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Nr. 01 I Januar 2013 www.igbce.de

vor ort Papierkonzern UPM will aus Flächentarifvertrag aussteigen tendenzen Zahlen und Fakten zur Leiharbeit in Deutschland tipps Was sich ab Januar beim Führerschein ändert

kompakt

Das Mitgliedermagazin der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie

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2013 ist ein Jahr der Entscheidungen. Welche Themen gehören auf die politische Agenda?


Welcher Titel gewinnt? Von Tarif bis Büro – wir haben sehr vielfältige Titelthemen in kompakt. Ganz

egal ob Energiewende oder Burn-out, wir möchten schon auf der ersten Seite deutlich machen, worum es geht. Wie ist uns das 2012 gelungen? Sagen Sie uns Ihre Meinung! Januar

Februar Nr. 01 I JaNuar 2012 www.igbce.de

März

April Nr. 03 I März 2012 www.igbce.de

Nr. 02 I FEBruar 2012 www.igbce.de

Nr. 04 I AprIl 2012 www.igbce.de

vor ort Des Duftes Kleid: Wie Gerresheimer in Tettau Flakons produziert

vor ort Kahlschlag in Konstanz: 700 Forscher verlieren ihren Arbeitsplatz bei Nycomed

vor ort Wo die Flasche zum Ketchup herkommt

vor ort Wie die August-Schmidt-Stiftung seit 50 Jahren jugendliche Waisen unterstützt

tendenzen Seit drei Generationen in Deutschland: Besuch bei einer türkischen Familie in Recklinghausen

tendenzen Blutiges Ende: Dutzende Tote beim Streik der Ölarbeiter in Kasachstan

tendenzen Wieso die Energiewende auf der Stelle tritt

tendenzen Welche Rolle die deutsche Chemie für die Zukunft der Elektromobilität spielt

tipps Entlastung für Durchschnittsverdiener: Was sich 2012 alles verändert

tipps Gut zu wissen: Neuregelungen bei Rente, Kinderbetreuung und Steuern

thema Warum sechs Prozent gerechtfertigt sind

tipps Was es beim Wechsel von Voll- in Teilzeitarbeit zu beachten gilt

kompakt

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Das Mitgliedermagazin der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie

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zwei Leben

kompakt

Das Mitgliedermagazin der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie

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raumnot im Büro

Viele Menschen pflegen einen Angehörigen – und sind berufstätig. Wie gelingt dieser Spagat?

Gute Arbeitsplätze sollten gut geplant sein – was leider viel zu selten der Fall ist.

Warten auf die Wende

Generation zuversicht

in der energiepolitik bewegt sich immer noch viel zu wenig. da muss mehr Kraft rein.

Wie junge Menschen den Weg ins Berufsleben meistern.

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Mai

Juni

Juli/August

Nr. 05 I MaI 2012 www.igbce.de

Nr. 06 I JuNI 2012 www.igbce.de

September

Nr. 07/08 I JulI/August 2012 www.igbce.de

Nr. 09 I SEptEMBEr 2012 www.igbce.de

vor ort Wie Betriebsrat und IG BCE um 1200 Arbeitsplätze bei Q-Cells kämpfen

vor ort Wieder Insolvenz in der Solarwirtschaft – IG BCE und Betriebsräte fordern nachhaltige Lösung

vor ort Praxis statt trockener Theorie: Achtklässler beim Bewerbungstraining

vor ort Wahl per Gericht durchgesetzt: Nun kämpft der PET-Betriebsrat ums Bestehen

tendenzen Wer bin ich und wenn ja, wie viele? Die Ruhrfestspiele auf Identitätssuche

tendenzen Immer am Ball – Wo deutsche Firmen an der Fußball-Europameisterschaft beteiligt sind

tendenzen Frauentag der IG BCE: Charta fordert Gleichstellung

tendenzen Alarmierende Entwicklung: Noch nie waren so viele Jugendliche in Europa arbeitslos

tipps Für welche Leistungen Kassenpatienten beim Arzt selbst zahlen müssen

tipps Zigarette zwischendurch – Wann Beschäftigte während der Arbeit rauchen dürfen

tipps Schwanger in der Ausbildung – wie lassen sich Kind und Karriere vereinbaren?

tipps Das lohnt sich: Wie Mitglieder von der neuen Bonusagentur der IG BCE profitieren

kompakt

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Leid & Liebe Unternehmen lassen sich viel einfallen, um Beschäftigte für sich einzunehmen. Doch wie weit geht das Wir-Gefühl?

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Europa durchlebt stürmische Zeiten. Selbst der Euro könnte plötzlich verloren sein. Zum großen Schaden gerade für Deutschland.

Kohle fördern, zuverlässig und sicher, bis die Zechen schließen. Aufgeben kommt für die Bergleute nicht infrage – das ist Ehrensache.

In der Chemie-Tarifrunde 2012 geht es nicht nur um Geld.

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Besser festhalten!

schicht um schicht

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November

Oktober Nr. 10 I OktOBEr 2012 www.igbce.de

vor ort »Das ist eine coole Sache!« – IG-BCE-Weiterbildungsberater unterstützen im Betrieb

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20.06.2012 12:16:13

Dezember

Nr. 11 I NovEMBEr 2012 www.igbce.de

vor ort Vorbildlich: In einer Leipziger Firma nutzen immer mehr Männer die Elternzeit

Nr. 12 I DEzEMBEr 2012 www.igbce.de

vor ort Colgate will die Elmex-Produktion verlagern — 140 Mitarbeiter sollen ihren Job verlieren

tendenzen Kampf um Mitbestimmung – das Betriebsverfassungsgesetz feiert 60. Geburtstag

tendenzen Wahnsinnig: Zahlen zu den Exzessen der weltweiten Finanzwirtschaft

tendenzen IG BCE und Mitarbeiter streiken bei Neupack unbefristet für einen Haustarifvertrag

tipps Sind Sie schwanger? Welche Fragen beim Bewerbungsgespräch tabu sind

tipps Sinnvoll: Bildungsurlaub kann Beschäftigten neue Horizonte eröffnen

tipps Unisex für alle: Versicherungen kosten demnächst für Männer und Frauen gleich viel

kompakt

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Bis zum letzten tropfen

kompakt

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kompakt

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energie im Blick

schlappe Konjunktur

In den Unternehmen wird mit Hochdruck an der Energiewende gearbeitet. Was immer noch fehlt, sind die richtigen Entscheidungen der Politik.

Der Druck im Job wird immer stärker. Viele Beschäftigte fühlen sich überfordert.

Die Wirtschaft braucht mehr Schub, um wieder rund zu laufen.

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Es passt in eine Hand: Wir verlosen fünf iPad mini von Apple. Mit der 16 Gigabyte-WlanVariante in Weiß können Sie surfen, spielen, fotografieren und filmen. Und kompakt lesen. Schreiben Sie den Monatsnamen des Titels Ihrer Wahl auf eine Postkarte und schicken Sie diese bis zum 17. Januar an uns. Welche Wahl Sie treffen, hat keinen Einfluss auf die Gewinnchance. Bitte Postkarte senden an: kompakt-Redaktion, Stichwort: Titel des Jahres, Postfach 39 45, 30039 Hannover oder E-Mail an: kompakt.leserwettbewerb@igbce.de 2 | kompakt | Januar 2013

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. . . und das können Sie gewinnen:


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unter uns

Zwischen Apfel und Krokodil

Christian Hülsmeier

Chefredakteur

der januar-titeL 2013 geht natürlich erst ein Jahr später in den Wett-

bewerb. Dann wissen wir bereits, welche politische Konstellation Deutschland in der nächsten Zeit prägen wird. Was zur Entscheidung ansteht, darüber informiert kompakt mit einem inhaltlichen Schwerpunkt in diesem Heft. in niedersachsen kandidiert

auch ein sehr geschätzter Kollege um ein Landtagsmandat. Sie kennen ihn als Autor und Namensgeber von Heims Homepage. An der Titelstrecke zu den Wahlen hat er natürlich nicht mitgewirkt. Aber es sei erlaubt, ihm an dieser Stelle alles Gute und viel Erfolg zu wünschen. Es kann nicht von Schaden sein, wenn ein gestandener IG-BCE-Kollege künftig die SPD-Fraktion im niedersächsischen Landtag verstärkt. Und das gilt genauso für die übrigen Kolleginnen und Kollegen der IG BCE, die sich bei den Wahlen in diesem Jahr um ein politisches Mandat bewerben.

X chberg Foto: Dirk Kir

Foto: Ulrich Pucknat

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as neue Jahr wird spannend, sicher. Aber in diesem Fall ist nicht an die Bundestagswahl gedacht, auch nicht daran, ob die Bayern die Meisterschaft und der BVB die Champions League gewinnt. Zumindest zeitlich näher liegend ist die Antwort auf die Frage nach dem kompakt-Titel des Jahres 2012 und wer ein iPad mini gewinnt. Fünf dieser begehrten Objekte des Apple-Kults werden verlost – auf dringenden Wunsch einiger Redaktionsmitglieder, die zu den bekennenden Jüngern des verstorbenen Steve Jobs zählen. Möglicherweise ist Ihnen das ApfelLogo so schnurz wie das Lacoste-Krokodil beim T-Shirt-Kauf. Es wäre trotzdem schön, wenn Sie sich an unserem alljährlichen Titel-Wettbewerb beteiligen wollten – und das iPad ist tatsächlich ein mächtig feines Gerät, das vieles kann, was den Alltag ein wenig netter gestaltet.

christian.huelsmeier@igbce.de kompakt | Januar 2013 | 3


11 Standpunkt

VOR ORT

Michael Vassiliadis über Aufgaben und Pflicht der Politik.

TITEL

21–29

12 Wahl  X Ja!

2013 wird gewählt. Politische Baustellen gibt es mehr als genug. kompakt zeigt, welche es zu beackern gilt und hat Wähler nach ihren Erwartungen gefragt.

Joghurtbecher für Hungerlöhne

THEMEN

18 »Unterstützung wird Raketentreibstoff«

Foto: Morten Strauch

Die Neupack-Beschäftigten kämpfen weiter für einen Tarifvertrag. Weit mehr als 1000 Menschen treffen sich am 15. Dezember zu einer solidarischen Kundgebung in Hamburg.

Gerald Hüther fordert den Wechsel von einer Gesellschaft der Ressourcennutzung zu einer der Potenzialentfaltung.

TENDENZEN

31 Goldene Träume im roten Sand

Die tansanische Regierung hat internationalen Investoren für den Bergbau vor zehn Jahren viel versprochen: Eine goldene Zukunft! Doch nur wenige proftieren davon.

34 Die Stiefkinder des Arbeitsmarktes

Leiharbeiter beziehen deutlich niedrigere Einkommen als regulär Beschäftigte und sind auch sonst oft benachteiligt. kompakt hat ein paar Fakten zusammengestellt.

Hoffnung in Gorleben TIPPS

IG BCE und Betriebsrat erreichen einen Teilerfolg. Die Verträge der bis Ende 2012 befristet Beschäftigten werden verlängert. Bundesumweltminister Peter Altmaier sagt seine Hilfe zu.

36 Normalos zahlen künftig weniger

Glashütte macht dicht

38 Kasse leer?

Bittere Realität für rund 230 Beschäftigte: Nach monatelanger Hinhaltetaktik schließt der US-Konzern O-I nun endgültige die Glashütte im badischen Achern. IG BCE und Betriebsrat konnten nach intensiven Verhandlungen einen Interessenausgleich samt Sozialplan und Transfergesellschaft durchsetzen.

UMP will flüchten Der finnische Papierkonzern plant den Ausstieg aus dem Flächentarifvertrag. IG BCE warnt vor einem Dauerkonflikt und tarifpolitischen Flickenteppich. Mit Aktionen wehren sich Kolleginnen und Kollegen gegen die geplante Tarifflucht.

4 | kompakt | Januar 2013

Was sich 2013 in der Sozialversicherung noch alles ändert, zeigt kompakt im Überblick.

Wenn Betriebskassen nicht zahlen, muss der Arbeitgeber einspringen. Was Arbeitnehmer wissen müssen.

39 Neue Karten und alte Lappen

Im Januar gibt es neue Führerscheine. Auch die Fahrzeugklassen für Mopeds, Motorräder, Trikes und Anhänger ändern sich. Ein Überblick.

IMMER IM HEFT

03 Unter uns 06 Aktuelles 08 Heims Homepage 20 Leserforum/Impressum 30 Einer von uns* 40 Rätsel 41 Glück & Glosse 42 Mein Arbeitsplatz * Die Landesbezirke Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz/Saarland und Westfalen berichten auf dieser Seite über Jubilarehrungen. Titelbild: Redaktion


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INHALT Januar 2013

36

18

Normalos zahlen künftig weniger

Unterstützung wird Raketentreibstoff

Neue Karten und alte Lappen

Goldene Träume im roten Sand

12

39

31

Fotos: Carsten Koall, teekid, Christian Aslund, Nico Herzog, Lukas Augustin

Wahl X Ja!

kompakt | Januar 2013 | 5


Foto: James Keivom/NY Daily News/Getty Images

BILD DES MONATS

Die Sandy-Hook-Grundschule im US-amerikanischen Bundesstaat Connecticut wurde Mitte Dezember zum Schauplatz eines Amoklaufs. Ein 20-Jähriger verschaffte sich gewaltsam Zugang zu der Schule und erschoss 20 Kinder sowie sechs Lehrerinnen, bevor Polizeikräfte einschreiten und die

AUFREGER DES MONATS

übrigen Kinder in Sicherheit bringen konnten. US-Präsident Barack Obama kündigte bei einer Trauerfeier Konsequenzen an: »In den kommenden Wochen werde ich meine Macht im Amt zu Bemühungen nutzen, die darauf abzielen, weitere Tragödien wie diese zu verhindern.«

Schikane gegen Betriebsrat

Foto: ZoneCreative/Getty Images

Bei Knittel, dem Berliner Farben- und Lacke-Vertrieb, eskalierte ein Konflikt um den Betriebsrat. Boris Loew, IG-BCEGewerkschaftssekretär in Berlin-Mark Brandenburg, sagte: »Die Schikanen gegen die Betriebsrätinnen reichen von massivem psychischem Druck und Mobbing bis zu einem geradezu unglaublichen, aber von Zeugen belegten Verhalten seitens der Vorgesetzten über Stunden hinweg, das als Körperverletzung gewertet wird.« Aktuell versuche das Tochterunternehmen des Farbenherstellers Caparol, die Betriebsratsvorsitzende mit einer fristlosen Kündigung loszuwerden. Die IG BCE stellte Mitte Dezember Strafanzeige.

6 | kompakt | Januar 2013


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AKTUELLES ZAHL DES MONATS

ZITAT DES MONATS

95 % RUnd 5000 Menschen haben an unserer Internetumfrage

teilgenommen, in der wir die Frage stellten, ob die Pendlerpauschale erhöht werden sollte. Rund 95 Prozent antworteten mit Ja. Für eine Erhöhung hat sich auch Michael Vassiliadis, Vorsitzender der IG BCE, ausgesprochen: »Es geht hier um eine Frage der sozialen Gerechtigkeit.« Die Arbeitnehmer dürften für ihre Mobilität nicht auch noch bestraft werden. Seit 2004 beträgt die Pendlerpauschale unverändert 30 Cent pro Kilometer, während die Kosten explodiert sind. Die Unterhaltskosten für einen Pkw sind laut Auto Club Europa (ACE) seit 2005 um 41 Prozent stärker gestiegen als die Lebenshaltungskosten.

Geburtenrate sinkt

Foto: chromorange/picture-alliance

Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung immer unattraktiver. Als Gründe für die sinkende Geburtenrate nennt die Untersuchung vor allem die schwierige Vereinbarkeit von Beruf und Elternschaft, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Hinzu komme die fehlende gesellschaftliche Anerkennung für berufstätige Mütter hierzulande. Das kulturelle Leitbild von einer »guten Mutter«, die zu Hause bei den Kindern zu bleiben habe, sei vor allem in den alten Bundesländern noch so stark verbreitet. Dadurch würden sich berufstätige Frauen Mangelware in Deutschland: Nachwuchs. im Zweifel eher gegen als für ein Kind entscheiden. Erstmals hat das Institut, das dem Bundesinnenministerium unterstellt ist, demnach die Gefühlslage der Deutschen bei der Frage des dauerhaften Geburtenrückgangs berücksichtigt und dies mit bekannten Daten zur Familienforschung kombiniert. In Europa gebe es nur zehn Länder, in denen die Geburtenziffern noch niedriger seien als in Deutschland.

Foto: Sven Simon/picture alliance

Kinderkriegen wird in Deutschland nach einer neuen

»Wir wissen, dass allein rechtliche Schritte die braune Soße noch nicht eindämmen, aber verzichten dürfen wir darauf auch nicht.« pEER sTEINBRÜCK war erst Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens, danach Bundesfinanzminister und stellvertretender SPD-Bundesvorsitzender. Seit Dezember ist er SPD-Kanzlerkandidat.

http://bit.ly/UC7fck kompakt | Januar 2013 | 7


Heims Homepage Foto: Ulrich Pucknat

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Ganz einfach

Die Partei mit der Maus

Rudolf Heim

IG-BCE-Online-Redakteur | www.igbce.de präsentiert interessante, manchmal auch ärgerliche Seiten aus dem Web E-Mail: internetredaktion@igbce.de

Maus und Ente mit eigenen Parteien. Die Kindersendung macht jedermann verständlich, was selbst erfahrene Wahlbürger oft nicht wissen: Wie funktioniert das nur mit der Erst- und Zeitstimme? http://bit.ly/TLVRub

Weitsicht

Mit Japanern und Raketen

Ich sehe mir gerne alte Videos an, besonders gerne Wahlspots. So war 1969 ein Jahr mit Aufbruchsstimmung. Die SPD warb mit amerikanischen Raketen und japanischem Fortschritt für den eigenen Wahlsieg. http://bit.ly/VZrtP4

AlBtraum

Wenn die Roten in der Nacht . . .

. . . dann schien in diesem CDUFilm von 1957 nicht nur Konrad Adenauer um den Schlaf gebracht. Nicht nur in diesem Filmchen aus der Hoch-Zeit des Kalten Krieges lauerte die rote Gefahr nahezu überall. Naja, wir haben es alle gut überlebt. http://bit.ly/1Q7SFk

Zahlenliebe

Kompetent in Prozent

Was wären wir ohne Umfragen? Dann hätten wir nichts mehr zum Spekulieren, die Wahlkämpfe wären langweiliger und mancher Statistikfan wäre seines, in diesem Falle ihres, Vorbilds beraubt. Wir sind süchtig nach dem Spiel mit Zahlen, jedenfalls diese Heute-ShowReporterin. http://bit.ly/ls05Y

8 | kompakt | Januar 2013


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Mehr Geld ab Januar

Fragen an Peter Hausmann

leiharbeiter in der Kautschuk- und Kunststoffindus-

trie bekommen ab dem 1. Januar 2013 höhere Löhne. Dann nämlich tritt der Tarifvertrag für Leiharbeiter zwischen IG BCE, dem Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister (BAP) und dem Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (IGZ) in Kraft. Nach der Chemie werden damit in zwei weiteren Branchen im Organisationsbereich der IG BCE tarifliche WildwestVerhältnisse abgeschafft. »Wir wollen den Missbrauch der Leiharbeit eingrenzen, zurückdrängen und für mehr Fairness in der Arbeitswelt sorgen«, sagt IG-BCE-Tarifpolitiker Peter Hausmann. »Die Tarifvertragsparteien allein können nicht alle Probleme lösen, eine gesetzliche Flankierung ist dringend erforderlich und bleibt auf der Tagesordnung.« In der Endstufe verdienen die Leiharbeitnehmer zwischen 85 und 90 Prozent der in der Kautschuk- und Kunststoffindustrie gezahlten Entgelte.

in diesem Jahr in der chemischen Industrie einen Ausbildungsplatz. Das ist eine neue Bestmarke und ein Plus von elf Die Chemie hat mehr Azubis als je zuvor. Prozent gegenüber 2003. IG BCE und Chemie-Arbeitgeber hatten damals vereinbart, das Ausbildungsplatzangebot bis 2007 stufenweise um sieben Prozent zu erhöhen. Seither wurde der Tarifvertrag »Zukunft durch Ausbildung« mehrfach verlängert und ausgebaut. Insgesamt befinden sich heute über 27 000 junge Menschen in der Ausbildung zu einem von über 50 Berufen in der chemischen Industrie.

Von wegen Sparen radikales sparen in der Krise hilft nicht beim Schul-

denabbau. Das ergab jetzt eine ökonomische Analyse der Universität Gießen. Zwar wird oft das Gegenteil behauptet, die Forscher kamen jedoch zu dem Ergebnis, dass der Weg zu einem ausgeglichenen Staatshaushalt vielmehr über eine Lageanalyse funktioniert, über antizyklische Kredite und gezielte Investitionen.

Foto: Andreas Reeg

Ausbildungsrekord

Foto: IG BCE/Ulrich Pucknat

Der IG-BCE-Tarifpolitiker zur Zukunft der Schichtarbeit.

Mehr Informationen zu Leiharbeitern auf den Seite 34–35

stolze 9583 Jugendliche hatten

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AKTUELLES

Die IG BCE diskutiert über neue Arbeitszeitmodelle und Schichtsysteme. Warum? Rund ein Drittel der Beschäftigten im Organisationsbereich der IG BCE arbeitet in Schichtsystemen. Viele der gängigen Modelle stammen aus den 60er- und 70er-Jahren. Allerdings waren damals personell viel stärkere Mannschaften am Start. Doch diese Zeiten sind vorbei. Die Ausdünnung der Belegschaften und eine enorme Arbeitsverdichtung sorgen dafür, dass es heute kaum noch Ruhephasen gibt. Die körperlichen und psychischen Belastungen sind erheblich gestiegen. Zudem werden die Belegschaften immer älter. Mit einem schlichten »Weiter so« sind diese Herausforderungen nicht zu bewältigen. Es geht also um eine grundlegende Neuorientierung? Ohne Industrie wird der erreichte Wohlstand in Deutschland nicht zu halten sein. Viele Produktionsabläufe können nur funktionieren, wenn sie rund um die Uhr laufen. Also abschaffen können wir die Schichtarbeit nicht. Aber wir wollen raus aus der rein technikbezogenen Gestaltung der Arbeit und der Arbeitsplätze. Zugespitzt: Wir wollen weg vom Verbrauch und hin zum Erhalt der Arbeitskraft. Was sind die konkreten Ziele, wie geht es weiter? Es geht um Entlastung und es geht darum, die Menschen gesünder in Rente zu bringen. Im Herbst 2013 wird die IG BCE auf einer Schichtarbeitskonferenz die Debatte bündeln und ein Zwischenfazit ziehen. Das wird keine akademische, sondern eine sehr praktische Veranstaltung. Übrigens sehen auch vorausblickende Arbeitgeber, dass – vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung – immer mehr Unternehmen Schwierigkeiten haben werden, ihren Fachkräftebedarf zu decken. Um die sich abzeichnende Lücke schließen zu können, muss ein ganzes Maßnahmenbündel auf den Weg gebracht werden. Dazu gehört nicht zuletzt, die Schichtarbeitsplätze deutlich attraktiver zu machen. Mehr Infos unter http://bit.ly/TWwNEv

http://bit.ly/STryDl kompakt | Januar 2013 | 9


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AKTUELLES

Foto: rudall30/Fotolia

Einmal den Chef bewerten

Vor 32 Jahren

Arbeitnehmer stehen den meist zum Jahresende geführten Beurteilungs- und Feedbackgesprächen mehrheitlich ablehnend gegenüber. Das hat eine Befragung des Assessment-Spezialisten Metaberatung unter 1100 Arbeitnehmern in Deutschland ergeben. Demnach trifft nach Ansicht von 55 Prozent der Befragten der Vorgesetzte seine Beurteilungen willkürlich. Gleichzeitig kritisieren Auf Augenhöhe: Wunsch vieler Mitarbeiter. 61 Prozent der Befragten, dass ihre Vorgesetzten die Gespräche als lästiges Pflichtprogramm betrachteten. Mehr als zwei Drittel (79 Prozent) wünschen sich, bei der Bilanz künftig auch die Leistungen der Vorgesetzten mit einzubeziehen. »Die Kritik der Arbeitnehmer trifft einen wunden Punkt. Sie zeigt, wie laienhaft Mitarbeitergespräche in der deutschen Unternehmenspraxis häufig vorbereitet und durchgeführt werden«, sagt Rainer M. Neubauer, Geschäftsführer von Metaberatung. Weitere Schwächen bei Mitarbeitergesprächen sehen die befragten Teilnehmer der Studie häufig bei der fehlenden Verbindlichkeit. 47 Prozent haben die Erfahrung gemacht, dass die Personalgespräche zu nichts führen. Aller Kritik zum Trotz bestätigt jedoch eine Mehrheit der Befragten in den Feedbackgesprächen einen grundsätzlichen Nutzen. So halten es 58 Prozent der Arbeitnehmer zumindest für wichtig, regelmäßig mit Vorgesetzten Beurteilungsgespräche zu führen und Zielvereinbarungen festzulegen.

arbeitszeugnisse müssen keine Dankesworte oder guten Wünsche beinhalten. Das entschied jetzt das Bundesarbeitsgericht in Erfurt. Aussagen über persönliche Empfindungen des Arbeitgebers gehörten nicht zum notwendigen Inhalt eines solchen Zeugnisses, befand das Gericht in seinem Urteil (http://bit.ly/ W6RPP9). Firmenchefs seien gesetzlich nicht dazu verpflichtet, Arbeitnehmern für ihre geleisteten Dienste zu danken, deren Ausscheiden zu bedauern oder ihnen für die Zukunft alles Gute zu wünschen. Die obersten Arbeitsrichter bestätigten damit ihre Rechtsprechung aus dem Jahr 2001 und wiesen die Klage eines Mannes ab, der gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber geklagt hatte. Er hielt die Schlussformel seines Arbeitszeugnisses für unzureichend und fand sein gutes Zeugnis durch sie entwertet. Der neunte Senat folgte dem nicht. Mehr Infos unter http://bit.ly/UVnILT 10 | kompakt | Januar 2013

Foto: Dispicture/Fotolia

Dank ist keine Pflicht

BAG-Urteil: Arbeitszeugnisse müssen weder Dank noch gute Wünsche enthalten.

