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Nr. 03 I März 2013 www.igbce.de

vor ort Das Revier geht auf Strecke – die IG BCE ist beim Marathon am 12. Mai dabei tendenzen Zahlen und Meinungen zum stetig wachsenden Stress im Berufsleben tipps Kein Kavaliersdelikt – was tun gegen sexuelle Belästigung?

kompakt

Das Mitgliedermagazin der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie

Du bist nicht allein Alleinerziehende und ihre Kinder müssen viele Probleme meistern. Ein gutes Netzwerk ist dabei hilfreich.


unter uns

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Von Neustarts und Ausdauer

Christian Hülsmeier

Chefredakteur

Für einen guten Start ins Leben ihrer

Kinder tun Mütter und Väter zumeist alles. Doch gerade Alleinerziehende haben es dabei nicht leicht. Und da sie sich in vielen Fällen bisher ebenfalls nicht auf die Familienpolitik der Bundesregierung verlassen können – etwa durch Investitionen in Infrastruktur und Bildung – wird in einer solchen Situation Solidarität umso wichtiger. Wie sich viele Eltern selbst helfen, damit das Leben trotz allen Widrigkeiten lebenswert bleibt (siehe Foto), lesen Sie in unserer Titelgeschichte ab Seite 12. Alle achtung heißt eine neue Kolumne,

die die bisherige Web-Kolumne »Heims Homepage« ablöst und in der Mitglieder der kompakt-Redaktion abwechselnd Medien- und Internetthemen mit spitzer Feder kommentieren werden. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen!

Foto: Selina Pfrüner

Foto: Jesco Denzel

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ährend ich diese Zeilen schreibe, gibt im Niedersächsischen Landtag der neue Ministerpräsident Stephan Weil seine Regierungserklärung ab. Alle Zeichen stehen – nicht nur in Hannover – auf Neustart. Bei der Energiewende dagegen war und ist bisher alle Hoffnung vergebens, dass die Regierung nach dem Startschuss vor anderthalb Jahren endlich einmal aus den Blöcken kommt. Auch die jüngste Initiative der zuständigen Fachminister für Umwelt und Wirtschaft für eine Strompreisbremse beweist, dass den Verantwortlichen in Berlin soziale Gerechtigkeit recht egal ist – und ihre Bremse vor allem eines: Flickschusterei. Die IG BCE hat daher einen eigenen Vorschlag vorgelegt, wie man den Strommarkt neu und vor allem sozial gerecht organisieren kann. Mehr dazu lesen Sie auf den Seiten 18 und 19 sowie im Standpunkt von Michael Vassiliadis (Seite 11).

christian.huelsmeier@igbce.de kompakt | März 2013 | 3


11 Standpunkt

VOR ORT

Michael Vassiliadis über die Energiewende.

TITEL

21–29

12 Gemeinsam stark

Alleinerziehende haben es schwerer als Paare mit Kindern. kompakt zeigt: Lebenslust, Selbstbewusstsein und ein sozialer Arbeitgeber sind hilfreich.

Total verbunden – weltweit

THEMEN

18 Den Markt neu ordnen

Foto: Andreas Müller

Der Datenverkehr explodiert. Einer der größten weltweiten Transporteure ist BT (British Telecommunications). BT Germany, die deutsche Tochter des Kommunikationsdienstleisters, versorgt hierzulande viele große Konzerne.

Die von der Regierung angedachte Strompreisbremse ist eine vergiftete Pille. Energiewende und Strommarkt brauchen klare Konzepte. kompakt zeigt, welche.

TENDENZEN

31 Stress im Job

Immer mehr Menschen klagen über starke Belastungen im Beruf. kompakt hat Zahlen und Stimmen zusammengestellt.

34 »Bei vielen geht die Hoffnung verloren« Manfred Bornewasser hat die psychologischen Belastungen von Leiharbeitern untersucht. kompakt hat mit dem Professor für Arbeitspsychologie gesprochen.

Widerstand gegen Colgate-Pläne Mit einer eigenen Website informiert der Betriebsrat des Mundhygiene-Herstellers Gaba über die Pläne des Mutterkonzerns Colgate, die Produktion nach Polen zu verlagern. Die rund 140 Beschäftigten in Lörrach sind verunsichert.

TIPPS

36 Nicht anfassen!

Jede zweite Frau europaweit wurde an ihrem Arbeitsplatz schon einmal sexuell belästigt. kompakt gibt Tipps, wie frau sich wehren kann.

38 Trotz Schnupfnase schuften gehen?

Viele Arbeitgeber schleppen sich krank zur Arbeit und gefährden damit sich und ihre Kollegen. kompakt fasst zusammen, worauf Beschäftigte achten müssen.

Ein »Ritt auf der Rasierklinge« Es gibt einen Tarifabschluss bei E.ON. Der entschlossene Protest der Beschäftigten und ein von der breiten Mehrheit unterstützter Streik vor den Augen brachte die Arbeitgeberseite in buchstäblich letzter Minute in Bewegung. Jetzt gibt es ein reales Plus in den Portemonnaies.

IMMER IM HEFT

Am 12. Mai ist »Marathon im Pott«. Der erste Vivawest-Marathon führt durch Gelsenkirchen, Essen, Gladbeck und Bottrop. Die IG BCE ist dabei, denn es gehen nicht nur Mitglieder an den Start. Knapp 150 Mitglieder von den IG-BCE-Regionalforen übernehmen auch einen Teil der Betreuung entlang der Route.

03 Unter uns 06 Aktuelles 08 Alle Achtung 20 Leserforum/Impressum 30 Einer von uns* 40 Rätsel 41 Glück & Glosse 42 Mein Arbeitsplatz

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Foto: Frank Rogner

Revier am Start

* Der Landesbezirk Westfalen berichtet auf dieser Seite über Jubilarehrungen. Titelbild: Selina Pfrüner


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38

Mit Schnupfnase schuften gehen

34

»Bei vielen geht die Hoffnung verloren«

Gemeinsam stark

12

Den Strommarkt neu ordnen

18

Nicht anfassen!

36

Fotos: Selina Pfrüner, picture-alliance/dpa, Merlin Nadj-Torma, Jens Koehler/bildermeer.com, Image Source/Getty Images

INHALT März 2013

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Foto: Marko Djurica/Reuters

BILD DES MONATS

Ein Grab auf dem alten Stadtfriedhof im serbischen Niš ist das Zuhause des heimatlosen Bratislav Stojanovic. Der 43-Jährige, der in Niš geboren wurde, ist gelernter Bauarbeiter, hatte allerdings Zeit seines Lebens nie eine geregelte Arbeit. Lange lebte er in verlassenenen Häusern, ehe er vor etwa

AUFREGER DES MONATS

15 Jahren auf den Friedhof umzog. Serbien ist nicht verarmt, aber auf Entwicklungshilfe dringend angewiesen: Die Infrastruktur ist schlecht, die Industrie veraltet, die Verwaltung bürokratisch. Die Arbeitslosenquote liegt bei 26 Prozent, die Hälfte der 14- bis 30-Jährigen ist arbeitslos.

Weltweit wieder mehr Arbeitslose

Foto: Daniel Ochoa de Olza/picture alliance

im Jahr 2012 hat sich die weltweite Beschäftigungskrise nach einer gewissen Erholung zu Beginn des Jahrzehnts wieder verschlimmert. Das ist das Ergebnis eines Berichts über globale Beschäftigungstrends der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Im fünften Jahr nach Ausbruch der Finanzkrise stieg die Zahl der Arbeitslosen um weitere 4 Millionen auf mehr als 197 Millionen. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 5,9 Prozent. Hinzu kommen 39 Millionen Menschen, die sich vom Arbeitsmarkt zurückgezogen haben, weil sie keine Hoffnung auf Beschäftigung mehr sehen.

6 | kompakt | März 2013


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AKTUELLES ZAHL DES MONATS

ZITAT DES MONATS

52 dIE gEFAHR VON aLTERSARMUT ist für Frauen deutlich

größer als für Männer. Das legt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zu den Vermögen von Männern und Frauen innerhalb einer Partnerschaft nahe. Demnach besitzen Frauen, die mit einem Mann zusammenleben, im Durchschnitt 33 000 Euro weniger als ihre Partner. Das Institut wertete Antworten von 7200 Paaren aus dem Jahr 2007 aus. Demnach hat bei 52 Prozent der zusammenlebenden heterosexuellen Paare der Mann ein größeres Vermögen als die Frau. Durchschnittlich lag der Unterschied in dieser Teilgruppe bei 92 000 Euro.

Foto: Rui Vieira/picture alliance

Das Bundesverfassungsgericht hat das Adoptionsrecht homosexueller Lebenspartner gestärkt. Das Verbot der sogenannten Sukzessivadoption verstoße gegen das Recht auf Gleichbehandlung, entschieden die Richter in dem am Dienstag verkündeten Urteil. Dabei geht es um Fälle, in denen einer der beiden Partner ein Kind adoptiert hat und auch der andere Partner Adoptivmutter oder -vater werden möchte. Auch schwulen und lesbischen Lebenspartnern müsse in diesen Fällen eine Adoption möglich sein. Die bisherige Regelung verletze sowohl die betroffenen Kinder als auch die LeZu Recht: Gleichbehandlung gestärkt. benspartner in ihrem Recht auf Gleichbehandlung, sagte der Vorsitzende des Ersten Senats, Ferdinand Kirchhof. Die Benachteiligung sei nicht dadurch gerechtfertigt, dass es sich um gleichgeschlechtliche Lebenspartner handele. Diese könnten »ebenso wie Partner in einer Ehe in dauerhafter rechtlicher Bindung für das Wohl des Kindes sorgen«, sagte Kirchhof. Die zusätzliche Adoption durch den zweiten Partner sei dem Wohl des Kindes in der Regel zuträglich. Sie sei geeignet, »stabilisierende entwicklungspsychologische Effekte zu entfalten«, so das Gericht.

Foto: Karlheinz Schindler/picture alliance

Im Sinne der Kinder

»wir sollten diese erfahrungen unter einem hashtag sammeln. ich schlage #aufschrei vor.« ANNE WIZOREK ist freie Beraterin für digitale Strategien und OnlineKommunikation. Mit diesem Eintrag im sozialen Netzwerk Twitter löste sie eine bundesweite Diskussion aus. Hunderttausende Frauen und Männer berichteten unter dem Stichwort #aufschrei von ihren täglichen Erfahrungen mit sexueller Belästigung und Sexismus.

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Illustration: Stefan Hoch

alle achtung

In der Hitze der Berichterstattung

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er wissen will, wie gut es uns medial trotz »Dschungelcamp« und »Bauer sucht Frau« noch geht, dem empfehle ich den US-amerikanischen TV-Sender Fox News. Der Witz beginnt schon bei den Slogans, die sich der konservative Sender selbst verordnet hat: »Fair and balanced« (gerecht und ausgewogen) sowie »We report. You decide.« (Wir berichten. Sie entscheiden.). Der Sender gehört Medienmogul Rupert Murdoch. Das ist der, dessen englische Zeitung News of the World 2011 geschlossen wurde, als öffentlich wurde, dass Redakteure des Blattes nicht nur Politiker, Prominente und Mitglieder der Königsfamilie illegal abgehört hatten, sondern ebenfalls die Mailboxen und Telefone von Verbrechensopfern, Angehörigen gefallener britischer Soldaten und den Hinterbliebenen von Opfern der Londonder Terroranschläge 2005 angezapft hatten.

Fox News also berichtete dieser Tage über die Probleme der Solarenergiebranche in den USA. Im Frühstücksfernsehen diskutierten die Moderatoren Gretchen Carlson und Steve Doocy mit der sendereigenen Wirtschaftsreporterin Shibani Joshi. Und zuerst klang das, was die drei anführten, noch stimmig: Viele Firmen bekämen finanzielle Probleme, sobald die staatliche Unterstützung zum Ausbau erneuerbarer Energien auslaufe. Amerika habe immer noch nicht herausgefunden, wie man Solarenergie billiger und effizienter erzeuge, so Joshi. Doch dann fragte Carlson, warum denn Deutschland so viel besser mit Solarenergie zurechtkomme. Joshis überraschende Antwort: Deutschland sei ein viel kleineres Land als die USA. Und Joshi legte nach: Außerdem würde in Deutschland einfach viel mehr die Sonne scheinen. Diesen Satz lassen wir uns mal wie in der Hitze Norddeutschlands schmelzendes Vanilleeis auf der Zunge zergehen. In Deutschland scheint die Sonne also mehr als in den Wüsten Kaliforniens, Nevadas, Arizonas oder New Mexikos? Foto: Jesco Denzel

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Ein Blick auf die Karte des US-amerikanischen Energieministeriums, auf der die durchschnittliche Sonneneinstrahlungsintensität farbig dargestellt wird, beweist: Selbst die kälteste Gegend der USA – Alaska! – ist immer noch wärmer als der wärmste Fleck Deutschlands. Von den Moderatoren aber gab es keine Widerrede, sondern nur zustimmendes Nicken. Eine Studie der Fairleigh Dickinson University ergab 2011, dass Fox-Zuschauer nicht nur deutlich schlechter informiert seien als die anderer Sender, sondern sie wüssten im Durchschnitt sogar weniger über das tatsächliche politische Tagesgeschehen als US-Amerikaner, die überhaupt keine Nachrichten sähen. Warum ich das erwähne? Ich berichte nur. Sie entscheiden.

Dirk Kirchberg

wundert sich bei Fox News über nichts mehr, regt sich aber trotzdem gern immer wieder darüber auf.


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Schuldenfalle

Fragen an Tamara Joyette

Arbeitslose sind am meisten gefährdet, sich privat zu

überschulden. Bei einem guten Viertel (27 Prozent) der Klienten von Schuldnerberatungen ist die Arbeitslosigkeit der Hauptgrund für die Misere, wie aus einer Auswertung des Statistischen Bundesamtes hervorgeht. Aber auch Ereignisse wie Trennung, Scheidung oder der Tod des Partners führten bei 14 Prozent in die Schuldenfalle. Krankheit, Sucht oder ein Unfall sind bei 12 Prozent der Auslöser. Weitere zentrale Faktoren sind schlechtes Wirtschaften (11 Prozent) und gescheiterte Selbstständigkeit (8 Prozent). Im Schnitt hatten die Beratenen 35 000 Euro Schulden, berichtete das Bundesamt auf der Grundlage von freiwillig angelieferten Daten aus 220 von rund 1000 Schuldnerberatungen in Deutschland.

Foto: Frank Rogner

Die Teamkoordinatorin bei der Bayer AG über Familie und Beruf

sich künftig zweimal überlegen, was sie über ihre Kollegen posten. Beleidigungen können im Zweifelsfall zu einer fristlosen Kündigung führen. Das be- Besser Gutes reden: Wer Beleidigendes über tonten jetzt die Kollegen postet, kann gekündigt werden. Richter des Arbeitsgerichts Duisburg im Zusammenhang mit dem Fall eines Arbeitnehmers aus Nordrhein-Westfalen, der seine Kollegen auf der Internetplattform als »Speckrollen« und »Klugscheißer« bezeichnet hatte. Seine fristlose Kündigung hielten die Richter für unrechtmäßig, weil der Mann vorher von seinen Kollegen beim Arbeitgeber denunziert worden war. Er habe im Affekt gehandelt und hätte zunächst abgemahnt werden müssen, begründeten die Richter ihr Urteil. Sie machten jedoch auch klar: Grobe Beleidigungen von Chefs oder Kollegen rechtfertigen eine Kündigung auch ohne vorherige Abmahnung, weil sie nachhaltig in die Rechte des Betroffenen eingriffen und immer wieder nachgelesen werden könnten, ehe sie gelöscht würden – im Gegensatz zur mündlichen Beleidigung. Dabei spiele es auch keine Rolle, ob lediglich Freunde und Freundesfreunde den Eintrag lesen könnten oder er öffentlich zugänglich sei.

Foto: Brendan Smialowski/Getty Images

Nicht gegen Kollegen facebooknutzer sollten

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AKTUELLES

Der »Equal Pay Day« am 21. März soll darauf aufmerksam machen, dass Männer und Frauen im Berufsleben ungleich behandelt werden. Warum ist so eine Aktion im Jahr 2013 noch notwendig? In der Theorie finden heute Gleichberechtigung alle gut. Aber wenn die Frau vor konkreten Lebensentscheidungen steht, ist das traditionelle Rollenverständnis in der Gesellschaft immer noch ein Hindernis. Frauen verdienen weniger und Mütter, die Kinder haben und trotzdem arbeiten wollen, gelten als »Rabenmütter«. Eine Frau, die Familie und Karriere verbinden will, wird oftmals vor eine Entwederoder-Wahl gestellt. Sie sind in Kanada aufgewachsen und leben seit acht Jahren in Deutschland. Aus der globalen Perspektive heraus – was läuft hier Ihrer Meinung nach gut? In Deutschland wird über soziale Ungerechtigkeit gesprochen. Die Themen sind präsent und die Gesellschaft ist offen dafür. Auch die Politik hat die Notwendigkeit erkannt, das Thema Gleichberechtigung anzugehen. Und »Diversity Management« ist heute in vielen Unternehmen keine leere Hülse, sondern Teil der Philosophie. Ich sehe viele Fortschritte. Was muss getan werden, damit in Zukunft Frauen und Männer nicht nur auf dem Papier, sondern tatsächlich die gleichen Voraussetzungen haben? Der Wandel beginnt in den Köpfen, bei den Menschen, dann müssen sich die Rahmenbedingungen ändern. Bei der Bezahlung angefangen. Darüber hinaus müssen Möglichkeiten geschaffen werden, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für alle Frauen zu realisieren. Bayer bietet Krippenplätze an, doch es sind nicht genug. Wir müssen alte Denkmuster über Bord werfen. Vielleicht brauchen wir mehr Vorbilder, die zeigen, dass Familie und Beruf keine Widersprüche sind. Mailen Sie uns Ihre Meinung: kompakt@igbce.de

http://bit.ly/Vh5aI9 kompakt | März 2013 | 9


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AKTUELLES

Foto: Fotolia

Regierung schönt Zahlen

Damals... 1973

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) wirft der Bundesregierung vor, die Zahlen zum sogenannten Ausbildungspakt mit der Wirtschaft geschönt zu haben. Laut Angaben der mit dem Thema Ausbildungspakt befassten Bundesministerien hat sich die Ausbildungssituation in Deutschland durch den Pakt verbessert, nach Einschätzung des DGB ist die Lage allerdings deutlich schlechter Von wegen lange Nase: Nur mit Ehrlichkeit als von offizieller Seite behauptet. lässt sich die Ausbildungslücke schließen. Von einem Bewerbermangel für Ausbildungsplätze, wie es heißt, könne nicht die Rede sein. Während der Ausbildungspakt offiziell von nur 7700 unversorgten Bewerbern spreche, zählt der DGB zum 30. September 2012 mehr als 160 000 junge Menschen als unversorgt, die von der Bundesagentur für Arbeit als »ausbildungsreif« eingestuft wurden. Diese seien aber nur in Ersatzmaßnahmen wie Einstiegsqualifizierungen oder Praktika gelandet. »So wird die tatsächliche Lage ohne Zweifel verschleiert«, sagte stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock. Auf diese Weise lasse sich auch erklären, dass mehr als 2,2 Millionen Menschen im Alter von 20 bis 34 Jahren ohne Berufsabschluss bleiben. »Wir brauchen eine ehrliche Ausbildungsmarktstatistik, die den Jugendlichen und den politischen Entscheidungsträgern keine geschönte Lage vermittelt«, sagte Sehrbrock. Mehr Informationen bietet der DGB auf http://goo.gl/qNrVc

Jeder zweite Beschäftigte geht in Deutschland zur Arbeit, auch wenn er krank ist. Das ist das Ergebnis einer Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) und des Bundesinstituts für Berufsbildung. Im Durchschnitt gaben die 20 000 Befragten 11,5 Tage an. Demgegenüber stehen 17,4 Tage, an denen sie nach eigenen Angaben krank zu Hause blieben. Besonders Beschäftigte, die häufig unter Leistungs-, Termin- und Zeitdruck leiden, gaben nach Darstellung der Forschungseinrichtungen an, krank zur Arbeit zu gehen. Außerdem spielten mangelnde Vertretungsmöglichkeiten und Angst vor Entlassung eine Rolle. Besonders betroffene Berufsgruppen sind die Bau- und Landwirtschaft sowie Sozial-, Erziehungs- und Gesundheitsberufe. Mehr zu diesem Thema finden Sie in dieser Ausgabe auf Seite 38. 10 | kompakt | März 2013

Foto: Zachary Scott/ Getty Images

Krank zur Arbeit

Wer krank zur Arbeit geht, tut auch seinen Kollegen keinen Gefallen.

> Tankstellen haben Rohölmangel Heutzutage kann man sich kaum vorstellen, dass es Zeiten gab, in denen die Tankstellen an Ölmangel litten. Aber so war es: 1973 machte die Gewerkschaftszeitung »einheit« der IG Bergbau und Energie den Mangel zum Thema. Der damalige BP-Chef Hallmann kündigt in dem Artikel eine Preiserhöhung an: Von einer Mark pro Liter Superbenzin ist die Rede. Die Folge: Die »freien« Tankstellen mussten mehr im Einkauf zahlen und lagen mit ihren Abgabepreisen nur gering unter den Markenbenzinpreisen. Als noch von einem Öl-Boom in Europa und vor allem in der Bundesrepublik die Rede war, propagierte die Bundesrepublik den Rohstoff als »sicher und preiswert«. Kurz darauf hieß es schon »knapp und teuer!«. Ein Lösung für den Mangel sollte die heimische Kohle bieten. Also wechselten bestehende Kraftwerke von Öl auf Kohle, neue wurden von vornherein auf Kohlebasis gebaut. Mittels Kohleförderung wurde auch die Elektrizitätserzeugung auf eine sichere Basis gestellt. So sollte ein kontinuierliches Wirtschaftswachstum geschaffen werden. Die Zeitschrift »einheit« fügt in ihrer Ausgabe vom März 1973 an, dass Kohle zwar vergleichsweise teuer sei, aber dennoch der Importenergie vorzuziehen, weil diese nicht sicher verfügbar sei.


STANDPUNKT

Foto: Spencer Rowell / Getty

Neuer Anlauf für die Energiewende D

ie Energiewende ist eine enorme Herausforderung für unser Land. Wir können dieses Riesenprojekt stemmen – aber nicht im kleinkarierten Hickhack. Eine vordergründige parteitaktische Profilierung ist auch in Wahljahren völlig fehl am Platz. Die Energiewende muss als gesellschaftspolitisches Gemeinschaftswerk angegangen werden, sonst wird sie scheitern. Das Management der Energiewende leidet unter Effizienzmängeln. Um die Steuerung zu verbessern, ist die Einrichtung eines Energie- und Industrieministeriums zwingend erforderlich.

Das Gelingen der Energiewende wird auch davon abhängen, ob es dabei gerecht zugeht. Es ist unverantwortlich, private und industrielle Verbraucher gegeneinander auszuspielen. Um kurzfristig für eine Entlastung zu sorgen, muss die Stromsteuer gesenkt werden. Das Geld dafür ist vorhanden. Zugleich ist die Pendlerpauschale von 30 auf 40 Cent anzuheben. Die Benzinpreise sind explodiert, doch die Pauschale gilt seit einem Jahrzehnt unverändert. Schließlich geht es darum, die energetische Gebäudesanierung massiv zu fördern. Und zwar ohne dabei die Mieten in die Höhe zu treiben.

Foto: Ulrich Pucknat

Die Flickschusterei muss ein Ende haben. Deshalb ist es erforderlich,

eine mittelfristige Neukonzeption der Energiewende auf den Weg zu bringen. Das wird eine Aufgabe der neuen Bundesregierung sein, ganz unabhängig von ihrer farblichen Zusammensetzung. Der jetzige Strommarkt funktioniert offensichtlich nicht mehr. Deshalb fordert die IG BCE, einen neuen Strommarkt zu schaffen. Unser Vorschläge liegen auf dem Tisch. (Mehr Informationen zum Thema finden Sie in dieser Ausgabe ab Seite 18.) Michael Vassiliadis

Vorsitzender der IG BCE vorsitzender@igbce.de kompakt | März 2013 | 11

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TITEL Familie

Gemeinsam stark

Alleinerziehend und Frau – da scheint die Armut programmiert. Elvira Dostert und ihre Tochter Jamie kommen trotzdem gut über die Runden: mit gesundem Selbstbewusstsein, einem sozialen Arbeitgeber und unerschütterlicher Lebenslust. 

Foto: Selina Pfruener

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kompakt | M채rz 2013 | 13


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TITEL Familie

Viermal mehr Alleinerziehende

   8,2 Mio. Familien mit minderjährigen Kindern leben in Deutschland.

Die IG BCE FORDERT  eine Neuordnung des Arbeitsmarktes, die nicht zuletzt alleinerziehenden Müttern und Vätern zugute kommt,  den Ausbau der frühkindlichen Bildung in ganztägige Betreuung systematisch voranzutreiben,  am Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz zwingend festzuhalten,  ein entsprechendes Angebot auf qualitativ hohem Niveau mit Ländern und Kommunen zu realisieren.

