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Nr. 01 I Januar 2014 www.igbce.de

vor ort Mit langem Atem zum Erfolg: Beschäftigte bei Star Produktions erkämpfen faire Arbeitsbedingungen tendenzen Jetzt wird bundesweit verhandelt: Die Chemie-Tarifrunde 2014 nimmt Fahrt auf tipps Spesen, Sünderkartei und Sozialversicherung: Das ändert sich zum Jahreswechsel

kompakt

Das Mitgliedermagazin der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie

Keine Schweinereien im Betrieb Offensive Mitbestimmung: Für mehr Fairness und Gerechtigkeit in der Arbeitswelt.


Welcher Titel gewinnt? Von Tarif bis Büro – wir haben sehr vielfältige Titelthemen in kompakt. Ganz

egal, ob Wahlen oder Familienfragen, wir möchten schon auf der ersten Seite deutlich machen, worum es geht. Wie ist uns das 2013 gelungen? Sagen Sie uns Ihre Meinung! Januar

Februar Nr. 01 I JaNuar 2013 www.igbce.de

März

April Nr. 03 I März 2013 www.igbce.de

Nr. 02 I FEBruar 2013 www.igbce.de

Nr. 04 I AprIl 2013 www.igbce.de

vor ort Papierkonzern UPM will aus Flächentarifvertrag aussteigen

vor ort So wird bei Villeroy & Boch Geschirr hergestellt

vor ort Das Revier geht auf Strecke – die IG BCE ist beim Marathon am 12. Mai dabei

vor ort Verleiht Flügel: Wie in Frankfurt Flugzeuge betankt werden

tendenzen Zahlen und Fakten zur Leiharbeit in Deutschland

tendenzen So kommt Öl vom Kaspischen Meer nach Deutschland

tendenzen Zahlen und Meinungen zum stetig wachsenden Stress im Berufsleben

tendenzen Lausitzer Gold: In Spremberg wird bald Kupfer gefördert

tipps Was sich ab Januar beim Führerschein ändert

tipps So wird Karneval auch im Betrieb lustig

tipps Kein Kavaliersdelikt – was tun gegen sexuelle Belästigung?

tipps Doppelt hält besser: Warum man den Zweitjob beim Chef anmelden sollte

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Wahl XJa!

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Braun vergiftet schluss mit lustig

Unsere Demokratie braucht mehr Schutz vor rechtem Extremismus.

Frauen bekommen immer noch weniger, als sie verdienen.

du bist nicht allein

2013 ist ein Jahr der Entscheidungen. Welche Themen gehören auf die politische Agenda?

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Alleinerziehende und ihre Kinder müssen viele Probleme meistern. Ein gutes Netzwerk ist dabei hilfreich.

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Mai

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21.01.2013 18:30:18

Juni Nr. 05 I MaI 2013 www.igbce.de

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Juli/August Nr. 06 I JuNI 2013 www.igbce.de

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September

Nr. 07/08 I JulI/August 2013 www.igbce.de

Nr. 09 I SEptEMBEr 2013 www.igbce.de

vor ort Erfolg bei Vattenfall: Gewerkschaften setzen Beschäftigungssicherung durch

vor ort Tausende demonstrieren in der Lausitz für die Braunkohle

vor ort Von drei auf 70 Prozent — Beschäftigte bei Fischer in Katzenelnbogen organisieren sich in der IG BCE

vor ort Sport in der Werkhalle: Mit Gymnastik halten sich die Beschäftigten bei Pilkington fit

tendenzen Im Interview erklärt Harry Rowohlt, warum er Demonstrationen notwendig findet

tendenzen Wie Tarifverträge helfen, gesünder die Rente zu erreichen

tendenzen Wie ein ehemaliger Braunkohletagebau Leipzig vor den Fluten gerettet hat

themen Erfolgsdruck und niedrige Löhne: Die Ergebnisse der IG-BCE-Jugendstudie

tipps Wie funktionieren eigentlich Langzeitkonten? kompakt erklärt’s.

tipps Was Hände über Sie verraten können

tipps Welche Apps auf Ihrem Smartphone im Sommerurlaub nicht fehlen dürfen

tipps Von Arbeitszeit und Berufsunfähigkeit: Was Auszubildende unbedingt wissen sollten

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Chemie? Aber sicher!

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Alle Hände voll zu tun

Wer nachhaltig denkt und arbeitet, schafft den Sprung in die Zukunft.

Die Industrie bietet viel zu wenige Arbeitsplätze für Menschen mit Schwerbehinderung.

Heute für morgen Wer gute Arbeit, sichere Renten und ein soziales Europa will, geht am 1. Mai auf die Straße.

sei kein strauß Wer nicht wählt, wählt falsch. Weil es noch nie geholfen hat, den Kopf in den Sand zu stecken.

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November

Oktober Nr. 10 I OktOBEr 2013 www.igbce.de

vor ort Angriff auf Mitbestimmung: Geschäftsführer bei Pohl-Boskamp fordert Absetzung des Betriebsrates

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20.06.2013 16:22:16

Dezember

Nr. 11 I NovEMBEr 2013 www.igbce.de

vor ort Betriebsrat bei Continental beteiligt mit einem Projekt die Beschäftigten an der Arbeitsplatzgestaltung

Nr. 12 I DEzEMBEr 2013 www.igbce.de

vor ort Betriebsräte und IG BCE sichern die Weiterführung von Continental Packaging Industries.

tendenzen Preisverdächtig: Merck und Metsä Board Zanders sind für den Deutschen Betriebsrätepreis nominiert

tendenzen In Katar schuften Hunderttausende Gastarbeiter auf den Baustellen der Fußball-WM 2022

tendenzen Power to Gas, Batterien, Pumpspeicher: Welche Großenergiespeicher taugen für die Energiewende?

tipps Gute Gründe: Fünf unschlagbare Argumente, warum es sich lohnt, Mitglied in der IG BCE zu sein

tipps Welche Auswirkungen die Umstellung im europäischen Zahlungsverkehr auf IG-BCE-Mitglieder hat

tipps Ich bin dann mal weg: Wann darf ein Arbeitnehmer während der Arbeitszeit zum Arzt gehen?

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stimme für Gute Arbeit Auf ihrem Kongress gibt die IG BCE ein klares Signal: für mehr Fairness in der Arbeitswelt.

igbce13 Der 5. Gewerkschaftskongress stellt Weichen für die Zukunft.

Unser erfolg. Unser Lohn. Die IG BCE fordert 5,5 Prozent mehr in der Chemie-Tarifrunde.

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Es passt in eine Hand: Wir verlosen vier iPad mini mit Retina-Display von Apple. Mit der 16 Gigabyte-Wlan-Variante in Weiß und Schwarz können Sie surfen, spielen, fotografieren und filmen. Und kompakt lesen. Schreiben Sie den Monatsnamen des Titels Ihrer Wahl auf eine Postkarte und schicken Sie diese bis zum 17. Januar an uns. Welche Wahl Sie treffen, hat keinen Einfluss auf die Gewinnchance. Bitte Postkarte senden an: kompakt-Redaktion, Stichwort: Titel des Jahres, Postfach 39 45, 30039 Hannover oder E-Mail an: kompakt.leserwettbewerb@igbce.de 2 | kompakt | Januar 2014

. . . und das können Sie gewinnen:


unter uns

Kein Platz für Schweinereien Foto: Jesco Denzel

Z Christian Hülsmeier

Chefredakteur

um neuen Jahr hätte vielleicht auch ein Glücksschwein auf das Titelbild dieser kompakt-Ausgabe gepasst. Als ein Symbol für den Optimismus, der die gesellschaftliche Stimmung derzeit prägt. 2014 erwarten die Menschen eher Gutes als Schlechtes, man setzt auf eine stabile wirtschaftliche Entwicklung und darauf, dass die neue Bundesregierung solide arbeitet. Dazu gehört, die schlimmsten Schweinereien abzustellen, denen heutzutage viel zu viele Menschen in der Arbeit ausgesetzt sind. Von prekärer Beschäftigung ist dann die Rede. Gemeint sind Leiharbeit und Löhne, die zum Leben nicht reichen. Da werden Werkverträge genutzt, um normale Arbeitsverhältnisse in scheinbare Selbstständigkeit umzuwandeln. Und die Befristung hat sich von der begründeten Ausnahme zum Normalfall einer Anstellung gewandelt. All das verstößt eklatant gegen die Prinzipien von Fairness und Gerechtigkeit auf dem Arbeitsmarkt, und daran erinnert kompakt gleich zu Beginn des neuen Jahres. die politik trägt verantwortung, aber am

Ende sind es Arbeitgeber, die die Möglichkeiten der Ausbeutung nutzen. Und das gelingt vor allem da, wo es keinen Schutz der Beschäftigten durch Betriebsräte und Gewerkschaften gibt. Die IG BCE hat deshalb eine Mitbestimmungsoffensive gestartet. Mit dem klaren Ziel, auch in den Betrieben Voraussetzungen für Gute Arbeit zu schaffen, die heute noch ohne Betriebsrat und Tarifvertrag sind. Die Zahl solcher ist in den IG-BCE-Branchen zwar nicht so hoch wie in anderen Zweigen der Wirtschaft, aber das Recht auf Mitbestimmung und Mitgestaltung darf den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern nirgendwo verweigert werden. Denn das unterscheidet die soziale Marktwirtschaft von anderen, rücksichtslosen Wirtschaftssystemen.

Foto: electriceye/fotolia

die groSSe koalition sollte sich dazu bekennen –

und Mitbestimmung und Tarifautonomie stärken. Dazu findet sich bislang wenig im Koalitionsvertrag. Da ist mehr Mut und politisches Bekenntnis zu den Eckpfeilern der sozialen Marktwirtschaft gefordert.

christian.huelsmeier@igbce.de kompakt | Januar 2014 | 3

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11 Standpunkt

VOR ORT

Michael Vassiliadis über einen Neustart in Deutschland.

TITEL

21–29

12 Keine Schweinereien mehr

Die IG BCE startet eine Mitbestimmungsoffensive für mehr Fairness und Gerechtigkeit am Arbeitsplatz. Damit es gleichen Lohn für gleiche Arbeit und Gute Arbeit für alle gibt.

Klein und stark

THEMEN

Foto: Frank Rogner

18 Mit Vernunft und Augenmaß

TENDENZEN

31 Chemie-Tarifrunde nimmt Fahrt auf

Neun regionale Verhandlungsrunden brachten keinen Millimeter Fortschritt. Jetzt verleihen die Beschäftigten der gewerkschaftlichen Forderung nach »5,5 Prozent mehr« demonstrativ Nachdruck.

Henkel hat vor anderthalb Jahren die Produktion der Somat-Tabs ins Stammwerk Düsseldorf zurückgeholt. Dort produziert der Konzern jetzt für alle Länder. Für den Betriebsrat eine Zukunftsinvestition.

34 Leuchtfeuer der Hoffnung

Für die Braunkohle

Nelson Mandela war ein charismatischer Kämpfer gegen das Apartheid-Regime in Südafrika. kompakt erinnert an »Vater Madiba«.

Foto: Stephan Floss

Rund 1500 Lausitzer haben am 10. Dezember vor den Messehallen in Cottbus für die Braunkohle demonstriert. Anlass war der Beginn der zweiten Anhörung zur Tagebauerweiterung Welzow-Süd durch die »Gemeinsame Landesplanung Berlin/Brandenburg«.

Der Koalitionsvertrag ist unterschrieben, die Amtseide sind geleistet, Schwarz-Rot kann mit der Regierungsarbeit beginnen. Die IG BCE wird sich kritisch und konstruktiv einmischen.

TIPPS

36 Es bleibt mehr Geld in der Kasse

»Unterm Strich« bleibt im neuen Jahr für die meisten Arbeitnehmer mehr von Gehalt oder Lohn übrig. Was sich alles ändert, zeigt kompakt im Überblick.

39 Strengere Regeln für Verkehrssünder

Schließung trotz schwarzer Zahlen

Ein neuer Name und ein veränderter Inhalt: Die Verkehrssünderdatei in Flensburg heißt künftig Fahreignungsregister. kompakt stellt die wichtigsten Veränderungen für Verkehrsteilnehmer vor.

Protest bei Akzo-Nobel in Nürnberg. Der Farben- und Lackhersteller will den Standort bis Ende Juni 2015 schließen. Bei einer Demonstration vor dem Werktor forderten Beschäftigte und IG BCE den Abschluss eines Sozialtarifvertrags.

IMMER IM HEFT

Ein Erfolg für Belegschaft, Betriebsrat und IG BCE: Durch Beharrlichkeit und langen Atem haben sie erreicht, dass bei der Star Produktions in Weinheim 227 Arbeitnehmer künftig nach Chemie-Tarif bezahlt werden. Der Übergang geschieht stufenweise bis 2017.

03 Unter uns 06 Aktuelles 08 Alle Achtung 20 Leserforum/Impressum 30 Einer von uns* 40 Rätsel 41 Glück & Glosse 42 Mein Arbeitsplatz

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Foto: Carsten Büll

Mit Mut und Einsatz zu mehr Geld

* Die Landesbezirke Baden-Württemberg, Nordrhein und Westfalen berichten auf dieser Seite über Jubilarehrungen; der Landesbezirk Rheinland-Pfalz/Saarland über Betriebsrats- und Ortsgruppenarbeit. Titelbild: GK Hart/Vikki Hart


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INHALT Januar 2014

Mehr Mitbestimmung für mehr Fairness und Gerechtigkeit in der Arbeitswelt

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Die Welt trauert um Nelson Mandela

Tarifrunde Chemie – Jetzt geht’s los

Schwarz-Rot geht an die Arbeit

Mein Arbeitsplatz: Kranführer hoch über Vater Rhein

18

42

Fotos: Bilderfilm.de,Stringer/Reuters, dpa, Martin Schlüter, Anette Hoppen

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Foto: Vasily Maximov/AFP/Getty Images

BILD DES MONATS

WLadimir Klitschko bietet auf dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew versöhnlich Polizisten heißen Tee und Kekse an. Der »kleine« Bruder von Oppositionspolitiker und Boxweltmeister Vitali Klitschko griff ebenfalls in den ukrainischen Machtkampf ein und versuchte, die Staatsmacht zu beruhigen. Im

Aufreger des Monats

Dezember wurden Demonstrationen für einen EU-Kurs der Ukraine aufgelöst und Dutzende Beteiligte festgenommen. Nachts rückten Sicherheitskräfte gewaltsam gegen das Lager der Demonstranten vor. Der Einsatz stieß bei der Europäischen Union, den USA und Deutschland auf scharfe Kritik.

Bestechung per Post

Foto: Arno Burgi/dpa

Der briefzusteller PIN verspricht Streikbrechern Geld, wenn sie sich nicht am Ausstand beteiligen. Seit Wochen tobt in Berlin ein Arbeitskampf, der wohl nicht nur mit legalen Mitteln bestritten wird. Als zum ersten Streik aufgerufen wurde, verschickte PIN Prämienbriefe an die Mitarbeiter. Zusätzlich wurde Gewerkschaftsmitgliedern nach der Aktion Hausverbot erteilt. Das Bundesarbeitsgericht hat in früheren Urteilen klargestellt, dass streikende Mitarbeiter nicht schlechtergestellt werden dürfen. Die Geschäftsführung von PIN scheint das wenig zu interessieren.

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AKTUELLES

462

ZAHL DES MONATS

ZITAT DES MONATS

Der Bundestag hat Angela Merkel zur Bundeskanzlerin wiedergewählt. Die 59-jährige CDU-Vorsitzende erhielt 462 Stimmen – 42 weniger, als die Koalition aus CDU, CSU und SPD im Parlament Sitze hat. Mit Nein stimmten 150 Abgeordnete, neun enthielten sich. Merkel benötigte im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit der 631 Abgeordneten – also mindestens 316. Zu Beginn der Großen Koalition von 2005 hatte Merkel noch 51 Stimmen gegen sich. Damals war die Koalitionsmehrheit mit 448 Sitzen nicht so groß wie derzeit.

Foto: Morten Strauch

Die Eu-Kommission wandelt auf Irrwegen: Das eingeleitete Prüfverfahren zum Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gefährdet die Energiewende und benachteiligt die im internationalen Wettbewerb stehenden energieintensiven Unternehmen. Betroffen sind Betriebe aus mehreren Branchen, darunter Chemie, Stahl, Aluminium, Kupfer, Glas und Papier. Jetzt machen IG BCE und IG Metall zusammen Druck. In einer gemeinsamen Erklärung fordern die beiden Vorsitzenden Michael Vassiliadis und Detlef Wetzel: »Die neue Bundesregierung muss dafür sorgen, dass Ausbau und Förderung erneuerbarer Energien weitergehen, ohne dass Arbeitsplätze bedroht werden. Sie muss eine rasche Klärung darüber herbeiführen, dass energieintensive Betriebe auch nach grundsätzlicher Auffassung der EU weiterhin Anrecht auf Entlastung haben.« Erforderlich sei eine umfassende, ausgewogene und europarechtskonforme Reform des EEG. Die EnergieArbeitsplätze in der stromintensiven wende darf nach AuffasIndustrie sind gefährdet. sung von IG BCE und IG Metall die Industrie und die privaten Verbraucher nicht überfordern. Innovative Produkte und Forschungsverbünde sind die Voraussetzung einer erfolgreichen Energiewende. Es muss auch künftig innerhalb funktionierender Wertschöpfungsketten in Deutschland produziert werden können. Eine wesentliche Voraussetzung dafür ist eine sichere Rund-um-dieUhr-Versorgung mit Strom zu wettbewerbsfähigen Preisen.

Foto: picture alliance

Gefahr aus Brüssel

»Ein Mensch unter Beobachtung ist niemals frei; und eine Gesellschaft unter ständiger Beobachtung ist keine Demokratie mehr.« jULI zEH und 562 international anerkannte Autoren haben sich zu einer Intervention gegen die Gefahren der systematischen Massenüberwachung zusammengeschlossen. Der Aufruf der »Writers Against Mass Surveillance« wurde auf Initiative von Juli Zeh, Ilija Trojanow, Eva Menasse, Janne Teller, Priya Basil, Isabel Fargo Cole und Josef Haslinger am 10. Dezember 2013, dem Tag der Menschrechte, in mehr als 30 internationalen Zeitungen veröffentlicht.

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alle achtung

Illustration: Stefan Hoch

Angriff der Drohnenflieger

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as hat sich der Online-Händler Amazon doch super ausgedacht: Wie bringt man kurz vor Weihnachten noch mal eine Tonne kostenlose Werbung in den Medien unter? Mit Drohnen! Nein, gemeint sind nicht die mies bezahlten und mies behandelten Leiharbeiter, die das Unternehmen gern einsetzt. Gemeint sind ferngesteuerte Minihubschrauber. Im Angesicht der angsteinflößenden NSA-Affäre – Sie wissen schon, diese klitzekleine weltweite Überwachung durch amerikanische Geheimdienste – und eines andauernden Drohnenkrieges, den US-Präsident Obama zu verantworten hat, sind Drohnen eine Garantie für Berichterstattung. Oder wie nennt man das, was schlagzeilengierige Redaktionen aus so was machen? Amazon möchte also mit Drohnen Pakete ausliefern. Als das die Deutsche Post gehört hat, wollte sie auch unbedingt eine eigene Drohne. Ein Name war

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schnell gefunden: Paketkopter. Dieser Paketkopter soll aber erst einmal nur Medikamente liefern. Am besten direkt in die Vorstandsetage bei der Post. Denn weder gibt es bisher eine AmazonDrohne, noch hat diese nicht existente Drohne eine Zulassung von einer USamerikanischen oder deutschen Luftfahrtbehörde erhalten. Ein Heer von Paketdrohnen wäre für Amazon eine Win-win-Situation: Drohnen müssen nicht entlohnt werden, nicht einmal mit einem Mindestlohn. Und Drohnen können nicht streiken. Sie werden ja schließlich ferngesteuert! Damit hätte Amazon die Kolleg(inn)en von ver.di elegant ausgebootet. Doch der OnlineHändler hat die Rechnung ohne Samy Kamkar gemacht. Kamkar ist ein bekannter und berüchtigter Hacker. Sein neuester Coup ist eine Drohne, die andere Drohnen selbstständig hackt und sie somit überFoto: Jesco Denzel

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nimmt. Und es wäre doch gelacht, wenn Kamkar nicht für die gewerkschaftliche Sache begeistert werden könnte. Der Tarifstreit der Zukunft

könnte also wie folgt aussehen: Rechtlose und unbezahlte Arbeiterdrohnen werden von gewerkschaftlichen Drohnen gehackt und von Guter Arbeit überzeugt, während die Paketkopter der Post Beruhigungsmittel in die Chefetagen der Unternehmen fliegen. Die abschließend zu klärende Frage wäre dann nur noch: Kann man sich Hackerdrohnen von Amazon-Drohnen liefern lassen?

Dirk Kirchberg

hat mit seinem Smartphone schon mehrfach eine Drohne gesteuert und wäre durchaus bereit, gewerkschaftlicher Drohnenpilot zu werden.


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Mehr Kaufkraft

Fragen an Aydan Özoguz ˇ

Die Reallöhne in Deutschland steigen weiter an. Laut

Europäischem Tarifbericht des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung können sich Beschäftigte seit 2010 über inflationsbereinigte Lohnzuwächse freuen. Die Europäische Kommission rechnet für 2013 mit einem Plus von 0,6 Prozent. In der Europäschen Union ist Deutschland eines der wenigen Länder, in dem sich die Kaufkraft der Arbeitnehmer erhöht. Zwischen 2001 und 2009 war Deutschland jedoch der einzige EU-Staat, dessen Reallohnniveau sank – um insgesamt 6,2 Prozent. Mit der Reallohnsteigerung von 2,8 Prozent in den vergangenen drei Jahren konnte jedoch laut WSI-Tarifexperten Thorsten Schulten knapp die Hälfte der damaligen Einbußen wieder ausgeglichen werden.

Welchen Sinn macht eine doppelte Staatsbürgerschaft für unsere Gesellschaft? In mehr als der Hälfte aller Einbürgerungsfälle wird bereits die doppelte Staatsbürgerschaft akzeptiert, da die Betroffenen aus EU-Staaten, der Schweiz oder Drittstaaten kommen, die ihre Staatsangehörigen nicht aus der Staatsbürgerschaft entlassen. Der Doppelpass ist auch eine Frage der Gleichbehandlung. Die Blockade der Unionsparteien gegen Mehrstaatlichkeit konnte mit der Abschaffung der Optionspflicht nun aufgebrochen werden.

Die Betriebe in Hamburg wurden von Orkan »Xaver« im Dezember kaum tangiert. »Betriebsfahrräder oder Paletten, die der Sturm hätte erfassen können, hatten wir vorher in Sicherheit gebracht«, berichtet Bernd Simon, Betriebsratsvorsitzender bei Trimet Aluminium. Nur wer nah am Wasser gebaut hat, geriet in Not. Beim Schmierstoffwerk Shell in Grasbrook habe das Wasser bis eben unters Betriebsratsbüro gestanden, sagt Oliver Venzke, stellvertretender Bezirksleiter von Hamburg/Harburg. Das Tanklager Bomin am gegenüberliegenden Ufer der Elbe blieb trocken: »Wir hatten alle Fluttore geschlossen, keines hat versagt«, erzählt Betriebsmeister Klaus Rettig.

Foto: Peter Steffen/dpa

als letztes Bundesland

»Xaver« bleibt lau

Foto: Homepage Özoguz/Heike Rost

Die Staatsministerin für Migration, Flüchtlinge und Integration zur doppelten Staatsbürgerschaft.

Gebühren gekippt hat Niedersachsen die Studiengebühren abgeschafft. Die rot-grüne Mehrheit im Niedersächsischen Landtag beschloss im De- Jahrelang demonstrierten Studenten gegen zember, dass ab Studiengebühren - letztendlich mit Erfolg. Herbst 2014 die 500 Euro pro Semester entfallen. SPD und IG BCE sehen das Ergebnis als Chance: Vor allem für Arbeiterkinder würde ein Studium wieder attraktiver werden.

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AKTUELLES

Einwanderer der ersten und zweiten Generation fühlen sich von der SPD im Stich gelassen - zu Recht? Die Unionsparteien haben sich von Anfang an gegen die doppelte Staatsangehörigkeit ausgesprochen, entsprechend schwierig waren die Verhandlungen. Ich verstehe einerseits enttäuschte Stimmen darüber, dass nicht noch mehr ausgehandelt werden konnte. Andererseits ist die Abschaffung der Optionspflicht ein großer Teilerfolg und wird in den kommenden Jahren mehrere Hunderttausende junge Menschen von der Last befreien, sich zwischen der deutschen Staatsangehörigkeit und der der Eltern entscheiden zu müssen.

Verleitet die doppelte Staatsbürgerschaft nicht dazu, sich jeweils nur die Rosinen herauszupicken? Eher im Gegenteil! Die Lebensrealität zum Beispiel meiner Generation besteht doch gerade darin, in zwei Ländern ein Stück zu Hause zu sein, Familienangehörige oder sogar noch Besitz zu haben. Wir wurden als Ausländer in Deutschland geboren. Plötzlich dürfen wir nur noch Deutsche sein. Das ist doch lebensfern. Als Deutscher oder Deutsche angenommen zu werden ohne gezwungen zu sein, den anderen Teil der kulturellen Identität abzugeben, ist ein wichtiges Signal, welches ein Zugehörigkeitsgefühl sogar fördert. Mailen Sie uns Ihre Meinung: kompakt@igbce.de

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AKTUELLES

Allianz für Ausbildung

Da m a l s . . . 1 976

Foto: Christopher Futcher

9576 neue Ausbildungsplätze

wurden 2013 in der chemischen Industrie geschaffen. Das sind 576 mehr als tarifvertraglich vereinbart. Insgesamt absolvieren 28 000 junge Menschen ihre Ausbildung in der Branche. Der 2003 abgeschlossene Chemie-Tarifvertrag »Zukunft durch Ausbildung« entwickelt sich damit zu einer Erfolgsgeschichte. Doch so gut wie in der Chemie ist die Lage Die Zahl der Ausbildungsplätze in der nicht überall. Insgesamt geht die Zahl der Chemie liegt stabil auf Rekordniveau. Ausbildungsplätze zurück, nur noch jedes fünfte Unternehmen bildet aus. Dabei steht Deutschland vor einem Fachkräftemangel, der durch den demografischen Wandel noch verschärft wird. Die Große Koalition will gegensteuern und gemeinsam mit den Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden eine »Allianz für Aus- und Weiterbildung« auf den Weg bringen. Ziel ist die Umsetzung einer Ausbildungsgarantie. Die IG BCE begrüßt die Initiative. »Wir sind bereit daran mitzuwirken«, sagte Michael Vassiliadis, Vorsitzender der IG BCE im Dezember. Die Agenda der Allianz müsse aber um die Frage der Übernahme ergänzt werden. »Die neue Aus- und Weiterbildungsallianz sollte aber nicht von überholten Streitthemen wie die zweijährige Schmalspurausbildung oder eine Kürzung der Ausbildungsvergütungen belastet werden«, warnte Vassiliadis.

Adolf Schmidt ist gestorben

Foto: IG-BCE-Archiv

Die IG BCE trauert um den ehema-

ligen Vorsitzenden der IG Bergbau und Energie: Adolf Schmidt ist in der Nacht zum 26. November im Alter von 88 Jahren in Wattenscheid gestorben. Schmidt galt als einer der Väter moderner demokratischer Gewerkschaften und kämpfte für den sozialverträglichen Strukturwandel im Steinkohlenbergbau. Schmidts Politik war von Pragmatismus, Verlässlichkeit, von der Bereitschaft zum Konsens und von der Fähigkeit zum Kompromiss geprägt. Durch sein Engagement, seine Kompetenz und seine Art, die Dinge anzugehen, hat er weit über seinen Wirkungskreis hinaus große Anerkennung und Achtung erworben. Als Würdigung seiner Leistungen soll nun das IG-BCE-BildungszentAdolf Schmidt kämpfte für den sozialverträglichen Strukturwandel im Ruhrgebiet. rum in Haltern am See nach ihm benannt werden. Adolf Schmidt begann seine hauptamtliche Arbeit bei der IG Bergbau und Energie (IG BE) als Jugendsekretär im Bezirk München. Am 24. September 1965 wurde Adolf Schmidt in den geschäftsführenden Vorstand und am 14. November 1969 schließlich zum Vorsitzenden der IG BE gewählt. Bis zu seinem Ruhestand 1985 übte er mit seinem Anspruch »Wir machen mit anständigen Mitteln anständige Politik für anständige Leute« das Amt des Vorsitzenden aus.

