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SAISON 2017/18

IST ES AM SCHÖNSTEN.

Musik, Geschichten und mehr mit dem KONZERTHAUSORCHESTER BERLIN und unseren Gästen.


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ARTIST IN RESIDENCE Cameron Carpenter im Interview GÄNSEHAUT-ERLEBNIS Was das Publikum live am schönsten fand

KONZERTHAUS DIGITAL Entdecken Sie das virtuelle Konzerthaus per App Junior Musikalische Vielfalt für den Nachwuchs

Hommage an „Slawa“ Rostropowitsch Ein Fest für den Jahrhundertcellisten und Dirigenten Konzerthausorchester Berlin Der Klang Berlins

Wussten Sie schon, dass … Nützliches Smalltalk-Wissen für die Konzertpause Festival Baltikum Entdecken Sie drei Musikkulturen

Brahms-Marathon Ein ganzer Tag mit dem Komponisten ZUR ZUKUNFT DES KUNSTLIEDS Ausgeliebt und ausgewandert?

Vormerken Insidertipps aus dem Haus zur neuen Saison

64 Konzerthaus Team 66 Pech und Pannen 79 Impressum 80 Rückblick auf die Saison 2016/17

On most of our pages, you can find short summaries in English.


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Liebes Konzerthaus Publikum, ein von morgens bis nachts geöffnetes Pause zu Iván Fischer, um noch einige Geige daneben am Bühnenrand sitzend, Konzerthaus, das Menschen rund um die Stellen zu besprechen. Als sie ins Chefdiri- beide offen und einander in musikalischer Uhr mit klassischer Musik in Bann zieht genten-Zimmer trat, saß er am Klavier. Sie Freundschaft ganz zugewandt. und deren Reichtum und Vielfalt durch kannte das Stück nicht und auf ihre Frage Auch unser aktueller Artist in Resiganz unterschiedlich gestaltete Konzerte nach dem Urheber antwortete Fischer: dence Cameron Carpenter ist solch ein erlebbar macht – daran arbeiten wir seit inspirierter und inspirierender Künstler, vielen Jahren mit großem Enthusiasmus. der neue Wege geht, um der Orgel als Morgens kommen Schulklassen in „Königin der Instrumente“ ihre Krone wiedie Proben des Konzerthausorchesters, deraufzusetzen. In dieser Saison ehren wir am Wochenende starten wir den Sonntag außerdem einen Musiker, dessen Schaffen mit einer Matinee, am frühen Nachmittag nicht nur auf sein Instrument eine enorme gibt es die schon längst nicht mehr als Auswirkung hatte, sondern darüberhinGeheimtipp gehandelten Espressokonzerte. aus auf die Musikgeschichte: Kaum einem Abends dann öffnen sich die Saaltüren für Interpreten wurden so viele Werke gewiddie großen Abonnementkonzerte, oft gemet wie „Slawa“ Rostropowitsch. Sein folgt von Nach(t)gesprächen mit Künstlern Leben lang hat er Komponisten inspiriert oder von den beliebten Late-Night-Konund Kompositionen in Auftrag gegeben. zerten in unserem Werner-Otto-Saal. Ihm widmen wir im November 2017 unse Natürlich lässt sich klassische Musik re zehntägige Hommage samt Ausstellung auf CD auch gemütlich zuhause vom Sofa und Festschrift. aus genießen. Aber der ganz besondere „Wege entstehen beim Gehen“ – Moment, die Sternstunde, wenn dem Pubin diesem Sinne freue ich mich auf viele likum der Atem stockt und es mit dem gemeinsame Erlebnisse mit Ihnen! Künstler auf der Bühne eine Einheit bildet, dieser Moment kann nur live entstehen. „Es stammt von mir, spiel mit!“ Auf diese Diese speziellen Augenblicke entstehen spontane Weise kamen die Ragtime-, Ihr oft, wenn Künstler mit Gespür für das Tango- und Bossa Nova-Zugaben des Außergewöhnliche etwas Überraschendes Abends zu Stande, bei denen Solistin und wagen. Wie die Geigerin Patricia KopatDirigent auch ein unvergessliches Bild chinskaja, die unser Artist in Residence abgaben: Iván Fischer am rasch hereingeder Saison 2016/17 war: Bei den Proben zu rollten Klavier im Parkett, Patricia Kopat- Sebastian Nordmann Schumanns Violinkonzert ging sie in der chinskaja, wie immer barfuß mit ihrer Intendant des Konzerthaus Berlin


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Pa rt n er

Wir bedanken uns herzlich bei unseren Förderern, Partnern und Freunden, deren langjähriges und anhaltendes Engagement für das Konzerthaus Berlin wir gar nicht genug wertschätzen können.

PremiumPartner

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Tournee- und Logistikpartner Official Airline

Logenpartner

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Partner der Orchester-Akademie beim Konzerthaus e.V.

Ein individuell abgestimmtes Angebot für eine Partnerschaft erarbeiten wir gerne gemeinsam mit Ihnen. Bitte kontaktieren Sie die Abteilung Development am Konzerthaus Michaela Krauß/Kristin Westermann unter development@konzerthaus.de


Z u k u n f t Kon z e rt h au s e .V.

Als Förderverein Zukunft Konzerthaus haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, das Konzerthaus Berlin vor allem im Bereich der Musikvermittlung zu unterstützen. Hierzu gehören unter anderem Projekte für Kinder und Jugendliche sowie Stipendien für Nachwuchstalente. Wir bedanken uns herzlich bei unseren Förderern und Freunden: MÄZENin Inga Maren Otto (Ehrenkuratorin) KURATOREN Chefdirigent Iván Fischer, Christoph Beck, Sandra Maischberger, Dr. Lore Maria Peschel-Gutzeit, Maria-Theresia Piepenbrock, Bernd Schiphorst, Boris Schucht, Prof. Dr. Dr. h. c. Günter Stock, Klaus von der Heyde, Georg Graf Waldersee Unternehmensförderer & Institutionen degewo, Deutsche Lufthansa, Dimicare Anneliese Langner Stiftung, Ernst & Young, Groth Gruppe, Graphic Center, Hilton Berlin, Lutter & Wegner am Gendarmenmarkt, Mosaik-Services Integrationsgesellschaft, Schering Stiftung, Siemens, WeihnachtsZauber Gendarmenmarkt Donatoren Catherine von Fürstenberg-Dussmann, Maria-Theresia Piepenbrock FÖRDERER Hanjo Arms, Christine von Arnim, Gerhard Baade, Dr. Helmut & Ute Becker-Roß, Anja & Dr. Peter Behner, Giselbert & Alexandra Behr, Udo Beßer, Frank Bielka, Dr. Matthias Bloechle & Dr. Silke Marr, Dr. Dieter & Elisabeth Boeck, Dr. Diethard & Gabriele Bühler, Angelika Bürkle-Vonderschmidt, Marianne Esser, Georg Ewald, Renata Fackler, Sibylle & Dr. Tom Fischer, Prof. Dr. Dieter Flämig, Jochen Frieser, Dr. Ottokar & Petra Hahn, Dr. Joachim Heitsch, Magdalena Hetzer, Klaus & Ingrid von der Heyde, Kristina Jahn, Thomas Jakstadt, Johannes R. & Christine Jeep, August von Joest, Sven John, Doris Leistenschneider, Angelika & Peter Lennartz, Soline Levy & Eran Gartner, Dieter Lorenz, Peter Nagel, Ralf Neukirchen & Hannelore Bernett, Hans-Eike von Oppeln-Bronikowski, Jürgen Persch, Ulrich Plett & Astrid Moix, Carlotta von Plettenberg, Dr. Michael & Gabriele Rogowski, Ingrid Roosen-Trinks & Helmut Trinks, Prof. Dr. Eberhard Röseler, Philipp Graf & Alexandra Gräfin Schack, Bernd Schultz & Mary Ellen von Schacky-Schultz, Christina & Norbert Strecker, Dr. Christian R. & Marlene Supthut, Inge Weiß, Dr. Dietrich Wesemann, Prof. Dr. Gerhardt Wolff, Nikolaus Ziegert Vorstand Gabriele Bühler, Johannes R. Jeep, Ulrich Plett

Um weitere Informationen zu den vielfältigen Möglichkeiten Ihres Engagements zu erhalten, wenden Sie sich bitte an: Stefanie Schadow, Leiterin Geschäftsstelle Zukunft Konzerthaus e. V., zukunft@konzerthaus.de

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Mein Live-moment

WENN ES DICH GANZ UNERWARTET TRIFFT.

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Artist in Residence

Cameron Carpenter, Artist in Residence


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enn man das O-Wort ausspricht, entsteht hinter jeder Stirn das gleiche Stereotyp, sagt Cameron Carpenter – ganz egal, wo auf der Welt das Gespräch auf Orgeln und Organisten kommt. Mit außergewöhnlicher Musikalität, nahezu grenzenloser technischer Fertigkeit, Pioniergeist unter anderem bei der Planung seiner digitalen International Touring Organ und viel Sinn für den dramatischen Auftritt überwindet der Amerikaner jedes Imageproblem seines Instruments und kultiviert eine weltweite Anhängerschaft. Wir freuen uns sehr, ihn in der Saison 2017/18 als Artist in Residence mit zehn Konzerten im Konzerthaus willkommen zu heißen.

„Weil es live am schönsten ist“ heißt es bei uns in der Saison 2017/18. Was ist für dich am reizvollsten daran, live auf einer Bühne zu spielen? Ich weiß gar nicht, ob das so reizvoll ist. [Lacht] Manchmal natürlich schon. Doch ob es nun reizvoll ist oder nicht, es ist immer lohnend. Musik und die Aufführung von Musik haben viel mit Autorität und Authentizität zu tun. Die einzig wahre Authentizität besteht für mich in der Aufrichtigkeit meiner Darbietung für den Hörer. Bei Live-Auftritten kommt es hier vor allem auf die Spontaneität an. Wenn du die International Touring Organ spielst, bist du dem Publikum viel näher, als es Organisten normalerweise sind. Ist das für dich wichtig? Mein Konzept der International Touring Organ und ihres Spieltisches ist nicht so sehr, mit dem Publikum zu verschmelzen, sondern eine räumliche Trennung zwischen mir und der Orgel herzustellen. Wenn man dicht vor einer traditionellen europäischen Orgel sitzt, kann man sie nicht besonders gut hören. Das wird umso schwieriger, je größer das Instrument ist. Man ist dann weder gedanklich noch akustisch Teil des Publikums und kann sich folglich auch im Spiel nicht darauf beziehen. Ich fand es immer besser, mit dem Rücken zum Publikum zu sitzen, so lässt sich am ehesten eine Verbindung herstellen. Das ist keine Abkehr, sondern vielmehr eine Orientierung in seine Richtung. So kann uns die Musik alle zur gleichen Zeit erreichen. Manche Musiker bezeichnen ihr Instrument gern als ihre „Stimme“. Wie würdest du die Beziehung zu deinem Instrument charakterisieren? Ganz allgemein betrachtet ist die Orgel für mich ein metaphysisches Symbol für Systeme, die weit über die Musik hinausgehen und in direkter Weise mit der Struktur der natürlichen Ordnung der Welt verbunden sind. In gewisser Weise bildet die Orgel die Erfahrung eines Menschen nach, der sich beim Blick in den Sternenhimmel nicht klein vorkommt, sondern eine tiefe Verbundenheit erlebt. Die International Touring Organ hat 186 Register, die


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Artist in Residence

Zahl der möglichen Kombinationen ist mindestens 191 Ziffern lang. Das ist eine riesige Zahl – viel mehr, als ich jemals werde ausprobieren können. Als Orgelspieler begreift man, dass man irgendwie akzeptieren muss, nur einen ganz winzigen Teil des Instruments jemals erfahren zu können. Welchen Einfluss hat diese Erkenntnis auf die Musik, die du spielst? Gar keinen. Meine Entscheidungen beruhen zum größten Teil auf meinen Vorlieben, dem, was ich aus einem beinahe kindlichen Gefühl heraus mag oder nicht mag. Musik besteht aus einer Reihe von Entscheidungen. Wenn sich diese Entscheidungen nicht vollkommen auf das eigene Gefühl stützen, sondern zum Beispiel darauf, was man über die Spielpraxis früherer Zeiten weiß oder zu wissen glaubt, haben sie für mich eigentlich keinen Wert. Das macht mich eben zum Punk und wird mich immer zum Punk machen, ganz unabhängig von meinem Äußeren. Wenn du mit klassischen Musikern spielst, dann fast immer mit einem Orchester, nicht mit Solisten. Die traditionelle Orgel ist ein Instrument, das mit Leichtigkeit selbst ein ganzes Sinfonieorchester plattwalzt. Wahrscheinlich sind Dirigenten deshalb in meiner Nähe immer ein wenig nervös. Die Orgel kennt praktisch keine Zwischentöne, nur totale Beherrschung und totale Unterwerfung. Aber wirkliches Zusammenspiel kann es in einem dominant-devoten Umfeld nicht geben. Ich benutze diese Ausdrücke mit Bedacht. Die Spannung von Beherrschung und Unterwerfung – deren Ursprung natürlich sexueller Natur ist – gehört für mich untrennbar zur Orgel. Ich glaube, das hat mit dem binären Aspekt des Instruments zu tun, denn jede noch so kleine Entscheidung des Organisten erfordert totale Hingabe. Die Orgel kennt nur Ja oder Nein.

Könntest du uns etwas mehr über die Bedeutung der International Touring Organ sagen? Gutes Orgelspiel beruht ganz wesentlich auf der Überwindung der physischen Welt, verlangt sie geradezu. Die große Ironie liegt nun darin, dass die Orgel wie kein anderes Instrument der physischen Welt verhaftet ist. Deshalb sehe ich in der Transzendierung der physischen, mechanischen Orgel durch die digitale Orgel einen ganz entscheidenden Durchbruch. Sie hat mir künstlerische Erfahrungen, vor allem aber eine Entwicklung meiner Spielmöglichkeiten eröffnet, die ich auf der Pfeifenorgel nicht hätte machen können. Ich betone den transzendenten Aspekt, weil ich so ziemlich der letzte bin, der die Ansicht vertritt, das Publikum müsse auch nur das geringste Verständnis von dem haben, was eine Orgel ist. Es muss nicht wissen, was eine Orgel ist oder sie überhaupt bewusst wahrnehmen. Natürlich nimmt das Publikum die Orgel wahr, schließlich ist dieses Instrument, mein Instrument, ziemlich gewaltig. Aber für die Erfahrung im Allgemeinen ist die Orgel absolut irrelevant. Was planst du für deine Residency, worauf freust du dich? Ich hoffe, im Zusammenspiel mit anderen und vom Programm her einiges bieten zu können, das wirklich aus dem Rahmen fällt. Dass die International Touring Organ nun in kurzem zeitlichen Abstand mehrfach am selben Ort aufgebaut wird, macht es möglich, sie auch einmal wie eine Dauereinrichtung zu erleben. Das ist wirklich etwas sehr Besonderes. Seit fünf Jahren komme ich nun immer wieder nach Berlin. Die Residency bietet mir eine großartige Gelegenheit, meine musikalische Beziehung zu dieser Stadt sozusagen erneut hochzufahren. Übersetzung aus dem Englischen: Thomas Wollermann

Wie steht es denn heutzutage um die Orgel? Oft höre ich die Frage: „Glaubst du, dass die Orgel ein sterbendes Instrument ist?“ Die Orgel ist schon seit Jahrzehnten tot, vielleicht schon seit Ende der 1970er Jahre. Die meisten Orgelaufführungen in Konzertsälen werden heutzutage von anderen Organisten und Orgel-Enthusiasten besucht. Wenn die Orgel lebendig sein will, braucht sie ein Publikum. Ist die International Touring Organ ein Hoffnungsträger für eine Wiederbelebung? Es ist ein Fehler, die digitale Orgel als Revolution zu betrachten. Es handelt sich natürlich um eine äußerst wichtige Evolution, aber keine, die einen Bruch mit der Tradition der Pfeifenorgel darstellt. Sie ist eine logische Erweiterung des Instruments in den digitalen Bereich – die Bedienung der Pfeifenorgel ist ein frühes Beispiel für digitale Kodierung. Alle Orgeln sind digitale Orgeln, weil sie alle binär strukturiert sind!

