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Fotos (4): Frank Rogner

Sie warben für Vielfalt und Chancengleichheit: Ayse Ilgi (IG BCE), Ministerin Bilkay Öney, Giovanno Pollice (IG BCE), die stellvertretende IG-BCE-Vorsitzende Edeltraud Glänzer und Prof. Swetlana Franken von der Fachhochschule Bielefeld (von links).

Bildung, Beschäftigung, Beteiligung recklinghausen | Vielfalt und Chancengleichheit waren zentrale Themen der 43. migrationspolitischen Tagung

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on Heidelberg nach Recklinghausen, das ist eine ganz schöne Strecke. Marie Preuss hatte den langen Weg auf sich genommen, um als eines von rund 300 IG-BCE-Mitgliedern bei der 43. Recklinghäuser Tagung dabei zu sein. Das Motto »Vielfalt nutzen, Chancengleichheit verwirklichen« betraf Preuss persönlich wie beruflich. Die 29-Jährige mit französischen Wurzeln sitzt im Ausschuss für ausländische Arbeitnehmer bei der BASF. »Vielfalt ist bereichernd, weil man Verständnis füreinander bekommt«, sagt Preuss. Wie man das interkulturelle Potenzial in den Unternehmen fördern und nutzen kann, stellte Edeltraud Glän-

Edeltraud Glänzer

»Wir brauchen die umfassende Wertschätzung der Vielfalt in den Betrieben.«

zer, stellvertretende Vorsitzende der IG BCE, in den Mittelpunkt ihrer Eröffnungsrede. Sie betonte, dass eine umfassende Wertschätzung der Vielfalt in den Betrieben nötig sei. Glänzer unterstrich, dass die IG BCE nicht nur rede, sondern auch handle. Zu nennen seien Betriebsvereinbarungen zum partnerschaftlichen Verhalten sowie das Abkommen mit dem Sozialpartner, das Konzept des Vielfaltsmanagements auszubauen: »Die gleichberechtigte Teilhabe aller – das ist unser gemeinsames Anliegen.« Ähnlich formulierte es auch

die Hauptrednerin Bilkay Öney, Baden-Württembergs Integrationsministerin. Im Zentrum ihrer Integrationspolitik stünden Bildung, Beschäftigung und Beteiligung. Die 43-jährige türkischstämmige Ministerin sprach sich für mehr Investitionen in die frühkindliche Betreuung aus und forderte eine humanere Flüchtlingspolitik. Beim Thema Beschäftigung kritisierte Öney vor allem den Missbrauch der Leiharbeit

als zusätzliches Integrationshemmnis, denn viele Migranten seien von prekären Arbeitsverhältnissen betroffen. Eine Kritik, die die Gewerkschaftsmitglieder im Saal mit kräftigem Applaus untermauerten. Handlungsbedarf sieht Bilkay Öney auch bei der interkulturellen Öffnung der Betriebe: »Menschen mit türkischem Namen müssen sich häufiger bewerben als Deutsche, um zu einem Gespräch eingeladen zu werden.« Und wie sieht es mit der Vielfalt in Führungsetagen aus? »Es braucht viel Sensibilisierungsarbeit, um daran etwas zu ändern«, sagte Öney. Konkrete Maßnahmen wie etwa anony-

Prof. Swetlana Franken

»Notwendig ist eine Wende in den Köpfen der Entscheidungsträger.«

misierte Bewerbungen könnten dabei helfen. Prof. Swetlana Franken von der Fachhochschule Bielefeld berichtete aus ihrer Forschungsarbeit, die sich mit den Vorteilen der Diversität für Arbeitnehmer und Unternehmen befasst. In einem leidenschaftlichen Vortrag unterstrich Franken, wie wichtig Vielfalt als Quelle für Kreativität und Innovation sei. Dennoch würden viele Unternehmen dies noch nicht angemessen berücksichtigen. »Wir brauchen eine Wende in den Köpfen der Entscheidungsträger«, forderte die Wissenschaftlerin.  Marco Jelic

Weitere Infos im Internet: www.igbce.de

Bilkay Öney

»Zusätzliches Integrationshemmnis ist der Missbrauch von Leiharbeit.« kompakt | Januar 2014 | 25

kompakt Januar 2014  
kompakt Januar 2014  

In dieser Ausgabe beschäftigen wir uns mit offensiver Mitbestimmung, für mehr Fairness und Gerechtigkeit in der Arbeitswelt.

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