMENPROZESSORS : Theater Winkelwiese, Theater Chur, Schlachthaus Theater Bern, Stadttheater Schaffhausen, Theater Tuchlaube Aarau, Theater St.Gallen. Kooperation mit BA Theater / Regie ZH dK und dem Theater Marie. (ah)

DRAMENPROZESSOR 2018 / 2019 Abschlusspräsentation

Freitag, 3.Mai 2019 19 Uhr, Lokremise

Impressionen vom letzten DRAMENPROZESSOR vor zwei Jahren.

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Priscilla – Königin der Wüste Musical von Stephan Elliott und Allan Scott Samstag, 6. April 2019, 19.30 Uhr Samstag, 13. April 2019, 19.30 Uhr Sonntag, 14. April 2019, 19.30 Uhr Dienstag, 16. April 2019, 19.30 Uhr Samstag, 27. April 2019, 19.30 Uhr

Mit grosszügiger Unterstützung von Hauptsponsoren

Co-Sponsoren

Medienpartner

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L’elisir d’amore Oper von Gaetano Donizetti Mittwoch, 3. April 2019, 19.30 Uhr Sonntag, 7. April 2019, 14.30 Uhr Dienstag, 23. April 2019, 19.30 Uhr Donnerstag, 25. April 2019, 19.30 Uhr Samstag, 4. Mai 2019, 19.30 Uhr Sonntag, 12. Mai 2019, 14.30 Uhr

Mit grosszügiger Unterstützung von

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Der nackte Wahnsinn Komรถdie von Michael Frayn Mittwoch, 24. April 2019, 19.30 Uhr Donnerstag, 23. Mai 2019, 19.30 Uhr (zum letzten Mal)

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More Ballads and more Nachtzug – Late Night Music

50 Jahre Schweizer Gute Noten

Jugend-SinfonieOrchester

Das Echo auf unsere jüngsten Premieren

Dieser musikalische Nachtzug in der Lokremise vereint ein Jazzquartett mit einem Streichquartett: Groovige Improvisationen treffen auf sphärische Streicherklänge und verschmelzen zu einem neuen, faszinierenden Ganzen. Traditionen überwinden war von jeher künstlerisches Credo des Trompeters Michael Neff und des Pianisten Markus Bischof, deren Eigenkompositionen an diesem Abend zur Aufführung kommen. Einzigartiger Sound einer einzigartigen Besetzung!

Das Schweizer Jugend-Sinfonie-Orchester SJSO wird fünfzig! Gefeiert wird dieses Jubiläum mit einer Doppelsaison, die den Bogen schlägt zur Gründung 1969, als zwei musikbegeisterte Teenager in St.Moritz während eines internationalen Jugendorchester-Festivals ein sinfonisch besetztes Jugendorchester ins Leben riefen. Bald schon trat das spätere SJSO zum ersten Mal auf – im St.Moritzer Kulturhotel Laudinella, wo noch heute die Arbeitswochen stattfinden. Grosse musikalische Begabung, gepaart mit begeistertem Einsatz auch abseits des Konzertpodiums: Dieser Spirit prägt das SJSO bis heute. Beim ersten Auftritt des SJSO spielte ein junger Maturand den Soloflötenpart in Johann Sebastian Bachs h-Moll-Orchestersuite: Dieter Flury. Nach seinem Studium und intensiver Arbeit im und für das SJSO startet er eine glanzvolle Karriere, die 1977 mit der Position des Soloflötisten der Wiener Philharmoniker gipfelte. Vierzig Jahre prägte er das Orchester, neun Jahre davon als künstlerischer Geschäftsführer. Nun freut sich Dieter Flury, gemeinsam mit «seinem» Jugendorchester den Auftakt der beiden Jubiläumsjahre 2019/2020 zu gestalten! Was diese jungen Musikerinnen und Musiker noch so draufhaben, zeigen sie nach Mozarts Flötenkonzert auch in Bruckners grandioser 7. Sinfonie. ( SJSO )

Priscilla – Königin der Wüste «Eine funkensprühende Show mit Tiefgang.» Kulturpöbel

More Ballads and more Nachtzug – Late Night Music Samstag, 6. April 2019 21 Uhr, Lokremise Elena Neff Zhunke, Violine Gregory Gates, Violine David Schnee, Viola Alexander Gropper, Violoncello Michael Neff, Trompete Ralph Hufenus, Bass Markus Bischof, Klavier Mario Söldi, Schlagzeug String Quartet meets Jazz Quartet – again! Mit grosszügiger Unterstützung Jutta Marxer Stiftung

50 Jahre Schweizer Jugend-SinfonieOrchester Donnerstag, 18. April 2019 19.30 Uhr, Tonhalle

Kai Bumann, Leitung Dieter Flury, Flöte Wolfgang Amadeus Mozart Flötenkonzert G-Dur KV 313 Anton Bruckner Sinfonie Nr. 7 E-Dur WAB 107

2  ×  4  =  8 oder: Jazzquartett meets Streichquartett.