We are very pleased to welcome the renowned American organist Cameron Carpenter as Artist in Residence for the 2017/18 season. With extraordinary musicality, nearly unlimited technical skill and a strong sense for dramatic performance, the American has overcome all the image problems associated with his instrument while cultivating an international fan base. In 2014, he had the International Touring Organ constructed according to his own designs. He has been playing the digital organ almost exclusively since then, and with it, enjoys a tremendous sense of both logistic and musical independence.


Cameron Carpenter


Cameron Carpenter


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Artist in Residence

Konzerte mit Cameron Carpenter Freitag 08.09.2017 · 20.00 Uhr Konzert zur Saisoneröffnung Konzerthausorchester Berlin Iván Fischer Dirigent CAMERON CARPENTER International

Touring Organ Werke von Johann Sebastian Bach, Gustav Mahler und anderen, transkribiert von Cameron Carpenter Gustav Mahler Sinfonie Nr. 5 cis-Moll Sonntag 29.10.2017 · 20.00 Uhr Organo con stromenti CAMERON CARPENTER JehmlichKleinorgel „Prinzessin“ Mitglieder DES Konzerthaus Kammerorchester BERLIN

Johann Sebastian Bach Konzerte für Orgel und Orchester E-Dur BWV 1053 und A-Dur BWV 1055 sowie Triosonaten für Orgel solo Montag 18.12.2017 · 20.00 Uhr Christmas Concert CAMERON CARPENTER International Touring Organ BRASSONANZ

Werke von Johann Sebastian Bach, Olivier Messiaen, Pjotr Tschaikowsky und Leroy Anderson Sonntag 31.12.2017 · 19.00 Uhr Montag 01.01.2018 · 16.00 Uhr

Kurzbiographie Cameron Carpenter wurde 1981 im USamerikanischen Bundesstaat Pennsylvania geboren. Mit 11 führte er zum ersten Mal Bachs „Wohltemperiertes Klavier“ auf und wurde Mitglied der American Boychoir School. Cameron studierte an der North Carolina School of the Arts Komposition und Orgel und transkribierte über 100 Werke für sein Instrument, darunter Mahlers 5. Sinfonie. Erste eigene Kompositionen entstanden während seiner sechs Jahre an der New Yorker Juilliard School. 2012 erhielt er den Leonard Bernstein Award des Schleswig-Holstein Musik Festival, drei Jahre später den ECHO Klassik als Instrumentalist des Jahres. 2014 ließ er nach eigenen Plänen die International Touring Organ konstruieren. Mit der digitalen Orgel, auf der er seitdem fast ausschließlich spielt, genießt er logistisch und musikalisch enorme Unabhängigkeit. Auf weltweiten Tourneen hat Cameron Carpenter anfängliche Skepsis gegenüber dem Instrument rasch zerstreut und es bereits in vielen wichtigen Konzertsälen erklingen lassen.

KONZERTHAUSORCHESTER BERLIN ALEXANDER SHELLEY Dirigent CAMERON CARPENTER Orgel

Georg Friedrich Händel Konzert für Orgel und Orchester F-Dur HWV 292; „Feuerwerksmusik“ HWV 351 Edward Elgar „Pomp and Circumstance“ op. 39, Marsch Nr. 1 und Nr. 4 Felix Mendelssohn Bartholdy Ouvertüre und Scherzo aus „Ein Sommernachtstraum“ op. 61 Charlie Chaplin „Smile“ (aus dem Film „Modern Times“, 1936) sowie Werke von Eric Coates, Malcom Arnold, Otto Nicolai, Carl Loewe, Benjamin Britten und anderen Donnerstag 12.04.2017 · 20.00 Uhr Unser Artist in Residence empfiehlt Jazz-Konzert mit Organist und Pianist Matthew Whitaker MATTHEW WHITAKER QUARTET

Donnerstag 10.05.2018 · 20.00 Uhr Cameron and friends CAMERON CARPENTER International Touring Organ OLIVIA TRUMMER Gesang LUCAS & ARTHUR JUSSEN Klavier

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Freitag 22.06.2018 · 20.00 Uhr Sonnabend 23.06.2018 · 20.00 Uhr Sonntag 24.06.2018 · 16.00 Uhr KONZERTHAUSORCHESTER BERLIN CHRISTOPH ESCHENBACH Dirigent CAMERON CARPENTER International

Touring Organ Antonín Dvoˇrák „Karneval“ – Ouvertüre op. 92 Sergej Rachmaninow Rhapsodie über ein Thema von Paganini für Klavier und Orchester op. 43, für Orgel und Orchester bearbeitet von Cameron Carpenter Antonín Dvoˇrák Sinfonie Nr. 8 G-Dur op. 88 Sonntag 24.06.2018 · 11.00 Uhr Junior ab 6 – Familienkonzert TonSpur Jahrmarkt der Sensationen KONZERTHAUSORCHESTER BERLIN CHRISTOPH ESCHENBACH Dirigent CAMERON CARPENTER International

Touring Organ MALTE ARKONA Moderation GABRIELE NELLESSEN Konzept


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G ä n s e h a u t - ER L E B NIS

Musikalische Höhepunkte, unerwartete Einblicke und besondere Begegnungen

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ür unseren Intendanten Sebastian Nordmann sind die gemeinsamen Zugaben von Artist in Residence Patricia Kopatchinskaja und Chefdirigent Iván Fischer im Anschluss an ihr Konzert am 11. November 2016 eines seiner schönsten Live-Erlebnisse: „Patricia saß am Bühnenrand, für Iván Fischer war ein Klavier hereingerollt worden. Sie spielten Ragtime, Tango und Bossa Nova – die Chemie stimmte einfach. In dieser Spontanität und Spielfreude war das einmalig.“ Und was sagt unser Publikum?

Gerlinde B. aus Erfurt „Die allergrößte Freude war für mich der Besuch beim ECHO Klassik 2016. Dafür habe ich nämlich zusammen mit meiner Freundin Karten gewonnen. Wir fanden es richtig aufregend, eine solche Veranstaltung einmal nicht nur im Fernsehen zu verfolgen, sondern im festlichen Saal des Konzerthaus dabei zu sein. Alle hatten sich fein angezogen, wir natürlich auch – das macht man ja viel zu selten –, und man konnte so viele Klassikstars auf einmal erleben wie sonst nie. Das ist eine wunderbare Erinnerung.“

Sigrid D. aus Bamberg „Mein schönstes Live-Erlebnis im Konzerthaus Berlin hatte ich in der Reihe Kammerorchester International. Eigentlich bin ich vor allem wegen der Solistin Mitsuko Uchida gekommen, die ja eine begnadete Mozart-Pianistin ist. Doch dann war das Mahler Chamber Orchestra mit seiner ungeheuer dynamischen Interpretation von Béla Bartóks „Divertimento für Streichorchester“ Höhepunkt des Abends. Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Bravo!“

Jörg St. aus Erkner „Um den Dirigenten besser beobachten zu können, hatten wir Plätze in der ersten Reihe des Chorbalkons. Direkt unter uns saß Solo-Tubist Michael Vogt mit seinem großen Instrument. Wir konnten auf sein Notenblatt in der Mitte der aufgeklappten Notenmappe schauen, es verdeckte die Mappen-Innenseiten je zur Hälfte. Auf der linken Mappen-Innenseite konnten wir folgenden unvollständigen Text lesen: ‚Hör ich keinen … scheiß ich auf‘. Irgendwann während des Konzerts verschob er das Blatt auf die rechte Seite der Mappe und ich las nun: ‚Hör ich keinen Bass, scheiß ich auf die Melodie. Hanns Eisler‘.“


Suse und Götz G. aus Hamburg „Wir haben einen Kurztrip nach Berlin extra auf einen Termin von Hope@9pm gelegt, denn wir sind große Fans von Daniel Hope. Dann hatten wir noch das Glück, dass Menahem Pressler bei ihm zu Gast war: Daniel Hope im Gespräch mit diesem feinen alten Herrn, dem er viel verdankt und der nicht nur ein großer Musiker ist, sondern mit über 90 Jahren ja auch ein wichtiger Zeitzeuge. Uns hat menschlich sehr berührt, wie er sich über die kurze Wiedervereinigung seines Beaux Arts Trios gefreut. Als Überraschungsgast kam ja noch der Cellist Antonio Meneses dazu. Eine Sternstunde!“

Daniel, Katja, Kai und Ole M. aus Berlin „Unser tollstes Erlebnis im Konzerthaus war ‚Mittendrin‘. Wir saßen zwischen den Blechbläsern und dem Schlagzeug. Seitdem will unser kleiner Sohn unbedingt Posaune spielen! Er ist aber erst sechs, also hat das wohl noch ein bisschen Zeit. Unser großer Sohn ist neun, der fand den Dirigenten super, weil alle machen, was er anzeigt. Das war ja klar. Uns hat beeindruckt, dass die Musiker überhaupt nicht nervös waren, obwohl man ihnen ganz genau auf die Finger gucken konnte. Und man konnte sehr gut hören, was für ein vertracktes Puzzle so eine Mahler-Sinfonie ist.“

Niklas Sch. aus Potsdam „Bei Goran Bregovic´ neulich hat die Hütte gewackelt, so haben alle getanzt. Ich finde die Klazzik-Konzerte ohnehin richtig gut, aber das war top. Hätte früher nie gedacht, dass die im Konzerthaus mal sowas auf die Bühne bringen. Das war groß. Jederzeit wieder!“


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KON Z ERTHAUS DI G ITA L

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ollten Sie schon immer einmal wissen, wie es sich mitten in unserem Konzerthausorchester anhört? Oder wie es wäre, unserem Chefdirigenten Iván Fischer über die Schulter zu schauen? Im realen Leben wäre das kaum denkbar – im virtuellen Raum dagegen schon. Und wir machen das für Sie möglich. Nach unserem 360°-Video von Mozarts Jupiter-Sinfonie, welches in Kooperation mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin entstanden ist, setzen wir diese Zusammenarbeit fort. Mit dem „Virtuellen Konzerthaus“ haben wir ein dreijähriges, von der Europäischen Union gefördertes Projekt ins Leben gerufen, bei dem unter anderem auch Augmented Reality im Fokus steht. Augmented Reality (AR) bedeutet übersetzt erweiterte Realität und zeigt Ihnen über Ihr Smartphone Zusatzinformationen, die Sie mit bloßem Auge nicht erkennen können. Was das genau bedeutet, können Sie selbst sofort ausprobieren: Folgen Sie der unten stehenden Anleitung und entdecken Sie interaktiv Details unserer Hommage an „Slawa“ Rostropowitsch sowie dessen unverwechselbaren Cello-Klang oder das „Festival Baltikum“ und Facetten der musikalischen Kultur dieser Region.

1. Schritt: Herunterladen Öffnen Sie den App Store (iOS) oder Google Play Store (Android) auf Ihrem Smartphone und suchen nach unserer App „Konzerthaus Plus“. Der Download der App ist kostenfrei.

2. Schritt: Scannen Öffnen Sie die App auf Ihrem Smartphone. Dort werden Ihnen die wichtigsten Funktionen erklärt. Halten Sie die Kamera jetzt über die Bildseite rechts (S. 15). Achten Sie dabei darauf, dass die Seite komplett auf dem Display zu sehen und nicht geknickt ist.


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3. SCHRITT: Entdecken Nicht nur hier, in der gesamten Saisonbroschüre warten mehrere Überraschungen auf Sie. Achten Sie beim Durchblättern auf das nebenstehende Symbol. Entdecken Sie es, können Sie auf dieser Seite „Konzerthaus Plus“ ausprobieren und sich auf Entdeckungsreise begeben.

Sie wollen wissen, was das „Virtuelle Konzerthaus“ sonst noch macht? Dann schauen Sie doch mal auf unserem Blog unter www.virtuelles-konzerthaus.de vorbei!

With the “Virtual Konzerthaus”, the Konzerthaus Berlin has launched a new project sponsored by the European Union. The focus is on music education through modern technological means, such as virtual and augmented reality. Would you like to know how augmented reality (AR) works? In the season brochure, you have several opportunities to test it! Simply download our “Konzerthaus Plus” app free of charge in the App Store and look out for the AR symbol in the brochure. Use the app on these pages and experience a few surprises in the process.

Dieses Projekt wird gefördert aus Mitteln der Europäischen Union (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung).


Ein Autogramm von Cello-Solist Narek Hakhnazaryan fßr den 11-jährigen Ara, der wie er aus Armenien stammt.