Der Anteil der Ein-Eltern-Familien beträgt 22 Prozent; das heißt, es gibt derzeit ca. 2,6 Mio. Alleinerziehende, davon 1,6 Mio. mit Kindern unter 18 Jahren. Etwa 68 Prozent leben mit einem Kind.

P

lötzlich war Elvira Dostert schwanger. Mit dem Vater ihres Kindes wollte sie nicht leben. Dann zogen auch noch ihre Eltern weg, die meisten Freunde hatten mit ihren eigenen Kindern genug zu tun. Kinderkrippen gab es in Leverkusen so gut wie keine. Und weil Elvira Dostert nicht zum Romantisieren neigt, sagt sie heute, 17 Jahre später: »Die drei Jahre mit Jamie im Babybunker waren echt die Hölle.« Babybunker hieß: Windeln wechseln, Flasche geben, Füttern, Trösten, Bespaßen, Einkaufen, Kochen, Putzen, Waschen, eben Vollzeit fürs Kind da sein. Und Vollzeit, das hieß: 24

Stunden, sieben Tage die Woche alleine. Vorbei war die Zeit der Partys, genauso wie die Fotoshootings als Model für Warenkataloge, die sie nebenbei machte. Vorbei der Traum vom Auswandern in die USA und vom Umsatteln auf Fotografin oder Fitnesstrainerin. Und vorbei war das Arbeitsleben, jedenfalls vorerst. Trotzdem resümiert Dostert ziemlich unvermittelt und lakonisch: »Jamie ist das Beste, was mir passieren konnte.«

mie Lee die Geschichte eines Abstiegs wäre. Wenn Ausdrücke wie »Armut«, »Prekariat« und »Arbeitslosigkeit« darin vorkämen. »Für Alleinerziehende ist das Risiko, in Langzeitarmut zu leben, doppelt so hoch wie im Bevölkerungsschnitt«, sagt Antje Asmus vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung. »Die Kinder alleinerziehender Eltern sind die größte und dauerhafteste Gruppe der in Armut lebenden Kinder.« 2011 bezogen elf Prozent aller deutschen Privathaushalte Hartz-IV-Leistungen – bei den Haushalten Alleinerziehender waren es mit 40 Prozent fast vier Mal so viel, 617 000 Alleinerziehende, 95 Prozent von ihnen Frauen. Elvira Dostert blieb von alldem verschont. Eine harte Zeit war es trotzdem.

Statistisch gesehen dürfte es nie-

manden überraschen, wenn die Geschichte von Elvira und ihrer Tochter Ja-

600

Anzahl in Tsd (linke Skala)

Quote in % (rechte Skala)

50

41,3

500

507

38,2 495

400 300

40 414

30

325

305 200

14,1 9,5

100

20

10

12,1

0

0 Alleinerziehend 1 Kind

Armutsrisiko.indd 1

Alleinerziehend 2 Kinder

14 | kompakt | März 2013

Paarhaushalt 1 Kind

Paarhaushalt 2 Kinder

Paarhaushalt 3+ Kinder 19.02.2013 16:43:44

Quelle: FIT, Prognos 2007; Basis SOEP 2006, Grafik: BWH, Andreas Beichler

Überproportional viele Kinder und Jugendliche mit Armutsrisiko bei Alleinerziehenden

Elvira und Jamie Dostert sitzen am Wohnzimmertisch ihrer Leverkusener Zwei-Zimmer-Wohnung, Um ihre Beine streichen zwei Katzen, während Elvira Dostert erzählt, wie sie Kind, Haushalt und Arbeit damals unter einen Hut zu bringen versucht hat. Drei Jahre blieb sie als Vollzeitmama zu Hause. Finanziell kamen sie und Tochter Jamie mit Kindergeld, Unterhalt und dem »Müttermodell« von Bayer einigermaßen über die Runden: Zwei Jahre lang stockte das Sozialamt die Einkünfte auf 2100 Mark auf, im dritten Jahr übernahm Bayer diese Zahlungen. »Ich habe viel Second-Hand-Kleidung gekauft«, sagt die alleinerziehende Mutter.


beziehen Hartz IV

   90 Prozent der Alleinerziehenden sind Frauen. Etwa 25 Prozent leben mit zwei Kindern.

Dostert schwer. Nicht ohne Stolz erzählt sie von ihrer Karriere vor Jamie: Mit 17 fing sie bei Bayer in Leverkusen als Chemie-Jung-Werkerin an, arbeitete als Fachwerkerin in der Materialprüfung. Als sie aufsteigen wollte, sagte ihr ein älterer Vorgesetzter unter vier Augen: »Frauen haben hier karrieremäßig sowieso keine Chance.« Solche Sprüche sind weniger geworden. »Da haben sich bei Bayer die Zeiten geändert. Auch in höheren Positionen haben Frauen heute gute Karrierechancen.« Damals bewarb sich Elvira Dostert weg in die Analytik. Nach sieben Jahren wechselte sie in die Polymerchemie, musste aber aufgrund einer Chlorallergie das Labor verlassen und landete nach einer Station in der Verwaltung im Fotolabor. Sie war dort angekommen, wo sie immer hinwollte, und blieb, bis Jamie kam. Über sie sagt Elvira: »Sie war eher ein Unfall. Aber auch wenn sie nicht geplant war, war sie immer gewollt.« Jamie sitzt neben ihrer Mutter im gemeinsamen Wohnzimmer und hat kein Problem damit, als »Unfall« bezeichnet zu werden. Die beiden pflegen eine Direktheit, wie sie typisch fürs Rheinland sein mag – aber auch dort nur funktioniert, wenn man sich nahe steht. Und wenn auch die Tochter nicht auf den Mund gefallen ist: »Mama ist manchmal echt peinlich. Wenn sie im Auto an einer roten Ampel steht, macht sie das Radio an, und wehe es läuft ›Pit Bull‹ und ›Da-

Foto: Selina Pfrüner

Ihre Stelle aufzugeben, fiel Elvira

Im Laufe der Jahre ist das Zweiergespann aus Elvira Dostert und Tochter Jamie zusammengewachsen.

vid Guetta‹! Dann dreht sie voll auf und fängt an, im Sitzen zu tanzen. Alle Leute kucken doof und ich will im Erdboden versinken.« Nervt sie das einmal zu sehr, zeigt Jamie ihrer Mutter eine Handfläche und sagt: »Sprich zu dieser Hand.« Als Jamie drei Jahre alt war und

den betriebseigenen Kindergarten besu-

chen konnte, kehrte Elvira Dostert zu Bayer zurück. Der Tagesablauf war stramm: Weckerklingeln um fünf Uhr, ein bisschen schmusen mit Jamie, anziehen, ab in den Kindergarten von sechs bis 16 Uhr. Nach der Schicht noch auf den Spielplatz, in die Eisdiele oder Spazieren gehen, Einkäufe erledigen, Licht aus um zehn Uhr. Und wenn Elvira

kompakt | März 2013 | 15


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TITEL Familie

Alleinerziehende Mütter sind he   Dostert mal krank war oder im Chor

sang, hatten die Nachbarn ein Auge auf Jamie. Elvira Dosterts Stelle war während der Elternzeit der Digitalisierung zum Opfer gefallen. Nach Weiterbildungsseminaren und der Fürsprache des Betriebsrats fing sie nach ihrer Rückkehr in der »Grenzflächenanalytik« an, wo sie noch heute arbeitet. Und wenn Jamie ihre Mutter mal braucht, kann diese auf das Verständnis von Kollegen und Vorgesetzten bauen: »Mir hilft das freundschaftliche Verhältnis zu meinen Kollegen dabei, das Arbeitspensum gut zu bewältigen. Wir arbeiten Hand in Hand«, sagt Elvira Dostert, die mittlerweile auch Vertrauensfrau ihrer Abteilung ist. Über die Jahre hat die alleinerziehende Mutter festgestellt, dass sich die Haltung ihr gegenüber geändert hat: »Früher wurde man schon mal scheel angekuckt.« Sie erinnert sich an die maliziöse Anspielung eines früheren Vorgesetzten bei einer Gehaltsverhandlung über Arbeitstage, während derer sie abwesend war. Dass das mit Jamies Kinderkrankheiten zusammenhing, war ihm offenbar egal, und auch, dass ihr jährlich

Wie kann der Arbeitsmarkt gerechter werden?  Leiharbeit begründen, begrenzen und fair bezahlen.  Einführung eines Mindestlohns als Schutz vor Billiglohn und Ausbeutung.  Keine Befristung ohne Grund zulassen.  Den Missbrauch von Werkverträgen zum Lohn- und Sozialdumping unterbinden.  Möglichkeit, bei der öffentlichen Auftragsvergabe soziale Kriterien zu berücksichtigen (Tariftreue, Mindestlohn, Gleichstellung von Männern und Frauen), gesetzlich verankern.  Neuordnung des Arbeitsmarktes durch Weiterentwicklung des Betriebsverfassungsgesetzes: Einführung eines harten Mitbestimmungsrechtes bei der Leiharbeit und eines Initiativrechts für Betriebsräte, beispielsweise bei immer größerem Leistungsdruck, Herausforderungen durch den demografischen Wandel oder der Standortsicherung.

20 Fehltage fürs Kind zustehen. Als Argument gegen eine Lohnerhöhung taugte der Hinweis allemal. Und zur Einschüchterung der Mitarbeiterin: Elvira Dostert verzichtete auf die Lohnerhöhung. Und dachte sich: »Wer Kinder in die Welt setzt, wird bestraft.« Zumindest aber hat er es nicht leicht: Jeder fünfte Elternteil ist mitt-

lerweile alleinerziehend, Tendenz steigend. 86 Prozent sind Frauen, von denen nur etwas mehr als die Hälfte (58 Prozent) von der eigenen Erwerbstätigkeit lebt (Mütter in Paarfamilien zu 52 Prozent). 31 Prozent erhalten Transferzahlungen wie Hartz IV oder Arbeitslosengeld (bei Müttern in Paarfamilien sind es 6 Prozent). Über 41 Prozent

F

rank Behrendt und die Initiative, für die er sich engagiert, haben eine klare Zielsetzung: »Wir vertreten nicht nur das Recht des Vaters, sondern das Recht des Kindes, mit beiden Eltern aufzuwachsen«, sagt der 47-Jährige. »Kinder brauchen beide Eltern« heißt folgerichtig der Verein, dessen Leverkusener Kontaktstelle Behrendt ist. In der Regel zwei Mal pro Woche treffen sich in Behrendts Haus und Garten in Langenfeld Väter, die getrennt von der Frau leben, mit der sie Kinder haben. In vielen Fällen kommen die Kinder zu den Treffen mit, um miteinander zu spielen. Behrendt selber hat zwei erwachsene Kinder aus zwei Ehen und einen fünfjäh-

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rigen Sohn, der zeitweise bei ihm und seiner neuen Lebenspartnerin sowie deren Sohn wohnt. Mit seinen Kindern und deren Müttern versteht Behrendt sich »relativ gut«. Aber er kennt die Nöte getrennter Eltern: Zum Beispiel leiden viele geschiedene Väter darunter, wenn ihre Kinder irgendwann keine Zeit mehr mit ihnen verbringen möchten. Die Gründe dafür können verschieden sein: »Manchmal ist es einfach nur eine Phase, die wieder vorbeigeht. Manchmal geraten die Kinder in einen Loyalitätskonflikt und entscheiden sich für eine Seite.« In einigen Fällen wirke auch das Verhalten des anderen Elternteils manipulativ – absichtlich oder unab-

Foto: Selina Pfrüner

»Kinder brauchen beide Eltern«

Wenn sich die alleinerziehenden Väter zum Austausch treffen, kommen die Kinder oft mit.


ute bessergestellt der Alleinerziehenden sind arbeitssuchend gemeldet, gegenüber knapp 9 Prozent in Familien mit Paarbeziehung. In »atypischen Beschäftigungsverhältnissen« wie 450-Euro-Jobs, Teilzeitjobs, in Zeitarbeit oder auf befristeten Stellen sind 42 Prozent der alleinerziehenden Mütter beschäftigt. In Paarbeziehungen sind es 59 Prozent der Mütter, aber nur, weil sie häufiger in Teilzeit arbeiten – was wiederum daran liegt, dass diese Frauen mit ihrem Erwerb die Familie nicht alleine versorgen müssen. Dass Alleinerziehende Mütter heute dennoch besser gestellt sind als noch vor Jahren, bestätigt Roswitha Süßelbeck, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende von Bayer Leverkusen. »Sie profitieren unter anderem von flexiblen Arbeitszeiten und Teilzeit-Ausbildungsmöglichkeiten.« In den Betriebskindergärten des Unternehmens bekommen die Kinder Alleinerziehender eher einen Platz, und die Eröffnung einer neuen Tagesstätte mit weiteren Plätzen für Kinder unter drei Jahren ist beschlossene Sache. Zudem werden Ferienbetreuungen in den Oster-, Sommer- und Herbstferien angeboten, die Kosten dafür trägt

zum Teil Bayer. Zwei Wünsche hat Roswitha Süßelbeck aber dennoch: »Bis vor einigen Jahren hat Bayer Alleinerziehende in besonderen Lebenssituationen direkt finanziell unterstützt. Ebenso gab es eine Beratung durch eine Sozialpädagogin für Alleinerziehende. Wir wünschen uns, dass das Unternehmen diese Beratung wieder aktiver anbietet.« Im Vergleich zu den Kindertagen Jamies reagieren die Leute heute sehr viel respektvoller und anerkennender, wenn sie hören, dass Elvira Dostert ihr Kind allein großzieht und Vollzeit arbeitet. Eine Frage aber schein nach wie vor unvermeidlich: Ob Jamie nicht die Vaterfigur fehle? »Jamie hat von Anfang an gelernt, dass ihr nichts geschenkt wird«, antwortet Elvira Dostert dann. »Sie ist unbetüddelt aufgewachsen und musste sich alles erarbeiten. Das hat sie selbstbewusst gemacht.« Außerdem gibt es da auch noch Patenonkel Uli, der Jamies Fahrradplatten flickt, ihr auf dem Übungsplatz das Autofahren beibringt und bei Bedarf erklären kann, wie Jungs so ticken. Um Jamie braucht sich niemand Sorgen zu machen. Andreas Unger

sichtlich. Da wird das Kind, während es ins Spielen versunken ist, gefragt, ob es jetzt zu Papa gehen möchte – was es nicht möchte. Aber nicht, weil es Papa nicht mag, sondern weil es weiterspielen möchte. Behrendt und seine VereinsMitstreiter möchten dabei helfen, dass sich solche Fronten gar nicht erst bilden. Frank Behrendt ist zu erreichen unter ks-leverkusen@kbbe.de

Er freut sich über Kontakt zu Experten zu den Themen »Wechselnde Betreuung« und »gleichmäßig abwechselnde Beherbergung«. Wer eine Kontaktstelle des Vereins »Kinder brauchen beide Eltern« sucht, klicke auf www.kbbe.de 

K OMMENTAR

EdeltrauD Glänzer

Mitglied des Vorstands der IG BCE, unter anderem zuständig für Frauen und Gleichstellung

In das Richtige investieren Deutlich am Bedarf vorbei und offensichtlich in Unkenntnis der tatsächlichen Herausforderungen, denen sich Familien heute stellen müssen: So erreicht die Bundesregierung das Ziel einer familienbewussteren Gesellschaft und Arbeitswelt nicht. Wir empfehlen deshalb nach wie vor, deutlich stärker in Bildung und Infrastruktur zu investieren. Dazu muss zunächst das Betreuungsgeld vom Tisch. Es ist eine Zumutung, wenn junge Eltern sich entscheiden müssen, ob sie einen staatlich geförderten Betreuungsplatz in Anspruch nehmen oder ihr Kind zu Hause betreuen und dafür Geld für das Bildungssparen bekommen. Wir brauchen dieses Geld dringend für den notwendigen Ausbau von Kita-Plätzen. Erheblichen Handlungsbedarf sehen wir auch bei den Öffnungszeiten von Kinderbetreuungseinrichtungen, den Möglichkeiten Kita-Plätze zu teilen und der teils stark ausgeprägten Orientierung der Kommunen am Wohnortprinzip. In den vergangenen zehn Jahren wurden wichtige Meilensteine gesetzt: Durch die Einführung von Elternzeit und Elterngeld mit den sogenannten Partnermonaten, den Ausbau der Kinderbetreuung mit der Schaffung eines Rechtsanspruchs auf Betreuung ab August 2013. Diesen Weg gilt es konsequent fortzusetzen und zu intensivieren.

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Themen Energiepolitik

Foto: Merlin Nadj-Torma

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Den Markt neu ordnen Eine vergiftete Pille ist die von Umweltminister Peter Altmaier (CDU)

und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) angedachte Strompreisbremse. Sie taugt nicht als Lösung für die Herausforderungen der Energiewende.

I

ch halte es für unverantwortlich, dass die Bundesregierung die industriellen und privaten Verbraucher gegeneinander ausspielen will«, sagte der IGBCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis auf einer Pressekonferenz Mitte Februar in Haltern am See. »Die Energiewende muss als gesellschaftspolitisches Gemeinschaftswerk verstanden und angegangen werden«, sagte Vassiliadis weiter. Das bedeute, dass es auch eine Verständigung und Kooperation über die Parteigrenzen hinweg geben müsse, damit die Energiewende ein Erfolg werde. »Bei allem Verständnis für die Zwänge von Parteien in einem Wahljahr: Die Energiewende ist zu wichtig, als dass man sie für eine vor-

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dergründige parteitaktische Profilierung missbrauchen darf«, sagte Vassiliadis. Deutschland brauche endlich ein

Industrie- und Energieministerium für ein effektives Management der Energiewende. Um eine kurzfristige Entlastung aller Verbraucher zu erreichen, unterstützt die IG BCE den SPD-Vorschlag, vorübergehend die Stromsteuer zu senken. Der Bund sollte die Extra-Einnahmen aus dem EEG – immerhin 1,2 Milliarden Euro – zurückgeben. Auch erneuert die IG BCE ihre Forderung, die seit einem Jahrzehnt unveränderte Pendlerpauschale von 30 auf 40 Cent zu erhöhen. Da ein Viertel aller Energie im Wohnungswesen für Wärme und Warmwas-

ser verbraucht wird, fordert die IG BCE, das Förderprogramm »Energetisches Sanieren« um mindestens zwei Milliarden Euro jährlich aufzustocken. Das gerade von der Bundesregierung beschlossene Miniprogramm von 300 Millionen Euro ist absolut unzureichend. Neben diesen kurzfristig notwendigen und realisierbaren Vorschlägen braucht es eine mittelfristige Neukonzeption der Energiewende. Die IG BCE fordert daher, einen neuen Strommarkt zu schaffen. EEG und EnWG müssen grundsätzlich reformiert und in einem neuen Strommarktgesetz zusammengefasst werden. Diesen Vorschlag wird die IG BCE in den nächsten Wochen in die Politik einbringen. red


Die Prinzipien, nach denen der neue Strommarkt zu organisieren ist:

Foto: Frank Rogner

Das Umspannwerk Neuenhagen bei Berlin.

Braunkohlenförderung in Garzweiler.

 1.

Erneuerbare Energien müssen weiter gefördert werden – aber nicht mehr bedingungslos. Ihr Ausbau soll mit Netz- und Speicherausbau synchronisiert werden.

3.

Strom, der nicht gebraucht wird, wird künftig nicht mehr ver gütet. Bei einer Überproduktion wird sukzessive abgeschaltet. Anlagen, die verbrauchsnah gebaut sind, haben dabei Vorrang gegenüber anderen. EEG-Altanlagen behalten Bestandsschutz: Die nicht genutzten Förderstunden können an die Gesamtförderzeit angehängt werden. Notwendig ist eine differenzierte Vorrangregelung, die sich aus der Netzstabilität ableitet.

4.

Vorrang haben immer Kraftwerke, die zur Netzstabilität benö tigt werden – etwa ein Drittel der Erzeugung durch Anlagen mit Turbinen bleibt nötig. In diesen Must-Run-Sockel sind Kraftwerke auf erneuerbarer Basis (zum Beispiel Biomasse) vorrangig einzubeziehen.

 5.

Vorrang haben zudem vertraglich gebundene Stromliefe rungen und Verbrauchsnähe, besonders bei Kraft-WärmeKopplung.

In der Leitstelle von 50Hertz.

Foto: Erich Häfele/picture alliance

2.

Foto: Merlin Nadj-Torma

Braunkohle, Wind und Sonne kosten wenig, erfordern aber hohe Kapitalkosten. Bei geringen variablen Kosten und hohen Festkosten muss der europäische Strommarkt künftig auch Leistungsvorhaltung vergüten.

Einfamilienhaus in Bayern.

Minianlagen können und sollen für den Eigenverbrauch ein gesetzt werden (Solardächer), um die Netzstabilität zu gewährleisten. Deshalb soll die Einspeisevergütung niedriger als der durchschnittliche Strompreis gestaltet werden.

8.

Energieintensive Unternehmen werden aus Wettbewerbsgrün den von Preissteigerung durch den Umbau einer Energieversorgung auf erneuerbarer Basis ausgenommen. Das gilt auch für die Investitionen in Netze und neue Kapazitäten.

 9.

Grundsätzlich sollten die von der Allgemeinheit zu tragenden Kosten der Energiewende durch Steuern aufgebracht werden und nicht über Umlagen für alle Stromkunden. Anfangen könnte man mit dem Geld für den neuen Haftungsfonds für Offshoreanlagen.

Energieeffizienzplanung beim Architekten. Unten: Windpark in der Nordsee. Foto: Ingo Wagner/picture alliance

 7.

Foto: Klaus Ohlenschläger/picture alliance

6.

Statt Vermarktung an der Börse durch die Netzbetreiber wol len wir künftig die Direktvermarktung der EEG-Anlagen. Das sieht im Übrigen die Bundesregierung auch schon vor. Das ist zu verbinden mit einem sogenannten Besicherungsanreiz, also der Garantie, dass die verkaufte Strommenge tatsächlich geliefert wird, etwa durch Absicherung in Form eines Biomasse- oder konventionellen Kraftwerkes.

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leserforum Nr. 02 I FEBruar 2013 www.igbce.de

vor ort So wird bei Villeroy & Boch Geschirr hergestellt tendenzen So kommt Öl vom Kaspischen Meer nach Deutschland tipps So wird Karneval auch im Betrieb lustig

Schreiben Sie uns! Wir freuen uns über Lob, Kritik und Anregungen.

kompakt

kompakt IMPRESSUM

Das Mitgliedermagazin der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie

Braun vergiftet

sein mit immer neuen Ungerechtigkeiten gegenüber Arbeitnehmern, Arbeitslosen und sogar Rentnern als großen Teilen unserer Gesellschaft.

Unsere Demokratie braucht mehr Schutz vor rechtem Extremismus.

Wolfgang Neuhaus, Gelsenkirchen 01_titel_02.indd 1

21.01.2013 18:30:18

Leserbriefe stellen die Meinung des Einsenders dar. Anonyme Zuschriften werden nicht berücksichtigt. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

> Hunger nach Rohstoffen von Marcus Bensmann (02/2013)

Alles verstanden Ich lese viele Bücher, Infomagazine und Sachzeitschriften, aber zum ersten Mal habe ich über das Thema »Rohstoffe« alles verstanden. Sie schreiben knapp, aber sehr genau, präzise und ungeheuer anschaulich – so anschaulich, dass ich alle Probleme des Hungers nach Rohstoff verstanden habe. Max Regitz, Sulzbach

> Titelseite Februar-Heft von Redaktion (02/2013)

An die Regierung Die Aussage »Braun vergiftet. Unsere Demokratie braucht mehr Schutz vor rechtem Extremismus.« ist völlig richtig, auch die weitere Aufklärung auf den inneren Seiten (Titelgeschichte »Heile Welt?«, Anmerkung der Redaktion). Mir fehlt aber eine Aufforderung an die Parlamente und Regierungen, die mit ihren Themen und Entscheidungen mit dazu beitragen, dass der Extremismus weiteren Nährboden erhält. Es muss Schluss 20 | kompakt | März 2013

Viel zu harmlos

@

Im Gegensatz zu Ihrer Überschrift auf Seite 3, »Provokative Gratwanderung« (im Editorial von Chefredakteur Christian Hülsmeier, Anmerkung der Redaktion), finden Sie mit dem Titelbild bei mir keine Zustimmung. Es ist aus meiner Sicht viel zu harmlos, um vor den Gefahren des faschistischen Gedankenguts zu warnen. Wenn der Text »Braun vergiftet« nicht darüber gestanden hätte, hätte ich das Bild nicht auf Anhieb verstanden. Braun ist eine Farbe und nur dann der braunen Ideologie eindeutig zuzuordnen, wenn sie sprachlich und bildlich auch so dargestellt wird. Ansonsten finde ich die Stellungnahme zum Thema Rechtsextremismus von Michael Vassiliadis prima!