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> Mehr Demokratie im Betrieb Die Gewerkschaften kamen ihrem Ziel für mehr Mitbestimmung in Unternehmen im Mai 1976 einen Schritt näher: Das Mitbestimmungsgesetz wurde verabschiedet. Der damalige Bundesarbeitsminister Walter Arendt nannte es »ein historisches Datum«. Trotzdem war das neue Gesetz kein voller Erfolg. »Die von den Gewerkschaften geforderte und weiter angestrebte echte Gleichheit zwischen Kapitalund Arbeitnehmerseite wird besonders eingeschränkt«, schrieb die Gewerkschaftspost gp, die Zeitung der IG Chemie-Papier-Keramik, in ihrer Aprilausgabe. Aufsichtsräte wurden nun mit der gleichen Zahl von Aufsichtsratsmitgliedern der Anteilseigner und der Arbeitnehmer besetzt. Konnte jedoch der Vorstand nicht mit einer Zweidrittelmehrheit gewählt werden, wählten die Vertreter des Anteilseigners den Vorsitzenden. Dieser hatte dann zusätzlich eine zweite Stimme bei Pattsituationen im Aufsichtsrat. Das Gesetz traf auf Kapitalgesellschaften aller Rechtsformen zu, die mehr als 2000 Arbeitnehmer beschäftigen. Darunter Unternehmen wie die Continental Gummi-Werke oder Rosenthal. Zur Umbildung der Aufsichtsräte war zwei Jahre Zeit. Das Gesetz trat am 1. Juli 1976 in Kraft.


STANDPUNKT

Foto: iStock

Neustart im neuen Jahr D

ie Gewerkschaften haben ein starkes Interesse an einer stabilen und handlungsfähigen Bundesregierung. Schwarz-Rot fußt auf einem soliden Fundament; die Große Koalition hat viele Chancen, auf wichtigen Themenfeldern echte Fortschritte für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu erreichen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Energiepolitik. Wir brauchen einen Neustart, es geht darum, den Industriestandort Deutschland und seine Arbeitsplätze nachhaltig zu sichern. Wir halten daran fest: Wirtschaftliche, soziale und ökologische Erfordernisse dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Foto: Jesco Denzel

In vielen neu gegründeten Unternehmen mangelt es an Schutz und gewerkschaftlicher Gestaltungsfähigkeit. Das wollen wir ändern, deshalb starten wir im neuen Jahr die »Offensive Mitbestimmung«. Starke Gewerkschaften und starke Betriebsräte sind der beste Schutz vor prekären Arbeitsbedingungen. Das ist die Voraussetzung für faire Teilhabe und das ist die Bedingung, um von Mindeststandards in der Arbeit zu tatsächlich Guter Arbeit zu kommen. Wir werden uns zunächst auf jene Betriebe konzentrieren, die bislang ohne Betriebsräte und Tarifverträge sind. In den tarifrunden des kommenden Jahres steht die Entgelterhöhung im Mittelpunkt. Den Auftakt macht die chemische Industrie, die ersten Verhandlungsrunden auf regionaler Ebene sind bereits gelaufen. Die Arbeitgeber haben sich bislang keinen Millimeter bewegt. Wenn nicht alles täuscht, ist aus den Betrieben eine Menge Unterstützung nötig, um zu einem anständigen und fairen Ergebnis zu kommen.

Michael Vassiliadis

Vorsitzender der IG BCE vorsitzender@igbce.de kompakt | Januar 2014 | 11

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TITEL Offensive Mitbestimmung

Foto: Bilderfilm.de

Gegen Schweinereien im Betrieb

12 | kompakt | Januar 2014


Schauen Sie genau hin: Drei Beschäftigte. Ist möglicherweise einer von ihnen ein Leiharbeiter? Kann es sein, dass einer genau dasselbe wie die anderen tut, aber viel weniger verdient? Aber wen trifft es? Sie sehen keinen Unterschied? Wir auch nicht. Schlechte Arbeitsbedingungen, ungerechte Bezahlung und Fremdbeschäftigung – der Arbeitsmarkt ist in Unordnung geraten. Dagegen setzt die IG BCE eine Mitbestimmungsoffensive für mehr Fairness und Gerechtigkeit in der Arbeitswelt.

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TITEL offensive Mitbestimmung

Betriebsräte brauchen ein mode   

E

ine 44-Stunden-Woche, 24 Werktage Urlaub und ein Gehalt, bei dem selbst Leiharbeiter eine Übernahme ablehnen – das waren jahrelang die Arbeitsbedingungen bei Star Produktions im baden-württembergischen Weinheim. Als der Arbeitgeber die Beschäftigten wegen schlechter Auftragslage 2009 in den Zwangsurlaub schickt und ihnen dafür auch noch Minusstunden anrechnet, platzt einigen in der Belegschaft der Kragen: Ilir Krasnici und vier Kollegen planen, einen Betriebsrat zu gründen. Sie nehmen Kontakt zur IG BCE auf und 70 Prozent der Belegschaft tritt der Gewerkschaft bei. 2010 steht das Gremium, seitdem kämpften die Beschäftigten für einen fairen Tarifvertrag (siehe Seite 27 in dieser Ausgabe). Schlechte Arbeitsbedingungen, ungerechte Bezahlung, Befristung und

schung hat belegt, dass Fremdbeschäftigung – in rund einem Viertel der Arbeitsmarkt in aller Entleihbetriebe Deutschland ist zunehLeiharbeit reguläre Bemend in Unordnung Prozent mehr Lohn erhalten schäftigung verdrängt. geraten. Besonders der Beschäftigte in Betrieben mit Trend, verstärkt Leihareinem Betriebsrat als beiter und Beschäftigte Kaum sind dem WildArbeitnehmer ohne eine mit Werkvertrag in den wuchs in der Leiharbeit Interessenvertretung. Unternehmen einzusetdurch Tarifverträge und zen, ist ungebrochen. die Pläne der Großen Zwar ist die Zahl der Leiharbeiter von Koalition, die Einsatzdauer auf 18 Moeiner Million auf 780  000 gesunken, naten zu beschränken, Grenzen gesetzt, doch nach wie vor werden viele von tut sich schon die nächste Strategie zum ihnen jahrelang im gleichen Unter- Lohndumping auf: Werkverträge liegen nehmen eingesetzt und so als billige voll im Trend. Mit dieser Strategie versuArbeitskräfte missbraucht. In einigen chen Arbeitgeber die Preise noch weiter Betrieben beträgt die Zahl der Zeitarbei- zu drücken – häufig auf Kosten der Beter sogar mehr als 20 Prozent. Und: schäftigten bei WerkvertragsunternehLeiharbeit schafft nicht, wie von vielen men und Stammbelegschaften. Wie beiArbeitgebern behauptet, neue Jobs. Das spielsweise bei der Aachener Firma EKÜ Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsfor- Outsourcing.

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Die Betriebsratswahlen im Frühjahr stehen auf der gewerkschaftspolitischen Tagesordnung ganz oben. Die IG BCE hat vor vier Jahren ein herausragendes Ergebnis erzielt und will diesen Erfolg bestätigen und ausbauen. »Wir sind die Betriebsräte-Gewerkschaft. Gemeinsam, konzentriert und engagiert gehen wir die Wahlen an«, sagte IG-BCE-Vorsitzender Michael Vassiliadis auf einer Betriebsräte-Tagung Mitte November in Hannover. Die stellvertretende Vorsitzende Edeltraut Glänzer unterstrich: »Die Betriebsräte sind das gewerkschaftliche Rückgrat in den Betrieben.« Sie forderte dazu auf, den Schwung aus den Tarifrunden mit in die Wahlen zu nehmen.

14 | kompakt | Januar 2014

Foto: Helge Krückeberg

»Wir sind die BetriebsräteGewerkschaft«

»Die Betriebsräte sind das gewerkschaftliche Rückgrat in den Betrieben«, betonte die stellvertretende Vorsitzende Edeltraud Glänzer.

Ralf Sikorski erläuterte das Ziel der frisch gestarteten Mitbestimmungsoffensive. Die IG BCE wolle neu gegründete Betriebe erschließen und

den Anspruch auf Mitgestaltung und Mitbestimmung durchsetzen, so das Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstandes.


rnes Recht Beschäftigten – statt 14 Euro Stundenlohn. Mehrere Mitarbeiter zogen deshalb unterstützt von der IG BCE vor das Aachener Arbeitsgericht. Ihr Vorwurf: Sie arbeiten ausschließlich für einen einzigen Betrieb, einen Autozulieferer, und wollen auch entsprechend bezahlt und behandelt werden. Zwar scheiterten die Kläger vorerst vor Gericht, doch sie prüfen eine erneute Klage: »Wir werden die schriftliche Begründung abwarten und dann überlegen, ob wir vors Landesarbeitsgericht ziehen«, sagte der IG BCE-Gewerkschaftssekretär Dennis Radtke nach dem Urteil. Welche fatalen Ausmaße die Schweinerei mit den Werkverträgen annehmen kann, zeigt auch das Beispiel der Fleischindustrie: Manche Betriebe lassen 90 Prozent der Arbeit in den Schlachthöfen über Werkverträge erledigen – meist von ausländischen Auftragsarbeitern zu katastrophalen Bedingungen. Die Betriebsräte können beim Thema Werkverträge nur hilflos zugucken: Sie haben lediglich ein Recht auf Information etwa über den Umfang des Einsatzes. Miese Arbeitsbedingungen, Löh-

ne und Gehälter, die kaum zum Leben reichen, unsichere und unstete Beschäftigung – das will die IG BCE nicht länger hinnehmen und startet eine Mitbestimmungsoffensive. In vielen neu gegründeten Unternehmen gibt es keinen Betriebsrat und keine Tarifverträge, die die Arbeitnehmer vor Willkür und schlechter Bezahlung schützen. Da will die IG BCE nun ansetzen. Ziel ist es, den Anspruch auf Mitbestimmung und Mitgestaltung durch Betriebsrat und Gewerkschaft durchzusetzen. Gleichzeitig wird der Gesetzgeber aufgefordert, wesentliche Grundlagen der sozialen Marktwirtschaft zu festigen: indem die Betriebsräte und die Tarifautonomie gestärkt werden. »Mitbestimmung im Betrieb ist der beste Schutz vor prekären Arbeitsbedingungen, die Voraussetzung für faire Teilhabe und die Bedingung, um von Min-

Fotos: Helge Krückeberg (links), privat

Weniger als acht Euro erhalten die

Ilona Maas Betriebsrätin, Dralon GmbH

Daniel Heisch IG-BCE-Projektsekretär

»Es ist grundsätzlich wichtig, dass man offensiv in die Betriebe geht.«

»Ich will Beschäftigte zu Gewerkschaftsmitgliedern machen und mit ihnen neue Betriebsräte gründen.«

deststandards in der Arbeit Aufgabe verschrieben, zu tatsächlich Guter Arbeit Betriebe gewerkschaftzu kommen«, begründet lich zu erschließen, die Michael Vassiliadis, Vorsitbislang ohne Betriebszender der IG BCE, das Vorräte und Tarifverträge Betriebe im Organisationshaben. Nach wir vor forsind. Er ist einer von bereich der IG BCE dert die IG BCE deshalb ein acht Gewerkschaftssewählen ab März eine Mitbestimmungsrecht von kretären, die für diese betrieblichen InteressenBetriebsräten bei FremdAufgabe zwei Jahre lang vertretung. 24 000 Bebeschäftigung und ein Iniin den Schwerpunktschäftigte sind aufgerufen, tiativrecht zur Gestaltung regionen Westfalen, Baihre Stimme abzugeben. Guter Arbeit. den-Württemberg, Bay»Wir wollen in jedem Beern sowie in Thüringen zirk Jahr für Jahr weitere Betriebe neu und Sachsen eingesetzt werden. Im erschließen, konsequent und mit aller Fokus steht zunächst die KunststoffEnergie«, kündigt die stellvertretende industrie. IG-BCE-Vorsitzende Edeltraud Glänzer Daniel Heisch hatte als Arbeitnehmer an. Denn Spaltung zwischen Betrieben bereits selbst einen Betriebsrat gegründet mit und ohne Betriebsrat schade beiden und drei Jahre Erfahrungen als Vorsitund verhindere, dass Gesetze flächen- zender gesammelt. Er ist nun im thürindeckend wirken. gischen Eisfeld aktiv und hat vor, ein noch betriebsratsfreies KunststoffunterLeute mit Biss wie der 29-jährige Da- nehmen mit 350 Beschäftigten gewerkniel Heisch (Foto oben) haben sich der schaftlich zu organisieren. Heisch und 

3400

kompakt | Januar 2014 | 15


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TITEL Offensive Mitbestimmung

Wir brauchen viel mehr gute Be    seine Projekt-Kollegen haben systema-

tisch vorgearbeitet, strategisch zusammen mit den IG-BCE-Bezirken ausgewählt, welche Betriebe welche Ansatzpunkte bieten. Wie er sich den einzelnen Beschäftigten tatsächlich nähert, hängt er aber nicht unbedingt an die große Glocke. Doch er hat ein klares Ziel vor Augen: »Beschäftigte zu Mitgliedern machen und mit ihnen eine Arbeitnehmervertretung zu gründen.«

82,2

Foto: Bilderfilm.de

Denn klar ist: Den Beschäftigten geht es besser mit Betriebsrat. So erhalten Arbeitnehmer mit einer Interessenvertretung mehr als zehn Prozent höhere Löhne als Beschäftigte ohne Betriebsrat. Auch der Abstand zwischen den

sind die Beschäftigten Lohngruppen in einem bundesweit aufgerufen, Unternehmen fällt geihre Stimme für eine ringer aus. Die ArbeitsArbeitnehmervertretung zeit ist mit Betriebsrat abzugeben. ebenfalls geringer: Sie Prozent der Auszubildenden In 3400 Betrieben im ist durchschnittlich 36 sind dank betrieblicher Organisationsbereich Minuten in der Woche Interessenvertretung der IG BCE finden bis niedriger als in Unterzufrieden mit ihrer Ende Mai die Betriebsnehmen ohne ArbeitAusbildung. Bei den Azubis ratswahlen statt – rund nehmervertretung. Die in Betrieben ohne Betriebs24 000 Mitglieder wähAufzählung lässt sich räte sind es nur len eine neue betriebnoch fortführen: Verein62,9 Prozent. liche Interessenvertrebarkeit von Beruf und tung. Rund ein Drittel Familie, Weiterbildung, Ausbildung, Überstunden Teilzeit – alles der Mandate ist mit neuen Kandidaten zu besetzen. Der Anteil der Betriebe mit besser mit Betriebsrat. Im März fällt in vielen Orten zwischen einem Betriebsrat ist im OrganisationsOder, Alpen, Saar und See ein wichtiger bereich der IG BCE vergleichsweise Startschuss: In rund 100 000 Betrieben hoch. Die Gewerkschaft unterstützt bei

Die betriebliche Mitbestimmung mit Blick auf Leiharbeits- und Werkverträge muss reformiert werden. Nur ein starker Betriebsrat mit der Rückendeckung der Gewerkschaft kann gegen prekäre Arbeitsverhältnisse vorgehen und für eine gerechte Bezahlung streiten. 16 | kompakt | Januar 2014


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  triebsräte

Fotos (2): Helge Krückeberg

Der Jurist und Soziologe der Hans-Böckler-Stiftung zu betrieblicher Mitbestimmung und prekären Arbeitsverhältnissen.

Florian Stettner Betriebsrat Forbo Siegling GmbH

Stefan Mertens Betriebsratsvorsitzender, Kreis Weseler Abfallgesellschaft

»Dank der aktuellen Gerichtsurteile kann man bei Leiharbeit jetzt reingrätschen. Die Regierung ist nun in der Pflicht.«

»Eine Offensive ist wichtig, um die Mitbestimmung zu stärken und die Mitarbeiter zu unterstützen.«

den Wahlen. Es ist kein Zufall, dass mehr als 77 Prozent der Betriebsräte Gewerkschaftsmitglied sind und die Kandidaten der IG BCE fast immer Spitzenplätze erringen.

immer neue Internetseiten und Seminarangebote mit obskuren Empfehlungen für Arbeitgeber aus dem Boden und Anwälte bringen sich mit Slogans wie »Kündigen von Unkündbaren« gegen die Arbeitnehmervertretungen in Stellung (kompakt berichtete mehrfach, etwa in der Septemberausgabe 2012).

Doch so gut sieht es nicht überall

aus. Gerade einmal neun Prozent aller privatwirtschaftlichen Betriebe haben laut Hans-Böckler-Stiftung einen Betriebsrat. Drei von fünf Wahlberechtigten haben keine Chance, ihre Stimme abzugeben – sie arbeiten in Betrieben ohne Rat. Wer keine Arbeitnehmervertretung hat, verzichtet nicht unbedingt freiwillig auf die Interessenvertretung. Immer wieder behindern Arbeitgeber die Gründung eines Betriebsrats, mobben und bespitzeln Betriebsräte und schicken ihnen fadenscheinige Kündigungen ins Haus. Um diese Herr-im-Haus-Mentalität zu unterstützen, sprießen im Internet

trotz groSSer Widerstände gibt es auch immer wieder Erfolge: Was bei Star Produktions mit der Wahl eines Betriebsrats 2010 begann, bringt den Beschäftigten jetzt Gute Arbeit: Die 227 Arbeitnehmer bekommen endlich faire Arbeitsbedingungen und -entgelte nach dem Chemie-Tarif, stufenweise bis 2017. Der beharrliche Kampf und der lange Atem hat sich ausgezahlt – alle Beschäftigten erhalten ab 2017 im Schnitt 879 Euro monatlich mehr. Dank Mitbestimmung und Betriebsrat.

Foto: Böckler-Stiftung

Fragen an Andreas Priebe

Muss die betriebliche Mitbestimmung mit Blick auf Leiharbeits- und Werkverträge reformiert werden? Ja. Die tatsächlichen Möglichkeiten des Betriebsrats bleiben gegenüber der Realität in der Wirtschaft deutlich zurück. Der für personelle Einzelmaßnahmen einschlägige Paragraf 99 Betriebsverfassungsgesetz gibt dem Betriebsrat nur bei Normalarbeitsverhältnissen den Einfluss, den das Gesetz ursprünglich wollte. Die Realität besteht aber aus den unterschiedlichsten Beschäftigungsformen. Vielfach sind die vertraglichen Arbeitsbedingungen höchst ungesichert. Das Gesetz wird der Entwicklung nicht mehr gerecht. Hat das Bundesarbeitsgericht die Mitbestimmung bei der Einstellung von Leiharbeitern nicht gestärkt? Nun, Sie fragen, ob das Gesetz reformiert werden muss. Das muss nach meiner Auffassung unter anderem im Paragraf 99 geschehen. Ein Betriebsrat braucht umfassende Informationen über die vielfältigen Beschäftigungsformen und Beschäftigten im Unternehmen. Zum Beispiel muss er unterscheiden können, welche Aufgaben einem vorgeblichen Nichtarbeitnehmer, der über einen Werkvertrag tätig wird, tatsächlich zugedacht werden. Müssen analog die Vorschriften über die Einsatzplanung geändert werden? Die Personalplanung ist im Paragraf 92 geregelt. Diese Vorschrift ist seit einer Reform im Jahr 2001 eigentlich ziemlich stark. Betriebsräte sind gut beraten, wenn sie diese Vorschrift nutzen. Aber das ist ein mühsames Geschäft. Arbeitgeber lassen die Betriebsratsmitglieder im realen Leben immer wieder auflaufen.

Sarah Heidel/Michael Weisbrodt kompakt | Januar 2014 | 17


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Themen Grosse Koalition

Mit Vernunft  Programm und Mannschaft stehen:, Drei Monate nach

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Deshalb hat der IG-BCE-Vorsitzende bereits auf den Alarmknopf gedrückt. Michael Vassiliadis kündigte an, dass die Gewerkschaft gemeinsam mit der IG Metall und dem DGB dieser Gefahr mit aller Kraft für den Industriestandort entgegentreten wird. »Wir werden gegebenenfalls das gesamte Spektrum gewerkschaftlicher Handlungsmöglichkeiten nutzen.« Gefordert sind hier die alte und neue Kanzlerin Angela Merkel und Sigmar Gabriel. Der SPD-Vorsitzende übernimmt das Wirtschaftsministerium und ist zugleich zuständig für die Energiepolitik. Es ist richtungsweisend, dass diese Kompetenzen gebündelt werden, das bisherige Splitting der Verantwortlichkeiten war wenig zielführend. Eine alte Forderung der IG BCE ist damit erfüllt. Gabriel wird in Brüssel und Berlin alle Hände zu tun haben. Er weiß die IG BCE in der Energiefrage an seiner Seite, umgekehrt fühlt er sich mit der Gewerkschaft eng verbunden und hat seit Oktober das Mitgliedsbuch in der Tasche. Vor dem IG-BCE-Kongress in Hannover erklärte der neue Wirtschaftsminister den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit für eine »zentrale Aufgabe«. Dies bedeute auch, »die Energiewende so zu gestalten, dass die Kosten dort im Griff behalten werden«. Auch die neue Arbeitsministerin ist in der IG BCE alles andere als eine Unbekannte. Häufig war Andrea Nahles zu Gast, zuletzt entwickelte sie ihre arbeitsmarktpolitischen Vorstellungen auf einer Gewerkschaftsveranstaltung Anfang September in Mannheim. Missbrauch von Leiharbeit und Werkverträgen, Mindestlohn, mehr Mitbestimmungsrechte

Foto: Michael Sohn/picture alliance/AP Photo

W

eder Union noch SPD wollten diese Koalition – sie ist kein Projekt der Herzen, sondern Produkt politisch-arithmetischer Zwänge und der Vernunft. Der Weg vom Wahlabend bis zur Unterzeichnung des Koalitionsvertrags war steinig und steil, doch die Mühen harter Verhandlungen haben sich am Ende gelohnt. Die Gremien von CDU und CSU stimmten dem Abkommen mit überwältigenden Mehrheiten zu. Das SPD-Mitgliedervotum fiel ebenso eindrucksvoll aus: Mit einer Zustimmung jenseits der 75-Prozent-Marke hatten auch die größten Optimisten im Willy-Brandt-Haus nicht gerechnet. In Sachen innerparteilicher Willensbildungsprozess hat die Sozialdemokratie neue Maßstäbe gesetzt. Schwarz-Gelb war einmal, SchwarzRot kommt. Der Kompass ist neu ausgerichtet. Die Große Koalition bietet gute Chancen, grobe Fehlentwicklungen der vergangenen Jahre zu korrigieren. Zugleich scheint der Vorrat an Gemeinsamkeiten groß genug, um die enormen Herausforderungen bestehen zu können. Viel Zeit zum Durchatmen wird die neue Bundesregierung nicht haben. Aus Brüssel droht mehr als nur Ungemach. Der EU-Kommissar Joaquin Almunia hat einen Großangriff auf die energieintensiven Unternehmen in Deutschland gestartet. Kommt der Spanier mit seinem Vorhaben durch, könnte dies das unmittelbare Aus für Zigtausende von Arbeitsplätzen bedeuten. Die Kupfer-, Aluminium- und Stahlindustrie wäre davon ebenso betroffen wie die Papier- und Glasproduktion und die Chemie.

Foto: lll

der Bundestagswahl kann in Deutschland wieder regiert werden. Die dritte große Koalition in der Geschichte der Bundesrepublik hat es sich nicht leicht gemacht – was Wunder, angesichts der Ausgangslage.

für Betriebsräte – das sind Themenfelder, wo die frühere SPD-Generalsekretärin mehr als nur ein offenes Ohr für gewerkschaftliche Forderungen gezeigt hat. Auch in der Rentenpolitik gibt es ein hohes Maß an Übereinstimmung. Natürlich entspricht der Koalitionsvertrag bei Weitem nicht in allen Punkten gewerkschaftlichen Vorstellungen. Aber es kann die Plattform sein für tragfähige Neuorientierung. »Deutschland braucht ein politisches Bündnis für Innovation und Investition«, betont Michael Vassiliadis. »Und wir brauchen ein Bündnis für Gute Arbeit.«  Michael Denecke


und Augenmaß Mehr als der kleinste Nenner Schwarz-Rot ist keine Liebesheirat, sondern eine Vernunftehe. Um die vertragliche Grundlage ihrer Verbindung haben SPD und Union hart gerungen. Auf 185 Seiten ist festgehalten, wo es in den kommenden vier Jahren langgehen soll. Das Abkommen fasst das politisch Mögliche und Machbare zusammen, benennt eine Reihe von Vorhaben, die Deutschland nach vorne bringen können. Wichtige gewerkschaftliche Forderungen greift die Große Koalition auf. Einige Politikfelder müssen noch bestellt werden, es fehlen präzise Aussagen, manches wird erst im Gesetzgebungsverfahren zu klären sein. Die IG BCE wird sich in diesen Prozess kritisch und konstruktiv einmischen. Die wichtigsten Elemente des Koalitionsvertrags im Überblick:

 Arbeit Den Arbeitsmarkt in Ordnung zu bringen – so lautete eine gewerkschaftliche Kernforderung im Wahlkampf. Nicht alles hat seinen Weg in den Koalitionsvertrag gefunden, doch eine Reihe von Verbesserungen zeichnet sich ab: Der Mindestlohn kommt, Leiharbeit wird begrenzt, die Tarifautonomie gestärkt. Dem Prinzip »Ein Betrieb – ein Tarifvertrag« soll Geltung verschafft und so die Tarifeinheit wiederhergestellt werden. Es besteht die Chance, die neuen Formen der Ausbeutung deutlich zurückzudrängen.

 Mitbestimmung Vor wenigen Wochen hat der IG-BCE-Kongress über eine Mitbestimmungsoffensive beraten, der Startschuss fällt im Januar. Der Koalitionsvertrag bietet dazu Anknüpfungspunkte. Allerdings konnte sich Schwarz-Rot nicht darauf verständigen, die Gründung von Betriebsräten zu erleichtern. Dies ist vor allem am Widerstand des Wirtschaftsflügels der Union gescheitert. Das gilt auch für die geforderten Mitbestimmungsrechte für Betriebsräte bei Fremdbeschäftigung und ein Initiativrecht zur Gestaltung von Guter Arbeit.

Foto: Jose Giribas/picture alliance

 Rente

Andrea Nahles wird Arbeits- und Sozialministerin.

Die abschlagsfreie Rente mit 63 nach 45 Versicherungsjahren kommt, die Erwerbsminderungsrente steigt. Geringverdienern wird ab 2017 nach 35 Jahren Beitragszahlung eine Rente von etwa 850 Euro garantiert. Mütter, deren Kinder vor 1992 geboren worden sind, können mit einen Rentenplus von rund 28 Euro pro Kind rechnen. In der Rentenpolitik sind Betonmauern aufgebrochen. Aber: Es ist unklar, wie die notwendigen flexiblen Übergänge in den Ruhestand aussehen sollen. Zur Teilrente findet sich im Koalitionsvertrag nichts Konkretes. Die IG BCE wird hier am Ball bleiben, sich für Verbesserung einsetzen.