«Das gesamte Ensemble bringt Spielfreude auf die Bühne und hat sichtlich Spass an dem Hitfeuerwerk des Musicals. Mit Blick in den Zuschauerraum sah man ein buntgemischtes Publikum – Theatergänger, Muscialbegeisterte, Stars, Drag Queens und Travestiekünstler – welches bereits bei ‹It’s Raining Men› begeistert jubelte, als es im wahrsten Sinn des Songtitels Männer vom Theaterhimmel in St.Gallen regnete.» Musicalstories «Gil Mehmert hat temporeich inszeniert, fantasievoll sind Melissa Kings Choreografie, Jens Killians Bühne und Alfred Mayerhofers Kostüme. Und die Musik? Das sind Disco-Hits der 70er- und 80er-Jahre, dazu nostalgische Hits wie Louis Armstrongs ‹Fine Romance with no Kisses› oder Elvis Presleys ‹Always on my Mind›, mit starken Stimmen gesungen und von der Priscilla-Band peppig oder romantisch herübergebracht.» Vorarlberger Nachrichten L’elisir d’amore «Mit Gaetano Donizettis L’elisir d’amore gelingt dem Theater St.Gallen ein besonderer Wurf. Das ist das Verdienst aller Beteiligter, vor allem aber Leif-Erik Heines. Seine Bühne gibt der Oper einen fantasievollen Raum.» St.Galler Tagblatt «Hinreissend komisch und voller Tiefsinn.» Ostschweiz am Sonntag «Da kommt inniger Belcanto ins Spiel. Und wenn die Inszenierung nach dem raffinierten Auftakt mit spielenden Kindern dem steifen Puppenpaar sehr schnell natürliche Beweglichkeit zugesteht, so werden die beiden mit Donizettis lebendig pulsierenden Melos erst recht zu menschlichen Figuren. Beide werden es dank souveräner Musikalität und Stimmen, die auch die anspruchsvollsten Passagen glänzend meistern.» Roccosound Cinderella «124 Kinder feiern eine tolle Theaterparty.» St.Galler Tagblatt

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Massgeschneidertes Provisorium für den Unteren Brühl Ab Herbst 2020 wird vor der Tonhalle Theater gespielt Das Provisorium, mit dem die Zeit der Sanierungsarbeiten im Theater überbrückt wird, kommt auf den Unteren Brühl zu stehen. Der Kanton hat den ursprünglich vorgesehenen Standort im Stadtpark fallen gelassen. Das bringt nur Vorteile. Das kantonale Baudepartement hat seinerzeit verschiedene Standort-Optionen für das Theaterprovisorium geprüft und sich schliesslich für den Stadtpark entschieden, genauer für das Areal zwischen dem Kunstmuseum und dem Historischen und Völkerkundemuseum. Vertiefte Analysen haben nun ergeben, dass die betrieblichen Probleme sowohl für das Theater wie für die beiden Museen an diesem Standort grösser wären als angenommen. Als Alternative bietet sich die Wiese vor der Tonhalle, der Untere Brühl, an – und das ist mehr als eine Notlösung. An diesem Standort ist eine räumliche Anbindung an die Tonhalle möglich, sodass deren Infrastrukturräume auch für den Theaterbetrieb genutzt werden können. Ausserdem erleichtert die Nähe zum Theatergebäude dank kurzer Transportwege die Arbeit der Techniker und Handwerker in den Werkstätten; diese bleiben auch während der Sanierung vollumfänglich am alten Ort in Betrieb. Von Vorteil ist die nun gewählte Lösung auch für Sie als Theaterbesucherinnen und –besucher, eingedenk der alten Tatsache, dass der Mensch ein Gewohnheitstier ist: Die Anbindung an den öffentlichen wie privaten Verkehr bleibt genau die gleiche, der Zugang zum Theaterprovisorium erfolgt vom Platz zwischen Tonhalle und Theater her. Möglich geworden ist der neue Standort vor allem durch die Tatsache, dass die Dimensionen des Provisoriums im Zug der Detailplanung reduziert wurden. Die Zuschauerkapazität wurde nach unten korrigiert auf rund 530 Plätze (gegenüber 741 im Theatergebäude). Neben Zuschauerraum und Bühne beherbergt das Provisorium ein Entrée, ein Foyer mit Bar sowie Schminkräume und Künstlergarderoben. Es wurde massgeschneidert in die vorgegebenen 18

Strukturen des Parks mit seinen Fusswegen und seinem Baumbestand hinein konzipiert. Die Folge: Es muss kein einziger Baum gefällt werden, der westliche Teil der Wiese bleibt zugänglich, die Fussgängerdurchgänge sind weiterhin passierbar. Und der Bau ist keine rechteckige Schachtel, sondern ein unregelmässiger Baukörper, der Schlichtheit und Charme miteinander verbindet. Mehrkosten entstehen bei dieser neuen Variante keine.

