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Nr. 11 I November 2011 www.igbce.de

vor ort Wie die IG BCE in der Solarindustrie Tarifverträge abschließt tendenzen Wie Unternehmen versuchen, in die Köpfe der Kinder zu kommen tipps Was zu beachten ist, wenn Arbeitnehmer eine Auszeit nehmen wollen

kompakt

Das Mitgliedermagazin der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie

Macht das Leben leichter Ganz egal ob Fahrrad, Auto oder Windrad – das neue Wundermaterial heißt Carbon.


unter uns

Vom Unsinn der Eurokraten Foto: Dennis Börsch

E Christian Hülsmeier

Chefredakteur

s ist in diesen Tagen nicht immer leicht, ein Freund Europas zu sein. Man fragt sich, ob wir in Deutschland nicht doch noch irgendwann böse zur Kasse gebeten werden. Und die Zweifel wachsen, wenn man sich dann ausgerechnet auf die Zuverlässigkeit eines Silvio Berlusconi verlassen soll. Nichts gegen Italien, ein wunderbares Land mit wunderbaren Menschen. Aber wer wider besseres Wissen auf dem EU-Krisengipfel verspricht, innerhalb von nur zwei Jahren den hochdefizitären Haushalt auszugleichen, der muss sich fragen lassen, ob der eigene Hormonhaushalt noch ausgeglichen ist.

die brüsseler bürokraten tragen nicht weniger zur Europa-Skepsis

bei. In einer Zeit, wo es für den Euro und die EU ums Ganze geht, will die EU-Kommission das Warenursprungsrecht ändern. Mit dem Ergebnis, dass bald das Qualitätssiegel »Made in Germany« auf vielen Produkten fehlen würde. Entscheidend soll künftig eine maximale Zulieferquote von 45 Prozent sein, um die Nation zu bestimmen, in der die »letzte wesentliche, wirtschaftlich gerechtfertigte Be- und Verarbeitung« eines Produktes erfolgte. Alles klar? Bleibt es dabei, steht den Unternehmen eine aufwendige Berechnung der jeweiligen ausländischen Anteile am Warenwert bevor. Himmel, hat Europa uns denn nichts Besseres und Wichtigeres zu bieten? wir bleiben optimistisch: Aus vielen guten Gründen,

Fotos: Vario, Andrea Kirchberg

nachzulesen auch in dieser kompakt-Ausgabe. Etwa in der Titelgeschichte über die fantastischen Möglichkeiten von Carbon. Fotografisch in Szene gesetzt wurde diese mit Unterstützung der Internationalen Bauausstellung Hamburg, der Radsport-Spezialisten von Hacht und des BMW-Autohauses May & Oelde. Danke für die Hilfe! christian.huelsmeier@igbce.de kompakt | November 2011 | 3

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11 Standpunkt

VOR ORT

Michael Vassiliadis über die Finanzkrise.

TITEL

21–29

12 Cooler Stoff Kohlenstoff

Wenn ein Produkt besonders leicht und gleichzeitig extrem robust sein soll, greifen Hersteller immer häufiger auf den neuen Werkstoff Carbon zurück. Die kompakt-Titelgeschichte gibt einen aktuellen Überblick zu der aktuellen Werkstoffrevolution.

Auf in die Zukunft Auf dem Zukunftsforum 2011 diskutierten rund 350 Teilnehmer, wie sich die IG BCE aktuellen und zukünftigen Problemen und Diskussionen stellen sollte.

THEMEN

18 Nur für Erwachsene

Foto: Franz Bischof

Weitere Verhandlungen

TENDENZEN

31 Einen im Sinn

Als Herbert Freese bei einem Arbeitsunfall unter Tage ums Leben kam, stand seine Familie plötzlich ohne Ehemann und Vater da. Eine Stiftung half auf dem Weg zurück in den Alltag.

34 In die Köpfe der Kinder Foto: Rainer Kwiotek

UPM hält das Kaufangebot für die Papierfabrik Albbruck zwar für nicht tragfähig, ist aber zu weiteren Verhandlungen bereit. Parallel verhandeln Betriebsrat und Unternehmen über einen Interessenausgleich und Sozialplan.

Kinderfreie Hotels sind ein neuer Trend in der Reisebranche, mit dem zu allem Überfluss auch noch offensiv geworben wird. Gleichzeitig werben andere Anbieter damit, besonders familienfreundlich zu sein.

Lernmaterial erstellen längst nicht mehr nur Schulbuchverlage. Unternehmen und Verbände haben einen neuen Werbemarkt entdeckt und drängen mit Macht in die Klassenzimmer.

TIPPS

36 Auszeit zum Auftanken

Tarifabschluss in der Kautschukindustrie

Der Druck und steigende Anforderungen drohen immer mehr Arbeitnehmer krank zu machen. Doch bevor es so weit kommt, kann eine Auszeit in Form eines Sabbaticals Abhilfe leisten. kompakt erklärt, wie das geht.

Dieses Ergebnis kann sich sehen lassen: Neben einer deutlichen Entgelterhöhung hat die IG BCE auch die Ost-West-Angleichung erreicht.

»Unser Anspruch ist gute Arbeit!«

38 Mehr Kindergeld

Die deutschen Solar-Produzenten stecken in einer Krise. Die IG BCE fordert fairen Wettbewerb und gute Arbeitsbedingungen.

Ab 2012 spielt es keine Rolle mehr, wie viel Kinder verdienen. Was das konkret bedeutet? Einfach nachlesen.

Foto: Sven Doering/Agentur Focus

IMMER IM HEFT

4 | kompakt | November 2011

03 Unter uns 06 Aktuelles 08 Heims Homepage 20 Leserforum/Impressum 30 Einer von uns* 40 Rätsel 41 Glück & Glosse 42 Mein Arbeitsplatz * Die Landesbezirke Westfalen und Baden-Württemberg berichten auf dieser Seite über Jubilarehrungen. Titelbild: Martin Schlüter


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INHALT November 2011

36

31

Ratgeber Sabbatical

Eine starke Familie

12

Arbeitsplatz Produktdesigner

42

Ratgeber Kindergeld

38

Fotos: Martin Schl端ter, Nicole Strasser, Frank Rogner, Ron Chapple/GettyImages

Cooler Stoff Kohlenstoff

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Foto: Emmanuel Dunand/AFP

BILD DES MONATS

Sie wollen die Gier in der Finanzbranche und die Macht der Märkte nicht länger schweigend hinnehmen – so wie dieser junge Mann in New York gehen Millionen Menschen weltweit auf die Straße, besetzen Finanzviertel wie die Wall Street in New York oder den Platz vor der Europäischen

Aufreger DES MONATS

Zentralbank in Frankfurt. Auch die Gewerkschaften kritisieren das zügellose Treiben an den Finanzmärkten. »Die Politik wäre gut beraten, den wachsenden internationalen Protest aufzunehmen und endlich vernünftige Regeln auf den Weg zu bringen«, sagt der IG-BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis.

Männer unter sich

Foto: endostock/Fotolia

Wichtige Menschen sind gerne unter sich. Und die Männer aus den 30 DaxVorständen wollen auch untereinander bleiben. Das lässt zumindest die wenig überzeugende Selbstverpflichtung der Konzerne vermuten, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. Danach soll zwar bis 2020 der Anteil von Frauen im Management auf bis zu 35 Prozent steigen; auf eine feste Größe für Aufsichtsräte und Vorstände wollen sich die Herren aber nicht einlassen. Dass vage Versprechungen nicht ausreichen, ist belegt: Der Frauenanteil in den Dax-Vorständen erreicht heute gerade 3,7 Prozent – trotz aller propagierter Frauenförderung.

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AKTUELLES ZAHL DES MONATS

1961

AUsstellung DES MONATS

Foto: www.bilder-der-forschung.de/Lilly Onkologie

Zwei Seiten Papier reichten aus, um das deutsch-türkische Anwerbeabkommen am 30. Oktober 1961 zu schließen. Es geschah ohne viel Aufmerksamkeit, doch diese zwei Seiten Papier veränderten Deutschland nachhaltig. Mehr als 2,5 Millionen Türken bewarben sich zwischen 1961 und 1973 auf der Basis des Anwerbeabkommens um eine Arbeitserlaubnis – jeder Vierte erhielt sie. Viele türkische Arbeiter blieben in Deutschland, holten ihre Familien nach. 2,5 Millionen Menschen türkischen Ursprungs leben mittlerweile in der Bundesrepublik. Als Freunde, Kollegen, Nachbarn und Mitbürger prägen die einstigen Gastarbeiter heute den deutschen Alltag. Eine Bereicherung für unsere Gesellschaft.

Helden unter Tage

Foto: MATT POWERS/DMAX

In einem niedrigen Stollen 200 Meter tief unter der Erde

kämpfen sich die Bergleute der »Cobalt Coal Company« mit schweren Maschinen immer tiefer ins Erdreich. Die Arbeiter aus dem US-Bundesstaat West Virginia gehen dabei an die Grenzen der Belastbarkeit. In der Reality-Serie »Helden unter Tage« dokumentiert der Fernsehsender DMAX das Leben und Arbeiten von 40 Maschinisten, Vorarbeitern und Elektrikern, die in der Mine Kokskohle für die Stahlproduktion abbauen. Dabei machen den Männern nicht nur Wassereinbrüche und Steinschlag das Leben schwer. Harte Jungs: Bergleute im dunklen Schacht. Als kleine Firma stehen sie in dauerhaftem Konkurrenzkampf mit den übermächtigen Unternehmen der Region. Unter dem Label »Die Schatzsucher« ist die Serie »Helden unter Tage« am 21. Oktober gestartet und läuft immer freitags, 22:15 Uhr auf DMAX. Wer mehr zur Serie wissen will, wird auf der Homepage des Senders

Bizarre Schönheit Ein bisschen Wie schimmel sehen diese seltsamen Formen aus. Doch das Bild zeigt nicht etwa, was passiert, wenn Lebensmittel zu lange im Kühlschrank lagern; es dokumentiert die Zellteilung von bösartigen Tumoren. Das Foto ist eines der besten Bilder, die beim Wettbewerb »Bilder der Forschung« eingereicht wurden. Um die faszinierende Welt der Wissenschaft einem breiten Publikum nahezubringe, werden die schönsten, skurrilsten und schaurigsten Bilder aus Biologie, Medizin, Physik und Astronomie nun in einer Wanderausstellung gezeigt. Vom 11. bis 25. November macht die Ausstellung auch in der Hauptverwaltung der IG BCE in Hannover halt und steht allen Interessierten offen. Ins Leben gerufen haben den Fotowettbewerb 2005 das Nachrichtenmagazin FOCUS und der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen.

www.bilder-der-forschung.de

fündig www.dmax.de/web/helden-unter-tage/ kompakt | November 2011 | 7


Heims Homepage Foto: Michael Cintula

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Alles schwatt?

Oder wat?

MoMA

Kunst kommt von Können

Kohlenstoff?

Ganz schön sauber!

Ohne Tabu

Schweizer Alphörner

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Rudolf Heim

IG-BCE-Online-Redakteur | www.igbce.de präsentiert interessante, manchmal auch ärgerliche Seiten aus dem Web E-Mail: internetredaktion@igbce.de

Es scheint für den Laien eine Art Wunder-Werkstoff zu sein, die Carbon-Fasern oder auf gut Deutsch: die Kohlenstofffasern. Doch das Material mit den fantastischen Eigenschaften ist längst keine Science-Fiction mehr – auch wenn der eine oder andere Begriff wie isotrop oder anisotrop noch etwas fremd daher kommt. Für fachliche Aufklärung sorgt das Carbon-Blog: carbon-blog.de

Nein, das Kunstwerk des Dänen Mathias Bengtsson stellt keine DNA oder ein Modell aus der Naturwissenschaft dar. Es ist aus Kohlenstofffasern und steht im legendären New Yorker Museum of Modern Art. Eigentlich ein Möbelstück, eine Chaiselongue. Frei übersetzt: eine Liege. Ob modern und schön auch bequem ist? Ich hab’s nicht ausprobiert. http://bit.ly/qvk1yi

Welcher Mann gerät bei solch einem Anblick nicht ins Schwärmen? Mittlerweile sind auch diese Formel-1-JungenTräume – bis auf Getriebe, Motor und Radträger – fast ausschließlich aus Kohlefaser. »Hohe Steifigkeit und Festigkeit gepaart mit sehr geringem Gewicht sind die herausragenden Eigenschaften von Carbon«, so charakterisiert das Sauber F1-Team seinen Boliden. http://bit.ly/rfRRZh

Wer hat denn gesagt, dass die Schweizer konservativ sind? Sie scheuen auch vor revolutionären Tabubrüchen nicht zurück. Man glaubt es kaum: Im Alpenstaat werden mittlerweile selbst die traditionellen Alphörner aus Kohlefasern hergestellt. Und man kann im Internet hören, wie das klingt, so ein Kohle- pardon Carbon-Alphorn. http://bit.ly/pVIs0S


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Heimliche Suche

AKTUELLES

Fragen an Wolfgang Rose

JEder zweite Personaler informiert sich über Be-

werber im Internet. Einer repräsentativen Umfrage eines Meinungsforschungsinstituts zufolge nutzen sie vor allem Suchmaschinen im Netz zur Bewerber-Recherche: So greifen 49 Prozent auf Internetseiten wie Google oder Yahoo zurück. Jeder Fünfte (21 Prozent) sucht nach Informationen in Karrierenetzwerken wie Xing oder LinkedIn. Fast genauso viele Personaler gaben an, einen Blick in soziale Netzwerke wie Facebook oder StudiVZ zu werfen.

Der Vorsitzende des Auto Club Europa e. V. zur Diskussion um die Pkw-Maut

Mehr zum Thema Internet und Arbeitswelt finden Sie auf www.kompakt.igbce.de/mit-dem-web-leben/

Ein neues abkommen – das ist das Ziel der internationalen Klimakonferenz im südafrikanischen Durban Anfang Dezember. Doch bereits im Vorfeld zeichnet sich ab, dass das KyotoProtokoll keinen direkten Nachfolger bekommen wird. Es ist das bisher einzige bindende internationale Klimaschutzabkommen und läuft 2012 aus. Ihm schmilzt bald das Eis unter den Füßen: Zwar streben ein Pinguin in der Antarktis. viele Staaten ein neues Abkommen an, mit dem Ziel, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Doch die zwei größten CO2Emittenten blockieren die Verhandlungen: Die USA haben kein Interesse an einem Kyoto II, sie haben nicht einmal das erste Abkommen ratifiziert. Und China verlangt größere Anstrengungen der Industrienationen. Ohne diese will sich die Volksrepublik nicht bewegen.

Geteilte Zeit TEilZeit boomt in Deutschland. Von 2000 bis 2010 ist die Anzahl der Teilzeitstellen um drei Millionen auf insgesamt rund zehn Millionen angestiegen. Das geht aus einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung hervor. Der Anteil der Teilzeitbeschäftigten an allen Erwerbstätigen stieg damit von 19 auf 26 Prozent. Jeder fünfte Teilzeit-Jobber gab an, gerne mehr arbeiten zu wollen. Doch es fehle an Vollzeitstellen.

Foto: Juniors Bildarchiv

Blockade beim Klima

Die CSU setzt sich mit Nachdruck für eine Pkw-Maut ein. Ist diese aus Ihrer Sicht sinnvoll? Fakt ist, dass die Bundesregierung Steuerbetrüger weiter begünstigt und auf gesetzlich zustehende Einnahmen verzichtet – so wie beim zwischenstaatlichen Abkommen mit der Schweiz geschehen. Ebenso will die schwarz-gelbe Koalition mehrere Milliarden Euro in die Hände nehmen, um die Steuern zu senken. Gleichzeitig aber beklagt sich Verkehrsminister Ramsauer, er habe keinen Cent mehr übrig für Straßensanierung und brauche deshalb eine Pkw-Maut. Das passt doch alles nicht zusammen. Genau deshalb lehnen wir eine Pkw-Maut unter den gegenwärtigen Umständen ab. Zumal bislang weder die CSU noch die bayrischen Staatsregierung ein solides und seriös durchgerechnetes Konzept auf den Tisch gelegt hat. Wir führen eine Phantom-Debatte. Was halten Sie von dem Argument, dass mit einer Maut endlich auch ausländische Pkw ihren Beitrag zum Erhalt und Ausbau des Straßennetzes leisten müssten? Das klingt zunächst verlockend. Realität ist aber, dass der Anteil ausländischer Pkw am Verkehr insgesamt zu gering ist, damit diese Rechnung aufgeht. Die voraussichtlichen Erhebungskosten würden die Einnahmen im Wesentlichen wieder auffressen. Wenn eine Maut käme: Wie könnte man sie so gestalten, dass sie vor allem Pendler nicht noch zusätzlich belastet? Indem die Regierung Mineralölsteuer und Kfz-Steuer entsprechend senkt. Dann aber erscheint mir wiederum eine Pkw-Maut nicht mehr sinnvoll, weil es sich um das Spielchen »linke Tasche, rechte Tasche« handelt. Von der zusätzlich entstandenen Bürokratie mal ganz abgesehen. Zweckmäßiger wäre es ohnehin, die Lkw-Maut auszuweiten – beispielsweise auf die vielen 7,5-Tonner, die bislang noch immer kostenfrei davonkommen. Mailen Sie uns Ihre Meinung: kompakt@igbce.de

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AKTUELLES

Foto: Bernd Wüstneck/picture-alliance

Rappelvoll und in Not

Damals...1994

Lange Schlangen vor dem Hör-

saal, Unterricht im Kino und ein Schlafplatz in der Turnhalle – die deutschen Hochschulen platzen aus allen Nähten. Rund 500 000 junge Leute haben im Oktober ein Studium aufgenommen. Das sind so viele wie noch nie. Ausgelöst wird der Ansturm durch die geburtenstarken Jahrgänge, die jetzt an die Unis dränEinfach zu viele: Diese Erstsemester haben gen. Zudem entließen mit Bayern immerhin einen Sitzplatz ergattern können. und Niedersachsen gleich zwei große Bundesländer doppelte Abiturjahrgänge. Und junge Männer müssen seit dem Sommer keinen Wehrdienst mehr leisten. Allein die Universität Hannover hat 42 Prozent mehr Erstsemester als vor einem Jahr. Und dabei haben noch nicht einmal alle Studienbewerber einen Platz an der Uni ergattern können. Hochschulrektoren und Bundesverband der deutschen Industrie schätzen, dass bundesweit 50 000 Studienplätze fehlen. Besonders problematisch für die vielen Studienanfänger ist die Wohnungssituation – es fehlt an günstigem Wohnraum. Viele junge Leute müssen deshalb in Notunterkünften wie Turnhallen ihr Lager aufschlagen.

Silber für Schott-Betriebsräte Der Gesamtbetriebsrat der Schott

www.deutscherbetriebsraete-preis.de 10 | kompakt | November 2011

Foto: Jasmin Sander/plainpicture

AG Mainz ist mit dem Deutschen Betriebsräte-Preis in Silber der Fachzeitschrift »Arbeitsrecht im Betrieb« ausgezeichnet worden. Die Arbeitnehmervertreter hatten ein umfangreiches Projekt zum Thema Demografie aufgesetzt und dazu konkrete Vereinbarungen für die Belegschaft abgeschlossen. Der Preis in Gold ging an die Betriebsräte der Airbus Operations GmbH. Einer der vier Sonderpreise ging an die Betriebsräte der B. Braun Melsungen AG in der Kategorie Zukunftssicherung. Seit 2009 zeichnet der »Deutsche Betriebsräte-Preis« das Engagement und die Arbeit von Betriebsräten aus, die sich für den Erhalt sowie die Schaffung von Arbeitsplätzen oder für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Unternehmen einsetzen. Eine Jury aus Gewerkschaften, Wissenschaft und ausgewiesenen Praktikern traf dazu eine Auswahl aus über 70 eingereichten Projekten. Beworben hatten sich Betriebsratsgremien aus nahezu allen Branchen und Regionen. Ein Pokal fürs Büro: Zum dritten Mal wurde der Deutsche Betriebsräte-Preis verliehen.

> Streik unter Tage Die Bilder ihrer spektakulären Rettung gingen um die Welt: 33 chilenische Bergleute wurden am 13. Oktober 2010 nach 69 Tagen unter der Erde aus dem Dunkel geholt. Ein Jahr danach hat sich die Situation der Mineros dort kaum verbessert. Bereits im November 1994 berichtete die Einheit über die Lage der chilenischen Bergarbeiter. Anlass war auch hier ein Unglück. 600 Kilometer südlich der Hauptstadt Santiago kommt es auf der Zeche »Schwager« zu einer Grubengasexplosion. Fünf Mineros verbrennen, 15 ersticken. Einer stirbt nach Tagen im Krankenhaus. Die Tragödie wird in den Medien nur kurz wahrgenommen. »Ach, das Kohleproblem gibt es ja auch noch«, heißt es zynisch in der Zeitung der IG Bergbau und Energie. Auf der Beerdigung der 21 Bergleute demonstriert eine ganze Region Trauer und Wut. Es gibt Gerüchte, dass die Zeche geschlossen werden soll – die Bergleute wären dann arbeitslos. Am 11. Oktober 1994 kommt es zum Streik – in 980 Meter Tiefe. Knapp 300 Bergleute wollen nicht wieder ausfahren. Sie besetzen den Schacht und fordern eine vorgezogene Rente für alle, die zehn Jahre unter Tage waren. Elf lange Tage harren die Männer in der Dunkelheit aus. Am 21. Oktober beenden sie ihren Streik – nachdem ein Kompromiss mit der Regierung geschlossen wurde.


STANDPUNKT

Wer schützt uns vor den Banken? Foto: Martin Schlüter

»Banken, die ihr Geschäftsrisiko beim Steuerzahler abgeben, brauchen wir nicht.«

D

ie Euro-Krise hält uns nun schon seit mehreren Monaten in Atem. Und mit der Zeit wachsen die Sorgen, ob das europäische Geld stabil und zukunftssicher ist. Solche Zweifel sind verständlich, bislang aber unbegründet. Weder frisst die Inflation den Euro auf, noch verliert der Euro gegenüber anderen Währungen entscheidend an Wert. Und immer noch profitiert gerade die exportstarke deutsche Industrie von den Vorteilen der gemeinsamen Währung. Im Euro-Raum und auch weitgehend in der Europäischen Union gibt es kein unberechenbares Auf und Ab der Wechselkurse, zumindest dieses Spielfeld ist der Spekulation entzogen. Wenn wir die Arbeitsplätze und Unternehmen der Realwirtschaft vor den Exzessen der Finanzmärkte schützen wollen, dann brauchen wir weiterhin einen zuverlässigen Euro.

nicht zu akzeptieren. Was wir brauchen, ist eine Mehrwertsteuer auch für die Finanzmärkte, die Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken, ausreichend Eigenkapital, eine echte Regulierung, die unser Geld vor Spekulation schützt. Jedes Auto muss zum TÜV, um andere nicht zu gefährden. Aber im Kapitalverkehr sind immer noch zahllose Geisterfahrer mit ungeprüften und ungesicherten Hochrisiko-Papieren unterwegs. von einem gipfel zum nächsten treibt

die Politik. Und den Rhythmus der Krisentreffen geben die Finanzmärkte vor. Es wird Zeit, den Spieß wieder umzudrehen. Die Politik hat die Regeln zu bestimmen, die Finanzmärkte müssen folgen. Dann sind auch Probleme wie die zu hohe Verschuldung einiger Staaten vernünftig zu lösen. Dann lässt sich Konsolidierung mit einer Strategie verknüpfen, die wirtschaftliches Wachstum fördert. Wer von Regierungen seriöses Haushalten verlangt, der muss erst recht von den Banken Seriosität einfordern.

was wir nicht brauchen, das sind Ban-

ken, die ihr Geschäftsrisiko beim Steuerzahler abgeben. Exorbitante Gewinne mitnehmen, Verluste weiterreichen an den Staat, das ist

Michael Vassiliadis

Vorsitzender der IG BCE vorsitzender@igbce.de kompakt | November 2011 | 11

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TITEL Carbon

Cooler Stoff Kohlenstoff Autos, Windräder, Arbeitsplätze – das alles fußt auf Carbon, dem Stoff der Zukunft. Die Deutschen waren drauf und dran, den neuen Werkstoff zu verschlafen. Doch jetzt holen sie auf.

W

äre in diesem Text von Viehzucht die Rede, handelte er von der Eier legenden Wollmilchsau. Tut er aber nicht. Es geht um Werkstofftechnik, genauer um das aufregendste Material, an dem derzeit geforscht wird: Carbon.

