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Nr. 03 I MÄRZ 2011 www.igbce.de

VOR ORT Helau und allez hopp – was die Gewerkschaftsjugend im Saarland zum Karneval plant TENDENZEN Warum Frauen arbeiten – ein Essay zum 100. Internationalen Frauentag TIPPS Wer Angehörige pflegt und deshalb eine Auszeit beim Job nimmt, sollte kein Geld verschenken

kompakt

Das Mitgliedermagazin der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie

Schüler gegen Schüler Ein Doppeljahrgang verlässt die Schulen, dazu fallen Wehr- und Zivildienst weg. Droht jetzt das Chaos auf dem Ausbildungsmarkt?


UNTER UNS

Für junge Leute und die Eltern

CHRISTIAN HÜLSMEIER

Chefredakteur

GLEICHZEITIG ÄRGERT MAN SICH. Über ein bildungspolitisches Experiment, das wiederum auf Kosten der eigenen Kinder Kinder gehen könnte. Die Rede ist von den sogenannten doppelten lten Abiturjahrgängen. Da sind die Kinder durch die Schule gebracht und plötzlich drängen viel mehr junge Menschen als üblich in die Universitäten und Ausbildungsstätten. n. Damit schlagen sich auch Svenja Niederkrome und Andreas Heinemann (Foto) herum. Die Titelgeschichte hte dieser kompakt-Ausgabe ist unter anderem ihren Perspektiven gewidmet – in der sicheren Annahme, dass dieses Thema auch das Interesse aller Eltern gleichaltriger Kinder findet. MEINEN BEIDEN TÖCHTERN ist sicherlich auch

eine persönliche Aufmerksamkeit für Fragen der Gleichstellung geschuldet. Die Vorstellung, dass sie schlechter bezahlt werden könnten oder dass ihnen Karrierechancen nur wegen ihres Geschlechts hts verweigert werden könnten, lässt den Vater natürlich ich nicht unberührt. Deshalb sei gerade uns Männern n als Lesestoff empfohlen, was sich dazu im neuen Mitgliedermagazin findet (Seiten 11, 27, 31–33).

Foto: Dennis Börsch

Foto: Dennis Börsch

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hrlich gesagt: Der berüchtigte demografische Wandel hat auch seine Vorteile. Für meine Kinder beispielsweise. Ich bin nicht unfroh, dass ihre Ausbildungs- und Berufschancen schon allein dadurch steigen, dass die Zahl der Mitkonkurrenten um die guten Plätze in der Arbeitswelt kleiner wird. Vermutlich denken viele Eltern ähnlich. Und es ist ja auch nicht unredlich, persönliche Vorteile in einer Entwicklung zu sehen, die für Wirtschaft und Gesellschaft als Ganzes sehr schwierig ist. Persönlich übersetzt heißt Facharbeitermangel: Die Sorgen, ob die eigenen Kinder den Einstieg in das Berufsleben schaffen, werden ein wenig kleiner – trotz aller Folgeprobleme wie die fragliche Übernahme nach der Ausbildung und dem mehr als unerfreulichen Trend zur befristeten Einstellung gerade junger Menschen.

christian.huelsmeier@igbce.de kompakt | März 2011 | 3

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VOR ORT

Standpunkt Michael Vassiliadis über Frauen in Führungspositionen.

TITEL

21–29

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Schüler gegen Schüler Die Aufregung ist groß. Durch den doppelten Abiturjahrgang verlassen zusätzliche Zehntausend Schüler die Schule. Droht jetzt der Kampf um Ausbildungsplätze?

Lohndiktat abgeschmettert Die Warnstreiks bei RWE haben Bewegung in die schwierigen Tarifverhandlungen gebracht: Es gibt endlich eine Einigung.

THEMEN

16

Ohne Moos nix los

Foto: Frank Rogner

Die erste Runde der Chemie-Tarifverhandlungen auf regionaler Ebene ist rum. Nun wird bundesweit verhandelt. Die IG BCE fordert endlich ein Angebot der Arbeitgeber.

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Was im Kompromiss fehlt Die Hartz-IV-Reform ist vom Tisch. Aber die Situation von Leiharbeitern hat die Regierung nicht entscheidend verbessern wollen.

TENDENZEN

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Auf dem Weg nach oben

100 Jahre Frauentag Ein Beitrag von Edeltraud Glänzer.

IG BCE und BAVC fördern und begleiten Frauen in Führungspositionen.

TIPPS

Foto: Wolfgang Strähler

34 Wer kriegt mehr? Wer arbeitslos wird, hat oft Anspruch auf Arbeitslosengeld I. Doch viele bekommen weniger als ihnen zusteht. Denn nicht immer berücksichtigen die Arbeitsagenturen Sonderregelungen.

36 Gute Reise Ein Ausflug mit der IG-BCE-Ortsgruppe macht viel Spaß. Er sollte aber gut geplant sein. kompakt erklärt, worauf man achten muss.

38 Pflege von Angehörigen Wer einen Angehörigen versorgen muss, kann bis zu sechs Monate aus seinem Job aussteigen. Doch wovon sollen die Pflegenden leben?

Kristallisierte Energie Wie im sächsischen Freiberg bei SolarWorld aus Silizium Solarzellen entstehen.

Foto: Sven Doering/Agentur Focus

IMMER IM HEFT

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03 06 08 20 30 40 41 42

Unter uns Aktuelles Heims Homepage Leserforum/Impressum Eine von uns* Rätsel Glück & Glosse Mein Arbeitsplatz

* Der Landesbezirk Westfalen berichtet auf dieser Seite über Jubilarehrungen. Titelbild: Dennis Börsch


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INHALT MÄRZ 2011

12

Kampf um Ausbildungsplätze?

16

Ohne Moos nix los

31

Gute Fahrt

36

Die Frau der Lacke

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Fotos: IG-BCE-Archiv, Dennis Börsch (2), Torsten Krueger, Frank Rogner

100 Jahre Frauentag

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Foto: ROBERTO SALOMONE/AFP PHOTO

BILD DES MONATS

ER ÜBERQUERTE DAS MEER in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft in Europa – nun wartet dieser junge Tunesier hinter einer Absperrung am Hafen von Lampedusa auf den Transport ins Auffanglager. Er ist einer von mehreren Tausend Flüchtlingen, die innerhalb weniger Tage mit Fischerbooten auf

AUFREGER DES MONATS

der italienischen Insel landeten. Tunesiens Diktator Ben Ali ist zwar gestürzt, doch für viele seiner Landsleute bedeutet das kaum Erleichterung. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, viele Menschen leben in Armut. Italien hat angesichts der Flüchtlingsmassen den humanitären Notstand ausgerufen.

Schallende Ohrfeige

Foto: Wolfgang Kumm/dpa

FAMILIENMINISTERIN Kristina Schröder überließ es ihrem Staatssekretär, ein Gutachten der Bundesgleichstellungskommission entgegenzunehmen. Aus gutem Grund: Liest sich der Inhalt doch wie eine Ohrfeige für die Bundesregierung – und die »Handlungsempfehlungen« wie ein Forderungskatalog der Opposition. Vor allem die »gegenwärtige Minijobstrategie« laufe dem Ziel gleicher Chancen für beide Geschlechter zuwider. Die Expertenrunde rät, »die Anreize für geringfügige Arbeit zu beseitigen«. Zwei Drittel aller Niedrigverdiener seien weiblich, Stundenlöhne unter fünf Euro keine Seltenheit.

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AKTUELLES

PRODUKT DES MONATS

ZAHL DES MONATS

1.530.000.000 PREKÄRE BESCHÄFTIGUNG nimmt weltweit zu. Rund die

Hälfte aller Beschäftigten arbeiten unter unsicheren Bedingungen. Das geht aus dem jüngsten globalen Beschäftigungbericht der Internationalen Arbeitsorganisation hervor. So ist die Zahl der prekären Arbeitnehmer während der Wirtschaftskrise um 40 Millionen auf 1,53 Milliarden gestiegen. Der Anteil der Beschäftigten mit einem Verdienst von umgerechnet 1,25 Doller pro Tag liegt seit 2009 sogar bei 20,7 Prozent. Auch die weltweite Zahl der Arbeitslosen verharrt trotz wirtschaftlicher Erholung in vielen Ländern auf einem Rekordhoch. Rund 205 Millionen Menschen waren 2010 ohne Job – kaum weniger als im Krisenjahr 2009.

Foto: tesa SE

Welt der Moleküle VON ANTIBIOTIKUM und Batterien über Shampoo und Tele-

Foto: Marc Darchinger/Forum Chemie

fon bis hin zu Fernsehbildschirmen und Computerchips – Chemie hat das Leben der Menschen in den vergangenen 200 Jahren von Grund auf verändert. Und auch bei heutigen globalen Themen wie Klimaschutz und Kampf gegen Hunger spielen Moleküle und Co. eine wichtige Rolle. Ein Grund für die Vereinten Nationen, 2011 zum Internationalen Jahr der Chemie (IJC) auszurufen. Es steht unter dem Motto »Chemie – unser Leben, unsere Zukunft«. Ziel ist es, vor allem jungen Menschen die faszinierenden Möglichkeiten Das Jahr der Chemie soll Kinder für der Chemie nahezuNaturwissenschaften begeistern. bringen. Im November 2011 jährt sich zum 100. Mal die Verleihung des ChemieNobelpreises an Marie Curie. Die Vereinten Nationen haben dieses Jubiläum zum Anlass genommen, um auf die heutige Bedeutung der Chemie für eine nachhaltige Entwicklung hinzuweisen. »Chemie braucht Zukunft und Chemie hat Zukunft«, sagte die Kanzlerin zum Deutschlandauftakt Anfang Februar in Berlin. Um die Ausrichtung des IJC in Deutschland kümmert sich das Forum Chemie, dem auch die IG BCE angehört.

Von der Rolle AUF FAST JEDEM SCHREIBTISCH ist er zu finden: Der Abroller für Tesafilm ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. In diesem Jahr feiert das weltberühmte Klebeband seinen 75. Geburtstag. Dabei war die Erfindung des Tesafilms eher ein Zufall: Der Apotheker Oscar Troplowitz, Erfinder der Nivea Creme, experimentierte Ende des 19. Jahrhunderts mit einem neuen Wundpflaster, das sich leicht von der Haut abziehen lassen sollte. Er entwickelte eine Masse, die sehr gut klebte – nur leider ließ sie sich nicht mehr von der Haut lösen. Er führte das Produkt dennoch ein – zum Flicken von Fahrradreifen. Viele Jahre nach seinem Tod machte der Bürokaufmann Hugo Kirchberg aus dem Nischenprodukt einen Welterfolg: 1936 kam der erste Tesa-Klebefilm auf den Markt, der ab 1941 unter dem Namen Tesafilm berühmt wurde. Seitdem wurden etwa 50 Milliarden Meter Klebeband verkauft – damit ließe sich die Erde etwa 1250-mal umwickeln. www.tesa.de

www.ijc2011.de kompakt | März 2011 | 7


HEIMS HOMEPAGE Foto: Michael Cintula

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EINE INSTITUTION

Menschenrechte

FÜR DIE FRAU

Menschenrechtsorganisation

FEMINISTINNENTREFF

Mädchenmannschaft

KUNST

Gedanken und Informationen

RUDOLF HEIM

IG-BCE-Online-Redakteur | www.igbce.de präsentiert interessante, manchmal auch ärgerliche Seiten aus dem Web E-Mail: internetredaktion@igbce.de Ich weiß gar nicht, wann sich das Thema Menschenrechte in meinem Kopf fest mit Amnesty International verknüpft hat. Aber es ist absolut so. Auch im Netz tritt Amnesty eindrucksvoll auf. http://www.amnesty.de bietet einen guten Einstieg in das Thema Menschenrechte. Man kann sich informieren, mitmachen und helfen. Ein wenig Zeit sollte man sich dafür allerdings nehmen – aber in diesem Fall ist das mehr als angemessen.

TERRE DES FEMMES setzt sich als gemeinnützige Menschenrechtsorganisation für Mädchen und Frauen ein – und das seit 1981. Gut, der Internetauftritt wirkt vielleicht ein wenig angestaubt. Aber bei genauerem Hinsehen gibt‘s durchaus Aktuelles: zum Beispiel Angebote rund um die Frauen-Fußball-WM 2011 in Deutschland unter dem Motto »Frau in Bewegung«. Sogar Tickets gibt es zu gewinnen. Also, auf zu: http://frauenrechte.de

»Willkommen Feministinnen, Feministen und alle, die es werden wollen!« – diese Begrüßung sollte niemanden irreführen. Denn unter http://maedchenmannschaft.net geht es nicht um Ideologie, sondern um Themen, die die ganze Gesellschaft bewegen sollten – das pralle Leben eben. Da schreibt eine junge Frau über ihre Erfahrungen als Arbeit suchende Mutter. Auch ein Mann darf ran :-). Spannend: das Bloggermädchen 2010: http://bit.ly/gdzW64

Irgendwie irritierend, das Blog von Heidemarie Kull. Es geht um »Malerei – Fotografie – Zeichnung – Lyrik«. Poetisch und ästhetisch wird wild kombiniert, manches Bild und manche Textzeile lässt länger verweilen als auf anderen Seiten – anderes verstehe ich einfach nicht. Schaut es euch an und schreibt mir, was ihr davon haltet.

http://bit.ly/frmsPI

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AKTUELLES

Bützen erlaubt? OB ALS CLOWN ODER MATROSE, als Biene oder

Krankenschwester: An Karneval steht vielerorts der Alltag still. Es wird gebützt und geschunkelt, gesungen und gelacht, was das Zeug hält. Von Weiberfastnacht bis Aschermittwoch herrscht in Karnevalshochburgen wie Köln und Mainz Ausnahmezustand. Hier ist es allgemein akzeptiert, dass an Macht meist Spaß: Karneval. den jecken Tagen Schlipse abgeschnitten und Küsschen verteilt werden. Auch ein Gläschen Sekt wird im einen oder anderen Büro getrunken. Doch das ist nicht überall erlaubt. IG-BCE-Online erklärt, worauf Arbeitnehmer beim Feiern achten sollten. http://www.igbce.de/portal/site/igbce/ratgeber_karneval

In eigener Sache DIE GESCHICHTE eines Bergmanns, der für die Arbeit sei-

ne Heimat verlassen musste, erzählt in Bild und Ton; eine Lokführerin, die in einem Video ihren Arbeitsplatz präsentiert – das alles und viel mehr findet sich auf dem neuen kompakt-Blog. Die Redaktion veröffentlicht dort ab sofort regelmäßig neue Multimedia-Stücke, exklusive Online-Reportagen und zusätzliche Links.

Fast so schön wie gedruckt: die Mitgliederzeitschrift im Netz.

kompakt liegt dort als elektronische Ausgabe und kann

online durchgeblättert, ausgedruckt und abgespeichert werden. Redaktion, Autoren und Fotografen stellen sich vor. Und natürlich soll kommentiert und diskutiert werden. Einfach mal reinschauen: www.kompakt.igbce.de

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Fragen an Jan Hinrik Schmidt Der Internetforscher am Hans-Bredow-Institut für Medienforschung zu POLITIK IM WEB 2.0

Alle Welt redet von Facebook, Millionen Menschen sind dort auch tatsächlich sehr aktiv, auch Gewerkschaften und Politiker. Die früher ja auch mit Mitgliedern und Wählern kommuniziert haben. Ist das Neue an Facebook und Co. die private Sphäre, in der die Kommunikation abläuft? Facebook ist in der Tat eine Mischung aus privat und öffentlich. Da tummeln sich Politiker, Unternehmen, Fußballtrainer und wollen scheinbar mit jedem persönlich in Kontakt stehen. Die Grenzen zwischen Privatem und Öffentlichen verschwimmen so. Die Spannung besteht nun darin, dass es eine persönliche Öffentlichkeit gibt – denn 150 Freunde, die sehen, was man tut, sind ja mehr als das, was man wirklich intim nennen würde. Dieser Kommunikationsmodus ist einfach völlig neu. Und bringt neue Probleme mit sich: Nicht jeder will auf Facebook mit seinen Kollegen oder gar seinem Chef befreundet sein. Ist das dann ein wenig souveräner Umgang mit den neuen Möglichkeiten? Ganz und gar nicht. Viele wollen Berufliches und Privates voneinander trennen. Das ist nur legitim und gehört im Gegenteil zu einem kompetenten Umgang mit Medien. Stichwort Kompetenz: Wie gut schlägt sich denn die deutsche Politik nun in Social Networks wie Facebook? Vieles ist da immer noch symbolisch. Man muss einfach vertreten sein, sonst gilt man als antiquiert und enttäuscht viele Leute. Politische Mobilisierung läuft inzwischen für bestimmte Themen längst im Internet, allerdings weniger über die klassischen Parteien. Denken Sie nur an Bürgerinitiativen zur Vorratsdatenspeicherung oder an die Piratenpartei. Für andere Themen wird das Internet dagegen wohl auch in Zukunft kaum eine Rolle spielen. Bei Agrarpolitik zum Beispiel sind wohl die wenigsten Praktiker im Web 2.0 unterwegs. Und dann laufen dort entsprechend auch nicht die Diskussionen. Mailen Sie uns Ihre Meinung: kompakt@igbce.de

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AKTUELLES

Foto: Volker Danisch, www.vodan.net

Wochen gegen Rassismus

DAMALS...1970

VIELE HABEN DIE BILDER vom 13. Februar 2011 noch im Kopf: Hunderte Neonazis ziehen mit Fackeln durch Dresden und singen Trauerlieder. Jahr für Jahr missbrauchen Faschisten den Jahrestag der Bombardierung Dresdens für ihren bizarren Propagandamarsch. Doch Rassismus ist nicht immer so offensichtlich wie bei dieser Großdemonstration. Fremdenfeindlichkeit ist längst kein PhäSymbolisches Schuhwerk: Springerstiefel nomen am Rand der Gesellschaft – sie werden von vielen Neonazis getragen. findet sich in besorgniserregendem Maße in der Mitte der Gesellschaft: In Ost- und Westdeutschland, in allen Altersklassen, bei Frauen und Männern. Nicht erst seit Thilo Sarrazins Buch »Deutschland schafft sich ab« richten sich Vorurteile zunehmend gegen eine bestimmte Gruppe in der Gesellschaft. Einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung zur Folge können 55,4 Prozent der Deutschen gut verstehen, dass manchen Leuten Araber unangenehm sind. Um ein Zeichen gegen Muslimfeindlichkeit zu setzen, finden vom 14. bis 27. März die Internationalen Wochen gegen Rassismus statt. Die IG BCE beteiligt sich daran mit vielen bunten Aktionen und ruft auch ihre Mitglieder auf, so für mehr Toleranz einzustehen. Mehr auf www.igbce.de und www.internationale-wochen-gegen-rassismus.de

ZEHNTAUSENDE Leiharbeiter verdienen nicht genug Geld, um davon ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Nach einer Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) bekommen nur 19,1 Prozent der Vollzeitbeschäftigten in der Leiharbeit einen Bruttomonatslohn von mehr als 2000 Euro. In der gesamten Wirtschaft gilt dies hingegen für rund 70 Prozent der Vollzeitbeschäftigten. Rund zehn Prozent der Leiharbeiter verdienen sogar weniger als 1000 Euro monatlich. 92 000 waren 2010 als sogenannte Aufstocker auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen. Das ist fast jeder achte Beschäftigte der Leiharbeitsbranche. Besonders groß ist die Einkommenskluft in der Industrie. Hier verdienen Leiharbeiter nicht einmal halb so viel wie Beschäftigte der Stammbelegschaft. Das Verarmungsrisiko der derzeit rund 900 000 Leiharbeiter ist damit vier bis fünf Mal größer als in der Gesamtwirtschaft. Für seine Studie hat der DGB die Entgeltstatistik der Bundesagentur für Arbeit ausgewertet. Dieser liegen fast 500 000 Angaben zugrunde. 10 | kompakt | März 2011

Foto: Christine Basler/buchcover.com

Der Abstand wird größer

Wachsende Distanz: Leiharbeitern verdienen weniger als die Hälfte des Stammpersonals.

> Leichte Mädchen? »Kein Zweifel, das vergilbte Weltbild aus Großmutters Zeiten wird immer noch liebevoll gepflegt«, schreibt die »Gewerkschaftspost« im September 1970. Es ist ein Weltbild, bei dem alleiniges Interesse an Haushalt, Familie und Mode den Gipfel weiblicher Tugend darstellt. »Was diese eisern verteidigten Vorstellungen anrichten, spricht nicht nur unserem Grundgesetz, das die Gleicheit aller Menschen garantiert, Hohn«, heißt es weiter in der Zeitschrift der IG Chemie-PapierKeramik. Denn dank dieses Weltbildes waren weibliche Arbeitskräfte zu willkommenen Lückenbüßern für schlecht bezahlte Arbeit geworden. Zwar waren die sogenannten Frauenlöhne gesetzlich verboten, doch sie wurden von Lohnleichtgruppen praktisch ersetzt. Tätigkeiten, die Frauen ausübten, wurden als »leicht« bewertet und nur gering entlohnt. Doch selbst, wo Frauen und Männer die gleichen Arbeiten verrichteten, erhielten Arbeiterinnen weniger Geld. Begründung: Der Mann trägt die Verantwortung für die Maschine. Die Gewerkschaften haben in den vergangenen Jahrzehnten im Kampf gegen die Benachteiligungen von Frauen viel erreicht – gleiche Tätigkeiten werden gleich bezahlt. Trotzdem: Frauen verdienen heute im Durchschnitt rund 20 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen.


STANDPUNKT

Mehr Frauen in Spitzenpositionen Foto: Martin Schlüter

»Es schadet nicht zuletzt dem ökonomischen Erfolg, fähigen Frauen Führung zu verweigern.«

E

s ist nicht begründbar, dass Führungspositionen in der Wirtschaft fast ausschließlich mit Männern besetzt sind. Auch in den Vorständen von Unternehmen und deren Aufsichtsräten arbeitet selten eine Frau, und das hat viel mit einem überholten Rollenbild und wenig mit einer vorurteilsfreien Orientierung an Persönlichkeit und Qualifikation zu tun. Die Besetzung von Spitzenpositionen muss in jeder Hinsicht nach rationalen Gesichtspunkten erfolgen – das Geschlecht kann da genauso wenig ein Kriterium sein wie die Nationalität. Es schadet im Übrigen dem wirtschaftlichen Erfolg, wenn fähigen Frauen Führungsverantwortung verweigert wird.

FRAUEN IN FÜHRUNG zu bringen, das ist ein Ziel der 2008 erfolgreich gestarteten »Offensive Frauen« unserer IG BCE. Wenn sich heute eine Frau in einem mitbestimmten Aufsichtsrat findet, dann wird sie oft von der Arbeitnehmerseite gestellt. Der Anteil der hauptamtlichen Gewerkschafterinnen an von uns zu besetzenden Mandaten beträgt 16 Pro-

zent – bei 22 Prozent Frauenanteil an den Beschäftigten unserer Branchen sicherlich nennenswert. Und wir wollen da kontinuierlich weiter vorankommen. JAHRELANGE VERSÄUMNISSE lassen sich nicht von jetzt auf gleich wettmachen. Das ist der stärkste Einwand gegen eine verpflichtende Frauenquote, wie sie die Politik diskutiert. Qualifikation muss in Spitzenposition unterhalb der Vorstände und Aufsichtsräte wachsen, ehe der nächste Sprung erfolgreich gelingt. Wir werden uns aber nicht auf eine Selbstverpflichtung der Unternehmen verlassen, Frauen in Führung bringen zu wollen. Die Schritte dahin müssen überprüfbar sein, sonst verlieren wir erneut ein Jahrzehnt in der Geschlechtergleichstellung. Das Mindeste sind konkrete Zielvereinbarungen und eine regelmäßige Berichtspflicht. Wo Umdenken freiwillig nicht funktioniert, brauchen wir die gesetzliche Frauenquote als Lösung. Denn die Zeit, da Männer glaubten in Spitzenpositionen unter sich zu bleiben, ist unwiderruflich vorbei. MICHAEL VASSILIADIS

Vorsitzender der IG BCE vorsitzender@igbce.de kompakt | März 2011 | 11

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TITEL DOPPELJAHRGANG

Die doppelte Welle DIE AUFREGUNG IST GROSS. Durch die doppelten Abiturjahrgänge und das Ende von Wehr- und Zivildienst verlassen dieses Jahr allein in Niedersachsen und Bayern zusätzlich Zehntausende Abiturienten die Schulen. Während die Jugendlichen um ihre Plätze bangen, hoffen Unternehmen auf Nachwuchs. Foto: Federico Gambarini/dpa

Foto: Dennis Börsch

Z Machen das Beste daraus: Svenja und Andreas sind zwei von Tausenden, die dem doppelten Jahrgang angehören.