Halt geben

@

Egal, ob rechte, linke oder religiöse Fanatiker: Für mich sind unglückliche Lebensumstände die Gründe für Extremismus. Es muss verhindert werden, dass Menschen abdriften und keinen Ausweg mehr sehen. Man gebe ihnen Halt, Arbeit und ausgleichende Freizeitgestaltungsmöglichkeiten. Dinge, die dem kompakt-Leser vermutlich nicht fehlen dürften. Also ich persönlich habe keine Zeit für Extremismus! Jens-Peter Gärtner, per E-Mail

> Rechtsextremismus härter bekämpfen von Michael Vassiliadis (02/2013)

Stimme völlig zu

Hallo, liebe Kollegen aus der IG-BCE-Redaktion, ich habe gerade mit Begeisterung eure FebruarAusgabe durchgeblättert und zum Teil gelesen. Eure Position gegen Rechtsaußen finde ich sehr gut. Klasse und weiter so!

Als Gewerkschafter im Ruhestand mit 54-jähriger ununterbrochener Mitgliedschaft habe ich mich über die klare Position unseres Vorsitzenden Michael Vassiliadis zum Rechtsextremismus sehr gefreut und stimme ihm völlig zu. Ja, der Rechtsextremismus ist nicht nur der Feind der Linken, sondern aller Demokraten. Dabei muss nicht nur die rechtsextreme Gewalt der »Stiefelnazis« bekämpft werden, sondern auch die ihrer Auftraggeber, der sogenannten »Kragennazis« in der NPD, einer Partei, deren Verbot höchst überfällig ist. Darüber sollte Konsens aller Demokraten bestehen. Was wir brauchen, sind klare Handlungsstrategien gegen rechte Gewalt und viele originelle Ideen.

Jürgen Kreuzig, per E-Mail

Klaus Hoppe, Apolda

Karl-Otto Czikowsky, per E-Mail

> Heile Welt? von Stefan Scheytt und Julia Osterwald (02/2013)

Klasse und weiter so!

@

Das Mitgliedermagazin der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie Herausgeber Michael Vassiliadis Chefredakteur (verantwortlich im Sinne des Presserechts) Christian Hülsmeier Stellvertretender Chefredakteur Michael Denecke Chef vom Dienst Alexander Nortrup Redaktion Sarah Heidel, Julia Osterwald, Dirk Kirchberg, Dr. Ulrike Börger Redaktionsassistenz Simone Michels, Tanja Rössner Gestaltung Hans Borgaes Redaktionsanschrift Königsworther Platz 6 30167 Hannover Telefon: 0511 7631-306/-329 Telefax: 0511 7000891 E-Mail: kompakt@igbce.de Internet: www.igbce.de Satz: BWH GmbH Beckstraße 10, 30457 Hannover Gesamtherstellung und -vertrieb: Westend Druckereibetriebe GmbH Westendstraße 1, 45143 Essen Anzeigenverwaltung NetworkMedia GmbH Stresemannstraße 30 10963 Berlin Telefon 030 25594-160 (Fax: -190) E-Mail: haertig@nwmd.de Gültige Anzeigenliste Nr. 12 vom 01. 01. 2013 Verantwortlich für den Anzeigenteil: Claudia Härtig Zusendungen: Für unverlangte Einsendungen wird keine Gewähr übernommen. Bezugspreis 0,90 €, jährlich 10,00 €. Für Mitglieder der IG BCE ist der Bezugspreis im Mitgliedsbeitrag enthalten. Erscheinungsweise:

kompakt erscheint monatlich

mit acht Regionalausgaben für Bayern, Baden-Württemberg, Hessen-Thüringen, Nord, Nordost, Nordrhein, Rheinland-Pfalz/Saarland, Westfalen. Redaktionsschluss dieser Ausgabe: 19. 2. 2013 Druckauflage: 660 799 (IV/2012) Gedruckt auf chlorfreiem Papier


VOR ORT Am Netz British Telecommunications (BT) verknüpft die Welt

Widerstand gegen Colgate-Pläne Gaba-Betriebsrat schaltet Website – die Beschäftigten wählen Vertrauensleute.

Das Revier am Start Am 12. Mai ist Marathon im Ruhrgebiet – und die IG BCE ist mit dabei.

Ein Ritt auf der Rasierklinge Tarifabschluss beim Energieriesen E.ON sorgt für ein reales Plus in den Portemonnaies. Foto: Andreas Müller

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vor ort BT Germany

1

Total verbunden Die BT (British Telecommunications) ist einer der wenigen Kommunikationsdienstleister,

die weltweit arbeiten. 190 Länder decken die Netzwerke ab. Und der Datenverkehr explodiert.

W

o die großen Datenströme der Telekommunikation zusammenfließen, rauscht es wie an einem Wasserfall. Grund dafür ist hauptsächlich die Klimaanlage, aber auch die klobigen Server und Router, die in den Technikräumen von BT (British Telecommunications) Germany in München stehen, tragen ihren Teil bei. In den übermannshohen Schränken

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aus Metall blinkt es, Stecker stehen aus grauen Kästen hervor, an den Außenwänden ziehen sich Kabel wie gekämmte Spaghetti zur Decke. Was für den Laien aussieht wie ein stromfressendes Monster, von dem man besser die Finger lässt, ist für Christian Goldmaier ein Wesen, das unter seinen Händen wächst und gedeiht. Der Informations- und Telekommuni-

kationselektroniker konfiguriert Server, misst Leitungen und überprüft ihre Übertragungsqualität – so sorgfältig und konzentriert, als kontrolliere er dessen Blutdruck. »Das ist ein lebendes Objekt«, sagt er. Die BT Germany versorgt Unternehmen mit Telefonanlagen und Internetzugang, vernetzt Standorte und bietet Videokonferenzen sowie Rechenzentren an. Sie betreut

die meisten DAX30-Unternehmen und ist verantwortlich für reibungslose Abläufe bei BASF, BMW, Saturn oder DB Schenker. Im digitalen Zeitalter sind Daten kostbare Ware: Banken lassen sich garantieren, dass jeder Fehler in wenigen Stunden behoben ist, denn hier wie in anderen Branchen kann ein Netzwerkausfall enorme Verluste bedeuten. Bestellung, Fertigung, Transport und


gen seine Ausbildung beendet. Er möchte gerne bleiben.

2 1 | Technik-Wesen Christian Goldmaier konfiguriert Server, misst Leitungen und überprüft ihre Übertragungsqualität.

2 | Korrekturen

3 | Stück Geschichte

3

Ortung – undenkbar, wenn dieser fragile Kreislauf zusammenbricht. Deshalb gilt Redundanz: Doppelt hält besser und dreifach sowieso. Fällt ein Kabel, Knotenpunkt oder Anbieter aus, greift ein anderer.

Bei BT legt man großen Wert darauf, dass jeder weiß, wo die Technikursprünge liegen.

löscht«, sagt Goldmaier. »Je stärker und kompakter die Technik wird, desto mehr Hitze entwickelt sie«, ergänzt Simon Polotzek und deutet auf eine Palette voller Router, die jeweils mehrere Tausend Euro wert waren, jetzt aber Schrott

»Wir setzen Dinge schnell um, ohne vorher lange zu planen. Dadurch sind wir flexibel. Und es funktioniert.«

Joachim Gschwendtner Betriebsratsvorsitzender

Die Datenräume sind gut gesichert, Zutritt haben nur Befugte. Schilder warnen vor Stromschlägen und Feuer. »Sollte es hier mal brennen, wird sofort mit Stickstoff ge-

sind. »Die Router da sind längst zu groß. Die neuen sind kleiner und viel leistungsfähiger, verbrauchen allerdings auch mehr Strom.« Polotzek hat vor ein paar Ta-

Fotos (4): Andreas Müller

Simon Polotzek werkelt am Ausbildungscomputer, der voll funktionstüchtig ist.

Nachdem es einige Jahre keine Lehrlinge gab, steht die Ausbildung bei BT Germany seit 2010 wieder im Tarifvertrag. Derzeit bildet das Unternehmen in München 15 Azubis im Bereich Elektronik und Fachinformatik aus, die sich bei dem englischem Unternehmen auf Besonderheiten einstellen müssen. »Es gibt schnelle Organisationsänderungen, wir setzen Dinge schnell um, ohne vorher lange zu planen«, sagt Betriebsratsvorsitzender Joachim Gschwendtner. »Dadurch sind wir flexibel. Und es funktioniert.« Gschwendtner arbeitet als Netzwerkplaner in einem der Gruppenbüros. Er und seine Mitarbeiter überwachen von dort die Auslastung aller Leitungen und Knotenpunkte. 190 Länder decken die Netzwerke des Unternehmens ab. reichen die vorhandenen Leitungen einmal nicht, müssen neue verlegt oder bei anderen Betreibern welche dazugekauft werden. Christian Schlegel berechnet und koordiniert solche Anbindungen. Neben seinem Computer steht ein Modell: ein lila Leerrohr, darin bunte Mikrorohre und darin wiederum bunte Lichtwellenleiter, sprich: Kabel. Solche Rohre liegen überall in der Erde und bunt sind sie, damit die Techniker sie unterscheiden können. Denn so wenig man es oben ahnt: Es ist viel los im Boden. »Unter dem Gehweg ist alles voller Rohre«, sagt Christian Schlegel. Neben Strom-, Gasund Wasserleitungen enthalten die zunehmend Glasfaserkabel. Der Datenverkehr explodiert, besonders unter-

nehmensintern. Aber auch über das Internet läuft immer mehr. 40 Prozent mehr Datenverkehr sollen es allein bis Ende 2014 sein. Trotzdem befindet sich

die Branche nach dem Boom im Zuge der Privatisierung in einer schwierigen Phase. »Alle kämpfen mit dem Preisverfall«, sagt Christian Schlegel. »Aber BT hat den Vorteil, dass es ein Riesenunternehmen und weltweit vernetzt ist.« Investieren Kunden angesichts der Euro-Krise in Asien oder Lateinamerika, bringt auch das dem Unternehmen Einnahmen. Dagny Riegel Das unternehmen Die Tochter der British Telecom, eine der ältesten Telekom-Firmen weltweit, bietet seit 1995 in Deutschland Telefon- und Datennetzwerke für Firmen an. Hervorgegangen ist sie aus einem Joint Venture der BT Group und dem Energieund Chemiekonzern VIAG. Die rund 1350 Mitarbeiter betreuen etwa 1000 überwiegend große Unternehmen und erzielten im Geschäftsjahr 2010/2011 rund 800 Millionen Euro Umsatz. BT arbeitet in 170 Ländern und ist dadurch für globale Konzerne interessant, die nicht mit unzähligen lokalen Anbietern verhandeln wollen. Bei »Unified Communications« kann jeder Mitarbeiter am Computer sehen, ob und auf welchem Weg seine Ansprechpartner auf der ganzen Welt gerade erreichbar sind. Zurzeit sind besonders Programme gefragt, die E-Mail, Telefon und SMS verbinden. www.bt.com

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vor ort Aktuelles

Vorsichtiger Optimismus im Neupack-Streik

N

eupack hat zugesagt, beim nächsten Gesprächstermin Anfang März ein finanzielles Gesamtangebot zu präsentieren. Wir sind also auf dem richtigen Weg.« Mit vorsichtigem Optimismus beschrieb IG-BCE-Landesbezirksleiter Ralf Becker am 18. Februar den Diskussionsstand zwischen Gewerkschaft, Betriebsrat und dem Hamburger Verpackungshersteller nach fast vier Monaten Streik. Der Arbeitskampf um einen Tarifvertrag findet jedoch nicht mehr ausschließlich vor den Werktoren in HamburgStellingen und in Rotenburg (Wümme) statt: Begleitet von Hunderten Unterstützern setzten die Streikenden den Ausstand Ende Januar erst-

mals vorläufig aus. Weil das Unternehmen sich nicht bewegte, standen sie eine Woche später aber wieder vor den Toren. Anfang Februar wurden Gespräche an- und der Streik wieder ausgesetzt. Für Ralf Becker ist dies ein Signal an die Eigentümer: »Wir wollen das Unternehmen nicht in seiner Substanz treffen.« Es gehe vielmehr darum, die Bedingungen der Beschäftigten im Betrieb zu verbessern. Für die Streikenden ist die Rückkehr an ihre Arbeitsplätze nicht immer leicht. Sie müssen aushalten, dass Streikbrecher bevorzugt werden und sie selbst unangenehme Arbeit zugeteilt bekommen. »Ich musste die

Foto: Martin Schlüter

hamburg | Streik erneut ausgesetzt und Gespräche über Arbeitsbedingungen beim Hamburger Unternehmen

Seit vier Monaten im Arbeitskampf: Flugblätter informieren.

Maschine sauber machen, die ich sonst bediene«, erzählt Bilyana Stoilkovska, die seit 13 Jahren bei Neupack arbeitet. Arbeitsplatzbeschreibungen sind auch Gegenstand der Gespräche im März. Ralf Becker: »Solange

keine verlässlichen Fakten auf dem Tisch liegen, bleibt der Arbeitskampf bestehen.« Sigrid Thomsen

Mehr Informationen: twitter.com/tarifigbcehh

Widerstand gegen Colgate-Pläne lörrach | Gaba-Betriebsrat schaltet Website – Beschäftigte wählen Vertrauensleute

M

it einer eigenen Website macht der Betriebsrat des Mundhygiene-Herstellers Gaba gegen die Pläne seines Mutterkonzerns Colgate mobil, die gesamte Produktion nach Polen zu verlagern. Die Homepage soll die rund 140 Beschäftigten, aber auch Medien und Öffentlichkeit transparent und direkt über den Stand der Dinge informieren. Parallel dazu haben die Arbeitnehmer erstmals Vertrauensleute gewählt. »Wir müssen sicherstellen, dass alle immer auf dem aktuellen Informationsstand ist«, begründet Michael Merle, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender. Detaillierte Auskünfte hatten die Arbeitnehmer auch

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Betriebsversammlung bei Gaba Mitte Februar: Die drängenden Fragen der Beschäftigten wurden nur sehr unbefriedigend beantwortet.

auf der Betriebsversammlung Mitte Februar gefordert. Vorab wurden 43, teils sehr konkrete Fragen übermittelt. »Die Geschäftsleitung antwortete sehr unbefriedigend. Das wurde

mit Pfiffen und Trillerpfeifen quittiert«, berichtet Merle. Überhaupt mangele es dem Arbeitgeber an Fingerspitzengefühl, so IG-BCE-Bezirksleiter Wilfried Penshorn: »Mit

der unternehmerischen Entscheidung hat Colgate-Palmolive viel Vertrauen zerstört. Jahrelanges persönliches Engagement der Beschäftigten, das dem Konzern satte Gewinne in die Kasse gespült hat, wurde mit Füssen getreten.« Weitere Aktionen bereiten Betriebsrat und IG BCE derzeit vor. »Wir lassen uns nicht in einen Interessensausgleich oder gar Sozialplan drängen«, betont Merle. »Wir kämpfen weiter für den Erhalt des Standortes und der Arbeitsplätze.« Axel Stefan Sonntag Die Website des Betriebsrats im Netz: www.elmex-fair.com »Gaba kämpft« auf Facebook: http://tinyurl.com/bmxwatj


Das Revier geht auf Strecke gelsenkirchen | Am 12. Mai ist Marathon im Ruhrgebiet – und die IG BCE ist mit dabei

Trainieren für den Marathon am 12. Mai: Thomas Steinberg (links) und Kay Labusch.

Thomas Steinberg, stellvertretender Bezirksleiter der IG BCE Gelsenkirchen, geht ebenfalls einmal pro Woche mit seiner Frau laufen und nutzt sonst das Laufband zu Hause, bis es dann doch etwas wärmer wird. »Das ist ja das Gute«, sagt er, »wenn ich mich anmelde, tue ich auch wirklich etwas für meine Gesundheit.« Die Teilnehmer können den vollen Marathon, Halbmarathon oder in einer der Staffeln mit Kollegen oder anderen Hobby-Sportlern laufen. Hauptsponsor Vivawest und Veranstalter MMP wollen so ein breites Publikum ansprechen. Wer einfach mal Marathonluft schnuppern will, kann einen Abschnitt von neun bis zwölf Kilometern laufen. Erfahrene Läufer werden sich angesichts der abwechslungsreichen Strecke nicht langweilen. »Wir wollen dem Ruhrgebiet einen eigenen Lauf geben«, erklärt Julia Elmendorf, Projektleiterin bei Vivawest, »die Verbindung von vier Städten ist einmalig, man sieht Industriekultur wie Zechensiedlungen und Fördertürme und läuft

Fotos (2): Frank Rogner

R

hythmisch knirscht gefrorener Schotter unter den Sportschuhen, Dampfwölkchen steigen aus ihren Mündern. Kalt klirrt der Wind an der ehemaligen Zeche Nordstern in Gelsenkirchen. Thomas Steinberg schiebt die Ärmel seines Thermo-Shirts über die Hände, als er am alten Förderturm vorbeiläuft, Kay Labusch trägt seine Kappe tief in die Stirn gezogen. Marathonläufer treten nicht nur gegen die Uhr, sondern auch gegen das Wetter an. »Natürlich trainiere ich auch bei Schnee oder Regen«, sagt Kay Labusch, Betriebsrat und Vertrauensleutevorsitzender bei BP Scholven, als sie an einer Bank Pause machen, »ich laufe oft vor der Arbeit um Viertel nach fünf im Dunkeln zehn Kilometer.« Auch wenn er früher viel Fußball gespielt und danach Laufen als Hobby entdeckt hat – so konsequent trainiert er erst, seit er sich kürzlich zu seinem ersten Marathon angemeldet hat, dem Vivawest-Marathon am 12. Mai. Die Strecke wird hier an Nordstern entlangführen.

Industriedenkmal am Streckenrand: die Zeche Nordstern.

durch die Rathausgalerie, ein Einkaufszentrum, in Essen.« Auf der Strecke durch

Gelsenkirchen, Essen, Gladbeck und Bottrop liegen Pottschönheiten wie das Welterbe Zeche Zollverein in Essen oder das Tetraeder Bottrop, der pyramidenförmige Aussichtsturm auf einer Halde. Noch wichtiger für die Läufer sind allerdings die Verpflegungsstände an der Strecke, von denen die IG-BCE-Regionalforen mit fast 150 Mitgliedern einen guten Teil betreuen werden. Dort wird es Getränke und Traubenzucker geben. Und gute Stimmung, um die Läufer zu motivieren und die Anwohner auf die Gewerkschaft aufmerksam zu machen: »Einige Ständen machen wir zu Fanpoints«, sagt Thomas Stein-

berg, »dort feuern wir die Läufer an und lassen Bands oder Trommlergruppen auftreten.« Es soll ja nicht nur gesund sein, sondern gleichzeitig auch Spaß machen. Dagny Riegel Mehr Informationen: www.vivawest-marathon.de

Freikarten für den Marathon gelsenkirchen | Der IG-BCE-Bezirk Gelsenkirchen verlost fünf Teilnahmekarten für den Marathon. Wer dabei sein will: Einfach eine E-Mail an bezirk.gelsenkirchen@igbce.de

schreiben. Einsendeschluss ist der 29. März 2013. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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vor ort Aktuelles

Tarifmeldungen eew | Ein neuer Tarifvertrag konnte nach sehr zähen Verhandlungen in der vierten Runde unter Dach und Fach gebracht werden. Zum entscheidenden Gespräch Anfang Februar in Hannover waren rund 250 der 700 Beschäftigten aus ganz Deutschland angereist, um der gewerkschaftlichen Verhandlungskommission demonstrativ den Rücken zu stärken. Löhne, Gehälter und Auszubildendenvergütungen werden vom 1. April 2013 an um 3,2 Prozent erhöht. Außerdem erhalten die Beschäftigten eine Einmalzahlung von 330 Euro, Auszubildende bekommen 160 Euro. In einem zweiten Schritt werden Löhne, Gehälter und Auszubildendenvergütungen vom 1. September 2014 an um weitere 2 Prozent erhöht. Der Tarifvertrag läuft bis 30. Juni 2015. Für EEW (E.on Energy from Waste) gilt ein eigener Haustarifvertrag. Die Unternehmensgruppe ist in Deutschland an 18 Standorten präsent.

kautschuk | Die Bundestarifkommission hat am 12. Februar 2013 in Fulda das Forderungspaket für die diesjährige Tarifrunde einstimmig beschlossen. Die Entgelte sollen um 5,8 Prozent steigen, die Ausbildungsvergütungen um 50 Euro. Gefordert wird auch die Weiterentwicklung des Tarifvertrags Lebensarbeitszeit und Demografie. Besonders belastete Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sollen entlastet werden. Die Laufzeit soll zwölf Monate nicht überschreiten.

Ausführliche Informationen unter: www.igbce.de/tarife 26 | kompakt | März 2013

»Wir stehen weltweit zusammen« hannover/Genf | Globale Glas-Allianz bei Owens Illinois protestiert gegen Kürzungen Foto: IndustriAll

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Im australischen Penrith protestierten Gewerkschafter gegen Kürzungen bei O-I.

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ewerkschafter beim Glasverpackungshersteller Owens Illinois (O-I) haben mit internationalen Aktionstagen im Februar gegen den Abbau von Arbeitsplätzen und eine mangelnde Gesprächsbereitschaft des USUnternehmens protestiert. Vor den Werktoren in den USA und Kanada, Australien, Kolumbien und Spanien wurde demonstriert. An den deutschen Standorten hängten die Betriebsräte einen Brief der Globalen Glas-Allianz von Gewerkschaften bei OI an die Konzernleitung aus. »O-I sollte damit aufhören, Zeitarbeit und andere prekäre

Arbeitsverhältnisse zu nutzen und in gutem Glauben verhandeln, um mit seinen gewerkschaftlich vertretenen Beschäftigten weltweit faire Vereinbarungen zu erzielen«, heißt es der deutschen Übersetzung. Die Konzernleitung kündigte daraufhin an, ihre neue Drei-Jahres-Strategie demnächst »an alle Beschäftigten zu kommunizieren«. »Die Probleme in Deutschland spiegeln die weltweiten Probleme mit O-I wider«, erklärt Dietmar Liesch, Betriebsratsvorsitzender von O-I Deutschland, mit Blick auf die Schließung des Werks in Achern Ende 2012. »Auch

in anderen Ländern werden Werke geschlossen.« Um sich nicht gegeneinander ausspielen zu lassen, hatten die Gewerkschaften bei O-I Ende Januar die Globale Glas-Allianz gegründet. »Sie soll die Firma zum Investieren statt zum Zurückfahren der Produktion bewegen und die Gewerkschaften untereinander bei Verhandlungen unterstützen«, sagt Michael Wolters von der Abteilung Globalisierung und Europapolitik der IG BCE. Im März will die Allianz Solidaritätsflugblätter in allen zehn beteiligten Ländern verteilen.  Sigrid Thomsen

Wasser ist kein Spekulationsobjekt Halle-peissen | Ostdeutsche Wasserkonferenz kritisiert Richtlinienentwurf der EU

D

ie von der EU vorgesehene Dienstleistungskonzessionsrichtlinie wird von der IG BCE abgelehnt. Dies bekräftigte Egbert Biermann vom geschäftsführenden Hauptvorstand auf der Ostdeutschen Wasserkonferenz der Gewerkschaft am 23. Januar in Leipzig. Müssten Konzessionen europaweit ausge-

schrieben werden, könnte dies dem Dumping Tür und Tor öffnen und die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten in der Wasserwirtschaft verschlechtern, betonte Biermann vor den Konferenzteilnehmern, darunter vielen Betriebs- und Personalräten. Sie unterstrichen in Diskussionsbeiträgen die Bedeutung von

Wasser als Rohstoff und Lebensmittel. Es dürfe kein Spekulationsobjekt für Private werden, um Gewinne zu steigern, noch den Kommunen dazu dienen, ihre Haushalte zu sanieren.

Heinrich Kronlage

Mehr Informationen finden Sie in dieser Ausgabe auf Seite 44.


Foto: Frank Rogner

Der entschlossene Protest der Beschäftigten brachte den Durchbruch zum Tarifabschluss.

