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Nr. 01 I Januar 2012 www.igbce.de

vor ort Des Duftes Kleid: Wie Gerresheimer in Tettau Flakons produziert tendenzen Seit drei Generationen in Deutschland: Besuch bei einer türkischen Familie in Recklinghausen tipps Entlastung für Durchschnittsverdiener: Was sich 2012 alles verändert

kompakt

Das Mitgliedermagazin der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie

Zwei Leben Viele Menschen pflegen einen Angehörigen – und sind berufstätig. Wie gelingt dieser Spagat?


unter uns

Gute Nachbarn Gute Kollegen

Christian Hülsmeier

Chefredakteur

es ist eigentlich unglaublich, wie stabil unser Land solche und

andere Probleme im vergangenen Jahr weggesteckt hat. Ein deutlich höheres Maß an Gelassenheit ist das Ergebnis solcher Erfahrung. Manches mag schieflaufen, aber vieles ist eben auch gesichert – das Einkommen und der nächste Sommerurlaub beispielsweise durch Tarifverträge. Jedenfalls da, wo sie gelten. Zur wahrheit gehört allerdings, dass es in unserem Land auch Tendenzen gibt, die alles gemeinsam Erreichte gefährden. Der zerstörerische Rechtsextremismus zum Beispiel. Man ist empört und wütend, wenn Menschen Opfer von Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit werden. Aber wie geht es denen, die Ziel rechtsextremer Aggressivität sind? Davon ist selten die Rede, obwohl das keine Unbekannten sind, sondern Nachbarn und Kollegen. kompakt stellt in dieser Ausgabe die deutsch-türkische Familie Tetik vor, Einwanderer in dritter Generation, im Ruhrgebiet zu Hause – und überaus sympathische, unerschrockene Mitbürger.

Foto: Frank Rogner

Foto: Dennis Börsch

D

er Alltag hat uns schon fast wieder eingeholt, wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, diese Ausgabe von kompakt in den Händen halten. Natürlich sorgen die Feiertage noch für Gesprächsstoff, aber die meisten Gedanken gelten bereits dem neuen Jahr. Geht es in Ausbildung und Beruf voran, steigt der Leistungsdruck in den Fabriken und Büros, wie entwickelt sich die Auftragslage und bleibt der Arbeitsplatz sicher? Gerade zum Jahresanfang ist man geneigt, solche Fragen und auch Sorgen mit einem gehörigen Schuss Optimismus zu beantworten. Umfragen bestätigen darüber hinaus die Zuversicht, die gegenwärtig im Großen und Ganzen die Stimmung in unserem Land prägt. Trotz ewiger Finanzkrise, trotz der unschönen Turbulenzen um den Bundespräsidenten, trotz des Durcheinanders bei der Energiewende.

Die Söhne Tetik: Faruk, Ferit und Ferdi (von links). Gut ausgebildete deutsche Jungs mit Eltern aus der Türkei.

christian.huelsmeier@igbce.de kompakt | Januar 2012 | 3

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11 Standpunkt

VOR ORT

Michael Vassiliadis über die Perspektiven für 2012.

TITEL

21–29

12 Bloß kein Mitleid

Viele Arbeitnehmer in Deutschland pflegen zu Hause Angehörige. kompakt hat eine Familie besucht und berichtet von ihrem außergewöhnlichen Alltag.

Von feurigen Flüssen im Frankenwald Foto: Werner Bachmeier

Unter großer Hitze zaubert die Firma Gerresheimer in Tettau aus Sand, Soda und Kalk Glasflakons und Tiegel, in denen feine Düfte und Kosmetik verkauft werden. Wir haben einen Blick in die Zauberwerkstatt geworfen.

THEMEN

18 Weltrettung vertagt

Der Weltklimagipfel im australischen Durban endete ohne handfestes Ergebnis. 200 Staatsoberhäupter konnten sich nicht auf gemeinsame Klimaziele einigen.

19 Die Luft ist raus 3,0 und 1,6 Prozent mehr

1,5 Milliarden wollte Vattenfall in die CSS-Technologie investieren. Doch nun wurde das Projekt begraben.

Nach zähen Verhandlungen bringt die dritte Tarifrunde der Papierindustrie endlich ein tragfähiges Ergebnis: Die 40 000 Beschäftigten bekommen mehr Geld.

TENDENZEN

31 »Ich will nach Hause«

Foto: Martin Leissl

Der Schriftsteller Arno Geiger hat ein Buch geschrieben über das Leben mit seinem demenzkranken Vater. kompakt druckt einen Auszug.

34 Zwei Welten

In beiden Ländern zu Hause – und doch fremd: kompakt besucht eine türkische Großfamilie, die seit drei Generationen in Deutschland lebt.

TIPPS

36 Zeit nehmen

Beiersdorf streicht in Hamburg

Ein neues Gesetz soll Arbeitnehmern ermöglichen, für die Pflege von Angehörigen zu Hause zu bleiben. kompakt erklärt, wie das geht.

Verfehlte Personalpolitik? Das Sparprogramm des Unternehmens kostet 230 Beschäftigten in der Hamburger Zentrale ihre Stellen. Der Betriebsrat ist sich sicher: Das hätte nicht sein müssen.

38 Da schau her: Neues für 2012

Was sich 2012 für wen ändert, lesen Sie im Januar im ersten von drei Serviceteilen.

Albbruck: UPM schließt Papierfabrik Ein Verkauf kommt für den finnischen Papierkonzern UPM nicht infrage. Sie vertrauten der von der IG BCE vermittelten Investorengruppe nicht, heißt es aus dem Unternehmen. Der Betriebsrat vermutet, der Konzern wolle keine Konkurrenz.

IMMER IM HEFT

400 IG-BCE-Mitglieder diskutieren auf der Recklinghäuser Tagung über 50 Jahre Anwerbeabkommen und rechten Terror in Deutschland.

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Foto: Frank Rogner

»Arbeit schweißt zusammen«

03 Unter uns 06 Aktuelles 08 Heims Homepage 20 Leserforum/Impressum 30 Einer von uns* 40 Rätsel 41 Glück & Glosse 42 Mein Arbeitsplatz * Die Landesbezirke Baden-Württemberg, Nord, Nordrhein und Westfalen berichten auf dieser Seite über Jubilarehrungen. Titelbild: Carsten Büll


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INHALT Januar 2012

34

18

Zwei Welten

Weltrettung vertagt

31

Neues für 2012

38

Arbeitsplatz Sperrkassierer

42

Fotos: Wonge Bergmann, Frank Rogner, Schott, Shayne Robinson/Greenpeace, Christian Frey

»Ich will nach Hause«

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Foto: Mario Tama/ 2011 Getty Images

BILD DES MONATS

fAST NEUN jAHRE nach Beginn des Irakkriegs haben alle US-Kampftruppen das Land verlassen, der letzte Konvoi überquerte am 18. Dezember 2011 die Grenze zu Kuwait. Der Krieg hatte im März 2003 mit Luftschlägen auf Bagdad begonnen. Später marschierten Truppen einer internationa-

Aufreger DES MONATS

len Koalition unter US-Führung in das Land ein und stürzten den Diktator Saddam Hussein. Mehr als 1,5 Millionen USSoldaten waren insgesamt im Irak im Einsatz, 4487 wurden getötet, über 33 000 verletzt. Laut Experten verloren zwischen 100 000 und einer Million Iraker ihr Leben.

Reiche Scheichs beuten aus

Foto: Markus Ulmer/Pressefoto, picture alliance

Die Scheichs aus dem Emirat Katar haben sich viel vorgenommen: Ganze neun Stadien müssen bis zur Fußballweltmeisterschaft 2022 in dem arabischen Staat gebaut und drei saniert werden. Doch die Bedingungen für die dafür eingesetzten Wanderarbeiter sind katastrophal. Die Bezahlung ist schlecht, Arbeits- und Kündigungsschutz spielen keine Rolle, gewerkschaftliche Organisation ist verboten. Der Internationale Gewerkschaftsbund (IGB) hat beim Weltfußballverband FIFA angemahnt, dass Menschen nicht ohne alle grundlegenden Arbeitnehmerrechte für den Bau von Stadien eingesetzt werden dürfen.

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AKTUELLES ZAHL DES MONATS

Auszeichnung DES MONATS

47 142

Foto: Time Magazine/ddp images/AP

Trotz sinkender Bewerberzahl, guter Wirtschaftslage und der Diskussion um einen Fachkräftemangel haben 2011 mindestens rund 50 000 junge Menschen keinen Ausbildungsplatz erhalten. Sie halten sich nun mit Bewerbungstrainings und Praktika über Wasser. Zwar sind noch 29 500 unbesetzte Stellen bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet, doch zieht man diese von den 76 642 Bewerbern ab, bleibt immer noch eine Lücke von 47 142 fehlenden Ausbildungsplätzen. Positive Meldungen gibt es jedoch aus der Chemie-Industrie: Die Branche hat ihr tariflich gesetztes Ziel von 9000 neu angebotenen Ausbildungsplätzen 2011 voll erfüllt: Mit 9440 Lehrstellen wurde die Vorgabe sogar um 4,9 Prozent überschritten.

Neues Geld, neues Glück Es war die grösste umtauschaktion in der Geschich-

Foto: Kay Nietfeld/picture-alliance/dpa

te der Menschheit: Vor genau zehn Jahren – am 01. 01. 2002 – fiel in zwölf Ländern der Startschuss für den Euro. Mehr als 300 Millionen Menschen erhielten eine neue Währung. Inzwischen ist ihre Zahl durch den Beitritt fünf weiterer Staaten auf 330 Millionen angestiegen. Zum Kennenlernen konnten die Deutschen zunächst für 20 Mark ein Plastiktütchen mit Euromünzen kaufen. Die Bundesbank nannte diese »Münzhaushaltsmischung«, bei den Banken hießen sie »Starterkit«. Die Neugierde der Deutschen auf das neue Geld war groß – 53 MillioEin Tütchen gefällig? Euro-Starterkits. nen Starterkits wurden ausgegeben. Und noch während in der Silversternacht die Böller knallten, bildeten sich Schlangen an den Geldautomaten. Die erste Ideen zu einer Gemeinschaftswährung kam bereits in den 1980er-Jahren auf. Namensgeber für die neue Währung war übrigens der ehemalige Finanzminister Theo Waigel, der sich beim EU-Gipfel 1995 mit seinem Vorschlag durchsetzte. Trotz Finanzkrise hat der stabile Euro im Übrigen an Wert gegenüber dem Dollar gewonnen. Im Jahr 2000 gab es für einen Euro 0,82 Dollar, heute rund 1,30 Dollar.

Das Jahr des Protests Tunesien, ägypten, libyen und Syrien – überall gingen 2011 Menschen mutig auf die Straße, kämpften für ihre Rechte und ließen sich auch von Tränengas und Schüssen in die Menge nicht abhalten. Ein Grund für das US-Magazin »Time« nicht wie üblich einen bestimmten Menschen zur Person des Jahres 2011 zu küren, sondern eine stellvertretend für alle: den Demonstranten. Ein Jahr, nachdem sich ein tunesischer Gemüseverkäufer aus Protest gegen die Lage in seinem Land selbst angezündet hatte, habe sich die Bewegung über den Nahen Osten nach Europa und die USA ausgedehnt, die globale Politik verändert und die Macht des Volkes neu definiert, erläuterte »Time« die Entscheidung. »Der Protest hat etwas Ansteckendes«, sagte »Time«Chefredakteur Richard Stengel. »Das sind Leute, die bereits Geschichte geschrieben haben und die auch in Zukunft Geschichte schreiben werden.« Sie verkörperten im wahrsten Sinn des Wortes die Idee, dass individuelles Handeln enorme kollektive Veränderungen auslösen kann. www.time.com/time/person-of-the-year/2011/

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Heims Homepage Foto: Michael Cintula

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Augen zu?

Es trifft sehr viele

Geht es weiter?

Traurig und hoffnungsvoll

Wo stehts?

Geballtes Wissen

Wohin?

Pflegeplatz gesucht

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Rudolf Heim

IG-BCE-Online-Redakteur | www.igbce.de präsentiert interessante, manchmal auch ärgerliche Seiten aus dem Web E-Mail: internetredaktion@igbce.de

Eine Krankenkasse hat festgestellt, dass 50 Prozent aller Männer ab 30 und gar 72 Prozent der Frauen pflegebedürftig werden. Über pflegebedürftige Angehörige wird in der Regel nicht geredet. Tabu. Laden Sie die Broschüre »Demenz ist anders« herunter und sehen Sie, wie einfühlsam und liebevoll der Fotograf Michael Hagedorn mit dem Thema umgeht. Das macht wieder Mut. http://bit.ly/v7qlDl

Ist Pflege nur ein Thema für die Generation ab 70? Leider nein. Das ZDF präsentiert in seiner Mediathek den Beitrag »Junge Menschen in Pflege«. Mich hat das sehr nachdenklich gemacht. Traurig und hoffnungsvoll zugleich. Übrigens entwickelt auch die IG BCE Konzepte, wie Job und die Pflege von Angehörigen besser in Einklang gebracht werden können. http://bit.ly/uceTJP

Sie haben eine Frage aus dem Bereich Pflege, auf die niemand so schnell eine Antwort weiß? Dann schauen Sie einfach im Pflege-Wiki nach. Hier finden Sie über 6000 Beiträge rund um den Bereich Pflege. http://www.pflegewiki.de/

Nicht nur auf Pflegeplätze und Betreuungsangebote hat sich »Wohnen im Alter« spezialisiert. Vorgestellt werden auch SeniorenWGs und Möglichkeiten der Kurzzeitpflege in Ihrer Region, ja sogar im Ausland. Einfach nur den gewünschten Ort oder die Postleitzahl eintippen und schon gibt es eine Übersicht der Angebote an Ihrem Wunschort. http://wohnen-im-alter.de/


Pass für Fachkräfte Einen Berufsausweis für Facharbeiter in Europa

plant die EU-Kommission und hat nun einen ersten Gesetzesentwurf vorgelegt. Die Richtlinie sieht vor, die Schranken für die Anerkennung einer Berufsausbildung in den Mitgliedsländern zu senken. Der elektronische Berufsausweis soll Arbeitgebern Auskunft über den Stand der Ausbildung eines Bewerbers geben. Der Ausweis werde das »Anerkennungsverfahren erleichtern und beschleunigen und es gleichzeitig transparenter machen«, heißt es in dem Entwurf. Für welche Berufe der neue Ausweis gelten soll, sollen die Branchen selbst entscheiden.

Leiharbeiter können künftig die vollen Fahrtkosten zur Arbeit steuerlich absetzen und nicht nur 30 Cent pro Kilometer für die einfache Strecke. Das gelte auch bei einem monatelangen Aufenthalt an einem Arbeitsplatz, entschied das Finanzgericht Münster. Grundsätzlich gilt bei einer regelmäßigen Arbeitsstätte die Pauschale von 30 Cent pro Kilome- In der Spur: Leiharbeiter können die vollen ter – und zwar Kosten für den Weg zur Arbeit absetzen. nur für die einfache Fahrt, nicht für Hin- und Rückweg. Dem widersprach das Gericht nun deutlich. Denn nur wer sich von vornherein auf einen immer gleichen Weg einstellen könne, habe auch die Möglichkeiten, Fahrtkosten zu sparen. Es sei nur gerecht, dass der Kläger die gesamten Kosten für Hin- und Rückfahrt absetzen dürfe.

Foto: Markus Digruber/Fotolia

Gute Fahrt

Ausgeliefert Deutschland ist Exportnation – fast zehn Millionen Arbeitsplätze in der Bundesrepublik hängen von der Ausfuhr von Waren ab. Eine Million Jobs werden dabei von der Nachfrage der Euro-Krisenländer Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien getragen. Das geht aus einer Studie des Meinungsforschungsinstituts Prognos hervor. Die Nachfrage nach Produkten »Made in Germany« wachse zwar in Ländern wie China und Russland stärker als in Europa, doch noch immer profitieren viel mehr Erwerbstätige von innereuropäischen Exporten.

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AKTUELLES

Fragen an Brian Kohler

Der ICEMEnergieexperte spricht über Ergebnis und Perspektiven des DurbAner Klimagipfels im Dezember.

Sind Sie zufrieden mit den Ergebnissen der Konferenz? Die Ergebnisse sind im Grundsatz ein absoluter Misserfolg. Die Parteien haben sich lediglich darauf geeinigt, in den nächsten vier Jahren weiter zu verhandeln. Es ist jedoch nicht sicher, dass diese Verhandlungen erfolgreich sein werden. Und in der Zwischenzeit wird das einzig verbindliche Abkommen, das Kyoto-Protokoll, dadurch untergraben, dass es keinen zweiten Verpflichtungszeitraum gibt und Länder wie Kanada sich vom Protokoll lossagen. Die Beteiligten von Durban haben am letzten Tag ein paar nett klingende Wörter aneinandergereiht, um den Eindruck zu erwecken, sie hätten etwas getan. Besäßen sie auch nur etwas Schamgefühl, hätte jedes der beteiligten Staatsoberhäupter nach Durban sein Amt niederlegen müssen. Was muss gegen den Klimawandel getan werden? Die globale Erwärmung ist eine Tatsache, der wir uns stellen müssen. Sie birgt das Potenzial, unseren Planeten unkenntlich zu machen. Die Politiker müssen einsehen, dass dies das vordringlichste Thema unserer Zeit ist. Wenn es aber keine politische Lösung gibt, muss eine technologische gefunden werden. Das CCS (Carbon Dioxide Capture and Storage) könnte eine Lösung sein, aber auch alternative und nachhaltige Energien, die dringend aufgetan und vorangetrieben werden müssen. Glauben Sie an eine politische Lösung? Es gab in Durban wenig Hinweise darauf, dass wir uns verdient Homo sapiens nennen. Es war vielmehr offensichtlich, dass Geld, Korruption, kurzfristige Lösungen und schlichte Dummheit über jegliche Art von Konzept und Entscheidungen im öffentlichen Interesse triumphieren. Selbst im wirtschaftlich stärksten Land der Welt, den USA, glaubt die Hälfte der Bevölkerung noch nicht einmal, dass es eine globale Erwärmung überhaupt gibt. Wie lässt sich das lösen? Mailen Sie uns Ihre Meinung: kompakt@igbce.de

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AKTUELLES

Foto: argum/Christian Lehsten

Gegen rechte Parolen

Sind oft nicht mehr so leicht an der Glatze zu erkennen: Neonazis in Deutschland.

Damals ... 1961

Mit stammtischparolen und stumpfer Gewalt machen sich Neonazis in der Gesellschaft breit. In Schulen und auf Stadtfesten geben sie sich häufig harmlos als engagierte Bürger, um dann ihre Hasstiraden in die Öffentlichkeit zu bringen. Doch was können Gewerkschaften und Einzelne gegen Fremdenfeindlichkeit im Alltag unternehmen? Antworten darauf gibt eine Tagung vom 30. Januar bis 1. Februar, die sich speziell an die IG-BCE-Ortsgruppen richtet. Interessierte können sich anmelden unter: abt.bildung-wissenschaft@igbce.de

Der seit mai anhaltende Streik der Ölarbeiter in Westkasachstan (kompakt berichtete im September) ist eskaliert. Nach Angaben der kasachischen Staatsanwaltschaft starben am 16. Dezember in der Stadt Schanaozen 15 Protestler im Kugelhagel der Sicherheitskräfte, einen Tag später wurde ein weiterer Mann erschossen. Knapp 90 Kasachen erlitten schwere Verletzungen, Gebäude gingen in Flammen auf. Augenzeugen gehen von einer weit höheren Opferzahl aus. Die kasachische Regierung verhängte über Schanaozen den Ausnahmezustand und schickte Tausende Sicherheitskräfte. Die Streikenden am Kaspischen Meer setzen die Proteste fort. »Es gibt keine Rechtfertigung, auf unbewaffnete Menschen zu schießen«, beschuldigt der regionale Vorsitzende der unabhängigen Gewerkschaft Kuanischgali Suleuow die Staatsmacht. Seit Mai befinden sich in Aktau und Schanaozen über 1500 Arbeiter im Ausstand. Sie fordern höhere Löhne, mehr Rechte, die Wiedereinstellung und die Freilassung der inhaftierten Vertreter. Die Staatsmacht und die von ihr abhängige Ölfirma erklärten den Streik für illegal. Viele Streikende wurden entlassen. Am 20. Unabhängigkeitstag Kasachstans, während der autoritär regierende Präsident Nasarbajew in der Hauptstadt Astana ein pompöses Fest ausrichtete, eskalierte der bis dahin friedliche Protest der Arbeiter. 10 | kompakt | Januar 2012

Foto: Anatoliy Ustinenko

Streikende erschossen

Kasachische Sicherheitskräfte prügeln auf die friedlich streikenden Arbeiter ein.

> China fördert die meisten Kohlen Diesen zweifelhaften Rekord vermeldete vor gut 50 Jahren, am 2. April 1961, die Mitgliederzeitung »einheit« der damaligen Industriegewerkschaft Bergbau und Energie. Dieser Tage diskutiert die Welt darüber, wie Treibhausgas-Emissionen reduziert werden können, um ein Fortschreiten der globalen Erwärmung zu verhindern. Die Positionen in der Gegenwart sind innerhalb der Staatengemeinschaft so unterschiedlich, dass auf einer gemeinsamen Klimakonferenz lediglich schwache Kompromisse gefunden werden konnten. 1961 war sicherlich nicht vorstellbar, in welche Richtung 50 Jahre später die Diskussionen in der Energiegewinnung gehen würden. Dass China als Neuling unter den Kohlennationen vor den USA und der Sowjetunion »auf den ersten Platz der Weltrangliste« aufgerückt ist, wertet der Autor des Artikels von 1961 als »einen umstürzenden Wandel in den Anteilen der einzelnen Länder und Kontinente an der Weltkohlenförderung«. Seit Beginn von Tiefbau und Massenförderung 120 Jahre zuvor hatten lange England und Deutschland um den Spitzenplatz gerungen, um dann allmählich von den USA und der Sowjetunion sowie schließlich China von den vorderen Positionen verdrängt zu werden.


STANDPUNKT

Beharrlich auf Erfolgskurs Foto: Martin Schlüter

»Die Energiewende geht nur mit dem Know-how unserer Branchen – oder gar nicht.«

D

ieses Jahr kann unser Jahr werden. Mit dieser Einschätzung sind wir das vergangene Jahr angegangen und heute wissen wir: 2011 war alles in allem ein gutes Jahr für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Unsere IG BCE hat im Aufschwung für steigende Einkommen der Beschäftigten gesorgt, wir haben die Ausbildungs- und Übernahmechancen in unseren Branchen verbessert, wir haben in den Betrieben an Mitgliedern und Handlungskraft gewonnen. Diese Erfolge sind umso bemerkenswerter, weil uns gleichzeitig die Energiewende und die Finanzkrise viel Zeit und Kraft abverlangt haben.

auch 2012 haben wir viel vor. Im Mittelpunkt unserer Tarifpolitik steht wiederum die Teilhabe an den wirtschaftlichen Erfolgen der Unternehmen. Denn von einem allgemeinen Abschwung ist bis heute in unseren Branchen nichts zu spüren. Einen Boom wie 2011 werden wir wohl in diesem Jahr nicht erleben, sondern eine Normalisierung der wirtschaftlichen Dynamik auf hohem Niveau. Und das ist eine gute

Ausgangsbasis für Verhandlungen. Einen allgemeinen Finanzkrisen-Abschlag wird es jedenfalls nicht geben, wir orientieren uns wie immer an Produktivität und Auftragslage. Schritt für schritt wollen wir auch auf anderen Feldern vorankommen. Den Missbrauch von Leiharbeit etwa werden wir weiter zum Thema machen. Gleiches Geld für gleiche Arbeit, das ist unsere Forderung an Arbeitgeber und Politik. Und mit dem Instrument Teilrente wollen wir belastungsgerechte, individuelle Übergänge in den Ruhestand schaffen – da muss die Bundesregierung liefern. Nachhaltig erfolgreich zu sein, das ist

unsere Orientierung und unser Ziel auch bei der Energiewende. Dieses beispiellose MegaProjekt kann gelingen, wenn es weder die Menschen noch die Wirtschaft überfordert. Unser Land braucht eine zuverlässige, bezahlbare Energieversorgung, die Umweltschutz mit technischem Fortschritt verbindet. Dafür ist das Know-how in unseren Branchen unverzichtbar. Es geht nur mit uns – oder gar nicht. Michael Vassiliadis

Vorsitzender der IG BCE vorsitzender@igbce.de kompakt | Januar 2012 | 11

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TITEL Pflege

Bloß kein Mitleid . . . sondern Unterstützung: Das wünschen sich Menschen,

die neben ihrer Arbeit einen Angehörigen pflegen.

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M

anchmal pienst Markus. Das klingt ein bisschen wie maulen, ist aber gutmütig. Es heißt: »Hallo, mich gibt’s auch noch! Habt mich bitte sofort lieb.« Bei Piensen hilft, wenn Gerhard Vogelmann seinem Sohn den Nacken krault. Dann legt Markus seinen Kopf nach vorne und zieht sein ganzes Gesicht in die Breite: Augen, Lippen, Wangen, alles lacht dann, lautlos und heftig, und plötzlich versteht man, was seine Mutter Angela Vogelmann meinte, als sie zu seinem 18. Geburtstag dichtete: »Kaum zu glauben, aber wahr/ der Markus wird jetzt 18 Jahr/Aus 600 Gramm entstand in der Zeit/51 Kilo geballte Fröhlichkeit.«

Manchmal zieht Markus eine Schnute, manchmal weint er auch, aber nur ganz selten. »Und manchmal macht Markus Party. Am liebsten nachts«, sagt sein Vater. Dann murmelt und stöhnt Markus, lacht vor sich hin, schlägt mit dem Bein gegen das Holzgeländer seines Bettes. Und sorgt dafür, dass sein Vater acht Stunden später mit dicken Augenringen aufwacht, bevor er sich aus dem Bett schleppt, anzieht und sich auf den Weg von Mutterstadt zu seiner ZwölfStunden-Schicht bei der BASF in Ludwigshafen macht.

