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Ausgabe Nr. 6, 2009

Das Kiezmagazin Titelthema Gewalt Wird der Kiez krimineller? Wird die Jugend gefährlicher? Winnenden − ein Bericht von Carolin H.

Auf nach Kroatien East meets West Juli 2009: Eine Reise für Jugendliche aus Berlin/Brandenburg

Baden, Grillen, Kino Die Übersichtskarte für Berlin mit Badestellen, Grillplätzen und Freiluftkinos

3-Generationen Ben(5),Tim(8) und Max (8), Luiz (22) und Jutta (57) über ihre Reisen

Kostenlos

Plus Der aktuelle Veranstaltungskalender


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Editorial

Foto: BB

Liebe Leserinnen und Leser, viel Spaß für wenig Geld. Unsere Übersichtskarte (siehe Heftmitte) enthält die Orte, an denen Sie in Berlin baden oder grillen können. „Eintritt frei“ lautet das Motto unseres aktuellen Veranstaltungskalenders. Wir haben für Sie zusammengestellt, wo Sie gratis oder für kleines Geld Ihre Freizeit genießen können. Die Gerüchteküche brodelt: Stimmt es, dass die Gewerbetreibenden rund um den Mehringplatz den Kiez verlassen wollen, weil es in letzter Zeit vermehrt zu Einbrüchen kam? Wir haben bei der Berliner Polizei nachgefragt. „7-jähriger Junge überfällt Joggerin“, „Amoklauf in Winnenden“ – dramatische Meldungen und Ereignisse über die Jugend von heute. Werden Jugendliche immer gefährlicher? KONTRAST wirft einen Blick auf die Berliner Kriminalitätsstatistik 2008, und Carolin H. berichtet in dieser Ausgabe, wie sie die Ereignisse in Winnenden erlebt hat. Viel Spaß beim Lesen und Nachdenken.

Inhaltsverzeichnis Titelthema: Gewalt Nachgefragt: Wird der Kiez krimineller? Wird die Jugend gefährlicher? Winnenden – ein Bericht von Carolin H. Rudolf Rapp „Ein Morgen im August 1945“ Kiez Was wird aus Tempelhof: Update Zeitungsviertel, Lindenstraße 3 Gewerkschaft, Bei ver.di zu Besuch

11 11 - 14 14

Film American Crime Ben X

16 16

Veranstaltungskalender

17-20

Film Slumdog Millionär Vorstadtkrokodile

21 21

Falafel im Fladenbrot

22

Emek arasi falafel

23

SC Welle – Ihr Schwimmverein im Kiez

24

Weltküche Dünya Mutfağı Sport 3-Generationen Ben (5 Jahre), Max und Tim (8 Jahre) Luiz (21 Jahre) Jutta (57 Jahre)

25 26 - 27 28 - 30

Auf nach Kroatien, Jugendbegegnungsreise Aserbaidschan, Unterwegs im Land des Feuers

30 31 - 32

Nah und Fern

Gesine Jüthner, Chefredakteurin P.S.: In Planung für die nächste Ausgabe: 20 Jahre Mauerfall. Schicken Sie uns Ihre Geschichten zum Thema oder lassen Sie sich von uns interviewen. (siehe Impressum S.35)

04 - 05 04 - 05 06 - 08 09 - 11

Kolumne Der Prädikator, weiß ... alles ... BESSER!

33

In eigener Sache Wählen ja, aber WEN? Das Superwahljahr 2009

33

Rätsel Impressum

34 35

Juni 2009

3


Titelthema: Gewalt

NAcHGeFRAGt Wird der Kiez krimineller? Wird die Jugend gefährlicher? In der Redaktion verbreitete sich das Gerücht, dass es am Mehringplatz vermehrt zu Einbrüchen gekommen sei und Gewerbetreibende deshalb den Kiez verlassen wollten. Wir fragten per E-Mail bei der Pressestelle der Berliner Polizei nach und erhielten folgende Antworten: Trifft es zu, dass es rund um den Mehringplatz vermehrt zu Einbrüchen gekommen ist? Pressestelle der Berliner Polizei: „... Im ersten Quartal 2009 wurden [für den Kontaktbereich (KoB 5314)] , also die enge Region '…rund um den Mehringplatz…', fünf Geschäfts-/Betriebseinbrüche und vier Wohnungseinbrüche registriert. Im Vergleichszeitraum 2008 war es jeweils eine Tat. Keller- und Bodeneinbrüche sind in dieser Zeit deutlich zurückgegan120 100 80 60 40 20 0

Anzahl TV unter 21

von insgesamt

Schwerer Raub in Wohnungen Handtaschenraub Raubüberfälle auf Tankstellen Raubüberfälle auf Spielhallen Mord im Zusammenhang mit Raubdelikten

Deliktarten und Tatverdächtige unter 21

gen (von 16 Taten im 1. Quartal 2008 auf eine Tat im Vergleichszeitraum 2009). Generell ist eine detaillierte Betrachtung einzelner Deliktbereiche für solch einen kleinen, begrenzten Raum statistisch wenig aussagekräftig. Der Bereich 'rund um den Mehringplatz' ist zudem aufgrund der geografischen Gegebenheiten (südliche Begrenzung durch den Landwehrkanal, verhältnismäßig viel Freifläche und wenig Bebauung) kaum repräsentativ. Daher wurden die nördlich angrenzenden polizeilichen Kontakt4

Juni 2009

Delikte

Ladendiebstahl Körperverletzung Beförderungserschleichung Sachbeschädigung Raubdelikte Rauschgiftdelikte Widerstand gg. Vollstreckungsbeamte

Deutsche TV

5 5 2 4 1 1

(+/-) zum Vorjahr

Anteil an Spalte 1 an Spalte6

nicht Deutsche TV

(+/-) zum Vorjahr

Gesamt TV unter 21

n 1 180 547 523 871 348 588

n 2 48 - 107 149 - 595 - 303 - 109

% 3 71,8 72,2 72,5 85,3 67,7 73

n 4 2 031 2 135 956 840 642 587

n 5 - 110 - 239 149 - 232 - 234 -7

478

24

71,9

187

5

n 6 7 211

7 682 3 5 1 2

(+/-) zum Vorjahr % 7 - 0,9

- 4,3

479 711 990 175

9,4 -12,6 - 21,3 - 5,1

665

4,6

Männliche, deutsche/nicht deutsche Tatverdächtige unter 21 Jahre

unter die Lupe genommen. bereiche 5302, 5303, 5304 und 5338 in eine zweite Auswertung mit einbeStatistisch gesehen waren 2008 von zogen (siehe Grafi k der Anlage). Bei 100.000 Einwohner/Innen Berlins Betrachtung dieses größeren Gebie8.452, die jünger als 21 sind, von tes sind im ersten Quartal 2009 insstrafrechtlichen Ermittlungen begesamt 35 Geschäfts-/Betriebseintroffen. brüche festgestellt worden, während es im ersten Quartal 2008 nur 15 TaFazit: Straftaten werden mehrheitten waren. Beim Wohnungseinbruch lich von Erwachsenen begangen. wurden aktuell 18 Fälle registriert, 76,4% gegenüber 23,6%. gegenüber neun Taten im Vorjahreszeitraum. Auch hier sind Rückgänge In Berlin leben immer weniger Menbeim Keller-/Bodeneinbruch von 23 schen unter 21 Jahren. 1999 betrug auf sechs Fälle zu verzeichnen. Es der Anteil an der Gesamtbevölkehandelt sich aus polizeilicher Sicht rung 20,5%, 2008 waren es nur um vergleichsweise geringe Fallzahnoch 17,8%. In absoluten Zahlen entlen. Sowohl der engere als auch der spricht das 86.708 weniger junger weiter gefasste Bereich rund um den Mehringplatz stellt berTabelle 1 weiteres (nördliches) Umfeld des Mehringplatzes - Summe der Kontaktbereiche (Kob) linweit keinen Schwer5302, 5303, 5304, 5314 und 5338 1. Quartal 2008 1. Quartal 2009 punkt der EinbruchskriAutomateneinbruch 3 1 minalität dar. Auch die Baustelleneinbruch 1 0 15 35 Straftatenentwick lung Geschäfts-/Betriebseinbruch 23 6 Keller-/Bodeneinbruch 1 2 insgesamt ist hier nicht Kioskeinbruch 9 18 Wohnungseinbruch besorgniserregend. Die zum Vergleich: Straftaten -insgesamt649 459 Fallzahlen aller Straf- Tabelle 2 direkte Umgebung des Mehringplatzes - nur Kontaktbereich 5314 ( rote Markierung) taten als Summe zeigen 1. Quartal 2008 1. Quartal 2009 sogar deutlich Rückgän- Automateneinbruch 3 0 1 0 Baustelleneinbruch ge, die weit über dem Geschäfts-/Betriebseinbruch 1 5 16 1 stadtweiten Trend liegen Keller-/Bodeneinbruch 0 0 Kioskeinbruch (erstes Quartal 2009 mit Wohnungseinbruch 1 4 208 124 459 Fällen gegenüber zum Vergleich: Straftaten -insgesamt649 Taten im Vergleichszeitraum 2008).

Text: GJ

Wird die Jugend gefährlicher? „7-jähriger Junge überfällt Joggerin“, „Amoklauf in Winnenden“. Die Ereignisse und Meldungen zum Thema Gewalt durch Kinder, Jugendliche und Heranwachsende sind dramatisch. Wir wollten wissen, wie die Lage in Berlin ist und haben deshalb die Polizeiliche Kriminalitätsstatistik 2008

Kontaktbereiche (KoB) rund um den Mehringplatz


Titelthema: Gewalt

Der Polizeipräsident in Berlin

Berlin Straftaten insgesamt (Häufigkeitszahl)

Menschen. So ist es auch zu erklären, dass weniger Straftaten durch sie verübt werden. Trotzdem sinkt die Anzahl der Tatverdächtigen (TV) unter 21 Jahren – von 26,5% (1999) auf 23,6% (2008). Die Kriminalstatistik merkt hierzu an, dass „der überwiegende Teil junger Menschen alterstypische ... Delikte begeht (z.B. Sachbeschädigung, Ladendiebstahl), die mit zunehmendem Alter weniger verübt werden. Ferner ist die Kriminalität junger Menschen oft durch spontanen Tatentschluss, unbedarfte Tatausführung und Handeln in der Öffentlichkeit geprägt, womit ein erhöhtes Entdeckungsrisiko einhergeht.“ Die Kriminalstatistik betreibt allerdings keine Ursachenforschung, denn „[diese] ist eine interdisziplinäre Aufgabe...“

Pankow

Reinickendorf

HohenschönhausenLichtenberg Spandau Mitte Marzahn-Hellersdorf Friedrichshain-

CharlottenburgWilmersdorf

Kreuzberg

SchönebergTempelhof Steglitz-Zehlendorf

Neuköln Treptow-Köpenick

unter 11.000 11.000 bis unter 13.000

Fazit: Die Anzahl der Straftaten, die durch junge Menschen verübt werden, sinkt kontinuierlich. Von 31.861 jungen TV waren 8.898 (27,9%) weiblich und die überwiegende Mehrheit (73,3%) deutscher Nationalität (Stand von 2006). Bei den Mädchen und jungen Frauen ist eine leichte Zunahme der Straftaten zu verzeichnen. Von 22.963 (Vorjahr: 24.490) männlichen TV waren 71% Deutsche. Bei deutschen (-4,2%) wie nichtdeutschen (-5,7%) jungen Männern nahm die Zahl der Straftaten im Vergleich zum Vorjahr ab.

13.000 bis unter 15.000 15.000 bis unter 17.000 17.000 und mehr

Zu-/Abnahme Straftaten insgesamt Ortsteil

Jahr 2006 erfasste

Jahr 2007 HZ

erfasste

Fälle

HZ

Fälle

Zu/Abnahme Fälle absoluti

HZ n%

absoluti n %

Mitte

72 967

22 796

73 435

22 816

468

0,6

20

0,1

Friedrichshain-Kreuzberg

44 187

17 202

45 421

17 483

1 234

2,8

28

1,6

Pankow

39 284

11 318

41 889

11 910

2 605

6,6

592

5,2

Charlottenburg-Wilmersdorf

51 535

16 702

49 860

16 144

-1675

-3,3

-558

-3,3

Spandau

26 210

12 081

26 459

12 220

249

1

139

1,2

Steglitz-Zehlendorf

27 361

9 600

26 911

9 428

-450

-1,6

-172

-1,8

Tempelhof-Schöneberg

37 738

11 554

37 926

11 638

188

0,5

84

0,7

Neukölln

40 922

13 562

40 585

13 442

-337

-0,8

-120

-0,9

Treptow-Köpenick

25 275

10 832

24 257

10 379

-1018

-4

-453

-4,2

Marzahn-Hellersdorf.

26 208

10 604

27 362

11 094

1 154

4,4

490

4,6

Lichtenberg

29 425

11 640

29 006

11 600

-419

-1,4

-40

-0,3

Reinickendorf Berlin, nicht zuzuordnet

28 609 47 076

11 692

28 243 44 809

11 667

-366 -2267

-1,3 -4,8

-25

-0,2

496 163

14 835

-634

-0,1

-35

-0,2

Berlin -Gesamt-

496 797

14 870

Fazit: Die meisten Straftaten innerhalb der Gruppe der unter 21-jährigen werden von deutschen, männlichen Jugendlichen begangen.Bei einigen schweren Formen des Raubes ist der Anteil der TV unter 21 Jahren jedoch auffallend hoch.

Bericht zur Kriminalitätbelastung in öffentlichen Räumen

Delikte

Ladendiebstahl Körperverletzung Beförderungserschleichung Sachbeschädigung Sac besc äd gu g, durch Graffiti Raubdelikte Rauschgiftdelikte Widerstand gg. Vollstreckungsbeamte.

Weiblich TV unter 21 n 1 3 479 1 623 1 306 572 120 187 214 58

+/- zum Vorjahr

Anteil an Spalte 4

n 2 125 - 11 161 - 48 - 21

% 3 48,2 21,1 37,5 10,0 4,3

- 60 -2 -13

9,4 9,8 8,7

Gesamt TV unter 21

7 7 3 5 2

n 4 211 682 479 711 795

1 990 2 175 665

Weitere Ergebnisse: Der Anteil der unter 21-jährigen Rohheitstätern ist mit 9.924 die niedrigste des vergangenen Jahrzehnts. Die Jugendgruppengewalt ist ebenfalls rückläufig und „Die Schule ist nach polizeilichen Erkenntnissen weiterhin kein Brennpunkt der Jugendgruppengewalt.“

Text: GJ Weitere Infos unter: www.berlin.de/ polizei

Weibliche Tatverdächtige unter 21 Jahre

Juni 2009

5


Titelthema: Gewalt

WINNeNDeN Ein Bericht von Carolin H. Vor einigen Wochen rückte der kleine Ort Winnenden in BadenWürttemberg in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. An der Albertville-Realschule in Winnenden ereignete sich ein Amoklauf. Der ehemalige Schüler Tim K. stürmte am Morgen des 11.03.2009 in das Gebäude und tötete neun Schüler und drei Lehrerinnen. Auf seiner Flucht nahm er eine Geisel, fuhr mit ihr quer durch Baden-Württemberg; und erschoss drei weitere Personen. Bevor ihn die Polizei stellen konnte, nahm er sich das Leben. Die Kleinstadt Winnenden ist mehr als 600 Kilometer von Berlin entfernt, doch auch hier ist Betroffenheit spürbar, wird diskutiert über das Warum? Aus diesem Grund folgt nun ein Bericht über den Amoklauf in Winnenden von Carolin H., die in der Nähe von Winnenden wohnt und Opfer des Amoklaufs kannte: Ich habe den Bus nach Hause verpasst. Ich steige ins Auto meiner Mutter ein, die so nett ist und mich abholt, und werde gleich gefragt: „Hast du das mit dem Amoklauf in Winnenden mitbekommen?“ „WAS?“ „Vorhin, in einer Realschule in Winnenden. Bis jetzt geschätzt 10 Tote. Wohnt da nicht Michael?“ „Doch. Und Thomas auch. Aber die wohnen nicht direkt in Winnenden. Die wohnen in einem Nachbarort.“ „Oh. Da wohnt der Täter anscheinend auch. Ein 17-jähriger.“ Erstmal geschockt und Michael eine SMS geschrieben, was da abgeht. Auf dem Weg nach Hause an einigen Polizeiwagen vorbeigefahren, die die Straßen kontrolliert haben, da zu der Zeit Tim K. noch mit dem Auto auf der Flucht war. Wir wohnen nicht besonders weit weg von Winnenden; und man wusste nicht, wo er hinfährt. Zuhause erstmal geguckt, welche Realschule genau das ist. 6

Juni 2009

„Zum Respekt vor den Opfern ... gab es eine Schweigeminute ... es war totenstill.“