Gemäss aktuellem Zeitplan soll im Frühling 2020 mit dem Aufbau des Provisoriums begonnen werden. Nachdem der Theaterbetrieb im sanierungsbedürftigen Theater bis zum Ende der Spielzeit 2019/2020 regulär läuft, wird in der Sommerpause 2020 mit Räumungs-, Zügel- und Einrichtungsarbeiten begonnen, danach kann die eigentliche Sanierung anfangen. Während zwei Saisons findet der Theaterbetrieb im Provisorium statt. Das sanierte Theatergebäude steht im Herbst 2022 wieder zur Verfügung. (bh)

Skizze und Modellansicht des Provisoriums auf dem Unteren Brühl.


Von der Wüste auf den Laufsteg Die wahre Geschichte der Waris Dirie kommt als Musical auf die Bühne

Als nächste Musical-Weltpremiere zeigen wir 2020 Wüstenblume, die berührende Geschichte des somalischen Nomadenmädchens Waris, das Karriere als Topmodel macht und zur engagierten Kämpferin gegen weibliche Genitalverstümmelung wird. Zur Präsentation des neuen Projekts gab’s prominenten Besuch in der Lokremise: Waris Dirie höchstpersönlich erwies uns die Ehre. Engagiert in der Sache, charmant im Auftritt: So hat sich Waris Dirie am 7. März in der Lokremise den Medienschaffenden präsentiert. Nach der Vorstellung des Projekts durch Operndirektor Peter Heilker und das Kreativteam standen die Journalistinnen und Journalisten buchstäblich Schlange für

ein Interview mit Waris Dirie. Das schlug sich sowohl in den Print- wie auch in den elektronischen Medien nieder. Im St.Galler Tagblatt wie in der Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung erschienen Interviews, die Schweizerische Depeschenagentur und Keystone verbreiteten ihr Gespräch in zwei Dutzend Medien. TVO , SRF und der ORF strahlten Beiträge aus. Das deutsche Magazin Stern stellte zum Tag der Frau einen Filmbericht über Waris Dirie, ihren Kampf gegen die Genitalverstümmelung und das Musicalprojekt auf seine Webseite. Und selbst in der Online-Ausgabe der New York Times erschien ein längerer Bericht mit Statements von Waris Dirie. Die wahre Geschichte vom Nomadenmädchen, das vor der Zwangsheirat aus Somalia flieht und in London zum Topmodel, aber auch zur UNO -Sonderbotschafterin im Kampf gegen die weibliche Genitalverstümmelung wird, berührte die Menschen weltweit. Das autobiografische Buch Desert Flower von Waris Dirie wurde in den 1990erJahren zum Bestseller, 2009 stiess auch die Verfilmung auf grosses Echo. Nun kommt die Geschichte als Musicalproduktion des Theaters St.Gallen auf die Bühne. Das sei auf den ersten Blick eine furchtbare Idee, sagte Autor Gil Mehmert an der Medienkon-

ferenz im März. Aber gerade dieser Stoff schreie nach einer Umsetzung auf der Musicalbühne. Denn Musical sei für ihn nicht einfach niedlich und unterhaltsam, vielmehr müsse es vermehrt als absolutes Theater und grosse Oper wahrgenommen werden. «Meine Geschichte soll ermutigen, das zu tun, was man tun kann», sagte Waris Dirie. Es sei wunderbar, wenn diese Botschaft mit dem Musical verbreitet werden könne. Aus der Feder von Gil Mehmert stammt unter anderem das Musical Das Wunder von Bern. Bei Priscilla – Königin der Wüste, das derzeit bei uns auf dem Spielplan steht, hat er Regie geführt. Weiter zum Kreativteam gehört mit Uwe Fahrenkrog-Petersen einer der erfolgreichsten deutschen Komponisten und Musikproduzenten. Er war als Filmkomponist in Hollywood tätig und brachte mehrere Alben mit Nena heraus. Die Songtexte stammen von Frank Ramond, für die Orchestrierung ist Alberto Mompellio verantwortlich, für die Arrangements Koen Schoots. Wüstenblume erlebt seine Uraufführung am 22. Februar 2020. (bh)

Waris Dirie anlässlich der Medienkonferenz mit dem Kreativtem und der Theaterdirektion, von links: Werner Signer, Alberto Mompellio, Uwe Fahrenkrog-Petersen, Waris Dirie, Gil Mehmert, Frank Ramond und Peter Heilker

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5. Schultheatertage Ostschweiz 332 Kinder und Jugendliche, 19 Klassen, 1 Thema

Die Schultheatertage Ostschweiz gingen vom 14. bis 28. März bereits zum fünften Mal über die Bühne – in der Lokremise St.Gallen, im Theaterhaus Thurgau in Weinfelden und im Alten Kino Mels. 19 Klassen aus den Kantonen St.Gallen, Thurgau und beiden Appenzell zeigten sich gegenseitig ihre selbstentwickelten Stücke zum Thema «Raum» und kamen miteinander in den Austausch.