Ein Ritt auf der Rasierklinge Hannover | Tarifabschluss beim Energieriesen E.ON sorgt für ein reales Plus in den Portemonnaies

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as war eine Tarifrunde der besonderen Art. Lange Zeit setzte E.ON auf Konfrontation, fuhr einen beinharten Kurs. Die Zeichen standen schon auf Arbeitskampf, da kamen neue Rauchzeichen aus der Chefetage. »Das war ein Ritt auf der Rasierklinge, wir standen Millimeter vor einem Streik«, stellt IG-BCE-Tarifpolitiker Peter Hausmann nüchtern fest. Der Energieriese hatte sich über Wochen kaum vom Fleck be-

wegt, auch die kräftigen Warnstreiks meinte man ignorieren zu können. Mitte Januar, in der dritten Verhandlungsrunde, lagen schließlich 1,7 Prozent auf dem Tisch – viel zu wenig, ein Angebot unterhalb der Inflationsrate. Bei E.ON haben sich ver.di und IG BCE zu einer Tarifgemeinschaft zusammengeschlossen, verhandeln gemeinsam für die rund 30 000 Beschäftigten. In der Kommission herrschte Einmütigkeit: Die

RWE beendet Blockadepolitik essen | Auch in die festgefahrene Tarifrunde bei RWE ist wieder Bewegung gekommen. Die Arbeitgeber kündigten Anfang Februar ein »deutlich verbessertes« Angebot an. IG BCE und ver.di haben daraufhin beschlossen, noch einen letzten Versuch zu unternehmen, um in freien Verhandlungen zu einem Ergebnis zu kommen. Eine Lösung des Tarifkonflikts sollte am 22. Februar (nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe) gefunden werden. IG-BCE-Verhandlungsführer Holger Nieden begrüßte, dass die »Arbeitgeber ihre Blockadehaltung aufgegeben haben. Das

reicht allerdings noch nicht, jetzt müssen den Worten Taten folgen. Die Tür für einen anständigen und fairen Kompromiss steht offen.« Schwerpunkte des gewerkschaftlichen Forderungspakets sind eine Erhöhung der Entgelte um sechs Prozent, die Verlängerung der tariflichen Beschäftigungssicherung und eine Übernahme der Auszubildenden. Bei RWE haben sich ver.di und IG BCE zu einer Tarifgemeinschaft zusammengeschlossen. Die beiden Gewerkschaften verhandeln für rund 50 000 Beschäftigte. md

1,7 Prozent sind schlicht nicht annehmbar. Die Gewerkschaften brachten die Urabstimmung in Gang, die Mitglieder hatten nun über Arbeitskampfmaßnahmen zu entscheiden. Im Organisationsbereich der IG BCE stimmten 96,9 Prozent für Streik, die Wahlbeteilung lag bei 88,5 Prozent. Ein unmissverständliches Ergebnis – IG BCE und ver.di informierten darüber auf einer Pressekonferenz am 1. Februar und erklärten, dass der erste Streik in der Geschichte von E.ON in der Folgewoche beginnen werde. Zugleich signalisierte Peter Hausmann den Arbeitgebern, dass sie bis zum Streikbeginn »die Möglichkeit haben, ihren Betonkurs zu verlassen. Lange sollten sie aber nicht warten, das Zeitfenster schließt sich.« Das saß, endlich dämmerte den Arbeitgebern der Ernst der Lage. Der E.ON-Vorstand bat die Gewerkschaften noch am gleichen Tag zu einem Spitzentreffen. Man einigte sich darauf, die Verhandlungen ergebnisorientiert wieder aufzunehmen und den Arbeitskampf vorerst auszusetzen. Am darauffolgenden Mittwoch (6. Februar) kamen die

Tarifkommissionen der Arbeitgeber und Gewerkschaften erneut zusammen. Diesmal mit Erfolg, endlich konnte ein tragfähiger Kompromiss unter Dach und Fach gebracht werden. Der Tarifabschluss sieht im Einzelnen so aus: Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen werden rückwirkend zum 1. Januar um 2,8 Prozent angehoben. Ein zusätzlicher Einmalbetrag von 300 Euro wird mit der MärzAbrechnung ausgezahlt. Der neue Tarifvertrag läuft bis Ende Januar 2014. Nach Abschluss der Berufsausbildung im Jahr 2014 werden Auszubildende befristet für zwölf Monate übernommen. Die bestehende Tarifbindung bei der Ausgründung von Tochterfirmen wird bis Ende 2016 verlängert. Über dieses Ergebnis haben jetzt die Gewerkschaftsmitglieder in einer erneuten Urabstimmung zu entscheiden. Das Ergebnis lag bis Redaktionsschluss noch nicht vor, doch die ersten Signale aus den Betrieben sind positiv, der Abschluss stößt auf eine positive Resonanz. Michael Denecke kompakt | März 2013 | 27


vor ort Baden-Württemberg NAMEN & NA C HRI C HTEN

Bildung für alle

Forderung beschlossen

bad Herrenalb | Jugend fordert Gerechtigkeit

Stuttgart | Die Tarifkommission für den Bereich der feinkeramischen Industrie im Land hat die Forderung für 2013 beschlossen. Demnach sollen sich die Entgelte der Beschäftigten »real und spürbar« erhöhen – über die Inflationsrate hinaus. »Weiterhin wollen wir die tarifliche Altersvorsorge auf Basis des Tarifabschlusses 2012 vorantreiben«, so IG-BCE-Verhandlungsführer Fabian Goenen. Der neue Tarifvertrag soll auf zwölf Monate begrenzt sein.

Rund 60 Jugendliche und junge Erwachsene diskutierten auf der 5. ordentlichen Landesbezirksjugendkonferenz Möglichkeiten, ihre Zukunftspers- Es war ein Abstimmungs-Marathon: 23 Anträge pektiven zu hat die Jugend eingebracht. verbessern. Einstimmig verabschiedet bewerbs unter Schulabgänwurde der Leitantrag »Pers- gern und die Möglichkeit, auch ohne Abitur zu studiepektive 23«. Demnach soll ein diesjäh- ren«. Letzteres ist ein Anliegen, riger Schulabgänger innerhalb seiner ersten zehn Be- das die Jugend lebhaft disrufsjahre – also bis spätestens kutierte: »Wie gerecht ist es, 2023 – eine Perspektive zum wenn ein Hauptschüler seiwürdevollen Arbeiten und nen Bachelor nur dann erLeben bekommen. Deshalb reichen kann, wenn er sich fordert Landesbezirksjugend- dafür an einer Privatschule sekretär Fabian Goenen unter einschreiben und insgesamt 000 Euro auf den anderem »ausreichende Aus- rund 30  bildungsplatzangebote in un- Tisch legen muss?«, fragte Joseren Industriebranchen, ein hannes Dörl die Delegierten. Ende des gegenseitigen Wett- Aus Gründen wie diesen sei es »richtig und wichtig«, dass sich die Jugend aktiv und laut ins politische Geschehen einmische, so Landesbezirksleiterin Catharina Clay in ihrem Grußwort. Personell stellt sich die Jugend neu auf: Ricarda Riexinger wurde einstimmig zur neuen Landesbezirksjugendausschuss (LBJA)-Vorsitzenden gewählt. Oliver Banze stellte sich aus Altersgründen nicht mehr zur Wahl. Fabian Goenen: »Ich danke Oliver für seine hervorragende Arbeit. Wir hatten vergangenes Jahr Die Bundestagsabgeordnete Kat- 216 mehr junge Mitglieder ja Mast (SPD, Mitte) mit der als 2009. Die Bildungsarbeit neuen LBJA-Vorsitzenden Ricar- war ein Renner, die JAV-Semida Riexinger (rechts) und Stell- nare fast ausnahmslos ausgebucht.« vertreterin Barbara Squarra.

Ortsgruppe mit Mitgliederplus weinheim | Anlässlich der Jahreshauptversammlung der Ortsgruppe hat sich der wiedergewählte Vorsitzende Helmut Schmitt ausdrücklich für das Engagement der gewerkschaftlichen Vertrauensleute bedankt. »Sie haben in großem Maße dafür gesorgt, dass unsere Mitgliederzahl nach vielen Jahren wieder wächst«, so Schmitt. Weiterhin kritisch will das Gremium (Foto) die Entwicklungen am Industriepark begleiten: »Wir wollen alles tun, um den Zusammenhalt der Belegschaften zu fördern.« Es gelte, die vielfältigen Vertrauensleutekörper noch besser untereinander zu vernetzen und durch zusätzliche Bildungsangebote zu erreichen.

Aus den Bezirken freiburg | Aman Yoseph, Sekretär zur

Ausbildung (SzA), verstärkt bis Ende Juni das Bezirksteam. Der 39-Jährige studierte an der Universität Bonn Politische Wissenschaften, Kommunikationsforschung und Amerikanistik. Erste Kontakte zu Betriebsräten und Gewerkschaften hatte er während seiner Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Technologieberatungsstelle Rheinland-Pfalz gesammelt. kornwestheim | Auch der Bezirk Kornwestheim erhält personelle Unterstützung: Bis April arbeitet Benjamin Hannes als SzA im traditionsreichen IG-BCE-Bezirk. Für den 30-Jährigen ist es die letzte bezirkliche Station, bevor er noch Hauptverwaltung und Landesbezirk durchläuft und dann seine Ausbildung zum Gewerkschaftssekretär beendet.

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Fotos (2): Daniel Squarra

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Fotos (6): Fotoatelier Hahn

Rund 100 Gäste folgten der Einladung zum Neujahrsempfang in das Ludwigsburger Schlosshotel Monrepos.

Festredner Wirtschaftsminister Dr. Nils Schmid lobt die »Gute Arbeit«-Kampagne der IG BCE.

Die Industriepolitik stärken ludwigsburg | Neujahrsempfang mit Wirtschaftsminister Dr. Nils Schmid

Landesbezirksleiterin Catharina Clay fordert eine lebensphasenorientierte Personalpolitik.

SWS-Betriebsräte unter sich.

Frauenpower im Landesbezirk.

Beim 2. Neujahrsempfang des IG-BCE-Landesbezirks Baden-Württemberg und des IG-BCE-Bezirks Kornwestheim hat Wirtschaftsminister Dr. Nils Schmid die Wichtigkeit der Industriepolitik für das Bundesland betont. »Die Industrie war, ist und bleibt Grundlage unseres Wohlstands.« Während früher Fabriken höchstens dann als cool gegolten hätten, wenn sie stillgelegt und zu Lofts umgebaut wurden, sei inzwischen die Renaissance der Industrie in aller Munde, so der Minister in seiner Festrede. Ein Gesetzgebungsverfahren zu der von der IG BCE nachdrücklich geforderten Bildungsfreistellung kündigte Dr. Nils Schmid für Ende 2013 an. Die Themen der diesjährigen Gewerkschaftsarbeit stellte Landesbezirksleiterin Catharina Clay vor. Sie stehen unter dem Motto »Gute Arbeit für Mensch und Industrie«. Ein wichtiges Anliegen ist ihr der zunehmende Leistungsdruck beziehungsweise die stei-

gende Arbeitsverdichtung der Berufstätigen. »Wer nicht die besonderen Fähigkeiten seiner Mitarbeiter erkennt, setzt sie ständiger Über- oder Unterforderung aus«, so Clay. »Das macht unzufrieden und auf Dauer krank.« Zudem müssten Betriebe dafür sorgen, Mitarbeiter je nach Alter, Lebensphasen und Fähigkeiten optimal einzusetzen. »Das Arbeitsleben ist kein Ponyhof, aber auch keine Strafanstalt.« Andreas Klose, Leiter des Bezirks Kornwestheim, warnte die rund 100 Gäste davor, das Problem des Rechtsradikalismus nur in

strukturschwache Regionen zu verdrängen. »Die NSU war hier direkt vor unserer Haustür aktiv – und das unbemerkt«, so Klose. »Deshalb begrüßen wir ausdrücklich das beabsichtigte NPD-Verbot.« Das allein reiche aber nicht: »Jeder von uns hat die Pflicht, in seiner Nachbarschaft, in Betrieben, im Land und in ganz Europa gegen rechtsradikale Stimmungsmache vorzugehen.« Auch der Staat müsse sich noch mehr gegen Gewalt von rechts engagieren: »Nur ein stabiler Sozialstaat ist ein Garant für eine stabile Demokratie.«

Gedankenaustausch (von links): Hans-Joachim Voss und Kai Fischer (beide SWS), Andreas Klose (IG BCE), Björn Sucher (AGV), Uwe Bruchmüller (IG BCE) und Dr. Thomas Mayer (AGV). kompakt | März 2013 | 29


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vor ort Bayern

»Wir wollen mehr«

N A MEN & N A CH R ICH T EN

münchen | In Bayern beginnen die Tarifrunden

münchen | Nach seiner Ausbildung zum

Den Reigen der größeren Tarifrunden im Landesbezirk Bayern eröffnet dieses Jahr die feinkeramische Industrie unter dem Motto »Gute Arbeit – faires Entgelt«. Für die Beschäftigten wird neben dem Ausgleich der Preissteigerungsrate eine reale und spürbare Erhöhung der Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen gefordert. Die Laufzeit soll zwölf Monate betragen. Die tarifliche Altersvorsorge soll auf Basis des Tarifabschlusses 2012 weiter entwickelt werden.

Foto: Werner Bachmeier

Fest im Team Gewerkschaftssekretär ist Mick Chattellon jetzt fest im Team des Bezirks München. Der 28-jährige gelernte Chemielaborant bei der BASF in Ludwigshafen war dort bereits ehrenamtlich für die IG BCE aktiv. Dann hat er als JAV- und Jugendreferent die Bezirke Mainfranken und Nürnberg unterstützt. In München ist er vor allem zuständig für die Jugend und den Tarifschwerpunkt Kunststoff.

»Ich bin!« in Nordostbayern weiden | Wer sich im Bezirk Nord-

ostbayern mit eigens angefertigten Aufklebern auf seinem Auto zur IG BCE bekennt, kann in den Genuss eines Einkaufs- oder Tankgutscheins kommen: Bis Dezember werden jeden Monat drei aufgefallene Autokennzeichen auf der Internetseite des Bezirks veröffentlicht. Die Mitglieder, die hinter diesen Kennzeichen stehen, melden sich dann unter der Telefonnummer 0961 481420 im Bezirksbüro und können sich zwischen den Gutscheinen entscheiden.

Informationen zur Aktion »Ich bin!« im Internet: www.nordostbayern.igbce.de

Frauen-Werbeaktion münchen | Endspurt heißt es für die Werbeaktion »Frauen

erfolgreich unterwegs – gemeinsam mehr erreichen«, die bei den Bezirksfrauenkonferenzen gestartet wurde: Der Landesbezirk bedankt sich bei jeder Werberin, die noch bis zum Internationalen Frauentag am 8. März mindestens eine Frau von einer Mitgliedschaft überzeugen kann, mit netten Aufmerksamkeiten.

Weitere Informationen zur Werbeaktion im Internet: www.bayern.igbce.de

Werberhitparade 24 Aufnahmen: Helmut Faber (UPM, Plattling); 17 Aufnahmen: Klaus Moik (Knauf, Iphofen); 10 Aufnahmen: Christian Wegele (UPM, Schongau); 6 Aufnahmen: Otto Herbst

(Kunststoffwerk, Kronach); Ibrahim Ucak (Schur Flexibles Dixie, Kempten); 5 Aufnahmen: Michael Bösl (Haupt Pharma, Wolfratshausen).

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Jürgen Haas, CeramTec

»Die Branche kann eine merkliche Tariferhöhung verkraften.« Mit Spannung sieht Jürgen Haas, Mitglied der bayerischen und der Bundestarifkommission, dem ersten Verhandlungstermin am 18. März in Würzburg entgegen. »Der Mehrbelastung der Arbeitnehmer soll Rechnung getragen werden«, so der 47-jährige Betriebsrat von CeramTec in Lauf. »Bei steigender Inflationsrate und sinkender Kaufkraft des Euro wird hier ein deutlich verhandlungsfähiges Angebot der Arbeitgeberseite erwartet.« Da es der

Branche gut geht, sei dies durchaus zu verkraften. »Die Beschäftigten erwarten eine deutliche Lohnerhöhung«, weiß Jürgen Haas. Auch Tarifkommissionsmitglied Marianne Wopperer fordert einen mehr als notwendigen Ausgleich zur Inflation. »Für die Kollegen wird schließlich alles teurer, angefangen

Marianne Wopperer, Rosenthal

»Wir fordern einen kräftigen Ausgleich für Inflation und Leistungsdruck.« von den Energiekosten«, so die 54-jährige Betriebsrätin des oberfränkischen Traditionsunternehmens Rosenthal. »Auch der Leistungsdruck und die Belastung, vor allem die psychische, ist am Arbeitsplatz gestiegen.« * Auch die Tarifrunde für die bayerische Hohl- und Kristallglasindustrie ist eröffnet. Nach den Diskussionen in den Vertrauensleutegremien wird die Forderung am 27. Februar (nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe) beschlossen. Erster Verhandlungstermin ist der 21. März.

Schnell informiert mit SMS-Tarifnews IG-BCE-Mitglieder, die schnell über die Tarifverhandlungen informiert werden wollen, können eine E-Mail mit Name, Betrieb, Tarifbereich

und Handynummer an den Landesbezirk senden und sich in den jeweiligen Verteiler der SMS-Tarifnews aufnehmen lassen: lb.bayern@igbce.de


Nein zur Campusmaut münchen | Erfolg für Volksbegehren

Die Bayern mögen die Campusmaut nicht. 14,4 Prozent haben das Volksbegehren unterzeichnet, das die Studiengebühren im Freistaat zu Fall Die IG BCE mobilisierte gegen die Campusmaut. bringen soll. Auch der Landesbezirksvor- tig über die Annahme des stand der IG BCE, Bezirks- Volksbegehrens. Wenn es jedoch nach dem jugendkonferenzen und Bezirksvorstände riefen zur Willen von Ministerpräsident Teilnahme auf. Mit zahlrei- Horst Seehofer (CSU) geht, chen Aktionen unterstützten sollen die Studiengebühren vom Landtag abgeschafft wersie das Anliegen. den. Ein Volksentscheid wäre dann nicht mehr nötig. Doch ob Seehofer sich gegen seinen Koalitionspartner FDP durchsetzen kann, stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest. Selbst der hochschulpolitische Sprecher der CSU-Fraktion, Oliver Jörg, gibt inzwischen zu, dass es den Wählern nicht mehr zu vermitteln sei, Die IG-BCE-Jugend informierte dass Studenten im reichen Süden zur Kasse gebeten werden, in München. in ärmeren Bundesländern jeIm Bezirk Nordostbayern doch nicht. Einzig in Bayern verteilten die engagierten Ge- und Niedersachsen müssen werkschafter im schwarzen die Studenten für das ErstUni-Talar samt Doktorhut studium noch zahlen. in Weiden und Marktredwitz Flugblätter. Die IG-BCE-Jugend in München machte sich ebenfalls für das Volksbegehren stark. Trotz Minusgraden diskutierte sie bei winterlicher Kälte in der Münchener Innenstadt mit den Passanten. Jetzt muss der Bayerische Landtag entscheiden, ob er das Volksbegehren sofort umsetzt oder ablehnt. Bei einer Ablehnung kommt es frühestens im Mai zu einem Volksentscheid. Die bayerischen Wähler entscheiden dann endgül- Protest im Uni-Talar.

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Fragen an Kerstin Günther Die 41-Jährige ist Vertrauensfrau bei CeramTec in Lauf. Sie war bei Aktionen zu Equal Pay dabei.

Am 21. März ist in diesem Jahr der Equal Pay Day. Warum ist der Aktionstag für Entgeltgleichheit zwischen Männern und Frauen so wichtig? Die Lohndiskriminierung ist und bleibt ein aktuelles Thema. Deshalb hat der Bezirksfrauenausschuss Nürnberg schon 2012 beschlossen, verstärkt Flagge gegen die Lohnlücke zu zeigen. Die Differenz der Durchschnittseinkommen zwischen Frauen und Männern beträgt 22 Prozent. Damit ist Deutschland noch immer eines der Schlusslichter im europäischen Vergleich. Eine der ältesten Forderungen »Gleicher Lohn für gleiche Arbeit« ist nach wie vor nicht eingelöst. Gleicher Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit klingt sehr einleuchtend, ist aber noch lange nicht Realität. Seit Jahren streiten wir darum, die Entgeltunterschiede zwischen Männern und Frauen endlich konsequent zu reduzieren. Wie sah eure Aktion konkret aus? Wir sind mit dem Aktionsbus vor unser Werktor und haben Broschüren und Briefe verteilt, um zu zeigen, wie viel weniger Geld Frauen im Durchschnitt in ihren Lohntüten finden im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen. Gleichzeitig haben wir sie dazu aufgerufen, bei ihrem Betriebsrat nachzufragen, ob ihre Bezahlung stimmt. Dabei erhielten wir auch die tatkräftige Unterstützung unserer männlichen Betriebsräte und Vertrauensleute. Wie waren die Reaktionen darauf bei euch im Betrieb? Die Resonanz war insgesamt sehr positiv. Wir erhielten unterschiedliche Reaktionen, vom ungläubigen »Ach, wirklich?« über »Warum ist das so?« bis zu »Stimmt, das ist eine Sauerei!«. Wir konnten das Bewusstsein schärfen und zum Nachdenken anregen. Obwohl sich in einigen Gesprächen herausstellte, dass manche der 200 Frauen, die bei uns arbeiten, sich mit dem Thema noch nicht so intensiv auseinandergesetzt hatten. Ihnen war nicht so klar, dass auch heute noch das Geschlecht dafür sorgt, dass weniger Geld ins Portemonnaie kommt und diese Ungerechtigkeit vielfach bereits bei der Ausbildung beginnt. Die Forderungen nach gleicher Bezahlung war ihnen daher nicht so präsent. Die Idee zu überprüfen, wie hoch ihr Lohn im Vergleich zu den Männern ist, fanden sie gut. Einige von ihnen sind dann auch zu unserem Betriebsrat gegangen, um nachzufragen.

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vor ort Hessen-Thüringen

Für mehr Toleranz Suhl | Landesjugendkonferenz stellt Weichen

»Alle Herzen haben eine Farbe« war das Motto der Landesjugendkonferenz, die am 2. und 3. Februar erstmals in Thüringen stattfand. 49 Delegierte und zahlreiche Gäste aus allen fünf Bezirken beschäftigten sich – nicht nur – mit dem Thema Toleranz. Unter demselben Motto und Logo, das schon beim Bundesjugendtreffen verwen-

gierten einig: Toleranz ist mehr als Antirassismus. Auch Themen wie Religion, Sexualität und Bildung fordern unsere Toleranz heraus. Zu all diesen Themen, aber auch zu anderen politischen Fragen wurden 49 Anträge beraten. In seinem politisches Eingangsreferat wies Landesbezirksleiter Volker Weber auf die Bedeutung gewerkschaftlichen Engagements für den gesellschaftlichen Fortschritt hin. Besonders die Jugend sei hier gefordert. Wichtig war auch das Thema Europa. Der LBJA hat Europa als wichtiges Zukunftsthema benannt, denn europäische Entscheidungen spielen für jeden Bürger, und ganz besonders für die junge Generation, eine wichtige Rolle. Dazu begrüßten die Teilnehmer die EU-Abgeordnete Constanze Krehl (SPD), die auch Miglied der IG BCE ist. Ihr gelang es, einen plastischen Eindruck von der Arbeit im Parlament zu vermitteln: »Toleranz ist ein Thema, das für mich als Abgeordnete

85 Teilnehmer trafen sich in Suhl zur Landesjugendkonferenz.

im Europäischen Parlament fen sich unmittelbar im Anan jedem Tag meiner Arbeit schluss an die Konferenz zur eine besondere Rolle spielt. Es konstituierenden Sitzung des geht darum, die europäische Idee der Gemeinschaft mit Leben zu füllen. Wir wollen gemeinsam dafür sorgen, dass die Ausbildungsund Berufseinstiegssituation für die Jugend- Der neue LBJA mit Anne Weinschenk (Dritte Die EU-Abgeordnete Constanze lichen in Europa Reihe, Zweite von links) und Volker Weber Krehl berichtet über ihre Arbeit. zukünftig sicher (Dritte Reihe links). und fair ist!« det wurde, lud der LandesbeDie Delegierten verabschie- neuen LBJA. Er besteht aus zirksjugendausschuss (LBJA) deten auch den »alten« LBJA zwei Vertretern jedes Bezirks. dazu ein, über viele Aspekte und wählten ein neues Gre- Marcel Paul wurde als neuer der Toleranz zu diskutieren. mium. Dessen Mitglieder tra- LBJA-Vorsitzender gewählt, Rasch waren sich die DeleInes Hofmann ist seine Stellvertreterin. Melanie Höse und Tracy Collins vertreten den Landesbezirk im Bundesjugendausschuss. Hoch zufrieden zeigte sich Landesjugendsekretärin Anne Weinschenk am Ende der Landesjugendkonferenz. »Es war eine gelungene politische Veranstaltung mit guten Debatten und Diskussionen, mit neuen Ideen und Gedanken und auch mit viel Spaß. Ich freue mich sehr auf die Arbeit mit dem neuen LBJA und der Umsetzung der Impulse aus der Konferenz.« Konzentriert folgen die Teilnehmer den Referaten und Diskussionsbeiträgen. 28 | kompakt | März 2013


Harte Kritik geübt

NAMEN & NACHRICHTEN

schenklengsfeld | Volles Haus bei der IG BCE

Druck zeigt Wirkung

Das größte Neujahrstreffen der IG BCE in Hessen-Thüringen veranstaltet traditionell der Bezirk Kassel. Mit rund 1000 Teilnehmern war das diesjährige Treffen rekordverdächtig. Neben den Mitgliedern und Funktionären mit ihren Familien waren wie immer auch Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Kirchen gekommen. Das Hauptreferat hielt der stellvertretende IGBCE-Vorsitzende Ulrich Freese.

hannover | Hart waren die Tarifverhandlungen bei E.ON Energy from Waste (EEW), doch sie waren letztlich erfolgreich (siehe Seite 26). Zur vierten Verhandlungsrunde in Hannover kamen Beschäftigte aus ganz Deutschland in die niedersächsische Landeshauptstadt, um ihrem Unmut demonstrativ Nachdruck zu verleihen und der gewerkschaftlichen Verhandlungskommission den Rücken zu stärken. Auch aus dem Bezirk Kassel waren Kolleginnen und Kollegen der Müllverbrennungsanlage in Heringen dabei. Das Engagement hat sich offensichtlich gelohnt.