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GENERALPROBENBESUCH beim Konzerthausorchester BErlin

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tehen da so viele Pauken, weil mal eine kaputtgehen kann?“ – „Habt ihr euch schon mal richtig schlimm verspielt?“ – „Was passiert, wenn der Solist plötzlich krank wird?“ 200 Schüler aus verschiedenen Berliner Bezirken beim Generalprobenbesuch im Großen Saal und ganz viele Fragen – gern auch nach den Pannen des Musikeralltags. Unsere Musiker haben viele witzige Geschichten und einleuchtende Antworten parat. Dass die Dritt- bis Sechstklässler nachher richtig konzentriert zuhören werden, wenn Cellist Narek Hakhnazaryan im Großen Saal Schostakowitschs Erstes Cello-Konzert spielt, ist dieses Mal auch Friedemann Ludwig und Mark Voermans zu verdanken. Der Solo-Cellist und der Solo-Paukist des Konzerthausorchesters

sitzen mit Musikpädagogin Christine Mellich auf der Bühne im Kleinen Saal und führen mit Projektionen und ihren Instrumenten vor, wie das war, als Dmitri Schostakowitsch das Konzert für den berühmten Meistercellisten Mstislaw Rostropowitsch komponiert hat. Friedemann Ludwig spielt ein bisschen und senkt nach kurzer Zeit den Bogen: „Hier hat er ihm einen lustigen Tanz geschrieben, obwohl ihm eigentlich gar nicht lustig zu Mute war. Kennt ihr das Gefühl?“ Die Kinder wispern, einige nicken. „Ganz schön schräg klingt das, oder? Aber keine Angst, es wird besser.“ Ludwig ist immer wieder erstaunt, erzählt er später, was die Kinder für Fragen stellen und wie sie ausdrücken, was sie schon wissen. Auf die Frage, wozu wohl die F-Löcher im Instrument gut seien, kommt zum Beispiel die Antwort aus dem Saal: „Um das Cello zu lüften, damit es besser klingt.“ Grundschüler und Schostakowitsch, das funktioniert tatsächlich? „Ja, die Moderne fasziniert Kinder oft viel stärker als Beethoven oder Mozart!“ sagt ein erfahrener ehrenamtlicher Betreuer nach der Generalprobe. Ein ganz besonderes Erlebnis war der Tag für Ara – der 11-Jährige kommt aus Armenien, so wie Solist Narek Hakhnazaryan. Stolz zeigt er sein Schulheft, in das der junge Cellist ihm ein Autogramm mit armenischer Widmung geschrieben hat. Er findet toll, dass Narek alles auswendig spielt. Wie kann er sich das ganze lange Stück nur merken? Manches merken sich die Hände und manches die Ohren, sagt Friedmann Ludwig. „Und Narek sagt, man muss schon ganz viel üben“, ergänzt Ara. Die 11-jährige Berenike und ihre 9-jährige Freundin Anna sind derweil die Stuhlreihen entlang gegangen und haben sich die Namen der Stuhlpaten auf den kleinen Schildern hinten an den Lehnen vorgelesen. Sie finden den Großen Saal „wunderschön, wie ein Schloss“, und so einen Stuhl hätten sie auch gern, sagen sie. Darauf sitzt man zu Hause wie im Konzert und muss sich nur noch die Kronleuchter unter der Decke dazudenken.


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Neu bei Junior in der Saison 2017/18

KlangKüken Junior ab 3

Ab sofort kriegen alle Kinder ab 3, die bisher nur ihre älteren Geschwister ins Konzerthaus begleiten konnten, bei uns etwas Eigenes – KlangKüken, die neue Reihe mit der Kiste, die es in sich hat. Aus diesem transportablen Multifunktionsbehältnis entwickeln Musiker und Künstler vier Mal pro Saison von den Jahreszeiten inspirierte kleine Geschichten voller Klänge, Schattenspiel, Bewegung, Tanz und Interaktion. Unser gesamtes Programm für Kinder finden Sie in der Junior-Broschüre 2017/18.

Sonnabend 21.10.2017 und Sonntag 22.10.2017 · 15.30 Uhr · Kleiner Saal Zugvögel oder eine musikalische Reise durch die Lüfte MATTHIAS KADAR Stimme und Gitarre FLORIAN BILBAO Tanz HESTER CNOSSEN Saxophon CHRISTINE MELLICH Konzept und Dramaturgie Sonnabend 09.12.2017 und Sonntag 10.12.2017 · 15.30 Uhr · Werner-Otto-Saal Weihnachtswünsche oder klingendes Geschenkpapier MATTHIAS KADAR Stimme und Gitarre KRISTINA FEIX Objekttheater ANNA VIECHTL Harfe CHRISTINE MELLICH Konzept und Dramaturgie Sonnabend 03.03.2018 und Sonntag 04.03.2018 · 15.30 Uhr · Werner-Otto-Saal Reisefieber oder Rhythmen aus aller Welt MATTHIAS KADAR Stimme und Gitarre MERCEDES APPUGLIESE Tanz JULIUS HEISE Perkussion CHRISTINE MELLICH Konzept und Dramaturgie Sonnabend 05.05.2018 und Sonntag 06.05.2018 · 15.30 Uhr · Werner-Otto-Saal Frühlingsgefühle oder ein Tulpenbeet voller Melodien MATTHIAS KADAR Stimme und Gitarre FRANZISKA HOFFMANN UND KRISTINA FEIX Schattentheater JOEL GRIP Kontrabass CHRISTINE MELLICH Konzept und Dramaturgie


TonSpur Junior ab 6 – Familienkonzert

Hommage an „Slawa“ Rostropowitsch, Festival Baltikum, Artist in Residence Cameron Carpenter – diese Reihe ist allem auf der Spur, was in der Saison 2017/18 im Konzerthaus an besonderen Ereignissen ansteht und lässt sich davon zu Programmen für Kinder ab 6 inspirieren. Ein Weihnachtskonzert gehört natürlich auch dazu.

Whether with the school class or family, a visit to the Konzerthaus is always exciting! Effective immediately, our large Junior Programme has been expanded with two more series. First of all, “KlangKüken” for children aged 3 and older, the series featuring the magic box. From it, four times a season, musicians and artists develop little stories inspired by the seasons – full of sounds, shadow play, movement, dance and interaction. And for special occasions at the Konzerthaus, there will be the “TonSpur” series for children aged 6 and older – for the Mstislav Rostropovich Tribute and the Baltic Festival, with Artist in Residence Cameron Carpenter and naturally, also at Christmas.

Sonntag 19.11.2017 · 11.00 und 15.00 Uhr · Kleiner Saal Celli-Cello-Cellissimo MUSIKER DES KONZERTHAUSORCHESTERS BERLIN ANDREI IONIŢĂ Violoncello SHELLY KUPFERBERG Moderation GABRIELE NELLESSEN Konzept und Dramaturgie

Sonnabend 23.12.2017 · 16.00 Uhr · Großer Saal Winterweiße Schneegeschichten KONZERTHAUSORCHESTER BERLIN RÓBERT FARKAS Dirigent MALTE ARKONA Moderation GABRIELE NELLESSEN Konzept und Dramaturgie

Sonntag 25.02.2018 · 11.00 und 15.00 Uhr · Kleiner Saal Eesti poiste laulud – Kinderstimmen aus Estland ESTONIAN NATIONAL OPERA BOYS CHOIR HIRVO SURVA Dirigent SHELLY KUPFERBERG Moderation

Sonntag 24.06.2018 · 11.00 Uhr · Großer Saal Jahrmarkt der Sensationen KONZERTHAUSORCHESTER BERLIN CHRISTOPH ESCHENBACH Dirigent CAMERON CARPENTER International Touring Organ MALTE ARKONA Moderation GABRIELE NELLESSEN Konzept und Dramaturgie


WENN SCHON DER AUFTAKT BEGEISTERT.


Mein Live-moment

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SLAWA 11. November 1989 Checkpoint Charlie


H o mm a g e a n „ Sl a w a “ R o s t r o p o w i t s c h

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10.– 19.11.2017

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it einer Hommage ehrt das Konzerthaus Berlin den 2007 im Alter von 80 Jahren verstorbenen Jahrhundert- cellisten und Dirigenten Mstislaw „Slawa“ Rostropowitsch. Mit Konzerten von Schülern und Kollegen, Filmvorführungen, einer Ausstellung, einer Festschrift und weiteren Veranstaltungen verbeugen wir uns vor einem Großen, dessen Spielfreude die Nachwelt viele der wichtigsten Cellowerke des 20. Jahrhunderts verdankt und dessen Engagement für Menschenrechte in der Sowjetunion sein Leben prägte. Die britische Cellistin, Autorin und Rostropowitsch-Biographin Elizabeth Wilson erinnert sich für uns an ihren Lehrer.

Rostropowitsch war eine unwiderstehliche Mischung aus Ungestüm und sorgfältiger Planung, Ernst, Weisheit und Humor. Seine ungeheure Energie war für seine Freunde und Kollegen ebenso inspirierend wie anstrengend. Sie „freuten sich, wenn ich kam, waren aber ebenso froh, wenn ich wieder ging“, meinte er selbst. Seine Freunde mochten schlafen oder ruhen, Rostropowitsch war ständig aktiv. Ein unermüdlich arbeitender innerer Motor versorgte ihn mit unerschöpflicher Energie, die ihm nicht nur zum Erlernen neuer Musik und für Auftritte vor jeder Art von Publikum zur Verfügung stand, sondern auch dafür, Menschen zu fesseln, seien es Schüler, Orchester oder die Gäste einer Party. Er hatte großen Spaß daran, Leute zu verblüffen, und manchmal spielte er ihnen auch geradezu kindische Streiche. Wer außer Rostropowitsch wäre auf die Idee verfallen, Benjamin Britten mit der Drohung, vor der gestrengen und betagten Princess Royal Mary einen Knicks zu machen, das Versprechen für drei neue Cellostücke abzupressen? Und nur er konnte ganz spontan seinen besten Bogen (eine schöne Arbeit des Bogenmachers Nikolai Kittel) an Picasso verschenken. Ich war fünfzehn, als ich Rostropowitsch 1962 auf dem Edinburgh Festival nach einer aufregenden Aufführung von Schostakowitschs Cellokonzert Nr. 1 zum ersten Mal begegnete. Als er hörte, dass ich Cello spiele, sagte er: „Wann spielst du was

für mich? Wie wär’s mit morgen um drei?“ Rostropowitsch sah in meinem sehr amateurhaften Spiel wohl ein verborgenes Potenzial. Wenn ich eine Cellistin werden wolle, so riet er mir, solle ich täglich „2 Stunden Tonleitern und eine Stunde Übungsstücke“ spielen. Zwei Jahre später lud er mich in seine Moskauer Meisterklasse ein, wo ich einige Mühe hatte, mir meinen Platz zu verdienen. Als Lehrer war er ungeheuer fordernd, er stellte seinen Schülern oft schier unlösbare Aufgaben. Da aber alle wussten, dass er sie lösen konnte, blieb ihnen nichts anderes übrig, als sich der Herausforderung zu stellen und zu lernen, das Unmögliche möglich zu machen. Während der sechs Jahre, die ich in Moskau studierte, wurde ich Zeugin dramatischer Veränderungen in Rostropowitschs Lebensumständen. Der Superstar des Cellos, dem Prokofjew, Schostakowitsch, Britten, Dutilleux und Lutosławski ihre Meisterstücke gewidmet hatten, stürzte vom Höhepunkt seiner Karriere in Ungnade. Die sowjetischen Behörden bestraften seine Unterstützung des Dissidenten Alexander Solschenizyn mit Konzertverbot. Vier Jahre später beantragte Rostropowitsch schweren Herzens die Genehmigung, für zwei Jahre in den Westen zu reisen, um seine Konzertkarriere fortsetzen zu können. Am 26. Mai 1974 empfingen meine Eltern und ich Rostropowitsch bei seiner Ankunft in England. Das war der Beginn seines sechzehnjährigen „Exils“. Anfangs wohnte er im Haus meiner Eltern in Cambridge, das mit seinen historischen Colleges und den wundervoll gepflegten Gärten so ganz anders als Moskau war. Angesichts einer Gruppe von Chorknaben in roten Roben, die im Gänsemarsch zur Abendandacht in der St John’s Chapel eilten, sagte Rostropowitsch einmal zu Tränen gerührt: „Ach, in Russland haben wir keine solch friedlichen altehrwürdigen Traditionen.“ Die vier Jahre künstlerischer Zwangspause hatten Rostropowitsch unsicher gemacht. Wollte das Publikum ihn überhaupt noch hören? Die Antwort kam in Form einer Flut von Auftrittsangeboten. Ein paar Monate später sagte er mir: „Lizanka,


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H o mm a g e a n „ Sl a w a “ R o s t r o p o w i t s c h

Mstislaw Rostropowitsch (Der Tagesspiegel, 27. März 2002)

die Leute sind einfach verrückt! Jetzt bekomme ich gutes Geld für meine Konzerte. Wenn sie nur wüssten, dass ich auch ganz umsonst spielen würde, weil es mir so großen Spaß macht!“ In den nächsten dreißig Jahren gab er unermüdlich Konzerte, und nicht selten spendete er seine Gage für wohltätige Zwecke. Rostropowitsch war nie gleichgültig gegenüber dem, was um ihn herum vorging. So empfand er es geradezu als Verpflichtung, im November 1989 nach Berlin zu fliegen und vor der zerbröckelnden Mauer, dem verhassten Symbol der Teilung, Bach zu spielen. Im selben Geist reiste er 1991 – ohne seine Familie vorzuwarnen – während des Putschs nach Moskau, um nach Kräften Jelzin und die Demokratie zu unterstützen. Später nutzte er sein Geld, um Stiftungen zur Unterstützung junger Musiktalente und zur Hilfe für kranke Kinder ins Leben zu rufen. Doch die meisten seiner großzügigen Taten vollbrachte er ganz im Stillen. Gegen Ende seines Lebens gestand er mir: „Ich bin so dankbar, dass meine musikalischen Talente nun dazu dienen können, Menschen zu helfen.“ Darin zeigte sich, dass er ein wahrhaft großer Mann war, der in seiner Menschlichkeit sogar noch über seine Kunst hinauswuchs. Übersetzung aus dem Englischen:: Thomas Wollermann

MSTISLAW ROSTROPOWITSCH (1927– 2007 ) wird in Baku als hochbegabter Sohn eines Cellisten und einer Pianistin geboren. „Slawa“ studiert Cello, Klavier, Dirigieren und Komposition. Stalin schickt den jungen Musiker 1951 mit Künstlern wie David Oistrach und Emil Gilels zu Auftritten im Westen. Er heiratet die Sopranistin Galina Wischnewskaja, die Töchter Olga und Elena werden geboren. Preisgekrönt, gefeiert und international hochangesehen, setzt er sich 1970 für den verfemten Literaturnobelpreisträger Alexander Solschenizyn ein. Ein Ausreiseverbot folgt. 1974 verlässt er nach schweren Konflikten die Sowjetunion, die ihn 1978 ausbürgert. Im Westen setzt er sich weiter massiv für Regimekritiker ein. Auch als langjähriger Chefdirigent des National Symphony Orchestra in Washington DC bleibt er ein sehr aktiver Cellist sowie großer Förderer von Komponisten und jungen Musikern. 1977 findet in Frankreich der erste Rostropowitsch-Wettbewerb für Cellisten statt. Am 11. November 1989 kommt es zum berühmten Bach-Konzert an der geöffneten Berliner Mauer. Bis 2005 bleibt er als Cellist und Dirigent aktiv. Scannen Sie die gegenüberliegende Seite, um den unverwechselbaren Rostropowitsch-Klang zu hören! Fur mehr Infos siehe Seite 14.

With a tribute, the Konzerthaus Berlin honours Mstislav Rostropovich, the conductor and one of the greatest cellists of the 20th century, who died in 2007 at the age of 80. With concerts by students and colleagues, film screenings, an exhibition, a commemorative publication and other events, we bow before a major talent to whose musical enthusiasm future generations owe many of the most important cello works of the 20th century. His commitment to human rights in the Soviet Union fundamentally influenced his biography.