Festgestellt, dass ich Leute auf der Albertville-Realschule kenne. Vielleicht könnt ihr euch vorstellen, wie das ist, wenn man erfährt, dass in einer Schule, wo man Leute kennt, die man mag, einer rumballert. Oder wie das ist, wenn man denkt, vielleicht kenne ich den Amokläufer sogar? Zu der Zeit stand der Name noch nicht fest, und ich kenne viele 17-jährige aus dem Ort. Einige Schülerinnen und Schüler in den Schulen der Umgebung wurden eingeschlossen. Man wusste schließlich nicht, ob der Amokläufer auch zu anderen Schulen geht. Michael angerufen. Er weiß nicht viel. Er ist ja auf einer anderen Schule. Ich komm‘ nicht drauf, klar – ich bin neulich noch durch das Kaff gelaufen. Vielleicht bin ich an seinem Haus vorbeigelaufen. Es ist erschreckend, wie nah das ist. Es ist erschreckend, wie viele Personen doch darin verwickelt sind, die man kennt. Ich habe mit so vielen geschrieben, die nicht wussten, ob ihre Freunde noch leben. Einer war zu der Zeit in Wendlingen unterwegs und hat das Chaos miterlebt. Leute, die nicht in der Nähe von Stuttgart wohnen oder niemanden

in der Nähe von Winnenden kennen, verstehen das vielleicht nicht, warum ich so geschockt bin. Aber hier ist eine Hysterie, unfassbar. Es wird über nichts anderes geredet. Nach und nach kommt immer mehr raus, wer dabei war, wer den Täter kannte, wer ihn zuletzt gesehen hat. Ich versuche, euch mal die Situation zu beschreiben: Leute sitzen geschockt zu Hause und wissen nicht, ob sie die Opfer kannten. Freunde waren defi nitiv dabei und haben überlebt. Manche vielleicht nicht. Ich kann euch versichern, ich werde das so schnell nicht vergessen. Nicht, wenn ich so viele kenne, die das miterleben mussten und selbst Angst hatten, dass jemand, den sie kennen, tot sein könnte. Es ist traurig, dass Winnenden plötzlich so bekannt ist. Weltweit liest jeder heute wahrscheinlich mindestens einmal „Winnenden“. Ich hab‘ im Bus fast einen Anfall bekommen. Ich hab nur noch Winnenden gehört. Da bekommt man dann so Gesprächsfetzen mit wie: „Stell‘ dir vor, du siehst, wie dem Typen neben dir der Kopf zerfetzt wird“ oder „Ich würd‘ mich einfach auf den Boden schmeißen“. Irgendwie erschreckend, das aus den Mündern von Fünftklässlern zu hören und zu denken, es gibt Leute, die das wirklich miterlebt haben. Ich kenne wahr-


Titelthema: Gewalt

scheinlich welche. Ich persönlich hätte meiner Schule echt zugetraut, dass knallhart regulärer Unterricht gemacht wird, und es vielleicht kurz mal nebenbei erwähnt wird, aber im Klassenzimmer wurde über nichts anderes geredet. Man wurde in den Arm genommen und man hat geredet. Absurderweise wurden erstmal die Hausaufgaben abgeschrieben. Ich habe versucht zu lernen.

gar an der Tafel. Wer sich allerdings nicht meldete, wurde in Ruhe gelassen. In Latein haben wir Spiele gespielt. Aber nein, wir spielen keinen „Hangman“, das ist mir zu brutal. Wir spielen „Heiner malen“. Also malen wir einen Heiner, anstatt einem Männchen, das am Galgen hängt. Mit lateinischen Begriffen. In der Pause sind wieder welche aus der Klasse zum Lehrerzimmer. Haben unsere Französisch-Lehrerin gefragt, ob

Dann kam mein Mathelehrer herein. Er kam rein, und es war still. Er hat kurz etwas gesagt. Aber man musste wohl nichts sagen, es hatte wohl jeder mitbekommen. Es gibt kein Richtig und kein Falsch, wie man mit diesem schrecklichen Ereignis und der Trauer umgeht, aber man braucht sich auf keinen Fall zu schämen. Wer im Unterricht eine Pause braucht, soll einfach rausgehen, kurz spazieren gehen, an die Luft, er versteht das. Eine Psychologin steht auch zur Verfügung. Wir sollen uns einfach trauen, wenn wir denken, wir packen es nicht. Zum Respekt vor den Opfern und zur Anteilnahme gab es eine Schweigeminute. Ich hätte nicht gedacht, dass meine Chaoten-Klasse eine Minute lang still sein kann, doch es war totenstill. Keiner hat laut geatmet. Kein Kratzen auf Papier. Kein Rascheln. Keine Bewegung mit dem Fuß. Lediglich die Kirchturmuhr und ein schreiender Vogel und Gedanken. Das war keine Schweigeminute. Das waren etwa sechs Minuten Totenstille! Ich musste mit den Tränen kämpfen – war damit nicht alleine. Danach meinte mein Mathelehrer, er fände es abwegig und könne sich auch nicht vorstellen, jetzt Mathe zu machen, aber ein wenig Normalität würde vielleicht helfen. Und so krass es klingen mag – es half. Ich war so-

druckend. Es war traurig. Man sieht Hunderte von Menschen in einer solchen Stille, die man von so vielen Menschen nie erwarten würde. Ich habe noch nie in meinem Leben so viele traurige Gesichter auf einmal gesehen. Man sieht Menschen weinen, die man normalerweise nie weinen sehen würde, weil sie es nie zeigen würden. Kleine Kinder, die verwirrt aussehen, die die ganze Sache einfach nicht verstehen können. Leute in meinem Alter, total aufgelöst. Menschen, emotionslos. Man sieht nur den Schrecken im Gesicht. Gänsehaut. Hunderte von Kerzen, Windlichtern, Schildern, Blumen, Teddys und andere persönliche Gegenstände. Man kann die Atmosphäre, die einem da entgegen kommt, nicht beschreiben. Sie erschlägt einen. Es ist krass. Tränen.

Albertville-Realschule

wir die Arbeit verschieben können. Im „Unterricht“ haben wir die erste Hälfte nur über die Ereignisse geredet. Und in der zweiten Hälfte haben wir französische Comics gelesen. Den Rest des Tages war nicht sehr viel los. Wir waren alle irgendwie noch zu geschockt. Ich war am 14.03.09 in Winnenden. Je näher die Haltestelle Winnenden kam, desto bedrückender wurde es irgendwie. Keiner wusste genau, was uns erwartet. In Winnenden haben wir eine Frau gefragt, wie man zur AlbertvilleRealschule kommt. Sie hat traurig geguckt, irgendwie mit Mitleid im Blick. Mich würde interessieren, wie vielen sie den Weg schon beschrieben hat. 20 Minuten durch Winnenden laufen. Immer wieder begegnet man kleineren Gruppen, traurigen Gesichtern, schweigend. Je näher man zur Schule kam, desto mehr Menschen wurden es. Man sah es von weitem. Eine reine „Pilgerstätte“. Ich hätte nie mit so vielen Menschen gerechnet. Es war beein-

Stundenlang die Kerzen angeguckt, Fotos von Opfern, Gedichte von der besten Freundin, Briefe von den Eltern, Beileidsschilder von Schulen, Verwandten, Fremden. Es ist gruselig, dort zu stehen. Man steht dort und sieht die Schule genau in dem Winkel, wie es im Fernsehen immer gezeigt wird. Man sieht die Fenster und denkt – dort sind sie hinunter gesprungen. Man guckt auf den Boden und überlegt, was an dieser Stelle vielleicht passiert ist. Auf dem Pausenhof noch mehr Kerzen, Fotos, Briefe. Fotografen und Reporter. Doch sie halten sich wenigstens hier ein wenig zurück. Schilder, die darum bitten, die Trauernden in Ruhe zu lassen. Hier muss ich meine wachsende Abneigung der Presse gegenüber kundtun: Wie kann es sein, dass ein angeblich seriöser Fernsehsender Leute interviewt, und die Gespräche anschließend so zusammenschneidet, dass nur rauskommt: „Killerspiele, einsam, Mobbing und Psycho“, obwohl die eigentliche Aussage des Befragten ganz anders ablief? Es ist seltsam, man will weg, weg von dem Ort, der einen so traurig macht. Andererseits will man dort bleiben. Juni 2009

7


Titelthema: Gewalt

Man merkt, wie es manchen auf die Nerven geht zu sagen, dass sie in Winnenden wohnen. Man wird schief angeguckt, wenn man das sagt. Es ist so. Eventuell wird man sogar darauf angesprochen. Aber mal wirklich: Ich werde es nie, nie vergessen, was in meinem Kopf vor sich ging, als ich das alles gehört habe. Wenn man Kopfweh und Übelkeit vor lauter Schrecken bekommt. Man wird es nie vergessen, man kann es nie vergessen, und man darf es nie vergessen.

„Es lebt weiter – in uns. Auch wenn die meisten es einfach nur vergessen wollen.“

Wir haben etwas geschrieben, Kerzen angezündet und sind langsam zurück. Nach zwei Stunden. So gruselig und traurig es auch war, dort hinzugehen: Es tat gut. Man versteht es ein kleines bisschen mehr, der Schock ist ein kleines bisschen mehr überwunden. Grotesk. Aber wahr. Das Leben geht weiter, es bringt nichts, weiter darauf rumzureiten, wie viel Schrott die Zeitungen und die anderen Medien verzapfen. Kleiner Ausflug in meine Gedanken. Das Thema Winnenden überschlägt sich förmlich in meinem Kopf. Mittlerweile geht es allerdings wieder – halbwegs. Ich bin vielleicht immer noch ein wenig empfi ndlich, aber die Wörter Amoklauf, Winnenden und ja, auch Killerspiele, da scheppert es im Kopf. Ich will eigentlich gar nicht mehr darüber diskutieren, weil mir einfach immer noch die Worte fehlen. Egal, wie lange es nun her ist. Winnenden. „Och, jetzt hört doch auf. Ist gut,“ – so vielen Leuten geht das Thema schon auf die Nerven. Mal ehrlich – selbst die Presse hat es bis ins letzte Detail ausgesaugt und trotzdem wird noch darüber geredet. 8

Juni 2009

Wie sehen es die Leute aus Winnenden? Ich hab‘ dezent nachgefragt, bei einem Mädchen von der Albertville -Realschule. Und bei anderen Freunden aus Winnenden/Leutenbach. Tausend Entschuldigungen, dass ich es herauskrame. Sie meinten, es sei gerade eigentlich wieder okay. Es ist alles eigentlich wieder normal. Sie versuchen, nicht daran zu denken. Halbwegs normaler Unterricht. Andere Schule? Kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich versuche mir gerade vorzustellen, wie das sein muss, diese Schule zu sehen, wenn man dabei war – unvorstellbar, oder? Die Zeit heilt alle Wunden. Vielleicht nicht alle, aber einige. Die vielen kleinen Schürfwunden, die eben auch da sind. Die tiefen Stiche nicht.

Ich weiß nicht, wie der Platz mit den Kerzen aussieht. Ich glaube auch nicht, dass ich ihn mir noch einmal anschauen werde. Ich hoffe nur, dass er noch da ist. Dass er vor lauter Regen noch nicht weggespült ist. Was wäre dann noch übrig? Nasse Kerzen und Reste von Tränen und durchnässte Kuscheltiere. Es klingt beschissen kitschig, aber es ist eigentlich egal, wie viele Kerzen dort stehen. Aber die Kerzen, Plakate, Gedichte, Fotos und Stofftiere wurden eines Nachts um drei Uhr klammheimlich alle entfernt und durch eine Gedenkstätte ersetzt. Und mittendrin hängen Wahlplakate mit Politikern in Lebensgröße. Es lebt weiter – in uns. Auch wenn die meisten es einfach nur vergessen wollen. Wir bedanken uns recht herzlichst bei der jungen Autorin. Mehr Infos unter: www.luddy.org

Text und Fotos: Carolin H. in Zusammenarbeit mit SK


Titelthema: Gewalt

RUDOlF RAPP Ein Morgen im August 1945 / Ohne Fernseher oder eine Illusion Rudolf Rapp wollte als junger Mann Forstwirtschaft studieren. Der Zweite Weltkrieg und familiäre Verpflichtungen verhinderten dies. Heute lebt der aktive 81-jährige am Bodensee und widmet sich unter anderem der Prosa und der Poesie. Humorvoll, ironisch, nachdenklich oder melancholisch blickt Rudolf Rapp auf die Zeit – auf das, was war, was ist und was vielleicht sein wird. Großzügigerweise stellte er uns für diese Ausgabe zwei seiner Texte zur Verfügung, die die vielseitige Bandbreite seines Schaffens zeigen. Wir hoffen, dass sein Vorbild unseren Leserinnen und Lesern Mut macht, ihre Texte einem breiteren Leserkreis zur Verfügung zu stellen. Ein Morgen im August 1945 Es war ein guter Morgen an diesem Sommertag 1945 – der beste seit 15 Monaten. Ich wollte es laut hinausschreien, doch ich sagte es nur leise vor mich hin: „ICH BIN FREI!“. Ich schloss die Türe ab, vergrub mich in meinem Bett und heulte wie ein Schlosshund. Soeben hatte mir die französische Militärpolizei die Nachricht von der Anerkennung meines amerikanischen Entlassungsscheines überbracht. Ich muss mich nicht mehr verstecken, bin kein illegaler „Rest“ einer Kriegsmaschinerie mehr. Ich habe offiziellen Status, endlich gibt es mich wieder. Ich bin das Stigma des zu verfolgenden deutschen Soldaten ohne Aufenthaltsgenehmigung los. Ich kann durch die vertrauten Straßen schlendern, Freunde besuchen. Alles steht mir jetzt offen. Man glaubt nicht, auf was man alles verzichten muß, wenn man gejagt wird. Oh, was werde ich jetzt nicht alles tun! Inzwischen bin ich siebzehneinhalb Jahre alt geworden. Vor einigen Wochen erst war ich einem SS-Auffangbataillon entwischt. Einem Haufen Unverbesserlicher, die versprengte Soldatengruppen zwangsverpflichteten, weiterzumachen. Und das trotz bereits unterschriebener Kapitulation, also nach Kriegsende. Ich marschierte bei Nacht durch unwegsame Gebirgsgegenden und Wälder

in Richtung Heimat, obwohl an jeder Ecke zu lesen war, dass auf jeden, der abseits einer öffentlichen Straße anzutreffen sei, ohne Vorwarnung geschossen würde. Dabei wurde ich drei Mal gefangen genommen, bin jedoch jedes Mal wieder ausgebrochen. Der Wille, die Heimat wiederzusehen, war übergroß. Nun war ich zwar zu Hause, aber illegal. Da ich keine offiziellen Entlassungspapiere einer Besatzungsmacht besaß, durfte ich mich nirgends sehen lassen. Wie sich bald herausstellte, war der Zustand des illegalen Hierseins, nachdem sich die allgemeine Freude, den Krieg erst einmal überlebt zu haben, gelegt hatte, schwierig und fast unerträglich. Das ewige sich-verstecken-müssen vor den Franzosen, keine Lebensmittelkarte beantragen zu können usw., waren für mich und meine Familie schwere Belastungen. Nun, es ging ja auch nicht allzu lange gut. Irgendein „guter Freund“ zeigte mich bei der französischen Behörde an und ich kam auf ein Fahndungsblatt. Ich muss dazu noch erwähnen, dass ich einen guten Grund hatte, mich nicht bei der französischen Armee um einen Entlassungsschein zu bemühen. Es war allgemein bekannt, dass sie diejenigen, die sich bei ihnen (den Franzosen, Anm. d. Red.) meldeten, um zu ihren Familien zurückzukehren, erst einmal ein bis zwei Jahre nach Frankreich zum Arbeiten verdonnerten. Vom Amerikaner ausgestellte Entlassungspapiere erkannten sie im Allgemeinen jedoch sofort an. Sie wollten sich vermutlich nicht gegen den „großen Bruder“ stellen. Jedenfalls erfuhr ich rechtzeitig von dem Verrat und machte mich schleunigst aus dem Staube. Jetzt war ich schon wieder auf der Flucht und der Gejagte. Da ich die Anonymität satt hatte, beschloss ich, mich zu den Amerikanern durchzuschlagen, um mich dort als Kriegsteilnehmer zu melden und um für die Französische Zone gültige Entlassungspapiere zu erbitten. Ich besorgte mir ein Fahrrad und fuhr in der Dämmerung auf einsamen Wegen nach Ulm. Noch vor Mitternacht erreichte ich Ulm und sofort meldete ich

Der Autor Rudolf Rapp

mich bei der Militärpolizei. Eine von mir ausgedachte Geschichte erzählend, bat ich um offizielle Entlassungspapiere und Überweisung in meinen in der Französischen Besatzungszone liegenden Heimatort. Für die Nacht sperrten sie mich in ein provisorisches Drahtviereck. Schon bald hatte ich Kontakt mit anderen Gefangenen, die mir, nachdem ich ihnen erzählt hatte, weswegen ich hier bin, erklärten, dass ich in einem Abschiebelager der ehemaligen Waffen-SS gelandet sei. Es sollte in den nächsten Tagen aufgelöst und in die jeweiligen Besatzungszonen überführt werden, auch in die russische. Nur wenn ich bestimmte Papiere – mit noch mehreren Stempeln versehen – vorweisen könne, aus denen hervorging, dass ich zum Aufbau Deutschlands dringend gebraucht würde, und nicht das SS-Brandmal hatte, hätte ich mit meinem Anliegen eine Chance. Ansonsten wären mir einige Jahre Knast sicher. Ich brach nochmals aus, holte mein Fahrrad, das ich versteckt hatte, und fuhr auf gleichem Wege die 50 Kilometer zurück. Noch in der Nacht besorgte ich die erforderlichen Papiere und war in den frühen Morgenstunden wieder in meinem Gefängnis. Es kam wirklich so, wie mir gesagt wurde. Nach drei Tagen hatte ich einen amerikanischen Entlassungsschein und eine Passierorder in die Französische Zone. Nun kam die große Zitterpartie.