Fotos: Mario Franchi, Kristin Ludin Die Schultheatertage Ostschweiz sind ein Kooperationsprojekt von Theater St.Gallen, Theater Bilitz und der Pädagogischen Hochschule St.Gallen. Weitere Infos unter kklick.ch

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Perspektiven der Romantik Im 9. Tonhallekonzert des Sinfonieorchesters St.Gallen

Wahlverwandtschaften Perspektiven der Romantik | 9. Tonhallekonzert Sonntag, 28. April 2019 17 Uhr, Tonhalle Konzerteinführung um 16 Uhr Modestas Pitrenas, Leitung Antonii Baryshevskyi, Klavier Robert Schumann Ouvertüre zu Genoveva op. 81 Felix Mendelssohn Bartholdy Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 g-Moll op. 25 Witold Lutosławski Trauermusik für Streicher Wolfgang Amadeus Mozart Sinfonie Nr. 40 g-Moll KV 550 Mit grosszügiger Unterstützung Freundeskreis Sinfonieorchester St.Gallen

Mozart g-Moll 3. Mittagskonzert Freitag, 26. April 2019 12.15 Uhr, Tonhalle Modestas Pitrenas, Leitung Wolfgang Amadeus Mozart Sinfonie Nr. 40 g-Moll KV 550 Der Eintritt umfasst Konzert und anschliessenden Buffet-Lunch des Restaurants CONCERTO.

Werke aus und im Geiste der Romantik: Chefdirigent Modestas Pitrenas dirigiert dieses romantische Kaleidoskop, der junge ukrainische Pianist Antonii Baryshevskyi, Gewinner des Arthur-Rubinstein-Klavierwettbewerbs von 2014, interpretiert das 1. Klavierkonzert von Felix Mendelssohn Bartholdy. Das 1. Klavierkonzert g-Moll op. 25 von Felix Mendelssohn Bartholdy und Robert Schumanns Ouvertüre zu seiner einzigen Oper Genoveva bilden die beiden romantischen «Säulen» in diesem Programm. Dass sich seine Ouvertüre zu Genoveva auch «allein einer günstigen Aufnahme erfreuen wird», ahnte Schumann bereits bei der Komposition in den Jahren 1847 und 1848. Er schrieb die Ouvertüre als Erstes und liess sie zeitgleich mit der Premiere drucken. Im Gegensatz zur Oper, die im ständigen Repertoire bis heute nicht richtig Fuss fassen konnte, gehört die Ouvertüre als eigenständiges Werk zu den beliebtesten Konzertouvertüren Schumanns. In die Zeit der Arbeit an Genoveva fiel der plötzliche Tod eines engen Freundes. Felix Mendelssohn Bartholdy verstarb am 4. November 1847 im Alter von

Mit grosszügiger Unterstützung Freundeskreis Sinfonieorchester St.Gallen

Von zwei Seiten betrachtet Mit den weiteren Werken im Programm des 9. Tonhallekonzerts wird die Musik aus der Zeit Mendelssohns und Schumanns aus zwei unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet: Aus dem 20. Jahrhundert mit der Trauermusik in memoriam Béla Bartók des polnischen Komponisten Witold Lutosławski, die in ihrer expressiven Ausdruckskraft Musik ganz im Geiste der Romantik ist. Noch im ausgehenden 18. Jahrhundert komponiert, nahm der jung verstorbene Wolfgang Amadeus Mozart mit seinen drei letzten Sinfonien Nr. 39–41 die neue Epoche stilistisch wie emotional genialisch voraus. In der mittleren, der dunkel-drängenden Sinfonie in g-Moll KV 550 entdeckte Alfred Einstein «Stürze in Abgründe der Seele, aus denen nur Mozart selber wieder auf den Weg der Vernunft finden konnte.» Eine der wichtigsten Auszeichnungen Solist in Mendelssohns 1. Klavierkonzert ist der Ukrainer Antonii Baryshevskyi. Er konnte 2014 den Arthur-Rubinstein-Klavierwettbewerb gewinnen, eine der wichtigsten Auszeichnungen für dieses Instrument überhaupt. Im selben Jahr entschied Baryshevskyi auch den Prix du Piano Interlaken Classics für sich, und im Mai 2016 begeisterte er das St.Galler Publikum mit seiner Interpretation der Paganini-Variationen von Sergei Rachmaninow. Martha Argerich, die «Grande Dame» des Klaviers, kennt Baryshevskyi aus ihrem «Progetto» in Lugano und sagt über ihn: «Baryshevskyi hat etwas Besonderes, das besondere Talent.» (ff)

Antonii Baryshevskyi ist am 28 . April wieder in der Tonhalle zu hören.