David Geringas, 1963–73 Schüler Rostropowitschs


H o mm a g e a n „ Sl a w a “ R o s t r o p o w i t s c h

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Dienstag 14.11.2017 · 20.00 Uhr · Kleiner Saal Ein Abend mit … OLGA PERETYATKO Sopran SEMJON SKIGIN Klavier Werke von Michail Glinka, Nikolai Rimski-Korsakow, Pjotr Tschaikowsky und Sergej Rachmaninow

Mstislaw Rostropowitsch (Stern, 10. Oktober 1974)

Konzertauswahl Donnerstag 09.11.2017 · 21.30 Uhr · Großer Saal Pre-Opening: Late-Night-Konzert ALBAN GERHARDT Violoncello MARKUS BECKER Klavier „Slawas“ Encores – Werke von Claude Debussy, Igor Strawinsky, Sergej Rachmaninow und Sergej Prokofjew Freitag 10.11.2017 · 19.00 Uhr · Großer Saal Sonntag 12.11.2017 · 16.00 Uhr · Großer Saal KONZERTHAUSORCHESTER BERLIN IVÁN FISCHER Dirigent SOL GABETTA Violoncello

Leonard Bernstein „Slava! – A Political Overture“ Rodion Schtschedrin „Slava, Slava“ – Ein festliches Glockengeläut für Orchester Pjotr Tschaikowsky Rokoko-Variationen für Violoncello und Orchester A-Dur op. 33 Sergej Prokofjew Sinfonie Nr. 5 B-Dur op. 100 Sonnabend 11.11.2017 · 20.00 Uhr · Großer Saal ANNE-SOPHIE MUTTER Violine VLADIMIR BABESHKO Viola DANIEL MÜLLER-SCHOTT Violoncello LAMBERT ORKIS Klavier André Previn Klaviertrio Ludwig van Beethoven Streichtrio c-Moll op. 9 Nr. 3 Dmitri Schostakowitsch Klaviertrio Nr. 2 e-Moll op. 67

Sonntag 12.11.2017 · 11.00 Uhr · Kleiner Saal Kammermusik-Matinee des Konzerthausorchesters FRIEDEMANN LUDWIG Violoncello STEFAN GIGLBERGER Violoncello MIKHAIL MORDVINOV Klavier Hommage an Mstislaw Rostropowitsch mit Werken von Sergej Prokofjew, Benjamin Britten, Mieczysław Weinberg, Dimitri Kabalewski, Henri Dutilleux, Astor Piazzolla und anderen Sonntag 12.11.2017 · 19.00 Uhr · Kleiner Saal Kammerkonzert mit Alumni der Kronberg Academy MARIE-ELISABETH HECKER Violoncello DAI MIYATA Violoncello MARTIN HELMCHEN Klavier Antonín Dvoˇrák „Klid“ für Violoncello und Klavier Des-Dur op. 68 Nr. 5 Alfred Schnittke Cello-Sonate Nr. 1 Josef Suk Ballade und Serenade op. 3 Ludwig van Beethoven Sieben Variationen über „Bei Männern, welche Liebe fühlen“ César Franck Cello-Sonate A-Dur (nach der Violinsonate A-Dur) In Kooperation mit der Kronberg Academy Montag 13.11.2017 · 20.00 Uhr · Kleiner Saal 2 x hören ZEITGENÖSSISCH ANNA GÜTTER Sopran JUDITH INGOLFSSON Violine FRIEDEMANN LUDWIG Violoncello VLADIMIR STOUPEL Klavier CHRISTIAN JOST Moderation Dmitri Schostakowitsch Sieben Romanzen nach Gedichten von Alexander Blok für Sopran und Klaviertrio op. 127

Donnerstag 16.11.2017 · 20.00 Uhr · Großer Saal Freitag 17.11.2017 · 20.00 Uhr · Großer Saal Sonnabend 18.11.2017 · 20.00 Uhr · Großer Saal KONZERTHAUSORCHESTER BERLIN JURAJ VALČUHA Dirigent TRULS MØRK Violoncello

Alberto Ginastera Glosses sombre temes de Pau Casals op. 48 (Fassung für Orchester) Sergej Prokofjew Sinfonia concertante für Violoncello und Orchester e-Moll op. 125 Sergej Rachmaninow Sinfonische Tänze op. 45 Donnerstag 16.11.2017 · 20.00 Uhr · Kleiner Saal Kammermusikkonzert in memoriam Mstislaw Rostropowitsch KAMMERORCHESTER METAMORPHOSEN BERLIN JULIUS BERGER, YOUNG-CHANG CHO, Frans Helmerson, Gary Hoffmann Violoncello WOLFGANG EMANUEL SCHMIDT Leitung und Violoncello

Luigi Boccherini Cellokonzert Es-Dur G 474 Max Bruch „Kol Nidrei“ d-Moll op. 47 François Couperin Pièces en concert, für Violoncello und Streichorchester Paul Hindemith Trauermusik für Violoncello und Streichorchester Søren Nils Eichberg UA Auftragswerk zu Ehren von Rostropowitsch Joseph Haydn Cellokonzert C-Dur In Kooperation mit der Kronberg Academy Freitag 17.11.2017 · 20.00 Uhr · Kleiner Saal Der Lehrer Mstislaw Rostropowitsch DAVID GERINGAS Violoncello MISCHA MAISKY Violoncello IAN FOUNTAIN Klavier Werke von Johann Sebastian Bach, John Corigliano, Peter Lieberson und Christopher Rouse und anderen Sonntag 19.11.2017 · 11.00 und 15.00 Uhr · Kleiner Saal Junior ab 6 TonSpur – Familienkonzert Celli-Cello-Cellissimo MUSIKER DES KONZERTHAUSORCHESTERS BERLIN ANDREI IONIŢĂ Violoncello SHELLY KUPFERBERG Moderation GABRIELE NELLESSEN Konzept und Dramaturgie


Mein Live-moment


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WENN ES EINFACH NUR WOW IST.


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Konzerthausorchester


D

er knatternde Trabbi an der Goldelse, das „Düü-düü- düü“ der S-Bahn-Tür, die brutzelnde Currywurst in Kreuzberg, das Tröten vom Elefanten im Zoo oder das beruhigende Tuckern der Spreedampfer – die Geräusche und Klänge Berlins sind einzigartig und unnachahmlich! Wirklich? Das Konzerthausorchester Berlin, inmitten der Hauptstadt zu Hause, hat mit der 13-teiligen Webvideo-Serie zum Hinhören, Wiedererkennen und dann Neuentdecken der pulsierenden Metropole seinen ganz eigenen Soundtrack verliehen. Und dabei mögen nicht nur die Berliner #klangberlins – die Clips sorgten mit millionenfachen Views weltweit für Begeisterung: Nach den großen Berliner Zeitungen und nationalen Tagesmedien wie Spiegel Online, Zeit Online, das ZDF und die ARD zeigten auch die internationalen Medien wie Le Monde, Courrier international, das japanische Fernsehen NHK , die argentinische Zeitung La Nación sowie australische, US-amerikanische und britische Blogs unser #klangberlins. Die 13 Clips, die als kleine Idee in einem Büro im Konzerthaus begannen, haben also eine lange Reise hinter sich, bei der die Musikerinnen und Musiker vom Konzerthausorchester Berlin, Regisseur Boris Seewald, die Komponisten Michael Edwards und Christian Tschuggnall, Tonmeister Philipp Nedel, Kameramann Christoph Valentin und Bernhard von Hülsen und Maria Willer von 3B Produktion wirklich alles gegeben haben. Denn: Du bist Berlin. Wir sind der Klang.

You are Berlin. We are the sound. A rattling Trabant at the Goldelse, the “tuu-tuu-tuu” of the closing S-Bahn doors, sizzling currywurst in Kreuzberg, the trumpeting of elephants in the zoo or the soothing chugging of Spree steamboats – the sounds and resonances of Berlin are unique and incomparable! Really? The Konzerthausorchester Berlin, at home in the centre of the capital, has given the vibrant metropolis its own soundtrack with its 13-part web video series for listening, recognising and rediscovering. And it’s not only Berliners who appreciate #klangberlins – the clips were a hit around the world and had millions of views. Following reports by the big Berlin newspapers and national daily media outlets such as Spiegel Online, Zeit Online, ZDF and ARD, international media such as Le Monde, Courrier international, the Japanese television station NHK , the Argentinean newspaper La Nación as well as Australian, US and British blogs have all featured our #klangberlins.


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Konzerthausorchester

„Mit #klangberlins wollten wir unsere Lust auf Kreativität zeigen. Im Orchester war absolut die Bereitschaft und der Wille da, auf seinem Instrument etwas auszuprobieren. Manchmal brauchte es mehrere Anläufe, um den einen speziellen Klang zu erzeugen!“ Matthias Benker, Bratsche

„Das Besondere an diesem Projekt war die Werkstattatmosphäre, die Partitur wurde nicht nur von den Komponisten vorgeschrieben, sondern von den Musikern mitentwickelt. Das war ein echter Gänsehautmoment, als ich in die Probe reinschaute und dachte:

Wow,

was geht denn hier ab!“ Sebastian Nordmann, Intendant


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„Die Filmaufnahmen für dieses Projekt waren für uns Musiker natürlich sehr ungewohnt. Bei uns steht ja immer die Musik im Vordergrund, und so war es wahnsinnig spannend, diese Erfahrung zu machen.“ Ronith Mues, Harfe

„Ob das nun der Trabant vor der Siegessäule war oder das Kofferrollen über den Gendarmenmarkt, das sind typische Berliner Bilder. Sicher kann man auch in Shanghai eine Currywurst essen, aber es ist einfach keine Berliner Currywurst.“ Norbert Möller, Klarinette

„Es ist schon beeindruckend, wie nah man an den Originalgeräuschen dran ist und wie gut man die Klänge hinbekommt.“

Michael Oberaigner, Pauke


Wie klingt eigentlich 'ne Currywurst? Schauen Sie sich hier die AuflĂśsung an! FĂźr mehr Infos siehe Seite 14.

34 Konzerthausorchester


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Spiegel Online

„Hören Sie hier das faszinierende Ergebnis.“

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„Les sons emblématiques de Berlin reproduits avec talent par l’orchestre du Konzerthaus.“

KLASSIK RADIO

„K lassik darf auch mal sehr w itzig sein.“ DER TAGESSP

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„Unter dem Mott Wir sind der o ‚Du bist Berlin. K la Ensemble vo ng.‘ hat das mG eine Reihe vo endarmenmarkt nk produziert, in urzen Videoclips d liche metrop enen es die alltägolit zu Kunst sub ane Kakophonie limiert.“ Japanischer Fernsehsender

NHK

て たものの音をすべ 「なんと、こう言っ いうのです!」 楽器で再現したと

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Ernst-Burghard Hilse Antje Schurrock

Dirigenten

Viola

Iván Fischer Chefdirigent

Amalia Arnoldt Ferenc Gábor Solo-Viola

Daniel Werner Solo-Piccoloflöte

Chaim Steller Vakanz Stellv. Solo-Viola

Oboe

Juraj Valčuha Erster Gastdirigent Prof. Michael Gielen Ehrengastdirigent und Ehrenmitglied Eliahu Inbal Ehrenmitglied Prof. Kurt Sanderling † Ehrendirigent und Ehrenmitglied

Matthias Benker Vorspieler Dorothee Dargel Uwe Emmrich Constanze Fiebig Felix Korinth Katja Plagens Ernst-Martin Schmidt Pei-Yi WU

erste Violine Prof. Michael ERxleben Sayako Kusaka Vakanz 1. Konzertmeister/in Thomas Böttcher Ulrike Petersen Stellv. Konzertmeister/in Teresa Kammerer Vorspielerin David Bestehorn Avigail Bushakevitz Markolf Ehrig Ines Galle Yaxin Greger Cornelius Katzer Andrea Mai Alicia Marial Mathias Müller Dr. Adriana Porteanu Melanie Richter Karim Saleh Christiane Ulbrich

Zweite Violine Andreas Finsterbusch Johannes Jahnel Konzertmeister Stefan Markowski Eva Sütterlin Stellv. Konzertmeister/in Anna Babenko Karoline Bestehorn Cornelia Dill Linda Fichtner Gerdur Gunnarsdottir Jana Krämer-Forster Christoph Kulicke Na-Rie Lee Ulrike Töppen EVgeny Vapnyarsky

Michaela Kuntz Szilvia Pápai Solo-Oboe Kihoon Hong Daniel Wohlgemuth Nadine Resatsch Solo-Englischhorn

Klarinette VioLONCellO Stefan Giglberger Friedemann Ludwig Solo-Violoncello Andreas Timm Taneli Turunen Stellv. Solo-Violoncello David Drost Vorspieler Viola Bayer Almut Eschenburg Ying Guo Waltraud Hentschel Alexander Kahl Nerina Mancini Jae-won Song

Kontrabass Prof. Stephan Petzold Angelika Starke Solo-Kontrabass Markus Rex Sandor Tar Stellv. Solo-Kontrabass Hans-CHRISTOPH Spree Vorspieler Stefan Mathes Igor Prokopets Vakanz

Prof. Ralf Forster VAKANZ Solo-Klarinette

Bernhard Plagg Stephan Stadtfeld

Posaune Lars Karlin Helge von Niswandt Solo-Posaune WilfrieD Helm Stellv. Solo-Posaune Jörg Gerhardt Solo-Bass-Posaune

Tuba Michael Vogt Solo-Tuba

Pauke/Schlagzeug

Alexandra Kehrle Solo-Es-Klarinette

Michael Oberaigner Mark Voermans Solo-Pauke

Norbert Möller Solo-Bass-Klarinette

christian Löffler Solo-Schlagzeug

Fagott

Edwin Kaliga Dirk Wucherpfennig Schlagzeug

Andrea Cellacchi Rainer Luft Solo-Fagott Franziska HauSSig Alexander Kasper

Harfe Prof. RONITH MUES Solo-Harfe

Barbara Kehrig Solo-Kontrafagott

Horn Dmitry Babanov Bertrand Chatenet Solo-Horn Cenk Sahin Stellv. Solo-Horn Andreas Böhlke Yu-Hui Chuang Stefan Gorasdza Timo Steininger

Flöte

Trompete

Yubeen Kim Vakanz Solo-Flöte

Peter Dörpinghaus Sören Linke Solo-Trompete UWE SAEGEBARTH Stellv. Solo-Trompete

Orchestervorstand Ulrike Petersen Uwe Emmrich Sprecher/in PROF. RONITH MUES Stephan Stadtfeld Timo Steininger Künstlerischer Beirat David Drost Michaela Kuntz Sören Linke Medienbeirat Matthias Benker Norbert Möller


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Konzerthausorchester

Orchesterakademie Ein besonders wichtiges Anliegen des Konzerthaus Berlin ist die Förderung des musikalischen Nachwuchses. Unsere Orchester­akademie fördert herausragende junge Musiker mit einem Stipendium von mindestens einem Jahr. Mentoren aus dem Orchester unterstützen die Akademisten, für die zurzeit zehn Plätze existieren. Sie sind an Aufführungen aller Art beteiligt und erhalten regelmäßig Instrumentalunterricht. Wir danken der Ardian Foundation und Zukunft Konzerthaus e.V. für die Unterstützung der Orchesterakademie.