Foto: Martin Schlüter

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Man kann es flechten, nähen, pressen, backen und sticken. Es leitet Wärme, wird aber auch für Dämmungen verwendet. Es ist extrem fest, dabei aber sehr leicht. Es ist formstabil, aber fast beliebig formbar. Anders als Stahl rostet es nicht und anders als


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TITEL Carbon

Es ist extrem fest und trotzdem   Aluminium ist der Grundstoff leicht zu

gewinnen. Es wird unser Leben leichter machen, unsere Autos sparsamer und es wird eine Menge Arbeitsplätze schaffen – wenn die deutschen Unternehmen den Trend nicht verschlafen. Was keineswegs sicher ist. Zunächst einmal ist Carbon aber nur ein anderes Wort für Kohlenstoff. Es ist einfach nur ein ziemlich häufiges chemisches Element mit der Abkürzung »C«. In der Natur kommt es in Reinform zum Beispiel als Grafit vor, im Bleistift als Mine und, in maximal verdichteter Form, als Diamant. Trotzdem ist es nicht teuer. Es ist besonders bindungsfreudig und findet sich vor allem in Wasser, denn CO2 besteht aus Carbon und Sauerstoff. Alle lebenden Organismen

Carbonkeramik braucht man im Motorsport für Bremsscheiben und -beläge, die bis zu 300 000 Kilometer lang halten, obwohl sie leichter als herkömmliche Bremsscheiben sind. Viele Hersteller von Luxusautos bieten diese schon heute optional an.

der Erde enthalten Verbindungen mit Kohlenstoff. In der Carbonfertigung wird der Grundstoff vor allem aus Erdöl gewonnen. Dabei entstehen bis zu acht Mikrometer dicke Kohlenstofffasern, zehnmal dünner als menschliches Haar. Sie werden zu Bündeln erfasst und auf Spulen gewickelt – es ist der noch wenig aufsehenerregende Grundstoff für carbonhaltige Materialien. Genau genommen enthalten diese nur einen gewissen Anteil an Carbon – nämlich genau so viel, dass die erwünschten Eigenschaften (vor allem hohe Festigkeit) gewährleistet werden. Weil reiner Kohlenstoff viel zu leicht brechen würde, kombiniert man ihn meist mit anderen Materialien, zum Beispiel mit Kunststoff oder Keramik, zu »Faserverbundwerkstoffen«.

Hauptsächlich aber wird Carbon mit Kunststoff kombiniert. Die dadurch entstehenden Materialien sind vor allem für die Automobilindustrie enorm wichtig. Denn je näher das Ende des fossilen Zeitalters rückt, desto wichtiger werden alternative Antriebstechniken, vor allem Elektroautos. Die müssen sehr leicht sein. Erstens, damit sie den Benzinern in Geschwindigkeit und Reichweite nicht zu sehr hinterherhinken. Und zweitens, weil das zusätzliche Gewicht der

Foto: Klepper

Foto: Boeing

Foto: Lamborghini

Hier kommt Carbon zum Einsatz

Autos

Flugzeuge

Sportgeräte

Die Kohlefaserstudie »Sesto Elemento« (das sechste Element) von Lamborghini ist wahrlich ein Leichtbaurenner: 999 Kilogramm bringt der Bolide, der ein Einzelstück bleiben wird, auf die Waage – inklusive V10-Motor. Im Lamborghini »Aventador« (frei: »Tritt in den Hintern«) finden sich viele Entwicklungen des »Sesto Elemento« wieder, wie etwa die selbsttragende Karrosserie aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff. Auch andere Autohersteller wie etwa BMW setzen auf Carbon. Die Bayern verbauen Kohlenstoff unter anderem im Modell M3.

Die Boeing 787 »Dreamliner« ist ein zweistrahliges Langstrecken-Verkehrsflugzeug für bis zu 300 Passagiere. Sie ist das erste Großraumflugzeug, dessen Rumpf zu einem Großteil aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff besteht. Laut dem US-Hersteller sollen relatives Gewicht wie Kerosinverbrauch um je 20 Prozent niedriger sein als bei vergleichbaren Modellen. Allerdings wurde die 787 wegen Problemen bei der Fertigung von Faserverbundbauteilen auch mit dreieinhalbjähriger Verzögerung erstausgeliefert.

Aus eins mach fünf: 100 Jahre nach der Erfindung des ersten modernen Faltboots stellt die Klepper Faltbootwerft mit dem »Backyak« einen multifunktionalen und zudem zerlegbaren Zweierkajak aus Carbon vor. Dank seiner modularen Bauweise kann er als Kajak, Spielboot, Floß, Katamaran oder Schlitten genutzt werden. Die beiden mittleren Segmente nehmen die kleineren Bootsteile auf und werden wie Rucksäcke getragen. Mit insgesamt nur 18 Kilogramm stellt der Backyak eine extrem leichte Neuinterpretation eines Klassikers dar.

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sehr leicht Fahrzeugbatterien kompensiert werden muss. Seit jeher sind Luft- und Raumfahrt Vorreiter für den Einsatz neuer Materialien. Schon heute gibt es Flugzeuge, deren zentrale Bauteile aus Carbon bestehen, etwa die Rotorblätter, Rümpfe oder Tragflächen. Denn noch wichtiger als an Land ist in der Luft das geringe Gewicht von Carbon. Bis auf Radträger, Motor und Getriebe sind die Autos der Formel 1 mittlerweile ausschließlich aus Kohlenstoff gebaut. Bis zu 20000 Carbonfasern werden dabei so miteinander verwoben, dass die optimalen Werte in Sachen Steifigkeit, Festigkeit und Gewicht gewährleistet sind. Nach und nach hält Carbon bereits in Serienautos Einzug – wenn auch vorerst noch im teuren Segment. Lamborghini beispielsweise hat eine Fahrgastzelle entwickelt, die fast komplett aus Kohlefasern besteht. Der Spitzensport, wo das Geld kaum eine Rolle spielt, treibt den Einsatz von Carbon voran. Denn dort, wo einige Gramm weniger Gewicht den Unterschied zwischen Sieger und Verlierer ausmachen, sind Sportler und Sponsoren bereit, ausreichend finanzielle Mittel in entsprechende Innovationen zu stecken. Die Vorzüge von Carbon erkannte zuerst der Radsport – schon 1987 hat die US-Firma Trek das Material serienmäßig in Ketten- und Sattelteile verbaut. Inzwischen gibt es kaum mehr Rennräder, bei denen nicht wenigstens die Gabel aus Carbon besteht, wenn nicht der gesamte Rahmen. Im Autobau sind Carbonbauteile seit Jahren im Einsatz. Inzwischen schätzen auch Golfer und Skifahrer Carbon für ihre Schläger, Skier und Helme. Auch Angelruten, Tennis-, Baseball-, Hockey- und Eishockeyschläger, Ruderboote, Windsurfausrüstungen enthalten das Material. Und auch Designer haben das Material für sich entdeckt. »Audi-Designer wollen Kohlefaser emotional aufladen«, heißt es bei bei Auto, Motor und Sport. Sie haben zum Beispiel eine Uhr gestaltet,

deren Gehäusering und Armband aus kohlefaserhaltigem Kunststoff besteht. Derzeit arbeitet BMW am Elektroauto »i3«. Schon 2013 soll es in Leipzig produziert werden. Es wird vor allem für den Stadtverkehr und für Berufspendler interessant sein. Wirklich neu ist, dass die Karosserie aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK) bestehen soll – was enorm Gewicht spart. An der Stabilität und damit Sicherheit zweifelt BMW nicht, zumal das Material bereits in der Formel 1 und in sehr kleinen Stückzahlen auch bei Bugatti verbaut wird. Das gut zwei Meter breite Auto soll 170 PS haben und in weniger als acht Sekunden von 0 auf 100 Stundenkilometer beschleunigen, gemäß dem Ziel von BMW-Projektleiter Ulrich Kranz: »Elektromobilität heißt nicht Verzicht.« Vielleicht aber doch, nämlich Gewinnverzicht? Wie teuer das Auto wird, verrät BMW noch nicht, aber die Wochenzeitung Die Zeit schätzt: »Unter 40 000 Euro dürfte wenig gehen«, was das Handelsblatt zu dem Fazit nötigt: »Das Kohlefaserauto ist ein technisches und finanzielles Abenteuer.« Worauf wiederum BMW-Finanzchef Friedrich Eichiner reagiert: »Wir sehen uns in der Entwicklung so weit, dass wir die Fertigungsprozesse und Kosten im Griff haben.« Das deutet auf einen wichtigen Grund hin, weshalb BMW mit seinem konsequenten Vorstoß in Sachen Carbon unter den Autobauern ziemlich allein dasteht: die Kosten. Denn wenn die Vorteile von Carbon tatsächlich so groß sind – warum sind wir dann immer noch von Alu- und Stahlautos umgeben? Nun, ein Kilo Stahl kostet etwa 70 Cent, ein Kilo Carbon dagegen 70 Euro. Selbst wenn man berücksichtigt, dass sehr viel weniger Carbon als Stahl verbaut werden muss, bleibt immer noch ein enormer Kostenunterschied. Ein Grund dafür ist, dass die Carbonherstellung sehr energieintensiv ist. Daher hat sich BMW in Zusammenarbeit mit SGL Carbon entschieden, Carbon im US-Bundesstaat 

Foto: Martin Schlüter

Begriffe rund um Carbon PYROLYSE So heißt der Vorgang, bei dem ein Stoff, zum Beispiel Öl, ohne Sauerstoff bei vielen 100 Grad Celsius zersetzt wird. So entstehen Gase und kohlenstoffhaltige Verbindungen. Die Pyrolyse läuft in zwei Stufen ab: Zuerst entweicht das im Stoff gebundene Wasser (Trocknung). Dann folgt die Verschwelung, bei der organische Substanzen wie Fette, Zellulose, Kunststoffe und Eiweiß abgespalten werden. Dabei entsteht unter anderem fester Kohlenstoff. Die Pyrolyse ist der erste Schritt hin zur Produktion von Carbonfasern. CFK . . . ist eine Abkürzung aus dem Englischen und steht für carbonfaserverstärkten Kunststoff. Wenn man von Carbonprodukten spricht, so meint man meist genau genommen Materialmischungen, in denen Carbon eine wichtige Rolle für die Stabilität spielt. Hauptsächlich verbindet man Plastik mit Carbon, etwa in Form von Kunstharz. Die Carbonfasern werden dazu meist in viele verschiedene Richtungen verlegt, so wird das dabei entstehende Material möglichst fest. STEIFIGKEIT UND FESTIGKEIT Die beiden Wörter werden gern verwechselt. Steifigkeit beschreibt, wie viel Widerstand ein Körper gegen eine Verformung aufbringt – entscheidend ist dabei nicht nur das Material, sondern auch die Form des Körpers. Festigkeit beschreibt dagegen, wie belastbar ein Material ist, unabhängig von seiner Form.

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TITEL Carbon

Es steckt im Bleistift – und auch kraft Energie wenig kostet. 100 Millionen Euro haben sie dafür ausgegeben. Nach der Herstellung wird das Material in das BMW-Werk in Wackersdorf verschifft und so verwoben, dass es genau so fest ist, um stabil zu sein, und genau so nachgiebig, um auf einwirkende Fahrkräfte angemessen reagieren zu können. In Landshut schließlich entsteht dann die komplette Karosserie, in Leipzig wird das Auto montiert. So werden auch deutsche Arbeitsplätze mit Carbontechnologien geschaffen und gesichert – wenn auch noch in zu geringem Umfang. Die Firma SGL Carbon etwa ist der einzige große Carbonfaserhersteller in europäischer Hand (um die Mehrheit liefern sich BMW und VW im Augenblick ein Wettrennen).

Leichter als Stahl ist Carbon. Vor allem ist es aber verdammt schick – hier zu sehen am BMW M3.

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Die Deutschen holen auf. Dafür gibt es einige Anzeichen. Seit 2007 haben sich Unternehmen, die mit Carbon zu tun haben, zum Verein »Carbon Composites« zusammengeschlossen; eine weitere Industrieinitiative namens »Innovations Allianz Nanotubes« treibt Forschung, Entwicklung und Vermarktung voran. BASF hat Mitte des Jahres ein Composite-LeichtbauTeam gegründet, um der Nachfrage nach neuen, carbonfaserhaltigen Kunststoffen nachkommen zu können und die Firma »Bayer Material Science« hofft auf »Carbon Nanotubes«, zu deutsch »Kohlenstoffnanoröhrchen«. Dabei handelt es sich um winzige Röhrchen, die vielfach angewandt werden können. Bayer: »Schon durch geringe Mengen der revolutionären Kohlen-

stoffnanoröhrchen können bekannte Materialien neue Eigenschaften erhalten. Von verbesserter Strom- und Wärmeleitfähigkeit bis hin zu extremer mechanischer Belastbarkeit.« Sie können zum Beispiel die Speicherkapazität von Batterien erhöhen und für Displays und Kühlvorrichtungen eingesetzt werden. Auch in der Region um Augsburg

haben sich Carbonfirmen etabliert, die unter anderem für EADS Flugzeugteile herstellen. In Meitingen nördlich von Augsburg baut die SGL-Group Carbonprodukte von A wie Abgießrinnen bis Z wie Zellenauskleidungen für Kathoden. Als Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer im September ein Carbonfaserzentrum einweihte, sagte er:

Foto: Martin Schlüter

 Washington zu bauen, wo dank Wasser-


im Diamant »Carbon als der Werkstoff von morgen halb von zehn, 20 Jahren sind dann aber sichert Arbeitsplätze und ist Garant für aus Zehn-Mann-Betrieben UnternehZukunft und Wohlstand! Mit dieser men mit bis zu 2000 Beschäftigten geneuen Technologie schonen wir unsere worden.« Anschließend sei es der IG Umwelt und stärken die Wettbewerbs- BCE nicht leicht gefallen, dort noch Fuß fähigkeit.« Ebenfalls in Garching hat zu fassen. »Das soll uns nicht noch einSGL 2009 den Lehrstuhl »Carbon Com- mal passieren«, sagt Hautmann. »Diesposites« gestiftet. Acht Jahre lang zahlt mal müssen wir von Anfang an mit dadas Unternehmen insgesamt fünf Mil- bei sein.« lionen Euro dafür – doch noch ist es der bisher einzige Lehrstuhl in Deutsch- Gut für Arbeitnehmer ist es, dass land, der sich ganz der Carbontechno- die Produktion noch wenig automalogie widmet. tisiert und damit teuer ist. Denn was aus In Bayern will sich jetzt die Stadt Kel- Sicht des Materialwissenschaftlers Anheim zum Carbonstandort mausern. sporn für Verfahren zur AutomatisieNach dem Vorbild von Straubing, in rung ist, heißt für mögliche Arbeitsdem ein »Kompetenzzentrum für nach- plätze: Fertigungsteile auf Carbonbasis wachsende Rohstoffe« entstanden ist, sind anspruchsvoll in der Herstellung soll dort Forschung angesieund damit arbeitsplatzintendelt werden. Vom »Carbonsiv. Valley« war in der MittelbayeDas Problem mit Sportrischen Zeitung bereits die geräten aus Carbon im HinRede. Bisher ist aber noch Carbonfasern werden blick auf Arbeitsplätze ist auf wenig passiert. Seppel Kraus, für ein Formel-1-Auto der Homepage des LehrLandesbezirksleiter der IG miteinander verwo- stuhls für Carbon CompoBCE in Bayern, spricht von ben – der Preis spielt sites der Technischen Unieinem »natürlichen Clus- dabei keine Rolle. versität München deutlich ter« von Unternehmen der beschrieben: »Derzeit wird Kunststoff verarbeitenden Industrie – bei der Herstellung vor allem auf Handetwa Kelheim Fibres, Johnson Controls, arbeit gesetzt. Um die Sportgeräte denPelzer, RPC und Kucor. Die meisten von noch wirtschaftlich produzieren zu ihnen sind Automobilzulieferer, haupt- können, wurden die meisten Produksächlich für BMW und Audi. tionsstandorte nach Fernost verlagert.« Im Vergleich zur Aluminium- und Stahlindustrie sind die Arbeitsabläufe Das darf getrost auch auf viele anbei Carbon noch in geringem Grad au- dere Bereiche übertragen werden und tomatisiert. »Selbst in der Carbonfaser- dämpft die Carboneuphorie etwas – herstellung läuft noch vieles über try denn Arbeitsplätze in der Carbon proand error«, sagt IG-BCE-Bezirksleiter duzierenden und verarbeitenden InMarkus Hautmann aus Kelheim. Aber dustrie sind bisher in vielen Fällen die Automatisierung der Abläufe schrei- an Deutschland vorbeigegangen. Zwar tet voran, je stärker dieser Markt wächst. könnte mit der Weiterentwicklung der »Wir müssen als Gewerkschaft jetzt sehr Herstellungs- und Fertigungsprozesse wachsam sein und aus unseren Erfah- wieder mehr dort produziert werden, rungen in der Kunststoffindustrie ler- wo es auch entwickelt wird, nämlich in nen«, sagt Hautmann. Dort seien in den Deutschland – aber nicht unbedingt zu80er-Jahren viele Betriebe auf der grü- gunsten von mehr Arbeitsplätzen in der nen Wiese entstanden, und zwar wei- Fertigung, sondern von mehr Automatestgehend ohne gewerkschaftliche Be- tisierung. Diesen Prozess kritisch zu beteiligung. »Damals mussten wir uns um gleiten, wird eine wichtige Aufgabe der Andreas Unger bestehende Betriebe kümmern. Inner- IG BCE sein.

2000

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Fragen an

Markus Hautmann Der Bezirksleiter der IG BCE in Kelheim-Zwiesel zu den Chancen der Carbonindustrie

Carbon verarbeitende Industrie ist eine Branche mit Zukunft, heißt es überall. Tatsächlich aber wird viel in Fernost und den USA geforscht und gefertigt. Und in Deutschland? Für unseren Bereich spielen vor allem die Autohersteller und ihrer Zulieferer eine zentrale Rolle. Fast 40 Prozent der in meinem Bezirk bei der IG BCE organisierten Menschen arbeiten in der Umgebung von Audi in Ingolstadt und BMW in Dingolfing und Regensburg. Je stärker der Trend zum Elektroauto und zur Gewichtsersparnis wird, desto zentraler wird auch die Carbonverarbeitung werden. Wie beurteilen Sie staatliche Unterstützung für den Carbonstandort? Bei uns ist Kelheim auserkoren, eine Art Forschungsstandort zu werden. Wir leisten dafür Lobbyarbeit, führen unzählige Gespräche und halten nächsten März eine industriepolitische Tagung dazu ab. Für uns ist entscheidend, dass neben der Fertigung auch die Forschung hier heimisch wird. Wie gehen Sie vor? Bei alteingesessenen Unternehmen wie Kelheim Fibres, einem Faserhersteller, kommen wir gut rein. Ansonsten brauchen wir direkte Ansprechpartner. Die Angestellten müssen verstehen, dass es sich lohnt, sich zusammenzuschließen, Betriebsräte zu gründen und so den Betrieb mitentwickeln zu können. Das ist für uns langwierige Überzeugungsarbeit. Erst im zweiten Schritt kommt es dann auf die Kooperationsbereitschaft der Unternehmen an. Wir stehen noch ganz am Anfang. Das Wichtigste wird sein, den ersten Schritt nicht zu versäumen.

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Themen Urlaub

Nur für Erwachsene Kinderfreie Hotels sind ein neuer Trend der Reisebranche, der zu allem Überfluss auch noch offensiv beworben wird. Gleichzeitig profilieren sich aber auch immer mehr Anbieter als besonders familienfreundlich.

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M

it dem süßen Leben ohne Kinder lockt ein Hotel im bayerischen Wald. Das »Dolce Vita« im Ferienort Bodenmais bietet »Genuss in Ruhe und Harmonie« – da stört der lästige Nachwuchs. Das Haus ist stolz auf seine »kinderfreie Philosophie«. Die verbirgt sich hinter der freundlich klingenden Formulierung »Jugendliche ab 16 sind herzlich willkommen«. Heißt im Klartext: Alle unter 16 müssen draußen bleiben. Mit dieser »Zielgruppenorientierung«, so die Betreiber, seien sie »der Zeit voraus«. Nur wenige Tourismusdienstleister trauen sich bisher, ihr »kinderfreies« Konzept derart offensiv zu vermarkten. In der Regel wird das Fernhalten der

kleinen Besucher dezent, aber wirkungsvoll über den Preis geregelt – ob in Edelherbergen oder Luxus-Thermalbädern, wo der Eintritt extrem teuer und Kinderermäßigung ein Fremdwort ist. Doch mit der wachsenden Zahl von Singles und Paaren ohne Kinder entsteht offenbar ein gesellschaftliches Klima, das urlaubende Kinder auf eine Stufe stellt mit alkoholisierten Fußballfans. Als sich 2007 ein Wirt im bayerischen Kraiburg weigerte, Kinder unter zwölf in sein Restaurant zu lassen, kam es zum Eklat. Die CSU-Sozialministerin sprach von einem Skandal. Doch nicht nur in Deutschland sind Kinder mancherorts unerwünscht. So nennt sich


Selbstverständlich können Kinder manchmal nerven – aber muss man sie deshalb gleich komplett aussperren?

es: Bei einer (nicht repräsentativen) Umfrage der Tourismus-Plattform HolidayCheck.de bekundeten 41,6 Prozent der Befragten: »Ich bin für ErwachsenenHotels, weil mich das Kindergeschrei stört.« Die Hoteliers des »Dolce Vita« berichten von einem »Schlüsselerlebnis«, als sie selbst auf Reisen waren und sich in einem Whirlpool entspannen wollten. Obwohl »eine Altersbeschränkung vorgegeben war, spielten Kleinkinder Fangen, suchten andere Kinder ihre Eltern und wieder andere fanden es lustig, nackte Menschen zu sehen«. Es gebe zahlreiche familienfreundliche Angebote in unmittelbarer Nähe ihres Hauses. »Selbstverständlich helfen wir jedem weiter, der eine gute Empfehlung für ein Kinderhotel benötigt.« Familienorientierung

Fotos: Alterfalter/Fotolia, Anna Dedukh/Fotolia

das Hotel »Amalienburg« im österreichischen Saalbach »erwachsenenfreundlich«, das »Cortisen« am Wolfgangsee verspricht unter dem Motto »No kids« einen ruhigen Aufenthalt. Beide Häuser wurden wegen ihrer Marketingstrategie von Politikern und Tourismusverbänden heftig kritisiert. Die spanische Kette Iberostar betreibt auf Mallorca, den Kanaren, in Kroatien sowie in der Dominikanischen Republik und auf Jamaika Hotels, die keine Buchungen für Personen unter 14 Jahren entgegennehmen. Und auch einige US-amerikanische Anbieter haben nach der Devise »Adults only« (nur für Erwachsene) ein Mindestalter für ihre Gäste festgesetzt. Kinderfeindlich? Diesen Vorwurf weisen sämtliche Verantwortlichen weit von sich. Sie sprechen von einer »Marktlücke«, einem »Nischenprodukt«, das gezielt die Wünsche bestimmter Kunden bediene. Die entsprechende Klientel gibt

ist schon lange ein wichtiges Werbeargument in der Reisebranche (siehe Kasten rechts). Das Spektrum reicht von geräumigen und miteinander verbundenen Zimmern über Kinderanimation bis zu Paketlösungen, bei denen Eltern von Betreuern des Veranstalters zeitweise entlastet werden. Denn selbstverständlich können Kinder manchmal nerven – und Eltern haben das berechtigte Bedürfnis, auch mal ohne die lieben Kleinen auszuspannen. Aber gleich den ganzen Urlaub ohne Kinder verbringen, jene Zeit, wo Familien sich endlich mal gelassen aneinander freuen können? In einem Online-Reise-Blog wird gemutmaßt, jemand würde ein Hotel eröffnen, in dem Menschen über 60 unerwünscht sind. Etwa, weil jüngere Gäste keine Lust haben auf unpassende Shorts, Liegenbesetzungen per Handtuch oder notorisches Vordrängeln am Buffet. Ein Aufschrei des Entsetzens wäre die Folge. Doch was bei Älteren skandalös wirkt, ist bei Kindern anscheinend die Aufregung nicht wert. Thomas Gesterkamp

Familienfreundliche Reiseanbieter

finden Sie im kompakt-Blog unter: http://kompakt.igbce.de

Familienfreundliches Reisen »Eltern geht es im Urlaub gut, wenn es den Kindern gut geht«, so werben Spezialisten für familienorientiertes Reisen. Doch wie weit reicht die Kompromissbereitschaft der Erwachsenen? Macht es Spaß, zum dritten Mal auf die vom Kind heiß geliebte Hotelanlage auf Fuerteventura zu fliegen, wo drumherum nichts ist außer Wüste? Eine Alternative bieten Veranstalter, die Familienreisen mit Kulturprogramm und Betreuung verbinden. »Bei uns machen Eltern im Urlaub viel zusammen mit ihren Kindern, gehen aber zeitweise auch getrennte Wege«, sagt Uli Mühlberger, Geschäftsführer von »Vamos« (spanisch für »Auf geht es«). »Wir wollen die Kleinen nicht durch Daueranimation wegorganisieren«, sagt er. Wie beim Konkurrenten »Bambino Tours« gehören Kinderbetreuer fest zum Team. Diese planen nur eigene Aktivitäten, wenn die Eltern in Ruhe Städte, Kirchen oder Denkmäler besichtigen wollen. In den immer zahlreicher werdenden »Familienhotels« ist tolerantes Servicepersonal eine zwingende Geschäftsbedingung. Hier gibt es keine Kellner und Barkeeper, die sich über umherflitzende Kinder aufregen oder Beschwerden anderer Gäste über »zu viel Lärm« weitergeben. Als betont familienfreundlich profilieren sich zudem eher unspektakuläre Reiseziele wie das Wendland oder Bauernhöfe in deutschen Mittelgebirgen. Sie können kaum mit kulturellen Höhepunkten aufwarten, achten dafür aber mehr auf die Wünsche von Eltern und Kindern. 

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leserforum Nr. 10 I OktOBEr 2011 www.igbce.de

vor ort 560 Arbeitsplätze in Gefahr: IG BCE kämpft gegen Schließung der Papierfabrik Albbruck tendenzen Letzter Besuch: Ein Jahr nach der letzten Förderschicht schließt das Bergwerk Ost endgültig tipps Nur nicht auf dem Klo: Wann ein Unfall zum Arbeitsunfall wird – und was dann zu tun ist

Schreiben Sie uns! Wir freuen uns über Lob, Kritik und Anregungen.

kompakt

kompakt IMPRESSUM

Das Mitgliedermagazin der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie

Wer geht wann? Im Arbeitsleben hält nicht jeder bis Spielende durch. Die richtige Taktik ist der flexible Wechsel in den Ruhestand.