Hart ging er mit den wirtschafts-, sozial- und energiepolitischen Fehlern der Bundesregierung ins Gericht. Er endete mit dem Apell: »2013 ist das Jahr, das die Chance zu einem nachhaltigen Umschwung bietet.«

Ein ungewöhnliches Treffen Glückliche Kinderaugen bei Merck Arbeiten während der Schulferien ist für viele Eltern eine organisatorische Herausforderung. Daher haben die IG-BCE-Vertrauensleute bei Merck auch in diesen Winterferien eine Betreuung organisiert. 20 Kinder konnten an dem Programm »Sport4Kids« teilnehmen. Bei diesem Ferienprogramm konnten die Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren verschiedene Sportarten kennenlernen, darunter Handball, Bouldern

Ortsgruppen planen Zukunft (Klettern), Hip-Hop und Schlittschuhlaufen. Ergänzt wurde der sportliche Teil durch Basteln (Foto) und weitere Angebote. Ermöglicht wurde das Programm durch die Zusammenarbeit der IG BCE mit der Firma Merck.

Dank an aktive Kolleginnen darmstadt | Auf der Perso-

nengruppenkonferenz Frauen im DGB-Haus in Darmstadt wurden die ehemaligen Vorsitzenden des Bezirksfrauenausschusses Darmstadt, Claudia Flauaus und Christine Riedelsheimer, verabschiedet. Bezirksleiter Jürgen Glaser be-

darmstadt | Im Büro des Bezirkes Darmstadt trafen sich Ende Januar die Sekretärinnen aus den Betriebsratsbüros der Firmen mit den Verwaltungsangestellten des Bezirkes. Bis dahin kannten sich die Kolleginnen meist nur durch Telefonkontakte. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde und einem gemeinsamen Mittagessen wurde in entspannter Runde über die Zusammenarbeit zwischen den Betriebsratsbüros und der IG BCE diskutiert.

dankte sich bei ihnen für die Führung des Ausschusses in den letzten Jahren. Claudia Flauaus wurde vor vier Jahren als Vorsitzende in dieses Amt gewählt. Vor zwei Jahren übernahm Christine Riedelsheimer das Amt. Sie hatte es bis zu den aktuellen Wahlen inne.

löhnberg | Vertreter aus fast allen Ortsgruppenvorständen trafen sich Anfang Februar auf Einladung des Bezirks Mittelhessen. Die Bündelung aller Möglichkeiten der IG BCE zur weiteren Entwicklung einer aktiven Präsenz in der Fläche stand im Mittelpunkt der Veranstaltung. Dabei wurden konkrete Verabredungen getroffen, die jetzt in den Vorständen diskutiert und umgesetzt werden.

Vertrauensleute legen los butzbach | Vertreter der neu gewählten Vertrauenskörpervorstände trafen sich mit den Verantwortlichen im Bezirk Mittelhessen zu einem ersten Erfahrungsaustausch. Dabei wurden Ideen zum bezirklichen Bildungsangebot geammelt und die Voraussetzungen erfolgreicher Vertrauensleutearbeit diskutiert. Am Ende der intensiven Diskussion wurden die künftigen Angebote des Bezirks konkret verabredet.

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vor ort Nord N A MEN & N A C H RIC H T EN

Ungewisser Übergang

Mobbing gegen PET-Betriebsrätin

bockenem | Meteor-Entlassene suchen neue Jobs

oldenburg | Die Betriebsratsvorsit-

Nicht nur die Meteor Gummiwerke sollen in den ersten Monaten des Jahres verkauft werden. Auch die zum Jahresende überraschend gekündigten Mitarbeiter suchen Zukunft offen: Dichtungsproduktion bei Meteor. für ihre Arbeitskraft neue Abnehmer. Bis habe zuschulden kommen lasEnde Juni sind 73 von 85 be- sen«, sagt die erst kürzlich trieblich Gekündigten in einer gewählte Vertrauensfrau. »Eine Transfergesellschaft unterge- von uns war 34 Jahre bei bracht – für 80 Prozent des Meteor, eine ist 61 Jahre alt. Warum sie? Warum ich?« einstigen Lohns. »Einige haben bereits Arbeit Jetzt geht Svenja Tigel einoder Praktikumsplätze gefun- mal die Woche zum Seminar den, andere klagen«, berichtet bei der Transfergesellschaft. Betriebsrätin Sabine Klein- Wo ihre Stärken und Schwähans. Sie ist »froh, dass wir es chen, wo Möglichkeiten lie2012 noch hingekriegt haben gen, haben die Entlassenen in mit der Transfergesellschaft«. Gruppen von 20 analysiert. Finanziert wird der Übergang »Ich habe schon viel gelernt, von den Kunden des insolven- vor allem wie man OnlineBewerbungen schreibt.« Nach zehn Jahren bei Me»Ich habe für teor, anfangs in der KonfekBewerbungen tion, später an der Maschine, schon viel möchte Tigel am liebsten gelernt.« wieder in die Produktion. Doch viel Industrie gibt es Svenja Tigel in der Umgebung nicht. ten Dichtungsherstellers. Im Vielleicht lässt sich an die Beirat sind Betriebsrat, Gewerk- zwei Berufsfachschuljahre anschaft und die Arbeitsagentur knüpfen, die sie nach der Realschule absolviert hat. vertreten. Svenja Tigel gehört zu den »Früher hatte ich mal Lust 85, die gehen mussten. zum Schreiben, zum Kaufmän»Sie haben uns gesagt, dass nischen«, erinnert sie sich. es nichts mit der Leistung zu Selbst Hufschmiedin hat die hat, sondern nach einem Reitsportlerin schon in ErwäSozialplan ging«, berichtet die gung gezogen. 32-Jährige. Alter, BetriebszuDer Betriebsrat will ihr und gehörigkeit und Unterhalts- den anderen Ex-Kollegen die pflichten haben dabei eine Stange halten: »Wir sind noch Rolle gespielt. Sie hat keine für sie da, geben auch Tipps Kinder. »Ich habe mich trotz- für Jobs weiter«, versichert dem lange gefragt, was ich mir Sabine Kleinhans.

zende beim Recycling-Betrieb PET in Bremerhaven ist im Februar an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt: Alle Klagen gegen Alexandra Neal (Foto) wurden vom Arbeitsgericht abgewiesen, darunter zwei fristlose und zwei ordnungsgemäße Kündigungen. Der Arbeitgeber allerdings isolierte sie ohne Arbeitsgerät und Telefon und verbot ihr das Betreten der Produktionshallen; zur Betriebsversammlung erschien niemand. »Das ist ein klarer Fall von Mobbing«, sagte Gewerkschaftssekretär Markus Ditzler, »wir werden strafrechtlich dagegen vorgehen.«

Für eine bessere Zukunft ibbenbüren | Was sie der Welt »schuldig« sind, haben

sich, angeregt von einem Liedtext der Musikgruppe »Die Ärzte«, 35 Delegierte bei der 5. Bezirksjugendkonferenz gefragt. Ihre Antwort: Sie wollen die Zukunft besser machen. Nicolas Hövelmeyer, bisher Vorsitzender des Bezirksjugendausschusses, berichtete von den Aktivitäten der vergangenen vier Jahre, darunter Bildungsstreiks, politische Aktionen zu Bundestags- und Landtagswahlen und Aktionen gegen rechte Gewalt. Für die zu drei Viertel im letzten Jahr neu gewählten Jugend- und Auszubildendenvertreter gab es ein Einstiegsseminar im Vorfeld der Konferenz. Dort wurde über Übernahmemöglichkeiten und die Gefahr von Leiharbeit diskutiert.

Starke Gewerkschaften als Kern ibbenbüren | »Starke Gewerkschaften gehören zum Kernbestand der sozialen Marktwirtschaft«, erklärte Karl-Josef Laumann, Bundesvorsitzender der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft, bei der Neujahrsbegegnung des IG-BCE-Bezirks in Ibbenbüren am 1. Februar. Mehr als 250 Kolleginnen und Kollegen aus den Betrieben und Ortsgruppen konnte Bezirksleiter Friedhelm Hundertmark zu dem Empfang begrüßen. Landesbezirksleiter Ralf Becker bekannte sich zum Bergbau: »Für mich ist die Steinkohle noch lange nicht gestorben.«

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Sichere Übernahme Die Arbeitsplätze der Stammbelegschaft sind gerettet: Wenn das Chlorwerk des Ineos-Konzerns in Wilhelmshaven zur Jahresmitte geschlossen wird, können die 69 dort beschäftigten Kollegen im Vinyl- Veraltet: Ineos-Chlorwerk Rüstersiel. chlorid-/PVC-Werk im benachbarten Ortsteil Vos- gewordene Entscheidung zur lapp weiterarbeiten. Das hat vorzeitigen Schließung kann der Betriebsrat in Wilhelmsha- Laue nachvollziehen: »Wir ven mit der Geschäftsleitung sind eines der letzten Werke, vereinbart. »Betriebsbedingte die noch mit Quecksilber Kündigungen konnten wir so produzieren. Von der EU vermeiden«, freut sich der kam bereits Druck, damit Betriebsratsvorsitzende Heinz schon bis 2016 aufzuhören.« Laue, »aber die Beschäftigung Laue hätte allerdings eine Investition des Konzerns in eine umweltfreundlichere »Es ging ohne betriebs- Chlorproduktion vor Ort vorgezogen: »Jetzt müssen wir bedingte Kündigungen.« klären, woher die Zwischenprodukte für das VC/PVCWerk kommen sollen, denn Heinz Laue dort sind noch 360 Menschen von Leiharbeitern und über beschäftigt.« Gewerkschaftssekretär AleWerkverträge wird einfach xander Oyen erwartet »konauslaufen.« Ursprünglich war eine Still- krete Investitionszusagen, dalegung des veralteten Chlor- mit die industrielle Produkwerks erst für 2020 vorgese- tion in Wilhelmshaven gehen. Die im Januar bekannt stärkt wird«.

Glasservice ist pleite kiel | IG BCE sucht Lösung für Arbeitsplätze

Die Firma Glasservice Kiel hat Ende Januar zum zweiten Mal seit 2011 Insolvenz angemeldet. Die Löhne seiner 90 Beschäftigten sichert drei Monate lang die Arbeitsagentur ab. Bis dahin hofft IG-BCEBezirksleiter Ralf Erkens mithilfe der Kieler Oberbürgermeisterin Susanne Gaschke

einen neuen Käufer oder eine neue Bank zu finden, um die Arbeitsplätze zu erhalten. Eine geplante Insolvenz, an der die bisherigen Eigentümer beteiligt geblieben wären, war zuvor gescheitert, nachdem die Hypo-Vereinsbank die Kreditlinie gesperrt hatte.

Foto: Andreas Hartmann

Wilhelmshaven | Chlorwerk schließt ohne Kündigungen

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Fragen an Änne Geltner Die Betriebsrätin bei Holborn ist neues Mitglied im Frauenausschuss des Landesbezirks Nord. Warum engagieren Sie sich für Frauen in der IG BCE? Ich bin Chemielaborantin und arbeite seit 22 Jahren bei einer Ölraffinerie. Inzwischen habe ich zwei Kinder und finde mich in der Teilzeitfalle: Als die Kinder klein waren, wollte ich weniger arbeiten, sonst wäre es mit zwei Eltern im Schichtdienst schwierig geworden. Jetzt sind sie acht und 13 Jahre alt, doch mein Wunsch auf Vollzeit ist für Arbeitnehmer rechtlich nicht durchsetzbar. Die Bemühungen der IG BCE um familiengerechte Lebensarbeitszeiten sind genau meine Sache. Eingetreten bin ich vor fünf Jahren, als mich die Gewerkschaft bei einem Arbeitszeitproblem beraten hat. Der Bezirksfrauenausschuss Hamburg/Harburg hat Sie jetzt in den neuen Frauenausschuss des Landesbezirks delegiert. Wofür wollen Sie sich einsetzen? Ich bin dort eine von zwei Frauen aus Hamburg; die Anzahl der Vertreterinnen richtet sich ja nach dem Organisationsgrad im Bezirk. Die Kollegin ist die im Januar gewählte Vorsitzende des Landesbezirksfrauenausschusses, Renate Hold. Wir haben uns vorgenommen, Kolleginnen für die Betriebsratswahlen im nächsten Jahr zu motivieren und denen, die kandi-dieren, Hilfestellung zu geben. Außerdem wollen wir Expertinnen für Fachvorträge über Demografie und Gleichstellungsfragen gewinnen. Der Landesbezirksfrauenausschuss hat mich auch in den Bundesfrauenausschuss entsandt. Wir treffen uns zum ersten Mal im März. Als Betriebsrätin haben Sie eigene Erfahrungen. Um welche Themen geht es da? Ich bin die einzige Frau im Betriebsrat bei Holborn, nur 35 von insgesamt 287 Mitarbeitern sind ja Frauen. Die meisten arbeiten in der Verwaltung oder im Labor, aber seit einigen Jahren gibt es auch Chemikantinnen in den Produktionsanlagen. Familienfreundliche Arbeitszeiten sind für alle ein Thema, eigentlich nicht nur für Frauen. Bei uns wird auch in Schichten gearbeitet. Das nützt ja nicht gerade der Gesundheit. Eines unserer Themen ist deshalb auch die Einführung von Langzeitkonten, damit man früher in die Rente starten kann.

kompakt | März 2013 | 29


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vor ort Nordost NAMEN & NAC H RIC H TEN

Mit Schwung nach vorn

Termine – kurz notiert

kagel-möllenhorst | Jugend fordert Energiegipfel

Halle/PeiSSen | 4. März: Start der Tarifrunde AVEU. kagel-möllenhorst | 22./23. März: Frauentag des

»Die Energiewende auf Kurs halten« – mit diesem Anliegen kamen Mitte Februar 35 Delegierte aus allen Bezirken zur Landesbezirksjugendkonferenz. »Wir wollen, dass sich junge Menschen mehr mit der aktuellen Energiepolitik auseinandersetzen«, sagt Robert Reimann, seit zwei Jahren Vorsitzender des Landesbezirksjugendausschusses: »Deshalb fordern wir in unserem Leitan-

Landesbezirks »Vereinbarkeit von Beruf und Familie«. cottbus | 12./13. April: Landesbezirksdelegiertenkon-

ferenz »Wir sind da! IG BCE – die Zukunftsgewerkschaft«.

Mit großer Entschlossenheit Halle-Magdeburg/Berlin/COTTbus | Auch im Landesbezirk Nordost zeigten die E.ON-Beschäftigten große Entschlossenheit, als es um die Urabstimmung und die Vorbereitung von Arbeitskampfmaßnahmen ging. Bei enorm hoher Wahlbeteiligung votierten weit mehr als 90 Prozent der Kolleginnen und Kollegen in den Kraftwerken Schkopau und Kirchmöser, beim Regionalversorger E.ON Avacon und weiteren E.ON-Standorten für den unbefristeten Streik. Angesichts dieser Entschlossenheit lenkte das Unternehmen ein. (Siehe auch vorhergehende Seite.) Große Entschlossenheit und eine hohe Erwartungshaltung prägten auch die Tarifrunde Vattenfall. Die IG-BCEVertrauensleute hatten mehr als 2000 Kolleginnen und Kollegen in der Lausitz befragt – auch zu ihrer Bereitschaft, für einen guten Tarifabschluss aktiv zu werden. Die Resonanz war überwältigend. »Die Befragungsbögen sind uns regelrecht aus der Hand gerissen worden«, so Steffen Erbe, Betriebsratsvorsitzender im Tagebau Jänschwalde, Cottbus Nord auf der VertrauensleuteVollversammlung vor Start der Tarifverhandlungen (Foto).

Jetzt rede ich! . . . nur wie?

trag einen Jugend- und Energiegipfel.« Austausch und Aufklärung zum Energiekonzept der IG BCE sollen verstärkt werden, so die Delegierten, die ihre Vorschläge mit den eingeladenen Experten diskutierten.

Gegen die Schließung dresden | Proteste bei CeWe Color

Die Ankündigung kam aus heiterem Himmel: Mit einem Rekordumsatz hatte die CeWe Color AG das Jahr 2012 abgeschlossen, im Weihnachtsgeschäft hatte der Dresdner Standort rund um die Uhr gearbeitet, um die Aufträge zu schaffen – nun soll er geschlossen werden. »Aus Effizienzgründen«, so die Unternehmensleitung. Sofort organisierten IG BCE und Betriebsrat gemeinsam mit den 80 Beschäftigten Proteste

(Foto). Im Februar starteten Verhandlungen zum Interessenausgleich und Sozialplan. Gewerkschaftssekretär Norbert Winter: »Wir verlangen als Erstes Informationen, warum die Schließung gerechtfertigt sein soll!«

kagel-möllenhorst | Probieren geht über Studieren: Das

dachten sich auch die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim Rhetorikseminar, das der Bezirksjugendausschuss Berlin-Mark Brandenburg organisiert hatte. »Ab hinters Rednerpult und vorm Plenum sprechen« war die Devise. Gefragt waren in den Ein-Minuten-Reden sowohl Redegewandtheit als auch Spontanität und Einfallsreichtum. Auch beim anschließenden Debattieren lernten die Jugendlichen, ihre Scheu vorm Reden zu überwinden. Dabei konnten sie sich auch gegenseitig analysieren und so ihre rhetorischen Fähigkeiten weiter ausbauen. Das Rhetorikseminar fand rege Begeisterung und soll im August erneut angeboten werden.

28 | kompakt | März 2013

Politischer Dialog mit SPD-Fraktion leipzig | Um die zukunftsweisende Gestaltung der Energiewende ging es im ersten »Politgespräch« zwischen Mitgliedern des IG-BCE-Bezirksvorstandes Leipzig und der sächsischen SPD-Fraktion. Dabei zeigten sich weit mehr Gemeinsamkeiten als strittige

Punkte. Auch für die SPD stehe fest, dass die Energiewende wirtschaftlich vernünftig und sozial ausgewogen durchgeführt werden muss, so Fraktionsvorsitzender Martin Dulig. Heinz Junge, MIBRAGArbeitsdirektor, begleitete als Berater den Dialog.


IG BCE bekennt Farbe

NAMEN & NAC H RIC H TEN

magdeburg/dresden/cottbus | Aktionen gegen rechts

Ehrung für Mitgliederwerbung

Immer stärker formiert sich der demokratische Widerstand gegen die Versuche von Nazis, die Jahrestage der Bombardierung deutscher Städte im Zweiten Weltkrieg für ihre Propaganda zu nutzen. Die IG BCE beteiligte sich auch in diesem Jahr aktiv an den Aktionen gegen rechts. In Magdeburg bewachten IG-BCE-Jugend und andere Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter im Januar das Gewerkschaftshaus, als die Nazis aufmarschierten (Foto oben). Sie richteten hier zudem einen Sammelpunkt für die Anti-Nazi-Demonstranten ein.

leipzig | Mehr als

In Dresden reihten sich am 13. Februar Landesbezirk und

»Wir werden immer stärker« berlin | Die IG BCE hat im Landesbezirk Nordost die Trend-

Bezirke mit vielen IG BCElern auf dem Postplatz in die farbenfrohe Menschenkette ein: »Unsere Demokratie braucht Schutz vor rechtem Extremismus!« (Foto Mitte). Am 15. Februar war der weiß-rote IG-BCE-Heißluftballon bei »Cottbus bekennt Farbe« ein markantes Zeichen an der Anti-Nazi-Demoroute (Foto links).

Stolpersteine für zwei starke Frauen senftenberg | Am 27. Ja-

nuar wurden erneut Stolpersteine für Dora Singermann und Marianne Seidel verlegt, diesmal in der Senftenberger Innenstadt (Foto). Die IGBCE-Frauen in Cottbus hatten mit Spenden dafür gesorgt, dass diese beiden Senftenbergerinnen nicht vergessen werden. Dora Singermann wurde vermutlich im April 1942 in das Warschauer Ghetto deportiert. Marianne Seidel starb 1933 infolge der Schikanen im

60 Mitglieder hat Axel Schneider, Betriebsratsvorsitzender der GALAMIBRAG-Service GmbH, im vergangenen Jahr für die IG BCE geworben (Foto, Zweiter von rechts). Beim Neujahrsempfang des Bezirks Leipzig wurde er dafür als bester Werber geehrt. Es gratulierten: Edeltraud Glänzer, Mitglied im geschäftsführenden Hauptvorstand der IG BCE (Zweite von links), Landesbezirksleiterin Petra Reinbold-Knape und Bezirksleiter Jürgen Mehnert.

wende in der Mitgliederentwicklung geschafft! Mehrere Bezirke verkündeten kurz vor ihren Bezirksdelegiertenkonferenzen die konstant positive Entwicklung ihrer Mitgliederzahlen. »Wir verschaffen uns immer mehr Gehör«, so Oliver Heinrich, Bezirksleiter in Berlin-Mark Brandenburg. Halle-Magdeburg und Dresden-Chemnitz ziehen diese positive Bilanz bereits zum wiederholten Mal. Sylke Teichfuß, stellvertretende Bezirksleiterin in Halle-Magdeburg: »Beschäftigte kommen auf uns zu und bitten um Unterstützung bei Betriebsratsgründungen, aktuelle Beispiele sind ORWONET, Oncotec oder MUEG. Hier gewinnen wir neue Mitglieder, aber ebenso durch die Unterstützung unserer gewerkschaftlichen Funktionäre in unseren angestammten Betrieben und Regionen.« Gerald Voigt, Bezirksleiter in DresdenChemnitz, setzt mit seiner bezirklichen Lenkungsgruppe Zukunftsgewerkschaft 2020 (Foto) auch auf verbesserte Angebote an die Mitglieder: »In Zukunft werden wir zum Beispiel die Zusammenarbeit mit der GUV Fakulta verstärken.« Eine positive Mitgliederentwicklung bei den Beschäftigten verkündete auch der Bezirk Leipzig.

Kräftiger Entgeltaufschlag schwerin | Für die rund 160 Beschäftigten der Schoeller

Schutzhaftlager. Bereits 2011 waren für sie Stolpersteine am Aussichtspunkt Reppist verlegt worden, die kurze Zeit später gestohlen wurden.

Arca Systems GmbH gibt es mehr Geld. Ab Januar 2013 steigen Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen um 3,1 Prozent, ab Januar 2014 um weitere 3,5 Prozent. Der Grundbetrag der Jahresleistung erhöht sich um 200 Euro auf 1200 Euro.

kompakt | März 2013 | 29


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vor ort Nordrhein N A MEN & N A C HRI C HTEN

Anträge formuliert

Verdienste gewürdigt

hattingen | Jugend debattiert Perspektiven

moers | Mit der Hans-BöcklerMedaille des Deutschen Gewerkschaftsbundes ist Arnold Falk, 90, für »herausragendes ehrenamtliches Engagement« ausgezeichnet worden. Seit 77 Jahren ist Arnold Falk (auf dem Foto Zweiter von rechts) Gewerkschaftsmitglied, er war unter anderem Betriebs- und Gesamtbetriebsrat im Bergwerk Rheinpreußen, Mitglied der Tarifkommission der IG Bergbau und Energie und engagiert sich noch heute in der IG BCE. Zudem war er mehr als 20 Jahre Stadtrat in Moers.

»Perspektive junger Menschen« ist nicht nur der Titel einer Kampagne der IG-BCEJugend Nordrhein, die deren Arbeit in den letzten drei Jahren prägte. Auch die sechs Bezirksjugendkonferenzen und die Landesjugendkonferenz stellte die Gewerkschaftsjugend unter dieses Motto. Ein ganzes Wochenende nahmen sich die jungen Gewerkschafter im Januar dafür Zeit. Das Ergebnis waren mehr als 30 Anträge zur Bundesjugendkonferenz, darunter der Leitantrag zu Weiterbildung,

Künftige Arbeitsschwerpunkte leverkusen | Auch im Landesbezirk Nordrhein laufen die Vorbereitungen für den IG-BCE-Kongress im Herbst auf Hochtouren. Die erste Bezirksdelegiertenkonferenz von insgesamt sechs in Nordrhein fand in Leverkusen statt. »Mehr Mitglieder, mehr IG-BCE-Betriebsräte und mehr gute Arbeit«, fasste Bezirksleiter Rolf Erler im Geschäftsbericht die Ziele der kommenden vier Jahre zusammen. Auf die Konferenzen in den Bezirken folgt am 20. April die Landesbezirksdelegiertenkonferenz in Lülsdorf. Neben Antragsberatung und Vorstandswahlen wird es unter anderem auch eine Gesprächsrunde mit der NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) und dem IG-BCE-Vorsitzenden Michael Vassiliadis zum Thema »NRW – Eine starke Industrieregion im Herzen Europas« geben. Weitere Gäste sind der Landesarbeitsminister Guntram Schneider (SPD) und Andreas Meyer-Lauber, Vorsitzender des DGB-Bezirks NRW.