 Energie Ein Neustart in der Energiewende ist überfällig. Schwarz-Rot bekennt sich zur Wettbewerbsfähigkeit, will Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit sicherstellen. Offenbleibt, wie das Prinzip der sozialen Gerechtigkeit stärker beachtet werden soll – die Reform des EEG steht an. Die Koalitionäre wollen bis 2025 die erneuerbaren Energien auf einen Anteil von 40 bis 45 Prozent bringen. Ein hochgestecktes Ziel – ein Monitoring soll dafür sorgen, dass bei der Umsetzung die Wirklichkeit nicht aus dem Blickfeld gerät. kompakt | Januar 2014 | 19


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leserforum Nr. 12 I DEzEMBEr 2013 www.igbce.de

vor ort Betriebsräte und IG BCE sichern die Weiterführung von Continental Packaging Industries. tendenzen Power to Gas, Batterien, Pumpspeicher: Welche Großenergiespeicher taugen für die Energiewende? tipps Ich bin dann mal weg: Wann darf ein Arbeitnehmer während der Arbeitszeit zum Arzt gehen?

Schreiben Sie uns! Wir freuen uns über Lob, Kritik und Anregungen.

kompakt

kompakt IMPRESSUM

Das Mitgliedermagazin der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie

Das Mitgliedermagazin der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie Herausgeber Michael Vassiliadis

Unser erfolg. Unser Lohn. Die IG BCE fordert 5,5 Prozent mehr in der Chemie-Tarifrunde.

01_titel_Tarifrunde_Chemie_12.indd 1

19.11.2013 15:47:47

Leserbriefe stellen die Meinung des Einsenders dar. Anonyme Zuschriften werden nicht berücksichtigt. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

> Strom braucht Speicher von Jörg Nierzwicki (12/2013)

Expertenbericht

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In der Dezemberaus­ gabe war unter ande­ rem die Speicherung der überschüssigen erneuerbaren Energie ein Schwerpunkt. Zu Fragen der Wirtschaft­ lichkeit der Speicherung bei mehrfacher Energieumwand­ lung habe ich hier und in an­ deren Presseerzeugnissen nie etwas gelesen und würde mir wünschen, dazu mal einen Expertenbericht erstellen zu lassen und zu veröffent­ lichen. Stefan Barthel, per Mail

> Unser Erfolg. Unser Lohn. von Michael Denecke (12/2013)

Mehr Geld Es wird Zeit, dass die Arbeitnehmer bei der ­ Chemie-Tarifrunde mal wie­ der einen richtigen Schluck aus der Flasche abbekom­ men. Stefan Seerden, via Facebook

Ohne Befristung Nur wenn unser Nach­ wuchs gefördert wird, kann dem demografischen 20 | kompakt | Januar 2014

Wandel entgegengetreten wer­ den. Dazu gehört vor allem eine unbefristete Übernahme nach der Ausbildung! Es ist Zeit, dass dies in den Köpfen der Arbeitgeber ankommt. Nur mit motivierten Arbeit­ nehmern kann die Qualität auf einem hohem Niveau ge­ halten werden. Michael Seipel, via Facebook

Untersuchungen rund um den »Nationalsozialistischen Untergrund« und die Ver­ strickungen von Rechtsradika­ len mit dem Verfassungsschutz sollte meiner Meinung nach ein bewussterer und kritische­ rer Umgang mit statt­f inden.  Michel Angelo, via Facebook > Jubilargeschenk

Stück Sicherheit

Dankeschön

Ambitionierte Ziele, was aber fehlt: Zeit- und Leiharbeit tariflich zu regeln, damit es auch wieder das wird, wofür es ursprünglich gedacht war und den Betrof­ fenen wenigstens ein Stück weit Sicherheit gegeben wird.

Mein Vater Arthur Hartwich wurde kürz­ lich von unserer IG-BCEKamp-Lintfort Ortsgruppe für 60 Jahre Mitgliedschaft in unserer Organisation geehrt. Hier hat er die goldene Arm­ banduhr mit der schönen großen Datumsanzeige erhal­ ten, worüber er sich sehr ge­ freut hat.

Martina Koch, via Facebook

> Die Werbetricks der rechten Szene

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Michael Hartwich, per Mail

von Jörg Nierzwicki (12/2013)

Kritischer Umgang Der Begriff Rechtsextre­ mismus ist meines Er­ achtens ein politisch so kons­ truierter, dass die Gesellschaft eine U-Form erhält, die zwei extreme End- oder Randbe­ reiche hat, rechts wie links. Die DGB-Jugend hat dazu eine interessante und gute Broschüre herausgegeben: »Wir sind extrem – extrem de­ mokratisch.« Des Weiteren finde ich es bedenklich, dass der nieder­ sächsische Verfassungsschutz im Foyer der IG BCE auftritt. Gerade aufgrund der

> Prävention statt Trinkkultur aktuelles (12/2013)

Warum Wein?

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Mein Sohn, Lehrling in der Kohle, ist neues Mitglied der IG BCE. Deshalb bekommen wir auch das ­Mitgliedermagazin kompakt. Was ich anstößig ­finde, ist, dass Sie im Artikel »Prävention statt Trinkkultur« Alkoholismus anmah­ nen, aber auf der Umschlag­ seite gibt es Weinwerbung im Vorteilspaket. Hier kann doch etwas nicht stimmen?



Udo Valentin, per Mail

Chefredakteur (verantwortlich im Sinne des Presserechts) Christian Hülsmeier Stellvertretender Chefredakteur Michael Denecke Chef vom Dienst Jörg Nierzwicki Redaktion Sarah Heidel, Dirk Kirchberg, Désirée Binder Dr. Ulrike Börger Redaktionsassistenz Simone Michels, Tanja Rössner Gestaltung Hans Borgaes Redaktionsanschrift Königsworther Platz 6 30167 Hannover Telefon: 0511 7631-306/-329 Telefax: 0511 7000891 E-Mail: kompakt@igbce.de Internet: www.igbce.de Satz: BWH GmbH Beckstraße 10, 30457 Hannover Gesamtherstellung und -vertrieb: Westend Druckereibetriebe GmbH Westendstraße 1, 45143 Essen Anzeigenverwaltung NetworkMedia GmbH Stresemannstraße 30 10963 Berlin Telefon 030 25594-160 (Fax: -190) E-Mail: haertig@nwmd.de Gültige Anzeigenliste Nr. 13 vom 01. 01. 2014 Verantwortlich für den Anzeigenteil: Claudia Härtig Zusendungen: Für unverlangte Einsendungen wird keine Gewähr übernommen. Bezugspreis 0,90 €, jährlich 10,00 €. Für Mitglieder der IG BCE ist der Bezugspreis im Mitgliedsbeitrag enthalten. Erscheinungsweise:

kompakt erscheint monatlich

mit acht Regionalausgaben für Bayern, Baden-Württemberg, Hessen-Thüringen, Nord, Nordost, Nordrhein, Rheinland-Pfalz/Saarland, Westfalen. Redaktionsschluss dieser Ausgabe: 18. 12. 2013 Druckauflage: 651 824 (III/2013) Gedruckt auf chlorfreiem Papier


VOR ORT

Klein und stark In Düsseldorf werden Spülmaschinen-Tabs produziert Lausitzer für die Braunkohle Proteste begleiten Anhörung in Cottbus.

Vielfalt und Chancengleichheit »Aus« trotz schwarzer Zahlen Akzo-Nobel-Beschäftigte kämpfen um Standort.

Foto: Frank Rogner

Die 43. migrationspolitische Tagung.

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vor ort Henkel Düsseldorf

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Ein Tab für alles henkel hat vor anderthalb Jahren die Somat-Produktion ins Stammwerk zurückgeholt. Von

dort produziert der Konzern jetzt für alle Länder. Für den Betriebsrat eine Zukunftsinvestition.

O

bwohl Miele schon 1929 die erste Spülmaschine auf den Markt brachte, galten die Geräte jahrzehntelang als teure Luxusgüter. Das ist inzwischen anders: Heute besitzen zwei von drei deutschen Haushalten eine Spülmaschine. Tendenz weiter steigend. Das kann Henkel, Hersteller von Somat, nur recht sein: Das Werk in Düsseldorf ist bestens ausgelastet, hier pro-

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duziert der Konzern für ganz Europa. Wenn auch erst seit anderthalb Jahren, vorher wurde bei einem Lohnhersteller in Luxemburg produziert. »Die Produktion zu uns zu holen, war natürlich ein Bekenntnis zum Standort Düsseldorf, die Palette an Waschund Reinigungsmitteln ist komplett«, sagt Betriebsratsvorsitzender Winfried Zander. Das »Somat-Produktionsgebäude« ist etagenweise orga-

nisiert. Ganz oben lagern säckeweise Rohstoffe, Tanks sind mit flüssigen Einsatzstoffen für Wasch- und Reinigungsmittel gefüllt. Je nach Rezeptur und Land

werden ausgewählte Stoffe zu unterschiedlichen rotblauen Tabs gemischt. In der Spülmaschine wirken beide unterschiedlich: Der blaue Teil der Spültablette enthält hochaktive Substanzen. Die-

se rücken eingebrannten Speiseresten in Töpfen und Pfannen zu Leibe. Die rote Komponente dagegen wirkt dank Reinigungsverstärkern – zum Beispiel wenn es darum geht, Eigelb von Löffeln abzulösen. Unterhalb des Rohstoff­ lagers stehen die Produktionslinien. Hier pressen etwa hammergroße Stempel das vorab zusammengemischte Pulver in das bekannte Tab-Format.


können«, sagt Betriebsleiter Thomas Eiting. Insbesondere bei den Absauganlagen hat Henkel angesetzt. »Die Prozesse sind nun weitgehend staubfrei, die P3-Masken nur noch bei speziellen Tätigkeiten zum Schutz des Mitarbeiters vorgeschrieben«, fügt Betriebsrätin Friedrich hinzu. Genau

2 1 | Blau und Rot Einzeln werden blaue und rote Komponente sowie der Kern der Tabs hergestellt und gepresst.

2 |Qualität im Blick

3 | blaue Vilefalt

3

Mehrere Millionen Stück pro Tag. Unbegrenzt kann das voll automatisierte Programm aber nicht durchlaufen, an Techniker Kevin Bathe führt kein Weg vorbei. Er muss die Stempel regelmäßig warten. Das bedeutet in erster Linie,

Je nach Rezeptur und Land werden unterschiedliche Tabs produziert.

Pflicht – sie schützt Nase und Mund vor Staubpartikeln. Zu Beginn der Produktion im Stammwerk wurden diese Masken – sie bieten einen Partikelschutz 30-fach so hoch wie der gesetzliche Grenzwert – noch im gesam-

»Der Produktionsprozess ist weitgehend staubfrei. Die Investition in viele Einzelmaßnahmen hat sich gelohnt.«

Sabine Friedrich Betriebsrätin

sie in einem räumlich abgetrennten Bereich aus der Maschine herauszulösen und sie dann vom angesammelten Produktstaub zu befreien. Eine »P3-Maske« ist für ihn

ten Produktionsprozess eingesetzt: »Wir dokumentieren ständig die Partikelwerte und haben sie durch die Investition in viele Einzelmaßnahmen immer weiter absenken

Fotos (4): Frank Rogner

Christian Reinholz prüft Füllmengen und Unversehrtheit der Packungen.

gegenüber der rechteckigen Tabs laufen kleine blaue Kügelchen in zwei »Kern-Pressen« vom Band. Sie sind eine Art »getrockneter« Klarspüler. Der Ablauf ist schön anzusehen – wenn nur die Geräuschkulisse nicht wäre, die beim Abrollen Tausender Kügelchen entsteht. Zusammen mit den ratternden Bändern und den TabsPressen wird das in der Halle zum richtigen Lärm. Doch: »Seit Kurzem hängen an den Decken Paneele als Schallbrecher, sie reduzieren bereits deutlich den Lärmpegel«, sagt Friedrich. »Den genauen Umfang werden wir bald durch eine abschließende Messung ermitteln.« Wenn jetzt die Klarspül-Kügelchen in die Tabs gelangen, folgt das Verblistern und Verpacken. Für alle Herren Länder stehen Verkaufskartonagen bereit. Und die sind nicht alle gleich: In der Türkei und Italien beispielsweise sind es »Pril«-Tabs, in Osteuropa die hierzulande völlig unbekannte Variante »Somat Gold«: »Da ist auch der Klarspül-Kern goldfarben. Das ist in dieser Region einfach mehr gewünscht«, erläutert Dagmar Preis-Amberger, die Werkleiterin. Besonderheiten, die Produktionsmitarbeiter Christian Reinholz bei der Qualitätskontrolle aus dem Effeff berücksichtigen muss. Der 26-Jährige prüft stichproben-

artig Füllmengen und Unversehrtheit der Packungen. Erst wenn er grünes Licht gibt, laufen die Verpackungen weiter zum Versand. Zunehmend übrigens zu den Konsumenten in Osteuropa. Das Nachholpotenzial ist dort besonders groß: In der Region um Warschau verfügen beispielsweise erst 15 Prozent der Haushalte über eine Spül­ maschine. Bei den deutschen Spülmaschinen-Tabs bietet Henkel inzwischen die »10 in 1«-Variante an. Die Tabletten sollen sich durch ihre Zusammensetzung besonders schnell auflösen. So eignen sie sich auch für kürzere, umweltschonende Spülmaschinenprogramme. Axel Stefan Sonntag Das unternehmen Der 1876 gegründete Konzern – noch heute mehrheitlich in Familienbesitz – hat sich in drei Geschäftsfeldern einen Namen gemacht: Wasch-, Putz- und Reinigungsmittel, Schönheitspflege sowie Klebstoff-Technologien. Von den 47 000 Mitarbeitern weltweit arbeiten rund 5000 in Düsseldorf. Die Umsätze in der Wasch-, Putz- und Reinigungsmittelsparte sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen und tragen fast 30 Prozent zum Konzernumsatz bei. 1962 kam Somat auf den Markt, 1989 überraschte Henkel die Branche mit den ersten Spülmaschinen-Tabs überhaupt. Von 1999 an verbesserte das Unternehmen das Spülresultat der Tabletten kontinuierlich bis hin zum heute erhältlichen »10 in 1«-Produkt. www.henkel.de

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vor ort Aktuelles

Lausitzer demonstrieren für die Braunkohle

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ie sind gekommen, weil es um ihre Zukunft geht: Rund 2000 Menschen haben sich vor den Messehallen in Cottbus versammelt. Drinnen findet die zweite Anhörung im Beteiligungsverfahren zur Erweiterung des Tagebaus Welzow-Süd durch die gemeinsame Landesplanung Berlin/ Brandenburg statt. Zu der Kundgebung hat unter anderem die IG BCE aufgerufen. »Wir stehen hier für unsere Interessen, für die der Kolleginnen und Kollegen, aber auch für den Energiestandort Deutschland«, bekräftigt Petra Reinbold-Knape, die Leiterin des Landesbezirks Nordost, in ihrer Ansprache. »Unsere Industriebetriebe brauchen Versorgungssicherheit. In den kommenden Jahrzehnten wird das nur die Braunkohle zu wettbewerbsfähigen Bedin-

Foto: Stephan Floss

Cottbus | Proteste begleiten den Beginn der zweiten Anhörung zur Tagebauerweiterung Welzow-Süd

»Braunkohle braucht Zukunft!« – Demonstration in Cottbus.

gungen leisten.« Mit auf der Bühne steht der Cottbusser Bürgermeister Holger Kelch. »Die Braunkohle sichert die Zukunft in der Lausitz«, betont er. Der Kohleabbau ist das wichtigste Geschäftsfeld in der sonst wirtschaftlich eher schwachen Region. Seine Folgen werden intensiv diskutiert: Gerade einmal zehn Meter

von den Demonstranten für die Erweiterung des Tagebaus entfernt haben knapp 100 Gegner – vor allem Umweltverbände und Bewohner vom Tagebau betroffener Ortschaften – ihre Transparente ausgerollt. Tausende Menschen arbeiten in den Tagebauen, den Kraftwerken und bei den abhängigen Unternehmen. Fie-

len diese Arbeitsplätze weg – für viele Menschen wäre das eine Katastrophe. »Es ist Wahnsinn, dass so viele Leute gekommen sind«, sagt etwa Claudia Schipper. Sie ist 19 und macht eine Ausbildung zur Bürokauffrau bei der Envia Service GmbH. Schipper glaubt nicht, dass die Region ohne die Kohle eine Zukunft hat: »Es ist wichtig, dass wir Arbeitsplätze haben. Ich will hierbleiben.« Ähnlich sieht das auch Jens Reiber. Der 49-Jährige ist Baggerfahrer im Tagebau WelzowSüd. »Ich bin wegen meines Arbeitsplatzes hier. Solange ich und meine Kinder Arbeit haben, können wir hierbleiben. Wenn nicht, müssten wir wegziehen.« Wolfgang Lenders

Weitere Infos im Internet: www.igbce.de

Novartis-Tochter Alcon kommt nicht zur Ruhe freiburg | Kontaktlinsenhersteller will Logistik und Lager ausgliedern/Ein Viertel der Belegschaft soll gehen

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or drei Jahren schöpften die rund 140 Mitarbeiter von Alcon Pharma neuen Mut: Der Mutterkonzern Novartis begrub damals nach massiven Protesten Pläne, den Freiburger Standort des Kontaktlinsenherstellers aufzulösen. Nun unternimmt die Unternehmensleitung wieder einen Versuch, den Standort »fit für die Zukunft« zu machen. Das Vorhaben: Lager und Versand will man ausgliedern, die Kantine abschaffen. Das Betriebsgelände soll verkauft werden, für die verbleibenden Abteilungen will das

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Unternehmen Räume in der Innenstadt anmieten. Etwa ein Viertel der Arbeitsplätze geht damit verloren. »Von den 25 Mitarbeitern in der Logistik sind fast die Hälfte seit mehr als 20 Jahren für Alcon tätig. Der geplante Umzug zerstört gewachsene Strukturen«, kommentiert Betriebsratsvorsitzender Claudio Cristiano die Pläne. Überhaupt stellt Cristiano den langfristigen Erfolg dieser Maßnahme infrage: »Die Augenärzte sind den engen Kontakt zu unserem Außendienst und zu unserem Kundenservice gewohnt, ein Rad greift

da ins andere. Ob ein externer Anbieter, der für mehrere Auftraggeber tätig ist, die gleiche Qualität erbringen kann, bezweifle ich.« Zudem falle es

Gründen aufgelegt, es dient einzig und allein dazu, Beschäftigte zu entlassen und die Rendite noch weiter zu erhöhen«, bewertet Gerd Las-

»Der geplante Umzug und die Ausgliederung zerstören gewachsene Strukturen.« Claudio Cristiano Betriebsratsvorsitzender

letztlich auf Alcon zurück, wenn es bei externen Dienstleistern zu Fehlern in der Auftragsbearbeitung käme. »Dieses Vorhaben wurde nicht aus wirtschaftlichen

kowski vom IG-BCE-Bezirk Freiburg die Pläne. »Wir werden uns – heute wie damals – dafür einsetzen, dass der Standort erhalten bleibt.«  Axel Stefan Sonntag


Fotos (4): Frank Rogner

Sie warben für Vielfalt und Chancengleichheit: Ayse Ilgi (IG BCE), Ministerin Bilkay Öney, Giovanno Pollice (IG BCE), die stellvertretende IG-BCE-Vorsitzende Edeltraud Glänzer und Prof. Swetlana Franken von der Fachhochschule Bielefeld (von links).

Bildung, Beschäftigung, Beteiligung recklinghausen | Vielfalt und Chancengleichheit waren zentrale Themen der 43. migrationspolitischen Tagung

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on Heidelberg nach Recklinghausen, das ist eine ganz schöne Strecke. Marie Preuss hatte den langen Weg auf sich genommen, um als eines von rund 300 IG-BCE-Mitgliedern bei der 43. Recklinghäuser Tagung dabei zu sein. Das Motto »Vielfalt nutzen, Chancengleichheit verwirklichen« betraf Preuss persönlich wie beruflich. Die 29-Jährige mit französischen Wurzeln sitzt im Ausschuss für ausländische Arbeitnehmer bei der BASF. »Vielfalt ist bereichernd, weil man Verständnis füreinander bekommt«, sagt Preuss. Wie man das interkulturelle Potenzial in den Unternehmen fördern und nutzen kann, stellte Edeltraud Glän-

Edeltraud Glänzer

»Wir brauchen die umfassende Wertschätzung der Vielfalt in den Betrieben.«

zer, stellvertretende Vorsitzende der IG BCE, in den Mittelpunkt ihrer Eröffnungsrede. Sie betonte, dass eine umfassende Wertschätzung der Vielfalt in den Betrieben nötig sei. Glänzer unterstrich, dass die IG BCE nicht nur rede, sondern auch handle. Zu nennen seien Betriebsvereinbarungen zum partnerschaftlichen Verhalten sowie das Abkommen mit dem Sozialpartner, das Konzept des Vielfaltsmanagements auszubauen: »Die gleichberechtigte Teilhabe aller – das ist unser gemeinsames Anliegen.« Ähnlich formulierte es auch

die Hauptrednerin Bilkay Öney, Baden-Württembergs Integrationsministerin. Im Zentrum ihrer Integrationspolitik stünden Bildung, Beschäftigung und Beteiligung. Die 43-jährige türkischstämmige Ministerin sprach sich für mehr Investitionen in die frühkindliche Betreuung aus und forderte eine humanere Flüchtlingspolitik. Beim Thema Beschäftigung kritisierte Öney vor allem den Missbrauch der Leiharbeit

als zusätzliches Integrationshemmnis, denn viele Migranten seien von prekären Arbeitsverhältnissen betroffen. Eine Kritik, die die Gewerkschaftsmitglieder im Saal mit kräftigem Applaus untermauerten. Handlungsbedarf sieht Bilkay Öney auch bei der interkulturellen Öffnung der Betriebe: »Menschen mit türkischem Namen müssen sich häufiger bewerben als Deutsche, um zu einem Gespräch eingeladen zu werden.« Und wie sieht es mit der Vielfalt in Führungsetagen aus? »Es braucht viel Sensibilisierungsarbeit, um daran etwas zu ändern«, sagte Öney. Konkrete Maßnahmen wie etwa anony-

Prof. Swetlana Franken

»Notwendig ist eine Wende in den Köpfen der Entscheidungsträger.«

misierte Bewerbungen könnten dabei helfen. Prof. Swetlana Franken von der Fachhochschule Bielefeld berichtete aus ihrer Forschungsarbeit, die sich mit den Vorteilen der Diversität für Arbeitnehmer und Unternehmen befasst. In einem leidenschaftlichen Vortrag unterstrich Franken, wie wichtig Vielfalt als Quelle für Kreativität und Innovation sei. Dennoch würden viele Unternehmen dies noch nicht angemessen berücksichtigen. »Wir brauchen eine Wende in den Köpfen der Entscheidungsträger«, forderte die Wissenschaftlerin.  Marco Jelic

Weitere Infos im Internet: www.igbce.de

Bilkay Öney

»Zusätzliches Integrationshemmnis ist der Missbrauch von Leiharbeit.« kompakt | Januar 2014 | 25


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vor ort Aktuelles

Schließung trotz schwarzer Zahlen

Pohl-Boskamp

Neuwahlen beim Pharmahersteller

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as Werk schreibt schwarze Zahlen, dennoch will der Farben- und Lackhersteller Akzo Nobel seinen Nürnberger Standort bis Ende Juni 2015 schließen. Der niederländische Konzern plant, die Produktion in das Werk Hilden nahe Düsseldorf zu verlagern. Dagegen wehren sich die 126 Beschäftigten des Unternehmens und setzen sich für ihre Arbeitsplätze ein.

»Nürnberg ist ein profitabler Standort – unser Ziel muss es deshalb sein, die Arbeitsplätze hier zu halten, ein Sozialplan ist keine Lösung«, sagt Roland Nosko, Bezirksleiter der IG BCE in Nürnberg. Vor den Werktoren demonstrierten die Beschäftigten jetzt für ihre Arbeitsplätze. »Das ist erst der Anfang des Protests, es wird weitergehen«, bekräftigt Nosko.

Foto: privat

hohenlockstedt | Die nächste Verhandlung über die Amtsenthebung des Betriebsrats beim Pharmahersteller Pohl-Boskamp ist vom 9. Januar auf den März verschoben worden. Derweil bereitet sich die Arbeitnehmervertretung auf vorgezogene Neuwahlen am 28. Januar vor. Sechs der neun Mitglieder des alten Betriebsrats treten dafür wieder an. Sie kandidieren auf einer Liste unter dem Motto »Deine Wahl für soziale Gerechtigkeit, Bildung und Gesundheit« und konkurrieren mit drei weiteren Listen. »Uns geht es um ein gerechtes Entlohnungssystem und transparenten Zugang zur Weiterbildung, außerdem um den Abbau psychischer Belastungen«, erklärt der bisherige Betriebsratsvorsitzende Tobias Klaassen. Er will die Belegschaft mit den bereits erreichten Verbesserungen beispielsweise bei den Prämien für Außendienstmitarbeiter und der Vergütung bei Rufbereitschaft überzeugen. Die Neuwahlen mussten vorgezogen werden, weil im Konflikt um die Mitbestimmungsrechte zu viele Mitglieder des Betriebsrats ihre Ämter niedergelegt hatten. Im Juni hatte die Geschäftsleitung den gesamten Betriebsrat kündigen wollen und ihm später seinen Rücktritt nahegelegt. Das von ihr angestrengte Verfahren zur Amtsenthebung wird sich mit der Terminverschiebung voraussichtlich erübrigen.  Sigrid Thomsen

Nürnberg | Beschäftigte kämpfen um Akzo-Nobel-Standort/IG BCE fordert Sozialtarif

26 | kompakt | Januar 2014

Protest vor dem Akzo-Werktor in Nürnberg: IG-BCE-Bezirksleiter Roland Nosko macht den Beschäftigten Mut.

Er und seine Kollegen fordern außerdem einen »Sozialtarif«, um tarifpolitischen Druck auszuüben. »Wir sind immer noch geschockt, aber das lassen wir uns nicht gefallen«, so die langjährige Betriebsrätin Ramona Linzner. Gegen die Schließung des Produktionsstandorts hat sich auch Nürnbergs Stadtspitze in einem offenen Brief an die Konzernleitung gewandt. Bei der Mitarbeiterversammlung war Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) anwesend: »Wer kämpft, kann verlieren, aber wer nicht kämpft, hat schon verloren.« Hoffnung kommt auch aus Stuttgart. Hier wollte Akzo Nobel 2001 ein Werk schließen. »Wir haben gekämpft und sind heute noch da«, erinnert Konzernbetriebsrat Peter Beck. Er kam mit 100 Unterschriften nach Nürnberg, um den Kollegen Mut zu machen. Luitgard Koch

Johnson Controls schweigt grefrath | Bis heute wissen 320 Beschäftigte nicht, warum sie entlassen werden sollen

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er Technologie- und Industriekonzern Johnson Controls schließt im Laufe des nächsten Jahres seinen Standort im nordrhein-westfälischen Grefrath. Über die Gründe für die Schließung schweigt sich das Unternehmen bis heute aus und verärgert damit die 320 von der Schließung betroffenen Beschäftigten. Noch auf einer Betriebsversammlung im vergangenen September hatte der für die deutschen Werke zuständige Personaldirektor versprochen,

ein Konzernvertreter werde umfassend Auskunft über die »tatsächlichen Hintergründe« der Schließung geben. Bis dahin hatte es geheißen, »rein wirtschaftliche Erfordernisse« seien der Grund. Und das, obwohl der Standort schwarze Zahlen schrieb. Der Konzernvertreter erschien nicht – die Beschäftigten fühlen sich genarrt. »Die haben sich über Jahre nach besten Kräften angestrengt, um die Kunden zufriedenzustellen und zusätzlich

noch auf Geld verzichtet. Denen zu suggerieren, es seien nur wirtschaftliche Gründe und es gäbe keine Alternative, war schon eine Sauererei«, sagt die Betriebsratsvorsitzende Ute Wiegmann. IG BCE und Beschäftigte vermuten anderes: das Fehlen einer großen Linie für die Entwicklung des Geschäfts und die Verlagerung von Kapazitäten nach Osteuropa. Manche befürchten sogar das komplette Aus für den Standort Deutschland.  Julia Osterwald


Fotos (2): Carsten Büll

Große Freude bei den Beschäftigten: Stufenweise bekommen sie mehr Geld. 2017 erhalten alle im Schnitt pro Monat 879 Euro mehr.