01_titel_10 - Entwurf_3.indd 1

20.09.2011 17:51:59

Leserbriefe stellen die Meinung des Einsenders dar. Anonyme Zuschriften werden nicht berücksichtigt. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

> Europäisches Domino

beteiligung) und nationalen Regierungen ansieht. Wir werden schon längst von Geld und Lobbyisten regiert. Die europäische Wirtschaftszone gab es schon lange vor dem Euro. Doch erst mit ihm sind wir zur Haftungsgemeinschaft geworden, die die Eurobefürworter immer abgestritten haben. Die Politiker handeln nicht nur wider besseres Wissen – sie sind keinen Deut besser als schmierige Spekulanten.

Thomas Schmidt, per E-Mail

von Alexander Nortrup (9/2011)

Umdenken nötig

> Wer geht wann?

Ich sehe unser Land am Abgrund und unsere Regierung tut nichts dagegen. Irgendwie fühle ich mich hilflos. Leider sind die Gewerkschaften durch Mitgliederschwund zum zahnlosen Tiger mutiert. So bekommt man das Volk jedenfalls nicht auf die Straße. Es braucht im weltweiten Finanzsektor endlich ein Umdenken und klare Regeln. Denn Politik muss wieder zum Wohle des Volkes gemacht werden.

von Heinrich Kronlage (10/2011)

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Marcus Barduhn, auf Facebook

> Zur Anzeige »Ja zum Euro« der DGB-Gewerkschaften

Lobbyisten regieren

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Leider kann ich nicht nachvollziehen, was am Euro und an Europa demokratisch sein soll. Europa hat für mich keine demokratische Legitimation, schon allein wenn man sich das Gefüge von Kommission, Parlament (20 Prozent Wahl-

Keine Wechselschicht Der Artikel über den Renteneintritt gibt die physischen und psychischen Probleme, die Schichtarbeit verursacht, gut wieder; auch was meine eigene Problematik betrifft. Allerdings könnte der Eindruck entstehen, ich arbeite derzeit in ständig wechselnden Schichten. Aufgrund meiner privaten Situation als alleinerziehender Vater arbeite ich im Moment vorrangig in der Nachtschicht. Dies ist die einzige Möglichkeit, Arbeit und Familie zu vereinbaren. Dank der kollegialen Solidarität innerhalb der Abteilung ist diese interne Lösung möglich.

Bernd Suchfort, Hannover

> Zum Thema Leiharbeit

Gerechter Lohn

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Leiharbeit wird uns vermutlich noch lange

erhalten bleiben. Und manch ein kleinerer Betrieb kann es sich wirklich nicht leisten, in einer Rezession Arbeiter und Angestellte weiter zu beschäftigen, wenn das das Aus für die Firma bedeuten würde. Mein Vorschlag: Leiharbeiter sollten den gleichen Lohn bekommen wie Festangestellte! Das Personalbüro rechnet mit den Leiharbeitern dann direkt ab und die Gebühren an die Leiharbeitsfirmen zahlt der Arbeitgeber, ohne sie den Leiharbeitern vom Lohn abzuziehen. So bekämen Leiharbeiter endlich einen gerechten Lohn für gleichwertige Arbeit. Heinz-Lothar Schilder, per E-Mail

> Zu den weltweiten Occupy-Protesten gegen die Finanzmärkte

Protest unterstützen

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Solange der Protest gewaltfrei bleibt, sollte er von den Gewerkschaften unterstützt werden. Mit Menschen, aber auch mit tragfähigen Lösungskonzepten wie sie der IG-BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis bereits vorgestellt hat.

Peter Schiffer, auf Facebook

Ohne Rücksicht

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Das Treiben auf den Finanzmärkten ist weder maßlos noch ungeregelt. Es dient der Gewinnoptimierung mit allen Mitteln ohne Rücksicht auf Kollateralschäden im sozialen Bereich. Sollte aus einer Gegenbewegung etwas Ernsthaftes werden, bin ich sofort dabei! Markus Scholz, auf Facebook

Das Mitgliedermagazin der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie Herausgeber Michael Vassiliadis Chefredakteur (verantwortlich im Sinne des Presserechts) Christian Hülsmeier Stellvertretender Chefredakteur Michael Denecke Chef vom Dienst Alexander Nortrup Redaktion Sarah Heidel, Dirk Kirchberg, Rudolf Heim, Dr. Ulrike Börger, Axel Stefan Sonntag Fotoredaktion Ulrike Neufeld Redaktionsassistenz Simone Michels, Tanja Rössner Gestaltung Hans Borgaes Redaktionsanschrift Königsworther Platz 6 30167 Hannover Telefon: 0511 7631-329/-698 Telefax: 0511 7000891 E-Mail: kompakt@igbce.de Internet: www.igbce.de Satz: BWH GmbH Beckstraße 10, 30457 Hannover Gesamtherstellung und -vertrieb: Westend Druckereibetriebe GmbH Westendstraße 1, 45143 Essen Anzeigenverwaltung BWH GmbH – Die Publishing Company Postfach 92 01 55, 30440 Hannover Telefon 0511 94670-0 Telefax 0511 94670-38 Gültige Anzeigenliste Nr. 10 vom 01. 01. 2011 Verantwortlich für den Anzeigenteil: Jürgen Oberschilp Zusendungen: Für unverlangte Einsendungen wird keine Gewähr übernommen. Bezugspreis 0,90 €, jährlich 10,00 €. Für Mitglieder der IG BCE ist der Bezugspreis im Mitgliedsbeitrag enthalten. Erscheinungsweise:

kompakt erscheint monatlich

mit acht Regionalausgaben für Bayern, Baden-Württemberg, Hessen-Thüringen, Nord, Nordost, Nordrhein, Rheinland-Pfalz/Saarland, Westfalen. Redaktionsschluss dieser Ausgabe: 24. 10. 2011 Druckauflage: 667 504 (III/2011) Gedruckt auf chlorfreiem Papier


VOR ORT Die Zukunft im Blick Zum Zukunftsforum

versammelte die IG BCE Mitte Oktober knapp 370 Mitglieder sowie ehren- und hauptamtliche Funktionäre in der Hauptverwaltung Hannover. Die wichtigste Frage: Was ist zu tun, um für die neuen Herausforderungen bis 2020 gewappnet zu sein?

»Unser Anspruch ist gute Arbeit« Die Solar-Produzenten stecken in der Krise – die IG BCE fordert fairen Wettbewerb und gute Arbeitsbedingungen.

Weitere Frist für Albbruck UPM hält das Kaufangebot für die Papierfabrik für nicht tragfähig, bleibt aber verhandlungsbereit.

Tarifabschluss Kautschukindustrie Neben einer deutlichen Entgelterhöhung hat die IG BCE auch die Ost-West-Angleichung der Tarife erreicht. kompakt | November 2011 | 21 Foto: Franz Bischof


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vor ort Zukunftsforum

Was denkst du? In den Arbeitsgruppen wurde munter diskutiert.

Fotos (7): Franz Bischof

Für die Menschen Die Betriebe stehen im Mittelpunkt des bis 2020 ausgerichteten IG-BCE-Zukunftsprozesses.

Dort entscheidet sich, ob neue Fragen weiter gewerkschaftlich beantwortet werden können.

N

ur wer sich ändert, bleibt sich treu. So könnte man das Programm beschreiben, das die IG BCE sich für die nächsten Jahre vorgenommen hat. Diskutiert wurde darüber unter der Überschrift »Zukunftsgewerkschaft 2020« Mitte Oktober auf einem Forum in der Hauptverwaltung in Hannover. Ziel: Die IG BCE fit zu machen für kommende Herausforderungen und neue

Entwicklungen. Denn die haben es in sich. Das zeigen bereits wenige Beispiele. Offen ist nach wie vor, wie die deutsche Energiewende tatsächlich umgesetzt werden soll. Um gleichermaßen wirtschaftlich, sozial und ökologisch erfolgreich zu sein, bedarf die Neuausrichtung der Energiepolitik daher der gewerkschaftlichen Gestaltung. Unklar ist ebenso, ob und wie die öffentlichen Schulden

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abgebaut werden können – und zwar so, dass gleichzeitig wirtschaftliches Wachstum gefördert wird und neue Arbeitsplätze entstehen. Auf dem Arbeitsmarkt wird zudem die Kluft größer zwischen regulären, gut bezahlten Arbeitskräften und jenen, die nicht so viel Glück hatten. Die in Leiharbeit und Befristung gelandet sind, ohne eine faire Chance auf Übernahme und gute Zukunft.

Drei Beispiele, die künftige Handlungsfelder beschreiben und die klarmachen: Das ist nur mit einer starken IG BCE mit vielen Mitgliedern zu schaffen. »Wandel ist unser Alltag«, so beschreibt das der IGBCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis in seiner programmatischen Rede. Und begründet, warum auch eine große Gewerkschaft wie die IG BCE


»Gewerkschaft hat Zukunft, weil . . . nicht so weitermachen kann wie bisher. Warum sie für neue Herausforderungen passende Antworten finden muss. Das soll in einem mittelfristigen Prozess erfolgen, der klarer Orientierung folgt. Die IG BCE will stärker auf die Beschäftigtengruppen zugehen, die bislang eher selten zur Gewerkschaft finden. Sie will ihr Angebot an Leistungen und Beratungen verbessern und sie will zusätzliche Bündnispartner in Politik und Gesellschaft finden, um ihre Ziele zu verwirklichen.

. . . man für seine Ideale eintreten sollte – und es viel zu tun gibt.« Imke Widera Jugendvertreterin Roche Diagnostics

Bernd Schmell Betriebsrat bei Boehringer Ingelheim

. . . sie sich für diejenigen einsetzt, die das selbst nicht können.«

. . . ich weiß, was sie für mich tut. Zum Beispiel mehr Geld rausholen.«

Ganz wichtig sind dabei

die Betriebe, in denen die IG BCE gestaltungsfähig bleiben müsse, wie Michael Vassiliadis betont: »Unsere IG BCE soll an Mitgliedern wachsen und an Einfluss größer werden. Sie soll den Menschen eine starke Schutzmacht und kompetente Partnerin im Betrieb sein.« So will die IG BCE auch in den Betrieben der erneuerbaren Energien als Gewerkschaft präsent sein, dort Betriebsräte gründen und für Arbeitsschutz sowie tarifliche Bezahlung aller Mitarbeiter sorgen. »Wir werden dem grünen Anstrich eine soziale Ausgestaltung guter Arbeit folgen lassen«, kündigt Michael Vassiliadis an. Wie das gelingen kann, darüber diskutierten unter anderem die 370 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in einer Vielzahl von kleinen Arbeitsgruppen. Experten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gaben Impulse und bereicherten die Debatte über die »Zukunftsgewerkschaft 2020«.

. . . wir nur gemeinsam stark sind. Allein kommt man nicht weiter.«

Robert Reimann Mitarbeiter von Berlin Chemie

Jacqueline Stöckbauer Betriebsrätin bei Friadent

Weiblicher und jünger müsse die IG BCE künftig sein, erklärte Vassiliadis. Um das zu fördern, soll sich der Anteil der Frauen unter den Beschäftigten und den Führungskräften der Organisation sowie an den von der Gewerkschaft zu stellenden Aufsichtsräten auf 30 Prozent bis 2020 erhöhen. »Dreimal 30 Prozent«, so lautet die Kurzformel dieser Selbstverpflichtung. »Zukunft, wie wir sie verstehen, entsteht nicht im Labor«, resümiert Michael Vassiliadis: »Sie wird von Menschen, mit Menschen und vor allem für Menschen gemacht.« nor/chh Viele schöne Fotos und die wichtigsten Dokumente zum Zukunftsforum gibt es auch unter: kompakt.igbce.de

Viele Betriebsräte und Funktionäre waren zu Gast in Hannover, auch der DGB-Vorsitzende Michael Sommer (Foto unten, links) und BAVCPräsident Eggert Voscherau (rechts) gaben der IG BCE die Ehre. kompakt | November 2011 | 23


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vor ort Aktuelles Foto: Rainer Kwiotek

Papierfabrik erhält weitere Frist albbruck | UPM ist skeptisch, aber zu ergänzenden Verhandlungen bereit

U

nser oberstes Ziel ist es, die Menschen in Arbeit zu halten und keine Chance hierfür ungenutzt zu lassen, damit 560 Arbeitsplätze erhalten bleiben«, sagt Kerstin Meindl vom IG-BCE-Bezirk Freiburg zur aktuellen Situation der Papierfabrik Albbruck. Zwar hatte Eigentümer UPM gegenüber der Badischen Zeitung das Konzept des Kaufinteressenten Günter Kraus als »hoch riskant und nicht

Tarifmeldungen

nachhaltig tragfähig« bewertet. Dennoch wird ihm eine Frist für weitere Verhandlungen eingeräumt. Er erhält von UPM zudem sämtliche Daten, um ein Finanzierungskonzept zu erstellen. Kraus war viele Jahre beim Vorbesitzer der Fabrik, dem finnischen Papierhersteller Myllykoski, beschäftigt und hatte das Werk in der Vergangenheit geleitet. Betriebsrat und IG BCE unterstützen

sein Konzept. Parallel beginnen gleichwohl zwischen UPM und Betriebsrat auch Verhandlungen über einen Interessenausgleich und Sozialplan. Ende November soll dann bei einem dritten Treffen bewertet werden, »ob es zu einem Verkauf kommen kann oder nicht«, so Kerstin Meindl. »Wir wollen ein für alle nachvollziehbares und transparentes Ergebnis.« hak

Berichte zur Energiewende gefordert

schuhindustrie | Der Abschluss eines Demografietarifvertrages ist Ziel der Tarifrunde 2011. Weitere Forderungen für die Beschäftigten der Schuh­industrie sind die Erhöhung der Löhne und Gehälter und endlich einheitliche Auszubildendenvergütungen. Nach der ersten, konstruktiven Verhandlungsrunde haben sich die Tarifparteien auf den 17. November vertagt.

Ausführliche Informationen unter: www.igbce.de

Foto: Dirk Kirchberg

kalk und dolomit | Um 3,5 Prozent steigen Entgelte und Ausbildungsvergütungen für die Beschäftigten in der Kalk- und Dolomitindustrie in Niedersachsen, SachsenAnhalt und der Fels-Werke GmbH Rüdersdorf. Das Plus gibt es rückwirkend zum 1. Juli. Nochmal 2,6 Prozent mehr gibt es zum 1. Juni 2012. Der Entgelttarifvertrag – Ergebnis der Schlichtung im vergangenen Monat – hat eine Laufzeit von 23 Monaten.

Trotz der Proteste: UPM hält an der Entscheidung fest, die Papierfabrik Albbruck zu schließen.

Wollen die Energiewende gestalten: Stephan Weil (links) und Michael Vassiliadis.

hannover | Sozial gerecht

und wirtschaftlich vernünftig – so sollte die Energiewende gestaltet werden. Darüber sind sich Stephan Weil, Hannovers Oberbürgermeister sowie Präsident des Verbands kommunaler Unternehmen, und der IG-BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis einig. Auch müsse das von der Bundesregierung versprochene Monitoring, also regelmäßige Berichte über den Fortschritt der Energiewende, endlich installiert werden.

IG BCE: Kündigungen bei E.ON tarifvertraglich verhindern hannover | Die Tarifkom-

mission der IG BCE in der Tarifgemeinschaft Energie hat sich Mitte Oktober erneut mit der aktuellen Situation im E.ON-Konzern auseinandergesetzt und mögliche Auswirkungen beraten. Nach Darstellung der Unternehmensleitung sollen im Rahmen des Kostensenkungsprogramms auch betriebsbedingte Kündi-

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gungen nicht ausgeschlossen sein. Das konkrete Konzept wird jedoch erst in der Aufsichtsratssitzung am 12. Dezember vorgestellt. Aufgrund dieser Ausgangssituation fordert die Kommission, betriebsbedingte Kündigungen tarifvertraglich auszuschließen und Auswirkungen auf die Beschäftigten sozialverträglich zu gestalten. Da

die Kostensenkungen konzernweit greifen, müssten auch tarifvertragliche Regelungen konzernweit Gültigkeit haben. Anfang November trifft sich die gemeinsame Verhandlungskommission von IG BCE und ver.di. Dann sollen, so die Tarifkommission, eine abgestimmte Position und ein gemeinsames Vorgehen verabredet werden. hak


Mehr Geld und Ost-West-Angleichung kassel | Tarifpaket in der Kautschukindustrie geschnürt

in deutliches Einkommensplus und die Einebnung des Ost-West-Tarifgefälles: Der Kautschuk-Abschluss 2011 ist unter Dach und Fach. Die Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen steigen vom 1. Januar an um drei Prozent. Zum 1. April tritt eine weitere Erhöhung um ein Prozent in Kraft. Für Oktober bis Dezember erhalten die rund 25 000 Beschäftigten eine Einmalzahlung von 200 Euro, Auszubildende bekommen 60 Euro. Der neue Tarifvertrag läuft bis zum 30. April 2013. IG BCE und Arbeitgeber haben sich verbindlich darauf verständigt, die Ost-Tarife stufenweise an das West-Niveau heranzuführen. Bis zum 1. April 2020 steigen die Entgelte in den Ost-Bundesländern zusätzlich um bis zu zwölf Prozent. Damit werden 96 Prozent des hessischen Niveaus erreicht und das Tarifgefälle faktisch eingeebnet sein. »Mit einem Kraftakt ist es uns gelungen, die tarifliche

Ost-West-Lücke in der Kautschukindustrie zu schließen. Das ist ein Erfolg der Solidarität, wir haben einen Meilenstein gesetzt«, sagte Verhandlungsführer Marc Welters. Auch in einem dritten Bereich wurde eine Einigung erzielt. Der »Verein zur Beschäftigungsförderung« (VzB) steht finanziell wieder auf einem soliden Fundament. Zum Hintergrund: Der VzB wurde im Jahr 2000 gemeinsam von Arbeitgebern und IG BCE gegründet, der Name benennt

zugleich das Ziel – es geht um Sicherung und Förderung von Beschäftigung in der deutschen Kautschukindustrie. In der jüngeren Vergangenheit ist der VzB bis an die Grenzen seiner Möglichkeiten gegangen, die Kassen waren leer. Jetzt ist gesichert, dass die Arbeitgeber frisches Geld nachschießen werden: 2,4 Millionen Euro bis 2015. Damit ist sichergestellt, dass beispielsweise Zuschüsse zur Lohnfortzahlung im Krankheitsfall weiterbezahlt werden

können. Gute Nachricht auch für die Altersteilzeitler: Die Ausgleichszahlungen bei Rentenabschlägen sind ebenfalls gewährleistet. Die Bundestarifkommission der IG BCE hat dem Abschluss nach einer intensiven Diskussion zugestimmt. Ausschlaggebend, so Marc Welters, »war das Gesamtpaket. Angleichung Ost, Tabellenerhöhung und VzB-Sicherung – das alles zusammen ist ein tragfähiger Kompromiss«.  Michael Denecke Foto: Franz Bischof

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Rund 200 Beschäftigte aus der Kautschukindustrie stärkten der gewerkschaftlichen Verhandlungskommission in Kassel den Rücken.

Papier: Gutes Geld für gute Arbeit Darmstadt | Forderungskatalog für Tarifrunde beschlossen/Verhandlungen beginnen am 7. November

D

ie IG BCE fordert für die rund 40  000 Beschäftigten der Papierindustrie eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um sechs Prozent. Mindestens jedoch jenen Eurobetrag, der sich aus Anhebung der höchsten Lohngruppe um sechs Prozent ergibt. Der Tarifvertrag soll eine Laufzeit von zwölf Monaten haben. Die wirtschaftliche Lage in der Papierindustrie ist unein-

heitlich. Einer ganzen Reihe von Unternehmen geht es ausgesprochen gut. Doch es brummt nicht überall. Einige Betriebe kämpfen ums nackte Überleben, in anderen drohen Entlassungswellen. Die Branche stöhnt über hohe Energiepreise, weist auf die Nachteile im europäischen und internationalen Wettbewerb hin. Doch dieses Problem kann grundsätzlich nicht

über die Entgelte gelöst werden. Zudem liegt die Lohnquote – das ist der Anteil der Löhne und Gehälter am Umsatz – bereits unter zehn Prozent. An dieser Schraube lässt sich kaum noch drehen. Ohnehin führt es in die Sackgasse, ausschließlich auf Verringerung der Personalkosten zu setzen. Denn nur mit motivierten Beschäftigten ist das Qualitätsniveau zu halten

und zu verbessern. Also gilt: Gutes Geld für gute Arbeit – Jetzt sind wir dran. IG-BCE-Verhandlungsführer Holger Nieden erwartet »eine schwierige Runde. Wir brauchen Bewegung in den Betrieben. Ohne hohes Engagement vor Ort wird es nicht gelingen, einen vernünftigen Abschluss zu erzielen.« Verhandlungsauftakt ist am 7. November in Darmstadt.md

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vor ort Erneuerbare Energien

DIE DEUTSCHE SOLARPRODUKTION

steckt in der Krise. Die IG BCE fordert von den Unternehmen fairen Wettbewerb und gute Arbeitsbedingungen.

Solarwirtschaft unter Druck BItterfeld/wolfen | Meldungen von Personalabbau, Kurzarbeit und Insolvenz prägen die Stimmung in der Branche. Dabei steigt der Anteil des durch Sonnenenergie erzeugten Stroms am Brutto-Stromverbrauch stetig an. Der Bundesverband Solar rechnet allein für dieses Jahr mit fünf Gigawatt neu installierter Photovoltaik-Leistung. Erhard Koppitz, Bezirksleiter in Halle-Magdeburg, setzt sich seit Langem für die Solar-

unternehmen ein. In seinem Bezirk liegt in der Nähe von Wolfen das »Solar Valley«, ein Zentrum der deutschen Solarwirtschaft. Mehr als 3000 Beschäftigte arbeiten dort bei Firmen wie dem Solarunternehmen Q-Cells oder dem Modulproduzenten Sovello. Ende September hat Koppitz den »Arbeitskreis Solar Sachsen-Anhalt« ins Leben gerufen, ein Netzwerk von Betriebsräten der Solarbranche, dem auch das sachsen-anhal-

Workshop »Photovoltaik« in Kassel »Die deutsche PhotovoltaikIndustrie am Scheideweg? – Zukunft von Unternehmen und Beschäftigung sichern« lautet das Thema des fünften Photovoltaik-Workshops der IG BCE am 8. und 9. November in Kassel. Eingeladen sind Betriebsrätinnen und Betriebsräte der Solarbetriebe.

Teilnehmen werden Peter Hausmann, Tarifexperte im geschäftsführenden IG-BCEHauptvorstand, Dr. Karsten Hess (Bundesforschungsministerium) und ein Fachanwalt für Arbeitsrecht. Weitere Infos bei Christina Fette, Telefon 0511 7631-294, oder per E-Mail: christina.fette@igbce.de

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tinische Wirtschaftsministerium angehört: »Wir wollen eine gute und schnelle Kommunikation unter den Betriebsräten der verschiedenen Unternehmen, um den politischen Einfluss zu verstärken und mittelfristig die Betriebe in Tarifverträge einzubinden.« »Billige Angebote, vor allem aus Asien, machen den Betrieben Druck«, beschreibt Koppitz die aktuelle Situation. »Wir müssen aufpassen, dass die Konkurrenz nicht weiter auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen wird. Unser Anspruch ist, dass wir gute Arbeit bieten, dazu gehören die Arbeitsbedingungen.« Seine Gegenstrategie: »Wir etablieren zunächst Mitbestimmung in den Unternehmen. Mit den gewerkschaftlich organisierten Betriebsräten und Beschäftigten bauen wir dann Strukturen für eine Tarifarbeit auf.«

»Wir brauchen gemeinsame tarifvertragliche Regelungen.« Maik Bethmann stellvertretender Betriebsratsvorsitzender Sovello AG

Ein besserer Informationsaustausch untereinander und tarifvertragliche Regelungen sind auch für Maik Bethmann, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender der Sovello AG, ein richtiger Ansatz: »Wir haben schon immer Kontakt zu einzelnen Solarfirmen gehabt. Aber wir brauchen ein gemeinsames Sprachrohr. Das muss auch heißen, über Gewerkschaftsgrenzen hinaus zusammenzuarbeiten.«


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Fragen an Anke Martin-Heede

Fotos (2): Sven Doering/Agentur Focus

Die Betriebsratsvorsitzende von SolarWorld am Standort Freiberg/Sachsen über die Firmentarifverhandlungen.

Produktion bei SolarWorld: Tarifvertragliche Regelungen eröffnen den Beschäftigten in der Solarwirtschaft Zukunftsperspektiven.