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Titelthema: Gewalt

Würden die Franzosen meine amerikanischen Papiere anerkennen oder auf sie pfeifen und mich mit dem nächsten Transport nach Frankreich abschieben? Lang wurden die folgenden Tage des Wartens. Sollten sie die Fahndungslisten durchsehen, war ich dran. Aber ich hatte Glück. Nach zehn Tagen voller Erwartung und Angst kam die Nachricht, ich könne meinen von den französischen Behörden anerkannten und zusätzlich abgestempelten Entlassungsschein abholen, nebst einem Ausweis zum Erhalt einer Lebensmittelkarte. Zahllose Bilder der jüngeren Vergangenheit rasten an mir vorbei. Es war gerade vier bis fünf Monate her, da schickte man uns zuhauf in die vorderste Frontlinie. Frisch von der Offiziersschule, unvorbereitet, mit alten Übungsgewehren und gerade mal zwanzig Schuss. Ein Teil meiner Kameraden erhielt das neue Sturmgewehr, aber nur mit einem halbvollen Magazin ausgerüstet. Wahrscheinlich

rechnete man mit unserem Tod, bevor wir mehr Munition verschossen haben würden. Wir dienten nur als AlibiFrontlinie und wurden gnadenlos verheizt. Uns gegenüber stand eine turmhohe Militärüberlegenheit mit Panzern und Geschützen. Ihre Taktik war so einfach wie brutal. Sie beschossen das Gelände, das sie einnehmen wollten, solange mit allem, was sie hatten, schickten dann, wenn sich nichts mehr rührte, ihre Riesenpanzer vor und kamen mit der dritten Welle in einer Infanteriemasse, der wir nichts entgegensetzen konnten, außer uns 16- bis 17-jährige Burschen. Ich hatte einen Spezialauftrag, wir waren einundzwanzig Mann, und nach einer Stunde waren wir nur noch sieben. Es war grauenhaft. Wie viele blutjunge Menschen mussten ihr Leben lassen, ohne wirklich gelebt zu haben. Als ich in diesen unvergesslichen Tagen bei einem weiteren Sondereinsatz miter-

leben musste, wie die Zivilbevölkerung einer von uns zu verteidigenden Ortschaft die weiße Fahne hisste und die gegnerischen Truppen in unseren Rücken wiesen, starb etwas Ungeheuerliches in mir. Fast kalt ließ mich später, als ich bereits zu Hause war, die Feststellung, dass sich unsere Mädchen mit den feindlichen Besatzungssoldaten verbanden. Für uns hatten viele keinen Blick mehr übrig. Ja, dort hatte man Schokolade, Kaffee und Nylons. Wir hatten nichts dergleichen, nur uns selbst. Und das war zu wenig und in jenen Tagen nicht gefragt. Noch vor einigen Monaten wollte ich für diese Menschen mein Leben weggeben? Und trotzdem hatte ich plötzlich eine Freundin. Die Mieterin des ersten Stockwerkes in unserem Hause, eine junge Frau, deren Mann in Stalingrad vermisst war, kannte die Tochter einer ihr befreundeten Familie. Irgendwo war sie auf mich aufmerksam geworANZEIGE

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Titelthema: Gewalt / Kiez

teMPelHOF Update den. Sie arrangierte ein Rendezvous. Wie mir das Mädchen später anvertraute, war ich so ernst und zurückhaltend, dass sie sich gleich um ein Jahr älter machte. Ich war siebzehneinhalb Jahre alt, da wollte sie wenigstens sechzehn sein. In Wirklichkeit war sie erst fünfzehn Jahre alt. Plötzlich denke ich an sie, in meiner neuen Freiheit, und der schöne Morgen kommt mir gleich noch schöner vor. Meine Phantasie kannte keine Grenzen mehr. Ich war FREI!!! Was fange ich ab heute mit meinem Leben und meiner Freiheit an? Was wird mein Berufsweg? In den vergangenen Wochen hatte ich genügend Zeit, mir über meine berufliche Zukunft Gedanken zu machen. Der Ausgang des Krieges vernichtete meine ehemaligen Zukunftspläne. Ich musste meine Abitur-Nachholung sowie die Aussicht auf ein Forstwirtschaftsstudium begraben und mich der Realität zuwenden. In der Trostlosigkeit des Jahres 1945 war eine Lebensplanung purer Unsinn. Ich erinnerte mich an meinen noch existierenden Lehrvertrag bei einer ortsansässigen Firma. Nach längerem Nachdenken beschloss ich, diesen zu erfüllen, um wenigstens einen Abschluss als Kaufmann zu besitzen. Was später daraus werden würde, stand in den Sternen. Also weg mit der Offizierslaufbahn und dem anschließenden Beruf als Förster. Jugendtraum ade…

Ohne Fernseher oder eine Illusion Siehst du „fern“, dann siehst du „nah“, was ganz weit weg, ist plötzlich da. Mit Knopfdruck ohne Kraft und Saft, erlebst du, wo man weint und lacht. Erhältst du dann für gutes Geld, von hier hin bis zum Arsch der Welt, ein Wissen, das du gar nicht brauchst, von Dingen, die du dich nie traust. Ahnungslos von Mord und Sorgen, bei Katastrophen wird gestorben, du wüsstest nichts von Terrors Schrecken, das Frühstück würd‘ dir wieder schmecken. Auch wär es gut und du wärst froh, gäb‘s den Computer nicht und so. Die Drucker, Scanner und Kopierer, alles Qualitätsverlierer. Du hättest Zeit, ein Buch zu lesen, wann war‘s das letzte Mal gewesen, dass du von deinen vielen Bänden, ein‘s gehalten hast, in deinen Händen? Da konnte dir die Welt da draußen, am Hinterteil vorbei dann sausen, warst ohne Betablocker froh, einfach so. Ob Fernseh‘n oder EDV, nichts geht mehr ohne Multi-Schau. Was du gewünscht, ist längst vorbei, der Zukunft ist das einerlei.

Texte und Foto: Rudolf Rapp

„Ein Morgen im August 1945“ Immer wieder kehrten meine Gedanken an die riesige Erleichterung zurück. Ich war frei und konnte ab jetzt selbst wieder über mich entscheiden. Ich ging aus dem Haus und jedermann durfte mich auch sehen, und ich konnte ungeniert in ein Kaffeehaus gehen. Beim Fußballclub war ich jetzt wieder aktiv und nicht nur im Training. Ich würde eigenes Geld verdienen und nicht mehr nur vom Taschengeld meiner Eltern leben. Ich werde eines Tages das Lachen eines jungen Mannes wieder lernen. Ich werde, ja ich werde und werde und werde!!!! Ja, es war ein guter Morgen, dieser Morgen im August 1945.

in: Schneider, Sandra (Hrsg.) „Ich habe es erlebt“ – das frühe 20. Jahrhundert in Zeitzeugenberichten“, 1. Aufl., Cornelia Goethe Akademieverlag 2004 „Ohne Fernseher oder eine Illusion“ in: Rapp, Rudolf „Gedichte und Kurzgeschichten“, Cornelia Goethe Akademieverlag 2005 Kontakt zum Autor unter: Tel.: 030 - 25 29 25 40 E-Mail: redaktion@intihaus.de

März 2009: Der Bund überlegt, seinen Anteil am Flughafen Tempelhof an den Senat zu verkaufen. Währenddessen unterbreitet die SPD den Vorschlag, dieses Gebiet als Zentrum für Solar- und Windenergie zu nutzen. Anwalt der Filmstudios Babelsberg möchte Wowereit verklagen, da dieser das Gelände an die Modemesse „Bread & Butter“ vermietet hat. April 2009: Die Bundeswehr baut auf dem ehemaligen Flughafengelände, direkt am Radarturm, ein Dienst- und Versorgungsgebäude sowie ein Wachgebäude. Juni 2009: 7. Juni: Erster Bürgerentscheid in Tempelhof-Schöneberg „Das Denkmal Flughafen Tempelhof erhalten – als Weltkulturerbe schützen“. Das Aktionsbündnis be-4-tempelhof.de will die Erhaltung der Flughafenanlage, die Ausweitung des Denkmalschutzes sowie einen eingeschränkten Flugverkehr. 20. Juni: Öffentliche Massenbesetzung des Flughafengeländes. „Gemeinsam Grenzen überwinden“ will das Aktionsbündnis „Squat Tempelhof“ (to squat = engl. besetzen). Zu diesem Zweck fi ndet an diesem Tag die symbolischen Besetzung des Tempelhofer Flugfeldes statt. Die Ziele: 1. Öffnung des Zauns und freie Zugänglichkeit für alle 2. Keine kommerzielle Nutzung und Bebauung, keine Verdrängung der Anwohner_innen 3. Schluss mit der Privatisierung und Kommerzialisierung der Stadt, Gentrifi zierung stoppen, für eine selbst bestimmte Stadtentwicklung tempelhof.blogsport.de Juli 2009: 9. bis 11. Juli: „Pyromusikale“ (Musik-Feuerwerk)

Text: SK Juni 2009

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ZeItUNGsVIeRtel Lindenstraße 3 – Ein Schicksalsort deutscher Geschichte Vor neunzig Jahren sah der Mehringplatz (damals Belle-Alliance-Platz) völlig anders aus. Die Stresemannstraße (damals: Königgrätzer Straße) mündete direkt auf das Rondell. Ebenso die Lindenstraße von der anderen Seite. Das Hallesche Tor war offen nach Süden, passierbar für Straßenbahnen, Autos und Fuhrwerke nach Tempelhof und allen anderen südlichen Orten (heute: Kreuzberg 61, Neukölln und den südöstlichen Teilen von Schöneberg). In der Lindenstraße 3 stand das Hauptgebäude der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD), der ältesten Partei Deutschlands. Der Gebäudekomplex war zigmal größer als das Willy-Brandt-Haus Stresemann-/Ecke Wilhelmstraße. Hier residierten Parteivorstand, die Parteihochschule (in der feinste Historie und Literatur- und Philosophiegeschichte von Franz Mehring, Rosa Luxemburg, Karl Kautsky u.a. gelehrt wurde) und die Redaktion nebst Druckerei der Parteizeitung „Vorwärts – Zentralorgan der SPD“. Am 11. Januar 1919 spielte sich hier ein Drama ab, dass die deutsche, die europäische, ja die Weltgeschichte prägen sollte. Um dies zu verstehen, muss man etwas ausholen:

Zerstörtes Vorwärtsgebäude, 1919 Zeichnung: Vivien Eberlein

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Zwölf Jahre zuvor, 1907, fand in Stuttgart ein Treffen – heute würde man sagen: ein Festival, von der Sozialdemokratie organisiert – aller europäischen Arbeiterparteien statt. In Kundgebungen und feierlichen Erklärungen bekräftigten alle Parteien: Sollte es zu einem Krieg der europäischen Mächte kommen, halten sich die europäischen Arbeiter nicht heraus, ja, antworten sogar mit einem Generalstreik. Denn eines war klar: ohne Arbeiter keine Produktion in den Waffen- und Munitionsfabriken, keine Zugverbindungen von Menschen und Material an die Fronten ... kurz: ein Krieg wäre unmöglich. Alle vereint hatte bei diesem Treffen ein einziger Gedanke: Arbeiter, aus welchem Land auch immer, schießen nicht auf Arbeiter. Als sieben Jahre später, 1914, ein serbischer Nationalist den Thronfolger von ÖsterreichUngarn erschoss, blieb davon nicht mehr viel übrig. Österreich wollte gegenüber Serbien Genugtuung. In einer allgemein aufgeheizten Stimmung standen sich zwei Bündnissysteme gegenüber: Deutschland, Österreich-Ungarn, das Osmanische Reich gegen Serbien, Russland und Frankreich. Die europäischen Staaten wären in diesen Krieg hineingeschlittert, formulierte ein damals führender englischer Politiker. Dem war nicht so. In den sechziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts sichtete der Hamburger Historiker F. Fischer die Akten des ehemaligen deutschen kaiserlichen Außenministeriums. Und glasklar kam zutage, dass Berlin seinen Bündnispartner in Wien zum Krieg drängte. Bloß keine Kompromisse. Alle Verständigungsangebote Serbiens wurden abgelehnt, bis es zum Krieg kam. Drahtzieher war der deutsche Generalstab. Seine Überlegungen waren einfach: Militärisch stehen wir jetzt noch gut da, aber wenn das jetzige Hochrüsten aller europäischen Staaten so weitergeht, haben wir in fünf Jahren schlechtere Karten. So begann die Maschinerie der Mobilisierung und dann der erste Weltkrieg. Die Führungen der europäischen Arbeiterparteien wurden von der Kriegsbegeisterung jener Tage

Blick in die alte Lindenstraße; im Vordergrund Lindenstraße 4

mitgerissen. Vom „Internationalismus“ des Sommers 1907 war nichts übrig geblieben. Bis auf wenige Dissidenten wurden die meisten „Vaterlandsverteidiger“ nationalistischer Prägung. Doch die Freude über den Krieg währte nicht lange. Nachdem deutsche Truppen das neutrale Belgien erobert hatten, trat dessen Schutzmacht Großbritannien auf Seiten Frankreichs und Russland in den Krieg ein. Die englische Flotte, die mächtigste der damaligen Zeit, verhängte ein Embargo über Deutschland. Für die Zivilbevölkerung war das katastrophal. Bei sich ständig erhöhender Arbeitszeit – von neun Stunden 1914 auf zwölf Stunden 1917 – und sich stetig verschlechternder Nahrungsmittelversorgung, stand die Stimmung auf Sturm. Vorreiter der Protestbewegung waren die Frauen. Bereits im Februar 1915 kam es wegen Kartoffelmangels zu „stürmischen Szenen“ vor den Geschäften Berlins. Im März des gleichen Jahres demonstrierten spontan hunderte Berliner Frauen vor dem Reichstag. Solche Erhebungen sind stets Zeichen eines Umbruchs: der französischen Revolution 1789, der deutschen Revolution 1848, der russischen Revolution 1917 und der deutschen Revolution von 1918 gingen stets von Frauen geführte Hungerrevolten voraus. Franz Mehring (nach dem Straße und Platz in unserem Kiez benannt sind) beklagte in einem Artikel der Leipziger Volkszeitung zum 1. Mai 1916, dass „am grünen Tisch in der Lindenstraße in Berlin (gemeint war der Sitz des Parteivorstandes der SPD – M.M.) ... nicht einmal ein Tintenfass erschüttert wird,


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wenn eine Welt über ihnen zusammen stürzt.“ Es kam zu schweren Zerwürfnissen innerhalb der SPD. Die Kriegsgegner (die Minderheit) bildeten zunächst eine „Gruppe Internationale“. Sie gab ein Rundschreiben heraus, die sogenannten „Spartacusbriefe“. Daraus entwickelte sich der Spartacusbund, genannt nach Spartacus, dem Anführer eines großen Sklavenaufstands im antiken Rom. Andere Kriegsgegner schlossen sich in der Unabhängigen sozialdemokratischen Partei (USPD) zusammen. Die führenden Köpfe der Kriegsgegner waren Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht und Franz Mehring. Die Mehrheit der SPD (MSPD) unter Leitung von Friedrich Ebert, Philipp Scheidemann und der Gewerkschaftsspitze (ein Vertreter war Legien, nach dem der gleichnamige Damm in Kreuzberg benannt ist) versuchte in Verhandlungen mit der herrschenden politischen Elite, das halbfeudalistische Reich in eine demokratische Bürgergesellschaft zu reformieren, so z.B.: In Preussen, das damals größer war, als das heutige, wiedervereinigte Deutschland, und von dem praktisch nur das heutige Brandenburg-Berlin übrig geblieben ist, galt bis 1918 das Dreiklassenwahlrecht. Also: nichts von wegen, ein Mann hat eine Stimme, sondern die von der Abstammung her Begünstigten (Adel) und die Vermögenden hatten im Block mehr Sitze im Parlament als der Rest – Frauen durften sowieso nicht wählen. Aber nun überschlugen sich die Kriegsereignisse: Deutschland, de facto eine Militärdiktatur, stürzte sich 1917 in den unbeschränkten U-Boot- Krieg. Man erklärte die Gewässer rund um Großbritannien zum Kriegsgebiet. Deutsche U-Boote torpedierten nun alle Schiffe, die englische Häfen ansteuerten, auch die der USA, ohne Vorwarnung. Das hatte natürlich den prompten Kriegseintritt der USA zur Folge. Und während der modernste und wirtschaftskräftigste Staat der damaligen Zeit – die USA – zum Kriegsgegner Deutschlands wurde, brach das kaiserliche Reich im Innern zusammen: durch

Lindenstraße 3 um 1930

Hungersnot und unerträglichen Arbeitsbedingungen kam es zu Streiks, die mit harten Repressionen beantwortet wurden. Kriegsgegner wurden in Haft genommen. Und sogar vor dem alten Franz Mehring, obwohl Landtagsabgeordneter, machte man keinen Halt. Eine Hoffnung hatte der deutsche Generalstab noch. Das vom Zar beherrschte Russland war 1917 zusammengebrochen. Jetzt wollte er in einer letzten Anstrengung aller Kräfte durch eine Offensive die Westmächte bezwingen. Die Operation „Michael“ war anfangs erfolgreich, scheiterte dann aber an der Überlegenheit des Gegners. Der eigentliche Chef, General Ludendorff (General Hindenburg war nur der „Frühstücksdirektor“) erlitt einen Nervenzusammenbruch. Die Marineleitung ließ die deutsche Hochseeflotte unter Dampf setzen zu einer „letzten Schlacht“ gegen die hoch überlegene „Homefleet“ der britischen Marine. Selbstverständlich wollten die deutschen Matrosen kein Kanonenfutter sein. Die Offiziere der Schiffe wurden entmachtet und in Kiel, dem Standort der Flotte, bildeten sich spontan Arbeiter- und Soldatenräte, die sich binnen Tagen über ganz Deutschland ausbreiteten. In Berlin, dem damals größten Industriestandort Europas, wählte die Ar-

beiterschaft in den großen Betrieben (Siemens, Borsig, AEG) „Revolutionäre Obleute“ als ihre Sprecher. Selbst in den Reichstag, der bis dahin nicht viel zu melden hatte („Quatschbude“ – Zitat Lenin), weil Kanzler und Minister nur dem Kaiser rechenschaftspflichtig waren, kam Bewegung. Zum ersten Mal in der deutschen Geschichte wurde das Parlament zum Entscheidungsträger. Der gescheiterte Generalstab schob ihm die Aufgabe zu, die Kapitulationsbedingungen mit dem Gegnern zu verhandeln und zu unterzeichnen. In diesem Parlament war seit 1913 die SPD die stärkste Fraktion. Jetzt, im Anblick der Niederlage, wurde der Mehrheits-SPD und ihrem führenden Kopf Friedrich Ebert die politische Führung Deutschlands angetragen. Fast gleichzeitig, im Dezember 1918, versammelten sich die Deligierten der Arbeiter- und Soldatenräte und der Revolutionären Obleute in Berlin; Veranstaltungsort war der FestBau des Zirkus Busch (mit etwa 3000 Plätzen) am Hackeschen Markt. Das Gebäude wurde 1937 abgerissen. Dort beschloss die Mehrheit der Delegierten, dass die Regierung freie Wahlen zu einer Nationalversammlung organisieren sollte. Die Aufgabe der Nationalversammlung sollte es Juni 2009

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Mehringdamm) verschleppt und dort gefoltert. Es war ein Höhepunkt gewalttätiger Auseinandersetzungen zwischen der Mehrheitssozialdemokratie und links von ihr stehenden Gruppierungen. Und die Freikorps hörten in der Lindenstraße nicht auf: Vier Tage später wurden Rosa Luxenburg und Karl Liebknecht gefoltert und ermordet. In München wurde nach dem gleichen „Muster“ die Arbeiter-Räte-Republik niedergemetzelt.