Das Konzerthausorchester Berlin startet mit dem neuen Ersten Gastdirigenten Juraj Valcˇuha in die Saison 2017/18. Vorfreude auf eine spannende Zusammenarbeit „Mit seinen drei Opernhäusern und sieben Sinfonieorchestern ist Berlin eine der offensten, lebendigsten Städte der klassischen Musikwelt. An der Schnittstelle der wiedervereinigten Stadt verfolgt das Konzerthaus mit die einfallsreichste und am stärksten zeitgemäße Herangehensweise, wenn es darum geht, klassische Musik zu fördern. Die visionäre Programmgestaltung, ein phantastisches Orchester und ein großartiger, von mir verehrter Chefdirigent bilden gemeinsam eine wunderbare Gelegenheit – ich bin hochgespannt und sicher, es wird äußerst anregend für mich.“

Musikalische Schwerpunkte

Konzerthaus Publikumsorchester Das von KonzerthausorchesterSchlagzeuger Dirk Wucherpfennig geleitete Konzerthaus Publikums­ orchester verbindet Spielfreude mit ernsthafter Probenarbeit. Alle Hobbymusiker sind herzlich ein­geladen, sich als Mit­spie­ler zu bewerben. Nähere Informationen finden Sie auf konzerthaus.de/publikumsorchester. KonzertTERMINE

„Mich faszinieren vor allem Bartók, Mahler, Ravel, Debussy, Janácˇek, Prokofjew und ihre Zeitgenossen. Sie waren künstlerische Zeugen einer Epoche dramatischer Veränderungen. Viele Komponisten haben damals in erster Linie Gewicht auf musikalische Farben gelegt. Was sie alle teilen, ist ihre Suche nach einer individuellen Tonsprache und die Vereinigung von Musik und Humanität.“

Besonderes Berlin-Erlebnis „Meine erste Begegnung mit Berlin war halb musikalisch, halb Sommermärchen 2006: Ich war von meinem Management zum Finale der Fußballweltmeisterschaft ins Olympiastadion eingeladen. Placido Domingo sang in der Pause, ich war Zuschauer. Hinterher haben wir gegenüber vom Künstlereingang am Konzerthaus großartigen Burgunder getrunken. Es gibt schlechtere Möglichkeiten, eine Stadt kennenzulernen!“

Mittwoch 06.12.2017 · 14.00 Uhr Espresso-Konzert KONZERTHAUS PUBLIKUMSORCHESTER DIRK WUCHERPFENNIG Dirigent


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N ü t zl i c h e s W i s s e n

10 Konzerthaus-Fakten, mit denen Sie in der Konzertpause mühelos JEDE SMALLTALK-HERAUSFORDERUNG BESTEHEN.

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Pegasus per Kran

Klassizistisches Klima

Ab in die Suppe?

… für Installation des Pegasus aus 1 mm dickem Kupferblech auf dem Konzerthausdach der größte Kran der DDR geholt wurde? Die Flügel wurden dem Ross vor Ort angesetzt und es besitzt ein Einstiegsloch, weil es teilweise von innen verschraubt wurde.

… sich unter denen wie Zierde wirkenden runden Fußbodenornamenten im Großen Saal eine bei Einweihung 1984 vollkommen neuartige Lüftung verbirgt? Dutzende Frauen in Sommerkleidung nahmen an einer Testphase teil.

… im Werner-Otto-Saal ein Huhn aufgetreten ist, um einer russischen Bauernstube Authentizität zu verleihen? Es benahm sich jedoch nicht so, dass die Zusammenarbeit fortgesetzt worden wäre. Dass es im Casino am folgenden Tag Hühnersuppe gab, ist allerdings ein bösartiges Gerücht.

2 Lenny in Residence … Leonard Bernstein die blau-weiße Nylonwindjacke, die er 1987 auf zahlreichen Probenfotos trägt, von einem Ost-Berliner Fan im damaligen Schauspielhaus gegen seine noble schwarze Lederjacke ertauscht hat?

4 Nylons … Damenstrumpfhosen ein Bestandteil der Kronleuchter im Kleinen Saal sind?

5 Aufbau Dresden bis Zylinderschlösser Babelsberg … mit dem Wiederaufbau des späteren Konzerthaus Berlin über 90 Firmen aus der ganzen DDR drei Jahre lang beschäftigt waren?

7 Michail vs. Modest … die Glinka-Gesellschaft in den späten 1980er Jahren „ihren“ Komponisten unter den Büsten im Großen Saal vermisste und kurzerhand vorschlug, Mussorgsky durch Glinka zu ersetzen? Ob daraufhin eine Mussorgsky-Gesellschaft protestierte, ist nicht bekannt. Jedenfalls steht Modest bis heute in seiner angestammten Nische.


Konzerthaus fun fact no. 1: Did you know that the golden “fish” Melos, which was kidnapped last year by Artist in Residence Patricia Kopatchinskaya, is actually a dolphin? With a row of siblings, it decorates the railing of the box seats in the Great Hall and is a traditional symbol of Apollo, the god of fine arts and master of the muses. Konzerthaus fun fact no. 2: Did you know that Leonard Bernstein received his blue and white nylon jacket, which he wore in 1987 in numerous rehearsal photos, from an East Berlin fan in what was then the Schauspielhaus – in exchange for his elegant black leather jacket?

8 HAARIG … der Schriftsteller E.T.A. Hoffmann 1817 Zeuge des Schauspielhaus-Brands wurde und fasziniert beschrieb, wie getragen von heißer Luft reihenweise falsche Haarteile aus der brennenden Perückenkammer in die Luft stiegen?

9 Die Sache mit George … sich am Konzerthaus hartnäckig das Gerücht hält, Hollywood-Star George Clooney habe vor ein paar Jahren während der Berlinale einen netten Abend in unserer Künstlerkantine Casino verbracht? Darüber wüssten wir gerne mehr!

10 Melos und Co. … der goldene Deko-„Fisch“ Melos, der in der letzten Saison von Artist in Residence Patricia Kopatchinskaja entführt wurde, eigentlich ein Delfin ist? Er verziert mit einer Reihe Geschwister die Brüstung der Logen im Großen Saal und ist ein traditionelles Symbol für den Gott der schönen Künste und Herrn der Musen Apollo. Fisch, Delfin, Wal? Nehmen Sie das Tier genau unter die Lupe und entscheiden Sie! Für mehr Infos siehe Seite 14.


Mein Live-moment

WENN DIE MUSIK ZUM BEGLEITER WIRD.

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Entdecken Sie die vielfältige Musiklandschaft des Baltikums! Fßr mehr Infos siehe Seite 14.


FESTI V A L B A L TIKU M

16.– 25.02.2018

O

bwohl sie mit insgesamt etwas über 6 Millionen Einwohnern zu den kleinen Nationen in Europa zählen, haben Estland, Lettland und Litauen nicht nur zahlreiche bekannte Dirigenten, Instrumentalisten und Sänger hervorgebracht, sondern auch drei traditionell von Chorgesang geprägte zeitgenössische Musikkulturen, die erst in den letzten Jahrzehnten international zunehmend Beachtung finden. Vor 100 Jahren erklärten die drei Länder ihre Unabhängigkeit. Aus diesem Anlass öffnen wir für zehn Tage alle Türen und Säle weit zum Festival Baltikum und laden Sie herzlich dazu ein, diese außergewöhnliche Musiklandschaft zu entdecken. Mit den baltischen Ländern werden Stille und Weite verbunden, eine unberührte Landschaft mit Wäldern, Seen, Dünen, dem Meer. Dazu passen die religiös inspirierten, enorme Ruhe ausstrahlenden Werke Arvo Pärts. Der 82-jährige Este ist nicht nur der bekannteste baltische, sondern einer der meistgespielten zeitgenössischen Komponisten überhaupt. Das Konzerthausorchester und Iván Fischer widmen ihm ein ganzes Programm. Besonders charakteristisch für alle drei Länder ist eine der ausgeprägtesten Chorkulturen Europas, die nicht nur hervorragende professionelle, sondern auch eine Vielzahl an Laien- und Kinderchören hervorbringt. Gemeinsam mit dem Estnischen Nationalen Sinfonieorchester ist der stimmgewaltige Lettische Staatschor „Latvija“ zu Gast, um unter Neeme Järvi Rudolf Tobias’ Oratorium „Des Jona Sendung“ aufzuführen. Unter dem Titel „Nordic Pulse!“ leitet sein Sohn Kristjan Järvi das Konzerthausorchester und das Estonian Folk Orchester. Mikalojus Konstantinas Cˇiurlionis wird in Litauen als Komponist wie als Maler hoch verehrt und ist in unserem Haus-Konzert mit einem seiner Kla-

vierwerke vertreten. Die litauische Komponistin Ruˉta Vitkauskaite˙ hat 100 Jahren litauische Unabhängigkeit zum Anlass genommen, ein Werk für ihren Landsmann Martynas Levickis zu schreiben, das der junge Akkordeonist gemeinsam mit dem SinChronic Quartet im Rahmen des Festivals uraufführt. Dass der musikalische Aufbruch der baltischen Staaten auch starke weibliche Züge hat, zeigen das Quartett mit den Skride-Schwestern um die preisgekrönte Geigerin Baiba Skride, die jungen Sängerinnen der A-cappella-Gruppe Latvian Voices und die Organistin Iveta Apkalna. Diese international gefeierte lettische Musikerin ist bekannt für ihre außergewöhnlichen Programme. In unserer Baltischen Orgelnacht lauscht das Publikum von Sitzsäcken aus und geht mit ihr auf eine atmosphärische Reise durch die Orgelmusik der drei Länder. Although they are among the smaller European countries with just over six million inhabitants, the Baltic states of Estonia, Latvia and Lithuania have not only produced numerous wellknown conductors, instrumentalists and singers, but also three highly contemporary music cultures, which have increasingly found international acclaim over the past decades. Discover them at the Konzerthaus on Gendarmenmarkt when we open all our doors and halls for the Baltic Festival over a ten-day period.

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Esten, Letten und Litauer pflegen lange Volksmusiktraditionen. Seit 2008 stehen ihre alle vier bis fünf Jahre stattfindenden Lied- und Tanzfeste, die zum Beispiel in Litauen bis zu 40 000 Teilnehmer anziehen, gemeinsam auf der UNESCO -Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit. Junge Musiker wie der litauische Akkordeonist Martynas Levickis oder das lettische A-cappella-Ensemble Latvian Voices entdecken zunehmend ihr musikalisches Erbe und führen es auf eigene Weise fort. Dazu die estnische Fiddle-Spielerin und studierte Geigerin Maarja Nuut: „Ich fühle mich überhaupt nicht von Traditionen eingeengt. In Estland hat man die überlieferte Tanzmusik der Fiddler in den 1920er und 30er Jahren aufgenommen, kurz bevor sie mehr und

mehr aus dem Alltag verschwand. Allerdings sind es nur kurze Melodien – ohne die folgenden 30 Minuten, in denen jeder Musiker seine eigenen Variationen gespielt hat, die jeden Tag anders sein konnten. Ich versuche, dieser intuitiven Annäherung an Musik zu folgen und experimentiere. Traditionelle Musik bleibt nicht von selbst am Leben. Sie ist kraftvoll, wo man die Person dahinter sehen kann, die von einem inneren Bedürfnis angetrieben wird, etwas auszudrücken. Selbstverständlich inspirieren mich die Landschaft, in der ich aufgewachsen bin, und die See. Aber ich liebe Kontraste und bin auch ein großer Fan schmutziger und hektischer Orte, von New York und von Electronic Dance Music.“


FESTI V A L B A L TIKU M

In allen drei Ländern ist Chorgesang kulturelles Erbe und gelebter Alltag. Sichtbar wurde dies, als sich während der Perestroika Ende der 1980er Jahre die „Singende Revolution“ verbreitete. Bei riesigen öffentlichen Versammlungen wurden traditionelle Volkslieder angestimmt, um den Wunsch kultureller und politischer Unabhängigkeit von der Sowjetunion auszudrücken. Der Musikpsychologe und Hirnforscher Professor Dr. Stefan Koelsch darüber, was beim gemeinsamen Singen geschieht: „Gemeinsames Singen erfüllt eine ganze Reihe sozialer Funktionen. Es bringt Menschen in Kontakt, hilft bei der Koordination gemeinsamen Tuns, überträgt Emotionen, stiftet sozialen Zu-

Regisseur Robert Wilson über „Adam’s Passion“ und seine Zusammenarbeit mit dem estnischen Komponisten Arvo Pärt in Tallinn 2015: „Als ich die Musik von Arvo Pärt in den frühen 1980er Jahren zum ersten Mal hörte, fühlte ich mich sofort zu ihr hingezogen. Sie schuf einen geistigen Raum, den ich nie zuvor gekannt hatte – einen Raum ungeheurer Freiheit. ‚Adam’s Passion‘ kann man hören und sehen. Ich konstruiere eine Art Umgebung, die es dem Publikum hoffentlich erlaubt, die Musik besser zu hören. Es ist schwierig, Arvo Pärts Musik zu ‚inszenieren‘. Sie fordert zur Reflexion heraus; wenn wir das Theater verlassen, denken wir weiter darüber nach. Da ist es wichtig, als Regisseur oder Bühnenbildner offen zu bleiben. Ich schaffe einen Raum, der Gedanken anregt, aber nicht darauf besteht, dass das Publikum dasselbe denkt, was ich denke. So kann man den Abend jedes Mal, wenn man ihn erlebt, anders empfinden. Das einzig Konstante ist der Wandel. Was zählt, ist unsere Erfahrung des Augenblicks. Es fällt mir schwer, über Spirituelles zu sprechen. So vieles, was wir auf

sammenhalt und Identität. Im Gehirn sind dabei alle Strukturen des Belohnungsnetzwerks angeschaltet. Darüber hinaus ist der vordere Teil des Hippocampus aktiv, der unter anderen Funktionen für bindungsbezogene Emotionen zuständig ist. Höchstwahrscheinlich werden auch endogene Opiate freigesetzt, was soziale Bindungen fördert und auch zu Schmerzreduktion führen kann. Die Emotionsforschung kennt keine anderen Stimuli, die wie gemeinsames Singen und Musizieren wirken. In der Alzheimerforschung beobachten wir übrigens, dass dadurch ein Erinnerungsschatz so fest im Gedächtnis verankert wird, dass er sogar noch aktiviert werden kann, wenn kaum etwas anderes an Lebenserinnerungen geblieben ist.“

der Bühne sehen, ist äußerlich. Diese Musik steht in Verbindung zu etwas Tieferem. Man muss sie nicht illustrieren. Sie erschafft einen geistigen Raum, der Reflexion zulässt.“ Übersetzung aus dem Englischen: Konrad Kuhn