Ein Manteltarif, der »be-

»Wir müssen was tun. Sonst ist die Branche aus Deutschland weg.« Peter Kleinsorge stellvertretender Betriebsratsvorsitzender Schott Solar

Maik Bethmann hofft zudem, dass Solarfirmen außerhalb Sachsen-Anhalts zum Arbeitskreis hinzukommen, um gemeinsame Positionen zu erarbeiten und so die Tarifarbeit vorantreiben: »Bei Sovello sind wir tarifgeführt, auch bei anderen Solarfirmen wie SolarWorld ist das so. Langfristig wünsche ich mir gemeinsame tarifvertragliche Regelung, also einen Solartarifvertrag.«

triebliche Flexibilität möglich macht«, schwebt Marc Welters, in der Abteilung Tarifpolitik der IG BCE zuständig für die Branche, vor: »Daran arbeiten wir.« Allerdings gibt es keinen Arbeitgeberverband der Solarwirtschaft als Verhandlungspartner für einen Flächentarifvertrag Solar. »Wir müssen an dieser Stelle ein neues Element gestalten, einen Rahmentarifvertrag Solar der Gewerkschaft«, so Welters. Für Peter Kleinsorge, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender von Schott Solar in Alzenau, sind eine vernünftige Tarifarbeit der Gewerkschaft und das geschlossene Auftreten von Beschäftigten und Gewerkschaftsvertretern wichtig: »Es geht um Weichenstellungen im Energiekonzept. Wir müssen was tun! Denn sonst ist diese Branche aus Deutschland weg.«  Susanne Kettelför

Der Betriebsrat verhandelt aktuell einen neuen Firmentarifvertrag und fordert 6,8 Prozent mehr Entgelt bei einer Laufzeit von 12 Monaten. Wie hat die Geschäftsführung reagiert? Die Geschäftsführung hatte erwartet, dass wir angesichts der Lage der Solarbranche insgesamt eine neue Forderung aufstellen und auf unserer letzten Betriebsversammlung lediglich eine Einmalzahlung in Aussicht gestellt. In der Tarifrunde aber wollen wir eine Erhöhung der Entgelte vereinbaren. Wir sehen dafür ausreichend Spielraum. Die Stimmung in der Belegschaft geht auch immer mehr in diese Richtung: Wir verzeichnen in den letzten Monaten einen Mitgliederzuwachs im dreistelligen Bereich. Dabei hat SolarWorld am Standort Freiberg seit Mitte August 300 Leiharbeitskräfte vor die Tür gesetzt . . . Die Krise in der Photovoltaik-Branche geht auch an uns nicht vorüber. Der Abbau bei den Leiharbeitern hat uns erst mal vor betriebsbedingten Kündigungen bewahrt, aber wie kurzfristig und in welcher Art und Weise das geschehen ist, das hat uns als Betriebsräte doch überrascht. Welchen Ansatz verfolgt der Betriebsrat angesichts der Konjunkturlage der deutschen PhotovoltaikBranche? Wir nehmen die Situation sehr ernst und wollen mit dem Arbeitgeber über eine detaillierte Personalplanung beraten. Dazu nehmen wir das Angebot der IG BCE zu einem Photovoltaik-Workshop wahr, bei dem wir uns mit Betriebsrätinnen und Betriebsräten aus anderen Unternehmen austauschen können. Weil wir hier in Freiberg ein Verbund von Firmen sind, haben wir die Möglichkeit, Kollegen von A nach B zu versetzen. So können wir unter Umständen betriebsbedingte Kündigung vermeiden. Wir müssen schauen, wo wir sparen können, das darf aber nicht auf Kosten des Personals gehen.

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kompakt | November 2011 | 27


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vor ort Baden-Württemberg NA M EN & NACHRICH T EN

Azubi-Kennenlernparty

biberach | Die JAV lud ein und rund 100 junge Menschen

kamen. »Eine super Resonanz«, begeisterte sich JAV-Vorsitzender Erik Volkmann von der gelungenen Azubi-Party bei Boehringer Ingelheim. Fernab vom Betriebsgelände fanden erfahrene und neue Azubis zusammen und grillten bis tief in die Nacht hinein. Mit von der Partie: das IG-BCE-Team vom Bezirk Ulm, das mit reichlich Kaffee die Besucher fit hielt. Und natürlich vor allem auf die Interessenarbeit für Auszubildende hingewiesen hat. »Insbesondere unser Engagement für bessere Übernahmechancen hat einige Azubis dazu bewogen, gleich vor Ort Mitglied zu werden«, berichtet der neue Gewerkschaftssekretär Markus Wimmer.

Ortsgruppen-Herbstfest

Rendite killt Tradition östringen | Proteste gegen Ende der Nylonfaser-Ära

Noch im Frühjahr hat die IG BCE die Schließungsankündigung des Nilit-Standortes Östringen mit einem Standortsicherungskonzept abwenden können, nun aber Protest in Östringen: Beschäftigte demonsnimmt der ameri- trieren gegen die Werkschließung von Nilit. kanische Konzern Invista den rund 270 Nilit- weil Invista sein großes, zuBeschäftigten endgültig die sammenhängendes FirmenLuft zum Atmen: Weil Invis- gelände zurückbekommen ta die Mietverträge für die will, welches sich im Ganzen Werkhallen gekündigt hat, wohl renditestärker verkaumuss das Nylonfaserwerk fen lässt«, so Gewerkschaftsseine Produktion in Deutsch- sekretär Thomas Niebrügge. land bis Ende März 2012 Er setzt sich für einen »bebeenden. Ein – grundloser – sonnenen Umgang mit den Schlag ins Gesicht: »270 Fa- Mitarbeitern und einen vermilien verlieren ihre Existenz, nünftigen Sozialplan« ein.

Dialog gewinnt Fahrt ludwigsburg | Staatssekretär zu Besuch

ladenburg | Ihr traditionelles Herbstfest feierte die Ortsgruppe Ladenburg in diesem Jahr mit einem Teilnehmerrekord: 180 Mitglieder kamen zu der Veranstaltung (Foto oben), die in diesem Jahr als »Irisch-schottischer Abend« über die Bühne ging. Live-Folkmusik und eine Dudelsackgruppe im Schottenrock (Foto unten) heizten den Zuschauern ordentlich ein. Stilecht auch das Essen: Irish Stew, Shepherds Pie und Guinness-Gulasch. »Einzig die Spendenpräsente waren nicht irisch-schottisch, sondern von Betrieben aus dem Bezirksbereich gesponsert«, freute sich Ortsgruppenvorsitzender Bernd Schuhmacher. Das aber dürfte den Kindern und Verantwortlichen des heilpädagogischen Kinderheims der AWO in Ladenburg gleich gewesen sein. Sie freuten sich über eine Spende von 640 Euro.

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Bei der jüngsten Bezirksvor- den und damit Arbeitsplätze standssitzung in Ludwigsburg gesichert bleiben. war der Staatssekretär des FiDer Bezirk wertet den Benanz- und Wirtschaftsminis- such als guten Einstieg in teriums, Ingo Rust, zu Gast. die Zusammenarbeit mit der Neben dem Fazit der ersten neuen Landesregierung. Zu100 Tage Regierungsverant- mal Bezirksleiter Andreas wortung standen die Themen Klose Rust gleich auch noch Energie und Weiterbildung im als neues Mitglied gewinnen Mittelpunkt. Der Bezirksvor- konnte. Der Staatssekretär trat stand machte in der Diskus- vor Ort der IG BCE bei. sionsrunde deutlich, dass das Thema Energiepolitik und die damit verbundene Energiepreisfrage für viele Unternehmen unserer Branchen mitentscheidet, ob Innovationsprozesse Der Bezirksvorstand Kornwestheim empfängt weiterhin stattfin- Staatssekretär Ingo Rust (Zweiter von rechts).


Gut verhandelt mannheim | Kunststoffindustrie zahlt drei Prozent mehr

3000 Beschäftigte der südwestdeutschen Kunststoff verarbeitenden Industrie bekommen ab sofort mehr Geld: Nach einer Anhebung der Entgeltsätze um 15 Euro je Entgeltgruppe steigen die Löhne dann um drei Prozent. Jeder Mitarbeiter erhält zusätzlich eine Einmalzahlung von 50 Euro. Letztere lässt sich in Einzelfällen im Einvernehmen zwischen Betriebsrat und Arbeitgeber bis in den Januar verschieben. Gute Nachrichten auch für den Nach-

wuchs: Die Ausbildungsvergütungen steigen um 3,6 Prozent. »Nach neunstündiger Verhandlung können wir mit dem Ergebnis als machbarem Kompromiss gut leben«, sagt der Verhandlungsführer und stellvertretende Landesbezirksleiter Uwe Bruchmüller. Der neue Tarif gilt für 14 Monate. Die IG BCE bedankt sich bei allen, die mit lebhaften Diskussionen in den Betrieben die Verhandlungen unterstützt haben.

NA M EN & NACHRICH T EN

Zielgruppenarbeit vertiefen stuttgart | Kon-

struktiv-kritisch hat der Landesbezirk seine Zielgruppenarbeit diskutiert. »Wir haben es noch nicht geschafft, allen Menschen bei für sie wichtigen Themen Angebote zu unterbreiten«, so der stellvertretende Landesbezirksleiter Uwe Bruchmüller. Die Tagung im Schlosshotel Monrepos in Ludwigsburg sieht er deshalb als Auftakt. Konkrete Ergebnisse für jeden Bezirk soll eine Folgeveranstaltung liefern.

Modernes Vorantreiben kornwestheim | Als »moderne

Darstellung einer modernen Gewerkschaft« beschreibt Bezirksleiter Andreas Klose (links auf dem Foto) das gut zehn Quadratmeter große, jüngst fertiggestellte Sprayergemälde im Bezirksbüro. Künstler Wolfgang Kroner (rechts im Bild) hat auf ihm den Wandel der IG BCE festgehalten: angefangen von den traditionellen Branchen des Bergbaus und der Lederverarbeitung bis hin zu erneuerbarer Energie und Nanotechnik.

27 Teilnehmer haben sich in das anderthalbjährige Kompetenzentwicklungsprogramm des Bezirks Mannheim eingeschrieben.

Gut gerüstet mannheim | Betriebsräte qualifizieren sich weiter

27 Kolleginnen und Kollegen aus elf Betrieben haben sich in das Mitte September begonnene Qualifizierungsprogramm »Kompetenzentwicklung für Betriebsräte – Talente II« eingeschrieben. Die Teilnehmer durchlaufen in den kommenden anderthalb Jahren eine spezielle Fortbildung: Zunächst gilt es, die persönliche Fach-, Methoden- und Sozialkompetenz mit Projektarbeit und Kommunikationstraining weiter auszubauen.

Ein wichtiges Ziel des Programms ist danach die gegenseitige Vernetzung der einzelnen Betriebsräte – die sich dann in ihrer täglichen Arbeit untereinander austauschen sollen. Weiterer Schwerpunkt: die gewerkschaftliche Betriebsratsarbeit. Zum Auftakt haben die »Talente« Arbeitsgruppen gebildet. Sie werden in den nächsten Wochen betriebsübergreifend außerhalb der Seminareinheiten eine Präsentation zum Thema Betriebsverfassung erarbeiten.

Ansprechpartner gewechselt freiburg | Gerd Laskowski (Foto) verstärkt nach dem Weggang von Oliver Hecker das Team im Bezirk Freiburg. Der 55-Jährige arbeitet seit fast 20 Jahren als Sekretär bei der IG BCE. Er übernimmt die Tätigkeitsfelder seines Vorgängers, unter anderem Betriebsbetreuung und Rechtsberatung.

Urgestein verabschiedet ulm | Der Bezirk Ulm hat seine Mitarbeiterin Gisela Franz (Foto, Zweite von links) in die zweite Phase der Altersteilzeit verabschiedet. Nach 33 Jahren aktiver, engagierter Arbeit bedankte sich das Team für gute und kollegiale Zusammenarbeit. Freie Zeit hat Gisela Franz aber jetzt nur auf dem Papier: Einen Laptop hat sie sich bereits angeschafft, ebenso will sie nun den einen oder anderen Kochkurs absolvieren.

kompakt | November 2011 | 29


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vor ort Bayern N A M EN & N A CH R I CH T EN

Steuer für Spekulanten München | Der bayerische DGB-Bezirksvorstand unterstützt eine Aktion der Evangelischen Landeskirche in Bayern zur sofortigen Einführung der Finanztransaktionssteuer. »Die Finanztransaktionssteuer streut Sand ins Getriebe der Finanzmärkte und hilft, die Finanzjongleure zu bremsen«, erklärte der bayerische DGB-Vorsitzende Matthias Jena (Foto, links). Vor allem beteilige sie den Finanzsektor an den Kosten der von ihm ausgelösten Wirtschaftskrise. Bundesweit sollen alle Wertpapiergeschäfte mit einer Art Umsatzsteuer zwischen 0,01 und 0,05 Prozent belegt werden. Weitere Infos im Internet: www.bayern-evangelisch.de

Tarifrunden: Sei dabei! münchen | Im November werden die Tarife für die Beschäf-

tigten in der bayerischen Hohl- und Kristallglasindustrie als auch in der Papierindustrie verhandelt. IG-BCE-Mitglieder können sich per SMS informieren lassen. Einfach eine E-Mail mit Name, Branche, Betrieb und Handy-Nummer an lb.bayern@igbce.de senden und sich registrieren lassen. Weitere Infos im Internet: www.bayern.igbce.de

Werberhitparade 21 Aufnahmen: Betriebsrat Peguform (Neustadt); 18 Aufnahmen: Horst Heidenfelder (Oechsler, Ansbach); 16 Aufnahmen: Karl Löffler (Faurecia, Pappenheim); 14 Aufnahmen: Johann Grau (Kautex, Mallersdorf); 13 Aufnahmen: Everett Eichinger (Zwiesel Kristallglas, Zwiesel); 12 Aufnahmen: Gert Pilz (Alfmeier, Treuchtlingen); 9 Aufnahmen: Helmut Faber (MD, Plattling), Willi Gaull (ThyssenKruppXervon, Münchsmünster), Gerd Pfaff (Scherer und Trier, Michelau); 8 Aufnahmen: Betriebsrat/JAV Inoutic (Straubing), Michael Fellner (Oechsler, Weißenburg), Norbert Schmehle (Hermann Koch, Coburg); 7 Aufnahmen: Norbert Lechermann (Peguform, Neustadt), Erwin Neidiger (Bolta, Leinburg), Erich Puschnik (Wellpappe, Forchheim), Stefan Schmidt (Peguform, Neustadt), Roswitha Vitale (Peguform, Neustadt); 6 Aufnahmen: Sebastian Barnickel (Heinz Glas, Tettau), Angelika Neppl (Peguform, Neustadt), Johann Rüger (OWA, Amorbach), Stefanie Schneider (Petropuls, Ingolstadt), Elisabeth Williams (Rebhan, Stockheim); 5 Aufnahmen: Werner Fehn (Wiegand Glas, Steinbach), Manfred Höfler (Transfertex, Kleinostheim).

28 | kompakt | November 2011

Bayerische Energiewen 

München | Ringen um wettbewerbsfähige Strompreise/Politik  Rund 150 Teilnehmer aus energieintensiven Industrien waren zur – von der IG BCE initiierten – Sozialpartnertagung »Energiewende in Bayern« zusammengekommen. »Funktioniert die Energiewende in Bayern nicht«, betonte Dr. Peter Umfug, »so ist sie insgesamt gescheitert.« Mit diesen Worten verwies der Hauptgeschäftsführer der Bayerischen Chemieverbände auch auf die Dringlichkeit des Treffens, das Unternehmer und Betriebsräte aus der Chemie-, Glas- und Papierindustrie, Gewerkschaftsvertreter und Politik zusammenführte, um energiepolitische Beschlüsse zu prüfen. »Die energieintensiven Industrien werden in der Debatte nicht gehört. Wir müssen uns aber gemeinsam zu Treibern dieser Energiewende machen«, sagte Michael Vassiliadis, Vorsitzender der IG BCE. Dass dabei speziell im Freistaat eine »Herkulesaufgabe« zu leisten sei, darin waren sich die Teilnehmer einig. Schließlich beträgt der Anteil der Kernenergie in Bayern an der Stromerzeugung derzeit rund 60 Prozent.

Ebenfalls als unstrittig kristallisierte sich heraus, dass die Energiewende, so Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) unumwunden, »für je-

Dr. Rudolf Staudigl, Vorstandsvorsitzender Wacker Chemie

»Stabile und kostengünstige Energieversorgung ist eine Grundbedingung.« den teuer werden wird«. Was der Umbau der Energieversorgung jedoch in keinem Falle kosten sollte, sei die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Industrie. Welche Maßnahmen dafür jedoch erforderlich seien, darüber gingen die Meinungen zwischen Wirtschaft und Politik auseinander. Um Bayern als wichtigen Produktionsstandort zu erhalten, gab es unterschiedliche Ansatzpunkte. »Die Stromsteuer sollte abgeschafft werden«, forderte in diesem Zusammenhang der Wacker-Chemie-Vorstandsvor-


Foto: Stefan Obermeier

B AY E R N S ENE R G I E K O N Z E P T

Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil nimmt Stellung zum Umbau der Energieversorgung. Auf dem Podium die Veranstalter (von links): Dr. Thorsten Arl (Bayerische Papierverbände), Seppel Kraus (IGBCE-Landesbezirksleiter), Dr. Peter Umfug (Bayerische Chemieverbände) sowie Harms Lefnaer, (AGV Glas und Solar).

 de auf dem Prüfstand

  muss handeln/Prozess begleiten sitzende Dr. Rudolf Staudigl, »sowohl für private Verbraucher als auch für die Industrie«. Dies begrüßte selbst Wirtschaftsminister Zeil. Gleichzeitig wies Zeil jedoch daraufhin, dies könne nur in einem berechenbaren Konzept geschehen. Darüber hinaus plädierte Staudigl für staatliche Regulierung und einen jahresweise festgeschriebenen Strompreis, um Planungssicherheit für die Industrie zu schaffen. Außerdem sprach er sich strikt gegen den Handel mit CO2-Zertifikaten aus. Nur auf globaler Ebene sei dieser wirklich sinnvoll.

Martin Zeil, Wirtschaftsminister Freistaat Bayern

»Bayern muss auch in Zukunft Industriestandort bleiben.« Den Einfluss nationaler Strompreise im internationalen Wettbewerb thematisierte auch Dr. Hartmut Wurster, Vor-

standsmitglied des finnischen Papierkonzerns UPM, der vier Produktionsstandorte in Bayern hat. »Wir können keinen Strompreis garantieren«, musste Minister Zeil allerdings einräumen. Sein Angebot: Die energieintensiven Industrien

münchen | Die Hälfte des Stroms aus erneuerbaren Energien und spätestens 2022 raus aus der Atomenergie, verspricht Bayerns neues Energiekonzept. Der Freistaat will den Anteil erneuerbarer Ener- Stromverbrauch in Bayern nach Sektoren. gien innerhalb der nächsten zehn Jahre verdoppeln. Bei der Fotovoltaik soll die Gesamtleistung sogar mehr als verdreifacht werden. Auch die Windkraft soll massiv ausgebaut werden, und zwar von momentan knapp 1 Prozent auf 10 Prozent. Dafür sind bis zu 1500 Windräder nötig. Bei der Nutzung der Windenergie stellt freilich die Verbindung der Windparks auf See in die Verbraucherzentren im Süden Deutschlands eine der größten Herausforderungen dar. Der Beitrag des Energieträgers Biomasse soll sich auf 10 Prozent erhöhen. Bayern nutzt die Wasserkraft bereits intensiv. Vorgesehen ist, dass

Michael Vassiliadis, IG-BCE-Vorsitzender

»Wir müssen gemeinsam Treiber dieser Energiewende werden.« arbeiten in der Bayerischen Energieagentur mit und beteiligen sich am Monitoring. »Die Politik ist in der Verantwortung und niemand sonst«, stellte Chemiechef Umfug am Ende der Tagung nochmals vehement klar. IG-BCE-Landesbezirksleiter Seppel Kraus: «Wir überlegen, den Prozess mit weiteren, jährlichen Sozialpartnertagungen zu begleiten.«

Weitere Infos im Internet: www.bayern.igbce.de

Stromverbrauch beziehungsweise Stromerzeugung nach Energieträgern in Bayern 2009.

durch Modernisierung und Erweiterung bereits bestehender Anlagen die Stromerzeugung auf rund 17 Prozent gesteigert wird. Weitere Ziele sind vor allem der Ausbau von Gaskraftwerken und Stromnetzen sowie Energieeinsparungen, beispielsweise durch Gebäudesanierung. Allerdings bleibt nach dem bisherigen Energiekonzept dennoch eine Erzeugungslücke von 30 Prozent. Deckung des Stromverbrauchs 2021.

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vor ort Hessen-Thüringen NA M EN & NA C H R I C H TEN

Es ging hoch hinaus

Landesbezirk: Neuer Stellvertreter

kassel | Teamfindung im Klettergarten

frankfurt | Osman Ulusoy, seit 2003 Bezirksleiter der IG BCE in Darmstadt, trat im Oktober sein neues Amt als stellvertretender Landesbezirksleiter an. Der Vorstand des Landesbezirks HessenThüringen hatte ihn im Juni einstimmig gewählt. Seit 1991 hatte Osman Ulusoy unterschiedliche Funktionen in der IG Chemie-Papier-Keramik und danach in der IG Bergbau, Chemie, Energie wahrgenommen. Er ist bundesweit der erste Kollege mit Migrationshintergrund in einer solchen Funktion, für Landesbezirksleiter Volker Weber »ein Beleg dafür, dass in unserer Gewerkschaft nicht zählt, woher man kommt, sondern wie man sich einbringt«.

»Wir lassen dich nicht hängen!« – unter diesem Motto ging es für 14 junge Mitglieder der Ortsgruppe GuxhagenKörle zur Teamfindung in den Hochseilgarten nach Kassel. »Das war ganz schön hoch«, sagte Ortsgruppenvorsitzender Markus Schweinsberg danach, »aber wenn man erst einmal im Team einen Parcours geschafft hat, schweißt das zusammen und man ist gemeinsam stolz.«

Im Gespräch mit der Jugend kassel | Am 15. Sep-

tember lud der Bezirksvorstand der IG BCE Kassel den Bezirksjugendausschuss zu einer gemeinsamen Sitzung ein, um über die Wünsche und Bedürfnisse der jungen Generation zu sprechen. Dr. Gudrun Quenzel, Dozentin an der Universität in Bielefeld und maßgeblich an der bekannten Shell-Jugendstudie beteiligt, führte in das Thema ein (Foto). Die Studie analysiert in mehrjährigen Abständen, wie Jugendliche »ticken«, was sie berührt und was im Leben der heutigen Generation keine Rolle spielt. »Die Jugend von heute ist nicht anders als die Generationen vor ihr«, so Quenzels Botschaft. »Sie hat prinzipiell dieselben Bedürfnisse nach Sicherheit und Wohlstand.«

60 Jahre IG BCE in Diemelsee adorf | Mehr als 100 Gäste und zahlreiche Gratulanten kamen zum 60. Geburtstag der IG-BCE-Ortsgruppe Diemelsee. Ortsgruppenvorsitzender Erwin Lueg führte durch ein anspruchsvolles Programm. Bildungsobmann Karl-Heinrich Behle schilderte kurzweilig die Geschichte der Ortsgruppe. Bezirksleiter Friedrich Nothelfer gab einen spannenden Einblick in die Gründerzeit der gewerkschaftlichen Ortsgruppen in den späten 40er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Er forderte die Herausforderungen der heutigen Zeit anzunehmen und unter Einbeziehung der Jugend die Arbeit in den Ortsgruppen zielstrebig fortzuführen. Musikalisch eingebettet wurden die Beiträge durch den Knappenchor Adorf und den Mädchen- und Frauenchor Sing & Swing.

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Höhenflüge mit der IG BCE.

Unruhe bei Eurest frankfurt | Tarifeinheit im Industriepark gefordert

Der Verlauf der bisherigen Tarifverhandlungen bei Eurest im Industriepark Höchst hat für erhebliche Unruhe in der Belegschaft gesorgt. Die Kolleginnen und Kollegen erwarten, dass Solidaritätsunterschriften für die Eurest. Eurest auch tarifpolitisch uneingeschränkt die men, den Betrieb aufrechtzuZuständigkeit der IG BCE für erhalten – während zeitgleich den Industriepark Höchst ak- in der Jahrhunderthalle die zeptiert. Nachdem auch in siebenstündige Betriebsverder dritten Verhandlungsrun- sammlung der Eurest-Mitarde kein Ergebnis erreicht und beiter stattfand. die Verunsicherung der BelegZahlreiche Solidaritätserschaft immer größer wurde, klärungen der Betriebsräte am entschloss sich der Betriebsrat Industriepark wurden dort zu einer ganztägigen Betriebs- verlesen. Der ganze Industrieversammlung, um genügend park war in Bewegung. Die IG Zeit für eine umfassende Aus- BCE konnte zeigen, dass alle sprache und Diskussion in der an einem Strang ziehen, wenn Belegschaft zu haben. es darum geht, die Tarifeinheit Dies sorgte am Standort für zu sichern. Das sollte auch für erheblichen Wirbel. Mit exter- Eurest ein klares Zeichen sein, nen Kräften und zusätzlicher die besonderen Bedingungen Unterstützung aus der Verwal- am Industriepark nicht weitertung versuchte das Unterneh- hin zu ignorieren.


Arbeitsplätze gesichert

Jugendoffensive beschlossen

Giessen | Erfolg bei Poppe

Die Inhaber der Firma Poppe GmbH Gießen hatten schon vor einem Jahr entschieden, das Werk 1 in Gießen komplett zu schließen und die Arbeitsplätze nach Ahrensbök an der Nordsee zu verlagern. Dies hätte den Verlust von rund 140 Arbeitsplätzen am Standort Gießen zur Folge gehabt. Nach fast genau zwölf Monaten Verhandlung des Betriebsrates mit Unterstützung eines externen Anwaltes und der IG BCE ist es nun gelungen, einen Abschluss zu erzielen: Es wird im Rahmen des Umzuges zu keiner einzigen

NA M EN & NA C H R I C H TEN

betriebsbedingten Kündigung kommen! Der bisherige Produktionsbereich aus dem Werk 1 wird zwar nach wie vor verlagert, aber dafür werden Produktionsaufgaben aus anderen Werken zu Poppe Gießen kommen, die in der Vergangenheit überwiegend von Leiharbeitern erledigt wurden. Ein Umschulungsprogramm und eine erstklassige Einkommensgarantie ergänzen die Vereinbarung. Gelingen konnte dies nur, weil Betriebsrat und IG BCE über Monate eng und effektiv zusammengearbeitet haben.