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nur 38 Jahren. «Einer der verehrungswürdigsten Künstler», so Schumann über den hochgeschätzten Komponisten. Mendelssohns 1. Klavierkonzert von 1831 steht in der dramatischen Tonart g-Moll und trägt alle Züge eines romantischen Werkes. Der Grundcharakter ist stürmisch (der 1. Satz ist mit Molto allegro con fuoco überschrieben!), da gibt es fliegende Sechzehntel im Klavier, es werden entlegene Tonarten aufgesucht, Bläserfanfaren geschmettert – aber es finden sich auch sehnsuchtsvolle, melancholische Momente: Ein inniges mendelssohnsches «Lied ohne Worte» bildet den Mittelsatz, der ganz von den satt-dunklen Farben von Fagott, Horn und tiefen Streichern lebt.


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Wir sind Theater #8 Auftrag: Herumstehen

Auch sie werden angestrahlt, aber nicht von begeisterten Theaterbesuchern. Wenn der Applaus tost, ist ihre Arbeit längst getan. Die Beleuchtungsstatisten stehen, liegen oder sitzen stundenlang auf der Bühne und helfen dem Lichtdesigner, das optimale Licht zu finden. Aus dem Dunkel und der Stille des Zuschauerraums klingt eine Stimme. «Gut, jetzt Takt 18.» Es bleibt ruhig, höchstens ein Tuscheln oder Murmeln im Dunkel. Auf der Bühne stehen einige schwarz gekleidete Figuren, eine von ihnen hat ein Buch in der Hand. Hin und wieder huscht der Strahl eines Scheinwerfers über die Bühne, die Intensität und Farbe des Lichts wechselt. Dann eine Anweisung aus dem Dunkeln: «Petra, stell dich mal auf die Würfel links!» So geht es weiter, den ganzen Morgen. Es ist Probe für die Oper L’elisir d’amore, aber eine ganz spezielle Probe: Beleuchtungsprobe. Diese dient dem Regisseur, dem Lichtgestalter und dem Ausstatter dazu, das Licht auf der Bühne minutiös und Szene für Szene aus-

probieren zu können, bis die optimale Ausleuchtung von Kulissen und Darstellern gefunden ist. Es ist der grosse Auftritt der Beleuchtungsstatisten und Beleuchtungsstatistinnen. Insgesamt umfasst die Beleuchtungsstatisterie am Theater St.Gallen 13 Personen: Brigitta Beglinger, Heidy Bosshard, Vroni Bregenzer, Markus Bühler, Rita Duwendag, Jeannine Feldmann, Walter Geissberger, Margrit Hug, Silvia Lambeau, Kurt Merz, Petra Schneider, Charlotte Zischeck und Pady Zlatanovski. An diesem Morgen für L’elisir d’amore sind vier von ihnen im Einsatz, der Bedarf variiert je nach Produktion. Die Probe hat schon um 8 Uhr begonnen und dauert bis 12 Uhr, am Nachmittag geht es von 13.30 bis 18 Uhr weiter. In der Pause erzählen Margrit Hug, Petra Schneider, Markus Bühler und Pady Zlatanovski von ihrer nicht gerade alltäglichen Arbeit. «An der Beleuchtungsprobe vertreten wir die Sänger und Schauspieler, wir stellen uns an den Positionen auf, an denen die Künstler in der Vorstellung agieren», erläutert Margrit Hug, die pensioniert ist und als einzige bei der Ausleuchtung von allen Produktionen mitmacht. Etwa 300 bis 400 Stunden verbringt sie so auf der Bühne. Stehend, sitzend, liegend, kniend. Wartend. Natürlich könne das langweilig sein, sagen die vier. Aber sie machen es im Interesse der Sache; die meisten waren zuvor im Chor oder als Statisten

Herumsitzen und -stehen für das optimale Licht: Beleuchtungsstatisten Markus Bühler, Margrit Hug, Pady Zlatanovski und Petra Schneider (von links).