Jüdisches Museum Berlin

sein, eine Verfassung für eine Deutsche Republik zu erarbeiten. Dies war der Unterschied der deutschen Revolution von 1918 zur russischen Revolution von 1917: In Rußland standen Räte und Parlament im politischen Gegensatz zueinander. Lenin entschied mit der Parole „Alle Macht den Räten“ den Kampf für sich, und begründete damit eine über 70 Jahre währende Herrschaft seiner Partei, der kommunistischen Partei. In Deutschland bekam Friedrich Ebert sowohl vom alten Parlament als auch von den Arbeiter- und Soldatenräten den Auftrag, zu regieren. Die Linken sahen ihre Felle wegschwimmen. Im Januar 1919 mobilisierten sie zu einer großen Demonstration; 200.000 Berliner Arbeiter forderten radikale Maßnahmen gegen das alte Regime. Vom „Spartacus-Aufstand“ zu reden – wie es in deutschen Geschichtsbüchern steht – könnte unangemessen sein. Denn die linken Gruppierungen – einschließlich der neu gegründeten Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) waren kleine intellektuelle Zirkel, ohne organisatorischen Rückhalt in der Arbeiterschaft. Aus der großen Demonstration wurde von einigen hundert Teilnehmern spontan das Zeitungsviertel besetzt – politisch sehr zielsicher, denn vor 90 Jahren waren Zeitungen das Hauptmedium 14

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(Radio, Fernsehen, Internet gab´s noch nicht). Und ihr Hauptziel war das Zentralorgan der SPD, der „Vorwärts“. Die zur Regierung gewordenen Mehrheits-Sozialdemokraten (Ebert, Scheidemann, Noske) wollten dies auf keinen Fall hinnehmen. Das Angebot aus dem alten kaiserlichen Generalstab, noch intakte Truppenverbände („Freikorps“, bezahlt von Großindustriellen) einzusetzen, wurde angenommen. Zum ersten Mal kämpften Teile der Arbeiterbewegung nicht mehr nur mit Worten, sondern mit brutaler Gewalt gegeneinander. Am 11. Januar 1919 kam es zu harten Kämpfen um das „Vorwärts“-Gebäude (damaliger SPD-Hauptsitz) in der Lindenstraße 3. Die mit Kriegsgerät (Artillerie, Flammenwerfer) ausgerüsteten Freikorps zwangen die Besetzer zur Aufgabe. Diese schickten eine Verhandlungskommission, um freien Abzug zu erreichen. Walter E. Keller schreibt: „Die sechs Parlamentäre wurden von den Gardisten mit Kolbenschlägen und Bajonetten empfangen und entsetzlich misshandelt. Nur einer wurde ins Vorwärtsgebäude zurückgeschickt. Die anderen fünf wurden an die Wand gestellt.“ Mehrere hundert andere Revoltierende wurden gefangen genommen und in die naheliegende Dragonerkaserne (heute: Finanzamt

Seit den Geschehnissen in der Lindenstraße gab es einen tiefen Riss in der Arbeiterbewegung. Selbst ein Zusammengehen gegen Hitler und seine Nazi-Schergen, die immer mehr Rückhalt in der Bevölkerung fanden war nicht mehr möglich. Gemeinsam traf man sich erst in den Konzentrationslagern von Oranienburg und Dachau wieder. Und Deutschland hatte eine Regierung, die systematisch Krieg und Völkermord vorbereitete.

Text: MM, Fotos: SK

Willy-Brandt-Haus

Finanzamt Friedrichshain-Kreuzberg


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GeWeRkscHAFt Bei ver.di zu Besuch Im Januar besuchten die jungen Damen und Herren des Intihauses (Das 1. stadtteilorientierte Integrationshaus am Mehringplatz), Friedrichstraße 1 – ein Ableger der Kreuzberger Musikalischen Aktion (KMA-Antenne) – die Gewerkschaftszentrale von ver.di. Im Rahmen einer vom Jobcenter Friedrichshain-Kreuzberg geförderten Maßnahme sollen die jungen Erwachsenen einem Bildungsabschluss näher gebracht werden. Vermittelt wurde der Besuch vom Betriebsrat Alexander („Ali“) Groth. Ein alter Bekannter von uns. Schon im Vorjahr führte er uns – als Urpunk in den frühen 1980ziger Jahren aus der Gropiusstadt – durch eine Ausstellung zum Thema Jugendkulturen. Ver.di hat nichts mit dem berühmten Komponisten zu tun, sondern ist die Abkürzung für Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft. 2001 gegründet, erfolgte der Zusammenschluss der

Betriebsrat Ali Groth (stehend) im Gespräch (mitte: Steffi Rabe)

in diesem Bereich organisierten Arbeitnehmer. Mit über zwei Millionen Mitgliedern ist ver.di die größte Gewerkschaft Deutschlands. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands errichtete die Gewerkschaft ver.di ihre Zentrale in der Köpenicker Straße/Ecke Engeldamm. In dem modernen Neubau hat zur nördlichen Seite, also zur Spree hin, die Bundeszentrale ihren Sitz, zur südlichen Seite ist die regionale Abteilung Berlin-Brandenburg untergebracht. Dort wurden wir von der Jugendsekretärin für Berlin-Brandenburg, Steffi Rabe, begrüßt und

Besuch bei ver.di

großzügig bewirtet. Dann ging es zur Sache: Es ist nicht in jedem Land der Erde selbstverständlich, dass sich Arbeitnehmer zusammenschließen können. Dafür gingen und gehen bis heute Menschen auf die Barrikaden, in Festungshaft und Gefängnisse, oder wie bei den Nazis in Konzentrationslager; ja, wurden und werden bis heute Menschen ermordet. Alle sozialen Errungenschaften – von Arbeitslosengeld über Krankenversicherung bis zur Rente – wären ohne die Kämpfe der Arbeiterbewegung, wie z.B. Streiks, nicht denkbar. Dies reicht bis zur Bildung: In Ländern, bei denen die gewerkschaftliche Organisierung aller Beschäftigten am Höchsten ist (Skandinavien über 70%; in Deutschland weit unter einem Drittel), ist auch – laut Pisastudie – das Bildungsniveau am höchsten. Es geht um „Lebensqualität“. Wie kommt man zur Gewerkschaft? Steffi berichtete aus ihren Erfahrungen im Einzelhandel als Azubi. „Ali“, der bei der Deutschen Post lernte, wurde als Punk in den 1980er Jahren wegen seiner Kleidung nicht nur in der U-Bahn, sondern auch auf Arbeit schikaniert. Um dagegen Stand zu halten, bedarf es einer erprobten Organisation. Und das sind die Gewerkschaften. Natürlich wurde vor allem auch über Aktuelles diskutiert, wie z.B. Mobbing und Mindestlohn. Man war sich

darüber einig, dass außerbetriebliche Ausbildung oft nur so tut als ob, und mit der Wirklichkeit fast nichts zu tun hat. Andererseits: Die betriebliche Ausbildung behandelt die Azubis allzu häufig schlicht als billige Arbeitskräfte. Wie sieht es mit ihren Rechten und den sozialen Belangen aus? Auch hier kann man sich Rat und ggf. Hilfe bei den Gewerkschaften holen. Die Veranstaltung war sehr emotional, deshalb spannend, aber auch anstrengend. Zum Abschluss fragte ich Steffi Rabe: „Dürfen wir mal wiederkommen?“ „Jederzeit“ war die Antwort. Danke, Steffi!

Text: MM, Fotos: SK

ver.di Vereinte Dienstleistungsgesellschaft Abteilung Jugend Köpeniker Str. 30 10179 Berlin Tel.: 030 - 88 66 51 11 Fax: 030 - 86 66 59 00 E-Mail: stefanie.rabe@verdi.de

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Film

FIlMkRItIkeN An American Crime 1965 erregte ein grauenhaftes Verbrechen die Öffentlichkeit in den Vereinigten Staaten: Die beiden Kinder Sylvia (Ellen Page) und Jennifer Faye Likens (Hayley McFarland) werden von ihren Eltern während der Schausteller-Saison vorübergehend zu der Pflegemutter Gertrude Baniszewski (Catherine Keener), die selber fünf Kinder hat, gegeben. Sie ist in ihrer Erziehung mehr als streng, das müssen auch die LikensSchwestern nach einiger Zeit erkennen. Vor allem Sylvia, die auf Grund mehrerer Missverständnisse oftmals die Härte zu spüren bekommt, leidet darunter. Der Regisseur und Drehbuchautor ist der bislang eher unbekannte Tommy O´Haver. Die grausame Brutalität wird sehr realitätsnah dargestellt. Der Film ist spannend und schonungslos erzählt, einige Längen im Mittelteil sind jedoch erkennbar.

In kühlen Nahaufnahmen zoomt die Kamera auf Ellen Page als Sylvia und zeigt ihre grausame, brutale Welt. Ein naiver, unschuldiger Teenie betritt die Bühne und verlässt sie als belogenes, vergewaltigtes und verratenes Opfer. Atemlos folgen die Zuschauer dem intensiven und überzeugenden Auftritt der Hauptdarstellerin. Sie leidet. Das Publikum leidet mit. Eine herausragende Leistung. Sehr beängstigend und hervorragend ist auch die Leistung des restlichen Ensembles: Aus Mitsehern werden Mittäter. Catherine Keener spielt die psychisch kranke Pflegemutter absolut realistisch und beängstigend. Drehund Angelpunkt ist und bleibt aber die grandiose Ellen Page, die den anderen Schauspielern in einigen Momenten durch Mimik und Darstellungskraft die Show stiehlt. Auch wenn der Film leider nicht in die deutschen Kinos kam, ist er zu emp-

fehlen. Dennoch muss gesagt sein, dass die Story nichts für schwache Nerven ist.

Text: SK

Quelle: capelight pictures

Ben X Ben (Greg Timmermans) ist sehr verschlossen und wird in der Schule von seinen Klassenkameraden gemobbt, nur in dem Online-Spiel „Archlord“ kann er sich ausdrücken und besteht dort jede Prüfung zusammen mit seiner Online-Gefährtin Scarlite (Laura Verlinden). Nach besonders perfiden Mobbing-Aktionen hegt er längere Zeit den Wunsch, seinem Leben ein Ende zu setzen...

Minute spannend und wartet gerade gen Ende mit sehr überraschenden Wendungen auf. Ganz herausragend ist die Kameraarbeit von Lou Berghmans: Vieles empfi ndet der Zuschauer aus Bens Sicht

Greg Timmermans, der den Ben mimt, gibt eine grandiose schauspielerische Leistung ab und bringt Bens Charakter glaubhaft und sympathisch auf die Leinwand. Auch Laura Verlinden als Scarlite besticht durch eine sehr gute Leistung, und zieht den Zuschauer sofort in ihren Bann.

Nachdem die auf wahren Ereignissen beruhende Romanvorlage in Belgien äußerst erfolgreich war und auch ein Theaterstück mit herausragendem Erfolg inszeniert wurde, gab es nun auch grünes Licht für eine Kinoversion des Stoffes. Es ist das Regiedebüt von Nic Balthazar, der auch die Romanvorlage schrieb. Mit äußerster Präzision und Genauigkeit bringt er das Thema Autismus auf die Leinwand. Der Spagat zwischen Virtualität (Onlinegame-Szenen) und Realität ist wirklich grandios. Des Weiteren ist der Film zu jeder 16

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(Subjektiven mit nahen Einstellungen, die Ben „verfolgen“), was mutig ist, aber sehr gut funktioniert. Auch die wackeligen Handkameraeinstellungen mit Zoomfahrten fügen sich gut in die Handlung ein.

Diese einzigartige Filmperle aus unseren Nachbarländern Belgien und den Niederlanden ist hervorragendes Autorenkino mit heftiger Story und sehr guten Schauspielern. Auf jeden Fall ganz großes Kino.

Text: SK

Quelle: KINOWELT GmbH


21.06. 16 - 22:00 Uhr

27.06.

07.05. - 14.11.

21.06. 11:00 Uhr; ca. 2h

18. - 20.06.

19.06. 19:00 Uhr

26. - 28.06.

09. - 11.07.

11.07.

22. / 23.08.

20. - 31.07.

Regulär

Regulär

Regulär

Jeden So+Mi, 11 - 13:00 Uhr

Fête de la Musique

Transgenialer CSD

Friedliche Revolution 1989/90

„Das verrückte Haus“ Daniel Libeskind für Kinder

Kolloquium „Filmgeschichte ausstellen“

9. Verleihung des Kinopreises des Kinematheksverbunds

Bergmannstraßenfest 2009 Kreuzberg jazzt!

Pyromusikale

B-Parade–Berlin Dance Parade Berlin

Bundesregierung Tag der Offenen Tür

Die gelbe Villa

Mitte Museum (Festungsgraben)

Mitte Museum (Gesundbrunnen)

Bezirksmuseum Friedrichshain-Kreuzberg

Tempelhof Museum

Juni 2009

12. - 14.06.

Berlin lacht! 2009 Internationales Straßentheater

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Wann?

Was?

„Zwischen Feldern und Fabriken – Orte, Menschen, Geschichten“ Eintritt frei

Dauerhafte Ausstellung Tel.: 50 58 52 33

Eintritt frei

Eintritt frei

Sommerferienprogramm (kostenlos) Anmeldung unter: 76 76 50 21 14 - 18:00 Uhr

Tag der Offenen Tür

Musik-Event (Technoparade)

Musik (Musik+ Feuerwerk)

Musik-Event Eintritt frei

Veranstaltungsraum (4.OG), anschl. Party, Eintritt frei

Kino Arsenal, Eintritt frei Tel.: 30 09 03 32, Deutsche Kinemathek,

Kinderveranstaltung 3,- € Eintritt

Open-Air Ausstellung Eintritt frei

Demonstration Eintritt frei

Musik-Event Eintritt frei

Festival Eintritt frei

Art+Infos

Das Kiezmagazin

Alt-Mariendorf 43 12107 Berlin

Adalbertstraße 95A 10999 Berlin

Pankstraße 47 13357 Berlin

Am Festungsgraben 1 10117 Berlin

Wilhemshöhe 10, 10965 Kreuzberg

Bundesregierung Dorotheenstr. 84, 10117 Berlin

Großer Stern Straße des 17. Juni, 10785 Tiergarten

Flughafen Tempelhof Platz der Luftbrücke 5, 12101 Berlin

U-Bhf. Alt-Mariendorf: U6

U-Bhf. Kottbusser Platz: U1

S-Bhf. Gesundbrunnen: S1, 2, 25, 41, 42 U-Bhf. Pankstraße: U8

S+U-Bhf. Friedrichstraße S-Bhf. Hackescher Markt

U-Bhf. Platz der Luftbrücke: U6 (Ausgang Mehringdamm)

S+U-Bhf. Friedrichstraße: S1, S2, U6, S5, S9, S75

S-Bhf. Tiergarten: S5, S7 ,S9, S75 S-Bhf Unter den Linden: S1, S2, S25

U-Bhf. Platz der Luftbrücke: U6

U-Bhf. Gneisenaustraße: U7

S+U-Bhf. Potsdamer Platz: U2, S1, S2, S25

Stiftung Deutsche Kinemathek Potsdamer Straße 2 10785 Berlin

Bergmannstraße, 10961 Berlin

U-Bhf Hallesches Tor: U1, U6

S+U-Bhf. Alexanderplatz: U5, U8, S5, S7 ,S9, S75

U-Bhf. Senefelder Platz: U2

U-Bhf. Görlitzer Bahnhof: U1

Bahnverbindung

Jüdisches Museum Berlin Lindenstraße 9 - 14, 10969 Berlin

Alexanderplatz 10178 Berlin

Ort bzw. Route steht noch nicht fest

Fête Company (Veranstalter) Schönhauser Allee 163, 10435 Berlin

Mariannenplatz, Kreuzberg 10997 Berlin

Wo?

www.tempelhofmuseum.de

www.kreuzbergmuseum.de

www.mittemuseum.de

www.mittemuseum.de

www.die-gelbe-villa.de foyer@die-gelbe-villa.de

www.bundesregierung.de

www.b-parade.de

www.pyromusikale.de

www.bergmannstrassenfestkreuzbergjazzt.de

www.deutsche-kinemathek.de

www.jmberlin.de

www.mauerfall09.de

www.transgenialercsd.de www.transgenialercsd.blogsport.de

www.fetedelamusique.de

www.berlin-lacht.com

mehr Infos unter...

Events Juni–August 2009


18

Juni 2009

3

18

22

15

19

16

21

13

12

1

17

14

Spandau

20

5

1

6

4

7

3

4

10

12

8

Freiluftkino

Steglitz-Zehlendorf

32

11

CharlottenburgWilmersdorf 5

2

Reinickendorf

Das Kiezmagazin

6

3

6

5

2

9

14

13

7 9

9

Grillplatz

11

10

10

25

23

26 29

31

30

27 28

Treptow-Köpenick

24

11

Marzahn-Hellersdorf

HohenschönhausenLichtenberg

Badestelle

Neuköln

8

Friedrichshain7 Kreuzberg 8

3

Mitte

SchönebergTempelhof

4

2

1

Pankow

Grillplätze, Badestellen, Freiluftkinos


Stadtpark (Lichtenberg)

14

Juni 2009

Rudolf-Seiffert-Park

13

19

Fennpfuhlpark

Ludwigsfelder Str./Neuruppiner Str. – Zehlendorf Süd

11

12

Rudolf-Mosse-Platz

Treptower Park

9

10

Blücherplatz

Görlitzer Park

6

Schlesischer Busch

Preußenpark

5

7

Großer Tiergarten

4

8

Monbijoupark

Grillplatz

Nr.