Mit Mut und Einsatz zu mehr Geld weinheim | IG BCE bringt 227 Beschäftigte bei Star Produktions in Chemie-Tarifvertrag – stufenweise Umsetzung bis 2017

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rfolg für Belegschaft, Betriebsrat und IG BCE: Durch beharrlichen Kampf und langen Atem haben sie erreicht, dass 227 Arbeitnehmer der Star Produktions in Weinheim faire Arbeitsbedingungen und -entgelte nach dem Chemie-Tarif erhalten – stufenweise bis 2017. Lange sah das anders aus: Eine 44-Stunden-Woche, 24 Werktage Urlaub und ein Gehalt, bei dem selbst Leiharbeiter eine Übernahme ablehnen – das sind jahrelang die Arbeitsbedingungen bei dem Betrieb, der für verschiedene Auftraggeber Körperpflegeund Reinigungsprodukte produziert und konfektioniert. Als auch ihn 2009 die Wirtschaftskrise erreicht, setzt der Lohnabfüller noch eins obendrauf: Mangels Aufträgen stoppt die Geschäftsführung die Produktion und schickt die Arbeitnehmer in einen zweiwöchigen Zwangsurlaub. Urlaubsansprüche und Überstunden werden »verrechnet«, es kommt zu »Minus-Stunden«. Ganze 160 sind es bei Mischer Ilir Krasnici.

Als er das erfährt, platzt ihm der Kragen. Er plant, gemeinsam mit vier Arbeitskollegen, einen Betriebsrat zu gründen. 2010 steht das Gremium, danach nimmt Krasnici Kontakt zum IG-BCE-Bezirk Mannheim auf. Er weiß eine Reihe von Beschäftigten an seiner Seite: Weit mehr als 70 Prozent der Belegschaft haben sich organisiert. RegelmäSSig kommt es zu

Betriebsversammlungen. Deren Ziel: ein fairer Tarifvertrag. Geschäftsführer und Perso-

sie rund 200 Teilnehmer – ein beachtlicher Erfolg. Und immer sind neben der IG-BCEOrtsgruppe Weinheim auch Kollegen der vielen anderen Unternehmen dabei, die auf dem Firmengelände des Freudenberg Industrieparks Weinheim ansässig sind. »Das schweißt zusammen und motiviert zusätzlich«, empfindet Krasnici. Frank Heßler, stellvertretender IG-BCE-Bezirksleiter, geht dann einen Schritt weiter: »Wir haben den Hauptauftraggeber des Lohnabfüllers

»Der Tarifvertrag hat den Standort langfristig gesichert. Star investiert sogar in zusätzliche Mitarbeiter.« Ilir Krasnici Betriebsratsvorsitzender Star

nalleiterin versuchen, sich unter anderem mit einer Mitarbeiterversammlung zu wehren. Ein Ping-Pong-Spiel auf Zeit – und Grund genug für IG BCE und Betriebsrat, Protestmaßnahmen zu organisieren. Zu »Schichtwechseldemo« und »Tariffrühstück« zählen

über beabsichtigte Streikmaßnahmen informiert«, sagt er. Urplötzlich kommt Bewegung in die Sache: Der Hauptauftraggeber macht Druck bei Star Produktions. Heßler erhält einen Anruf, er möge seine Forderungen darstellen.

»Man wollte wohl keine Lieferengpässe riskieren und sorgte sich um das Ansehen in der Öffentlichkeit und innerhalb der chemischen Industrie«, mutmaßt er. Dann geht alles ganz schnell: Von Mai bis Oktober vergangenen Jahres laufen die Tarifverhandlungen, am Ende steht ein Überleitungstarifvertrag zum Chemie-Tarifvertrag. Vollends greifen wird er 2017, in der Endstufe erhalten alle Beschäftigten im Schnitt 879 Euro monatlich mehr. Maschinenführerin Maria Kosolapowa kann das zusätzliche Geld gut gebrauchen: »Bei zwei Enkeln tut sich immer eine Lücke auf.« Michael Knierim, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender, schätzt ein zweites positives Resultat: »Nachdem Geschäftsführer und das mittlere Management gewechselt haben, freuen wir uns nun über ein Klima, in dem Absprachen eingehalten werden. Und darüber, dass unsere Ehefrauen uns von Anfang an unterstützt haben.« Axel Stefan Sonntag kompakt | Januar 2014 | 27


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vor ort Baden-Württemberg NA M EN & NA C H RI C H TEN

Hauptvorstand tagt im Ländle Heidelberg | Im Rahmen

Kunststoffprojekt startet Stuttgart | Mehr als 100 Betriebe aus der Kunst­ stoffindustrie existieren in den Bezirken Stuttgart und Karlsruhe. Deren Beschäf­ tigten bessere Arbeitsbe­ dingungen und -entgelte zu verschaffen, sie also für die IG BCE zu gewinnen – das ist Ziel der Projektsekretäre Daniela Lange und Marvin Bücher. Lange war bis 2013 Betriebsratsvorsitzende bei Magna in Markgröningen. Bücher verantwortete zuvor die Stelle des JAV- und Jugendreferenten im Bezirk Stuttgart.

BG-Treffen bei Roche freiburg/penzberg

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Peter Kainz, Betriebsrat der Solvay Acetow, und Bern­ hard Empl (ehemaliger Vorsitzender) ließen die alte Tradition der Berufs­ gruppenarbeit wieder auf­ leben. Als Mitglieder der ehemaligen Bundesberufsgruppe trafen sie sich mit anderen Kollegen zum Gedankenaus­ tausch und zur Betriebsbesichtigung bei Roche Diagnostics im bayrischen Penzberg. In der IG BCE hat inzwischen die Zielgruppenarbeit die einstige Berufsgruppenarbeit abgelöst. Nichtsdestotrotz konnten die bis heute gut vernetzten Laborbeschäftigten als einflussreiche und erfolgreiche Berufsgruppe für ihren Be­ rufsstand viele Verbesserungen erreichen.

28 | kompakt | Januar 2014

»Tarifführerschein« bestanden: Teilnehmer des Seminares.

1x1 der Tarifpolitik karlsruhe | IG BCE schult Vertrauensleute

Durchblick im Tarifdschungel war Ziel des vom Bezirk Karls­ ruhe angebotenen Seminars zum »Tarifführerschein«. Die Weiterbildung für ehrenamtliche, aktive Gewerkschafts­ mitglieder – vorwiegend Ver­ trauensleute – informierte zu Tarifpolitik, insbesondere zu Tarifmarketing. »Wir haben den Kollegen konkrete Ideen mit auf den Weg gegeben, während der Tarifrunden aktiv und erfolg­ reich die Belegschaft zu mobi­ lisieren«, so Gewerkschaftssekretär Karsten Rehbein. Nur so sei es möglich, Druck zur Durchsetzung der Forderun­ gen in die Verhandlungen zu

bringen. »Unsere Vertrauens­ leute sind eines der wichtigs­ ten Gremien innerhalb unse­ rer IG BCE. Kein anderer ist so nah dran am Geschehen. Sie diskutieren tagtäglich mit den Mitgliedern und Beschäftig­ ten im Unternehmen und ver­ treten so unsere Positionen.« Aufgrund der positiven Re­ sonanz plant der Bezirk in Kürze weitere Schulungen.

Anmeldungen Unter: Telefon 0721 93342-0 www.karlsruhe.igbce.de facebook.com/igbcekarlsruhe

150 Euro für Fitness stuttgart | Es war ein deut­

es reichlich: Ergonomie-Bera­ licher Fortschritt für die Tarif- tung, Workshops und Gesund­ beschäftigten der Kunststoffin­ heitskurse, Gesundheitspro­ dustrie Baden-Württembergs: gramme – umgesetzt jeweils der Demografiefonds II, der von externen Beratern oder Bestandteil des Abschlusses Institutionen. Konkrete Um2012 war. 150 Euro je Tarifmit­ setzungsvereinbarungen sol­ arbeiter sind vereinbart. Was len bis Ende Juni stehen. viele nicht wussten: Der betriebliche Fonds ist nicht nur für Lang­ zeitkonten und Alters­ teilzeit verwendbar, sondern auch für Ge­ sundheitsförderung und Gesundheitsprä­ vention am Arbeits­ platz. Ansätze dazu gibt Für die Gesundheit: Demografiefonds II.

Foto: AOK

seiner Hauptvorstands­ tagung besuchte das Füh­ rungsgremium der IGBCE-Hauptverwaltung den Hygienepapierhersteller SCA in Mannheim (Foto). Geschäftsführer Thomas Wüst und Werkleiter Roger Schilling stellten ihr Unternehmen vor. Betriebsratsvorsit­ zender Frank Gottselig beantwortete Fragen zum Stand des Projekts »DGB-Index Gute Arbeit«. Der Betriebsrat hatte die Befragung am Standort initiiert und infolgedessen weitere Verbesserungen bei den Arbeitsbedingungen erreicht. Bei der anschließenden Werktour zeigten sich die Mitglieder des Hauptvorstands überrascht über die Vielzahl an Ar­ beitsschritten, die zur Produktion einer Haushaltsrolle not­ wendig sind.


Neues Netzwerk

Z W I S C H ENRUF

ulm | Bezirk bringt Kunststoffkollegen zusammen

Haupt Pharma verkauft brackenheim | Der Finanzinvestor des Arzneimittel-Herstel­ lers Aenova wird – die kartellrechtliche Ge­ nehmigung vorausge­ setzt – seinen Konkur­ renten Haupt Pharma übernehmen. Davon Betriebsratsmitglieder im Gespräch mit betroffen: Die 76 Be­ Mitarbeitern vor dem Werktor. schäftigten in Bracken­ Seltenheit«, sagt Wendelin heim (Landkreis Heilbronn). ­ Sie verpacken und verblistern Schmidt, stellvertretender Be­ Medikamente und Nahrungs­ zirksleiter in Stuttgart. Ge­ werkschaft und Betriebsrat ergänzungsmittel. Der Zusammenschluss stär­ informierten die Mitarbeiter ke die Wettbewerbsfähigkeit, per Flugblatt. In ihm enthal­ verkündet Haupt Pharma. ten: die Forderung nach ei­ Das begrüßt die IG BCE nem Tarifvertrag. »Er bietet ausdrücklich, jedoch: »Im Schutz und Sicherheit, gerade ­ Rahmen von Fusionen ist die in bewegten Zeiten. Wenn Zusammenlegung von Stand­ dies auch die Mehrheit der orten und damit der Verlust Beschäftigten so sieht, kämp­ von Arbeitsplätzen keine fen wir für den Standort.«

Catharina Clay

Landesbezirksleiterin Baden-Württemberg

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Foto: Hofschlaeger /pixelio.de

Es ist für den Bezirk die zweit­ Tarifsekretär Frieder Weißen­ wichtigste Branche nach born aus der Hauptverwal­ Pharma: die regionale Kunst­ tung. »Wir wollen die Kolle­ stoffindustrie mit den rund gen ähnlich gut vernetzen, 3200 Beschäftigten. »Ein wie es beim Pharmanetzwerk Wachstumsmarkt, der uns der Fall ist«, so Holland-Mo­ viel Potenzial bietet«, so ritz. »Ziel ist, dass sich die Be­ Bezirksleiter Rainer Holland- triebsräte untereinander über Moritz. Grund genug, ein Dinge wie Betriebsvereinba­ modelle Kunststoffnetzwerk zu grün­ rungen und Schicht­ den. Beim ersten Treffen mit austauschen und so praxiser­ dabei: Günter Schliesser, stell­ probte Konzepte voneinander vertretender Betriebsratsvorsit­ übernehmen.« zender bei Etimex PP. »Zur wirtschaftlichen Situation der Branche inklusive Ta­ rifentwicklung gab es Informationen aus ers­ ter Hand«, verweist er auf die Referate von In­ dustriegruppensekre­ tär Uwe Schellerer und Netzwerkzweck: Voneinander profitieren.

ein spannendes Jahr 2013 ist zu Ende gegangen. Als IG BCE haben wir vor und nach den Bundestagswahlen deutlich ge­ macht, was wir von einer Politik erwarten, die sich Akzep­ tanz bei den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern unse­ rer Branchen erhofft. Den Arbeitsmarkt endlich in Ordnung zu bringen, Leiharbeit und Werkverträge durch mehr Mitbe­ stimmungsrechte für Betriebsräte zu regulieren – das ist und bleibt eine zentrale Forderung. Dafür haben wir auch auf dem Kongress mit großer Ge­ schlossenheit Gesicht gezeigt. Wir haben unseren Vorstand durch die guten Wahlergebnisse mit einem starken Mandat ausgestattet, unsere Interessen gegenüber Politik und Wirt­ schaft zu vertreten. Das wünschen wir uns auch für die kommenden Betriebs­ ratswahlen. Kolleginnen und Kollegen, die sich als Betriebs­ räte zur Wahl stellen, sind bereit, eine hohe Verantwortung zu übernehmen – im Interesse der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Das können sie umso besser, je stärker ihre Stimme durch ein gutes Wahlergebnis ist.

»Stärkt eure Betriebsräte mit einer hohen Wahlbeteiligung.« Davor liegt die Tarifrunde für unsere Leitbranche, die chemische Industrie. Die Tarifverhandlungen werden nicht leicht, die Arbeitgeber reden wie immer eine gute Situation herunter. Es wisse ja keiner, wie lange diese anhalte – so der Tenor. Darauf lassen wir uns nicht ein. Wir haben gute Er­ gebnisse erarbeitet und verlangen unseren fairen Anteil. Tarifverträge sind keine Geschenke. Sie sind das Ergebnis des starken Zusammenhalts und der gemeinsamen Ziele un­ serer Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben – sie sind Beweis einer erfolgreichen IG BCE. Das ist das beste Argu­ ment, für Stimmen und Mitglieder zu werben! Mit starken Stimmen, hoher Beteiligung und breiter Unter­ stützung schaffen wir ein gutes Ergebnis für die chemische Industrie in der Tarifrunde und bei den Wahlen. Ich wünsche uns allen ein gesundes, starkes und erfolg­ reiches Jahr 2014.

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vor ort Bayern N A M EN & N A CHRICHTEN

Branche unter Druck

In Sachen Kunststoff

Regensburg | Fachtagung für die Automobilzulieferer

München | Die IG BCE in Bayern hat perso-

Die Automobilhersteller verzeichnen Rekordumsätze. Doch stehen deren Zulieferer unter Druck: Technische Umbrüche, beschleunigte Konzentrationsprozesse und die Verschiebung der Podiumsdiskussion mit Experten. globalen Märkte stellen sie vor enorme Herausfor- viele mittelständische Zuliefederungen. »Das Zusammen- rer nicht einfach ist. spiel von Herstellern und »Anfangs war ich gegen die Zulieferern macht uns Sor- Globalisierung«, bekannte gen«, so Seppel Kraus, IG-BCE- Norbert Lechermann bei der Landesbezirksleiter auf der In- anschließenden Podiumsdisdustriepolitischen Fachtagung. kussion. Doch inzwischen Nicht zuletzt deshalb forderte hat der Betriebsratsvorsitzener eine »Innovationsprämie« de und bei SMP engagierte für Zulieferer, um Forschung Gewerkschafter seine Vorbezu finanzieren und dadurch halte aufgegeben. Nach deren Arbeitsplätze zu sichern. Übernahme durch die indi»Die großen Zulieferer wer- sche Motherson Gruppe ist er den um eine Internationalisie- von den Chancen überzeugt. rung nicht herumkommen«, Im Falle Audi vertraut er auf ist sich Professor Josef Nassau- die bewährte Zusammenarbeit er, Sprecher des Clusters »Au- mit dem Audi-Betriebsrat in tomotive Bayern« sicher. Denn Ingolstadt: »Ich hoffe, dass es mehr und mehr verlagern Au- eine Erfolgsgeschichte für tohersteller ihre Produktions- alle Beteiligten wird.« Helstätten ins Ausland. Jüngstes muth Späth: »Verlässlichkeit Beispiel im Freistaat: ab 2016 unserer Zulieferer ist wichtig. produziert Audi den Gelände- Wir sollten nicht nur auf den wagen Q 5 im neuen Werk in schnellen Euro setzen.« Mexiko. Als Zulieferer global aufgestellt zu sein, wird des Weitere Infos im Internet: halb wichtiger. Was jedoch für www.bayern.de

nelle Verstärkung bekommen, um neue Kunststoffbetriebe für die IG BCE zu gewinnen und dort die Wahl von Betriebsräten zu unterstützen. Iris Schopper (26, Foto rechts), gebürtige Oberpfälzerin und gelernte Industriekauffrau, sowie Udo Weißwange (31, Foto unten), gelernter Mechatroniker, werden sich in den nächsten zwei Jahren besonders um Kunststoffbetriebe in den Bezirken Augsburg, München und Kelheim-Zwiesel kümmern. Beide bringen Berufserfahrung in der Kunststoffindustrie sowie in der IG BCE als JAVund Jugendreferenten mit. Auch die Bezirke Mainfranken und Nordostbayern bekommen Unterstützung: Hier helfen die Kunststoffsekretäre Daniel Heisch und Henry Kusche, die ihr Büro in Marktredwitz haben, aber organisatorisch dem angrenzenden Landesbezirk Hessen-Thüringen angegliedert sind. Das Kunststoffprojekt wird in einer nächsten kompakt-Ausgaben näher vorgestellt. Wer Beschäftigte in Kunststoffbetrieben ohne Betriebsrat kennt, wo gewerkschaftliche Unterstützung gefragt ist, kann jetzt schon gerne eine Nachricht an die E-Mail-Adresse: kunststoff@igbce.de senden.

Nikolauswunsch: Ein Tariferfolg Gersthofen/Schweinfurt | Schon vor der ersten ChemieTarifverhandlung waren Gewerkschafter unterwegs, um für deren Forderung zu werben. So begrüßten am 6. Dezember 20 Vertrauensleute und Betriebsräte am Industriepark Gersthofen (Foto) ihre 1300 Kollegen mit einer Nikolausüberraschung. Neben Schoko-Nikoläusen und Mandarinen gab es das Tarifflugblatt mit der Forderung. Bei Fresenius Medical Care in Schweinfurt überbrachte der »IG-BCE-Krampus« erste Weihnachtsgrüße zur laufenden Tarifrunde und nutzte seinen Auftritt, um dem Arbeitgeber zu signalisieren, dass die Beschäftigten viel zum Erfolg des Unternehmens beigetragen haben: »Noch bleibt die Rute im Sack, aber wenn nichts geht, kann unser Krampus auch anders!«, hieß es.

Werberhitparade 40 Mitglieder: Markus Schmidbauer (RKT Kunststofftechnik, Roding); 11 Mitglieder: Claudia Conger (Scherer und Trier, Michelau); 5 Mitglieder: Reiner Ludwig (Gerresheimer, Lohr).

28 | kompakt | Januar 2014

die automobilzulieferindustrie in bayern Allein im Bezirk Kelheim-Zwiesel sind rund 40 Prozent der Betriebe abhängig von der Autoindustrie. Darunter SMP (ehemals Peguform) in Neustadt mit 2000 Arbeitsplätzen, das seit zwei Jahren zur indischen Samvardhana Motherson Group gehört. Diese plant für 2014 ein weiteres Werk in Schierling mit 500 Arbeitsplätzen. In Franken produziert die Oechsler AG mit rund 1100 Mitarbeitern hochwertige Kunststoffteile unter anderem für Bentley, Audi und Fiat. Bei Magna in der Oberpfalz arbeiten 165 Beschäftigte speziell für BMW. Cordenka beliefert mit seinen 750 Mitarbeitern hauptsächlich die Reifenindustrie.


Schwer für mehr

ZWISCHENRUF

München | Schwierige Chemie-Tarifrunde erwartet

Mit einer Forderung von 5,5 Prozent, Sicherung der Ausbildung und Verbesserungen bei der Übernahme von Ausgelernten eröffnete die IG BCE die großen Tarifrunden im Jahr 2014. Am 11. Dezember fand die erste regionale Tarifverhandlung für die Beschäftigten in der bayerischen chemischen Industrie statt. Landesbezirksleiter Seppel Kraus: »Für die chemische Industrie in Bayern ist das Jahr 2013 gut gelaufen. Die Wirtschaftsexperten sagen, 2014 bringt einen konjunkturellen Aufschwung. Daran wollen wir beteiligt werden. Zusätzlich ist uns wichtig, dass die Betriebe ihre eigene Zukunft durch die Übernahme von Auszubildenden sichern. Dieses würden wir gerne festschreiben.«

seppel kraus

Landesbezirksleiter Bayern

Die Arbeitgeber bezeichneten die Forderung »als nicht vereinbar mit der wirtschaftlichen Realität«. Aufgrund ständig steigender Kosten müsse die Tarifrunde einen Beitrag zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit leisten. Und eine Übernahmeverpflichtung würde zu weniger Ausbildung führen. Am 15. Januar wird in Darmstadt für alle deutschen Tarifbezirke weiterverhandelt.

Weitere Infos im Internet: www.tarifrunde.igbce.de facebook/IGBCE.Bayern

Meinungen zur Tarifrunde: »Wir sind bereits jetzt mitten in der Tarifrunde und jeder, der mehr Geld möchte, ist aufgefordert, die Verhandlungen zu unterstützen!« Stephan Schauer Roche Diagnostics Penzberg

»Eine ordentliche Tariferhöhung ist nicht nur gerecht, sondern der gerechte Lohn für unsere gute Arbeit!«

Tanja Stieglitz PCI Augsburg GmbH

»Zwei Drittel der Auslernenden erhalten keine unbefristete Übernahme. Damit ist eine Lebensplanung erschwert. Das wollen wir ändern!« Christian Berndt Landesbezirksjugendausschuss

Ein Jahr mit vielen Entscheidungen Nach den Wahlen in Bund und Land und in der IG BCE stehen mit den Europa- und Betriebsratswahlen auch 2014 wichtige Urnengänge an. Deren Bedeutung wird in der Öffentlichkeit oft unterschätzt. Doch wir sollten uns bewusst machen, dass ein Großteil der Gesetze in Deutschland mittlerweile durch Europa beeinflusst oder bestimmt wird. Und bei den Betriebsratswahlen gilt, dass ein gutes Betriebsratsgremium erheblichen Einfluss auf den Lebensweg eines Menschen nehmen kann. Beschäftigten in den Betrieben, ihren Betriebsräten und der IG BCE bringt das Jahr 2014 also etliche Herausforderungen. Das neue Jahr bringt aber auch viele Chancen. Es sieht so aus, als sei die Rezession in Europa überwunden. Davon kann Deutschland als exportstarke Nation profitieren. Ein wirtschaftlicher Aufschwung kann uns, mit Unterstützung aus den Betrieben, Rückenwind bei den bevorstehenden Tarifrunden geben.

»Es ist auch 2014 wichtig, wählen zu gehen.« Nach dem politischen Stillstand durch lange Wahlkämpfe haben wir die Hoffnung, dass sich die Politik wieder der Lösung von Problemen zuwendet. In Bayern gab es nicht die geringste Entwicklung bei der Energiewende. Eine neue Wirtschafts- und Energieministerin bietet neue Chancen. Wir müssen darauf achten, dass Bayern mit immer noch einem Anteil von 50 Prozent Atomstrom an der Energieerzeugung nicht zum Verlierer der Energiewende wird. Die IG-BCE-Kandidaten bei den Betriebsratswahlen sind gut gerüstet. Wir haben uns den Herausforderungen des demografischen Wandels gestellt und erste Instrumente entwickelt. Auch dabei bietet uns die Politik, etwa mit der Möglichkeit, bei 45 Versicherungsjahren zwei Jahre früher abschlagsfrei in Rente zu gehen, neue Chancen. Aber eine der großen Herausforderungen, für die wir bessere Instrumente für die Betriebe entwickeln müssen, sind der zunehmende Stress, steigende Belastungen in der Arbeit, zunehmende Arbeitsverdichtung. Dafür brauchen wir starke Betriebsräte, die die Unterstützung ihrer Belegschaften haben. Deshalb ist es auch 2014 wichtig, wählen zu gehen.

kompakt | Januar 2014 | 29


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vor ort Hessen-Thüringen NAMEN & NACHR I CHTEN

Nachhaltigkeit und Fortschritt Schenklengsfeld

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Das traditionelle Neujahrstreffen des IG-BCEBezirks Kassel findet in diesem Jahr am 25. Januar um 10 Uhr in der Großsporthalle in Schenklengsfeld statt. Es steht unter dem Motto »Nachhaltigkeit – Fortschritt«. Als Gastredner erwarten wir unseren Vorsitzenden Michael Vassiliadis. Alle Mitglieder und Interessierten sind herzlich eingeladen.

Arbeitsplätze gesichert darmStadt | Zum 1. Juli 2013 wurde das Darmstädter Tra-

ditionsunternehmen Steigerwald Arzneimittelwerk GmbH von Bayer übernommen. »Für die rund 190 Mitarbeiter, die in Darmstadt und bundesweit im Außendienst beschäftigt sind, war es ein kleiner Kulturschock, von einem kleinen Familienunternehmen in einen Weltkonzern zu kommen«, so die Betriebsratsvorsitzende Regina Holzgrebe. Für die Arbeitnehmervertreter standen daher die Sicherung aller Arbeitsplätze und die Festschreibung einer ordentlichen Tarifbindung auf der Tagesordnung. Die Verhandlungen verliefen erfolgreich, es gibt eine Arbeitsplatzgarantie und das Unternehmen teilte auf einer Betriebsversammlung mit, dass es ab 1. Januar 2014 in die Flächentarifbindung Chemie zurückkehrt. Manuel Hänig, Gewerkschaftssekretär der IG BCE Darmstadt, freut sich mit der Belegschaft: »Mit diesen beiden Punkten sind unsere wichtigsten Anliegen umgesetzt. Sichere Arbeitsplätze und eine ordentliche Tarifbindung sind Voraussetzung, um die Veränderungen positiv gestalten zu können und Kernelemente der Sozialpartnerschaft.«

Zukunftskonferenz WEIMAR | Am 23. November trafen sich rund 100 ehrenamtliche Vertrauensleute, Ortsgruppenvorstände und Mitglieder des Bezirksvorstandes zur Zukunftskonferenz der IG BCE Thüringen im Hotel Park Inn in Weimar-Legefeld. Bezirksleiter Andreas Schmidt wertete den Gewerkschaftskongress aus und setzte die Schwerpunkte für die zukünftigen notwendigen Aktivitäten unserer Funktionäre in der Zielgruppen-, Vertrauensleute- und Ortsgruppenarbeit. Hans-Dieter Brand von der IG-BCE-Hauptverwaltung sprach zu den bevorstehenden Betriebsratswahlen. Er regte eine rechtzeitige Vorbereitung und sorgfältige Auswahl der Kandidaten an. Ganz entscheidend für den Wahlerfolg sei die Unterstützung durch die Vertrauensleute. Zum Abschluss der Veranstaltung wurden von den 16 Neuaufnahmen, die die Teilnehmer zur Konferenz mitbrachten, sechs Werberinnen und Werber ausgelost und mit Preisen geehrt.

28 | kompakt | Januar 2014

Junge Gewerkschafter aus Hessen und Thüringen vor dem Gebäude der Europäischen Kommission.

Geht mich Europa an? brüssel | Bildungsurlaub der Jugend

Vom 11. bis 15. November führte der Landesbezirk Hessen-Thüringen erstmals einen Bildungsurlaub unter dem Motto »Europa – was geht mich das an?« in Brüssel durch. 22 Jugendliche aus allen fünf Bezirken versammelten sich im frühen Morgengrauen am Frankfurter Hauptbahnhof, um gemeinsam nach Brüssel zu fahren. »Das frühe Aufstehen hat sich gelohnt, es war eine gelungene Woche mit interessanten Gesprächen und Einblicken in die Arbeitsweise der EU und Brüssel«, so Jugendsekretärin Anne Weinschenk. »Unser jungen Mitglieder haben gezeigt, dass die Jugend

keineswegs politikverdrossen ist, sondern weiß, wie sie ihre Fragen und Themen gekonnt platziert.« Die Gruppe besuchte unter anderem das Europäische Parlament, die Europäische Kommission und die hessische Landesvertretung. Der EU-Abgeordnete Udo Bullmann gab den Teilnehmern einen Einblick in die Arbeitsweise des Europäischen Parlaments. Am Ende der Woche stand die Erkenntnis, dass die EU sehr wohl jeden etwas angeht, weil ihr Einfluss auf die EUBürger höher ist, als mancher denkt. Deshalb ist es wichtig, sich zu informieren und sich eine Meinung zu bilden.