> Lieber sicher auf dem Mofa Im Januar 1980 informierte das Leder-Echo, die Zeitung der Gewerkschaft Leder, in ihrer Rubrik »Jugend in der Gewerkschaft« darüber, dass Jugendliche künftig eine theoretische Mofa-Prüfung ablegen müssten. Davon betroffen waren Jugendliche, die »nach dem 1. April 1980 das fünfzehnte Lebensjahr vollenden und ein Fahrrad mit Hilfsmotor mit einer festgelegten Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h – das sogenannte Mofa 25 – fahren wollen«. Alle vor dem 1. April 1965 Geborenen waren von der Regelung ausgenommen. Nachgewiesen werden sollten in besagter Prüfung Kenntnisse der Verkehrsvorschriften und der »sogenannten Gefahrenlehre«. Heute sind die Regelungen strenger und differenzierter: Wer ein Mofa, Leichtmofa oder eine andere sogenannte elektronische Mobilitätshilfe mit einer Höchstgeschwindigkeit von maximal 20 km/h fahren möchte, braucht einen Führerschein oder eine Prüfbescheinigung. Dazu muss er sich theoretisch und praktisch ausbilden lassen sowie eine theoretische Prüfung ablegen. Und ab dem kommenden Jahr wird sich noch mehr ändern (siehe unseren Ratgeber auf Seite 38): Führerscheinklassen werden zusammengelegt und alle paar Jahre muss ein neues Passbild her.


STANDPUNKT

Foto: Gary S. Chapman/Getty Images

Neue Chance für einen Kurswechsel E

s ist ein Jahr wichtiger Entscheidungen, das vor uns liegt. Wird es gelingen, Europa aus der Schuldenfalle und zu neuem Wachstum zu führen? Oder sparen sich die europäischen Volkswirtschaften immer tiefer in die Krise hinein? Schaffen wir endlich wieder Ordnung auf dem Arbeitsmarkt? Oder bleibt auch in Deutschland immer mehr Menschen keine andere Wahl als Leiharbeit und Beschäftigung zu Billiglöhnen? Ist eine vernünftige Alterssicherung weiterhin die Norm in unserem Land? Oder steigt das Risiko von Altersarmut?

Foto: Ulrich Pucknat

nichts entwickelt sich zwangsläufig zum Guten oder zum Schlechten. Es ist möglich, mit Investitionen die Konjunktur anzukurbeln, Arbeitsplätze zu sichern und neue zu schaffen, den Missbrauch von Leiharbeit zu beenden und für ein faires Entgelt zu sorgen, mit guter Ausbildung und guter Arbeit auch eine gute Rente zu erreichen. Aber die Politik muss dafür die richtigen Entscheidungen treffen. Und das fordern wir ein. Wir werden uns einmischen, um einen politischen Kurswechsel zu erreichen. Wir werden unsere Themen und Vorschläge in die Wahlkämpfe einbringen. Jetzt ist die Chance da, die Parteien zu Antworten zu verpflichten, die unser Land nach vorne bringen und die vor allem für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wichtig sind. Wie auch immer 2013 die Landtagswahlen ausgehen, wer auch immer die neue Bundesregierung bilden wird: Wir müssen und werden auch selbst etwas dafür tun, dass am Ende das Prinzip sozialer Gerechtigkeit das Handeln bestimmt.

Michael Vassiliadis

Vorsitzender der IG BCE vorsitzender@igbce.de kompakt | Januar 2013 | 11

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TITEL Wahljahr

Foto: Julian Stratenschulte/dpa

 W E

s ist Zeit für einen Wechsel.« Das ist die Botschaft, die Peer Steinbrück in den nächsten Wochen und Monaten unter die Leute bringen will. Als Kanzlerkandidat der SPD möchte er die Menschen davon überzeugen, dass »Deutschland wieder eine neues soziales Gleichgewicht« finden kann – mithilfe einer rot-grünen Mehrheit bei der kommenden Bundestagswahl. »In diesen Zeiten könnte keine andere Koalition unser Land in eine gute Zukunft führen als unsere, die christliche-liberale Koalition«, kontert Angela Merkel. Doch bei allem Selbstbewusstsein weiß auch die Kanzlerin um die Bürde ihrer Regierungspartner-

12 | kompakt | Januar 2013

2013 werden drei Landtage und der Bundestag neu zusammengesetzt.

schaft: »Gott hat die FDP vielleicht nur erschaffen, um uns zu prüfen.« Wechsel oder weiter so, diese Alternative wird die Politik bis weit in das Jahr 2013 prägen. Denn nicht nur der Bundestag wird neu gewählt, sondern auch die Landtage in Niedersachsen (20. Januar), Bayern (vermutlich 15. September) und Hessen (im Herbst). Wann genau die Abgeordneten des Berliner Reichstages neu bestimmt werden, ist noch offen. Vieles deutet auf den 22. September hin. Der Bundespräsident legt den genauen Tag der Bundestagswahl etwa ein Dreivierteljahr vor der Wahl in Abstimmung mit der Bundesregierung fest.

Klar ist bereits: Die Union setzt auf das Ansehen der Kanzlerin, und Angela Merkel ist bemüht, ihre Politik in einem guten Licht erscheinen zu lassen: »Wir sind die erfolgreichste Bundesregierung seit 1990.« Tatsächlich steht Deutschland im internationalen Vergleich durchaus nicht schlecht da. Die Wirtschaft wächst, die Zahl der erwerbstätigen Menschen hat mit 41,52 Millionen einen Höchststand erreicht. Andererseits trifft Peer Steinbrück die Stimmungslage, wenn er feststellt, dass »selbst Bürger, die sich früher sicher wähnten – mit einem guWeiter auf ten Job, einer guten Ausden nächsten bildung und einem biss-  Seiten


kompakt informiert über die Wahlen – und hat gefragt, was IG-BCE-Mitglieder von der Politik erwarten.

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Foto: Christof Stache/dpa

l h a   W ! a J arbeit muss vernünftig bezahlt werden

Der Missbrauch von Leiharbeit, Billiglöhne, die zum Leben nicht reichen, willkürliche Befristung, die Umwandlung von Vollzeitstellen in Minijobs: Auf dem Arbeitsmarkt ist vieles nicht mehr in Ordnung. Weil das so ist, erwarten viele junge Menschen auch nicht, später eine anständige Rente zu erhalten.

»Junge Menschen brauchen mehr Chancen auf Ausbildung und Beschäftigung – und sie müssen anständig bezahlt werden.« Anna Uhrig Vorsitzende der Jugend- und Auszubildendenvertretung der BASF SE

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TITEL Wahljahr Energie und Euro: Diese Themen sind den Deutschen wichtig »sehr wichtig« Sichere und bezahlbare Energie Stabiler Euro Angemessene Renten Gerechter verteilte Steuerlast Weniger Staatsschulden Mehr Unterstützung für Familien mit Kindern Bezahlbarer Wohnraum Mehr Hilfen für Arme und Schwache Bessere Chancen für Frauen

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Frage: Wenn Sie einmal an den bevorstehenden Wahlkampf und die Bundestagswahl im kommenden Jahr denken. Bitte sagen Sie mir jeweils, welche der folgenden politischen Aufgaben aus Ihrer Sicht sehr wichtig (■), wichtig, weniger wichtig oder gar nicht wichtig sind. Grundgesamtheit: Wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland/Angaben in Prozent Fehlende Werte zu 100 Prozent: wichtig/weniger wichtig/gar nicht wichtig/weiß nicht/ keine Angabe Quelle: Infratest dimap

 chen was auf der hohen Kante – heute

verunsichert sind«. Es sei etwas aus dem Lot geraten, beobachtet Merkels Herausforderer, »in Deutschland und in Europa und in der Gesellschaft insgesamt«. Diese Einschätzung teilen nicht zuletzt die Gewerkschaften und auch die IG BCE. Von einem »Defizit an sozialer Gerechtigkeit« spricht Michael Vassiliadis und kündigt an, dass die IG BCE die Themen in die 1Wahlkämpfe einbringen Infratest_dimap.indd wird, die für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wichtig sind (Standpunkt Seite 11).

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An erster Stelle steht für viele Arbeitnehmer die Frage nach vernünftigen Arbeitsbedingen. So fühlen sich vier von zehn Beschäftigten immer häufiger durch Arbeitshetze und Leistungsdruck überfordert. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Arbeitsverhältnisse zu, die schlecht bezahlt sind und keine stabile Lebensplanung zulassen. Dazu gehört natürlich die Leiharbeit (Seite 34–35), das gilt aber genauso für Befristungen. Mittlerweile 14.12.2012 11:46:37 erfolgt fast jede zweite Neueinstellung nur auf Zeit, die Zahl der befristet Beschäftigten ist auf 2,7 Millionen gestie- 

Foto: Carsten Koall/Getty Images

Der Übergang in die Rente muss flexibel gestaltbar sein

Schon heute halten viele Beschäftigte nicht bis zur Rente mit 65 durch. Wer etwa sein Leben lang in Wechselschicht arbeitet, ist stärker belastet als andere, die vielleicht gerne bis 67 im Beruf sind. Daher sind neue, individuelle Übergänge in den Ruhestand notwendig – ohne Sorge vor Altersarmut.

»Wer lange hart gearbeitet hat, muss auch früher in den Ruhestand gehen können.« Frank Eschenauer Betriebsratsvorsitzender der M-real Zanders GmbH

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Die energiewende muss sozial gerecht und fĂźr die unternehmen stemmbar sein

Der Energiewende fehlt es an klarer Steuerung und an einem effektiven Management. Der Netzausbau stockt, in neue, moderne Kraftwerke wird kaum investiert, das Risiko eines Stromausfalls steigt. Und mit dem Zuwachs an erneuerbaren Energien wird Energie immer teuerer. Das geht viel besser.

ÂťDie Energiewende muss sozial gerecht sein. Sie braucht Realismus und industrie- und energiepolitischen Sachverstand.ÂŤ Wilfried Schreck Gesamtbetriebsratsvorsitzender bei Vattenfall Europe Generation AG

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TITEL Wahljahr

Foto: Andreas Rentz/Getty Images

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Energie ist entscheidend  gen. Um dem besser begegnen zu kön-

nen, fordert die IG BCE unter anderem eine Reform der Betriebsverfassung. Die Betriebsräte sollen bei Fremdbeschäftigung künftig mitentscheiden und die Voraussetzungen für gute Arbeit einfordern können. SPD-Chef Sigmar Gabriel

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hat das bereits aufgegriffen: »Wir wollen, dass in Deutschland endlich wieder gilt: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, egal, ob man Stammbeschäftigter oder Leihund Zeitarbeiter ist.« Deshalb hält es auch Gabriel für erforderlich, »die Mitbestimmung der Betriebsräte, der Ge-

werkschaften auszubauen« – damit dieses Instrument nicht genutzt werde, »um feste Jobs kaputt zu machen und befristete, schlecht bezahlte einzurichten«. Zumal gute Ausbildung und gute Arbeit auch die Voraussetzungen für eine gute Rente sind. Die Alterssicherung wird zweifellos ein weiteres zentrales Thema für die Wahlentscheidung. Denn bislang ist die Bundesregierung die Antwort schuldig geblieben, wie sie Altersarmut in Deutschland verhindern will. Die von Bundesarbeitsminsterin Ursula von der Leyen ausgelöste Debatte hat das Problem aufgezeigt – mehr aber auch nicht. Dabei wünschen sich 58 Prozent der Deutschen von der nächsten Regierung eine »angemessene Rente« (siehe Infratest-Grafik Seite 14). Einen Kurswechsel halten die Gewerkschaften zudem in der Europapolitik für angebracht. Denn die Schuldenkrise bedroht zunehmend auch die wirtschaftliche Entwicklung hierzulande. Ohne schnelles Gegensteuern könnte das Arbeitsplätze kosten und den positiven Beschäftigungstrend umkehren. Sorgen bereitet ebenso die Energiewende. Die Menschen wünschen sich »sichere und bezahlbare Energie«, aber den Alltag bestimmen höhere Stromsowie Benzinkosten. Wechsel oder weiter so? Noch bleibt offen, welcher Partei die Bürger am ehesten zutrauen, Probleme zu lösen.

Die Sparpolitik in europa muss um eine wachstumsstrategie ergänzt werden

Viele Länder Südeuropas stecken tief in der Rezession. Die Wirtschaft schrumpft bei steigender Arbeitslosigkeit und wachsender Armut. Die Regierungen sparen den fehlenden Steuereinnahmen hinterher – und vertiefen damit nur noch die wirtschaftliche Krise. Ein Teufelskreis.

»Europa muss mehr über Wachstum reden und weniger über Schuldenkrisen.« Bernd Egner Betriebsratsvorsitzender der Freudenberg New Technologies KG

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chh/nor/jow


An der Leine geht es um die Wurst

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Foto: Julian Stratenschulte/dpa (BWH Montage)

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ie Niedersachsenwahl wird mehr sein als ein Stimmungstest für den Bund. Wenn am 20. Januar knapp acht Millionen Wahlberechtigte zwischen Harz und Nordsee ein neues Parlament wählen, hält das Spitzenpersonal der Republik in Berlin den Atem an. Für die CDU geht es um die Frage, ob die Koalition von Ministerpräsident David McAllister mit den Liberalen in einem der wichtigsten Flächenländer Bestand hat. Sollte sie fallen – die FDP steht in den Umfragen (bei Redaktionsschluss Ende Dezember) konstant bei knapp vier Prozent – wäre das ein fataler Auftakt für ein Jahr, in dem bei allen vier großen Wahlen schwarz-gelbe Regierungen antreten. Will SPD-Spitzenkandidat Stephan Weil die Staatskanzlei in Hannover erobern, braucht er allerdings mehr Stimmen als vor vier Jahren, als die SPD und ihr Spitzenkandidat Wolfgang Jüttner mit 30,3 Prozent deutlich von der CDU (42,5 Prozent) unter dem damaligen Ministerpräsidenten Christian Wulff distanziert wurden. Weil hat sich auf die Grünen als Koalitionspartner festgelegt

Stehen in Niedersachsen zur Wahl: Stephan Weil (links) und David McAllister.

und die Chance eines Wahlsieges ist tatsächlich groß – so lange FDP, Linke und Piraten nicht in den Landtag am Leineufer einziehen; denn ansonsten könnte es knapp werden für eine eigene Mehrheit von Rot-Grün. Für FDP-Parteichef und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler geht es in seinem Heimatland Niedersachsen um das nackte politische Überleben: Zieht seine Partei nicht ins

Parlament ein, wird er sich wohl kaum als deren Spitzenmann halten können. Die Piraten schließlich bangen nach vielen internen Querelen ebenso um den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde. Dazu hätte die Partei beinahe nicht antreten dürfen, weil sie keine Landesliste verabschiedet hatte – der 20. Januar wird zeigen, wie sich das alles in Wählerstimmen ausdrückt. Alexander Nortrup

Arbeit muss so gestaltet werden, dass die Menschen davon nicht krank werden

Immer mehr, immer schneller, mit immer weniger Leuten: Permanenter Stress und Hetze in der Arbeitswelt stellen heute das größte Gesundheitsrisiko dar. Die Folgen: Depressionen, Burn-out, generell steigende psychische sowie physische Belastungen und (Sucht-)Krankheiten.

»Viele Beschäftigte leiden still, weil Druck und Arbeitsverdichtung zunehmen. Betriebsräte müssen da mehr Einfluss bekommen.« Bärbel Bruns Gesamtbetriebsratsvorsitzende der ContiTech Antriebssysteme GmbH kompakt | Januar 2013 | 17


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INTERVIEW Gerald Hüther

Gerald Hüther hat als Forscher viele Hirne seziert. Und hat die Köpfe der kompakt-Redakteure Alexander Nortrup und Dirk Kirchberg ordentlich zum Kribbeln gebracht.

»Unterstützung wird zu Raketentreibstoff« Gerald Hüther fordert den Wechsel von einer Gesellschaft der Ressourcennutzung zu einer der Potenzialentfaltung. Damit diese gelingt, müssten wir uns alle neu definieren. Was passiert im Gehirn einer guten Führungskraft? Aus dem vorigen Jahrhundert kommt der autoritäre Führungsstil, der darin besteht, dass Menschen seit ihrer Schulzeit über die Ausbildung bis in die betriebliche Tätigkeit gelernt haben, wie man sich Macht aneignet und einsetzt. Sie haben sich dann am stetigen Machtgewinn begeistert und im Gehirn die entsprechenden Erfahrungen verankert. Das werden autoritäre Führungskräfte, die nicht besonders umsichtig sind. Jemand, der es nötig hat, sich Macht anzueignen, ist eigentlich jemand, der bedürftig ist. Es muss dieser Person etwas gefehlt haben, damit sie zu einem Diktator wird. Moderne Führungskräfte dagegen nennt man im Englischen »Supportive Leaders«. Das sind Menschen, die genügend Erfahrung und mehr Kraft haben, die Verantwortung tragen.

Was haben die Mitarbeiter davon? Diese Menschen können ihre Kraft abgeben, um andere stärker werden zu lassen. Das ist »supportive«, also unterstützend. Sie nutzen ihre Mitarbeiter nicht wie Objekte, sondern laden sie ein, ermutigen, inspirieren – und wollen entdecken, was in ihnen steckt. Das ist keine Kuschelführung, sondern Raketentreibstoff, den man in den Mitarbeitern zündet. Das ist in hohem Maße leistungsorientiert, viel stärker als die üblichen Strategien von autoritären Führungskräften. 18 | kompakt | Januar 2013

Oftmals lassen Firmen ihre Mitarbeiter abseits des Arbeitsplatzes neue Erfahrungen machen, um das Teamgefühl zu stärken. Ist so etwas sinnvoll? Das ist nicht sehr günstig, weil man diese neuen Erfahrungen vor Ort machen müsste. Wenn so etwas in einem anderen Kontext stattfindet, etwa in einem Seilpark, sind die Erfahrungen nicht automatisch mitnehmbar in den Arbeitskontext. Es ist wichtiger, solche Prozesse im Unternehmen selbst anzusiedeln. Ähnlich ist es auch mit Kreativitätsprozessen. Wenn man Kreativität um der Kreativität willen übt, ist das »l’art pour l’art« – Kunst um der Kunst willen. So setzt man keine Kreativität frei, sondern entwickelt eine Erfahrung, die nur darauf abzielt, alle möglichen verrückten Ideen zu haben, ohne dass diese brauchbar sein müssen. Das ist keine gute Erfahrung. Auch auf die Freisetzung von Kreativität zielende Prozesse müssen dort stattfinden, wo Menschen arbeiten.

Studien zeigen, dass Mitarbeiter selten am Arbeitsplatz auf gute Ideen kommen. Warum ist das so? Man kann mit seinem Gehirn nur dann eine innovative Lösung finden, wenn es gelingt, in einen Zustand zu kommen, in dem möglichst viele unterschiedliche Wissens- und Erfahrungsbereiche gleichzeitig geöffnet sind. Sie können sich das wie eine Kommode vorstellen, bei der alle Schubladen offen stehen. Dann lassen sich Dinge miteinander kombinieren, von


denen man bisher dachte, sie würden gar nicht zusammenpassen. Kreativität ist immer nur so etwas wie die Neuerfindung von Verknüpfungsmöglichkeiten. Es gibt hirntechnisch nichts Neues, was man denken kann, sondern man kann immer nur an das, was man schon hat, noch etwas drandenken. Oder man kann das, was man schon gedacht und abgelegt hat, auf neue Weise miteinander verknüpfen. Diese Verknüpfungsprozesse gelingen nicht gut, wenn man die gesamte Hirnaktivität auf das Lösen eines Problems fokussiert – oder gar noch von außen Druck bekommt. Deswegen fallen einem die besten Ideen unter der Dusche oder beim Spazierengehen ein.

Sie fordern, dass wir nicht länger Ressourcennutzer bleiben, sondern zu Potenzialentfaltern werden. Warum sollten wir das tun? Und wie geht das?

Gerald Hüther (61) ist Professor für Neurobiologie an der Psychiatrischen Klinik der Universität Göttingen. Er interessiert sich für frühe menschliche Erfahrungen und deren Einfluss auf die Hirnentwicklung. 2011 erschien sein Bestseller »Was wir sind und was wir sein könnten: Ein neurobiologischer Mutmacher«.

Fotos: Nico Herzog

Zur Person

Wir befinden uns in einer Übergangsphase, weg von einer Ressourcenausnutzungskultur, die alles geprägt hat, hin zu einer Potenzialentfaltungskultur. Wir haben alles auf dieser Welt – Tiere, Bodenschätze, Natur – zu Ressourcen gemacht. Sogar Menschen! Deshalb heißen Personalabteilungen »Human Ressources«. Das Problem ist, dass die Ressourcen unserer Welt begrenzt sind. Wir können nicht ewig um diese begrenzten Güter konkurrieren. Wir dürfen das andere nicht als Ressource betrachten, sondern als Potenzial begreifen und fördern. Das machen viele Eltern und Lehrer so. Auch in der Wirtschaft gibt es einige Führungskräfte, die so vorgehen. Diese Menschen sind damit extrem erfolgreich und etablieren eine neue Kultur. Sie haben kein Problem mit Kreativität; man könnte sogar sagen, dass ein neues Menschenbild sichtbar wird. Ich würde mir wünschen, dass Gewerkschaften diese Übergangsphase erkennen und als Vorreiter gestalten. Das setzt aber eine neue Selbstdefinition voraus; und die funktioniert nur, wenn sich Gewerkschaftsmitglieder wie Führungskräfte als Potenzialentfalter verstünden und diese neue Kultur zuallererst innerhalb der Gewerkschaft etablierten. Das Ergebnis wäre eine individualisierte Gemeinschaft, in der jeder Einzelne den Gang der Dinge mitbestimmen kann. kompakt | Januar 2013 | 19


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leserforum Nr. 12 I DEzEMBEr 2012 www.igbce.de

vor ort Colgate will die Elmex-Produktion verlagern — 140 Mitarbeiter sollen ihren Job verlieren tendenzen IG BCE und Mitarbeiter streiken bei Neupack unbefristet für einen Haustarifvertrag tipps Unisex für alle: Versicherungen kosten demnächst für Männer und Frauen gleich viel

Schreiben Sie uns! Wir freuen uns über Lob, Kritik und Anregungen.

kompakt

kompakt IMPRESSUM

Das Mitgliedermagazin der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie

müssten. So etwas sollte in die Tarifverträge. Karin Goebels, per E-Mail schlappe Konjunktur Die Wirtschaft braucht mehr Schub, um wieder rund zu laufen.