3

Unterhavel / Breitehorn

16

Volkspark Friedrichshain - Kleiner Bunkerberg

Groß Glienicker See / Nördlich

15

2

Unterhavel Grunewaldturm

14

Falkplatz und Mauerpark

Unterhavel / Kleine Badewiese

13

1

Unterhavel / Radfahrerwiese

Seebadeanstalt am Weißensee

9

12

Freibad Plötzensee

8

Teufelssee

Freibad Jungfernheide

7

Strandbad Orankesee

Tegeler See Saatwinkel

6

11

Oberhavel / Bürgerablage

5

10

Flughafensee

Tegeler See, gegenüber Reiswerder

3

Freibad Tegeler See

2

4

Oberhavel / Sandhauser Straße

Badestelle

1

Nr.

Park an der Parkaue, 10367

Paul-Junius-Straße 31, 10369

Ludwigsfelder Straße 18, 14165

Anton-Saefkow-Platz 5, 10369

Rudolf-Mosse-Platz, 14197

Alt-Treptow 1, 12435

Am Flutgraben 1, 10997

Waterloo-Ufer/Zossener Straße, 10961

Wiener Straße, 10999

Württembergische Straße 6-10, 10707

John-Foster-Dulles-Allee 10, 10557

Oranienburger Straße 80, 10178

Am Friedrichshain, 10407

Schwedter Straße, 10435

Adresse

Kolonie Breitehorn, 14089

Uferpromenade 9, 14089

Havelchaussee 61, 14193

Am Wiesenhaus, 14089

Havelchaussee 92 B, 14193

Teufelsseechaussee 28, 14193

Gertrudstraße 7, 13053

Berliner Allee 174, 13088

Nordufer 24, 13351

Jungfernheideweg 60, 13629

Im Saatwinkel 65, 13599

Niederneuendorfer Allee 84, 13587

Scharfenberg 44, 13507

Betzdorfer Pfad, 13507

Schwarzer Weg 21, 13505

Sandhauser Straße, 13503

Adresse

Das Kiezmagazin Unterhavel / Lieper Bucht Groß Glienicker See / Südlich Strandbad Wannsee Schlachtensee Unterhavel / Große Steinlake Unterhavel / Alter Hof Strandbad Müggelsee Seebad Friedrichshagen Flussbad Gartenstraße Freibad Wendenschloss Kleiner Müggelsee Große Krampe Freibad Grünau Seddinsee Schmöckwitz Krumme Lanke

17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32

Fischerhüttenstraße 141, 14163

Schmöckwitzer Damm, 12527

Seddinpromenade, 12527

Sportpromenade 15,12527

Gosener Damm, 12559

Gosener Damm 1, 12559

Möllhausenufer 30, 12557

Gartenstraße 42, 12557

Müggelseedamm 216, 12587

Fürstenwalder Damm 838, 12589

Uferpromenade, 14109

Badeweg 1, 14109

Am Schlachtensee 1, 14129

Wannseebad 5, 14129

Im Dohl, 14089

Lindwerder, 14193

Adresse

Freiluftkino Hasenheide (Volkspark Hasenheide)

Freiluftkino Kreuzberg

Bar 25

Sommerkino Kulturforum Potsdamer Platz

Freiluftkino Friedrichshain (Volkspark Friedrichshain)

Open-Air-Schloss Charlottenburg

Freiluftkino Mitte im Haus Schwarzenberg

Open-Air-Kino im „Windlicht“ / Kulturfabrik

Open-Air-Kino Spandau

Freiluftkino

11 Freiluftkino Naturtheater Friedrichshagen

10 Parkbühne Biesdorf

9

8

7

6

5

4

3

2

1

Nr.

Hinter dem Kurpark 10, 12587

Alt-Biesdorf 55, 12683

Hasenheide/Columbiadamm, 10967

Adalbertstraße 73, 10997

Holzmarktstraße 25, 10243

Matthäikirchplatz 4/6, 10785

Platz der Vereinten Nationen 1, 10249

Spandauer Damm 10, 14059

Rosenthaler Straße 39, 10178

Lehrter Straße 35, 10557

Carl-Schurz-Straße 13, 13597

Adresse

An allen Badestellen werden regelmäßig Gewässerproben entnommen. Die aktuelle Wasserqualität sowie Angaben zur Sichttiefe können Sie im Internet nachschlagen unter: www.berlin.de/badegewaesser/detail/index.html

Badestelle

Nr.

Grillplätze, Badestellen, Freiluftkinos


Fête de la Musique Heinrichplatz KMA Startruck Bühne

20

Juni 2009

Bei der diesjährigen‚ Fête de la Musique’ ist die Kreuzberger Musikalische Aktion e.V. mit einer eigenen Bühne auf dem Heinrichplatz vertreten.

So. 21.06.

KMA

Im 1. stadtteilorientierten Integrationshaus am Mehrplatz Friedrichstraße 1, 10969 Berlin Tel.: 25 29 25 40 in der ersten Etage – kostenlos.

jeden Donnerstag 17 - 19:00 Uhr

Florian van Bracht

Ab Donnerstag, dem 18.6.2009 berät dich der Rechtsanwalt

Hast du Probleme z.B. mit der Polizei? Mit deinem Handyvertrag?…

Feuerwehr 112

110

31 00 31

Kassenärztlicher Notdienst

711 21 12

Privatärztlicher Notdienst

89 00 43 33

192 40

Gift Notruf

615 42 43

Frauenkrisen telefon

61 00 61

Notdienst für Kinder

www.myspace.com/kurzschluss_berlin www.myspace.com/aqua_berlin

Folgetermine: 25.06., 02.07., 09.07., jeweils 16 - 18:00 Uhr

Polizei / Notruf

Alle AQUA-Veranstaltungen unter:

Sure Shot 5 Hip Hop Party Beginn 23:00 Uhr Eintritt: 6,- €

MachOne Konzert Berliner Hip Hop Legende

Fr 31.07.

Sa 08.08.

Kurzschluss #6 Techno/Elektro Party Beginn 23:00 Uhr Eintritt: 6,- €

Sa 25.07.

Los geht’s am 18.06.2009

Zahnärztlicher Notdienst

Dann kommen Sie doch einfach vorbei. Das 1. stadtteilorientierte Integrationshaus am Mehringplatz und Schildkröte GmbH Friedrichstraße 1, 10969 Berlin Tel.: 284 72 42 21

Neugierig geworden?

Haben Sie Interesse?

Wir treffen uns jeden Donnerstagnachmittag in der Friedrichstrasse, um gemeinsam zu basteln und zu bauen.

Wir freuen uns auf alle AnwohnerInnen, die mit uns gemeinsam die Dekoration des Sommerfestes (10.Juli 2009) auf dem Mehringplatz gestalten wollen.

Herzliche Einladung

Reggae Night

Sa 11.07.

Kontakt

Come-Together-Cup (Fußball) im Jahnstadion Eintritt frei

Tel.: 284 72 42 21 www.schildkroete-berlin.de

Tel.: 39 93 32 43 www.suedliche-friedrichstadt.de

Tel.: 25 29 51 63 www.kma-antenne.de info@kma-antenne.de

Tel.: 25 29 25 40 www.intihaus.de info@intihaus.de

21 01 01

Taxi Rufnumer

118 80

allg. Auskunft

443 50 98 21

Muslimische Seelsorge Quelle: www.notruf-berlin.de

11 61 16

EC Karten sperren

www.prideweek-berlin.de www.csd-berlin.de

Mehr Infos:

Gay-Sandsation

Motto 2009 „Stück für Stück ins Homo-Glück – Alle Rechte für alle!“ Eintritt frei Sa 27.06. Mi 08.07.

CSD auf der Spree (19 - ca. 20:50 Uhr) After Show-Party am Anleger „Haus der Kulturen der Welt“: Eintritt frei Christopher Street Day Do 25.06.

Schwullesbisches Stadtfest Sa+So 20./21.06. Eintritt frei

So 14.06.

Pride Week

Friedrichstraße 1

Mo bis Fr

Friedrichstraße 2

Friedrichstraße 1

Basteln für das Sommerfest

Kinder kochen im Kiez, „grüne“ Freizeitangebote, Umweltprojekte, Lesungen für Kinder, Lesepatenschaften, Ferienprogramm mit kreativen Workshops, KochTreff – Kochkurs

Schildkröte Gmbh

Wo Friedrichstraße 1

Mo bis Fr

Kostenlose Rechtsberatung für Jugendliche!

Englischkurs, Thai Chi, Trommeln für Kinder, Singgruppe, Kindertanzkurs, Aerobic, Rückenschule, Yoga, PC-Kurs für Senioren

Quartiersmanagement am Mehringplatz (QM)

Mo bis Fr

AQUA Club Berlin

Musikunterricht (Bass, Klavier, Saz, Gitarre, Schlagzeug), DJ-Workshop, Breakdance, Streetdance, Stimmbildung und noch vieles mehr

KMAntenne

bis Fr 14 - 17:00 Uhr 10 - 12:00 Uhr 10 - 12:00 Uhr

Wann Mo Fr Mi Fr

Sommerfest

Ausrichtung von Kindergeburtstagen (auf Anfrage) Ebru Bakir: Psychologische Beratung, Serkan Gülfirat: Politische Bildung

Das 1. stadtteilorientierte Integrationshaus am Mehringplatz

Integrationshaus

Angebote und vieles andere mehr

Veranstalter

Das Kiezmagazin

Veranstaltungen 2009


Film

FIlMkRItIkeN Slumdog Millionär nahmen von Mumbai faszinieren. Der britische Regisseur Danny Boyle ist ein echtes Phänomen: Erstens wechselt er oft und gerne das Genre und zweitens konnten seine Filme noch nie einen wichtigen Filmpreise gewinnen. Sein neuestes Werk führt den Zuschauer nach Indien, dem Bollywood-Land schlechthin. Bombay (Mumbai): Der junge Jamal (Dev Patel) ist als Kandidat bei „Wer wird Millionär“, und ist nur noch eine Frage vom Hauptgewinn (20 Millionen Rupien) entfernt. Schnitt: Jamal wird von zwei Polizisten verhört. Sie glauben an Betrug. Doch Jamal wusste anscheinend die Antworten. Er erhofft sich durch die Teilnahme, dass seine Jugendliebe Latika zuschaut. Zwei Dinge zeichnen den Film von Beginn an aus: Der gesamte Film wurde komplett in Indien mit unbekannten Darstellern gedreht. Die interessante Machart (Sprung durch mehrere Zeitebenen) macht den Film spannend

Die Suche und die Sehnsucht um die Liebe des Lebens zieht sich wie ein Roter Faden durch den Film. Der mitreißende und vor allem hinreißende Soundtrack sorgt für gute Laune. Einige Bollywood-Einflüsse sind vorhanden, doch Danny Boyle ironisiert das Genre.

Quelle: PROKINO Filmverleih GmbH

und dramatisch zugleich. Bereits der brasilianische Streifen „City of God“ zeigte uns eine weitgehend unbekannte Kultur. So bringt uns der Film die indische Kultur näher. Insbesondere die Kameraeinstellungen auf den Hochhäusern und die Landschaftsauf-

Hauptdarsteller Dev Patel und sein weibliches Pendant Freida Pinto spielen hier zum ersten Mal in einem Film mit. Beide agieren mit Ruhe und Gelassenheit und verkörpern ihre Rollen doch mit enormer Leidenschaft. Vor allem der indische Bollywood-Star Anil Kapoor macht Spaß. Er spielt seine Figur des Quizmasters mit phänomenal schmieriger Herablassung. Der Film ist so wunderbar, mitreißend und romantisch, dass die Zuschauer gerne diese neue unbekannte Welt betreten.

Text: SK

Vorstadtkrokodile Im Jahre 1976 erschien der Bestseller „Vorstadtkrokodile“ von Max von der Grün. Bereits kurz nach dem Erscheinen des Romans wurde dieser unter der Federführung des WDR von Wolfgang Becker verfi lmt. Mehr als dreißig Jahre später bringt Regisseur Christian Ditter diesen Jugendroman ins Kino. Der zehnjährige Hannes (Nick Romeo Reimann) wächst alleine bei seiner Mutter (Nora Tschirner) auf. Sein größter Traum ist es, in der coolen Bande, den Vorstadtkrokodilen um Olli und Maria (Manuel Steitz und Leonie Tepe), Mitglied zu werden. Bei der anstehenden Mutprobe rettet ihn die Feuerwehr, dank der Hilfe des körperlich behinderten Kai (Fabian Halbig). Der hat keine Freunde und möchte ebenso dazugehören. Eines Nachts wird er Zeuge eines Überfalls auf das Geschäft von Hannes‘ Mutter. Der deutsche Regisseur Christian

Ditter bewies bereits mit der rasanten Komödie „Französisch für Anfänger“ sein Talent für Jugendkomödien. Obwohl er die Handlung in die heutige Zeit verlegte, bleibt der Charme der alten WDR-Verfi lmung erhalten.

Quelle: Constantin Film AG

Die Charaktere sind aus dem alltäglichen Leben gegriffen und erleben

Abenteuer um Freundschaft, Vertrauen und Liebe. Der Humor und Wortwitz reißt den Zuschauer ebenso mit. Die Hauptrollen sind ausnahmslos mit jungen Talenten besetzt, wie Nick Romeo Reimann (bekannt aus „Die wilden Kerle“) und Fabian Halbig (Mitglied der Band „Killerpilze“) oder Leonie Tepe. Diese drei zeigen die stärksten Leistungen und heben sich vom Rest der Kinderstars deutlich ab. Die Nebenrollen sind mit einigen deutschen Topstars wie Nora Tschirner, Martin Semmelrogge (spielte bereits in der alten Verfi lmung mit), Ralf Richter und Axel Stein besetzt, die allesamt amüsante und starke Auftritte abliefern. Auch wenn der Film möglicherweise eher das junge Publikum ins Kino treibt, sei er allen Altersklassen wärmstens empfohlen. Eine rasante Komödie für alle, die jung bleiben möchten.

Text: SK Juni 2009

21


Weltküche

FAlAFel

IM

FlADeNBROt

für acht bis zehn Personen Falafel sind frittierte Bällchen aus pürierten Kichererbsen, grüner Paprika (muss nicht, kann aber), Kräutern und Gewürzen. Diese Köstlichkeit kommt ursprünglich aus Palästina und dem Libanon. Heute gehört sie zu allen Küchen des Nahen Ostens, Teilen des Mittleren Ostens und Nordafrikas – bei uns gibt es sie seit Ende der 1980er Jahre meist an arabischen, aber auch zunehmend türkischen Imbissständen. Zubereitung Salat-Einlage: 2 Salatgurken, 4 bis 5 reife mittelgroße Strauchtomaten, 1 Glas Kabis (eingelegter Rettich – bekommt man in arabischen und türkischen Lebensmittelläden), etwas Zitronensaft, Salz, Pfeffer. Die Salateinlage sollte vorher in Scheiben geschnitten und scheibenweise auf ein Tablett gelegt werden, danach leicht mit Zitronensaft, Pfeffer und Salz marinieren. Gemüse-Einlage: 1 kleinen Blumenkohl zum Panieren, 1 Ei, Paniermehl, Pfeffer und Salz. Den Blumenkohl in kleine Röschen zerteilen, und diese dann in leicht gesalzenem und gepfefferten verquirltem Ei und Paniermehl wälzen und frittieren. 500 g Kartoffeln (festkochende) in Pommes-ähnliche „Streifen“ (nicht ganz so dünn) schneiden und frittieren. Das Gemüse und die Kartoffeln sollten frittiert gleichzeitig oder etwas vor den Kichererbsenbällchen frittiert werden – gegebenenfalls im Backofen bei geringer Temperatur warm halten. Sesamöl-Soße: 1 mittelgroßes Fläschchen Sesamöl, Zitrone je nach Belieben, etwas Wasser (da das Sesamöl sehr dickflüssig ist) Salz und Pfeffer. Alle Zutaten miteinander in der Reihenfolge etwas Wasser, Zitrone, Öl, Pfeffer und Salz vermischen. Kichererbsenbällchen: Die trockenen Kichererbsen müssen mindestens 12 Stunden eingeweicht werden, dabei sollte einmal das Wasser gewechselt werden. Dann werden die Kichererbsen gut durchgespült und 22

Juni 2009

Zutaten für Kichererbsenbällchen: • 1 kg Kichererbsen (getrocknete) • 2 große Bund Petersilie • 3 bis 4 grüne Paprika • 3 mittelgroße Zwiebeln • trockenes Brot (1 bis 3 Scheiben bzw. nach Bedarf) • Saft von 2 großen oder 3 bis 4 kleinen Zitronen • 4 bis 5 Knoblauchzehen (nach eigenem Gusto, wie eigentlich auch alle anderen Gewürze) mit der feinsten Scheibe des Fleischwolfs gehackt. Zwiebeln, Knoblauch, Petersilie und Paprika werden ebenfalls durch den Fleischwolf gedreht, am Ende etwa zwei Scheiben trockenes Weißbrot durch den Fleischwolf geben (hier kann man natürlich auch fertige Semmelbrösel nehmen – aber vorsichtig dosieren, damit der Brei nicht zu fest wird). Den Zitronensaft auf die Masse geben und großzügig würzen, das Mehl und zwei Messerspitzen Backpulver (oder Hirschhornsalz) dazu geben und den Teig durchkneten, evtl. etwas Wasser zufügen. Ruhen lassen – möglichst ein bis zwei Stunden. In der Zwischenzeit kann man die Salatbeilage vorbereiten (wie vorher beschrieben) und das Gemüse und die Kartoffeln frittieren. Währenddessen die 2 Liter Sonnenblumenöl erhitzen und darin die Bällchen

• Kemun (arabisch = Kreuzkümmel) • Kusbara (arabisch = Koriander) • ca. 12 bis 15 Esslöffel Mehl • ½ Teelöffel Hirschhornsalz oder Backpulver • Sesam (um die Bällchen darin zu wälzen) • 2 Liter Sonnenblumenöl zum Frittieren der Bällchen

nacheinander – nicht zu viele auf einmal, sondern so, dass sie alle Platz zum Schwimmen haben – goldbraun frittieren; sehr aufpassen, dass sie nicht verbrennen. Die fertigen Bällchen kann man vor dem Frittieren noch in Sesam wälzen. Die vorbereitete Salateinlage und das frittierte Gemüse bzw. Kartoffeln in das aufgeschnittene Brot einlegen, Kichererbsenbällchen dazugeben und die selbst zubereitete Sesamöl-Soße darüber träufeln. Hier kann man auch andere Soßen dazutun, wie z.B. Dressing aus Knoblauch-Joghurt-Minze; sicher gibt es noch diverse andere Soßen-Varianten. Fladenbrot gibt es im arabischem Lebensmittelladen. Es ist schon ein sehr aufwendiges, aber super leckeres vegetarisches! Essen, das auch viele „eingefleischte“ nicht-Vegetarier mit Genuss essen.