Gleichstellung umsetzen Frankfurt | Frauenausschuss untersucht Ist-Situation

Am 14. November stand die »Charta der Gleichstellung« auf der Tagesordnung des Landesfrauenausschusses. Die Charta wurde vom 4. Frauentag der IG BCE verabschiedet und sieht die Gleichstellung von Frauen und Männern als Grundrecht und Voraussetzung für Gerechtigkeit, Fairness und Toleranz in unserer Gesellschaft vor. Zur Ist-Situation soll in den nächsten

Monaten eine Erhebung im gesamten Bereich des Landesbezirks stattfinden, so Landesbezirkssekretärin Astrid Rasner: »Unser Ziel ist es, den tatsächlichen Stand der Gleichstellung in unserer Region zu ermitteln. Dazu vergleichen wir Entgelte, sichten Betriebsvereinbarungen und sammeln betriebliche und lokale gewerkschaftliche Projekte zur Gleichstellung.«


In Sachen »Gute Arbeit«

NAMEN & NACHR I CHTEN

frankfurt | Neuer Fachsekretär bietet Hilfe

Vor den Betriebsratswahlen

Michael Reinhart arbeitet seit Dezember als Fachsekretär für Gute Arbeit und Demografie im Landesbezirk Hessen-Thüringen. Der 34-jährige Aschaffenburger ist Betriebswirt und Soziologe, er half beim Aufbau des Gesundheitsmanagements der Lufthansa Technik AG und arbeitete zuletzt bei der Bundesagentur für Arbeit – dort war er auch im Personalrat tätig. Für die IG BCE wird er unsere Kampagne »Gute Arbeit« fortführen. Seine Aufgabe ist es vor allem, Fachwissen zu Guter Arbeit und Demografie regional verfügbar und nutzbar zu machen. »Ich möchte die Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben dabei unterstützen,

frankfurt | Die Betriebsratswahlen 2014 stehen vor der

Michael Reinhart ist Experte für Demografie und Gute Arbeit.

Themen wie Arbeitszeitgestaltung und Gesundheitsmanagement beteiligungsorientiert zu bearbeiten.« Außerdem unterstützt und berät Reinhart bei der Umsetzung der Demografie-Tarifverträge. Dazu gehört vor allem die altersgerechte Arbeits- und Schichtplangestaltung.

Engagement belohnt Frankfurt | Ostsee-Tour für Gewinner der Azubi-Werbeaktion

Eine Woche Aufenthalt im Jugenddorf Hans Böckler in Grömitz war der Preis für die Gewinner der Azubi-Werbeaktion im Bezirk Thüringen. Neben fünf BJA-Mitgliedern aus den Betrieben Schott, Schachtbau Nordhausen und Chemiewerk Bad Köstritz nahmen Azubis von Heinz Glas Piesau sowie der GSES und der GVV Sondershausen teil. Auf dem Programm standen unter anderem eine Hochseeangeltour, ein Besuch in der

Ostseetherme und eine Strandolympiade. Jeden Abend fand eine Presseschau statt, bei der über die politischen Geschehnisse des Tages berichtet und die Themen im Anschluss diskutiert wurden. Highlight der Woche war der Besuch des Bezirksleiters Andreas Schmidt im Jugenddorf. Die Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, ihren Bezirksleiter zu brisanten und interessanten Jugendthemen zu befragen.

Tür. Eine Chance, die betriebliche Mitbestimmung aktiv mitzugestalten. Osman Ulusoy, stellvertretender Landesbezirksleiter, bringt es auf den Punkt: »Mit einem Betriebsrat haben alle Beschäftigten im Unternehmen mehr Rechte und werden besser in betriebliche Entscheidungsprozesse einbezogen. Durch einen IG-BCE-Betriebsrat haben die Beschäftigten eine größere Unterstützung durch eine starke Gewerkschaft – und einfach mehr Sicherheit.« Dazu brauchen wir auch aktive, engagierte Kandidatinnen und Kandidaten. Deshalb die Bitte eurer Gewerkschaft: Stellt euch als Kandidatinnen und Kandidaten zur Verfügung. Interesse? Dann sprecht euren betrieblichen Vertrauenskörper an. Bei euch gibt es noch gar keinen Betriebsrat? Dann ändern wir das – meldet euch bei eurem Bezirk, wir unterstützen euch in allen Phasen der Betriebsratsgründung.

Huckepack-Seminar fulda | Ende November

fand in Fulda das erste sogenannte »HuckepackSeminar« statt – eine gemeinsame Fachtagung für Jugend- und Auszubildendenvertreter mit ihren Betriebsräten. Ziel ist es, eine enge Zusammenarbeit der Jugend- und Erwachsenengremien vor Ort zu entwickeln. Astrid Rasner, zuständige Landesbezirkssekretärin für Erwachsenenbildung, erläuterte anhand des »magischen Dreiecks« die Zusammenarbeit zwischen Betriebsrat, JAV und IG BCE: »Sie ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Interessenvertretung aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer«, so Rasner.

AKT I V DABE I I N DER I G BCE Beate Bockelt Beate Bockelt ist Mitglied im Landesbezirksvorstand der IG BCE HessenThüringen und Gesamtbetriebsratsvorsitzende bei Sanofi Aventis. Sie trat 1982 als Auszubildende in die IG BCE ein, weil »ich relativ schnell gemerkt habe, dass man als Arbeitnehmer allein nicht viel für seine Interessen erreichen kann und weil die Gewerkschaft für mich die einzige sinnvolle Gegenmacht zu den Arbeitgebern war und ist«. Heute engagiert sie sich im Unternehmen und in ihrer Gewerkschaft vor allem zu den Themen Arbeitsverdichtung und Chancengleichheit.

kompakt | Januar 2014 | 29


vor ort Nord

Damenwahl im Betrieb

NAMEN & NA C HR I C H T EN

Ein Fachmann für Demografie

walsrode | Vorbereitung für Betriebsratskandidatinnen

hamburg | Der Landesbezirk Nord hat jetzt einen Fachsekretär für gute Arbeit und Demografie: Friedrich Hartmann, 43, berät von Januar an Betriebsräte beim Gesundheitsmanagement, zu den Themen Langzeitkonten oder Teilrenten. Erfahrungen hat der gelernte Werkzeugmacher und diplomierte Kaufmann in der Autozuliefererbranche gesammelt. »Ich will mit Betriebsräten vor Ort gemeinsam nach Lösungen suchen«, kündigt der ehemalige Betriebsratsvorsitzende an.

»Wir müssen das Tanzstundensyndrom ablegen«, diesen Satz möchte die Frau, die in der Hierarchie der IG BCE am weitesten aufgestiegen ist, nicht mehr oft Information gehört zur Vorbereitung ebenso . . . sagen: Wartet nicht, dass ihr aufgefordert kennt die eigene Macht. Innewerdet, sondern mischt euch re wie äußere Hindernisse, das selbst ein, lautet die Botschaft Amt zu übernehmen, wurden der beim Gewerkschaftskon- offen diskutiert. »Auch ich gress frisch gewählten stellver- brauchte einen Schubs vor 15 tretenden Vorsitzenden Edel- Jahren, um meine Selbstzweitraud Glänzer an potenzielle fel zu zerstreuen«, bekannte Kandidatinnen für die Be- Renate Hold, Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats bei Aurutriebsratswahlen 2014. Die Frage »Betriebsrätin – ist bis in Hamburg und Mitglied das was für mich?« hatten sich im ehrenamtlichen Hauptvoretwa 50 Kolleginnen im No- stand der IG BCE. Inzwischen vember in Walsrode auf Einla- genießt sie die Wertschätzung. dung des Landesbezirks ge- Dass es Spaß und Sinn macht stellt. Für sie selbst sei die sich einzusetzen, und dass in Arbeit im Betriebsrat »auch der Gewerkschaft keine allein eine persönliche Bereiche- ist, gehörte zu den wichtigsrung« gewesen, berichtete ten Schlussfolgerungen von Glänzer und zählte Ziele künf- dieser Tagung. Der Landesbezirk will die tiger Einmischung auf: Zeit für die Pflege von Angehörigen, Frauen auch weiterhin unterein Rückkehrrecht bei Teilzeit- stützen: »Wer Frauenfördearbeit, ein neuer Aufbruch im rung wirklich will, muss Frauen bevorzugen«, erklärte Kampf gegen Armut. Die Arbeitsfelder und recht- Landesbezirksleiter Ralf Belichen Grundlagen von Be- cker. triebsratsarbeit, aber auch Rollen und Strategien im Umgang mit Unsicherheit kamen in Arbeitsgruppen zur Sprache. Erfahrene Betriebsrätinnen und Referentinnen gaben den künftigen Kandidatinnen ihre Lehren mit auf den Weg: Lasst euch nicht mit den weniger wichtigen Ausschüssen abspeisen oder vor den Karren anderer spannen, aber macht euch auch nicht selbst klein, überwindet das Herzklopfen vorm öffentlichen Reden, er- . . . wie der Spaß an der Sache.

hamburg | Gut 70 Jahre Frieden zwischen 28 europäischen Nationen – das werde von anderen bewundert, doch es sei auch gefährdet, mahnte Knut Fleckenstein vor mehr als 600 Seniorinnen und Senioren in Hamburg. Neoliberalismus und Nationalismus bedrohten in vielen Mitgliedstaaten der Europäischen Union die Arbeitnehmerschaft, sagte der Hamburger Europa-Abgeordnete bei der Weihnachtsfeier des Bezirks am 2. Dezember im Bürgerhaus Wilhelmsburg. Der Abbau von Sozialstandards müsse mit der EUWahl im Mai 2014 gestoppt werden. Die Gruppe »For Your Soul« unterhielt die Zuhörenden mit Gospels.

Pläne für Reden und Reisen goslar | Mit der Euro-

pawahl und der Energiewende will sich die Ortsgruppe Goslar 2014 befassen: Das kündigte der Vorsitzende Kai Rückbrodt 150 Gästen beim traditionellen »Kaffeeklatsch zum Jahresende« an. Beim Grünkohlessen am 15. Februar wird der IG-BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis sprechen. Bildungsreisen plant die Gruppe nach London, Stralsund und Naumburg.

Neujahrsempfang in Hamburg hannover | Zum 29. Neujahrsempfang lädt der IG-BCELandesbezirk Nord am 18. Januar um 10 Uhr nach Hamburg ein. Der IG-BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis spricht dort zum Thema »Weiter denken«; für Musik sorgt die Gruppe »En Vivo«.

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Foto: Cordula Kropke

Eine Gefahr für Arbeitnehmer

Fotos (2): Sigrid Thomsen

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Wind aus dem Norden

Zwischenruf

Der Ausbau der Windenergie an Land und in der Nordund Ostsee soll ein zentraler Baustein der Energiewende bleiben. Darauf haben sich die für Energiepolitik zuständigen norddeutschen Minister mit Vertretern von DGB, IG BCE, IG Metall und ver.di am 20. November in Hamburg verständigt. In ihrem »Wilhelmsburger Appell zur Energiewende« fordern sie die neue Bundesregierung zu einer grundlegenden Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes auf. Für energieintensive Betriebe müsse es Ausgleichsregelun-

gen geben, fossile Kraftwerke würden auch künftig benötigt. Eingeladen zur Konferenz hatte Hamburgs Umweltsenatorin Jutta Blankau. Uwe Polkaehn, Vorsitzender des DGB Nord: »Wir sind der festen Überzeugung, dass durch die Energiewende, vor allem durch die Nutzung der Windenergie, zahlreiche neue Arbeitsplätze geschaffen werden können. Diese müssen dem Leitbild der ›Guten Arbeit‹ entsprechen. Der Norden würde davon in besonderer Weise profitieren. Diese Chance darf jetzt nicht vertan werden.«

Foto: Michael Cintula

hamburg | Appell zur Energiepolitik der Bundesregierung

ralf Becker

Landesbezirksleiter Nord

Wo unser Ursprung ist Wir blicken auf ein starkes Jahr zurück. Als es begann, waren wir mitten im Streik. Trotz aller Widrigkeiten haben wir es geschafft, für die Menschen bei Neupack eine neue Zeitrechnung durchzusetzen – weg von der bekannten Willkür, hin zu einem geregelten System, das transparent für alle und nicht mehr diskriminierend ist. Auch wenn es am Ende ein Kompromiss war: Die Verhältnisse im Betrieb sind neu, vor allem gerechter als vor dem Streik. Wir haben in dieser Situation gezeigt und bewiesen, wofür Gewerkschaften da sind, wo unser Ursprung ist. Wie vor einem Jahr schon sage ich: Hochachtung vor den Menschen, die diesen Kampf mit uns organisiert und durchgefochten haben! Ihr seid es, denen ihr Recht nicht gleichgültig war. Damit habt ihr ein Zeichen in dieser Gesellschaft gesetzt! Mein Dank gilt auch allen, die uns in diesem Kampf unterstützt haben. Eure Hilfe war vielseitig und wertvoll!

»Mit einem Gesellschaftsvertrag lässt sich Politik leichter gestalten.«

Tarifrunde 2014: Einigung vertagt hannover | Vorläufig ergebnislos endeten am 9. Dezember die ersten Tarifverhandlungen für die chemische Industrie im Norden. In den Gesprächen zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern wurde deutlich: Es besteht noch Gesprächsbedarf. Ihre Positionen konnten beide Seiten aber deutlich machen: IG-BCE-Landesbezirksleiter Ralf Becker bekräftigte die Legitimität der Forderungen der Arbeitnehmer: »Den Betrieben geht es gut«, sagte er. »Die Beschäftigten haben diesen Erfolg mitgestaltet. Jetzt müssen sie auch daran teilha-

ben.« Mit Plakaten und einer eigenen Aktion unter dem Motto »Schwer ist mehr« unterstützte ihn die IG-BCE-Jugend aus dem Norden. Arbeitgebervertreter Dr. Axel Tegge erklärte: »Eine Erhöhung der Entgelte um 5,5 Prozent ist wirtschaftlich nicht gerechtfertigt.« Die Tarifrunde 2014 müsse vielmehr einen Beitrag zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit leisten. Die Verhandlungen werden bundesweit am 15. Januar fortgesetzt.

Weitere Infos im Internet: www.tarifrunde.igbce.de

Im Oktober haben wir ein weiteres deutliches Signal gesetzt. Der Gewerkschaftskongress unserer IG BCE war ein Zeichen der Geschlossenheit und Stärke! Die Bezirks- und Landeskonferenzen haben dafür den Weg geebnet. Stark sind wir sowohl inhaltlich als auch personell durch die fantastischen Wahlergebnisse. Diese Geschlossenheit wird uns helfen bei der Annahme der vor uns liegenden Herausforderungen: in der Tarifrunde Chemie, bei der Energiepolitik und den Zielen der großen Koalition. Wir brauchen einen neuen Gesellschaftsvertrag! Wir müssen uns über gesellschaftliche Ziele einigen. Damit ließe sich Politik leichter und vor allem mit mehr Akzeptanz gestalten. Politiker müssten nicht mehr den lautesten Strömungen folgen, sondern könnten die gemeinschaftlichen Ziele der Gesellschaft verfolgen. In den Betrieben geht es nun darum, die Betriebsratswahlen zu meistern. Eine hohe Wahlbeteiligung und eine gestärkte IG BCE – das sind unsere Ziele. So werden unsere Mitglieder am besten vertreten. Darum lasst uns mit den Betriebsratswahlen ein weiteres Signal senden!

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vor ort Nordost NAMEN & NACHRICHTEN

Termine – kurz notiert darmStadt | 15. Januar: Erste bundesweite Tarifverhand-

lung Chemie. leipzig | 16. Januar: Neujahrsempfang des Bezirks Leipzig

mit Peter Hausmann, Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstands der IG BCE.

Abschied und Neuanfang cottbus | Ralf Hermwapelhorst, seit 1998

Bezirksleiter in Cottbus, verabschiedet sich aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand. Der gelernte Bergmechaniker und gebürtige Westfale hat sich mit vielen, oft einfallsreichen Aktionen einen Namen in der Region gemacht. Der Landesbezirk und die Bezirke danken Ralf für seine erfolgreiche Arbeit und wünschen ihm für die Zukunft alles Gute und ein herzliches »Glückauf!«. Berlin | Seit Dezember arbeitet Dr. Paula Aleksandrowicz als Fachsekretärin für »Gute Arbeit & Demografie« im Landesbezirk. Die Soziologin wird in den kommenden zwei Jahren gemeinsam mit den Betriebsräten Lösungen zu Fragen wie gesunder Arbeit bis zur Rente oder der Umsetzung der Demografie-Tarifverträge erarbeiten.

Intensiver Auftakt weinböhla/Leuna | Betriebsratswahlen nehmen Fahrt auf

150 Betriebsrätinnen und Betriebsräte läuteten gemeinsam mit der IG BCE DresdenChemnitz Anfang Dezember in Weinböhla die heiße Phase der Betriebsratswahlen 2014 ein (Foto oben). Prominenter Gast war Wolfgang Däubler, Professor für deutsches und europäisches Arbeitsrecht, bürgerliches Recht und Wirtschaftsrecht. Er zeichnete unter anderem den Arbeitsalltag von Betriebsräten mit all seinen Facetten nach. Den Schwerpunkt Öffentlichkeitsarbeit wählte der Be-

zirk Halle-Magdeburg für seine Auftaktveranstaltung im Kulturhaus Leuna. »Es geht auch darum, den Bekanntheitsgrad der Arbeit zu erhöhen, die der Betriebsrat leistet«, so Bezirksleiter Erhard Koppitz. Als Experte war Kommunikationsberater Wolfgang Nafroth eingeladen. Seine Devise: Öffentlichkeitsarbeit ist mit den einfachsten Mitteln zu gestalten. Ideen dazu entwickelten die rund 55 Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch im Rahmen eines WorldCafé-Workshops (Foto unten).

Austausch im Betriebsräteforum dresden | Sich regelmäßig mit anderen

austauschen zu können, voneinander zu lernen und sich gegenseitig Hilfe zu geben – diese Wünsche gaben den Ausschlag für die Gründung eines Betriebsräteforums. Es besteht nun bereits im fünften Jahr – auch deshalb, weil die Initiatorin Bettina Davids (Foto), Betriebsratsvorsitzende bei Hermes Schleifkörper, beharrlich am Ball blieb. Viermal im Jahr lädt sie zu den Abenden in die Räume der IG BCE in Dresden ein, rund 15 Betriebsrätinnen und Betriebsräte verschiedener Branchen nehmen regelmäßig daran teil. Als Experte ist meist auch ein IG-BCE-Sekretär dabei. Bettina Davids: »Ich bin jedes Mal wieder überrascht, wie lebhaft und intensiv die Abende verlaufen, selbst wenn wir zuvor kein Thema festgelegt haben.« Entwürfe für Betriebsvereinbarungen werden untereinander ausgetauscht, Arbeitszeitfragen oder Regelungen für den Einsatz von Leiharbeitern und vieles mehr beraten. Das nächste Betriebsräteforum findet am 20. Januar statt. Für Fragen zum Betriebsräteforum: b.davids@hermes-schleifkoerper.de

28 | kompakt | Januar 2014

Gleichstellung umsetzen Cottbus | enviaM-Vorstand unterschreibt Charta

Alle drei Vorstandsmitglieder der envia Mitteldeutsche Energie AG haben die Charta der Gleichstellung der IG BCE unterschrieben. Vorstandsvorsitzender Carl-Ernst Giesting, Vertriebsvorstand Dr. Andreas Auerbach und Personaldirektor Ralf Hiltenkamp verpflichten sich damit, ihre Möglichkeiten

zur Schaffung von mehr Gleichstellung von Frauen und Männern in ihrem Verantwortungsbereich voll auszuschöpfen. Die stellvertretende Konzernbetriebsratsvorsitzende der enviaM-Gruppe Sieglinde Hinzer: »Für uns ist wichtig, dass es nicht nur eine Absichtserklärung bleibt.«


Foto: Susanne Kettelför

ZWI S CHENRU F

Unser Erfolg. Unser Lohn. kein eigenes Angebot vor. Landesbezirksleiterin Petra Reinbold-Knape: »Jetzt geht es darum, mit viel Rückenwind aus den Betrieben in die bundesweiten Verhandlungen zu starten. Sorgen wir gemeinsam mit Aktionen vor Ort dafür, dass wir das größere Gewicht in die Waagschale werfen können!« Die Chemie-Tarifverhandlungen werden bundesweit am 15. Januar fortgesetzt.

Zeit, weiter zu denken! Das Motto unseres IG-BCE-Kongresses prägt das Jahr, das vor uns liegt. Es gilt, die Impulse und Beschlüsse in die Betriebe und Regionen zu tragen. Die neue Koalition im Bund wird ihre Arbeit aufnehmen – die IG BCE wird ihr Handeln kritisch und konstruktiv begleiten. Dabei müssen wir wachsam sein für eine vernünftige Energiepolitik. Die Braunkohle sichert unsere Stromversorgung zu bezahlbaren Preisen und damit die wirtschaftliche und soziale Stabilität in Deutschland. Dabei geht es uns immer auch um »Gute Arbeit« – um gerechte Bezahlung und gute Arbeitsbedingungen, die es uns ermöglichen, das Rentenalter gesund zu erreichen und die Zukunft für die junge Generation zu sichern. Betriebsräte der IG BCE stehen für gute Arbeit im Betrieb. Bei den anstehenden Betriebsratswahlen müssen wir genau das deutlich machen!

»Es geht immer auch um Gute Arbeit.«

Weitere Infos im Internet: www.tarifrunde.igbce.de

Kultur im IG-BCE-Haus Foto: Susanne Kettelför

Berlin | Bewegende Momente bei Ausstellungseröffnung

Sechs Menschenleben, zerstört durch nationalsozialistischen Terror: In den eindrucksvollen szenischen Lesun- Betriebsrätin Andrea Schneider liest das Schicksal gen der Aus- des Sozialdemokraten Heinrich Hirtsiefer. stellungseröffnung »Seid wachsam, dass schafterinnen und Gewerküber Deutschland nie wieder schaftern im KZ 1933 bis 1945 die Nacht hereinbricht« rück- prägten den Abend. Ausstellung und Lesungen ten sie nahe in das Bewusstsein der vielen anwesenden laufen noch bis 31. Januar. Gäste. Bewegende Momente der Stille, aber auch des Grau Weitere Infos unter: ens angesichts der Folter der www.nordost.igbce.de sowie Nazis gegenüber den Gewerk- markbrandenburg.igbce.de

Landesbezirksleiterin Nordost

Stark in die Zukunft!

Berlin | Regionale Tarifverhandlung Chemie vertagt

5,5 Prozent mehr Entgelt bei einer Laufzeit von zwölf Monaten, eine Erhöhung der Ausbildungsvergütungen und die Sicherung von Ausbildung und Übernahme: Mit diesen berechtigten Forderungen ging die Tarifkommission der IG BCE am 13. Dezember in die regionale Tarifverhandlung für die chemische Industrie in Nordost (Foto). Die Arbeitgeber wiesen die Forderungen zurück, legten

Petra Reinbold-Knape

Die Europawahlen stehen an, zudem Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg. Hier und auch in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern sind die Bürgerinnen und Bürger zur Kommunalwahl gerufen. Im Mittelpunkt steht dabei die konkrete Mitwirkungsmöglichkeit vor Ort. Wir sind aufgerufen, uns aktiv in der Politik und bei den Wahlen zu beteiligen. Gemeinsam können wir viel erreichen – Hand in Hand mit vielen Kolleginnen und Kollegen, die mit ihrem Engagement unsere IG BCE gestalten. Ich danke euch für euren Einsatz und wünsche uns allen ein glückliches, erfolgreiches und gesundes neues Jahr. Lasst uns gemeinsam stark in die Zukunft gehen!

NAMEN UND NACHRICHTEN

Aktionswoche bei 50Hertz Berlin | Die Betriebsrätinnen und Betriebsräte des Netzbetreibers 50Hertz Transmission und die IG BCE BerlinMark Brandenburg informierten in einer Aktionswoche über ihre Betriebsrats- und Gewerkschaftsarbeit. Es ging unter anderem um aktuelle Themen der Energiebranche und die Betriebsratswahlen. Gesamtbetriebsratsvorsitzender Dr. Lutz Pscherer zeigte sich zufrieden: »Wir konnten eine gute Mitgliederentwicklung verzeichnen.«

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vor ort Nordrhein N A M EN & N A C H R I C H T EN

Arbeit und Leben in Balance Leverkusen | Auf

dem Workshop »Lebensphasenorientierte Arbeitszeit« des IG-BCE-Frauenforums beschäftigten sich 16 Kolleginnen und ein Kollege mit einer besseren Balance von Arbeit und Privatleben. Als zentrale Gründe für den Stress von heute sehen sie die Beschleunigung durch moderne Technik, die Verdichtung der Arbeit und Doppelt- und Dreifachbelastungen durch Beruf und Familie an. Die Teilnehmenden waren sich einig: Die Regelungen des Tarifvertrags »Lebensarbeitszeit und Demografie« sind eine gute Grundlage, um im Betrieb Entlastungen durchzusetzen. Dazu gehören klarere und verbindliche Vertretungsregelungen sowie Regelungen zu Tele- und Heimarbeit und zu Arbeitszeiten.

Partybahn für neue Azubis düsseldorf | Auch 2013 lud der Bezirksjugendausschuss (BJA) die neuen Auszubildenden zur Partybahn durch Düsseldorf ein. 140 Azubis nahmen teil. »Es war eine tolle Fahrt, und es herrschte eine super Stimmung unter den Auszubildenden«, resümiert BJA-Vorsitzende Tabea Burchartz. Zum Jahresausklang traf sich der BJA dann im Weinkeller zum Kamingespräch mit Katharina Linder, Ensemblesprecherin des Bochumer Schauspielhauses. Es ging um Schauspielkunst und das Interesse der Jugend am Theater. Alle waren sich einig, dass das Interesse nach wie vor groß ist, aber die Art und Weise, wie Kultur erlebt wird, sich verändert hat. Welche unterschiedlichen Facetten Kultur hat, vertiefte der BJA anschließend bei einer Weinprobe.

Top Ten der Werber im November Platz 1: Ayhan Yazici (34 geworbene Neumitglieder, KSK GmbH, Bezirk Alsdorf); Platz 2: Niclas Hahn (24, Currenta Leverkusen, Leverkusen); Platz 3: Klaus Pilger (23, Sachtleben Chemie Duisburg, Moers); Platz 4: Sascha Studsinski (22, Lanxess Leverkusen, Leverkusen); Platz 5-6: Firat Aslan (12, Bayer AG Leverkusen, Leverkusen), Oliver Pieper (12, Bayer AG Uerdingen, Moers); Platz 7-9: André Bruckhaus (11, Bayer AG Uerdingen, Moers), Joline Macek (11, Currenta Dormagen, Köln-Bonn), Martin Lingen (11, KSK GmbH, Alsdorf); Platz 10-12: Tim Strater (9, Currenta Krefeld, Moers), Reyha Akgün (9, Eurofoam Troisdorf, Köln-Bonn), Luisa Lohmann (9, Shell DO Wesseling, Köln-Bonn). Weitere Infos im Internet: www.nordrhein.igbce.de

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Ohne Ergebnis blieb die erste Tarifverhandlung für die chemische Industrie in Nordrhein am 4. Dezember.