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Auch Arbeitgeber müssen lernen, 

Markus ist mit einer Gehirnblutung auf die Welt gekommen, in der 23. Woche, 30 Zentimeter groß. »Er war ein ganz Kleiner, aber ein großer Kämpfer«, sagt seine Mutter. Bald nach der Geburt hat sich seine Netzhaut abgelöst, seitdem ist er blind. Er sitzt im Rollstuhl, kann nicht sprechen, nicht essen und nicht auf die Toilette gehen. Wie gut er hören kann, weiß niemand. Sicher ist, dass er die Wörter um ihn herum nicht versteht. Das heißt, er versteht nicht, was sie bedeuten. Wohl aber, wie sie gemeint sind: übermütig, fröhlich, ernst, besorgt,

verärgert oder irgendwas dazwischen. »Er erkennt am Tonfall, wie es uns geht, und reagiert darauf«, sagt Angela. Wenn es um die Vereinbarkeit

von Familie und Beruf geht, ist selten von Familien wie den Vogelmanns die Rede – man denkt an Kindererziehung, an Elterngeld und an den Ausbau von Krippenplätzen. Daneben aber gibt es eine wachsende Gruppe von Menschen, die dringend Unterstützung bedarf, nämlich berufstätige pflegende Angehörige. Bei ihnen kommt erschwerend hin-

zu: Pflegende sind im Durchschnitt älter und oft weniger belastbar als junge Eltern und im Gegensatz zu älter werdenden Kindern nehmen die Aufgaben in der Pflege mit der Zeit zu. Berthold Dietz, Professor für Soziologie und Sozialpolitik an der Evangelischen Hochschule Freiburg, wagt eine Prognose: Weil unsere Gesellschaft immer älter wird, wird es bis 2020 dreimal mehr Mitarbeiter geben, die Angehörige pflegen, als Mitarbeiter, die sich um Kinder kümmern. Dabei geht es um durchschnittlich fünf bis acht Jahre bei pflege-

Gut gemeint, schlecht gemacht – das Familienpflegegesetz setzt am falschen Punkt an Anfang 2012 ist das Familienpflegegesetz in Kraft getreten. Jetzt können abhängig Beschäftigte für die Pflege ihrer Angehörigen die Arbeitszeit für zwei Jahre um bis zu 50 Prozent reduzieren. Dafür bekommen sie 75 Prozent Gehalt. Nach der Pflegezeit arbeiten sie wieder Vollzeit, bekommen aber nur 75 Prozent ihres Gehalts, bis das Arbeitszeitkonto wieder ausgeglichen ist. Das Gesetz sieht für all das aber keinen Anspruch vor. Berthold Dietz, Professor für Soziologie und Sozialpolitik an der Evangelischen Hochschule Freiburg, kritisiert: »Das Gesetz regelt den kontrollierten Ausstieg aus der Arbeit – mit Vereinbarkeit hat das nichts zu tun.« Zudem würden zwei Jahre Freistellung den Betroffenen kaum helfen, denn Pflege dauere im Schnitt acht Jahre. Doch so lange könne sich kein Beschäftigter von der Arbeit ausklinken. »Gesetzgeber und Unternehmen müssen ernst nehmen, dass Pflegende beides wollen: pflegen und arbeiten.« Viele

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Beschäftigte erhalten bei der Arbeit wichtige Impulse für die Pflege daheim: berufliche Anerkennung, Abwechslung, Kontakt

zu Kollegen, finanzielle Freiheiten. »Wenn die Nabelschnur zum Arbeitgeber gekappt wird, geht auch das soziale Netz verloren, das sich über Arbeitskontakte ergibt«, sagt Dietz. IG-BCE-Vorstandsmitglied Edeltraud Glänzer ist optimistischer: »Mit dem Pflegezeitgesetz ist, trotz aller Einschränkungen, ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung getan worden«, sagt sie. Was pflegende Angehörige darüber hinaus brauchen. hat die Soziologin Svenja Pfahl im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung untersucht. Sie schlägt unter anderem vor, betriebliche Kernzeiten und Anwesenheitspflichten abzuschaffen oder zu lockern, auch kurzfristige Arbeitsunterbrechungen im Tagesverlauf zu ermöglichen, Home-Office einzuführen und Pflegende von Wochenend- und Nachtarbeit zu entbinden. Zudem solle der Wert von Arbeit künftig weniger in Zeit als in Ergebnissen gemessen werden: »Abschied von der Anwesenheitskultur« nennt sie das.


schnell zu reagieren bedürftigen Senioren, bei Behinderten manchmal um Jahrzehnte. Und es geht um Situationen, die meistens ohne Vorwarnung eintreten – sowohl pflegende Angehörige als auch ihre Arbeitgeber müssen also lernen, nicht nur kompetent, sondern auch schnell zu reagieren. Bei einer GfK-Befragung Ende 2011 gaben 80 Prozent der Arbeitgeber an, sie hielten betriebliche Angebote zur Vereinbarkeit für zu teuer; sogar 85 Prozent halten sie für zu »organisationsintensiv«. 30 Prozent finden, diese Dinge seien Angelegenheiten des Staates und der Familien. Unternehmer, die hierzulande den Fachkräftemangel beklagen, schieben den Schwarzen Peter gerne auf das Bildungssystem. Und übersehen dabei, welch riesiges Potenzial sie selbst vernachlässigen: gut ausgebildete, arbeitsfähige Menschen, die zu Hause Angehörige pflegen, weil sie Arbeit und Pflege nicht miteinander vereinbaren können. »Viele Pflegende halten ihre Doppelbelastung zunächst geheim«, befürchtet Berthold Dietz, »aus Angst, ihren Arbeitsplatz zu verlieren.« Das schadet beiden Seiten: Der Beschäftigte wird nicht entlastet und dem Unternehmen entgeht, dass dringend Handlungsbedarf besteht. Doch wenn seelische Probleme, Schlafstörungen, soziale Vereinsamung, Kreislauferkrankungen und Rückenprobleme auftreten, fällt die Überlastung auf beide Seiten zurück. Die Doppelbelastung wirkt sich

auch auf Ehe und Familie aus. Das Ehepaar Marina und Gerhard Liedke aus Stendal pflegt Irmgard, die 95-jährige,

demente Tante Gerhards. Und so sieht ein Tag im Leben der beiden aus: Um 04:00 Uhr steht Gerhard auf, schaut nach dem Rechten: Fühlt sich Irmgard wohl? Hat sie sich wieder ihre Windeln abgerissen? Hat sie noch zu trinken in ihrer Schnabeltasse? Muss sie auf die Toilette? Um 06:00 Uhr beginnt seine Schicht. Marina steht um 08:00 Uhr auf, füllt die tägliche Waschmaschine. Um 11:00 Uhr wird gleichzeitig gefrühstückt und zu Mittag gegessen. Dann wird Irmgard ver-

Wochen können sie die Tante in Pflege geben. Die Liedkes, die seit 30 Jahren verheiratet sind, drei gemeinsame Kinder haben und schon einmal ein Familienmitglied gepflegt haben, nehmen es gelassen: »Wir beide waren schon immer Schichtler«, sagt Marina Liedke knapp. Mehr noch als über die Pflegebelastung klagen die Vogelmanns und die Liedkes über die Bürokratie – Zuzahlungsbefreiung, Grundsicherung, Kindergeld, Steuerbefreiung, Rente, Kosten-

»Wir waren beide schon immer Schichtler.« Marina Liedke teilt sich die Pflege ihrer dementen 95-jährigen Tante mit ihrem Mann Gerhard.

sorgt, dann Hund, Kaninchen, Enten, Hühner gefüttert und im Garten gearbeitet, dann eingekauft, und um 13:00 Uhr fährt sie zur Arbeit. Wenn sie gegen 22:00 Uhr heimkommt, wird Irmgard umgelagert, gefüttert, auf die Toilette und danach ins Bett gebracht. Beide können sich ihre Schichten so einteilen, dass fast ständig

einer von ihnen zu Hause ist. Er arbeitet von 06:00 bis 14:30 Uhr bei der »Umformtechnik Stendal«, sie von 14:00 bis 22:00 Uhr im »Zellstoffwerk Stendal«. Das ist pragmatisch, bedeutet aber auch: Während der Arbeitswoche sehen sie sich kaum und zweisam sind die Liedkes während des gesamten Jahres so gut wie nie – gerade mal vier

plan der Tagesförderstätte, Kostenübernahmen. Liedkes Tipp: sich unbedingt persönlich im Amt vorstellen. »Sobald die einen mal selber zu Gesicht bekommen haben, einigt man sich viel leichter.« Die BASF hat mittlerweile Pflegeberater eingestellt, die helfen sollen (siehe Interview Seite 17). Gerhard Vogelmann arbeitet Wechselschicht, von halb sechs bis halb sechs, viermal die Woche. Als Chemikant entwickelt er Methoden, mit denen sich neue Klebstoffe im großen Stil produzieren lassen. Hat er Frühschicht, muss er um 04:00 Uhr raus, frühstückt und duscht, um 05:00 Uhr ist er im Betrieb. Während des Tages kümmert sich seine Frau um Markus. Außer, wenn sie dienstags und donnerstags im Sekretariat des  kompakt | Januar 2012 | 15


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Skeptische Blicke statt Unverkra    Pfarrbüros

arbeitet. Von 08:00 bis 15:00 Uhr ist Markus in einer Tagesförderstätte. Auch Markus’ Bruder Peter, 22, Logistik-Student, kümmert sich. »Und ich kann das auch schon!«, wirft die kleine Schwester Diana, 9, ein, während alle bei Würstchen, Kartoffelbrei und Erbsen am Mittagstisch sitzen. Mutter Angela schaut in die Runde, seufzt und sagt: »Ich bin total stolz auf sie, auf alle drei.« Gerhard Vogelmann wünscht sich, dass die Unternehmen Personen vermitteln, die in Ausnahmesituationen schnell einspringen. Dass auch unvorhergesehene Schichtwechsel kein Problem mehr darstellen. Und dass er irgendwann keine Nachtschichten mehr machen muss – doch auf die 500 Euro, die sie ihm mo-

natlich mehr einbringen, kann er nicht verzichten. Zweischicht-Betrieb, das Wort hat für Gerhard Vogelmann noch eine weitere Bedeutung: Sobald er von der Arbeit heimgekehrt ist, beginnt seine und Angelas Markus-Schicht: Sie füllen die braune Nährlösung in eine große Spritze, die sie an Markus’ Magensonde anschließen, sie wickeln, waschen und rasieren ihn, putzen ihm die Zähne, er bekommt zu trinken und nimmt seine Medikamente: Phenitoin und Liskantin beugen Krampfanfällen vor. Movicol macht den Stuhlgang weicher, sodass er jeden zweiten Tag mit einem Klistier abgeführt werden kann. Fluimucil löst den Schleim. Salbutamol und Budiair beugen Lungenentzündungen vor, Markus inhaliert es jeden Morgen und Abend.

Bei einem Krampfanfall bekommt er Diazephamtropfen und zum Einschlafen bei Bedarf Melatonin. Doppelbelastung, Ämterwahnsinn, schräge Blicke, wenig Zeit – mit all

dem können die Vogelmanns leben. Aber eine Sache gibt es, die sie die Wände hochgehen lässt: Mitleid. Nicht so sehr von Kindern, die seien meistens unverkrampft – die Freunde von Diana erfragen, was sie wissen wollen, und gut ist’s. Aber viele Erwachsene seien ziemlich verkrampft. »Sie denken, dass man sich bemitleiden lassen will. Oder sie ignorieren einen.« Da wird man im Restaurant erst mal skeptisch beäugt, bevor Tische und Stühle zur Seite geschoben werden, damit Markus Platz hat. »Das ist

Wie die Tarifpolitik der IG BCE Pflegenden hilft

Nach der Schicht ist vor der Schicht: Gerhard Vogelmann pflegt nach der Arbeit seinen Sohn Markus. 16 | kompakt | Januar 2012

Mit der Tarifeinigung für die chemische Industrie Ost hat die IG BCE deutliche Verbesserungen erstritten: Künftig haben pflegende Angehörige Anspruch auf zehn Tage bezahlten Urlaub – wenn sie einen Pflegefall zu Hause haben, um den sie sich nicht selbst kümmern. Menschen, die die Pflege selbst übernehmen, haben Anspruch darauf, zweieinhalb Stunden pro Woche bezahlt freigestellt zu werden, wobei diese Zeit auch gesammelt genommen werden kann. Finanziert wird das über den »Zeitfonds«, der im »Tarifvertrag zur lebensphasengerechten Arbeitszeit-

gestaltung« vorgesehen ist und in den der Arbeitgeber jedes Jahr zweieinhalb Prozent der Bruttolohnsumme zahlt. Nun muss in den Betrieben noch entschieden werden, auf welche Weise das Geld eingesetzt werden kann. Christian Jungvogel, Leiter der IG-BCE-Abteilung Tarifpolitik, ist optimistisch, dass viele pflegende Erwerbstätige die Leistungen in Anspruch nehmen werden. Und er hofft, dass der Tarifabschluss auch Signalwirkung im Westen entfalten wird, wo entsprechende Leistungen erst noch erstritten werden müssen.


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Fragen an

Roswitha Minges Betriebsrätin der BASF in Ludwigshafen und BR-Sprecherin der paritätischen Kommission »Beruf und Familie«

Was brauchen pflegende Angehörige am dringendsten?

  mpftheit wohl die Mentalität der Deutschen«, sagt Angela. »In Italien sind Kellner und Gäste sofort zur Stelle. Und wenn wir gehen, sagt der Ober: ›Bambino, komm bald wieder!‹« Es wäre falsch, zu sagen, Markus’ Eltern hätten sich mit seinem Schicksal abgefunden. Das klingt nach »hinnehmen«. Sie wissen zwar, dass er keinen Schul- und Berufsabschluss erlangen, keine Partnerin finden, keine Familie gründen wird. Trotzdem gibt es eine Entwicklung und die Eltern sind stolz darauf. Wenn Markus mit seinen Händen spielt und sich dabei die spastische Verkrampfung der Linken löst, sagt Angela: »Das haben wir uns hart erarbeitet.« Markus mag alles, bei dem er sich spüren kann: das Wasserbett in der Förder-

stätte. Autofahrten. Wenn er mit dem Rollstuhl über Pflastersteine fährt. Der Schwingsessel zu Hause. Die Bässe der Kirchenorgel, die ihm vom Boden über den Rollstuhl in den Körper fahren. Nur wenn die Orgel aufhört und alle ruhig auf das warten, was der Pfarrer zu sagen hat, wird Markus laut, weil er will, dass die Musik weitergeht. Deshalb geht Angela lieber mit ihm in den Familiengottesdienst, da ist es ohnehin lauter. »Wir versuchen, eine ganz normale Normalität zu haben«, sagt sie.  Andreas Unger/Fotos (11): Carsten Büll

Wir haben etwa 120 Kollegen gefragt, wo der Schuh drückt. Ihr Hauptanliegen war, kompetente Ansprechpartner im Unternehmen zu haben, die ihnen beim Umgang mit Verbänden, Krankenkassen und Behörden helfen. Für Mitarbeiter, deren Angehörige weiter außerhalb leben, hat die BASF eine Kooperation mit der Arbeiterwohlfahrt abgeschlossen, um vor Ort Unterstützung anzubieten. Sie brauchen Rat bei praktischen Fragen: Welche Hilfen gibt es überhaupt? Wo bekomme ich einen Rollstuhl und wie kann ich ihn wieder verkaufen? Die BASF hat eine eigene Pflegeberatung mit zusätzlichem Personal eingerichtet. Grundsätzlich muss das Verständnis bei Führungskräften und Kollegen noch gesteigert werden.

Der Betriebsrat hat ein erstes Gespräch über eine neue Betriebsvereinbarung zum neuen Familienpflegezeitgesetz mit dem Unternehmen aufgenommen – worum wird es darin gehen?

Immer mehr Berufstätige pflegen Angehörige

Quelle: Universität Hamburg

2009 haben in Deutschland ca. 2 Mio. Berufstätige ihre Angehörigen gepflegt.

Wir wollen unter anderem erreichen, dass es für pflegende Angehörige leichter wird, in Teilzeit gehen zu können, und zwar so, dass sich der Verdienstausfall in Grenzen hält. Diese Leistungen sollten auch Pflegenden zur Verfügung stehen, deren Angehörige noch nicht in einer Pflegestufe sind, aber bereits einen erhöhten Betreuungsbedarf haben.

Wann wird es soweit sein?

■ Vollzeit

■ Teilzeit

■ stundenweise

■ nicht erwerbstätig

Die BASF möchte ein Ergebnis, das für sie weitgehend kostenneutral ist, es gibt also noch Gesprächsbedarf. Aber wir hoffen, dass wir uns bis Ende Februar verständigt haben werden.

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Themen Klima

Foto: Shayne Robingson/epa/picture alliance

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Viele hatten große Hoffnungen in den Klimagipfel gesetzt – und wurden enttäuscht.

Weltrettung vertagt Eine Enttäuschung – mit

wenigen blutleeren Kompromissen endete im Dezember der Klimagipfel im südafrikanischen Durban.

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as Ziel war hoch gesteckt: Erstmals sollten auch die großen Luftverschmutzer China, USA und Indien zusagen, ihre Emissionen zu verringern. Eine solche Verpflichtung waren 1997 bereits 193 Industriestaaten sowie die EU in Kyoto eingegangen – um Geschwindigkeit und Auswirkungen der Erderwärmung zu begrenzen. Die USA, China und Indien aber hatten damals nicht unterschrieben und sich 14 Jahre lang einem verpflichtenden Klimaschutz verweigert. Ende 2012 läuft das Kyoto-Protokoll nun aus. Es sollte nun in Durban fortgeschrieben werden. Doch mehr als drei lieblos geschlossene Kompromisse haben die Verhandlungen nicht erbracht. Zum einen verständigten sich die Kyoto-Staaten auf eine sogenannte

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zweite Verpflichtungsperiode, deren Grundzüge auf der nächsten Klimakonferenz in Katar 2012 festgelegt werden sollen. Beginnen könnte die Periode 2013, das Ende ist unklar. 2017 oder 2020, heißt es. Kanada, Japan und Russland allerdings werden selbst bei dieser vagen Zielsetzung nicht mehr mitmachen. Die verbliebenen Staaten sind damit für lediglich 15 Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich. Statt die großen Klimasünder verbindlich auf weniger Emissionen zu verpflichten, konnten sich die beteiligten Staaten vorerst nur darauf einigen, weiter verhandeln zu wollen: Bis 2015 soll die Weltgemeinschaft ein neues Abkommen erarbeiten, das in den Jahren darauf rechtskräftig gemacht und dann auch Länder wie die USA und China in die Pflicht nehmen soll. So weit der Plan. Im südafrikanischen Hier und Heute sprachen sich beide Länder sowie Indien, die drei weltweit größten Emittenten von Treibhausgas, noch gegen jegliche Verbindlichkeit aus.

Immerhin verständigten sich die Staaten in Durban auf die Architektur des »Green Climate Funds«. Dieser Fonds soll ab 2020 den ärmsten und vom Klimawandel am stärksten betroffenen Ländern jährlich 100 Milliarden Dollar zur Verfügung stellen – um mit den Folgen der Erderwärmung besser fertig zu werden. Neben anderen bewirbt sich Deutschland um den Sitz des Fonds, der 2012 seine Arbeit aufnehmen soll. Fakt aber ist: Dem erklärten Ziel, die Erderwärmung im Vergleich zur vorindustriellen Zeit auf zwei Grad zu begrenzen, sind die Staaten nicht wirklich nähergekommen. Trotzdem wird es Fortschritte beim Klimaschutz geben, im Alleingang kümmern sich selbst die trotzigen Chinesen darum. »Wichtig ist genau hinzuschauen, welche Klimaschutztechnologien nun zum Einsatz kommen«, sagt Ralf Bartels, IG-BCERessortleiter Bergbau und Energiepolitik. »Deutschland und die EU sollten bereit sein, auch von anderen zu lernen, etwa bei der CO2-Speicherung.« jow


Themen Energie Z W ISCH E NRU F

Ende eines Projekts 1,5 Milliarden Euro wollte

Vattenfall in CCS-Technik investieren. Nun wurde das Vorhaben vorerst begraben.

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in Viertel der gesamten Stromleistung, 147 Milliarden Kilowattstunden, wurde im Jahr 2010 in Deutschland von Braunkohlenkraftwerken geliefert. Kein Energieträger hat einen höheren Anteil an der Bruttostromerzeugung. Jährlich werden rund 170 Millionen Tonnen in den vier Braunkohlenrevieren im Rheinland, der Lausitz, in Mitteldeutschland und im Helmstedter Revier gefördert. Braunkohle ist als einziger heimischer Energieträger in großen Mengen und langfristig, subventionsfrei und zu wettbewerbsfähigen Bedingungen verfügbar. Und sie sorgt für Arbeit: 86 000 Arbeitsplätze hängen laut einer aktuellen Untersuchung des EEFA Institut Münster direkt und indirekt in Deutschland von ihr ab. In Ostdeutschland gehören die Braunkohlenunternehmen gar zu den größten industriellen Arbeitgebern: In

ihren Betrieben arbeiten mehr als 11 000 Kolleginnen und Kollegen. Insgesamt gibt die Braunkohlenindustrie dort rund 33 500 Menschen Arbeit. Zahlen, die überzeugen, doch die Braunkohle steht unter Druck: Ihre Verstromung muss effizienter und emissionsärmer werden. Die Energiekonzerne arbeiten daran intensiv mit neuen Technologien und flexibel regelbaren Kraftwerken mit hohem Wirkungsgrad. Für den Hoffnungsträger CCS, die Abscheidung und unterirdische Speicherung des Kohlendioxids, ist aber die Rechtslage weiter unklar: Das für die Speicherung notwendige CCS-Gesetz war am 23. September 2011 im Bundesrat gescheitert – der einberufene Vermittlungsausschuss wurde zweimal ergebnislos vertagt. Daraufhin zog der Energiekonzern Vattenfall Europe die Reißleine und gab am 5. Dezember das Aus für das geplante CCS-Demonstrationskraftwerk im brandenburgischen Jänschwalde bekannt: Es sollte mit einem Investitionsvolumen von 1,5 Milliarden Euro und einer Leistung von 300 Megawatt ab dem Jahr 2015 in Betrieb gehen. Susanne Kettelför

Ulrich Freese

stellvertretender IG-BCE-Vorsitzender

Verpasste Chance Der 5. Dezember war kein guter Tag für das Klima. Wegen der schleppenden Umsetzung durch die Regierung Merkel wird es wohl auf Dauer kein Gesetz geben, das die Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid (CCS) in Deutschland EU-konform regelt. Deshalb ist durchaus nachvollziehbar, dass Vattenfall seine Investition in das Demo-Kraftwerk in der Lausitz nun absagt. Eine verpasste Chance – denn wir hätten aus Deutschland gute Impulse setzen können für eine weltweite Verringerung der Emissionen. Schließlich wurden allein 2011 weltweit 6,4 Milliarden Tonnen Kohle gefördert und zu Energie umgewandelt – Tendenz steigend. Wie viele Tonnen Kohlendioxid könnten mit CCS eingespart werden?

Foto: Martin Schlüter

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Auch die Energiewende in Deutschland kann nur mit einer verlässlichen Grundlasterzeugung auf Basis von Braunkohlenkraftwerken gelingen. Deshalb ist die Politik nach wie vor gefordert, verlässliche Rahmenbedingungen für die Nutzung der CCS-Technologie zu schaffen. Schließlich bildet Braunkohle immer noch die Grundlage für die Stromversorgung der Industrie in Deutschland zu wettbewerbsfähigen Preisen und reduziert die Importabhängigkeit.

Die Luft ist erst mal raus bei CCS: die Vattenfall-Versuchsanlage in Schwarze Pumpe. kompakt | Januar 2012 | 19


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leserforum Nr. 12 I DEzEMBEr 2011 www.igbce.de

vor ort Der Tarifabschluss in der Chemie Ost bringt mehr Geld – und ein neues Arbeitszeitmodell tendenzen Krach, puff, peng – Kinder testen einen Chemie-Experimentierkasten tipps Warum man ab und zu mal eine Pause machen sollte

Schreiben Sie uns! Wir freuen uns über Lob, Kritik und Anregungen.

kompakt

kompakt IMPRESSUM

Das Mitgliedermagazin der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie

diagnose: Chef

wünscht sind. Die Diskussion um Ganztagsbetreuung, so wie sie aktuell geführt wird, trägt ebenfalls dazu bei. Thomas Tjart, per E-Mail

Vorgesetzte sind Alphatiere. Aber deshalb muss es nicht wie in der Wildnis zugehen.

Eltern benachteiligt Leserbriefe stellen die Meinung des Einsenders dar. Anonyme Zuschriften werden nicht berücksichtigt. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

> Zurück zu Heim und Herd unter Aktuelles (12/2011)

Kinder vergessen

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Ob die »Herdprämie« sinnvoll ist, kann und will ich nicht beurteilen. Schade aber finde ich, dass man diese zum Anlass nimmt, um einmal mehr in ein zurzeit sehr beliebtes Horn zu blasen: die angeblich unbedingt notwendige Beschäftigung von beiden Elternteilen, koste es, was es wolle. Ich halte es für sehr bedenklich, dass ALLE Seiten, die dieses Thema diskutieren, ganz wesentlich Beteiligte grundsätzlich »vergessen«: Die Kinder, die oft genug schon mit zwei Jahren in Ganztagsbetreuung abgegeben werden. Ich war auf einer Schule, die sowohl ein Halbtags- wie auch ein Vollzeit-Internat geführt hat. Alle Schüler, obwohl schon elf Jahre und älter, haben uns »Zuhause-Kinder« dafür beneidet, dass wir mittags nach Hause gehen konnten und dort jemand auf uns wartete. Dass wir uns immer mehr zu einer kinderfeindlichen Gesellschaft entwickeln, sieht man nicht nur an Hotels, in denen keine Kinder er20 | kompakt | Januar 2012

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Ich bin zwölf Jahre zu Hause gewesen, um mich um meine beiden Kinder zu kümmern. Für mich war es undenkbar, die Kinder alleine zu lassen. Keiner muss an den Herd zurück, aber ist es so unmenschlich, wenn man das möchte? Ich habe damals die Eltern, die beide arbeiten mussten, nie verurteilt, da jede Familiensituation anders ist. Warum passiert das aber immer andersherum? Im Beruf habe ich natürlich nach der langen Zeit wieder von ganz unten angefangen – aber ich würde es wieder so machen. Die Zeit mit meinen Kindern ist unwiederbringlich. Eltern, die ihre Zeit mit Kindererziehung verbringen möchten, werden ohnehin immer benachteiligt und jetzt werden schon wieder Vorurteile wie »Herdprämie« oder »macht volkswirtschaftlich keinen Sinn« verbreitet.

Clarissa Diehl, per E-Mail

> Wer geht wann? von Heinrich Kronlage (10/2011)

Ohne Abschläge Den Leserbriefen kann ich im Großen und Ganzen nur zustimmen. Aber – wir Rentnerinnen und Rentner haben doch auch eine Menge Zeit, Lebenserfahrung, Fachwissen und

Kreativität. Betrachten wir die Dinge doch einmal durch eine andere Brille. Viel besser als die Frage, was die Gewerkschaft für uns tut, ist doch die Frage, was wir für die Gewerkschaft tun! Mein Bezirk hat mich jedenfalls schon für die ehrenamtliche Tätigkeit gewonnen. Warum sollten wir nicht unser Erfahrungswissen einbringen? Themen gibt es genug – von Arbeitsrecht bis Zusatzbeiträge. Sabine Jenke, Arnsberg

Das Mitgliedermagazin der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie Herausgeber Michael Vassiliadis Chefredakteur (verantwortlich im Sinne des Presserechts) Christian Hülsmeier Stellvertretender Chefredakteur Michael Denecke Chef vom Dienst Alexander Nortrup Redaktion Sarah Heidel, Rudolf Heim, Julia Osterwald, Dirk Kirchberg, Dr. Ulrike Börger Redaktionsassistenz Simone Michels, Tanja Rössner Gestaltung Hans Borgaes

> Gesucht: Führung von Stefan Scheytt (12/2011)

Rätselhafte Leute Warum wird dem Leser nicht verraten, wo diese bunt bekleideten Menschen auf Seite 12 und 13 arbeiten?

Hans-Joachim Klauß, Dortmund

Es handelt sich um Angehörige der US-amerikanischen Streitkräfte – um genau zu sein, der Marine. Der Kommandeur – also der Chef – passiert, von links kommend, seine ihn grüßenden Untergebenen. Bei der Gestaltung der Titelstrecke war es uns wichtig, Führung besonders eindrücklich zu bebildern – so stießen wir auf diese farbenfrohe Abbildung. Die Farben repräsentieren unterschiedliche Abteilungen. Die Redaktion

> Zum Dezember-Heft

Achtung: Lob

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kompakt zu lesen

ist immer eine tolle Sache. Alois Soring, per Facebook

Redaktionsanschrift Königsworther Platz 6 30167 Hannover Telefon: 0511 7631-329/-698 Telefax: 0511 7000891 E-Mail: kompakt@igbce.de Internet: www.igbce.de Satz: BWH GmbH Beckstraße 10, 30457 Hannover Gesamtherstellung und -vertrieb: Westend Druckereibetriebe GmbH Westendstraße 1, 45143 Essen Anzeigenverwaltung NetworkMedia GmbH Stresemannstraße 30 10963 Berlin Telefon 030 255594-160 (Fax: -190) E-Mail: haertig@nwmd.de Gültige Anzeigenliste Nr. 11 vom 01. 01. 2012 Verantwortlich für den Anzeigenteil: Claudia Härtig Zusendungen: Für unverlangte Einsendungen wird keine Gewähr übernommen. Bezugspreis 0,90 €, jährlich 10,00 €. Für Mitglieder der IG BCE ist der Bezugspreis im Mitgliedsbeitrag enthalten. Erscheinungsweise:

kompakt erscheint monatlich

mit acht Regionalausgaben für Bayern, Baden-Württemberg, Hessen-Thüringen, Nord, Nordost, Nordrhein, Rheinland-Pfalz/Saarland, Westfalen. Redaktionsschluss dieser Ausgabe: 20. 12. 2011 Druckauflage: 667 504 (III/2011) Gedruckt auf chlorfreiem Papier


VOR ORT Des Duftes Kleid Wie im Frankenwald Flakons produziert werden

Foto: Werner Bachmeier

UPM schließt Papierfabrik Albbruck Kritiker sagen: Um den eigenen Profit zu erhöhen.