Text: UG, Foto: SK


Dünya Mutfağı

ekMek

ARAsI

FAlAFel

8 ve 10 Kisiler için Falafel kizartma topları. Ezilmis Nohut, yesil biber (sart degil) otlar ve baharat. Bu lezzetli yemek Arap mutfağından gelmedir. 2 litre aycicegi yagı ( topları bol yağda kızartmak icin), eger topları fi rında kızartmak istiyorsanız, yağdan bir kaç yemek kaşığı kullanınız. Farklı tat istiyorsanız, yagına biraz soğan ve koyabilirsiniz.

kızartma sarimsak

Hazırlanısı: Arap pidesi Salata malzemesi: 2 Salatalik 4-5 olmus Tomates 1 bardak Kabis (salamura turp, - Arap ve Türk bakalarindan alabilirsiniz )

Malzemeler: • • • • •

1 kg Nohut (kurusu) 2 büyük yesil Maydanoz 3 - 4 yesil Biber 3 orta boy soğan Bayat ekmek (1 - 3 dilim veya ihtiyaca göre) • Limon suyu ile 2 büyük veya 3 - 4 küçük limon • Kemun (araplarda kimyon) • Kusbara (araplarda Kisnis)

• 4-5 Sarimsak (Sarimsak ve baska baharatlar istege göre katilabilir) • 12 ile 15 arası yemek kaşık un • Amonyum karbonat yada Kabartma tozu (cay kasığı ucuyla) • Susam (toplar ı yuvarlamak için)

Limonsuyu Tuz, Biber Salatalık tabağa dilim olarak doğrayınız , sonra biraz limon suyu, tuz ve biber ile salamura turp ilave ediniz. Sebze malzemeleri: 1 küçük Karnabahar, bulamak icin: un,1 yumurta, az karabiber ve tuz. Karnabaharı küçük parcalara ayırın, yumurtaya hafi f tuz, karabiber ekin ve una bulayıp kızartınız. 500 gr. patatesi kalın dilimleyin ve kızartın. Susamsosu pisirme malzemesi: 1 orta boy susamyağı (şişede). Ağız tadınınıza göre limon kullanabilirsiniz. Az miktarda su, tuz ve karabiber. Tum malzemleri sırasına göre karıstırınız.

Arap Pide arasında Nohut toplarınının malzemesi:

kalsın, altı kahverengi olana kadar pisiriniz.

Kuru nohut en az 12 saat islatılmalı ve en az bir kez suyu degistirilmelidir. Sonra nohutları iyice yıkayınız ve en ince ucu olan kıyma makınasından gecirininiz. Sonra soğan, sarimsak, maydanoz biber de kıyma makinasından gecirilir. Iki dilim kuru beyaz ekmeğide kıyma makinasindan geciriniz. Limon suyu karışımını içine dökünüz ve bol baharatlayınız, çay kasığı ucuyla kabartmatosu ve unu ilave ediniz. Hamuru iyice yoğurunuz, biraz da su katilabilirsiniz. Sonra karışımı dinlendirin (öneri:en az 2 saat kadar). Bu süre içinde salatayi hazirlaya bilirsiniz ( sebzeyi ve patatesi bol yağda kızartınız.

Eğer nohut toplarını kızartmak istiyorsaniz, listedeki gibi, 2 litre ayçiçeği yağıyla bol yağda altı kahverengi olana kadar kızartınız, dikkatli olunuz yanmasinlar.

Sonra karısımı küçük bir top haline getirin, fırın tepsisine koyun ve fi rca ile ayçiçeği yağı üstüne sürünüz. Fırını yaklasik 180°C dereceye ayarlayınız. 15 dakika kadar fırında

Kızarmıs olan nohut toplarını isteye göre susama bulayabilirsiniz. Arap ekmeğini fi rında ısıtınız ve hazırlanan salatayı ve kızartılmıs sebzeleri, patatesleri ve nohut toplarını kesilmis ekmeyin icine koyununuz, hazırlamıs olduğunuz susam sosunu üzerine gezdiriniz. Mesela içine kullanılabilirsiniz:

bunları

da

Salata sosu, Creme-Fraiche-Zitrone, sarimsak, dereotu ,yogurt, nane. Buna benzer diğer soslari da kulanabilirsiniz.

Text: TU, Foto: SK

Juni 2009

23


Sport

sc Welle Ihr Schwimmverein im Kiez Der Schwimmverein SC Welle wurde am 11.10.1982 in Berlin als eingetragener Verein gegründet und konnte schnell – dank des neu gebauten Spreewaldbades – in der Wiener Straße sein Trainingsangebot deutlich ausbauen. Die Hauptschwimmhalle befi ndet sich im 100-jährigen Baerwaldbad. Das Bad besteht aus einer alten kleinen Schwimmhalle und einer etwas jüngeren größeren Schwimmhalle, die komplett von den hiesigen Schwimmvereinen betrieben wird. Somit gehört diese Halle nicht zu den Berliner Bäderbetrieben (BBB). Das Spreewaldbad steht für den Trainingsbetrieb an drei Tagen der Woche zur Verfügung. Im Jahr 2000 erhielt der Verein den Integrationspreis der Deutschen Sportjugend wegen der hervorragenden Integration ausländischer MitbürgerInnen.

Bereits nach zehn Jahren konnten erste Schwimmwettkämpfe durchgeführt werden, die es so in Kreuzberg noch nicht gegeben hat. Dank einer Trainingsgemeinschaft, die im Januar 2001 mit dem BSV 1878 Kreuzberg gegründet wurde, konnte man das Trainingsangebot nochmals ausweiten. Diese ehrenamtliche Trainingsgemeinschaft umfasst mittlerweile drei Trainingstage. Derzeit besitzt der Verein circa aktive 500 Mitglieder. Schwimmkurse werden für jede Altersklasse angeboten. Die Grundausbildung im Schwimmen erfolgt bis zum zehnten Lebensjahr. Danach entscheiden sich die Mitglieder, den Sport freizeitlich oder wettkampfmäßig zu betreiben. Des Weiteren ist der SC Welle offi zieller Aquaball-Stützpunkt des Deutschen Schwimm-Verband e.V. (DSV) und bietet auch hier mehrere 24

Juni 2009

Die Aquaball-Mannschaft „Echte Hechte“ vom SC Welle

Wettkämpfe im Jahr an, die in einer Art Liga-System mit Punktevergabe durchgeführt werden.

Spaß deutlich im Vordergrund. Neuerdings gibt es aber dennoch Frauenmannschaften und extra geführte Frauenwertungen.

Zwischen den Jahren 1997 und 2007 wurde diese junge Sportart ebenfalls vom DSV gefördert. Die Mannschaften vom SC Welle wurden in der Vergangenheit mehrmals Deutscher Meister bzw. Deutscher Vizemeister im Aquaball. Momentan gibt es Mannschaften in Berlin und in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Thüringen. Die Fun-Sportart wird in der Regel von Schülern oder Studenten betrieben.

Text: SK, Foto: SC Welle

Aquaball ist eine leicht erlernbare Wasserball-Fun-Sportart, die im brusttiefen Wasser gespielt wird. Dank weniger Regeln als beim normalen Wasserball steht hier der

Kontakt: SC Welle: Tel.: 030 - 408 18 96 71 E-Mail: info@scwelle.de www.scwelle.de Aquaball: Sergio Olivares E-Mail: s.olivares@scwelle.de Aquaball-Regeln: •

• •

• •

Feldgröße: 4x8 Meter bis 10x16 Meter/ Torgröße: (1x2 Meter) 2 Halbzeiten: 4-8 Minuten 4 gegen 4 ohne festen Torwart (bei Turnieren fester Torwart) Berührungen sind nicht erlaubt 3-Pass-Regel vor Torwurf, mit Ball darf man sich nicht bewegen fliegender Wechsel an Kopfseite (Beckenberührung)


3-Generationen

IM INteRVIeW: BeN (5 JAHRe), MAX UND tIM (8 JAHRe) über ihre Reisen mit dem Gameboy Bei einer Kinderparty treffe ich Ben (5 Jahre), Max (8 Jahre) und Tim (8 Jahre). Max und Tim sind in derselben Klasse in einer Schule in Wilmersdorf. Ben ist der Bruder von Tim und geht in den Kindergarten. Ihr Lieblingsspiel ist Gameboy. Immer wieder wird das Gerät in die Hand genommen. Die Mutter von Tim und Ben stellt mich vor, und so kann ich mit den Fragen beginnen.

jemand gekommen ist, sind wir unter die Bettdecke. Max: Aber wir durften nicht auf das Dach der Veranda von unserem Ferienhaus. Fahrt ihr lieber ans Meer oder in die Berge? Alle drei: Ans Meeeeeeeer.

spielt gern mit Kindern.

Ben: Im Meer kann man plantschen und sich gegenseitig bespritzen. Und im Sand bauen...

Wer kümmert sich um sie, wenn du verreist bist?

Tim: und in die Flutwelle springen... Was macht ihr im Urlaub? Max: Gameboy spielen, Tischtennis und mit dem Fahrrad fahren. Ben: Wir essen Butterbrezeln und Eis.

Tim: Anja versorgt sie. (Anja ist die Tante von Tim) Habt ihr auch Tiere im Meer gesehen? Tim: Ja, Quallen. Auf drei bin ich aus Versehen drauf getreten. Das hat aber nicht weh getan. Wir haben die Quallen in einem Eimer mit Wasser gerettet. Ben: Wir wollten sie verkaufen. Aber niemand wollte sie haben.

Ben träumt von der Ostsee

Verreist Ihr gern? Danke für das Gespräch! Alle drei: Ja, gerne, sehr gerne.

Zeichnungen: Ben, Max und Tim Text und Fotos: MM

Wo wart ihr schon? Tim: Auf Usedom, im Harz und in Selk (Schleswig-Holstein). Dort gibt es ein Wikingerlager und man kann mit Pfeil und Bogen schießen. Max: Im Harz. Was gefällt euch am Reisen? Tim: Man fühlt sich anders, wenn man verreist ist.

Tim spielt an der Ostsee

Tim: Und ich muss die Wespen vertreiben, weil Mama soviel Angst vor ihnen hat.

Max: Und man hat keine Schule.

Tim, du warst schon allein mit deiner Klasse verreist. Hast du dich einsam gefühlt?

Dürft ihr mehr, wenn ihr auf Reisen seid?

Tim: Nein, weil mein Freund dabei war.

Max: Ja, wir dürfen später ins Bett gehen.

Ben: Ich würde gern allein mit dem Kindergarten verreisen.

Tim: Im Harz hatten wir bis zwölf Uhr nachts Gameboy gespielt. Wenn

Tim, du hast auch zwei Ratten? Tim: Ja; Lilly und Flitzi. Lilly ist sehr ängstlich und versteckt sich. Flitzi

PS: Die Mutter von Max empfiehlt günstige, kinderfreundliche Campingurlaube im Berliner Umland. Im Havelland, in der Schorfheide (am Uckersee) oder Zelten im Spreewald am Schlosspark. Dort kann man günstig Paddelboot fahren. Die Kinder treffen auf internationale Altersgenossen, vor allem aus Skandinavien.

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3-Generationen

IM INteRVIeW: lUIZ (22 JAHRe) über seine Reisen durch die Kulturen Luiz Vinicius Vianna SartoriBartsley ist 22 Jahre alt und in Rio de Janeiro geboren. Er war 1994 das erste Mal in Deutschland. Während der Weltausstellung im Jahr 2000 wohnte er für einige Zeit in Hannover und ging dort auch zur Schule. 2006 zog er nach Freiburg. Nun wohnt er in Berlin und möchte Medizin studieren. Warum hast du dich entschieden, nach Deutschland zu gehen? Ich wollte unbedingt in Deutschland Karriere machen, weil mir die Sicherheit in Deutschland sehr gut gefällt. Wenn man Brasilien heutzutage betrachtet, ist es für eine junge Person sehr schwierig, dort zu leben, weil es so gefährlich und korrupt ist. Genau das Gegenteil konnte mir Deutschland bieten. Und deine Familie wohnt noch in Rio de Janeiro? Also, der größte Teil meiner Familie und meine Mutter wohnen immer noch in Rio de Janeiro. Meine Schwester wohnt seit einem Jahr in Paris. Sie studiert dort Psychologie. Mein Vater wohnt seit vielen Jahren in Österreich. Er ist aber kein Österreicher, er kommt aus Uruguay. Dort habe ich auch einen Teil von meiner Familie. Wann hast du dich entschieden, nach Deutschland zu gehen? Die Entscheidung habe ich schon vor vielen Jahren getroffen. Ein halbes Jahr, nachdem ich mit der Schule fertig war, habe ich einen Praktikumsplatz an der Universität Freiburg bekommen. Im Januar 2006 bin ich dann nach Deutschland gezogen. Hoffentlich kann ich dieses Jahr zum Wintersemester 2009 mit dem Medizinstudium anfangen. Da mein Abitur nicht gut genug war, musste ich ein paar Jahre warten. Ich wollte schon immer Arzt werden. Vermisst du deine Heimat? Ja, doch. Sehr sogar. Es ist immer 26

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schwierig, es kommt drauf an, aus welchem Land du kommst. Aber in Brasilien ist es so, dass man den Strand vermisst, die Familie und das gute Wetter. Auch im Winter hat man noch Temperaturen von 16 Grad. Normalerweise schaffe ich es jedes Jahr, Brasilien zu besuchen. Du sprichst hervorragend Deutsch. Wie kommt das? (Lacht) Seit meinem siebten Lebensjahr bin ich auf eine deutsche Schule gegangen. In Brasilien ist es bei den Eltern sehr beliebt, die Kinder in zweisprachige Schulen zu schicken. Meine Mutter wollte unbedingt, dass ich Deutsch lerne, weil sie früher auch Deutsch gelernt hat. Auf der deutschen Schule in Rio de Janeiro hatte ich dann halt jeden Tag Deutsch, und auch andere Unterrichtsfächer auf Deutsch. Du kennst ja mittlerweile beide Kulturen, sowohl die brasilianische, als auch die deutsche Kultur sehr gut. Welches Land würdest du als deine Heimat bezeichnen? Hättest du mich das vor einem Jahr gefragt, hätte ich eindeutig gesagt, Brasilien ist meine Heimat. Aber heutzutage ist es ausgeglichen. Ich schätze beide Kulturen. Wovon hängt das ab? Ich versuche die besten Sachen aus beiden Kulturen in mir einzuprägen – zum Beispiel die Pünktlichkeit und Ordnung der deutschen Kultur. Sowas haben die Brasilianer zum Beispiel nicht. Worin besteht für dich der größte Unterschied zwischen Deutschland und Brasilien? Eigentlich ganz einfach. Deutsche haben meistens Regeln für alles. Es gibt tausende Regeln. In Brasilien sind es nicht so viele Regeln wie in Deutschland. Es ist alles festgelegt, aber keiner folgt diesen Regeln. Nicht einmal die Polizei, die aufpassen müsste. Keiner macht das.

Luiz schwärmt von brasilianischer Lockerheit und deutscher Pünktlichkeit

Die Deutschen werden laut Klischee meistens als sehr kühl, arrogant und rechthaberisch beschrieben. Wie schätzst du die Deutschen ein? Da muss man sehr vorsichtig sein. Nicht jeder Deutsche ist arrogant oder streng. Man darf nicht verallgemeinern. Aber trotzdem haben Deutsche eine leichte Tendenz, ein bisschen härter und kälter zu sein. Die Brasilianer sind sehr offen für alles und locker. So kann man einen Brasilianer am besten beschreiben. Als Deutscher kennt man Brasilien von den Klischees her, vom Karneval oder Fußball. Was hat Brasilien noch zu bieten? Ja, das stimmt schon. Karneval und Fußball sind sehr beliebt in Brasilien. Aber es gibt auch eine große Vielfalt an Tieren und Pflanzen. Der Regenwald ist eines der größten Merkmale des Landes. Die Menschen natürlich auch. Die Meisten sagen, dass die brasilianischen Menschen unvergesslich sind. Dann sind die Strände und die brasilianische Küche noch sehr beliebt und bekannt. Inwieweit unterscheidet sich die Küche denn in beiden Ländern? Erstens: Brasilianer essen sehr viel Fleisch. Rindfleisch ist sehr viel billiger als in Deutschland. Zweitens: Brasilianer essen sehr viel Reis und schwarze Bohnen. Es gibt zwar auch Kartoffeln, die passen aber nicht so ganz in eine brasilianische Familie. Sie sind teu-


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rer und nicht so stark verbreitet. Schwarze Bohnen sind hingegen billig und leicht zu machen. Außerdem sind Gemüse und Früchte billiger. Wie ist denn das Verhältnis zwischen arm und reich in Brasilien? Wenn man die Armut in Brasilien betrachtet, könnte man sagen, dass es in Deutschland keine Armut gibt. Die Leute sind so arm, die können noch nicht einmal Miete zahlen. Deswegen bauen sie einfache Häuser auf Hügeln im Ghetto (Favela). In bestimmten Ghettos ist die Polizei nicht erlaubt. Sie kommen dort nicht rein. Die Favelas werden von einer bestimmten Gruppe kontrolliert. Es ist oftmals so, dass die Polizei mit den Gangs zusammen

Kindergeld gibt es auch nicht. Bestenfalls gibt es eventuell Schulgeld, um Bücher oder Schreibmaterial zu kaufen. Deswegen ist die Bildung das größte Problem Brasiliens. Manche Leute haben nie die Möglichkeit zu studieren. In Brasilien ist man nicht verpflichtet, auf eine Schule zu gehen und manche Kinder arbeiten schon mit elf Jahren. Mehr macht die Regierung für die armen Leute nicht. So müssen die Leute selber klar kommen. So hat man häufig nur drei Möglichkeiten: Fußballspielen und irgendwann ein guter Fußballer werden, weiter zur Schule gehen oder für den Drogenund Waffenhandel arbeiten, der in den Ghettos sehr weit verbreitet ist. Das ist zwar eine schlechte, aber die „einfachste“ Variante.