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19.11.2012 14:59:55

Leserbriefe stellen die Meinung des Einsenders dar. Anonyme Zuschriften werden nicht berücksichtigt. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

> Teure Wege von Michael Denecke (11/2012)

Differenziert zahlen

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Die Pendlerpauschale sollte differenziert gezahlt werden. Im Regelfall nur zwei Jahre nach einer Versetzung. Es sollte begründete Ausnahmen geben, zum Beispiel bei Zeitarbeitnehmern und Arbeitnehmern mit wechselnden Einsatzorten. Hier sollte die Pendlerpauschale dauerhaft gezahlt werden. Schließlich haben sie keine Möglichkeit, dauernd umzuziehen. Das gilt auch für familiäre Pflichten, etwa wenn die Ehefrau die Eltern oder Schwiegereltern pflegt und der Mann an einem anderen Ort arbeitet. Andere Arbeitnehmer sollten dagegen nach zwei Jahren nur die halbe Pauschale erhalten. Alle Betroffenen sind durch die oft sehr langen Wege schon genug gestraft. Ich würde es begrüßen, wenn Arbeitgeber, die ihre Mitarbeiter an einen weiter entfernten Standort versetzen oder an ständig wechselnden Standorten einsetzen, die Wegezeit als Arbeitszeit bezahlen 20 | kompakt | Januar 2013

Zerstückeltes Land

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Eigentlich ist die Entfernungspauschale ziemlich ungerecht. Die Sekretärin erhält nämlich unter ähnlichen Bedingungen weniger als die Chefin, da gilt: je mehr Steuern bezahlt wird, umso mehr bekommt man wieder. Aber viel schlimmer: Die Entfernungspauschale sorgt für eine Zersiedelung der Landschaft und für erhebliche Umweltverschmutzungen, da die finanziellen Lasten des Pendelns teilweise erstattet werden. Sie hilft den Menschen, die wegen einer höheren Lebensqualität oder geringerer Grundstückspreise weit weg von ihrer Arbeitsstelle wohnen. Wer sich für den Ort des Arbeitsplatzes entscheidet und dafür vielleicht Mehrkosten in Form von höheren Lebenshaltungskosten, Mieten oder teureren Grundstücken in Kauf nimmt, um eben nicht so weit fahren zu müssen und nicht die Energie zum Auspuff hinaus zu jagen, erhält nichts. Allein der Unterschied bei Mieten kann jährlich viele hundert Euro ausmachen.

Johannes Freytag, per E-Mail

Lieber allein Ich fahre lieber alleine, da ich mich nicht von anderen abhängig machen möchte. Außerdem nutze ich die Heimfahrt oft zum Ab-

schalten und Nachdenken. Sollten allerdings die Kosten weiter steigen, wird bestimmt der Punkt kommen, an dem ich darüber noch einmal nachdenken werde. Marcus Barduhn, auf Facebook

Zusammen fahren Ich habe jeden Tag 30 Kilometer einfache Fahrt zur Arbeit. Da ist die Fahrgemeinschaft mit einem Kollegen richtig kostensparend. Nun muss ich nur noch alle 20 Tage an die Tanke – vorher war es doppelt so oft. Abhängig ist man nur bedingt, wenn mein Kollege bis zur Uhrzeit x nicht da ist, wird halt alleine gefahren. André Hentschel, auf Facebook

> Zum erneuten Versuch eines NPD-Verbots

Anderer Name Verbieten finde ich auch super, aber suchen die sich dann nicht einfach einen anderen Namen und die Organisation bleibt? Klaus Gerlach, auf Facebook

> Ende mit Wehmut von Sarah Heidel (12/2012)

Mit Stolz

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Wir haben den Artikel über unser schönes Bergwerk West mit großer Freude gelesen. Auch die Fotos sind toll. Man fühlt richtig mit, super gut. Auch die Kollegen auf den Bildern werden das mit Stolz ihren Familien zeigen. Michael Hartwich, Betriebsrat Bergwerk West, per E-Mail

Das Mitgliedermagazin der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie Herausgeber Michael Vassiliadis Chefredakteur (verantwortlich im Sinne des Presserechts) Christian Hülsmeier Stellvertretender Chefredakteur Michael Denecke Chef vom Dienst Alexander Nortrup Redaktion Sarah Heidel, Rudolf Heim, Julia Osterwald, Dirk Kirchberg, Dr. Ulrike Börger Redaktionsassistenz Simone Michels, Tanja Rössner Gestaltung Hans Borgaes Redaktionsanschrift Königsworther Platz 6 30167 Hannover Telefon: 0511 7631-306/-329 Telefax: 0511 7000891 E-Mail: kompakt@igbce.de Internet: www.igbce.de Satz: BWH GmbH Beckstraße 10, 30457 Hannover Gesamtherstellung und -vertrieb: Westend Druckereibetriebe GmbH Westendstraße 1, 45143 Essen Anzeigenverwaltung NetworkMedia GmbH Stresemannstraße 30 10963 Berlin Telefon 030 25594-160 (Fax: -190) E-Mail: haertig@nwmd.de Gültige Anzeigenliste Nr. 12 vom 01. 01. 2013 Verantwortlich für den Anzeigenteil: Claudia Härtig Zusendungen: Für unverlangte Einsendungen wird keine Gewähr übernommen. Bezugspreis 0,90 €, jährlich 10,00 €. Für Mitglieder der IG BCE ist der Bezugspreis im Mitgliedsbeitrag enthalten. Erscheinungsweise:

kompakt erscheint monatlich

mit acht Regionalausgaben für Bayern, Baden-Württemberg, Hessen-Thüringen, Nord, Nordost, Nordrhein, Rheinland-Pfalz/Saarland, Westfalen. Redaktionsschluss dieser Ausgabe: 17. 12. 2012 Druckauflage: 660 069 (III/2012) Gedruckt auf chlorfreiem Papier


VOR ORT Joghurtbecher für Hungerlöhne Neupack-Beschäftigte kämpfen weiter für Tarifvertrag

Gorleben: Hoffnung für Beschäftigte Teilerfolg für IG BCE und Betriebsrat. Die Verträge der befristet Beschäftigten werden verlängert.

Glashütte macht dicht Ein gut verhandelter Sozialplan federt für rund 230 Beschäftigte in Achern die bittere Realität ab.

UPM will flüchten Der finnische Papierkonzern plant den Ausstieg aus dem Flächentarifvertrag. Foto: Morten Strauch

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vor ort Streik bei Neupack

Gemeinsam stark etwa 220 Neupack-Beschäftigte kämpfen seit zwei Monaten für einen Tarifvertrag. Große

Unterstützung auf einer Kundgebung Mitte Dezember machte den Streikenden neuen Mut.

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n Solidarität fehlt es nicht: Weit mehr als 1000 Menschen trafen sich am 15. Dezember zu einer Kundgebung in der Hamburger Innenstadt, um sich für die Forderungen der Streikenden beim Verpackungshersteller Neupack starkzumachen. Aus ganz Norddeutschland, selbst aus Berlin waren sie dafür angereist. Eine viele Meter

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lange Wäscheleine mit Solidaritätsschreiben grenzte den Versammlungsort zum Hamburger Hauptbahnhof hin ab. Der Streik der Neupack-Beschäftigten geht um höhere und gleiche Löhne für gleiche Arbeit; viele von ihnen arbeiten für 8,40 Euro oder weniger die Stunde und haben seit Jahren keine Lohnerhöhung bekommen. Belegschaft, Betriebsrat und IG BCE kämp-

fen deshalb für einen Haustarifvertrag. Zahlreiche Politiker haben ihre Unterstützung zugesagt. Und auch prominente Hamburger stellten sich bei der Kundgebung am 15. Dezember hinter die NeupackBeschäftigten. Gunter Gabriel etwa sang stellvertretend für die Beschäftigten seinen alten Schlager »Hey Boss, ich brauch mehr Geld«. Einem Tarifvertrag aber

sind die etwa 220 Beschäftigten auch nach mehr als sechs Wochen Streik an den beiden Standorten in Hamburg-Stellingen und Rotenburg/Wümme keinen Schritt nähergekommen. Fünf Tage zuvor war das letzte Gespräch zwischen IG BCE und den Vertretern der Eigentümerfamilie Krüger gescheitert. »Sie wollten keine Verhandlungen, wollten nichts


Fotos (3): Morten Strauch

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2 1 | Gemeinsam

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Unzählige Solidaritätsschreiben begrenzen den Versammlungsort.

2 | von wegen Die Kritikpunkte: Hungerlöhne und Willkür.

3 | Hey Boss Gunter Gabriel spricht es aus: Es geht um Geld.

unterzeichnen«, berichtete Landesbezirksleiter Ralf Becker der Versammlung und forderte das Unternehmen zur Umsetzung der Grundrechte in ihrem Betrieb auf. »Die Eigentümer stellen

sich gegen die Koalitionsfreiheit, sie stellen sich gegen das Gesetz«, sagte der Hamburger DGB-Vorsitzende Uwe Grund. Noch nie sei in Hamburg so lange um einen Tarifvertrag gestreikt worden. An den Werktoren war der Konflikt in den Tagen vor der Kundgebung eskaliert. Streikende waren mit Autos angefahren, angezeigt und entlassen worden. »Das nehmen wir nicht hin«, rief der IGBCE-Tarifexperte Peter Haus-

mann den Demonstranten in Hamburg zu. »Wir wollen nicht, dass sich Menschen vor ihrem Arbeitgeber ducken müssen. Wir stehen hier für sichere Arbeitsbedingungen, einen menschenwürdigen Basislohn und eine tarifliche Grundlage dafür.« Hausmann appellierte an die Hamburger Eigentümerfamilie Krüger: »Nehmen Sie sich über die Festtage die Zeit zum Nachdenken, um zu einer Lösung des Konflikts zu kommen.« Der IG-BCE-Tarifexperte

kündigte an, »zu überlegen, wie wir noch flexibler, zielgenauer und schlagkräftiger werden können. Wir brauchen einen langen Atem.«

Neupack-Betriebsratsvorsitzender Murat Günes berichtete von den Schikanen gegen die Beschäftigten, von Willkür bei Bezahlung, Urlaub und Weihnachtsgeld. Viele Kolleginnen und Kollegen verdienten nicht genug, um davon ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können, sie seien auf staatliche Unterstützung angewiesen. »Dieser Skandal ist nicht neu. Neu ist nur, dass wir uns wehren!«, rief Günes den Teilnehmern der Kundgebung zu. »Denkt an uns, wenn ihr Joghurt oder Frischkäse kauft. Es kann gut sein, dass wir die Becher produziert haben – für Hungerlöhne.« 

Der konflikt Seit einem halben Jahr kämpfen etwa 220 Beschäftigte des Hamburger Verpackungsherstellers Neupack um einen Haustarifvertrag. Ihre Forderung: Mehr Geld und gleiches Geld für gleiche Arbeit. Aber weder die Geschäftsführung noch die Eigentümerfamilie Krüger sind bereit, mit ihren Mitarbeitern und der IG BCE zu reden. Seit 1. November befinden sich die Beschäftigten nun in einem Erzwingungsstreik - gegen scharfe Geschütze der Gegenseite: Streikposten wurden angefahren, angezeigt und entlassen, Streikende durch Leiharbeiter ersetzt.

Sigrid Thomsen kompakt | Januar 2013 | 23


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vor ort Aktuelles

Hoffnung für die Beschäftigten von Gorleben

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ür die 165 Beschäftigten des Erkundungsbergwerks Gorleben sind die Vorweihnachtstage keine gute Zeit. Seit Bundesumweltminister Peter Altmaier am 30. November verkündete, die Endlagersuche bis nach der Bundestagswahl auszusetzen, ist die Zukunft des Bergwerks und seiner Beschäftigten unklar. Zumindest kurzfristig konnten Beschäftigte, Betriebsrat und IG BCE für 37 Mitarbeiter des Erkundungsbergwerks jetzt einen Aufschub erreichen. Die Verträge der Bergleute sollten bereits zum 31. Dezember 2012 auslaufen und nicht wie die ihrer Kollegen im nächsten Jahr enden. Noch am Tag der Entscheidung Altmaiers wies

das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) an, die 37 Bergarbeiter weiterzubeschäftigen. Zahlreiche Gespräche folgten mit dem Ergebnis, dass das BfS dem Deutschen Bundesinstitut für Endlagerung (DBE), dem Arbeitgeber der Bergleute, die Verlängerung der Arbeitsverträge zusicherte. »Dies ist ein wichtiges Signal«, sagt Egbert Biermann, Mitglied im geschäftsführenden IG-BCEHauptvorstand. Doch weitere Schritte müssen im nächsten Jahr folgen. »Der Dialog von Politik und Beschäftigtenvertretungen ist in den kommenden Monaten wichtig.«

Foto: Peter Bauer

Gorleben | Betriebsrat und IG BCE erzielen einen Teilerfolg, Umweltminister Altmaier sagt seine Hilfe zu

IG BCE und Bergleute kämpfen um die Arbeitsplätze in Gorleben.

Die Gefühle der Beschäftigten in Gorleben sind gemischt: »Wir haben jetzt ein bisschen Luft«, sagt Betriebsratsvorsitzender Peter Ward. »Aber wir werden weiter für unsere Zukunft kämpfen. Wir haben zugesagt, dass wir uns um die

Atommüllentsorgung kümmern. Dazu stehen wir.« In einem Gespräch mit IG BCE und Betriebsrat versprach Minister Altmaier, sich darum zu kümmern, dass keiner der Bergleute arbeitslos wird.   Julia Osterwald

Gummiwerke bauen ab Glashütte macht dicht bockenem | 85 Meteor-Beschäftigten wurde gekündigt

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hre Kündigung haben 85 Beschäftigte der Meteor-Gummiwerke noch kurz vor Weihnachten bekommen. Sie gehen mit 80 Prozent der Bezüge in eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft, die vor dem Jahresende gegründet werden musste. Später wäre dies für das in Insolvenz befindliche Unternehmen nicht mehr möglich gewesen. IG BCE und Betriebsrat sind trotz der Kurzfristigkeit erleichtert: »Ursprünglich sollten viel mehr Leute im Januar gekündigt werden. Die Begrenzung auf 85, die Übergangsgesellschaft und ein Härtefonds von 200 000 Euro sind die bessere Lösung«, findet IG-BCE-Bezirksleiter Peter

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Winkelmann. Grund des Arbeitsplatzabbaus bei Meteor sei die verschlechterte Absatzlage in der Autoindustrie, heißt es in einer Pressemitteilung des Insolvenzverwalters Christopher Seagon vom 16. Dezember. Schon 2012 hatte sich die Belegschaft in Bockenem von 1800 auf etwa 1600 Menschen reduziert, allerdings ohne betriebsbedingte Kündigungen. Jetzt sei die Auswahl nach Lebensalter, Betriebszugehörigkeit und Familienstand vorgenommen worden, sagte der Betriebsratsvorsitzende Wolfgang Opitz. Mit dem Verkauf an einen ausländischen Investor wird Anfang 2013 gerechnet.  Sigrid Thomsen

Achern | IG BCE und Betriebsrat vereinbaren Sozialplan

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ittere Realität für die rund 230 Beschäftigten: Der US-amerikanische Glashersteller O-I hat nach monatelanger Hinhaltetaktik zum Jahresende 2012 die Glashütte im badischen Achern endgültig geschlossen. Immerhin: Betriebsrat und IG BCE konnten nach intensiven Verhandlungen einen Interessenausgleich samt Sozialplan und Transfergesellschaft durchsetzen. »Dass O-I bis zuletzt Gewinne aus dem Standort herausgezogen hat, hat uns angespornt, das Maximalmögliche herauszuholen«, so Karsten Rehbein, Gewerkschaftssekretär im IG-BCE-Bezirk Karlsruhe. Die von der Schließung betroffenen Arbeitnehmer er-

halten nach Betriebszugehörigkeit und Lebensalter gestaffelte Abfindungen. Darüber hinaus besteht für die Festangestellten die Möglichkeit, maximal zwölf Monate lang in eine Beschäftigungsund Qualifizierungsgesellschaft zu wechseln. Für Klaus Hauser, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender, ist das Verhandlungsergebnis »klipp und klar positiv«. Weil etwa die Hälfte der Belegschaft sehr fachspezifisch gearbeitet habe, sei die nach mehr als 16 Stunden Verhandlungen durchgesetzte Transfergesellschaft »eine wertvolle Hilfe, um auf dem Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen«.  Axel Stefan Sonntag


Fotos (3): Frank Rogner

Musik verbindet Menschen, Kulturen, Kontinente – auch das war eine Botschaft der Tagung.

»Bildungsgerechtigkeit ist der Weg« recklinghausen | Chancengleichheit und ungenutzte Potenziale im Mittelpunkt der migrationspolitischen IG-BCE-Tagung

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nteressiert verfolgt Ewa Brüggemann die Diskussionen während der Recklinghäuser Tagung. Es geht darum, wie Frauen mit Migrationshintergrund ihre Potenziale auf dem Arbeitsmarkt besser nutzen können. Erstmals bietet die migrationspolitische Tagung der IG BCE dazu eine interaktive Plattform. »Gerade ausländische Frauen haben es oft schwerer auf dem Arbeitsmarkt«, bekräftigt Ewa Brüggemann. Die 54-jährige Polin spricht aus Erfahrung: 1985 kam sie aus Polen nach Delmenhorst. Die gelernte Köchin ließ sich zur Pflegerin umschulen. Seit

Kurzem ist sie Integrationslotsin und hilft den heute Zugewanderten bei den ersten Schritten in der neuen Heimat. Sprachbarrieren und Probleme bei der Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse sind mit die größten Hemmnisse. Um Bildungsabschlüsse

ging es auch auf der diesjährigen Recklinghäuser Tagung mit dem Motto »Bildung für alle – Interkulturalität als Chance«. Der stellvertretende IG-BCE-Vorsitzende, Ulrich Freese, betonte vor den rund 300 Gewerkschaftsmitgliedern in seiner Eröffnungsrede, dass Zugang zu Bildung nicht

Mehr als 300 Teilnehmer nahmen an der Recklinghäuser Tagung teil.

vom Portemonnaie der Eltern abhängen dürfe. Edeltraud Glänzer, Mitglied des geschäftsführenden IGBCE-Hauptvorstands, verwies auf den Tarifvertrag »Zukunft durch Ausbildung«. Er schaffe für junge Menschen, mit und

33-jährige Kanadierin kam vor acht Jahren nach Deutschland. Seit 2009 ist sie Teamkoordinatorin bei Bayer in Leverkusen. Sie sieht Fortschritte für Frauen, die Karriere und Familie miteinander verbinden wollen: »Bei Bayer werden Krippenplätze ange»Chancengleich- boten, es sind aber heit fängt in den noch nicht genug.« Bevor man über InteKöpfen an.« gration reden könne, müsse man die Edeltraud Glänzer Gleichstellung von ohne Migrationshintergrund, Mann und Frau erreichen, eine Lebensperspektive. Doch fordert Tamara Joyette. letztlich müsse der Wandel Die emotionale Debatte im hin zu mehr Bildungsgerech- Forum zeigt, dass Frauen, tigkeit in der Gesellschaft ob mit oder ohne Migrationsvollzogen werden: »Chancen- hintergrund, in der Arbeitsgleichheit fängt in den Köpfen welt immer noch mit Benachan.« teiligungen zu kämpfen haben. Dennoch, am Ende der Beispielhaft zeigt sich ein Veranstaltung überwiegt der Integrationskonzept am Ge- Optimismus. Auch Ewa Brügnoveva-Gymnasium in Köln- gemann ist zufrieden. Wichtig Mühlheim. 2011 erhielt es sei, über bestehende Probleden Deutschen Schulpreis. me zu sprechen, um sie dann Rektor Bernd Knorreck stellte zu beheben: »Egal, woher wir anschaulich das Zusammen- Frauen kommen, ob deutsch, leben von 650 Schülern aus polnisch oder türkisch – bei diesem Thema ziehen wir alle 35 Nationen vor. In den Diskussionsforen an einem Strang.«   Marco Mile Jelic saß auch Tamara Joyette. Die kompakt | Januar 2013 | 25


vor ort Aktuelles

Die Partnerinnen machen mobil

Tarifmeldungen

Glinde | Proteste gegen neues Schichtmodell beim Bremsbelaghersteller Honeywell

Tarifgruppe RWE | In der

G

egen ein neues Schichtmodell beim Bremsbelaghersteller Honeywell machen jetzt auch die Partnerinnen der Beschäftigten mobil. Während die Vertrauensleute am Nikolaustag vorm Werktor in Glinde Schokolade an die Frühschicht verteilten, drückten acht Frauen den Kollegen einen Brief in die Hand: »Wir lassen uns unser Familienleben nicht abkaufen«, stand da drauf, zusammen mit einer Einladung an die Angehörigen, die Beschäftigten in ihrem Kampf zu unterstützen. »Das neue Schichtmodell ist gesundheitsschädlich und familienfeindlich«, erklärte Irene Weitkunat, mit ihrem Gasofen bestens ausgerüstet für die Aktion am ersten verschneiten Morgen dieses Winters. »Wer nach sieben Tagen Schichtarbeit nur zwei Tage frei hat, kann sich nicht erholen und ist

zweiten Tarifverhandlung für die Beschäftigten der Tarifgruppe RWE am 7. Dezember in Hannover haben die Arbeitgeber ein erstes Angebot vorgelegt. Neben einer Entgelterhöhung um 1,5 Prozent bei 24 Monaten Laufzeit erklärten sich die Arbeitgeber auch grundsätzlich zu Verhandlungen über eine Übernahmeregelung für Auszubildende sowie zu einem Rahmensozialplan bereit. Allerdings wurde das Gesprächsangebot mit nicht akzeptablen Eingangsbedingungen verknüpft. Die gewerkschaftliche Verhandlungskommission hat dieses Angebot in allen Punkten abgelehnt. Die Arbeitgeber wurden aufgefordert, endlich konstruktive Angebote zu unterbreiten.

Feuerfest | Die Jahressondervergütung für die Beschäftigten der Feuerfestund Säureschutz-Industrie ist bis zum Jahr 2018 abgesichert. Dieses Ergebnis konnte bei den Tarifverhandlungen am 4. Dezember in Ransbach-Baumbach erzielt werden. Auf Grundlage unterschiedlicher Stichtage für das Tarifeinkommen wurde die Jahressondervergütung bis zum 31. Dezember 2018 in Höhe von 100 Prozent eines Monatsentgelts festgeschrieben. Für Auszubildende gilt diese Regelung in der Höhe einer Ausbildungsvergütung. Teilzeitbeschäftigte erhalten die Jahressondervergütung im Verhältnis ihrer Arbeitszeit zur Normalarbeitszeit.