Maßgabe: Stärke zeigen düsseldorf | Chemie-Tarifrunde endet ohne Ergebnis

Jedes Mal ist es das gleiche Spiel – zu Beginn einer Tarifrunde sehen die Arbeitgeber keinen Spielraum für deutliche Entgelterhöhungen und verweisen auf die schwächelnde Konjunktur. Das war auch bei der ersten Tarifverhandlung Chemie für den Tarifbezirk Nordrhein am 4. Dezember nicht anders. Nach der Diskussion über die wirtschaftlichen Daten der Branche wurde die Tarifrunde ergebnislos vertagt. Dabei haben die meisten Unternehmen 2013 nachweislich gut verdient und »die Aussichten für 2014 sind meistens sogar noch besser«, stellt Reiner Hoffmann, Landesbezirksleiter und Verhandlungsführer für den Tarifbezirk Nordrhein, fest. Er fordert: »Jetzt müssen wir in den Betrieben und vor Ort Stärke zeigen, unser ganzes Gewicht in die Waagschale werfen, um die Arbeitgeber in Bewegung zu bringen. Unsere Forderungen sind fair und gerecht, wir lassen uns nicht mit Almosen abspeisen.« Schließlich seien es die Beschäftigten gewesen, die dafür gesorgt haben, dass die chemische Industrie gut dasteht. Die IG BCE fordert für

sie eine Erhöhung der Entgelte um 5,5 Prozent und für Auszubildende pauschal 70 Euro mehr sowie die Fortsetzung des Tarifvertrages »Zukunft durch Ausbildung« und mehr unbefristete Übernahmen der Ausgebildeten. Am Rande der Tarifverhandlung hat die IG-BCE-Jugend noch einmal herausgestellt, dass es endlich an der Zeit ist, der jungen Generation gut ausgebildeter Fachkräfte eine langfristige Perspektive in den Unternehmen zu geben. »Wir brauchen deutlich mehr unbefristete Beschäftigung für die jungen Menschen. Das gibt Sicherheit und ist auch ein Beitrag zur Gestaltung des demografischen Wandels«, erklärte Daniele Gioco, Mitglied der Jugendtarifkommission. In den Verhandlungen zeigten sich die Arbeitgeber auch in diesem Punkt wenig beweglich. Einziges Zugeständnis war die Aussage, dass man weiter in der bisherigen Größenordnung ausbilden wolle. Die Tarifverhandlungen werden nun am 15. Januar 2014 auf Bundesebene fortgesetzt.

Weitere Infos im Internet: www.tarifrunde.igbce.de


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Fragen an Manfred Klitsch

Lupce Jakovski (rechts) im Gespräch mit einem Kollegen.

Altersgerecht arbeiten grevenbroich | Betriebsrat bei Tokai Erftcarbon

Die Gestaltung des demografischen Wandels und die Folgen der Energiewende für das Unternehmen sind Themen, die Lupce Jakovski, 46, Betriebsratsvorsitzender bei der Tokai Erftcarbon GmbH in Grevenbroich, derzeit beschäftigen. Die Firma mit knapp 200 Mitarbeitern stellt Graphitelektroden her. Diese werden vor allem zum Recyclen von Stahl in Elektro-Lichtbogenöfen, sogenannten Mini-Stahlwerken, verwendet. Die Herstellung der Elektroden, vom Mischen der Rohstoffe über das Brennen der Elektrodenkörper bis zum Graphieren, verlangt den Beschäftigten viel ab. »Das Unternehmen tut einiges dafür, um den Beschäftigten das Arbeiten in Hitze, Staub und Lärm zu erleichtern«, bestätigt Lupce Jakovski. So hat sie ein Filtersystem nach neuesten Umweltstandards eingebaut, auch um die Nachbarn vor Emissionen zu schützen. Das Betriebsklima ist gut, viele arbeiten schon seit Jahrzehnten hier. Auch Lupce Jakovski ist bereits seit seiner Ausbildung im Unternehmen, seit 2001 im Betriebsrat und seit 2008 Vorsitzender. Er weiß: Nicht jeder ist in der Lage, angesichts der hohen Belastungen am Arbeitsplatz

bis zur Rente durchzuhalten. Der Betriebsrat hat deshalb mit der Geschäftsführung im Rahmen des IG-BCE-Demografie-Tarifvertrags eine Betriebsvereinbarung zur Altersteilzeit abgeschlossen. »Die wird von den Kollegen sehr gut angenommen«, sagt er. Den demografischen Wandel im Betrieb zu gestalten, ist für Jakovski aber mehr: Es geht ihm um alters- und alternsgerechte Arbeitsplätze, um Chancen für den Nachwuchs. Auch darüber führt er den Dialog mit der Geschäftsführung. Die Zusammenarbeit sei gut. Natürlich gebe es Konflikte, aber in der Regel würden die konsensorientiert gelöst. Lupce Jakovski ist gern Betriebsrat. Bei den Betriebsratswahlen im Frühjahr will er erneut antreten. »Wichtig ist mir vor allem die Nähe zu den Kollegen. Unser Büro steht ihnen immer offen.« Sorgen bereiten Betriebsrat und Geschäftsführung derzeit die Folgen der Energiewende. Die Firma gehört zu den energieintensiven Unternehmen. »Bezahlbarer Strom ist für unsere Wettbewerbsfähigkeit und die Arbeitsplätze existenziell. Da ziehen Betriebsrat und Geschäftsleitung an einem Strang«, so der Betriebsrat.

Der Betriebsratsvorsitzende der Kurt Müller GmbH & Co. KG, Krefeld, beschreibt, wie Betriebsrat und IG BCE gemeinsam Tarifflucht verhindern konnten. Mitten in der laufenden Papier-Tarifrunde war das Unternehmen im Juni 2013 aus der Tarifbindung ausgestiegen. Wie hat der Betriebsrat auf den Ausstieg aus dem Tarifvertrag reagiert? Diese Entscheidung der Geschäftsleitung kam für uns völlig überraschend. Wir haben daraufhin unsere Betriebsvereinbarung über Arbeitszeitkonten und flexiblen Arbeitseinsatz gekündigt. Das war für die Firma natürlich sehr ungünstig – als Hersteller von Lautsprecherschwingteilen für die Auto- und Hi-Fi-Industrie muss sie »just in time« auf Aufträge reagieren und ist auf flexiblen Personaleinsatz angewiesen. Wir haben der Geschäftsführung deutlich gemacht, welche Unruhe durch den Ausstieg aus der Tarifbindung im Betrieb entstanden ist. Was habt ihr erreicht? In fünf Verhandlungsrunden ist es uns gelungen, eine Anerkennungsvereinbarung abzuschließen. Deren Laufzeit ist unbefristet, und sie ist frühestens zum 31. Dezember 2021 kündbar. Sie sieht vor, dass die Branchenabschlüsse zeitverzögert im Unternehmen übernommen werden, und sichert das 13. Monatsgehalt. Jetzt können wir wieder zum Tagesgeschäft zurückkehren. Zurzeit steht der Neuabschluss der Arbeitszeitkontenregelung an. Danken möchte ich Viola Denecke vom Landesbezirk und Norbert Pass vom Bezirk Moers, die uns in den Gesprächen mit Rat und Tat zur Seite standen. Und was sagt die Belegschaft dazu? Die Unruhe im Betrieb war natürlich groß. Zunächst waren einige auch nicht begeistert, dass wir die Betriebsvereinbarung gekündigt haben. Jetzt sind die Beschäftigten aber froh, dass Gehaltserhöhungen wieder verlässlich gesichert sind. Und der Einsatz von Betriebsrat und IG BCE wird honoriert. Stolz sind wir darauf, dass der Organisationsgrad im Unternehmen seit Juni von 29 auf 53 Prozent gestiegen ist. Mittlerweile sind 41 der 58 Beschäftigten Mitglied in der IG BCE. Gefördert wurde das sicher auch dadurch, dass die Anerkennungsvereinbarung lediglich für IG-BCE-Mitglieder abgeschlossen wurde.

kompakt | Januar 2014 | 29


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vor ort Westfalen NA M EN & NACHRICHTEN

Engagiert für die Jugend gelsenkirchen | Die ehemalige JAVund Jugendreferentin Nina Melches (26) aus den Bezirken Düsseldorf und Leverkusen wird ab dem 1. Januar 2014 in Gelsenkirchen ihre Ausbildung zur Gewerkschaftssekretärin beginnen. Die gelernte Industriekauffrau engagierte sich bereits während ihrer Ausbildung bei der Atos IT Solutions and Services GmbH in Gelsenkirchen für die Jugend- und Auszubildendenvertretung.

Neue Aufgaben im Bundestag xanten | Auf der Vor-

standssitzung des Bezirks Münster-Bielefeld wurde jetzt Bezirksleiter Ulrich Hampel (Foto, rechts) verabschiedet. Hampel ist vom SPD-Wahlkreis Coesfeld II in den Bundestag gewählt worden und künftig ausschließlich als dessen Mitglied für dieses politische Gremium tätig. Bezirksleiter in Münster-Bielefeld war Hampel von April 2003 an. Der Vorstand und das Team des Bezirks würdigten Hampels Verdienste für dessen positive Entwicklung und bedankten sich für die kollegiale und menschliche Art des Miteinander-Umgehens unter seiner Leitung.

Lieber rechtzeitig vorsorgen herten | Bereits zum zweiten Mal hat das Zielgruppenteam der IG-BCEOrtsgruppe Bielefeld 70 Seniorinnen und Senioren der IG BCE in eine örtliche Gaststätte eingeladen. Unter dem Motto »Wer will schon, dass eines Tages andere über das eigene Leben entscheiden?« hielt Rechtsanwältin Mariela Frenz aus Münster auf der von Jürgen Thannhäuser geleiteten Versammlung ein Referat zu den Themen Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht. Bei der anschließenden Diskussion wurde schnell klar, wie wichtig den Teilnehmenden diese Themen sind. Die vielen unterschiedlichen Fragen an die Kollegin Frenz wurden ergänzt durch die Erfahrungsberichte einzelner Teilnehmer. Sie schilderten, mit welchen Problemen sie selber konfrontiert waren und welche Schwierigkeiten grundsätzlich auftreten können, wenn keine Regelungen getroffen worden sind. Die Veranstaltung sollte für die Teilnehmer der Startschuss sein, sich im Kreis der Familie mit dem Thema intensiv zu beschäftigen.

28 | kompakt | Januar 2014

IG-BCE-Frauenpower auf der DGB-Bundesfrauenkonferenz.

Frauen setzen Themen berlin | Bundesfrauenkonferenz verabschiedet Leitantrag

Unter dem Motto »Wir sind dran! Selbst | Bestimmt | Sicher« fand in Berlin die DGBBundesfrauenkonferenz statt. Dort verabschiedeten die Delegierten aller Einzelgewerkschaften einstimmig ihren Leitantrag. Der Leitantrag beschreibt die eigenständige Existenzsicherung zur selbstbestimmten Erwerbsbiografie von Frauen und Männern. Folgende Punkte wurden festgehalten: Beschäftigungsverhältnisse verbessern, Minijobs reformieren, Arbeitszeiten und deren Verteilung auf die politische Agenda setzen, Elterngeld weiterentwickeln,

Pflegezeit verbessern, beruflichen Wiedereinstieg erleichtern, Kinderbetreuung, Entgelt und Chancengleichheit für Frauen und Männer und den gesetzlichen Mindestlohn realisieren. In einer anschließenden Talkrunde formulierten die anwesenden Gewerkschaftsfrauen diese Forderungen an die Bundestagsabgeordneten aller Fraktionen. Für den Landesbezirksfrauenausschuss Westfalen nahmen Marianne Malkowski, Evonik, und Heike Arndt, stellvertretende Landesbezirksleiterin Westfalen, teil.

Spaß und Seminare an der Ostsee Grömitz | Unter der Leitung von Gewerkschaftssekretär Dieter Bonnemann führte der Bezirk Gelsenkirchen eine Familienfreizeit im Jugenddorf Hans Böckler in Grömitz-Lenste durch. Die insgesamt 56 Teilnehmer im Alter zwischen vier und 55 Jahren verbrachten eine Woche an der Ostsee. Während die Eltern Seminare zu gewerkschaftlichen The-

men besuchten, kümmerten sich zwei Betreuer um die Kinder. Abends gab es für die Familien gemeinsame Aktivitäten wie Stockbrotessen, Nachtwanderungen und Lagerfeuergrillen.


Abschied mit Schalke gelsenkirchen | Peter Obramski wechselt nach Hannover

Der Bezirksvorstand und das Die vakante Position des IG-BCE-Team im Bezirk Gel- Bezirksleiters wurde mit senkirchen verabschiedeten im Thomas Steinberg neu beletzten November ihren lang- setzt. Der neue Mann an der jährigen Weggefährten und Be- Spitze des drittgrößten IGzirksleiter Peter Obramski. Auf BCE-Bezirks wurde vom Vorschlag des IG-BCE-Haupt- Bezirksvorstand einstimmig vorstandes hat er die Position zum neuen Bezirksleiter gedes Vorstandssekretärs im Vor- wählt. Der 43-Jährige hat standsbereich 3 der IG-BCE- zuvor vier Jahre lang als stellHauptverwaltung in Hannover vertretender Bezirksleiter für übernommen. den Bezirk Gelsenkirchen geZu den Gästen der Feierlich- arbeitet. keiten gehörte unter anderem Höchste Priorität in seiner Landesbezirksleiter Kurt Hay, Arbeit für den Landesbezirk der Peter Obramski mit gro- hat für Thomas Steinberg, für ßem Dank aus dem Landesbe- sichere und gute Arbeitsplätze zirk verabschiedete. Als Erinne- im Ruhrgebiet zu sorgen. rung an die Zeit im Ruhrgebiet Vor allem die Energiewende überreichte der Bezirksvor- möchte er effizienter und gestand Obramski ein von Julian rechter mitgestalten. Draxler handsigniertes Schalke-Trikot mit der Rückennummer 10 – für zehn Jahre Tätigkeit im Bezirk Gelsenkirchen. Seine Kollegen wünschten und wünschen Peter Obramski für seinen weiteren Weg und die neuen Herausfor- Alter und neuer Bezirksleiter: Peter Obramski derungen alles Gute. (Foto links) und Thomas Steinberg (Foto rechts).

Ein weihnachtliches Zeichen setzen herten | Auf einer traditionellen Nikolausfeier des Regionalforums sammelten die Kinder der IG-BCE-Mitglieder in Herten für sozial schwache Familien Süßigkeiten und andere Adventsleckereien. Die Gewerkschafter und ihre Kinder wollten damit ein weihnachtliches Zeichen für Zusammenhalt und Besinnlichkeit setzen. Die drei Wohnortgruppen Nord, Dis-

teln-Paschenberg und Ewald füllten einige Kisten und überreichten sie an eine Schwester der Caritas. Diese gab sie anschließend an die Familien weiter.

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Fragen an Margarete Gerngross-Celik

Margarete Gerngross-Celik ist seit 1998 Betriebsratsvorsitzende bei der Wentus Kunststoff GmbH. Seitdem setzt sie sich verstärkt für soziale Gerechtigkeit und vor allem für die Gleichstellung von Frauen ein. 2012 haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf dem Frauentag der IG BCE in Hannover die Charta der Gleichstellung unterschrieben. Wie sind deine Erfahrungen mit der Umsetzung im Alltag? In meiner Position als Betriebsratsvorsitzende merke ich generell schon, dass Frauen in Führungspositionen ein etwas schwereres Standing haben. Das ist natürlich der Vergangenheit geschuldet, denn früher gab es eigentlich keine Frauen in Führungspositionen. Aber eine positive Entwicklung ist nichtsdestotrotz erkennbar. Das Wort der Frau gewinnt an Gewicht. Es ist eben nicht mehr so wie früher, als die Aussagen von Frauen nicht so recht ernst genommen wurden. Gut ausgebildet, eigenständig und selbstbewusst – das sind Merkmale, die für die Frauen von heute sprechen. Und so fällt die Wahl des richtigen Personals immer häufiger auf gut ausgebildete Frauen. Die positive Tendenz ist also daher abzuleiten, dass immer mehr Frauen im Job erfolgreich unterwegs sind. Das ist eigentlich ganz einfach. Gibt es Punkte, an denen es im Alltag hapert? Nicht direkt, aber wenn wir uns für die Gleichstellung von Frauen in der Arbeitswelt einsetzen, muss deren Leistung auch entsprechend gut sein. Denn es kann nichts Schlimmeres geben als eine Quotenfrau, die ihren Job schlecht macht. Für das männliche Geschlecht wäre dies nur eine Bestätigung. Sind wir bei dem Thema Gleichstellung also auf dem richtigen Weg? Ganz eindeutig ja! Die Gleichstellung von Mann und Frau ist auf einem guten Weg. Es gilt die Devise »Steter Tropfen höhlt den Stein«, denn Frauen kommen vermehrt in Führungspositionen. Das beste Beispiel haben wir doch mit Edeltraud Glänzer, stellvertretende Vorsitzende der IG BCE, in den eigenen Reihen. Oder auch unsere Kanzlerin Angela Merkel ist ein prima Beispiel. Diesen Weg müssen wir weitergehen, denn nur so kann es uns gelingen, gewisse Herren der Schöpfung zum Umdenken zu bringen.

kompakt | Januar 2014 | 29


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vor ort Rheinland-Pfalz/Saarland NAMEN & NACHRICH T EN

Auf die Qualität kommt es an worms | Die Zukunft junger Auszubildender hängt sehr von der Qualität ihrer Ausbildung ab, also von Berufsschule und Betrieb. Viele erfahrene Mitglieder der IG BCE wissen das und übernehmen als Ausbilder oder Prüfer Verantwortung. Zu einem Erfahrungsaustausch trafen sich jetzt 19 solcher Ausbilder aus namhaften Unternehmen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mit ihnen sprachen die IG-BCE-Projektsekretärin Katrin Locker aus Hannover und der stellvertretende Landesbezirksleiter Michael Päckert aus Mainz. Die vom Bundesbildungsministerium mitfinanzierte Tagung betraf neue Berufsbilder, Prüfungsregeln sowie die Rechte und Pflichten der Ausbilder.

Gut vorbereitet, gut sprechen alzey | Eine kleine oder große Gruppe Menschen zum Zuhören zu bringen und zu überzeugen – das ist das Ziel einer gekonnten Rede. Die IG BCE möchte, dass ihre aktiven jungen Mitglieder dieses Können früh erwerben und einsetzen. An sie richtete sich ein Seminar des Landesbezirks mit der Rhetorik-Referentin Claudia Wiese (links außen) und Malte Lückert vom Landesbezirk (rechts außen). Die Teilnehmer erlernten die wichtigsten Regeln für die Vorbereitung und Durchführung einer gelungenen Ansprache und probierten diese gleich praktisch aus. Zudem freuten sie sich, als ihre Überzeugungskraft und ihr Selbstvertrauen erkennbar wuchsen.

Bessere Chancen zum Vorzugspreis ludwigshafen | IG-BCE-Mitglieder profitieren künftig

besonders von Kursen der Wirtschaftsakademie Pfalz in Ludwigshafen. Sie können anschließend zu Vorzugsbedingungen – ohne Abitur und ortsnah betreut – per Fernstudium den Abschluss Bachelor of Arts in Betriebswirtschaft erreichen. Bezirksleiter Roland Strasser und Professor Bernt Sierke, Präsident der PFH – Private Hochschule Göttingen, unterzeichneten zu diesem Zweck jetzt ein Kooperationsabkommen. Es sichert den Mitgliedern Kostenermäßigungen zu. Ihre vorhergehenden Akademie-Kurse werden angerechnet. Das »erhöht angesichts des Fachkräftemangels die beruflichen Chancen«, freut sich Roland Strasser. Weitere Informationen unter: www.ludwigshafen.pfh.de 28 | kompakt | Januar 2014

Die Tarifverhandlungen mü  

frankenthal/Saarbrücken | Die Chemie-Arbeitgeber blockier   

Die Verhandlungen mit den Chemie-Arbeitgebern werden härter. Das spürte als Erster der Landesbezirk RheinlandPfalz/Saarland: Einer der zwei Tarifbezirke, die der Landesbezirk betreut, der Tarifbezirk Rheinland-Pfalz, gab am 2. Dezember in Frankenthal den Auftakt für die regionalen Verhandlungen zur Chemie-Tarifrunde 2014. Die neun anderen Tarifbezirke nahmen ihre Verhandlungen in den Folgetagen auf; darunter am 12. Dezember der Tarifbezirk Saarland. Zwei Wochen vor Beginn der Verhandlung hatte der Landesbezirksvorstand einen neuen Landesbezirksleiter gewählt, Francesco Grioli: Dieser nahm als Verhandlungsführer der rheinlandpfälzischen Tarifkommission sofort das Heft in die Hand (siehe auch rechts, »5 Fragen an …«). Unmittelbar vor Beginn der regionalen Verhandlungen gab der Bundes-Arbeitgeberverband eine Stellungnahme ab, die von den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern nur als Kampfansage verstanden werden kann: »5,5 Prozent mehr Geld wird es nicht annähernd geben«, sagte der Verhandlungsführer und frühere BASF-Personal-

chef Hans-Carsten Hansen. Da hatte die Bundestarifkommission der IG BCE gerade die teilweise unterschiedlichen Diskussionsergebnisse und Tarifbeschlüsse der regionalen Tarifkommissionen zu einem einheitlichen Forderungspaket geschnürt und dabei die Forderung nach einer Entgelterhöhung von 5,5 Prozent an die Spitze gestellt. Diesen Prozentsatz hatte der IG-BCE-Hauptvorstand Ende Oktober als Empfehlung beschlossen, nachdem er in der Chemie-Industrie einen entsprechenden Verteilungsspielraum erkannt hatte. Ende November wurde er von der Bundestarifkommission, im Kern unverändert, bestätigt – ebenso wie die übrigen Empfehlungen: eine um 60 Euro höhere Ausbildungsvergütung, eine Laufzeit des Tarifvertrags von zwölf Monaten und der Erhalt eines hohen Ausbildungsplatzniveaus. Mit einer weiteren Forderung reagiert die IG BCE darauf, dass inzwischen zwei von drei jungen Menschen im Anschluss an ihre Ausbildung nur noch befristete Arbeitsverträge erhalten. Die IG BCE hält das für eine Unsitte, die auch der Wirtschaft Nachteile


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Fragen an Francesco Grioli

  ssen in Bewegung kommen

   en die Annäherung mit den Arbeitnehmervertretern bringt. Zudem verschärft sie die Belastungen aus dem demografischen Wandel. Denn sie erschwert es jungen Menschen im Vergleich zu früher, beizeiten eine Familie zu gründen. Diese schädliche Praxis der Personalabteilungen will die IG BCE im Zuge der Tarifverhandlungen so weit wie möglich beseitigen. »Jeder tarifliche Zwang würde dazu führen, dass weniger ausgebildet wird«, behaupteten die Arbeitgeber nun am 2. Dezember in Frankenthal gegenüber der rheinland-pfälzischen Tarifkommission. Francesco Grioli wies diese Logik als Verhandlungsführer entschieden zurück und hielt den Arbeitgebern den erheblichen, objektiv feststellbaren Nachwuchs- und Einstellungsbedarf vor. Schließlich trennten sich die beiden Parteien ohne ein Ergebnis. Enttäuscht wurden auch 3500 saarländische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Dort erlebte die Tarifkommission am 12. Dezember unter der Leitung des stellvertretenden Lan-

desbezirksleiters Michael Päckert bei den Arbeitgebern ebenfalls keine Kompromissbereitschaft. Bei allen regionalen Tarifverhandlungen. zwischen dem 2. und dem 12. Dezember haben die Arbeitgeber also blockiert. Dieses Arbeitgeberverhalten sollten die Beschäftigten der chemischen Industrie, vor allem aber die Gewerkschaftsmitglieder, nach Auffassung von Francesco Grioli, nicht ruhen lassen. Er weist darauf hin, dass die Verhandlungen am 15. Januar in Darmstadt zentral fortgesetzt werden und sagt: „»Helft alle mit, damit wir für unseren Erfolg unseren gerechten Lohn bekommen.«

Weitere Infos im Internet: www.tarifrunde.igbce.de

Der neue Landesbezirksleiter (41) zeigt Profil in einer harten Tarifrunde. Hast du dir deinen Start so vorgestellt? Nicht so turbulent. Am 15. November wählte mich der Vorstand des Landesbezirks einstimmig zum Vorsitzenden und Landesbezirksleiter. Ich hatte mich noch nicht einmal richtig an den Schreibtisch gesetzt, da leitete ich bereits die Sitzung der Chemie-Tarifkommission Rheinland-Pfalz und wir beschlossen unsere Forderungen zur Tarifrunde 2014. Bis wir im Dezember die Verhandlungen mit den Chemie-Arbeitgebern erst in Rheinland-Pfalz, dann im Saarland aufnahmen, hatte auch unser Team keine Atempause. Was erwartest du von der Tarifrunde? Die Arbeitgeber zeigen sich ungewöhnlich hart. Wir müssen kämpfen. Aber wir werden Entschlossenheit beweisen! Du machst seit vier Jahren Tarifpolitik? Sehr viel länger. Schon 1993 war ich als 21-Jähriger Mitglied der Tarifkommission in Hessen. Aber in den letzten vier Jahren war ich Vorstandssekretär bei Peter Hausmann, dem Zuständigen für Tarifpolitik im geschäftsführenden Hauptvorstand. Die enge Zusammenarbeit mit ihm hilft mir heute natürlich sehr. Wie ist die Motivation im Chemiebereich? Die Mitglieder sind hoch motiviert. Nicht nur in dieser Branche. Das zeigt auch die Mitgliederentwicklung. Wie im Vorjahr haben wir deutlich mehr Ein- als Austritte, diesmal sogar die beste Bilanz seit Bestehen der IG BCE. Wird die Chemie-Runde so hart wie es jetzt scheint, ist das ein gutes Fundament. Kommst du auch einmal zur Ruhe? Ja, zumal ich mich hier in Mainz wohlfühle. Ich bin in Frankfurt, 30 Kilometer entfernt, aufgewachsen. Zwischen den Jahren konnte ich Kraft für die Auseinandersetzungen sammeln, die uns jetzt bevorstehen. In diesem Sinne hoffe ich, dass auch alle Mitglieder der IG BCE im Saarland und in Rheinland-Pfalz mit ihren Familien erholsame und besinnliche Tage zum Jahresende verbringen konnten und Zeit hatten, Energie zu sammeln. Wir werden sie brauchen. Ich wünsche uns allen ein gutes Jahr 2014!

kompakt | Janaur 2014 | 29


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vor ort LANDesbezirk Rheinland-Pfalz/Saarland

Zum Erfolg verdammt

Neue Betriebsräte

Saarbrücken | »Die Energiewende muss nicht nur erfolgreich sein, sondern auch bezahlbar!« Mit diesen Worten warnte Dietmar Geuskens, Leiter des IG-BCE-Bezirks Saarbrücken, Ende November im Rahmen einer energiepolitischen Veranstaltung vor einer Fehlsteuerung in der Energiepolitik. Gastgeber im »Haus der Zukunft«, dem Sitz der Stadtwerke Saarbrücken, war die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung. Gesprächsthema war auch der Koalitionsvertrag der künftigen Bundesregierung. Außer Geuskens sprachen die saarländische Ministerin für Umwelt und Verbraucherschutz, Anke Rehlinger (SPD), der Energieexperte Michael Kopatz vom Wuppertal Insti-

ludwigshafen | Die 2007

tut für Klima, Umwelt, Energie sowie vom Projektentwicklungsunternehmen juwi AG, Gabriele Ackermann. Geuskens wies außerdem darauf hin, wie wichtig die Befreiungsvorschrift für Unternehmen von der Umlage nach dem Erneuerbare-EnergienGesetz (EEG) ist. Ohne sie entstünden alleine »in der starken und stabilen deutschen chemischen Industrie je Beschäftigtem Mehrkosten von rund 10 000 Euro«, sagte er. »Und das hätte unmittelbaren Einfluss auf die Situation der Belegschaften.«

in Wörth am Rhein gegründete Europack GmbH sieht sich als einen der »modernsten und leistungsstärksten« Hersteller von Wellpappenverpackungen und Displays in Europa. Unmodern war, dass dem Unternehmen ein Betriebsrat fehlte. Nach monatelanger Unterstützung durch den Bezirk Ludwigshafen hat sich das zum Jahresende geändert. Eine Betriebsversammlung bestellte einen Wahlvorstand, und der leitete, nach kurzem gerichtlichem Streit mit der Geschäftsleitung, zügig die Wahl ein. Mehr als 80 Prozent der Beschäftigten nutzten ihr Wahlrecht. Gewerkschaftssekretär Matthias Hille: »Diese hohe Beteiligung be-

weist, dass die Belegschaft eine starke Vertretung im Betrieb will.« Der Bezirk werde helfen, dass der siebenköpfige Betriebsrat um den Vorsitzenden Martin Zimin »die dringendsten Baustellen nun abarbeiten« kann, so Matthias Hille. Seit Oktober hat auch das Ludwigshafener Werk des inzwischen indisch-chinesischen Farb-Konzerns Dystar einen neuen fünfköpfigen Betriebsrat (Foto). Der besteht, inklusive des Vorsitzenden Werner Grummt, ausschließlich aus IG-BCE-Mitgliedern.