Beiersdorf streicht Stellen 230 Mitarbeiter in der Hamburger Zentrale müssen gehen.

Tarifabschluss in der Papierindustrie Nach zähen Verhandlungen ist klar: Die Beschäftigten bekommen mehr Geld. kompakt | Januar 2012 | 21


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vor ort Gerresheimer Glas AG Tettau

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Von feurigen Flüssen Im Frankenwald werden Glasflakons produziert, in denen sich feine Düfte gut verkaufen.

Für ihre Qualität ist die Produktionstemperatur entscheidend – und gut ausgebildete Mitarbeiter.

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drian Scherbel schwitzt. Glasmachen ist ein »heißer« Job – und es ist Adrians Beruf. Mindestens 40 Grad Celsius ist es heiß bei den Schmelzöfen, in deren Nähe der 18-Jährige arbeitet. In den Öfen glüht das flüssige Glas feuerrot. Sand, Soda und Kalk schmelzen darin – Rohstoffe, die nahezu unbegrenzt in der Natur vorkommen. Temperaturen von über 1500 Grad Celsius sind er­

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forderlich, um das Rohstoff­ gemenge in großen öl- oder gasbefeuerten Glasschmelzwannen zu schmelzen. Die Temperatur entscheidet in allen Phasen über die Qualität. Parfumflakons,

Tiegel für Cremes und Make-upFlaschen für die Kosmetikindustrie produziert Gerresheimer in seinem Standort an der bayerisch-thüringischen Grenze. Feine Düfte in edlen

Luxusflakons gehören zu den beliebtesten Weihnachtsgeschenken. Mögen die Düfte auch noch so exotische Namen haben und von international bekannten Designern verkauft werden – viele der aufwendig gestalteten Glasschmuckstücke für das Premium-Segment stammen aus einer extrem strukturschwachen Region. Die Fabrik im fränkischen Tettau, im nördlichen Landkreis Kronach gibt

rund 480 Mitarbeitern Arbeit – jeder dritte Arbeitsplatz im Landkreis hängt direkt oder indirekt von dieser Branche ab. »Stirbt die Glasindustrie, stirbt die Region«, fürchtet Doris Löffler. Die 59-jährige Betriebsratsvorsitzende weiß, wovon sie spricht. Denn demografischer Wandel ist im Frankenwald kein abstraktes Fremdwort – es geht hier konkret darum, Fachkräfte zu halten und Nachwuchs zu


2 1 | Heisses Gemisch Adrian Scherbel kontrolliert, wie die flüssigen Glastropfen grammgenau getrennt werden.

Noch einmal müssen die fertigen Flakons durch die Flammen. Das verhindert Spannungsrisse.

3 | Filigrane Formen

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fördern. Umso wichtiger, dass Unternehmen sorgfältig mit einer ihrer wichtigsten Ressource, den Auszubildenden, umgehen. Adrian hat das noch flüssige Glas an seiner Anlage fest im Blick. Von der Wanne

Die Stahlformen für die Flakonproduktion werden extrem genau kontrolliert.

runter stehenden Glasmaschinen geleitet werden. Adrian wechselt den Keramikring, der das heiße Glas in dünnere Ströme teilt. Ohne Gehörschutz geht in der Produktionshalle gar nichts, Arbeitssicherheit ist ein elementarer

»Wenn die Glasindustrie stirbt, trifft das die ganze Region Frankenwald.«

Doris Löffler Betriebsratsvorsitzende Gerresheimer Tettau

fließt es weiter zur Entnahme. Der sogenannte Feeder trennt die flüssige Masse gramm­ genau. Die Speisermaschine schneidet die einzelnen Glastropfen, die dann in die da-

Bestandteil des Prozesses und dient der »Gesunderhaltung« der Mitarbeiter. Aber auch besonders verstärkte Handschuhe sind ein Muss. Denn das flüssige Glas hat 1300 Grad

Fotos (4): Werner Bachmeier

2 | Feuriges Glas

Celsius. Adrian greift am Glasstrom vorbei, zieht – und hat plötzlich den Keramikring in der Hand, der das Glas bisher teilte. Rasch wirft er das schwere Bauteil auf den Boden. Sein Handschuh raucht. Der 18-Jährige holt einen neuen Ring mit kleineren Löchern. Es muss schnell gehen: Jede Minute Umbau bedeutet eine Minute weniger Produktion. Und nach dem Umbau produziert die Maschine bauchige Flakons. »Jede Flaschensorte braucht andere Greifarme, Halterungen, Einstellungen – und manchmal auch einen anderen Keramikring«, erklärt er. Der Verfahrensmechaniker für Glastechnik ist einer von mehr als 20 Auszubildenden bei der Firma Gerresheimer. »Glas ist ein interessanter Werkstoff, es ist formbar und wird trotzdem fest«, sagt er. »Und an die Hitze gewöhnt man sich.« Die Gestaltung eines Fla-

kons macht laut Experten 50 Prozent des Verkaufserfolgs eines neuen Duftes aus. In die Entwicklung eines neuen Flakons im PremiumBereich fließen deshalb im Schnitt sieben Millionen Euro. Im Trend liegen bei den teuren Düften immer großartigere Bedruckungen für die schweren dickwandigen Flakons. Eine Aufgabe, der sich Elena Leitz mit Begeisterung widmet. Die 20-Jährige lernt im dritten Lehrjahr Siebdruck und Medientechnologie. Das Drucken auf Glas ist technischer Standard seit Jahrzehnten, nur die Verfahren haben sich stark verändert. Waren früher keramische Einbrennfarben und Transferbilder dominant, so kommt heute der Direktdruck im Siebdruckverfahren mit lösemittel-

basierten- oder UV-härtenden Farben zum Einsatz. Das Einbrennen der Farbe erfolgt beim Härtungsprozess. »Meine Freundinnen beneiden mich schon ein bisschen«, sagt die IG-BCE-Jugend- und Auszubildendenvertreterin, während sie das Drucksieb ihrer Maschine reinigt. Schließlich sieht sie neue elegante Hingucker, wie etwa die mit schwarzer Spitze verzierten, feminin geformten Flakons der Popsängerin Christina Aguilera, noch bevor sie in den Läden auftauchen. Luitgard Koch

Das unternehmen Die Düsseldorfer Gerresheimer Glas AG ist ein weltweit führender Hersteller von Spezialprodukten aus Glas und Kunststoff. Die 1864 gegründete Unternehmensgruppe erwirtschaftet an 45 Standorten in Europa, Nord- und Südamerika sowie Asien einen Umsatz von rund einer Milliarde Euro und beschäftigt rund 10 000 Mitarbeiter. Der Standort Tettau, der ehemaligen Tettauer Glashüttenwerk GmbH, entwickelte sich zu einem wichtigen Lieferanten der Parfüm- und Kosmetikindustrie. Im vergangenen Sommer investierte das Unternehmen über 14 Millionen Euro in eine neue Glaswanne und das dazugehörige Umfeld. Dadurch wurden im Tettauer Werk über 30 neue Arbeitsplätze geschaffen, bei einer täglichen Produktionskapazität von mehr als zwei Millionen Stück. www.gerresheimer.de

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vor ort Aktuelles

Beiersdorf streicht in der Zentrale

Management unglaubwürdig albbruck | Der finnische Papierkonzern UPM will die Papierfabrik Albbruck aus reinem Kapitalinteresse schließen. Trotz drei stattgefundener »runder Tische«, einer von der IG BCE vermittelten Investorengruppe und der Bereitschaft des ehemaligen Finanzchefs, die Papierfabrik zu übernehmen, »ist es UPM wohl wichtiger, das Weltmarktangebot zu verknappen und somit den eigenen Profit zu erhöhen«, so IG-BCE-Sekretärin Kerstin Meindl. Die Finnen sehen das natürlich anders und begründen ihre Entscheidung damit, dass sie kein Vertrauen in die Pläne der Investoren hätten. Diese Aussage ist nach Auffassung von IG BCE und Betriebsrat weder nachvollziehbar noch glaubwürdig. »UPM hat den Investorenprozess willkürlich gestoppt, um sein ursprüngliches Ziel der Reduzierung des Angebots von grafischen Papieren auf dem europäischen Markt durchzusetzen«, sagt Meindl. Nach Mitteilung von UPMDeutschlandchef Hartmut Wurster rechnet sich der Konzern eine um einen zweistelligen Millionenbetrag günstigere Ausgangslage bei Schließung der Papierfabrik und Vernichtung der 560 Arbeitsplätze aus, als bei einem Verkauf an den Investor. Für einen Interessenausgleich und einen Sozialplan, der nun zu schließen ist, sind die Erwartungen sehr hoch. Von UPM wird gefordert, ihrer sozialen Verantwortung wenigstens hier gerecht zu werden. Axel Stefan Sonntag

Hamburg | Sparprogramm kostet 230 Stellen/Produktion nicht betroffen

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en freiwilligen Sozialplan hatte der Betriebsrat schon parat, als der Beiersdorf-Konzern für 2012 Personalabbau ankündigte: Tausend von etwa 18 000 Stellen sollen weltweit gestrichen werden, davon bis zu 230 im Angestelltenbereich in der Zentrale in Hamburg. Das sind etwa elf Prozent der rund 2600 Beschäftigten der Beiersdorf AG. In der Produktion wird nicht abgebaut. Dass es soweit gekommen ist, hält der Vorsitzende des Betriebsrats Thorsten Irtz für das Ergebnis verfehlter Personalpolitik: »Wir haben uns in den letzten zwei Jahren gegen 170 Neueinstellungen ausgesprochen, denn die Überkapazität war absehbar. Ein Projekt der Umstrukturierung des Konzerns gab es ja bereits 2009.« Danach werden

Aufgaben aus der Konzernzentrale nach Europa, Asien und Lateinamerika verlagert. Zugleich reduziert das Unternehmen sein Sortiment. 2012 und 2013 will Beiersdorf so insgesamt 100 Millionen Euro einsparen, daFoto: Wolfgang Huppertz

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zu verlieren«, weiß Thorsten Irtz, der auch stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats ist. Doch auch das Unternehmen kündigte an, es wolle für die Betroffenen »wirtschaftliche Nachteile möglichst aus-

»Eine verfehlte Personalpolitik, die Überkapazitäten waren absehbar.« Thorsten Irtz Betriebsratsvorsitzender

nach 90 Millionen Euro im Jahr. Der Betriebsrat hofft, den gesamten Abbau in Hamburg durch Altersteilzeitlösungen und finanziellen Ausgleich auf freiwilliger Basis regeln zu können. »Natürlich haben viele Angst, ihren Arbeitsplatz

gleichen«. Immerhin liegt die Umsatzrendite bei 11,5 Prozent. IG-BCE-Bezirksleiter Jan Eulen: »Ich erwarte vom Vorstand, dass keine betriebsbedingten Kündigungen ausgesprochen werden.«  Sigrid Thomsen

Vom Tabu zum Gesprächsthema mainz | IG BCE informiert über Möglichkeiten der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf

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ie Zahlen sprechen Bände: Auf einen Beschäftigten mit zu betreuenden Kindern kommen schon bald drei Arbeitnehmer, die sich um pflegebedürftige Angehörige kümmern müssen. Weil aber entsprechende Regelungen zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege noch immer die Ausnahme sind, schätzt Prof. Dr. Berthold Dietz von der Evangelischen Hochschule Freiburg die betrieblichen Folgekosten auf 19 Milliarden Euro jährlich. Da helfe auch nicht das zum 1. Januar in Kraft getretene Familienpflegezeitgesetz.

»Es verschafft den Arbeitnehmern keinen Rechtsanspruch auf Pflege«, so sein Hauptkritikpunkt auf der IG-BCE-Veranstaltung »Pflege und Beruf – (k)ein Tabu-Thema«. Betriebsräte und Gewerkschaften seien gefordert, ergänzende Betriebsvereinbarungen abzuschließen. Ebenso gelte es, das Tabu-Thema mit umfassenden Informationsmöglichkeiten transparent zu machen. Bei der BASF, so Betriebsrätin Roswitha Minges, stehe eine Checkliste als erste Adhoc-Info im Intranet zur Verfügung , wenn ein Pflegefall in

der Familie auftritt. »Im eigens eingerichteten LuCareCenter können sich Beschäftigte dann umfassend informieren.« Über Möglichkeiten, bei einem privaten Pflegefall Arbeitszeiten flexibler zu gestalten, informierte Andrea Jakob, Personal-Abteilungsleiterin von Boehringer Ingelheim. Das Ansparen von übertariflichen Urlaubsansprüchen sei ebenso möglich wie »mobiles Arbeiten« von zu Hause aus. Eine entsprechende Betriebsvereinbarung stünde kurz vor dem Abschluss.   Axel Stefan Sonntag


Fotos (3): Martin Leissl

Tarifmeldungen feinkeramik | Ohne Ergebnis blieb die erste Tarifrunde am 16. Dezember. Da die Arbeitgeber kein Angebot vorlegten, wurden die Verhandlungen auf den 17. Januar vertagt. Die Verhandlungskommission erwartet ein »konkretes und verhandlungsfähiges Angebot«.

Mehr als 500 Beschäftigte stärkten der Verhandlungskommission in Darmstadt den Rücken.

3,0 und 1,6 Prozent mehr darmstadt | Tarifabschluss in der Papierindustrie

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um 3,0 Prozent erfolgt zum 1. Januar 2012. Vom 1. Januar 2013 an ist für fünf Monate eine weitere Erhöhung um 1,6 Prozent festgeschrieben. Für den Dezember 2011 gibt es eine Einmalzahlung von

ange sah es nicht gut aus, stur und unbeweglich fuhren die Arbeitgeber einen Betonkurs. Als schon niemand mehr einen Pfifferling auf einen Abschluss setzen wollte, gelang doch noch der Durchbruch. Heraus kam nach einem 14-stündigen Marathon in der dritten Verhandlungsrunde schließlich ein tragfähiger Kompromiss: Die Entgelte der 40  000 Beschäftigten in der Papierindustrie steigen in zwei Stufen um insgesamt 4,6 Prozent. Die erste Anhebung der Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen

70 Euro, die Auszubildenden erhalten 35 Euro. Dieser Betrag wird im Januar ausgezahlt.

Die Demonstranten aus Mainfranken zeigten Zähne.

Den Tarifvertrag haben wir zwar am 6. Dezember unterzeichnet«, so IG-BCE-Verhandlungsführer Holger Nieden, »doch dieses Ergebnis hat uns nicht der Nikolaus gebracht. Ohne die kräftige Unterstützung aus den Betrieben wäre der Abschluss so nicht zustande gekommen.« Der bundesweite Aktionstag habe Wirkung gezeigt. In der zweiten Runde hatten die Arbeitgeber ein erstes Angebot auf den Tisch gelegt: 2,2 Prozent bei einer Laufzeit

von 13 Monaten – das war natürlich nicht akzeptabel und wurde von der gewerkschaftlichen Tarifkommission als »völlig unzureichend« zurückgewiesen. Die Vorstellungen der Arbeitgeber zeigten aller-

»Der bundesweite Aktionstag hat Wirkung gezeigt.«

Holger Nieden IG-BCE-Verhandlungsführer

dings, dass von allein kein vernünftiges Ergebnis zu erzielen sein würde. Spätestens mit diesem Angebot war klar: Die Papierrunde 2011 wird kein Selbstläufer. Ohne Bewegung in den Betrieben ist Bewegung am Verhandlungstisch nicht zu erwarten. Und die Unterstützung blieb nicht aus. Noch am Morgen vor der entscheidenden Verhandlung machten sich über 500 Kolleginnen und Kollegen aus der ganzen Republik auf den Weg, um der IG-BCE-Tarifkommission in Darmstadt demonstrativ den Rücken zu stärken.  Michael Denecke

AVEU | In einer zähen und kontroversen zweiten Verhandlungsrunde wurde für die rund 21 000 Beschäftigten in den Mitgliedsunternehmen des AVEU ein Tarifabschluss erreicht. Die Entgelte und Ausbildungsvergütungen werden ab Januar 2012 um 3,11 Prozent erhöht. ziegelindustrie | Bereits in der ersten Verhandlungsrunde haben IG BCE und IG BAU für die Beschäftigten in der deutschen Ziegelindustrie (außer Bayern) einen Tarifabschluss vereinbart. Die Entgelte erhöhen sich ab Dezember 2011 um 3,1 Prozent; für die Monate September bis November 2011 gibt es eine Einmalzahlung von 55 Euro pro Monat. Die Ausbildungsvergütungen erhöhen sich je Ausbildungsjahr um 50 Euro. lederwaren | Die Tarifkommission der Lederwarenund Kofferindustrie hat einen Forderungsbeschluss für die Tarifrunde gefasst: Unter anderem soll die Erhöhung der Entgelte deutlich über der Preissteigerungsrate und auf dem Niveau der Tarifergebnisse der Automobilzulieferindustrie in Bayern und Baden-Württemberg liegen.

Ausführliche Informationen unter: www.igbce.de kompakt | Januar 2012 | 25


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vor ort Aktuelles

Shell-Raffinerie geht an Schweden

Beschäftigte stützen Meteor

Foto: Joachim Wintz

bockenem | Die etwa 1800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Meteor Gummiwerke in Bockenem und 300 weitere im Werk Worbis haben einen Teil des Weihnachtsgeldes in ihre Arbeitsplätze investiert. Ohne ihren Verzicht auf die eigentlich vereinbarte 50-prozentige Jahresleistungsprämie hätte der indische Investor Pawan Kumar Ruia im November Insolvenz anmelden müssen. Er zahlt den Kaufpreis in Raten und war nicht liquide. Deshalb hat sich die IG BCE auf eine Änderung des Standortsicherungsvertrags eingelassen. Im Mai 2012 sollen alle Beschäftigten 30 Prozent eines Monatsgehalts als Ausgleich bekommen. Nur die 1100 Gewerkschaftsmitglieder konnten schon im Dezember 20 Prozent eines Monatslohns als »Nachteilsausgleich« beanspruchen, wie es in einer Mitgliederinformation heißt. »Bei ihnen standen wir im Wort«, sagt Peter Winkelmann, IG-BCEBezirksleiter Alfeld. Winkelmann hält die Zahlungsunfähigkeit für vorübergehend: »Ich denke, dass sich die Lage in den nächsten Monaten stabilisiert. Kurzfristig sehe ich gute Chancen für das Unternehmen. Langfristig aber braucht es eine Strategie, wie beispielsweise die verschiedenen Unternehmen im Kautschukbereich, die Ruia gekauft hat, zusammenarbeiten sollen. Das sehe ich noch nicht.« Sigrid Thomsen

hamburg-harburg | IG BCE fordert Umbau ohne betriebsbedingte Kündigungen

Der Protest war nicht umsonst: Immerhin 220 Arbeitsplätze in der Raffinerie bleiben erhalten.

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ie Übernahme der ShellRaffinerie durch den schwedischen Spezialölhersteller Nynas stößt in Hamburg auf Erleichterung. »Nynas versteht etwas vom Geschäft und wird es weiter voranbringen«, glaubt IGBCE-Bezirksleiter Jan Eulen. »Mit der qualifizierten und motivierten Belegschaft am Standort lässt sich etwas entwickeln.« Der Shell-Konzern, der seine kleineren Anlagen seit 2009 abstößt, hatte zwei Jahre lang nach einem Käufer für die Produktionsstätte in Hamburg-Harburg gesucht. Nach Ankündigungen des Stockholmer Investors soll die An-

lage bis Mitte 2014 zu einer Spezialschmierstoff-Raffinerie mit einer Jahresproduktion von bis zu 330 000 Tonnen umgebaut werden. Dabei werden allerdings nur 220 der derzeit 530 Beschäftigten im neuen Werk übernommen. 40 weitere Mitarbeiter will der ShellKonzern selbst im künftigen Kraftstofflager und Umschlagterminal behalten; die Kraftstoffproduktion wird eingestellt. 180 Kolleginnen und Kollegen über 50 Jahre können vorzeitig ausscheiden oder sich an andere Standorte versetzen lassen. Ralf Rademacher, stellvertretender Bezirksleiter in

E.ON: Keine Fortschritte Düsseldorf | Dritte Runde bleibt ohne Ergebnis

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uf der Stelle treten die Verhandlungen zur Beschäftigungssicherung bei E.ON. Auch in der dritten Runde Mitte Dezember gab es keine Fortschritte. Die Verhandlungen werden am 23. und 24. Januar fortgesetzt. Zuvor berät die gemeinsame Tarifkommission von IG BCE und ver.di am 12. Januar weitere Schritte. Bei den Verhandlungen geht es darum,

die geplante Streichung von 6000 Arbeitsplätzen in Deutschland sozialverträglich und ohne betriebsbedingte Kündigungen zu regeln. Für neue Kohle- und Gaskraftwerke hat sich NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) eingesetzt. »Wir brauchen effiziente, bezahlbare Energie für Bürger und Unternehmen«, erklärte sie in einem Zeitungsinterview.

Hamburg-Harburg: »Ich bin sehr froh, dass der Betriebsrat eine Vorruhestandsregelung durchsetzen konnte.« 60 Fristverträge werden nicht verlängert, für 30 weitere Mitarbeiter ist die Zukunft nach Betriebsangaben noch unklar. Die IG BCE, die mehrfach gegen die drohende Schließung der Raffinerie in Hamburg-Harburg protestiert hatte, geht von einem Umbau ohne betriebsbedingte Kündigungen aus. Ralf Rademacher: »Wir entlassen Shell nicht aus der Verantwortung für sozial verträgliche Lösungen. Wir kämpfen um jeden einzelnen Arbeitsplatz.« Sigrid Thomsen

RWE verhandelt Essen | Bei RWE beginnen im 2. Quartal Verhandlungen für eine Nachfolgeregelung zum Tarifvertrag Beschäftigungssicherung. Er schließt bis Ende 2012 betriebsbedingte Kündigungen aus. Dies wurde beim jüngsten Tarifabschluss vereinbart. Der Abschluss bringt eine Erhöhung der Entgelte ab Dezember 2011 um 2,7 Prozent. RWE will in den kommenden Jahren rund 8000 Arbeitsplätze sozialverträglich einsparen.


Fotos (4): Frank Rogner

400 IG-BCEMitglieder diskutieren in Recklinghausen über rechten Terror, Integration und interkulturelle Vielfalt.

»Arbeit schweißt zusammen« Recklinghausen | Migrationspolitische Tagung unter dem Eindruck von rechtem Terror und 50 Jahre Anwerbeabkommen

J

orge Andrade klatscht begeistert in die Hände. Die Rede des stellvertretenden IG-BCE-Vorsitzenden Ulrich Freese gefällt dem Portugiesen. Der Betriebsrat bei Honeywell in Hamburg hat seit 1998 jedes Jahr an der Recklinghäuser Tagung teilgenommen. »Es ist wichtig, immer wieder über Integration zu sprechen. Denn es gibt immer noch Defizite«, betont Andrade. Auf der 41. Recklinghäuser Tagung steht das 50-jährige Jubiläum des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens im Mittelpunkt. »Gerufen,

gekommen, geblieben; und danach?« lautet das Motto. Gekommen sind an diesem Morgen Anfang Dezember rund 400 Mitglieder, die der Recklinghäuser Bürgermeister, Wolfgang Pantförder, im Festspielhaus begrüßt. Interkulturelle Vielfalt ist das Stichwort, das sowohl Pantförder als auch der türkische Generalkonsul von Münster, Nafi Tosyali, in ihren Grußworten hervorheben: »Da steckt Potenzial drin.« Ulrich Freese unterstreicht in seiner Rede, dass Integration im Betrieb auch eine gewerk-

schaftliche Erfolgsgeschichte ist: »Hier kommen Menschen in Berührung – Arbeit schweißt zusammen.« Unter dem aktuellen Eindruck der rechtsextremen Terrorakte wird in einer Schweigeminute den Hinterbliebenen der Opfer gedacht. »Rechtsextremismus muss mit aller Härte bekämpft werden«, fordert Freese und plädiert für ein erneutes NPDVerbotsverfahren: »Diese Organisation gehört nicht unter den Schutz der Verfassung.« Damit trifft Ulrich Freese den Nerv der Zuhörer. Jorge Andrade ist zufrieden mit

dem, was am Rednerpult gesagt wurde. »Doch jetzt müssen Taten folgen«, appelliert der 56-jährige Portugiese. In der abschließenden Podiumsdiskussion diskutieren Freese und türkische IG-BCEFunktionäre über Chancen und Probleme der Integration. Kadriye Aydin, Bildungsreferentin der IG BCE, bemängelt den oftmals fehlenden Respekt gegenüber ihren Landsleuten, weiß aber auch: »Es gibt keine Alternative als aufeinander zuzugehen.« Genau das erhofft sich Jorge Andrade von Veranstaltungen wie dieser.  Marco Jelic

»Für mich heißt Integration, . . . . . . dass Menschen unterschiedlicher Herkunft die Gesellschaft gemeinsam gestalten.«

. . . dass ich von der Gesellschaft akzeptiert werde, wie ich bin.«

. . . dass es egal ist, ob man blonde oder schwarze Haare hat – es zählt der Mensch.«

Rodney McDaniel Vertrauensmann Merck KGaA

Gizem Kursunluoglu Schülerin

Ömer Yilmaz Betriebsrat Fulda Reifen kompakt | Januar 2012 | 27


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vor ort Baden-Württemberg NA M EN & NACHRICH T EN

Forderung untermauert

DSM sichert Standort

lenningen | Scheufelen-Frühschicht versammelt sich

grenzach-Whylen | Die geplanten Kostensenkungen

Die Forderung der IG BCE nach sechs Prozent mehr Entgelt hat die Frühschicht-Beschäftigten der Papierfabrik Scheufelen vor das Werktor getrieben. Dort verurteilte der stell- Die Forderung nach mehr Geld treibt die Frühvertretende Lan- schicht vor das Werktor. desbezirksleiter Uwe Bruchmüller die BlockaParallel zur Aktion bei dehaltung der Papierarbeit- Scheufelen gab es weitere geber und machte deutlich: Demos – etwa bei Pucaro und »Wenn es notwendig wird, SCA. Hier versammelten sich werden wir in den Betrieben mehr als 100 Kollegen, jeder den Druck erhöhen.« Einzelne mit aufgesetzter SonBetriebsratsvorsitzender und nenbrille. Aus gutem Grund – nämlich um dem Arbeitgeber Tarifkommissionsmitglied Karl-Heinz Wellmann betonte: zu verdeutlichen, dass sich die »Wir sind bereit zu kämpfen, Beschäftigten von anderslauman sollte uns nicht unter- tenden Einschätzungen zur schätzen. Wir wollen nur das, guten Geschäftsentwicklung was uns zusteht – gutes Geld nicht blenden lassen. (Bericht zum Tarifabschluss Seite 25) für gute Arbeit.«

bei DSM kommen ohne betriebsbedingte Kündigungen aus. Mit der jüngst von Betriebsrat und Geschäftsführung abgeschlossenen Standortsicherungsvereinbarung (Foto) verzichten die Beschäftigten zwar auf einige übertarifliche Leistungen, gleichzeitig verpflichtet sich der Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln aber, am Standort Grenzach 20 Millionen Euro zu investieren – vorrangig in neue Anlagen und Produktinnovationen. Dies stärke die langfristige Wettbewerbsfähigkeit, lobt Betriebsratschef Klaus Keßner den »fairen Kompromiss«. Darüber hinaus freut sich IG-BCE-Bezirksleiter Wilfried Penshorn, dass es bei DSM bei »einer qualitativ hochwertigen Erstausbildung bleibt, die den eigenen Nachwuchs langfristig sichert«.