Foto: Sigird Thomsen

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Die Kollegenfrauen machen vor dem Tor mobil: »Dieses Schichtmodell ist familienfeindlich.«

auch für den Partner nicht ansprechbar. Er ist für die Familie nicht mehr da.« Bei einer Betriebsversammlung im November hatten mehrere Hundert Kollegen die

Geschäftsführung ausgepfiffen für ihren Plan, vom neuen Jahr an ein Vierschichtmodell einzuführen. Nach dem bisher geltenden Fünfschichtsystem gibt es doppelt so lange Erholungszeiten und bezahlte Pausen. »Die körperlich arbeiten, brauchen das auch«, sagt Betriebsrat Jörn von Seth, das gilt für etwa die Hälfte der 900 Beschäftigten. Zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat gibt es nicht einmal mehr Gespräche, die Unternehmensleitung will vor der Einigungsstelle verhandeln. Betriebsrat Necmettin Pamuk macht sich Sorgen über mögliche Konkurrenz durch ein Werk in Rumänien, das 2015 fertig sein soll. Vor 16 Jahren wurden schon einmal 40 Prozent der Stellen abgebaut, weil ein Teil der Produktion nach Ungarn verlagert wurde. Sigrid Thomsen

Netze – Nadelöhr der Energiewende kagel-möllenhorst | Initiative Netzausbau stellt die Beschäftigten in den Mittelpunkt

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Ausführliche Informationen unter: http://u.nu/2vw7a 26 | kompakt | Januar 2013

rüher konnten wir eine Leitung ausschalten, sie sanieren, wieder in Betrieb nehmen und bei Bedarf nach einem halben Jahr noch mal rangehen.« Frank Müller, Betriebsrat beim Energiedienstleister enviaM, organisiert die Wartung von 110-kV-Freileitungen innerhalb der Netzregion Brandenburg: »Da heute so viele Quellen Strom einspeisen, ist die Ertüchtigung von Leitungen ein unglaublich komplizierter Prozess geworden – bei immer weniger Personal und ständigem Termindruck.«

Den steigenden Stress betont auch Lutz Helmeke, Betriebsratsvorsitzender bei E.ON Avacon in Oschersleben/Schöningen: »Die Eingriffe in den Schaltwarten wegen Netzinstabilität haben in den letzten Jahren drastisch zugenommen. Die Kolleginnen und Kollegen müssen in Sekundenbruchteilen entscheiden und stehen unter enormem psychischen Druck.« Der IG-BCE-Landesbezirk Nordost thematisierte auf einer Konferenz die Bedeutung der Netze und der Beschäf-

tigten als entscheidende Größe für das Gelingen der Energiewende. Landesbezirksleiterin Petra Reinbold-Knape: »Die Arbeitsanforderungen steigen, von den Menschen wird immer mehr Verantwortung verlangt. Wir müssen überlegen, wie wir sie entlasten und schützen können.« Energieexperte und Moderator Wolfgang Neldner forderte einen Energieversorgungsführerschein, um das Wissen und die Handlungsfähigkeit sämtlicher Akteure zu sichern. Susanne Kettelför


Foto: UPM

In den deutschen Werken des finnischen Konzerns droht eine Eiszeit – Dumpingverträge wird es mit der IG BCE nicht geben.

UPM betreibt Verbandsflucht hannover | IG BCE warnt vor Dauerkonflikt und tarifpolitischem Flickenteppich

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er Aushang teilte das UPM-Management den 4000 lieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit, dass das Unternehmen den Papier-Arbeitgeberverband verlassen und künftig nur noch einer OT-Vereinigung angehören werde. Eine brisante Mitteilung, denn das Kürzel »OT« steht für »ohne Tarifbindung«. Im Klartext: Der finnische Konzern UPM will mit seinen sieben deutschen Betrieben raus aus dem Flächenvertrag und sein eigenes tarifpolitisches Süppchen kochen. Bei den Beschäftigten löste die Nachricht Verunsicherung aus, der Unmut wächst. Die Betriebsräte sehen die Entwicklung mit großer Sorge.

»Es ist nicht nachvollziehbar«, so Gesamtbetriebsratsvorsitzender Alois Soring, »warum UPM diesen Schritt geht.« Die Arbeitnehmervertreter befürchten eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen. Nach Auffassung der IG

BCE stellt UPM mit dem Austritt die Sozialpartnerschaft grundsätzlich infrage. Wird die Ankündigung in die Tat umgesetzt, ist das der Beginn einer verhängnisvollen Entwicklung: Die Unternehmen zerstören ihre eigenen Verbandsstrukturen, am Ende steht ein tarifpolitischer Flickenteppich. Die Gestaltungsfähigkeit geht verloren, Dauerkonflikte und Auseinanderset-

zungen um Haustarifverträge sind programmiert. Dies kann niemand wollen, der ernsthaft an einer guten wirtschaftlichen Entwicklung der Papierindustrie interessiert ist. »Deshalb«, so IG-BCE-Tarifpolitiker Peter Hausmann, »fordern wir das UPM-Management eindringlich auf: Kehren Sie zurück zu einer Politik der ökonomischen und tarifpolitischen Vernunft, kehren Sie zurück unter das Dach des Flächentarifvertrags!« Der Flächentarifvertrag sorgt dafür, dass deutschlandweit in der Papierindustrie gleiche Arbeitsbedingungen herrschen – er ist Ausdruck einer funktionierenden Sozialpartnerschaft. Dank dieser sozialpartner-

schaftlichen Zusammenarbeit ist es immer wieder gelungen, auch sehr schwierige Situationen im gemeinsamen Interesse zu meistern. bei UPM haben die Betriebs-

räte im Schulterschluss mit der IG BCE auf die Herausforderungen flexibel reagiert. Doch das könnte sich sehr bald ändern. Sollte UPM beim eingeschlagenen Kurs bleiben, dann droht eine Eiszeit. Peter Hausmann: »Mit der IG BCE wird es keine Dumpingverträge geben. Die Mindeststandards sind in den Flächenverträgen festgelegt, daran halten wir fest. Wir sind nicht bereit, über eine Absenkung der Standards auch nur zu reden.«  Michael Denecke

So ist die deutsche Papierindustrie organisiert In der Vereinigung der Arbeitgeberverbände der Deutschen Papierindustrie (VAP) sind rund 180 Unternehmen mit insgesamt 40 000 Beschäftigten organisiert. Die Bindungskraft der Tarifverträge in der Papierindustrie ist bislang außerordentlich hoch. Dies hat enorme Vorteile für die

Unternehmen und die Beschäftigten. Die Unternehmen haben Planungssicherheit in Entgeltfragen, sind geschützt vor Schmutzkonkurrenz. Den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern garantiert der Tarifvertrag anständige Arbeitsverhältnisse und faire Löhne und Gehälter.

Die Beschäftigten machen mobil: Mit Aktionen wie hier in Augsburg wehren sich Kolleginnen und Kollegen gegen die geplante Tarifflucht. kompakt | Januar 2013 | 27


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vor ort Baden-Württemberg NAMEN & NACHRICHTEN

Generationenwechsel

Frauenkonferenz tagt

konstanz/oberkirch | »BR-Koryphäen« verabschiedet

kornwestheim |

Zwei gestandene Betriebsräte und Gewerkschafter verlassen ihre Büros: Rolf Benz (Takeda) und Josef Braun (Papierfabrik Koehler). Josef Braun mit Kolleginnen aus dem Betriebsrat. Nach 47-jähAllein seit 2006 musste er riger Betriebszugehörigkeit wechselt der bisherige Be- vier Restrukturierungen im triebsratsvorsitzende Josef Sinne der Beschäftigten ausBraun in die passive Phase der handeln, »und das hat er in Altersteilzeit. Rechnet man die hervorragender Weise geZeit seiner Zugehörigkeit zur schafft«, so seine Nachfolgerin Jugend- und Auszubildenden- im Betriebsratsvorsitz Petra vertretung hinzu, hat Braun Geusch-Leuthe. »Der Sozial40 Jahre lang die Interessen der plan war in der ganzen RepubKoehler-Arbeitnehmer vertre- lik hoch beachtet.« Jetzt beten. Mit Erfolg: Regelungen zur schreitet der 55-Jährige neues Altersteilzeit, Arbeitszeit und Terrain: Als selbstständiger BeErfolgsbeteiligung sind über- rater schult er bundesweit Betriebsräte. durchschnittlich. »Wir sind stolz darauf, dass Sein Nachfolger und Vorstand des IG-BCE-Bezirks Persönlichkeiten wie Rolf Benz Karlsruhe, Thomas Lampart, und Josef Braun unsere IG BCE verweist vor allem auf Brauns mitgestalten«, würdigt Landes»menschliche Werte«: »Josef bezirksleiterin Catharina Clay hat uns allen vorgelebt, was das jahrzehntelange EngageVertrauen, Freundschaft und ment der beiden Kollegen inSolidarität bedeuten.« Trotz nerhalb der Organisation. DeFreistellung bleibt der 61-Jäh- ren konstruktive Arbeit und rige dem Papierhersteller treu positive Wertschätzung gegenund berät die Beschäftigten bei über Menschen und ihrer GeFragen zur Rente oder Alters- werkschaft habe Vorbildfunktion. teilzeit. Als klarer Verfechter der Arbeitnehmerinteressen sieht sich ebenso Rolf Benz. 1977 fing er als Chemiearbeiter bei Byk Gulden an, vier Jahre später war er bereits Betriebsrat. Im Laufe der Jahrzehnte wechselten die Logos am Werkgelände – keine einfache Rolf Benz übergibt an Petra GeuschZeit als Arbeitnehmer- Leuthe (rechts), links: Rosina Pfeifer, Bevertreter. triebsrätin und Assistenz.

Über erste Erkenntnisse des Projekts »Frauen Macht Erfolg – Frauen auf dem Weg in Führung« hat Ina Kapitza (Dritte von links) vom Qualifizierungsförderwerk Chemie beim jüngsten Frauenforum berichtet. Mehrere Projektbetriebe – darunter BASF und Flint Group – erproben noch bis April, mit welchen konkreten Maßnahmen sich die Karrieremöglichkeiten von Frauen verbessern lassen. Weiterer Tagesordnungspunkt war die turnusgemäße Neuwahl des Vorstandes. Neue Vorsitzende ist Gaby Eisinger, Regina Mack ist ihre Stellvertreterin. Zur Bezirksdelegiertenkonferenz wurden drei Anträge verabschiedet. Darunter die Initiative, dass zum nächsten Gewerkschaftskongress von der Gesamtzahl der eingeladenen Delegierten mindestens 30 Prozent Frauen sein sollen.

Jugendausschuss gewählt kornwestheim |

Der Bezirksnachwuchs (Foto) hat einen Bezirksjugendausschuss (BJA) gegründet. Erster Vorsitzender ist Simon Albrecht, Florian Schofer vertritt ihn. Gemeinsam mit dem neuen BJA will JAVund Jugendreferent Marvin Bücher nun vor allem politisches Ausbildungsniveau und Übernahmeperspektiven verbessern. Die Mehrheit der jungen Leute weiß er dabei hinter sich: Gut 60 Prozent der Jugend im gesamten Bezirk sind inzwischen organisiert.

Bezirksleitung verstärkt kornwestheim | Wendelin Schmidt (links) ist neuer stellvertretender Bezirksleiter. Der gelernte Energieanlagenelektroniker ist seit 14 Jahren in Kornwestheim tätig, zuvor arbeitete er im saarländischen Bergbau unter Tage. Schmidt hat in vielen ehrenamtlichen Gremien mitgearbeitet und die Akademie für Arbeit in Frankfurt besucht. Der 50-Jährige folgt auf Rainer Holland-Moritz, der die Leitung des Bezirks Ulm übernahm.

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Abschluss erreicht

NAMEN & NACHRICHTEN

Stuttgart | 5,2 Prozent für Kunststoff-Beschäftigte

Rege Aktivitäten vor Ort

Nach drei Verhandlungsrunden steht fest: Die Beschäftigten der Kunststoffindustrie im Land erhalten mehr Geld: 2,9 Prozent seit Anfang dieses Jahres, weitere 2,3 Prozent folgen im Dezember. Eine Einmalzahlung sowie den Einstieg

in den Tarifvertrag »Lebensarbeitszeit und Demografie II« wurden vereinbart. »Trotz schwieriger werdenden Rahmenbedingungen ein gutes Ergebnis«, kommentiert IG-BCEVerhandlungsführer Michael Siebler.

Mehr Ausbildungsplätze Stuttgart | Angebot hat sich um 3,9 Prozent erhöht

Die Chemische Industrie Baden-Württemberg hat ihr Ausbildungsplatzangebot im vergangenen Jahr um 3,9 Prozent erhöht. Damit haben die Betriebe 50 Ausbildungsplätze mehr zur Verfügung gestellt, als sie laut Tarifvertrag müssten. Diese positive Entwicklung hat der »Runde Tisch für Ausbildungs- und Arbeitsmarktfragen« übereinstimmend festgestellt. Das gemeinsame Gremium der Chemie-Sozialpartner im Land will im neuen Jahr vor allem die Berufschan-

cen für den Nachwuchs verbessern. Grundlage hierfür ist die im Tarifabschluss 2012 enthaltene Vereinbarung »Attraktive Perspektiven für Berufseinsteiger«. »Hier gibt es noch Luft nach oben«, so IG-BCE-Landesbezirksleiterin Catharina Clay und fordert, »den jungen Menschen mehr Sicherheit hinsichtlich deren Übernahme und Weiterqualifizierung zu bieten.« Ein entsprechendes Konzept werde derzeit mit dem Arbeitgeberverband erarbeitet.

Mitglied seit 75 Jahren geislingen | Natürlich mit »Glück auf!« begrüßte der knapp 95-jährige Georg Kluzniok (rechts) Bezirksleiter Rainer Holland-Moritz. Anlass für dessen Besuch war das 75-jährige Gewerkschaftsjubiläum von Kluzniok. 1918 im oberschlesischen Tranowitz geboren, arbeitete er nach Krieg und Gefangenschaft fünf Jahre im Steinkohlenbergbau auf der Zeche Haniel in Oberhausen. Im Anschluss verschlug es den Bergmann in den Eisenerzbergbau nach Geislingen. In der dortigen Grube war er 26 Jahre lang – bis zu deren Schließung – tätig.

ladenburg | Bei der jüngsten Jahreshauptversammlung der Ortsgruppe Ladenburg RheinNeckar haben mehr als 40 anwesende Mitglieder ihren Vorsitzenden Bernd Schuhmacher (Foto) für weitere vier Jahre einstimmig im Amt bestätigt. Ebenfalls ohne Gegenstimme in ihren Funktionen wiedergewählt sind die weiteren Vorstandsmitglieder: Gerald Mayer als stellvertretender Vorsitzender, Schriftführer Bernhard Wisniewski, Kassiererin Brigitte Prudky und der für Bildungsarbeit verantwortliche Alexander Fröhner. Sebastian Schuhmacher – bislang zuständig für die Jugend – wurde nach erfolgreichem Abschluss seines Studiums aus dem Vorstand, aber nicht aus der aktiven Ortsgruppenarbeit, verabschiedet. Thematisch auseinandergesetzt haben sich die Ehrenamtlichen mit der derzeitigen Rentensituation – und dazu einen entsprechenden Antrag an die Bezirksdelegiertenkonferenz des Bezirks Mannheim formuliert. Über diesen Antrag »Rente muss zum Leben reichen« soll der bevorstehende Gewerkschaftskongress in Hannover beschließen. In ihm fordern die Ladenburger den Hauptvorstand der IG BCE dazu auf, sich dafür einzusetzen, dass die paritätisch finanzierte, gesetzliche Rente auf ein Niveau zurückgeführt wird, mit dem ein Leben ohne Altersarmut möglich ist. Das seit zwölf Jahren bestehende Gremium blickt auch in den vergangenen vier Jahren auf eine rege politische Mitarbeit zurück: Bildungsangebote und politische Buchlesungen standen ebenso auf der Tagesordnung wie die Ausrichtung des 1. Mai und des Internationalen Frauentags in Ladenburg. Freizeitveranstaltungen mit politischem Kabarett, jährliche Ausflüge und Mitgliederfeste mit bis zu 160 Gästen bilden weitere Höhepunkte der Ortsgruppenarbeit. »Das alles ehrenamtlich und überwiegend neben dem Berufsleben umzusetzen, dafür zolle ich allen Mitgliedern großen Respekt«, so der betreuende Gewerkschaftssekretär Frank Heßler.

JAV-Wahl bei Verallia bad Wurzach | Mit lebhaftem Interesse und einer sehr guten Wahlbeteiligung hat der Nachwuchs des Hohlglasherstellers Verallia Saint Gobain Oberland AG seine neue Jugendund Auszubildendenvertretung (JAV) gewählt. Vorsitzender ist Rainer Heine, sein Stellvertreter Karam Chebli. Im Bezirk Ulm sind damit sämtliche JAVen konstituiert.

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vor ort Bayern N A MEN & N A CHR I CHTEN

Zukunft gestalten

Tarifmeldungen

münchen | Frauen- und Jugendkonferenzen in Bayern

münchen | Beschäftigte der Papierindustrie bekommen ab 1. Januar 2013 mehr Geld. Der Nachschlag aus dem letzten Tarifabschluss beträgt 1,6 Prozent. Im März wird die Tarifrunde 2013 eröffnet. Die erste Verhandlung ist im Mai geplant. Die Tarifrunde 2013 für die feinkeramische Industrie startet bereits im Januar. Zum ersten Mal verhandelt wird im März. Auch für die bayerische Hohl- und Kristallglasindustrie geht es im Frühjahr in eine neue Tarifrunde.

Wie kann die Gleichstellung von Frauen und Männern gelingen? Was brauchen Auszubildende und Jugendliche für eine gute Zukunft und was bedeutet »Zukunftsge- Die Teilnehmer der Frauen- und der Juwerkschaft« für sie? gendkonferenz Augsburg. Überall im Landesbezirk stellten sich von Mitte sich eine frisch nominierte November bis Mitte Dezember Kandidatin für die Bundestagsdie Bezirksfrauen- und -ju- wahl interviewen. In München sprach Edeltraud Glänzer vom geschäftsführenden Hauptvorstand zur »Zukunftsgewerkschaft 2020«. Highlight der Jugendkonferenz dort waren die Diskussionen zu den zwölf Anträgen. Im Bezirk Augsburg standen die »HerFrauen diskutieren in Nürnberg. ausforderungen des demogendkonferenzen den für sie grafischen Wandels« im Mittelwichtigen Fragen. Sie berichte- punkt der Frauenkonferenz. ten über ihre Arbeit, diskutierten Anträge und die WeiterentAlle vier Jahre baut sich wicklung ihrer Themen und die IG BCE demokratisch wählten ihre Ausschüsse neu. neu auf. Nach den FrauenIm Bezirk Nürnberg beiund Jugendkonferenzen spielsweise debattierte die Jufolgen die Bezirksdelegiergend, wie sie besser Einfluss tenkonferenzen, die Lannehmen kann. Die Frauen bedesbezirksjugend- und die gannen mit einer Vernissage zu LandesbezirksdelegiertenEntgeltgleichheit und Guter Arkonferenz, dann der Gebeit. Spontan meldeten sich werkschaftskongress. weitere zehn Frauen für die Mitarbeit im neuen Gremium. Die Jugend fragte, wie die IG Bei der Frauenkonferenz im BCE künftig aussehen soll und Bezirk Altötting ging es um ließ gemeinsam mit den Frau»Stolper-/Bausteine« auf dem en Luftballons mit ForderunWeg in Führung. Hierzu ließ gen steigen. Im Bezirk Mainfranken informierte Simone Göbel, Koordinatorin des Kitzinger »Lokalen Bündnis für Familie«, über familienorientierte Maßnahmen in Unternehmen. Anschließend nahmen sich die Frauen Zeit, um Präsentierten ihre Aktionen »live«: ihre Arbeit an Diskussionstischen weiterzuentwickeln. die Jugend in Mainfranken.

Kampf gegen Tarifflucht gersthofen | Bereits im Sommer kündigte die Geschäftsführung der Infraserve Logistics (ISL) den Tarifvertrag mit der IG BCE. Angeblich, um ISL wettbewerbsfähiger zu machen. Nach langen harten Verhandlungsrunden konnten jetzt Betriebsräte und Gewerkschaft einen Erfolg verbuchen. Vor allem wurde eine Beschäftigungssicherung erreicht sowie die Bindung an den Chemietarif fest vereinbart. Nicht zuletzt die massive Unterstützung der Beschäftigten (Foto), auch aus anderen Betrieben im Gersthofener Industriepark, machten es möglich, das vorgesehene drastische »Streichkonzert« zu verhindern. Stapelweise wurden Unterschriften gesammelt. Die »Liste der Grausamkeiten« war lang. So sollten aktuelle und zukünftige Tariferhöhungen ausgesetzt werden. Und auch eine Erhöhung der Arbeitszeit auf mindestens 40 Stunden ohne Entgeltausgleich sowie die Abschaffung der Altersfreizeiten forderten die Arbeitgeber. »Wenn ein Servicedienstleister am Standort aus dem Tarifvertrag flüchtet, ist das nicht nur für die Beschäftigten ein Schlag ins Gesicht, sondern dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch andere Betriebe auf solche ›dummen Gedanken‹ kommen«, so Bezirksleiter Torsten Falke.

Werberhitparade 18 Aufnahmen: Karl Held (Alzchem, Chemiepark Trostberg); 10 Aufnahmen: Klaus Moik (Knauf Gips, Iphofen), Norbert Schmehle (Hermann Koch, Coburg); 8 Aufnahmen: Daniela Sander; 7 Aufnahmen: Hans Bauer (Arzberg Porzellan, Schirnding); 5 Aufnahmen: Sebastian Barnickel (Heinz Glas,

Tettau), Sabine Kellner (Alzchem, Chemiepark Trostberg), Günter Kuhne (Alzchem, Chemiepark Trostberg), Angelika Neppl (SMP, Neustadt), Stefan Schmidt (SMP, Neustadt), Elisabeth Williams (Rebhan Kunststoffverpackungen, Stockheim), Heinz Wolf (ES Plastic, Hutthurm), Otto Wolf (Alzchem, Chemiepark Trostberg).

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Aufruf: Rein in die Rathäuser und vom 17. bis 30. Januar in die Unterschriftenlisten eintragen! Mehr Informationen über Eintragungszeiten und -orte in den Städten und Gemeinden im Internet unter www.volksbegehren-studiengebühren.de

Z W I SCHENR U F

Seppel Kraus

Landesbezirksleiter Bayern

2013 – ein Jahr Keine Studiengebühren mit Entscheidungen münchen | Volksbegehren gegen Studiengebühren

Im Januar findet das Volksbegehren »Nein zu Studiengebühren in Bayern« statt. Alle wahlberechtigten Bürger in Bayern sind dann vom 17. bis zum 30. Januar gefragt, über die Zukunft der Studiengebühren zu entscheiden. Auch der Landesbezirksvorstand der IG BCE, Bezirksjugendkonferenzen und Bezirksvorstände rufen zur Teilnahme und Abschaffung der Studiengebühren auf. Der DGB und seine Einzelgewerkschaften haben eine klare Position: Studiengebühren sind unsozial, weil sie Jugendliche aus einkommensschwachen Familien massiv benachteiligen. Junge Menschen machen ihre Entscheidung für oder Wenn sich zehn Prozent der Bürger, etwa 940 000 Menschen, in den Rathäusern in die Unterschriftenlisten eintragen, dann entscheidet der bayerische Landtag, ob er das Volksbegehren sofort umsetzt oder ablehnt. Bei einer Ablehnung kommt es zu einem Volksentscheid. Die bayerischen Wähler entscheiden dann endgültig über die Annahme des Volksbegehrens.

Die Gewerkschaften in Bayern haben eine klare Position: Nein zu den Studiengebühren.

gegen ein Studium davon abhängig, ob sie sich in der Gegenwart ein Studium leisten können. Einerseits wird andauernd der drohende Fachkräftemangel beklagt, andererseits erschwert man einem Teil der Bevölkerung mit den Studiengebühren den Zugang zu den Hochschulen. Kein Wunder, dass Bayern eine im Bundesvergleich unterdurchschnittliche Studienanfängerquote aufweist. Fast alle Bundesländer haben die Studiengebühren mittlerweile wieder abgeschafft, einzig in Bayern und Niedersachsen müssen die Studenten für das Erststudium noch zahlen.