Blick über Rio de Janeiro; im Hintergrund der Zuckerhut

arbeitet und ein Abkommen hat. Aber die meisten Brasilianer wohnen normalerweise in Hochhäusern. Dort gehört man dann zur Mittelschicht, und man hat genug Geld. Hochhäuser sind schon sehr beliebt, mehr als die kleinen Häuser. Sie sind sicherer und die Wohnungen sind wesentlich größer. Wie kommen die armen Leute denn an Geld? Es ist unvorstellbar, von der Regierung Geld zu bekommen. So was wie

Du bist ja schon sehr weit herumgekommen in der Welt. Willst du denn irgendwo mal sesshaft werden? Das liebe ich ja. Ich kann mir schon vorstellen, auch irgendwo anders zu leben. Ich bin sowieso eine Person, die ziemlich offen ist für neue Kulturen, neue Ideen, für Kritik, für alles Mögliche. Es interessiert mich immer wieder, irgendwo hin zu kommen und von Null zu starten. Obwohl ich heute in Berlin super zufrieden bin. Berlin ist schon eine schöne Stadt.

Manchmal frag‘ ich mich selber, warum ich nicht schon eher nach Berlin gezogen bin. Welche Länder schon bereist?

hast

du

denn

In Südamerika sind es Argentinien, Uruguay und natürlich Brasilien, dann noch die USA in Nordamerika. Asien, Afrika und Australien kenne ich gar nicht. In Europa war ich schon in Spanien, Italien, Frankreich, Österreich, Schweiz, Liechtenstein, Holland, Großbritannien, Schweden, Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn und Griechenland. Welches Land hat dir am besten gefallen? Ich mag die Schweiz ganz gern. Es wundert mich immer wieder, wie klein die Schweiz ist, aber gleichzeitig bietet sie so vielfältige Mentalitäten, Sprachen, und vom Aussehen der Städte, wie die aufgebaut sind, gibt es auch eine enorme Vielfalt. Ob im Norden, im Süden oder in den Bergen, wo die Alpen sind oder die Großstädte wie Basel. Alles sieht ganz unterschiedlich. Tausend verschiedene Varianten. Dagegen mag ich die USA nicht. Ich kann mir nicht vorstellen, dort zu leben. Es ist mir zu groß. Das Stadtleben in den USA ist stressig und streng. Und auch die Menschen und die Mentalität gefallen mir dort nicht so. Griechenland ist auch schön. Was willst du später einmal erreichen, was sind deine Ziele für die Zukunft? Ich könnte es mir sehr gut vorstellen eine Familie zu gründen, Kinder zu haben und einfach mal in der Medizin Karriere zu machen und bekannt zu werden. Heutzutage ist meine Lieblingsrichtung die Kardiologie, also Herzspezialist/Herzchirurgie. Das ist eigentlich mein Wunsch. Aber ich hab ja noch sechs Jahre Grundstudium vor mir, da kann sich noch eine Menge ändern.

Text und Fotos: SK

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3-Generationen

IM INteRVIeW: JUttA (57 JAHRe) über die Reise in den Ruhestand Jutta Bratz-van Ingen (57) ist Sozialpädagogin und stellvertretende Leiterin der Abteilung Soziales und Gesundheit/Fachbereich II beim Bezirksamt Spandau. Seit nunmehr 36 Jahren widmet sie sich vor allem der Arbeit mit Seniorinnen und Senioren. Wie sind Sie dorthin gekommen, wo Sie heute beruflich sind? Ich habe zunächst den Beruf der Erzieherin erlernt und in der staatlichen Kinder- und auch Behindertenbetreuung gearbeitet. Nach einiger Zeit wollte ich dann doch irgendwann einmal die Möglichkeit haben, in leitender Funktion zu arbeiten, und habe mich deshalb für das Studium der Sozialpädagogik entschieden. Nach dem Studium habe ich zahlreiche Zusatzqualifikationen erworben und bin u. a. auch Supervisorin und Gruppenleiterin. Warum arbeiten Sie vor allem mit Seniorinnen und Senioren? Menschen Ende 50, Anfang 60, die fest im Berufsleben verankert sind, werden zunehmend plötzlich vor die Tür gesetzt, beruflich nicht mehr gebraucht. In häufigen Fällen ohne angemessene Verabschiedung, und vor allem ohne jede Vorbereitung auf den Ruhestand. Diesem Missstand wollten und wollen wir begegnen und starteten deshalb Angebote für Vorruheständler/innen, also die Zielgruppe 60 plus. Die Resonanz war derart überwältigend, dass daraus überaus erfolgreiche Projekte entstanden sind. Welche wären das? Die Generationenbrücke bringt Alt und Jung zusammen. Hier entstehen Senior- und Juniorpartnerschaften, die erfreulicherweise von Dauer sind. So bieten z.B. junge Menschen unseren Senioren im Internetcafé Computerkurse an. Der Mehrgenerationenansatz bewahrt alle(!) Generationen vor der Vereinsamung und fördert das Verständnis zwischen Alt und Jung, was in einer Großstadt wie Berlin nur gut sein kann. Insgesamt 28

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haben wir drei große Seniorenclubs, wie z.B. den Seniorenclub Südpark, der vom Gedächtnistraining über Reiseenglisch bis hin zur Videogruppe eine Menge bietet, sowie sechs weitere kleinere Seniorentreffs. Zusammen genommen erreichen wir in allen unseren Begegnungsstätten eine jährliche Besucherzahl von ca. 126.000. Besonders am Herzen liegt mir unser Projekt Neuland. Neuland im Sinne neuer Perspektiven für einen neuen Lebensabschnitt für die Generation 60 plus.

auf diese. Zudem sorgen sie für ein kulturelles Hausangebot. Spandau ist der letzte Bezirk in Berlin, der dieses Angebot in dieser Form noch aufrechterhält. Über die Arbeit der Sozialdienste gibt es durchaus nicht nur gute Nachrichten… Die Qualität reicht von hervorragend bis grauenhaft. Deshalb ist es ja auch so wichtig und sinnvoll, wenn jemand mit im Haus wohnt, der da ein Auge drauf hat.

Was genau ist Neuland?

Neuland ist ein Halbjahresprojekt mit maximal 20 Teilnehmern pro Gruppe. Während dieses halben Jahres widmen wir uns den amüsanten, aber auch den ernsten Seiten des Lebens. Wir unternehmen allerlei Freizeitund Bildungsaktivitäten, beschäftigen uns aber auch mit den konkreten Fragen des Alterns, wie z.B. der Frage: „Wie möchte ich wohnen und welche Senioreneinrichtungen gibt es?”. Ich freue mich über jede Gruppe, die dazu bereit ist, sich dem Thema zu stellen. Eine Gruppe war sogar so mutig, mit mir ein Hospiz zu besuchen. Für viele ist es verständlicherweise schwierig, älteren Menschen zu begegnen, die im Krankenhaus liegen, und dann plötzlich nicht mehr nach Hause können. Und – weil sie unvorbereitet sind – in einem Pflegeheim irgendwo in Berlin landen, also nicht einmal mehr in ihrem vertrauten Kiez. Das ist menschenunwürdig, und deshalb freue ich mich, wenn ich Menschen dabei unterstützen kann, sich individuell vorzubereiten und sich für das Richtige zu entscheiden, so lange sie im Vollbesitz ihrer Kräfte sind. Neben vielfältigen Beratungsangeboten, besichtigen wir verschiedene Wohnformen für Senioren. Die Gemeinschaft älterer Menschen, die sich gegenseitig helfen und unterstützen, ist ein unschätzbarer Vorzug der Seniorenwohnhäuser. Das Bezirksamt Spandau stellt den Häusern examinierte Altenpflegekräfte zur Verfügung. Sie helfen Einsamkeit zu verhindern, beraten Bewohner und Angehörige, vermitteln Kontakt zu Serviceanbietern und haben ein Auge

Ist das Wohnen dort teurer als woanders? Nein. Für die Jüngeren unter uns – was ist besser für ältere Menschen: Wohnen bei der Familie, im Seniorenhaus oder im Altersheim? Ich kann immer nur wieder betonen, dass das genau die Entscheidung ist, die man früh genug für sich selbst treffen sollte, damit man nicht „ungebremst” in eine Situation gerät, in die man garantiert nie wollte. Es ist mehr als ratsam, ohne Zeitdruck zu entscheiden. Sie sind jetzt 57 Jahre alt. Ist Ihr Beruf auch gleichzeitig eine Vorbereitung auf den eigenen (Vor-) Ruhestand? Selbstverständlich. So wie es aussieht, werde ich bis zu meinem 65sten Lebensjahr arbeiten müssen. Ich habe also genügend Zeit, mich aktiv darauf vorzubereiten und genau das tue ich auch. Gibt es mittlerweile auch Senioren-WGs? Senioren im Wandel kann ich da nur sagen. Bis vor fünf, sechs Jahren waren unsere Seniorengruppen von der Haltung geprägt: Ich habe mein ganzes Leben lang gearbeitet, jetzt möchte ich konsumieren. Das hat sich stark geändert. Zu unseren Gruppen stoßen immer mehr Menschen, die etwas bewegen wollen und Eigeninitia-


tive zeigen. Vor allem die Frauen, die im Berufsleben standen, leisten hierzu einen wesentlichen Beitrag. Ihr Engagement trägt hauptsächlich unsere Neuland-Gruppen, die ich nach einem halben Jahr „abnable”, und als eigenständige Gruppen in den Alltag entlasse. Am besten funktioniert es, wenn im Anschluss zwei Gruppenleiter die Verantwortung tragen, mit denen ich mich dann regelmäßig treffe. So erfahre ich unter anderem, dass Einkommensunterschiede z.B. bei den Reisen durch die Gruppe aufgefangen werden. Das ist der Lohn der Mühe, wenn ich sehe, dass jemand, der nun mal weniger Rente bekommt eben nicht ausgeschlossen wird, oder dass Ausflüge bewusst so geplant werden, dass eben jede/r mit kann. Welche Ausflüge bzw. Reisen gibt es denn im Angebot? Theater, Kino, Konzert, Ausstellungen, Tanzen, Wandern – jetzt aktuell – die BuGa Schwerin. Ein vielfältiges Programm. Genauso bunt wie die Menschen, die zu uns kommen. Wir fahren also auch zusammen nach Kreuzberg, um aktiv was gegen die Berlin-Spandau-Schere im Kopf der

Menschen zu machen und zugleich das Erfahrungswissen der Senioren sinnvoll zu nutzen. Ich selbst biete dieses Jahr erneut vom 20. bis 26. Juli ein Seminar in Wehrden im Weserbergland an. Im Preis enthalten sind Bustransfer, Hotel mit Vollpension, Ausflüge vor Ort, Nordic Walking oder Qi Gong. Die Woche kostet bei Buchung eines Einzelzimmers 420 €, im Doppelzimmer 380 €. Fünf freie Plätze haben wir noch. Und was kostet die Teilnahme an einer Neuland-Gruppe? 16 € zuzüglich der jeweiligen Eintrittsgelder, die für Gruppen sehr niedrig sind. Entstehen aus den Gruppen langfristige Beziehungen? Ja, darunter sogar zwei Ehen, die auch heute noch glücklich sind, von den zahlreichen Freundschaften ganz zu schweigen. Ich führe die Seniorinnen und Senioren zusammen, zeige ihnen Wege des Zusammenseins und freue mich, wenn dieses Konzept – eigentlich in allen Gruppen – aufgeht.

Gab es Gruppen, die gescheitert sind? Eine verschwindend geringe Zahl, bisher nur zwei. Wenn ausgeprägte Individualisten aufeinander treffen, die ausschließlich ihre eigenen Interessen in den Mittelpunkt stellen und durchsetzen wollen, kann das nicht gehen. Das mache ich allen Gruppen von Anfang an klar. Egotrip funktioniert nicht, es geht nur miteinander. Wer das kann und will, ist hier gut aufgehoben. Kann jede/r an dem Neuland-Projekt teilnehmen oder muss man in Spandau wohnen? Uns sind alle Berliner/innen willkommen! Die Erfahrung hat gezeigt, dass eine weite Anfahrt, wie z.B. aus Reinickendorf, schon mühsam ist. Manche nehmen den Weg aber gerne in Kauf. Apropos Berlinerinnen und Berliner. Kommen mehr Frauen oder Männer in Ihre Gruppen? Männer neigen häufig noch zum „Bratkartoffelverhältnis“, das heißt, sie haben jemanden in der Nachbarschaft, der sie bekocht oder versorgt. Männer haben eher die Tendenz, sich zurückzuziehen oder Gaststätten aufzusuchen, statt eine soziale Einrichtung aufzusuchen. Auch hier ist eine Veränderung in Sicht, da unter den „neuen Alten ja auch anders geprägte Männer sein werden. In unseren Technik-Gruppen steigt ja auch die Zahl der Frauen. Wir arbeiten auch multikulturell, es gibt mittlerweile die Seniorengruppe aus der Türkei. Wie könnten Sie die Situation älterer Menschen mit Migrationshintergrund beschreiben?

Die Generationenbrücke 2008 in Wehrden. Jutta Bratz-van Ingen (oberste Reihe, 2.v.l.)

Sie sind häufig doppelt heimatlos. Sie kamen zum Schuften her und dachten, sie würden im Alter in die Heimat zurückzukehren, und dort in der Großfamilie aufgehoben sein. Deshalb haben viele von ihnen nur das an Sprache gelernt, was eben gerade so für die Arbeit reichte. Es gab wenig Interesse, diese Situation zu veränJuni 2009

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3-Generationen /Nah & Fern

AUF

NAcH

kROAtIeN

Jugendbegegnungsreise 19. bis 31.07.2009 dern. Jetzt sind sie alt, die Kinder sind hier und wollen auch hier bleiben, und die haben dann häufig keine Zeit. Es ist nicht einfach, aber wir haben zumindest einen Anfang gemacht. Sie scheinen Ihre Arbeit zu lieben... Allerdings! Es ist eine anstrengende, aber eben auch sehr lebendige und vor allem zukunftsweisende Arbeit, da ja nun mittlerweile demografisch belegt ist, dass die Bevölkerung älter wird. Ich würde mir sehr wünschen, dass sich die Seniorinnen und Senioren ihrer gesellschaftspolitischen Macht als Konsumenten bewusst werden und diese auch einsetzen. Sie sind die Zielgruppe der Zukunft, und das ist eine Chance, die sich jetzt schon hervorragend nutzen ließe.

West meets East in Croatia! Auch in diesen Sommerferien organisiert die KMAntenne (Kreuzberger Musikalische Aktion e.V.) in Kooperation mit BafF (Bands auf festen Füßen) und der Evangelischen Gemeinde Joachimsthal (Land Br andenburg) eine Jugendreise nach Kroatien. Jeweils 20 Berliner und Brandenburger Jugendliche (im Alter von 16 bis 20 Jahren) treffen sich in der KMAntenne e.V., um die Reise gemeinsam vorzubereiten, die sie für 13 Tage nach Kroatien führen wird. Die Berliner und Brandenburger Jugendlichen werden 20 jungen Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien begegnen. Ziel der Reise ist es, sich besser kennen zu lernen, Spaß zu haben und somit auch Vorurteile abzubauen.

Was sind Ihre Wünsche für Ihre berufliche Tätigkeit? Schön wäre eine berlinweite Förderung wie zum Beispiel für unser Neuland-Projekt.

Text: GJ Foto: von Jutta Bratz-van Ingen

an mindestens einem Workshop ist Pfl icht für alle Jugendlichen. Die Workshops fi nden in Absprache mit den Trainern statt. Mögliche Kurse sind z.B. Fußball, Basketball, Volleyball, Breakdance, Streetdance, Rap, Theater, Gitarre oder Dj-ing. Im Angebot sind auch verschiedene Ausflüge. So wird z.B. der bekannte Wasserfall „Krke“ aus dem berühmten Winnetou-Film „Der Schatz im Silbersee“ nach dem Roman von Karl May besucht. Oberkult! Die diesjährige Jugendbegegnungsreise fi ndet vom 19. bis 31.07.2009 statt. Die Finanzierung übernimmt größtenteils die Evangelische Kirche Brandenburg. Pro Person fallen 200 Euro für Fahrt, Essen und Unterkunft an. Nicht im Preis inbegriffen sind Freizeitaktivitäten wie Café-, Eisdielen- und Discobesuche oder ähnliches. Auch für diese Ausflüge wird etwas Geld benötigt; 100 Euro sind ausreichend. Die Währung in Kroatien ist der Kroatische Kuna; ein Euro sind ca. 7,35 Kuna. Jugendliche unter 18 Jahren benötigen eine schriftliche Erlaubnis ihrer Erziehungsberechtigten.