Ortsgruppen sind wichtig Saarbrücken | Im November eröffneten Bezirksleiter Dietmar Geuskens und sein Team eine Ortgruppenkonferenz im Illinger Kulturforum Illipse. 120 Delegierte befassten sich dort mit dem Gewerkschaftskongress sowie den Themen Energiewende und Europa. Gewerkschaftssekretär Heiko Metzger beleuchtete, wie zentral aktive Ortsgruppen für die gewerkschaftliche Basisarbeit sind. Dietmar Geuskens schilderte, wie sich die IG BCE seit dem Gewerkschaftskongress politisch positioniert. Viele der Teilnehmenden sprachen sich gegen eine wirtschaftsliberale euro30 | kompakt | Januar 2014

»Auf Kampfgeist gebaut«

päische Rechtsprechung aus, die die heimischen Arbeitnehmerrechte zunehmend gefährdet. Um Europa dreht sich auch die Bildungsarbeit des Bezirks. »Wir planen spezielle Seminarbausteine und einen Besuch des Europäischen Parlaments in Straßburg«, berichtete Gewerkschaftssekretär Patrick Schall, der die Bildungsarbeit im Bezirk koordiniert.

Kirn | Die IG BCE nahm auch im vergangenen Jahr in vielen Betrieben und Ortsgruppen die Gelegenheit war, langjährige Gewerkschaftsmitglieder persönlich in den Mittelpunkt zu stellen und sie für ihre Treue zu ehren. So lud die Ortsgruppe Kirn ihre Jubilare aus den beiden letzten Jahren zu einer Feier in das gemütliche Landhaus Wartenstein in Oberhausen ein und würdigte ihre 25, 40, 50 und sogar 60 Jahre währende Beständigkeit. In einer bewegenden, aber

auch vorwärts gewandten Rede dankte Mareike Hanson, Gewerkschaftssekretärin des Bezirks Mainz, den Jubilaren: »Das, was ihr mit Überzeugung und Kampfgeist in vielen Jahren aufgebaut habt, gilt es zu erhalten, gerade in diesen Zeiten des Sozialabbaus und der Beschneidung von Arbeitnehmerrechten«, sagte sie.


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vor ort Baden-Württemberg

Bezirk Stuttgart

Seit 60 Jahren Mitglied: Werner Geißler und Adolf Müssig (Foto links). Ins Ludwigsburger Hotel Nestor lud der Bezirk seine Jubilare zur festlichen Ehrung (Foto rechts).

Bezirk Stuttgart: Jubilarfeier vereint 1885 Jahre Mitgliedschaft Im festlichen Rahmen ehrte der Bezirk Stuttgart 55 Jubilare für 25, 40, 50 und 60 Jahre treue Gewerkschaftszugehörigkeit. Bezirksvorstandsvorsitzende Irmtraud Schneele-Schultheiss und Bezirksleiter Andreas Klose hießen die Gäste im Hotel Nestor in Ludwigs-

burg willkommen. Nach Musik des spanischen Klassikduos Unison ging ­ Andreas Klose auf Zeitreise. Highlights aus den Jahren 1953 – dem Jahr, in dem die ersten Mitglieder in die Gewerkschaft eintraten – bis 1988 ließen Erinnerungen aufleben.

Klose scheute sich allerdings nicht davor, auch ­drängende Probleme unserer Zeit beim Namen zu nennen – unter anderem Mindestlohn, Energiewende und Leiharbeit. Leidenschaftlich plädierte er für den Zusammenhalt Europas: »Was wäre unser Land ohne Marshall-

plan? Diese Hilfe benötigen nun unsere Nachbarn.« Investitionen in eine nachhaltige Wertschöpfungskette müssten her, »damit 60 Prozent Jugendarbeitslosigkeit, wie in Griechenland, bald Geschichte sind«, so der Bezirksleiter.

Bezirk Mannheim

Ehrenamtliches Engagement bis heute: Dieter Ries, Dieter Braner, Helga Leonhard, Rainer Hippler und Heinz Ackermann (Foto links, von links). Volles Haus: Der Bezirk begrüßte in der Stadthalle Weinheim mehr als 350 Gäste (Foto rechts).

Bezirk Mannheim: Jubilare feiern in der Stadthalle Weinheim Mehr als 600 Jubilare ehrte der Bezirk Mannheim für ihre langjährige Treue, mehr als 350 Gäste kamen zur zentralen Feier in die Stadthalle Weinheim. Bezirksleiter Detlef Stutter nannte die vielen Er­ rungenschaften, »für die un­ sere Jubilare gekämpft ha-

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ben – und von denen die heutige, junge Generation profitiert«. Stutter verwies unter anderem auf die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall oder den sechs­wöchigen Urlaub für alle. Unter den Mitgliedern, die der Bezirk für ihre 25-, 40-, 50- und 60-jährige Mitglied-

schaft ehrte, fanden ei­ nige Gewerkschafter eine besondere Anerkennung: Helga Leonhard, Rainer Hippler, Dieter Braner, Heinz Ackermann und Dieter Ries. »Sie haben unsere Gewerkschaftsarbeit nicht nur viele Jahre lang unterstützt, sie engagieren sich ehrenamtlich

noch bis heute«, lobte Bezirksleiter Stutter den Einsatz der Geehrten. Im Anschluss sorgte die Bezirksmannschaft dafür, dass die Unterhaltung nicht zu kurz kam – mit Sängerin Hella Boysen und dem Alleinunterhalter Joachim Schäfer.


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vor ort Nordrhein

Ortsgruppe Berrenrath

Ein ganz besonderes Jubiläum feierte Engelbert Gall (Foto, Vierter von links, stehend), er wurde für 80 Jahre Gewerkschaftsmitgliedschaft unter großem Beifall der Kolleginnen und Kollegen ausgezeichnet. Der Ortsgruppenvorsitzende Manfred Schmitz und der ehemalige Gewerkschaftssekretär Gernot Broy als Festredner überbrachten die Glückwünsche der IG BCE. Für 25 Jahre Mitgliedschaft wurde Thomas Schröter geehrt, für 40 Jahre Ziya Cakmak, Michael Heller, Ernst Wilhelm Müller und Dieter Meermagen. Hubert Bockwinkel, Bernhard Scharpenberg und Heinz Wirsbitzki sind seit 50 Jahren Mitglied der Gewerkschaft.

Ortsgruppe Grevenbroich

Seit 25, 40 und 50 Jahren sind die Jubilare der Ortsgruppe Grevenbroich, die 2013 geehrt wurden, Mitglied in der IG BCE beziehungsweise ihren Vorläuferorganisationen. Klaus Emmerich (Foto, links), stellvertretender Betriebsratsvorsitzender vom Tagebau Garzweiler, nahm die Anwesenden in seiner Laudation mit auf eine politische und gewerkschaftliche Zeitreise. Er erinnerte daran, dass auch heute Gerechtigkeit und Humanität nur mit einer starken Gewerkschaft erreicht werden können und dankte den Kolleginnen und Kollegen für ihr Engagement. Für 25 Jahre Mitgliedschaft wurden Frank Hoffmann, Wilhelm Kosmala (Zweiter von rechts), Stephan Lau, Markus Schnitzler und Thomas Semmel geehrt. Seit 40 Jahren sind Mehmet Cepni, HeinzWilli Creutz (Dritter von rechts), Wilfried Königs, HorstWerner Siemoneit, Elisabeth Sobotta und Manfred Wirtz (Dritter von links) dabei. Seit 50 Jahren ist Bruno-Josef Schneeweis (Zweiter von links) Gewerkschaftsmitglied.

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Bezirk Duisburg

Seit 25 Jahren ist Thomas Klapper (Foto, links) der IG BCE treu. Dafür wurde er von der Ortsgruppe RAG Bildung Berufskolleg West geehrt. Hans Reitzig (rechts), Gewerkschaftssekretär im Bezirk Duisburg, gratulierte.

Ortsgruppe Alt-Hürth

Das ist selten: Werner Over (Foto, Zweiter von rechts), 94, wurde von der Ortsgruppe AltHürth – Kendenich – Fischenich für 80 Jahre Treue zur IG BCE geehrt. Mit 14 Jahren begann er 1933 seine Ausbildung bei der Rheinbraun als Schlosser und trat sofort der Gewerkschaft bei. Nur einen Monat später musste er erleben, wie die Nazis die freien Gewerkschaften zerschlugen. »Werner Over blieb im Laufe seines Lebens nicht nur seinem Arbeitgeber und der Heimat Hürth treu, sondern auch der Gewerkschaft«, betonte der Ortsgruppenvorsitzende Werner Heimann in seiner Laudatio. Weitere Kolleginnen und Kollegen wurden für 25, 40, 50 und 60 Jahre Gewerkschaftsmitgliedschaft geehrt.

Or tsgruppe Wesel

Seit 75 Jahren ist Alfred Schönfeld bereits Mitglied der IG BCE beziehungsweise ihrer Vorläuferorganisationen. Der Ortsgruppenvorsitzende Michael Wesendonk (Foto, links) und der Hauptkassierer Klaus Jordan (rechts) überbrachten die Glückwünsche der IG BCE. Ein weiteres Fest hat der Jubilar bereits im September 2013 gefeiert, seinen 90. Geburtstag.


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vor ort Westfalen

Bezirk Bochum-Süd

Die Ortsgruppe Bochum-Süd ehrte in diesem Jahr für 25 Jahre IG-BCE-Mitgliedschaft Tarik Demiral, für 40 Jahre Doris Wozniak, Werner Rudloff und Hans-Robert Lipka und für 50 Jahre Mitgliedschaft Inge Ludigkeit und Manfred Warda. Zu 60 Jahren Gewerkschaftszugehörigkeit wurden Wilhelm Schulze und Karl-Heinz Fledderjohann beglückwunscht. Die Ehrung der Jubilare erfolgte im Rahmen einer Bildungsfahrt zum Haus der Geschichte in Bonn auf der Rosenau. Die Laudatio auf die Geehrten hielt Horst Seel, Leiter der Rosenau. Im Rahmen einer Bildungsfahrt zum Bonner Haus der Geschichte erfolgte die Jubilarehrung auf der Rosenau. Horst Seel, Leiter der Rosenau, hielt die Laudatio auf die Geehrten.

Bezirk Bönen

Bezirk Gladbeck-Mitte

Die Ortsgruppe Bönen freute sich in diesem Jahr über 61 Jubilare. Der Ortsgruppenvorsitzende Werner Kümmel, IG-BCE-Sekretär Gert Hauke und Ortsvorsteher Jürgen Kolar gratulierten Bernd Bröggelhoff, Klaus Effenberger, Detlev Gloger, Thorsten Leyer, Lothar Lukat, Peter Müller, Frank Oelkrug, Dirk Rebber, Christian Schenezielo, Thorsten Struhkamp und Hans-Martin Wagner zu 25 Jahren ­Mitgliedschaft, zu 40 Jahren Willi Althoff, Hasan Arabaci, Kadir Arslan, Ali Atadil, Norbert Böcker, Yasar Engin, Mehemet-Ali Evcan, Hans-Joachim Flad, Halil-Ibrahim Gezgin, Horst Hain, Klaus Heinze, Dieter Hogräve, Musa Karaca, Rolf Katthöfer, Klaus Kaup, Sait Kayki, Hartmut Krause, Heinrich Krutzke, Hasan Kücükkahrar, Kamil Kumru, ­Ulrich Müller, Helga Peters, Siegfried Pieruschka, Dieter Reichel, Martin Riedel, Franz-Josef Schenkel, Rudolfo Speer, Ulrich Stockhecke, Ali-Riza Clas, Ismail Uslu, Klaus-Dieter Werth, Günter Willmann und Uysal Yumusak, zu 50 Jahren Gewerkschaftszugehörigkeit beglückwünschten sie HansKurt Gebauer, Bernd Rösler, Fritz Schröder, Rainer Senk und Wolfgang Steckel, zu 60 Jahren Richard Hillebrecht, ­Erwin Hübner, Herbert Kroll, Alfons Lueke und Horst Weyer, zu ganzen 70 Jahren Horst Graner, Erich Schnickmann, Wilfried Simon, Karl-Heinz Voß sowie Rudolf Wiese und zu besonderen 75 Jahren die langjährigen IG-BCE-Mitglieder Willi Richter und Helmut Bruns.

Die Ortsgruppe Gladbeck Mitte ehrte in diesem Jahr 51 Jubilare mit insgesamt 2210 Mitgliedsjahren. Bürgermeister Ulrich Roland, Michael Gerdes, Mitglied des Deutschen Bundestages, und der IG-BCE-Bezirksleiter Peter Obramski zeichneten in feierlichem Rahmen Velid Dindic, Miroslaw Famulla, Stefan Folde, Dieter Janßen, Thomas Korbar, Michael Krinke, Christoph Lorenz, Michael Matthies, Harry Oberlaender, Ilyas Sakin, Matthias Schulte-Batenbrock, Frank Speker und Thomas Zeidler für 25 Jahre IG-BCE-Mitgliedschaft aus, Friedel Berndt, Bernard Brokamp, Josef Dienelt, Günter Fegeler, Alfred Klaiber, Ernst Koschewitz, Thomas Lordick, Antonio Machado, Otto Merle, Klaus Ostberg, Hans-Georg Reinermann, Johannes Rottmann, Barbara Siepmann, Detlef Weinert, Christa Wolfgramm wurden für 40 Jahre Mitgliedschaft ausgezeichnet, Josef Boeker, Ewald Buttler, Fred Gaida, Walter Hüßhoff, Bernhard Jäckel, Rolf Jünemann, Udo Krause, Georg Lückgen, Karlheinz Luthe, Wilfried Michalski, Helmut Schumacher, Helmut ­ Siepmann für 50 Jahre Gewerkschaftszugehörigkeit, Otto Bartnik, Heinz Erwig, Franz Kovac, Gerhard Neubauer, Karl-Heinz Siedlaczek, Hans Stueven, Franz Szerzant, Wilhelm Temminghoff, Franz Wroblewicz für 60 Jahre Mitgliedschaft, Heinz Kunze und für 70 Jahre. Herbert Wolbek wurde zu stolzen 75 Jahren Mitgliedschaft in der IG BCE beglückwünscht.

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Einer von uns

klaus jungenblut und Fotos (2): Frank Rogner

seine Frau machen gern Zeitreisen. Dafür setzen sie sich in ihre Isetta und auf ihren Heinkel-Roller. Oder einfach ins Wohnzimmer.

Ein echter Fuffziger

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enn Klaus Jungenblut heimkommt, erkennt seine Frau ihn von Weitem. Sein Auto sieht nicht nur anders aus als die der Nachbarn, sondern klingt auch anders. Das rotweiße Ei tuckert wie ein Roller und ist auch kaum größer: eine Isetta, wie Zehntausende sie zur Zeit des »Wirtschaftswunders« fuhren.

»Wir mögen die Zeit. Die Leute haben stärker zusammengehalten, das war ein ganz anderes Selbstverständnis«, findet Klaus Jungenblut. Auch seine Frau, die eigentlich mehr auf Jugendstil steht, teilt längst sein Faible. Sie sind beide Jahrgang 62, genau wie seine Isetta und ihr Goggomobil. Die sie

»Wir mögen die Wirtschaftswunderjahre. Das war ein ganz anderes Selbstverständnis.« Klaus Jungenblut klappt die Front auf und schält sich mit seinen 1,92 Meter am dünnen Lenkrad vorbei heraus. Als entstiege er einer Raumkapsel aus den Fünfzigern, trägt er originalgetreu Hawaiihemd und braune Brille. »Mit der Isetta fing alles an«, sagt er und geht zum Haus, »seitdem leben wir das.« Von der Tante-Emma-Glocke an der Tür bis zur Hausbar im Fernsehschrank steckt das Haus des Ehepaares in Senden voller Schmuckstücke aus den Fünfziger- und Sechzigerjahren. 30 | kompakt | Januar 2014

ganz selbstverständlich nutzen. Bequem ist das nicht immer, aber darum geht es ihnen ja nicht. Die Schaltung der Isetta ist links an der Tür, auf der Sitzbank rutscht man hin und her und das Goggomobil kippt leicht um. »Dafür erleben wir tolle Sachen«, beginnt seine Frau zu erzählen und stellt Filterkaffee und Dominosteine in altem Porzellan auf den Couchtisch. Jugendliche halten die Isetta schon mal für eine BMW-Fälschung, Alte erzählen gerührt von ihren Urlaubsreisen. Auch

Jungenbluts sind zu ihrem Hochzeitstag schon bis in den Harz gefahren mit ihren zwölf PS: »Das reicht allerdings auch für ein paar Wochen, die Isetta hieß nicht umsonst Schlaglochsuchgerät.« Der freigestellte Betriebsratsvorsitzende bei Armstrong Building Products, einem Produzenten akustischer Deckenplatten, ist Bastler, hat Kfz-Mechaniker gelernt, am Band und als Schichtleiter gearbeitet. Jungenblut weiß, wie man Maschinen repariert und in Schuss hält. So gern er mit der Isetta fährt – Streusalz kommt ihm nicht dran. Für den Winter wäscht er sie und verpackt sie sorgfältig in der Garage. »Wir haben aber auch eine extra breite Terrassentür, falls wir sie mal irgendwann ins Wohnzimmer stellen wollen.«  Dagny Riegel

Sie kennen ein IG-BCE-Mitglied mit außergewöhnlichem Hobby? Dann schreiben Sie uns: kompakt@igbce.de


Tendenzen Chemie-Tarifrunde 2014

Jetzt geht’s los!

Neun Verhandlungsrunden in den

Regionen und kein Millimeter Fortschritt – das ist die schmale Auftaktbilanz der Chemie-Tarifrunde 2014. »Das kann so nicht weitergehen«, macht IG-BCE-Tarifpolitiker Peter Hausmann seinem Unmut Luft. »Wenn die Arbeitgeber sich nicht bewegen, dann müssen wir für Bewegung sorgen.« Die Beschäftigten – wie hier bei Tesa in Hamburg – nehmen den Ball auf, verleihen der gewerkschaftlichen Forderung demonstrativ Nachdruck. Foto: Martin Schlüter

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Beate Nörenberg, Roche Mannheim: Die Beschäftigten bei Roche erwarten eine deutliche Erhöhung der Entgelte. Die Pharma-Industrie boomt, daran müssen die Arbeitnehmer beteiligt werden. Und um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, müssen die jungen Leute nach der Ausbildung übernommen werden.

Foto: Frank Rogner

Fotos (6): Christian Burkert

TENDENZEN Chemie-Tarifrunde 2014

Klaus-Peter Müller, BASF Schwarzheide: Lohnzurückhaltung steigert die Wettbewerbsfähigkeit und damit die Exporte, so argumentieren die Arbeitgeber. Gleichzeitig schwächt sie aber die Binnennachfrage. Höhere Reallöhne in Deutschland wirken dem entgegen. Die Forderung von 5,5 Prozent ist daher fair und gerecht.

Andreas Wagenholz, Industriepark Walsrode: Die Zeit der Zurückhaltung muss endlich vorbei sein. Die wirtschaftliche Lage ist deutlich besser als die Arbeitgeber behaupten. Es geht vielen Unternehmen nur noch darum, die Aktionäre zufriedenzustellen. Jetzt müssen aber auch die Beschäftigten ihren fairen Anteil bekommen.

sigrid kappe, Evonik Marl: Unsere Kolleginnen und Kollegen leisten mit ihrer Arbeit einen entscheidenden Beitrag zum Erfolg der Unternehmen. Gleichzeitig werden sie durch steigende Kosten für Mieten und Energie belastet. Daher erwarten wir eine Tariferhöhung, die deutlich im Portemonnaie spürbar ist.

Chemie-Tarifrunde O

b in Frankenthal, Karlsruhe oder Berlin – überall das gleiche Bild. Die Chemie-Arbeitgeber malen die wirtschaftliche Lage in düstersten Farben. Sie jammern, was das Zeug hält. »Die Chemie muss beim Entgelt auf die Kostenbremse treten«, gibt Verhandlungsführer Hans-Carsten Hansen die Richtung vor. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Es werden satte Gewinne gemacht, die Aktionäre freuen sich schon auf die Dividenden. Die Konjunkturerwartungen sind nach Erhebungen des Münchner Ifo-Instituts auf den höchsten Stand seit Frühjahr 2011 gestiegen. Der IfoGeschäftsklimaindex gilt als das wichtigste deutsche Wirtschaftsbarometer. In der Chemie sind die Kapazitäten ausgelastet, auch in den Auftragsbüchern sieht es gut aus. Die Lage ist auf hohem Niveau stabil, die Branche befindet sich in einer robusten Verfassung. Daran haben die Beschäftigten den ent-

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scheidenden Anteil. Der Umsatz pro Kopf und Jahr liegt konstant bei rund 450  000 Euro. Der Entgeltanteil am Umsatz beträgt gerade zwölf Prozent. An diesen Zahlen ändern auch die kühnsten Rechenkunststückchen der Arbeitgeber nichts. »Unsere Forderung nach einer Erhöhung der Entgelte um 5,5 Prozent bei einer Vertragslaufzeit von zwölf Monaten ist berechtigt«, stellt IG-BCE-Tarifpolitiker Peter Hausmann lakonisch fest. »Ausbildung und Übernahme« – unter dieser Überschrift steht der zweite Forderungskomplex der Chemie-Tarifrunde 2014. Hintergrund: Der 2003 abgeschlossene Chemie-Tarifvertrag »Zukunft durch Ausbildung« schreibt eine Erfolgsgeschichte. Die Zahl der Ausbildungsplätze in der Branche liegt stabil auf Rekordniveau. 2013 wurden 9576 neue Lehrstellen angeboten, im Vorjahr konnte mit 9583 Plätzen eine Bestmarke gesetzt werden. Die Zahl der Ausbil-

dungsplätze stieg in den vergangenen zehn Jahren um rund 1000, das entspricht einem Plus von elf Prozent. Diese Politik will die IG BCE fortsetzen und den Zukunftsvertrag verlängern. Zusätzlich nimmt sich die Gewerkschaft die Übernahme vor. »Nur noch etwa ein Drittel aller Ausgebildeten erhält einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Das ist ein unmöglicher Zustand, das wollen wir ändern. Befristete Übernahme ist von gestern«, unterstreicht Peter Hausmann. Doch auch hier beißt die gewerkschaftliche Verhandlungskommission auf Granit. Hinter dieser Taktik steckt mehr als das übliche Vorgehen im Tarifpoker. Offenbar fühlen sich die Chemie-Arbeitgeber in dieser Runde der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände stärker verpflichtet als der eigenen Branche. Es gibt augenscheinlich die Erwartung, dass die Chemie die Rolle der Tarifführerschaft für das Jahr 2014 übernimmt – und folglich


Foto: Michael Cintula

Manfred Köppl, Wacker Chemie Burghausen: An den Arbeitsplätzen unserer Kolleginnen und Kollegen war in den vergangenen Monaten nichts von einer Krise zu spüren – im Gegenteil. Zudem lassen uns die Prognosen optimistisch in das Jahr 2014 blicken. Faire Bezahlung und faire Regelungen zur Übernahme nach der Ausbildung sind deshalb unsere Schwerpunkte.

Gisela Seidel, Lanxess Dormagen: Die regionale Verhandlung in NRW machte deutlich, dass Sichtweise und Beurteilung der wirtschaftlichen Situation weit auseinanderliegen. Die deutsche Chemie-Industrie ist Exportweltmeister – da kann man die Diskussion der Arbeitgeber über die internationale Wettbewerbsfähigkeit nicht akzeptieren.

Winfried Zander, Henkel Düsseldorf: Die Forderung von 5,5 Prozent mehr ist für die Beschäftigten von Henkel das Mindeste, was sie erwarten. Und die Übernahme der Azubis liegt nicht nur im Interesse der jungen Leute, sondern auch im Interesse der Arbeitgeber, wenn sie den demografischen Wandel ernst nehmen.

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Anna Uhrig, BASF Ludwigshafen: Zukunftsperspektiven schafft man durch Sicherheit. Wir fordern daher sichere Ausbildungsplätze und eine faire Übernahme.

 nimmt Fahrt auf! möglichst niedrig abschließen soll. Entsprechend klar die Ansage des IG-BCEVorsitzenden Michael Vassiliadis: »Ich kann die Arbeitgeber nur warnen, unsere Tarifrunde mit anderen, sachfremden Erwägungen zu belasten. Wenn wir am 15. Januar auf Bundesebene verhandeln, dann muss deutlich werden, dass es um die Tariffindung in der chemischen Industrie geht – und um sonst nichts. Die IG BCE ist auf diese Tarifauseinandersetzung gut vorbereitet. Die Stimmung in unseren Betrieben ist gut, wir sind mobilisierungsbereit und fähig, den Druck zu erhöhen.«

Schwer für mehr!

Begleitend zur Tarifkampagne hat die IG BCE die Aktion »Schwer für mehr« gestartet. Ein bisschen augenzwinkernd – aber mit ernstem Hintergrund: Die Chemie zählt zu den Schwergewichten der deutschen Industrie. Jetzt bringen die Beschäftigten ihr ganzes tarifpolitisches Gewicht in die Runde ein und erhöhen so das Verhandlungsgewicht.

Mehr Infos: tarifrunde.igbce.de

Michael Denecke/ Sarah Heidel kompakt | Januar 2014 | 33


TENDENZEN Freiheit

Foto: Mark Wessels/Reuters

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Leuchtfeuer  Foto: Christopher Furlong/Getty Images

Nun ist »Vater Madiba«

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heimgekehrt. Der südafrikanische Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela wurde in seinem Heimatdorf Qunu beigesetzt. Der erste schwarze Präsident des Landes war am 5. Dezember im Alter von 95 Jahren gestorben.

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er charismatische Kämpfer gegen das Apartheid-Regime führt auch noch im Tod so unterschiedliche Weltanschauungen zusammen wie sie US-Präsident Barack Obama und der kubanische Präsident Raúl Castro vertreten. Obama schüttelte dem Repräsentanten des jahrzehntelang verhassten Staates am Rand der Trauerfeiern die Hand – eine historische Begegnung. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon nannte Mandela ein »Leuchtfeuer der Hoffnung und der Menschenrechte«. Die Strahlkraft des Mannes berührte Menschen rund um den Globus.


Foto: Erhan Sevenler/picture alliance/AA Foto: Uli Deck/picture alliance/dpa

der Hoffnung »Seine Persönlichkeit hatte mich sehr tief beeindruckt«, erinnert sich Manfred Warda, ICEM-Generalsekretär und ehemaliger Abteilungsleiter Internationales der IG BCE. Warda begegnete Mandela Anfang der 90er-Jahre als Cyril Ramaphosa, Generalsekretär der südafrikanischen Bergbaugewerkschaft National Union of Mineworkers (NUM), verabschiedet wurde. Ramaphosa ist nun stellvertretender Vorsitzender von Mandelas Partei African National Congress (ANC) und moderierte die Trauerfeier.