Arvo Pärt, Robert Wilson

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FESTI V A L B A L TIKU M

KOnzertaUswahl Freitag 16.02.2018 · 19.00 Uhr · Großer Saal Sonntag 18.02.2018 · 16.00 Uhr · Großer Saal KONZERTHAUSORCHESTER BERLIN RUNDFUNKCHOR BERLIN IVÁN FISCHER Dirigent SANDRINE PIAU Sopran SAYAKO KUSAKA Violine

Arvo Pärt „Como cierva sedienta“ für Sopran und Orchester; „Spiegel im Spiegel“ für Violine und Klavier; Te Deum Freitag 16.02. 2018 · 21.30 Uhr · Werner-Otto-Saal Late-Night-Konzert MAARJA NUUT Violine und Gesang Soloprogramm „Une meeles“ Sonnabend 17.02.2018 · 22.00 Uhr · Großer Saal Baltische Orgelnacht IVETA APKALNA Orgel N.N. Lichtdesign Ja¯zeps Vı¯tols „The Song of Waves“ E¯rik Ešenvalds Fantasia für Orgel Bronius Kutavicˇius Sonate „Ad patres“ Aivars Kale¯js „Lux aeterna“ Andris Dzenı¯tis „La Remerciement“ Maija Einfelde „Three Songs of the Sea“ Arvo Pärt „Spiegel im Spiegel“ Montag 19.02.2018 · 20.00 Uhr · Kleiner Saal Haus-Konzert BAIBA SKRIDE Violine LINDA SKRIDE Viola KRISTINA BLAUMANE Violoncello LAUMA SKRIDE Klavier Ja¯zeps Vı¯tols Romanze für Violine und Klavier op. 15 Mikalojus Konstantinas Cˇiurlionis Vier Préludes für Klavier op. 4 Ester Mägi Klaviertrio d-Moll Pe¯teris Vasks Klavierquartett

Dienstag 20.02.2018 · 20.00 Uhr · Großer Saal ESTNISCHES NATIONALES SINFONIEORCHESTER LETTISCHER STAATSCHOR „LATVIJA“ NEEME JÄRVI Dirigent SUSANNE BERNHARD Sopran ANNELY PEEBO Mezzosopran DOMINIK WORTIG Tenor AIN ANGER Bass JOHANN TILLI Bass

Rudolf Tobias „Des Jona Sendung“ Mittwoch 21.02.2018 · 19.00 Uhr · Kleiner Saal Across the border „Ru¯ toj“ – Sounds of Latvian Nature LATVIAN VOICES BEĀTE LOCIKA Sopran I LAURA JĒKABSONE Sopran II ZANE STAFECKA Sopran III ELĪNA SMUKSTE Alt I ANDRA BLUMBERGA Alt II LAURA LEONTJEVA Alt III

Donnerstag 22.02.2018 · 20.00 Uhr · Großer Saal Freitag 23.02.2018 · 20.00 Uhr · Großer Saal Sonnabend 24.02.2018 · 20.00 Uhr · Großer Saal Nordic Pulse! KONZERTHAUSORCHESTER BERLIN KRISTJAN JÄRVI Dirigent MARIA FAUST Saxophon, Klavier KRISTJAN RANDALU Klavier MARI SAMUELSON Violine HAKAN SAMUELSON Violoncello ESTONIAN FOLK ORCHESTRA BERLINER SINGAKADEMIE

Freitag 23.02.2018 · 22.00 Uhr · Werner-Otto-Saal Late-Night-Konzert MARTYNAS LEVICKIS Akkordeon SINCHRONIC STRING QUARTET

Mit Werken von Johann Sebastian Bach, Antonio Vivaldi, Martynas Levickis, Ru ˉ ta Vitauskaite˙, Jonas Tamulionis und anderen Sonnabend 24.02.2018 · 22.00 Uhr · Werner-Otto-Saal Late-Night-Konzert RAIVO TAFENAU QUINTETT RAIVO TAFENAU Saxophon SIIM AIMLA Saxophon JOEL REMMEL Klavier HEIKKO REMMEL Kontrabass RAMUEL TAFENAU Schlagzeug

Sonntag 25.02.2018 · 11.00 und 15.00 Uhr · Kleiner Saal Junior ab 6 – Familienkonzert TonSpur Eesti poiste laulud – Kinderstimmen aus Estland

ESTONIAN NATIONAL OPERA BOYS’ CHOIR HIRVO SURVA Dirigent SHELLY KUPFERBERG Moderation

Erkki-Sven Tüür „Action Passion Illusion“ Peeter Vähi „Reminiscences of Youth“ Kristjan Järvi „Aurora“ Arvo Pärt Credo Eduard Tubin Estnische Tanzsuite „Nordic Pulse“ – Estnische Suite für Orchester, zusammengestellt von Kristjan Järvi

EIN Sommernachtstraum 1843 fand im Schauspielhaus am Gendarmenmarkt die öffentliche Uraufführung von Mendelssohns Schauspielmusik zu Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ statt. Die Schauspieler des estnischen Theaterensembles NO99 und die Sänger sind mit diesem Werk bereits einige Monate vor dem eigentlichen Festival Baltikum bei uns zu Gast und destillieren aus dem Liebeswirrspiel „das Streben des Menschen nach dem Erhabenenen". Die filmszenische Übersetzung betrachtet die „Selbstinszenierung von Emotionen.“ Mit freundlicher Unterstützung von EL Eesistumine (EU Ratspräsidentschaft) und EV100 (Estnische Republik 100)

Freitag 06.10.2017 · Sonnabend 07.10.2017 · Sonntag 08.10.2017 · 19.00 Uhr · Großer Saal KONZERTHAUSORCHESTER BERLIN OLARI ELTS Dirigent ELLERHEIN GIRLS’ CHOIR KADRI-LIIS KUKK Sopran ARETE TEEMETS Sopran SCHAUSPIELER DES THEATER NO99 TIIT OJASOO, ENE-LIIS SEMPER Regie MAARJA PÄRSIM Videoregie

Felix Mendelssohn Bartholdy Bühnenmusik zu „Ein Sommernachtstraum“ op. 61 Texte nach William Shakespeare mit deutschen Untertiteln Eine Koproduktion des Theater NO99 und Eesti Kontsert


ADAM’S PASSION Zwei Jahre nach der Uraufführung in Tallinn kommt das gefeierte Gemeinschaftswerk von Arvo Pärt und Robert Wilson an den Gendarmenmarkt: Nach der Vertreibung aus dem Garten Eden ahnt Adam alle Katastrophen der Menschheit voraus und gibt sich selbst die Schuld. Zuletzt aber sucht er wieder die Liebe Gottes. Musikalische Bestandteile von „Adam’s Passion“ sind die Chorwerke „Adam’s Lament“ und „Miserere“, das Doppelkonzert für zwei Violinen „Tabula rasa“ sowie die neu komponierte „Sequentia“, die Robert Wilson gewidmet ist. Der Starregisseur fasst die Geschichte von Schöpfung und Zerstörung in hochsuggestive Bilder voller Symbolik.

Dienstag 27.03.2018 · Mittwoch 28.03.2018 · Donnerstag 29.03.2018 · 20.00 Uhr · Großer Saal KONZERTHAUSORCHESTER BERLIN ESTNISCHER PHILHARMONISCHER KAMMERCHOR TÕNU KALJUSTE Musikalische Leitung ROBERT WILSON Regie, Bühne, Lichtkonzept Lucinda Childs, Tatjana Kosmõnina, Erki Laur, Triin Marts, Endro Roosimäe, Michalis Theophanous Performer

Arvo Pärt „Adam’s Passion“ Eine Koproduktion des Konzerthaus Berlin, Eesti Kontsert und Change Performing Arts


Lieben Sie

Herr Fischer?


B RAH M S - M ARATHON

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Sonntag 22.04.2018

N

ach fünf gelungenen Komponis ten-Marathons am Konzerthaus Berlin laden wir Sie auch in dieser Saison wieder ein, mit Muße auf den Spuren eines Komponisten durchs ganze Haus zu wandern. Dieses Mal dreht sich alles um Johannes Brahms (1833–1897). Einen kompletten Tag lang präsentieren wir seine Werke in vielen besonderen Konzerten, darunter auch wieder im 360°-Format im Kleinen Saal, wobei Sie den Künstlern so nah sein können, wie es der intimen Atmosphäre von Brahms’ Kammermusik originär entspricht. Auf unseren Chefdirigenten Iván Fischer wirkt er in mancher Hinsicht ganz heutig.

„Wenn man die leidenschaftliche Diskussion des 19. Jahrhunderts zwischen WagnerFans und Brahms-Anhängern betrachtet, erhält Brahms leicht den Stempel des Konservativen. Und tatsächlich schien es so in jener Zeit. Die Musik von Wagner und Liszt wurde Zukunftsmusik genannt und Brahms abgeschrieben als ein zu spät geborener Klassiker. Der Zeitgeist war erfüllt vom Enthusiasmus für Fortschritt in der Technik, in der Kunst, auch in Gesellschaftsformen. Niemand hat an den positiven Auswirkungen des Fortschritts gezweifelt. Jetzt aber, 150 Jahr später, denken wir anders. Wir sind nicht mehr so sicher, ob das Rasen der technischen Entwick-

lungen uns tatsächlich gut tut. Wir tragen mehr Sorge für die Erhaltung unseres Planeten. Wir hören gerne alte Instrumente mit Darmseiten und weniger Klappen, und die Lautstärke drehen wir auch nicht unbedingt höher und höher. Mit seiner Vorliebe für Naturtrompeten und Naturhörner, mit seiner strengen Kompositionstechnik und Abneigung gegen Erneuerungen erscheint uns Johannes Brahms als der erste „grüne“ Komponist. Vielleicht waren seine Naturbezogenheit und seine kritische Haltung gegenüber dem Fortschritt prophetisch.“ Das Programm des Brahms-Marathon finden Sie ab Herbst auf unserer Website.

After five successful composer marathons at the Konzerthaus Berlin, we would like to invite you once again this season to wander at leisure through the concert hall in the foot-steps of a composer. This time, everything will revolve around Johannes Brahms (1833 – 1897). For an entire day, we will not only present his works in many special concerts, but are dedicating ourselves to his life and passions. Our principal conductor, Iván Fischer, feels that he is highly contemporary in many respects.

“If one considers the passionate discussion in the 19th century between Wagner fans and Brahms enthusiasts, it is easy to label Brahms as the more conservative of the two. And indeed, it seemed so at the time. The music of Wagner and Liszt was called “future music” and Brahms was written off as a classic composer who was born too late. The zeitgeist reflected the enthusiasm for progress – in technology, in art and also in social forms. No one doubted the positive impact of progress. But now, 150 years later, we tend to think differently. We are no longer so sure whether the speed of technical development is a good thing. We have more concern for the preservation of our planet, we enjoy hearing old instruments with gut strings and fewer keys, and we don’t always necessarily turn the volume up higher and higher. For us, Johannes Brahms, with his predilection for natural trumpets and horns, with his strict compositional technique and aversion to modernisation, appears to be the first “green” composer. Perhaps his love for nature and his suspicious regard for progress were prophetic.”


Mein Live-moment

WENN DU EINS MIT DER MUSIK WIRST.

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Ein Gespräch zur Zukunft des Kunstlieds

Sebastian Nordmann

Peter Lodahl


Gesprächsrunde

Christian Jost

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o ran liegt’s, dass es Liederzyklen von Schubert, Schumann oder Brahms bei einem größeren Publikum heute so viel schwerer haben als beispielsweise die Oper, obwohl sie mit Liebe, Einsamkeit und der Endlichkeit des Lebens kunstvoll überzeitliche Themen verhandeln? Intendant Sebastian Nordmann diskutiert mit Komponist Christian Jost und Tenor Peter Lodahl über Möglichkeiten, dem klassisch-romantischen Lied im 21. Jahrhundert ein neues Publikum zuzuführen. SEBASTIAN NORDMANN: Mit einem klassischen LiedzykCJ: Ich denke schon, dass es in erster Linie an der lus wie „Dichterliebe“ tut sich die heutige Generation Darstellungsform liegt. Dem Kunstlied fehlt außereher schwer. Wenn wir den Erfolg verschiedener dem das Rebellische von Rock, Pop, Rap und so weiklassischer Gattungen in der heutigen Zeit vergleiter. Mit diesen Musikrichtungen und ihren Texten chen, können wir feststellen, dass die Oper attraktiv haben sich ganze Generationen identifiziert. Dabei geblieben ist, das Lied aber nicht. Liegt das mögliglaube ich, dass Schumann – vielleicht sogar noch cherweise daran, dass Opern im Gegensatz zum Lied mehr als Schubert – für junge Menschen extrem verständliche Geschichten erzählen, sie bebildern, interessant sein kann, weil er wirklich ein Urtypus inszenieren und in die heutige Zeit versetzen? des expressiven, romantischen Individualisten CHRISTIAN JOST: Die Metaphorik bei Schumann oder war. Darin ist er ein Vorläufer aller Rockstars von Schubert ist natürlich sehr in der Romantik verhafMick Jagger bis Lady Gaga. Und vollkommen zeittet. Trotzdem hat sie eine unglaubliche Suggestionsgemäß. kraft. Man muss einem jungen Publikum dazu den SN: War „Im wunderschönen Monat Mai“ denn früher richtigen Schlüssel in die Hand geben. so populär, dass die Leute das Lied auf der Straße SN: Bedeutet das, dass wir eine neue Aufführungsgesungen haben? form wählen und einen Liederabend inszenieren CJ: Nein, von dieser Vorstellung muss man sich frei müssen? Oder sind möglicherweise die Melodien machen. Im 19. Jahrhundert hatten wir eine hierarstark, die Texte aber tatsächlich nicht verständlich? chische Gesellschaft, in der „normale Leute“ von der Woran liegt es, dass wir heute Probleme mit dieser Straße keinen Zugang zu einer Form von Musik hatGattung haben? ten, mit der sie sich hätten identifizieren können.