2013 ist das Jahr der Wahlen: Bundestagswahl und Landtagswahl. Auch die IG BCE wählt: neue Bezirksvorstände, den Landesvorstand und einen neuen Hauptvorstand. In diesem Jahr werden aber auch andere, ebenso wichtige Entscheidungen fallen. Bayern muss sich endlich entscheiden, wie wir die Energiewende gestalten. Unser Ministerpräsident hat den Betreibern von Gaskraftwerken versprochen, bis 2013 Regelungen mit der Bundesregierung zu treffen, wie diese Kraftwerke im Zusammenspiel mit Solar und Wind rentabel zu betreiben sind. Es muss sich entscheiden, wie die Vorstellungen der Landesregierungen – der Norden will OffshoreWindstrom nach Süddeutschland leiten, Bayern aber will den benötigten Strom selbst produzieren – zu einem gesamtdeutschen Konzept zusammengefasst werden können. Wir brauchen für Betriebe und private Haushalte bezahlbaren Strom. 2013 müssen die Unsicherheiten aus der Finanzkrise und der daraus folgenden Staatsschuldenkrise endgültig überwunden werden. Betriebe, Haushalte und Staaten brauchen Sicherheit. Es wird sich entscheiden, wie die wirtschaftliche Entwicklung weitergehen wird. Haben wir weiterhin Wachstum oder rutschen wir in eine Rezession? Auch dafür muss durch staatliches Handeln der Rahmen geschaffen werden. Wir können auf keinen Fall zulassen, dass die Regierungen bis zu den Wahlen nicht mehr handlungsfähig sind oder nur noch Wahlkampfgeschenke verteilen. »Wie der Zufall so spielt«, fallen vier Wochen vor der Landtagswahl in Niedersachsen die Praxisgebühren weg und einen Monat vor der Landtagswahl in Bayern gibt es zum ersten Mal das Betreuungsgeld. Bis zur Bundestagswahl werden die Parteien auch Rentenkonzepte vorlegen und wir müssen, wie bei den anderen Fragen, genau prüfen, was das Vernünftigste ist. Die Entscheidungen des Jahres 2013 werden unsere Zukunft wesentlich bestimmen. Wir können entscheiden, und wir müssen genau prüfen, was für die Zukunft der Arbeitnehmer in Bayern und Deutschland das Richtige ist.

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vor ort Hessen-Thüringen NA M EN & NA C HR I C HTEN

Frauenkonferenz

Personengruppenkonferenz

kassel | Für die solidarische Krankenversicherung

erfurt | Immer noch sind gleiche Entlohnung, Entwicklungsmöglichkeiten und die Verbindung von Beruf und Familie für viele erwerbstätige Frauen in Thüringen das Thema Nummer eins. Darüber sprachen auf der Personengruppenkonferenz am 24. November in Erfurt die Teilnehmer mit Ursula Salzburger von der IG-BCE-Abteilung Frauen und Gleichstellung und anderen Experten. Auch die Jugend mischte sich mit eigenen Vorstellungen über ihre Zukunft in diese Debatte ein. Viele Teilnehmer berichteten von Sorgen um ihren beruflichen Einstieg und Werdegang. Gemeinsam wollen die neu gewählten Personengruppenvorstände der IG BCE diese Themen in ihren Gremien und Betrieben erörtern und Lösungen erarbeiten.

In einer konzentrierten Debatte wurden bei der Bezirksfrauenkonferenz in Kassel (Foto) Anträge zur Entgrenzung von Lebens- und Arbeitszeit und zur solidarisch finanzierten Krankenversicherung beraten. Auch der neue Bezirksfrauenausschuss wurde gewählt. Er besteht nunmehr aus 18 Mitgliedern, die Kolleginnen aus verschiedenen Be-

Häufig nur befristete Übernahme frankfurt | In den vergangenen Monaten führte der Landesbezirksjugendausschuss eine Übernahme-Umfrage in den Betrieben durch. Am 15. November fand ein »Runder Tisch für Ausbildungsfragen« mit dem Arbeitgeberverband Hessen Chemie statt. Dort lobte der Arbeitgeberverband sich selbst für eine Übernahmequote von angeblich 93 Prozent. Auf Grundlage der Umfrage konnte Landesjugendsekretärin Anne Weinschenk jedoch nachweisen, dass drei von vier Übernahmen nur befristet erfolgen. »Diese Situation ist erschreckend«, so Anne Weinschenk. Schließlich konnte die IG BCE den Arbeitgeberverband verpflichten, die Übernahme in ein festes Arbeitsverhältnis zu empfehlen.

IG-BCE-Mitglieder zeigen Solidarität hanau | Weil in

Italien, Spanien und Griechenland zeitgleich ein Generalstreik von Gewerkschaften stattfand, solidarisierten sich IGBCE-Mitglieder im Industriepark Hanau-Wolfgang. »Es ist wichtig, auf die Situation der Beschäftigten in Südeuropa hinzuweisen«, betonte Karlheinz Hofmann, Betriebsratsvorsitzender der Firma DeguDent, »weil auch in Deutschland immer mehr Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen beschäftigt werden.«

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trieben und unterschiedlichen Branchen repräsentieren. Außerdem wurden ausscheidende Kolleginnen verabschiedet, darunter auch die langjährige Ausschussvorsitzende Doris Pöllman.

Eine kurzweilige Jubilarehrung höchst | Rund 100

Mitglieder waren der Einladung der IG BCE Darmstadt zur Jubilarehrung am 5. November im Hotel Lust in Höchst im Odenwald gefolgt (Foto). Neben einem schönen Rahmenprogramm mit Musik, Kaffee und Kuchen standen natürlich die insgesamt 16 Ju-

bilare im Vordergrund. Die Kolleginnen und Kollegen wurden für 25, 40, 50 und 60 Jahre Mitgliedschaft geehrt.

Hilfe durch Transfernetzwerk frankfurt | Das Transfer-

netzwerk der chemischen Industrie ist eine Initiative der Sozialpartner. Auf der Beiratssitzung am 28. November wurde Bilanz für 2012 gezogen. Insgesamt wurden mit elf Unternehmen Transfergesellschaften gebildet. 459 Beschäftigte wurden im Zuge von Entlassungen in diese Transfergesellschaften überführt und entsprechend weiterqualifiziert beziehungsweise trainiert, damit sie auf

dem Arbeitsmarkt bessere Vermittlungschancen haben. Ergebnis dieser Bemühungen sind Vermittlungsquoten zwischen neun und 91 Prozent in ein neues Beschäftigungsverhältnis oder in die Selbstständigkeit. »Das ist ein insgesamt positives Ergebnis«, meint IG-BCE-Landesbezirksleiter Volker Weber, »da ohne Transfergesellschaften die Vermittlungschancen der Betroffenen weitaus schlechter wären.«


EEG-Reform überfällig

NA M EN & NA C HR I C HTEN

frankfurt | »Energie ist Menschenrecht«

Neuer Wind in den Gremien

Der IG-BCE-Landesvorsitzende Volker Weber bezeichnete eine tief greifende Reform der Ökostrom-Umlage EEG als überfällig. Dem Webmagazin igbce-klartext.de gegenüber erklärte er: »Die Kosten für die Energiewende laufen aus dem Ruder. Für viele Haushalte, aber auch für Unternehmen haben sie die Grenze des Zumutbaren längst erreicht.« »Die zunehmende wahllose Befreiung für Großverbraucher sei da nicht hilfreich«, so Weber. »Diese Auswüchse an indirekten Subventionen müssten zurückgefahren werden. Eine Befreiung von der EEG-Umlage müsse es dort geben, wo energieintensiv produziert wird und dieser Energieeinsatz noch nicht reduziert werden kann. Das sollte dann aber für große und kleine Unternehmen gelten – nicht nur für Großverbraucher.«

Frankfurt | Unter dem Motto »Frauen erfolgreich unterwegs« und zu einem jugendlichen »Markt der Möglichkeiten« trafen sich am 24. November jeweils rund 40 Frauen und Jugendliche im Parkhotel Rödermark. Dort fand zunächst die Wahl des neuen Bezirksjugendausschusses und des neuen Bezirksfrauenausschusses statt. Verabschiedet wurde ein Antrag an die Bezirksdelegiertenkonferenz RheinMain zum Betreuungsgeld. Ziel ist es, das Gesetz abzuschaffen und die finanziellen Mittel zum Ausbau der Betreuung für Kinder unter drei Jahren zu verwenden. Da die bisherigen tariflichen Vereinbarungen noch nicht ausreichen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, beschloss die Jugendkonferenz einstimmig einen Antrag zur unbefristeten Übernahme aller Azubis nach der Ausbildung.

Der Gewerkschafter will die EEG-Umlage zwar nicht abschaffen, aber er stellt auch die Verwendung der Einnahmen zur Diskussion: »Der Erlös der EEG-Umlage sollte zukünftig zum Teil auch dafür verwendet werden, neue Effizienztechnologien zu entwickeln, um den Energieverbrauch weiter zu reduzieren.« Ein »neues EEG«, so Weber, müsste damit aufhören, Energieverbrauch zu belohnen, sondern endlich Energiesparen attraktiv zu machen. Als Leitlinie für eine »Energiepolitik für die Menschen« formulierte Volker Weber: »Wir sollten nicht mehr Geld in die Förderung von politisch gewünschten Energien stecken, sondern in die Förderung von Menschen und Unternehmen, die Energie sparen.«

Ein starkes neues Team Rossdorf | Übergabewochenende bei Merck

Kaffee, Kuchen und Kultur

melsungen | Beste Stimmung kam bei der diesjährigen Senioren- und Jubilarveranstaltung in Melsungen auf. Der Bezirk Kassel lädt jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit alle Senioren, die keiner Ortsgruppe zugeordnet sind, zu einer Veranstaltung ein. Neben Kaffee, Kuchen und Kultur genießen die Gäste die Gelegenheit, alte Bekannte wieder zu treffen. Außerdem werden in diesem feierlichen Rahmen die Jubilare geehrt.

Wenig Chancen auf festen Job

Vom 9. bis 11. November traf sich die aktuelle und zukünftige Jugend- und Auszubildendenvertretung von Merck im Hotel Bessunger Forst (Foto). Durch das altersbedingte Ausscheiden von sieben Jugendund Auszubildendenvertretern stand ein Generationswechsel an. Deshalb wurden alle The-

men behandelt, die eine neue JAV braucht, um möglichst schnell handlungsfähig zu sein. »Das neue Team deckt viele Berufsfelder ab und tritt schon jetzt als starke Gemeinschaft auf«, freute sich Jonathan Rubner, Vorsitzender der »alten« Jugend- und Auszubildendenvertretung.

weiterstadt | »Viele Leiharbeitnehmer hoffen darauf, von dem Betrieb, in dem sie arbeiten, weiter beschäftigt zu werden – mit festem Vertrag. Doch das gelingt nur selten.« Diese Feststellung traf IG-BCE-Landesbezirksleiter Volker Weber anlässlich einer arbeitsmarktpolitischen Fachtagung in Weiterstadt. Belegt wird diese Einschätzung durch neue Studien zur Zukunftsperspektive von Leiharbeitnehmern. Demnach werden nur sieben Prozent aller eingesetzten Leiharbeitskräfte fest übernommen. Insgesamt haben nur 18 Prozent der Betriebe, die mit Zeitarbeitsfirmen zusammenarbeiten, im Untersuchungszeitraum überhaupt ehemalige Leiharbeiter fest eingestellt.

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vor ort Nord NAMEN & NA C HR I C HTEN

Noch nicht überflüssig

Bezirksjugend neu aufgestellt

hamburg | Frauenkonferenzen planen neue Arbeitsformen

wolfenbüttel |

Die Karrierefrau weint, weil es keine Frauenkonferenzen mehr braucht. Bis sie die Idee hat, sie für die nun um Gleichberechtigung kämpfenden Männer zu öffnen: Diese Vision aus dem Jahr 2040 Hamburg: Diskussion im »offenen Raum«. spielte das Hamburger Scharlatantheater der Doch nicht nur äußere Bezirksfrauenkonferenz vor. Zwänge, auch eigene HaltunDoch noch ist das Zu- gen wurden diskutiert. In Hankunftskabarett: Im November nover befassten sich die Dele2012 haben sich fast alle gierten mit Selbst- und FremdFrauenkonferenzen im Lan- bestimmung von Arbeitszeit, in desbezirk damit beschäftigt, Hamburg mit dem Setzen von wie sich die Anforderungen Grenzen, in Oldenburg mit von Arbeit und Familie unter dem Knüpfen von Netzwerken. einen Hut bringen lassen. In Ibbenbüren stellten die Für Freistellungen zur Pflege Frauen Forderungen für die von Angehörigen interessie- Vereinbarkeit von Familie und Beruf und gleiche Entgelte auf, die Alfelderinnen wollen sich um ein Gleichgewicht von Arbeit, Leben und Lernen bemühen. Eine neue Frauenforum Ibbenbüren »erfolgreich unterwegs«. Arbeitsweise haben die Schlesren sich auch immer mehr wig-Holsteinerinnen beschlosMänner, berichtete Vorstands- sen: Sie wollen auf Ortssekretärin Petra Adolph, für gruppenebene Frauenstammdie Kinderbetreuung gelte das tische gründen, die sich viermal im Jahr treffen; drei davon weniger. Gerade durch die Erzie- gibt es bereits. hungszeiten aber gerieten Frauen mit ihrer Karriere ins Hintertreffen, gibt Cornelia Rottmann zu bedenken, die scheidende Vorsitzende des Landesbezirksfrauenausschusses. Alfeld: Rita Meyer (rechts) setzt Schwerpunkte.

Bei der Jugendkonferenz im Bezirk Wolfenbüttel haben 23 Delegierte einen neuen Bezirksjugendausschuss (Foto) mit 19 Mitgliedern gewählt. Neuer Vorsitzender wurde Philip Hering von den E.ON-Kraftwerken. Der ausscheidenden Vorsitzenden Tereza Shynkarenko dankte Gewerkschaftssekretär Thomas Bulang für ihr Engagement.

Ortsgruppen aktiv und mobil hannover | So-

zialpolitik und die Energiewende gehören zu den Themen, mit denen sich die IG-BCEOrtsgruppe Goslar im neuen Jahr beschäftigen will. Das kündigte ihr Vorsitzender Kai Rückbrodt beim traditionellen »Kaffeeklatsch« vor mehr als 170 Mitgliedern (Foto) an. Die Ortsgruppe Voigtei hat sich über »Fracking« informiert und ihren Vorsitzenden Dietmar Kreher im Amt bestätigt. Das Jahresprogramm der Ortsgruppe Hohe Heide ist bereits verschickt, die Mitgliederversammlung steht am 15. Februar an. In Hannover-Süd wurde ein nahezu unveränderter Vorstand gewählt.

Zusage an Putzkräfte gebrochen hamburg | Gegen die Kündigung von drei langjährigen Reinigungskräften bei der Wachsfabrik Sasol haben Kollegen vorm Werktor protestiert. Aufhebungsverträge haben alle drei abgelehnt. Dem schloss sich der Betriebsrat bei der Anhörung am 10. Dezember an. »Die drei sind 46, 50 und 52 Jahre alt und schon 24 bis 33 Jahre im Werk. Ihnen wurde versprochen, bis zur Rente hier arbeiten zu können«, sagt eine Vertrauensfrau, »doch die neue Geschäftsführung lagert die Reinigung aus.«

Neujahrsempfang in Hamburg hannover | Zum 28. Neujahrsempfang lädt der IG-BCELandesbezirk Nord am 19. Januar nach Hamburg ein. Um zehn Uhr wird dort der IG-BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis über »Gute Arbeit für den Norden« sprechen; für Musik sorgt die Gruppe »blue4U«.

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Keine Angst machen

Z W I S C HENRUF

Mit der »Fracking«-Technik zur Förderung von Erdgas aus tief liegenden Gesteinsschichten hat sich auf Einladung der IG BCE am 3. Dezember eine Betriebsrätekonferenz der Öl- und Dem »Fracking« gegenüber aufgeschlossen: Gasförderbetriebe Umweltminister Stefan Birkner und Ralf Becker. in Niedersachsen auseinandergesetzt. Nieder- »Halbwissen und Angstmasachsens Umweltminister Ste- cherei« in der öffentlichen fan Birkner sprach sich für Debatte: Bisher sei kein Haus eine weitere Erkundung dieser eingestürzt, sagte der ExxonTechnik aus, bei der Gestein Mobil-Betriebsratsvorsitzende aufgebrochen und das Gas Berthold Sasse, dabei werde mithilfe von Flüssigkeiten die Methode seit 35 Jahren gefördert wird. Risiken aller- genutzt. Miriam Strauch vom Erdöldings müssten abgeschätzt, Wirtschaftsverband das Grundwasser dürfe nicht und Erdgasgewinnung sah im »Fracking« die Möglichkeit, die gefährdet werden. Betriebsräte und Gewerk- Energieversorgung des Landes schafter wandten sich gegen für 145 Jahre abzusichern.

Foto: Christoph Huppert

bad münder | Betriebsräte wollen »Fracking« erkunden

Verkauf war Fehler Der Verkauf der Hamburger Elektrizitätswerke vor zehn Jahren, noch unter einem SPDgeführten Senat begonnen, war ein Fehler – das räumte der Bundestagsabgeordnete Ingo Egloff, damals Vor- Ingo Egloff zieht eine Bilanz der Energiewende. sitzender des Wirtschaftsausschusses der Bürger- SPD-Politiker in seinem Vorschaft, am 10. Dezember beim trag zur Energiewende. HerSeniorenweihnachtsfest der IG mann Bärthel, Autor der NDRBCE in Hamburg ein. Um steu- Sendung »Hör mal ’n beten to« ern zu können, sollte der Staat unterhielt die Senioren mit heute mindestens 25 Prozent plattdeutschen Weihnachtsgean den Netzen halten, sagte der schichten.

Foto: Cordula Kropke

Hamburg | SPD-Politiker plädiert für Netzkontrolle

Ralf Becker

Landesbezirksleiter Nord

Unser letztes Mittel Wir blicken auf ein erfolgreiches und ereignisreiches Jahr 2012 zurück. Zum ersten Mal seit langer Zeit sind wir in einen unbefristeten Streik eingetreten. Um den Beschäftigten von Neupack zu besseren Löhnen und Arbeitsbedingungen zu verhelfen, gab es keine andere Möglichkeit mehr. Streik ist unser letztes Mittel, die Ultima Ratio. Mit dem Betriebsrat und den Beschäftigten hatten wir uns ein Jahr lang um einen Tarifvertrag bemüht – vergeblich. Dem Mut und der Entschlossenheit der Streikenden gilt meine Hochachtung: trotz des hohen Risikos, trotz Drohgebärden und Provokationen des Arbeitgebers haben sie sich konsequent auf ihr Ziel konzentriert und bestreiten mit viel Umsicht diesen Arbeitskampf mit uns. Das Ziel ist immer noch nicht erreicht – aber wir gehen geradlinig unseren Weg! Am Ende soll bei Neupack ein Tarifvertrag stehen. Auch von Insolvenzen und einer insgesamt abgeschwächten Konjunktur war dieses Jahr geprägt. Darunter haben unter anderen die Kolleginnen und Kollegen von Meteor gelitten. Wie sich der Abschwung in der Autoindustrie auf die Zulieferer oder die Gesundheitsreform auf die Pharmaindustrie auswirkt, haben wir bei Fachtagungen und Sozialpartnerveranstaltungen aufgegriffen und unsere Positionen den verantwortlichen Politikern vermittelt.

»Meine Hochachtung gilt dem Mut und der Entschlossenheit der Streikenden.« Vor den Wahlen in Niedersachsen mischen wir uns nun in die Debatte ein und bringen den Kandidatinnen und Kandidaten der Parteien zum Beispiel unsere Meinung zur Energiewende zu Gehör. Niedersachsen ist reif für einen Wechsel. Nutzt euer demokratisches Wahlrecht, geht alle zur Wahl! Dann bringen wir Niedersachsen auf den richtigen Weg. Auch unsere Mitgliederentwicklung ist weiterhin auf einem sehr guten Niveau. Zum dritten Mal in Folge haben wir in den Betrieben ein effektiv positives Ergebnis. Dieser Erfolg geht auf den großen persönlichen Einsatz der ehren- und hauptamtlichen Funktionäre zurück. Dafür sage ich Danke – es hilft unserer Organisation, und wir zeigen, dass es geht!

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vor ort Nordost NA M EN & NA C HRI C HTEN

Große Unterstützung

Termine – kurz notiert

zittau | Start für erste Betriebsratswahlen

leipzig | 21. Januar: Neujahrsempfang mit Festrednerin Edeltraud Glänzer, Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstands der IG BCE. halle/peiSSen | 23. Januar: Ostdeutsche Wasserkonferenz der IG BCE.

Fast alle 110 Beschäftigten der Zittauer Kunststoff GmbH kamen zur Betriebsversammlung und wählten mit großer Mehrheit ihren Wahlvorstand für die ersten Betriebsratswahlen im Unternehmen. Die Versammlung fand ohne Abstimmung mit der Geschäftsführung statt, nachdem alle Gesprächsversuche der IG BCE immer wieder verzögert worden waren. Viele Kol-

Abschied nach vielen Jahren berlin | Peter Cernohorsky,

Gewerkschaftssekretär in Berlin-Mark Brandenburg, und Michael Scholz, der zuletzt für den Landesbezirk arbeitete, wurden Ende Dezember aus ihrem aktiven Erwerbsleben verabschiedet. Peter Cernohorsky (Foto links) engagierte sich neben seiner Gewerkschaftsarbeit unter anderem als ehrenamtlicher Richter beim Arbeitsgericht. Michael Scholz (Foto rechts) war viele Jahre Gewerkschaftssekretär in Berlin-Mark Brandenburg. Landesbezirk und Bezirk danken beiden für ihre geleistete Arbeit und wünschen ihnen weiterhin alles Gute!

Start in die Tarifrunde rübeland/elbingerode | Die gewerkschaftlichen Ver-

trauensleute der Fels-Werke fordern für die kommende Tarifrunde einen gemeinsamen Tarifbereich Kalk für Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Das hat der Arbeitgeberverband abgelehnt. Auf ihrer Vertrauenskörpersitzung diskutierten sie mit IG-BCE-Verhandlungsführer HansJoachim Gerloff (Foto, links) das weitere Vorgehen.

Konflikt eskaliert

Neues Arbeitszeitmodell in Kraft berlin | Die Tarifabschlüsse tragen Früchte. Ab Januar kommenden Jahres tritt in der Ost-Chemie das 2011 vereinbarte neue Arbeitszeitmodell in Kraft. In den Unternehmen werden Fonds eingerichtet, die von den Arbeitgebern mit jährlich 2,5 Prozent der Entgeltsumme gespeist werden. Zusätzlich 200 Euro jährlich fließen von 2013 bis 2015 in die Töpfe. Das ist ein Ergebnis der Chemie-Tarifrunde 2012. Aus diesen betrieblichen Fonds werden Arbeitszeitver-

kürzungen für Beschäftigte in besonderen Lebensphasen finanziert. Dafür stellt der Tarifvertrag eine Reihe von Möglichkeiten zur Verfügung. Die Palette reicht von Entlastungen für Schichtarbeiter über altersgerechte Arbeitszeiten bis hin zu bezahlten Freistellungen für Eltern und Beschäftigte, die ihre Angehörigen pflegen. Auch der Aufbau von Langzeitkonten ist möglich. Die konkrete Nutzung des Tarifvertrags wird in Betriebsvereinbarungen geregelt.

Für Mitbestimmung und Arbeitsplätze

berlin | Beim traditionsreichen Farben- und Lacke-Vertrieb

salzgitter | Mehr als

Knittel mit 90 Beschäftigten eskaliert der Konflikt um den Betriebsrat. Die IG BCE hat Strafanzeige gegen das Tochterunternehmen der Caparol-Firmengruppe wegen wiederholter schwerwiegender, nicht erlaubter Handlungen gegen den Betriebsrat gestellt. Der Betriebsratsvorsitzenden droht die fristlose Kündigung, zwei weitere Betriebsrätinnen werden mit Aufhebungsverträgen massiv unter Druck gesetzt. Boris Loew, Gewerkschaftssekretär in Berlin-Mark Brandenburg: »Die Geschäftsleitung will den Betriebsrat zerstören – diese Schikanen lassen wir nicht zu.«

1000 Beschäftigte von E.ON Avacon demonstrierten Ende November vor der neuen AvaconTechnikzentrale gegen den Abbau von 360 Arbeitsplätzen als Folge des konzernweiten Programms E.ON 2.0. Mit dabei waren Kolleginnen und Kollegen aus den fünf Standorten in Sachsen-

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leginnen und Kollegen kamen in ihrer Freizeit zur Versammlung und unterstrichen damit ihre Entschlossenheit. Die zeigten sie auch beim Treffen rund um das IG-BCE-Infomobil vor dem Werk (Foto).