Diskussion um Strom hohenwarte | Die Zukunft der Energiewirtschaft

Energiepolitik hat auch aus gewerkschaftlicher Sicht eine hohe Bedeutung. Deshalb stellte sich der Bezirksfrauenausschuss dieser Thematik und lud interessierte Frauen des Bezirks Thü- Ortstermin bei Vattenfall in Hohenwarte. ringen in das Pumpspeicherwerk Hohen- über Energiequellen und die warte der Vattenfall Europe Bedeutung eines WasserkraftGeneration AG zum Tages- werkes für das Ausgleichen von Stromspitzen: Pumpspeiseminar ein. Als Referent und Diskus- cherkraftwerke decken, so sionspartner stand der Be- erfuhren die Teilnehmerintriebsratsvorsitzende Werner nen, 3,2 Prozent des deutSchneider zur Verfügung. Die schen Verbrauchs und sind Besichtigung des Pumpspei- bisher die einzig nennenscherwerkes zu Beginn des werte Möglichkeit der StromSeminars war eine wichtige speicherung. Es war eine außergewöhnGrundlage für die anschließende Diskussion über Ener- liche, interessante und inforgiepolitik früher und heute, mative Veranstaltung.

darmstadt | Anfang September trafen sich die Jugend- und Auszubildendenvertretungen des Bezirks Darmstadt. Top-Themen waren die Frage, wie junge Menschen für die Gewerkschaftsarbeit zu begeistern sind und die Azubi-Neuanwerbung. Die Teilnehmer analysierten den aktuellen Organisationsgrad und suchten alternative Möglichkeiten der Ansprache. Die Situation in den Betrieben wurde gemeinsam betrachtet und ein Maßnahmenkatalog fixiert. Das Ergebnis ist eine Jugendoffensive: Die Bildungsprogramme im Jugendbereich sollen weiter ausgebaut und das Thema Social Media (Facebook & Co.) weiterentwickelt werden. Um das Stimmungsbild zuverlässig einzufangen, wurde eine repräsentative Jugendumfrage gestartet. Nach getaner Arbeit fanden sich die Jugendvertreter zusammen, um gemeinsam zu grillen und zu chillen (Foto).

Arbeitskreis Kunststoff gegründet kassel | Am 6. September wurde der Arbeitskreis Kunststoff im Bezirk Kassel ins Leben gerufen (Foto). Er soll Betriebsräten und Vertrauensleuten der Kunststoffindustrie eine Plattform bieten, um sich über aktuelle Themen auszutauschen und zu vernetzen. Nach einer Vorstellungsrunde wurde sehr schnell klar, dass die Themen Demografie und Tarif Kunststoff eine große Rolle spielen. In der nächsten Sitzung wird das Thema alternsgerechtes Arbeiten behandelt. Außerdem nahm sich der Arbeitskreis vor, sich in den Firmen der Mitglieder zu treffen, um dies mit Arbeitsplatzbegehungen zu verbinden. Die nächste Sitzung findet am 30. November ab 17:30 Uhr bei Hewi in Bad Arolsen statt.

Tag der offenen Tür bei Provadis frankfurt | Am 24. September fand im Rahmen des Tages der offenen Tür der chemischen Industrie auch der diesjährige Tag der offenen Tür des Ausbildungsbetriebes Provadis am Industriepark Höchst statt. Der IG-BCE-Bezirk Rhein-Main war mit einem Stand vertreten. Zahlreiche Besucher informierten sich über die Arbeit der IG BCE und viele Kolleginnen und Kollegen nutzten die Gelegenheit zum Gespräch mit Vertretern ihrer Gewerkschaft.

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vor ort Nord NAMEN & NACHR I CHTEN

Region will »bunt« sein

Einsatz für Übernahme

bockenem | Regionalforum macht mobil gegen rechts

hannover | Die Betriebsverein-

Fremdenfeindliches Verhalten schon im Anfangsstadium zu verhindern – das war Ziel einer Podiumsdiskussion des IG-BCE-Regionalforums Ambergau-Lammetal in Bockenem. Unter dem Motto »Der Ambergau soll bunt bleiben« hatten Gewerkschaft und evangelischer Jugenddienst Ende September dazu eingeladen. Der Grund: In jüngster Zeit waren rechtsextremistische Aktivitäten in der Region beobachtet worden. Giovanni Pollice (Foto), Abteilungsleiter für Migration und Integration bei der IG BCE, warnte vor der Gefährdung von Jugendlichen durch eine Beeinflussung von rechts. Dagmar Pallinger, Leiterin der Oberschule Bockenem, kündigte die Verankerung einer Extremismusklausel in

barung zur Weiterbeschäftigung der Auszubildenden ist die letzte Aktion von Marco Hamacher (Foto) für die Kolleginnen und Kollegen, mit denen er gelernt hat: Der bisherige Vorsitzende der Jugendund Auszubildendenvertretung (JAV) bei Abbott, inzwischen gelernter Pharmakant, geht zum Studium nach Münster. Im Rahmen der Kampagne »Unser Einsatz für deine Übernahme« hatte er sich für die Vereinbarung starkgemacht.

Hoffnung auf Transplantation neumünster | Dominik Bahr, stellvertretender JAV-Vorsitzender im Unternehmen Kieler Pharma- und Veterinärprodukte (KVP) und früher im Jahr an Leukämie erkrankt, hat Hoffnung auf Rettung: Bei einer groß angelegten Blutuntersuchung fanden sich im September zwei mögliche Spender von Knochenmark. Zur Unterstützung der Typisierungsaktion durch die Deutsche Knochenmarkspenderdatei in Neumünster hatten auch der KVP-Betriebsrat und der IG-BCE-Bezirk Schleswig-Holstein aufgerufen.

der Schulordnung an. Von den Präventionsprogrammen der Landesregierung berichtete die integrationspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Dr. Silke Lesemann. Der Vorsitzende des Regionalforums, Martin Sieber, unterstrich die Bedeutung von Präventionsarbeit. Im Vorfeld der Veranstaltung mit rund Hundert Interessierten waren rechtsextremistische Flugblätter verteilt worden. »Die Welt soll bunt bleiben«, wurde darin gefordert, »aber der Ambergau bleibt deutsch.«

Nachwuchs für die Industrie hannover | Betriebsräte und Personalverantwortliche aus

Chemieunternehmen diskutieren am 7. Dezember in Hannover auf Einladung von IG BCE und Arbeitgeberverband Chemie Nord, wie Nachwuchskräfte für die Industrie gewonnen werden können. Beim »Markt der Möglichkeiten« in der Hauptverwaltung der IG BCE stellen sich am folgenden Tag Betriebe und ihre Ausbildungsberufe vor.

Doppelt gewonnen Oldenburg | Wer bei

Nordland Papier in Dörpen neue Mitglieder für die IG BCE gewinnt, behält die von der Gewerkschaft vergebenen Werberpunkte nicht für sich selbst: Sie werden auf einem gemeinsamen Konto gesammelt. Die Prämien bekommen die neu organisierten Kolleginnen und Kollegen. Jetzt wurden sie unter 48 neuen Mitgliedern ausgelost, darunter ein Notebook, ein Navigator und eine Kaffeemaschine. Sie wurden den Gewinnern Paul Wolters, Kiram Ibrahim und Nicole Ahrens vom VKL-Vorsitzenden Thorsten Görlich (Foto) überreicht.

28 | kompakt | November 2011

»Und« statt »oder« ibbenbüren | Sozialpartner: Beruf und Familie vereinbaren

Zwischen Beruf und Familie passt kein »oder«: Das war Motto und zugleich Bilanz des IG-BCE-Frauenforums am 15. September in Lingen. Eingeladen hatte Familienbewusst: Frauenforum in Lingen. die Gewerkschaft gemeinsam mit dem Bundes- halten. Ursula Günster-Schöarbeitgeberverband Chemie. ning von der emsländischen 45 Unternehmensvertrete- Stiftung Beruf und Familie rinnen und Betriebsräte infor- stellte Beispiele der Kindermierten sich über familien- betreuung für kleine und mitbewusste Personalpolitik, bei- telständische Unternehmen spielsweise bei BASF Polyure- vor. Diskutiert wurde auch über thanes Lemförde. Der Betrieb hat dieses Jahr ein Zertifikat die Vereinbarkeit von Arbeit für Familienfreundlichkeit er- und Pflege in der Familie.


Netz für Pharma hamburg/neumünster | Betriebsräte bekommen Forum

Im Norden gibt es jetzt ein gewerkschaftliches Netzwerk für die Pharmaindustrie und Medizintechnik: Das haben die IG-BCE-Bezirke Schleswig-Holstein und Hamburg/ Harburg bei einem Treffen mit 15 Betriebsrätinnen und Betriebsräten aus sieben Unternehmen auf den Weg gebracht. Beim ersten Austausch am 16. September in Hamburg wurden die Trends in der Branche erörtert und Ziele formuliert. Etwa 14 000 Menschen sind in der Pharmaindustrie und Medizintechnik in beiden Bezirken beschäftigt, überwiegend in kleinen und mittleren Betrieben. Der Anteil der in Forschung und Entwicklung Arbeitenden ist mit 17 Prozent relativ hoch, erläuterte Oliver Hecker von der IGBCE-Abteilung Zielgruppen in seinem Referat. Innovationen seien allerdings rückläufig und die Forschung werde wegen des Kostenrisikos immer häufiger ausgelagert. Selbst etablierte Unternehmen setzten vermehrt auf Generika und produzierten die Wirkstoffe in China oder Indien. »Wir müssen Branchenstrategien entwickeln und eigene Themen platzieren«, forderte Hecker die Kolleginnen und Kollegen

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Fragen an Ralf Becker Der IG-BCE-Landesbezirksleiter Nord über die Mitgliederentwicklung.

»Pharma sind wir«: Projektsekretärin Cornelia Rottmann.

auf, »die Unternehmen machen das auch.« Cornelia Rottmann, seit acht Jahren ehrenamtlich für die IG BCE engagiert, hat im Juli die Arbeit am Netzwerk als Projektsekretärin aufgenommen. »Pharma und Medizintechnik – das sind wir, die Beschäftigten«, so die gelernte Chemielaborantin. Ihr geht es auch um das Image der Branche: »Wir stellen sicher, dass Patienten mit hochwertigen Arzneimitteln und Medizinprodukten versorgt werden.« Rottmann will für Austausch und Unterstützung sorgen, um die Gestaltungsspielräume für Betriebsräte zu erweitern. Außerdem solle ein öffentliches Bewusstsein dafür geschaffen werden, was die aktuellen Entwicklungen im Gesundheitswesen für die Branche bedeuten. »Die IG BCE verfügt über ein hohes Ansehen und kann auf die Politik im Interesse der Beschäftigten Einfluss nehmen«, meint die Verantwortliche für das Projekt im Rahmen »Zukunftsgewerkschaft Betriebsrätinnen beraten über neues Netzwerk. 2020«.

Wie hat sich der Mitgliederstand im Landesbezirk bisher entwickelt? Wir haben unser Ziel einer positiven Mitgliederentwicklung beinahe erreicht. Zum ersten Mal könnten wir in diesem Jahr »schwarze« Zahlen schreiben – wenn alles klappt. Derzeit hat die IG BCE im Norden knapp 90 000 Mitglieder. Welche Werbestrategien sind erfolgreich? Am einfachsten ist die Mitgliederwerbung in Konfliktsituationen, zum Beispiel bei Tarifverhandlungen. Dabei sind unsere Aktivitäten am leichtesten für alle spürbar. Gerade jetzt ist es aber wichtig, die Neuen im Betrieb anzusprechen. Das sind die Auszubildenden und häufig auch Leiharbeiter sowie befristet Beschäftigte. Wo ist die Mitgliederwerbung besonders schwierig? Bei Hochqualifizierten tun wir uns schwer; sie müssen wir gezielt ansprechen. Das zeigt Erfolg und ist auch notwendig, denn das Qualifizierungsniveau in den Betrieben steigt. Mitgliederwerbung ist Bestandteil aller Aktivitäten. Wenn alle mitmachen, werden wir bis zum Jahresende ein positives Ergebnis erreichen.

NAMEN & NACHR I CHTEN

Glück für treue Kollegin schöningen | Glückwünsche zum 95. Geburtstag wurden Elisabeth Müller von der IG-BCE-Ortsgruppe Schöningen überbracht. Ehemals Reinigungskraft in einem Braunschweiger Kohlenbergwerk, das heute zu den e.on-Kraftwerken gehört, ist die Jubilarin seit 61 Jahren Mitglied der Gewerkschaft. Auch ihr Sohn habe im Bergbau gearbeitet, berichtet der Ortsgruppenvorsitzende Rolf Wellegehausen, der sie zusammen mit dem Rentnerbetreuer Gerd Hoppe im Altenheim besuchte (Foto).

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vor ort Nordost NAMEN & NA C HRI C HTEN

Mitarbeiter wollen Tarif

Termine – kurz notiert

rüdersdorf | Protestaktionen im Industriekraftwerk

berlin | 1./2. November: Tarifverhandlung Chemie Ost. darmstadt | 7. November: Tarifverhandlung Papier. berlin | 11. November: Forum für Ausbildung und

Seit Monaten fordern Betriebsrat, Belegschaft und IG BCE einen Tarifvertrag für die knapp 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Industriekraftwerk Rüdersdorf. Nach zwei konstruktiven Sondierungsrunden im Sommer sagte die Geschäftsleitung bereits anberaumte Gespräche kurzfristig ab. Die Begründung: Sie sehe keine rationalen Vorteile einer Tarif-

Arbeitsmarktfragen Chemie Ost. burg spreewald | 26./27. November: JAV-Weekend.

Werben für Betriebsratsgründung eisenhüttenstadt | Mit Großplakaten möchte der Be-

zirk Berlin-Mark Brandenburg im Industriegebiet Eisenhüttenstadt die Beschäftigten von vier Betrieben motivieren, sich für ihre Interessen einzusetzen und Betriebsräte zu gründen. Die IG BCE steht dabei als kompetenter Ansprechpartner für die Organisation der Betriebsratswahlen zur Seite.

Wider das Vergessen krakau | 34 Teil-

nehmer, darunter auch zehn Jugendliche, nahmen Anfang Oktober an einem Seminar »Wider das Vergessen« teil, das die Betriebsortsgruppe der Hauptverwaltung von Vattenfall Mining in Zusammenarbeit mit dem Bezirk Cottbus in Krakau organisierte. Der Besuch einer Synagoge und die Vermittlung von Wissen zu jüdischer Geschichte und Religion gehörten ebenso dazu wie ein Besuch im Konzentrationslager Auschwitz (Foto).

Branchenforum Glas berlin | Die Betriebsräte konnten beim Branchenforum

den neuen Tarifverhandlungsführer der IG BCE für die Glasindustrie begrüßen: Markus Kraft aus der Abteilung Tarifpolitik diskutierte mit ihnen über die aktuellen Tarife und die wirtschaftliche Situation in den Unternehmen. Die Betriebsräte forderten, bei zukünftigen Tarifverhandlungen die Angleichung der Ost-Tarife an das West-Niveau stärker in den Vordergrund zu rücken.

28 | kompakt | November 2011

bindung. Olaf Wernitz, stellvertretender Bezirksleiter Berlin-Mark Brandenburg: »Wir akzeptieren nicht, dass ein Tochterunternehmen eines mitbestimmten Konzerns wie Vattenfall Europe jegliche tarifliche Regelung ablehnt. Jetzt erhöhen wir den Druck!«

Investition in Kohle Profen | MIBRAG will modernes Braunkohlenkraftwerk

Landesbezirk und Bezirk Leipzig unterstützen die Ankündigung der MIBRAG, noch in diesem Jahr das Genehmigungsverfahren für ein neues, hocheffizientes Braunkohlenkraftwerk in Profen einzuleiten. Landesbezirksleiterin Petra Reinbold-Knape: »Das Kraftwerk wird flexibel

einsetzbar sein und könnte ein Beispiel für innovative Kohleverstromung werden.« Die Pläne der MIBRAG wurden im Rahmen der 8. Wirtschaftskonferenz »Zukunftstechnologie Braunkohle« des Burgenlandkreises vorgestellt, der auch Jürgen Mehnert, Bezirksleiter Leipzig, angehört.

Start bei der MIBRAG naumburg | Seminar mit Betriebsrat und IG BCE

Bei einem der größten Ausbildungsbetriebe im Bezirk Leipzig hat die Ausbildung für 40 Nachwuchskräfte begonnen. Im Einführungsseminar stellte die Betriebsratsvorsitzende Roswitha Uhlemann gemeinsam mit der IG-BCE-Bezirkssekretärin Carola Melitta Geschonke und der gesamten Jugendund Auszubildendenvertre-

tung (Foto) die wichtigen Themen Mitbestimmung und Gewerkschaft vor.


NAMEN & NA C HRI C HTEN

Tarifrunde Papier beginnt

Warnstreik bei Delipapier: Bislang erhielten die Beschäftigten weniger als 75 Prozent des Flächentarifvertrags Papier.

Abschluss bei Delipapier Arneburg | Anbindung an Flächentarifvertrag erreicht

Mit einem zweistündigen Warnstreik brachten IG BCE und die Beschäftigten beim Hygienepapierhersteller Delipapier Bewegung in die Tarifverhandlungen. Die Geschäftsführung, die sich bislang strikt der Anbindung an den Flächentarifvertrag verweigert hatte, gab ihre Blockadehaltung auf. Am 10. Oktober konnte die Tarifkommission mit IG-BCE-Verhandlungsführer Holger Nieden die volle Anerkennung der Flächentarifverträge mit stu-

berlin | Am 7. November findet die erste Verhandlung in der Tarifrunde 2011 für die Papier erzeugende Industrie statt. Im Vorfeld diskutierten die Vertrauensleute in den Betrieben mit der Belegschaft die Erwartungen nach einer spürbaren Entgelterhöhung. Die Tarifkommission des Tarifbereichs Ost beschloss die Forderung von sechs Prozent in die Bundestarifverhandlung mit einzubringen.

Branchenforum bei WEPA Papier leuna/merseburg

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fenweisen Angleichungsschritten abschließen.

Für sein Branchenforum Papier lud der Bezirk Dresden-Chemnitz ins Chemiedreieck SachsenAnhalt ein: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus zwölf Betrieben besichtigten zunächst die WEPA Leuna GmbH (Foto) und setzten die Tagung dann in Merseburg fort. Schwerpunkte waren unter anderem die aktuelle Wirtschaftslage der Papierbranche in Deutschland, die Vorbereitung der anstehenden Tarifrunde Papier und ein Fachvortrag zum aktuellen Arbeitsrecht.

Verhandlungsführer Holger Nieden (mit Mikrofon): »Gemeinsam haben wir Druck gemacht.«

Offensive Frauen

Mitglieder gewinnen kagel-möllenhorst | Zielgruppenarbeit im Betrieb

Längere Lebensarbeitszeiten, diesjährigen Zielgruppenkonkomplexe Arbeitsprozesse, zu- ferenz des Landesbezirkes. nehmende psychische Belas- Eine besondere Verantwortungen am Arbeitsplatz sowie tung kommt dabei den Bebefristete Arbeitsverträge und triebsrätinnen und BetriebsLeiharbeit bieten vielfältige räten zu. Den Gastvortrag hielt Ansatzpunkte für eine mo- die Abteilungsleiterin Zielderne Zielgruppenarbeit. Die gruppen der IG-BCE-Hauptsollte konkret, persönlich und verwaltung Petra Adolph. direkt sein. So definierten es die Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter aus den Betrieben und Bezirken Zielgruppenkonferenz Nordost: Die Ergebnisse während der fließen in die Arbeit der Bezirke ein.

kagel-möllenhorst |

Der Landesbezirk lud Betriebsrätinnen, die als Vorsitzende oder stellvertretende Vorsitzende einen Betriebsrat leiten, zum zweitägigen Seminar ins IG-BCE-Bildungszentrum (Foto). Die Schwerpunkte lagen auf den grundlegenden Themen »Frauen in Führung« und »Professionelles Netzwerken«. Weitere Angebote für die Zielgruppe Führungsfrauen sollen folgen.

Neue Wege der Energiewirtschaft greifswald | Es war ein lebhaftes und gut besuchtes

Werkstatt- und Diskussionsforum zur Energiewirtschaft, moderiert von Dr. Lutz Pscherer von 50 Hertz Transmission, zu dem das Regionalforum Mecklenburg-Vorpommern geladen hatte. Themen waren unter anderem die Ergebnisse der Ethik-Kommission der Bundesregierung, der Ausstieg aus der Kernenergie, das CCS-Gesetzgebungsverfahren und die Entwicklung von Speichertechnologien. Die Politik muss zuverlässige Rahmenbedingungen für Investitionen schaffen, so ein Fazit des Regionalforums.

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vor ort Nordrhein NA M EN & NA C HRI C H T EN

Papiertarif: 5,5 Prozent gefordert düsseldorf | Die Tarifkommission Nordrhein beschloss, die Anhebung der Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen um 5,5 Prozent zu fordern. »Die Papierindustrie hat ein gutes Jahr hinter sich. Deshalb erwarten die Beschäftigten trotz aller struktureller Probleme der Branche vor allem mehr Geld«, so Viola Denecke, regionale Verhandlungsführerin und stellvertretende Landesbezirksleiterin. Stephan Molzahn, Betriebsratsvorsitzender der SCA Hygiene Products in Neuss und Mitglied der Tarifkommission: »Die wirtschaftliche Situation bei uns ist gut. Die Kollegen wollen eine faire Entlohnung für das, was sie geleistet haben.« (Siehe auch Seite 25.)

Der Beruf ist hart, stressreich und gefährlich: Werkfeuerwehrmann bei einer Übung.

Besonders belastet

Partybahn für neue Azubis

oberhausen | Zielgruppe Werkfeuerwehr organisiert sich

düsseldorf | Überall im Landesbezirk hat die IG BCE die neuen Azubis mit Neuanfänger-Partys begrüßt; in Düsseldorf in einer umgebauten Straßenbahn. In der »Partybahn« feierten am 23. September mehr als 100 Azubis bei super Stimmung und toller Musik den Start ihrer Ausbildung.

Ihr Job ist hart und hoch anspruchsvoll – und nur wenige sind in der Lage, bis zum regulären Renteneintrittsalter zu arbeiten: Werkfeuerwehrleute. Etwa bei der Ruhrchemie in Oberhausen. 24-Stunden-Bereitschaften sind die Regel und für die Mitarbeiter einer chemisch orientierten Werkfeuerwehr sind schon die Anforderungen in der 18-monatigen Grundausbildung hoch. Sie werden nicht nur zum Feuerwehrmann und Rettungssanitäter ausgebildet, sondern müssen auch die Kenntnisse von Chemikanten erwerben – neben ihren erlernten Berufen. Nur wer schon eine gewerblich-technische Ausbildung hat, kann Werkfeuermann oder -frau werden. In einer gemeinsamen Arbeitsgruppe der Landesbezirke Nordrhein und Westfalen kümmern sich Gewerkschaft, Betroffene und Betriebsräte gemeinsam um die besonderen Probleme der Werkfeuerleute. »Handlungsbedarf besteht vor allem beim Rentenzugang, bei der Anerkennung als eigenständiger Beruf sowie bei tarifvertraglichen Regelungen«, erklärt Hans Bans-

IG-BCE-Frauen bleiben am Ball duisburg | »Courage – Karriere – Knete/Frauen in Führung!« war das Thema eines Wochenendseminars des Bezirksfrauenausschusses Duisburg. Gemeinsam mit den Teilnehmerinnen zog Cornelia Leunig, Leiterin der IG-BCEAbteilung Frauen/Gleichstellung, eine Bilanz des Erreichten und entwickelte Lösungsansätze für die entscheidenden Fragen – von der Vereinbarkeit von Familie und Beruf bis zur Entgeltgleichheit.

»Top Ten« der Werber im September Platz 1: Jens Barnhusen (28 geworbene Neumitglieder, Evonik Industries, Bezirk Duisburg); Platz 2: Klaus Pilger (25, Sachtleben Chemie Duisburg); Platz 3: Hans Dreckmann (15, Steag Walsum, Duisburg); Platz 4/5: Dieter Trierscheidt (14, pronova BKK, Leverkusen), Jochen Musiol (14, RWE Power, Alsdorf); Platz 6: Horst Ruoff (12, Continental Aachen, Alsdorf); Platz 7/8: Rolf Langhard (11, Hydro Aluminium-Rheinwerk), Ernst Muders (11, Procter & Gamble Euskirchen, Köln-Bonn); Platz 9/10: KarlHeinz Müllenborn (8, Procter & Gamble Euskirchen), Stephan Molzahn (8, SCA Neuss, Düsseldorf). Weitere Infos im Internet: www.nordrhein.igbce.de

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ner, Mitglied in der Arbeitsgruppe. So müssen Werkfeuerwehrleute ab dem 50. Lebensjahr regelmäßig eine Atemschutzprüfung ablegen. Wer durchfällt, ist nicht mehr voll einsatzfähig. Mit zunehmendem Alter belastet diese Prüfung immer mehr. Denn erfahrungsgemäß bestehen diese Prüfung nur noch sehr wenige, die 60 und älter sind. Wer dann in Rente geht, muss mit hohen Abschlägen rechnen. Ziel der Arbeitsgruppe ist es unter anderem, die Politik für Lösungen zu sensibilisieren, die es Werkfeuerwehrleuten ermöglichen, ohne finanzielle Einbußen vorzeitig aus dem Arbeitsleben auszuscheiden. Dazu gehört auch, das Berufsbild »Werkfeuerwehrmann/-frau« dauerhaft zu etablieren – als Voraussetzung für eine anerkannte Berufsunfähigkeit. Die IG BCE will ihre Aktivitäten für diese Zielgruppe noch weiter verstärken. So wird es beispielsweise Anfang 2012 ein Betriebsräteseminar für Werkfeuerwehren geben.