Keine »Light«-Ausbildung baden-baden | Beim »Runden Tisch für Ausbildungs- und

Arbeitsmarktfragen«, der beim Arbeitgeberverband Chemie Baden-Württemberg stattfand, hat die IG BCE den weiteren Ausbau zweijähriger Ausbildungsberufe abgelehnt. »Schmalspurberufe wie die der Produktionsfachkraft Pharmazie reichen für eine dauerhafte, zukunftsorientierte Beschäftigung nicht aus«, begründet IG-BCE-Bundesjugendsekretärin Katy Hübner. Stattdessen sollten bewährte Fördermaßnahmen – wie etwa das Programm »Start in den Beruf« oder Stützunterricht – forciert werden.

Neuer Bezirksvorstand karlsruhe |

Thomas Lampert (Mitte) ist neuer Bezirksvorsitzender in Karlsruhe. Er löst Martina Hürster-Gänzler ab, die nach der Betriebsschließung von Invista ihre Arbeitskraft einem IG-BCEProjekt zur Verfügung stellt. Der 47-Jährige ist kein Unbekannter, er arbeitet bereits seit Jahren im Landesbezirksvorstand der IG BCE Baden-Württemberg. Ebenfalls neu im Bezirksvorstand sind Klaus Helmer und Klaus Kreidler.

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Schichtplan-Diskussion bad wimpfen | Arbeitszeitmodelle auf dem Prüfstand

Wie die Schichtpläne beim Chemiekonzern Solvay arbeitnehmerfreundlicher gestaltet werden können, war Thema eines Treffens der IG-BCE-Ortsgruppe Bad Wimpfen (Foto). Gemeinsam mit dem Betriebsrat des ortsansässigen Standorts wurden verschiedene Modelle kritisch diskutiert. »Großer Wunsch der Arbeitnehmervertreter ist die Einführung eines flexiblen Systems mit unterschiedli-

chen Schichten innerhalb einer Woche«, sagt Ortsgruppenvorsitzender Claus Weis. »Die wöchentlichen Wechsel belasten den Körper weitaus stärker.« Die Verhandlungen mit der Arbeitgeberseite beginnen in Kürze.


Studieren ohne Abitur

Z W ISCHENRU F

Dass beruflich Qualifizierte in Baden-Württemberg auch ohne Abitur studieren können, verkaufte 2009 die schwarzgelbe Landesregierung als großen Erfolg. Doch die Leerer Seminarraum: Beruflich Qualifizierte einst gefeierte Re- haben nur theoretisch die Möglichkeit, ohne form ist ein Rohr- Abitur zu studieren. krepierer: Nur 0,4 Prozent aller Studenten im Studium an der Europäischen Land haben einen berufs- Akademie der Arbeit. Schwerqualifizierenden Hintergrund. punkte sind unter anderem Kein Wunder: Bei der im Rechts- und PolitikwissenVorfeld notwendigen »Hoch- schaften, Wirtschaftswissenschulzugangsprüfung« fallen schaften, Sozialpolitik, Finanzmehr als 90 Prozent durch. wissenschaften, Organisation Grund genug für den IG- und Management.  Individuelle Fragen beantBCE-Landesbezirksjugendausschuss (LBJA) ein eige- wortet die JAV-Fachtagung nes Konzept zu entwickeln. »Studieren ohne Abi« am Es zeigt, wie ein Studium 27. und 28. Februar im Hotel ohne Abitur mehr Menschen Berlin in Sindelfingen. Neben ansprechen würde. »Junge Infos zur Gesetzeslage zeigen Facharbeiter sollen die faire Praxisbeispiele auch mögliChance bekommen, ihre che Umsetzungen in Betrieb Bildungsbiografie selbst zu und Tarif. Anmeldungen ungestalten«, sagt Landesbezirks- ter: www.igbce-bws.de jugendausschuss-Vorsitzender Oliver Banze. Weitere Infos im Internet: Für Gewerkschaftsmitglie- http://tinyurl.com/cuevjfn der gibt es eine weitere Mög(Europäische Akademie der lichkeit, ohne Abitur zu stuArbeit) dieren: Der DGB vergibt Sti- http://tinyurl.com/c29433f pendien für ein elfmonatiges (Konzept des LBJA)

RAKer-Treffen in Königsbronn königsbronn | Über diese hohe Resonanz haben wohl einige Kollegen selbst gestaunt: An die 70 RAKer aus den Gebieten Aalen, Heidenheim und Göppingen trafen sich zum Regionalforum in Königsbronn. Der stellvertretende Landesbezirksleiter

Uwe Bruchmüller berichtete vom aktuellen Geschehen: angefangen bei den Tarifrunden bis hin zur Problematik mit Strompreisen und Stromversorgung. In anregenden Debatten nutzten die Rentner die Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch.

Foto: troopy/pixelio.de

Stuttgart | IG-BCE-Jugend erstellt Konzept

Ralf Stockheim

Landesbezirksleiter

Entscheidungen und ihre Folgen »Politik ist die Kunst des Möglichen« soll Otto von Bismarck einst gesagt haben. 2011 war vieles möglich: Eine schwarzgelbe Bundesregierung, die den Atomausstieg festschreibt. Ein grüner Ministerpräsident, der Baden-Württemberg regiert. Eine politische Sachfrage, über die das Volk abstimmt. Wer hätte solche Entwicklungen noch vor einem Jahr für möglich gehalten? Fest steht: Wir müssen sie für uns nutzen. Die für eine Volksabstimmung hohe Wahlbeteiligung hat gezeigt: Mehr Bürgerbeteiligung ist wichtig und richtig. Sie darf aber nicht zu spät kommen – Investoren brauchen Rechtssicherheit. Sorgen bereiten mir die Folgen des Atomausstiegs. Unsere Industrie bezieht mehr als die Hälfte ihres Stroms aus Atomkraft. Baden-Württemberg ist das Land mit dem dritthöchsten Energieverbrauch. Obwohl schon in zehn Jahren das letzte AKW vom Netz geht, ist bis heute unklar, woher unsere energieintensive Industrie künftig ihren Strom beziehen soll. Und wie sich damit die Energiepreisfrage entwickelt. Wir sind gespannt, welche Antworten darauf Umweltminister Franz Untersteller beim IG-BCE-Neujahrsempfang geben wird.

»Die Politik muss die Energiepreisfrage beantworten.« Eine politische Antwort gibt es inzwischen beim Thema Bildungspolitik. Als eines der letzten Bundesländer verschafft bald auch Baden-Württemberg seinen Bürgern einen Rechtsanspruch auf Bildungsfreistellung. Darüber freue ich mich – genauso wie über die positive Mitgliederentwicklung unseres Landesbezirks: Wir haben 2011, erstmals seit Bestehen der IG BCE, mehr Menschen für uns gewinnen können, als wir aus unterschiedlichen Gründen verloren haben. Dies war nach mehr als 14 Jahren als Landesbezirksleiter mein letzter Zwischenruf. Mein Nachfolger wird in wenigen Tagen gewählt. Danke für euer Vertrauen und eure Mitarbeit! Einen guten Start ins Jahr 2012.

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vor ort Bayern

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Fragen an Jürgen Mendle

Jürgen Mendle, Projektsekretär aus dem Bezirk Augsburg über das Projekt »Aufwind im Allgäu«. Das Allgäu wird nicht unbedingt als florierender Standort mit hoch technisierten Firmen wahrgenommen. Seit Juni 2011 läuft das Projekt. Was sind die bisherigen Erfolge? Es gelang bei Maywo Kunststoff in Bad Grönenbach sowie bei VF in Sulzberg Betriebsratswahlen durchzuführen und damit erstmals einen Betriebsrat zu installieren. Damit habe ich nicht so schnell gerechnet. Bei Maywo existierte sogar noch ein alter Haustarifvertrag, an den wir anknüpfen konnten. Ein Ziel des Projektauftrages ist es, die IG BCE als Gewerkschaft generell bekannter zu machen. Wie haben Sie dies umgesetzt? Wir haben einen guten Draht zu den Medien und konnten im regionalen, privaten Radiosender RSA-Radio unseren Werbespot platzieren. Auch bei dem hiesigen Fernsehsender TV Allgäu hatten wir Erfolg. Unser Werbefilm wird dort auch auf RTL gesendet, da TV Allgäu montags bis freitags um 18:00 Uhr auf RTL und den Sonderkanälen und über Satellit ausgestrahlt wird. Aber natürlich sind wir auch vor Ort bei den Betrieben präsent. Wo besteht derzeit noch Nachholbedarf? Das Projekt entwickelt sich sehr gut. Schließlich war der Einstieg in der Urlaubszeit im Sommer nicht ganz unproblematisch. Wir müssen noch verstärkt an unserer Hauptschwerpunktbetreuung bei Metzeler in Lindau arbeiten. Dort ist wirklich noch viel Potenzial. Generell lässt sich jetzt schon sagen, dass die Laufzeit des Projektes sicher noch verlängert werden könnte. Die Erfahrung zeigt bereits in diesem Stadium, dass derartiges nachhaltiges Arbeiten einfach ein größeres Zeitfenster erfordert. Mailen Sie uns Ihre Meinung: kompakt@igbce.de

N A MEN & N A C H R I C H TEN

Werberhitparade

6 Aufnahmen: Norbert Lechermann (Peguform Neustadt), Angelika Neppl (Peguform Neustadt), Stefan Schmidt (Peguform Neustadt), Günther Usleber (Kurz, SulzbachRosenberg); 5 Aufnahmen: Thomas Sommer (Kurz, Sulzbach-Rosenberg).

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Kunststoff »im Blick« kempten | Projekt »Aufwind im Allgäu« auf Erfolgskurs

Seit Juni 2011 kümmert sich im Bezirk Augsburg mit dem Projekt »Aufwind im Allgäu« der ehemalige Betriebsrat Jürgen Mendle um die Folien- und Das IG-BCE-Tarifmobil bei Metzeler in Lindau. Kunststoffindustrie im Allgäu. Denn die Ge- lieren. »Wir werden uns für gend wird selten als Wirt- mehr Gerechtigkeit in unserer schaftsstandort mit hoch tech- Firma einsetzen«, verspricht nisierten Firmen wahrgenom- der engagierte frischgebamen. Doch der südwestlichste ckene Betriebsratsvorsitzende Zipfel Bayerns bietet mehr als Mehmet Kulaksiz. Tatkräftig unterstützt wird er dabei von Berge und glückliche Kühe. Die Region ist im Bereich seinen Kollegen Sigmar HuckVerpackungstechnologie füh- Keilbach und Özkan Teke. rend in Europa. Eng vernetzt Aber auch im Unterallgäu bilden Lebensmittelindustrie, bei Maywo Kunststoff in Bad VerpackungsmaschinenherGrönenbach brechen andere steller und Packmittelprodu- Zeiten an. Grund: Der neu zenten ein Industriesegment, geschaffene Betriebsrat mit das einzigartig in Deutsch- Ali Kölük und seinem Stellland ist. Folienhersteller wie vertreter Adem Evcil. VF Verpackungen in Sulzberg Im Gewerbegebiet Thal sind hier mit einem jährlichen produzieren rund 64 Mitarbeiter im Dreischichtbetrieb sogenannte thermoplastische Halbzeuge. Waschkabinen in Wohnwagen, ElektroschaltMehmet schränke, Gehäuse für RasenKulaksiz, mäher oder Transportschalen Betriebsratsfür Handys sind typische vorsitzender: »Wir setzen uns bei VF für mehr Maywo-Produkte. Sonntagsund Samstagsarbeit sind häuGerechtigkeit im Betrieb ein.« fig. Sogar während der WirtGesamtumsatz von rund 63 Mil- schaftskrise wurde normal lionen Euro gut aufgestellt. gearbeitet. Nicht zuletzt boomt selbst Das Familienunternehmen mit seinen 110 Mitarbeitern pro- in der historischen Inselstadt duziert im Fünfschichtbetrieb Lindau nicht nur der Touristäglich 90 Tonnen Polyamid. mus. Metzeler, Hersteller von 80 Prozent werden ins Ausland Dichtungssystemen für Automobile, mit rund 1000 Begeliefert. In dem Sulzberger Unter- schäftigten präsentiert sich nehmen kann der rührige »elefantenstark«. Auch nach Projektsekretär nun erste Er- der Übernahme durch den folge verzeichnen. Ihm gelang amerikanischen Automobiles, einen Betriebsrat zu instal- zulieferer Cooper Standard.


Z W I S C H EN R U F

Seppel Kraus

Landesbezirksleiter seppel.kraus@igbce.de Demonstration am 6. Dezember vor dem Verhandlungslokal in Darmstadt: Beschäftigte aus Mainfranken sind auch dabei – und »Krampus«, der bayerische Knecht Ruprecht.

»Unser Ziel erreicht!« München | Beschäftigte zeigen in den Tarifrunden Flagge

Für einen guten Tarifabschluss in der Papierindustrie (siehe auch Bericht auf Seite 25) – mit rund 8000 Beschäftigten im Freistaat –

Manuela Hauer, Mitglied der Tarifkommission symbolisiert die SechsProzent-Forderung.

haben sich während der drei Verhandlungsrunden auch IG-BCE-Mitglieder in den bayerischen Betrieben eingesetzt.

Wellpappe Forchheim: Beschäftigte informieren sich während der Papier-Tariftour.

Hohl- und Kristallglas:

Auch für die rund 4000 Beschäftigten in der bayerischen Hohl- und Kristallglasindustrie gibt es einen Abschluss. Ab

feinkeramik: Die erste Verhandlungsrunde für die Feinkeramische Industrie fand am 16. Dezember in Würzburg statt. Die Verhandlung blieb ohne Ergebnis. Die IG BCE

Januar 2012 werden Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen um 3,5 Prozent angehoben, dazu kommen eine Einmalzahlung von 150 Euro (Azubis 75 Euro ) und mehr Urlaubsgeld. Hier wurde während der Tarifrunde ebenfalls Flagge gezeigt – mit Aufklebern und Unterschriften, etwa bei der Kristallglasfabrik Amberg (Foto). fordert eine Erhöhung der Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen um sechs Prozent sowie einen dauerhaften Beitrag zur Verbesserung der Altersvorsorge.

Erfolgreichstes Jahr für die IG BCE Die IG BCE hatte das erfolgreichste Jahr seit ihrem Bestehen in Bayern – wir sind gewachsen und haben deutlich mehr Mitglieder als am Jahresanfang. Die Menschen vertrauen uns und wir haben gute tarifliche Lösungen geschaffen. Auch 2012 wollen wir tarifvertragliche und betriebliche Lösungen finden, die unseren Mitgliedern Zukunft und Sicherheit geben. Dazu sind wir gut aufgestellt. Aber Finanzmärkte und Politik dürfen 2012 nicht zum Jahr der Unsicherheit machen. Was wir in den vergangenen Monaten erlebt haben, war einmalig in der Politik. Eine Krise jagte die nächste, ein Rettungsversprechen folgte dem anderen, Sicherheit brachte das nicht. Die Realwirtschaft, in der wir arbeiten und die unsere Lebensgrundlage garantiert, hat dieser Verunsicherung bis jetzt größtenteils widerstanden.

»Wir brauchen verlässliche Partner in der Politik.« Doch Finanzmärkte, Rating-Agenturen und Banken treiben die Politik vor sich her. Das Wahlvolk schaut staunend zu. Und die bayerische Landesregierung schweigt dazu dröhnend. Sie, die immer einen bundespolitischen Anspruch für sich reklamiert hatte, ist in dieser Krise kaum wahrzunehmen. Es gilt 2012 die Probleme, die vor uns liegen, entschlossen anzugehen: Die Energiewende muss gestaltet werden, die demografische Veränderung in der Gesellschaft stellt uns vor große Herausforderungen. Die IG BCE hat zur Bewältigung dieser schwierigen Aufgaben ihren Beitrag geleistet. Aber wir brauchen verlässliche Partner in der Politik. Wir brauchen Partner, die bereit sind, Regelungsmöglichkeiten, für die Tarifparteien zu schaffen, auf denen sie dann tarifvertragliche Lösungen für die Betriebe finden können – zum Beispiel bei der Frage nach flexiblen Lösungen beim Ausscheiden aus dem Erwerbsleben. Auch 2012 werden wir die Politik fordern und für unsere Zukunft kämpfen.

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vor ort Hessen-Thüringen NAMEN & NACHRICHTEN

Aktiv vor dem Werktor

Forum Glasindustrie 2011

diemelstadt | IG BCE demonstriert bei Smurfit Kappa

| Über die aktuelle Situation der Glasindustrie informierte Industriegruppensekretär Gerd Schloßarek beim Glasforum der IG BCE Thüringen. Tarifsekretär Markus Kraft stellte erste Überlegungen für die anstehende neue Tarifrunde vor. Die Teilnehmer des Forums forderten die Tarifkommissionsmitglieder des Bezirkes Thüringen auf, sich bei der anstehenden Tarifkommissionssitzung für eine deutliche Erhöhung der Entgelte und Ausbildungsvergütungen, eine verbindliche zeitliche Festlegung der Erreichung der Angleichung an das Westtarifniveau sowie die feste Übernahme der Auszubildenden einzusetzen.

Zahlreiche IG-BCE-Mitglieder der Firma Smurfit Kappa unterstützten mit einer Aktion vor dem Werktor die Forderungen ihrer Gewerkschaft (Foto). Sie machten ihrem Unmut über den Arbeitgeberverband Papier Luft, der nach zwei Tarifrunden immer noch kein akzeptables Angebot vorgelegt hatte. »Wir sind heute hier, um zu zeigen, dass die Arbeitgeber unsere Forderungen ernst nehmen sollten«, so Betriebsratsvorsitzender Norbert Oehlrich. Nach der Kundgebung fand eine Betriebsversammlung statt, auf der Norbert Oehlrich zusammen mit der IG-BCE-Ver-

weimar

Neue Ortsgruppe in Korbach Korbach | »Waldeck –

Edersee – Korbach« heißt die neue Ortsgruppe der IG BCE. Richard Köhler, ihr Vorsitzender, legt dabei von Anfang an Wert auf Mitgliederbeteiligung. »Hier kann jedes Mitglied mitreden und mitentscheiden, welches im Einzugsbereich seinen Wohnsitz hat – unabhängig davon, ob und wo man beschäftigt ist.« In der Ortsgruppe wird über die Arbeit der Gewerkschaft informiert; es werden Anregungen, Sorgen, Probleme und Vorschläge der Mitglieder aufgegriffen.

Zielgruppe Papier in Hannover hannover | Mar-

tin Weiss aus der Abteilung Tarifrecht und -gestaltung der IG-BCEHauptverwaltung informierte die Zielgruppe Papier des Bezirkes Kassel über Möglichkeiten eines flexiblen Schichtsystems und wies auf die gesundheitlichen Auswirkungen bei langen Arbeitszeiten hin. »Es war nicht nur eine tolle Sitzung mit guten Diskussionen, sondern wir konnten auch die Hauptverwaltung der IG BCE besuchen«, freute sich der Vorsitzende der Zielgruppe, Wolfgang Steidl, Betriebsrat bei SCA Packaging, Witzenhausen.

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treterin Jeannette Härtling den Tarifforderungen noch einmal Nachdruck verlieh. (Siehe auch Bericht zum Tarifabschluss auf Seite 25 dieser Ausgabe.)

Neue Herausforderung fulda | Konferenz diskutiert über moderne Tarifpolitik

Anfang Dezember trafen sich in Fulda Vertreter der Tarifkommissionen aller Branchen der IG BCE. Sie diskutierten die neuen Herausforderungen in einer alternden Gesellschaft und die daraus resultierenden Ansatzpunkte einer modernen Tarifpolitik. Eberhard Beck, Leiter des Projektes »Älter werdende Belegschaften«, und Claudia Dunst von der Wert.Arbeit GmbH führten in das Thema ein. Die Politik habe zwar die Rente mit 67 beschlossen, sich aber dann aus jeder Verantwortung gestohlen. Lösen müssten das Problem jetzt die Betriebsräte vor Ort. Dabei geht es vor allem um mehr Verständnis und Akzeptanz für das Thema, so die Referenten.

Peter Hausmann vom geschäftsführenden Hauptvorstand der IG BCE stellte klar, dass man demografischem Wandel und sich abzeichnendem Fachkräftemangel nicht einfach mit einer Erhöhung der Arbeitszeit begegnen kann. Gesunde Menschen in gesunden Unternehmen sind deshalb für die IG BCE eine strategische Aufgabe. Landesbezirksleiter Volker Weber wies abschließend darauf hin, dass die Diskussion über die demografische Entwicklung und deren Folgen die IG BCE auch in Zukunft intensiv beschäftigen werde. Er kündigte nach dieser Auftaktveranstaltung weitere Diskussionen unter Einbeziehung der Mitglieder an.


Ziel mehr als erreicht wiesbaden | Bestes Ergebnis bei Ausbildungstarifvertrag

Bundesweit sollen laut Tarifvertrag jährlich 9000 Ausbildungsplätze in der chemischen Industrie angeboten werden, davon 1377 in Hessen. »Das Ziel wurde auch 2011 wieder mehr als erreicht«, stellte der stellvertretende IG-BCE-Landesbezirksleiter, Osman Ulusoy, bei einem Sozialpartnertreffen in Wiesbaden fest. Insgesamt boten die Chemieunternehmen 1542 Plätze in Ausbildungsberufen, dualen Stu-

diengängen und Eingliederungsmaßnahmen an. Das sind 8,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Sozialpartner vereinbarten auch, stärker für das sogenannte »Start«-Programm zu werben. Chemieunternehmen fördern damit bereits seit zehn Jahren Jugendliche, die keine Ausbildungsstelle gefunden haben und denen die Voraussetzungen für die erfolgreiche Aufnahme einer Berufsausbildung noch fehlen.

Thema Gesundheit kassel | Leben und Arbeiten im Gleichgewicht

Mehr als 80 Teilnehmer trafen sich zur Gesundheitskonferenz im Bezirk Kassel (Foto), um sich über die Positionen und Aktivitäten der IG BCE zu informieren sowie über Umsetzungsmöglichkeiten in den Betrieben zu diskutieren. Neben Betriebsräten nahmen Vertreter der Betriebe und Personalabteilungen teil. Eröffnet wurde die Konferenz von Bezirksleiter Friedrich Nothhelfer. Das Eröffnungs-

referat hielt die Bundesfrauensekretärin Cornelia Leunig. Vom Arbeitgeberverband war Kirsten Osterspey mit einem Referat vertreten. »Eine rundum gelungene Veranstaltung«, freute sich der Organisator und stellvertretende Bezirksleiter Hans Schweinsberg.

Bezirksdialog in Darmstadt darmstadt | Mitte Novem-

ber trafen sich Bezirk, Bezirksvorstand und Vertreter aus Betrieben und Ortsgruppen zu einem Gespräch über den künftigen Weg des Bezirkes. Ziel des neuen Bezirksleiters Jürgen Glaser ist es, in Zu-

kunft Mitglieder, Vertrauensleute und Betriebsräte noch besser an der Entwicklung des Bezirkes zu beteiligen. Für 2012 wurden erste Vorbereitungen der Betriebsräteund Vertrauensleutemesse am 21. Juni 2012 diskutiert.

NAMEN & NACHRICHTEN

Verdienstmedaille verliehen wiesbaden | KarlHugo Schmicking (auf dem Foto rechts) wurde nach mehr als 35 Jahren Betriebsratsarbeit in den vorgezogenen Ruhestand verabschiedet. Die Vertreter der Geschäftsführung und der Betriebsräte würdigten sein großes Engagement für die Interessen der Beschäftigten. Landesbezirksleiter Volker Weber zeichnete Schmicking mit der Verdienstmedaille der IG BCE aus. Er sei, so Volker Weber, »ein Mensch der Sozialpartnerschaft«. Er habe sich durch offene Worte die Sympathie von vielen Mitarbeitern erworben.

Carsten Schneider zu Gast erfurt | Der haushaltspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Carsten Schneider, war zu Gast bei der IG BCE Thüringen. Im Gespräch mit Bezirksleiterin Margrit Schulze, dem stellvertretenden Bezirksleiter Andreas Schmidt und dem Gewerkschaftssekretär Peter Fanselow informierte er sich über die aktuelle Lohnentwicklung unserer Betriebe. Hintergrund des Besuches waren die in der Politik diskutierten Mindestlöhne. Die Vertreter der IG BCE betonten, dass tarifvertragliche Regelungen dabei immer den Vorrang haben sollten.

Gleiches Geld für gleiche Arbeit? WIesbaden | An-

fang November diskutierten Frauen aus dem Bezirk Rhein-Main mit Cornelia Buhl von der Firma MiCasaGesundheitsmanagement über Stresssignale und -folgen. Die Referentin stellte dar, dass deren Bewältigung viel Eigenverantwortung und Selbstvertrauen erfordert. Das weitere Thema »Verdienen Frauen auch das Entgelt, was sie verdienen!?« belegte, dass der durchschnittliche Verdienst der Frauen 20 Prozent unter dem der Männer liegt. Was Frau dagegen tun kann, zeigte Helga Landgraf an konkreten Beispielen.

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vor ort Nord NAMEN & NA C HR I C HTEN

Schulung im Führen

Oldenburg: neue Telefonnummern

neumünster | Betriebsräte können Kompetenz ausbauen

oldenburg | Das neue Büro des Bezirks Oldenburg in der Amalienstraße 14 (Foto) hat neue Telefonnummern. Die alten gelten nach einem Anbieterwechsel von Januar an nicht mehr. Die neuen Rufnummern: Telefon 0441 408891-0, Fax: 0441 408891-17.

Betriebsratsvorsitzende und ihre Stellvertreter werden 2012 in Schleswig-Holstein als Führungskräfte qualifiziert. Dafür bietet der Bezirk der IG BCE vier eintägige Seminare innerhalb eines Halbjahres an. Entwickelt wurde die »Werkstatt für Betriebsratsführungskräfte« zusammen mit der Gesellschaft für Bildung, Wissen, Seminar (BWS) der IG BCE und Karin Wyschka (Foto) von der Kompera GmbH aus Mannheim. »Es wird, ausgehend von der Persönlichkeit und individuellen Situation dieser Füh-

IG-BCE-Empfang im neuen Jahr hannover | Der Landesbezirk Nord lädt am 21. Januar um

10:00 Uhr zum Neujahrsempfang ins Bürgerhaus Wilhelmsburg, Mengestraße 20, in Hamburg. Der IG-BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis spricht zum Thema »Zukunft braucht Gestaltung«. Danach ist Gelegenheit zum »Klönschnack«. Anmeldung bei den Bezirksbüros bis zum 9. Januar.

Gespräche mit Laboranten hannover | Bei der Fachmesse für Labortechnik in Hannover hat das Team des IG-BCEBezirks mit einem Imagefilm für »Gute Arbeit« geworben. Das regte zu grundsätzlichen Gesprächen über die Arbeit von Gewerkschaften an, berichtet die stellvertretende Bezirksleiterin Astrid Rasner (rechts im Bild). Viele nahmen die IG-BCE-Broschüre für außertarifliche Mitarbeiter mit.

Im Streitfall Rechtsschutz goslar | Wer ei-

nen Antrag auf Pflege stellen will, sollte sich vorher von seiner Krankenkasse beraten lassen. Das empfahl Detlef Mitzinneck von der Goslarer Allgemeinen Ortskrankenkasse (auf dem Foto rechts) bei einer Veranstaltung der Ortsgruppe Goslar zur Pflegeversicherung. Rainer Friedrich (auf dem Foto links), Sprecher des Arbeitskreises Sozialpolitik, wies darauf hin, dass IG-BCE-Mitglieder im Streitfall vollen Rechtsschutz vor den Sozialgerichten haben.

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rungskräfte, die Chance geboten, sich mit den eigenen Möglichkeiten auseinanderzusetzen und die eigenen Handlungsmöglichkeiten und Kompetenzen zu erweitern«, kündigte Gewerkschaftssekretär Andreas Suß an. Die Auftaktveranstaltung am 8. November habe bestätigt, dass das einem starken Bedürfnis dieses Mitgliederkreises entspreche.