Top Ten der Werber im Januar Platz 1: Daniele Gioco (20 geworbene Neumitglieder, Bayer AG, Bezirk Leverkusen); Platz 2: Dieter Trierscheidt (19, pronova BKK, Leverkusen); Platz 3: Thomas Fritz (14, TMD Friction EsCo GmbH, Leverkusen); Platz 4: Horst Ruoff (8, Continental Aachen, Alsdorf); Platz 5/6: Firat Aslan (6, Bayer AG, Leverkusen), Josef Heffels (6, Cinram GmbH, Alsdorf); Platz 7–9: Hans-Jürgen Michaelsen (5, Bayer Vital, Leverkusen), Heike Strud (5, Cinram GmbH, Alsdorf), Michele Agusta (5, Evonik Industries, Köln-Bonn); Platz 10–17: Martina Asaninas (3, ara Shoes, Leverkusen), Manfred Dudzinski (3, Cinram GmbH, Alsdorf), Tim Strater (3, Currenta, Moers), Kerstin Ziegler (3, DuPont, Düsseldorf), Thomas Clewe (3, Esco, Moers), Thorsten Röseler (3, Faurecia Exteriors GmbH, KölnBonn), Thomas Neuköther (3, Pilkington Automotive, Duisburg), Kurt Chudzik (3, Schulte Söhne, Düsseldorf). Weitere Infos im Internet: www.nordrhein.igbce.de

28 | kompakt | März 2013

Leiharbeit, Teilzeit und Befristung, Gesundheitsschutz, Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie zur Energie- und Industriepolitik.

Bildung anders düsseldorf | Strategien gegen Stress

Entspannung war angesagt bei einem Seminar der IGBCE-Jugend Nordrhein. Als »Überraschungsei« hatten die Initiatoren das Bildungsseminar »Ü-Ei der Bildungsarbeit« angekündigt. Geboten wurde den Teilnehmern ein »Work-Life-Balance«-Seminar, das begeistert aufgenommen wurde – nicht nur wegen der

Saunagänge am Abend. Auch Berufsanfänger stehen heute unter hohem Druck, selbst Azubis leiden bisweilen unter dem Burn-out-Syndrom. Was man tun kann, um Stress im Alltag besser zu bewältigen, stellten die Teamer vor – von Strategien im Projekt- und Zeitmanagement bis zu Ernährungstipps.

Landesbezirksfrauen starten durch düsseldorf | Von einer besseren Beteiligung von Frauen in der Privatwirtschaft über einen verlässlichen Schutz von Rentenansprüchen bis zu einem Modellprojekt über Bürokauffrauen des Landesbezirks Rheinland-Pfalz/Saarland reichte die Themenpalette, mit der sich der neu gewählte Landes-

bezirksfrauenausschuss (LBFA) auf seiner ersten Sitzung beschäftigte (Foto).


Auf einem guten Weg

N A MEN & N A C HRI C HTEN

Düsseldorf | Umsetzung Demografie-Tarifvertrag II

Schluss mit der Hinhaltetaktik

Rund 80 Chemie-Betriebsräte diskutierten Mitte Februar auf der Demografie-Konferenz des Landesbezirks den Stand der Umsetzung des 2012 vereinbarten Demografie-Fonds II. Der Trend gehe dahin, Langzeitkonten auszu- Gisela Seidel, Axel Brössel und Detlef bauen, fasste Thomas Rennings (von links) diskutierten mit Neumann vom Landes- dem Plenum. bezirk zusammen. Bei Axalta Coating Systems Langzeitkonten. »Wir müssen wird derzeit über eine Be- alle Beschäftigten mit den triebsvereinbarung verhan- Fondsmitteln erreichen, vor delt, die auf eine bestehende allem die besonders belasteRegelung zu Langzeitkonten ten«, betonte Detlef Rennings, von 2007 aufbaut, so der Betriebsratsvorsitzender von Betriebsratsvorsitzende Axel Currenta Uerdingen. »Die Betriebe sind auf einem Brössel. Gisela Seidel, Betriebsratsvorsitzende von Lanxess guten Weg«, stellte der LandesDormagen, stellte das Projekt bezirksleiter Reiner Hoffmann Xcare ihres Unternehmens vor. fest. Er wünscht sich aber mehr Der Fonds wird vor allem zur »Mut zu neuen Wegen« insbeEntlastung der Beschäftigten sondere der Arbeitgeber, um eingesetzt. Dazu gehören Maß- gezielt junge Eltern, Menschen nahmen zur Förderung der mit pflegebedürftigen AngeGesundheit, zur Vereinbar- hörigen oder besonders belaskeit von Beruf und Familie tete Gruppen wie Schichtaroder auch der Ausbau von beiter zu unterstützen.

Grefrath | Die Belegschaft von Johnson Controls kann auf die volle Unterstützung des IG-BCE-Landesbezirks bei ihrem Kampf um den Standort Grefrath zählen. Seit Jahren nehmen die Mitarbeiter des Autozulieferers zugunsten des angeschlagenen Standorts Entgeltverzicht hin. Im Gegenzug hatte die Geschäftsführung eine Standortsicherungsvereinbarung unterschrieben. An die fühlt sie sich offensichtlich nicht mehr gebunden, eine Folgeproduktion soll an einen anderen Standort verlagert werden. Das sei nicht hinnehmbar, kritisiert der Landesbezirksvorstand und fordert: Betriebsrat und Geschäftsführung müssen gemeinsam an einem Zukunftskonzept arbeiten. Von Arbeitnehmerseite wurde viel unternommen, um den Standort zu retten. Bei einer »politischen Mittagspause« Anfang Februar, an der rund 300 Beschäftigte teilnahmen, forderte die Betriebsratsvorsitzende Ute Wiegmann die Geschäftsführung auf, ihre »Hinhaltetaktik aufzugeben«. Der Betriebsrat ist seit Monaten aktiv, um das Werk zu retten. So bat Wiegmann schriftlich den Vorstandsvorsitzenden in den USA, sich um eine Auslastung des Standorts zu bemühen – und erhielt eine positive Rückmeldung. Seit Herbst 2012 gibt es zudem eine Taskforce. Doch die Zusammenarbeit mit der Konzernleitung läuft weiter schleppend.

Stress belastet – NRW steuert gegen düsseldorf | Nicht erst der

»Stressreport« der Bundesregierung hat gezeigt: Dauerbelastungen, psychischer Stress und Druck im Job haben stark zugenommen. Mit Tarifverträgen und Betriebsvereinbarungen bemühen sich Betriebsräte und Gewerkschaften seit Langem, den Schutz der Beschäftigten zu verbessern. Doch angesichts der zunehmenden Tendenz von Unternehmen zur Tarifflucht reiche das nicht, betonte Landesbezirksleiter Reiner Hoffmann

Ende Januar in der Radiosendung »WDR2-Arena«. »Der Gesetzgeber muss die Rahmenbedingungen verbessern«, forderte er. Von der Bundesregierung ist wenig zu erwarten. Anders in NRW: Gemeinsam mit den Sozialpartnern hat die Landesregierung das Programm »Arbeit gestalten NRW« gestartet. Zentrales Ziel: Arbeit gesundheitsgerecht zu gestalten.

Die Sendung zum Nachhören: http://bit.ly/wdr_stress

Standort gesichert alsdorf | Die 1200 Beschäftigten bei Cinram in Alsdorf können erst einmal aufatmen. Der US-Investor Najafi hat die Übernahme von Cinrams europäischen Gesellschaften – und damit auch des Standortes Alsdorf – abgeschlossen. Das Konzept, das bereits Anfang 2012 mit der IG BCE verhandelt wurde, bleibt bestehen. Es sieht unter anderem jährliche Einsparungen von vier Millionen Euro vor.

Tarifvertrag gefordert aachen | Bei der EKÜ Outsourcing GmbH gibt es noch im-

mer keinen Tarifvertag. Dennis Radtke, Gewerkschaftssekretär im IG-BCE-Bezirk Alsdorf, erklärte auf einer Kundgebung: »Wir können es nicht hinnehmen, dass hier Menschen 220 Stunden im Monat arbeiten und am Ende trotzdem Aufstockungsleistungen beantragen müssen, um ihre Miete bezahlen zu können.« Die IG BCE erwartet die Unterschrift unter einen Tarifvertrag, der sich an dem Tarifvertrag des Bundesverbandes Zeitarbeit und den für die Chemie vereinbarten Branchenzuschlägen für Leiharbeiter orientiert.

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vor ort Rheinland-Pfalz/Saarland NAMEN & NACHRICHTEN

Praktizierte Demokratie

Neue Tarifforderungen

Illingen/Ransbach-Baumbach | Wahlen und Diskussionen

mainz | Die Tarifkommissionen Feinkeramik Rheinland-Pfalz und Saarland haben Ende Januar ihre Forderungen für die Beschäftigten in der feinkeramischen Industrie West beschlossen. Das Paket besteht aus drei Komponenten. Die Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen sollen über die Preissteigerungsrate hinaus real und spürbar steigen. Die Laufzeit soll zwölf Monate betragen. Die tarifliche Altersvorsorge soll auf Basis des Tarifabschlusses 2012 weiterentwickelt werden. Zur feinkeramischen Industrie gehört in Deutschland eine größere Zahl von Unternehmen, die zum Beispiel Haushaltsgeschirr, Fliesen oder Sanitäreinrichtungen herstellen.

Ein Dreivierteljahr vor dem 5. ordentlichen Gewerkschaftskongress der IG BCE in Hannover traten im Februar die Delegiertenkonferenzen der Bezirke Saarbrücken (100 Delegierte) und Mit- Lebendige Debatten in den Konferenzsälen. telrhein (80 Delegierte) zusammen. Es waren führenden Hauptvorstand der hochpolitische Veranstaltun- Gewerkschaft repräsentierte. gen, zu denen sich politische Wichtigste Themen der Prominenz und viele Gäste Konferenzen waren allerdings die politische und gewerk»800 neue Mitglieder schaftliche Poallein 2012 – das sitionsbestimwar nur mithilfe der Betriebsräte möglich.« mung – im Zentrum standen die MitbestimDietmar Geuskens mung, die VerBezirksleiter Saarbrücken abschiedung einfanden, darunter zahlrei- von Anträgen an den Gewerkche Betriebsratsmitglieder und schaftskongress sowie mehrere -vorsitzende. Wahlen, darunter die der jeweiAuf der Konferenz des Be- ligen Bezirksvorstände. zirks Mittelrhein in der StadtIm Anschluss an die Konhalle von Ransbach-Baum- ferenzen konstituierten sich bach (Westerwald) ergriff auch die Vorstände. Als Vorsitzender neue rheinland-pfälzische der wurde dabei im Bezirk Arbeitsminister Alexander Saarbrücken erneut der BeSchweitzer das Wort; in Illin»Mittelgroße Firmen gen (Landkreis aus Chemie, Keramik, Neunkirchen), Kunststoff, Papier wo der Bezirk prägen unsere Arbeit.« Saarbrücken tagte, sprach Holger Zimmermann der stellverBezirksleiter Mittelrhein tretende saarländische Ministerpräsident zirksleiter Dietmar Geuskens Heiko Maas. Zu den Haupt- gewählt, in Mittelrhein errednern dort gehörten der IG- neut der Bezirksleiter Holger BCE-Landesbezirksleiter Ralf Zimmermann. Zuvor hatten Sikorski und der stellvertreten- die beiden Vorsitzenden vor de IG-BCE-Vorsitzende Ulrich den Delegierten und Gästen Freese. Beim Bezirk Mittelrhein schwerpunktartig die Entwar es Edeltraud Glänzer, die wicklung in den Bezirken den fünfköpfigen geschäfts- skizziert.

Rückblick in froher Runde wittlich |

Die 29 Gewerkschaftsmitglieder, die zum Jahresende im Kasino der Eifelstadt für ihre langjährige Mitgliedschaft in der IG BCE geehrt wurden, mussten ihren Stolz nicht verstecken. Denn der frühere Gewerkschaftssekretär Leo Gohr und der Ortsgruppenvorsitzende Manfred Hopperdietzel zählten auf, welche Erfolge die Gewerkschaft in den aktiven Jahren und durch die Unterstützung der Jubilare einfahren konnte. Sie ließen auch nicht aus, welch harter Kampf auf dem Weg zum Erfolg oft notwendig war. Einen fröhlichen Akzent für die Ehrung und die gemeinsame Erinnerung setzten die gekonnten Darbietungen des Zauberers Dimor. In Erinnerung bleiben allen gewiss aber auch die gesellige Runde und der Austausch vieler persönlicher Erinnerungen.

Ein sehr gutes Ergebnis kaiserslautern | Das Kunststoffunternehmen Celstran

GmbH, eine Tochterfirma der Frankfurter Ticona, gehört keinem Arbeitgeberverband an. Nach vier harten Verhandlungsrunden konnte die IG BCE zum Januar eine Verbesserung des Haustarifvertrags um 4,75 Prozent durchsetzen. Darüber hinaus steigt die Jahresleistung bis 2015 schrittweise an; 2013 liegt sie bei 70, 2014 bei 75 und 2015 bei 80 Prozent des Monatsentgeltes. Das Urlaubsgeld steigt schon 2013 von 70 auf 75 Prozent. Die Beiträge werden entsprechend angepasst.

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Gut motivierte Azubis Mainz | Stimmungsmache mit falschen Zahlen

ge Mensch setzt seine duale Ausbildung fort, nur mit einem neuen Vertrag. Statistisch schlägt dabei also zu Buche, dass ein Azubi die Fachrichtung oder den Arbeitgeber wechselt und deshalb einen neuen Vertrag benötigt. Genauso unlogisch: Wenn die Leitung eines Handwerksbetriebs von der älteren auf die jüngere Generation übergeht oder ein Betrieb die Rechtsform ändert, zählt die Statistik die notwendige Vertragsänderung auch als Abbruch, heißt es im Mainzer Wirtschaftsministerium. »In unseren Branchen »In den ist der Anteil der Branchen, die Ausbildungsabbrecher die IG BCE besonders niedrig.« vertritt, ist der Anteil der abRalf Sikorski gebrochenen Landesbezirksleiter Ausbildungen Sie dienen manchen Unter- jedenfalls besonders niedrig«, nehmern als Rechtfertigung, stellt Landesbezirksleiter Ralf keine Ausbildungsplätze an- Sikorski klar. Und für schwer zubieten. Zuletzt bediente integrierbare Jugendliche hat die Tageszeitung Die Welt die IG BCE mit den Chemiedieses Vorurteil mit einem Arbeitgebern einen gesonderExklusivbericht zum Ausbil- ten Tarifvertrag abgeschlosdungsmarkt unter der Über- sen. Politisch läuft die notwenschrift: »Jeder vierte Azubi schmeißt seine Lehre hin.« Die dige Ausbildungskoordiniereißerische Behauptung ga- rung in Rheinland-Pfalz über ben auch viele andere Medien den »Ovalen Tisch für Auswieder. Nur: Sie war komplett bildung und Fachkräftesichefalsch und selbst vom eigenen rung«. Teilnehmer sind unter anderem die Vorsitzenden der Text nicht gedeckt. Denn tatsächlich ist die gro- Arbeitgeberverbände und der ße Mehrheit der Auszubilden- Gewerkschaften, darunter Ralf den hoch motiviert. Nur die Sikorski für die IG BCE. MiHälfte der aufgelösten Ausbil- nisterpräsidentin Malu Dreyer dungsverträge hat damit zu rief den ovalen Tisch zuletzt tun, dass ein Jugendlicher aus am 20. Februar zusammen. der dualen Ausbildung aus- Dabei ging es auch um gezielte scheidet. Und dann oft nur, Hilfen für Jugendliche, denen um wieder zur Schule zu ge- der Übergang von der Schule hen oder zu studieren. Für zur Ausbildung besonders die andere Hälfte gilt: Der jun- schwerfällt. Nicht alle Jugendlichen, die eine Berufsausbildung antreten, sind dafür von der Schule ausreichend vorbereitet. »Wir Ausbilder sind oft die Reparaturwerkstatt der Schulpolitik«, sagt Volker Freudenberger, Ausbilder beim Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG (siehe rechts: »5 Fragen . . .«). Trotzdem sind bestimmte Vorurteile über die Ausbildungsbereitschaft und -fähigkeit der Jugendlichen absurd und werden doch immer wieder gefüttert.

5

Fragen an Volker Freudenberger Als Ausbilder und Betriebsrat bei Boehringer Ingelheim weiß Volker Freudenberger, welche Potenziale soziales Engagement in jungen Menschen weckt. Angenommen, ich wäre Pfadfinder. Sollte ich das in meine Bewerbung für eine Ausbildungsstelle schreiben? Unbedingt. Wer sich in jungen Jahren engagiert und dabei zeigt, dass er oder sie bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, hat Startvorteile. Moderne Unternehmen wie Boehringer Ingelheim schätzen soziales Engagement. Da ist es egal, ob der junge Mensch eine Gruppe jüngerer Pfadfinder leitet, ob er in der Jugendfeuerwehr oder im Sportverein Verantwortung übernommen hat. Warum denken Unternehmen wie Boehringer Ingelheim so? Die Übernahme von Verantwortung und Teamfähigkeit zählt zu den Schlüsselqualifikationen im betrieblichen Alltag. Ich muss anderen mitteilen können, was ich von ihnen will. Ich muss verstehen, was sie von mir wollen und sie müssen sich darauf verlassen können. Ohne solche Fähigkeiten funktioniert heute kein Unternehmen mehr. Ist Engagement während der Ausbildung willkommen? Ehrenamtliches Engagement unterstützt das Unternehmen. Wo immer möglich, versuchen wir auch Freistellungen zu gewährleisten. Aber wer sich beim Lernen schwertut, sollte sich zunächst voll auf die Ausbildung konzentrieren. Schadet oder nutzt ein Engagement als Jugendvertreter? Da bin ich als Leiter eines achtköpfigen Ausbilderteams, der selbst fünf Jahre JAV-Vorsitzender war, befangen. Vielleicht so viel: Wer sich beruflich besonders schwertut, erhöht mit einer Kandidatur weder das eigene Ansehen noch das der Jugend- und Auszubildendenvertretung. Wer sich die Aufgabe aber zutrauen kann, lernt zu führen, zu verhandeln und Probleme zu lösen. Ein solches Können wird in aufgeschlossenen Unternehmen gebraucht. Bekommen nur die Besten einen Ausbildungsplatz? Diese Vermutung ist verbreitet, aber falsch. Unser Unternehmen zum Beispiel bemüht sich bei der Nachwuchsauswahl um einen bunten Blumenstrauß. Wir bilden ganz bewusst nicht nur Einser-Abiturienten aus, sondern auch junge Menschen mit Berufsreife. Das entspricht der Vielfalt unserer Arbeitsplätze.

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vor ort Westfalen NAMEN & NACH R ICH T EN

Auf dem richtigen Weg Bochum | Engagierte Diskussionen bei Frauenkonferenzen

Breitere Solidarität Recklinghausen | Der Bezirksvorstand des Bezirkes Reck-

linghausen (Foto) hat den Kolleginnen und Kollegen beim Unternehmen Neupack den Rücken gestärkt. Sie kämpfen seit Wochen um einen Tarifvertrag. Die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung sind derzeit von Willkür und Ungerechtigkeit geprägt. Deshalb fordern die Neupack-Beschäftigten von der Geschäftsleitung, mit ihnen über einen Tarifvertrag zu verhandeln. Seit 1. November 2012 waren die Kollegen im Streik. Sie brauchen für ihren Kampf um einen Tarifvertrag für Gerechtigkeit, Respekt, Würde und Anerkennung jedoch noch breitere Unterstützung. Der Bezirksvorstand Recklinghausen hat deshalb die Forderung der Beschäftigten nach einem Tarifvertrag unterstützt und fordert die Geschäftsführung auf: »Sie haben es in der Hand. Kommen Sie endlich zur Vernunft und nehmen Sie Verhandlungen auf!«

»Baumannrente« falsch berechnet Bochum | In den letzten Monaten wurden mehrere Urteile

zur betrieblichen Altersversorgung gesprochen, die für Rentner positive Auswirkungen haben. Unter anderem macht das IG BCE-Rechtsschutz-Regionalbüro Westfalen sowie der Betriebsrat im Evonik-Gemeinschaftsbetrieb Marl auf Folgendes aufmerksam: Bei der Evonik und deren Rechtsvorgänger, den Chemischen Werken Hüls, werden die bisherigen Versorgungszusagen nicht richtig berechnet. Die unter dem Namen »Baumannrente« bekannte Leistung ist für viele ehemalige gewerbliche Arbeitnehmer zu gering berechnet. Bei der Berechnung werden Zeiten nicht berücksichtigt, die nach Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichtes jedoch berücksichtigt werden müssen. IG-BCE-Mitglieder, die diese an sie geleisteten Zahlungen prüfen lassen möchten, können durch den Rechtsschutz der IG BCE eine Kontrolle vornehmen lassen. Dabei wird der Anspruch dem Grunde nach geprüft und im Falle einer Falschberechnung auch sofort beim Arbeitgeber schriftlich die Korrektur eingefordert. Termine beim Rechtsschutz können unter Telefon 0234 319141 vereinbart werden.

28 | kompakt | März 2013

Intensive Debatten gab es bei den Bezirksfrauenkonferenzen in Dortmund-Hagen, Münster-Bielefeld und Recklinghausen. Für ein Frauenbildungsprojekt An verschiedenen Thementischen wurde in in Simbabwe ka- Dortmund-Hagen diskutiert. men zudem 1250 Euro zusammen. Hoch motiviert, kompetent Auf der Tagung in Dort- und engagiert diskutierten mund-Hagen wurde an ver- die Frauen der Bezirksfrauenschiedenen Thementischen konferenz Münster-Bielefeld über Frauen in Führung, bei ihrer Tagung mit Svenja Chancen Alleinerziehender, Schulze, Landesministerin für Betreuungsgeld und Pflege Wissenschaft. »30x30x30« sei sowie Interessenvertretung der richtige Weg, Frauen als Gewerkschaftssekretärin, als rege diskutiert. Aufsichtsrätin und als Mitglied zu gewinnen. Heike Arndt, stellvertretende Landesbezirksleiterin, hielt das Impulsreferat im Bezirk Recklinghausen. Ihr Bogen schlug sich von der Balance von Beruf und Familie bis Heike Arndt (Zweite von links) hielt das hin zu Frauen auf dem Weg in Führung. Impulsreferat in in Recklinghausen.

Weichen gestellt hattingen | Jugendliche diskutieren engagiert

Eine echte Herausforderung, die souverän gemeistert wurde: An einem Wochenende fanden sowohl die Bezirksjugendkonferenzen wie auch die Landesjugendkonferenz statt. Zentrales Thema war die Industriepolitik in Westfalen. »Die Industrie muss sich – vor allem vor dem Hintergrund des Strukturwandels im Ruhrgebiet – jeden Tag neu finden«, so Armando Dente,

zuständig für Jugendarbeit im Landesbezirk. Engagierte Diskussionen führten die Teilnehmer der Landesjugendkonferenz vor allem zu energiepolitischen Anträgen und zur Frage von Jugendmandaten in Tarifkommissionen. Ein weiterer Schwerpunkt: In diesem Jahr jährt sich zum 80. Mal die Zerschlagung der Gewerkschaften durch die Nazis.


Gewerkschaft »zieht«

NAMEN & NACH R ICH T EN

bochum | Neujahrsempfänge im Landesbezirk

Verbundenheit mit Opel

Der IG-BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis in Recklinghausen und SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück in Hamm führten die Riege der Prominenten an, die zu den vier IG-BCE-Neujahrsempfängen im Landes- 350 Gäste trafen sich beim Neujahrsempbezirk kamen. Gut fang des Bezirks Dortmund-Hagen .  .  . 2000 Gäste waren zu den Veranstaltungen in Dort- nerin Edeltraud Glänzer vom mund-Hagen, Gelsenkirchen, geschäftsführenden HauptvorHamm und Recklinghausen stand ging auf die aktuellen Kernthemen der IG BCE ein: gekommen. Europa weiter aktiv mitzugestalten, die Energiewende in richtige Bahnen zu lenken und gute Arbeit weiter in den Betrieben voranzutreiben. Peer Steinbrück wurde in Hamm von Bezirksleiter Lothar Wo.  .  . rund 400 lauschten in Gelsenkirchen beddo begrüßt. Vor 600 Gästen schlug Edeltraud Glänzer (rechts im Bild). Steinbrück einen groRund 350 Gäste konnte ßen Bogen seiner Positionen: Dortmunds Bezirksleiter Adi von moderner ArbeitnehmerSiethoff begrüßen. Peter politik bis hin zum RentenHausmann, Mitglied des ge- konzept. schäftsführenden HauptvorMichael Vassiliadis stellte die standes, ging in seiner Rede Energiewende in Recklinghauauf die aktuellen Positionen sen in den Mittelpunkt: »Es der Gewerkschaft ein. zählt ein Konzept mit WeitIn Gelsenkirchen begrüßte blick, das von den LeistungsBezirksleiter Peter Obramski fähigen im Staat auch über rund 400 Gäste. Hauptred- Steuern finanziert wird.«

marl | Traditionell fand der Solidaritätsgottesdienst in der Marler Pauluskirche statt. Unter dem Motto »Unser Revier – Zukunft für die Jugend?« begrüßte Dietmar Bartsch, Vorsitzender des Vertrauenskörpers auf Auguste Victoria (AV), den AV-Werkleiter Jürgen Kroker, den Marler Bürgermeister Werner Arndt, Gastredner Rainer Einenkel, Betriebsratsvorsitzender von Opel Bochum, Karlheinz Auerhahn, Bezirksleiter IG BCE Recklinghausen, Norbert Maus, Betriebsratsvorsitzender Bergwerk AV sowie zahlreiche weitere Besucher. Der Auslauf des deutschen Steinkohlenbergbaus, die damit verbundene Stilllegung des Bergwerkes AV wie auch die Schließung des Bochumer OpelWerkes bedeuten den Wegfall zweier großer Ausbildungsbetriebe und Arbeitgeber im Revier. Der Opel-Betriebsratsvorsitzende machte die tiefe Verbundenheit zwischen Opel und dem Bergbau deutlich: »Opel ist auf einem ehemaligen Zechengelände gebaut und viele Opelaner waren Bergleute. Dies zeichnet unsere langjährige Solidarität füreinander aus.«

Protest gegen rechts bergkamen | Um den Ablauf einer geplanten Kundgebung

von Neonazis auf dem Herbert-Wehner-Platz zu verhindern, rief das Regionalforum zu einer Info-Veranstaltung gegen rechts auf. Diese Veranstaltung wurde von der Stadt Bergkamen kurzfristig genehmigt Somit hatten die Rechtextremen keinen Zugriff auf den Marktplatz. Trotzdem versuchten sie, ihre Veranstaltung durchzusetzen. Die Resonanz der IG BCE und der demokratischen Parteien vor Ort war aber so groß, dass rechts es vorzog, ihre Kundgebung abzusagen. Eine Menschenmenge von schätzungsweise 300 Personen, die mithilfe des Regionalforums zustande kam, hatte wohl offensichtlich stark beeindruckt.