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bei Vorstellungen im Einsatz. Die Beleuchtungsstatisterie sei eine Gelegenheit, mit der Theaterwelt weiter verbunden zu bleiben. Es braucht also Geduld, um dem Lichtdesigner zum richtigen Licht zu verhelfen. Und es braucht ein paar Dinge, die zu beherzigen sind. «Man muss immer nach vorne ins Publikum schauen – wie es die Interpreten dann auch tun», sagt Markus Bühler. Man muss neutrale schwarze Kleidung tragen. Lesen geht als Zeitvertreib, Telefonieren und am Tablet hantieren dagegen nicht, weil diese elektronischen Geräte das Licht verfälschen. Das wichtigste aber ist ganz einfach: Freude am Theater und an der Aura des Theaters. Und Ausdauer. Manchmal kann das Herumstehen oder -liegen sogar richtig anstrengend werden. Vor allem an den Festspielen, wenn die Beleuchtungsproben nach dem Einnachten beginnen und manchmal bis morgens um sechs Uhr dauern. «Da kann es ganz schön frisch werden, sodass man sich schon mal in Thermowäsche oder Skianzug stürzt», sagt Markus Bühler. Aber es gibt auch poetische Momente. «Am schönsten ist es, wenn nach einer langen Festspielprobe am Morgen im Klosterhof die Amseln zu pfeifen beginnen», sagt Margrit Hug. (bh)


April

Di 09 20 Uhr

sterben helfen

Schauspiel von Konstantin Küspert frei, LOK

Do 11 20 Uhr

Mo 01

ZUM LETZTEN MAL 19.30 – 22.20 Uhr Einführung um 19 Uhr

Norma

Oper von Vincenzo Bellini Abo VB-C | frei, Grosses Haus Unterstützt von Bank Julius Bär

Di 02 ZUM LETZTEN MAL 19.30 – 21.45 Uhr Einführung um 19 Uhr Der unsterbliche Kaschtschei/

Die Nachtigall

Opern von Nikolai Rimski-Korsakow und Igor Strawinsky Abo MuA | VBK-3 | frei, Grosses Haus Unterstützt von Bank Julius Bär

sterben helfen

Schauspiel von Konstantin Küspert frei, LOK

Fr 12

PREMIERE 19.30 Uhr

Komödie von Anton Tschechow in der Übersetzung von Thomas Brasch Abo PP | P | frei, Grosses Haus

Sa 13

12 Uhr

Tanzstück von Felix Landerer Eintritt frei, LOK

19.30 – 22.10 Uhr

KONZERT 19.30 Uhr

Mendelssohn Elias Oratorienchor St.Gallen, Sinfonieorchester St.Gallen, Leitung: Uwe Münch frei, Kirche St. Laurenzen

20 Uhr

Schauspiel von Konstantin Küspert frei, LOK

Der Kirschgarten

Öffentliche Probe: Coppél-A.I.

Priscilla – Königin der Wüste

Musical von Stephan Elliott und Allan Scott Abo Sa | MuB | frei, Grosses Haus Unterstützt von St. Galler Kantonalbank, Zürich Versicherungs-Gesellschaft, Coop Genossenschaft, Implenia, Hirslanden Klinik Stephanshorn, Tagblatt Medien

Mi 03 Do 04

19.30 – 21.50 Uhr Einführung um 19 Uhr

PREMIERE 20 Uhr

So 14 17 Uhr

Schauspiel von Konstantin Küspert frei, LOK

Schauspiel von Konstantin Küspert frei, LOK

Fr 05

19.30 – 22 Uhr

19.30 – 22.10 Uhr

KONZERT 17.30 Uhr

Mendelssohn Elias Oratorienchor St.Gallen, Sinfonieorchester St.Gallen, Leitung: Uwe Münch frei, Kirche St. Laurenzen

Di 16

19.30 – 22.10 Uhr

20 Uhr

Schauspiel von Konstantin Küspert frei, LOK

Mi 17

19.30 Uhr

Sa 06

L'elisir d'amore

Oper von Gaetano Donizetti Abo VB-B | frei, Grosses Haus Unterstützt von Bank Julius Bär, Martel AG 19.30 – 22 Uhr

Hello, Dolly!

Musical von Jerry Herman und Michael Stewart Abo VB-A | frei, Grosses Haus Unterstützt von Zürich Versicherungs-Gesellschaft, Coop-Genossenschaft, Implenia Schweiz, Hirslanden Klinik Stephanshorn, Tagblatt Medien

sterben helfen

Hello, Dolly!