Weitere Infos im Internet: www.nordrhein.igbce.de


Gute Arbeit ist das Ziel

Z W IS C HENRUF

haltern | Betriebsräte beraten Strategien

Beim diesjährigen Betriebsräteforum des Landesbezirks diskutierten die Betriebsräte im Bildungszentrum Haltern über die Offensive »Gute Arbeit« der IG Gute Arbeit war Thema des Betriebsräteforums. BCE. Projektleiterin Yasmin Fahimi von der komplexere Aufgaben und IG-BCE-Hauptverwaltung be- eine enorme Leistungsverschrieb die drei wichtigsten dichtung prägen den Alltag betrieblichen Handlungsfel- vieler Beschäftigter. Durch der: die Ausweitung unsiche- neue Arbeitsformen und Komrer Beschäftigungsverhältnis- munikationstechnologien verse und Entgeltsicherheit, al- schwimmen die Grenzen ternsgerechtes Arbeiten und zwischen Beruf und PrivatGesundheit sowie die Zu- leben. »Besonders für ITnahme von Arbeitsintensität Beschäftigte ist die Entgrenund Leistungsdruck. zung der Arbeit ein wichtiges »Gute Arbeit soll zum Thema. Denn gerade sie spüMaßstab von Fortschritt und ren den Konflikt zwischen Nachhaltigkeit in der Arbeits- Arbeitszeitsouveränität, perwelt werden«, betonte die manenter Erreichbarkeit und stellvertretende Landesbe- Eigenverantwortlichkeit«, erzirksleiterin Viola Denecke. klärte Heike Hausfeld, BeHoher Zeitdruck, immer triebsrätin der Bayer AG.

Besuch in Bosnien düren/kakanj | Austausch über Grenzen

Was bewegt Beschäftigte in Bosnien-Herzegowina? Wie arbeiten die Gewerkschaften dort? Andreas Isecke, Vorsitzender des IG-BCE-Bezirksjugendausschusses Alsdorf, nutzte eine Delegationsreise der SPD nach Dürens Partnerstadt Gradacac, um sich mit bosnischen Gewerkschaftern auszutauschen (Foto). Selbst aus einer Braunkohlenregion stammend, interessierte ihn vor allem die

Reiner hoffmann

Landesbezirksleiter Nordrhein reiner.hoffmann@igbce.de

Braucht NRW ein Klimaschutzgesetz? Seit Mitte Juni liegt nun das im Koalitionsvertrag vereinbarte Klimaschutzgesetz mit verbindlichen Klimaschutzzielen als Gesetzentwurf vor. Die rot-grüne Landesregierung hat sich mehrfach zum Industrie- und Energiestandort NRW und seiner Weiterentwicklung bekannt. Das wird von den Gewerkschaften ausdrücklich begrüßt. Dieser Grundgedanke ist auch im Gesetzentwurf verankert: Bei der Umsetzung von klima- und energiepolitischen Maßnahmen sollen gesamtwirtschaftliche Wechselwirkungen und Arbeitsplatzeffekte berücksichtigt werden. Doch es gibt es Klärungsbedarf. Rot-Grün will der Ressourcenund Energieeffizienz, der Energieeinsparung oder dem Ausbau erneuerbarer Energien Vorrang einräumen. Hier besteht die Gefahr einseitiger Zielsetzungen. Wo bleiben sozialer Fortschritt und wirtschaftliches Wachstum? Eine solche Vorrangregelung kann kontraproduktiv sein und sich als Investitionshemmnis auswirken. Zudem ergeben sich möglicherweise Rechtsunsicherheiten gegenüber Regelungen im Bundesrecht. Im kommenden Jahr will die Landesregierung in einem Klimaschutzplan konkrete Maßnahmen beschreiben. Die Gewerkschaften unterstützen dies und die IG BCE wird konstruktiv mitwirken. Nun stellt sich allerdings die Frage: Brauchen wir überhaupt ein NRW-Klimaschutzgesetz? Sollten wir nicht lieber sofort mit einem Klimaschutzplan beginnen? Dann wissen alle, was konkret in Sachen Klimaschutz geplant ist. Und man vermeidet unnötige juristische Verunsicherungen, die der Umwelt auf keinen Fall dienen.

SE M INARE 2 0 1 2 düsseldorf | Das Seminarprogramm des Landesbezirks

Geschichte der kleinen Bergbaustadt Kakanj. Wirtschaftlicher Kern der 1900 gegründeten Stadt ist bis heute ein Kohlenbergwerk. »Bei allen Unterschieden hat mich viel an unseren Bezirk erinnert«, so Isecke.

für 2012 steht. Die bezahlte Freistellung für die Seminare regelt das Arbeitnehmerweiterbildungsgesetz (AWbG). Im ersten Halbjahr werden diese Themen angeboten: 30. 01. – 02. 02. Medienseminar 27. 02. – 02. 03. Arbeitsrecht für Arbeitnehmer 19. 03. – 23. 03. Stress, Mobbing, Burn-out 18. 06. – 20. 06. Papierproduktion in NRW und ihre Zukunft Anmeldungen ab sofort beim Landesbezirk unter E-Mail lb.nordrhein@igbce.de

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vor ort Rheinland-Pfalz/Saarland NAMEN & NA C HRI C HTEN

Bezirksteam verstärkt ludwigshafen | Mit Matthias Hille (40 Jahre) verfügt der Bezirk seit Beginn dieses Monats über eine weitere hauptamtliche Kraft. In den fünf vorhergehenden Jahren hatte der gelernte Industriemechaniker Verantwortung für die Bildungs-, Jugend-, Betriebsräte- und Öffentlichkeitsarbeit des Landesbezirks Rheinland-Pfalz/Saarland getragen. Matthias Hille ist seit zehn Jahren Gewerkschaftssekretär der IG BCE. Nach seiner Zeit als Ausbildungssekretär durchlief er bereits Stationen im Landesbezirk BadenWürttemberg und in der Hauptverwaltung in Hannover.

Zwischen Pflege und Arbeitsplatz mainz | Immer mehr Menschen überschreiten die Grenzen ihrer Belastbarkeit, wenn sie sich vor und nach der Arbeit um alte oder pflegebedürftige Angehörige kümmern. Das am 20. Oktober vom Bundestag verabschiedete Gesetz zur Vereinbarkeit von Pflege und Beruf bleibt aus gewerkschaftlicher Sicht weit hinter den Notwendigkeiten zurück. Wie können betriebliche Interessenvertreter trotzdem helfen, vielleicht die neuen Vorschriften dennoch nutzen? Darum geht es auf einer Tagung des Frauen- und des Zielgruppenausschusses des Landesbezirks am 9. Dezember in Mainz. Dazu ist für Betriebsratsmitglieder eine Freistellung (Paragraf 37,6 BetrVG) möglich. Anmeldungen über den Landesbezirk, Telefon 06131 28728-25, E-Mail: lokadia.trautsch@igbce.de

Die Siegermannschaft Huhtamaki Alf (in blau-weiß) bewies beim Turnier bestes Ballgefühl.

Kicking 4 your Future hilgert | Fußball-Turnier mit ernstem Motto

Zum vierten Mal kämpften Auszubildende aus Unternehmen der Region um den Sieg im Fußballturnier der IGBCE-Jugend des Bezirks Neuwied-Wirges. Diesmal beteiligten sich sieben Mannschaften mit insgesamt 60 Azubis. Siegerpokal und Siegprämie gingen an das Team der Huhtamaki Alf. Den 2. Platz belegte die Mannschaft von Klöckner Pentaplast und den 3. Platz konnten sich die Auszubildenden von Steuler KCH

(früher: Keramchemie) erspielen. Das Spielmotto »Kicking 4 your Future« erklärte der Bezirksjugendausschuss, der das Turnier organisiert hatte, so: »Das Erfolgsrezept im Fußball gilt auch in der Arbeitswelt. Man muss in die Ausbildung investieren, um später eine starke Mannschaft in den Betrieben stellen zu können. Nur gute Ausbildung und die Übernahme können dem Facharbeitermangel entgegenwirken.«

Beschäftigung sichern

Gesundheit »lernen«

frankfurt | Seminar zum Eingliederungsmanagement

ensdorf | Das Bergwerk Saar der DSK Deutsche Steinkohle AG veranstaltet jährlich besondere Gesundheitstage. Die Themenschwerpunkte wechseln von Jahr zu Jahr und die Resonanz beweist stets, wie groß gerade hier der Informationsbedarf ist. Diesmal gab es eine Ernährungsberatung, Stress- und Fitnesstests, Entspannungsübungen (Yoga) sowie Fachvorträge zur Darm- und Hautkrebsvorsorge. Damit sich die Teilnehmer bildhaft vorstellten, was im Darm vor sich geht und wie sich dort Krankheiten entwickeln, konnten sie einen großen nachgebildeten Darm durchwandern.

Das Sozialgesetzbuch IX sieht ein »betriebliches Eingliederungsmanagement« (BEM) vor. Damit soll die Arbeitsunfähigkeit eines Beschäftigten überwunden, eine erneute Arbeitsunfähigkeit vermieden werden und der Arbeitsplatz möglichst erhalten bleiben. Personalabteilung, Betriebsrat, externe Fachleute und Schwerbehindertenvertreter arbeiten dabei zusammen. Zu diesem Thema hat Petra Plantenberg, Bezirk Mainz, zum dritten Mal ein Seminar im Berufsförderungs-

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werk Frankfurt/Main organisiert. Neben Arbeitnehmervertretern waren auch Personalreferenten von Michelin, Boehringer Ingelheim, Bioscientia Ingelheim, Evonik Röhm, Renolit AG, Schott AG, Werner & Mertz, SI-Analytics, WinCosmetic und Novo Norddisk vertreten (Foto).


Wie ein Fisch im Wasser worms | Spaß und Politik im Verbund

Zum Umzug beim größten Weinund Volksfest am Rhein, dem Wormser Backfischfest, kommen jedes Jahr mehrere Tausende Zuschau- Die Zuschauer freuten sich über die jungen IGer. Die Gelegen- BCE-Frauen und -Männer aus Wormser Betrieben. heit, sich hier den Zuschauern zu präsentie- das Gesicht. Der JAV- und ren, nutzte jetzt zum zweiten Stammtisch-Vorsitzende Karl Mal auch der JAV- und Ju- Patermann war mit der Resogendstammtisch Worms der nanz ebenso zufrieden wie Simon Haas, JAV- und JuIG BCE. Die Zuschauer begrüßten gendreferent der IG BCE im die jugendlichen Gewerk- Bezirk Mainz. »Die IG-BCEschaftsmitglieder mit reich- Jugend ist fest mit der Stadt lich Applaus. Dabei kam auch Worms verbunden«, sagte der Spaß nicht zu kurz. Vor Karl Patermann, und Simon allem den Kindern zauberten Haas zog die Bilanz: »Spaß die Jugendlichen mit kleinen und Politik lassen sich verbinGeschenken ein Lächeln in den.«

Tarifrunde Papier Mainz | Ende der Lohnzurückhaltung gefordert

Nach ausführlichen Berichten zur aktuellen wirtschaftlichen Situation der papiererzeugenden Industrie, hat die Tarifkommission intensiv über die in den Vertrauensleute- und Branchenkonferenzen aufgestellten Forderungsempfehlungen diskutiert und sich einstimmig für folgende Forderung ausgesprochen: Für alle Lohn- und Gehaltsgruppen wird ein Festbetrag von 150,00 Euro und für die Auszubildenden eine Erhöhung von 60,00 Euro pro Ausbildungsjahr gefordert. Die Laufzeit soll 12 Monate betragen. Zuvor hatte sich eine Konferenz der Papierunternehmen

der Region Mittelrhein in Ransbach-Baumbach mit dem Thema befasst. »Wir haben mit Lohnzurückhaltung in den letzten Jahren wesentlich dazu beigetragen, dass die Papierindustrie gut aus der Krise gekommen ist«, fasste Tobias Hanson, Sekretär des Bezirks Neuwied-Wirges, die Stimmung zusammen. »Nun muss wieder guter Lohn für gute Arbeit bezahlt werden.« Die Konferenz befasste sich zudem mit der Qualifikation von Fachkräften durch ein berufsbegleitendes Studium. Sie will, dass der Tarifvertrag dafür einheitliche Regelungen festlegt (siehe auch Seite 25).

NAMEN & NA C HRI C HTEN

Tag der Chemie

Was tut die IG BCE für mich? Was kann ich selbst tun? Auch darüber gab es Aufklärung, wie hier am Infostand bei Boehringer.

ingelheim | Am 24. September öffneten die Chemieunternehmen deutschlandweit zum Tag der offenen Tür. Die Resonanz war überall sehr groß. So beispielsweise auch beim Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim. Bei Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen strömten Tausende auf das Werkgelände. Viel Trubel herrschte auch am Stand der IG BCE und der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV). Viele der Besucher beteiligten sich dort an einem Gewinnspiel. Viele waren auch einfach neugierig und ließen sich die unterschiedlichsten Fragen zu den Aufgaben von JAV und IG BCE beantworten.

Neue Zielgruppen im Fokus ludwigshafen | Beschäftigte mit einem Arbeitseinkommen außerhalb und oberhalb der tarifvertraglichen Einstufung – sogenannte AT-Angestellte – hielten sich früher einmal streng abseits von den Mitbeschäftigten, deren Einkommen der Tarifvertrag garantiert. Das hat sich grundlegend geändert. Die AT-Beschäftigten und ihr Umfeld haben deshalb auch nicht mehr die früher dort fast selbstverständliche ablehnende Haltung gegenüber Gewerkschaft oder Betriebsrat. Sie bilden deshalb mittlerweile eine Zielgruppe, die auch stärker in der Gewerkschaft vertreten sein sollte. Aus dieser Erkenntnis will eine Gruppe von Gewerkschaftsmitgliedern, von Vertrauensleuten und von Betriebsratsmitgliedern im Bezirk Ludwigshafen jetzt die Konsequenzen ziehen. 25 Interessierte folgten einer entsprechenden Einladung der IG BCE und gründeten die Arbeitsgruppe »Interessenvertretung AT«, die sich speziell dieser Zielgruppe zuwenden und helfen will, dass mehr AT-Beschäftigte der IG BCE beitreten und sich an der gewerkschaftlichen Arbeit beteiligen. Interessierte schicken eine E-Mail an: bezirk.ludwgshafen@igbce.de

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vor ort Westfalen NAMEN & NA C HRI C HTEN

Bergwerk Ost

Tag der Chemie

hamm | Letzte Vertrauensleute-Sitzung zum Abschied

marl | 15 000 Besucher: Das war die stolze Bilanz des

Es war eine bewegende letzte Sitzung der IGBCE-Vertrauensleute auf dem Bergwerk Ost in Hamm. Im Herbst 2010 wurde dort die letzte Kohle Nachdenkliche Minen bei der letzten IG-BCE-Vergefördert. Von trauensleute-Sitzung auf dem Bergwerk Ost. den einst 270 Vertrauensleuten sind 60 Frau- dankte für viele Jahre vertrauen und Männer übrig geblie- ensvoller Zusammenarbeit. Manfred Freitag, IG-BCEben. Kai-Uwe Kersten, Vorsitzen- Bezirksleiter Hamm, betonte der des IG-BCE-Vertrauensleu- ausdrücklich, »wie wichtig tekörpers, ließ mit Wehmut und effektiv Vertrauensleute die vielen Veranstaltungen, für unsere Gewerkschaft sind«. Demonstrationen und Ar- Manfred Freitag weiter: »Ihr beitskämpfe Revue passieren. habt hier viele große Ziele anWerkleiter Jürgen Schwarze gepackt und umgesetzt.«

Chemieparks in Marl beim bundesweiten Tag der Chemie. Der Chemiepark präsentierte sich mit Bustouren, Ausstellungen im Großzelt und einer Vielzahl an Verlosungen. Die IG-BCE-Vertrauensleute der Evonik Industries waren mit dem IG-BCE-Bezirk Recklinghausen mit einem Infowagen vor dem Großzelt dabei. Dort gab es neben vielen Diskussionen auch zahlreiche Unterschriften für die IG-BCE-Kampagne »Unsere Industrie braucht sichere Energie«. Erfreulich: Im Laufe des Tages konnte die IG BCE auch weitere neue Mitglieder gewinnen.

Sozialplan bei Houghton dortmund | Als Anfang des

Jahres Shell Macron in Dortmund durch Houghton International übernommen wurde, hatte die IG BCE umgehend Verhandlungen über einen Sozialplan und Interessenausgleich aufgenommen. Houghton International will einen Betrieb in Wuppertal schließen und dafür den Dortmunder Standort ausbauen. Dies bedeutet zwar für Wuppertal eine komplett neue Betriebsstruktur mit dem Verlust einiger Arbeitsplätze, per saldo aber einen deutlichen Stellenaufbau. Die Verhandlungen wurden nun erfolgreich abgeschlossen (Foto). Für den Betriebsrat ist das Ergebnis ein fairer Kompromiss. Betriebsratsvorsitzender Michael Kivelip: »Durch Interessenausgleich und Sozialplan wird etlichen Beschäftigten des Wuppertaler Werkes ein attraktiver Arbeitsplatz in Dortmund angeboten.«

Aktion zum Zement-Tarif ennigerloh | Werner

Schraeder, Heidelbergcement-Betriebsratsvorsitzender und Mitglied der IG-BCE-Tarifkommission, und Ulrich Hampel, Bezirksleiter Münster-Bielefeld, informierten die Belegschaft von Heidelbergcement in Ennigerloh über den Stand der Tarifverhandlungen der Zementindustrie. Sie waren besonders erfreut über die große Zustimmung und den Rückhalt durch die Beschäftigten im Werk. Den Tarifverhandlungen in Sendenhorst sehen sie mit Zuversicht entgegen.

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Energie im Mittelpunkt herten/herne-wanne | Diskussionen mit der IG BCE

Ja zur Energiewende – aber Kosten für erneuerbare Enerbitte sicher, umweltverträg- gien wird der Strompreis in lich, sozialverträglich und zu Zukunft steigen.« wettbewerbsfähigen Preisen. Beim Kanalfest in HerneDas war das Fazit zweier Wanne informierte das RegioIG-BCE-Veranstaltungen zur nalforum Herne-Wanne über Energiepolitik. In Herten dis- die IG-BCE-Kampagne »Unkutierten viele Mitglieder und sere Industrie braucht sichere interessierte Bürger auf Ein- Energie« und stellte die Posiladung des Regionalforums tionen zur Energiewende dar. Herten das Thema »Zukünftige Energieversorgung«. Bernd Schäfer, Leiter der Abteilung Energiehandel der Hertener Stadtwerke: »Durch die Forderung zur Reduzierung der fossilen Energieträger, den Wegfall der Kern- Sichere Energie war das Thema des Regioenergie und den nalforums Herne-Wanne beim Kanalfest.


Sichere Energie nötig dortmund-hagen | Drittes Branchenforum Papier

Der IG-BCE-Bezirk DortmundHagen hatte zu seinem 3. Branchenforum der Betriebsräte der Papierindustrie eingeladen. Der Einladung folgten 30 Betriebs- 30 Betriebsrätinnen und Betriebsräte trafen sich rätinnen und zum 3. Branchenforum Papier. Betriebsräte. Peter Schuld, Industrie- Forderungen der IG BCE zur gruppensekretär Papier der IG zukünftigen Energiepolitik: BCE, beschrieb die Lage der Strom muss zuverlässig rund Branche so: Die deutsche Pa- um die Uhr für Haushalte, Inpierindustrie hat die Wirt- dustrie, Gewerbe und Dienstschaftskrise deutlich über- leistungen bereitstehen. Dazu wunden. 2010 wurde ein ist ein neuer Energiemix aus neuer Produktionsrekord mit erneuerbaren Energien, Kohle über 23 Millionen Tonnen und Gas nötig, der eine Neuproduziertem Papier erreicht, bewertung der heimischen der Umsatz stieg 2010 um Steinkohle erfordert. Um wei17 Prozent. Dennoch ist die ter innovative und eine nachBeschäftigtenzahl weiter rück- haltige Wirtschaftsentwickläufig. Die Lohnquote liegt lung fördernde Güter in mit 9,5 Prozent auf einem his- Deutschland herstellen zu können, benötigt das produtorischen Tief. Ralf Bartels, Ressortleiter zierende Gewerbe deshalb zuder IG BCE für Bergbau und verlässig Strom zu wettbeEnergiepolitik, benannte die werbsfähigen Preisen.

»Gewerkschaft 2020« haltern | Betriebsräte diskutieren das Projekt

»Gewerkschaft 2020« – so hieß der Workshop des IGBCE-Bezirks Recklinghausen, mit dem er das gleichnamige IG-BCE-Zukunftsprojekt präsentierte. Es soll auch künftig eine starke, gestaltende und eigenständige Organisation sichern. Um dessen Umsetzung in den Betrieben zu fördern, hatte der Bezirk Betriebsräte und Jugend- und Auszubildendenvertreter ins IG-BCE-Bildungszentrum

Haltern am See eingeladen. Dort konnte Bezirksleiter Karlheinz Auerhahn mehr als 60 Teilnehmer begrüßen. In drei Workshops diskutierten sie die Projekte »Junge Kompetenz«, »BR-Nachwuchsförderung« und »Gute Arbeit«. Edeltraut Glänzer, Mitglied im geschäftsführenden Hauptvorstand, betonte, dass es der IG BCE gelingen müsse, die Trendwende in der Mitgliederentwicklung zu erreichen.

NAMEN & NA C HRI C HTEN

Berufsstart auf dem Pütt

marl | 90 neue Azubis – 42 Industriemechaniker, 38 Elektroniker und 10 Mechatroniker – begannen ihre Ausbildung auf dem Bergwerk Auguste Victoria. Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Martin Ostdorf sicherte ihnen die Unterstützung des Betriebsrates in allen Belangen der Ausbildung zu. Ausbildungsleiter Dietmar Krause: »Ihr seid in die große Familie des Bergwerks Auguste Victoria aufgenommen. Nutzt die Gelegenheit und arbeitet an eurer Zukunft. Eine erfolgreiche Ausbildung ist dazu das Fundament.«

374 neue Azubis

gelsenkirchen | 374

junge Berufsanfänger haben in 25 Betrieben des Bezirks Gelsenkirchen ihre Ausbildung begonnen. In einigen Betrieben gab es Einführungsseminare wie etwa bei E.ON Kraftwerke in Xanten (Foto oben). Die Azubis anderer Betriebe wie bei Pilkington in Gelsenkirchen konnten am ersten Arbeitstag ihren Betrieb kennenlernen (Foto). Bei diesen Veranstaltungen hat JAV- und Jugendreferentin Julia Schmidt über die IG BCE informiert.

»Madness Prime« rockt ab oer-erkenschwick | Die Rockband »Madness Prime«

siegte beim Band-Contest des Landesbezirks Westfalen, zu dem rund 200 Rockfans in den IG-BCE-Jugendtreff in Oer-Erkenschwick gekommen waren. Der Preis: eine CDProduktion plus Foto-Shooting und Coverdesign. Außerdem wird die Band den Landesbezirk auf dem Bundesjugendtreffen 2012 im Saarland vertreten. Die Boygroup »De(SOUL)ate« aus dem Chemiepark Marl landete auf dem 2. Platz; den 3. Sieg holten sich »The Kids«.

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vor ort Baden-Württemberg

B e z i r k Fr e i b u r g : A n e r ke n n u n g f ü r l a n g j ä h r i g e S o l i d a r i t ä t

50 Jahre Mitgliedschaft erreichen elf Jubilare. Neben Urkunden und Pins erhalten sie auch ein Präsent.

Robert Bauknecht und Kurt Steinberger (Mitte) wurden 1951 Mitglied.

Es war eine Genugtuung für die Gewerkschaften: Das Montan-Mitbestimmungsgesetz – 1951 in Kraft getreten. Mit ihm konnten Arbeitnehmer im Bergbau erstmalig bei der Besetzung von Aufsichtsräten und Vorständen mitwirken. Klar, dass eine solche Errungenschaft nicht nur für Bergleute Anlass war, der Arbeitnehmervertretung beizutreten. Wie zum Beispiel Robert Bauknecht und Kurt Steinberger, die Bezirksleiter Wilfried Penshorn jüngst für ihre 60-jährige Mitgliedschaft in der IG BCE geehrt hat. »Wir haben als Gewerkschafter gemeinsam mit euch über Jahre und Jahrzehnte daran gearbeitet, dass

diese Arbeitswelt ein Stück gerechter geworden ist«, dankte er auch den übrigen 39 Jubilaren für ihre lang anhaltende Solidarität. Dass diese auch nach deren Ausscheiden aus dem Arbeitsleben Bestand hat, freut Landesbezirksleiter Ralf Stockheim: »Ihr habt uns durch eure langjährige Treue zur Organisation stark gemacht. Auch deshalb können wir heute als bedeutender Verhandlungspartner auftreten«, kommentierte er in seiner Festrede. Mit anschließender musikalischer Unterhaltung und kultivierter Zauberei war die Ehrung ein Ereignis, auf das viele sicherlich lange zurückblicken.