Text: MN, Foto: KMA Kontakt und Information: Jutta Bratz-van Ingen Stellv. FB-Leiterin, Sozialpädagogin Bezirksamt Spandau Abt. Soziales und Gesundheit Sozialamt – Fachbereich 2 Galenstr.14 13397 Berlin Zi. 612 Tel.: 030 - 902 79 60 19, E-Mail: jutta.bratz@ba-spandau.berlin.de Broschüre: „Aktiv älter werden in Spandau, Einrichtungen, Angebote, Veranstaltungskalender“, erhältlich beim Bezirksamt Spandau www.spandau.de

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Kroatien 2008

Die Reise geht nach Prvic, einer kleinen Insel in der Region Sibenik. Nach einer Überfahrt von ca. 20 Minuten erreichen die Teilnehmer die 2,3 km² kleine Insel mit nur 650 Einwohnern. Prvic mit seinen zwei Dörfern, verfügt über einen traumhaft schönen Kieselstrand und sehr sauberes Meerwasser. Ein weiteres Highlight: Die Insel ist autofrei. Die Amtssprache ist kroatisch, doch viele der Inselbewohner sprechen auch Englisch – eine gute Chance also, die eigenen Englischkenntnisse zu verbessern. Die Teilnehmer wohnen in Ferienhäusern und Ferienwohnungen im Dorf. Es empfiehlt sich, einen Schnorchel mitzunehmen, da es auch unter Wasser viel zu sehen gibt. Neben dem Baden im Meer bieten die Trainer unterschiedliche Freizeitaktivitäten an. Die Teilnahme

Anmeldung telefonisch oder per E-Mail: Tel.:

030 - 505 84 21 030 - 25 29 51 64 Fax: 030 - 25 29 51 62 E-Mail: kma-antenne@t-online.de KMAntenne Friedrichstraße 2 10969 Berlin-Kreuzberg. www.kma-antenne.de Ansprechpartner: Wolfhard Schulze Konstantin Lutschanski Alexander Hadlich


Nah & Fern

AseRBAIDscHAN Unterwegs im Land des Feuers Aserbaidschan, das „Land des Feuers“, mit der Hauptstadt Baku, der „Stadt der Winde“: Das klingt vielversprechend und fast wie ein Märchen aus 1001 Nacht. Tatsächlich verlief durch Aserbaidschan einst ein Teil der Seidenstraße, und noch heute lässt das Labyrinth der UNESCOgeschützten Bakuer Altstadt mit seinen Karawansereien und Moscheen Besucher in den Orient eintauchen, während am Straßenrand teetrinkende Teppichhändler ein Flair von Gelassenheit verbreiten. Doch schon im nächsten Augenblick erinnern Hupkonzerte, Hochhäuser und Designershops daran, dass Baku eine moderne Boomtown ist, die dank ihrer Erdölvorkommen als Magnet für das internationale Business eine rasante Entwicklung erlebt. Aserbaidschan ist ein Land mit einer turbulenten und wechselhaften Geschichte, ein Land, in dem sich Europa und Asien beständig reiben und an dessen Widersprüchen Klischees scheitern. Vom Tourismus bislang kaum entdeckt, ist es ein herausforderndes und manchmal widerspenstiges Reiseziel. Doch wer bereit ist, sich darauf einzulassen, wird mit Außergewöhnlichem belohnt: Das Kaspische Meer, schneebedeckte Kaukasusgipfel, subtropische Ebenen und wüstige Steppen - die landschaftlichen Gegensätze sind reizvoll und vielfältig.

ku gibt es viele Übersetzerbüros und in jeder größeren Stadt eine Handvoll Leute mit Englischkenntnissen. Geografie Gehört Aserbaidschan zu Asien oder Europa? Diese unermüdlich gestellte Frage lässt allein den Geografen kalt, denn für ihn liegt Baku, die Hauptstadt der Kaukasus-Republik, an Europas östlichstem Punkt. Auf der Karte betrachtet, gleicht Aserbaidschan einem fl iegenden Adler, dessen Schnabel ins Kaspische Meer ragt. Von dort aus erstreckt es sich zwischen Russland und Iran gen Westen, bis es nördlich an Georgien und südlich an Armenien stößt. Fast zu übersehen ist die winzige 11-Kilometer-Grenze, die Aserbaidschan dank seiner lang gestreckten Exklave Nachtschiwan mit der Türkei hat. Mit 86.600 Quadratkilometern ist Aserbaidschan der größte der Südkaukasusstaaten. In Umfang, Einwohnerzahl (8,5 Millionen) und Bevölkerungsdichte ähnelt es Österreich und hat ebenfalls hohe Berge, doch damit enden die Gemeinsamkeiten. In Aserbaidschan ist es möglich, innerhalb geringer Distanzen dürre

Ölfeld in Aserbaidschan

Halbwüste, subtropische Zitrusplantagen, Hochgebirgswälder und Meeresküste zu erleben. Es locken Salzseen und Schlammvulkane, Öl- und Baumwollfelder, ewiges Feuer und ewiges Eis. Naturschutz Aserbaidschan zählt zu den artenreichsten Regionen Europas und verfügt im Gegensatz zu Europa noch über ausgedehnte, quasi unberührte, also ursprüngliche Naturlandschaften. Diesen Reichtum gilt es nun zu schützen. Bereits zu Sowjetzeiten gab es 14 Schutzzonen

Es gibt Jahrtausende alte Felsmalereien, antike Festungen, Legenden umwobene Feuertempel und historische Ölfelder, auf denen rostige Pumpen bereits seit über hundert Jahren den begehrten Rohstoff aus der Erde saugen. Während die quirlige Hauptstadt mit Jazzkonzerten und Vergnügungsmeilen aufwartet, laden Nationalparks mit Antilopen und Flamingos oder den üppigsten Urwäldern Europas zu Wanderungen und Naturbeobachtungen ein. Verständigung Ohne Grundkenntnisse in Aserbaidschanisch, Türkisch oder Russisch stößt man schnell an Grenzen. In Ba-

Distel im Kaukasus

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Nah & Fern

in Form von Zapovedniks, deren Konzept es war, Mensch und Natur voneinander zu trennen. Diese Idee hat nun ausgedient und wird zunehmend durch das integrative Konzept der Nationalparks ersetzt. Umwelt Im krassen Gegensatz zu nahezu unberührten Bergregionen mit reiner Luft und klaren Wasserfällen steht die Umweltbelastung, die als Erbe der Sowjet-Ära besonders auf der Abseron-Halbinsel besteht. Der Kaukasus-Reisende Leo Stenzel drückte es einmal so aus: „Wenn jemand in Europa mit seiner Umwelt unzufrieden ist, so empfehle ich ihm, für einige Wochen nach Balachany zu gehen. Hier wird er kuriert und nach seiner Rückkehr wird er sich vorkommen wie im Paradies. Man stelle sich vor: überall nur Öl-Schöpftürme, Maschinengeratter und Rädergerassel. Der Boden mit Öl durchtränkt, nirgendwo ein Grashalm, nur an einigen Häusern ab und zu ein Akazienbaum.“ Zwar sind die Methoden der Gewinnung heute sehr viel schonender geworden, doch nach 100 Jahren extensiver Ölausbeute sind die Altlasten enorm. Die hochgradig verschmutzte Bucht von Baku, kontaminierte Böden, ausgediente Ölfeder und jede Menge verrottende Industriebrache stellen Aserbaidschan vor enorme Herausforderungen. Bis diese bewältigt sind, zählen Streifzüge durch die Industrieruinen von Sumqayit und durch historische Ölfelder, nach denen sich schon Hitler die Finger leckte, zu den zwar eigenwilligen, dafür aber sehr eindrücklichen Attraktionen einer Aserbaidschanreise. Bevölkerung Die Bevölkerung Aserbaidschans rühmt sich, weltweit den ersten Platz einzunehmen, was ihre Langlebigkeit betrifft. Speziell im Süden des Landes, sagt man, hätten viele Bewohner die 100 bereits locker hinter sich gelassen. Ebenfalls beeindruckend: Die Bevölkerung besteht zu überwältigenden 90 Prozent aus 32

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Aserbaidschanern. Das war keineswegs immer so, aber speziell in den 1990er gab es größere Migrationsbewegungen mit einem Trend zur Homogenisierung. Ein Großteil der Russen und Armenier ist seit dem Ende der 1980er Jahre abgewandert, während Aserbaidschaner aus Armenien hinzugezogen sind. Nichtsdestotrotz ist Aserbaidschan ein multikulturelles Land, in dem viele kleine Bevölkerungsgruppen mit eigenen Sprachen und Religionen ihren Platz haben. Religionen Dass Aserbaidschans Einwohner zu über 90 Prozent islamisch geprägt sind, bedeutet nicht, dass man verschleierte Frauen oder kategorische Alkoholabstinenz zu erwarten hat. Im Gegenteil, die Zahl der praktizierenden Muslime ist weitaus geringer als die Zahl derer, die sich gern mal einen Wodka genehmigen, und die Miniröcke in Baku verdecken nicht mehr als andernorts. Als identitätsstiftende kulturelle Tradition ist der Islam in Aserbaidschan allerdings sicherlich von Bedeutung, und bei jüngeren Aserbaidschanern, deren Eltern noch mit den Lehren Lenins aufgewachsen sind, lässt sich durchaus ein neuer Trend zur Religion beobachten.

Autoren: Philine von Oppeln und Gerald Hübner Verlagsadresse: Trescher Verlag Reinhardtstr. 9 10117 Berlin weitere Infos unter: www.trescher-verlag.de

Die vielen Moscheen, die derzeit landesweit gebaut oder saniert werden, verstärken diesen Eindruck. Speziell in Shüvälän und Nardaran auf der Abseron-Halbinsel sind letzthin imposante religiöse Komplexe entstanden. Eine bemerkenswerte Besonderheit in Aserbaidschan ist die Bedeutung, die vornehmlich in ländlichen Gegenden animistischen Ritualen und Bräuchen zukommt. Bereits vor Urzeiten war Aserbaidschan ein Zentrum der zoroastrischen Feuerverehrer, Persiens prä-muslimischer Religion. Einige Rudimente alter Kulthandlungen und Aberglauben haben sich erfolgreich in den Islam eingeschlichen, mit dem sie bis heute eine Symbiose bilden. So fi ndet man überall im Land heilige Stätten, sogenannte Pirs, denen heilende Kräfte zugesprochen werden. Stolpert man etwa ganz unvermutet über ein Gebüsch, das mit bunten Bändern geschmückt ist, hat man es höchstwahrscheinlich mit einem solchen pir zu tun. Pirs können aber auch Steine oder Wasserquellen sein. Eines der eindringlichsten Beispiele ist der Berg Besh Barmaq, den täglich Dutzende Pilger auf der Suche nach Heil erklimmen.

Text und Fotos: Philine von Oppeln, zusammengestellt von Konrad Niemann


Kolumne / In eigener Sache

DeR PRäDIkAtOR weiß ... alles ... BESSER! Schnell und unkomplizierter sollen für zehn Millionen Deutsche Behördengänge werden. Ab sofort beträgt dieser Gang die Differenz Handfläche – Telefon. Warteschlangen und triste Büros schon bald bundesdeutsche Vergangenheit?

115, das Pilotprojekt, das zeitgleich Berlin, Nordrhein-Westfalen, Hamburg, Hessen und Niedersachsen einspannt, ist ein Integrationsprozess. Wie alle Integrationsprozesse wird sie Differenzierungsprobleme schaffen und, wo sie erfolgreich sein könnte, neue Differenzierungsmechanismen. Das heißt Warteschlangen und Warteschleife treten einen Tausch an. Wartende Menschen sind nun nicht mehr abgebilderter Ballast, der die Tageszeitungen aus-

staffiert, sondern nur noch eine Ablagerung, die unterirdisch durch Kabel transportiert wird. Das Soziale bleibt in der Realität unausgedrückt, da es bildlich nicht mehr darstellbar ist. Dieses Schweigen macht es unmöglich, im Namen von jemanden zu sprechen. Kommunikation wird binär. Entweder Sie haben ein Problem oder Sie lösen ein Problem. So verschwindet die Kommunikation in einer kalten Animation, die Beobachtung, Reflexion und Aktion dem Aussenstehenden unmöglich machen. Es wird im Öffentlichen Raum keine sozialen Probleme mehr geben, damit ist die Domestizierung dieses Raumes total. Armut verschwindet vollständig in Vorgängen (Meinungsumfragen, Tests), die den Normen untergeordnet sind. 115 ist eine Hotline. Montags bis Freitags erreichbar

zwischen 8:00 und 18:00 Uhr. Armut wird damit zu einer staatlich protegierten Dienstleistung. Sein Service sieht vor, dass die Hälfte aller Anfragen sofort beantwortet werden. Ansonsten sollen die Anrufer innerhalb eines Tages eine Rückmeldung per Telefon, Fax oder E-Mail erhalten. Soziale Wirklichkeit tritt also nur dann in Kraft, wenn zwischen jedem Teilnehmer am Sozialen ein Medium steht. Der Callcenter-Agent wird so zur Instanz, da er zum einzig verbleibenden Empfänger für soziale Probleme wird. Damit ist „sozial“ eine Zahlenreihenfolge, ein Code – 115. Ironischerweise kann ein jeder Code so aufgebaut sein, dass seine erzielten Ergebnisse überflüssige Anteile enthalten. Drücken wir es in einem küchenpsychologischen Term aus: Von Nichts kommt Nichts.

Text: MS

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Wählen ja, aber WEN? Das Superwahljahr 2009 • Wenn Sie wissen wollen, welche Partei zu Ihnen passt, fragen Sie den Wahl-O-Mat. Ihre Antworten auf die 38 Fragen wählen die passende Partei für Sie aus. „Der Wahl-O-Mat ... ist ein Produkt der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb mit Unterstützung des Instituut voor Publiek en Politiek (IPP) in Amsterdam. Thesen und Inhalte des Wahl-O-Mat wurden von einem Redaktionsteam aus 24 Jungwählern entwickelt. Beraten wurden sie vom institutionellen Träger des Wahl-OMat und den Wissenschaftlern Prof. Dr. Stefan Marschall, Dr. Christoph Strünck, Wolf Dittmayer und Christian K. Schmidt.“ www.wahl-o-mat.de SUPERWAHLJAHR 2009 (voraussichtliche Termine, Änderungen vorbehalten)

30. August Kommunalwahlen NordrheinWestfalen

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Landtagswahlen im Saarland, in Sachsen und Thüringen

Prognosen, Sonntagsfrage unter:

27. September Landtagswahl in Brandenburg Wahl zum 17. Deutschen Bundestag

Weitere Wahltermine, unter anderem für die Bundesrepublik Deutschland fi nden Sie unter: www.wahlrecht.de/termine.htm (bis 2014)

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Institut für Demoskopie Allensbach: www.ifd-allensbach.de forsa Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analyse mbH: www.forsa.de Forschungsgruppe Wahlen: www.forschungsgruppe.de Infratest dimap Gesellschaft für Trend- und Wahlforschung mbH: www.infratest-dimap.de

Text: GJ

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R채tselecke Bilderr채tsel Finde die sieben versteckten Fehler im rechten Bild!

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Impressum

Das Kiezmagazin

eIN PROJekt

kReUZBeRGeR MUsIkAlIscHeN AktION e.V.

DeR

Herausgeber Nurettin Gündüz Wolfhard Schulze Chefredakteurin Gesine Jüthner (GJ) Redaktion Ulla Greinke (UG) Stefan Kolodseike (SK) Matthias Mildner (MM) Mascha Nachbaur (MN) Martin Schilling (MS) Tuana (TU)

Nr.1 Dezember 2007

Nr.2 April 2008

Nr.3 August 2008 Ausgabe Nr. 5, 2009

Das Kiezmagazin Blindenführung Eine historische Führung durch das alte Berlin

Auf der Suche nach dem verlorenen Engel

Grafische Leitung Jörg Wiechers (JW)

Cover Design Benjamin Bürger

Tempelhof Was wird aus Tempelhof? Ideen, Vorschläge, Konzepte

3-Generationen Yoyo (8), Silke (37) und Helmut (61) zum Thema Liebe

Plus

Nr.4 Dezember 2008

Lektorat Sabine Heiber-Lange

Grafik & Bildredaktion Benjamin Bürger Stefan Kolodseike

Wo ist Vicky?

Kostenlos

Lektoratleitung Ulla Greinke

Der aktuelle Veranstaltungskalender

Nr.5 März 2009

Alle in dieser Ausgabe veröffentlichten Beiträge sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte liegen bei der Kreuzberger Musikalischen Aktion e.V.. Nachdruck und Verwendung nur mit Genehmigung der Redaktion. Für eingesendete Leserbriefe wird keine Haftung übernommen. Ein Anrecht zur Veröffentlichung besteht nicht. Die Redaktion behält sich vor, Beiträge gekürzt zu veröffentlichen oder zu zitieren. Trotz sorgfältiger Auswahl der Quellen kann für die Richtigkeit nicht gehaftet werden. Dies gilt insbesondere für Veranstaltungen und Kontaktdaten.

Anzeigenleitung Anke Drobot Terah Weleba Freie MitarbeiterInnen Ebru Bakir Vivien Eberlein Konrad Niemann Laura Serra Andrea Schletz Wir bedanken uns bei capelight pictures Carolin H. Constantin Film AG Jüdisches Museum Berlin Kinowelt GmbH Landesarchiv Berlin Pressestelle der Polizei Berlin PROKINO Filmverleih GmbH

Auflage: 2.500; Erscheinungsweise: vierteljährlich

Das 1. stadtteilorientierte Integrationshaus am Mehringplatz • Friedrichstraße 1 • 10969 Berlin Telefon: 030 - 25 29 25 40 • Fax: 030 - 25 29 25 41 • www.intihaus.de • redaktion@intihaus.de



Kontrast Magazine #6