Musical von Jerry Herman und Michael Stewart Abo Fr | frei, Grosses Haus Unterstützt von Zürich Versicherungs-Gesellschaft, Coop-Genossenschaft, Implenia Schweiz, Hirslanden Klinik Stephanshorn, Tagblatt Medien 19.30 – 22.10 Uhr

Priscilla – Königin der Wüste

Musical von Stephan Elliott und Allan Scott frei, Grosses Haus Unterstützt von St. Galler Kantonalbank, Zürich Versiche- rungs-Gesellschaft, Coop Genossenschaft, Implenia, Hirslanden Klinik Stephanshorn, Tagblatt Medien KONZERT 21 Uhr

More Ballads and more

Late Night Music | String Quartet meets Jazz Quartet - again! frei, LOK Unterstützt von Jutta Marxer Stiftung

So 07 11 Uhr Matinee: Der Kirschgarten Einführung in die Komödie von Anton Tschechow Eintritt frei, LOK

FAMILIENVORSTELLUNG 14.30 – 16.50 Uhr Familieneinführung um 14 Uhr

L'elisir d'amore

Oper von Gaetano Donizetti Abo VBK-1 | frei, Grosses Haus Unterstützt von Bank Julius Bär, Martel AG

Palmsonntagskonzert

sterben helfen

sterben helfen

Priscilla – Königin der Wüste

Musical von Stephan Elliott und Allan Scott Abo SoA | frei, Grosses Haus Unterstützt von St. Galler Kantonalbank, Zürich Versiche- rungs-Gesellschaft, Coop Genossenschaft, Implenia, Hirslanden Klinik Stephanshorn, Tagblatt Medien

Palmsonntagskonzert

Priscilla – Königin der Wüste

Musical von Stephan Elliott und Allan Scott Abo MuA | VBK-3 | frei, Grosses Haus Unterstützt von St. Galler Kantonalbank, Zürich Versicherungs-Gesellschaft, Coop Genossenschaft, Implenia, Hirslanden Klinik Stephanshorn, Tagblatt Medien

sterben helfen

Der Kirschgarten

Komödie von Anton Tschechow in der Übersetzung von Thomas Brasch Abo Mi-G | S-Mi | frei, Grosses Haus

25


20 Uhr

Schauspiel von Konstantin Küspert frei, LOK

sterben helfen

Do 18 KONZERT 19.30 Uhr

Schweizer Jugend-Sinfonie-Orchester

Mozart Bruckner frei, Tonhalle

Di 23

19.30 – 21.50 Uhr Einführung um 19 Uhr

L'elisir d'amore

Oper von Gaetano Donizetti Abo Di | CTV | frei, Grosses Haus Unterstützt von Bank Julius Bär, Martel AG

Mi 24 19.30 – 22 Uhr Der nackte Wahnsinn Komödie von Michael Frayn Abo VB-B | frei, Grosses Haus Do 25

19.30 – 21.50 Uhr Einführung um 19 Uhr

20 Uhr

Schauspiel von Konstantin Küspert frei, LOK

L'elisir d'amore

Oper von Gaetano Donizetti Abo KV | frei, Grosses Haus Unterstützt von Bank Julius Bär, Martel AG

sterben helfen

19.30 – 22.10 Uhr

Priscilla – Königin der Wüste

Musical von Stephan Elliott und Allan Scott frei, Grosses Haus Unterstützt von St. Galler Kantonalbank, Zürich Versiche- rungs-Gesellschaft, Coop Genossenschaft, Implenia, Hirslanden Klinik Stephanshorn, Tagblatt Medien

So 28 11 Uhr

Matinee: L'incoronazione di Poppea

Einführung in die Oper von Claudio Monteverdi Eintritt frei, Foyer

14.30 Uhr

ZUM LETZTEN MAL 17 Uhr

Schauspiel von Konstantin Küspert frei, LOK

KONZERT 17 Uhr Einführung um 16 Uhr

Der Kirschgarten

Komödie von Anton Tschechow in der Übersetzung von Thomas Brasch Abo SoN-A | frei, Grosses Haus

sterben helfen

Wahlverwandtschaften

Perspektiven der Romantik | 9. Tonhallekonzert Abo So | frei, Tonhalle Unterstützt von Freundeskreis Sinfonieorchester St.Gallen

Fr 26 KONZERT 12.15 Uhr

Mozart g-Moll

19.30 Uhr Einführung um 19 Uhr

Komödie von Anton Tschechow in der Übersetzung von Thomas Brasch Abo Fr | frei, Grosses Haus

20 Uhr

Schauspiel von Konstantin Küspert frei, LOK

3. Mittagskonzert MK | frei, Tonhalle Unterstützt von Freundeskreis Sinfonieorchester St.Gallen

Der Kirschgarten

sterben helfen

Sa 27 11 – 12 Uhr

Öffentliche Führung

frei, Grosses Haus

11.30 Uhr

Einführung in das Tanzstück von Felix Landerer Eintritt frei, LOK

Mai

Matinee: Coppél-A.I.

Do 02 URAUFFÜHRUNG 20 Uhr

Coppél-A.I.