Solidarität in Europa hamburg | Denkanstöße bei Weihnachtsfeier für Senioren

Weit über 700 Gäste konnte Bezirksleiter Jan Eulen zur Seniorenweihnachtsfeier des Bezirks Hamburg/Harburg am 14. November 2011 im fast überfüllten Bürgerhaus Wilhelmsburg begrüßen. Ernst-Dieter Rossmann, Sprecher der SPD-Landesgruppe Schleswig-Holstein im Deutschen Bundestag, gab Denkanstöße zur Krise in Europa. Die Arbeitnehmer in Europa sollten sich angesichts der vielfach dramatisch verschuldeten Staaten nicht auseinanderdividieren lassen, sagte der Gastredner: »Wir brau-

Foto: west

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chen Solidarität der Arbeitnehmer untereinander.« Das Kulturprogramm bestritt der Hamburger Seemannschor (Foto) mit seinen Shantys, den früheren Arbeitsliedern der Mannschaft auf großen Segelschiffen – zur Begeisterung der Besucher, zu denen auch der Hamburger DGB-Vorsitzende Uwe Grund gehörte.


Z W I S C HENRU F

Ralf Becker

Landesbezirksleiter ralf.becker@igbce.de Zukunftssicherung in Heide: Aktion zur Tarifrunde 2011.

Angst vor Kündigungen Heide | Raffinerie will Personal reduzieren

80 von insgesamt 520 Beschäftigten der Erdölraffinerie Heide im Landkreis Dithmarschen sollen 2012 entlassen werden. Mit dieser Nachricht wurde die Belegschaft Anfang Dezember in einen sorgenvollen Jahreswechsel geschickt. Die Firmenleitung verwies nach Presseberichten auf zu hohe Personalkosten bei steigenden Rohöl- und Energiepreisen. Die Anlage war im November 2010 von der Shell AG an den amerikanischen Finanzinvestor Gary Klesch verkauft worden. Sie verarbeitet nach eigenen Angaben 4,5 Millionen Tonnen Rohöl. Die Gewerkschaft werde mit aller Macht den Kampf gegen betriebsbedingte Kündigungen aufnehmen, heißt es bei der IG BCE. »Dabei haben wir einerseits die Zukunft der Raffinerie, aber insbesondere die Zukunft aller Beschäftigten dort im Blick«, betont Bezirksleiter Ralf Erkens (Foto rechts). Gemeinsam mit dem Betriebsrat würden die Pläne des Arbeitgebers auf Umsetzbarkeit hin geprüft. Erst danach könnten Gespräche über weitere Maßnahmen geführt werden. Dafür ist die IG BCE gut aufgestellt: »Die Raffinerie ist zu 80 Prozent gewerkschaftlich organisiert«, sagt Erkens.

»Bei genügend gutem Willen auf beiden Seiten« hält die Gewerkschaft betriebsbedingte Kündigungen für vermeidbar. Hier werde sich zeigen, inwiefern der Finanzinvestor »als Eigentümer auch Sozialpartner sein will«. Der hat in einem Schreiben an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter immerhin versichert, »alle Möglichkeiten natürlicher Ab-

Bezirksleiter Ralf Erkens: »Wir haben die Zukunft aller Beschäftigten im Blick.«

gänge zu nutzen, um die neue Organisation zu erreichen«. Deren Ziel sei die langfristige Zukunftssicherung der Raffinerie. Die Belegschaft habe ihre Bereitschaft zur Zukunftssicherung bereits mit einer Nullrunde 2011 deutlich gemacht, kommentierte der Betriebsratsvorsitzende ClausPeter Schmidtke. »Gegen Umstrukturierungsmaßnahmen mit Kahlschlagpolitik für unsere Jobs werden wir uns mit allen Mitteln wehren.«

Gute Arbeit für uns Energiewandel, Eurokrise, Staatsverschuldung und die fortwährende Angst vor der nächsten Krise bewegen uns in diesen Tagen. Dabei war 2011 ein Jahr der Erfolge. Bestmarken waren nicht nur die Umsätze der Unternehmen – auch die Tariferhöhungen in unseren Branchen sind sehenswert! Wir haben unseren Teil vom Aufschwung mitgenommen. In den Betrieben wird der demografische Wandel sichtbar. Er legt Schwachstellen frei: Qualifizierung, Arbeitszeiten, alters- und alternsgerechtes Arbeiten, Führung – hier sind Verbesserungen nötig. Es geht um »Gute Arbeit«. Wir wollen, dass in unseren Branchen nicht nur gut gearbeitet wird und nachhaltig Gewinne erwirtschaftet werden. Wir wollen, dass Arbeit auch für die Beschäftigten gut ist. Politisch ist der Norden auf dem besten Weg, wieder »rot« zu werden. Nach Bremen und Hamburg steht im Mai die Landtagswahl in Schleswig-Holstein an. Mit Thorsten Albig an der Spitze hat die SPD gute Chancen. In Niedersachsen positioniert sich Stephan Weil (SPD) gegen David McAllister (CDU) für die Wahl im Januar 2013. Unser Standpunkt bleibt klar: Industriepolitische Kompetenz ist Voraussetzung, um Wohlstand und lebenswerte Umwelt zu fördern.

»Wir setzen Zeichen mit einer Politik, die den Menschen an erster Stelle sieht.« 2011 haben wir das beste Ergebnis bei der Mitgliederentwicklung seit Bestehen der IG BCE erreicht. In den Betrieben sind wir bereits positiv. Das ist eine Gemeinschaftsleistung. Ob Jugend- und Auszubildendenvertreter, Betriebsrat oder Vertrauensfrau, Verwaltungskraft oder politischer Sekretär: Alle haben erfolgreich mitgewirkt. Dafür sage ich aus vollem Herzen Dank! Wir sind eine starke und handlungsfähige Organisation. Wir setzen Zeichen mit einer Politik, die den Menschen an erster Stelle sieht. Ob mit 4,1 Prozent Entgelterhöhung in der chemischen Industrie oder mit Fingerspitzengefühl und Pragmatismus bei den Verhandlungen von Standortsicherungsverträgen woanders – wir arbeiten erfolgreich für unsere Mitglieder. Wir sind die Zukunftsgewerkschaft! Ich wünsche allen ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2012.

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vor ort Nordost NA M EN & NACHRICHTEN

Protest bei e.dialog

Termine – kurz notiert

potsdam | Aktionen brachten Tarifabschluss

greifswald | 27. Januar: Regionalforum für Schwerin.

An fünf Standorten protestierten die Beschäftigten des Energiedienstleisters e.dialog am Morgen der zweiten Verhandlungsrunde für eine Einkommenssteigerung und somit weitere Entwicklung des Tarifvertrages. Ihre Aktionen waren erfolgreich. IG-BCEVerhandlungsführer Olaf Wernitz vereinbarte 1,8 Prozent mehr Entgelt bei einer Laufzeit von sechs Monaten: »Die kurze Laufzeit lässt uns Kraft sammeln für eine weitere Er-

Abschied und Neuanfang halle-Magdeburg | Wolfgang Berndt, für die IG BCE seit 1990 als Gewerkschaftssekretär mit dem Schwerpunkt Recht tätig, ist Mitte Dezember in die passive Phase seiner Altersteilzeit gegangen. Landesbezirk und Bezirk danken ihm für seine gute Arbeit und sein gewerkschaftliches Engagement. dresden-chemnitz | Norbert Winter unterstützt seit Anfang November das Team für die Bereiche Jugendarbeit und Betriebsbetreuung. Der studierte Soziologe und Wirtschaftswissenschaftler war zuvor Sekretär zur Ausbildung in verschiedenen Bezirken. berlin | Kathrin Albrecht, Juristin mit dem Schwerpunkt Arbeitsrecht, ist seit Anfang Dezember als Projektsekretärin für den Landesbezirk für das Projekt »Kraftvoll! Das gewerkschaftliche Netzwerk der Solar- und Kunststoffindustrie in Nordost« tätig.

Runder Tisch gegen Wassercent halle | Die IG BCE und die Betriebsratsvorsitzenden von Solvay Chemicals in Bernburg und Sodawerk Staßfurt traten vereint mit den Geschäftsführungen beider Unternehmen gegen den Wassercent in Sachsen-Anhalt auf (auf dem Foto an der hinteren Tischseite). Der Wassercent ist eine neu eingeführte Gebühr für die Entnahme von Grundwasser und Wasser aus Flüssen. Beim runden Tisch diskutierten sie mit Vertretern der Städte und des Landes die Belastung für die Unternehmen. Unterstützung erhielten sie von Betriebsräten vieler weiterer Betriebe. Erhard Koppitz, Leiter des Bezirks Halle-Magdeburg: »Nach unseren Erhebungen zahlen allein elf große Chemiestandorte und Versorgungsunternehmen mehr als 8,3 Millionen Euro im Jahr. Betriebe in Sachsen-Anhalt haben geringe Spielräume, die Kosten aufzufangen. Der Wassercent schädigt den Industriestandort und gefährdet wie zum Beispiel im Werk Solvay die Angleichung der Einkommen an das Westniveau.«

28 | kompakt | Januar 2012

e.dialog: Proteste in Eberswalde.

höhung in den Verhandlungen im Sommer.«

Warnstreik im IKW rüdersdorf | Mitarbeiter fordern Tarif

Fast alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Industriekraftwerks Rüdersdorf (IKW) legten Anfang Dezember für eine halbe Stunde die Arbeit nieder und beteiligten sich am Warnstreik (Foto). Seit Monaten schwelt der Konflikt um die Aufnahme von Tarifgesprächen beim Tochterunternehmen von Vattenfall Europe. Sie wurden von der Geschäftsfüh-

rung bislang verweigert. Oliver Heinrich, Bezirksleiter BerlinMark Brandenburg: »Wo Vattenfall dran steht, muss sozialpartnerschaftlicher Umgang drin sein.«

Sozialpartnervereinbarung bei enviaM halle | Auf Initiative des

Konzernbetriebsrats wurde in Zusammenarbeit mit dem Vorstand eine Sozialpartnervereinbarung ausgearbeitet, die für alle Gesellschaften der enviaM-Gruppe gilt und einen Dialog zum verantwortlichen Handeln in Gang setzen soll. Sie wurde nun am

Rande einer Aufsichtsratssitzung unterzeichnet. Sieglinde Hinzer, stellvertretende Konzernbetriebsratsvorsitzende enviaM: »Die vier gemeinsam entwickelten Leitlinien setzen auf Nachhaltigkeit und gute Arbeit. Wir wollen sie jährlich überprüfen und gegebenenfalls ergänzen.«


ZWISCHENRUF

Petra Reinbold-Knape

»Spiel des Lebens« schwarzheide | Zukunftsängste wurden angesprochen

Für die Jugend- und Auszubildendenversammlung (Foto) hatten sich die Mitglieder der Jugend- und Auszubildendenvertretung der BASF Schwarzheide ein »Spiel des Lebens« ausgedacht, mit dem

sie Zukunftsängste witzig verpacken und ansprechen wollten. Alle Auszubildenden durchliefen dabei verschiedene Lebenswege, auf denen sie Ereignisse wie im wahren Leben bewältigen mussten.

Aktionstage Papier siebenlehn/schwedt | Proteste in Nordost

Auch in den Papierbetrieben in Nordost formierten sich im Vorfeld der dritten Tarifrunde Papier scharfe Proteste gegen die sture Haltung der Arbeitgeber. Am 28. November trafen Vor der dritten Tarifrunde: Flugblattaktion sich Mitarbeiterinnen bei Felix Schoeller jr in Weißenborn. und Mitarbeiter mehrerer sächsischer Betriebe zur Raum Schwedt. Die Aktionen offenen Mitgliederversamm- waren erfolgreich und führlung. Am 5. Dezember protes- ten zum Abschluss. (Siehe tierten die Beschäftigten im auch Bericht auf Seite 25.)

Aus den Ortsgruppen leipzig/magdeburg | Bei der letzten Ortsgruppenkonferenz im Bezirk Leipzig in diesem Jahr stand die »Umsetzung der Energiewende« mit Dr. Ralf Bartels (IG-BCEHauptverwaltung) auf dem Programm. Außerdem informierte Jürgen Mehnert, Bezirksleiter Leipzig, über die

Ortsgruppenwahlen 2012. Diese waren auch Thema bei der Ortsgruppe Magdeburg. Hier wurden Hanna Thuem, Regina Firchow und Wolfgang Fischer mit viel Beifall von ihrer aktiven Arbeit verabschiedet. Die drei wollen so den Generationswechsel vor den Wahlen 2012 einleiten.

Landesbezirksleiterin Nordost petra.reinbold-knape@igbce.de

Gemeinsam Zukunft gestalten »Wir sind die, die wir sein wollen«, hat unser Vorsitzender Michael Vassiliadis auf dem Zukunftsforum 2011 die Gemütslage der IG BCE beschrieben. Und er hat recht! Das gilt vor allem für das vor uns liegende Jahr. 2012 wird unser Jahr – nachdem wir 2011 gemeinsam einen Mitgliederrekord geschafft haben. Erstmals können wir ein deutliches Plus bei den Mitgliederzahlen verzeichnen. Dafür sage ich allen Beteiligten ein riesiges Dankeschön. Und eine Bitte: Weiter so! 2012 wird unser Jahr, denn in  Schlüsselfragen wie der Industrie- und Energiepolitik sind wir in der IG BCE mit unseren Argumenten weit vorne. Die Energiewende des vergangenen Jahres heißt für uns, verlässliche Rahmenbedingungen für die Betriebe einzufordern, damit unser Land auch in Zukunft seine Technologieführerschaft behaupten kann.

»2012 wird unser Jahr, weil die Beschäftigten hinter uns stehen.« 2012 wird unser Jahr, auch beim Kernthema Tarifpolitik. Das neue Arbeitszeitmodell, das die IG BCE in der ostdeutschen chemischen Industrie vereinbart hat, sorgte bundesweit für Aufsehen. Aber auch die weiteren guten Abschlüsse machen klar: Die Tarifarbeit der IG BCE steht erfolgreich für bessere Arbeitsbedingungen und mehr Geld! 2012 wird unser Jahr, weil die Beschäftigten hinter uns stehen. Das wissen wir, weil wir gemeinsam auf dem Weg sind, die Zukunft unserer IG BCE zu gestalten. Ihr alle seid es, die das Gesicht unserer Zukunftsgewerkschaft prägen: Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter in den Betrieben, Bezirken, Ortsgruppen, in der Politik und in den Gremien. Meine Bitte an euch lautet, dort weiter mitzugestalten! Ich bedanke mich im Namen des Landesbezirksvorstandes für euren Einsatz, eure guten Argumente, euer Mitmachen und Mitdenken. Die IG BCE ist unser aller Erfolg. Ich wünsche uns allen ein erfolgreiches, glückliches und gesundes Jahr 2012!

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vor ort Nordrhein

Arbeitszeit im Fokus

N AME N & N A C H RI C H T E N

Ausgezeichnet

düsseldorf | Konferenz bereitet Chemietarifrunde vor

walsum | Für seine langjährige engagierte Betriebsrats- und Gewerkschaftsarbeit ist Karl-Josef Ellrich auf der IG-BCE-Landesbezirksvorstandssitzung in Walsum mit der Hans-Böckler-Medaille geehrt worden. Ellrich, fast 30 Jahre Betriebsrat im Werk Dormagen der Bayer AG, davon 16 Jahre Betriebsratsvorsitzender, vertrat unter anderem die Interessen der Beschäftigten im Konzernbetriebsrat und im Aufsichtsrat der Bayer AG. In der IG BCE engagierte sich Ellrich in der Tarifkommission, im Landesbezirksvorstand und als Vorsitzender des Bezirksvorstandes Köln-Bonn.

Mit einer Tarifkonferenz am 19. November hat der IGBCE-Landesbezirk Nordrhein die Debatte über die Chemietarifrunde 2012 eröffnet. Rund 80 Tarifkommissionsmitglieder, Betriebsräte und Vertrauensleute diskutierten über die Weiterentwicklung der Tarifverträge. Die Themen sind vielfältig: Arbeitszeit, gute Arbeit, demografische Entwicklung, Vereinbarkeit und Qualifizierung. Das Thema Arbeitszeit werde in den nächsten Jahren einen zentralen Platz einnehmen, erklärte Peter Hausmann, im geschäftsführenden IG-BCE-Hauptvorstand für Tarifpolitik zu-

duisburg | Bei der Be-

Foto: Lühe/Krischer

Säulenbogen aus Ammoniten zirksleitung Duisburg ist seit Kurzem ein besonderes Zeugnis der Erdgeschichte der Öffentlichkeit zugänglich: Ein Säulenbogen zeigt versteinerte, marine Kopffüßer, auch Ammoniten genannt. Die lebten vor rund 90 Millionen Jahren. Bergleute entdeckten sie als Erste.

Arbeitsplan für 2012

ständig: »Wir müssen Belastungen und Arbeitszeit in Einklang bringen. Das bedeutet, Arbeitszeiten im Interesse der Beschäftigten flexibler zu gestalten – insbesondere auch beim Übergang in die Rente.« Landesbezirksleiter Reiner Hoffmann betonte, dass die Ergebnisse der Diskussionen in die weitere Tarifgestaltung eingehen, und stellte den Fahrplan für die Tarifrunde vor. Über die Forderungsempfehlung will der IG-BCEHauptvorstand im Februar entscheiden.

duisburg | Die Perspektiven junger Menschen und das

IG-BCE-Bundesjugendtreffen standen im Mittelpunkt der Klausurtagung des Landesbezirksjugendausschusses (LBJA). Beschlossen wurde der Arbeitsplan für 2012. Mit einer Abschiedsfete bedankte sich der LBJA bei Nadine Bloemers, Christine Boller und Tobias Krupp. Zwei Jahre lang haben sie als Jugend- und Auszubildendenvertreter beziehungsweise Jugendreferenten die IG-BCE-Jugendarbeit in Nordrhein maßgeblich unterstützt.

Top Ten der Werber im November Platz 1: Joline Macek (52 geworbene Neumitglieder, Currenta Dormagen, Bezirk Köln-Bonn); Platz 2: Daniele Gioco (48, Bayer AG Leverkusen, Leverkusen); Platz 3: Andreas Sevenich (17, RWE Power PCI Inden, Alsdorf); Platz 4: Kerstin Ziegler (15, DuPont, Düsseldorf); Platz 5: Horst Ruoff (12, Continental Aachen, Alsdorf); Platz 6: René Ochsendorf (11, Momentive Specialty Chemicals, Duisburg); Platz 7/8: Bernhard Abels (10, Currenta Krefeld, Moers), Christian Spitz (10, Currenta Krefeld, Moers); Platz 9/10: Maria Rubbo (9, Bayer AG Leverkusen, Leverkusen), Christin Falk (9, Bayer AG Uerdingen, Moers).

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Zukunft Ruhrrevier essen | Betriebsräte informieren sich

Die Politik will den Strukturwandel in der wichtigen Industrieregion »Ruhrrevier« gestalten und entwickelt im Regionalverband Ruhr Vorschläge für die Zukunft des Reviers. Auch für Betriebsräte ist das ein wichtiges Thema, darüber ist sich die Betriebsrätearbeitsgemeinschaft Erdöl-, Kohle-, Grundstoffchemie einig. Deshalb lud sie Dr. Claas Beckord aus der Planungsabteilung des Regionalverbandes zu einer Informationsveranstaltung ein. Beckord stellte Abläufe und mögliche Entwicklungsschrit-

te für die Zukunft der Region vor. Die Aufgaben der Planungsexperten sind komplex. Zukunftskonzepte müssen Industrie und Gewerbe, Verkehrswegen, Umweltschutz und Landwirtschaft, Kultur und Freizeit angemessenen Raum bieten. Die Weichen für richtungsweisende Perspektiven muss die Politik stellen. Eine besondere Herausforderung ist der Ausgleich zwischen Ökonomie und Ökologie und die Berücksichtigung der unterschiedlichen Interessen. Die Betriebsräte wollen weiter am Ball bleiben.


Z WIS C H E N RU F

Reiner Hoffmann

Landesbezirksleiter reiner.hoffmann@igbce.de

Aktion bei Kimberley-Clark, Düsseldorf-Reisholz.

Aktionen wirken darmstadt | Erfolgreicher Abschluss Tarifrunde Papier

Nach einem nächtlichen Verhandlungsmarathon lenkten die Arbeitgeber am 7. Dezember ein: Um insgesamt 4,6 Prozent steigen in zwei Stufen die Entgelte in der Papierindustrie. Deutlich mehr Geld erwarteten die Beschäftigten der Papierindustrie – ihre Botschaft war eindeutig, ob bei ihren Aktionen am 19. November vor dem Hotel in Köln, in dem die zweite Tarifverhandlung stattfand, oder

Ein ereignis- wie auch erfolgreiches Jahr liegt hinter uns, ein Jahr mit nicht weniger Herausforderungen vor uns. Neben den Organisationswahlen steht die nächste Tarifrunde in der Chemie an. Ob Eurokrise oder Energiewende: 2012 gilt es, die Weichen zu stellen. Ziel einer nachhaltigen Energiepolitik muss eine sichere, klimaverträgliche und bezahlbare Energieversorgung sein. Das gilt in einem Industrie- und Energieland wie NRW ganz besonders. Wir wollen den Umstieg, aber wir brauchen auch eine bezahlbare Energieversorgung, insbesondere für die energieintensiven Branchen.

»Wir haben gezeigt: Mit uns muss man rechnen!« Leckere »Weckmänner« warben für »6 % mehr!«.

Klare Botschaften bei SCA in Neuss.

IG BCE mischt sich ein

Viola Denecke betont: »Der Abschluss kann sich sehen lassen. Die Arbeitgeber haben ihr ursprüngliches Angebot deutlich aufgestockt. Dank des Engagements der Beschäftigten haben sich die Arbeitgeber bewegt. Deshalb ist der Abschluss vor allem ein Verdienst der Kolleginnen und Kollegen: Es ist euer Erfolg.«

am 5. Dezember, dem bundesweiten Aktionstag. Unter dem Motto »Jetzt sind wir dran« machten die Beschäftigten mit Aktionen vor den Werktoren und einer regionalen Kundgebung in Düren Druck. Die stellvertretende IG-BCE-Landesbezirksleiterin In Alsdorf zeigten die Beschäftigten »Flagge«.

Mit unseren industrie- und energiepolitischen Forderungen mischen wir uns in die Landespolitik ein. Dabei sind wir 2011 ein Stück vorangekommen. Gemeinsam mit anderen DGB-Gewerkschaften und der SPD-Landtagsfraktion haben wir energiepolitische Eckpunkte formuliert und führen einen intensiven Dialog mit der Landesregierung, mit Unternehmen und Verbänden. Wir tun das aus einer starken Position heraus. Die wirtschaftliche Lage ist gut und wir haben 2011 beachtliche Tarifabschlüsse erreicht. Die Belegschaften haben uns dabei mit vielen kreativen Aktionen hervorragend unterstützt. Dafür möchte ich allen Beteiligten danken. Wir haben gezeigt: Mit uns muss man rechnen! Aber es gibt auch Unternehmen, wo wir vor schwierigen Situationen stehen. Zum Beispiel bei M-real Zanders in Bergisch-Gladbach und Düren: Dort kämpfen Unternehmen und Belegschaften um Perspektiven im Papiermarkt. Auch hier zeigt sich: Die Beschäftigten sind bereit, für ihre Arbeitsplätze zu kämpfen, und das lohnt sich. Bei der Mitgliederentwicklung haben wir 2011 eine Trendwende erreicht. Daran haben viele mitgewirkt. Ihnen allen sei gedankt. Im neuen Jahr wollen wir daran anknüpfen. Denn die Mitgliederstärke entscheidet über unseren Einfluss in den Betrieben und in der Gesellschaft. kompakt | Januar 2012 | 29


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vor ort Rheinland-Pfalz/Saarland NA M EN & NAC H R I C H T EN

Betriebsräte fit machen

Ministerpräsident lobt Ehrenamt

saarbrücken | Generationswechsel strategisch meistern

landau | Welche Bedeutung er Mitbestimmung und Ehrenamt beimisst, machte Ministerpräsident Kurt Beck (Foto, Zweiter von rechts) anlässlich der Verleihung der IG-BCE-Verdienstmedaille an zwei langjährige Betriebsratsvorsitzende deutlich. Bei der Ardagh Glass GmbH in Germersheim hatte Georg Nägle (Mitte) diese Aufgabe lange inne und bei der Kartonfabrik Buchmann in Annweiler füllt Willi Seebach (Zweiter von links) das Amt bereits seit anderthalb Jahrzehnten aus. Beide engagieren sich auch als ehrenamtliche Richter am Landesarbeitsgericht sowie in der Ortsgruppe Landau. Die Medaillen überreichte der IG-BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis (links). Seinem Dank schloss sich der Bezirksvorsitzende Dietmar Geuskens (rechts) an.

Der Bezirk steht vor einschneidenden Neubesetzungen wichtiger Betriebsratsgremien. Um den Generationswechsel zu meistern, will Dietmar Geuskens (rechts) freut sich: Alle beteier den Gremi- ligten sich bei der strategischen Planung. en im Rahmen eines zweijährigen Pilotpro- gestellten und anderen Bejekts »Strategische Qualifizie- triebsratsmitgliedern aussieht. rung von Betriebsräten« die »Uns ist deshalb wichtig«, sagt dafür notwendigen, besonde- Bezirksleiter Dietmar Geusren Kenntnisse und Erfahrun- kens, »dass alle Betriebsratsmitglieder an diesem Prozess gen vermitteln. Mithilfe des Beraters Uli teilhaben, nicht nur die VorsitBormuth erarbeiten die Semi- zenden oder die Freigestellnare, wie sich langfristige Ar- ten.« Uwe François, Betriebsbeitspläne aufstellen lassen, ratsvorsitzender von Villroy & wie sich Verantwortung inner- Boch Fliesen, lobt das Konhalb des Betriebsrats delegie- zept: »Die nächsten Schwerren lässt, wie eine vernünftige punkte stehen und alle konnArbeitsteilung zwischen frei- ten sich einbringen.«

Gesundheitsfürsorge für Männer saarbrücken | Männer leben im Schnitt sieben Jahre kürzer als Frauen – Hintergrund des »Welttags des Mannes« jährlich am 3. November. Der Bezirksfrauenausschuss Saarbrücken führt aus diesem Anlass seit Jahren betriebliche Aktionen durch. An fünf Standorten warb er in diesem Jahr für Gesundheitsförderung, Elternzeit für Väter und flexible Arbeitsorganisation.

Leben an der Ruhr essen | Azubis der

Wormser Niederlassung des Chemieunternehmens Grace nahmen an einem fünftägigen Geschichtsseminar zur Industriekultur des Ruhrgebiets teil. Sie erkundeten das frühere und heutige Leben und Arbeiten im Ruhrgebiet mit Spaß und viel eigenem Interesse. Sie besuchten ein Bergbaumuseum (Foto), durchstreiften in Essen das Weltkulturerbe Zeche und Kokerei Zollverein und besichtigten in Bochum das Opelwerk sowie die ehemalige Hauptverwaltung der IG Bergbau und Energie.

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Hilfe für Azubis ludwigshafen | Auch Helfer belastet

Der Initiativkreis Bildung sowie Ausbilder und Ausbilderinnen des Bezirks befassten sich kürzlich mit dem Umgang mit sogenannten »schwierigen« Jugendlichen. Moderiert von Katja Rickert, der Leiterin der Abteilung Bildung bei »Arbeit und Leben«, diskutierten die Teilnehmer über das richtige Vorgehen. Dabei stellte sich heraus, dass diese Aufgabe insbesondere durch steigenden Arbeitsdruck immer stärker leidet. Dabei haben gerade schwierige Jugendliche einen besonderen Bedarf an intensiver Betreuung. Familiäre Pro-

bleme, Stress und Prüfungsangst machen ihnen mehr als anderen Jugendlichen zu schaffen. Trotz dieser Belastung warb Christian Dittmann vom IG-BCE-Landesbezirk intensiv um Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die bereit sind, sich an dieser Aufgabe zu beteiligen und sich auch als Prüfer bei der Industrieund Handelskammer zur Verfügung stellen. Er machte klar, dass Gewerkschaft und Gesellschaft denen zu Dank verpflichtet sind, die diese Aufgabe ehrenamtlich wahrnehmen.