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veau, als wenn du die Massen ansprechen willst. Flächendeckende Demokratisierung bringt auch eine Demokratisierung des Stumpfsinns mit sich, sage ich mal provokant. SN: Da stimme ich dir aber nicht vollkommen zu. Wenn du beispielsweise Texte von Bob Dylan liest, verstehst du sie auch nicht sofort. Du musst eintauchen und sie dir erst erschließen. CJ: Aber Bob Dylan ist ja fürs Massenpublikum und für junge Hörer heute auch nicht gerade naheliegend. PL: Das ist schon klassische Musik! CJ: Sozusagen der Heinrich Heine des 20. Jahrhunderts. Wenn man heute sehr viele Menschen erreichen will, ist es wichtig, umherzureisen und als Sebastian Nordmann Figur präsent zu sein. Da kann Schumann der lebenden Konkurrenz natürlich nichts entgegensetzen. Würdest du aber „Im wunderschönen Monat Mai“ SN: Aber Verdi und Puccini kannte und sang man unterlegt mit ein paar Beats durch die gleichen in Italien doch auch im Volk, oder! Kanäle laufen lassen wie Eminem, hättest du wahrPETER LODAHL: In seinen Chören bezieht sich Verdi scheinlich auch eine steile Popularitätskurve. sogar sehr stark auf Volksmusik. SN: Peter, hast du mit deinen Programmen und dem CJ: Bei Opern hatte man gleich wieder ein anderes dahinterstehenden Marketing schon einmal bewusst Publikum. Aber dass sich ein Sänger mit einem ein anderes Publikum als die klassischen Lied-Hörer Liederzyklus vor eine große Zuhörerschaft gestellt angesprochen? hätte – eine solche Form der Popularisierung gab PL: Ich habe dafür tatsächlich den Umweg über die es nicht. Oper gewählt. Bei uns in Dänemark gibt es traditioPL: Weil diese Lieder für Hauskonzerte bestimmt nelle Silvesterkonzerte, die extrem populär sind. waren … Da habe ich immer mein Publikum und kann ihm CJ: … und damit einem kleinen Kreis von gebildeten neben Bekanntem aus Opern auch etwas anbieten, Bourgeois vorbehalten blieben. was es so noch nicht kennt. Qualität überlebt, würde SN: Gut, aber heute haben wir eine demokratisierte ich sagen. Und das Kunstlied hat überlebt. Als ich Kultur. Gehen wir das Thema doch einmal von den die „Dichterliebe“ mit 22 zum ersten Mal gesungen Schwerpunkten aus an: Beim Kunstlied im „Sturm habe, hat mich die direkte Vitalität der Lieder sofort und Drang“ ging es um Liebe, um Tod und die große extrem angesprochen. Wenn das Publikum erst einFrage „Wer sind wir?“ Darum geht es doch eigentmal im Konzert ist, spürt es sie genauso. lich immer noch. SN: Ist es dir wichtig, konzentriert am Flügel zu PL: Diese Themen sind universell und zeitlos. stehen oder ist dir das bei diesen hochemotionalen SN: A ber warum klappt es dann trotzdem nicht mit Liedern manchmal zu konventionell? Willst du der Übertragung? dich manchmal lieber vor einer Art Bühnenbild CJ: Weil das potentielle Publikum im Laufe der Jahrbewegen? hunderte immer größer geworden ist, mussten masPL: Man muss sich frei fühlen, auch wenn das Publisenkompatible Formen der Verbalisierung dieser The- kum vielleicht eine bestimmte Form erwartet wie men gefunden werden. Wenn du dich wie damals nur das Am-Flügel-Stehen. Ich habe mir für eine „Wintermit den 50 Leuten austauschst, die zur Bildungselite reise“ mal einen Barhocker gewünscht. Man formt der Zeit gehören, hast du natürlich ein höheres Nidie Erwartungen des Publikums um, wenn man


Gesprächsrunde

Leben den Schmerz, der dazu führt. Dem Text eine moderne visuelle Assoziation gegenüberzustellen, halte ich für extrem reizvoll. SN: Wer kann und soll deine „Dichterliebe“ hören? CJ: Jeder, der die emotionale Bildung und die Empathie besitzt, auf die starke Emotionalität dieser Musik zu reagieren. Mit Bildung meine ich hier gerade nichts, was einem akademisch beigebracht werden kann. Sondern eine menschliche Sensibilität, die Peter Lodahl altmodisch als „Herzensbildung“ bezeichnet wird. SN: Könnte es vielleicht sogar die Gesangstechnik etwas Neues probiert. Grundsätzlich finde ich es toll, sein, die vielen Menschen einen empathischen Zuwenn sich etwas aus einem Werk ergibt, wir etwas gang zum Liedinhalt erschwert? Stimmen klassischer herausziehen können, statt etwa hineinzupressen. Sänger werden im Gegensatz zu Stimmen von SänWir müssen an unsere Sinne glauben und wirklich gern populärer Songs oft als gekünstelt empfunden. hinhören. PL: Ich glaube, man kann das Publikum mit einer SN: Warum, Christian, möchtest du bei deiner neuen sängerisch kultivierten ebenso wie mit einer natür„Dichterliebe“ im Konzerthaus ein Bühnenbild haben? lichen Stimme berühren. Da sollten wir uns nicht CJ: Ich möchte die Geschichte mit ihrer fast schon beirren lassen. Aber man kann verschiedenes aussurreal-poetischen, sehr bildhaften Sprache gerne probieren. Niemand muss genau wie Fischer-Dieskau assoziativ begleiten. Nimm zum Beispiel „Ich hab im klingen, obwohl er im Bereich der Ausbildung ungeTraum geweinet“ – das ist so ein unglaublich starkes heuer einflussreich war und eine extrem elegante und Bild. Jeder Mensch erfährt irgendwann in seinem tolle Gesangsschule begründet hat.

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Montag 25.09.2017 · 20.00 Uhr · Großer Saal SILENT SONGS into the wild Szenisches Konzert von Nico and the Navigators NICOLA HÜMPEL Künstlerische Leitung OLIVER PROSKE Bühnenbild, Videotechnik APOLLON MUSAGÈTE QUARTETT MATAN PORAT Klavier TOBIAS WEBER Arrangements, E-Gitarre, Kontrabass JULLA VON LANDSBERG Sopran SARAH LAULAN Kontra-Alt TED SCHMITZ Tenor NIKOLAY BORCHEV Bariton YUI KAWAGUCHI, ANNA-LUISE RECKE, MICHAEL SHAPIRA Choreographie, Tanz uND Andere Mit Werken von Franz Schubert

Christian Jost

Silent Songs into the wild CJ: Er hat vieles weiterentwickelt, aber sein Stil war Franz Schuberts Lieder erzählen vom Wandern und sehr distinguiert und eben auch mit viel Distanz beFortgehen, vom ewigen Fremdsein und von der Einhaftet. Genau das wollen wir natürlich auflösen! samkeit. Sänger, Musiker und Tänzer erkunden dieUnsere Aufnahme von „Dichterliebe recomposed“ ist ses klassische Liedgut nicht nur mit ihrer Stimme, vom Gestus, von der Sprache, von der Phrasierung, sondern mit ihrer ganzen Persönlichkeit, ihrem von der Tongebung teilweise eher an das französieigenen Gefühls- und Bewegungsrepertoire. Lieder sche Chanson angelehnt. Das gibt dem Ganzen einen aus den Zyklen „Schwanengesang“, „Winterreise“ stark erzählenden Charakter. und „Die schöne Müllerin“ sowie weitere SchubertSN: Meine abschließende Frage an dich, Christian: Lieder werden ineinander verwoben. Zwischen den Was unternimmst du in „Dichterliebe recomposed“ Liedern erwachsen szenische Stimmungen, aus den mit dem Text und der Musik von „Dichterliebe“, um Assoziationen aktuelle gesellschaftliche Bezüge. dem Publikum den Zugang zu erleichtern? CJ: Am Text verändere ich nichts und die Melodien Eine Produktion von Nico and the Navigators und Bozar bleiben auch wiedererkennbar. Ich bin der Filter, Music Brüssel. Koproduziert von den Niedersächsischen durch den die 1850er Jahre das heutige Publikum Musiktagen sowie dem Konzerthaus Berlin. In Kooperaerreichen – in einer zeitgemäßen, musikalisch tion mit der Elbphilharmonie. Gefördert durch die Kultureingängigen Sprache, die trotzdem die ganze Komstiftung des Bundes, die Rusch-Stiftung sowie aus plexität der Schumannschen Welt in sich trägt. Mitteln des Landes Berlin.

Gefördert durch die


Gesprächsrunde

Sonnabend 21.10.2017 · Sonntag 22.10.2017 · Montag 23.10.2017 · 20.00 Uhr · Werner-Otto-Saal Die Dichterliebe recomposed Eine mediale Szenografie PETER LODAHL Tenor HORENSTEIN ENSEMBLE und Gäste CHRISTIAN JOST Künstlerische Leitung TABEA ROTHFUCHS Mediale Szenografie

Christian Jost UA Die Dichterliebe von Robert Schumann neu komponiert für Tenor und neun Instrumentalisten

DIE DICHTERLIEBE RECOMPOSED PL: You have to be able to feel free, even if the audience expects a certain form, such as standing at a grand piano. For one performance of “Winter Journey”, I requested a barstool. You transform the audience’s expectations when you try something new. Generally, I think it’s great if something results from a work, if we can pull something out it, rather than forcing something on it. We need to believe in our senses and really listen to them. SN: Christian, why do you prefer having a stage set for Eine Koproduktion des Konzerthaus your new Dichterliebe in the Konzerthaus? Berlin und Kopenhagen Opernfestival. CJ: I want to accompany the story, with its almost surreal-poetic, highly pictorial language, in an associative way. Take, for example, “Ich hab im Traum An excerpt from a discussion between general digeweinet” (I wept in my dream) – this is such an inrector Sebastian Nordmann, composer Christian credibly strong image. Juxtaposing the lyrics with a Jost and tenor Peter Lodahl on the prospects of modern visual association is something I find extrefinding a new audience in the 21st century for the mely appealing. classical-romantic song. SN: Who is the intended listener for your Dichterliebe? SN: Today’s generation has a much more difficult time CJ: Anyone with the emotional education and with a classical song cycle such as Dichterliebe (A empathy to respond to the strong emotionality of Poet’s Love) than with opera. Could this be due to the this music. With “education”, I don’t mean what can fact that operas, in contrast to classical songs, tell, be taught in an academic setting. Instead, I mean illustrate and stage coherent stories while frequently human sensitivity, often referred to with the oldsetting them in the present day? fashioned German term “Herzensbildung”, or nurtuCJ: The imagery of Schumann or Schubert is, of course, ring the noble sentiments of the heart. very much caught up in romanticism. Nevertheless, it SN: With Dichterliebe recomposed, featuring the lyrics has an incredible power of suggestion. You simply have and the music of Dichterliebe, are you trying to make to give a young audience the right key to unlock it. the work easier for the audience to access? PL: These themes are universal and timeless. CJ: I haven’t altered the lyrics and the melodies reSN: Is it important for you as a singer to stand in conmain recognisable. I am the filter through which the centration at the piano, or is this sometimes too con1850s reach today’s audience – in a contemporary, ventional for you with these highly emotional songs? musically intuitive language that still carries the full Do you feel the need to move in front of a stage set? complexity of the Schumann world.

Komponist Christian Jost hat Schumanns „Dichterliebe“ seziert und zu einem zeitgemäßen, neu instrumentierten Klangbild zusammengefügt. Die Harmonien und der Geist Schumanns bleiben bewahrt, Raum und Zeit werden aufgelöst. Das Stück erzählt keine chronologische Geschichte, sondern bietet Einblick in die Seele des Protagonisten. Einen wichtigen Bestandteil der Konzeption bilden assoziative Visualisierungen auf die neukomponierten Zwischenspiele.

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Vorgemerkt

Insider-Tipps zur SAISON 2017/18

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enn das Saisonkalender-Skript im Frühjahr seine Korrektur runden durchs Haus dreht, entdecken unsere Mitarbeiter die ersten Konzerte der kommenden Saison, die sie sich gleich dick in den eigenen Kalender schreiben, um sie bloß nicht zu verpassen. Hier eine kleine Auswahl!

Ulrike Petersen

Dr. Dietmar Hiller

Vom 06. bis zum 08. Oktober 2017 spielen wir Felix Mendelssohns „Sommernachtstraum“. Ich freue mich immer besonders, wenn wir als klassisches Sinfonieorchester Opern, Melodramen oder Schauspielmusiken aufführen. Die Verbindung von Wort und Musik in jeglicher Form bedeutet eigentlich immer einen tieferen Zugang zum Werk, sowohl von Seiten der Musiker als auch des Publikums. Die Musik des „Sommernachtstraum“ ist sehr bekannt, bekommt aber doch eine neue Aussage und Intensität, wenn sie die erzählte Geschichte musikalisch erfühlt und intensiviert. Wir sind im ehemaligen Schauspielhaus beheimatet, das während der Lebenszeit Mendelssohns erbaut wurde, und er hat während der Entstehungszeit dieser Musik ab 1841 vier Jahre unweit davon gewohnt. So passt alles perfekt zusammen – viel Vergnügen und Genuss!

Mein besonderer Tipp für die Saison 2017/18 ist „Organo con stromenti“ am 17. März 2018. Das ist ein geradezu „schrilles“ Programm für Orgel und Trompete vom Barock bis zur Gegenwart in Originalen und Transkriptionen, mit Virtuosem und Meditativem, „E“ und „U“ – und dies dargeboten von zwei wunderbaren jungen Künstlern, dem Organisten Sebastian Küchler-Blessing und dem Trompeter Simon Höfele. Beide sind Preisträger renommierter internationaler Wettbewerbe, die trotz ihrer Jugend bereits mit Interpretationen von großer künstlerischer Reife und Erfahrung faszinieren!

Stellvertretende Konzertmeisterin

Dramaturg

Tomatito

Manuela Geulen Leiterin Besucherservice

Als Flamenco-Aficionada empfehle ich auf alle Fälle das zweite Klazzik-Konzert der Saison am 28. Oktober 2017 mit „Tomatito y Grupo“! Und als bekennender Opernfan ist für mich am 14. November „Ein Abend mit Olga Peretyatko“ ein Muss.


Die Tipps auf einen Blick Montag 25.09.2017 SILENT SONGS into the wild Freitag 06., Sonnabend 07. und Sonntag 08.10.2017 Ein Sommernachtstraum Sonnabend 28.10.2017 KLAZZIK TOMATITO Y GRUPO

Dienstag 14.11.2017 Ein Abend mit … OLGA PERETYATKO

Dienstag 28.11.2017 Streichquartett International HAGEN QUARTETT

Montag 18.12.2017 Christmas Concert mit CAMERON CARPENTER

Sonnabend 17.03.2018 Organo con stromenti Dienstag 27., Mittwoch 28. und Donnerstag 29.03.2018 Arvo Pärt/Robert Wilson Adam’s Passion

Silent Songs into the wild

Annette Thoma

Gerd-Udo Broszeit

Als großer Streichquartett-Fan ist das Konzert des Hagen-Quartetts am 28. November 2017 für mich ein Muss. Eines der führenden Streichquartette weltweit stellt hier stilistisch vollkommen unterschiedliche Werke von Beethoven, Webern und Schumann einander gegenüber. Ebenso freue ich mich sehr auf das „Festival Baltikum“, insbesondere auf den 16. Februar 2018 mit drei Werken des Esten Arvo Pärt. Mein Favorit ist „Spiegel im Spiegel“, weil es trotz formal strenger Konstruktion eine unglaubliche Ruhe vermittelt.