1984 kam es zum ersten Kontakt

der IG Bergbau und Energie mit der NUM, der sich zu einer intensiven Zusammenarbeit entwickelte. Ramaphosa und James Motlatsi trafen sich mit Adolf Schmidt und Vertretern des Entwicklungsdienstes der EKD in Haltern. Eine große Solidaritätswelle gab es nach der Methangasexplosion auf dem Kohlebergwerk Hlobane 1983 mit 64 Toten. Eine Gruppe von jungen deutschen Bergleuten reiste später nach Südafrika, wo sie einige Tage mit den Familien der südafrikanischen Partner in den

Nelson Mandelas Sarg kehrt heim (oben). Sein Konterfei und Clanname Madiba am Tafelberg in Kapstadt. Schwarz und Weiß vermissen seine Lebensfreude und Einigungskraft.

»Homelands« verbrachten. Sie berichteten von Erfahrungen hart an der Grenze des psychisch Verkraftbaren. Im Jahr darauf kamen zehn junge farbige Bergleute aus Südafrika nach Deutschland. Ein Teilnehmer berichtete, wie sehr er sich überwinden musste, als er von der Mutter des deutschen Kollegen umarmt wurde. Erstmals war er einer weißen Person so nahegekommen. Mit ihrer südafrikanischen Schwesterorganisation und Mandela ist die IG BCE bis heute in besonderer Weise verbunden. Jörg Nierzwicki kompakt | Januar 2014 | 35


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TIPPS Änderungen zum jahreswechsel

Es bleibt mehr Geld in der Kasse Die Abzüge vom Lohn und Gehalt fallen 2014 für die meisten Arbeitnehmer im neuen Jahr geringer aus. Dafür sorgt vor allem der höhere Grundfreibetrag bei der Steuer.

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enn im Januar das erste Gehalt für 2014 gezahlt wird, bleibt bei den meisten Arbeitnehmern netto ein wenig mehr übrig als 2013. So wird ein Beschäftigter mit einem BruttoDurchschnittsverdienst von 2839 Euro knapp sieben Euro im Monat mehr zur Verfügung haben als noch 2013 (siehe Tabelle rechte Seite). Grund dafür ist der höhere steuerliche Freibetrag. Dieser steigt 2014 um 224 Euro auf 8354 Euro. Niedrigverdiener mit Einkünften bis 920 Euro brutto im Monat profitieren von der Erhöhung des Steuerfreibetrags kaum – für sie kann aber der von der Großen Koalition geplante Mindestlohn demnächst Vorteile bringen.

Beiträge und neue Grenzwerte in der Sozialversicherung Bei den Beiträgen zu den Sozialversicherungen ändert sich 2014 zunächst nichts. Arbeitnehmer mit Kind müssen 36 | kompakt | Januar 2014

insgesamt weiterhin 20,175 Prozent ihres Bruttogehalts an die Sozialversicherungen zahlen; bei Kinderlosen sind es 0,25 Prozent mehr. Bei der Rentenversicherung bleibt es – jedenfalls nach dem Stand bei Redaktionsschluss – bei einem Beitragssatz von 18,9 Prozent. Keine Veränderung gibt es auch bei der Arbeitslosenversicherung (3,0 Prozent). Der Beitragssatz zur Pflegeversicherung soll zwar laut Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD spätestens 2015 um 0,3 Prozentpunkte steigen, es bleibt aber zunächst für Versicherte mit Kind bei 2,05 Prozent und für Kinderlose bei 2,3 Prozent. Den Beitragssatz zur gesetzlichen Krakenversicherung (GKV) plant die Große Koalition künftig wieder von den einzelnen Kassen festlegen zu lassen. Dies betrifft dann aber nur den Arbeitnehmeranteil. Dieser soll flexibilisiert werden (derzeit liegt er bei 8,2 Prozent). Der Arbeitgeber-

anteil hingegen bleibt bei 7,3 Prozent eingeforen. Wann diese Regelung greift, stand bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht fest.

Besserverdiener müssen mehr in die Sozialkassen zahlen Trotz unveränderter Beitragssätze bei der Sozialversicherung müssen Besserverdienende künftig mehr zahlen. Denn in allen Versicherungszweigen sind jetzt höhere Einkünfte beitragspflichtig. So steigt 2014 die Beitragsbemessungsgrenze in der Renten- und Arbeitslosenversicherung um 100 auf 5000 Euro in Ostdeutschland und um 150 auf 5950 Euro im Westen Deutschlands. Bei der Kranken- und Pflegeversicherung bezahlen in diesem Jahr Gutverdiener Beiträge maximal auf Basis von monatlich 4050 Euro (vorher: 3937,50 Euro). Hierbei gibt es keinen Unterschied zwischen den alten und neuen Bundesländern.


n

Nett0 2013

Nett0 2014

1000,00

 788,42

 791,84

1500,00

1095,08

1101,08

2000,00

1369,68

1375,58

2500,00

1641,59

1648,27

2839,00

1829,24

1835,52

3000,00

1902,86

1910,43

3500,00

2153,33

2161,86

4000,00

2396,63

2402,64

4500,00

2653,38

2657,86

5000,00

2897,04

2903,01

Annahmen: Steuerklasse I/IV, Nordrhein-Westfalen, keine Kirchensteuer, mit Kind, sozialversicherungspflichtig.

s age

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Brutto

Im etty ic/G Grk

berechnet mit Hilfe von: www.n-heydorn.de/gehaltsrechner.html

Die Beitragsbelastung eines relativ gut verdienenden Westdeutschen mit einem Arbeitseinkommen ab 5950 Euro brutto erhöht sich damit um knapp 27 Euro pro Monat gegenüber dem Vorjahr. Die höhere Beitragsbelastung wird jedoch zumeist durch eine steuerliche Entlastung ausgeglichen.

Höhere Versicherungspflichtgrenze in der GKV Auch die bundeseinheitliche Versicherungspflichtgrenze in der gesetzlichen Krankenversicherung steigt. Versiche-

rungspflichtig sind hier Arbeitnehmer, die 2014 im Schnitt brutto bis zu 4462,50 Euro pro Monat (2013: 4350 Euro) verdienen. Wer ein höheres Arbeitsentgelt bezieht, ist versicherungsfrei und kann sich zwischen einer freiwilligen gesetzlichen oder einer privaten Krankenversicherung (PKV) entscheiden. Für diejenigen, die schon Ende 2002 privat versichert waren, liegt die Versicherungspflichtgrenze bei 4050 Euro im Monat. Etliche PKV-Versicherte rutschen durch die Erhöhung dieser Grenzen 2014 mit ihrem Einkommen wieder in die Versicherungspflicht, dann können und

Beitragsbemessungsgrenzen in den Sozialversicherungen 2014

2013

West

Ost

West

Ost

Allgemeine Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung

5950,00

5000,00

5800,00

4900,00

Knappschaftliche Rentenversicherung

7300,00

6150,00

7100,00

6050,00

Kranken-, Pflegeversicherung

4050,00

4050,00

3937,50

3937,50

alle Angaben in Euro

müssen sie sich wieder gesetzlich versichern. Wer wegen der hohen privaten Versicherungsprämien an einer Rückkehr in die GKV interessiert ist, kann seine beitragspflichtigen Bruttoeinkünfte auch durch Ansparen von Gehaltsbestandteilen auf einem betrieblichen Langzeitkonto (etwa zur Finanzierung eines Vorruhestands) senken. Liegen dadurch die ausgezahlten Bruttoeinkünfte unter der jeweils geltenden Versicherungspflichtgrenze, so ist der Weg zurück in eine gesetzliche Kasse geebnet.

Hartz-IV-Satz wird angehoben Der Regelsatz für Empfänger von Arbeitslosengeld II (Hartz IV) erhöht sich um 2,27 Prozent. Ein alleinstehender Erwachsener erhält damit monatlich 391 Euro Grundsicherung (2013: 382 Euro). Die Regelsätze für die im Haushalt lebenden Partner und Kinder (Mitglieder der Bedarfsgemeinschaft) steigen anteilig. Für Kinder zwischen sechs und 14 Jahren gibt es beispielsweise sechs Euro monatlich mehr. Rolf Winkel/Hans Nakielski

kompakt | Januar 2014 | 37


TIPPS Änderungen zum jahreswechsel Foto: ace

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Zahlreiche Arbeitnehmer

sind ständig auf Achse. Manche Beschäftigten haben nicht mal einen festen Arbeitsort. Seit Anfang 2014 gelten für sie neue steuerliche Regeln bei den Reisekosten. Diese bringen überwiegend Vorteile. Ob Außendiestler oder Monteur – viele Arbeitnehmer sind beruflich unterwegs. Zum pauschalen Ersatz des »Verpflegungsmehraufwands«, der bei solchen Reisen entsteht, zahlen Betriebe ihren Beschäftigten häufig Tagegelder, oft auch Auslöse genannt. Wie viel den betroffenen Arbeitnehmern zusteht, hat der Gesetzgeber nicht festgelegt. Das Bürgerliche Gesetzbuch regelt in Paragraf 670 nur, dass ein »Auftraggeber zum Ersatz verpflichtet« ist. Regelungen dazu finden sich in Ar-

beitsverträgen, Betriebsvereinbarungen und Tarifverträgen. Im Manteltarifvertrag der Chemie-Industrie heißt es hierzu: »Bei angeordneten Dienstreisen und Abordnungen besteht ein Anspruch auf Ersatz angemessener zusätzlicher Aufwendungen für Unterkunft und Verpflegung.« In den einzelnen Betrieben richtet man sich dabei meist nach den Bestimmungen des Einkommensteuergesetzes. Dort ist festgelegt, welche »Tagegelder« Arbeitnehmer steuerfrei erhalten beziehungsweise pauschal steuerlich ansetzen können (selbst wenn in ihrem Betrieb weniger gezahlt wird). Seit Anfang 2014 gelten hier günstigere Regeln. Bisher stand Berufstätigen bei einer Abwesenheit von 8 bis (unter) 14 Stunden lediglich eine steuerliche Pauschale von 6 Euro zu, künftig sind es 12 Euro. Dieser Satz von 12 Euro gilt 38 | kompakt | Januar 2014

Höhere Spesen von der Steuer absetzbar nun generell bei Dienstreisen, die mindestens 8 Stunden dauern. Bei ganztägigen Reisen (24 Stunden) sind 24 Euro steuerfrei. Bei mehrtägigen Dienstreisen wird

nun für den An- und Abreisetag ohne weitere Prüfung eine Pauschale von 12 Euro angesetzt. Ein Beispiel: Ein Arbeitnehmer tritt eine Dienstreise dienstagsabends um 18 Uhr an und kehrt in der Nacht vom Mittwoch auf Donnerstag um 2.30 Uhr zurück. Der Arbeitgeber kann in diesem Fall für Dienstag und Donnerstag jeweils 12 Euro an Pauschalen zahlen und für Mittwoch 24 Euro, insgesamt also

48 Euro. Diese 48 Euro kann der Arbeitnehmer in jedem Fall steuerlich geltend machen – selbst wenn der Arbeitgeber kein Tagegeld zahlt. Für Bruttoeinkünfte in Höhe von 48 Euro braucht der Beschäftigte nun keine Steuern zu zahlen. Bislang wären es nur 24 Euro gewesen. Die Neue Regeln gelten ab 2014

auch für Arbeitnehmer mit doppeltem Wohnsitz. Für die Abgrenzung von Fahrtkosten zur Arbeit und Reisekosten gibt es Rolf Winkel ebenfalls Neuerungen. 

Weitere Infos im Internet: www.igbce.de

Verpflegungsmehraufwand Pauschbeträge Dauer der Abwesenheit

Alte Regelung

Neue Regelung

8 bis unter 14 Stunden

  6,00 Euro

12,00 Euro

14 bis unter 24 Stunden

12,00 Euro

12,00 Euro

24 Stunden

24,00 Euro

24,00 Euro

unter 8 Stunden


Foto: ace

TIPPS Autofahrer

>

Die Umweltzonen werden 2014 erneut ausgeweitet. In Nordrhein-Westfalen müssen in 22 Städten ab dem 1. Juli Fahrzeuge ohne grüne Plakette draußen bleiben. Betroffen sind Autofahrer in den Städten Bonn, Düsseldorf, Hagen, Köln, Langenfeld, Mönchengladbach, Neuss, Remscheid, Wuppertal sowie in der Umweltzone Ruhrgebiet.

Strengere Regeln für Verkehrssünder

A

uch Autofahrer müssen sich auf einige Änderungen einstellen. Dazu zählen Neuerungen im Punktesystem und eine Verschärfung des Bußgeldkatalogs. kompakt hat die wichtigsten Veränderungen zusammengefasst. Die Verkehrssünderdatei in Flens-

burg, das Verkehrszentralregister (VZR), heißt ab dem 1. Mai Fahreignungsregister (FAER). Gleichzeitig tritt der neue Bußgeldkatalog in Kraft. Eingetragen werden nur noch Verstöße, die direkten Einfluss auf die Verkehrssicherheit haben. Ein bis drei Punkte sammelt ein Fahrer dafür dann auf seinem Konto. Die Obergrenze der Verwarnungsgelder steigt auf 55 Euro, die der Bußgelder auf 60 Euro. So kostet das Benutzen des Handys am Steuer künftig 60 Euro statt wie bisher 40. Auch wenn Kinder nicht richtig gesichert sind, kostet das nun 60 Euro. Für beide Verstöße gibt es einen Eintrag im FAER. Nicht registriert werden das Fahren ohne Kennzeichen oder das unerlaubte Einfahren in Umweltzonen. Beide Verstöße sind jedoch 20 Euro teurer.

Das Punktesystem verändert sich

ebenfalls. Der bisherige Punktestand wird zum 1. Mai umgerechnet (siehe Tabelle). Die Höchstgrenze liegt dann bei acht Punkten. Verkehrsteilnehmer mit maximal fünf Punkten können innerhalb von fünf Jahren einen Punkt mithilfe eines Aufbauseminars abbauen. Außerdem gelten für alle Eintragungen feste Fristen.

Bei der Führerscheinprüfung

kommen im theoretischen Teil ab dem 1. April überarbeitete Fragen zum Einsatz. Filmsequenzen ersetzen außerdem zwei Fragen. Neue Regelungen im europäischen Ausland: In der Schweiz müssen Autound Motorradfahrer seit 1. Januar auch am Tag mit Licht fahren. Die Maut steigt außerdem in Österreich und Slowenien. Eine Zehn-Tages-Vignette in Österreich kostet dann 8,50 Euro, eine Sieben-TagesVignette in Slowenien 15 Euro. Vor allem in Slowenien ist das Fahren ohne Vignette kostspielig: Das Bußgeld liegt zwischen 300 Euro und 800 Euro. Désirée Binder

Alle Neuwagen müssen spätestens

von November 2014 an mit einem automatischen Kontrollsystem für Luftdruck ausgestattet sein. Damit lässt sich schleichender Druckverlust rechtzeitig erkennen. Außerdem gelten vom 1. September an für neue Pkw-Typen die Grenzwerte der Schadstoffklasse Euro 6. Bei Dieselmotoren sinkt die Grenze des Stickoxidausstoßes auf 80 Milligramm pro Kilometer, bei Benzinern auf 60 Milligramm pro Kilometer. Warnwesten sind ab Juli in jedem

Auto Pflicht. Die Farbe spielt keine Rolle, sie müssen aber der europäischen Norm entsprechen.

Weitere Infos im Internet: www.ace-online.de

So werden Punkte umgerechnet Punktestand am 30. April 2014

Punkte im neuen Bewertungssystem

1 bis 3

1

4 bis 5

2

6 bis 7

3

8 bis 10

4

11 bis 13

5

14 bis 15

6

16 bis 17 oder 18 mehr

7 8

kompakt | Januar 2014 | 39


>

Rätsel TV-Sender (Abk.) atomares Teilchen

Seemanns- Gerät zum Halten des ruf Schiffes auf Enterich Position

Ziffer, einstellige Zahl kreisfreie Stadt im Erzgebirgsvorland

Meerrettich (österr.) nicht hügeliges Land

Zeittabelle Getreideunkraut

Sängergruppe im Lotto wetten ausgeprägtes ausSelbstprobieren wertgefühl

eigentüml. Atmosphäre Geduldsspiel

10

Vorderer Orient Durcheinander, Gewirr

Euro (Abk.) Dorf, Gemeinde

griech. Sagengestalt Kundgebung (Kurzwort) Autokz. v. Starnberg

Internationaler Skiverband (Abk.)

7

zehn (engl.)

Strichcode (Abk.) et cetera (Abk.)

Streit

Expertengruppe für bestimmte Aufgaben Bad Segeberg (Kfz) Frischhaltevorrichtung

4

Auf der Höhe der Zeit

Gruppenleiter (Abk.) Vorläufer des Jazz

Siebensachen

Auf zehn Gewinner wartet diesen Monat ein Apple iPad mini Wi-Fi 16GB. Neben integriertem Wlan und Bluetooth gibt es ein Jahr Garantie. Das Tablet hat einen 7,9-Zoll-Bildschirm. Weitere 40 Gewinner können sich in diesem Monat über eine IG-BCE-Lolliclock Tischuhr in »Rock Weiß« freuen. Diese schöne und moderne Tischuhr hat das IG-BCE-Logo auf dem Ziffernblatt. Mithilfe des entnehmbaren Uhrwerks kann die Uhrzeit gestellt und die Batterie gewechselt werden.

Raubfisch mit Rückenflosse bevor afrikanische Kuh- Utensil für Aufgussantilope getränke Südostasiat

2

ohne Falten Viehfutter

11

Schande, Schmach

Schiffsetage drei (span.)

Angst vor jeder Gefahr

schmale Stelle

feste Masse harten Gesteins

Schmuckstein m. eingeschnittenem Bild

Durchschnitt

Artikel Bauform, Gestaltungsweise

beglückt, entzückt

6

halbplast. Bildwerk Kennnummer (Abk.)

Raumstation

Dauergebäck

8

tiefe Zuneigung Art, Gattung

schlechter Branntwein

ital. Tenor, † 1957 (Beniamino)

einfarbig Einzelheit

Kopfschutz gesamter LebensMaterie- raum des teilchen Menschen

besondere Form des Sauerstoffs

Leuchtdiode (Abk.) vorüber, vergangen

zu Gott Sprechender Staat in Westafrika

Apothekenangestellte gigant. Märchenwesen

Gesichtshaartracht der Männer

Anschrift auf einer Postsendung

Gesteins- Teledialog schmelz- (Kurzwort) fluss des PrüfungsErdinnern urkunde

9

berührungsempfindliche Tropenpflanze

Mainzelmännchen Biene

Motorschiff (Abk.) alkohol. Getränk

flüssiger Mörtel Blasinstrument Hirschart

Tochter von Zeus und Leto Amtstracht

griech. Göttin schweiz.: Gehalt

Denkorgan Hirnstrombild (Abk.) südamer. Gebirge

Leitartikel Element Freude am Tun die Schöpfung

Weidenstock Schutzwall

Auto (engl.)

fetter, zäher Boden

dt. Komponist †

5

Bootssportart

männlicher Nachkomme

3

Präposition

Lichtbild Einschränkung französ. Präposition

Telefon (Abk.) hess. Stadt unverfälscht Gemahlin des Zeus

Maler † (Salvador) im Auftrag (Abk.)

Entgelt für die Wohnung

erhöhte Körperwärme

1

Titel der spanischen Prinzessin

arabisches Sultanat

1

40 | kompakt | Januar 2014

Bad Kreuznach (Kfz) Klostervorsteher

2

3

1407977

4

5

6

7

8

9

10

11


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Glück & Glosse

Preisrätsel Im Preisrätsel wird in diesem Monat ein Begriff gesucht, der eine Aufsicht des Finanzmarktes umschreibt. Bitte die Lösung auf eine Postkarte schreiben und einsenden an: kompakt-Redaktion, Postfach 39 45, 30039 Hannover oder per Mail an: kompakt.preisraetsel@igbce.de — bitte die Adresse mit angeben. Einsendeschluss ist der 15. Januar 2014 (Datum des Poststempels ist maßgebend). Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Die Gewinner

Je ein Grappa-Set erhalten: Helmut Lahme, Diemelsee; Peter Klett, Brühl; Dietmar Stenzel, Frankfurt; Bernd Wyskott, Hagen; Alfred Urban, Oberasbach; Eva Rehm, Erlangen; Walter Demuth, Drochtersen; Norbert Wenzel, Vreden; Josef Daniels, Düsseldorf; Theresia Müller, Freiberg; KarlHeinz Stöckler, Borken; Ralf Paoli, Sangerhausen; Werner Hauschild, Erfurt; Klaus Krause, Stuttgart; Armin Weigand, Gladenbach; Sarah Monnerjahn, Gau-Odernheim; Uwe Reinhold, Schönhof; Jutta Rinck, Östringen; Eugen Arbogast, Rheinstetten; Karin Büwendt, Naumburg; Wolfgang Havertz, Alsdorf; Marlies Rebal, Greifswald; Stefan Bessler, Bamberg; Winfried Frisch, Schiffweiler; Werner Brennecke, Bönen; Alois Nessel, Frankenthal; Wolfgang Resch, Winhöring; Tobias Schmidt, Kakenstorf; Uwe Czibulinski, Hemmingen; Volker Jäschke, Zörbig; Albin Cernuta, Oberhausen; Cäcilie Frank, Karlsruhe; Hans-Jürgen Edrich, St. Wedel; Ulrike Hoff, Zusenhofen; Silvano Piras, Weiterstadt; Gerd Hüners, Neu Wulmstorf; Dietmar Radermacher, Köln; Willi Strohmaier, Oberkirch; Manfred Auer, Schwabmünchen; Wolfgang Oehler, Wangen.

Lösung Dezember 2013: kreuzwortraetsel K L E U G R U U N H E L I I L Z W I W E G F E H E S W E L E D I

G A P P L E A N G N O D E L I D A B E K N G A E A H G B O P F E S E R D I D E G E R K N R A A N K B R A Z A T O N T O

P P L A L I E K O E C H E S H I T M R L A U T R U M S K I W I

V W P P E S A B R E L A N U S P O S H E L M

A U T O R

I N D U S

R A I N I E R

K F U S H I N A T K E N E T D A N A E G U N W E R K B K A T R

V A O E L L I T T E R O R N E E D H A E

T A N A K A R H A Y P K E R A A U U T

L O S U N G

F L O R A

F E L S

S A P R L E I I N E N D D I E G S U S S T I E E R A S T U T L A U A M K H E R A M E N U N G

»Immer das gleiche Spiel! Nachbar Pölke versucht wieder mit kleinen Sprinteinlagen Herrn Bösel aus dem Rhythmus zu bringen.«

@Lappan-Verlag, Gerhard Glück

Cartoon

Bei der Verlosung der Preise unter den Einsendern richtiger Lösungen fielen die zehn Gewinne – ein Cheruskerkorb – an: Christa Maier, Seeheim; Ursula Steiner, Oberhausen; Paul Werner, Lohmar; Hillmar Hillger, Zeitz; Horst Richter, Schönberg; Patrick Funke, Dallgow; Björn Biller, Marsberg; Gernot Benz, Essingen; Stefan Kuchenbaur, Emersacker; Heinz Seifert, Tettau.

Grimms Märchen

W

illkommen im Jahr 2014. Drei Dinge sind inzwischen Vergangenheit: die FDP, Weihnachten und unsere Taille. Wir haben unsere Seelen gefüllt mit dem Guten, Schönen, Wahren und unsere Bäuche mit guten, schönen Waren. Jetzt sind wir am Tiefpunkt – die FDP politisch-konzeptionell und wir eher so körperlich-konditionell. (Wobei ich persönlich für meinen Bauch nichts kann: Ich habe einfach von Natur aus die Beine weit hinten.) Es ist jetzt die Zeit, in der Kinder zum Lachen in den Keller gehen, wo Papas neues Fitnessfahrrad steht. Draußen sinken dicke Flocken leise auf müffelnde Müllcontainer, drinnen sinkt ein dicker Brocken leise müffelnd vom Hometrainer. Tja: Döner macht zwar schöner, aber Köfte geht auf die Höfte. Ich bin dafür jetzt ins Sport-Sponsoring eingestiegen: Sportartikelfirmen bezahlen

mich dafür, dass ich mit ihren Produkten nicht öffentlich gesehen werde. Das kommt davon, wenn man im Advent futtert, als brennten im Januar alle Pizzaläden nieder (oder sagt man »brönnten«?). Es ist die Zeit der guten Vorsätze. Ich habe meine Kleidung in drei Stapel sortiert: »Passt«, »Passt vielleicht mal wieder« und »Sehr witzig«. Man könnte jetzt Laufschuhe kaufen, aber seien wir ehrlich: Wir würden doch nur zum Supermarkt lau . . . also: gehen, um Schokolade zu kaufen. Schokolade hilft gegen Januar. Die Industrie hält eigens Winterschokolade bereit: mit Zimt, gebrannten Mandeln, Rollsplitt und Frostschutzmittel (friert nicht fest bis minus 30 Grad). Jetzt fehlt nur noch ein sich geradezu aufdrängender Witz über Sprintermord beim Wintersport, aber leider drängt sich gerade keiner auf. Schönes neues Jahr! Imre Grimm

Lösung: KREUZWORTRAETSEL

kompakt | Januar 2014 | 41


Mein Arbeitsplatz

Mit Augenmaß und Fingerspitzengefühl ist Kranführer Roman Schmigelski in »seiner« Kanzel bei der Arbeit.

Foto: Annette Hoppen

>

Roman Schmigelski (48) ist Kranführer bei Evonik am Standort Lülsdorf.

Hoch über Vater Rhein

»

Ich wuchte bis 2000 Tonnen Natrium- und Kaliumchlorid täglich. Allerdings nicht mit eigener Muskelkraft, sondern mit technischer Unterstützung. Ich bin nämlich Kranführer. Am Lülsdorfer Standort von Evonik Industries bediene ich in zwei Schichten mit einem Kollegen den Portalkran am Rheinhafen des Unternehmens.

Greifer schafft der Kran sogar 35 Tonnen. Mein Arbeitsort befindet sich allerdings nur in 20 Metern Höhe, da ist die Kanzel angebracht. Trotzdem sollte man für den Job schwindelfrei sein. Der Kanzelboden ist nämlich zum Teil aus Glas, man braucht ja die Sicht nach unten. Am Anfang war das auch für mich ein mulmiges Gefühl. Aber da gewöhnt man sich schnell dran. Was man ansonsten noch für den Beruf braucht, ist vor allem ein sehr gutes Augenmaß. Und man muss sich einfach gut konzentrieren können. Räumliches Sehen und Denken, das ist auch beides wichtig. Gelernt habe ich übrigens ursprünglich einmal Schlosser. Bei Evonik habe ich 1985 angefangen zu arbeiten. Bevor ich ganz alleine im Portalkran arbeiten durfte, musste ich zunächst eine einjährige betriebsinterne

»Schwindelfrei sollte man für den Beruf schon sein.« Die Evonik AG hat ihren Hauptsitz eigentlich in Essen und zählt zu den weltweit größten Unternehmen der Spezialchemie. Der Kran, den ich steuere, hat es in sich. Insgesamt ist der Portalkran 48 Meter hoch. 7,5 Tonnen Material kann ich mit der Schaufel in einem Arbeitsgang heben, mit dem austauschbaren 42 | kompakt | Januar 2014

Ausbildung durchlaufen. Mittlerweile sind mir die Arbeitsabläufe in Fleisch und Blut übergegangen. Ich steuere den Kran mit vier Joysticks – und die könnte ich wirklich im Schlaf bedienen. Kranführer ist trotzdem kein monotoner Job, weil man ständig gefordert ist. Der Beruf macht mir deshalb auch nach 30 Jahren noch Spaß. Für Leute, die gerne unter Menschen sind, ist der Beruf aber eher nichts. Man ist halt fast den ganzen Tag allein. Dafür ist der Arbeitsplatz im Winter schön warm und im Sommer klimatisiert. Ohne Heizung und Klimaanlage wäre ein Einsatz in der Glaskanzel undenkbar. Mit der Einsamkeit habe ich mich gut arrangiert. Der Vorteil daran ist, dass man sehr eigenverantwortlich arbeiten kann.

«



Aufgezeichnet von Annette Hoppen


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kompakt Januar 2014  

In dieser Ausgabe beschäftigen wir uns mit offensiver Mitbestimmung, für mehr Fairness und Gerechtigkeit in der Arbeitswelt.