Zehn Jubilare sind 1971 Mitglied geworden – darunter Bezirksleiter Wilfried Penshorn (Vierter von rechts).

25 Jahre: Landesbezirksleiter Ralf Stockheim (Zweiter von links) und Bezirksvorsitzender Rolf Benz (Fünfter von links) überreichen 18 Urkunden.

Papierfabrik Koehler : Ehrungen in vollbesetzter Halle

Das diesjährige Sommerfest der gewerkschaftlichen Vertrauensleute der Papierfabrik Koehler war wieder Mal ein Erfolg: Betriebsratsvorsitzender Josef Braun konnte sich über eine bis auf den letzten Platz besetzte Mooswaldhalle in Ödsbach (bei Oberkirch) freuen. Kein Wunder, galt es doch, 73 Jubilare für ihre lange Mitgliedschaft in der IG BCE zu ehren. Gemeinsam mit Bezirksleiterin Gabriele Katzmarek dankte er Betriebsrat und Vertrauensleuten für eine hervorragende Vorbereitung der Feier. Im Anschluss gingen beide auf die aktuelle wirtschaftliche Lage bei Koehler ein. »Das Unternehmen hat die Wirtschaftskrise gut überstanden«, betonte Braun, »außer bei Dekorpapieren herrscht in allen Sparten eine gute Auftragslage.« Darüber freute sich Braun ebenso, wie darüber, fünf Jubilare für ihre 60-jährige Mitgliedschaft in der IG BCE auszuzeichnen: Georg Busam, Paul Groß, Ludwig Kimmig, Josef Uhl und Martha Vogt. Besonderer Dank galt Roland Weck,

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73 Jubilare der Oberkircher Papierfabrik August Koehler wurden für ihre jahrzehntelang gelebte Solidarität ausgezeichnet.

der über drei Jahrzehnte als Betriebsratschef und in vielen gewerkschaftlichen Ämtern aktiv war.


vor ort Westfalen

Bergwerk Lippe

Die Angestelltenortsgruppe Bergwerk Lippe ehrte im Haus Waldfrieden in Dülmen 65 Jubilare (Foto oben). Jürgen Grunwald, stellvertretender Landesbezirksleiter (Foto unten, rechts im Bild), und Ortsgruppenvorsitzender Siegfried Karthaus (Foto unten, links im Bild) dankten zwei Kollegen ganz besonders: Herbert Leinen für seine 70-jährige Mitgliedschaft und Walter Nejderek (Foto unten, Mitte) für seine 75-jährige Treue zur Gewerkschaft. Ihnen konnten sie die Urkunden persönlich überreichen. Ebenfalls seit 75 Jahren Gewerkschaftsmitglied sind die Kollegen Heinrich Stommel und Salomon Gerhard. Seit 60 Jahren dabei sind Alfred Spill, Franz Specke, Hansjoachim Andersen, Egon Hennig, Paul Swoboda, Sefan Czerner, Helmut Formanski, Dieter Natzkowski, Franz-Josef Kleine-Brockhoff und Anton Luka. Für ihre 50-jährige Mitgliedschaft ausgezeichnet wurden Paul Michgehl, Klaus Passfeld, Richard Hohmann, Helmut Huether, Joachim Blesken, Werner Greiner und Kurt Orzelski. Seit 40 Jahren dabei sind Heinz Bekeschus, Peter Springenberg, Hans-Dieter Irrgang, Christof Ociepa, Reinhard Schwarz, Georg Dettlaff, Michael Hinterholz, Bernhard Jüttermann, Dieter Ludorf, Hartmut Passoth, Peter Klihs, Rainer Steven, Werner Rosenfeld, Reinhard Recktor, Horst Jähn, Bernhard Link, Ulrich Pawlak, Norbert Sikora, Karl-Heinz Stember, Rudolf Wolfgang Jerusal, Rolf Waschhöfer, Hermann Krass, Inge Enger, Heinz Brunebarbe, Elke Zander und Dietmar Dörrenberg.

Minden

Für ihre 60-jährige Treue zur Gewerkschaft hat die Ortsgruppe Minden Walter Bolien, Heinz Bredemeier, Fritz Kardinal und Heinrich Thielking ausgezeichnet. Für ein halbes Jahrhundert Mitgliedschaft wurden Franz Greigk, Wilfried Hanebutt und Horst Zastrau geehrt. Andreas Herbusch, Alfred Huck, Manfred Koch und Willi Möller sind seit 40 Jahren in der Gewerkschaft.

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. Gelsenkirchen-Buer -West In ihrer Jubilarfeier zeichnete die Ortsgruppe GelsenkirchenBuer-West drei Mitglieder für 60-jährige Treue zur Gewerkschaft aus: Johannes Collings, Bruno Wohlfahrt und Josef Aulich. Für 50-jährige Mitgliedschaft geehrt wurden Bernhard Bisplinghoff, Paul Neumann, Heinrich Storp, Georg Thiele, Ferdinand Lindemann, Dietmar Aehnelt, Erich Wünschel und Ernst Tokarski. Seit 40 Jahren Gewerkschaftsmitglied sind Soenke Weber, Klaus Roth, Bilal Kara, Yasar Salli, Horst-Dieter Köster, Friedrich Zeranski, Ahmet Aymaz und Friedhelm Wasniewski.

Kokerei Kaiserstuhl

Auf ihrem traditionellen Fest ehrte die Angestelltenortsgruppe Kokerei Kaiserstuhl die langjährigen Mitglieder. Der Landtagsabgeordnete Armin Jahl und der Ortsgruppenvorsitzende Wilhelm Tölch gratulierten Josef Franke ganz besonders für seine 75-jährige Mitgliedschaft. Karl Grindemann, Walter Könighaus, Alfons Leinwand und Werner Wilke sind seit 60 Jahren in der Gewerkschaft und Arnold Ruarus ist seit 50 Jahren dabei.

Castrop 6

Der Vorsitzende der Ortsgruppe Castrop 6, Günter Jelinski, und sein Stellvertreter Walter Riedel ehrten mehrere langjährige Mitglieder: Willi Menzel und Rudolf Neidhart wurden für 70-jährige Mitgliedschaft ausgezeichnet. Seit 60 Jahren hält Herbert Skorupinski der Gewerkschaft seine Treue. Josef Fokker, Karl-Heinz Häussler, Heinz Munk sind seit 50 Jahren und Dieter Ricken sowie Freimuth Schulze sind seit 40 Jahren dabei. Foto: Ruhrnachrichten/Engel

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Eine von uns

Fotos (2): Gero Breloer

Traute Oestereich ist keine Frau, die lange fackelt, wenn jemand in Not ist. Viele Jahre hat sie sich um fremde Kinder gekümmert – jetzt widmet sie sich Stubentigern.

Ein Herz für Katzen

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ie Kinder und die Katzen haben mich jung gehalten«, sagt Traute Oestereich. Die 72-Jährige kann auf ein bewegtes Leben zurückblicken: Als Kind erlebte sie im Pankower Luftschutzkeller noch die Bombennächte des Zweiten Weltkriegs. Später kümmerte die gelernte Säuglingsschwester sich nach jeder Nachtschicht um den Ehe-

den Kindergarten und O ­ estereich wurde Sekretärin in einer Lackfabrik, wo sie im Büro des damaligen Gewerkschaftsleiters sogar »Festspiele« für den volkseigenen Betrieb organisierte. »Damals hat sich jeder um den anderen gekümmert«, erinnert sie sich und erzählt, dass sie seit 57 Jahren »mit Herz und Seele« in der Gewerkschaft ist. »Soli-

»Wenn jeder bereit ist, sich ein bisschen zu kümmern, wird diese Welt lebenswerter.« mann und die drei Kinder. Als sie aber wegen völlig gegensätzlicher Arbeitsschichten ihren Mann fast gar nicht mehr zu Gesicht bekam, kündigte sie. Und nahm noch vier weitere Kinder in Tagespflege hinzu. »Sollte ich nein sagen und hoffen, dass sich jemand anders um die Kleinen kümmert?«, fragt sie heute. »Ich habe eben ein großes Herz für kleine Wesen.« Bald kamen die Kinder in 30 | kompakt | November 2011

darität war auch nach der Trümmerzeit etwas Selbstverständliches – und bei der DDR-Mangelwirtschaft auch notwendig.« Die Kinder wurden erwachsen, Traute Oestereich Bundesbürgerin – und von heute auf morgen arbeitslos. Aber sie hatte ja noch ihren großen Garten direkt an der früheren Berliner Mauer. Hier entdeckte sie eines Tages sechs hungrige, wild streunende Katzen, darunter die

einzige Überlebende eines Wurfes, der von einem rabiaten Kleingärtner mit dem Spaten erschlagen worden war. Sie sammelte die »Wildkatzen« ein,

ließ sie – wie später 200 weitere – beim Tierarzt kastrieren, um weiteren Nachwuchs zu verhindern. Einige wenige nahm sie gleich mit in ihre Wohnung im achten Stock der Hochhaussiedlung Falkenberg. Heute genießen dort zwei einstige Wildkatzen mit ihrer Pflegemutter den Blick vom Balkon in den grünen Norden der Hauptstadt. »Es ist egal, wo sich ein Mensch sinnvoll engagiert«, sagt die Rentnerin. »Aber nur wenn jeder bereit ist, sich ein bisschen zu kümmern, wird diese Welt auch lebenswerter.« Nicht nur für Kinder und Katzen. Werner Staffen Sie kennen ein IG-BCE-Mitglied mit außergewöhnlichem Hobby? Dann schreiben Sie uns: kompakt@igbce.de


Tendenzen August-Schmidt-Stiftung

Einen im Sinn

Wenn der Ehemann und Vater

stirbt, hinterlässt er eine Lücke. Das mussten Ulrike Freese und ihre drei Söhne 2003 erleben – doch heute haben sie längst wieder festen Boden unter den Füßen und gehen ihren Weg. Das war und ist natürlich nicht immer leicht, aber alle packen mit an. Und »alle«, das sind jetzt sogar zwei mehr als früher. kompakt | November 2011 | 31

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TENDENZEN August-Schmidt-Stiftung

Fotos (3): Frank Rogner

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Solo für vier D

ie Erinnerung an den Vater hat ihren festen Platz. An der Magnetwand über dem Schreibtisch, ein einfaches Foto zwischen anderen Erinnerungsstücken: Jos mit Schultüte an der Seite seines Vaters. Wenn er Klavier spielt, ist es nur einen Blick weit weg. Manchmal löst er den Magnetpin und nimmt es in die Hand, wenn ihm danach ist. Seine Finger flattern über die Tasten des Elektroklaviers, eine ruhige Melodie legt sich über das Durcheinander seines Zimmers. Jos ist fünfzehn, der jüngste von drei Brüdern. Sein Vater ist ein Jahr nach sei-

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ner Einschulung gestorben, ganz unerwartet. Vieles erinnert noch an ihn, auch wenn der Tod schon weit zurückliegt. So wohnen sie nach wie vor in dem dreistöckigen Haus am Dortmunder Stadtrand, das er für sie ausgebaut hat. Unten die Großeltern, oben Jos, die 22-jährigen Zwillinge Dennis und Jan, Mutter Ulrike mit Lebensgefährten und einem seiner Söhne. Ulrike Freese hat sich als gelernte Feinmechanikerin nach der Geburt ihrer Zwillinge zur Tagesmutter schulen lassen. Seitdem ist unter der Woche oft noch ihr Pflegekind da. Allein Schuhschränke haben sie mindestens

sechs. »Irgendwann kam von Freunden der Spruch, ich müsste nur ein Schild hinhängen und könnte ein Hostel aufmachen«, sagt Ulrike Freese, und die Augen hinter der roten Brille der kurzhaarigen Frau strahlen; das war, als noch ihr Neffe und der größere Sohn ihres Lebensgefährten Benno Voigt hier gewohnt haben. Ihr Familiensinn scheint ansteckend zu sein. Und ein gutes Gegengift gegen die lähmende Todestrauer. Am 18. November 2003 war es, als der

Elektriker Herbert Freese von der Arbeit auf Auguste Victoria in Marl nicht zu-


Familienquartett mit starker Mitte: Die Brüder Dennis, Jos und Jan Freese mit ihrer Mutter Ulrike.

rückkam. »Er ist unter Tage umgekippt«, sagt Ulrike Freese. Sie hatten sich als Teenager kennengelernt, das Hochzeitsfoto steht noch im Wohnzimmerschrank. Das kann sie sich längst wieder gut angucken, nur die alten Familienvideos im unteren Fach, die gehen noch nicht. Damals hat es ihr vor allem geholfen, ihre Eltern bei sich zu haben. Die Oma hat Jan zum Sport gebracht oder sich um Jos und Dennis gekümmert. »Dadurch hat sich der Alltag nicht ganz so vehement geändert«, erklärt Ulrike Freese. Finanziell mussten sie sich einschränken. Als nach drei Jahren jedoch der Herzstillstand als Betriebsunfall anerkannt wurde, waren sie zumindest diese Sorge los: »Da hat sich die AugustSchmidt-Stiftung bei mir gemeldet«, sagt Ulrike Freese, »gut, dass sie auf mich zugekommen ist, ich wusste ja gar nichts davon.« Vor fast 50 Jahren gegründet, kümmert sich die Stiftung um Kinder, deren Eltern im Organisationsbereich der IG BCE ums Leben gekommen sind. Die Zwillinge hat sie bei der Ausbildung unterstützt, bis sie in ihrer Lehre als Industriekaufmann und Feinwerkmechaniker selbst genug verdienten, Jos’ Rente

Die Stiftung Am 25. April 1962 nach einem schweren Grubenunglück gegründet, hat die August-Schmidt-Stiftung bis heute mehr als 3200 Kinder finanziell unterstützt. Und das nicht mehr nur im Bereich Bergbau, sondern in allen Branchen des IG-BCE-Organisationsbereiches. Nach Unfällen auf der Arbeit oder dem Weg dorthin sowie Berufskrankheiten stockt die Stiftung der IG BCE die Rente auf bis zu 728 Euro pro Monat auf. Im vergangenen Jahr hat sie so fast 140 Kindern geholfen. www.august-schmidt-stiftung.de

wird nach wie vor aufgestockt. »Die Höhe der Unterstützung richtet sich nach der Waisenrente«, erklärt Angelika Wenner, Geschäftsführerin der Stiftung, »wir zahlen höchstens 728 Euro im Monat, davon wird die Rente abgerechnet.« Die Details haben die Jungs selbst gar nicht so mitbekommen. »Um die Finanzen hat sich immer unsere Mutter gekümmert«, erzählt Jan, dessen ruhiges Wesen und Statur dem Vater ähneln. In seinem Zimmer zeugen Langhanteln und Pokale von seinem sportlichen Erfolg. Ob sie sich sein Training leisten konnten, trieb ihn nie um; dank der Stiftung konnte er einfach hingehen. Dennis probierte Schwimmen und Judo aus, zurzeit japanischen Schwertkampf. Für ihn, der neben den Gesichtszügen des Vaters dessen Sinn für Ordnung geerbt hat, war es auch eine Frage der Disziplin, die schwierige Situation zu meistern: »Wir mussten eigenständiger werden.« Jos steht vom Klavier auf. »Ich möchte gern Abitur machen«, sagt er, »und danach Musik studieren und Mathe.« In die Tasten seines riesigen Taschenrechners greift er fast so gern wie in die seines Klaviers. »Er ist ziemlich gut«, sagt Dennis von der Tür aus mit Stolz in der Stimme, auch Jan im Flur nickt. Doch kaum zückt Jos sein Glätteisen und zieht das kinnlange dunkle Haar in Form, ist er plötzlich »das Mädchen der Familie« und wird auch noch mit seiner Freundin aufgezogen. Oft ist es lustig, drei leibliche Söh-

ne, einen angeheirateten und einen Tagessohn im Haus zu haben. Oft auch nicht so. Und fast immer ist es Arbeit. Jeder muss Rücksicht nehmen; dass etwa Schlagzeug und Klavier elektronisch sind, liegt nicht nur an der Technik-Liebe, welche die Familie eint. Es hat auch damit zu tun, dass man einfach Kopfhörer reinstecken kann und dann im Haus nichts mehr davon hört. An Jos’ Tür klebt – mit Fußballstickern fixiert – eine

Gerahmte Erinnerung: Ein Porträt von Jan, das sein Vater Herbert 1999 gezeichnet hat.

Kopie der Hausordnung, im Erdgeschoss hat Dennis seinen Großeltern aufgeschrieben, an welchem Tag er um wie viel Uhr aufstehen und ins gemeinsame Bad gehen muss. Oben hängt ein Dienstplan für Bad, Flur, Spülmaschine und Müll. »Das habe ich angefangen, als es mir irgendwann zu bunt wurde«, erklärt Ulrike Freese, während sie Brettchen fürs Abendbrot verteilt. Wenn es geht, essen sie jeden Tag zusammen. Die »Haushaltsmanagerin«, wie sie sich nennt, hat gern alle unter ihren Fittichen. Aber sie will nicht allein das Nest putzen, schließlich sind die Jungs schon flügge. Ihr Lebensgefährte schneidet Brot. »Wenn es gar nicht geht«, sagt er, »ziehen wir das Internet raus.« Das wirkt. So weit kommt es aber selten. Es klappt sogar so gut unter einem Dach, dass sie auch noch alle zusammen in Urlaub fahren – zum Camping. »Einmal waren wir mit einem Auto, einem Wohnwagen, drei Zelten und sieben Fahrrädern weg«, erzählt er, »da haben uns die Holländer ganz gespannt beim Packen zugeguckt.« Dagny Riegel kompakt | November 2011 | 33


TENDENZEN Bildung

Foto: Valerie WINCKLER/Gamma-Rapho via Getty Images

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In die Köpfe der Kinder Lernmaterial erstellen

längst nicht mehr nur Schulbuchverlage. Verbände und Unternehmen drängen mit Macht in die Klassenzimmer – und vermitteln ein Bild von Wirtschaft, in dem Gewerkschaften nur stören.

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E

s ist 11:30 Uhr an der Integrativen Gesamtschule in Bonn-Beuel. Kay Kirschner betritt das Klassenzimmer der 10 b. Auf dem Stundenplan steht Gesellschaftslehre, Thema: »Wie funktioniert unsere soziale Marktwirtschaft?« Das Unterrichtsmaterial, das Kay Kirschner verwendet, ist im Internet frei zugänglich und hat den unscheinbaren Titel: »Wirtschaftsordnung«. Herausgegeben wurde es von der Wirtschaftszeitung Handelsblatt, konzipiert vom Institut für ökonomische Bildung in Oldenburg. Die Schüler können darin lesen, dass »der Sozialstaat bei uns im Laufe der Jahre zu einem Wohlfahrtsstaat geworden ist, der immer we-

niger Gestaltungsmöglichkeiten lässt.« Die Botschaft ist eindeutig: Der Sozialstaat hemmt das Wachstum. Doch wie gelangen solche Lehrtexte in staatliche Schulen? Im Grunde ist dies nichts Neues: Die

Metro-Group erstellt »Handelswelten« als Lern-CD-Roms, der Deutsche Bankenverband kürt jährlich den Sieger des Planspiels »Schulbanker«. Alles ganz harmlos, findet Helmut Klein, Bildungsexperte des Instituts der Deutschen Wirtschaft in Köln. »Die Materialien von Wirtschaftsverbänden, Unternehmen und Banken sind ein freiwilliges Angebot«, erklärt Klein, dessen Institut


Nicht immer macht der Blick ins Nachbarbuch schlauer.

unter anderem das Bildungsprojekt »Fit für die Wirtschaft« unterstützt. Er findet die Materialien unproblematisch: »Wer sie nicht haben will, braucht sie nicht zu nehmen.« Doch diese Erklärung greift zu kurz. Es ist die chronische Unterfinanzierung des Bildungssystems, die dem Engagement außerschulischer Partner schon lange Tür und Tor öffnet. Die Geldknappheit im Bildungswe-

sen ist ein entscheidender Grund für die Wirtschaft, immer mehr private Mittel zur Verfügung zu stellen. So soll das Thema »Wirtschaft« stärker in den Schulen verankert werden. Dem Institut der deutschen Wirtschaft kommt sie in den Lehrplänen jedenfalls zu kurz: »Der Vermittlung ökonomischer Kompetenzen sollte besondere Beachtung geschenkt werden«, heißt es dort. »Dies ist aber weithin nicht der Fall.« Fakt ist: In der zersplitterten deutschen Bildungslandschaft wird Ökonomie mal im Fach Erdkunde, mal in Politik oder im Hybridfach Gesellschaftslehre unterrichtet – und das teilweise von Lehrern, die keine wirtschaftsdidaktische Kompetenz haben. »Wirtschaft ist bei uns im Kollegium ein unbeliebtes Thema«, beklagt auch Gesellschaftskundelehrer Kay Kirschner von der IGS Bonn-Beuel. »Viele sind damit überfordert.« Die neuen Materialien von »außen« sieht Kirschner

Bei der Bildung wird gespart Deutschland gibt vergleichsweise wenig Geld für Bildung aus. Im zuletzt erhobenen Jahr 2007 lagen die Ausgaben für Bildung bei lediglich 4,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Im internationalen Vergleich bedeutet das nur Mittelmaß: Der OECD-Durchschnitt beträgt 5,7 Prozent. Vor der »Bildungsrepublik« Deutschland stehen Länder wie Neuseeland (5,9 Prozent) und Korea (7,0 Prozent) – Spitzenreiter ist Island mit 7,8 Prozent.

durchaus als Bereicherung: »Aber nur, wenn man sie sinnvoll einsetzt und kritisch hinterfragt.« Wichtig sei, dass man in der Diskussion mit Schülern alle Facetten der Ökonomie beleuchte. Die Wirtschaftslobby drängt mit

aller finanzieller Kraft in die Schulen. Allen voran: die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, ein 2008 von Arbeitgeberverbänden ins Leben gerufener Think Tank aus Wirtschaftsexperten. In einer Unterrichtseinheit listet die Initiative als Gegenmaßnahmen zur Arbeitslosigkeit auf: Abbau von bürokratischen Hemmnissen, Steuererleichterung, Zeitarbeit. Das Wahlprogramm der FDP unterscheidet sich davon nur unwesentlich.

materialien, deren Anspruch es ist, »ein ganzheitlich ausgerichtetes sozioökonomisches Verständnis zu vermitteln«, bekräftigt Edeltraud Glänzer vom Hauptvorstand der IG BCE. Ökonomische Bildung dürfe nicht auf Unternehmerinteressen verkürzt werden. Teil der Initiative war auch eine Anfang April gemeinsam mit der HansBöckler-Stiftung organisierte Tagung in Bad Münder mit dem Titel: »Was unsere Kinder über Wirtschaft denken«. Dort kritisierte der Soziologe Prof. Oskar Negt die betriebswirtschaftliche, rationale Art, wie in Schulen mit Fragen der Ökonomie umgegangen wird. Es gelte zu verhindern, mahnte Negt, »dass das System Menschen produziert, die einen vereng-

»Wirtschaft ist bei uns ein unbeliebtes Thema, viele sind damit überfordert.« Die Beeinflussung der ökonomischen Bildung durch die Wirtschaft ist längst kein Randthema mehr. Die Polit-Magazine Monitor und Panorama berichteten darüber, auch die Wissenschaft setzt sich mit der Entwicklung auseinander. So kommt der Bielefelder Wirtschaftsdidaktiker Reinhold Hedtke zu dem Schluss: »Ein Netzwerk aus liberal-konservativen Lobbyisten kontrolliert die Bildungspolitik ganzer Bundesländer.« In seiner Studie »Wem gehört die ökonomische Bildung?« schreibt Hedtke: »Langfristig wird den Schülern nur ein bestimmtes Wirtschaftsbild vermittelt – gegen den Sozialstaat, gegen Gewerkschaften, gegen Mitbestimmung. Sozial wird hier kleingeschrieben.« Und was tun die Gewerkschaften? Der DGB und die Mitgliedgewerkschaften, IG Metall, IG BCE, ver.di und GEW engagieren sich in der Initiative »Schule und Arbeitswelt«. Mittels Projekten, Tagungen und Lehrerfortbildungen soll ein sozialer Gegenpol zur Ethik der reinen Gewinnmaximierung gebildet werden. Die Initiative entwickelt auch Unterrichts-

ten ökonomischen Blick haben«. Mündige, politische Bürger brauche das Land – keine »leistungsbewussten Mitläufer«. »Wirtschaft darf nicht entkoppelt werden von der sozialen, politischen und ethischen Sphäre«, sagt IG-BCE-Vorstand Edeltraud Glänzer. Und eines soll dringend vermieden werden: dass die Schule ein Kampfplatz der Ideologien wird. Wie das funktionieren kann, zeigt die IG-BCE-Ortsgruppe Marsberg. Sie führt im nächsten Jahr das Planspiel »ReadySteady-Go« durch. Dabei sollen Schüler möglichst wirklichkeitsnah den Weg von der Bewerbung in den Beruf nachspielen. Ein fiktives Bewerbungsgespräch mit einem Arbeitgeber gehört dazu – auch Mitarbeiter von Krankenkasse und Arbeitsamt wirken beim Spiel mit. Und eben auch Gewerkschaft und Betriebsrat. Alle Akteure, die am beruflichen Werdegang eines jungen Menschen beteiligt sind, werden so bei dem Planspiel mit ins Boot geholt – damit sich die Schüler selbst ein Bild von der Wirklichkeit machen können. Marco Jelic kompakt | November 2011 | 35


TIPPS Arbeitswelt

Fotos (2): Martin Schlüter

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Der druck und die

Anforderungen in der Arbeitswelt sind in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen. Immer mehr Beschäftigte macht das krank. Bevor einem alles zu viel wird, können Arbeitnehmer für eine begrenzte Zeit aus dem Job aussteigen – in Form eines Sabbaticals.