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wei junge Menschen, beide sind unter 20, beide schreiben dieses Jahr ihr Abitur. So weit, so normal. Was Andreas Heinemann und Svenja Niederkrome unterscheidet, ist ein Jahr Schule. Während Andreas in der 13. Klasse seine Reifeprüfung macht, steht sie für Svenja bereits in der 12. an. Denn die beiden Schüler aus der niedersächsischen Landeshauptstadt gehören zum sogenannten doppelten Abiturjahrgang. Grund für die ungewöhnliche Situation ist die Umstellung vom neun- auf das achtjährige Gymnasium, kurz G8, das deutsche Schüler international wettbewerbsfähiger machen soll. Während Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, das Saarland und Hamburg den

Wechsel bereits vollzogen haben, sind ab 2011 erstmals bevölkerungsstarke Bundesländer an der Reihe. Allein in Niedersachsen und Bayern rechnet die Kultusministerkonferenz dieses Jahr mit knapp 60 000 zusätzlichen Abiturienten. Baden-Württemberg, Berlin und Brandenburg stellen sich für 2012 auf ein Plus von 34 000 Schulabsolventen ein, Nordrhein-Westfalen und Teile von Hessen ein Jahr später auf noch einmal 60 000. WIE SICH DIE WELLE AUSWIRKT, die in den nächsten Jahren die Bundesrepublik trifft, ist nur schwer vorhersehbar. Zumal durch das Aussetzen von Wehrund Zivildienst Zehntausende weitere Schüler freigesetzt werden. Befürchtun-


Hier darf sonst keiner reinschauen und abgucken schon gar nicht: Schüler in einem Düsseldorfer Gymnasium schreiben für die Kamera ihr Abitur.

gen wie Hoffnungen sind groß. Auf der einen Seite stehen die Schüler, die wegen der wachsenden Konkurrenz untereinander um einen guten Start ins Berufsbeziehungsweise Uni-Leben fürchten. Auf der anderen Seite die Unternehmen, denen die demografische Entwicklung und der damit verbundene drohende Fachkräftemangel im Nacken sitzt.

DAS ABITUR NACH ZWÖLF JAHREN seit 1949 Sachsen, Thüringen seit 2007 Sachsen-Anhalt seit 2008 Mecklenburg-Vorpommern seit 2009 Saarland seit 2010 Hamburg 2011 Bayern, Niedersachsen 2012 Baden-Württemberg, Berlin,

FAKT IST, dass es die meisten jungen

Brandenburg, Bremen

Menschen mit Hochschulreife an selbige zieht. 2008 waren das immerhin 72 Prozent – laut jüngsten Untersuchungen könnten es bald 85 Prozent sein. Bund und Länder haben darauf bereits mit dem Hochschulpakt II reagiert, durch den in den nächsten vier Jahren 275 000 neue Studienplätze geschaffen werden sollen.

2013 Nordrhein-Westfalen, Teile von Hessen 2014 Teile von Hessen 2016 Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz (im Modellversuch an Ganztagsschulen)

Dass jeder Bewerber sein Wunschfach studieren kann, ist jedoch eher unwahrscheinlich. Die Abiturienten, die lieber in eine Ausbildung gehen möchten, laufen gerade bei großen Unternehmen durch offene Türen. Viele sehen die Doppeljahrgänge als Chance, sich qualifizierten Nachwuchs zu sichern. Denn sie sind das letzte große Aufbäumen, bevor 2020 die geburtenschwachen Jahrgänge antreten und es allerorten an Personal fehlen wird. Die Situation von Haupt- und Realschülern bei der Ausbildungssuche wird sich den Ausbildungsexperten zufolge nicht verschlechtern. Aus vielfältigen Gründen. Zum einen stellen viele Betriebe zusätzliche Plätze für Abiturienten zur Verfügung, statt h kompakt | März 2011 | 13


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TITEL DOPPELJAHRGANG

Der befürchtete Verdrängungswettbewerb bleibt bisher aus

Fotos (3)Dennis Börasch

h die ohnehin angebotenen mit ihnen

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1 | PLATZ GEFUNDEN: Philipp-Christian Brandin lernt Mechatroniker bei Continental in Hannover.

2 | DIE MISCHUNG STIMMT: Für Conti-Jugendvertreter Maximilian Grabher sind Abiturienten, Haupt- und Realschüler gleichmäßig verteilt.

3 | GELERNT IST GELERNT: Als Industriemechaniker hat Steffen Pestka später gute Aussichten, einen Job zu finden.

zu besetzen. Volkswagen beispielsweise stockt einmalig um weitere 200 Ausbildungs- und Studienplätze in Niedersachsen und Hessen auf, Audi richtet an seinen Standorten in Bayern und Baden-Württemberg 36 zusätzliche für das duale Studium ein. Das entspricht der durchschnittlichen Zahl an Ausbildungsplätzen, die in den vergangenen Jahren mit Abiturienten besetzt wurden. Der Autozulieferer Continental hat wegen des doppelten Jahrgangs die Zahl seiner Ausbildungsplätze von bundesweit 565 im vergangenen Jahr auf 608 in diesem erhöht – unter anderem die dualen Studiengänge im Ingenieurbereich. Eine Tendenz zur Übervorteilung sieht Conti-Jugendvertreter Maximilian Grabher nicht: »Bei uns sind die Auszubildenden gut durchmischt. In meinem Lehrjahr gibt es sowohl Hauptschüler, Schüler mit Fachhochschulreife als auch Abiturienten.«

2 DAS WIRD AUCH SO BLEIBEN. Denn

3 14 | kompakt | März 2011

Schüler interessieren sich je nach Abschluss erfahrungsgemäß für unterschiedliche Berufe. Im Handwerk etwa liegt die Quote der Abiturienten bei gerade einmal sechs Prozent, besonders viele entscheiden sich für eine Ausbildung zum Orthopädietechniker, Augenoptiker, zur Bürokauffrau und vereinzelt zum Mechatroniker. In den meisten Bereichen sind traditionell Haupt- und Realschüler beschäftigt. »Sie sind nach wie vor unsere Hauptzielgruppe«, beruhigt Carl-Michael Vogt, Leiter der Abteilung Berufliche Bildung bei der Handwerkskammer Hannover. Ähnlich sieht es in Ausbildungsberufen aus, die in die Zuständigkeit der Industrie- und Handelskammer fallen. Die


ÜBER DIE GRÜNDE können Arbeitsagentur und Unternehmen nur spekulieren. Fakt ist, es gibt immer noch zu wenig Ausbildungsplätze. Im Juli 2010 wurden von der Bundesagentur für Arbeit 405 639 betriebliche Ausbildungsplätze gemeldet. Dem standen 511 228 Bewerber gegenüber. Die rechnerische Lücke beträgt also 105 589 fehlende Ausbildungsplätze. Von einer ausgeglichenen Bilanz kann keine Rede sein. Vergessen darf man auch nicht die Zehntausend Bewerber, die in den vergangenen Jahren bei der Lehrstellensuche leer ausgegangen sind und nun in Warteschleifen verharren. Ihre Chance auf eine Lehrstelle wird von Jahr zu Jahr geringer. Etwa 1,5 Millionen junge Menschen zwischen 20 und 29 haben keine abgeschlossene Berufsausbildung. Und viele von ihnen blicken pessimistisch in die Zukunft. Laut der aktuellen Shell-Jugendstudie sind etwa 20 Prozent der Ju-

gendlichen zwischen 12 und 25 Jahren von der restlichen Gesellschaft abgehängt. Dies betrifft besonders Kinder aus sozial schwachen Familien. Während fast drei Viertel der Befragten davon ausgehen, dass sich ihre Berufswünsche erfüllen, liegt die Zahl bei den Jugendlichen aus schwierigen sozialen Verhältnissen bei lediglich 41 Prozent. Zur positiven Bilanz der Handelskammern und Arbeitgeberverbände passt auch nicht, dass viele Auszubildende Probleme haben, im Anschluss an die Lehre einen Arbeitsplatz zu finden. Ebenfalls unverständlich ist der Boom befristeter Arbeitsverträge. Nur rund ein Viertel der Unternehmen in der Industrie übernimmt ihre Azubis unbefristet. Mit Blick auf den doppelten Jahrgang

haben IG BCE und BAVC den Tarifvertrag »Zukunft durch Ausbildung«, der die Zahl der Ausbildungsplätze in der chemischen Industrie festlegt, fortgeschrieben. FÜR ANDREAS HEINEMANN und Sven-

ja Niederkrome ist all das erst mal kein Thema. Die beiden Schüler gehören zur Masse derer, die wohl prototypisch für den doppelten Abiturjahrgang und Abiturienten an sich ist. Der 19-Jährige will Medizin studieren und die Wartezeit mit einem freiwilligen Jahr beim Bund überbrücken. Seine Schulkameradin will vielleicht Lehrerin werden – aber erst nachdem sie ein Jahr in Neuseeland verbracht hat, »um zu jobben und zu reisen«. Yasmin Karg/sh

CHANCEN AUF AUSBILDUNGSPLATZ ERHÖHEN Die Chancen auf einen Ausbildungsplatz stehen auch angesichts der doppelten Abiturjahrgänge nicht schlecht. Wer seine Aussichten jedoch verbessern möchte, tut gut daran, sich alle Möglichkeiten vor Augen zu halten. Und die sind vielfältig: Aktuell zählt das Bundesinstitut für Berufsbildung etwa 350 anerkannte Ausbildungsberufe, von denen aber nur die wenigsten bekannt sind. 26 Prozent aller neu abgeschlossenen Verträge entfallen auf gerade einmal sieben Berufe. Die Top Ten der Ausbildungsberufe: 1. Kaufmann/-frau im Einzelhandel 2. Verkäufer/-in 3. Bürokaufmann/-frau 4. Kraftfahrzeugmechatroniker/-in 5. Industriekaufmann/-frau 6. Kaufmann/-frau im Groß- und Außenhandel 7. Koch/Köchin 8. Medizinische/-r Fachangestellte/-r 9. Friseur/-in 10. Bankkaufmann/-frau

Foto: Peter Jobst/Zoonar.com

Hälfte aller Abiturienten konzentriert sich auf nur zehn Berufe. »In den Bereichen Bank, Versicherungen und Finanzen, Industrie und Immobilien haben wir Quoten von mehr als 60 Prozent«, sagt IHK-Berufsbildungsreferent Gert Spevacek. Ebenfalls beliebt seien gewerblich-technische Ausbildungsberufe wie Fachinformatiker und Anwendungsentwickler. Die Erfahrungen aus Bundesländern, in denen der doppelte Abi-Jahrgang bereits die Schulen verlassen hat, legen ebenfalls nahe, dass es künftig kein Chaos auf dem Ausbildungsmarkt geben wird. »Der befürchtete Verdrängungswettbewerb ist ausgeblieben«, sagt Knut Böhrnsen von der Arbeitsagentur Hamburg. Die Hansestadt hatte im vergangenen Jahr sogar mit verschiedenen Partnern ein Aktionsbündnis Bildung und Beschäftigung gebildet und 3000 zusätzliche Ausbildungsplätze eingeworben. Viele Stellen konnten allerdings nicht besetzt werden. »Bei uns haben sich bislang sogar weniger Bewerber gemeldet als Plätze zur Verfügung stehen.«

Die Alternativen liegen manchmal gar nicht so weit entfernt wie man vermutet. Statt einer Lehre als Einzelhandelskaufmann bieten sich etwa Buchhändler, Musikfachhändler, Automobilkaufmann oder Drogist an. Azubis werden auch in fast allen Produktionsberufen gesucht – vom Papiertechnologen über Verfahrensmechaniker Kunststoff- und Kautschuktechnik, Chemikant bis hin zum Pharmakanten. Eine Übersicht über Ausbildungsberufe und Ausbildungsalternativen bietet die Agentur für Arbeit auf ihrer Internetseite: http://berufenet.arbeitsagentur.de

kompakt | März 2011 | 15


Themen Tarifrunde

Die 7 steht – auch an der Fassade der IG-BCE-Hauptverwaltung in Hannover.

Ohne Moos nix los TARIFRUNDE

CHEMIE

2011

Die erste Runde in den

Regionen ist gedreht, am 15. März wird auf Bundesebene weiterverhandelt. Für die 550 000 Beschäftigten in der chemischen Industrie fordert die IG BCE eine Erhöhung der Entgelte um 7 Prozent bei einer Vertragslaufzeit von zwölf Monaten. 16 | kompakt | März 2011

N

eunmal haben sich die Kommissionen der Chemie-Arbeitgeber und der IG BCE bislang gegenüber gesessen. Die Verhandlungen machen deutlich: Der Aufschwung ist da, hat in voller Breite eingesetzt. Es gibt auch keine nennenswerten Unterschiede zwischen den Regionen, die Chemie brummt, das Vorkrisenniveau ist erreicht. 2010 hat es ein Produktionsplus von 11 Prozent gegeben, der Umsatz ist um 17,5 Prozent gestiegen. Das Tal der Tränen ist überwunden, der Anschluss zu den absoluten ChemieSpitzenjahren 2008 und 2009 geschafft. Auch um die Perspektiven ist es gut bestellt, der ifo-Geschäftsklimaindex bewegt sich auf Rekordhöhe.

Die »Tagesschau« meldet nüchtern einen »XXL-Boom«, eine Einschätzung, die auch von den Zahlen aus den Chemie-Betrieben gestützt wird. Im Augenblick werden gerade die Bilanzen erstellt, der Trend ist klar: »Das Jahr 2010«, sagt Lanxess-Vorstand Axel Heitmann, »wird mit Sicherheit das beste Jahr unserer Firmengeschichte.« Gute Nachrichten auch aus Hannover, die Conti hat ein Wachstum von 27 Prozent hingelegt – ein Vorstoß in neue Dimensionen. Clariant schließt 2010 mit dem besten Ergebnis seit zehn Jahren ab. Rudolf Staudigl, Chef der Wacker Chemie, blickt optimistisch in die Zukunft: »Unsere Produktion ist für 2011 und 2012 bereits so gut wie ausverkauft.« BASF-Vorstand Jürgen

Foto: Dennis Börsch

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Z W IS C H ENRU F

Peter Hausmann

»Wir fordern 7 Prozent – weil die chemische Industrie hohe Gewinne erzielt und wir hohen Anteil daran haben!«

»Wir fordern 7 Prozent, weil wir unseren gerechten Anteil am Aufschwung haben wollen.«

Irene Feußner, Vertrauensfrau Siemens Healthcare Diagnostics Products GmbH

Kaya Muharrem, Betriebsratsmitglied Michelin Reifenwerke Bad Kreuznach

»Die IG BCE fordert genau das Richtige. Es gibt eine Lösung für den Fachkräftemangel: Gute Ausbildung und mehr Übernahmen!«

»In der Not hat man von uns genommen, jetzt erwarten wir unseren Anteil am Erfolg.«

Ralph Aldridge, JAV-Vorsitzender Infracor GmbH

Britta Schaubs, Vertrauensfrau und Betriebsrätin Honeywell Bremsbeläge

Hambrecht bringt die Lage im größten Chemie-Unternehmen der Welt auf den Punkt: »Wir werden das Jahr 2010 mit einem Rekordergebnis abschließen. Diesen Erfolg haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ihrem Teamgeist, ihrer hohen Flexibilität und ihrem großartigen Einsatz möglich gemacht.« Vor diesem Hintergrund scheinen die Reaktionen des Bundesarbeitgeberverbandes Chemie (BAVC) auf die gewerkschaftliche Forderung aus einer anderen Welt. »An der Realität vorbei«, »überzogen«, der Bogen sei »deutlich überspannt« und so weiter und so weiter – die Klagelieder werden geradezu herzergreifend gesungen. BAVC-Hauptgeschäftsführer Hans Paul Frey meint gar, die IG BCE vorm Abheben warnen zu müssen: »Die IG BCE muss darauf achten, die Bodenhaftung nicht zu verlieren. Sie darf jetzt nicht den Fehler machen, sich von den außergewöhnlichen Zahlen aus dem Jahr 2010

blenden zu lassen.« Doch in den Tarifkommissionen der IG BCE sitzen gestandene Gewerkschafter, die lassen sich von gar nichts blenden. Die Nordrheiner haben sich in der Verhandlung Sonnenbrillen aufgesetzt, um die Einlassung des Arbeitgebervertreters ironisierend zu kontern.

Im IG-BCE-Hauptvorstand für Tarifpolitik zuständig peter.hausmann@igbce.de

Die Zeit ist reif

D

ie gesamtwirtschaftlichen Rahmendaten und die Zahlen aus den Chemie-Unternehmen sehen gut aus, unsere 7-Prozent-Forderung ist berechtigt und gut begründet. Zudem sei unterstrichen, dass die Beschäftigten in der Krise erhebliche Einschnitte hingenommen und so die Voraussetzungen für einen neuen Aufschwung mit geschaffen haben. Der Aufschwung ist da – und jetzt wollen wir daran teilhaben. Das entspricht den Geboten von Fairness und Gerechtigkeit. Es spricht nichts gegen zügige Verhandlungen – aber alles gegen taktische Spielchen. Kurz und knackig, das bleibt unsere Orientierung für die Chemie-Runde 2011. Die Arbeitgeber sind aufgefordert, ihr Wolkenkuckucksheim zu verlassen und die Wirklichkeit zur Kenntnis zu nehmen. Wir erwarten, dass am 15. März in Hannover ein verhandlungsfähiges Angebot auf den Tisch kommt.

Jenseits aller Ironie ist jedoch

klar: Ein Selbstläufer wird die Tarifrunde 2011 nicht, die Auffassungen von IG BCE und Chemie-Arbeitgebern klaffen weit auseinander. Die Überschrift des Aufmachers im »BAVC-Informationsdienst für Führungskräfte« lautet: »Weniger ist mehr.« Die IG BCE hält dagegen: »Mehr ist mehr.« Gut möglich, dass der 7-Prozent-Forderung demonstrativ Nachdruck verliehen werden muss – die Bundesverhandlung am 15. März in Hannover wird Aufschlüsse bringen. Michael Denecke

Die Tarifrunde im Netz Für schnelle Infos rund um die Tarifrunde ist ein Blog eingerichtet: www.igbce-blogs.de/kampagne Und bei Facebook ist die IG BCE ebenfalls stets aktuell unterwegs: www.facebook.com/pages/ IG-BCE/195646150169 Wir freuen uns auch im Netz immer über neue Freunde . . .

kompakt | März 2011 | 17


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THEMEN SOZIALGESETZE

HARTZ IV Der EIN JAHR hat die Politik

gebraucht, um dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zu entsprechen und die Hartz-IV-Sätze neu zu regeln. Viel Taktik war im Spiel – das Ergebnis ist kein großer Wurf.

A

m frühen Morgen des 21. Februar war es endlich soweit: Nach zwei Monaten heftigen Streits um die Hartz-IV-Gesetze einigten sich Regierung und Opposition auf einen Kompromiss, dem nach Redaktionschluss dieser kompakt-Ausgabe noch der Vermittlungsausschuss sowie Bundestag und Bundesrat selbst zustimmen mussten.

Wichtigster Punkt: Der REGELSATZ des Arbeitslosengeldes II für erwerbsfähige Hilfebedürftige (umgangssprachlich: »Hartz IV«) steigt in zwei Stufen um monatlich 8 Euro. Zunächst werden rückwirkend ab Januar 5 Euro gezahlt, sodass der Regelsatz jetzt 364 Euro beträgt. 2012 kommen weitere 3 Euro sowie ein zusätzlicher Betrag aufgrund von Inflation und Lohnentwicklung hinzu.

ABER: Leiharbeit wird immer noch ZAHL DER LEIHARBEITNEHMER IN DEUTSCHLAND

b c

(ABSOLUTE ZAHLEN UND VERTEILUNG NACH GESCHLECHT)

823 000

JULI 2008

Quelle: BA Ende 2009

69 % APRIL 2009

DEZEMBER 2009

582 000 632 565

31 % OKTOBER 2010

923 000

Zum Vergleich: Im Jahresdurchschnitt waren 2010 rund 40,37 Millionen Personen in Deutschland erwerbstätig.

Der Kompromiss zwischen Regierung und SPD beinhaltet keine echten Verbesserungen für Leiharbeiter. Vor allem gibt es immer noch nicht gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Nach dem Abschluss der nächtlichen Verhandlungen waren alle Beteiligten erst einmal froh, ein Ergebnis zu haben. Doch für die knapp eine Million Leiharbeiter in Deutschland ist das Resultat mehr als enttäuschend. Denn die Bundesregierung hat das Thema »Gleicher Lohn für gleiche Arbeit« am Ende ausgespart und »damit eine große Chance verspielt«, sagt Michael Vassiliadis, der IG-BCE-Vorsitzende. Auch 87 Prozent

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der Deutschen finden es ungerecht, dass Leiharbeiter nicht den gleichen Lohn bekommen wie regulär Beschäftigte. Das hat eine Allensbach-Umfrage Anfang Februar ergeben. »Wir begrüßen, dass jetzt für weitere Bereiche Lohnuntergrenzen gezogen werden sollen«, sagt Michael Vassiliadis. Das sei durchaus ein Fortschritt, der Durchbruch allerdings, kritisiert er, sei damit nicht geschafft. Insbesondere die Beschäftigten in Branchen mit einem guten Entgeltniveau hätten das Nachsehen. Leiharbeit, so Vassiliadis, sei längst zu einem Instrument der Lohndrückerei verkommen. Schon bei den Herbstaktivitäten war das Thema Leiharbeit ein zentrales Anliegen der IG BCE. Und sie wird die Leiharbeit auch weiter thematisieren.


Kompromiss LEIHARBEITSKRÄFTE sollen ab dem

MINDESTLÖHNE für Beschäftigte im

1. Mai durch eine Entgeltuntergrenze (»Mindestlohn«) geschützt werden. Auf dieses Datum kam es an, weil der deutsche Arbeitsmarkt ab Mai für osteuropäische EU-Arbeitskräfte vollständig geöffnet ist. Gegen dieses Stichdatum für einen Mindestlohn hatte die FDP bis zum Schluss gekämpft.

Wachgewerbe und in der Weiterbildungsbranche werden neu eingeführt. Von den Mindestlöhnen profitieren nach einer Schätzung von Ministerpräsident Kurt Beck 1,2 Millionen Beschäftigte. Durch diese Maßnahmen werden vermutlich deutlich weniger Menschen auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen sein.

Ferner gibt es ein BILDUNGSPAKET zugunsten von 2,3 Millionen armer Kinder von Hartz-IV-Empfängern oder Geringverdienern, die den Kinderzuschlag oder Wohngeld erhalten. Es enthält Zuschüsse für ein warmes Mittagessen in Schule oder Kita, monatlich 10 Euro Zuschuss für Freizeitaktivitäten, 30 Euro pro Schuljahr für Wandertage sowie 100 Euro für Schulsachen.

viel schlechter bezahlt

b b b c b c b b c c b c b

2805 Euro brutto verdienten regulär Vollzeitbeschäftigte in den alten Bundesländern 2009 durchschnittlich

65 %

der Leiharbeitnehmer verfügen über eine abgeschlossene Berufsausbildung. 30 Prozent von ihnen sind als Hilfsarbeiter tätig.

Quelle: BA 2009 u. stat. Bundesamt

QUALIFIKATION

1456 Euro brutto verdienten Leiharbeiter trotz sozialversichertem Vollzeitjob in den alten Bundesländern 2009 durchschnittlich

8%

c b

der zuvor Arbeitslosen sind es unterm Strich nur, die durch Leiharbeit den Sprung aus der Arbeitslosigkeit geschafft haben.

Foto: Timo Volz

DIE GRÖSSTEN LEIHARBEITSFIRMEN RANDSTADT (Niederlande), ADECCO (Schweiz), PERSONA (Deutschland), AUTOVISION (Wolfsburg), USG PEOPLE GERMANY (Niederlande) sowie PERSONAL, ZAG-Zeitarbeitsgesellschaft, ORIZON, TIME-PARTNER (alle Deutschland).

kompakt | März 2011| 19

Quelle: IAB-Studie 13/2010

KEIN KLEBEEFFEKT


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LESERFORUM Nr. 02 I FEBRUAR 2011 www.igbce.de

VOR ORT Flachglas in Wesel ist insolvent – wie geht es für die Beschäftigten weiter? TENDENZEN Was ungarische Gewerkschafter zum umstrittenen neuen Mediengesetz sagen TIPPS Wie viel Geld Frauen mit Risikoschwangerschaft im Berufsverbot zusteht

Schreiben Sie uns! Wir freuen uns über Lob, Kritik und Anregungen.

kompakt

IMPRESSUM

Das Mitgliedermagazin der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie

Was uns nicht schmeckt Die Arbeitsmarktzahlen sind glänzend. Aber Befristung und Zeitarbeit nagen am schönen Bild vom Jobwunder.

Leserbriefe stellen die Meinung des Einsenders dar. Anonyme Zuschriften werden nicht berücksichtigt. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

Gerechtigkeit verteilt den Wohlstand und sorgt für sozialen Frieden und auch für Sicherheit. Glück hingegen hat mit Gerechtigkeit nichts zu tun. Glück ist ein Zufallsprodukt. Glück ist die Abwesenheit von Unglück. Unglück ist zum Beispiel, wenn man von seiner Hände Arbeit nicht leben kann. Günter Stadler, per E-Mail

> Zitat des Monats > »Damit ist es aus«

(2/2011)

von Dirk Kirchberg (2/2011)

Lobbyarbeit Schotten dicht

Mit großer Verwunderung muss ich feststellen, dass unsere Gewerkschaftszeitung jetzt auch der Lebensmittellobby das Wort gibt. Versucht man doch seit Monaten die Bevölkerung auf höhere Lebensmittelpreise einzustimmen. Die Devise lautet ganz einfach: Teure Lebensmittel gleich gute Lebensmittel. Billige Lebensmittel gleich schlechte Lebensmittel. Und alle, die noch nie einen Supermarkt von innen gesehen haben, stimmen naiv mit ein. Durch höhere Preise steigt mit Sicherheit nicht die Qualität der Lebensmittel, wohl aber die Gewinne der Erzeuger und Händler.