Lauf, Ruhrgebiet, lauf!

Prominente Redner: SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück in Hamm (Foto links) und Michael Vassiliadis in Recklinghausen.

bochum | Die Regionalforen aus den vier beteiligten Städten Gelsenkirchen, Essen, Bottrop und Gladbeck organisieren am 12. Mai 2013 mehrere Verpflegungsstellen beim 1. VIVAWEST-Marathon. Entlang der rund 42 Kilometer langen Laufstrecke werden die Regionalforen unter anderem den ersten Verpflegungsstand in Gelsenkirchen-Rotthausen sowie den zweiten Verpflegungsstand im Weltkulturerbe Zeche Zollverein in Essen übernehmen. Insgesamt sind knapp 150 Mitglieder im Einsatz (siehe auch Seite 25).

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vor ort Westfalen

Wattenscheid-Stadt

Die diesjährige Jubilarfeier der Ortsgruppe Wattenscheid-Stadt fand im Kolpinghaus Wattenscheid statt. Die Ehrung nahmen der Vorsitzende Michael Stachowiak und Kassierer Karl-Heinz Wälter vor. 75 Jahre: Willi Franke; 60 Jahre: Herbert Wehr; 50 Jahre: Gerd Grabolle, Gerhard Trümpler, Friedrich Dudzi, Roman Kolan; 40 Jahre: Horst Sterkau, Otto Leik. Anschließend waren ein gemeinsamer Brunch und viele Gespräche über alte Zeiten angesagt. Mit dem Bergmannslied und einem Bergmannsschnaps klang der Sonntagvormittag aus.

Bochum-Süd

Die Jubilarehrung der Ortsgruppe Bochum-Süd nahm der stellvertretende Vorsitzende Andreas Arndt vor. Für 75jährige Mitgliedschaft wurden Ilse Stenmanns und Bruno Gehrmann geehrt und für 70 Jahre Willi Sieberg. Seit 60 Jahren ist Ursula Möhlendick Mitglied sowie seit 50 Jahren Karl-Heinz Finger. Für 40 Jahre Mitgliedschaft wurden geehrt Hagen Sonntag, Günter Reips und Udo Bunz.

Reken

Mit 645 Mitgliedern umfasst die Ortsgruppe Reken auch die Stadtteile Lemberg und Rhade. Sie feierte ihre Jubilare im Rahmen einer Ortsgruppenfeier in Rhade. Als Gast war der Bezirkssekretär des Bezirks Münster-Bielefeld Frank Seelinger eingeladen. Er hielt auch die Jubilarrede. Gemeinsam mit dem Ortsgruppenvorsitzenden Willi Niwerth, seinem Stellvertreter Klaus-Dieter Schulz und Kassierer Johannes Michels ehrten sie die Jubilare. Für 50-jährige Mitgliedschaft geehrt wurden Willi Gruen und Erich Werner. Auf eine 40-jährige Gewerkschaftszeit blicken zurück: Egon Buettgen, Wolfgang Fiedler, Hans Finsinger, Heinrich Gertz, Dirk Hartwich, Peter Lietz, Siegfried Murek und Rudi Wach.

Marl IV

Batenbreck

Wilhelm Heuking ist mit nunmehr 103 Lebensjahren seit 83 Jahren Mitglied in der Gewerkschaft! Damit ist er zugleich mit Abstand das dienstälteste Mitglied der Ortsgruppe Batenbreck. Vorsitzender Wilhelm Uff überbrachte dem Jubilar die besten Glückwünsche der ganzen Ortsgruppe. Heuking – er ist gelernter Schreiner – verbrachte sein gesamtes Berufsleben in der Zentralwerkstatt Prosper. Seinen Lebensabend verbringt er in der Urbana im Stadtgarten 2.

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Die diesjährige Jubilarehrung der Ortsgruppe Marl IV nahm Ortsgruppenvorsitzender Norbert Jahn gemeinsam mit Bürgermeister Uli Paetzel vor. Für ihre 75- und 70-jährige Mitgliedschaft zeichneten sie Leo Forspaniak und Heinz Hölzel aus. Seit 60 Jahren in der Gewerkschaft sind Friedhelm Ende, Karl-Heinz Licht, Peter Schierbaum und Kurt Schmidt. Für 50 Jahre Treue zur Gewerkschaft geehrt wurden Jürgen Konradt und Johann Psotta. Seit 40 Jahren dabei sind Hueseyin Alabacak, Mehmet Akkaya, Werner Bachmann, Mustafa Balci, Ulrich Beber, Hubert Buss, Muesluem Ertas, Jürgen Killimann, Reiner König, Reinhard Kuhn, Axel Neugebauer, Ismael Sahin, Waldemar Settele, Walter Schubert, Rainer Steinkusch, Hueseyin Tekce und Hüseyin Yilmaz.


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Einer von uns

Fotos (2): Stefan Kiefer

Alonzo Mention arbeitet beim Porzellanhersteller Seltmann in Weiden. In seiner Freizeit unterrichtet er junge Mädchen in Karate, seiner Leidenschaft.

Der Kick zum Selbstvertrauen

W

eißt du noch, wie ängstlich du am Anfang warst?«, fragt Alonzo Mention und lacht. Der 55-Jährige freut sich über die Fortschritte seiner Kursteilnehmerin. »Kiai«, schreit Laura laut. Gleichzeitig schnellt der Arm der 11-Jährigen nach

am weitesten verbreitete Stilrichtung des Karate. Charakteristisch dafür ist ein tiefer Stand, der dynamische und kraftvolle Bewegungen ermöglicht. »Im Karate gibt es keine erste Hand«, sagt der ehemalige US-Sergeant aus Georgia. Niemals zuerst angreifen ist die Devise. Nicht umsonst

»Es geht mir vor allem darum, dass Mädchen sich wehren können.« vorne. Mit dem Handballenblock wehrt das Mädchen geschickt ihren Angreifer ab. Die amerikanische Schülerin aus Grafenwöhr beherrscht die Technik perfekt. Sie strahlt selbstbewusst. Jeder sieht: Sie kann sich behaupten. Dazu verholfen hat ihr auch das Training bei Alonzo Mention. Seit über 20 Jahren unterrichtet der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende mit Leidenschaft Sh¯ ot¯ ok an-Karate, die 30 | kompakt | März 2013

beginnt und endet jedes Karatetraining traditionell mit einer kurzen Meditation. Dies soll den friedfertigen Zweck der Übungen zum Ausdruck bringen. Wichtig ist dem Vater von fünf Töchtern aber auch der Selbstverteidigungsaspekt des japanischen Kampfsports. »Es geht mir darum, dass die Mädchen sich wehren können.« Auch seinen Töchtern hat der Karateka geholfen, genügend Selbstwertgefühl zu entwickeln, um

gegen Diskriminierung gefeit zu sein. »Mädchen lernen schneller als Jungs«, erlebt der preisgekrönte Karatemeister in seinen Kursen. Nicht selten unterschätzen sie ihre Kraft. »Ich mache ihnen klar, dass sie keine Riesinnen sein müssen.« Angefangen hat Alonzo Mention mit Boxen. Um seine Beinarbeit zu verbessern, bekam er den Tipp, Karate zu trainieren. Er musste sich entscheiden – und hat seine Wahl nie bereut. Heute nimmt der geduldige Trainer nicht nur KarateKids unter seine Fittiche. »Meine älteste Teilnehmerin war 75 Jahre alt«, erzählt Mention stolz. Denn Karate boomt. Der Deutsche Karateverband verzeichnet inzwischen immer mehr Anfänger im fortgeschrittenen Alter. Luitgard Koch Sie kennen ein IG-BCE-Mitglied mit außergewöhnlichem Hobby? Dann schreiben Sie uns: kompakt@igbce.de


Tendenzen Arbeitswelt

Der Druck nimmt zu

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Stress und Termin-

druck machen inzwischen jedem zweiten Beschäftigten zu schaffen. Das geht aus dem aktuellen »Stressreport 2012« der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hervor.

Foto: Dennis Börsch

kompakt | März 2013 | 31


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TENDENZEN Arbeitswelt

Leer und ausgeb  B

esonders das Multitasking, also das Erledigen mehrerer Aufgaben gleichzeitig, macht 58 Prozent der rund 20 000 Befragten zu schaffen. Aber auch Monotonie und Isolation im Job – etwa bei Band- und Lagerarbeitern – sind laut dem Report große Stressfaktoren. Jeder Vierte lasse zudem häufig mal die Pause ausfallen. Dies tun besonders häufig diejenigen, die mehr als 48 Wochenstunden arbeiten.

Der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften wollen gegensteuern und sich für »Gute Arbeit« einsetzen (siehe auch gutearbeit.igbce.de). Aber die geplante Unterzeichnung einer gemeinsamen »Erklärung zur psychischen Gesundheit bei der Arbeit« von Bundesarbeitsministerium, Arbeitgeberverbänden und DGB ist an der Blockade der Arbeitgeber gescheitert. »Leistungsverdichtung und Stress am Arbeitsplatz haben mittlerwei-

63 %

der Be schäft haben igten den Ein d r u ck, das in den s sie vergan genen Jahren immer mehr

in der g leichen Zeit schaff

le jede Berufsgruppe erreicht – von den Büroangestellten bis zu den Schichtarbeitern«, sagt Michael Vassiliadis, Vorsitzender der IG BCE. Die Ergebnisse des Stressreports und auch die aktuelle Umfrage des DGB-Index Gute Arbeit zeigten, wie groß der Handlungsbedarf sei. »Die IG BCE fordert deshalb, die Betriebsräte mit einem neuen Initiativrecht auszustatten, das ihnen ermöglicht, Gute Arbeit in den Un-

44 %

aller Beschäftigten fühlen sich nach der Arbeit oft oder sehr häufig

AUSGEBRANNT Quelle: DGB-INDEX Gute Arbeit

en müs sen

Foto: Dennis Börsch

Quelle : Stres s-Repo rt

»

Stimmen aus der Arbeitswelt

Wer zu schnell fährt wird geblitzt

und bestraft, aber wer zu lange arbeitet verletzt auch ein Gesetz, ohne dass es zu Konsequenzen führt. Wo bleibt der Gesetzgeber? Man kann nicht ein Gesetz zum Arbeitnehmerschutz machen und dann die Arbeitnehmer alleine lassen.

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Mein Alltag sieht so aus: Ich bin von 08:00 bis 20:00 Uhr im Büro, jeden Tag. Das sind nach Abzug der Mittagspause 11 Stunden, macht in der Woche 55 Stunden. Bezahlt werde ich für 39,5 Stunden, für den Rest nicht. Dazu kommt oft noch Wochenendarbeit. Im Laufe des Jahres sammelt sich eine dreistellige Zahl an Überstunden. Interessieren tut das niemanden. Ich könnte »ja klagen«. Dass ich nicht lache . . . Das ist Arbeiten in Deutschland.


rannt

43 % der Be rufstät klagen igen über w achsen den

ternehmen zum Thema zu machen«, fordert Vassiliadis. »Für Arbeitsbedingungen, die auf die maximale Verwertung der Arbeitskraft ausgerichtet sind – vielfach ohne Rücksicht auf die natürlichen Grenzen der menschlichen Schaffenskraft, sollten im Betriebsverfassungsgesetz neue Instrumente geschaffen werden.« red

Stress Quelle : Stres s-Repo rt

www.dgb-index-gute-arbeit.de

auf erweile l t t i m ind leben s s t i e b r im A

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n e g e i t s ge h c i l r h jä : DGB Quelle

Es ist zwar schön, dass die Medien

Der Arbeitnehmer ist eine

über den Druck am Arbeitsplatz berichten. Ich habe leider die Sorge, dass das Thema schnell wieder in Vergessenheit gerät. Das war in der Vergangenheit nicht anders.

Ressource. So wird er von den Unternehmen gesehen. Er soll seine Arbeit verrichten und das nach dem Maximalprinzip: In der gegebenen Zeit das Maximale erledigen. 

«

(Nutzerkommentare bei Spiegel Online, Europas größtem Nachrichtenportal)

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INTERVIEW Manfred Bornewasser

»Bei vielen geht die Hoffnung verloren« Manfred Bornewasser hat die psychologischen Belastungen von Leiharbeitern untersucht. Bei zahlreichen Probanden ist ihm vor allem eines begegnet: Resignation.

Sie haben in einem Projekt den zunehmenden Einsatz von Leiharbeit im verarbeitenden Gewerbe erforscht. Welche Ziele haben Sie damit verfolgt? In unserer Studie »Flex4Work« geht es um die Flexibilisierungsmöglichkeiten von Unternehmen. Wir wollten wissen, welche Motive Unternehmen haben, Zeitarbeitnehmer einzusetzen, welchen Bedarf an Zeitarbeit sie haben und wie sich diese Beschäftigungsform auf die Arbeitnehmer auswirkt, wo Konfliktfelder sind und wie es mit der Belastung von Zeitarbeitnehmern aussieht. Wir haben Befragungen und Fallanalysen in verschiedenen Unternehmen, vor allem im Bereich des produzierenden Gewerbes durchgeführt. Jetzt bringen wir die Ergebnisse in die öffentliche Diskussion.

Welche Probleme und Belastungen ergeben sich aus Leiharbeit für die Arbeitnehmer? Die Arbeitnehmer haben eine Vollzeitbeschäftigung bei einem Personaldienstleister, werden von diesem aber immer wieder für unterschiedlich lange Zeiträume an ein Unternehmen überlassen. Daraus resultiert eine psychologisch schwierige Dreiecksbeziehung, die sich zum Beispiel auf die Bindung auswirkt. Die Bindung an das Kundenunternehmen, in dem Zeitarbeitnehmer arbeiten, ist geringer als bei der Stammbelegschaft. Zeitarbeitnehmer sind auch weniger an den Personaldienstleister gebunden, mit dem sie einen Arbeitsvertrag haben. Häufiger Arbeitsplatzwechsel kann zur Belastung werden. Vor allem für gering Qualifizierte, die aus der Arbeitslosigkeit kommen, bedeutet er Unsicherheit. Viele hoffen auf Übernahme durch den Entleiher. Diese Hoffnung aber erfüllt sich in der Mehrzahl der Fälle nicht; übernommen werden nach meiner Einschätzung nur etwa sieben bis 15 Prozent der 34 | kompakt | März 2013

Zeitarbeitnehmer. Aber Achtung: Zeitarbeit kann sehr unterschiedlich ausfallen und bewertet werden. Es gibt auch Arbeitnehmer, die sie für sich sehr positiv bewerten.

Was bedeutet es, »Diener zweier Herren« zu sein? Das Dreiecksverhältnis Personaldienstleister – Kundenunternehmen – Arbeitnehmer ist das Kernproblem. Es ist viel schwieriger, etwas transparent auszuhandeln. Arbeitnehmer erleben es so, dass »die da oben« über sie verhandeln und sie selbst keinen Einfluss darauf haben. Für die Zahlung der neuen Branchenzuschläge muss ja beispielsweise nun die Einstufung neu ausgehandelt werden, das kann zu Differenzen führen (Anmerkung der Redaktion: Die IG BCE hat 2012 Tarifverträge mit dem Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister [BAP] und dem Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen [IGZ] für die chemische Industrie sowie für die Branchen Kunststoff und Kautschuk abgeschlossen. In der Endstufe der Tariftabellen erreichen die Leiharbeitnehmer zwischen 85 und 90 Prozent der Entgelte der Stammbelegschaft.). Schwierig ist auch, dass nicht der Personaldienstleister, sondern der Chef des Kundenunternehmens das Weisungsrecht hat. Zeitarbeit ist in vielen Fällen einfache Tätigkeit, die ganz generell mit Status- und Kontrolldefiziten verbunden ist. Viele gering qualifizierte Zeitarbeitnehmer fühlen sich als Arbeiter zweiter Klasse, die keinerlei Verhandlungsmacht besitzen.

Sind Leiharbeitnehmer häufiger krank als Festangestellte in einer Stammbelegschaft? Eher im Gegenteil – Zeitarbeiter melden sich weniger krank als andere, sie wollen Präsenz zeigen, einen guten


140 Stamm- und Leiharbeiter hat Manfred Bornewasser in seiner Studie befragt. Er fordert von den Unternehmen, ihr Geschäftsmodell mit der Zeitarbeit zu überdenken.

Eindruck machen, um übernommen zu werden. Wenn es dann mit der Übernahme trotzdem nicht klappt, tritt oft Resignation ein.

Unterscheidet sich die Einstellung zur Arbeit? Es gibt oft anfangs ein übermäßig starkes Engagement, ein sogenanntes »Over-Commitment«, dann eine Phase, in der die Hoffnung verloren geht, bis sich eine Art Mitte einspielt. Auch die unterschiedliche Bezahlung beeinflusst die Einstellung zur Arbeit. Stammarbeiter haben ja oft in der Vergangenheit Zulagen erworben, die Zeitarbeiter nicht bekommen. Die Branchenzuschläge jetzt bringen vermutlich einen gewaltigen Unterschied, aber im Detail ist »equal pay for equal work« oft schwer umzusetzen. Da kann Unterstützung wichtig sein. Die Frage ist, wie es weitergeht – werden Unternehmen die Zeitarbeiter nicht mehr so lange einstellen, werden sie Leute einsparen? Auf Werkverträge ausweichen?

Zur Person Manfred Bornewasser (64) ist seit 1996 Professor für Arbeits- und Organisationsund Sozialpsychologie an der Universität in Greifswald. Mit dem Forschungsprojekt »Flex4Work« hat er im Zeitraum von 2009 bis 2012 die psychologischen Probleme und Belastungen von Zeitarbeitnehmern untersucht.

Foto: Jens Koehler/bildermeer.com

Was sollten Unternehmen Ihrer Meinung nach tun? Sie sollten ihr Geschäftsmodell überprüfen. Variable Auftragslagen kann man auch mit traditionellem Arbeitszeitmanagement wie Überstunden, zusätzliche Schichten und Langzeitkonten bewältigen, darauf hat die IG BCE ja mehrfach hingewiesen. Unternehmen könnten auch prüfen, ob sie Aufträge verschieben können. Sie könnten Partnerschaften mit anderen Unternehmen bilden und dann wie in einem Arbeitgeberzusammenschluss Arbeitnehmer an andere abgeben, wenn sie sie selbst nicht brauchen. Solche Poolbildungen gibt es ja auch innerhalb von Unternehmen. Denkbar wären strategische Partnerschaften mit Personaldienstleistern, um mehr Sicherheit und Konstanz zu bekommen, sodass Arbeitnehmer vielleicht in zwei oder drei, aber nicht in 15 verschiedenen Unternehmen eingesetzt werden. Einen generellen Verzicht auf Zeitarbeit halte ich nicht für wahrscheinlich, weil einzelne Firmen immer wieder mit erheblichen Auftragsschwankungen rechnen müssen. Dabei geht es nicht um Kostensenkung, sondern um Flexibilität. Interview: Sigrid Thomsen

Ein großes Online-Spezial mit Porträts von Leiharbeitern, einem Interview mit einem Betriebsratsvorsitzenden zum Einsatz von Zeitarbeit im Betrieb, Informationen und einen Bericht zum Missbrauch von Werkverträgen sowie Positionen und Forderungen der IG BCE finden Sie ab 1. März auf: www.igbce.de kompakt | März 2013 | 35


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TIPPS sexuelle belästigung

Nicht anfassen! W

ieder einmal wird öffentlich die ILO-Experten, dass die Quote mit darüber diskutiert, dass, was der Weltwirtschaftskrise und der AusMann witzig, mindestens aber breitung prekärer Beschäftigung noch harmlos findet, für Frau im Zweifelsfall gestiegen ist. Die vom Bundesfrauengar nicht zum Lachen ist, sondern sie in ministerium herausgegebene sogenannihrer Privatsphäre, Intimität und Sexua- te Dortmunder Studie kam Ende der lität angreift. Und wieder einmal wird 80er-Jahre zu einem noch alarmierendeutlich, dass solche Fälle keine Aus- deren Ergebnis: Demzufolge wurden nahmen bilden. 72 Prozent der 4000 befragten Frauen an Denn für viele ihrem Arbeitsplatz schon Frauen ist sexuelle »Die Arbeitgeber müssen einmal sexuell belästigt. Belästigung Be- mehr Verantwortung Für Sibylle Ruschmeier standteil ihres (Be- übernehmen. vom Notruf für vergewalrufs-)Alltages und Das wäre ein gutes Signal.« tigte Frauen in Hamburg ein ernsthaftes Pro- Sibylle Ruschmeier, Soziologin sind diese Zahlen beblem: »Es geht in zeichnend für ein geselldieser Diskussion nicht um Prüderie schaftliches Klima, in dem berufstätige oder den aktuellen Fall, sondern um Frauen immer noch geringer wertgeMacht und Machtverhältnisse«, sagt schätzt werden und in dem die Männer Edeltraud Glänzer, Mitglied des ge- es gewohnt sind, Frauen gegenüber ihre schäftsführenden Hauptvorstands der Überlegenheit zu demonstrieren: »SexuIG BCE. «Das macht die Debatte so sinn- elle Belästigung am Arbeitsplatz wird voll und wichtig. Die ungeschriebenen gezielt als Mittel zur Diskriminierung, Regeln im Geschlechterverhältnis haben Demütigung und Machtausübung eingesich verändert und werden sich weiter setzt«, sagt die Soziologin und Gestaltverändern.« Das beweist die aktuelle Dis- therapeutin. »Sie dient den Männern dakussion – sie zeigt jedoch auch, dass zu, die eigene Vorrangstellung zu sichern und den Selbstwert zu stabilisieren.« nach wie vor Handlungsbedarf besteht. Zwischen 40 und 50 Prozent der Frauen Die Frauen, die Sibylle Ruschmeier europaweit haben Erfahrung mit sexuel- und ihre Kolleginnen zwecks Rat und ler Belästigung am Arbeitsplatz, nimmt Unterstützung aufsuchen, haben mit die Internationale Arbeitsorganisation jeglicher Form sexueller Übergriffe ErILO an – wobei junge, finanziell ab- fahrung gemacht. Aus den Gesprächen hängige, ledige oder geschiedene Frauen mit ihnen hat Ruschmeier insbesondere und Einwanderinnen als besonders un- eine Erkenntnis gewonnen: »Die Arbeitgeschützt gelten. Außerdem vermuten geber müssen mehr Verantwortung über-

nehmen. Sie sollten mehr über das Thema wissen und den Frauen gegenüber deutlich machen: ›Wir unterstützen euch und schützen eure Rechte.‹ Das wäre ein gutes Signal.« Die gegenwärtige Debatte sei zwar gut, notwendig sei jedoch auch, die Unternehmenskultur und das Bewusstsein der Verantwortlichen im Betrieb zu verändern. »Damit Frauen sich trauen, über sexuelle Übergriffe zu sprechen.« Das ist schon schwer genug – aus Angst vor Ächtung durch die Kollegen, Jobverlust oder den Gegenvorwürfen des Belästigers. Besonders verhängnisvoll ist die Situation für die Betroffene, wenn der eigene Vorgesetzte der Belästiger ist: »Aber auch dann ist es gut, sich zu wehren und sich dafür Hilfe und Unterstützung zu holen«. Rechtliche Hilfe bietet das Allgemeine Gleichstellungsgesetz (AGG). In Paragraf 3 definiert es, was unter sexueller Belästigung zu verstehen ist und formuliert das Recht, sich bei sexueller Belästigung im Zusammenhang mit der Arbeit bei den zuständigen Stellen des Betriebes oder der Dienststelle zu beschweren. Julia Osterwald

So erkennen sie sexuelle Belästigung  Jemand lässt keine Gelegenheit aus, Sie zu berühren, legt scheinbar zufällig seine Hand auf Ihre, drängt sich in der Kantinenschlange an Sie oder massiert Ihnen ungefragt den Nacken.  Wer Ihnen auf den Ausschnitt starrt, belästigt Sie.