Jugendarbeit gestärkt

ZU M J A H RESWEC H SEL

mainz | Positive Bilanz engagierter Arbeit

Im Rahmen eines zweijährigen Sonderprojekts haben sich zwei junge Männer – Simon Haas und Udo Weiswange – mit großem Engagement um Jugendliche und um die Jugend- und Auszubildendenvertretungen (JAV) in den Bezirken gekümmert. Nun ist ihre Zeit als Jugendund JAV-Referenten abgeschlossen. Beide ziehen am Ende eine positive Bilanz. Zu den Dingen, über die sich Simon Haas im Rückblick ganz besonders freut, gehört der regelmäßige JAVStammtisch in Worms. Simon Haas hat ihn mit ins Leben gerufen. Der Wormser Stammtisch schafft Kontaktmöglichkeiten zwischen Jugendvertretern und jungen Auszubildenden und stärkt die Verbindungen mit der IG BCE.

Ralf Sikorski

Landesbezirksleiter ralf.sikorski@igbce.de

Haben etwas bewegt: Udo Weiswange (links) und Simon Haas.

Auch Udo Weiswange freut sich über seinen persönlichen Beitrag zur Belebung der JAVArbeit in den Betrieben und der gewerkschaftlichen Jugendarbeit. Er bleibt dem Bezirk Neuwied-Wirges, wo er schon die vergangenen zwei Jahre tätig war, jetzt mit einem neuen Projekt verbunden. Simon Haas dagegen wechselt in das Traineeprogramm der IG BCE. Erste Ausbildungsstation ist der Bezirk Neuwied-Wirges.

Ausbrennen verhindern höhr-grenzhausen | Seminar informiert über Burn-out

Totale Erschöpfung, innere Leere, Depression – ist ein Mensch innerlich ausgebrannt, ist er von einem »Burn-out« betroffen, dann geht es nicht mehr weiter. Er oder sie braucht eine Pause und psychotherapeutische Behandlung. Dies war jetzt Thema eines gut besuchten Seminars im Bezirk Neuwied-Wirges. Die Teilnehmer erfuhren: Burnout trifft vor allem Menschen, die unter Stress oder wiederholten emotionalen Belastungen am Arbeitsplatz leiden. Die Krankheit verursacht hohe wirtschaftliche Schäden

und muss an der Wurzel bekämpft werden. Einer Studie der Bergischen Universität Wuppertal zufolge beklagt fast die Hälfte aller Beschäftigten, dass Konfliktsituationen am Arbeitsplatz nicht ausreichend geklärt werden. Hier gilt es anzusetzen, zumal die Arbeit immer intensiver wird. Deshalb fordert die IG BCE möglichst abwechslungsreiche Arbeitsinhalte und ausreichende Kommunikation am Arbeitsplatz: Beteiligung der Beschäftigten, klare Arbeitsaufträge und positives Feedback.

Mit wachen Augen Es war ein erstaunliches Jahr. Auf den Finanzmärkten stürmte es, doch die Wirtschaft im Südwesten Deutschlands blieb auf Kurs. Unsere Region trug erheblich dazu bei, dass Deutschland im abgelaufenen Jahr einen zweistelligen Exportzuwachs verzeichnen konnte. Unbestritten ist, dass die weitsichtige Tarifpolitik der IG BCE dazu auch in der vorhergehenden Krise ihren Beitrag geleistet hatte. Gerade deshalb aber konnten unsere Tarifkommissionen im abgelaufenen Jahr sehenswerte Tariferfolge einfahren. Diese Politik werden wir fortsetzen, zum Wohl unserer Mitglieder und mit wachen Augen für drohende Risiken. Auf diese Haltung, auf diese Erfolge dürfen wir auch den diesjährigen Mitgliederzuwachs unseres Landesbezirks bei den beruflich Aktiven zurückführen. Unsere Werber und Werberinnen konnten gut argumentieren.

»Es gibt vielfältigen Anlass, Dank zu sagen.« In Mainz regiert jetzt eine rot-grüne Koalition. Sie will wirtschaftspolitisch neue Akzente setzen und verspricht einen »Masterplan Industrieentwicklung«. Bislang wirft dies Vorhaben mehr Fragen auf, als es Antworten gibt. Die IG BCE bietet das Gespräch an; sie hat eine Menge einzubringen. In sechs Monaten stellt das Bergwerk Ensdorf als letztes aktives Steinkohlenbergwerk des Saarlands die Förderung ein. Der Bergbau an der Saar geht nach 150 Jahren zu Ende. Das ist bitter. Doch der Ablauf dieses Prozesses liefert ein Vorbild dafür, wie ein massiver Umbruch, wenn es denn unvermeidlich ist, sozialverträglich gestaltet werden kann. Deshalb gibt dieses Datum auch vielfältigen Anlass, Dank zu sagen: der Konzernmutter RAG, den Betriebsräten und Vertrauensleuten, den Politikern, die verantwortungsbewusst mit den Bergleuten und ihren Familien umgegangen sind. Glück auf! Ich wünsche allen IG-BCE-Mitgliedern, ihren Familien und ihren Freunden ein gesundes, glückliches und erfolgreiches 2012!

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vor ort Westfalen NA M EN & NACHRICH T EN

Jung und streibar

Schwibbogen lässt Gladbeck leuchten

gladbeck | Ortsgruppe Brauck feiert 60-jähriges Jubiläum

gladbeck | Ein be-

»Wir sind 60 Jahre jung, zwar weiser, aber auch rauflustig und streitbar für unsere Mitglieder. Auch in Zukunft werden wir als IG-BCE-Ortsgruppe Brauck vernehmbar bleiben.« Mit diesen Worten skizzierte György Angel, der Vorsitzende der IG-BCE-Ortsgruppe Brauck, das Geburtstagskind. Anlässlich ihres 60-jährigen Bestehens hatte die Ortsgruppe zu einem politischen Empfang eingeladen. Angel weiter: »Die IG-BCEOrtsgruppe Brauck betreut ihre Mitglieder auch dann, wenn sie das Werktor verlassen haben. Und weil sie als Arbeitnehmer andere Ansprüche an ihren Stadtteil haben als Ärzte oder Rechtsanwälte, gestalten wir unseren Stadtteil mit.« Unter den zahlreichen Gästen – allen voran die Mitglieder der Ortsgruppe –, die An-

sonderes Schulprojekt wird durch den REVAG-Geschichtsverein der IG-BCESenioren und das IG-BCE-Regionalforum an der Förderschule in Gladbeck umgesetzt. Dort wurde schon länger kein handwerklicher Unterricht mehr erteilt. Zum Ausgleich setzen die IG-BCESenioren nun gemeinsam mit Schülern in drei Doppelstunden das Projekt »Gladbeck leuchtet« um: Sie bauen einen großen bergmännischen Schwibbogen von stattlichen fünf mal drei Metern. Walter Hüßhoff, Vorsitzender des Regionalforums: »Nach der Fertigstellung 2012 wird der Schwibbogen vor dem Rathaus der Stadt Gladbeck hell erleuchten und so die gemeinsame Solidarität aller Kulturen darstellen.«

Vertrauensleute im Landtag düsseldorf | »Politik zum Anfassen«, lautete das Fazit von Andreas Ostdorf, Vertrauensleutekörper-Vorsitzender der RAG Montan Immobilien, nach einem Tag im Düsseldorfer Landtag. Mit dem Vorsitzenden der SPD-Landtagsfraktion, Norbert Römer (Bildmitte), diskutierten die Vertrauensleute verkehrspolitische Themen.

gel begrüßen konnte, waren auch Guntram Schneider, NRW-Landesminister für Arbeit, Soziales und Integration, Kurt Hay, der Vorsitzende des Landesbezirks Westfalen, und der Gladbecker Bürgermeister Ulrich Roland. Hay erinnerte an die Gründung der Ortsgruppen, die auf einer Generalversammlung der damaligen IG Bergbau 1950 beschlossen wurde: »Dadurch hatten wir als Gewerkschaft nicht nur ein Standbein auf den Schachtanlagen, sondern auch in den Wohnorten. Durch die Gründung der Regionalforen werden die gewerkschaftlichen Kräfte gebündelt.«

Neue Stellvertreterin

Erdgasförderung im Münsterland

Bochum | Heike Arndt in die Landesbezirksleitung gewählt

herbern-lüdinghausen | Der Vorstand der Ortsgruppe

Heike Arndt (Foto) wurde Ende November zur neuen stellvertretenden Landesbezirksleiterin Westfalen gewählt. Damit wird sie Jürgen Grunwald zum 1. Mai in seiner langjährigen Funktion ablösen. Jürgen Grunwald geht in die Regelaltersrente. Angefangen hat Heike Arndt als Sekretärin im heutigen Bezirk Köln-Bonn mit

Herbern-Lüdinghausen befasste sich in seiner Klausurtagung mit dem Thema »Förderung des unkonventionellen Erdgases im Münsterland«. Auf dem Gebiet der Ortsgruppe sollen Probebohrungen niedergebracht werden. Durch das sogenannte »Fracking« wird in Gesteinsschichten gebundenes Erdgas gelöst. Der Vorstand steht der Nutzung heimischer Rohstoffe und Energieträger positiv gegenüber. Zugleich betonte er, höchste Umweltstandards seien unerlässlich.

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den Schwerpunkten Chemie und Jugendarbeit. Dann wechselte sie mit den Themenfeldern Organisation, Frauenarbeit und Sozialpolitik in den Landesbezirk Nordrhein. Als stellvertretende Bezirksleiterin wechselte sie dann in den Bezirk Alsdorf. Für ein Jahr arbeitete Arndt danach als Bezirksleiterin in Bonn, um die Fusion der Bezirke Köln und Bonn vorzubereiten. Seit 2006 ist sie Bezirksleiterin im Bezirk Alsdorf.


Gut arbeiten und leben

NA M EN & NACHRICH T EN

haltern | Betriebsrätinnenkonferenz des Landesbezirks

Bergparade am Barbaratag

»Aktiv, kompetent, mittendrin – Betriebsrätinnen gestalten die Zukunft« – so lautete das Motto der zweiten Betriebsrätinnenkonferenz des IG-BCE-Lan- Rund 80 Betriebsrätinnen aus dem gesamten desbezirks West- Landesbezirk waren zur zweiten Betriebsfalen. Dazu trafen rätinnenkonferenz in das IG-BCE-Bildungssich Ende Novem- zentrum Haltern am See gekommen. ber rund 80 Kolleginnen im Bildungszentrum als bisher in unserer GewerkHaltern am See. Im Mittel- schaft und in ihren Betrieben punkt stand die IG-BCE-Kam- zu Wort melden und dort schwungvoll und mitgliederpagne »Gute Arbeit«. Die Schwerpunkte stellte stark ihre Ideen umsetzen«, Yasmin Fahimi, Ressortleite- griff Yasmin Fahimi auf: »Wir rin Politische Bildung in der müssen Anreize schaffen, um noch mehr junge KolleginIG-BCE-Hauptverwaltung, vor. In zwei Foren tauschten nen für die Mitarbeit im Besich die Kolleginnen dann triebsrat zu gewinnen. Diese über Einzelaspekte wie be- Talentsuche ist ein zentrales triebliches Gesundheitswe- Projekt. Und uns Frauen geht sen, Entgelt-Strukturanalyse es dabei vor allem um eines: und die Vereinbarkeit von Ich will Kraft für meine Arbeit und mein Leben! Dafür maFamilie und Beruf aus. In seiner Begrüßung be- chen Betriebsrätinnen gute tonte Landesbezirksleiter Kurt Arbeit.« »Gute Arbeit« heiße, aktiv Hay, dass der Landesbezirk Westfalen den höchsten in der Gestaltung zahlreicher neuer Arbeitsformen und Frauen-Organisationsgrad habe. Die Aktion »Frauen Arbeitsverhältnisse mitzuwirwerben Frauen« habe sich als ken: »Das ist eine Kernaufgasehr erfolgreich erwiesen und be des Betriebsrates!« Die Unsoll deshalb 2012 fortgesetzt sicherheiten am Arbeitsmarkt, die Yasmin Fahimi als einen werden. Die vom IG-BCE-Vorsitzen- von drei großen Trends des den Michael Vassiliadis auf Themas »Gute Arbeit« nannte, dem Zukunftskongress ge- müssten verringert werden: nannten Ziele »Dreimal 30« »Wir müssen es schaffen, dass unterstrich Hay ganz be- der Wert der Arbeit wieder sonders: »Wir wollen 30 Pro- einen anderen, höheren Stelzent Frauenanteil in der lenwert bekommt und als InIG BCE, 30 Prozent Frauen vestition und nicht bloß als in unseren Führungsebenen Kostenfaktor gesehen wird.« Dazu gehöre auch, als Beund 30 Prozent Frauen in den von uns benannten Aufsichts- triebsrat aktiv die zunehmende Entgrenzung von Arräten!« Seinen Appell, Frauen mö- beit und Privatleben aufzugen sich künftig »noch stärker halten.

Recklinghausen |

Bergleute und viele Familien fanden sich am Barbaratag auf dem Kirchplatz St. Peter in Recklinghausens Innenstadt ein. Der vom IGBCE-Regionalforum Recklinghausen gesponserte Glühwein schmeckte bei weihnachtlicher Atmosphäre und winterlichen Temperaturen besonders gut. Das Auguste-Victoria-Bergwerksorchester und der Knappenchor General Blumenthal sorgten für den musikalischen Hintergrund. Traditionell trugen die Bergleute ihre Schutzpatronin dann durch die Innenstadt, begleitet vom Spielmannszug und Fahnenabordnungen verschiedener Bergmannsvereine.

IG-BCE-Café zum Nikolaus marl | Am Nikolaustag veranstaltete der IG-BCE-Vertrauenskörpervorstand des Gemeinschaftsbetriebes in Marl ein vorweihnachtliches Nikolauscafé in der Marler Vesthalle. Neben dem Gratis-Kaffee und den Plätzchen gab es bei einer Tombola kleine Preise zu gewinnen, die der Nikolaus persönlich den glücklichen Gewinnern überreichte. Das Café wurde verantwortlich von Peter Korte (Foto) organisiert. Es gab interessierten Kolleginnen und Kollegen die Gelegenheit, mit Betriebsräten und hauptamtlichen Gewerkschaftern zu sprechen.

Lichterfest in Dorsten Dorsten | Wo alle ehrenamtlichen Vereine und Organisationen der Stadt Dorsten zum Mitmachen aufgerufen waren, durfte auch die IG BCE nicht fehlen. So schlossen sich die drei Dorstener Ortsgruppen Altstadt/Holsterhausen, Hervest und Wulfen zusammen und organisierten ihre Teilnahme. »Wer seid ihr denn? Und was heißt denn IG BCE?« Mancher Schüler und Jugendliche hatte so erstmals Kontakt zu einer Gewerkschaft.

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vor ort Baden-Württemberg

Danke für 60 Jahre

Im Rahmen ihrer Jubilarfeier hat die Ortsgruppe Kornwestheim Kurt Albrecht (Mitte) für 60 Jahre Mitgliedschaft in der IG BCE geehrt. Die Laudatio hielt Helmut Göbeke-Teichert, der ehemalige Leiter des Bezirks Kornwestheim. Er erinnerte daran, dass Albrecht am 1. August 1951, an seinem ersten Arbeitstag bei Salamander, in die Gewerkschaft eintrat. Schon in den 60er-Jahren war er Betriebsrat und seit 1991 auch Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat. Kritisch und konstruktiv hat er die Fusion der drei Gewerkschaften Leder, Bergbau und Energie sowie IG ChemiePapier-Keramik begleitet. Für seine zahlreichen Verdienste und vielen ehrenamtlichen Tätigkeiten erhielt er schon in den 90er-Jahren die Hans-Böckler-Medaille, die höchste Auszeichnung des DGB. Noch heute ist Albrecht Versichertenvertreter bei der AOK Baden-Württemberg und bei der Deutschen Rentenversicherung im Widerspruchsausschuss.

Ehrung in Ludwigsburg

24 Jubilare hat Bezirksleiter Andreas Klose zur zentralen Jubilarehrung in Ludwigsburg willkommen geheißen. In einem festlichen Rahmen begrüßte er die langjährigen Mitglieder und berichtete von vergangenen Erfolgen der IG BCE ebenso wie von künftigen Herausforderungen. Ein besonderer Jubilar war Rainer Holland-Moritz, stellvertretender Bezirksleiter in Kornwestheim. Er wurde an diesem Abend für 40 Jahre Mitgliedschaft geehrt.

Jubilarfeier in Beckstein

Rittermahl auf Schloss Hornberg

492 Jubilare hat der Karlsruher Bezirk in den vergangenen Monaten geehrt – nicht nur, aber auch auf dem Schloss Hornberg. Dort freute sich Sekretär Thomas Niebrügge ganz besonders, Hermann Wöhrle (Fünfter von links) für 60 Jahre Treue zur IG BCE »Danke« zu sagen. Das anschließende opulente Rittermahl bleibt den Teilnehmern wohl ebenso lange in schöner Erinnerung wie das bunte Unterhaltungsprogramm mit waschechten Gauklern.

30 | kompakt | Januar 2012

Ihre treuesten Mitglieder aus dem nördlichsten Teil BadenWürttembergs hat die IG BCE in Beckstein geehrt. Nach einem ausgiebigen Abendessen lauschten die Jubilare der Festrede von Sekretärin Sylvia Nosko, die sich ganz besonders freute, alte Weggefährten aus ihrer Zeit als Ehrenamtliche wiederzutreffen. Neben zwei 40-jährigen Jubilaren wurden mit Christian Beck, Kurt Hilbig, Wolfgang Klein und Heinz Migas auch vier Mitglieder geehrt, die seit 50 Jahren der Gewerkschaft die Treue halten.


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vor ort Nord

Wilhelmshaven

Hohe Heide

Bei der Jubilarehrung in Wilhelmshaven wurde Karl Kern, der im Februar 85 Jahre alt wird, für 70 Jahre in der Gewerkschaft geehrt. Kern (auf dem Foto Fünfter von links) war Betriebsrat und sammelte unter anderem Mitgliedsbeiträge ein. Die Oldenburger Bezirksleiterin Vera Ackermann (Dritte von links) zeichnete ihn zusammen mit neun weiteren Jubilaren aus.

Reinhard Wendt, Vorsitzender der Ortsgruppe Hohe Heide, bedankte sich bei den 130 Jubilaren für ihre langjährige Treue zur Gewerkschaft. Vier Kollegen bekamen Urkunden und Geschenke für 60-jährige Mitgliedschaft. Auf dem Foto von links: Ortsgruppenvorsitzender Reinhard Wendt, die Jubilare Helmut Lohmann, Heinz Rohde, Heinz Tutass, Wilhelm Amelung und Peter Antoszewski, Leiter der Abteilung Organisation.

Brunsbüttel

Neumünster-Kaltenkirchen

Heute führt der 76-jährige Tuchmachermeister aus Neumünster im Museum historische Textilmaschinen vor. Vor 60 Jahren trat Johannes Jürgens (auf dem Foto Fünfter von rechts) in die Gewerkschaft ein. Er wurde für seine Treue zusammen mit anderen langjährigen Mitgliedern vom Vorsitzenden der Ortsgruppe Neumünster-Kaltenkirchen, Rolf Faust (ganz rechts), geehrt. Ekkehard Sieg vom IG-BCE-Bezirk Schleswig-Holstein (ganz links) betonte bei der Ehrung den Wert gewerkschaftlicher Solidarität und dankte den Jubilaren für ihren Einsatz.

Gewerkschaftssekretär Andreas Suß (rechts auf dem Foto) vom Bezirk Schleswig-Holstein ehrte die Jubilare der Ortsgruppe Brunsbüttel für ihre Treue zur Organisation.

Lübeck-Ostholstein

Rudolf Mildenberger, Vorsitzender der Ortsgruppe Lübeck-Ostholstein (rechts) und der ehemalige Gewerkschaftssekretär Dieter Pemöller (links) gratulierten Otto Rieth aus Eutin bei der Ehrung in Lensahn für 75 Jahre Treue zur Gewerkschaft.

Wolfenbüttel

Für 75 Jahre Treue zur Gewerkschaft wurde der 89-jährige Horst Bach (Foto) aus Helmstedt im Schöninger Schloss geehrt. Mit ihm wurden 227 weitere Jubilare für 25- bis 75-jährige Mitgliedschaft ausgezeichnet. Der Wolfenbütteler Bezirksleiter Jörg Liebermann hob den starken Zusammenhalt in der Gewerkschaft hervor, in der viele auch im Ruhestand Mitglied bleiben.

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Lübeck

»Wenn jeder sein Gehalt allein aushandeln müsste, wäre das schwierig«, meint Fritz Strehse (auf dem Foto Siebter von rechts). Er trat deshalb 1951 in Bad Schwartau als Maurerlehrling in die Gewerkschaft ein. Zusammen mit anderen Jubilaren wurde er in Lübeck für seine langjährige Mitgliedschaft ausgezeichnet.


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vor ort Nordrhein

Issum

H e i n s b e rg /G a n g e l t

2011 feierte die IG-BCE-Ortsgruppe Issum ihr 60-jähriges Bestehen und nutzte das Fest, um verdiente Mitglieder zu ihrem Gewerkschaftsjubiläum zu ehren. Als Festrednerin war Edeltraud Glänzer vom geschäftsführenden Hauptvorstand der IG BCE aus Hannover angereist. Bei einem ausgiebigen Abendessen, Musik, Tanz und Magie wurde bis spät in die Nacht gefeiert. Insgesamt wurden 29 Mitglieder für ihre Treue zur Gewerkschaft ausgezeichnet. Besonders gewürdigt wurde Hermann Hamelmann für 70 Jahre Mitgliedschaft. Seit 60 Jahren gehören Johann Boos, Hans Driever und Hans Roedig dazu, seit 50 Jahren Heinz Traupe, Peter Hofmann und Johann Helmes.

Traditionell nutzt die Ortsgruppe Heinsberg/Gangelt ihre Barbarafeier Anfang Dezember auch zur Ehrung der Jubilare. Diözesan-Präses Kalle Laurier zelebrierte eine Messfeier, bei der wie auch in den vergangenen Jahren die Messdiener in Bergmannkitteln erschienen. Willi Klaßen, Vorsitzender der Ortsgruppe, begrüßte zur anschließenden Jubilarfeier zahlreiche Gäste, unter anderem Heike Arndt, Bezirksleiterin der IG BCE in Alsdorf. 47 Jubilare wurden geehrt. Befragt nach ihren Beweggründen, in die Gewerkschaft einzutreten, erklärten die Jubilare, die seit 60 Jahren dabei sind, einmütig: »Der Vater sagte, du gehst zuerst in die Gewerkschaft. Und so wurde es dann auch gemacht.«

Rheinberg

Elsdorf

Rund 40 Jubilare waren bei der Jubilarfeier der Ortsgruppe Rheinberg persönlich erschienen – auch Heinrich Prangen ließ es sich nicht nehmen, gemeinsam mit seinem Enkel die Glückwünsche für 75 Jahre Mitgliedschaft entgegenzunehmen. Für 60 Jahre Mitgliedschaft bedankte sich Viola Denecke, stellvertretende Leiterin des Landesbezirks Nordrhein, bei Herbert Dickmann, Max Rosh und Friedrich Schmitz.

2011 war für Heinrich Drewes ein ganz besonderes Jahr. Er feierte nicht nur seinen 90. Geburtstag, sondern konnte auch sein 75-jähriges Gewerkschaftsjubiläum begehen. Der gebürtige Gelsenkirchener wurde 1936 gleich zu Beginn seiner Ausbildung zum Karosseriebauer Mitglied der Gewerkschaft. Am 18. Juni 1945 fuhr er seine erste Schicht auf der damaligen Zeche Consul und ging 1977 in den Vorruhestand.

Moers-Repelen

28 IG-BCE-Mitglieder wurden für ihre langjährige Gewerkschaftsmitgliedschaft von Christian Stutz, dem Vorsitzenden der Ortsgruppe, und von Heinz-Jürgen Wagener, Pfarrer der evangelischen Gemeinde Moers-Repelen, geehrt.

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Utfort-Eick

Für ihre langjährige Treue ehrte der Ortsgruppenvorstand Utfort-Eick zahlreiche Gewerkschaftsmitglieder. 60-jähriges Gewerkschaftsjubiläum begingen Friedrich Baldin, Dieter Meyer, Siegfried Müller, Manfred Schiller und Georg Schneider. 50 Jahre sind Rainer Bräcker, Fritz Ewert, Horst Hilse, Karl Klein, Reinhard Koch, Horst Möllenhoff, Erwin Nowakowski, Günter Resch, Manfred Schneider und Heinz Wuellenweber dabei.


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vor ort Westfalen

Ahlen

Seit 40 Jahren Mitglied.

Seit 60 Jahren Mitglied.

Seit 70 und 75 Jahren Mitglied.

Eine stolze Zahl: 147 Jubilare hatte die IG-BCE-Ortsgruppe Ahlen mit ihren Partnern eingeladen, um ihnen den Dank für ihre langjährige Treue auszudrücken. Kurt Hay, Vorsitzender des Landesbezirks Westfalen, ließ Ereignisse der Jahre Revue passieren, in denen die Jubilare in die Gewerkschaft eingetreten sind. So konnten er und der Vorsitzende der Ortsgruppe, Marc Senne, sieben Kollegen für besonders langjährige Mitgliedschaft ehren: Seit 75 Jahren sind Willi Hartleif, Willi Wigger und Hermann Windmüller Mitglied der Gewerkschaft; seit 70 Jahren Willi Alexander, Erich Kaminski, Hermann Reichelt und Siegfried Volkmann. Für ihre 60-jährige Mitgliedschaft wurden geehrt: Adolf Englisch, Helmut Fack, Hermann Froehlich, Reinhold Galonska, Heinz Grote, Franz Kampmann, Wilhelm Kersenfischer, Hermann Kirchner, Horst Knop, Franz Kru-

sic, Hans Müller, Karl-Heinz Neuhaus, Wolfgang Peeters, Herbert Penquitt, Olaf Rueth, Alfred Schulz, Rudolf Schwemmer und August Toppmoeller. Seit 50 Jahren dabei sind: Berni Bücker, Erwin Burr, Horst Heppke, Josef Kazmierczak, Gerhard Kordes, Max Laurinat, Franz Nelle, Johannes Papp, Lothar Rolf, Helmut Sandbothe, Friedhelm Schulte, Udo Toschka, Lothar Weber und Günter Wittkowsky. Auf eine 40-jährige Mitgliedschaft blicken zurück: Selahattin Akbas, Detlef Assmann, Enver Ayhan, Klaus-Dieter Basener, Sadettin Bastürk, Hueseyin Bayhan, Dietmar Bobrowski, Sefer Bosnak, Dursun Bulut, Hüseyin Burus, Rolf Cabanski, Mahmut Cakti, Rauf Cekirge, Tahsin Cingal, Hans-Jürgen Dahmann, Muzaffer Demirci, Ibrahim Demirkaynak, Karl-Heinz Dusek, Peter Flis, Mara Franjic, Albert Gawel, Hasan Gencer, Dieter Gerbsch, Wolfgang Giemsa, Kadir Gueneri, Helmut Guennewig, Hüse-

yin Guenoez, Mehmet Günay, Siegfried Jeschke, Mehmet Karakiraz, Cemil Kaya, Necmi Kayacan, Karl-Heinz Kersting, Dieter Kircheis, Hans Klose, Sadettin Kosar, Ibrahim Kosmak, Jürgen Krenz, Bernhard Lube, Erwin Marquardt, Jürgen Masek, Satilmis Merdivan, Naci Mersinli, Heinz-Günter Meyer, Osman Mujakovic, Johann Müller, Serafettin Mutlu, Klaus-Dieter Nowicki, Ismail Özkara, Cevat Özmen, Sebahattin Öztürk, Herbert Paetsch, Reinhard Pahl, Ahmet Pazar, Alexander Piel, Ingrid Plotka, Horst Probst, Necati Puer, Fred Rappe, Rudolf Rehorn, Dieter Roggenkemper, Franz-Guenter Roth, Franz Rump, Hans-Werner Schmidt, Franz Schomacher, Christel Schulz, Karl Schulz, Hans-Jürgen Schulze, Ahmet Seker, Dieter Stasch, Recep Süzer, Muzaffer Tasa, Kemal Torlakoglu, Sahin Tuetuencueoglu, Yasar Türkoglu, Necati Tütüncüoglu, Udo von Essen, Roland Wally und Ceyettin Yaman.