Was Orbán in Ungarn veranstaltet, ist unglaublich. Ungarn, ausgerechnet Ungarn, das ja an den Umwälzungen 1989 eine nicht unmaßgebliche Rolle spielte. Keiner weiß, wie weit Orbán bereit sein wird, demokratische Grundrechte noch weiter zu treiben. Den ersten Schritt hat er gemacht. Aufgrund satter Mehrheiten. Wenn die beginnen zu wackeln, fürchte ich, wird Orbán aus reinem Machterhaltungstrieb noch mehr die Schotten dicht machen. Ich meine, dass hier auch die ungarischen Gewerkschaften mobil machen müssen.

Hans Werner Schmitz, Gelsenkirchen

Reiner Eckel, auf dem kompakt-Blog

> Viel Glück?

@

von Bert Strebe (2/2011)

> »Entscheidend ist die Schutzausrüstung«

Gerechtes Glück

Interview mit Helmut Blome (2/2011)

@

Kein Dioxin

Macht Wohlstand zufrieden? Welch eine Frage, eines ist sicher: Gerechtigkeit macht zufriedener! 20 | kompakt | März 2011

kompakt

Mit Erstaunen mussten wir feststellen,

dass wir als Kokerei Prosper mit dem sensiblen Thema Dioxin im Einklang gebracht worden sind. In dem Interview mit Herrn Blome fiel kein Wort, dass auf eine Kokerei hingewiesen wird, nur in der Bildunterschrift zu dem Foto. Meines Wissens nach entsteht beim Verkoken von Kohle kein Dioxin. Maximal bei Einsatzstoffen, die einem Kokereiprozess zugeführt werden, könnte Dioxin auftreten. Allerdings ist das Qualitätsmanagement so gut ausgelegt, dass unsere Stoffe eben nicht in irgendeiner Form belastet sind. Ferner wird in dem Interview von Sondermüllverbrennungsanlagen berichtet und die Kokerei Prosper ist keine Verbrennungsanlage. Michael Gruner, Herne

> Unser Einsatz für Deine Übernahme Rückseite (2/2011)

@

Hiermit distanziere ich mich als Gewerkschafter auf das Allerschärfste von der Aufmachung der Rückseite der kompakt. Fast täglich muss ich meine Dachrinne von linksradikalen und rechtsradikalen Aufklebern säubern, die in der gleichen Aufmachung daherkommen und ganze Städte verschandeln. Nur dass auf dieser der gleiche Mann auf einen Polizisten eintritt. Wenn das der neue Stil meiner Gewerkschaft wird, kann ich nur »Pfui Teufel« sagen. Axel Felgner, per E-Mail

Das Mitgliedermagazin der IG Bergbau, Chemie, Energie Herausgeber Michael Vassiliadis Chefredakteur Christian Hülsmeier Stellvertretender Chefredakteur Michael Denecke Chef vom Dienst Alexander Nortrup Redaktion Sarah Heidel, Rudolf Heim, Dirk Kirchberg, Dr. Ulrike Börger Fotoredaktion Ulrike Neufeld Redaktionsassistenz Simone Michels, Tanja Rössner Gestaltung Hans Borgaes Redaktionsanschrift Königsworther Platz 6 30167 Hannover Telefon: 0511 7631-329/-698 Telefax: 0511 7000891 E-Mail: kompakt@igbce.de Internet: www.igbce.de Satz: BWH GmbH Beckstraße 10, 30457 Hannover Gesamtherstellung und -vertrieb: Westend Druckereibetriebe GmbH Westendstraße 1, 45143 Essen Anzeigenverwaltung BWH GmbH – Die Publishing Company Postfach 92 01 55, 30440 Hannover Telefon 0511 94670-0 Telefax 0511 94670-38 Gültige Anzeigenliste Nr. 9 vom 01. 05. 2010 Verantwortlich für den Anzeigenteil: Jürgen Oberschilp Zusendungen: Für unverlangte Einsendungen wird keine Gewähr übernommen. Bezugspreis 0,90 €, jährlich 10,00 €. Für Mitglieder der IG BCE ist der Bezugspreis im Mitgliedsbeitrag enthalten. Erscheinungsweise: kompakt erscheint monatlich

mit acht Regionalausgaben für Bayern, Baden-Württemberg, Hessen-Thüringen, Nord, Nordost, Nordrhein, Rheinland-Pfalz/Saarland, Westfalen. Redaktionsschluss dieser Ausgabe: 21. 02. 2011 Druckauflage: 676 061 (IV/2010) Gedruckt auf chlorfreiem Papier


VOR ORT Kristallisierte Energie Wie bei SolarWorld aus Silizium Solarzellen werden

Auf dem Weg nach oben IG BCE und Chemiearbeitgeber fördern und begleiten Frauen in Führungspositionen.

Einigung bei RWE Warnstreiks brachten Bewegung in die schwierigen Tarifverhandlungen.

Der Schornstein raucht weiter Aus Thailand und Italien kommen die neuen Trevira-Eigentümer. Foto: Sven Doering/Agentur Focus

kompakt | Monat 20XX | 21


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VOR ORT SOLARWORLD

1

Sonnige Aussichten IM SÄCHSISCHEN FREIBERG betreibt SolarWorld eine der modernsten Solarfabriken weltweit.

Und produziert damit die Energieleistung eines Atomkraftwerk-Reaktorblocks.

S

chnell eilt Lars Eppendorfer den Gang entlang von der Befüllung in die laute Halle mit den Kristallisationsöfen. Zwei Werker sind dabei, einen der metallenen Öfen mit Silizium zu beladen. Dann ein Wechsel in die Waferfertigung. Soeben wird ein kristallisierter Siliziumblock in quadratische Säulen zerteilt. Ist alles optimal? Lars prüft, bespricht die Abläufe mit den

22 | kompakt | März 2011

Arbeitern. An seinem Schreibtisch in der Leitwarte sitzt er kaum. Denn Lars Eppendorfer ist Verlustjäger bei SolarWorld und immer unterwegs in der Produktion – auf der Suche nach Engpässen oder Verschwendung. Sein Einsatzgebiet beginnt dort, wo auch das Silizium seinen Weg hin zum Photovoltaikmodul antritt: in der Kristallisation. Hier liegt das eigentliche Geheimnis der Solarzellenferti-

gung. Über Stunden wird das Silizium in einem großen Quarzgutbehälter mit spezieller Beschichtung unter Edelgasatmosphäre geschmolzen. Danach muss es anderthalb Tage lang vom Boden ausgehend gleichmäßig erstarren. Wenn hier etwas schiefgeht, wird später die Solarzelle durch Risse unbrauchbar. SolarWorld hat im Gegensatz zu vielen anderen Solarunternehmen von Anfang an auf

die gesamte Fertigungskette der Photovoltaikproduktion gesetzt. Das zahlt sich jetzt aus. Denn mit der Kristallisation kann das Unternehmen die Qualität seiner Solarzellen selbst steuern. DIE PRODUKTION der Solar-

zellen liegt außerhalb von Lars Eppendorfers Bereich. Der Weg vom grauen Wafer, der hauchdünnen Siliziumscheibe, zur leitfähigen blauen


auf der Solarzellenrückseite, über die Stillschweigen bewahrt wird.

2 1 | DURCHBLICK: Olaf Heber beobachtet die automatische Klassierung der fertigen Solarzellen.

Betriebsrat und Verlustjäger Lars Eppendorfer (oben) kontrolliert in der Leitwarte Prozesskurven.

3 | VON HAND: Mitarbeiterinnen kontrollieren die Solarzellen auf Fehler.

3

Solarzelle läuft vollautomatisch. Dabei wechseln sich chemische und thermische Stationen ab: das Ätzen der Oberfläche im Säure-LaugenBad, danach die Diffusion von Phosphoratomen in den Wafer bei 800 Grad Celsius.

blaue Antireflexionsschicht oder das Einfeuern der Kontaktstreifen aus Silber, über die später der erzeugte Strom abgenommen wird – all das sind Standardprozesse der Solarzellenproduktion. Worin sich jede Fertigung unterscheidet,

»Wir spüren den Fachkräftemangel deutlich. Deshalb verstehen wir nicht, warum die Auszubildenden nur einen befristeten Vertrag bekommen.«

Fotos (4): Sven Doering/Agentur Focus

2 | KONTROLLE:

DER MARKT für Photovoltaikmodule ist hart umkämpft. Die Solarförderung sinkt, die Konkurrenz aus Asien macht Druck und die deutschen Pioniere können nur durch ständige Optimierung ihrer Produkte und Ausweitung der Produktionskapazitäten bestehen. Aktuell produziert der Freiberger Standort am Tag 200 000 multikristalline Solarzellen mit einem Wirkungsgrad von über 16 Prozent. Betriebsratsvorsitzende Anke MartinHeede sieht vor allem die dünne Personaldecke, wenn sie in der Produktion unterwegs ist. Die gängige Praxis der befristeten Einstellungen und die seit Jahren hohe Zahl der Leiharbeiter – nicht ungewöhnlich in der Solarbranche – sind ihr ein Dorn im Auge. Von den 15 Betriebsratsmitgliedern sind fast alle in der IG BCE, doch generell ist der Organisationsgrad im Betrieb nicht hoch. Da wollen sie ran, um Veränderungen bewirken zu können – auch tariflicher Art. Zurzeit baut der Betriebsrat ein Netzwerk von Vertrauensleuten auf. Die Auswirkungen sind schon spürbar, sagt Anke MartinHeede: »Es kommen mehr Anfragen. Wir merken, dass Gewerkschaft und Betriebsrat präsenter werden.«

bei den Ingenieuren, aber auch bei den Facharbeitern ist ebenfalls ein Thema für die SolarWorld-Betriebsräte. Sie verstehen nicht, warum den meisten Auszubildenden nach bestandener Abschlussprüfung nur ein befristeter Vertrag angeboten wird, obwohl FACHKRÄFTEMANGEL

Anke Martin-Heede Betriebsratsvorsitzende

Nur wenn die Maschinen einen Materialschaden melden, greifen die Operator, wie hier die Arbeiter heißen, ein. Das plasmaunterstützte Auftragen von Siliziumnitrid als

sind die vor Ort entwickelten Details. Bei SolarWorld sind es zum Beispiel die Mischverhältnisse in den chemischen Prozessen oder die Anordnung der silbernen Streifen

in Freiberg Facharbeiter fehlen. »Wir sind stolz, in einem Zukunftsunternehmen der Solarbranche zu arbeiten«, sagt Anke Martin-Heede, »aber wir sind mit verschiedenen Dingen nicht einverstanden.« Letzter Schritt, bevor die Siliziumzelle das Sonnenlicht in Energie verwandeln kann, ist die Solarmodulfertigung. In rasender Geschwindigkeit werden jeweils 60 Zellen zusammengelötet, laminiert, gerahmt und mit Anschlussdosen für die Stromabnahme versehen. Die SolarWorldWaferproduktion in Freiberg wird in diesem Jahr die Leistung von einem Gigawatt erreichen – so viel Energieleistung wie ein Reaktorblock eines Atomkraftwerks. Susanne Kettelför

DAS UNTERNEHMEN Im Jahr 2000 übernahm die von »Sonnenkönig« Frank H. Asbeck Ende der 90er-Jahre gegründete SolarWorld AG die Waferfertigung der Bayer Solar GmbH. In enger Kooperation mit der Technischen Universität Freiberg sowie etwa 20 weiteren Forschungseinrichtungen betreibt der Konzern heute in Freiberg an drei Produktionsstandorten eine der weltweit wenigen vollintegrierten Solarfabriken. Rund 1850 Menschen arbeiten hier, 400 von ihnen als Leiharbeiter, außerdem 73 Auszubildende. SolarWorld betreibt zudem Werke in den USA und Südkorea. Der Firmensitz ist Bonn. Das Unternehmen hat für 2010 einen Rekordumsatz von 1,3 Milliarden Euro gemeldet. www.solarworld.de

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VOR ORT AKTUELLES

Lohndiktat abgeschmettert – Einigung bei RWE

D

ie RWE-Belegschaft beugt sich keinem Lohndiktat des RWE-Vorstandes.« Für IG-BCE-Verhandlungsführer Michael Winkler ist vor allem das in der langen und äußerst schwierigen Tarifauseinandersetzung bei RWE-Power deutlich geworden. Am 25. Januar wurde nach einem elfstündigen Verhandlungsmarathon in Dortmund das Ergebnis für die 16 000 Beschäftigten der BraunkohleKonzerntochter vereinbart: 3,4 Prozent mehr für 13 Monate, rückwirkend ab dem 1. November 2010. Winkler: »Dieses Ergebnis ist nur aufgrund der eindrucksvollen Beteiligung der Beschäftigten

bei den Warnstreiks zustande gekommen.« Am 24. Januar hatten wieder Tausende RWEBeschäftigte nicht nur im Braunkohlenrevier, sondern auch an anderen RWE-Standorten Druck gemacht. Etwa 800 Beschäftigte reisten am 25. Januar zum Verhandlungsort nach Dortmund und demonstrierten dort. Manfred Maresch, stellvertretender IG-BCE-Bezirksleiter in Alsdorf, räumt zwar ein, dass der Tarifkompromiss hinter der Erwartungshaltung einiger Beschäftigter zurückbleibe: »Dies hat auch die intensive und zum Teil kritische Diskussion in der Verhandlungs- wie auch in der Tarif-

Foto: Frank Rogner

DORTMUND | Warnstreiks brachten Bewegung in die schwierigen Tarifverhandlungen

Der massive Protest hat geholfen: Bei RWE-Power gibt es mehr Geld.

kommission gezeigt.« Aber, so Maresch, mit Warnstreiks und Demonstrationen sei erreicht worden, dass das Arbeitgeberangebot vom Dezember deut-

lich erhöht wurde. IG BCE und ver.di hatten ursprünglich eine 6,5-prozentige Entgelterhöhung gefordert. Andreas Uphues

Vattenfall: Warnstreiks zeigten Wirkung BERLIN | Tarifeinigung in der vierten Verhandlungsrunde

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Konzerntarifkommission Wirkung, die bei der vierten Verhandlungsrunde im Hintergrund bereit saßen. Sie wollten – bei Abschluss als auch bei Scheitern der Verhandlungen – sofort das weitere VorgeFoto: Heidi Trunsch

ie Verhandlungen bei Vattenfall Europe zogen sich mehr als zwei Monate hin. Am Ende zeigten die Warnstreiks vor der dritten Gesprächsrunde und die Einberufung der 80 Mitglieder der

Mit Warnstreiks – wie hier in WelzowSüd – unterstützten VattenfallBeschäftigte die Verhandlungen. 24 | kompakt | mÄRZ 2011

hen entscheiden. Schließlich einigten sich die Gewerkschaften IG BCE, ver.di und IG Metall mit der Arbeitgeberseite: Rückwirkend ab Januar erhalten die Beschäftigten 3,4 Prozent Entgelterhöhung mit einer Laufzeit von 13 Monaten. IG-BCE-Verhandlungsführer war Michael Winkler: »Die Arbeitgeber wollten ohne Vergütungsanhebung abschließen und setzten ausschließlich auf eine Erhöhung der Leistungsprämie. Dass wir 3,4 Prozent für die rund 16 000 Beschäftigten von Vattenfall Europe durchsetzen konnten, liegt allein am Druck, den die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den letzten Wochen aufgebaut haben.« Ilona Schweigert, freigestellte Betriebsrätin im Tagebau

Welzow-Süd, hatte das erste Mal ein Mandat als Tarifkommissionsmitglied bei einer solch entscheidenden Verhandlungsrunde. Gemeinsam mit 250 Kolleginnen und Kollegen hatte sie sich am 20. Januar am Standort Tagebau Welzow-Süd an dem Warnstreik beteiligt, solidarisch unterstützt von rund 70 Streikenden vor dem Kraftwerk Lippendorf. »Jetzt zu erleben, dass es was gebracht hat, ist toll.« Es sei ein akzeptables Ergebnis herausgekommen, sagt Ilona Schweigert: »Betriebsräte und Tarifkommissionsmitglieder haben ihre Vertrauensleute sofort informiert und wissen: Das Ergebnis wird von einer großen Mehrheit getragen.« Susanne Kettelför


Foto: Werner Staffen

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Fragen an Ron Rauen

Die Raffinerie muss bleiben: 600 Demonstranten machen dem Betriebsrat Mut.

Lautstarker Protest HAMBURG | »Shell muss Verantwortung übernehmen« Rund 600 Demonstranten haben vor der Shell-Raffinerie im Hamburger Hafen, verstärkt durch laute Vuvuzela-Tröten, gegen deren Zerstückelung protestiert und den Betriebsrat unterstützt. Der fordert eine Gesamtlösung und Modernisierung sowie den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen. Langfristige Perspektiven für die rund 570 Mitarbeiter fordert auch der stellvertreten-

de IG-BCE-Vorsitzende Ulrich Freese. Seit 60 Jahren mache Shell am Standort Harburg gute Gewinne. Jetzt sei es Zeit für die Manager, Verantwortung für ihre Mitarbeiter zu übernehmen, die sie im Internet als »Basis unseres Erfolgs« loben: »Wir werden nicht zusehen, wie sich die einen die Taschen vollstopfen und die anderen arbeitslos werden!« Werner Staffen

17 000 gegen rechts DRESDEN | IG-BCE-Mitglieder bei Menschenkette dabei

Rund 17 000 Menschen haben am 13. Februar in Dresden mit einer Menschenkette gegen einen Naziaufmarsch protestiert. Er sollte am selben Abend an den verheerenden Bombenangriff auf Dresden durch alliierte Flieger im Februar 1945 erinnern. An der Anti-Nazi-Menschenkette beteiligten sich etliche IG-BCE-Mitglieder aus den Ortsgruppen in Dresden und

Chemnitz. Mit dabei waren Gerald Voigt, Leiter des Bezirks Dresden-Chemnitz, und der stellvertretende Landesbezirksleiter Stephan Enzmann. Dies gewerkschaftliche Engagement sei wichtig, betonte Enzmann: »Wir dürfen nicht zulassen, dass das Gedenken an die Opfer und ihr Leid von den Rechten für ihre Zwecke instrumentalisiert wird.« hak

Der 22-jährige Mechatroniker und Jugendvertreter auf dem Bergwerk Saar baut gemeinsam mit anderen IG-BCEJugendvertretern einen politischen Karnevalswagen für den Saarbrücker Rosenmontagszug. Was ist auf eurem Karnevalswagen zu sehen? Der Tieflader ist siebeneinhalb Meter lang. Darauf haben wir einen total demolierten echten Pkw gebaut. Das ist der symbolische saarländische Karren, den Noch-Ministerpräsident Peter Müller voll an die Wand gefahren hat. An der Figur aus Maschendraht und Pappmaschee arbeitet momentan die stellvertretende Vorsitzende des Bezirksjugendausschusses, Janine Becker. Wer von euch hatte die Idee? Die Idee kam Anfang Februar im Bezirksjugendausschuss auf. Da sind wir 20 bis 30 junge Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter. Wir haben uns gedacht, Fasching wäre eine gute Gelegenheit, satirisch auf die Schließung so vieler Schulen und das Aus für den saarländischen Bergbau aufmerksam zu machen. Es ist nicht eure erste karnevalistische Attacke? 2009 waren wir beim Burbacher Rosenmontagsumzug dabei. Damals haben wir die verkorkste Bildungspolitik aufs Korn genommen und mit einer dreieinhalb Meter langen Papprakete den Ministerpräsidenten symbolisch zum Mond geschossen. »Peterchens Mondfahrt« hieß der Motivwagen. Wie habt ihr euch organisiert, um den Wagen zu bauen? Es bauen kontinuierlich drei Leute vom Bezirksjugendausschuss an dem Wagen. Wir arbeiten in einer alten Zechen-Kfz-Werkstatt, die seit 2005 leer steht. Den Tieflader hat mein Kollege Torsten Paulus, Vorsitzender unseres Bezirksjugendausschusses, besorgt. Und was geht Rosenmontag ab? Rosenmontag werden wir dann alle hinter unserem Wagen laufen. Der ist ganz toll mit IG-BCE-Fahnen geschmückt und natürlich werden Gutzja – also Kamelle – unter die Zuschauer geworfen. Mailen Sie uns Ihre Meinung: kompakt@igbce.de

kompakt | mÄRZ 2011 | 25


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VOR ORT AKTUELLES

Tarifmeldungen

Neue Gesamtbetriebsvereinbarung LEVERKUSEN/BERLIN | Bei Bayer weiterhin keine konkreten Zahlen für Personalabbau

STEINKOHLE | 3,3 Prozent

A

ls der neue Bayer-Vorstandsvorsitzende Marijn Dekkers Ende November den Abbau von 1700 Stellen in Deutschland ankündigte, schlugen an den betroffenen Standorten die Wellen hoch. Der Gesamtbetriebsrat hat nun eine neue Gesamtbetriebsvereinbarung abgeschlossen, die für den beabsichtigten Personalabbau sozialverträgliche Instrumente festlegt. Das Problem: Weiterhin liegen den Bayer-Betriebsräten für den geplanten Abbau von 700 Stellen in der Pharmasparte Bayer HealthCare keine konkreten Zahlen vor, welche Stellen oder Abteilungen abgebaut werden sollen. Größter Standort der Pharmasparte ist die ehemalige Schering-Zentrale in Berlin. Der Betriebsratsvorsitzende

der Bayer AG, Standort Berlin, Yüksel Karaaslan fordert seit Monaten konkrete Informationen: »Die Verunsicherung sitzt tief und schwächt die Motivation der MitarbeiterinFoto: Matthias Lindner

mehr Geld und eine Einmalzahlung von 600 Euro, dieses Tarifergebnis ist am 21. Februar für die rund 29 000 Beschäftigten im deutschen Steinkohlenbergbau erzielt worden. Auszubildende erhalten ein Plus von 20 Euro und eine Einmalzahlung von 100 Euro. »Einschließlich der spürbaren Einmalzahlung bedeutet das einen realen Einkommensanstieg oberhalb der Preissteigerungsrate«, bewertet IG-BCE-Verhandlungsführer Peter Hausmann das Ergebnis. »Wir haben unser Ziel einer deutlichen Einkommensverbesserung durchgesetzt.« Der Abschluss honoriere, dass die Bergleute trotz extrem schwieriger Rahmenbedingungen hervorragende Leistungen erbracht haben.

dem Firmentitel, die seit Anfang dieses Jahres umgesetzt wird. Eine Entscheidung vom Bayer-Vorstandsvorsitzenden, offensichtlich im Alleingang getroffen.

»Die Verunsicherung sitzt tief und schwächt die Motivation. So lässt sich die Innovationskraft nicht steigern.«

Yüksel Karaaslan Betriebsratsvorsitzender Bayer Berlin

nen und Mitarbeiter. Mit einer an vielen Stellen schlicht mangelhaften Kommunikation der Geschäftsführung wird die geforderte Steigerung unserer Innovationskraft nicht erreicht.« Was die Berliner Belegschaft zusätzlich umtreibt, ist das Auslöschen des Traditionsnamens Schering aus

Der Gesamtbetriebsrat arbeitet zudem weiterhin an einer Lösung für die geplante Ausgliederung und Verlagerung von insgesamt 900 Arbeitsplätzen bei der Bayer ITSparte BBS. »Die Notwendigkeit ist bis heute nicht nachvollziehbar«, so Yüksel Karaaslan. Susanne Kettelför

KALI UND STEINSALZ | Vier Ziele strebt die Tarifkommission der IG BCE beim Abschluss eines Entgelttarifvertrages für die Beschäftigten der Kali- und Steinsalzindustrie an: Für gleichwertige und vergleichbare Arbeiten sollen gleiche Entgelte gezahlt werden. Allein die ausgeübte Tätigkeit soll Grundlage für eine Eingruppierung sein. Bei steigenden Anforderungen soll eine Durchlässigkeit in höhere Entgeltgruppen gewährleistet werden. Ein neuer Entgelttarifvertrag soll eine langfristige Perspektive auch bei der Vergütungsentwicklung bieten. Erster Verhandlungstermin ist der 15. März. Ausführliche Informationen unter: http://u.nu/2vw7a

26 | kompakt | März 2011

Trevira hat neue Eigentümer BOBINGEN | Betriebsrat und IG BCE froh über »ruhigeres Fahrwasser«

N

ach der Insolvenz 2009 und einer Neugründung 2010 können die rund 1350 Trevira-Mitarbeiter jetzt aufatmen. Das Unternehmen erhält neue Eigentümer. Ein Konsortium von Indorama Ventures PCL (Thailand) und Sinterama (Italien) wird den Polyesterfaserhersteller übernehmen. Neben dem Firmensitz Bobingen bei Augsburg sollen die Standorte Hattersheim am Main, Guben in Brandenburg und Zielona Góra (Polen) bestehen bleiben. Gesamtbetriebsratsvorsitzender Günter Gunzenheime

Der Schornstein raucht: Bei Trevira wird weiter geschafft.

und Thorsten Falke, IG-BCEBezirksleiter in Augsburg, sind froh, dass das Unternehmen

jetzt in ruhigeres Fahrwasser gelangt. Falke: »Für alle Beteiligten hat jetzt die Wartezeit hoffentlich ein Ende.« Und Gunzenheimer ergänzt: »Die Belegschaft hat Großes geleistet, viel durchgemacht und auch in der Krise zum Unternehmen gestanden! Sie hat eine gute Zukunft verdient.« Die Geschäftsführung will den nach der Insolvenz eingeschlagenen erfolgreichen Kurs weiterverfolgen. Dabei soll der Haustarifvertrag zwischen IG BCE und Trevira auch weiterhin Bestand haben. Wolfgang Strähler


Fotos (2): Wolfgang Strähler

Führungsverantwortung reizt sie: Sabrina Renz profitiert vom Projekt »Frauen Macht Erfolg – Frauen auf dem Weg in Führung«.