Anhalt. Lutz Helmeke, Betriebsratsvorsitzender in Oschersleben/Schöning: »Wir fordern mehr Mitbestimmung und wollen die Arbeitsplätze erhalten.«


Kraftvoll und aktiv

ZWI S C HENR U F

berlin | Zukunftsprojekte im Landesbezirk

Wenn Andreas Hohmann mit seinem IG-BCE-Transporter zur Unterstützung von Betriebsratswahlen oder Tarifaktionen in den Betrieben vorfährt, dann macht er klar: Die IG BCE ist für euch unterwegs. »Andi kommt« »Andi kommt« – hier im Einsatz bei ist eines der Zukunfts- Wacker Chemie in Nünchritz. projekte, die Aufbau und Stärkung gewerkschaftlicher trie für die IG BCE bis Ende Strukturen voranbringen und 2012 tätig. Mit dem Projekt neue Mitglieder gewinnen »Kraftvoll« organisierte sie eine Unterschriftenaktion für die sollen. Solarbranche, war auf vielen Demonstrationen präsent. In den Kunststoffbetrieben brachte sie Betriebsratswahlen und Tarifverhandlungen voran und organisierte im Herbst das erste Branchentreffen Kunststoff. LandesIG-BCE-Projektsekretärin Elke Swo- bezirksleiterin Petra Reinbold-Knape: »Die Projekte linski auf einer Tarifdemo. sind eine Investition in die Elke Swolinski war ein Jahr Zukunftsgewerkschaft 2020. lang im Shared Service Center Sie unterstützen die Arbeit der von BASF in Berlin und bei der Bezirke.« E.ON-Tochter e.dialog im Einsatz. Sie begleitete Tarifverhandlungen, war für eine mitbestimmungsgestaltete Betriebskultur in Kontakt mit Betriebsräten und Beschäftigten. Direkt hinein in die Krise der Solarwirtschaft kam Ka- Organisierte die Unterschriftenakthrin Albrecht. Sie war dort tion bei der großen Solardemo in und in der Kunststoffindus- Berlin: Kathrin Albrecht (links).

Gründe für Befristung hinterfragen hohenmölsen | Auf großes Interesse stieß eine Infoveranstaltung des Bezirks Leipzig für die befristet Beschäftigten der GALA MIBRAG Service GmbH. Bezirksleiter Jürgen Mehnert und der Fachanwalt für Arbeitsrecht Roland Exler behan-

delten die rechtlichen Grundlagen aus dem Teilzeit- und Befristungsgesetz, so auch zu der Fragestellung: »Hat der Arbeitgeber jedes Mal einen sachlichen, nachvollziehbaren Grund für weitere Befristungen geliefert?«

Petra Reinbold-Knape

Landesbezirksleiterin Nordost

Gemeinsam auf dem Weg Wir werden immer mehr! Mit dieser guten Nachricht starten wir in das neue Jahr. Die positive Mitgliederentwicklung stärkt die IG BCE. Gerade bei der jungen Generation gewinnt unsere Gewerkschaft an Attraktivität. Und das ist gut! Wir brauchen die Unterstützung, um dem Fachkräftemangel gemeinsam mit klugen Vorschlägen zu begegnen. Wir haben mit unseren Tarifverträgen zur Demografie und zur Leiharbeit zwei große Herausforderungen gemeistert. In der Industrie- und Energiepolitik verstärken wir unsere Anstrengungen. Die Energiewende stellt uns vor große Herausforderungen. Der Landesbezirk hat hier mit seiner Initiative »Netzausbau« bereits wichtige Eckpfeiler gesetzt.

»Die Initiative Netzausbau hat bereits wichtige Eckpfeiler gesetzt.« Auch mit dem Blick nach innen wissen wir: Ein ereignisreiches Jahr liegt vor uns! Nach den Wahlen der Vertrauensleute und Ortsgruppen, den Bezirksfrauen- und -jugendkonferenzen sind die Delegiertenkonferenzen in den Bezirken und im Landesbezirk der nächste Schritt zum Gewerkschaftskongress. Ein besonderes Datum ist der 2. Mai: Wir werden an den 2. Mai 1933 erinnern, als die Gewerkschaftshäuser von den Nazis gestürmt und die Gewerkschaften verboten wurden. Auch heute müssen wir wachsam sein: nie wieder Faschismus, nie wieder rechtsradikale Macht! Gemeinsam die Zukunft gut gestalten – das geht nur mit den vielen Kolleginnen und Kollegen, die mit ihrem Einsatz gemeinsam die IG BCE prägen! Ihnen ein herzliches Dankeschön und ein fröhliches Glückauf! Ich wünsche uns allen ein erfolgreiches, glückliches und gesundes Jahr 2013!

NA M EN & NA C HRI C HTEN

Rückblick und Zukunftsprozess schwarze pumpe | Der Bezirk Cottbus lud alle neuen und wiedergewählten Ortsgruppenvorsitzenden zu einer Konferenz ein. Themen waren ein Jahresrückblick zu den zentralen Themen Energiepolitik und tarifliche Entwicklung sowie aktuelle Entwicklungen im Zukunftsprozess 2020 der IG BCE.

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vor ort Nordrhein NAMEN & NA C HRI C HTEN

Akzeptanz verbessern

Großer Erfolg bei JAV-Wahlen

düsseldorf | Industriestandort braucht Zustimmung

Düsseldorf | Die Wahlen zu den Jugend- und Auszubildendenvertretungen (JAV) im Landesbezirk endeten im letzten Jahr mit einem großen Erfolg für die IG BCE: 95,4 Prozent aller gewählten JAV-Mitglieder gehören der IG BCE an.

Es gibt heute kaum ein industrie- oder energiepolitisches Projekt, das ohne Proteste von Anwohnern geplant und umgesetzt werden kann. Die gesellschaftliche Akzeptanz von Kraftwerken oder Infrastrukturprojekten wie Pipelines, Stromtrassen und Windkraftanlagen schwindet, wenn die Menschen vor Ort betroffen sind. Die IG BCE Nordrhein ist an zahlreichen Initiativen beteiligt, die sich für einen besseren Dialog mit den Bürgern und für mehr Akzeptanz solcher Projekte einsetzen. Auch die Landesregierung NordrheinWestfalen unterstützt dieses Ziel. Mitte November stellte sie auf der Tagung »Dialog schafft Zukunft – Wirtschaftsstandort NRW 2020« einen Werkzeugkasten vor, der den Dialog zwischen Unternehmen, Verwaltung, Politik und Gesellschaft verbessern helfen soll.

Arbeitsplan 2013 düsseldorf | Der Arbeitsplan für den Bezirksvorstand steht. 2013 wird es zusätzliche Angebote für die Mitglieder geben. Auf der jährlichen Klausurtagung wurden außerdem die Delegiertenkonferenzen für 2013 vorbereitet und ausführlich Bildungsangebote und inhaltliche Schwerpunkte diskutiert.

Modernisierung | Gemeinsam mit der Wohnungsgesellschaft VIVAWEST informierte die Ortsgruppe über die Modernisierung in der Siedlung im Stadtteil Gestfeld. Von einer besseren Wärmedämmung über neue Balkone bis hin zu verschönerten Außenanlagen erhalten die Mieter eine deutliche Verbesserung des Wohnwerts. Allerdings, so erfuhren die Zuhörer, wird auch die Miete steigen.

kamp-lintfort

Charta unterzeichnet

Reiner Hoffmann, Landesbezirksleiter der IG BCE Nordrhein, verwies auf der Tagung auf die Rolle der Industrie, die einerseits mit ihren Produkten und Innovationen einen wichtigen Beitrag zum Klima- und Umweltschutz leiste und andererseits mit vielen Beschäftigten und guter Arbeit zum Wohlstand des Landes beitrage. Hoffmann: »Diese Leistungen wollen wir im Dialog mit der Gesellschaft herausstellen.« Landeswirtschaftsminister Garrelt Duin betonte, dass industrieller Fortschritt die Lebensqualität steigere. Es sei deshalb wichtig, »ein neues gesellschaftliches Verständnis für den Nutzen und die Notwendigkeit« industrieller Produktion zu schaffen. »Ein zukunftsweisender Wirtschaftsstandort basiert auf einer gesellschaftlich getragenen Industrie.«

oberhausen | Die Frauenkonferenz des Bezirks Duisburg

beschäftigte sich mit den Themen Chancengleichheit, existenzsichernde Arbeit, lebensphasenorientierte Arbeitszeiten, anonyme Bewerbungen und Coaching. Die Konferenz unterzeichnete außerdem die Charta zur Gleichstellung, die die IGBCE-Frauenkonferenz im Sommer verabschiedet hatte.

Top Ten der Werber im November Platz 1: Dieter Trierscheidt (20 geworbene Neumitglieder, Pronova BKK, Bezirk Leverkusen); Platz 2: Jens Scheumer (18, Lanxess Leverkusen, Leverkusen); Platz 3: Manuela Strauch (14, Lanxess Krefeld, Moers); Platz 4/5: Tim Strater (13, Currenta Krefeld, Moers), Frank Münch (13, Evonik Industries Wesseling, Köln-Bonn); Platz 6: Markus Gillner (11, Infraserv Knapsack, Köln-Bonn); Platz 7/8: Horst Ruoff (10, Continental Aachen, Alsdorf), Joline Macek (10, Currenta Dormagen, Köln-Bonn); Platz 9/10: Nicole Neubauer (9, Bayer AG – Chemiepark Dormagen, Köln-Bonn), Selim Köymen (9, ROC TG 11, Düsseldorf). Weitere Infos im Internet: www.nordrhein.igbce.de

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Energie braucht Kohle garzweiler | Jugend informiert sich

Das Thema Energie hat auch für die IG-BCE-Jugend des Bezirks Düsseldorf hohe Priorität. Zum Programm ihres Wochenendseminars »Energie« gehörte auch ein Besuch des Braunkohlentagebaus Garzweiler. Die sachkundige Führung betreute Garzweiler-Betriebsrat Werner Franzen. Das Fazit der jungen Gewerkschafter nach der umfangreichen Information und

Diskussion, ergänzt durch den Blick in die Arbeitswelt des Tagebaus: Ohne den heimischen Energieträger Kohle wird es keine erfolgreiche Energiewende geben.


Eine andere Kultur

ZWIS C HENRUF

aachen | Verständnis durch Austausch

Die jüdische Gemeinde in Aachen war das Ziel des Arbeitskreises Integration/ Migration des IG-BCE-Bezirks Alsdorf. Der Besuch der Synagoge und das Gespräch mit dem Rabbiner Max Mordechai Bohrer boten der zehnköpfigen Gruppe einen Einblick in das jüdische Leben und den Glauben. Der Arbeitskreisvorsitzende Bulkan Ersoy stellte fest: »Es gibt viel mehr, was uns verbindet in unserem Glauben,

Reiner Hoffmann

Landesbezirksleiter Nordrhein

Gute Arbeit bleibt Ziel als was uns trennt.« Wichtig sei, genau hinzusehen und aufmerksam zuzuhören. Der Arbeitskreis versteht sich als Brückenbauer zwischen den unterschiedlichen Kulturen.

Rassismus bekämpfen Duisburg/moers | Schulen im Fokus

Wer Rassismus die Stirn bieten will, muss früh Toleranz lernen. Der Arbeitskreis Migration der IG-BCE-Bezirke Duisburg und Moers will sich im kommenden Jahr deshalb während der »Internationalen Wochen gegen Rassismus« besonders in den Schulen des Bezirks engagieren. Giovanni Police von der IG-BCE-Abtei-

lung Migration/Integration informierte über die Aktivitäten auf Bundesebene und berichtete aus der Arbeit des Vereins »Mach meinen Kumpel nicht an!«. Auf der Arbeitskreisklausur wurde darüber hinaus das Programm für 2013 besprochen. Da die Bundestagswahl ansteht, wird eine Podiumsdiskussion vorbereitet.

Stabiles Angebot düsseldorf | Ausbildung in der Chemie

Die chemische Industrie in Nordrhein hält auch 2012 am hohen Ausbildungsniveau mit 1877 neuen Ausbildungsplätzen fest. Besonders erfreut zeigte sich IG-BCE-Landesbezirksleiter Reiner Hoffmann darüber, dass allein 177 Plätze über das Programm »Start in den Beruf« angeboten wurden. Das sei ein Erfolg des Tarifvertrags »Zukunft durch Ausbil-

dung« und zeige, dass IG BCE und Chemie-Arbeitgeber ihrer sozialen Verantwortung gerecht werden. Das Programm bietet Schulabgängern, denen Voraussetzungen für die Berufsausbildung fehlen, die Chance, ihre Ausbildungsfähigkeit zu verbessern und im Anschluss eine Ausbildung zu absolvieren. Die Erfolgsquote liegt bei über 80 Prozent.

Keineswegs selbstzufrieden, aber selbstbewusst können wir auf 2012 zurückblicken. Dank des großen Engagements vieler ehrenamtlicher Kolleginnen und Kollegen konnte der höchste Zuwachs an neuen Mitgliedern bei deutlich sinkenden Austritten erreicht werden. Dafür an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön. Ich gratuliere auch allen neu und wiedergewählten Vertrauensleuten und den frisch gewählten Jugend- und Auszubildendenvertretungen. Tarifpolitisch war 2012 ein erfolgreiches Jahr. In vielen Branchen konnten klare Reallohnsteigerungen realisiert werden. In der chemischen Industrie ist es gelungen, den Demografie-Tarifvertrag weiterzuentwickeln und mit den Arbeitgeberverbänden in der Leiharbeit wurden ordentliche Branchenzuschläge vereinbart. Politisch war es 2012 wichtig, dass mit den Landtagswahlen stabile Verhältnisse für das Industrieland Nummer eins geschaffen wurden. Dem Prinzip »Privat vor Staat« wurde eine klare Absage erteilt. Klar positioniert haben sich die Gewerkschaften für die Bundestagswahl im Herbst 2013. Wir wollen eine neue Ordnung der Arbeit, sichere Renten und ein soziales Europa. Wir brauchen einen politischen Kurswechsel. Ob Eurokrise oder Energiewende: Die schwarz-gelbe Bundesregierung kommt nicht voran oder trifft die falschen Entscheidungen. Das gilt insbesondere für die Arbeitswelt. Schlechte Arbeit, Leiharbeit und Minijobs boomen, die Arbeitshetze steigt. Statt dagegen vorzugehen, erhöht Schwarz-Gelb die Grenzen für Minijobs und sperrt sich gegen den Mindestlohn. Die IG BCE steuert gegen – mit unserer Kampagne für Gute Arbeit, gemeinsam mit den Betriebsräten durch Betriebsvereinbarungen und mit tarifvertraglichen Regelungen, etwa für die Leiharbeit. Bei unserem Engagement für Gute Arbeit wissen wir die NRW-Landesregierung an unserer Seite. Bei ihrem Aktionsprogramm für Gute Arbeit, das 2013 startet, ist die IG BCE selbstverständlich ein aktiver Partner. Ganz oben auf der Tagesordnung wird auch im kommenden Jahr die Industrieund Energiepolitik stehen. Nordrhein-Westfalens Industrie braucht verlässliche Rahmenbedingungen und eine sichere Energieversorgung. Damit lassen sich Arbeitsplätze sichern und gute Arbeit gestalten. Dafür setzen wir uns ein.

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vor ort Rheinland-Pfalz/Saarland NAMEN & NA C HRI C H T EN

Für Gleichstellung

Nach der Konstituierung

mainz | Frauen wählen ihre Vertretungen

ludwigshafen | In

In den vergangenen Monaten wählten alle vier Bezirke des Landesbezirks – Ludwigshafen, Mainz, Mittelrhein und Saarbrücken – neue Bezirksfrauenausschüsse. Inhaltlich ging es dabei stets auch um den beharrlich verfolgten Kampf für die Gleichstellung der Geschlechter. Als Erste fand die Konferenz in Ludwigshafen statt, als Letzte, Ende November, die in Neuwied (Mittelrhein). Zu den dortigen Themen gehörte die »bisherige Vernachlässigung der Frauen mit ihren besonderen Lebensabläufen in der Rentendebatte«, so Gewerkschaftssekretärin Dörte Schall. Referentin war

zahlreichen Unternehmen des Landesbezirks sind bis Ende November die neuen bis zu 15-köpfigen Jugend- und Auszubildendenvertretungen (JAV) für die kom- Die BASF-Jugendvertretung mit Anna menden zwei Jahre Uhrig (weiße Bluse), Maxi Witter (danegewählt worden. In- ben links) und Betriebsratsvorsitzendem zwischen haben sich Robert Oswald (links). die meisten JAVen konstituiert und ihre Arbeit aufgenommen. Zu den vielen mittelgroßen Vertretungen gehört beispielweise die JAV bei der Steag in Saarbrücken mit ihren fünf Mitgliedern. In den größten Unternehmen – so bei der BASF SE in Ludwigshafen – entstand wieder eine JAV aus 15 neu oder erneut gewählten Mitgliedern. Die bisherige Vorsitzende Anna Uhrig wurde bei der Konstituierung in ihrem Amt bestätigt. Stellvertretende Vorsitzende wurde Maxi Witter. Der BASF-Betriebsratsvorsitzende Robert Oswald lobte die Auszubildenden für ihre Wahlbeteiligung von mehr als 70 Prozent und versprach der JAV die Unterstützung des Betriebsrats.

Tausche Postkarte gegen Schal ingelheim | Das Laborunterneh-

men Bioscientia ist Dienstleister für Ärzte und Krankenhäuser. Betriebsräte und IG-BCEler leisten dort aber auch viel, etwa gute Haustarifverträge. Als Erinnerungsstütze erhielten die Beschäftigten jetzt am Hauptsitz in Ingelheim im Tausch gegen eine ausgefüllte Postkarte schmucke rote IG-BCE-Schals. Nebeneffekt: drei Neueintritte. Den Schal wollten viele . . .

Simona: Tarifliche Verbesserungen kirn | Beim Kunststoffverarbeiter Simona AG stiegen die Tariflöhne im November um 2,8 Prozent (Azubis: um 40 Euro). Für Oktober gab es eine Einmalzahlung von 90 (Auszubildende 40) Euro. Die Urlaubsdauer wurde für alle auf 30 Tage angeglichen. Für Schwerbehinderte und Jugendliche bleibt es bei den gesetzlichen Sonderbestimmungen. Für vollkontinuierliche Wechselschichtler gibt es zusätzliche Urlaubstage: drei Tage im Vier-Schicht-Betrieb, zwei Tage im Fünf- oder Sechs-Schicht-Betrieb. Die Gewerkschaftsbeiträge werden entsprechend angeglichen.

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die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der SPD im Mainzer Landtag, Tanja Machalet. Gäste der Auftaktkonferenz in Ludwigshafen waren Landesbezirksleiter Ralf Sikorski und Cornelia Leunig, Abteilungsleiterin Frauen/Gleichstellung bei der IG BCE in Hannover. Sie war auch Referentin der Konferenz in Mainz und wertete die Handlungsempfehlungen des zurückliegenden IG-BCE-Frauentags in Hannover aus. Christiane Hock, BASFBetriebsratsmitglied, berichtete vom Sozialpartner-Projekt »Frauen Macht Erfolg«. Es zielt darauf, mehr Frauen in gehobene Positionen zu bringen.

IG-BCE-Jugend tagt mainz | Neue Ausschüsse und neue Vorhaben

Wahlen, Diskussionen und Beschlüsse standen auf der Tagesordnung der drei Bezirksjugendkonferenzen. Am 1. Dezember tagten die Delegierten aus dem Bezirk Mittelrhein (Foto). Viele waren zum ersten Mal dabei. Sie diskutierten Mängel bei der Ausbildung im Betrieb und beim dualen Studium und sie forderten zumindest ein Jahr betriebliche Übernahme nach der Ausbildung. Später wählten sie aus ihren Reihen die Mitglieder des Bezirksjugendausschusses und die Delegierten für die Landesbezirksjugendkonferenz. Das Thema Übernahme beschäftigte auch die Jugendkonferenz des Bezirks Mainz, die

am selben Tag in der Schlossakademie Hochstetten-Dhaun stattfand. In Zukunft wollen sich die Jugendlichen auch mit Themen wie Öffentlichkeitsarbeit und Jugendarbeitslosigkeit befassen. Eine Woche später tagten die 30 Delegierten des Bezirks Ludwigshafen. Eines ihrer Themen: der desolate Zustand der dortigen Berufsschulgebäude. Sie wählten dann einen 13-köpfigen Bezirksjugendausschuss. Die Jugendkonferenz des Bezirks Saarbrücken ist am 12. Januar in Kirkel.


Problem Energiewende

ZWIS C HENRUF

Mainz | Diskussion mit Wirtschaftsministerin

Der Landesbezirksvorstand hat sich gegen Jahresende mit der Energiewende im Bund sowie in den Bundesländern Rheinland-Pfalz und Saarland befasst. An der Diskussion nahm auch die zuständige rheinland-pfälzische Ministerin Eveline Lemke teil. Beide Seiten waren sich einig, dass das Gelingen der Wende entscheidend davon abhängt, dass die Industrie der Region in den kommenden Jahren zuverlässig mit Strom versorgt wird und dass die Energiepreise die Produktion nicht aus dem Land treiben. Deshalb hält die IG BCE es auch weiter für richtig, dass die besonders energieintensiven Unternehmen, die im internationalen Wettbewerb stehen, von der Ökostromumlage befreit sind. Grundsätzlich befürwortet die IG BCE eine kritische Überprüfung der von der Umlage befreiten Unternehmen.

Sie macht aber deutlich, dass die Befreiung vor allem für viele energieintensive Mittelstandsbetriebe existenziell ist. Die Versuche von Grünen und der rheinland-pfälzischen CDU das Thema parteipolitisch zu nutzen, schadet der notwendigen Sachlichkeit. Der Vorstand befasste sich auch mit der Situation im Saarland. Nach dem Ende des Bergbaus an der Saar gehe es vor allem darum, für die saarländische Kraftwirtschaft verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Die Kraftwirtschaft braucht von der Politik eine klare Position im Umgang mit den konventionellen Kraftwerken, die zur Energiesicherung und Stabilität der Netze erforderlich sind, betonte auch der IG-BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis auf einer Betriebsversammlung der Steag Power Saar in Saarbrücken.

Konzert für »Polygon« ensdorf | Zuhörer sammeln für Bergbaumahnmal

Bei einem Konzert des MGV Heiterkeit am Bergwerk Ensdorf spendeten die 400 Zuhörer viel Geld für den Bau des Bergbaumahnmals »Polygon«. Jetzt übergab der MGV-Vorsitzende Guido Müller (Foto, links) dem Vorsitzenden des Fördervereins BergbauErbeSaar,

Hans-Jürgen Becker (rechts), einen Scheck über stolze 1800 Euro.

Ralf Sikorski

Landesbezirksleiter Rheinland-Pfalz/Saarland

Die Betriebe sturmfest machen Das Jahr zu verstehen, war nicht leicht. Finanzstürme erschüttern unsere Nachbarländer; wir sahen Bilder von sinkenden Einkommen und unvorstellbarer Jugendarbeitslosigkeit. Im Südwesten Deutschlands aber erlebten wir erneut zwölf erstaunlich stabile Monate. Unsere Mitglieder konnten in Euro und Cent nachzählen, welche guten Tarife die IG BCE mit Unterstützung aus den Betrieben durchsetzt. Unsere Werber nutzten diesen Rückenwind. Erneut erhöhten sie die Mitgliederzahl in den Betrieben. Aber wir müssen weiter auf die zugehen, die nicht Mitglied sind. Wir leben auf keiner Insel. Betriebe ohne starke Gewerkschaft sind weniger sturmfest. Eine neue Bewährungsprobe steht bevor. Die Autoindustrie verkauft weniger Fahrzeuge und die Zulieferer in unserer Region setzen weniger ab.