Vergin. Seit 50 Jahren dabei sind Friedrich Gratzki, Elmar Hausherr, Erich John, Wilhelm Kallwicki, Helmut Kopmann, Friedhelm Lubinski, Wolfgang Mazannek, Burckhard Pöther, Berthold Rühl, Friedhelm Schulz, Rudi Treptow und Manfred Wiesner. Für 40-jährige Mitgliedschaft ausgezeichnet wurden Jürgen Betke, Kadir Can, Gerold Czok, Norbert Czora, Rudolf Falkenberg, Manfred Federsel, Dursun-Ali Gün, Peter Hempel, Udo

Hempel, Rolf Johann, Walter Kassautzki, Herbert Koschewitz, Klaus Kralicek, Lothar Lüdemann, Udo Machowiak, Peter Mackowiak, Helmut Meise, Bernhard Poeter, Herbert Raab, Herbert Schimpf, Wilhelm Schnabel, Jürgen Schwerma, Hermann Siepmann, Jürgen Wegener, Klaus Woehrmann und Werner Zeis.

Regionalforum Herten

Werner Zeis, Sprecher des Regionalforums Herten, ging neue Wege: Er ehrte die 60 Jubilare der Hertener Ortsgruppen Disteln, Herten 1, Langenbochum, Paschenberg und Scherlebeck nicht am Abend, sondern tagsüber in der festlich dekorierten Scheune bei Bauer Südfeld. Einer von ihnen, Heinrich Weigel, ist bereits seit 75 Jahren Mitglied der Gewerkschaft und seit 70 Jahren dabei sind Bernhard Bukowsk, Karl-Heinz Labusch und Heinrich Weissfahl. Für ihre 60-jährige Mitgliedschaft geehrt wurden Manfred Kleinebudde, Herbert Kortkamp, Kurt Malke, Meinhard Prockner, HansEgon Seifert, Günter Swientek und Hans

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Einer von uns

Manfred Dormann rennt und rennt, sammelt Titel – und alles nur wegen eines Wegeunfalls.

Fotos: Stefan Koch

Gleich wieder loslaufen

E

in Unfall veränderte alles. Am Morgen des 14. Februar fuhr Manfred Dormann zur Frühschicht, als ein Lkw auf der Gegenfahrbahn ins Schleudern kam. Der tonnenschwere Aufleger krachte in das Dach seines Autos. Der damals 45-Jährige konnte

61-Jährige heute. So begann er nach dem Unfall mit dem Laufen. Und lief im Herbst 2000 schon bei einem Volkslauf mit. Heute wird Manfred Dormann kribbelig und unruhig, wenn er mal einen Tag nicht laufen oder ins Fitnesscenter gehen kann. Und entwickelte sich zum Medail-

»Ich habe ganz oft im Ziel das Gefühl, gar nicht lang gelaufen zu sein.« noch reagieren, den Kopf zur Seite reißen – trotzdem brachen zwei Halswirbel, alle Bänder im Halsbereich rissen, dazu waren mehrere Bandscheiben verletzt. Nach sechs Stunden Not-OP und nur sechs Wochen Pause arbeitete Dormann wieder – und hörte auf den Rat seines Arztes. »Der sagte mir damals, dass Laufen gut gegen Kopfschmerzen und Rückenprobleme sei«, schildert der 30 | kompakt | Januar 2012

len- und Titel-Hamsterer. Ob bei Volksläufen, auf der Stadionbahn, im Crossoder Berglauf und bei Marathons – überall eilt Dormann von Erfolg zu Erfolg. Als Chemiearbeiter bei BASF Coatings in Würzburg hat er viele Jahre in der Produktion von Autolacken gearbeitet. Zwischen 2003 und 2008 leitete er ehrenamtlich den Vertrauensleute-Körper seiner Firma. Da ging es auch darum, für die Mitgliedschaft in der Gewerkschaft

zu werben. »In meiner Abteilung waren am Ende alle IG-BCE-Mitglieder«, sagt er stolz. Seit November 2010 arbeitet Manfred Dormann nicht mehr – er nutzte eine Regelung zur Altersteilzeit. Nun will er vor allem eines: Laufen. Das Streben nach Bestzeiten ist zu seiner neuen Vollzeitbeschäftigung geworden. Bei den Europameisterschaften im französischen Thionville gewann er 2011 dreimal Gold im Straßen- und TeamCrosslauf seiner Altersklasse. Und im Mai 2011 wurde er in Hamburg deutscher Marathonmeister. »Ich habe ganz oft im Ziel überhaupt nicht das Gefühl, einen langen Lauf absolviert zu haben«, sagt Dormann. »Mir geht es dann derart blendend, dass ich gleich noch mal loslaufen könnte.« Hartmut Heß/nor Sie kennen ein IG-BCE-Mitglied mit außergewöhnlichem Hobby? Dann schreiben Sie uns: kompakt@igbce.de


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Tendenzen Pflege

Foto: Wonge Bergmann

Ich will nach Hause Wie sein demenzkranker Vater einen Tag erlebt, hat der Schriftsteller Arno Geiger in dem

Buch »Der alte König in seinem Exil« beschrieben. kompakt druckt einen Auszug.

W

enn ich zu Hause bin, was nicht allzu oft vorkommt, da wir die Last der Betreuung auf mehrere Schultern verteilen können, wecke ich den Vater gegen neun. Er liegt ganz verdattert unter seiner Decke, ist aber ausreichend daran gewöhnt, dass Menschen, die er nicht erkennt, in sein Schlafzimmer treten, sodass er sich nicht beklagt. »Willst du nicht aufstehen?«, frage ich ihn freundlich. Und um ein wenig Optimismus zu verbreiten, füge ich hinzu: »Was für ein schönes Leben wir haben.« Skeptisch rappelt er sich hoch.

»Du vielleicht«, sagt er. Ich reiche ihm seine Socken, er betrachtet die Socken ein Weilchen mit hochgezogenen Augenbrauen und sagt dann: »Wo ist der dritte?« Ich helfe ihm beim Anziehen, damit das Prozedere nicht ewig dauert, er lässt es bereitwillig über sich ergehen. Anschließend schiebe ich ihn hinunter in die Küche, wo er sein Frühstück bekommt. Nach dem Frühstück fordere ich ihn auf, sich rasieren zu gehen. Er sagt augenzwinkernd: »Ich wäre besser zu Hause geblieben. Dich komme ich nicht so schnell wieder besuchen.« (. . .)

Weil man als Kind seine Eltern für

stark hält und glaubt, dass sie den Zumutungen des Lebens standhaft entgegentreten, sieht man ihnen die allmählich sichtbar werdenden Schwächen sehr viel schwerer nach als anderen Menschen. Doch mittlerweile habe ich in die neue Rolle einigermaßen gut hineingefunden. Und ich habe auch gelernt, dass man für das Leben eines an Demenz erkrankten Menschen neue Maßstäbe braucht. Wenn mein Vater sich bedanken möchte, soll er sich bedanken, auch ohne nachvollziehbaren Anlass, und wenn er sich darüber beklagen will, dass

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TENDENZEN Pflege

ihn alle Welt im Stich lässt, soll er sich beklagen, egal, ob seine Einschätzung in der Welt der Fakten standhalten kann oder nicht. Für ihn gibt es keine Welt außerhalb der Demenz. Als Angehöriger kann ich deshalb nur versuchen, die Bitterkeit des Ganzen ein wenig zu lindern, indem ich die durcheinandergeratene Wirklichkeit des Kranken gelten lasse. Da mein Vater nicht mehr über die

Brücke in meine Welt gelangen kann, muss ich hinüber zu ihm. Dort drüben, innerhalb der Grenzen seiner geistigen Verfassung, jenseits unserer auf Sachlichkeit und Zielstrebigkeit ausgelegten Gesellschaft, ist er noch immer ein beachtlicher Mensch, und wenn auch nach allgemeinen Maßstäben nicht immer ganz vernünftig, so doch irgendwie brillant. Eine Katze streift durch den Garten. Der Vater sagt: »Früher hatte ich auch Katzen, nicht gerade für mich allein, aber als Teilhaber.« Und einmal, als ich ihn frage, wie es ihm gehe, antwortet er: »Es geschehen keine Wunder, aber Zeichen.« 32 | kompakt | Januar 2012

»Das Leben ist ohne Probleme auch nicht leichter.« Und dann ansatzlos Sätze, so unwahrscheinlich und schwebend, wie sie einem manchmal in Träumen kommen: »Das Leben ist ohne Probleme auch nicht leichter.« Witz und Weisheit des August Geiger. Schade nur, dass die Sprache langsam aus ihm heraussickert, dass auch die Sätze, bei denen einem vor Staunen die Luft wegbleibt, immer seltener werden. Was da alles verloren geht, das berührt mich. Es ist, als würde ich dem Vater in Zeitlupe beim Verbluten zusehen. Das Leben sickert Tropfen für Tropfen aus ihm heraus. Die Persönlichkeit sickert Tropfen für Tropfen aus der Person heraus. Noch ist das Gefühl, dass dies mein Vater ist, der Mann, der mitgeholfen hat, mich großzuziehen, intakt. Aber die Momente, in denen ich den Vater aus früheren Tagen nicht wiedererkenne, werden häufiger, vor allem abends.

Die Abende sind es, die einen Vorge-

schmack auf das liefern, was bald schon der Morgen zu bieten haben wird. Denn wenn es dunkel wird, kommt die Angst. Da irrt der Vater rat- und rastlos wie ein alter König in seinem Exil. Dann ist alles, was er sieht, beängstigend, alles schwankend, instabil, davon bedroht, sich im nächsten Moment aufzulösen. Und nichts fühlt sich an wie zu Hause. Ich sitze seit einiger Zeit in der Küche und tippe Notizen in meinen Laptop. Im Wohnzimmer läuft der Fernseher, und der Vater, der von dort Stimmen hört, schleicht auf Zehenspitzen durch die Diele, lauscht und murmelt mehrmals bei sich: »Das sagt mir nichts.« Dann kommt er zu mir in die Küche, tut so, als schaue er mir beim Schreiben zu. Aber ich merke mit einem Seitenblick, dass er Unterstützung braucht. »Willst du nicht ein bisschen fernsehen?«, frage ich. »Was habe ich davon?« »Naja, Unterhaltung.«


»Die Momente, in denen ich den Vater aus früheren Tagen nicht wiedererkenne, werden häufiger.« Arno Geiger und sein Vater August.

Fotos: Wonge Bergmann

»Ich möchte lieber heimgehen.« »Du bist zu Hause.« »Wo sind wir?« Ich nenne Straße und Hausnummer. »Naja, aber viel bin ich hier nie gewesen.« »Du hast das Haus Ende der fünfziger Jahre gebaut, und seither wohnst du hier.« Er verzieht das Gesicht. Die Informationen, die er gerade erhalten hat, scheinen ihn nicht zu befriedigen. Er kratzt sich im Nacken: »Ich glaube es dir, aber mit Vorbehalt. Und jetzt will ich nach Hause.« Ich schaue ihn an. Obwohl er seine Verstörung zu verbergen versucht, ist ihm anzumerken, wie sehr ihm der Moment zu schaffen macht. Er ist voller Unruhe, Schweiß steht auf seiner Stirn. Der Anblick dieses kurz vor der Panik stehenden Menschen geht mir durch Mark und Bein. Der quälende Eindruck, nicht zu

Hause zu sein, gehört zum Krankheitsbild. Ich erkläre es mir so, dass ein an Demenz erkrankter Mensch aufgrund seiner inneren Zerrüttung das Gefühl der Geborgenheit verloren hat und sich an einen Platz sehnt, an dem er diese

Geborgenheit wieder erfährt. Da jedoch das Gefühl der Irritation auch an den vertrautesten Orten nicht vergeht, scheidet selbst das eigene Bett als mögliches Zuhause aus. Um es mit Marcel Proust zu sagen, die wahren Paradiese sind die, die man verloren hat. Ortswechsel bewirken in so einem Fall keine Besserung, es sei denn, durch die bloße Ablenkung, die man genauso gut, wenn nicht besser, durch Singen erreicht. Singen ist lustiger, demente Menschen singen gern. Singen ist etwas Emotionales, ein Zuhause außerhalb der greifbaren Welt. (. . .) Ich schalte den CD-Player ein. Helga, meine Schwester, hat für solche Zwecke eine Sammlung mit Volksliedern gekauft. Hoch auf dem gelben Wagen – Zogen einst fünf wilde Schwäne. Oft funktioniert der Trick. Wir trällern eine halbe Stunde lang, der alte Mann legt sich zwischendurch so sehr ins Zeug, dass ich lachen muss. Der Vater lässt sich anstecken, und da es ohnehin an der Zeit ist, nutze ich den Moment und dirigiere ihn nach

oben in sein Schlafzimmer. Er ist jetzt guter Stimmung, obwohl es mit dem Überblick über Zeit, Raum und Ereignisse noch immer schlecht steht; aber das bereitet ihm im Moment kein Kopfzerbrechen. Nicht siegen, überstehen ist alles, denke ich und bin von diesem Tag mittlerweile mindestens ebenso erschöpft wie der Vater. Ich sage ihm, was er zu tun hat, bis er in seinem Pyjama steckt. Er schlüpft von selbst unter die Decke und sagt: »Hauptsache, ich habe einen Platz zum Schlafen.« Er blickt um sich, hebt die Hand und grüßt jemanden, der nur für ihn vorhanden ist. Dann sagt er: »Man kann es hier schon aushalten. Es ist eigentlich ganz nett hier.« Die autobiografische Erzählung ist im Hanser-Verlag erschienen und kostet 17,90 Euro. Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Verlags. kompakt | Januar 2012 | 33


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TENDENZEN Integration

Zwei Welten in beiden Ländern zu hause – und doch

Fotos (5): Frank Rogner

fremd: Julia Osterwald hat eine deutschtürkische Familie besucht, die seit drei Generationen in Deutschland lebt.

Mehmet Tetik ist mit Leib und Seele Betriebsrat – er hilft gerne

Özcan Tetik arbeitet im Bergbau, weil er damit gutes Geld verdient

Der Fotograf Frank Rogner und ich treffen uns mit Mehmet Tetik an seinem Arbeitsplatz auf dem Bergwerk Auguste Victoria. Vor 23 Jahren hat er dort eine Ausbildung zum Berg- und Maschinenmann gemacht, dann lange unter Tage gearbeitet. Mittlerweile ist er freigestellter Betriebsrat. »Weil ich gut Deutsch konnte, wurde ich oft von meinen türkischen Kollegen um Vermittlung gebeten. Oder um Hilfe bei Übersetzungen«, sagt der 47-Jährige. »Irgendwann fragte dann jemand, warum ich nicht für den Betriebsrat kandidiere.« 1998 war das. Tetik stellte sich zur Wahl – und war erfolgreich. »Es macht mir Spaß, auch für andere einzustehen und ganz praktisch zu helfen«, sagt er. Mit der Arbeit auf dem Bergwerk folgte Tetik seinem Vater: Der kam 1967 mit dem Anwerbeabkommen nach Deutschland und war erst auf der Zeche Blumenthal, dann auf Auguste Victoria tätig.

Es ist 14:00 Uhr. Schichtwechsel auf dem Bergwerk Auguste Victoria. Wir warten auf die Arbeiter, die jetzt Feierabend haben, um ein Foto mit ein paar von ihnen gemeinsam mit Mehmet Tetik zu machen. Rußgeschwärzt tauchen sie einer nach dem anderen aus der Tiefe auf. Tetiks Sohn Faruk sollte unter den Arbeitern sein und sich hier mit uns treffen. Aber er kommt nicht. Stattdessen taucht plötzlich unerwartet ein anderes, bekanntes schwarzes Gesicht auf: Özcan Tetik, Mehmet Tetiks Großcousin, hat Feierabend. Seit morgens um 7:00 Uhr hat der 26-Jährige in über 1000 Meter Tiefe gearbeitet. Seit 2007 ist er auf dem Bergwerk Auguste Victoria beschäftigt. »Die Arbeit ist hart«, sagt er. »Hinterher bin ich immer erst einmal platt.« Das sei gewöhnungsbedürftig. Kurz darauf grinst er über das ganze Gesicht. »Aber man verdient gutes Geld.« Faruk hat die Verabredung mit uns vergessen. Also beschließen wir, noch schnell ein Foto von Mehmet zu machen, mit dem Förderturm von Auguste Victoria im Hintergrund.

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Zwei Generationen: Meryem Tetik mit ihrem Enkel Semih

Alte Freunde: Mehmet Sikli und Moharrem Tetik Moharrem Tetik, Mehmet Tetiks Onkel, ist heute Überraschungsgast. Mit Verbeugung und Handkuss wird er von seinen Verwandten begrüßt, ein ungewöhnliches Bild für mich. Er ist 1969 ist mit dem Anwerbeabkommen nach Deutschland gekommen. »Ich hatte nur einen Zettel mit der Adresse des Bergwerks, in dem ich arbeiten sollte, keine Unterkunft und konnte kein Wort Deutsch«, erzählt der 74-Jährige. Mit Händen und Füßen hat er sich durchgefragt, Straßenbahnen und Fahrräder bestaunt, die

er aus seinem Dorf nicht kannte. »Plötzlich stand ich vor einem Schild mit deutscher und türkischer Schrift, da war ich erleichtert«, sagt er. Zwei Monate wurde er unter Tage ausgebildet und bekam Deutschunterricht, um die wichtigsten Arbeitsanweisungen zu verstehen. Dann half ein Dolmetscher. »Ich wollte Deutsch lernen, deshalb habe ich viel mit meinen Kollegen gesprochen«, erzählt Moharrem Tetik. Mittlerweile spricht er es gut, wenn auch nicht fließend. Über 30 Jahre hat er im Bergbau gearbeitet.

Zehn Jahre lang hat Meryem Tetiks Mann Muhammet in Deutschland gearbeitet, während sie mit fünf kleinen Kindern in der Türkei lebte. Nur einmal im Jahr sei der Vater nach Hause gekommen, in der Tasche das Geld für ein ganzes Jahr, erzählt die 67-Jährige mir auf Türkisch, das ich nicht verstehe. Ihr Sohn Mehmet übersetzt. Sie versteht ein wenig deutsch, spricht gebrochen, aber nicht gerne. Mit ihren Enkeln redet sie türkisch. Weil die Familie in Deutschland auf Dauer eine bessere Zukunft sah, folgten Frau und Kinder dem Vater 1973. Drei Kinder bekam Meryem Tetik in Deutschland noch, war Hausfrau. Enkel Semih ist ein Jahr alt. Seine Mutter ist Türkin, der Vater Franzose.

In Deutschland ganz zu Hause: Faruk, Ferid und Ferdi (von links) Mehmet und Hanife Tetik haben drei Söhne: Ferid (27), einziges männliches Familienmitglied, das nicht im Bergbau, sondern bei den Recklinghäuser Werkstätten arbeitet, Industriemechaniker Faruk (22) und Ferdi (18), der eine Ausbildung zum Elektroniker macht und wie Faruk auf Auguste Victoria beschäftigt ist. Sie sind in Deutschland geboren, Ferid hat die deutsche, seine Brüder, noch, die türkische Staatsbürgerschaft. Jedes Jahr besuchen sie ihre Verwandten in der Türkei. Wo sie zu Hause sind, frage ich. »In Deutschland«, sagen alle. Und warum? »Weil ich hier geboren und aufgewachsen bin«, sagt Ferdi. »Weil ich hier eine Zukunft habe«, antwortet Faruk. kompakt | Januar 2012 | 35


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TIPPS Pflege

Foto: Martin Hahn/Fotolia.com

Zeit nehmen Mehrere Gesetze sollen es Arbeitnehmern ermöglichen, für die Pflege von Angehörigen zu Hause zu bleiben. kompakt erklärt, wie das genau ablaufen kann.

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flegebedürftigkeit bricht oft über Betroffene und ihre Angehörigen herein. »Häufig passiert das tatsächlich über Nacht«, erklärt Markus Siegmann, der als Pflegeberater der Knappschaft in Lünen arbeitet. »Zum Beispiel nach einem schweren Schlaganfall. Das ist ein Schock – und dann ist sehr viel zu organisieren.« Wenn Eltern, Partner oder Angehörige pflegebedürftig werden, sollten Arbeitnehmer deshalb schnell zwei Dinge tun: Einen Termin bei der Pflegeberatung ab-

machen und im Betrieb eine kurze Auszeit nehmen, um die Anfangszeit der Pflege zu organisieren. Die Pflegeberatung sollte man dann bei der Kasse des Pflegebedürftigen in Anspruch nehmen. Ist dieser etwa bei der Knappschaft kranken- und pflegeversichert, sollte man dort anrufen. Den Beratungstermin gibt es dann kurzfristig. »Gut ist es, wenn die Beratung in der Wohnung des Pflegebedürftigen stattfinden kann«, so Siegmann. Dann


Wer pflegt und die Arbeitszeit verändern will, kann dafür mehrere Gesetze nutzen:

§ §

Das Pflegezeitgesetz

Nach diesem Gesetz können pflegende Angehörige eine bis zu sechsmonatige Pflegezeit nehmen. Hierauf besteht ein harter Rechtsanspruch. Dies gilt jedoch nur für Betriebe mit mehr als 15 Beschäftigten. Die beabsichtigte Pflegepause (oder Arbeitszeitverkürzung) muss dem Arbeitgeber lediglich zehn Tage vor Beginn »angekündigt« werden. Zugleich muss dann erklärt werden, für welchen Zeitraum die Pflegezeit in Anspruch genommen werden soll. In der Pflegezeit sind auch Teilzeitlösungen möglich. Beschäftigte »sind von der Arbeitsleistung vollständig oder teilweise freizustellen«, heißt es im Pflegezeitgesetz. Ihnen wird also die freie Wahl zwischen einer zeitweisen Arbeitszeitverkürzung oder einem völligen Ausstieg aus dem Job gelassen. »Der Haken an der Sache ist aber, dass diese Pflegezeit nur maximal sechs Monate dauert«, warnt Pflegeberater Markus Siegmann von der Knappschaft. Nach diesem halben Jahr hat sich die pflegebedürftige Mutter oder der Vater vielleicht schon so an die Pflege durch die Tochter gewöhnt, dass für sie oder ihn gar nichts anderes mehr infrage kommt – und dann fängt der volle Job wieder an.«

Das Teilzeit- und Befristungsgesetz

Spielt der Arbeitgeber bei der Familienpflegezeit nicht mit, können Arbeitnehmer immer noch die Karte »Teilzeit- und Befristungsgesetz« ziehen. Dieses wenig bekannte Gesetz von 2001 schafft einen Rechtsanspruch auf eine (zeitlich unbegrenzte) Verkürzung der Arbeitszeit. Jeder Arbeitnehmer, der mehr als sechs Monate in einem Betrieb mit mehr als 15 Arbeitnehmern beschäftigt ist, kann danach verlangen, mit kürzerer Arbeitszeit tätig zu sein. Dann muss er aber natürlich auch mit entsprechend weniger Gehalt auskommen. Wer Teilzeit arbeiten will, muss dies mindestens drei Monate vorher beantragen. Wenn betriebliche Gründe dem entgegenstehen, darf der Arbeitgeber allerdings »Nein« zur beantragten Teilzeit sagen.

kann der Pflegeberater auch gleich prüfen, ob unter Umständen etwas in der Wohnung verändert werden muss. »Sinnvoll kann es sein, einen Toilettenstuhl anzuschaffen oder statt der Badewanne eine Dusche einzubauen. Dafür gibt es ja auch Zuschüsse.« Die Organisation der Pflege erfor-

dert vor allem einen freien Kopf. Deshalb ist es gut, dass Angehörige die Arbeit für ein paar Tage buchstäblich abschalten können. »Kurzzeitige Arbeits-

§

Das Familienpflegezeitgesetz

Das neue Gesetz (seit 1. Januar 2012 in Kraft) schafft in allen Betrieben die Möglichkeit der pflegebedingten Arbeitszeitverkürzung für bis zu zwei Jahre – aber nur, wenn der Arbeitgeber einwilligt. Das Gesetz gibt nämlich keinen Rechtsanspruch auf Teilzeit (es sei denn in Tarifverträgen oder Betriebsvereinbarungen ist etwas anderes geregelt). Die neue »Familienpflegezeit« sieht vor, dass Beschäftigte ihre Arbeitszeit über einen Zeitraum von maximal zwei Jahren auf bis zu 15 Stunden reduzieren können, wenn sie einen Angehörigen pflegen. Wird zum Beispiel die Arbeitszeit in der Pflegephase auf 50 Prozent reduziert, erhalten sie weiterhin 75 Prozent ihres letzten Bruttoeinkommens. Der Arbeitgeber gibt somit zunächst eine Art »Vorschuss«, der später wieder abgearbeitet werden muss – dadurch dass nach der Pflegezeit trotz voller Arbeitszeit nur 75 Prozent des Bruttolohns gezahlt werden.

verhinderung« nennt sich das im Pflegezeitgesetz, das seit 2008 in Kraft ist. »Beschäftigte haben das Recht, bis zu zehn Arbeitstage der Arbeit fernzubleiben«, heißt es dort. Der Arbeitnehmer muss seinen Chef oder die Personalabteilung hierüber nur informieren und auf Verlangen eine ärztliche Bescheinigung über die Pflegebedürftigkeit des Angehörigen vorlegen. »Nein« sagen darf die Firma zum Freistellungswunsch des Pflegenden jedenfalls nicht.

Danach können die meisten Arbeitnehmer – ähnlich wie bei der Elternzeit – eine längere Auszeit für die Pflege nehmen oder ihre Arbeitszeit verkürzen. »Was sinnvoller ist, hängt ganz vom Einzelfall ab, für manche ist es aber einfach besser, nicht ganz aus dem Job auszusteigen, weil man sich dann zumindest zeitweise mit anderen Dingen beschäftigt oder über anderes redet als über die Pflege«, meint Markus Siegmann. Rolf Winkel kompakt | Januar 2012 | 37


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TIPPS Soziales

Sieh mal an – das ist neu Durchschnittsverdiener werden im kommenden Jahr bei der Sozialversicherung geringfügig entlastet. Was sich sonst 2012 für wen ändert, lesen Sie im ersten Teil unseres Überblicks zu den Neuregelungen.

Barmer & Co. kostenlos familienversichert werden. Ihre monatlichen Einkünfte dürfen dann ab 2012 nur maximal 375,00 (vorher: 365,00) Euro betragen. Bei einem Mini-Job dürfen es nach wie vor bis zu 400,00 Euro sein.

niedrigere Rentenbeiträge: In der gesetzlichen Rentenversicherung ist der Satz von 19,9 auf 19,6 Prozent gesunken (siehe Tabelle 1). Die Beitragssätze der anderen Sozialversicherungen bleiben unverändert – auch die der gesetzlichen Krankenkassen. Zudem erheben nur wenige gesetzliche Kassen Zusatzbeiträge – 2012 jedenfalls. Große Kassen, die bisher einen monatlichen Zusatzbeitrag von acht Euro gefordert hatten – wie etwa DAK oder KKH Allianz – wollen diesen im Frühjahr 2012 wieder abschaffen. Einige kleinere Kassen gewähren sogar Prämienausschüttungen.