Auf dem Weg nach oben STUTTGART | IG BCE und BAVC fördern und begleiten Frauen in Führungspositionen

I

n der Politik wird das Thema noch diskutiert. Die IG BCE und der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) sind weiter. Sie fördern und begleiten Frauen in Führungspositionen. Sabrina Renz, beschäftigt bei der Flint Group, ist eine von ihnen. Das Unternehmen produziert keine Kosmetikartikel, keine Textilien, auch keinen Kaffee. Die Flint Group mit weltweit 7300 Mitarbeitern, davon 1100 in Deutschland, ist als Zulieferer der Druckindustrie eher Insidern bekannt. Aber es gibt hier einen weiblichen Standortleiter und fünf Vizepräsidentinnen. Insgesamt sind 35 Frauen in Führungspositionen tätig. Das ist verhältnismäßig viel. Bundesweit liegt der Anteil an weiblichen Führungskräften branchenübergreifend bei 25 Prozent. Und je höher, umso dünner wird die Luft. Von 833 Vorstandsmitgliedern waren 2009 gerade 21 Frauen.

SABRINA RENZ ist 29, gibt

sich unaufgeregt, natürlich, fährt – noch – einen fast 20 Jahre alten Golf, mag Ballett, spielt Klavier, liest gern und geht ins Fitnessstudio. Sabrina Renz ist selbstbewusst.

Aber Kinder? Plant sie eine Familie? Sie lacht, nein, das sei nichts für sie. Und welcher Mann möchte schon zu Hause bleiben und auf die Kinder aufpassen . . . Sie habe sich in den letzten Jahren auf ihr berufliches Weiterkommen konzentriert. Die diplomierte Wirtschaftsinformatikerin und Personal-

der Personalabteilung mache ihr Spaß – mit und für die Menschen. VERORDNETE QUOTE? Da ist Sabrina Renz dagegen: »Frauen können etwas erreichen, wenn sie wollen«, ist ihre Meinung – aber: »Viele Frauen wollen gar keine Führungspositionen einnehmen,

»Frauen sollen sich selbstbestimmt mobilisieren und ambitioniert weiterentwickeln.«

Sabrina Renz Management Assistant HR, Flint Group

kauffrau ist Management Assistant HR. Das Kürzel HR steht für den englischen Begriff »Human Resource« und weist auf ihren Arbeitsplatz hin: Sie ist bei der Flint Group in der Personalabteilung der Deutschland-Zentrale in Stuttgart tätig. Bald wird sie am Standort Willstätt mit seinen 370 Mitarbeitern die Personalabteilung leiten. Dann wird auch der Golf gegen einen Firmenwagen ausgetauscht. »Mich reizt die Verantwortung und die Herausforderung«, sagt sie. Die Arbeit in

andere sehen den Schwerpunkt in der Familie.« Sie möchte nicht Frauen in Positionen gedrängt sehen. »Es geht darum, dass Frauen die Möglichkeit gegeben wird, aufzusteigen. Ich möchte, dass sich Frauen selbstbestimmt mobilisieren und ambitioniert weiterentwickeln.« Bei der Flint Group könnte sie noch mehr erreichen – für andere, aber auch für sich persönlich. Das Unternehmen hat kürzlich auf sich aufmerksam gemacht – als Partner des Projektes »Frauen Macht Erfolg –

Frauen auf dem Weg in Führung«, das im Rahmen der ESF-Richtlinie »Zur Gleichstellung von Frauen in Unternehmen« gefördert wird und hinter dem die IG BCE zusammen mit dem BAVC steht. Mit einem Workshop in Stuttgart – eine parallele Veranstaltung gab es bei dem Chemieunternehmen Sasol in Hamburg – wurde Verantwortlichen und Betriebsräten das Konzept vorgestellt. DIE FLINT GROUP will sich – mit Blick auf die Themen Lebensarbeitszeit und Demografie – für Frauen starkmachen. Geplant ist insbesondere, Mitarbeiterinnen im unteren und mittleren Management zu fördern. Sabrina Renz ist zuversichtlich: »Die Frauen sind hoch qualifiziert und fachlich sehr kompetent. Wenn wir sie jetzt noch motivieren und die Kompetenzen gezielt entwickeln, dann wird nicht zuletzt auch die Produktivität erhöht.« Womit sich ein Kreis schließt . . . Wolfgang Strähler

Weitere Infos im Internet: http://tiny.cc/ici9s kompakt | März 2011 | 27


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VOR ORT BADEN-WÜRTTEMBERG NAMEN & NACHRICHTEN

»Perspektiven bieten« STUTTGART | Bundesjugendsekretärin im Interview

Chemietarif: Sieben Prozent gefordert KARLSRUHE | Eine Forderung von sieben Prozent mehr Einkommen hat die IG-BCE-Tarifkommission Baden-Württemberg für die diesjährige Tarifverhandlung am 8. Februar in Karlsruhe beschlossen (Foto). Landesbezirksleiter Ralf Stockheim: »Die Chemiebeschäftigten haben ein hohes Maß an Flexibilität gezeigt, Einschnitte mitgetragen und erheblich dazu beigetragen, dass die Chemieunternehmen deutlich schneller aus der Krise gekommen sind als andere Branchen. Sie haben sich eine kräftige Erhöhung der Entgelte verdient!« Die erste Verhandlungsrunde hat in Karlsruhe am 21. Februar nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe stattgefunden.

Bezirk stellt sich der Zukunft MANNHEIM | Auf seiner jährlichen Klausur hat der Bezirks-

vorstand Mannheim Bilanz gezogen und die Aktivitäten für 2011 geplant. Das Fazit fiel für den Vorsitzenden Frank Gottselig positiv aus: »Im letzten Jahr konnten wir viel erreichen, auch wenn wir wissen, dass wir noch viel Arbeit vor uns haben.« Ein Strategiekonzept soll dabei helfen. Ingeborg Mankiewicz, die stellvertretende Bezirksleiterin, stellte fest, dass die IG BCE in einer Aufbruchstimmung ist: »Gemeinsam sind wir stark!«

Letzte Betriebsversammlung OBERACHERN | Zu ei-

ner letzten Betriebsversammlung vor Schließung ihres Betriebes kamen die Beschäftigten des Feinpappenherstellers Lott in Oberachern zusammen. Eine bedrückende Stimmung machte sich breit, als Betriebsratsvorsitzender Bernard Hunsicker auf das Ende einer langen Produktionsära hinwies. Ihre Solidarität mit den Beschäftigten bekundeten neben IG-BCE-Sekretär Karsten Rehbein das DGB-Ortskartell Achern, Mitglieder des Gemeinderates Achern, Oberbürgermeister Klaus Muttach, die kirchlichen Vertreter und der Insolvenzverwalter.

28 | kompakt | März 2011

An der Veranstaltung der IGBCE-Jugend in Mannheim nimmt auch Bundesjugendsekretärin Katy Hübner teil. kompakt sprach mit ihr im Vorfeld der Aktion: Du warst als Hauptamtliche schon mal in Baden-Württemberg eingesetzt. Was hat dir hier besonders gefallen?

Ich war im Bezirk Ulm. Dort gab es viel Potenzial, tolle Betriebsräte und JAVis und eine hohe Motivation, Dinge voranzubringen. Welche Bedeutung hat die Landtagswahl für dich als Bundesjugendsekretärin?

Landtagswahlen können Mehrheitsverhältnisse im Bundesrat verändern. Diesmal ist es aber auch spannend, weil die CDU die Landtagswahl zur Volksabstimmung über Stuttgart 21 erklärt hat. Es wird sich zeigen, ob die Proteste gegen dieses Großprojekt in der Bevölkerung eine Mehrheit haben. Was muss die künftige Landesregierung tun, um jungen Menschen im »Alleskönner«Land Perspektiven zu bieten?

Wir brauchen bildungspolitische Reformen. Immer noch

Katy Hübner

hängen die Bildungschancen der Kinder weniger von der individuellen Leistungsfähigkeit ab als von der finanziellen Situation der Eltern. Immer noch pressen wir Kinder in ein Bildungssystem, das ihre tatsächlichen Begabungen und Talente ignoriert und stattdessen in den Rastern Haupt-, Realschule und Gymnasium denkt. Wir brauchen Antworten auf den Fachkräftemangel und den zu befürchtenden Wettbewerbsnachteil unserer Unternehmen. Und wir brauchen politische Rahmenbedingungen, die jungen Menschen Planbarkeit und Perspektive verschaffen. Wir sehen uns in Mannheim?

Ja, und ein großes Dankeschön für die Einladung! Ich finde es wichtig, dass die Themen junger Menschen in unseren Betrieben auch und gerade von den Parteien gehört und verstanden werden.

19. MÄRZ IN MANNHEIM: JUGENDAKTION ZUR LANDTAGSWAHL Zu einer zentralen Veranstaltung zur Landtagswahl lädt die Jugend der IG BCE am 19. März 2011 um 10:00 Uhr auf den Mannheimer Marktplatz ein. Mit dabei sind die IG-BCE-Bundesjugendsekretärin Katy Hübner und Jugendvertreter der im baden-württembergischen Landtag vertretenen Parteien. Konkret sind die Vorstellungen des Landesbezirksjugendausschusses: Die Bürger sollen zahlreich an der Wahl teilnehmen und die Parteien müssen ihre Politik zukunftsfähig machen. Letzteres bedeutet bessere Bildungschancen, mehr Ausbildungsplätze und die Übernahme von Azubis.


Regierung in der Pflicht

ZWISCHENRUF

LUDWIGSBURG | Michael Vassiliadis findet klare Worte

Von einer notwendigen Transaktionssteuer, um der Zockerei auf den Finanzmärkten Einhalt zu gebieten, bis zur »Nichtpolitik« und dem desolaten Zustand der Bundesregierung – Themen genug für die Sitzung des Landesbezirksvorstandes, zu der Michael Vassiliadis geladen war (Foto). Baden-Württemberg, so Vassiliadis, habe erheblichen Anteil am Aufschwung, nun müsse die Industrie- und Energiepolitik im Zuge des Fortschritts und der Nachhaltigkeit von der künftigen Landesregierung angegangen werden. Lebhaft diskutiert wurde die Leiharbeiterproblematik. Michael Vassiliadis betonte, dass »Leiharbeit« Flexibilisie-

RALF STOCKHEIM

Landesbezirksleiter Baden-Württemberg lb.bawue@igbce.de

rungspuffer bedeuten müsse und nicht Lohnpuffer. Und auch die Flexibilität brauche Regeln. Er verwies auf die IGBCE-Jugend, die die Kampagne »Unser Einsatz für deine Übernahme« gestartet habe. Diese mache auch Zeitverträge und Leiharbeit zum Thema und fordere Planungssicherheit und stabile Perspektiven. Fazit von Michael Vassiliadis: »Die IG BCE ist gut gerüstet für 2020. In Baden-Württemberg sind die Weichen für die Zukunftsgewerkschaft richtig gestellt.«

Handeln statt jammern ZUFFENHAUSEN | Diskussion über Fachkräftemangel

Geladen hatte der Zuffenhäuser Aktionskreis »SOS für Arbeitsplätze« zum Thema Fachkräftemangel. Guido Lorenz von der Stuttgarter Betriebsseelsorge moderierte eine Diskussion, an der sich Politiker, Betriebsräte und Gewerkschafter engagiert beteiligten. Der Fachkräftemangel wurde von den Politikern nicht infrage gestellt – Ursachen, Verantwortung und Problemlösungen jedoch unterschiedlich beurteilt. So wurden die Stichworte Arbeitsvermittlung, das Schulsystem, Mindestlohn und Leiharbeit in der Diskussion bemüht.

Siegfried Christoffel, Betriebsratsvorsitzender der Lack- und Farbenfabrik Wörwag, warnte vor den Folgen der Leiharbeit. Es sei unverantwortlich, dass qualifizierte Mitarbeiter, die in der Krise nicht gehalten werden konnten, als Leiharbeiter wieder in die Betriebe zurückkommen. Sylvia Nosko will die Arbeitgeber mehr in die Pflicht genommen sehen. Statt immer über nichtausbildungsfähige Schulabgänger zu jammern, so die IG-BCE-Sekretärin des Bezirks Kornwestheim, wäre ein kurzfristiger Problemlösungsansatz die Wiedereinführung von Werkunterricht.

Jetzt wählen gehen! Wenn Baden-Württemberg am 27. März einen neuen Landtag wählt, dann ist für uns der Ausgang dieser Wahl von weitreichender Bedeutung, werden doch zukünftige politische Entscheidungen in ihrer Auswirkung die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vor Ort berühren. Wichtigste Themen für die IG BCE sind die Industriepolitik, Bildungsgerechtigkeit und die Infrastrukturpolitik. BadenWürttemberg darf sich dem Fortschritt nicht verschließen. Wir müssen täglich dafür kämpfen, dass Arbeitsplätze erhalten und neue Jobs geschaffen werden. Dazu bedarf es einer klugen und zukunftsweisenden Industriepolitik, damit auch unsere Kinder und Enkelkinder noch in Lohn und Brot sind. Bildungserfolg und somit auch der soziale Aufstieg dürfen nicht davon abhängig sein, ob die Eltern Akademiker sind oder Facharbeiter. Dazu gehört, dass junge Menschen kostenfrei studieren können. Jeder muss über die gleichen Chancen verfügen. Unsere erfahrenen und qualifizierten Facharbeiter sollen und müssen die Studienberechtigung erhalten.

»Industriepolitik, Bildungsgerechtigkeit und Infrastrukturpolitik sind unsere Themen.« Die Weiterbildung in den Betrieben ist eines unserer Kernthemen. Wir wollen den Bildungsurlaub gesetzlich geregelt haben. Die künftige Landesregierung sollte sich dies auf ihre Agenda setzen! Es gibt noch andere Schwerpunkte. So ist es eine Unmöglichkeit, dass Straßen und Verkehrsanbindungen immer wieder verstopft oder stellenweise in einem desolaten Zustand sind. Wir sind für einen funktionierenden öffentlichen Personennahverkehr und bessere Anfahrtswege zur Arbeit. Nicht zuletzt muss sichergestellt werden, dass unsere Industrieprodukte auch beim Kunden beziehungsweise Endverbraucher ankommen. Anbindungen zu den Industriestandorten müssen erweitert und gegebenenfalls neu gebaut werden. Auch hier ist die Landespolitik in der Pflicht. In diesem Sinne, liebe Kolleginnen und Kollegen, jetzt sind wir dran! Am 27. März 2011 wählen gehen!

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VOR ORT BAYERN NAMEN & NACHRICHTEN

Nicht nur für Frauen | Im März geben drei Termine Anlass, für frauenpolitische Forderungen zu werben. Zum 100. Mal jährt sich der Internationale Frauentag, der am 8. März begangen wird. Am Die IG-BCE-Frauen setzen Zeichen an ih19. März findet rem Stand in der Alten Messe. Ihre Frage: deshalb eine bunte Was würdest du ändern, wenn du BundesGroßveranstaltung kanzlerin wärst? Unter allen Frauen, die in München mit ihr Statement abgeben, wird ein Präsent Beteiligung der IG- verlost. BCE-Frauen statt. Über Mitfahrmöglichkeiten informieren die IG-BCE-Bezirke. Am 25. März ist »Equal Pay Day«, an dem Entgeltgleichheit von Frauen und Männern im Mittelpunkt steht.

MÜNCHEN

Weiteres zu allen Aktionstagen im Internet: www.bayern.igbce.de

Der Ex-Kanzler kommt | Am 12. März findet die 6. Nachlese zum politischen Aschermittwoch im Münchner Löwenbräukeller (Foto) statt. Es spricht Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder. Anschließend gibt es gute Unterhaltung mit Musik-Kabarett und Ochs am Spieß. Sie wollen dabei sein? Dann erkundigen Sie sich nach freien Plätzen bei Ihrem Bezirk. MÜNCHEN

Werberhitparade 10 Aufnahmen: Sibylle Blum (Rema Tip Top, Fürstenzell); 9 Aufnahmen: Edeltraud Sander (Flabeg, Furth im Wald); 8 Aufnahmen: Johann Grau (Kautex, Mallersdorf), Doris Löffler (Gerresheimer, Tettau); 7 Aufnahmen: Roland Berninger (ICO Obernburg); 6 Aufnahmen: Johann Hautz

(Siltronic, Burghausen), Frank Wagner (Scherer & Trier, Michelau); 5 Aufnahmen: Marko Fartelj (Wacker Chemie, Burghausen), Otto Herbst (Kronacher Kunststoffwerke, Kronach), Josef Schreckinger (Pfleiderer, Teisnach), Hansgeorg Schuster (Siltronic, Burghausen), Monika Träger (CeramTec, Marktredwitz), Klaus Wespatat (CeramTec, Marktredwitz).

28 | kompakt | März 2011

Auf Großplakaten in ganz Bayern ist die Tarifrunde Thema. Wie hier vor einem Einkaufszentrum in Waldkraiburg, . . .

Wir wollen 7 Prozent! MÜNCHEN | Chemieforderung auf festem Boden

Die Chemietarifrunde nimmt auch in Bayern Fahrt auf. Am 22. Februar fand – nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe – die erste Tarifverhandlung im Freistaat statt. Landesbezirksleiter Seppel Kraus bekräf- . . . einer Hauswand in Burghausen, . . . tigte zuvor: »Unsere Tarifkommission geht mit einer Forderung von 7 Prozent mehr Geld in diese Tarifrunde. Zur Reaktion mancher Arbeitgebervertreter, dass die IG BCE mit solch einer Forderung die Bodenhaftung verliere, kann . . . am Straßenrand in Lindau . . . ich nur sagen: Der Boden, das ist die Basis, letzten Wochen gezeigt, dass das sind unsere Mitglieder. wir fest auf dem Boden der Und die haben uns bei Tarif- Interessen unserer Mitglieder konferenzen und Vertrauens- stehen.« (Siehe auch Seiten leuteversammlungen in den 16/17.)

. . . und in Gersthofen.


Arbeit bleibt im Land

NAMEN & NACHRICHTEN

NEUSTADT | Aufatmen bei Covidien – Verlagerung vom Tisch

Pilkington: Mit der Geduld am Ende

Im Juli letzten Jahres schlug die Ankündigung der Covidien-Geschäftsführung, Arbeitsplätze in Neustadt abzubauen und nach Mexiko zu verlagern, wie eine Bombe ein. Betrof- Es wird weiter produziert bei Covidien. fen waren 116 Mitarbeiter in der Produktion Es folgten Verhandlungen urologischer Produkte. Da- des Betriebsrates mit der durch sollten einer von zwei Geschäftsführung, unterStandorten des Medizintech- stützt von IG BCE und DGB. nikherstellers und jährlich 50 Dann, kurz vor Jahresende, bis 70 Millionen US-Dollar kam der Rückzieher des Koneingespart werden. zerns. Die ersten KündigunDie Betriebsräte waren von gen waren somit kurzfristig den Plänen überrascht und abgewendet worden. »Vielleicht hat das Nachmussten mit ihren Kollegen um den gesamten Standort rechnen der Kosten zu einer fürchten. In Neustadt, im- Berücksichtigung der soziamerhin auch die Deutsch- len Komponente geführt«, landzentrale des Konzerns, vermutet der sichtlich ersind insgesamt 400 Mitarbei- leichterte Betriebsratsvorsitzende Walter Brandl. ter beschäftigt.

WEIHERHAMMER | Seit November läuft die Tarifrunde für

den Flachglashersteller Pilkington. Bei Redaktionsschluss lag noch kein Angebot der Arbeitgeberseite vor. Die IG BCE fordert sechs Prozent. Mit mehreren Aktionstagen zeigten Beschäftigte, dass es ihnen mit ihrer Forderung ernst ist. Bezirksleiter Hartmuth Baumann: »Der Konzern erholt sich, obwohl die verabredeten Kostendämpfungsmaßnahmen wie eine Erhöhung der Arbeitszeit erst 2011 laufen. Die Beschäftigten beanspruchen zu Recht ihren Anteil.« Eine Vertrauensfrau: »Das Glas geht weg wie warme Semmeln.« Ein Beschäftigter: Den Glasarbeitern stößt sauer auf, dass die Pro»Die Stim- duktionsmengen und Preise für Flachglas steigen, mung ist aber die Beschäftigten nicht am Aufschwung bemies, die Ar- teiligt werden sollen. beitsmoral ist am Boden.« Die dritte Verhandlung stand am 24. Februar nach Redaktionsschluss an.

Wiesauplast: Droht Streik?

Infos über Tarifverträge ADELSRIED | Tarifpolitische Konferenz gab Antworten

Wo geht es tarifpolitisch in interessante Aspekte aus unTarifverträder Chemie und in den ande- terschiedlichen ren großen Flächentarifverträ- gen, gerade auch hinsichtlich gen hin? Darüber diskutierten der Frage nach Vorteilen für zum Beispiel IG-BCE-Mitglie- Gewerkschaftsmitglieder.« der aus dem Bezirk Augsburg am 21. Januar mit dem IG-BCE-Vorstandsmitglied Peter Hausmann. Bezirksleiter Torsten Falke: »Die Konferenz war für alle Beteiligten sehr fruchtbar, denn sie bot Peter Hausmann (links) und Torsten Falke.

WIESAU | Mit der Geduld am Ende sind auch die IG-BCEMitglieder bei Wiesauplast. Dort sollte der tariflose Zustand durch die Übernahme des Flächentarifs Kunststoff beendet werden. Das Unternehmen verdient gut, die Beschäftigten allerdings 22 Prozent weniger als im Kunststofftarif. Die Tarifkommission hat am 3. Februar einstimmig das Scheitern der Verhandlungen erklärt. Danach wurde beim Hauptvorstand die Urabstimmung beantragt. Verhandlungsführer Franz-Peter Sichler: »Dann haben die Mitglieder das Wort. Sie entscheiden, ob der tariflose Zustand weiter geduldet wird oder mittels Streik der Flächentarif erzwungen wird.«

Soziale Netzwerke im Internet ALTÖTTING | Seit einigen Jahren hat der Bezirk Altötting

auch Angebote für junge Familien. Aktueller Termin ist der 24. März, 19:00 Uhr im Gästehaus des Industrieparks Werk Gendorf. Thema: »Chancen und Risiken sozialer Netzwerke im Internet« mit dem Medienpädagogen Hans Jürgen Palme. Für Mitglieder kostenlos, Nichtmitglieder zahlen drei Euro.

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VOR ORT HESSEN-THÜRINGEN KO M M U N A LWA H L I N H E S S E N

Gewerkschaftler kandidieren FRANKFURT | Bei den hessischen Kommunalwahlen am

27. März kandidieren viele engagierte Bürgerinnen und Bürger – darunter auch Angehörige der IG BCE. Das ist gut so. Trotz knapper Kassen entscheiden die Kommunen über vieles, das auch das alltägliche Leben unserer Mitglieder und ihrer Familien betrifft. Ob Schule, Freizeitangebote, Industrieansiedlung, Schaffung von Arbeitsplätzen, Energieversorgung oder Einkaufsmöglichkeiten – in den Roger Podstatny 21 Kreistagen, den 426 Städten und Gemeinden haben die Abgeordneten nach wie vor umfangreiche Gestaltungsmöglichkeiten. Die IG BCE unterstützt Mitglieder, die sich hier aktiv für ihre Mitbürger einsetzen wollen und ruft dazu auf, diese Kandidatinnen und Kandidaten bei der Wahl zu berücksichtigen. Das hessische Kommunalwahlrecht bietet dazu gute Mög- Thomas Cassens lichkeiten. Es erlaubt, mehrere Stimmen für einen Kandidaten abzugeben (zu »kumulieren«). Oder eine Kandidatin aus einer Liste auf eine andere Liste zu übertragen und so Persönlichkeiten aus mehreren Listen zu unterstützen (zu »panaschieren«). So können alle Wahlberechtigten einen individuellen Wahlzettel zusammenstellen. Aus den Reihen der IG BCE kandidieren Ankin Akyüz zum Beispiel: Roger Podstatny, Akzo Nobel Industrial Chemicals GmbH, Werk Frankfurt als Stadtverordneter der Stadt Frankfurt; Thomas Cassens für den Frankfurter Ortsbeirat 5 (Niederrad, Oberrad, Sachsenhausen) sowie, unter ferner liefen, für die Stadtverordnetenversammlung; Ankin Akyüz, Bayer CropScience AG, für den Ortsbeirat 4 in Frankfurt; Volker Kraushaar für den Ortsbeirat Wilfried Bungert Wiesbaden-Biebrich; Wilfried Bungert, InfraServ Wiesbaden Technik GmbH & Co. KG, für die Gemeindevertretung von Ginsheim Gustavsburg; Maik Otte, ContiTech in Karben, für den Kreistag in Friedberg; Dieter Müller, BIS Industrieservice Mitte GmbH, für den Frankfurter Ortsbeirat 6 (Schwanheim); Doris Pöllmann, B. Braun Melsungen AG, für das Stadtparlament Hessisch Lichtenau. Doris Pöllmann

28 | kompakt | März 2011

»PAKT« vorgestellt ERFURT | Gewerkschaftliche Initiative setzt auf Netzwerke

Rainer Kumlehn hat Volker Weber, den neuen Landesbezirksleiter der IG BCE Hessen-Thüringen, im Wirtschaftsministerium Thüringen vorgestellt. Das Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Gespräch fand auf Machnig (rechts) und Volker Weber. Einladung von Wirtschaftsminister Matthias Mitarbeiter aus der Region Machnig statt. Dabei wurden oder infolge der Demografie auch Möglichkeiten der Zu- ergeben. Die Unterstützung bei der Etablierung betriebsammenarbeit diskutiert. Weitere Teilnehmer waren licher Weiterbildung und der Mitarbeiter der IG BCE, die in beruflichen Erstausbildung der Initiative »PAKT« arbei- erfolgt innerhalb der Initiaten. Die Mitarbeiter des Pro- tive »PAKT« sozialpartnerjektes stellen im Zusammen- schaftlich und gemeinsam wirken mit dem IG-BCE-Lan- mithilfe von Netzwerkpartdesbezirk Hessen-Thüringen nern. Um den Kunststoffbeund den Fachbereichen der trieben Thüringens zur Stabilisierung zu verhelfen, qualiIG-BCE-Hauptverwaltung neu erfassten Betrieben das fizierten Nachwuchs in den Know-how der Organisation Belegschaften zu sichern und zur Verfügung, etwa bei gute Arbeitsbedingungen zu Problemen, die sich durch realisieren, sind bereits erste Abwanderung qualifizierter Aktivitäten eingeleitet.