»Wir leben auf keiner Insel.« Wach sein müssen wir auch bei der Energiewende. Wir wollen ihren Erfolg, mit sicherem und bezahlbarem Strom für Industrie und Menschen. Hierzu erwarten wir von der Landesregierung die Fortsetzung einer Industrie- und Energiepolitik, die alle drei Dimensionen der Nachhaltigkeit im Blick hat. Ich bin sicher, dass Malu Dreyer nach ihrer Wahl die konstruktive und erfolgreiche Politik Kurt Becks in dieser Frage fortsetzt. Das Jahr brachte einen bitteren Einschnitt. Nach 150 Jahren Bergbaugeschichte an der Saar beendete zuletzt das Bergwerk Saar die Kohleförderung. Die IG BCE hält diese Entscheidung nach wie vor für falsch. Deshalb muss es umso mehr um die Unterstützung der Politik im Saarland für die Kraftwerkwirtschaft beider Steag-Gesellschaften gehen. Sie vereinen die Symbiose von Kohle und erneuerbaren Energien nachhaltig. Ich wünsche allen IG-BCE-Mitgliedern mit ihren Angehörigen und Freunden ein gesundes, frohes und sicheres neues Jahr!

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vor ort Westfalen NAMEN & NACHRICH T EN

Erfolgreich unterwegs

»Ich will leben«

Hamm/Gelsenkirchen | Frauen gut aufgestellt

Gladbeck | Das

»Fit und fertig – Zukunftsgewerkschaft 2020«, unter diesem Motto trafen sich IG-BCE-Gewerkschafterinnen zum Frauenforum an einem ungewohnten Ort in Hamm: In den Trainingsräumen des »Aktivita« bereiteten sich die Kolleginnen auf ihre Arbeit in den nächsten Monaten vor. Monika Simshäuser, Bürgermeisterin von Hamm, und Lothar Wobeddo unterstrichen die Wichtigkeit gewerkschaftlicher Frauenarbeit für die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen. Die stellvertretende Landesbezirksleiterin, Heike Arndt, erinnerte an die Vereinbarungen und Beschlüsse des letzten Bundesfrauentages der Gewerkschaft. Sie forderte dazu auf, alle in kleinen praktischen Schritten vor Ort in den Betrieben umzusetzen. Sehr schnell kamen dazu Vorschläge und Ideen aus dem Kreis der Frauen. Activia-Geschäftsführer Thomas Johannpeter erläuterte den Gewerkschafterinnen, was für ein modernes betriebliches Gesundheitssystem notwendig ist. Er räumte mit dem Irrglauben auf, dass Prävention »nur Geld kostet«: Die Vorteile für die Betriebe durch den sinkenden Krankenstand und die geringeren Arbeitsausfälle der Beschäftigten könnten »sehr genau beziffert werden«.

Musical-Projekt »Ich will leben« der IG BCE Gladbeck-Mitte und der »Erich-FriedHauptschule« wurde im Festspielhaus Recklinghausen aufgeführt. Vor mehr als 600 geladenen Gästen aus ganz Deutschland bei der 42. Recklinghäuser Tagung der IG BCE erlebten alle Anwesenden – unter ihnen Svenja Schulze, Landesministerin für Innovation, Wissenschaft und Forschung –, wie sehr die Musik unterschiedliche Kontinente, Menschen und deren Kulturen verbindet. Rektor Gregor Hohaus hob hevor, dass die Schüler in nur einem Jahr erlernten, die Instrumente zu spielen. Hohaus kündigte für 2013 neue gemeinsame Projekte der Hauptschule im Übergang Schule zum Beruf an.

Konferenz für 100 Funktionäre recklinghausen |

Bei der jüngsten Funktionärskonferenz des IG-BCE-Bezirkes Recklinghausen diskutierten mehr als 100 Funktionäre unter anderem die aktuellen Tarifrunden, das große Projekt Zukunftsgewerkschaft 2020 und die Mitgliederentwicklung in Recklinghausen. Hier sind im Rahmen des Projektes »Mitgliederstärke Plus« jene Ortsgruppen geehrt worden, die besonderes Engagement bewiesen haben. Der 1. Platz ging an die Ortsgruppe Altstadt I; der 2. Platz an die Ortsgruppe Herne-Sodingen; den 3. Platz gab es sowohl für die Ortsgruppen Datteln I/Ahsen und die Ortsgruppe Recklinghausen-Mitte.

Teamarbeit ist gefragt essen | Das IG-BCE-Regionalforum Essen hat sich neu kons-

tituiert: Detlef Schliffke wurde zum neuen Vorsitzenden gewählt. Zu seinem Stellvertreter wurde Andreas Vent gewählt; Jürgen Gabriels zu seinem Schriftführer. Das Regionalforum mit seinen 10 000 IG-BCE-Mitgliedern besteht aus 13 Ortsgruppen, zwei Vertrauenskörpern, den Betriebsräten sowie den Jugend- und Auszubildendenvertretungen (JAV). Schwerpunkte für 2013 werden sein: das Projekt »Essen 2030«, die Mai-Demonstration auf dem Burgplatz, der »Vivavest Marathon 2013« am 1. Mai, das Zollvereinsfest und zu guter Letzt die Bundestagswahlen.

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Foto: Hans Mentrup

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Frische Ideen entwickelten die Gewerkschafterinnen des Frauenforums in Hamm.

Um der Chancengleichheit zwischen den Geschlechtern mehr Nachdruck zu verleihen, unterzeichneten die Delegierten und Gäste der Bezirksfrauenkonferenz in Gelsenkirchen die Gleichstellungs-Charta der IG BCE. Sie ruft Partnerinnen und Partner aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft dazu auf, Instrumente und Maßnahmen zu mehr Chancengleichheit zwischen den Geschlechtern zu ergreifen. Mehr als 40 Frauen aus über 20 Betrieben des Organisationsbereiches hatten zuvor unter dem Motto »Frauen erfolgreich unterwegs« über frauenund gleichstellungspolitische Themen diskutiert. Unter den Gästen war neben Heike Arndt auch Peter Obramski, IG-BCEBezirksleiter Gelsenkirchen. Für die Jahre 2012 bis 2016 wählten die Delegierten zudem einen neuen Bezirksfrauenausschuss. Diesem fällt insbesondere bei der frauen- und gleichstellungspolitischen Arbeit in den Betrieeine wichtige Der neu gewählte Bezirksfrauenausschuss ben Rolle zu. Gelsenkirchen.


Bewährt und frisch

NAMEN & NACHRICH T EN

marl | JAV des Gemeinschaftsbetriebes Marl neu gewählt

Neues Gladbecker Wahrzeichen

Am 19. November um 18:20 Uhr ist es endlich soweit: Die Stimmen sind ausgezählt, das Wahlergebnis ist bekannt und nun beginnt die Arbeit. Es ist das Ende einer arbeitsreichen Die »neue« JAV: Sahin Özcan, Celil Ese, AnnZeit mit einem Kathrin Kubitza, Robin Nitschman, Simone Ring, intensiven Semi- Torben Elm-Bunte, Sina Korte, Yunus Bayate, narwochenende, Linda Wozniak, Patrick Frie und Tim Lederer. einem PräsentaEine Wahlbeteiligung von tionsmarathon der Kandidaten und einem langen Tag des mehr als 74 Prozent – deutlich Wartens. Zunächst hatten sich mehr als bei der vergangenen 22 Kandidaten für die elf Wahl – signalisierte, dass die Plätze der neuen Jugend- und intensive Vorbereitung positive Auszubildendenvertretung des Resonanz gefunden hat. In der Gemeinschaftsbetriebs Marl konstituierenden Sitzung am beworben. Am Ende standen 29. wurden die wiedergewähl20 junge Auszubildende zur ten Mitglieder Sahin Özcan, Wahl. Sie präsentierten sich Celil Ese und Ann-Kathrin Kuam 15. und 19. November bitza einstimmig für die Aufvor jeweils rund 300 Kollegin- gaben als Vorsitzender, stellnen und Kollegen in der Vest- vertretender Vorsitzender und als Schriftführerin ernannt. halle.

Gladbeck

Zwei Mandate mehr marl | Auch Bergwerk Auguste Victoria wählte neue JAV

Eine JAV-Wahl gab es auch auf Auguste Victoria in Marl. Bereits am 1. Oktober konnten die Auszubildenden und jugendlichen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer dort ihre Stimme für die neue Jugend- und Auszubildendenvertretung abgeben. Besonders erfreulich: Im Vergleich zur letzten Amtszeit hat sich die JAV um zwei Mandate vergrößert, Dank

der großen Zahl von Auszubildenden. Alle JAV-Mitglieder starten in ihre erste Amtzeit. Ali Toprak wurde zum Vorsitzenden gewählt, Kadir Sarioglu zu seinem Stellvertreter. Yunus Camlibel übernimmt die Schriftführung.

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Das IG BCE/ REVAG-Schulprojekt »Gladbeck leuchtet« mit Schülern der Klassen 7 bis 9 der WillyBrandt-Förderschule wurde nach einem Jahr intensiver Arbeit der Stadt Gladbeck im Foyer des neuen Rathauses übergeben. Das in Deutschland bislang einmalige Projekt wurde durch die REVAG (Revierarbeitsgemeinschaft für kulturelle Bergmannsbetreuung) und die IG BCE finanziert. Bürgermeister Ulrich Roland bedankte sich bei den Aktiven von IG BCE und REVAG über deren Einsatz in der »Lebenszeit nach Arbeitszeit für ihre Jungs«. Die Schüler wurden von sechs Rentner-Kollegen im Alter von 55 bis 82 Jahren der IG-BCE-Ortsgruppe Gladbeck-Mitte für die selbstständigen Arbeiten im späteren Beruf ausgebildet. In einem Jahr wurden die Schüler in den unterschiedlichsten Handwerksberufen ausgebildet: Schreiner, Maler, Lackierer, Schlosser, Elektriker. Ihnen wurden Grundkenntnisse der Mathematik und des technischen Zeichnens vermittelt.

Gladbeck wird bunt Gladbeck | Fröhliches Kinderlachen und Singen erfüllte den Ratssaal am Donnerstag. So farbenfroh und fröhlich hat der Marktplatz noch nie ausgesehen. »Das habt ihr toll gemacht!«, lobte Bürgermeister Ulrich Roland seine kleinen Gäste. Er hatte Delegationen aus allen Kindergärten, Schulen und Kindereinrichtungen eingeladen, die an dem Malwettbewerb »Gladbeck wird bunt« teilgenommen haben. Für die Verschönerung des Marktplatzes mit ihren Kreide-Gemälden wurden sie ausgezeichnet und mit Buchgutscheinen belohnt. Die Idee stammte von Walter Hüßhoff und seinen Mitstreitern von der IG-BCE-Ortsgruppe Gladbeck-Mitte. Ziel war es, den Kindern die Möglichkeit zu geben, ihre Kreativität auszuleben und gleichzeitig zu zeigen, wie harmonisch das Zusammenleben und Zusammenspielen unter Kindern unterschiedlicher Herkunft und Kultur möglich ist. Nebeneffekt der Aktion war, dass der Marktplatz für einige Tage in bunten Farben erstrahlte.

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vor ort Baden-Württemberg

Bezirk Mannheim: Zentrale Jubilarfeier in Weinheim

Rund 300 Gäste kamen in die Weinheimer Stadthalle.

Ein unterhaltsamer Abend mit großem Zulauf: Rund 300 Gäste folgten der Einladung des Bezirks zur zentralen Jubilarehrung. In der festlich dekorierten Weinheimer Stadthalle dankte Bezirksleiter Detlef Stutter den Jubilaren für ihre

langjährige Treue. Besonderen Dank sprach Stutter dem ehemaligen Betriebsratsvorsitzenden von Roche Diagnostics, Wolfgang Katzmarek, aus. Das frühere Hauptvorstandsmitglied der IG BCE trat vor 40 Jahren in die Organisation

Danke für 60 Jahre Mitgliedschaft: die Jubilare auf der Bühne.

ein. Im politischen Teil seiner Rede verurteilte Stutter die aktuellen Rentenbeschlüsse in Berlin: »Wie sollen Menschen, die später auf Rentenzuschüsse angewiesen sind, mit heute niedrigen Verdiensten eine private Altersvorsorge betreiben?«

Die Regierung müsse darüber hinaus auch reinen Wein einschenken. Detlef Stutter: »Zur Wahrheit gehört, dass der Zuschuss nur derjenige erhalten soll, der mindestens 40 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt hat.«

Bezirk Karlsruhe: Regionale Jubilarfeiern

Nach der größten Jubilarehrung in Karlsruhe hat der Bezirk weitere vier kleinere, regionale Feierlichkeiten »vor Ort« veranstaltet. Unter den knapp 40 Jubilaren in Gernsbach (Murgtal) sprach Gewerkschaftssekretär Karsten Rehbein den Betriebsräten Evelyn Ibach (25 Jahre/BCG), Jörg Schumacher (25 Jahre/ PolyOne) sowie Tapan Sengupta (40 Jahre/früher Smurfit Kappa Baden Karton) seinen besonderen Dank aus. Gelebte Tradition ist die jährliche Jubilarfeier im Hornberger Schloss – mitten im Schwarzwald. 25 Gäste begrüßte das Bezirksteam im urigen Gewölbekeller. Während des dortigen »Rittermahls« unterhielt ein Gaukler die Besucher mit allerlei Schabernack.

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Die langjährigen Gewerkschaftsmitglieder aus dem Murgtal.

Einem Schnapsbrenner über die Schultern schauen konnten die mehr als 30 Jubilare in Sasbachwalden. Nach den Ehrungen stand die Besichtigung der Erlebnisbrennerei »Teufelsküch« auf dem Programm – Warenkunde und Verkostungen inklusive. In Oberwolfach – hier befindet sich das einzige Bergwerk im Bezirk – dankte die IG-BCE-Ortsgruppe Sachtleben ihren zehn treuen Mitgliedern.

Die Jubilare in der Felsengrotte des Hornberger Schlosses.


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vor ort Rheinland-Pfalz/Saarland

Generationswechsel in Pirmasens

Pirmasens, die Stadt der Schuhtradition, verfügt über eine große Ortsgruppe im IG-BCE-Bezirk Saarbrücken. Dort gab es jetzt Neuwahlen und einen Generationswechsel. Der 44 Jahre junge Achim Siegenthaler wurde zum Vorsitzenden gewählt. Der bisherige Vorsitzende Klaus Lehmann ist jetzt sein Stellvertreter. Das Foto zeigt den Vorstand mit dem neuen Vorsitzenden Achim Siegenthaler (Zweiter von rechts).

Pirmasens

Der stellvertretende IG-BCE-Vorsitzende Ulrich Freese (Foto Mitte hinten) hielt die Festrede, als die Ortsgruppe Pirmasens im November ihre Jubilare ehrte. Ulrich Freese gratulierte gemeinsam mit dem neuen Vorsitzenden Achim Siegenthaler (links von Ulrich Freese) und dessen Stellvertreter Klaus Lehmann.

Angestelltenbetriebsgruppe BW Saar

Beim ehemaligen Bergwerk Saar haben viele Menschen gearbeitet und die Zahl der langjährigen Gewerkschaftsmitglieder ist groß. Jetzt ehrte der Saarbrücker Bezirksleiter Dietmar Geuskens mehr als 30 Angestellte, die ihr 25., 40., 50., 60. und in zwei Fällen ihr 65. Gewerkschaftsjubiläum feierten (Foto). Zeugen der Ehrung waren Personaldirektor Walter Fuss und der Vorsitzende der Angestelltenbetriebsgruppe Arno Wilhelm.

Hangard-Munchwies

Im Rahmen einer Feierstunde ehrte Ortsgruppenvorsitzender Valentin Peter langjährige Mitglieder für ihre Gewerkschaftstreue von 25, 40, 50, 60, 70 und sogar 80 Jahren.

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Zusammenschluss in Eppelborn

In der Gemeinde Eppelborn wohnen rund 500 IG-BCE-Mitglieder. Im Beisein der Bürgermeisterin Birgit Müller-Closset führten dort Ende Oktober die fünf eigenständigen Ortsgruppen der Gemeinde eine gemeinsame Mitgliederversammlung durch. Der stellvertretende Bezirksleiter Frank Rolle erinnerte bei seiner Begrüßung daran, dass dieser Zusammenschluss mit dem Ende des Steinkohlenbergbaus an der Saar zusammenhängt. Er hob hervor, wie wichtig die Beteiligung der Gewerkschaft an den Entscheidungen zur sozialverträglichen Schließung der Bergwerke an der Saar war. Zuvor hatte jede der Gruppen Bubach-Calmesweiler, Dirmingen, Habach, Humes und Wiesbach in einer getrennten Mitgliederversammlung dem Zusammenschluss zugestimmt. Mit dem neuen Namen »Illtal« nimmt die Ortsgruppe Bezug auf den Flusslauf Ill, der auch Namensgeber der Stadt Illingen ist. Zum Vorsitzenden wählte die Ortsgruppe Kunibert Holzer, zum Stellvertreter Ralf Urmoneid. Das Foto zeigt den Vorstand der neuen Ortgruppe mit Bürgermeisterin Birgit Müller-Closset (Mitte vorne) und Frank Rolle (links ganz hinten).

Bad Kreuznach/Unkenbach

Mehr als 80 Jubilare, allesamt Mitarbeiter oder Ehemalige des Reifenunternehmens Michelin in Bad Kreuznach, lud die Ortsgruppe Bad Kreuznach/Unkenbach zu einer Feier. Die Festansprache hielt der Betriebsratsvorsitzende Uwe Kumpa. Jens Stroh, der Vorsitzende der Vertrauensleute, führte durch das Programm, und gemeinsam mit ihnen verlieh Walter Dörrich, der Leiter des Bezirks Mainz, die Ehrennadeln. Der Kabarettist Gerd Kannegieser versorgte die Gäste vor dem abschließenden Schlachtfest-Buffet gekonnt mit guter Stimmung.


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vor ort Westfalen

Bergwerk Auguste Victoria

Die Angestellten-Ortsgruppe des Bergwerks Auguste-Victoria ehrte zahlreiche Mitglieder. Ulrich Freese, der stellvertretende Vorsitzende der IG BCE, hielt die Festrede und zeichnete Wilhelm Elsing, Werner Kaden und Johannes Swoboda für ihre 75-jährige Mitgliedschaft aus. Seit 70 Jahren sind Heinz Moench und Walter Raabe dabei. Auf 60 Jahre in der Gewerkschaft blicken zurück Johann Aiditsch, Helmut Arthkamp, Günter Bendler, Erwin Brenda, Werner Czychowksi, Wilhelm Hilgenstock, Lothar Kallwitz, Wolfgang Kertscher, Gerhard Kroll, Werner Lichtenfeld, Wolfgang Marczischewski, Friedrich Niemann, Clemens Peick, Günter Reinhardt, Dieter Scharf, Erwin Schurat, Wilfried Stolletz und Rolf Troost. Mitglieder seit 50 Jahren sind Dieter Bell, Karl-Heinz Biese, Franz Cerny, Harald Häussler, Hans Hesse, Horst Holtz, Hubert Husmann, Giesbert Neumann, Franz-Dieter Nowak, HansJörg Reger, Erwin Schlabbers, Ralf Szymanski, Helmut Waldhoff und Detlef Waschke. 40-jährige Mitgliedschaft feierten Wolfgang Balg, Karl-Heinz Berge, Lothar Blanke, Walter Blaszyk, Klaus Bönke, Peter Brunsch, Kornelia Dastig, Lambertus Evers, Rainer Globert, Horst Harter, Manfred Heintze, Manfred Heinze, Manfred Herder, Franz-Josef Homeyer, Wilfried Kleff, Wolfgang Knierim, Udo Lackmann, Peter Lawitsch, Rainer Mantei, Jürgen Mentken, Manfred Neumann, Erich Oelmüller, Ulrich Puzicha, Rainer Riedel, Bernhard Roemer, Ralf Ruehl, Richard Schleep, Jürgen Schönknecht, Peter Schüchter, Harald Schurzmann, Hermann Tauber, Hans-Peter Thies, Karl-Heinz Tux, Heinz-Günter Willig, Markus Wolf, HeinzJürgen Wrobel, Heinz Zander und Uwe Zeeh.

Bochum-Werne

Die Ortsgruppe Bochum-Werne ehrte auf ihrer Jubilarfeier verdiente Mitglieder. Der Vorsitzende der Ortsgruppe Thomas Schwarz und die Gewerkschaftssekretärin Ruth Schäfer vom Bezirk Dortmund-Hagen zeichneten Hans-Georg Kelch für seine 60-jährige Mitgliedschaft aus. Auf 50 Jahre in der Gewerkschaft blicken Werner Oberhammer und Klaus Ulrich zurück. Seit 40 Jahren in der Gewerkschaft sind Klaus Offergeld, Cemal Sarioglu und Dieter Ulbrych.

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Datteln

Gökhan Tonguc, Vorsitzender der Ortsgruppe Datteln, zeichnete Franz Jochem für 75-jährige Gewerkschaftstreue aus. Mitglieder seit 60 Jahren sind Josef Gehrmann, Fritz Goellner, Werner Golz, Ernst Grau, Reinhold Heinicke, Werner Kunze, Heinz Sauerland, Friedrich Schmidt und Hermann Schwott; seit 50 Jahren Günter Greger, Friedhelm Kusemann, Edmund Demski, Gerhard Glockzin, Willy Hamboecker, Karl-Heinz Miodek, Herbert Preusse, Manfred Schalomon und Hermann Waschk. 40 Jahre Mitglied sind Manfred Knuth, Heinz Peveling, Ralf Schultenhöfer, Gisbert Paul, Ali-Osman Celik, Wilhelm Nethoevel und Reiner Sulimma.

Gelsenkirchen Schalke-Heßler

Die Ortsgruppe Gelsenkirchen Schalke-Heßler ehrte ihre Jubilare. Auf dem Bild vorne sitzend von links: Werner Dommnick, seit 60 Jahren Mitglied, Hermann Haas und Günter Reinhardt (beide 40 Jahre). Stehend von links: Erwin Husfeld (60 Jahre), Thomas Heuselein, Wilfried Engler und Uwe Brodisch (25 Jahre), Olaf Domeyer und Eduard Schneider (40 Jahre), Franz-Josef Gaczoch und Bernhard Platczek (50 Jahre), Günter Kranefeld (40 Jahre).

Werne

Ortsgruppenvorsitzender Peter Roemer und Lothar Wobedo, Leiter des Bezirks Hamm, ehrten die Jubilare, darunter Gründungsmitglied Bernhard Lietz (Mitte sitzend) und Josef Ogonek für 75-jährige Mitgliedschaft sowie Rudolf Gebauer und Manfred Ogrissek für 70 Jahre. Seit 60 Jahren sind Mitglied Theodor Brinkmann, Wolfgang Jentsch, Bernhard Luenebrink, Manfred Müller, Alfred Sander, Manfred Stenzel und Herbert Vehring; seit 50 Jahren Paul Ritter, Hans Sesko und Manfred Wiesa. 40 Jahre Mitglied sind Bernd Goldscheck, Friedhelm Hanke, Hans-Dieter Herbig, Andreas Klute, Helmut Koopmanns, Cemil Oezkara, Halil Okut, Uwe-Bruno Ruecker, Halis Sayguen, Wolfgang Schmidt, Günter-Robert Stenzel, Bernhard Voss, Heinrich-Anton Wenge, Jürgen Wolski und Klaus Ziebur.


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Einer von uns

Fotos: Selina Pfrüner

Sui Kings steht auf Schnee und schnelle Schlitten. Jedes Jahr fährt er zum härtesten Huskyrennen der Welt.