Tanzstück von Felix Landerer frei, LOK Unterstützt von Hedy Kreier, St.Gallen

Fr 03 19 Uhr

Dramenprozessor 2018/2019

Werktstatt für szenisches Schreiben | Abschlusspräsentation frei, LOK

Külling Optik AG Poststrasse 17 9001 St.Gallen Tel. 071 222 86 66 www.kuelling.ch

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19.30 Uhr

Sa 04

19.30 – 21.50 Uhr Einführung um 19 Uhr

20 Uhr

Tanzstück von Felix Landerer frei, LOK Unterstützt von Hedy Kreier, St.Gallen

Der Kirschgarten

Komödie von Anton Tschechow in der Übersetzung von Thomas Brasch Abo S-Fr | frei, Grosses Haus

L'elisir d'amore

Oper von Gaetano Donizetti Abo Sa | MuB | O | frei, Grosses Haus Unterstützt von Bank Julius Bär, Martel AG

BRUNCH

Coppél-A.I.

für die besten Mamas der Welt Sonntag, 12. Mai 2019

So 05 KONZERT 17 Uhr

12.00 - 15.00 Uhr

Mozart Schostakowitsch

Sonntags um 5 | Kammermusik So um 5 | frei, Tonhalle Unterstützt von Freundeskreis Sinfonieorchester St.Gallen

19.30 – 22 Uhr

Hello, Dolly!

Musical von Jerry Herman und Michael Stewart Abo SoA | SG-So | frei, Grosses Haus Unterstützt von Zürich Versicherungs-Gesellschaft, Coop-Genossenschaft, Implenia Schweiz, Hirslanden Klinik Stephanshorn, Tagblatt Medien

59.00 CHF pro Person Lassen Sie sich von einem reichhaltigem Brunchbuffet mit einer grossen Auswahl von kalten und warmen Speisen verwöhnen. Im Preis inklusive sind verschiedenste Kaffespezialitäten, sowie Wasser und diverse Säfte. Geniessen Sie bei uns die wichtigste Mahlzeit des Tages und verbringen Zeit mit Ihren Liebsten.

Di 07 20 Uhr

Radisson Blu Hotel, St. Gallen St. Jakob-Strasse 55,9000 St. Gallen Reservierungen unter: +41 (0)71 242 12 27

Coppél-A.I.

Tanzstück von Felix Landerer frei, LOK Unterstützt von Hedy Kreier, St.Gallen

Fr 10 19.30 Uhr

Der Kirschgarten

Komödie von Anton Tschechow in der Übersetzung von Thomas Brasch Abo M-Fr | frei, Grosses Haus

KONZERT 19.30 Uhr

Musik aus Armenien | Meisterzyklus grenzenlos! Abo MZ | frei, Tonhalle Unterstützt von Jutta Marxer Stiftung

20 Uhr

Tanzstück von Felix Landerer Abo Fr | Tanz | frei, LOK Unterstützt von Hedy Kreier, St.Gallen

Grenzenlos!

Coppél-A.I.

Unsere Vorstellungen und Konzerte werden ermöglicht durch:

Tickets theatersg.ch / sinfonieorchestersg.ch kasse @ theatersg.ch / Telefon 071 242 06 06 Billettkasse Montag bis Samstag 10 – 19 Uhr, Sonntag 10 – 12 . 30 Uhr Abendkasse jeweils eine Stunde vor der Veranstaltung

Vorverkauf am VBSG -Schalter im Rathaus St.Gallen, Montag bis Freitag 8 – 18 . 30 Uhr

Hotline Ticketportal Telefon 0900 325 325 ( CHF 1 . 19 /Min. ab Festnetz) Ihr Billett ist auch Ihr Busticket Konzert- und Theatertickets gelten als öV-Fahrausweis in der Ostwind-Zone 210 .

Impressum Herausgeber: Theater St.Gallen / Sinfonie­o rchester St.Gallen Redaktion: Beda Hanimann (bh) Autorinnen und Autoren: Marius Bolten (mb); Armin Breidenbach (ab); Caroline Damaschke (cd); Mario Franchi (mf); Franziska Frey (ff); Anja Horst (ah); Stefan Späti (sts) Design: TGG Hafen Senn Stieger, St.Gallen Produktion: Ostschweiz Druck AG , 9300 Wittenbach / Inserate: BB Art Service, 071 278 63 66 / Auflage: 6000 Stück / 25 . Jahrgang ISSN 1421 - 0266 Bitte richten Sie Ihre Adressänderungen an info @ theatersg.ch oder Tel. 071 242 05 05

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Hofstetstrasse 14

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9300 Wittenbach

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Aufmerksame Gedruckte Kultur. Aufmerksame Zuhรถrer. Zuhรถrer.

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Terzett April 2019  

Monatsmagazin Konzert und Theater St.Gallen

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