Konzertierte Aktion für gute Arbeit ERFURT | Arbeitgeberverbän-

de und Gewerkschaften haben auf Initiative des Thüringer Wirtschaftsministeriums eine »Konzertierte Aktion Thüringen 2010« gestartet, um Arbeitsplätze im Freistaat zu sichern und neue zu schaffen. Die soziale Markt-

wirtschaft müsse wiederbelebt werden. »Dazu ist der Dreiklang von Wachstumsstärkung, Arbeitsplatzsicherung und sozialem Zusammenhalt durch Teilhabe unverzichtbar«, heißt es dazu in einer gemeinsamen Erklärung.

Starthilfe für Jugendvertreter DARMSTADT | Der Bezirks-

jugendausschuss (BJA) Darmstadt sorgt dafür, dass sich die neuen Jugend- und Auszubildendenvertreter im Bezirk gegenseitig kennen und vernetzen. Zum Auftakt be-

richteten bei einem zwanglosen Empfang dessen Vorsitzende Anne Meier und Anne Weinschenk, Gewerkschaftssekretärin des Bezirks, von den Weiterbildungsmöglichkeiten der IG BCE.


Nicht blenden lassen!

ZWISCHENRUF

WIESBADEN | Nagen Arbeitgeber am Hungertuch?

Mit einer pfiffigen Aktion überraschten junge IG-BCEMitglieder die Arbeitgebervertreter bei der Auftaktverhandlung der Chemietarifrunde am 17. Februar in Wiesbaden. Anlass war die Aussage von Hans Paul Frey, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes: »Die IG BCE muss darauf achten, die Bodenhaftung nicht zu verlieren. Sie darf jetzt nicht den Fehler machen, sich von den außergewöhnlichen Zahlen aus dem Jahr 2010 blenden zu lassen.« Prompt erschienen die Gewerkschafter mit tief schwarzen Sonnenbrillen, sie verteilten einen Flyer, in dem sie klarstellten: »Wir lassen uns von Ihnen nicht blenden, Herr Frey.« In jeder Tarifrunde

seit der Existenz der Gewerkschaften versuchen die Arbeitgeber, sich künstlich arm zu rechnen. Noch im November haben die Chemiearbeitgeber Rekordumsätze bejubelt. Jetzt nagen sie plötzlich am Hungertuch. Mit ihrer Aktion machten die Kollegen klar, dass sie auf so durchsichtige Strategien nicht reinfallen werden.

VOLKER WEBER

Landesbezirksleiter Hessen-Thüringen volker.weber@igbce.de

Zeit für eine kräftige Einkommenssteigerung Die Krise ist vorbei, der Aufschwung da. Neueinstellungen erfolgen, Sonderschichten werden gefahren. Fast allen Firmen geht es wieder gut. Zeit für eine kräftige Einkommenssteigerung – denn die Arbeitnehmer werden in diesem Jahr eine Menge Mehrbelastungen schultern müssen. Ob Energiekosten, Krankenversicherung oder allgemeine Inflation: Es bleibt deutlich weniger in der Familienkasse. Schlecht sieht es auch für die Kommunen in Hessen und Thüringen aus. Da fehlt es vorne und hinten an den Finanzen. Deshalb ist es gut, bei den hessischen Kommunalwahlen Menschen zu wählen, die den Arbeitnehmern und ihren Familien verbunden sind – damit die Kommunen nicht an den falschen Enden sparen. Gut, dass Mitglieder unserer Gewerkschaft kandidieren. Sie haben unsere Unterstützung verdient.

»Im Dialog bleiben« Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier gratulierte Volker Weber herzlich zu seiner Wahl als IG-BCE-Landesbezirksleiter HessenThüringen. Zugleich bedankte er sich bei dessen Vorgänger Rai- Ministerpräsident Volker Bouffier (Mitte) ner Kumlehn für die mit Rainer Kumlehn (rechts) und Volker konstruktive Zusam- Weber. menarbeit. Besonders in industriepolitischen Fragen Gewerkschaft und Landesgab es stets eine sehr enge Ko- regierung in vielen Fällen operation zwischen IG BCE durchaus unterschiedliche Pound der Landesregierung. Da- sitionen haben, so bekräftigmit wurden trotz zahlrei- ten beide Seiten den Willen, cher Umstrukturierungen die im Interesse einer starken Standorte gesichert und Ar- hessischen Industrie mit sibeitsplätze erhalten. Das soll cheren Arbeitsplätzen im Diaauch so bleiben. Auch wenn log zu bleiben.

Foto: e.blatt

WIESBADEN | Ministerpräsident empfängt IG BCE

»Die Gewerkschaften werden genau darauf achten, dass unsere Gesellschaft nicht kaputtgespart wird.« Ob dagegen die gleichzeitig mit der Kommunalwahl zur Abstimmung stehende Aufnahme der »Schuldenbremse« in die hessische Verfassung Sinn macht, darf bezweifelt werden. Natürlich brauchen unsere öffentlichen Haushalte eine Sanierung. Doch das darf nicht zum Vorwand genommen werden, um den Bürger noch weiter zu belasten und den Kommunen den Geldhahn endgültig zuzudrehen. Übrigens: Wie die Bürger am 27. März abstimmen, bleibt in dieser Hinsicht ohne Folgen. Die Schuldenbremse kommt sowieso – sie steht längst im Grundgesetz, und so ist die »Volksabstimmung« nicht mehr als eine Meinungsumfrage. Deshalb wird die IG BCE hier auch keine Empfehlung aussprechen. Wer von unseren Mitgliedern im März seine Meinung zur Schuldenbremse dokumentieren möchte, soll das unbeeinflusst tun.

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VOR ORT NORD

»Das ist angemessen«

NAMEN & NACHRICHTEN

Zu wenig Geld

HANNOVER | Forderung für die Chemietarifrunde »steht«

HANNOVER | Die erste Tarifverhandlungsrunde für die nordwestdeutsche Gipsindustrie blieb ohne Ergebnis. Die IG BCE hatte 5,5 Prozent mehr gefordert, die Arbeitgeber boten 2,5 für zwölf plus weitere 0,8 Prozent für weitere sechs Monate. IG-BCE-Verhandlungsführer Gerald Proß: »Die Beschäftigten müssen jetzt deutlich machen, dass sie auf einer angemessenen Lohn- und Gehaltserhöhung bestehen!«

Die Tarifkommissionen für die chemische Industrie für Hamburg/Schleswig-Holstein und Niedersachsen/Bremen haben am 4. Februar ihre Forderung für die kommende Tarifrunde beschlossen. Erwartet wird eine Erhöhung der Entgelte und Ausbildungsvergütungen um sieben Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Vorausgegangen waren viele Diskussionen in den von der IG BCE betreuten Betrieben im Norden, die ein deutliches Plus im Entgeltbereich auf die Tagesordnung setzten. Ralf Becker, Landesbezirksleiter und Verhandlungsführer Nord: »In der Krise war Teilhabe vor allem Mitbestimmung, Mitgestaltung und Mitverantwortung – gerade auch in der Gestaltung von Öffnungsklauseln.« Die Beschäftigten, so Becker weiter, hätten zur Sicherung ihrer Arbeitsplätze und der Unternehmen teils gravierende Einkommensverluste hingenommen. »Jetzt geht es um Teilhabe am wirtschaftlichen Erfolg. Das ist unser Aufschwung. Unsere Forderung von sieben Prozent ist realistisch«, unterstrich Becker. Die betrieblichen Vertrauensleute in den Tarifkommissionen betonten außerdem deutlich, dass eine Besserstellung von Gewerkschaftsmitgliedern auch in den jetzt anstehenden Verhandlungen mit auf die Tagesordnung muss. Dass die Beschäftigten sieben Prozent mehr als eine gerechte Forderung sehen, bestätigen auch Umfragen in Unternehmen im Norden.

Neuer Tarifvertrag gefordert HAMBURG | Die

230 Mitarbeiter der H & R Ölwerke Schindler GmbH wehren sich gegen eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit von 38 auf 40 Stunden sowie eine Veränderung des Beteiligungsmodells und wollen einen besseren Tarifvertrag. Malte Staiger, Vorsitzender der Vertrauensleute: »Die 38-Stunden-Woche ist nicht verhandelbar!« Für H & R war 2010 eines der erfolgreichsten Jahre der Unternehmensgeschichte. Die IG BCE fordert die Inkraftsetzung des Manteltarifvertrages, den Erhalt der Koppelung der Entgelte an die Tariferhöhungen in der Chemieindustrie und einen Sonderbonus für IG-BCE-Mitglieder.

Energie- und Industriepolitik BRUNSBÜTTEL

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Die Anbindung des Chemieparks an die A 23, die Zukunft Schleswig-Holsteins als Industrie- und Energiestandort und die Folgen der FehmarnBelt-Querung diskutiertem IG BCE und Betriebsräte mit Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (Foto).

STADE | Seit zwei Jah-

ren macht sich die IGBCE-Ortsgruppe Stade für eine zukunftsfähige Energie- und Industriepolitik stark. Bei der jüngsten Jahresmitgliederversammlung (Foto) versprach der Vorsitzende, Hans-Martin Bockelmann, »man werde Unternehmen und Politikern notfalls Dampf unterm Hintern machen«.

28 | kompakt | März 2011

Foto: Werner Staffen

Dampf machen

Stimmen zur Forderung aus der Tarifkommission:

»2009 war ein Hungerjahr bei uns. Wir haben entscheidend dazu beigetragen, dass H. C. Starck mit einem blauen Auge davongekommen ist.« Karin Baberske, Betriebsrätin, H. C. Starck, Goslar

»Wir haben die Krise gemeistert und auf einiges verzichtet, jetzt muss das Defizit ausgeglichen werden.« Antonio Lago Mascato, Betriebsrat, Sasol Wax, Hamburg

»In der Not hat man von uns genommen, jetzt erwarten wir unseren Anteil am Erfolg.« Britta Schaubs, Vertrauensfrau/Betriebsrätin, Honeywell, Glinde

Foto (3): Werner Staffen

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»In der Krise haben wir effektive Lohnkürzungen hingenommen, deswegen ist diese Forderung das richtige Signal, dass es vorwärtsgeht.« André Scharf, Betriebsrat, Ineos, Wilhelmshaven


»Wir wollen mehr!«

NAMEN & NACHRICHTEN

BRUNSBÜTTEL/HANNOVER | Mitarbeiter sind kämpferisch

Jugend wählt

Schon vier Wochen vor dem offiziellen Auftakt der Chemietarifrunde 2011 diskutierten in Brunsbüttel 40 Vertrauensleute mit dem IGBCE-Tarifexperten Christian Jungvogel und Bezirksleiter Ralf Erkens. Erkens betonte, die Erwartungshaltung der Beschäftigten sei nach Jahren der Zurückhaltung und Entbehrung groß, eine aktive Beteiligung in und vor den Betrieben an der Tarifbewegung mehr denn je notwendig. In Hannover stellten auf einer Tarifkonferenz des Bezirks mit mehr als 200 Teilnehmern Mitglieder der regionalen Tarifkommissionen die Situation in ihren Unternehmen und ihre Erwartungen dar. Die Zeit der Abstriche sei vorbei. Der JAVVorsitzende im Industriepark Walsrode, Andreas Jansen: »Während der Krise mussten wir um die Übernahme bangen. Jetzt wollen wir eine Perspektive und sieben Prozent

HAMBURG | Über die Mo-

bilisierungskampagne der DGB-Jugend Hamburg zur Bürgerschaftswahl informierte sich der Bezirksjugendausschuss (Foto) bei Olaf Schwede, Sprecher der DGB-Jugend. Schwede: »Jugend muss sich einmischen. Wir wollen Recht auf Ausbildung für alle, günstigen Wohnraum, mehr Mitbestimmung an Berufsschulen, die Abschaffung der Studiengebühren.«

Aktive Jugend

Klare Forderung: Die »Sieben« muss her.

mehr auch für die Ausbildungsvergütungen!« Zum Auftakt der Bundestarifverhandlungen am 16. März in Hannover rief Landesbezirksleiter Ralf Becker zur Demonstration auf dem Opernplatz auf. »Lasst uns zeigen, dass dies die Verhandlungen aller Beschäftigten der chemischen Industrie sind!«

Für mehr Beteiligung BAD MÜNDER | Jugendkonferenz diskutierte aktuelle Fragen

45 Jugendliche aus dem Landesbezirk diskutierten bei der diesjährigen Jugendkonferenz nach der Rede von Katy Hübner von der Abteilung »Junge Generation/Ausbildung« und den Wahlen des Landesbezirksjugendausschusses aktuelle Fragen aus den Bereichen Energie, Bildung und Politik. Das Fazit: Sowohl die Steinkohle als auch Atomenergie und Erdgas müssten als Brückentechnologie gewertet werden. Für die che-

mische Industrie wird eine Werbe- oder Imagekampagne in Erwägung gezogen, um die Bewerberzahlen zu erhöhen. Im Bereich der Politik wurde neben einem »deutlicheren« Schutz der Leiharbeiter der weitere Ausbau des Wahlrechts ausländischer Mitbürger ohne deutsche Staatsangehörigkeit zumindest auf kommunaler Ebene gefordert sowie die Einbeziehung aller betroffenen Bürger bei der Planung von Großprojekten.

HANNOVER | Auf den neuen Vorsitzenden des Bezirksjugendausschusses (BJA) Hannover und JAV-Vorsitzenden im Industriepark Walsrode, Andreas Jansen, und die anderen zehn BJA-Mitglieder aus acht Branchen (Foto mit Bundesjugendsekretärin Katy Hübner) wartet viel Arbeit: Die Truppe will auch in Zukunft aktiver Ansprechpartner für die Jugend- und Auszubildendenvertretungen sein; der Kontakt zu den Jugendorganisationen der Parteien wird vertieft.

Gegen Rassismus HANNOVER | Während der »Internationalen Wochen gegen

Rassismus« macht die IG BCE mobil. Die Abteilung Migration/Integration beim IG-BCE-Hauptvorstand wird am 17. März in der Hauptverwaltung am Königsworther Platz 6 einen prominenten Spieler des Fußballbundesligisten Hannover 96 zu Gast haben (Beginn: 16:00 Uhr). In Hamburg-Bergedorf zeigt die Ortsgruppe in der Fußgängerzone beim »Block House« (12:00 bis 15:00 Uhr) Flagge und am 24. März gibt es eine Veranstaltung im Bildungszentrum Bad Münder (19:00 Uhr). Weitere Infos im Internet: www.internationale-wochen-gegen-rassismus.de

Politischer Jahresauftakt HANNOVER | Die diesjährige Chemietarifrunde war zentra-

les Thema des »politischen Jahresauftaktes« der Ortsgruppe Hannover-Süd. Bezirksleiter Wolfgang Blossey: »Jetzt ist es an der Zeit für mehr Geld auf den Gehaltszetteln!« Ortsgruppenvorsitzender Henry Hecht brachte die Diskussion auf den Punkt: »Die Wertigkeit der Arbeit muss auch finanziell anerkannt werden.«

kompakt | März 2011 | 29


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VOR ORT NORDOST NAMEN & NACHRICHTEN

Sieben Prozent mehr!

Termine – kurz notiert

BERLIN | Die Chemietarifrunde 2011 ist gestartet

BERLIN | 5. März: Tagung der Zielgruppe Außendienst. HANNOVER | 15. März: 1. Bundestarifverhandlung Chemie. KAGEL-MÖLLENHORST |

Die Chemietarifrunde 2011 nimmt Fahrt auf: In den letzten Wochen diskutierten die Vertrauensleute die Empfehlung des Hauptvorstands in den Betrieben. Diese Ergebnisse flossen in die Diskussionen der regionalen Tarifkommissionen. Am 9. Februar tagte die gemeinsame Tarifkommission der chemischen Industrie, Tarifbezirke Nordost und Berlin-West, und forderte eine Erhöhung der Einkommen um sieben Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Petra Reinbold-Knape, Landesbezirksleiterin IG BCE

1./2. April: Frauentagsveranstaltung des Landesbezirkes unter dem Motto »Frauen machen . . . Gute Arbeit!«

Wählen gehen in Sachsen-Anhalt MAGDEBURG | Am 20. März geht es um viel in SachsenAnhalt. Es geht um Industriepolitik, um die Weichenstellung für das Chemie- und Energieland und darum, keine Rechten im Landtag zu haben. Landesbezirksleiterin Petra Reinbold-Knape: »Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer geben ihre Stimme für Gute Arbeit, für Fortschritt und Nachhaltigkeit und für sichere Arbeitsplätze ab. Unsere Branchen sind zukunftsfähig, sie brauchen klare politische Rahmenbedingungen.« Deshalb: Wählen gehen.

»Wir haben viel vor« BURG/BURGSTÄDT | Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist auch 2011 Schwerpunktthema in den Frauenausschüssen des Landesbezirks. In Dresden-Chemnitz (Foto rechts) wurde bei einer Wochenendklausur zudem die Unterstützung der Chemietarifrunde geplant. Außerdem wurde über Arbeitsbedingungen von Leiharbeitnehmerinnen und Mitgliederwerbung unter Betriebsrätinnen diskutiert. Auf dem Programm stand auch ein Besuch im Industriemuseum Chemnitz. Bei der Tagung des Bezirksfrauenausschusses Cottbus (Foto rechts) ging es um Frauen in Führung, Mitgliederwerbung und Seminare für Betriebsrätinnen. Hier wurde auch bereits eine politische Kochshow für den Internationalen Frauentag geprobt, die in Schwarze Pumpe aufgeführt wird.

28 | kompakt | März 2011

Nordost: »Die Forderung ist berechtigt. Die Daten und Fakten sprechen eine deutliche Sprache! Mehr als 43 000 Beschäftigte in unserem Tarifbereich erwarten eine Beteiligung am Aufschwung.« Die Bundestarifkommission hat am 11. Februar in Übereinstimmung mit allen regionalen Tarifkommissionen ihre Forderung festgelegt. Die regionale Tarifverhandlung für die Nordostchemie und Berlin-West findet am 1. März in Berlin statt.

Papiertarif – Angleichung vollendet BERLIN | Am 1. April ist die

Angleichung der Einkommen in der Papierindustrie erreicht. »Für uns ist jetzt Normalität eingetreten«, sagt Fred Habermann, Betriebsratsvorsitzender beim Zeitungspapierhersteller UPM in Schwedt und Mitglied in der Bundestarifkommission Papier: »Die Unterschiede im Einkommen waren den Kollegen schon lange nicht mehr zu erklären.« Zum 1. April wird der Entgelttarif für die 5800 Beschäftigten in den tarifgebundenen Betrieben der Papierindustrie

Ost an den Westtarif angeglichen. Zusätzlich zu den 2,5 Prozent Entgelterhöhung des Tarifabschlusses kommt 1 Prozent als letzter Angleichungsschritt hinzu. Die Gewerkschaftsmitglieder der Papierindustrie können sich auf eine Besonderheit freuen: Ab 1. Januar 2012 erhalten sie einen zusätzlichen Zuschlag zur Altersversorgung. Außerdem wollen die Tarifparteien mit einer gemeinsamen Arbeitsgruppe den Missbrauch bei der Leiharbeit verhindern.

Vattenfall: Schnelle Information SCHWARZE PUMPE | Einen Tag nach Tarifabschluss bei Vattenfall Europe informierte Bezirksleiter und Verhandlungskommissionsmitglied

Ralf Hermwapelhorst die Vertrauensleute im Klubhaus Schwarze Pumpe über das Ergebnis von 3,4 Prozent rückwirkend zum 1. Januar 2011.


NAMEN & NACHRICHTEN

LEIPZIG | »Industrie und Energie ist Zukunft«

20 Jahre Wismut GmbH

Mit den großen aktuellen Schwerpunktthemen der IG BCE eröffnete Bezirksleiter Jürgen Mehnert am 25. Januar den Neujahrsempfang des Bezirks Leipzig. Rund Zukunft für die Region: Bezirksleiter 180 Gäste waren ge- Jürgen Mehnert bei seiner Begrüßung. kommen, um unter dem Motto »Industrie und hielt Landrat Dr. Gerhard Gey Energie ist Zukunft« Position aus dem Landkreis Leipzig. zu beziehen. Jürgen Mehnert Themen waren der zukunftsbeschrieb die politischen Rah- fähige Energiemix mit Braunmenbedingungen des Bezirks kohle und die Forderung nach im Zukunftsprozess der IG einem CCS-Gesetz, verantBCE sowie die Grundlagen ak- wortungsvolle Tarifpolitik, die tiver Industrie- und Energie- den Menschen Perspektiven politik. Landesbezirksleiterin sichert, notwendiger KläPetra Reinbold-Knape betonte rungsbedarf bei der Rente mit in ihrem Grußwort: »Solida- 67, die in jetziger Form keine rität ist das Fundament unse- Antwort auf den demograrer Gesellschaft.« Die Festrede fischen Wandel ist.

AUE | 20 Jahre Wismut GmbH sind 20 Jahre betriebliche Mitbestimmung. Stefan Hohenhausen, IG-BCEBetriebsratsvorsitzender am Standort Aue, war von Anfang an dabei: »Bei der Schachtbesetzung vor 20 Jahren haben wir mit dafür gesorgt, dass es mit der Wismut überhaupt weiterging.« Er ist stolz, dass es in der ganzen Zeit keine betriebsbedingte Kündigung gab, auch wenn mit 300 Mitarbeitern nur noch ein Bruchteil der Menschen am Standort zwischen Schlema und Hartenstein arbeiten wie in vergangenen Zeiten. Ende 2010 hat der Freistaat Sachsen das Geld für das Folgeabkommen für die Altbergbausanierung über das Jahr 2012 hinaus bereitgestellt. Stefan Hohenhausen ist zuversichtlich, dass es bei der Neustrukturierung der Wismut GmbH auch diesmal nicht zu Entlassungen kommt.

Eine gute Tradition: Der Neujahrsempfang im Bezirk Leipzig sorgt für regen Gedankenaustausch im festlichen Rahmen.

Foto: Walter Heinig

Neujahrsempfang 2011

Tarifpolitik hautnah BURG/SPREEWALD |

Tarifkommissionsmitglieder aus sieben verschiedenen Tarifbereichen im Bezirk Cottbus erhielten von Sabine Duckstein, Abteilung Tarifpolitik der IG BCE (Foto, Sechste von links) umfangreiches Wissen rund um das Thema Tarife. Dazu zählten auch neue tarifpolitische Wege, etwa Sonderleistungen nur für Gewerkschaftsmitglieder. Klar wurde: Die IG BCE kann nur mit vielen betrieblichen Mitgliedern Tarifverträge erfolgreich verhandeln und durchsetzen.

Tarifarbeit bei SolarWorld

Ziel sind 38 Stunden MAGDEBURG/ROTHENSEE | Müllwerker fordern Gespräche

Nach der Tarifrunde 2010 im Müllheizkraftwerk Rothensee in Magdeburg war die Forderung nach der 38-StundenWoche offengeblieben. Auf einer gut besuchten Mitgliederversammlung am 25. Januar diskutierten die Gewerkschafter im Betrieb dieses Thema konträr. Insbesondere die Schichtarbeiter forderten,

dass die Verkürzung der Arbeitszeit um zwei Stunden weiter tarifpolitisches Ziel bleiben soll, weil sie zur Humanisierung der Schichtarbeit erheblich beiträgt. Am Ende gab es eine große Zustimmung für die Forderung nach der Einführung der 38-Stunden-Woche im Müllheizkraftwerk.

RITTERSGRÜN | Vertreter von Betriebsrat und Tarifkommission der Unternehmensgruppe SolarWorld AG, Standort Freiberg berieten in einem Seminar die zukünftige Tarifarbeit im Unternehmen. Mit dem Aufbau von Vertrauensleutestrukturen wollen sie die gewerkschaftliche Präsenz in den Betriebsbereichen verbessern. Moderiert wurde die Klausur von Marc Welters aus der IG-BCEHauptverwaltung und Bezirksleiter Gerald Voigt (auf dem Foto außen rechts und links).

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VOR ORT NORDRHEIN NAMEN & NACHRICHTEN

IG-BCE-Jugend: Chemie im Blick DÜSSELDORF

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Der Bezirksjugendausschuss Düsseldorf veranstaltete eine Mitgliederversammlung zur Chemietarifrunde. Dort forderten die Teilnehmer unter anderem eine frühzeitige Fortsetzung des Tarifvertrages »1000 für 1000« zur Übernahme der Auszubildenden in der chemischen Industrie.

Gemeinsam zum Seminar BAD MÜNSTEREIFEL | Mitglieder des Seniorenkreises im Bezirk Duisburg besuchten gemeinsam ein Seminar der Kurt-Schumacher-Akademie in Bad Münstereifel. Darin ging es unter anderem um Politik »im Spannungsfeld von Bürgerprotest und Bürgerverdruss«.