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Auszeit zum Auftanken D

ie Wende brachte ein Auftrag, der im allerletzten Moment gestrichen wurde. »Jetzt oder nie«, dachte Christian Irrgang und erfüllte sich einen lang gehegten Traum: einen dreieinhalb Monate andauernden Segeltörn auf der Ostsee. Schon lange hatte der freiberufliche Fotograf eine gewisse Müdigkeit verspürt, einen Anklang von Frust bei der täglichen Arbeit. »Ich habe gemerkt, dass ich etwas tun muss,

um nicht dauerhaft verbittert zu werden«, sagt der 54-Jährige. Schließlich machte er sich mit seinem Segelboot auf die Reise. Seinen Kunden hat er davon nichts erzählt, schließlich wollte er ja anschließend wieder einsteigen. »Ich habe mich still und heimlich aus dem Staub gemacht«, erzählt er. Für sein Sabbatical hat Christian Irrgang gut ein Jahr vorgearbeitet und Geld auf die Seite gelegt, von einer Erbschaft konnte er sich


Segel los: Christian Irrgang nahm für dreieinhalb Monate eine Auszeit und schipperte die Ostseeküste entlang.

 Auf einem Langzeitkonto können Überstunden und nicht genommener Urlaub angespart werden. Allerdings müssen hier gesetzliche Vorgaben beachtet werden, wie zum Beispiel die maximale Zeit, die pro Tag gearbeitet werden darf sowie die Einlösung von Urlaubstagen bis zum 1. April des Folgejahres.  Über Teilzeitarbeit kann ebenfalls freie Zeit gesammelt werden. So Sabbatical . . . . . . ist der englische Begriff für ein Sabbatjahr. Im Alten Testament beschreibt das Sabbatjahr, das alle sieben Jahre gefeierte Brachjahr, in dem nicht nur die Felder unbewirtschaftet bleiben, sondern auch alle Schulden erlassen und alle Sklaven freigelassen werden sollen. Früher war das Sabbatical zunächst die Bezeichnung für ein Forschungsfreisemester an amerikanischen Universitäten, heute steht es allgemein für einen begrenzten Ausstieg aus dem Beruf.

kann ein Arbeitnehmer 40 Stunden in der Woche arbeiten, sich aber nur das Geld für 30 Stunden auszahlen lassen. Nach zwei Jahren wäre dann ein halbes Jahr ohne Arbeit bei voller Bezahlung möglich.  Unter Umständen können auch konjunkturell bedingte Auszeiten zwischen Unternehmen und Angestelltem vereinbart werden. So kann ein Betrieb in Krisenzeiten bei schlechter Auftragslage Mitarbeiter freistellen, die dann einen Bruchteil ihres Gehaltes bekommen (diese sogenannte Kurzarbeit ist jedoch auf ein halbes Jahr beschränkt). Freiberufler wie Christian Irrgang haben den Vorteil, dass sie keinen Chef von ihren Plänen überzeugen müssen. Ganz anders sieht es dagegen bei Angestellten aus. »Ausstiegswillige Mitarbeiter brauchen Geduld und Über-

Checkliste Sabbatical Wer eine Auszeit plant, sollte

mindestens ein Jahr vorher mit der Organisation beginnen;

sich genau überlegen, was man tun will;

wissen, wie man sich finanziert und krankenversichert;

sich gute Argumente einfallen lassen, um den Chef zu überzeugen;

Abmachungen für die Zeit danach festlegen, zum Beispiel einen Sabbatical-Vertrag mit dem Unternehmen abschließen.

Foto: jimmyklick/Fotolia

das Boot kaufen. Seine Versicherungen ließ er weiterlaufen und um ganz sicherzugehen, hat er von Zeit zu Zeit seine Mailbox abgehört, allerdings nur um festzustellen, dass er nichts verpasst. Die Reise führte ihn schließlich von Rügen an der polnischen Küste sowie Litauen, Lettland und Finnland vorbei über die Åland-Inseln bis zum Ende der Ostsee – eine Erfahrung, die er nicht missen möchte. »Es war toll, so alleine unterwegs zu sein. Ich war geradezu euphorisch, als ich gemerkt habe, dass alles funktioniert, dass ich mit Wind und Wetter zurechtkomme«, berichtet er. Auch für Beschäftigte in Betrieben ist eine Auszeit durch einen unbezahlten Urlaub möglich, allerdings müssen sie sich dann selbst um eine Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung kümmern. Wer auch während eines Sabbaticals über laufende Gehaltszahlungen verfügen möchte, kann dies über verschiedene Arbeitszeitmodelle verwirklichen:

»Ich hab mich still und heimlich aus dem Staub gemacht.« zeugungskraft, um ihren Traum zu verwirklichen«, sagt Barbara Hess, Beraterin und Autorin des Buches »Sabbaticals – wie Sie erfolgreich gehen und motiviert zurückkommen«. Schließlich gibt es in der freien Wirtschaft kein Recht auf eine Auszeit. Daher sollte man sich vorab informieren, wie der Chef mit Sabbatical-Anfragen umgeht. »Wählen Sie dann einen günstigen Zeitpunkt, um Ihren Vorgesetzten anzusprechen und stellen Sie die Vorteile für das Unternehmen deutlich heraus«, empfiehlt Hess. Dazu gehören beispielsweise höhere Motivation und Arbeitsfreude. »Unterbreiten Sie Ihrem Chef einen Plan, wie Ihre Arbeit während Ihrer Abwesenheit aufgefangen werden kann«, sagt Hess.

 Einen Sabbatical-Vertrag sollte man unbedingt abschließen, um möglichst ohne unliebsame Überraschungen in das Unternehmen zurückkehren zu können. Dieser sollte die Konditionen der Rückkehr festhalten, zum Beispiel den Anspruch auf den alten Arbeitsplatz, einen rechtlichen Kündigungsschutz während der Auszeit sowie eine Insolvenzversicherung für das Arbeitszeitkonto. Christian Irrgang ist seit einigen Monaten wieder zu Hause. Von seiner Reise profitiert er bis heute, vor allem im Alltagsgeschäft merkt er immer wieder, wie gut ihm die Auszeit vom Job getan hat. »Ich bin viel gelassener geworden«, sagt er. Und das sei ein sehr schönes Gefühl.  Anette Schröder kompakt | November 2011 | 37


TIPPS Ausbildung

Fotos: Jupiterimages/Getty, Avij/WikiCommons, jimmyklick/Fotolia, Datenquelle: Destatis

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Mehr Kindergeld Eine gute Nachricht für

Eltern von Auszubildenden: Kindergeld gibt es von 2012 an für fast alle Azubis. Denn: Künftig ist es nicht mehr von Bedeutung, wie viel Geld die Sprößlinge verdienen.

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eim Kindergeldantrag und der Einkommensteuererklärung können sich Eltern künftig eine Menge Arbeit und aufwendig zu beschaffende Nachweise sparen. Die Regelung, nach der es Kindergeld nur dann gibt, wenn die Sprößlinge nicht mehr als 8004 Euro pro Jahr verdienen, fällt. Das bedeutet: Eltern bekommen vom nächsten Jahr an in der Regel immer Kindergeld. Die kompakt-Redaktion hat die wichtigsten Regelungen – und was diese für Sie bedeuten – zusammengestellt.

Gibt es Änderungen für minderjährige Kinder?

Nein. Für Kinder unter 18 Jahren ändert sich künftig beim Kindergeld nichts. Solange Töchter und Söhne noch minderjährig sind, kommt die staatliche Kinderleistung in der Regel problemlos. Das ändert sich erst mit der Volljährigkeit des Nachwuchses: »In Kürze wird Ihr Kind 18 Jahre alt. Die Zahlung des Kindergeldes für das genannte Kind erfolgt daher letztmals für den Monat Dezember 2011.« So ähnlich kündigt die Familien-


Auch für die beiden kassiert Mama künftig die volle staatliche Unterstützung – egal was sie verdienen.

kasse bei der Arbeitsagentur gegenüber Platz suchen, können bis zu ihrem den Eltern fast volljähriger Töchter 25. Geburtstag Kindergeld bekommen. oder Söhne an, dass die Für ehemalige Zivil- oder monatliche Überweisung Wehrdienstleistende verbald endet. Nur für den schieben sich diese AltersMonat, in dem das Kind grenzen um die Dauer 18 wird, steht den Eltern der Dienstzeit nach hingenerell noch Kindergeld ten. Für verheiratete Kinzu. Das sind je 184 Euro der gibt es kein Kindergeld monatlich für die ersten mehr – außer, der EheMillionen beiden Kinder, 190 Euro partner hat auch kein ausMenschen in fürs dritte und 215 Euro reichendes Einkommen. Deutschland haben vom vierten Kind an. 2010 Kindergeld Doch in den meisten was ist beim bekommen. Fällen lohnt es, einen einkommen der Antrag auf Weiterzahlung kinder zu beachten? des Kindergeldes über das Von 2012 an nichts mehr. 18. Lebensjahr hinaus zu Dann können volljährige stellen. Töchter und Söhne, die sich in einer ersten Berufsausbildung oder im Erstwird kindergeld studium befinden, beliefür volljährige big hohe Einkünfte haben. gezahlt? Für arbeitslose und Arbeit suchende Das regelt das bereits beschlossene SteuKinder gibt es diese Leistung bis zum ervereinfachungsgesetz 2011. 21. Lebensjahr. Kinder, die sich in einer Berufsausbildung oder im Studium was gilt, wenn das kind befinden oder einen entsprechenden nebeneinkünfte erzielt? Wenn es rein um das Kindergeld geht, spielen auch Nebentätigkeiten von Auszubildenden keine Rolle mehr. Ein Kindergeld für 2011 retten neben der Ausbildung beispielsweise gut bezahlter Nebenjob als DJ »killt« Kurz vor dem Jahresende und dem Ende also künftig keinesfalls mehr den Ander alten Gesetzeslage kann mancher spruch auf die staatliche Kinderleistung. Auszubildende oder Student den vollen Das Gleiche gilt übrigens für einen MiniKindergeldanspruch für seine Eltern job. noch retten. Knackpunkt ist, dass der

8,8

Jahresverdienst nach Abzug von Sozialversicherungsbeiträgen und Werbungskosten 8004 Euro nicht überschreiten darf. Deshalb kann es sich in den letzten Monaten lohnen, seinen Nebenjob auszusetzen und höhere Ausgaben für die Ausbildung oder den Nebenjob (Werbungskosten) zu tätigen. Wichtig: Für das Kindergeld zahlt sich das nur dann aus, wenn die gesamten Werbungskosten den neuen Pauschbetrag von 1000 Euro übersteigen.

gilt das alles auch für eine zweite ausbildung?

Nein. Nach der ersten Berufsausbildung und nach einem Erststudium gelten andere Regeln. Ein Beispiel: Ein Chemikant entschließt sich nach seiner Ausbildung Verfahrenstechnik zu studieren. Ist er noch unter 25 und jobbt nebenbei, ist dann nicht die Höhe seines Einkommens, sondern seine Arbeitszeit maßgebend. Handelt es sich um regelmäßig nicht mehr als 20 Stunden wöchentlich,

Checkliste kindergeld Für Kinder unter 18 Jahren gibt es ohne Einschränkungen Kindergeld. Für Söhne und Töchter zwischen 18 und 25 gibt es dagegen nur dann Unterstützung, wenn sie entweder

in Ausbildung sind oder

einen Ausbildungs-/Studienplatz suchen oder

ein freiwilliges ökologisches Jahr oder soziales Jahr absolvieren oder

den Bundesfreiwilligendienst absolvieren (endgültige gesetzliche Regelung folgt noch) oder

Zwangspausen (bis zu vier Monaten) zwischen Ausbildungsabschnitten oder Ausbildung und Dienstzeit einlegen müssen oder

arbeitslos sind (nur bei Kindern bis unter 21 Jahren);

für Eltern behinderter Kinder, die sich nicht selbst unterhalten können, gibt es das Kindergeld zeitlich unbegrenzt.

fließt das Kindergeld weiter. Ein Job mit längerer Arbeitszeit schließt den Kindergeldanspruch dagegen aus. Was gilt, wenn man eine zweite betriebliche berufsausbildung anschliesst?

Auch diese Ausbildungsvergütung schadet beim Kindergeld nicht. Denn ein »Ausbildungsdienstverhältnis« ist nach dem neuen Gesetz immer »unschädlich« fürs Kindergeld. Rolf Winkel

Mehr Infos zum Kindergeld unter: www.familienkasse.de kompakt | November 2011 | 39


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Rätsel

Vorspeisen miss(italiegünstiger nisch) Mensch

Apothekenangestellte Wellnessbad

Grundlage, Ausgangspunkt

Endspiel Aktion

Teil eines Ganzen Lied in der Oper

Farbe des Flieders

An1. Frau fängerin Jakobs Schadens- Kurzschrift ereignis (Kurzwort)

Hinterlassenschaft

Fischfanggerät Strichcode (Abk.) Gemahlin des Oberon

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Gitter für Pflanzen Feuchtigkeit

Götzenbild afrik. Völkergruppe unverdiente Milde

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Fährte

span. Pluralartikel 17. griech. Buchstabe

englisch: drei

Heizgerät Reifeprüfung (Kurzwort)

weibliches Hausschwein

ähnlich

urtümlich, ungekünstelt, urwüchsig chem. Z. für Eisen von Beute leb. Säuger

einfarbig Wagendecke über Gemütsder Ladebewefläche gung

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Behörde Akne, Mitesser

Skilanglaufspur Backmasse

Arnozufluss Bildseite einer Medaille

7

Geräuschinstrument m. Zahnrad Viereck

verführerische Frau

Dorf Nadelbaum

Europ. Fußballverband (Abk.)

Früchte

Abk. für: dergleichen Vortrag

Autokz. von Celle

nicht viel

ungefähr

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Dativfragewort Buchungsunterlage

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Landungsbrücke Pferdestärke (Abk.) Ausruf des Erstaunens

Vorfahr englischer Bauernhof Autokz. von Uelzen

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Brotkrümel

Amateur elektr. Einheit (Abk.) Grasschneidegerät

nicht spät

16 augenblickliche Situation

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Arabermantel and. Name der Biene

Eigenname von Irland

chem. Element

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Massebegriff

nörgeln, mäkeln (ugs.)

Chef dt. Rettungsverein (Abk.)

Blutsverwandter Physiker † (Georg S.)

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Windschatten Künstlervermittler Trennlinie zw. Staaten

zweistellige Zahl engl. Dramenkönig

Viehfutter Zeichnung im Holz

Brennstoff aus Kohle

für Fernsehaufnahmen geeignet

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Bergmannwaschraum Karpfenfisch

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Spielkarte Heilpflanze

überaus Luft der Lungen

Werbekurzfilm durcheinander

Eier-, Pfannkuchen Elternteil (Kosename)

Fisch, Lachsforelle

Nachschrift (Abk.) Art zu betrügen

Dauergebäck

Gleich zweimal silberfarbene Technik gibt es diesmal für alle Rätselprofis zu gewinnen. Für die rattenscharfe Dokumentation aller wesentlichen Lebensereignisse gibt es als Hauptpreis zehn Sony-Videokameras mit 30-fachem optischem Zoom, HD-Qualität und Touchscreen. Und wer sich den Stress mit Videoschnitt und Nachvertonung nicht machen will, kann einfach einen von 40 silbernen Toastern gewinnen. Denn es kann durchaus auch lecker sein, kleine Brötchen zu backen.

gleichmäßig hoch

nordische Schicksalsgöttin

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Glitzernde Gewinne haltbar machen, marinieren

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Energieträger

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Bratutensil

Gemahlin des Zeus

eingeladener Besucher

Rotes Kreuz (Abk.)

feiner Schmutz

Hunderasse

Mann (englisch) olymp. Gremium (Abk.)

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lange, schmale Öffnung

unweit

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Märchenwesen relativ gering

Aristokratin

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Schneiderbedarf

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Glück & Glosse

Preisrätsel Im Preisrätsel wird in diesem Monat ein Begriff gesucht, der eine Flüssigkeit beschreibt, die nicht nur für Autofahrer im Winter unverzichtbar ist. Bitte die Lösung auf eine Postkarte schreiben und einsenden an: kompakt-Redaktion, Postfach 39 45 30039 Hannover oder per Mail an: kompakt.preisraetsel@igbce.de — bitte die Adresse mit angeben. Einsendeschluss ist der 17. November 2011 (Datum des Poststempels ist maßgebend). Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Die Gewinner

Je ein Schlemmerpaket (Lachsfilets und eine Flasche Chardonnay) erhalten: Rainer Sturm, Freigericht; Inge Gusik, Alsdorf; Regina Künzel, Merseburg; Katrin Schill, Düsseldorf; Werner Placke, Osnabrück; Heinz Mirbach, Langewehe; Brigitte Scholtyssek, Halle; Jürgen Leva, Mutterstadt; Dagmar Bühler, Leverkusen; Monika Wutzler, Rositz; Peter Dötsch, Grenzach-Wyhlen; Reinhold Weis, Dernbach; Hariolf Liedtke, Aalen; Klaus Wolf, Delligsen; Alfons Veronese, Saarlouis; Jürgen Richers, Kassel; Gert Ille, Auma; Ernst Hauser, Herne; Helmut Tussnat, Cottbus; Manfred Cornelius, Leun; Herbert Talinski, Recklinghausen; Johann Kleber, Nabburg; Karl Hewera, Wuppertal; Torsten Krohn, Fachbach; Simone Schleier, Schwetzingen; Jürgen Pardey, Hannover; Willi Rupprecht, Lauf; Tim Krüger, Hülsede; Jörg Heidenreich, Augsburg; Joachim Detlefsen, Flensburg; Stephanie Liese, Leverkusen; Willi Wilsky, Sondershausen; Karl Hirsch, München; Ralf Reinhardt, Torgau; Eckhard Stelter, Drelsdorf; Roland Eisenhauer, Frankfurt; Joachim Bresinske, Schwedt; Katharina Gattnar, Mannheim; Carina Schwirzer, Weiherhammer; Gudrun Reppin, Gladbeck. Lösung Oktober 2011: Herbstlaub A L P L E V I N R O N V I P E T E R B A R P A T Y A G N K E T E

D A U D U M N B L R O K A R W I H I O C T E H R A L A N E A K B S E N R I E T S T A Z U P E R L E U L E R A D E N E N

B M B A T I O R I N N S O C E I N F A O L A L D E A L L U T Z

H C I E L N T E H A P I N I K L E V A E R A

V I S U M

R I E S E

A M A L G A M

P N A N O E L T O G U T E N P R O L A U M A C H I C E I B M O

S D E L A N I S F A N E I E B L R Z O O

K G E L A E S S T T U K R A K O A L O

V E R H A U

E L A I N

A R Z T

D I W O H E R I S D E M A L I L T G A L O L A P U K A T I K E A R W E M N E I N N N E G I N

Er hatte keine Erklärung dafür, aber eines war ihm klar: Er würde zu spät zum Abendessen kommen.

@Lappan-Verlag, Gerhard Glück

Cartoon

Bei der Verlosung der Preise unter den Einsendern richtiger Lösungen fielen die zehn Hauptgewinne – ein Tafelbesteck-Set von WMF – an: Karin Kahl, Marl; Hans-Joachim Reich, Berlin; Brigitte Siebert, Alheim; Erich Buschle, Mühlheim-Stetten; Eberhard Kuhne, Dresden; Katrin Lukas-Hummel, Alfeld; Diethard Wolfgang Mann, Schriesheim; Kurt Guckenhan, Mannheim; Günther Kaminski, Bad Lauterberg; Elke Fischer, Treuchtlingen.

Grimms Märchen

D

er Winter naht. Bei der Deutschen Bahn zittern sie schon. Keine Jahreszeit – außer Frühling, Sommer und Herbst – fürchtet die Bahn so sehr wie den Winter. Denn im Winter fällt Schnee (Überraschung!). Und schon zwei Millimeter Neuschnee oder sechs Blätter welkes Laub haben auf einen 800-Tonnen-ICE mit 11 000 PS eine ähnliche Wirkung wie eine sechs Meter dicke Betonmauer auf ein Bobbycar. Nichts geht mehr. Dabei trägt der ICE das »Eis« sogar im Namen. Das Tolle an der Deutschen Bahn ist aber, dass sie immer alles ganz genau erklärt: »Wegen Verzögerungen im Betriebsablauf hat dieser Zug 30 Minuten Verspätung«, heißt es dann. Klingt irre kompetent, heißt in Wahrheit aber ABSOLUT GAR NICHTS. Nullwörter. Leersprech. Laberblasen. Bahnalphabetismus. Übersetzung: »Es geht nicht weiter, weil’s nicht weiter-

geht.« Nach dieser Logik sind Ursache und Wirkung ein und dasselbe. Es ist, als würde man sagen: »Wegen eines akuten Mangels an Wählerstimmen kam die FDP in Berlin nur auf 1,8 Prozent.« Aber was soll’s: Winter bei der Bahn ist immer noch besser als Zug im Sommer. Lieber im Winter-Regio nach Kaltwarmbüchen als im Transpirapid nach Schwitzenhausen. Der neue Bahnchef mit dem programmatischen, Stuttgart-21-kompatiblen Familiennamen Grube will dafür den Service verbessern. Den Auftakt macht ein kostenloses Fitnessprogramm für Reisende auf dem Bahnsteig. Titel der Aktion: »Umgekehrte Wagenreihung«. Der alte Bahnchef Hartmut Mehdorn ist jetzt bei Air Berlin. Erste Amtshandlung: reformierte Durchsagen: »Senk ju for träwelling wis Air Berlin. Der Ausstieg befindet sich in Flugrichtung links.« Schöne Winterzeit! Imre Grimm

Lösung: HERBSTLAUB

kompakt | November 2011 | 41


Mein Arbeitsplatz

Je besser der Produktdesigner klickt, desto schicker wird das Fahrzeug.

Martin Nickel (22) ist technischer Produktdesigner bei Scherer & Trier

Ohne mich kein Auto

«

Autos haben mich schon immer fasziniert. Klar, dass deshalb auch mein Job irgendetwas mit Autos zu tun haben muss. Für die Ausbildung zum technischen Produktdesigner habe ich mich entschieden, weil ich mein technisches Interesse

Aber auch mein Schreibtischjob ist durchaus spannend und kreativ. Etwa dann, wenn ich herausfinden muss, wie ein Bauteil an der Karosserie am besten hält. Mal sind Clipse besser, mal starkes Klebeband – je nachdem, wie ich das Bauteil konstruiere. Und danach kom-

»Das eigene Know-how in einem BMW – das hat schon was.« und den Spaß an Gestaltung so am besten kombinieren kann, zum Beispiel bei der Konstruktion von Dachzier- oder Einstiegsleisten für Daimler und BMW. Für deren Automobile fertige ich Kunststoffteile. Bei neuen Aufträgen fahre ich sogar ab und an selbst mit meinen Außendienstkollegen in die ›Heiligen Hallen‹ der Automobilindustrie. 42 | kompakt | November 2011

men viele andere Überlegungen: Muss ich den Entwurf für andere Automodelle flexibel halten? Überstehen meine Skizzen alle folgenden Prüfverfahren und Klimatests? Sollen die Kollegen im Werk meine Entwürfe mittels Spritzguss- oder Extrusionstechnik fertigen? Und – vor allem – werden die Produkte später tatsächlich millimetergenau in die Auto-

karosserie hineinpassen? Ganz schön viel Verantwortung, die ich hier schon während meiner Ausbildung übernehmen darf. Zu wissen, dass das eigene Know-how in einem BMW oder Daimler steckt, das hat schon was. Aber trotzdem reizt es mich nicht, irgendwann nach München oder Stuttgart zu wechseln. Das wäre mir zu einseitig, denn dann hätte ich bei Weitem nicht mehr die Abwechslung an Autofabrikaten und -modellen, wie ich sie jetzt habe. Aufgezeichnet von Axel Stefan Sonntag

«

Die Ausbildung zum technischen Produktdesigner dauert drei Jahre. Mit den in der Berufsschule erlernten CAD-Kenntnissen entwerfen sie im Betrieb eigene Bauteile – zum Teil nach Kundenvorgaben.

Foto: Nicole Strasser

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Ihr 4-Sterne Deluxe RAMADA Bad Brambach Resort Das Vogtlandhaus aus dem Jahre 1928 verbindet historische Details mit modernster Architektur. Es liegt inmitten des gepflegten historischen Kurparks mit seinen natürlichen Heilquellen und umgeben von der waldreichen Mittelgebirgslandschaft des oberen Vogtlandes. Sie finden hier ein stilvolles Restaurant mit Parkterrasse, À-la-carte Restaurant, Bistro, VIP-Lounge, Bibliothek und einen Kiosk. Ein Bademantelgang verbindet das Hotel mit der traumhaften Bade-, Sauna- und Wellnesslandschaft „Aquadon“. Alle komfortablen 108 Zimmer verfügen über französische Betten (1,60 m), Bad oder Dusche/WC, Haartrockner, Bademantel, Flachbild-TV, Lesesessel, Safe, Telefon und Radio. Die Zimmer verfügen teilweise über bodentiefe Fenster mit unvergleichbarem Parkblick.

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