Mein persönlicher Favorit in der nächsten Saison ist ganz klar „ SILENT SONGS into the wild“ am 25. September 2017. Ich hoffe, dass sich in dieser Inszenierung nicht nur die allgegenwärtige Problematik von Flucht und Vertreibung widerspiegeln wird, sondern auch die Gedanken und Überlegungen jedes Einzelnen zum Thema „Woher komme ich, wohin gehe ich“. Ich bin mir ganz sicher, dass in diesem Stück alle Sinne angesprochen werden. Hinzu kommt für mich, dass der Titel „Into the wild“ wohl nicht zufällig gewählt wurde, sondern auch der Titel eines der besten Filme ist, den ich je geschaut habe: Die von Sean Penn bewegend verfilmte Lebensgeschichte des Aussteigers Christopher McCandless.

Virtuelles Konzerthaus

Hagen Quartett

IT

Peter-Maria Laduch Technischer Direktor

Meine Tipps: Sich überraschen lassen durch „ SILENT SONGS into the wild“ von Nico and the Navigators am 25. September 2017. Den Großen Saal mal anders erleben und Kunst genießen beim „Sommernachtstraum“ zwischen zwischen dem 06. und 08. Oktober 2017. Hören, wie weihnachtlich Cameron Carpenters International Touring Organ am 18. Dezember 2017 klingt – auf jeden Fall ein fetter Ohrenschmaus und nichts zum Pfefferkuchen knabbern! Und dann am 27. März 2018 „Adam’s Passion“ – muss man dazu noch was sagen? Okay, dann sag ich nur: Wahnsinn!


Mein Live-moment

WENN DIE MELODIE DICH DAVON TRÄGT.

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Konzerthaus Team


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KOMMUNIKATION ELENA KOUNTIDOU Leiterin JULIA BERNREUTHER Assistentin

Tontechnik THOMAS ENKE Leiter JÜRGEN BÖHM JÜRGEN GLÖCKNER FRANK KUPCZAK

MATTIAS RICHTER RENSKE STEEN Projekt Virtuelles Konzerthaus ALBRECHT SENSCH Projektleiter ANNETTE THOMA

TECHNIK

LEITUNG PROF. DR. SEBASTIAN NORDMANN Intendant IVÁN FISCHER Chefdirigent DR. RAPHAEL VON HOENSBROECH Geschäftsführender Direktor

Dramaturgie Junior GABRIELE NELLESSEN Leiterin CHRISTINE MELLICH Orchesterbüro SARAH NIEBERGALL Orchestermanagerin MIRA KONTARSKY

INTENDANZ PROF. DR. SEBASTIAN NORDMANN Intendant PIA HOLZER Referentin des Intendanten/ Dramaturgin BIRGIT HELWIG Sekretariat

Orchesterwarte DIRK BEYER GREGOR BEYER ZOLTAN KOVACS-GOKIELI RAPHAEL VOLKMER Bibliothek IRENE HARTUNG ANGELA PROTZMANN

MARKETING KÜNSTLERISCHER BEREICH ULF WERNER Programm- und Orchesterdirektor MARIE SCHWARZ Referentin Programm- und Orchesterdirektion INGA PETERSEN Assistentin des Chefdirigenten BERNADETTE KNAPP TANJA-MARIA MARTENS Dramaturgie URSULA HASELBÖCK DR. DIETMAR HILLER ANDREAS HITSCHER PIA HOLZER

MARTIN REDLINGER Direktor JULIA BERNREUTHER Assistentin BARBARA KÖHLER SABINE OZOLINA JÖRG SCHULTZ-LIEBISCH ANNE TISCHER SASCHA WILCZEK Besucherservice MANUELA GEULEN Leiterin SVEN FALKENRATH KAROLINE FIEDLER TORSTEN TEGE TINA TESSMER DANIEL WOLLANG

PETER-MARIA LADUCH Direktor ROBBY AUGUST Technischer Assistent Bühnentechnik GÜNTER WOLFRAM Leiter

VERANSTALTUNGSMANAGEMENT KATHARINA VON HODENBERG Leiterin CHRISTINA WEIGLE-BARTSCH Teamassistentin DÖRTHE BEHNKE ARNDT JESCHKE SABINE JUNGMANN LYDIA NAUMANN PEER NIEMANN ASTRID RYSAVY MANUELA SCHMELZ RIKA SCHÖNDUBE GORDIAN SCHWEITZER

ROBERT BRAUNER GERD BRITZKE DANIEL HÖPPNER FRANK LÖSCHNER DAVID RAUGUST AXEL WINKLER

VERWALTUNG

Elektrotechnik/Beleuchtung FABIAN WEZEL Leiter

Development KRISTIN WESTERMANN Leiterin (in Elternzeit: Michaela Krauss)

MARIO FISTLER DETLEF FLEX INGO SCHULZ OLE VETTER Haustechnik KNUTH SCHULZ Leiter MICHAEL BÖHME UWE BURCZYK ANDREAS HOHMUTH JÖRG HÖHNOW BERND LIEKWEG FRED MOC BURKHARD ROSS IT ANDREA SASS Leiterin GERD-UDO BROSZEIT

DR. RAPHAEL VON HOENSBROECH Geschäftsführender Direktor SABRINA JOHANNES Sekretariat

STEFANIE SCHADOW Geschäftsstelle Zukunft Konzerthaus e.V. Personal, Recht und Organisation CAROLYN MARTEN Leiterin (in Elternzeit: Laura Hiemer) CAROLIN SCHACHT Projekt Prozessmanagement Rechnungswesen, Personalverwaltung und Controlling WOLFRAM BOLIEN Leiter SUSANNE BÖLTER PETRA FAHMI DANIELA HAFT REGLINDIS HOPPE KLARA KIRCHBERG-FABIAN EVELYN MÄHREN TATJANA VOSS Materialwirtschaft und Poststelle RALF SCHIENITZKI Stand: 01.05.2017


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Vergeigt

Wenn’s mal (live) nicht lief wie geplant

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as soll man sagen – manchmal geht auch bei uns etwas schief. Immerhin hat man hinterher manchmal eine gute Geschichte zu erzählen.

MIT NACHDRUCK

SPEZIALEFFEKT

Bei einer Inszenierung der „Leiden des jungen Werthers“ am Konzerthaus in den 1990er Jahren bekam ein Mitwirkender als Requisite ein historisches, allerdings entschärftes Gewehr. Mit der täuschend echt aussehenden Waffe radelte er zum Theater am Schiffbauerdamm, um beim Intendanten die Auszahlung seiner Gage anzumahnen. Seit diesem Vorfall, der in der Tagespresse Schlagzeilen machte, ist das Gewehr dauerhaft unter Verschluss.

Regelmäßig nach Ende der Saison ist das Konzerthausorchester zu Gast beim Choriner Musiksommer, wo es im halboffenen Kirchenschiff der Klosterruine spielt. Eines der Freiluftkonzerte ist unter den Musikern auch deswegen unvergessen, weil eine inkontinente Taube die feierliche Generalpause mit gezieltem Treffer auf die Pauke unterbrach.

Ausgesperrt

Der Mann, der an einem Dezemberabend 1986 eilig den Bühneneingang durchschritt, wurde vom Pförtner instinktiv unter „Det Jesicht kenn’ ick doch!“ verbucht und nicht aufgehalten. Wenig später erfüllte eine hektische Suche das Haus. Der forsche Besucher vom Bühneneingang war nämlich der West-Berliner Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen, der die 12 Cellisten der Philharmoniker zum Gast-spiel in den Ostteil der Stadt begleiten sollte. Dass er statt am offiziellen Empfang teilzunehmen zunächst in der Musikerkantine strandete, war allerdings vollkommen gegen das Protokoll.

Iván Fischer wollte den Männerchor in Franz Liszts Faust-Sinfonie wie vom Komponisten gewünscht während der Aufführung „mysteriös und feierlich“ die Bühne betreten lassen. Dafür wurde ausführlich geprobt, bis er mit dem Effekt „sehr glücklich“ war. Das Konzert ist in vollem Gange, der Chefdirigent blickt gespannt zur Seitentür, aus der die Herren hervortreten sollen. Aber nur die Klinke bewegt sich verzweifelt auf und nieder. Abgeschlossen. Äußerst unzeremoniell stürmt der gesamte Chor gerade noch rechtzeitig für seinen Einsatz auf einem Umweg auf die Bühne.

INKOGNITO


Aus die Maus Als der Organist nach der Sommerpause eine bestimmte Tastengruppe anschlägt, hört er – gar nichts. Als man den Spieltisch öffnet, stellt sich heraus, dass die Übertragung an entscheidender Stelle durch ein gemütliches Mäusenest unterbrochen wird. Zur Auspolsterung hat sich die Bewohnerin beim Filz der Hammerköpfe bedient. Der Verbleib der unerwünschten Untermieterin ist ungeklärt.

DER HAMMER Im 4. Satz von Mahlers Sechster gibt es die berühmte Stelle, an der ein großer Holzhammer effektvoll weithin hör- und sichtbar auf eine Holzplatte herabdonnern muss – für betreffenden Musiker der Schlagwerkgruppe ein Moment höchster Konzentration. Umso erschütternder, wenn er Schwung holt und der Hammer genau dann – auseinanderbricht. So geschehen bei einer Aufführung im Dezember 2010.

Und wenn sie nicht gestorben ist … Spüren Sie selbst die Maus in der Orgel auf! Für mehr Infos siehe Seite 14.

When the organist struck a certain group of keys after the summer break, he heard … absolutely nothing. After the console was opened, it turned out that the transmission was being blocked at a crucial point by a cosy little mouse nest. For padding, the resident mouse had used the felt of the hammer heads. The whereabouts of the unwanted subtenant remains unresolved. For Franz Liszt’s “Faust Symphony”, Iván Fischer wanted to have the male choir “mysteriously and solemnly” enter the stage during the performance, just as the composer had intended. Extensive rehearsals took place until he was “very happy” with the effect. The performance was in full swing as the principal conductor eagerly glanced to the side door, from which the gentlemen were to emerge. But the handle merely moved up and down frantically. Locked. Just in time for their part and exceptionally unceremoniously, the entire choir arrived at its appointed spot through a maze of detours in the building.


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MEINE KLASSIK


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Herausgeber Konzerthaus Berlin Prof. Dr. Sebastian Nordmann, Intendant Dr. Raphael von Hoensbroech, Geschäftsführender Direktor REDAKTIONSLEITUNG Elena Kountidou, Leiterin Abteilung Kommunikation Texte Und Lektorat Annette Zerpner, weitere Texte von Annette Thoma (S. 14/15), Elizabeth Wilson (S. 23/24), Renske Steen (S. 30/31), Robert Wilson (S. 47) FotoRedaktion Julia Bernreuther

Unser Beitrag zum Umweltschutz! Diese Saisonbroschüre wurde klimaneutral auf dem Papier „Circlesilk Premium White“ sowie mit Ökofarben gedruckt. Beim klima­neutralen Drucken wird genau die Menge an CO2-Emissionen ausgeglichen, die bei der Herstellung eines Druckerzeugnisses entsteht. Mit der Investition in ein aner­ kanntes Klimaschutz­projekt mit handelbaren Zertifikaten – in unserem Fall ein Wasserkraft-Projekt in Bulgarien – wurde ein Anteil erworben und somit Klimaneutralität erfüllt. Das Projekt hat das Ziel, mit Hilfe eines Kleinwasserkraftwerks, das in der Ortschaft Katuntsi nahe eines Bewässerungskanals steht, effizient Strom zu produzieren, um den bis dato zum Großteil aus der Ver­brennung fossiler Brennstoffe und Atomstrom bestehenden bulgarischen Energiemix auszuweiten.

Herstellung Anne Tischer Mitarbeit Künstlerischer Bereich, Marketing, Development AUGMENTED REALITY ERMÖGLICHT DURCH Apollo Projektgruppe der HTW und das Virtuelle Konzerthaus Redaktionsschluss 30.03.2017, Programm- und Besetzungsänderungen vorbehalten Konzeption und Gestaltung Gerald Geffert Illustrationen Tina Berning (14 – 15, 44, 46 – 47, 67, 80) ÜBERSETZUNGEN INS ENGLISCHE Todd Dennie Druck MEDIALIS Offsetdruck GmbH Das verwendete Papier ist FSC-zertifiziert und mit dem EU Eco-Label ausgezeichnet. Diese Broschüre wurde klimaneutral gedruckt.

FOTOS Titel: Marco Borggreve Innenteil: alle Fotos von Marco Borggreve außer: Renee Altrov (46), Uwe Arens (19, 32, 33, 41, 80/Pressler), Dirk Bleicker (61), Getty Images/Photo Gaby (26), Getty Images/Richard Melloul (25), Harald Hoffmann (61), Heks (80/MoTrip), Konzerthaus Berlin (31,34), Kristian Kruuser (47), Kristian Kruuser/Kaupo Kikkas (49), Oliver Lang (16, 17), Dave Molteni (60), Neumann und Rodtmann (54 – 57), POP-EYE (80/Bridgewater), Ullstein Bild/Succo (22), David von Becker (64 – 65) AUGMENTED REALITY Fotos Saisonrückblick: Uwe Arens (Festival USA , Hope), Marco Borggreve (Kopatchinskaja), Heks (MoTrip), Chris Noltekuhlmann (Riemann) Modell Fisch „Melos“: Scan von Voxelwerk GmbH Modell Konzerthaus: Modellierung durch Eve-Images GmbH Hörbeispiele: Bereit gestellt mit freundlicher Unterstützung durch Deutsche Grammophon GmbH FOTOSTRECKE Wir danken Irene Schucht, Taise Knutsen, Leander Elias Kafemann, Petra Höhne, Catharina Wässa, Jannik Neumann, Ingolf Klein

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Saison 2016/17 in Bildern

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WEITERE IMPRESSIONEN DER LETZTEN SAISON entdecken! Für mehr Infos siehe Seite 14.

as war das für eine Saison – mit all den vielen Höhepunk- ten. Zum Beispiel Patricia Kopatchinskaja: Sie hat eine enorme Präsenz, scheut auf der Bühne kein Risiko und ist immer für eine Überraschung gut. Oder „Konzerthausorchester meets Hip Hop“: Zwei Musikwelten, die unterschiedlicher nicht sein könnten, treffen aufeinander – und sorgen für Gänsehaut. Oder Daniel Hope, der zu Hope@9pm für seinen Gast, Pianist Menahem Pressler, ohne dessen Wissen Cellist Antonio Meneses einlädt und so die berührende Wiedervereinigung des Beaux Arts Trio ermöglicht.


Konzerthaus Berlin Gendarmenmarkt 10117 Berlin konzerthaus.de

Saisonbroschüre 2017/18  

Musik, Geschichten und mehr mit dem Konzerthausorchester Berlin und unseren Gästen.

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