Hauptgewinn für Frank Griesdorn | Frank Griesdorn (links), Betriebsratsvorsitzender von Advanced Nucklear Fuels in Duisburg, erhielt von Bezirksleiter Bodo Wilms einen Reisegutschein. Die Wochenendreise zum nächsten Oktoberfest nach München ist Hauptgewinn in einem Werberwettbewerb des Bezirks Duisburg.

DUISBURG

Werberhitparade im Januar Kerstin Ziegler (18, Dupont, Düsseldorf), Edwin Hundgeburth (14, Ineos, Köln-Bonn), Yüksel Yildirim (10, Carcoustics, Leverkusen), Apostolos Psornas (4, Akzo Nobel, Düsseldorf), Norbert Burfeid (4, Evonik Degussa, Köln-Bonn), Michael Kabot (3, Ashland, Düsseldorf), Felix Schultz (3, Bayer, Leverkusen), Werner Schöttler (3, Döllken, Duisburg), Michael Herbst (3, Dr. Barbor, Alsdorf), Frank-Georg Schubert (3, Hüttenes-Albertus, Düsseldorf), Wolfgang Benstöm (3, IVT Weiner und Reimann, Duisburg), Armin Gilgen (3, Rheinpapier, Köln-Bonn), Thomas Rondorf (3, ROC TG 16, Alsdorf), Matthias Löwenstein (3, Sachsenröder, Düsseldorf), Hans Ritterbex (3, Saint Gobain Sekurit, Alsdorf), Stephan Molzahn (3, SCA Hygiene Products, Düsseldorf). Weitere Infos im Internet: www.nordrhein.igbce.de

28 | kompakt | März 2011

Bei der Chemietarif-Auftaktveranstaltung des Bezirks Köln-Bonn waren sich die 250 Teilnehmer einig: Jetzt ist die Zeit, die Beschäftigten an den guten Ergebnissen zu beteiligen.

Chemie: Es geht los NIEDERKASSEL | Mobilisierung für eine gute Tarifrunde

Jetzt ist die Zeit, die Beschäftigten an den guten Ergebnissen der Chemieunternehmen zu beteiligen. Darin waren sich alle 250 Teilnehmer der Chemietarif-Auftaktveranstaltung des Bezirks KölnBonn einig. Im Kasino der Evonik-Degussa Lülsdorf war die Bereitschaft, die »Sieben« vor dem Komma durchzusetzen, deutlich spürbar. Im Tarifbezirk Nordrhein startete kurz darauf am 16. Februar die diesjährige Chemietarifrunde (siehe Bericht auf Seite 16/17). »Diese Tarifrunde wird kein Selbstläufer«, warnte aber Peter Hausmann, Tarifexperte im IG-BCE-Hauptvorstand im Evonik-Kasino und betonte: »Wir werden nur dann etwas erreichen, wenn wir in den Betrieben starken Druck aufbauen.« Auch Nordrheins IGBCE-Landesbezirksleiter und -Verhandlungsführer Reiner Hoffmann appellierte an alle Beschäftigten, sich an den vielen Aktionen in den Betrieben zu beteiligen, um die

IG BCE am Verhandlungstisch zu stärken. Den Vorwurf der Arbeitgeber, die IG BCE habe mit ihrer Tarifforderung die Bodenhaftung verloren, wies der Leiter des Bezirks KölnBonn, Thomas Meiers, zurück: »Wir haben einen realistischen Blick auf die wirtschaftlichen Verhältnisse der Betriebe und wissen, dass unsere Forderung realitätsnah ist.«

IG-BCE-Hauptvorstandsmitglied Peter Hausmann: »Wir werden nur dann etwas erreichen, wenn wir in den Betrieben starken Druck aufbauen.«


Gegen Lohndumping DÜSSELDORF | Betriebsräte-Arbeitskreis zur Leiharbeit

»Wir wollen kein Lohndumping. Leiharbeit muss auf das Abfangen von Auftragsspitzen und zum Auffangen kurzzeitiger personeller Engpässe begrenzt werden«, forderte Reiner Hoffmann, Leiter des IG-BCE-Landesbezirks Nordrhein, bei einem Treffen von Betriebsräten, die zu dieser Thematik in einem Arbeitskreis des Landesbezirks zusammenarbeiten. Die Betriebsräte kritisierten bei dem Treffen, dass nach wie vor Stammarbeitsplätze durch Leiharbeitskräfte ersetzt würden. Dies bestätigte auch Klaus Brauer, Leiter der

Abteilung Arbeitsmarktpolitik, bei der Vorstellung einer Studie der IG BCE zum Thema. Umso wichtiger sei es, das Prinzip »Gleicher Lohn für gleiche Arbeit« (Equal Pay) durchzusetzen. Das Prinzip »Equal Pay« sieht auch ein Tarifvertrag vor, den die IG BCE mit dem Zeitarbeitsunternehmen Connect Consult abgeschlossen hat. Dessen Geschäftsführer Harald Müller warb bei dem Arbeitskreistreffen darum, diesen Tarifvertrag jetzt auch durch betriebliche Vereinbarungen zu unterstützen.

Infos bei Werkbesuch

NAMEN & NACHRICHTEN

Zukunft 2020 im Blick DÜSSELDORF | Zum Auftakt einer breiten Diskussion um den IG-BCE-Zukunftsprozess 2020 hatte der IG-BCE-Bezirk Düsseldorf Betriebsräte und Vertrauensleute in das Hydro Rheinwerk eingeladen. Michael Vassiliadis begeisterte die Teilnehmer dort mit seinem Impulsreferat zum Thema. In den anschließenden sechs Workshops erarbeiteten die Teilnehmer konkrete Vorschläge, die in den bezirklichen Zukunftsprozess einfließen werden.

»Junge Mädels« und mehr ALSDORF | Der Bezirksfrauenausschuss Alsdorf beschloss bei einem Treffen seine Jahresplanung 2011. Nach den Aktionen zum Internationalen Frauentag im März wird es bei vielen Sitzungen und Veranstaltungen um Themen wie »Migrantinnen in der IG BCE«, »Junge Mädels brauchen wir!« oder »Die Quote auf dem heißen Stuhl« gehen.

OBERHAUSEN | Vassiliadis bei Oxea-Ruhrchemie

Handwerkszeug für Jugendvertreter

Klaus-Dieter Frese (links), Betriebsratsvorsitzender des Oxea-Werks Ruhrchemie in Oberhausen, konnte Michael Vassiliadis zu einer Betriebsversammlung begrüßen. Der IG-BCE-Vorsitzende sprach dort zum Thema »Industriestandort Deutschland«. Michael Vassiliadis nutzte den Betriebsbesuch aber auch, um zuvor mit dem Oxea-Management über die aktuellen Entwicklungen in

HALTERN AM SEE |

Neu gewählte Jugendvertreter von RWE Power aus dem IG-BCEBezirk Alsdorf lernten bei einem Grundlagenseminar im IGBCE-Bildungszentrum Haltern das Handwerkszeug für ihre zukünftige Arbeit. Besonders der Umgang mit dem Betriebsverfassungsgesetz stellte eine erste Herausforderung dar, die von den Teilnehmern aber gut gelöst wurde. der chemischen Industrie zu reden.

»Gutes Benehmen« vermittelt HATTINGEN | Gutes

Fokus auf Energieversorgung 2020 ALSDORF | Der Bildungsarbeitskreis des IG-BCE-Bezirks Alsdorf organisierte eine Wochenendschulung zum Thema »Energieversorgung«. Dabei setzten sich die Teilnehmer auch kritisch mit dem energiepolitischen Gesamt-

konzept der Bundesregierung für die Zeit bis 2020 auseinander. Wichtig sei ein auch in Zukunft sicherer, wirtschaftlicher und für den Bürger bezahlbarer Energiemix, der mit den Klimazielen in Einklang stehe.

Benehmen stand im Mittelpunkt eines »Knigge-Seminars« der IG-BCE-Jugend Leverkusen in Hattingen. Dazu gehörte auch ein gutes Abendessen in festlicher Kleidung und entsprechendem Ambiente.

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VOR ORT RHEINLAND-PFALZ/SAARLAND NAMEN & NACHRICHTEN

Deutscher Betriebsräte-Preis MAINZ

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Die Betriebsräte der Schott AG haben mit dem Unternehmen eine europäiSie waren dabei und freuen sich (von links): Eva sche Be- Engel, Hasan Isilak, Wolfgang Heinrich, Sybille triebsverDatz, Stefan Brück und Rainer Hartmann. einbarung »Null Unfälle – Du bist mir wichtig« abgeschlossen. Mit dieser erfolgreichen Vereinbarung hat sich der Betriebsrat der Schott AG Mainz am Deutschen Betriebsräte-Preis 2011 beteiligt. Dieser jährlich vergebene Preis beruht auf einer Initiative der Zeitschrift »Arbeitsrecht im Betrieb« und steht unter der Schirmherrschaft von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen.

Wählen gehen MAINZ | Am 27. März wird in Rheinland-Pfalz gewählt. Lan-

desbezirksleiter Ralf Sikorski hatte die IG-BCE-Mitglieder bereits in seinem Zwischenruf zum neuen Jahr nachdrücklich gebeten, ihr Wahlrecht wahrzunehmen, und zwar ausdrücklich »unabhängig davon, wohin sie parteipolitisch neigen«. Die Landtagswahl entscheidet »über die Fortsetzung einer Politik, die sich sehen lassen kann«, schrieb er. Es geht darum, ob das Land »stabil aufgestellt« bleibt und um »bürgernahe Rahmenbedingungen – Kindergartenplätze, kostenlose Universitäten, moderne Bildungspolitik«.

Familienfeier mit Jubilaren LAMBRECHT | Zu einer Familienfeier der Ortsgruppe Lambrechter Tal lud der Vorsitzende Hermann Schönung auch den Saarbrücker GewerkschaftssekreZehn frohe Jubilare feierten mit: Georg tär Wolfgang Bei- Laubscher, Rosemarie Bonnen, Wolfgang nert ein. Gemein- Beinert, Heinrich Kornmann, Ekkehard sam ehrten sie Boersch, Ursula Litzel, Jürgen Knecht, langjährige Mit- Heinz Gerbig, Stefan Felden und Helmut glieder für 25-, Hüner. 40-, 50- und sogar 60-jährige Gewerkschaftstreue.

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Nachwuchs fördern PIRMASENS | IG-BCE-Arbeitnehmergespräch

Das bereits im zehnten Jahr stattfindende Pirmasenser Arbeitnehmergespräch mit gewerkschaftlichen Vertrauensleuten und Betriebsräten der Region trifft stets auf öffentliche Re- Der Fachkräftemangel war Thema des diesjähsonanz. Auch die- rigen Pirmasenser Arbeitnehmergespräches. ses Jahr berichteten »Pirmasenser Zeitung« gebenden Ortsgruppe, führte wie »Rheinpfalz« über die in das Thema »FachkräftePodiumsdiskussion. Es dis- mangel« ein. Das Fazit der kutierten Abgeordnete, Unter- Diskussion: Eltern, Schulen nehmensvertreter, die Leite- und Betriebe sollten ihre rin der Abteilung Arbeit im Kontakte verstärken, um die rheinland-pfälzischen Arbeits- bestehenden Ausbildungsministerium, der Leiter der chancen besser zu nutzen. örtlichen Arbeitsagentur und Und alle sollten helfen, das die IG BCE, vertreten durch Image der Stadt ihrem vorMatthias Hille. Klaus Leh- handenen guten Potenzial mann, Vorsitzender der gast- anzupassen.

Gesund und gefährdet WISSEN | Gute Arbeit – miese Aussicht

Das Kautex-Werk in der Westerwald-Stadt Wissen genießt einen erstklassigen Ruf. Vor drei Jahren bewarb es sich zum wiederholten Mal erfolgreich um den LudwigErhard-Preis für wirtschaftliche Spitzenleistungen. Die Juroren lobten die »etablierte Verbesserungskultur« des Unternehmens und dass es die »Mitarbeiter an der Unternehmensgestaltung beteiligt« und »eigenständiges Handeln fördert«. Plötzlich aber will die Firma das Vorzeigewerk schließen. 160 Menschen sollen im nächsten Jahr den Arbeitsplatz verlieren. »Wir leisten

hervorragende Arbeit, das Werk schreibt schwarze Zahlen, wenn Not war, waren wir da«, protestiert der Betriebsrat. Die von der Unternehmensführung genannten Gründe – Kostendruck, Auftragslage, Standortnachteile – nennt IG-BCE-Bezirkssekretär Tobias Hanson »nicht nachvollziehbar«, denn »die Zahlen sind gut«. Gemeinsam mit dem Betriebsrat kämpft die IG BCE nun um den Erhalt des Werks. Tobias Hanson: »Man kann nicht immer vollen Einsatz verlangen und die Mitarbeiter dann bei erster Gelegenheit im Regen stehen lassen.«


NAMEN & NACHRICHTEN

Auf die Mitglieder kommt es an KIRKEL | Die Arbeit-

Ein starkes Signal: Vertrauensleuteversammlung in Ludwigshafen.

Tarifrunde Chemie FRANKENTHAL | Arbeitgeber wurden eindringlich ermahnt

»Die Tarifentgelte und Ausbil- Krise hervor«, folgerte Ralf Sidungsvergütungen in der che- korski. Er bat um »mehr Reamischen Industrie müssen um litätsnähe der Arbeitgeberseisieben Prozent steigen, bei ei- te« und warnte sie davor, »den ner Laufzeit von zwölf Mona- Bogen zu überspannen«. Sikorski erinnerte daran, ten.« Diese »mehr als berechtigte« Forderung der Tarifkom- dass die Beschäftigen in der mission präsentierte Landes- Krise auf vieles verzichtet bezirksleiter Ralf Sikorski den hatten und unbestritten entrheinland-pfälzischen Chemie- scheidend zu dem neuen Aufarbeitgebern Mitte Februar zu schwung beigetragen haben. Beginn der regionalen Tarif- »Im Jahr 2011 geht es darum, wie belastbar unsere Tarifverhandlungen. Die Arbeitgeber nannten politik nicht nur in Krisendie Forderung »fern der Rea- zeiten ist, sondern gerade auch lität«; das Vorkrisenniveau sei im Aufschwung.« noch nicht einmal wieder Trotz dieser eindringlichen erreicht. Die Tarifkommis- Mahnung wurden die Tarifsion bewertete diese Begrün- verhandlungen ergebnislos dung als »verzerrend«: Der vertagt. Sie werden nun am Aufschwung habe die ganze 15. März in Hannover auf Branche erfasst, nicht nur Bundesebene fortgesetzt. die Großbetriebe. Selbst eine ganze Reihe kleinerer und mittlerer Unternehmen schloss das Jahr 2010 mit Rekordergebnissen ab. »Die Chemieindustrie in Rheinland-Pfalz »Mehr Realitätsnähe« mahnte IG-BCE-Landesgeht deutlich ge- bezirksleiter Ralf Sikorski (vordere Reihe, Zweistärkt aus der ter von links) bei den Arbeitgebern an.

nehmerinnen und Arbeitnehmer in den Betrieben halten meist viel von der IG BCE und wissen im Grunde, dass eine starke Mitgliedschaft auch in ihrem eigenen Interesse liegt. Aber viele potenzielle Mitglieder wollen zunächst angesprochen und persönlich von den Vorteilen einer Mitgliedschaft überzeugt werden. Sie benötigen eine konkrete gewerkschaftliche Bezugsperson. Um diesen Bedarf konsequent zu befriedigen und dabei die richtigen Worte zu finden, trafen sich jetzt gewerkschaftliche Vertrauensleute der Schott AG sowie der Schott Solar Wafer GmbH aus Mainz, Müllheim und Jena mit Dörte Apel aus der Abteilung »Marketing« der IG-BCEHauptverwaltung. Das Beste daran: Das Werbetraining in der Bildungsstätte Kirkel machte auch noch Spaß.

Der besondere Jubilar WORMS | Karl Saul-

heimer war in der Region viele Jahre Tarifsekretär der Gewerkschaft Leder, lange auch DGB-Vorsitzender. Zu seinem 60. Gewerkschaftsjubiläum gratulierten ihm jetzt der stellvertretende Vorsitzende des Bezirks Mainz, Horst Schebsdat (links), und Bezirksleiter Walter Dörrich (rechts) im Rahmen der Jubilarehrung. Walter Dörrich hielt auch die Festansprache zu Ehren der Gewerkschaftsjubilare aus den Wormser Chemiebetrieben. Oberbürgermeister Michael Kissel und der Landtagsabgeordnete Jens Guth (beide SPD) sprachen Grußworte.

Jubilarehrung in Merzig MERZIG | Mitgliedern mit 25, 40, 50 und 60 Jahren Gewerkschaftszugehörigkeit sprachen der Vorsitzende der Ortsgruppe Merzig Ralf Runge (rechts) und der stellvertretende Saarbrücker Bezirksleiter Frank Rolle (links) bei einem Festakt Dank und hohe Anerkennung aus.

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VOR ORT WESTFALEN NAMEN & NACHRICHTEN

IG-BCE-Seminare GELSENKIRCHEN | 16. bis 20. Mai 2011: Kulturhauptstadt

2010 – Was ist geblieben? (LBZ300.03.01.11) HATTINGEN | 6. bis 10. Juni 2011: Arbeitersport – Pölen und Boxen als Teil der Arbeitergeschichte (LBZ300.05.04.01.11) Anmeldungen beim zuständigen IG-BCE-Bezirk oder direkt beim Landesbezirk. Weitere Informationen im Internet unter: www.westfalen.igbce.de

Vestolit zahlt Kürzung zurück

Die Forderung steht: die Chemietarifkommission Westfalen.

Tarifrunde gestartet

MARL | »Hier zeigt sich, wie gut Sozialpartnerschaft bei uns funktioniert«, sagt Eugen Ostkamp, Betriebsratsvorsitzender bei Vestolit. Alle Beschäftigten des Marler Unternehmens konnten sich bei der Januar-Abrechnung über die Rückzahlung der Kürzungen bei tariflichen Leistungen freuen. Im Krisenjahr 2009 hatten Betriebsrat, IG BCE und die Geschäftsleitung Einschnitte bei den übertariflichen Leistungen, aber auch eine zehnprozentige Absenkung der Tarifentgelte sowie die Kürzung der Jahressonderleistung um 50 Prozent vereinbart. Alle Arbeitsplätze konnten dadurch gehalten werden. Der damalige Vertrag sah bereits vor, dass das Unternehmen dieses eingesparte Geld wieder an die Mitarbeiter mit dreiprozentiger Verzinsung zurückzahlt, sobald die wirtschaftliche Situation bei Vestolit sich verbessert.

»Die Chemieunternehmen haben früher als andere Branchen vom Aufschwung profitiert«, sagte IG-BCE-Landesbezirksleiter Kurt Hay bei der Sitzung der Chemietarifkommission Westfalen am 7. Februar in Bochum. Das Gremium beschloss, sieben Prozent mehr Entgelt bei einer Laufzeit von zwölf Mo-

Mit Musik zum Beruf

Bewegende Solidarität

GLADBECK | Schüle-

MARL | Gottesdienst für Gerechtigkeit

rinnen und Schüler der Gladbecker ErichFried-Schule erarbeiten gemeinsam mit der Ortsgruppe Gladbeck-Mitte das Musical »Ich will leben!«. Darin geht es mit deutscher Rockmusik um Anerkennung und das Lernen in Eigenverantwortung bis zum gelungenen Schulabschluss. Die Premiere wird am 6.Juli in der Mathias-Jacobs-Stadthalle in Gladbeck sein.

Bildung und Zielgruppenarbeit ESSEN | Edeltraud Glänzer vom geschäftsführenden IGBCE-Hauptvorstand kam zu einer Veranstaltung der IG-BCE-Ortsgruppe RellingHaus. Sie referierte dort zum Thema »Bildung mit der IG BCE« und stellte dabei die besondere Bedeutung der Zielgruppenarbeit heraus.

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BOCHUM | »Wir wollen jetzt am Aufschwung teilhaben!«

naten zu fordern. Hay: »Nach dem Krisentarifvertrag von 2010 sollen die Beschäftigten jetzt am Aufschwung teilhaben.« Die Verhandlungen für Westfalen begannen nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe am 25. Februar in Bochum. (Siehe auch die Seiten 16/17.)

Der Solidaritätsgottesdienst »Auf’ RUHR – für Gerechtigkeit und Frieden« in der evangelischen Pauluskirche Marl-Hüls steht seit 1986 fest im Terminkalender vieler Vertrauensleute und Karlheinz Auerhahn, Bezirksleiter ReckBetriebsräte aus der linghausen, Martin Ostdorf, Betriebsrat Region. In diesem Bergwerk Auguste Victoria, VertrauensJahr bauten die Got- körpervorsitzender Dietmar Bartsch und tesdienstbesucher Klaus Brüske, stellvertretender Bezirksdort aus mehr als leiter, (von links) beim Soli-Gottesdienst. 200 Teilen ein Symbol für Gerechtigkeit und mehrere Moscheegemeinden Frieden. Neben der evange- sowie unter anderem Betriebslischen Stadtkirchengemeinde räte und Vertrauensleute des und dem katholischen Deka- Bergwerkes Auguste Victoria nat beteiligten sich wieder und des Chemieparks Marl.


NAMEN & NACHRICHTEN

Spende für Kindernotaufnahme Der IG-BCEVorsitzende während der Festrede in Bottrop.

Optimistischer Auftakt BOCHUM | Neujahrsempfänge der IG-BCE-Bezirke

»2011 wird unser Jahr!« Optimismus verbreiteten der IGBCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis bei den Neujahrsempfängen in Bottrop (Bezirk Gelsenkirchen), Kamen (Bezirk Hamm) und Hattingen (Be- Liebgewonnenes Ritual: In Hattingen wird zirk Dortmund-Ha- gemeinsam das Steiger-Lied gesungen. gen) und Vorstandskollege Peter Hausmann beim gesellschaftlichen Jahresauftakt des Bezirks Recklinghausen in Marl. In seinen Neujahrsansprachen ging Michael Vassiliadis auf die erfolgreiche Auseinandersetzung um die Zukunft der deutschen Steinkohle im vergangenen Jahr ein. In Hattingen dankte er vor fast 500 Teilnehmern besonders dem anwesenden SPD-Europa- »Unser Land steht gut da!«, beabgeordneten Bernhard Rap- tonte Peter Hausmann in Marl. kay für seinen Einsatz auf europäischer Ebene, die Beihil- abzusichern, aber auch allen fen für die Steinkohle bis 2018 Bergleuten, die das mit Aktionen unterstützten. Auch mit Blick auf die anstehende Chemietarifrunde betonten Vassiliadis wie Hausmann: »Unser Land steht gut da. Der Aufschwung ist auch unser Aufschwung Bezirksleiter Manfred Freitag und Stell- und die IG BCE forvertreter Lothar Wobedo schenkten Mi- dert für ihre Mitgliechael Vassiliadis in Kamen einen »Ham- der den gerechten Anteil.« mer Elefanten«.

ESSEN | Mitarbeiter der RAG Montan Immobilien spendeten 2980 Euro für die Kindernotaufnahme Spatzennest in AltenessenNord. Diese Einrichtung bietet bis zu 20 Kindern aus akuten Krisensituationen Schutz.

Jugendvertreter trafen sich BOTTROP | Viele neu oder wiedergewählte Jugendvertreter

kamen zum ersten JAV-Empfang des Bezirks Gelsenkirchen nach Bottrop. Dort konnten sie sich mit anderen »JAVis« aus dem Bezirk über die betriebliche Praxis austauschen.

Für Weiterbau des Kohlekraftwerks DATTELN | Über das

Thema »Unsere Industrie braucht sichere Energie« informierte die IG-BCE-Jugendplattform Datteln an der Baustelle des Kohlekraftwerks in Datteln. Danach demonstrierten die Teilnehmer auch für dessen Weiterbau.

Betriebsrätinnenkonferenz HALTERN AM SEE | Am 12. Mai veranstaltet der Landesbezirk eine Betriebsrätinnenkonferenz »Betriebsrätinnen gestalten die Zukunft« im Bildungszentrum Haltern am See. Diskutiert werden die Themen »Equal Pay«, »Frauen und Interessenvertretungen« sowie »Gute Arbeit«. Gäste sind die NRW-Ministerin für Innovation, Wissenschaft und Forschung, Svenja Schulze (SPD), sowie Edeltraud Glänzer vom geschäftsführenden IG-BCE-Hauptvorstand. Anmeldungen beim Landesbezirk: melanie.lemjimer-vogt@igbce.de

Ehrenamtlich seit Jahrzehnten GLADBECK | Karl Heinz Luthe ist seit 50 Jahren Hauskassierer und Mitgliedsbetreuer in der Ortsgruppe Gladbeck-Mitte. Horst Kopka arbeitet seit 40 Jahren im Vorstand mit. Sie wurden jetzt für ihr langes ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet.