Höhere bemessungsgrenze: Ob-

Höhere Beiträge zur PKV: Nach ei-

ner Übersicht des Versicherungsportals Cecu.de müssen viele privat Krankenver-

sicherte 2012 mit Beitragserhöhungen im zweistelligen Bereich rechnen – teilweise müssen sie sogar »bis zu 40 Prozent mehr zahlen«. Das Analysehaus 38 | kompakt | Januar 2012

Morgen & Morgen stellt für Versicherte bis 50 Jahre »nur« Beitragserhöhungen um 2,4 Prozent fest, dafür aber vielfach eine Erhöhung des Selbstbehalts. versicherungsgrenze

Höher:

Kinder und Ehepartner von gesetzlich Kranken- und Pflegeversicherten können über Partner oder Eltern bei AOK,

wohl die Beitragssätze zur gesetzlichen Sozialversicherung gesunken sind, müssen Besserverdienende – vor allem im Westen – 2012 mehr zahlen. Der Grund: Wegen der gestiegenen Beitragsbemessungsgrenzen (siehe Tabelle 2) sind jetzt höhere Einkünfte beitragspflichtig. So steigt die Beitragsbelastung für west-

(1) Beitragssätze in der Sozialversicherung 2012  Allgemeine Rentenversicherung Knappschaftliche Rentenversicherung Arbeitslosenversicherung Krankenversicherung, allgemein – ermäßigt (ohne Krankengeld) Pflegeversicherung Zusatzbeitrag zur Pflegeversicherung für Kinderlose

insgesamt in Prozent 19,6 26,0 3,0   15,5   14,9   1,95 0,25

Arbeitnehmer in Prozent 9,8 9,8 1,5 8,2 7,9 0,975 0,25


Foto: Schott

befreien lassen und weiter privat krankenversichert bleiben. Dann ist er oder sie aber auch künftig meist dauerhaft an die private Versicherung gebunden. Denn im Grundsatz gilt in diesem Fall: »Die Befreiung kann nicht widerrufen werden.« Solange die Betroffenen ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungs-

deutsche Spitzenverdiener (mit Einkünften ab 5600,00 Euro pro Monat) um etwa 13,00 Euro. Höhere pflichtgrenze: In der ge-

setzlichen Renten- und Arbeitslosenversicherung sind alle Arbeitnehmer versicherungspflichtig. Ab 2012 besteht diese Pflicht für Beschäftigte mit einem Monatseinkommen von bis zu 4237,50 Euro, bislang lag der Satz bei 4125,00 Euro. Wer 2011 bereits regelmäßige Einkünfte über der Versicherungspflichtgrenze hatte und 2012 auch über der neu definierten Grenze liegt, kann in eine private Krankenkasse wechseln – oder freiwillig gesetzlich versichert bleiben. Wegen der deutlichen Erhöhung der Versicherungspflichtgrenze »rutschen« zum Jahreswechsel wieder etliche Privatversicherte in die Versicherungspflicht und kommen damit wieder in die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung. Wer schon mindestens seit 2003 privat versichert ist, darf dagegen monatlich nur nicht weniger als 3825,00 Euro verdienen. Wer die Pflichtgrenze unterschreitet oder genauso viel verdient, kann sich

Rückkehr in die GKV Auch privat krankenversicherte Arbeitnehmer, deren Einkünfte 2012 über der Versicherungspflichtgrenze liegen, können unter Umständen in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) zurückkehren. Mit Einzahlungen in die betriebliche Altersvorsorge lässt sich gegebenenfalls die kritische Einkommensgrenze unterschreiten. 2012 können Arbeitnehmer bis zu 224,00 Euro ihres Bruttomonatseinkommens (2688,00 Euro pro Jahr) beitragsfrei über eine Entgeltumwandlung für die Altersvorsorge abzweigen und so ihre sozialbeitragspflichtigen Einkünfte senken. Das gilt auch für das »Parken« von Einkommen auf einem Langzeitbeziehungsweise Lebensarbeitszeitkonto. Sozialversicherungsbeiträge und Steuern fallen erst an, wenn die angesparten Rücklagen genutzt werden – etwa für eine längere Auszeit oder einen vorzeitigen Ausstieg aus dem Arbeitsleben.

verhältnis haben, bleiben sie nach einer Befreiung von der Versicherungspflicht auch künftig weiterhin privat versichert – selbst wenn ihr Einkommen sinkt. Sollten sie ihren Job verlieren und auf Arbeitslosengeld I angewiesen sein, so werden sie allerdings erneut in der gesetzlichen Krankenversicherung versicherungspflichtig. Rolf Winkel

(2) Grenzwerte in der Sozialversicherung monatlich in Euro

jährlich in Euro

Arbeitslosen- und allgemeine Rentenversicherung – Beitragsbemessungsgrenze (West) – Beitragsbemessungsgrenze (Ost)

5 600,00 4 800,00

67 200,00 57 600,00

Knappschaftliche Rentenversicherung – Beitragsbemessungsgrenze (West) – Beitragsbemessungsgrenze (Ost)

6 900,00 5 900,00

82 800,00 70 800,00

3 825,00

45 900,00

4 237,50

50 850,00

3 825,00

45 900,00



Kranken- und Pflegeversicherung – Beitragsbemessungsgrenze (bundeseinheitlich) – Versicherungspflichtgrenze (bundeseinheitlich)  – Besondere Versicherungspflichtgrenze für langjährig (= vor 2003 schon) Privatversicherte

kompakt | Januar 2012 | 39


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Rätsel Studentenausschuss Computersprache

modriger, dumpfer Geruch (norddt.)

Ausruf des Erstaunens atomares Teilchen

Stallstreu

ungekochte Speise Bautrümmer

6

führen

Weichspeise geograf. Kartenwerk

Bolzen Sohn von Bruder od. Schwester

3

Strom in Zentralasien Wunder

dt. Dichter †

Wirtschaftsbund (Abk.)

Stadt in der Schweiz

Form zur Außenseite offener Raum als Balkon

die eigene Person Dauerbezug (Kurzwort)

naturwissenschaftl. Schulfach (Kzw.)

2

9 Windschatten

leidenschaftlich für etwas eintreten

Rennschlitten Schöpferwesen ält. Bibelteil (Abk.) Freikörperkultur unentgeltlich ausgeübte Tätigkeit Düsenflugzeug

7

Landungsbrücke Atem (ugs.)

1 Laut durch Senkung d. Gaumensegels Stadt an der Donau römische Mondgöttin

4

Boxniederschlag Viehrückführung nicht warm Weinstock

Heiße Preise Die Gewinner des Preisrätsels dieses Monats erwarten wieder attraktive Gewinne: Zehnmal gibt es eine Nespresso-Kaffeemaschine mit integriertem Milchschäumer zu gewinnen. Egal, ob Espresso, Cappuccino oder Latte macchiato — dieses Schmuckstück zaubert jede Kaffeespezialität, die Sie möchten. 40 Leser bekommen ein Thermos-Glühwein-Set für zwei Personen. Es enthält zwei formschöne Thermoskannen aus Edelstahl sowie eine Flasche Rotwein für Weihnachtsmarktfeeling überall, wo Sie wollen. Höchstbegabter erwarteter Sieger

fertig gekocht nicht krumm oder gebogen

Mühlennebenprodukt Strom in Sibirien

Heizgerät

Jugendherweibbergswerk liches HausKleidungsschwein stück (Kzw.)

Mensch aus fernen Ländern

Küstenbewohner italien. Artikel

nordostital. Stadt Teil der Woche

chinesische Kaiserdynastie bis 1644

5

medizin. Beruf (Abk.) Nutztier der Lappen

Radhülse

Buchungsunterlage

Pelz eines Nagetieres

heutiger Name Clays

Erdtrabant

nordamer. Währungseinheit nicht mit

länglicher portabler Datenspeicher

eben, in der Breite ausgedehnt

Schaufensterware glatter Stock

Stromspeichergerät (Kurzwort)

Fischeier

Stunde (Abk.) Schneidewerkzeug

Bestimmungsort

Ratsherr

kleine Marderart

Wenderuf b. Segeln Extennisstar (Andre) sehr schnell (ugs.)

Meeresbucht thür. Stadt

auf diese Weise Mannschaft

Hauptstadt von Marokko Spitzenkünstler Madrider Sportklub

Adriahalbinsel Requisit für Reiter

Sühnemaßnahme Burgherr

Bratutensil

Fruchtsaftgetränk Säugetier m. Stacheln

8

nicht nur einer Geliebte des Leander

Stadt in Indien drängend einer der Sinne Autokz. von Halle

Tennisverband (Abk.) Südostasiat Bergweide griech. Kriegsgott

dünn, empfindlich Autoz. für Südafrika Oper in New York (Kzw.)

Festkleid Spaß

Sorte

Schrankteil

griech. Hptstädter

chem. Z. f. Gallium

Handel (englisch) Mannsbild

arabisches Sultanat Nachschrift (Abk.)

Stern im „Orion“

ein Schiff erobern

kleine Warenrechnung

10

Schutzhülle für Bücher

1405650

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40 | kompakt | Januar 2012

2

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8

9

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Glück & Glosse

Preisrätsel Im Preisrätsel wird in diesem Monat ein Begriff gesucht, der ein Phänomen beschreibt, das es nur alle vier Jahre gibt. Bitte die Lösung auf eine Postkarte schreiben und einsenden an: kompakt-Redaktion, Postfach 39 45, 30039 Hannover oder per Mail an: kompakt.preisraetsel@igbce.de — bitte die Adresse mit angeben. Einsendeschluss ist der 18. Januar 2012 (Datum des Poststempels ist maßgebend). Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Die Gewinner Bei der Verlosung der Preise unter den Einsendern richtiger Lösungen fielen die zehn Hauptgewinne – einen Cheruskerkorb, gefüllt mit einer Auswahl lukullischer Köstlichkeiten – an: Cordula Schuh, Berlin; Heinrich Schmidt, Diepholz; Alfred Bruckner, Lauf; Gisela Jung, Heiligkreuzsteinach; Anni Metz, Wetter; Philipp Henger, Leipzig; Walter Hermann, Stade; Marlies Metke, GrenzachWyhlen; Erich Gaschka, Frechen; Wilhelm Aigner, Trostberg.

Lösung Dezember 2011: Feuerzangenbowle O B S O E S A A R Z N P E N I E V I G E R I N C A B I F L U E G

F A L D L O L Y S A H A L E M R I E R M Y R U E G I H R S A U E L E B B U H E S E L S N T S R E T A R E G E N A U E R

O R I R I A N D R U C K E E H A R R T S E H E H E I N A M O R

N M O P Y T A R S T I T E D E E L I F E L L

O S T E N

N E R J A

D U E N U N G

M A E B E R R H A D E L E R W K O E A E M S G R A T E K R A N

B O U R H B E R I G E L U R Y S O B E N

L A B B R I E E B G G U E N R R A U T

A N R E D E

L A U N E

K L U M

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Je ein Buch »Erlösung« von Jussi Adler-Olsen erhalten: Nadine Kutzschbach, Fintel; Heike Timm, Uetersen; Gerhard Behr, Lohmar; Günter Hohmann, Bernburg; Dieter Schreiner, Burghausen; Hannelore Wieczorrek, Magdeburg; Franz Harter, Oberkirch; Richard Pfeil, Lauenburg; Dieter Calmund, Oberhausen; Burkhard Kaluba, Wasserliesch; Georg Schäffler, Burghausen; Jürgen Sander, Dülmen; Roswitha Braun, Karlsruhe; Alois Gierl, Zwiesel; Helmut Langner, Spremberg; Barthel Portz, Kerpen; Ronald Burchard, Belm; Horst Lohse, Potsdam; Willi Dehn, Essen; Renate Glufke, Lutherstadt Eisleben; Andrea Ahnen, Grenderich; Carmelo Manno, Oberhausen; Rolf Hellwig, Limburgerhof; Margit Baab, St. Ingbert; Barbara Gimbel, Ruhland; Sönke Luther, Ahlerstedt; Katharina Pfahler, Pappenheim; Rolf Braun, Engen; Bernd Erksmeier, Minden; Horst Bluhm, Potsdam; Jürgen Schadwell, Dortmund; Sabina Mendel, Brannenburg; Jürgen Schaffel, Wesseling; Karin Sadowski, Fürstenwalde; Bernd Tillack, Cottbus; Mario Reiners, Visselhövede; Jürgen Pönicke, Waltershausen; Norbert Kudnick, Hannover; Volker Jahns, Baddeckenstedt; Wolfgang Schmidt, Wiesbaden.

Cartoon

Grimms Märchen

F

ür die meisten Menschen nördlich von Kassel ist Karneval ungefähr so lustig wie Magen-DarmGrippe oder kalte Pommes. Beharrlich verweigern sie sich organisierter Witzischkeit. Rheinische Frohnaturen versuchen nach Kräften, Nordlichter aus der Reserve zu locken. Sie blasen ihnen zu diesem Zweck mit der sogenannten Roll-on-Roll-off-Tröte (RoRo-Tröte) engagiert ins Gesicht und rufen »Helau«. Nordlichter verspüren bei diesem Vorgang keinen Lustgewinn und nutzen die RoRo-Tröte, um der rheinischen Frohnatur damit das Maul zu stopfen, bis diese rot anläuft und bei jedem Atemvorgang originelle Trötgeräusche von sich gibt. Bei diesem Anblick zieht das Nordlicht seine Mundwinkel 2,6 Millimeter nach oben, was nördlich von Kassel schon als explosiver Lachanfall gilt.

Die RoRo-Tröte funktioniert nach dem Froschzungenprinzip, mit dem Unterschied, dass in ausgerolltem Zustand keine Insekten, sondern Karnevalistinnen daran hängen bleiben, die sich in der Paarungszeit bis Aschermittwoch durch ausgeprägte Kontaktbereitschaft auszeichnen. Das Gerät wird oft mit einem Musikinstrument verwechselt, entstammt in Wahrheit aber der Familie der Nervtöter und ist direkt verwandt mit dem Bollchenpapier, der gemeinen Popcorntüte und dem trockenen Reizhusten. In klassischen Konzerten kommen in Zeiten gekürzter Kulturetats immer öfter RoRo-Tröten-Solisten zum Einsatz. Moderne Komponisten passen sich dem Spartrend an. Demnächst in Ihrem Konzerthaus: »Adagio in d-Moll für Bollchenpapier, RoRo-Tröte, Luftpolsterfolie und Reizhusten.« Viel Spaß dabei. Imre Grimm

Lösung: FEUERZANGENBOWLE

kompakt | Januar 2012 | 41


Mein Arbeitsplatz

Bei Wind und Wetter: Nach- und Sperrkassierer sind viel unterwegs.

Detlev Zimmermann (52) ist Nach- und Sperrkassierer bei envia Service GmbH

Schuss vor den Bug

»

Wir sind ein Tochterunternehmen der envia Mitteldeutsche Energie AG (enviaM), einem Energieversorger mit rund 1,5 Millionen Kunden. Ich bin gelernter Maschinen- und Anlagenmonteur, habe dann auf Elektriker umgeschult. Jetzt kümmere ich mich mit anderen Kollegen in Südbranden-

gerechnet haben. Viele sind Hartz-IVEmpfänger, aber es gibt auch Selbstständige mit unregelmäßigen Einnahmen. Meine Kunden wissen genau, weshalb ich vor der Türe stehe. Wer sich dann nicht mal bemüht hat, bei unserer Buchhaltung eine Ratenzahlung zu beantragen, dem sage ich, dass er bald keinen

»Meine Kunden wissen genau, weshalb ich vor ihrer Tür stehe.« burg um rund 100 Menschen pro Woche, die Schwierigkeiten mit der Bezahlung der Stromkosten haben. Die meisten kenne ich schon: 80 Prozent sind Stammkunden, die den Überblick über ihre offenen Rechnungen verloren haben oder nicht mit einem strengen Winter und entsprechenden Heizkosten 42 | kompakt | Januar 2012

Strom mehr hat, dafür aber Mehrkosten. Das ist der letzte Schuss vor den Bug. Notfalls gebe ich natürlich auch Tipps, bei welcher Behörde oder sozialen Einrichtung man Hilfe bekommen kann. Bei rund zehn Prozent meiner Kunden ist das aber vergebliche Mühe, da muss ich den Strom abklemmen und eine

Sperrsicherung einsetzen. Dann kommt das Geld meistens sehr schnell. Manche zeigen mir aber auch einen Einzahlungsbeleg ohne Bankstempel und meinen, mit dem Schwindel durchzukommen. Dann lasse ich mir den letzten Kontoauszug zeigen. Oder sie versuchen, mich von Woche zu Woche mit angeblich festen Zahlungszusagen abzuwimmeln, dann muss ich eben die Reißleine ziehen. Sonst steigen die Schulden immer weiter und schließlich sichern die Stromeinnahmen ja auch Arbeitsplätze.

«

Aufgezeichnet von Werner Staffen Nach- und Sperrkassierer sind Mitarbeiter aus einem industriell-technischen Beruf (zum Beispiel Elektriker) mit einer IHKZusatzqualifikation zur Elektrofachkraft. Ganz wichtig ist psychologisches Geschick.

Foto: Christian Frey

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Ihr Reiseverlauf: 1. Tag: Anreise 2. Tag: Windhoek 3. Tag: Windhoek – Kalahari (ca. 350 km) 4. Tag: Kalahari – Keetmanshoop – Köcherbaumwald – Cañon Village (ca. 370 km) 5. Tag: Cañon Village – Lüderitz (ca. 450 km) 6. Tag: Lüderitz – Namib Rand Naturpark (ca. 450 km) 7. Tag: Dünen von Sossusvlei (ca. 300 km) 8. Tag: Namib-Wüste – Walvis Bay – Swakopmund (ca. 360 km) 9. Tag: Swakopmund 10. Tag: Swakopmund – Khorixas (ca. 480 km) 11. Tag: Khorixas – Etosha Nationalpark (ca. 420 km) 12. Tag: Etosha Nationalpark 13. Tag: Etosha - Windhoek (ca. 550 km) 14. Tag: Abreise 15. Tag: Ankunft in Frankfurt am frühen Morgen.

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Ihre Reisehöhepunkte: • Stadtrundfahrt durch die namibische Hauptstadt Windhoek • Fahrt zur Kalahari-Wüste • Besichtigung des Köcherbaumwaldes • Besuch von Lüderitz, dem malerischen Hafenstädtchen am Südatlantik • Fahrt zum Namib Rand Naturpark • Besuch der Dünen von Sossusvlei und des Sesriem Canyons • Stadtrundfahrt in Swakopmund • Besuch des Etosha Nationalparks mit 2 Wildbeobachtungsfahrten – und vieles mehr Ihre Reisehöhepunkte Verlängerung Kapstadt: • Orientierungsfahrt Kapstadt • Genießen Sie Kapstadt auf eigene Faust oder nehmen Sie an einem der fakultativen Ausflüge teil (Auf Anfrage, vor Ort buchbar)

Inklusivleistungen pro Person • Nonstop-Linienflug mit Air Namibia von Frankfurt nach Windhoek und zurück in der Economy-Class • Rail & Fly in der 2. Klasse für An- und Abreise • Alle Steuern und Gebühren • Übernachtungen: 1 x Mittelklasse-Hotel Safari, Windhoek; 1 x Mittelklasse Auob Lodge, KalahariWüste; 1 x Mittelklasse-Hotel Cañon Village, Fischfluss Canyon; 1 x 4-Sterne Hotel The Nest, Lüderitzbucht; 2 x Mittelklasse Hammerstein Lodge&Camp, Namib-Wüste; 2 x Mittelklasse Rössmund Lodge, Swakopmund; 1 x Mittelklasse Gowati Lodge, Khorixas; 2 x Mittelklasse Etosha Safari Camp, Etosha Nationalpark; 1 x Mittelklasse-Hotel Safari, Windhoek • Unterbringung im DZ mit Bad oder Dusche/ WC • 12 x Frühstück • Rundreise und Transfers im klimatisierten Reisebus • Alle Eintrittsgelder in Nationalparks und Besichtigungen lt. Programm • Stadtrundfahrten in Windhoek und Swakopmund • Geführte Tour

durch die Kolmanskoppe • Besuch eines Himba Dorfes • Besuch der Dünenfelder von Sossusvlei und des Sesriem Canyons • Allrad-Wüstenfahrt zu den Sossusvlei Dünen • 2 Wildbeobachtungsfahrten im Reisebus im Etosha Nationalpark • Qualifizierte, deutschsprachige Reiseleitung während der Rundreise durch den Fahrer • Saison C – D begleitet durch einen Arzt/Reisemediziner ab/an Frankfurt • Polyglott-Reiseführer Namibia pro Buchung • Kerosinzuschläge (Stand November 2011) Inklusivleistungen Verlängerung Kapstadt pro Person: • Flug von Windhoek nach Kapstadt und zurück • Alle Steuern und Gebühren • 3 Übernachtungen im 4-Sterne Townhouse Hotel, Kapstadt im DZ • 3 x südafrikanisches Frühstück • Orientierungsfahrt Kapstadt • Transfers im klimatisierten Reisebus • Qualif., deutschspr. Reiseleitung

Termine und Preise p. P. im DZ in E Namibia Rundreise Flugtag: Mittwoch A 02.05. – 16.05.12 30.05. – 13.06.12 B 08.08. – 22.08.12 C 11.07. – 25.07.12 D 19.09. – 03.10.12*

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Änderungen vorbehalten, maßgeblich ist die Reisebestätigung, die Sie nach Buchung erhalten. Daraufhin wird eine Anzahlung von 30 % (mind. 25,– €) auf den Reisepreis fällig. Restzahlung 30 Tage vor Reiseantritt, anschließend erhalten Sie Ihre Reiseunterlagen.

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Ganz vorn dabei Das Schaufenster jeder Zeitschrift ist die Titelseite – das gilt auch für kompakt.

Wenn wir ein Thema zur Titelgeschichte machen, suchen wir nach attraktiven Motiven, die es illustrieren. Welcher Titel war 2011 der schönste? Sagen Sie uns Ihre Meinung! Januar

Februar Nr. 01 I JANUAR 2011 www.igbce.de

VOR ORT 16 000 Beschäftigte demonstrieren bei RWE für mehr Geld

März Nr. 02 I FEBRUAR 2011 www.igbce.de

VOR ORT Flachglas in Wesel ist insolvent – wie geht es für die Beschäftigten weiter?

April Nr. 03 I MÄRZ 2011 www.igbce.de

VOR ORT Helau und allez hopp – was die Gewerkschaftsjugend im Saarland zum Karneval plant

Nr. 04 I APRIL 2011 www.igbce.de

VOR ORT Autozulieferer Magna plant den Kahlschlag – die IG BCE kämpft für 700 Arbeitsplätze in Markgröningen

TENDENZEN Was ein Arbeitsmarktforscher für das Jahr 2011 erwartet

TENDENZEN Was ungarische Gewerkschafter zum umstrittenen neuen Mediengesetz sagen

TENDENZEN Warum Frauen arbeiten – ein Essay zum 100. Internationalen Frauentag

TENDENZEN Revolutionen in Nordafrika – kommt nach der Diktatur wirklich die Demokratie?

TIPPS Welche Änderungen uns 2011 bei Gesundheit und Arbeitslosigkeit bevorstehen

TIPPS Wie viel Geld Frauen mit Risikoschwangerschaft im Berufsverbot zusteht

TIPPS Wer Angehörige pflegt und deshalb eine Auszeit beim Job nimmt, sollte kein Geld verschenken

TIPPS Schnüffelei durch den Arbeitgeber – was Betriebsräte und Beschäftigte dagegen tun können

kompakt

Das Mitgliedermagazin der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie

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Das Desaster

Was uns nicht schmeckt Die Arbeitsmarktzahlen sind glänzend. Aber Befristung und Zeitarbeit nagen am schönen Bild vom Jobwunder.

Der nukleare Schrecken von Fukushima – und was bedeutet das für uns?

Schüler gegen Schüler

Ein Blick in die Zukunft Neue Werkstoffe und Technologien verändern die Welt. Viele sind heute bereits Teil unseres Alltags. Und sichern Wachstum und Arbeitsplätze.

Ein Doppeljahrgang verlässt die Schulen, dazu fallen Wehr- und Zivildienst weg. Droht jetzt das Chaos auf dem Ausbildungsmarkt? 01_titel_04.indd 1

Mai

Juni

Juli/August

Nr. 05 I MaI 2011 www.igbce.de

Nr. 06 I JuNI 2011 www.igbce.de

21.03.2011 13:07:12

September Nr. 09 I SEptEMBEr 2011 www.igbce.de

Nr. 07/08 I JulI/August 2011 www.igbce.de

vor ort Wie ein einmaliges Freiluftspektakel in Lothringen die Geschichte der Kohle erzählt

vor ort Bayer BS will bis zu 700 Stellen auslagern — die IG BCE protestiert

vor ort Betriebsräte und IG BCE sichern beim Papierproduzenten Felix Schoeller Arbeitsplätze

vor ort Sorge um Arbeitsplätze: Die IG BCE protestiert gegen Stellenabbau bei E.on

tendenzen Aufbruch ins Ungewisse: In der EU gilt die neue Arbeitnehmerfreizügigkeit

tendenzen 60 Jahre Montan-Mitbestimmung — ein starkes Stück Gewerkschaft

tendenzen Erst Fax, dann Sex – die Arbeitswelt ist eine gut geölte Kuppelmaschine

tendenzen Kein Ende in Sicht: In Kasachstan streiken Tausende Ölarbeiter seit Monaten für mehr Geld

tipps Wie Mitglieder der IG BCE zu ihrem guten Recht kommen

tipps Der Sommer naht – was bei Ferienjobs für Jugendliche zu beachten ist

tipps Endlich Ferien! Aber darf ich im Urlaub das Firmenhandy wirklich zu Hause lassen?

tipps Hoffentlich abgesichert: Welche Versicherungen für Azubis sinnvoll sind

kompakt

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ein Fluch? ein segen? europäische Wackelpartie

Wie das Internet die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben verwischt

Schulden und Spekulation bringen Europa in Bedrängnis. Die Börsen spielen schon wieder verrückt. Wer stoppt den Irrsinn?

Wir machen das!

Mission zukunft Deutschland auf dem Weg zur Energiewende. Ein Projekt so gigantisch wie die Mondlandung.

Das neue Energie-Zeitalter ist schon in Arbeit. Überall in unseren Branchen.

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14.04.2011 15:42:26

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November

Oktober Nr. 10 I OktOBEr 2011 www.igbce.de

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17.06.2011 14:49:38

Dezember

Nr. 11 I NovEMBEr 2011 www.igbce.de

Nr. 12 I DEzEMBEr 2011 www.igbce.de

vor ort 560 Arbeitsplätze in Gefahr: IG BCE kämpft gegen Schließung der Papierfabrik Albbruck

vor ort Wie die IG BCE in der Solarindustrie Tarifverträge abschließt

vor ort Der Tarifabschluss in der Chemie Ost bringt mehr Geld – und ein neues Arbeitszeitmodell

tendenzen Letzter Besuch: Ein Jahr nach der letzten Förderschicht schließt das Bergwerk Ost endgültig

tendenzen Wie Unternehmen versuchen, in die Köpfe der Kinder zu kommen

tendenzen Krach, puff, peng – Kinder testen einen Chemie-Experimentierkasten

tipps Nur nicht auf dem Klo: Wann ein Unfall zum Arbeitsunfall wird – und was dann zu tun ist

tipps Was zu beachten ist, wenn Arbeitnehmer eine Auszeit nehmen wollen

tipps Warum man ab und zu mal eine Pause machen sollte

kompakt

Das Mitgliedermagazin der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie

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Wer geht wann? Im Arbeitsleben hält nicht jeder bis Spielende durch. Die richtige Taktik ist der flexible Wechsel in den Ruhestand.

Macht das Leben leichter Ganz egal ob Fahrrad, Auto oder Windrad – das neue Wundermaterial heißt Carbon.

diagnose: Chef Vorgesetzte sind Alphatiere. Aber deshalb muss es nicht wie in der Wildnis zugehen.

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. . . und das können Sie gewinnen: Elf Digitalkameras PowerShot A3300 IS von Canon, mit 16 Megapixeln und jeder Menge Funktionen, die auch Ihnen schöne Fotos ermöglichen. Schreiben Sie den Monatsnamen des Titels Ihrer Wahl auf eine Postkarte und schicken Sie diese bis zum 17. Januar an uns. Welche Wahl Sie treffen, hat keinen Einfluss auf die Gewinnchance. Bitte Postkarte senden an: kompakt-Redaktion, Stichwort: Titel des Jahres, Postfach 39 45, 30039 Hannover oder E-Mail an: kompakt.leserwettbewerb@igbce.de

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