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 Aufforderungen zum Sex sind deutlichster Ausdruck sexueller Belästigung. Auch, wenn der, der das Angebot macht, hinterher behauptet, Sie hätten es doch wahrscheinlich reizvoll gefunden, gilt: Der Arbeitsplatz ist nicht der geeignete Ort für ein solches Angebot und das Thema Sex dort im Zweifelsfall immer unerwünscht.

 Bei sexuellen Anspielungen oder den sogenannten Herrenwitzen ist die Sache komplizierter. Wenn Sie die Frage unter Druck setzt oder Ihnen die Situation sehr unangenehm ist, müssen Sie sie nicht aushalten. Dann ist die Grenze zu sexueller Belästigung fließend. Entscheiden sollten Sie nach Ihrem Bauchgefühl.


§

So gehen sie mit sexueller belästigung um

 Nehmen Sie Ihre Empfindungen ernst. Sexuelle Belästigung ist kein Kavaliersdelikt!

jede zweite frau wurde an ihrem Arbeits-

platz schon einmal sexuell belästigt, Sexismus ist ein weit verbreitetes Phänomen. Doch es geht nicht allein um Belästigung, sondern auch um die Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern.

 Geben Sie dem Täter ein klares »Nein« zu verstehen. Fordern Sie ihn kurz und so konkret wie möglich auf, den Übergriff zu unterlassen: »Lassen Sie das Tätscheln!« ist besser als »Hören Sie damit auf!«.  Verschaffen Sie sich Zeugen: Ein lautes, im Beisein anderer ausgerufenes »Dieser Mann hat mir an den Po gefasst.« kann den Grapscher an einer Wiederholung hindern.

 Reicht das nicht, drohen Sie damit (zur Not schriftlich), sich zu beschweren und den Vorfall öffentlich zu machen. Bleiben Sie dabei sachlich und detailliert und zeigen Sie die Konsequenzen auf, sollte sich die Belästigung wiederholen.  Notieren Sie sich die Vorfälle. Die Aufzeichnungen können Sie mit einer eidesstattlichen Erklärung bei einem Rechtsanwalt für eine spätere Beschwerde hinterlegen.

 Hängt ein Nacktkalender am Arbeitsplatz, kommt es auf den Zusammenhang an: In einer Werkstatt, in der nur Männer arbeiten, wirkt er sicherlich weniger provokant, als wenn er so aufgehängt ist, dass Sie als Frau direkt darauf gucken müssen. Letzteres ist eine Form der Belästigung.

Foto: Image Source/Getty Images/Image Source

 Informieren Sie Ihren Arbeitgeber und/oder den Betriebsrat. Schalten Sie auch Ihren Chef ein.  Als Kollege oder Kollegin, die Zeuge einer solchen Situation werden: Reagieren Sie, zeigen Sie Zivilcourage, ergreifen Sie für die Belästigte Partei.  Als Arbeitgeber nehmen Sie den Vorwurf einer Mitarbeiterin ernst, unterstützen Sie sie und geben Sie ihr Rückendeckung. hier finden Sie Hilfe

www.frauen-gegen-gewalt.de www.bmfsfj.de.de www.arbeitsratgeber.com www.gesetze-im-internet.de www.antidiskriminierungsstelle.de

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Tipps krank zur arbeit

Foto: picture-alliance/dpa

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Wer krank zur Arbeit geht, gefährdet nicht nur seine Gesundheit, sondern auch die seiner Kollegen.

Trotz Schnupfnase schuften gehen? arbeiten trotz krankheit? Für viele Arbeitnehmer ist das nicht ungewöhnlich. Um jeden

Preis sollte sich aber niemand krank zur Arbeit schleppen. Im eigenen Sinne und in dem der Kollegen. kompakt fasst zusammen, was Beschäftigte beachten sollten.

D

er Kopf brummt, dazu kommen Fieberschübe, Schüttelfrost und Hustenanfälle. Der Arzt hat empfohlen, das Bett zu hüten. Aber nun hat der Chef angerufen und gesagt, dass alles im Betrieb drunter und drüber gehe. Den Kollegen würde das Wasser bis zum Hals stehen und das neue Projekt drohe zu kippen. Eigentlich ist man noch nicht wieder gesund genug zum

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Arbeiten, will aber einen guten Eindruck machen. Also Hustensaft und Tabletten geschluckt und los geht’s – ab zur Arbeit. Irgendwie wird es schon gehen . . . Pflichtgefühl und Arbeitseifer, die steigende Verantwortung in kleineren Teams, erhöhte Anforderungen an die Unternehmen, Kürzungen, die Wirtschaftskrise, häufig die Sorge um den

Job: Unterschiedlichste Gründe lassen Millionen von Beschäftigten jedes Jahr trotz Krankschreibung am Arbeitsplatz erscheinen. Rund ein Drittel sogar gegen den ausdrücklichen Rat des Arztes. Dieses Phänomen ist mittlerweile so verbreitet, dass es sogar schon einen eigenen Fachbegriff hat: »Präsentismus« lautet er. Doch darf man eigentlich zur Arbeit gehen, wenn der Arzt eine Krank-


Wenn Sie sich gar nicht fühlen und der Arzt Ihnen attestiert, dass Sie ansteckend sind: Bleiben Sie lieber zuhause.

schreibung ausgestellt hat? Die Antwort ist schnell gegeben: Ja, man darf. Aus Sicht der gesetzlichen Krankenkassen »ist eine vorzeitige Arbeitsaufnahme jederzeit möglich«, sagt Wolfgang Buschfort, Pressesprecher der Knappschaft Krankenkasse. »Eine Absprache mit dem Arzt oder eine besondere Bescheinigung sind dafür nicht erforderlich. Der Arbeitnehmer ist letztendlich selbst für seinen Gesundheitszustand verantwortlich.« Die Krankschreibung beinhalte nur eine Prognose über die voraussichtliche Dauer der Erkrankung. Sie bedeute keinesfalls ein Beschäftigungsverbot. Die sogenannte Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU-Bescheinigung), umgangssprachlich auch »Gelber Schein« genannt, muss also nicht zwingend voll ausgeschöpft werden. Das sieht auch Fenimore von Bredow, Fachanwalt für Arbeitsrecht, so: »Ärzte können nicht beurteilen, ob jemand gesund ist. Sie können lediglich beurteilen, ob er krank ist«, sagt der Arbeitsrechtsexperte. Es sei also keinem untersagt, dass er vor Ablauf der Krankschreibung wieder arbeiten geht – außer, es besteht eine hochinfektiöse Krankheit. »Sobald man sich selber wieder arbeitsfähig fühlt, ist man auch arbeitsfähig«, sagt der Anwalt. »Der Versicherungsschutz besteht weiterhin fort. Dies gilt auch dann, wenn sich der Gesundheitszustand anschließend wieder verschlechtern sollte.« So oder so ist natürlich jeder für sich verantwortlich: Wer sich nach Ablauf der

Krankschreibung noch nicht wieder gesund fühlt, geht deshalb am besten erneut zum Arzt. Bei einer vorzeitigen Arbeitsaufnahme rät Fenimore von Bredow, die Chefs vorab zu informieren. Sollte es dann auf dem Weg zur Arbeit zu einem Unfall kommen, sei sichergestellt, dass es sich um einen sogenannten Wegeunfall handelt, der von der gesetzlichen Unfallversicherung abgedeckt ist. »Kommt es hingegen auf der Arbeit zu einem Unfall, braucht sich der Arbeitnehmer wegen seines Versicherungsschutzes keine Sorgen zu machen.« Er besteht mit der Arbeitsaufnahme automatisch wieder.

. . . und vor allem anderen gilt: Kurieren Sie sich richtig aus!

Hier gibt’s Rat und Hilfe Damit Sie gesund bleiben, sollten Sie ein paar Ratschläge befolgen: www.knappschaft.de www.erkältung.de http://bit.ly/WTfwLL.de

Für ein gesundes Klima am Arbeitsplatz sorgt der »Präsentismus« hingegen nicht unbedingt: Wer sich zur Arbeit schleppt, obwohl der Arzt ihn krankgeschrieben hat, tut weder sich noch dem Betrieb einen Gefallen. Statistisch gesehen werden solche Arbeitnehmer längerfristig häufiger krank. Ärzte sprechen vom Raubbau am eigenen Körper, oft erhöht ein solcher Umgang mit Kräften und Gesundheit das Risiko eines Burn-outs. Schon wer einen kleinen Infekt zu lange ignoriert, riskiert bedrohliche Folgeerkrankungen, die sich durch ausreichende Erholung vermeiden ließen. Nicht alle Krankheiten sind in diesem Zusammenhang natürlich gleich riskant. Erscheint man etwa mit verstauchtem Fuß an seinem Arbeitsplatz, ist das weniger problematisch als mit einer Grippe auf engstem Raum – sowohl für die eigene Gesundheit als auch für die der Mitmenschen. Nicht selten sorgen diese kranken Arbeitnehmer erst recht für Engpässe im Büro oder in der Werkhalle. Denn oft fallen bald auch

Wer trotz Erkältung arbeiten geht, sollte ein paar Regeln beachten:  Niesen oder husten Sie nicht in die Hand, sondern in die Armbeuge. Vor allem aber: Husten Sie niemanden direkt an.  Waschen Sie sich regelmäßig die Hände.  Lüften Sie in regelmäßigen Abständen das Büro beziehungsweise den Arbeitsraum.  Halten Sie beim Naseputzen einen »Sicherheitsabstand«.  Verzichten Sie bei Begrüßung und Verabschiedung darauf, anderen die Hände zu schütteln.  Auch, wenn die Arbeit nicht enden zu wollen scheint: Teilen Sie Ihre Kräfte ein. Powern Sie sich nicht aus, sondern lassen Sie lieber etwas für den nächsten oder übernächsten Tag liegen.  Machen Sie kleine Pausen, damit sich ihr Körper wenigstens kurz erholen kann.

die angesteckten Kollegen aus – MagenDarm-Erkrankungen und hochansteckende Grippeviren legen nicht selten auf einen Schlag die restliche Belegschaft lahm. Bedenken sind auch geboten, wenn noch während der Krankschreibung ein Urlaub ansteht. Zwar spielen Urlaubsziel und Art und Grad der Erkrankung eine Rolle, generell gilt jedoch: Es ist alles verboten, was die Genesung verzögert oder verhindert. Auf keinen Fall aber sollte man ohne Erlaubnis fahren. Dem muss immer erst der zustimmen, der während der Erkrankung den Lohn weiterzahlt: Sind noch keine sechs Wochen seit der Krankschreibung vergangen, ist der Arbeitgeber zuständig. Später muss bei der Krankenkasse nachgefragt werden.

Katrin Schreiter kompakt | März 2013 | 39


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Rätsel öliges Fischfett Bestenauslese

Niederschlagsform

Dorf

Schonkost

Alpenvorland Erzgang im Gestein

munter, lebhaft

zweistellige Primzahl

südital. Hafenstadt

Nutztier

Stern im „Adler“ Hülsenfrucht

Edelmetallart RivieraSeebad

3

Runddorf afr. Stämme Weltkinderhilfswerk

16 relativ (Abk.)

Dotter

5

vollbrachte Handlung nein (frz.)

vermuten

8

eth. Begriff Kommunikationsgerät (Abk.)

Nordtier

sprunghaft, unbeständig

das Für

Strom in Sibirien

dt. Autor † (Michael) Autokz. v. Osnabrück Inbegriff des Schönen

7

Brauereibehälter Witwe bei W. Busch

9 Teil der Tretkurbel am Fahrrad Honigwein Medienrummel

10

Farbe großer Blätterpilz

Elan, Schwung Baumwollhose

15

überaus, in hohem Maße

14

Teil des Dramas

Stadt am Niederrhein

ungelenk

17

Korb zum Fischfang Spielklasse im Sport

Kosename des Vaters Hauptstadt v. Mallorca

6

unverheiratet

schneller Zug (Abk.) Mann als Aufsicht

1 Ausleger, Interpret

Zugmaschine (Kzw.) Rettich (süddt.)

ein Stockwerk (Abk.) Hochsprungutensil

Tier als deutsches Hoheitszeichen Europäer im Baltikum eintönig

4

engl. Bier

40 | kompakt | März 2013

Autokz. v. Aalen Rheinzufluss

13

israel. Satiriker und Journalist † (Ephraim)

2

Fachgeschäft für Kosmetik

großer Baumbestand

4

Seemannsruf

Segelquerstange Gewerkschaft (Abk.)

norddt.: kleines, vorlautes Mädchen

Weinernte

Dt. FußballBund (Abk.) Ausschmückung (ugs.)

weiblicher Naturgeist Autokz. v. Erding

12

Körperteil

Sorte, Gattung Teil des Fußes

plötzlicher Einfall Leuchtdiode (Abk.)

eig. Staatsgebiet

3

11

Augenwassertropfen

Teil an der Uniform ledige Frau (engl.)

2

Landschaftsform

Begleitmannschaft Schimpfwort

nordruss. Strom amerikaGericht aus nischer Indianer Wurstbrühe

1

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In diesem Monat erhalten zehn Gewinner unseres Preisrätsels einen Hochdruckreiniger eco!ogic von Kärcher, inklusive Flächenreiniger, verschiedenen Aufsätzen und Universalreiniger. Das Gerät beseitigt starken Schmutz ebenso wie leichte Verschmutzungen mit weniger Wasser und Strom dank eco-Stufe. Auf 40 weitere Gewinner wartet eine Frischzellenkur für die grauen Helfer: eine CD-Rom sowie ein Sportdrink »Gehirn-Jogging« in einer chicen schwarzen Box.

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Bindewort

mittelschnelle Pferdegangart

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Glück & Glosse

Preisrätsel Im Preisrätsel wird in diesem Monat ein Begriff gesucht, der die gerechte Verteilung von Zugangs- und Lebenschancen bezeichnet. Bitte die Lösung auf eine Postkarte schreiben und einsenden an: kompakt-Redaktion, Postfach 39 45, 30039 Hannover oder per Mail an: kompakt.preisraetsel@igbce.de — bitte die Adresse mit angeben. Einsendeschluss ist der 13. März 2013 (Datum des Poststempels ist maßgebend). Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Die Gewinner

Je eine formschöne und farbenfrohe Espressotasse der Firma Rosenthal erhalten: Theo Wiewel, Mülheim; Werner Beck, Konstanz; Karl Haupt, Bremen; Inge Koch, Ratingen; Franz Rombach, TitiseeNeustadt; Bernd Hackenberg, Wuppertal; Doris Bussenius, Magdeburg; Sigrid Bach, Bad Hersfeld; Anette Linke, Heidelberg; Werner Weber, Burscheid; Hans-Dieter Holzky, Sehnde; Brigitte Lang, Mannheim; Wolfgang Buttler, Cuxhaven; Eva-Maria Beese, Halle; Klaus Gothe, Frankfurt; Hubert Voigt, Leverkusen; Friedrich Kendt, Bochum; Rudolf Golla, Stuttgart; Arnold Großer, Emmerting; Josef Staffa, Merseburg; Wolfgang Kron, Mainz; Petra Rathjen, Bremervörde; Kai Wabnitz, Seesen; Klaus Ulrich, Ludwigshafen; Istvan Nagy, Osnabrück; Helga Boss, Nürnberg; Katharina Nölting-Boyabatlioglu, Darmstadt; Andrea Katzmarski, Schwedt; Martin Schramm, Spechbach; Klaus Hartmann, Dresden; Reinhard Kotschenreuther, Gelsenkirchen; Dragutin Sklepic, Hamburg; Dietmar Förster, Sonneberg; Maria Kraus, Leverkusen; Doris Senger, KarlsdorfNeuthard; Regina Hoffmann, Görlitz; Uwe Nöll, Weilburg; Gerd Brake, Wiesbaden; Karl-Ludwig Zahn, Trostberg; Hans-Jürgen Haase, Köln. Lösung Februar 2013: Arbeitnehmerrechte S C L N E V R E I R N E A S P S A D I O R P A O R S T S E G E A R

S H U M E E U N Z D E G E L E T O T E A N T I A L M S L O T E M A E T E N U L T R T A E N A R S N O K E E B R S P E E S

E Y I M L E R A U S R E I G E G L H G G E L E R A R A S A U M

N A I A N L S A N N E U E U P L A O P E C Z E B R A

F E D E R E R

R D G O I S E G L R I A A M C M A H I E M E A R I E R G I S O

P N I N D L O R E S T T A K A E R A T T T C H E

O H E B I T E E R D E T N E E U E M I

T A F E L N

I S E R E

E N T E

N A E S O S A F T F I A E N G R E T O N E S T M I L A N I N R E H A E E U A R L L L E K E R

@Lappan-Verlag, Gerhard Glück

Cartoon

Bei der Verlosung der Preise unter den Einsendern richtiger Lösungen fielen die zehn Hauptgewinne – das Musical »Rocky« für zwei Personen, inklusive Übernachtung im Hotel Maritim Hamburg und einem kleinen Imbiss – an: Helmut Loth, Espenhain; Klaus Möller, Stade; Sören Ave, Haltern am See; Susanne Suchoruk, Aschaffenburg; Edwin Roth, Großchönach; Helmut Henzold, Borken; Martin Weißlein, Alesheim; Katja Voigt, Magdeburg; Pablo Hartung, Philippsthal; Andre Lichtenberg, Neuburg.

Kalle Begert bei seinem Anti-Flugangst-Training.

Grimms Märchen

F

orscher haben herausgefunden: Die Deutschen haben mehr Angst vor Pickeln als vor Vulkanausbrüchen. Das liegt nahe. Denn während Pickel dicht dran sind, sind Vulkane weit weg. Der Pickel ist quasi der Vesuv des kleinen Mannes – beziehungsweise der Popocatépickel. Überhaupt haben die Deutschen vor merkwürdigen Dingen Angst. Bei Frauen steht ganz oben die Sorge, dass ihre Männer die Winterreifen nicht rechtzeitig wechseln. Ärzte sprechen von »Pneumaticophobie«. Bei Männern dagegen steht ganz oben die Sorge, dass ihre Frauen sie dauernd nerven, die Winterreifen zu wechseln. Man nennt diese Angst »Xanthippophobie«. Für Männer gilt der alte Spruch: Wenn ein Mann sagt, er erledigt das, dann erledigt er das – man muss ihn nicht alle sechs Monate daran erinnern.

In Jahren ohne Olympia und FußballWM greifen weitere Ängste das ohnehin labile Nervenkostüm des hominiden Männchens an. Was tun zwischen März und Oktober? Soll man gleich durchgrillen? Sich ein Hobby suchen? Pickel ausdrücken? Täglich die Winterreifen wechseln? Frauen teilen diese Sorge nicht. Ihnen genügt es in der Regel, den Sommer in leicht gebückter Haltung im Garten zu verbringen, Unkraut zu zupfen und ab und zu in der »Landlust« zu blättern, um zu sehen, ob es in der Rosenzüchterszene neue, krasse Mulch-Trends gibt. Die größte Angst von Angstforschern dagegen ist natürlich, dass alle Menschen glücklich sind. Die Horrorvorstellung von universeller Zufriedenheit reißt sie nachts schweißgebadet aus ihren Fieberträumen. Bis ihre Frau ihnen zuflüstert: »Du hast nur geträumt, du musst keine Angst haben.« Schönen Frühling! Imre Grimm

Lösung: ARBEITNEHMERRECHTE

kompakt | März 2013 | 41


Mein Arbeitsplatz

Foto: Benjamin Doerr

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Martin Disch (23) ist Industriekeramiker bei Duravit.

Keramikschlicker statt Teig

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Waschbecken produzieren? Habe ich gelernt. Neue Waschbecken entwickeln? Habe ich auch gelernt, denn ich habe zwei Industriekeramiker-Abschlüsse. Bei dem mit Schwerpunkt Verfahrenstechnik habe ich die Serienproduktion von Sanitärkeramik erlernt, also Waschtische, Toilettensitze

Fall Keramikschlicker ist. Das Geschehen im Brennofen, durch den die Mutterform muss, ist hochkomplex. Denn bei etwa 1280 Grad Celsius schwindet die Keramikmasse, die Form verzieht sich. Dann ragt der linke Rand des Waschbeckens plötzlich weiter hinaus als der rechte. Wenn ich da nicht aufpas-

»Über die Auszeichnung zum landesweit besten Azubi habe ich mich echt gefreut.« oder Urinale. Der Abschluss für Modelltechnik befähigt mich, neue Produkte zu entwickeln und zu modellieren. Jetzt entwickele ich aus Gips sogenannte Mutterformen, also Arbeitsformen, in die später die Keramik gegossen wird. Einfach ausgedrückt: Ich stelle eine Backform her, in die ein Kuchenteig kommt. Nur dass der Teig in meinem 42 | kompakt | März 2013

se, überträgt sich dieser Fehler auf die gesamte spätere Serie. Also beseitige ich solche »Deformationen« – ganz handmännisch mit Zirkel, Messer, MessSchieber und Hobelblatt. Natürlich immer mit der Überlegung, dass sich im Anschluss alles noch serienreif produzieren lassen muss. Es gibt viele verschiedene Formen, Artikel-Num-

mern und unzählige Maße. Die muss ich alle drauf haben – eine ziemliche Herausforderung. Laut IHK schaffe ich das aber offenbar gut: Über deren Auszeichnung zum landesweit besten Azubi meines Ausbildungsberufes habe ich mich echt gefreut. Ich kann von der Arbeit ruhigen Gewissens auch mal abschalten, beispielsweise als ehrenamtlicher SkisprungTrainer. Mit Kindern zu arbeiten macht mir genauso viel Spaß wie meine frühere Tätigkeit in der JAV.

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Aufgezeichnet von Axel Stefan Sonntag

Industriekeramiker Modelltechnik fertigen Modelle und Formen aus Gips, Kunststoff oder Metall für die Produktion von keramischen Gegenständen. Mehr unter: www.ihk-berlin.de


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Ihr Reiseverlauf

Inklusivleistungen pro Person

Tag Reiseverlauf/Schiffsroute 1

2 3

An

Ab

Passau (Deutschland), Einschiffung ab 14:30 Uhr

15:30

Schlögener Schlinge

Passage

Donaukreuzfahrt stromabwärts

Bratislava (Slowakei)

17:30 22:30

Štúrovo (Slowakei)

08:00 11:00

Flussfahrt stromabwärts Budapest (Ungarn)

16:00

20:00

4

Budapest

5

Komarno (Slowakei)

08:00 12:00

6

Wien (Österreich)

09:00 23:00

7

Rossatz (Österreich)

08:00 08:30

Kreuzen durch die Wachau

8

• Kreuzfahrt gemäß Reiseverlauf • 7 Übernachtungen in der gebuchten Kabinenkategorie • All-Inclusive an Bord • Bahnfahrt 2. Klasse bis/ab Passau • Ein- und Ausschiffungsgebühren • Hafentaxen • Deutschsprachige Reiseleitung an Bord

Melk (Österreich)

12:30 14:00

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Weitere Kabinenkategorien und Einzelkabinen auf Anfrage buchbar. Weitere Informationen: Die Bordsprache ist deutsch. Als Zahlungsmittel werden gängige Kreditkarten (MASTER-/Visacard, EC-Karten) sowie der EURO akzeptiert. Zusatzkosten: Ausflüge (an Bord buchbar) Reisebestimmungen für deutsche Staatsangehörige: Für alle Reisen ist ein gültiger Personalausweis oder Reisepass erforderlich. Beachten Sie, dass sich die Einreisebestimmungen ständig ändern können.

Online buchen unter: www.dgb-reisen.de Änderungen vorbehalten, maßgeblich ist die Reisebestätigung, die Sie nach Buchung erhalten. Daraufhin wird eine Anzahlung von 30 % (mind. 25,– €) auf den Reisepreis fällig. Restzahlung 30 Tage vor Reiseantritt, anschließend erhalten Sie Ihre Reiseunterlagen. Reiseveranstalter: DGB-Reisen GmbH · 44137 Dortmund


IG BCE unterstützt Menschenrecht auf sauberes Wasser Wasser ist der Ursprung

allen Lebens und eines der wichtigsten Lebensmittel. Ohne Wasser können Menschen nicht leben, durch unsauberes Wasser sterben jedes Jahr Millionen.

I

m Jahr 2010 erklärten die Vereinten Nationen den Zugang zu sauberem Wasser zu einem Menschenrecht. Doch trotz dieses Sonderstatus kämpfen an vielen Orten der Erde Menschen um Wasser. Daher hat der geschäftsführende Hauptvorstand der IG BCE beschlossen, das Ziel der Europäischen Bürgerinitiative zu unterstützen, das Menschenrecht auf den Zugang zu Wasser und sanitärer Grundversorgung rechtlich zu sichern und zu verwirklichen. Mit ihren internationalen Organisationen setzt sich die IG BCE dafür ein, dass das Menschenrecht auf Wasser erfüllt wird, und empfiehlt ihren Mitgliedern, die Europäische Bürgerinitiative zu unterzeichnen.

Unterstützen auch Sie die Europäische Bürgerinitiative: http://www.right2water.eu/de


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