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VOR ORT WESTFALEN

Batenbrock-Eigen

Die Ortsgruppe Batenbrock-Eigen zeichnete Oskar Hepner für 75 Jahre Mitgliedschaft in der Gewerkschaft aus. Ihr 70-jähriges Jubiläum konnten dort Bernhard Bross, Willi Golik, Reinhold Grundwald und Walter Slominski feiern. Seit 60 Jahren sind Helmut Flieder, Fritz Gamerad, Helmut Glaudzinski, Günter Kiwitz, Reinhold Mainda, Josef Pawellek, Bernhard Scharnowski und Arnold Stief dabei. Ihr »Goldenes« feierten Dieter-Jürgen Agorski, Johann Jacek, Alfred Radtke und Günter Widdermann. Vor 40 Jahren sind Gysbertus Alleblas, Erich Boer, Theodor Boos, Ulf Busen, Riza Civi, Willy Dahmen, Hakki Dökmeci, Henryk Duda, Johann Fahl, Helmut Fischer, Dieter van Ewyck, Heinz Hermann, Sieglinde Kaatz, Rainer Kasseböhme, Wolfgang Kollwer, Nuri Moroglu, Ali Orhan, Karl-Josef Plewnia, Peter Reimann, Ramazan Sagiroglu, Udo Skowronek, Alexander Spasojevic, Friedhelm Talhoff, Fritz Voss, Siegfried Winkler und Günter Zaczek in die Gewerkschaft eingetreten.

Westerfilde-Bodelschwingh

Der stellvertretende IG-BCE-Vorsitzende Ulrich Freese ehrte die Jubilare der Ortsgruppe Westerfilde-Bodelschwingh. Josef Hiegemann ist dort seit 75 Jahren, Johannes Giesa und Günter Raulf sind seit 70 Jahren Mitglied. Sein 65-jähriges Jubiläum feierte Günter Brands. Vor 60 Jahren sind Franz Brand, Herbert Kauch, Josef Lenburg, Wilhelm Oberschelp und Erich Soboll in die Gewerkschaft eingetreten. Gerda Kanak und Hans-Eckard Sonnenberg können auf ein halbes Jahrhundert in der Gewerkschaft zurückblicken. Seit vier Jahrzehnten sind Rasim Celik, Werner Drechsler, Bernhard Grebenstein, Manfred Homburg, Ingo Langhein und Gerd Pilz dabei.

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Kamen

Manfred Freitag, Leiter des Bezirks Hamm, ehrte zahlreiche Jubilare der Ortsgruppe Kamen (Foto rechts). Robert Benning, Johann Brosch, Johannes Kampmeyer und Paul Keuer feierten gemeinsam 75-jähriges Gewerkschaftsjubiläum. Erhard Fenske, Johannes Meyer, Helmut Nielinger und Otto Zimmermann traten vor 70 Jahren in die Gewerkschaft ein. Ihr »65-Jähriges« begingen Wilhelm Andres und Walter Spiller. Vor 60 Jahren wurden Alfred Braun, Heinrich Bucholski, Wilhelm Budde, Diethelm Doermann, Gerhard Frey, Erich Gloger, Heinz Hebgen, Horst Kleff, Gerhard Langer, Horst Lenzewski, Hans-Georg Niederholtmeyer, Johann Reichert, Manfred Ruckdaeschel, Erhard Rutke, Helmut Schäfer, Robert Schneider, Alfred Scholz, Karl-Heinz Schuette, KarlHeinz Schulte und Horst Theymann Mitglied (Foto). Seit 50 Jahren (Foto unten) sind Günter Fischer, Otto Hanf, Karl Heinz Kokus, Manfred Krug, Gisbert Krzyzosiak, Gustav Lehmkuehler, Manfred-Heinrich Naujokat, Wolfgang Nielinger, Udo Nockemann, Hans Pawletta, Siegfried Schmidt und Werner Stiller dabei. Vor 40 Jahren kamen Serif Bakar, Karl-Heinz Bloedom, Wolfgang Budde, Wilfried Bussmann, Durmus Cibir, Wolfgang Demtröder, Antonio Di Paolantonio, Wolfgang Gerling, Heinz-Paul Grube, Helmut Kissing, Gerd Klapper, Thomas Kuhnert, Peter Liedschulte, Hans Marciniak, Heinz Müller, Werner Neumann, Hans-Jürgen Priess, Johannes-Wilhelm Raem, Peter Schlowinski, Reinhard Schmidt, Joachim Schreuer, Ernst Schulze-Bramey, Sitki Üstün, Emil Vorwig, Georg Weigel, Wolfgang Wingen, Harald Zerhau und Martina Zschoche hinzu.


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EINE VON UNS

PETRA PUCHELT hat die

Fotos (2): Sven Reimann

Branche gewechselt: Früher war sie Hochbauzeichnerin, heute ist sie Autorin und hat ihr erstes Buch veröffentlicht.

Kinder, Klavier, Kreativität

A

bhängigkeit ist ein doofes Wort«, sagt Petra Puchelt. Selbstständigkeit – das ist für die 59-Jährige das Allerwichtigste. Auch deshalb liebte sie schon immer das Schreiben. Ganz frei die Gedanken zu Papier bringen – das ist ihr Ding. Zuerst hat sie Theater-

Vordergrund. Die Autorin selbst hat fünf Kinder und zehn Enkelkinder in ihrer großen Patchworkfamilie. Petra Puchelt hat früh ihr erstes Kind bekommen, so haben ihre Enkelkinder eine relativ junge Großmutter. »Ich bin nicht der klassische Omatyp mit grauen

»Im Ruhestand in der IG BCE zu bleiben, ist für mich eine Sache der Ehre.« stücke für ihr Kinder- und Jugendtheater He’Lene in Chemnitz geschrieben - jetzt hat sie ihr erstes Buch veröffentlicht: »Ehe mit Verfallsdatum« (224 Seiten, Verlag Neue Literatur). Die Protagonistin Paula lebt in den 50er-Jahren und erzählt die Geschichte eines aufregenden Lebens mit Höhen und Tiefen. Zwischen Paula und Petra Puchelt gibt es Parallelen: Beide sind zum vierten Mal verheiratet, für beide steht die Familie im 30 | kompakt | März 2011

Haaren«, sagt sie und lacht. Das tut sie überhaupt ziemlich gerne. Die Autorin begann ihre berufliche Laufbahn als Hochbauzeichnerin, damals ein sehr gefragter Frauenberuf. Später war sie als Teilkonstrukteurin tätig, bis sie in die Theaterbranche wechselte. Gewerkschaftsmitglied ist sie schon lange, das findet sie selbstverständlich. Zusammenhalt ist ein Wert, auf den die Chemnitzerin nicht nur privat setzt.

Nicht zuletzt hat dazu ihr Mann beigetragen, der viele Jahre für die IG BCE gearbeitet hat. Nun, als Rentnerin, denkt sie nicht an einen Austritt. Sie erwarte, dass man auch dann bleibe, sagt sie: »Es ist eine Sache der Ehre, die Gewerkschaft weiterhin zu unterstützen.« Manch einer würde Petra Puchelt vielleicht als starke Frau bezeichnen. Damit kann sie aber wenig anfangen. »Was ist schon Stärke?«, fragt sie. »Die sich für stark halten, brechen im Geheimen zusammen und das nennt man dann Stärke.« Falls ihr doch alles zu viel wird, nimmt sie eine Auszeit und entspannt sich beim Klavier spielen. Sie lächelt, als sie davon erzählt, ihre Augen strahlen begeisternde Wärme aus: »Musik ist etwas Wunderbares.« Yana Markwort/nor Sie kennen ein IG BCE-Mitglied mit außergewöhnlichem Hobby? Dann schreiben Sie uns: kompakt@igbce.de


TENDENZEN FRAUENTAG

Kein Stillstand

Der Internationale Frauentag feiert Jubil채um. Seit HUNDERT Jahren steht er f체r das Streiten um Frauenrechte und Gleichstellung der Geschlechter. Mit den Gewerkschaften vorneweg. Sie schreiben eine Erfolgsgeschichte, die allerdings noch nicht an ihr Ende gelangt ist. In kompakt analysiert Edeltraud Gl채nzer, was zu tun bleibt.

Foto: Friedrich-Ebert-Stiftung, Ausschnitt aus einem Plakat zum Frauentag 1914

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TENDENZEN Frauentag

Foto: IG-BCE-Archiv

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In der Offensive Auf dem weg zu gleichen Rechten und Chancen sind Frauen vorangekommen, das Ziel aber

ist noch nicht erreicht. Eine Standortbeschreibung zum 100. Internationalen Frauentag.

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ferenz in Kopenhagen – und damit eine bis heute lebendige Tradition begründet. Auch in diesem Jubiläumsjahr werden die Frauen unserer IG BCE am 8. März wieder für ihre Anliegen eintreten – vor allem in den Betrieben, unserem wichtigsten Handlungsfeld, um Fortschritt für Frauen durchzusetzen. Wir haben schon viel erreicht, aber insbesondere in der Arbeitswelt sind wir von echter Gleichstellung noch ein gutes Stück entfernt. Das wollen und das werden wir ändern, allen Widerständen zum Trotz.

Die Autorin Edeltraud Glänzer ist Mitglied im geschäftsführenden Hauptvorstand der IG BCE und dort unter anderem für die Themen Frauen und Gleichstellung zuständig. Zudem nimmt sie Aufsichtsratsmandate in den Unternehmen B. Braun Melsungen, Merck und Solvay Deutschland wahr. Seit November 2010 ist Glänzer zugleich Mitglied im Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Foto: Peter Hiltmann

D

ie Gleichstellung der Geschlechter, das ist das große Projekt, für das der Internationale Frauentag steht. Seit 100 Jahren schon demonstrieren weltweit Frauen an jedem 8. März gegen Benachteiligungen und fordern hartnäckig ihre Rechte ein. So wie schon 1911, als viele Gewerkschafterinnen für das Wahlrecht von Frauen, aber auch für gleichen Lohn bei gleicher Arbeit und für einen besseren Arbeits- und Gesundheitsschutz auf die Straße gingen. Dazu aufgerufen hatte ein Jahr zuvor die 2. Internationale Sozialistische Frauenkon-


In den 70er-Jahren ein Frauenjob: Arbeiterinnen in einer Tonträgerfabrik.

Foto: H. W. Walter Hesse, IG-BCE-Archiv

Der Rückblick auf 100 und mehr Jahre Bewegung für Frauenrechte ist durchaus ermutigend. Das gleiche Wahlrecht ist mittlerweile in unserer Gesellschaft selbstverständlich, das die Nachkriegszeit prägende Leitbild der Hausfrauenehe überwunden, das Scheidungsrecht vom Schuldprinzip befreit und die Straffreiheit des Schwangerschaftsabbruchs erreicht. Heute haben wir die bestausgebildetste Frauengeneration aller Zeiten, beim Schulabschluss und der Berufsausbildung haben die jungen Frauen erstmals auch die gleichaltrigen Männer überholt. Selbstverständlich nehmen Frauen für sich in Anspruch, berufstätig zu sein und in der Arbeitswelt eigene Karriereschritte zu gehen. Beruf und Familie, das ist die gewünschte Lebensperspektive, in die mittlerweile kein »oder« mehr passt. Aber den Internationalen Frauentag brauchen wir weiterhin genauso wie aktive Frauen in unserer IG BCE. 2008 haben wir uns vier konkrete Ziele gesetzt. Wir wollen Benachteiligungen in der Bezahlung und bei den Karrierechancen beenden, eine bessere Balance von Lebens- und Arbeitszeit erreichen und auch sichtbarer und erfolgreich in der Interessenvertretung sein. Wir brauchen Aktivitäten, weil sich von allein nichts zum Besseren für Frauen bewegt. Nach wie vor verdienen Frauen im Durchschnitt 23 Prozent weniger als be-

100

Jahre Internationaler Frauentag

Heute für morgen Zeichen setzen Am 8. März 1911 wurde der 1. Internationale Frauentag ausgerufen – 2011 feiert der DGB mit einer großen Festveranstaltung in Berlin das Jubiläum.

rufstätige Männer. Wir prüfen in 26 Unternehmen, ob es diese Unterschiede auch in unseren Branchen gibt und wie sich das ändern lässt. Die Ergebnisse werden wir auswerten – um dann das Prinzip Equal Pay umzusetzen. Ein gesellschaftlicher Skandal ist die vollkommen unzureichende Besetzung von Vorständen und Aufsichtsräten mit Frauen. Das beschäftigt mittlerweile auch die Politik. Die Unternehmen müssen wissen: Es geht längst nicht mehr darum, ob auch Frauen künftig in Führungspositionen gelangen, sondern nur noch um das Wie. Wir wollen in 40 Unternehmen konkret und nachprüfbar aufgezeigen, auf welche Weise der Frauenanteil an den Spitzenjobs gesteigert werden kann. Wer

Für gleiches Geld: Demonstration von Mitgliedern der IG Bergbau und Energie 1979 im Ruhrgebiet.

sich in dieser Frage nicht bewegt, muss mit einer gesetzlichen Regelung rechnen. Schließlich wollen wir weiter an einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie arbeiten. Da haben wir schon gute Erfolge mit über 80 Betriebsvereinbarungen erzielt. Das kann noch ausgebaut werden, bedarf aber auch der Unterstützung durch die Politik, etwa mit mehr Ganztagsschulen und einem ausgebauten Betreuungsangebot für Kleinkinder. Auch in der Interessenvertretung kommen wir voran. Der Frauenanteil in den Betriebsräten liegt beispielsweise bei 27 Prozent, ist allerdings bei den Vorsitzenden noch steigerungsfähig. In unserer Gewerkschaft sind Spitzengremien wie der Hauptvorstand bereits zu einem Drittel mit Frauen besetzt. Beschlossen ist zudem, den Anteil der hauptamtlichen Gewerkschafterinnen an von uns zu besetzenden Aufsichtsratsmandaten auf 30 Prozent zu erhöhen. Damit es weiter vorangeht, bedarf es allerdings auch des persönlichen Engagements für die gemeinsame Sache. Etwa durch Mitgliedschaft in der Gewerkschaft. Je mehr Frauen sich in und mit unserer IG BCE engagieren, desto schneller werden wir echte Gleichstellung erreichen. Dafür lohnt sich der Einsatz.

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TIPPS ARBEITSLOSENGELD

Foto: Martin Leissl/VISUM

Wer kriegt mehr? ALLEIN IM JANUAR 2011

mussten sich 435 000 Arbeitnehmer arbeitslos melden, weil sie ihren Job verloren hatten. Meist hatten sie Anspruch auf Arbeitslosengeld (ALG) I. Doch oft fällt diese Versicherungsleistung zu niedrig aus, weil die Arbeitsagenturen bestimmte Sonderregeln nicht berücksichtigen. kompakt zeigt, wer einige Hundert Euro mehr bekommen kann.

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HÄRTEFALL: Nicht selten passiert es, dass Arbeitsnehmer im Jahr vor ihrem Jobverlust bereits deutlich weniger verdient haben als vorher – etwa weil sie Abstriche hingenommen haben, um ihren Arbeitsplatz zu retten. In solchen Fällen kann eine Härtefallregelung greifen. Das ALG I muss dann auf Grundlage des durchschnittlichen Einkommens der letzten beiden Jahre (statt – wie üblich – allein der letzten zwölf Monate) berechnet werden. Geregelt ist dies in Paragraf 130, Absatz 3, Nummer 2 des Sozialgesetzbuches (SGB) III. Das Bundessozialgericht hat am 24. November 2010 (Aktenzeichen: B 11 AL 30/ 09 R) entschieden, wann sich Arbeitslose auf diese Härteregelung berufen können. Voraussetzung dafür ist, dass die Bemes-

sungsgrundlage für das ALG I bei der »alternativen« Berechnungsmethode um mehr als zehn Prozent höher ausfällt als »normal«. Dazu ein Beispiel: Ein Arbeitnehmer hat in den letzten zwölf Monaten seines Beschäftigungsverhältnisses im Durchschnitt monatlich 2000 Euro verdient, in den zwölf Monaten davor waren es 2410 Euro. Nimmt man den kompletten Zweijahreszeitraum, so ergibt sich ein Durchschnittsentgelt von 2205 Euro pro Monat. Dieses ist um 10,25 Prozent höher als das durchschnittliche Arbeitsentgelt im letzten Jahr vor der Arbeitslosigkeit. Deshalb muss in diesem Fall bei der Berechnung des ALG I der Lohn im Zeitraum von zwei Jahren (statt einem) berücksichtigt werden.


Allein wird das nichts: Nur wer gute Beratung in Anspruch nimmt, bekommt auch alle Leistungen.

WICHTIG IST ALLERDINGS: Es ist Sache

der Arbeitslosen selbst, dies zu verlangen! Ohne Anstoß der Betroffenen sind die Ämter nämlich nicht verpflichtet zu prüfen, ob die Härtefallregelung greift. Im Gesetz heißt es ausdrücklich: Die Gesetzesbestimmung »ist nur anzuwenden, wenn der Arbeitslose dies verlangt und die zur Bemessung erforderlichen Unterlagen vorlegt«. TIPP: Wer zuletzt weniger verdient hat,

sollte in jedem Fall nachrechnen, ob für ihn die Härtefallregelung infrage kommt. Falls ja, sollte er einen formlosen Antrag stellen und diesen zusammen mit der Arbeitsbescheinigung des letzten Beschäftigungsbetriebs bei der Arbeitsagentur abgeben. Zugleich sollte in jedem Fall kontrolliert werden, ob die Firma auch das Gehalt des vorletzten Jahres korrekt auf der Bescheinigung angegeben hat. TEILZEITBONUS: Ähnlich funktioniert

der »Teilzeitbonus« für diejenigen, die in den letzten drei Jahren vor dem Jobverlust ihre Arbeitszeit verkürzt hatten. Auch hier kann das ALG I auf Basis des früheren höheren Verdienstes berechnet werden. Das bestimmt Paragraf 130, Absatz 2, Nummer 4 SGB III. Wer beispielsweise bis vor 18 Monaten einen Vollzeitjob, zuletzt jedoch nur noch eine Halbtagsstelle hatte, profitiert davon. Er kann dann verlangen, dass bei der Berechnung der Unterstützung der frühere

MIX AUS TEIL- UND VOLLZEITARBEIT SICHERT VOLLES ALG I Manche Beschäftigte würden gerne ihre Arbeitszeit verkürzen. Nur: Sie schrecken vor den damit verbundenen Einkommensverlusten und der schlechteren sozialen Absicherung bei Arbeitslosigkeit zurück. Besonders schlimm ist es, wenn man zunächst die Arbeitszeit verkürzt und dann auch noch den Teilzeitjob verliert. Denn dann wird das ALG I in der Regel nur auf Basis des vorherigen Teilzeitverdienstes berechnet – und fällt entsprechend niedrig aus. Ein solcher finanzieller Absturz kann jedoch vielfach vermieden werden, wenn Betriebsräte und Arbeitgeber für die Beschäftigten die Möglichkeiten nutzen, die Paragraf 130, Absatz 2 SGB III bietet. Diese Regelung kann durch ein »rollierendes« Verfahren optimiert werden, bei denen Phasen der Teilzeit- und Vollzeitarbeit kombiniert werden: Nach drei Jahren mit verkürzter Arbeitszeit muss dabei jeweils mindestens ein halbes Jahr mit Vollarbeitszeit zwischengeschaltet werden. So ist sicher, dass bei späterer Arbeitslosigkeit das ALG I auf Grundlage des höheren Gehalts bei voller Arbeitszeit berechnet wird.

Vollzeitlohn zugrunde gelegt wird. Der Arbeitslose muss dann allerdings auch bei der Arbeitsvermittlung für Vollzeitjobs zur Verfügung stehen.

NEUER RATGEBER Alle aktuellen Regeln und Ratschläge zum Kurzarbeiterund Arbeitslosengeld I finden sich in der 13. Auflage des vom DGB herausgegebenen Ratgebers »111 Tipps für Arbeitslose – Arbeitslosengeld I«. Er ist im Bund-Verlag erschienen (270 Seiten, 12,90 Euro). Dort steht etwa, wie entlassene Arbeitnehmer eine Abfindung bekommen, ohne dass das Finanzamt einen großen Teil davon abzweigt, oder wann und warum es sich für Arbeitslose lohnt, in die neue Steuerklasse »IV Faktor« zu wechseln.

BESTANDSSCHUTZ: Danach ist die einmal erreichte Höhe des ALG I – bei erneuter Arbeitslosigkeit – für zwei Jahre gesichert. Wer zum Beipiel als Erwerbsloser eine schlecht dotierte Beschäftigung annimmt und diese nach einem Jahr wieder verliert, muss deshalb keine »Abwärtsspirale« befürchten. Der zuletzt erzielte niedrige Lohn zählt dann bei der Berechnung des (neuen) ALG I nicht. Ausschlaggebend ist vielmehr der höhere Lohn im vorletzten Job. GEHALTSNACHZAHLUNG: Die Arbeitsagenturen stützen sich bei der Berechnung des ALG I auf die Angaben in den Arbeitsbescheinigungen der Arbeitgeber. Nicht selten stellt sich aber heraus, dass diese fehlerhaft waren und Nachzahlungen fällig werden. Dann sind auch während des Bezugs von ALG I noch nachträgliche Erhöhungen möglich. Berücksichtigt werden die Gehaltsnachzahlungen, die – so die Bundesagentur für Arbeit – »in nachträglicher Vertragserfüllung« erfolgen. Dies gilt etwa dann, wenn eine Tariferhöhung bei der letzten Gehaltsabrechnung noch nicht berücksichtigt wurde oder wenn sich erst nachträglich herausstellt, dass der Entlassene Anspruch auf eine Provision hatte. ÜBERPRÜFUNGSANTRAG: Dass die

oben beschriebenen Sonderregeln vergessen werden, gehört »angesichts des Massenbetriebs bei den Arbeitsagenturen zum Alltag«, sagt Martin Künkler von der Koordinierungsstelle gewerkschaftlicher Arbeitslosengruppen. Er rät daher, die Bescheide der Agenturen genau zu prüfen und gegebenenfalls innerhalb eines Monats Widerspruch einzulegen. Doch auch nach Ablauf dieser Frist, ist – so Künkler – »noch nichts verloren«. Mit einem Überprüfungsantrag nach Paragraf 44 SGB X kann man erreichen, dass »ein fehlerhafter Bescheid korrigiert wird und die zustehende Leistung nachgezahlt werden muss«. Rolf Winkel kompakt | März 2011 | 35


TIPPS ORTSGRUPPEN

Foto: www.BilderBox.com

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Gute Reise DAS GEMEINSAME ZIEL – es stärkt die Gemeinschaft und schafft gute Stimmung.

Die Busreise mit der IG-BCE-Ortsgruppe macht Spaß – sollte aber gut geplant werden.

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er – was – wann – wo – wie! Wenn die Ortsgruppe Welzow sich an die Planung einer Aktion, Reise oder Veranstaltung macht, dann gibt diese Konzeption den Leitfaden für das Handeln vor. Die ist in ihrem Grundgerüst von Ortsgruppenleiter Werner Ullrich über Jahre hinweg schriftlich entwickelt worden und sagt im Detail: wer was wann tut. Einmal verfasst, kann sie immer weiter verfeinert und ergänzt werden. Sie kann übertragen werden auf jedwede andere Veranstaltung. Und jeder Mensch kann mit diesem Plan sofort die

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Organisation in die Hände nehmen – schließlich steht dort ja, was zu tun ist. TEILNEHMER EINBEZIEHEN: Teilnehmer an einer Reise oder Veranstaltung, die über das Programm mitentscheiden konnten, sind später zufriedener und meckern weniger über das, was möglicherweise nicht so gelungen ist. Ein guter Tipp dafür: ankreuzen lassen. Dann ist schwarz auf weiß zu sehen, welche Vorschläge am beliebtesten sind. Bei Ausflügen oder Reisen ist es ratsam, grundsätzliche Daten wie Reiseziel,

Beförderungsmittel und Termin vorzugeben, damit die Vorschläge nicht ausufern, sondern zu kanalisieren sind. Innerhalb dieser Eckdaten kann die Gruppenleitung Programmvorschläge machen: Betriebsbesichtigung oder Museumsbesuch? Spaziergang zur Schiffsschleuse oder lieber den Waldlehrpfad entlang? Schiffstour, Dampflok- oder lieber eine Planwagenfahrt? Wichtig: die Alternativen sollten vergleichbar sein, also nicht zwischen Wanderung und Museumsbesuch wählen lassen, sondern mögliche Vorschläge für


Bildung, Kultur, Bewegung und mehr nebeneinanderstellen. In der IG-BCE-Ortsgruppe Spremberg bleibt der Vorstand so das ganze Jahr über mit den Mitgliedern »im Gespräch« – und sammelt schon Ideen für das nächste Jahr. Immer im Februar zur Mitgliederversammlung wird der Veranstaltungsplan den anwesenden Mitgliedern vorgestellt, mit ihnen beraten, ergänzt und schließlich beschlossen. GANZ PRAKTISCHES: Egal ob Sommerfest, Diskussionsveranstaltung, Radtour, Betriebsbesichtigung oder Bildungsreise: wer die Fäden in der Hand hat, ist Ansprechpartner für jedes kleine und große Problem. Da ist es wichtig, eine Liste mit Telefonnummern vorzubereiten und schnell zur Hand zu haben: sei es nun die des Haustechnikers, weil die Mikroanlage nicht funktioniert oder die des Museums, weil sich die Fahrt mit dem Bus verzögert und die Führung später beginnen muss. Bei Reisen sollten Sie auch die Telefonnummern aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer dabei haben – falls jemand zu spät kommt. Neben Pflaster, Verbandszeug und Kopfschmerztabletten gibt es noch viele kleine Dinge, die nie schaden können: Nähzeug, Schere, Taschenmesser, Gummiband, Klebeband, Tesafilm, Papiertaschentücher, ein paar Stifte, etwas Papier, dicker Marker, eine Kleiderbürste, . . . Wer eine Radtour führt, sollte den Weg vorher einmal allein abgefahren sein, eine Tourenkarte, Flickzeug, Werkzeug und Ersatzschläuche dabei haben und wissen, wie ein kaputter Reifen zu reparieren ist. Eine Frage kommt übrigens meist als erste, sobald eine Gruppe ankommt: Wo sind die Toiletten? ALLES SCHRIFTLICH! Die Ortsgruppe

Magdeburg macht seit zwei Jahren die Anmeldungen für Veranstaltungen, Be-

sichtigungen und Ausflüge nur noch schriftlich. Per Internet oder mit den Anmeldeabschnitten, für die eine Spalte des Flyers mit dem jährlichen Veranstaltungsplan reserviert ist. Das gab zwar anfangs Unmut, half aber letztlich, Unklarheiten und Missverständnisse zu vermeiden. Anmeldeschluss ist meist 14 Tage vorher. Hella Häuser, in deren Händen die Angebote des Seniorenarbeitskreises liegen, weiß dann genau, ob bei großem Interesse an einer Betriebsbesichtigung eine zweite Führung angefragt werden muss. VERSICHERUNG UND HAFTUNG: Zwar

sind gewerkschaftliche Veranstaltungen, also auch die der Ortsgruppen, über den Rahmenversicherungsvertrag der IG BCE mit der Volksfürsorge abgesichert. Doch sobald es um Reisen geht, vor allem mehrtägige, greift schnell das Reisevertragsrecht mit weitreichenden persönlichen Haftungsrisiken für die Person, die mit ihrer Unterschrift die Reise organisiert. Ortsgruppen sollten deshalb mit ihren Reisewünschen zu einem professionellen Reiseanbieter gehen, dessen Versicherung diese Haftungsrisiken einschließen. Das kann »DGB Reisen« sein oder das Reiseunternehmen am Ort, wenn die Geschäfte in der Nachbarschaft gestärkt werden sollen. RECHTLICHE FRAGEN sind auch in der Öffentlichkeitsarbeit für Reisen zu beachten, hat Ortsgruppenvorsitzender Ralf Karl aus Spremberg vor einigen Jahren erfahren. Er bewarb eine Reise im lokalen Stadtanzeiger mit »IG-BCE-Ortsgruppe bietet Bildungsreise an«, sagte im Text, dass zwei Busse bereitstehen und erhielt wenig später einen Brief vom Brandenburger Verkehrsministerium, das ihn aufforderte, seine Konzession für die Personenbeförderungsberechtigung und die entsprechenden Versiche-

Foto: Torsten Krueger

Es muss ja nicht gleich die italienische Amalfiküste sein – obwohl, die Aussicht ist schon ganz nett . . .

AN ALLES GEDACHT?

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Reise korrekt beworben? Plan gemacht? Teilnehmer einbezogen? Haftungsfrage geklärt? Aufgaben verteilt? Alle Telefonnummern notiert? Verbandszeug etc. dabei? Wo sind die Toiletten?

rungsnachweise vorzulegen. Was war passiert? Ralf Karl hatte in der Anzeige nicht deutlich kenntlich gemacht, das ein Reisebüro als Veranstalter beauftragt war. Er hat das Missverständnis aufgeklärt. »Die IG-BCE-Ortsgruppe Spremberg fährt mit Müller-Meier-SchmidtReisen ins Oderbruch«, so hätte die Ankündigung lauten müssen und so sollte es auf allen Einladungen stehen. Susanne Kettelför Wer mehr Beratungsbedarf in Sachen Ortsgruppen auf Reisen hat, wende sich an die Abteilung Ortsgruppen der IG-BCE-Hauptverwaltung, Telefon 0511 7631-316. Und auf www.igbce.de gibt es Tipps zum Thema Essen und Trinken sowie zur Weitergabe von guten Erfahrungen.

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TIPPS PFLEGEZEIT

Wovon sollen pflegende Angehörige leben?

Wer einen Angehörigen versorgen muss, kann bis zu sechs Monate lang aus seinem Job aussteigen. Eine gesetzliche Regelung zum Einkommen während dieser Pflegezeit gibt es aber bisher nicht – auch wenn die Bundesfamilienministerin nun so etwas plant. Wovon können Pflegende heute leben?

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eit dem 1. Juli 2008 haben Arbeitnehmer Anspruch auf eine unbezahlte Job-Auszeit von bis zu sechs Monaten, wenn sie einen Angehörigen, der pflegebedürftig im Sinne der Pflegeversicherung ist, zu Hause betreuen. Das gilt allerdings nur für Arbeitnehmer in Unternehmen mit mehr als 15 Beschäftigten.

PFLEGEGELD: Wenn Pflegebedürftige keinen Pflegedienst in Anspruch nehmen, erhalten sie von ihrer Kasse Pflegegeld. Bei Pflegestufe I sind das 225 Euro im Monat, bei Stufe II 430 Euro und bei Stufe III 685 Euro. Das Geld geben die Pflegebedürftigen meist an die Angehörigen weiter, die sie betreuen. Dafür ist es im Prinzip auch vorgesehen. Die Pflegepersonen können dieses Geld »brutto für netto« annehmen. Es muss nicht versteuert werden. Auch werden dafür keine Sozialversicherungsbeiträge fällig. Und

für Bezieher von Arbeitslosengeld I oder Hartz IV wird die Leistung weder gekürzt noch gestrichen. Denn das Pflegegeld zählt hier nicht als anrechenbares Einkommen. RECHT AUF TEILZEIT: Statt einer vollen Auszeit für die Angehörigenpflege ist auch eine Arbeitszeitverkürzung möglich, um so zumindest teilweise noch etwas zu verdienen. Dafür gibt es einen harten Rechtsanspruch. Denn in Paragraf 3 des Pflegezeitgesetzes heißt es, dass Beschäftigte »von der Arbeitsleistung vollständig oder teilweise freizustellen« sind. Weiter schreibt das Gesetz zur Verringerung und Verteilung der Arbeitszeit vor: »Hierbei hat der Arbeitgeber den Wünschen der Beschäftigten zu entsprechen, es sei denn, dass dringende betriebliche Belange entgegenstehen.« Solche dringenden Belange werden von Arbeitsgerichten nur in seltenen Aus-


Foto: Ramesh Amruth/Caro

nahmefällen anerkannt. Matthias Reinbold (51), Betriebsrat und Wirtschaftsausschussmitglied der Roche Diagnostics GmbH, findet Teilzeitlösungen für die Angehörigenpflege ohnehin vernünftiger als eine völlige Auszeit: »Da bleibt der Kontakt zum Betrieb, den Kolleginnen und Kollegen sowie den Arbeitsprozessen erhalten.« Er weiß: »Manchmal knirscht es im Betrieb natürlich, wenn Mitarbeiter ihre Arbeitszeit verkürzen möchten. Dann ist der Betriebsrat der richtige Ansprechpartner!« ANDERER JOB: In manchen Betrieben kommen Teilzeitlösungen aber nicht in Frage oder die angebotenen Arbeitszeiten lassen sich nicht mit der Angehörigenpflege vereinbaren. In solchen Fällen spricht nichts gegen die (befristete) Aufnahme einer Tätigkeit bei einem anderen Betrieb. Wenn im Arbeits- oder Tarifvertrag nichts anderes steht, können

Arbeitnehmer in der Pflegezeit einen Nebenjob aufnehmen, ohne ihren Hauptarbeitgeber um Erlaubnis zu fragen. »Sie dürfen allerdings nicht bei der Konkurrenz des eigenen Chefs anheuern – andernfalls riskieren sie arbeitsrechtliche Konsequenzen beziehungsweise Sanktionen«, warnt Ansgar Claes, Arbeitsrechtler bei der IG BCE. Im Zweifelsfall sollten Arbeitnehmer ihren Hauptarbeitgeber über ihren Nebenjob in der Pflegezeit informieren.

sollte belegen, dass er einen Angehörigen pflegt – zunächst gegebenenfalls nur mit einer ärztlichen Bescheinigung, später mit einem Bescheid der Pflegekasse. Dass er Arbeit sucht, muss dann nicht nachgewiesen werden. Er muss auch nicht damit rechnen, dass er zum Beispiel einen Ein-Euro-Job oder eine andere Maßnahme annehmen muss. Denn die Angehörigenpflege gilt als wichtiger Grund, der gegen eine Arbeitsaufnahme spricht. Rolf Winkel

LEBENSARBEITSZEITKONTO: In et-

Weitere Infos zu betrieblichen Pflegemodellen sowie zum Anspruch auf Sozialleistungen in der Pflegezeit gibt es im Internet auf: www.igbce.de

lichen Betrieben gibt es mittlerweile Langzeit- beziehungsweise Lebensarbeitszeitkonten. Bei Roche existieren diese seit 2008. Die darauf angesparte Arbeitszeit (umgerechnet in Geld) kann nicht nur für einen vorzeitigen Ausstieg aus dem Job, sondern auch für Auszeiten »zwischendurch« in Anspruch genommen werden – auch für die Angehörigenpflege. »Wer genügend auf dem Konto angespart hat, kann damit mehrere Monate für die Pflege überbrücken«, so Roche-Betriebsrat Reinbold. ARBEITSLOSENGELD I: Finden die Betroffenen in der Pflegezeit keinen passenden Ersatzjob, können sie sich auch arbeitslos melden. Dann haben sie grundsätzlich auch Anspruch auf Arbeitslosengeld (ALG) I, wenn sie diese Leistung beantragen und dem Arbeitsmarkt (weiterhin) zur Verfügung stehen. Dies mag zunächst erstaunen, da ja in der Pflegezeit noch das bisherige Arbeitsverhältnis fortbesteht. Die Pflegezeitler sind jedoch »beschäftigungslos« – und wer ohne Beschäftigung ist, kann grundsätzlich ALG I erhalten. Das erklärt auch die Bundesagentur für Arbeit in ihren Durchführungsanweisungen zu Paragraf 119 Sozialgesetzbuch (SGB) III, wo definiert wird, wer als arbeitslos gilt. HARTZ IV: Wer wegen der Angehörigenpflege vorübergehend aus seinem Job aussteigt und weder größere Rücklagen noch einen gut verdienenden Ehepartner hat, kann Hartz IV beantragen. Er

FAMILIENPFLEGEZEIT – SCHON AB APRIL BEI ROCHE DIAGNOSTICS Am 13. Januar war Bundesfamilienministerin Kristina Schröder zu Besuch bei der Roche Diagnostics GmbH in Mannheim. Sie stellte dabei ihre Pläne für die neue Familienpflegezeit vor. Wer Angehörige pflegt, soll danach das Recht haben, zwei Jahre lang die Arbeitszeit auf die Hälfte zu reduzieren, aber dennoch drei Viertel des Gehalts bekommen. Anschließend müssen die Beschäftigten wieder Vollzeit arbeiten, sollen aber zwei Jahre lang nur drei Viertel ihres Gehalts erhalten – bis die Fehlzeit nachgearbeitet ist. Das Modell soll für die 11 000 Beschäftigten bei Roche schon ab April eingeführt werden – noch bevor ein entsprechendes Gesetz gilt. BETRIEBSRAT MATTHIAS REINBOLD hält diesen Zeitplan für »ambitioniert«. Nach seiner Einschätzung wird diese neue Variante keinen Ansturm auslösen, aber es kann im Einzelfall durchaus eine interessante Alternative zur unbezahlten Freistellung nach Pflegezeitgesetz oder zu einer Entnahme aus dem Langzeitkonto sein.

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RÄTSEL Hirnstrombild (Abk.) Material des Töpfers

genormte Schriftgröße zweitgrößter Wappentier Planetoid

Weißwein aus dem Elsass Kreisdurchmesser

entscheidender Handgriff, Kniff Märchenfigur dt. Donauzufluss

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heftig stoßen TV-Sender

Reisestrecke Sonderzubehör

wbl. Fisch Stadt am Bodensee Wirtschaftsorg. (Abk.) undeutlich sprechen

5 Telekopierer (Kzw.) betörender Glanz, engl.

Autobesitzer

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Renntempo Gefrorenes Nebenfluss der Aller

reißfestes Garn

Filmwitz austral. Straußenvogel

Berliner Platz (Kzw.) Ultrakurzwelle (Abk.)

gallertartige Substanz

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Schmutz, Schmiere Sender in Hamburg bulgarische Münzen

Fürwort Hauptstadt von Niedersachsen

fast gar nicht

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Fluss im Harz Maulesel

Für alle Apple-Liebhaber unter unseren Lesern haben wir in diesem m Monat ein besonderes Schmankerl:: Zehnmal verlosen wir unter allen Einsendungen des richtigen Lösungswortes einen iPod Touch. Mit diesem schicken Mediaplayer im iPhone-Design lässt sich nicht nur Musik hören, sondern auch Spiele spielen und Vid Videos gucken. Und wer zu guter Musik noch ein leckerres Tässchen Tee oder Kaffee genießen m möchte, für den haben wir 40-mal eine IIsolierkanne von Alfi. Damit bleibt das G Getränk auch bei kalten Temperaturen sc s schön heiß. Wir wünschen allen Rätselffre freunden viel Glück!

Tonerdesilikat

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Frucht der Buche Schülergremium (Abk.) Gartenteil

Bundesgerichtshof Rhonezufluss Windbluse mit Kapuze

Nudeln in Röhrenform Taschenspieler

Tunke aus Eigelb und Öl (Kurzwort)

Sommer (französisch)

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Bundestagsrechter mitgl. (Abk.) Zufluss der Save alte frz. Währung drohendes Unheil Dt. FußballBund (Abk.) Stadt im Baltikum

Autokz. v. Freiburg an diesem Ort

Stein mit erhaben geschnittenem Bild Onlinekommunikation römischer Liebesgott bibl. Monogramm islamischer Geistlicher

Bündnis, Vereinigung Heilpflanze

japan. Reiswein Kinderfrau (engl.)

dt. Autor † („Götter, Gräber und Gelehrte“) dt.-luxemb. Grenzfluss Arbeitsgemeinschaft

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Kosename eines Elternteils

Graf (engl.) Flüsschen in Thüringen

Weissagung zu keiner Zeit

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engl. Dramenkönig Autoz. für Libanon ital. Tresterbranntwein

estnische Ostseeinsel

Bündel von Schriften

Autoz. für Peru Stadt bei Zwolle (NL)

Couturier † Autokz. von Saarbrücken

Element

Opernlied

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süddt. Weizenart griech.: neu...

Seemannslied Rasenstechstück

Rundbeet

nach unten

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Studentenausschuss span. Zeichen über n

Benimmbuch Bad

chem. Z. für Eisen überflüssiger Kram

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Heißer Touch amerikanische Seekuh

US-BasketNebenballliga fluss des (Abk.) Arno Kniegeige Zwerg, Kobold Begeisterungswelle

erbitterter Gegner

gewöhnlich, üblich

Halbton über D altröm. Mahlzeit überaus, in hohem Maße

niederl. Schreibweise der Rur

Teil des Essgeschirrs engl. Zustimmung (Abk.)

Aufbau für stehende Dachfenster

französisch: danke

Weltorga- Stechpalme nisation unvermute- Stocktes Ereignis werk

Nebenfluss des Neckars

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Stadt im Ruhrgebiet

Zeitwort

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GLÜCK & GLOSSE

Preisrätsel Im Preisrätsel wird in diesem Monat ein Begriff gesucht, der einen demokratischen Prozess umschreibt. Bitte die Lösung auf eine Postkarte schreiben und einsenden an: kompakt-Redaktion, Postfach 39 45, 30039 Hannover oder per Mail an: kompakt.preisraetsel@igbce.de — bitte die Adresse mit angeben. Einsendeschluss ist der 18. März 2011 (Datum des Poststempels ist maßgebend). Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Die Gewinner

JE EIN BUCH »Leichenblässe« von Simon Beckett erhalten: Martin Ranft, Rossau; Ernst Wagner, Dankmarshausen; Bernd Krause, Eibach; Renate Kimmel, Altötting; Christian Engleder, Triftern; Walter Weigand, Gladbeck; Horst Beck, Bad Harzburg; Edeltraud Sebastian, Trochtelfingen; Cyntia Ossig, Mönchengladbach; Günter Bittner, Bad Camberg; Wolfgang Rös, Burgdorf; Bruno Walter, Leipzig; Klaus Mechnich, Ludwigshafen; Dieter Sauer, Berlin; Klaus Rattun, Kaltenengers; Martin Kecskes, Essen; Gabriele Goertz, Langelsheim; Gottfried Pohl, Lutherstadt Wittenberg; Bernhard Franz, Leverkusen; Sabine Obst, Neu Ulm; Heinz Tutas, Bomlitz; Heike Oepen, Linnich; Peter Schön, Greiz; Jürgen Döll, Tiefenort; Arne Klatt, Hoyerswerda; Antje Beermann, München; Mona Behrens, Wietze; Ralph Ropertz, Pinneberg; Michael Weinert, Arnsberg; Bernd Eggert, Pfedelbach; Sabine Willumeit, Lichtenfels; Thomas Weitzel, Liederbach; Ernst Koß, Lünen; Manfred Döbel, Darmstadt; Winfried Trieb, Freimersheim; Klaus Schmidt, Teising; Dieter Bohse, Leipzig; Hartmut Osterburg, Hörstel; Helmut Hirschberger, Köln; Manfred Niehus, Hamburg. Lösung Februar 2011: DISKUSSIONSRUNDE E I D Z E A A L S L I N S I K E K R U E R K M U M Z A M E S T W E

F N L E U O N T R T A L E S O A B A N L T E G N I A S E N E R L M I B S E L U G E D E O R N K A U C T H T R A E A M R T

I Y U N K E N D I S K O U M E R S P N A L L E B B A U I N K L

E F G O N O G O T E R E S E S E V F E S T

E T H O S

F A N F A R E

K G A L R E T U N O L G M E A H E N I N I G V E N E B G E O R

R I A T H K A R E I L R A U B E R N E N A G A U

L K R S A M E E N G A K L A E B S N E

U M L A G E

S U E S S

B E T R

T A A N A L Z L B K U S O M A H M O S S L A T T A W I G E R L E A T R R Z L E N A G E R E I

»Komm runter, Bernhard! Vielleicht vergeb ich dir!«

@Lappan-Verlag, Gerhard Glück

Cartoon

BEI DER VERLOSUNG DER PREISE unter den Einsendern richtiger Lösungen fielen die zehn Hauptgewinne – ein Show-Arrangement »Blue Man Group« inklusive zwei Eintrittskarten der PK1, einer Übernachtung im Hotel Maritim, Imbiss sowie Transfer zum Musicaltheater – an: Dietmar Jedzik, Sarstedt; Ignazio Palla, Duisburg; Paul Schröder, Schiffweiler; Klaus Möller, Stade; Peter Baum, Philippsburg; Stefan Barthel, Kemnitz; Doris Isemann-Martin, Kirchweidach; Hans-Joachim List, Ruhland; Nalan Dorsch, Marktredwitz; Günther Klaes, Bad Hönningen.

GRIMMS MÄRCHEN

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iele Leute müssen mit ihrer Enttäuschung leben«, hat Al Bundy mal gesagt, »aber ich muss mit meiner schlafen.« Da hat er aber noch Glück gehabt. Denn ehe man sich’s versieht, geht’s im Ehebett frostiger zu als im Grenzgebiet zwischen Nord- und Südkorea. Manche Männer wären schon froh, wenn die Gattin nach dem alten Motto »In der Not hilft nur Schrot« mit dem Gewehr unten an der Treppe warten würde. Denn das hieße doch: Sie interessiert sich für mich! Sie will mich abknallen! Interesse ist schon viel nach 40 Jahren. In manchen Ehen spricht man nach 70 Jahren nicht mehr von »Gnadenhochzeit«, sondern von »Gnadenschusshochzeit«. Wenn man überhaupt noch spricht. Verheiratete Männer übrigens leben angeblich länger als ledige. Das ist natürlich Unsinn. Es kommt ihnen nur länger vor. Für Abwechslung kann eine Zweitehe sorgen (anderer Ausdruck für Zweitehe: »Triumph der Hoffnung über die Erfah-

rung«). Man muss es ja nicht gleich übertreiben wie die Hollywoodstars, die alle zwei Jahre mit einem neuen Teilzeitbegatter zum Altar rennen wegen der tollen Fotos. Einsam (sic!) führend in der Disziplin des Multimatrimoniums ist weiterhin Liz Taylor, die mal sagte, sie sei schon froh, wenn ihre nächste Ehe die Haltbarkeit von Joghurt überdauert. A propos Joghurt: In einem Internetforum wird ernsthaft die Frage diskutiert, ob es einen Gewaltakt darstellt, seine Frau mit Joghurt zu bewerfen. Zwischenstand der Debatte: Himbeerjoghurt mit Stückchen ist gemein, Naturjoghurt dagegen okay. »Veilchenhochzeit« nach 15 Jahren? Das Wort kaschiert doch nur notdürftig die körperlichen Folgen einer unglücklichen Zweisamkeit. Also denken Sie rechtzeitig an Jerry Lee Lewis’ mahnende Worte: »Es mag viele Gründe geben für die Scheidung, aber der Hauptgrund ist und bleibt die Ehe.« Imre Grimm kompakt | März 2011 | 41


MEIN ARBEITSPLATZ

Foto: Frank Rogner

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Volles Regal: Lack-Laboranten sollten besser nicht farbenblind sein.

INGE LUDWIG (46) ist Lack-Laborantin bei AkzoNobel Deco in Köln

Ein bisschen Alchemie

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Ich kann etwas verändern – das ist mit das Reizvollste an meiner Arbeit. Als Lack-Laborantin entwickele ich neue Lacke für unterschiedliche Untergründe. Dazu teste ich im Labor verschiedene Rohstoffe und Substanzen, um zu schauen, ob sich daraus ein neuer Lack entwickeln lässt. Ich kann

lungsschritten beteiligt. Das ist spannend und sehr kreativ. Als ich mit 17 Jahren bei BASF Lacke & Farben meine Ausbildung begann, wollte ich Chemie-Laborantin werden. Hier am Standort in Köln wurden damals aber nur Lack-Laboranten ausgebildet. Heute bin ich froh darüber, denn ich habe einen international sehr gefragten Beruf – und einen sicheren Arbeitsplatz. Ich musste allerdings im Laufe meines Berufslebens mehrfach umziehen – von Köln nach Münster, weiter nach Berlin, wieder zurück nach Köln und zwischendurch noch mal nach Münster. Man muss beweglich sein. Ich arbeite in Gleitzeit und bin meistens schon so gegen sieben Uhr morgens im Labor. Wir entwickeln hier

»Ich entwickele selbst Produkte, auf die ich sehr stolz bin.« dafür sorgen, dass diese Produkte immer umweltverträglicher und nachhaltiger werden. Meine Arbeit ist ein Mix aus Pionierarbeit und Alchemie. Ich bin von der ersten Anforderungsbeschreibung eines Kunden, der einen neuen Lack haben möchte, bis zum Probelauf unseres fertigen Produktes auf der Produktionsanlage des Kunden an allen Entwick42 | kompakt | März 2011

weiße Oberflächen-Lacke – sogenannte Opaks – für Holzfenster. Die Anforderungen an unsere Lacke wachsen ständig mit den Veränderungen der verwendeten Hölzer: Sie sollen so robust sein wie der Trabbi und so viel Hightech in sich haben wie ein Mercedes. Bei der Entwicklungsarbeit rede ich mit allen – unserem Marketing, unseren Außendienstleuten, natürlich mit dem Kunden, den Rohstofflieferanten und den Kollegen in der Produktion. So habe ich eine hohe Produkt- und Entwicklungsverantwortung, die mir Spaß macht.

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Aufgezeichnet von Axel Schappei

Lust auf mehr? Wir haben ein Video von Inge Ludwigs farbigem Arbeitsplatz produziert. Dazu gibt’s Informationen, wie man den Beruf erlernen kann. Das alles und viel mehr auf: www.kompakt.igbce.de


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Ihr Reiseverlauf 1. Tag: Anreise Linienflug mit airBaltic von Deutschland via Riga nach Vilnius. Empfang durch Ihre deutschsprachige Reiseleitung und Transfer in Ihr Hotel. 2. Tag: Vilnius – Klaipeda (ca. 300 km) Auf einer Stadtrundfahrt lernen Sie die wichtigsten Sehenswürdigkeiten wie die Kathedrale von Vilnius, die Peter-Paul-Kirche, das gotische Ensemble, die Kapelle der Morgenröte mit der Madonna von Vilnius und den Geminas Turm kennen. Weiter geht es nach Traken. Sie besuchen hier die berühmte Wasserburg, Weiterfahrt nach Klaipeda. 3. Tag: Kurische Nehrung (ca. 80 km) Nach einem Altstadtrundgang durch Klaipeda erwartet Sie heute ein ganz besonderes Naturerlebnis. Die Kurische Nehrung trennt das Kurische Haff von der Ostsee. Eine kurze Fährfahrt bringt Sie in eine Region, die für ihre Dünen- und Strandlandschaften bekannt ist. Besichtigen Sie Nida mit der größten Wanderdüne Europas und das Thomas MannHaus, bevor es zurück nach Klaipeda geht. 4. Tag: Klaipeda – Riga (ca. 300 km) Ihre Fahrt führt Sie nach Siauliai, wo Sie den berühmten Berg der Kreuze besichtigen. Danach geht es nach Rundale zum wunderschönen Barockschloss. Anschließend Weiterfahrt in die Hauptstadt Lettlands, nach Riga. 5. Tag: Riga Während einer Stadtrundfahrt mit Altstadtrundgang lernen Sie heute Riga kennen. Neben der Johannis-Kirche, dem Dom, dem Pulverturm und der Kleinen und Großen Gilde sowie den Jugendstilstraßen der Neustadt bietet diese Metropole vieles mehr.

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