Der mit den Hunden rollt

V

on dem Geld, das seine Leidenschaft verschlingt, hätte er ein paar Autos kaufen können. Aber was will Sui Kings mit ein paar Autos? Er will Abenteuer. Und er sieht aus wie jemand, der sie kriegt: ein Mann wie ein Wikinger, breit, mit blondem Zopf,

Ein paar Wochen mit der Kamera beim »Yukon Quest«, dem härtesten der Rennen, und seine Abenteuerlust ist gestillt. Neben der extremen Natur ist es die Einsamkeit, die ihn reizt. 4000 Kilometer fährt er mit dem Auto in zehn Tagen, um zu filmen und ein paar Texte zu schrei-

»Mir kann es nicht kalt genug sein, aber bei minus 62 Grad tut das Atmen weh.« buschigem Schnauzbart und Ohrring. In Fellmütze und dickem Holzfällerhemd rauscht er auf einem Tretroller vorbei, gezogen von seinen Huskys. Es sind allerdings keine weißen Weiten, die heute vor ihm liegen, sondern der aufgeweichte Weg entlang der Kleinen Erft in Horrem. Das macht ihm jedoch nichts: »Einmal im Jahr zum Hundeschlittenrennen nach Kanada, das tut es«, sagt er mit kölschem Einschlag. 30 | kompakt | Januar 2013

ben. Das kostet seinen Jahresurlaub und eine Stange Geld für Flug und Mietwagen; er bekommt aber etwas für Sprit, Essen und Unterkunft. Bis zu 17 Stunden am Stück sitzt er allein im Auto, während draußen die meist menschenleere Landschaft vorbeizieht. »Das Auge fährt mit«, sagt Sui Kings eindringlich, »Yukon, Alaska . . . das ist unbeschreiblich schön!« Dann reichen ihm wieder die heimischen Ausflüge mit den eigenen

Huskys als Naturerlebnis. »Zumindest meistens«, sagt er und grinst. Es ist schon vorgekommen, dass er dreimal im selben Jahr nach Kanada geflogen ist. »Kanada fasziniert mich seit der Schulzeit«, erzählt er und holt Leckerlis für Whisper und Yakima, seine beiden Huskys. Die zaubern mit ihrem weißgrauen Pelz etwas von der rauen Kälte des Nordens herbei. Manchmal steht er nachts um drei auf und geht mit ihnen eine Runde, wenn es nun mal gerade dann schneit. »Die freuen sich so über Schnee, dass sie nach den Flocken schnappen.« Als Lokführer fährt er für RWE Power Kohle durchs Revier. »Eigentlich ein Traumjob: Ich bin allein unterwegs, keiner quatscht mir rein«, sagt er, »ich bin nämlich kein Rudeltier.« Dagny Riegel Sie kennen ein IG-BCE-Mitglied mit außergewöhnlichem Hobby? Dann schreiben Sie uns: kompakt@igbce.de


Tendenzen Rohstoffe

Goldene Tr채ume im roten Sand Mit einem einfachen Slogan hat die tansanische Regierung vor zehn Jahren um internationale Investoren f체r den Bergbau geworben: Eine goldene Zukunft! Doch nur wenige profitieren von dem Boom.

Foto: Lukas Augustin

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TENDENZEN Rohstoffe

Fotos (5): Lukas Augustin

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Der Goldboom hat ganze Regionen Tansanias verändert: Er lockte Zehntausende Menschen an, die mit einfachsten Mitteln versuchen, Gold aus dem Gestein zu waschen.

Auf Schatzsuche D

er rote Sandstaub legt sich über das Tal. Er kommt die Bergrücken herunter und bedeckt die Kleidung, die Sträucher, das Vieh. Er folgt dem tiefen Grollen, das das Tal erfüllt, wenn in der Goldmine der Berg abgetragen und das Gestein gesprengt wird. Wenn sich Lärm und Staub gelegt haben, könnte man das kleine Örtchen Nyakabale fast idyllisch nennen: Ein paar rote Lehmhütten mitten im Nirgendwo. Nyambofo Mwita schlittert, gestützt von ihren zwei Enkeln, den Trampelpfad hinunter zur Wasserquelle. Sie sieht gebrechlich und alt aus mit der riesigen Zahnlücke. Ihr ganzes Leben hat sie in

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Nyakabale verbracht, und sie erzählt jedem, wie es war, als Anglo Gold Ashanti, das multinationale Bergbaukonsortium, nach Tansania kam. Als erst die Ziegen krank wurden und starben, und dann auch die Menschen über Probleme klagten. »Wir haben oft Durchfall oder Magenprobleme«, sagt sie. Aber die Dorfbewohner verlassen sich auf die Quelle. Das nächste Wasserloch ist mehr als fünf Kilometer entfernt. Ein Auto hat niemand. Nur Ziegen, Rinder oder einen Garten, der alles zum Leben liefert. Vor einiger Zeit nahmen Wissenschaftler der Universitäten Dar es Salaam und der UMB in Norwegen Proben in der Nähe der Minen und stellten Giftstoffe

im Boden und Wasser fest: Aluminium, Arsen, Quecksilber in hoher Konzentration. Das Wasser aus dem Staudamm mit den Abwässern der Mine sickert ab und am Berg hinunter. »Wieso dürfen wir nicht auch von dem Gold profitieren?«, fragt Choma Salaunga. Der junge Mann ist der Dorfvorsteher von Nyakabale. Er zeigt auf den Hang, an dem sich Grüppchen von Dorfbewohnern ihren Weg durch das Unterholz bahnen. Sie tragen Säcke auf dem Rücken und haben Spitzhacken darüber gebunden. Jeden Tag dringen sie in die Minen ein und stehlen Gesteinsbrocken. Salaungas Finger wandert ein paar Zentimeter weiter: Zwischen dem Grün des


um. Seit in einer anderen Hanges kann man, außerMine eine Mauer zum halb des gesperrten MiSchutz hochgezogen wurnengebietes, immer wieder de, drängen immer mehr bunte Farbtupfer sehen. Menschen nach Geita und Planen, die über die Tundu Lissu versuchen dort ihr Glück. Schachteingänge gespannt Oppositionspartei In den vergangenen zehn sind. »Wir graben auch Chadema: Jahren hat sich die Einselbst nach Gold. Wir wa»Die Minen haben wohnerzahl von knapp ren schon hier, bevor die den Gemeinden großen Konzerne kamen«, 10  000 auf mehr als stellenweise großen sagt Salaunga. 150 000 erhöht. Im SomSchaden zugefügt – mer erreichte die EskalaRund 170 000 sogenannte sowohl der »Small Scale Miner« gibt es Umwelt als auch der tion ihren Höhepunkt, als mehrere Tausend im gesamten Land. In der lokalen Wirtschaft. Mine arbeiten rund 8000 Aber die Regierung ist Menschen in die Minen Menschen. Doch eine Studen Konzernen hörig eindrangen. Bei Zusammenstößen zwischen Sidie der Weltbank geht daund schreitet cherheitskräften und Dorfvon aus, dass noch Ende nicht ein.« bewohnern wurden in der 1990er-Jahre zwischen 500 000 und 1,5 Millionen Menschen ei- jüngster Zeit Dutzende Menschen getötet genständig nach den Rohstoffen gegraben und zahlreiche verletzt. Die Mine forderte haben. Bis große Konzerne wie Anglo die Hilfe der Regierung an, die zusätzliche Gold Ashanti riesige Gebiete aufkauften. Sicherheitskräfte schickte. Nun wollen Allein die Geita Goldmine, eine Stunde Firmen, Regierung, Gewerkschaften und vom Viktoriasee entfernt, erstreckt sich Dorfbewohner gemeinsam nach Lösunüber fast 40 Kilometer. Ein riesiges Gebiet gen suchen, um die Small Scale Minen profitabler zu machen. ohne Zäune. Für die Dorfbewohner ist es leichter, »Es gibt aber Leute, die davon profitieeinfach in die Mine zu gehen und die ren, dass die Dorfbewohner selbst nach Abraumsteine zu stehlen, als selbst den Gold suchen, aber auch bei uns Steine Boden in den Small Scale Mines mit blo- stehlen«, sagt Minenleiter Davies. Er ßen Händen und selbstgebastelten Spitz- druckst herum, will die lokalen Politiker hacken abzutragen. nicht direkt ansprechen, auch seine Zeitweise treiben sich Hunderte Dorf- Mine profitiert von ihnen. Die Bergbaubewohner in der Geita Goldmine her- konzerne zahlen nur rund drei Prozent Steuern in Tansania. »Aber es gibt gewisse Kräfte, die die Probleme auch forcieTANSANIA ren.« Die etwa die Mühlen zum Mahlen des Gesteins finanzieren, die den ganzen . . . ist der drittgrößte Goldproduzent Tag über in den Dörfern rotieren. Kräfte, Afrikas. Schon deutsche und britische die das Quecksilber beschaffen, das stelKolonialmächte schürften Ende des lenweise von den ungelernten Dorfbe19. Jahrhunderts Gold. Zwischen 1997 wohnern selbst in die Flüsse gewaschen und 2005 exportierte das Land Gold im wird, wenn sie damit versuchen, das Wert von 2,5 Milliarden Dollar. Dennoch Gold aus dem Gestein zu binden. zählt es zu den zehn ärmsten Ländern Korrupte Politiker, multinationale Firder Erde. Der monatliche Durchschnittsmen, die das ausnutzen, und Dorfbelohn beträgt rund 50 US-Dollar. Eine wohner, die vor Gewalt nicht zurückStudie benannte drei Probleme: schrecken und um jeden Preis auch • zu geringe Steuern, profitieren wollen – für Oppositions• geringe (Umwelt-)Auflagen durch politiker Tundu Lissu eine gefährliche Korruption, Mischung, die sich in der Nähe des Vik• Bewohner profitieren nicht vom Gold. toriasees zusammenbraut. »Solange die

Über mehr als 40 Kilometer erstreckt sich die Geita Goldmine, die produktivste Mine Tansanias.

Der Damm mit dem Abwasser der Mine liegt oberhalb des Tals, in dem das kleine Dorf Nyakabale liegt.

Multinationale Firmen fördern jährlich mehr als 50 Tonnen Gold – Privatsammler oft nur wenige Gramm.

Politik weiter profitiert, wird sich nichts ändern.« Gegen eine kleine Aufwandentschädigung in die eigene Tasche würden die Steuern niedrig gehalten. Mehr als 265 Millionen Dollar Steuerverlust habe Tansania in den vergangenen Jahren dadurch gemacht, urteilt eine Studie des Christian Council of Tanzania. Summen, die in Nyakabale nichts bedeuten. Für die Bewohner ist es schon ein Erfolg, wenn sie ein paar Gramm Gold aus dem roten Gestein gewinnen. Da ist es ihnen auch egal, ob sie es selbst ausgegraben oder gestohlen haben.  Simon Kremer kompakt | Januar 2013 | 33


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TENDENZEN Arbeit

Die Stiefkinder de  Leiharbeitnehmer beziehen deutlich niedrigere Einkommen als regulär Beschäftigte und sind auch ansonsten oft benachteiligt. kompakt hat dazu Fakten zusammengestellt.

17 700

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folgt auf den Jobverlust direkt Hartz IV, da er keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld I hat. (Quelle: DGB-Studie)

§

Arbeitnehmerüberlassungsgesetz

Bis 1985 war die Überlassungsdauer auf drei Monate beschränkt. Im Zuge der Hartz-Reformen fiel dann 2003/2004 auch diese Regelung, so wie das besondere Befristungsverbot, das Wiedereinstellungsverbot und die Überlassungshöchstdauer. Beschäftigte können seitdem ohne Begrenzung im selben Betrieb eingesetzt werden – oder die Leiharbeitsfirma kann sie immer wieder heuern, feuern und ihre Verträge befristen, je nach Auftragslage. (Quelle: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung)

34 | kompakt | Januar 2013

7

Nur von Hundert schaffen den Sprung von der Leiharbeit in die Festanstellung.

(Quelle: Bundesagent ur für Arbeit)


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(Quelle: Bund

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TIPPS Änderungen

Foto: (c) teekid/Getty Images

Normalos zahlen künftig weniger Im neuen Jahr müssen

Durchschnittsverdiener etwas weniger an die Sozialkassen abgeben. Was sich im Einzelnen ändert, zeigt kompakt im Überblick.

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W

enn im Januar das erste Gehalt für 2013 gezahlt wird, wird bei vielen Arbeitnehmern netto ein wenig mehr übrig bleiben als 2012. Der Grund: Die von ihnen zu tragenden Abgaben zur Sozialversicherung sinken um 0,3 Prozentpunkte auf insgesamt 20,175 Prozent beziehungsweise 20,425 Prozent für Kinderlose. So wird ein Beschäftigter mit einem monatlichen Durchschnittsverdienst von 2840 Euro brutto insgesamt 8,52 Euro weniger für seine Sozialversicherung zahlen müssen

als im letzten Jahr. Ausschlaggebend dafür sind die reduzierten Rentenbeiträge. Der von Arbeitnehmern und Arbeitgebern zu zahlende Beitragssatz ist von 19,6 auf 18,9 Prozent, also insgesamt um 0,7 Prozentpunkte gesunken (siehe Tabelle). Bei der Pflegeversicherung stieg der Beitragssatz dagegen leicht: auf 2,05 Prozent für Versicherte mit Kind und 2,3 Prozent für Kinderlose. Gerade Männer sind bei der Pflegeversicherung oft zu Unrecht als »kinderlos« registriert und zahlen deshalb den Zu-


Beitragssätze in der Sozialversicherung 2013 insgesamt in Prozent

Arbeitnehmer in Prozent

Allgemeine Rentenversicherung Knappschaftliche Rentenversicherung Arbeitslosenversicherung Krankenversicherung, allgemein – ermäßigt (ohne Krankengeld) Pflegeversicherung

18,9 25,2  3,0 15,5 14,9  2,05

9,45 9,45 1,5 8,2 7,9 1,025

Zusatzbeitrag zur Pflegeversicherung für Kinderlose

0,25

satzbeitrag von 0,25 Prozent. Kontrollieren Sie unbedingt Ihre Gehaltsabrechnung! Wichtig zu wissen: Es kommt hier nicht darauf an, ob (noch) ein Anspruch auf Kindergeld besteht. Auch wer Kinder hat, die schon 30 oder 40 Jahre alt sind, muss von dem Zusatzbeitrag befreit werden. Die Befreiung gilt in der Regel auch für Adoptiv-, Stief- und Pflegeeltern. Nähere Infos dazu gibt es beim Personalbüro oder bei der Krankenkasse. Die Beitragssätze der Krankenund Arbeitslosenversicherung bleiben 2013 stabil. Unverändert gilt auch: Bei der Krankenversicherung werden Arbeitnehmer mit einem Satz von 8,2 Prozent höher belastet als Arbeitgeber, die nur 7,3 Prozent tragen. Bei den anderen Sozialversicherungen teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Beiträge. Mit zwei Ausnahmen: Kinderlose müssen den fälligen Extrabeitrag zur Pflegekasse allein aufbringen und die Arbeitgeber kommen allein für die Kosten der Unfallversicherung auf. Höhere Einkünfte beitragspflichtig

Obwohl die Beitragssätze zur gesetzlichen Sozialversicherung gesunken sind, müssen Besserverdienende trotzdem in neuen Jahr mehr zahlen – vor allem im Westen. Der Grund: Wegen der gestiegenen Beitragsbemessungsgrenzen (siehe Tabelle im Internet) sind jetzt höhere Einkünfte beitragspflichtig. So steigt etwa die Beitragsbelastung für westdeutsche Gutverdiener (mit Einkünften ab 5800 Euro pro Monat) um knapp 15 Euro.

Höhere pflichtgrenze:

In der gesetzlichen Renten- und Arbeitslosenversicherung sind alle Arbeitnehmer versicherungspflichtig. In der Kranken- und Pflegeversicherung können sich dagegen Besserverdiener für eine private Lösung entscheiden. Ab 2013 besteht für Beschäftigte mit einem Monatseinkommen von bis zu 4350 Euro Versicherungspflicht. Im letzten Jahr lag die bundesweit geltende Versicherungspflichtgrenze nur bei 4237,50 Euro. Für diejenigen, die schon vor 2003 privat versichert waren, liegt diese Grenze bei regelmäßigen monatlichen Einkünften von lediglich 3937,50 Euro. Wer 2012 regelmäßige Einkünfte über der Versicherungspflichtgrenze hatte und 2013 voraussichtlich auch über dieser Grenze liegt, kann in eine private Krankenversicherung (PKV) wechseln oder freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) bleiben. Chance zur Rückkehr in die GKV

Wegen der deutlichen Erhöhung der Versicherungspflichtgrenze rutschen zum Jahreswechsel wieder etliche Privatversicherte in die Versicherungspflicht und kommen damit automatisch wieder in die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung. Wer das nicht will, kann sich von der neu eintretenden Versicherungspflicht befreien lassen und somit weiter privat versichert bleiben. Dann ist er aber im Regelfall auf Dauer an die private Kranken- und Pflegeversicherung gebunden. Auch ab 55 Jahren bleiben die Türen zur GKV für langjährig Privatversicherte in aller Regel zu, selbst wenn ihr Ein-

0,25 kommen unter die Versicherungspflichtgrenze rutscht. Arbeitnehmer mit Einkommen an der Versicherungspflichtgrenze, die Anfang 2013 wieder versicherungspflichtig werden und sich für die GKV entscheiden, bleiben auch dann gesetzlich versichert, wenn ihr Einkommen im Laufe dieses Jahres steigt – und wieder über die Versicherungspflichtgrenze rutscht (außer bei einem Arbeitgeberwechsel). Erst zum Jahreswechsel 2013/14 erlischt dann die Versicherungspflicht in der GKV. Dann können sie allerdings weiterhin freiwillig gesetzlich versichert bleiben. Hans Nakielski und Rolf Winkel Weitere Tipps im Internet Minijobber: Auf die Rentenversicherung nicht verzichten Patientenrechte: Verbraucherrechte vor allem bei IGEL-Leistungen nutzen Künftige ElterngeldBezieher: Frühzeitig in Steuerklasse IV-Faktor wechseln Pendler und Schwerbehinderte: Steuerfreibeträge vom Finanzamt eintragen lassen Frührentner und Familienversicherte: Höherer Hinzuverdienst möglich

Ausführliche Infos zu diesen und

weiteren Themen auf www.igbce.de kompakt | Januar 2013 | 37


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TIPPS Altersvorsorge

Kasse leer?

A

m 19. Juni 2012 traf das Bundesarbeitsgericht (BAG) in Erfurt eine für viele derzeitige und alle künftigen Betriebsrentner wichtige Entscheidung. Es verpflichtete den Arbeitgeber eines ehemals leitenden Angestellten, ein großes Chemieunternehmen, zu einer Rentennachzahlung und zur Aufstockung der Betriebsrente des ehemaligen Mitarbeiters. Der Angestellte hatte gegen seinen Ex-Arbeitgeber geklagt, nachdem ihm die Pensionskasse, die ihm seine Rente auszahlte, diese zweimalig gekürzt hatte.

erstmals hatte die Pensionskasse die Betriebsrenten gesenkt, als sie 2003 in eine wirtschaftliche Schieflage geriet. Statt die Renten an die gestiegenen Löhne anzupassen, kürzte sie sie in den Jahren 2004 und 2006 um jeweils 1,4 Prozent und in den Folgejahren 2007 und 2008 um nochmals je 1,34 Prozent. 38 | kompakt | Januar 2013

Foto: Uwe Umstätter/Getty Images

Betriebsrenten werden häufig nicht von den Arbeitgebern, sondern von Pensionskassen ausgezahlt. Wenn jedoch die Kasse die Rente wegen Zahlungsschwierigkeiten kürzt, muss der frühere Chef einspringen.

Diese Kürzungsmöglichkeit war in der Satzung der Pensionskasse vorgesehen. Doch der betroffene Betriebsrentner wehrte sich und klagte gegen seinen ExArbeitgeber. Das BAG gab ihm recht und verpflichtete die Firma zu einer Rentennachzahlung in Höhe von rund 2000,00 Euro sowie zur Aufstockung der laufenden Betriebsrente um 57,29 Euro (Aktenzeichen: 3 AZR 408/10). Die obersten deutschen Arbeitsrichter stützten sich bei ihrer Entscheidung auf Paragraf 1 Absatz 1, Satz 3 des Betriebsrentengesetzes. Danach steht der Arbeitgeber »für die Erfüllung der von ihm zugesagten Leistungen auch dann ein, wenn die Durchführung nicht unmittelbar über ihn erfolgt«.

bereich eine große Bedeutung«, sagt Eckehard Linnemann, Leiter der Abteilung Sozialpolitik bei der IG BCE. Für Arbeitnehmer und Betriebsrentner schaffe das Urteil mehr Sicherheit. Er rät Betroffenen, umgehend et-

waige Rentennachzahlungen geltend zu machen. »Die Forderung richtet sich dabei in der Regel nicht an die Pensionskasse, sondern an den Arbeitgeber«, so Linnemann. Die IG BCE hat für Betroffene ein Musterschreiben entworfen. Darin heißt es: »Ich fordere Sie hiermit auf, die vorgenommene Kürzung rückgängig zu machen, die mir zustehende Pensionskassenrente neu zu berechnen und den Differenzbetrag auszuzahlen.« Hans Nakielski und Rolf Winkel

Allein in der Chemieindustrie

wird in 300 bis 400 Unternehmen die Betriebsrente von Pensionskassen verwaltet und ausgezahlt. »Deshalb hat das Urteil auch in unserem Organisations-

Das Schreiben kann im Internet

heruntergeladen werden: www.igbce/betriebsrente


TIPPS Führerschein

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Fahrzeugklassen werden europaweit angeglichen

Dafür brauchen Sie nicht nur einen neuen Führerschein. Aber auch der kommt ab Januar 2013 – neu mit Foto.

Neue Karten und alte Lappen Im Januar gibt es neue Führerscheine. Auch die Fahrzeug-

klassen für Mopeds, Motorräder, Trikes und Anhänger ändern sich. Ein Überblick.

A

b dem 19. Januar erwartet uns zusätzliches bebildertes Plastik fürs Portemonnaie: Dann kommt der Führerschein gemäß EU-Richtlinie als Scheckkarte mit aktuellem Passbild daher. Das soll die Identifikation seines Besitzers erleichtern und Fälschungen erschweren. Und damit der Inhaber auf dem Foto nicht nur erkennbar ist, sondern es auch bleibt, ist die Haltbarkeit der neuen Fahrerlaubnis begrenzt: Nach 15 Jahren muss sie gebührenpflichtig erneuert werden. Hierzulande ist der Umtausch lediglich ein Verwaltungsakt, der keine Gesundheitschecks oder Prüfungen nach sich zieht. »Wichtig für alle Führerscheinbesitzer ist der zeitliche Rahmen«, betont

Rainer Hillgärtner vom gewerkschaftsnahen Auto Club Europa (ACE). »Die bisherigen grauen, rosafarbenen oder Scheckkarten-Führerscheine behalten noch bis 2033 ihre Gültigkeit. Sie gilt grundsätzlich auch für alle ursprünglich erteilten Führerscheinklassen.« Hillgärtners Tipp für Nostalgiker: »Wer keinen Umtausch möchte, aber zweifelt, ob sein alter ›Lappen‹ noch akzeptiert wird, der sollte bei der Führerscheinstelle nachfragen, ob das Dokument etwa im Hinblick auf das Passfoto noch Gültigkeit beanspruchen kann.« Der einführung des neuen Dokuments gegenüber ist ACE-Sprecher Hillgärtner zwiegespalten: »Der neue Füh-

Foto: Christian Aslund/Getty Images

Das ändert sich bei Mopeds und Motorrädern:  Die Klassen M und S werden zusammengelegt, künftig steht AM für zweiund dreirädrige Kleinkrafträder sowie Quads und Trikes, die man ab 16 Jahren fahren darf, die bis 45 Stundenkilometer schnell sind und 50 Kubikzentimeter Hubraum oder vier Kilowatt Leistung haben.  Aus der Klasse A (beschränkt) wird A 2. Wer bisher Motorräder bis 25 Kilowatt bewegen durfte, darf nun ohne weitere Prüfung auch Maschinen bis 35 Kilowatt fahren.  Der stufenweise Zugang bei Zweiradklassen wird neu geregelt. Wer zwei Jahre Erfahrung in der Klasse A 1 gesammelt hat, muss für A 2 nur noch eine praktische, keine theoretische Prüfung mehr ablegen.  Wer direkt den Motorrad-Führerschein in Klasse A machen will, muss mindestens 24 Jahre alt sein.  Trikes dürfen in Zukunft erst ab 21 Jahren und nur noch mit Motorradführerschein gefahren werden – außer von Besitzern alter Autoführerscheine.

Die Regeln für Anhänger und Wohnwagen werden einfacher  Klasse B reicht für alle Gespanne mit bis zu 3,5 Tonnen Gesamtgewicht, wenn der Anhänger höchstens 750 Kilo wiegt.  Wer Gespanne fahren will, die insgesamt mehr als 4,25 Tonnen wiegen, muss eine Schulung absolvieren.

rerschein ist ein weiterer Schritt in Richtung vereinigtes Europa. Von einer Harmonisierung zu sprechen, wenn die Bedingungen für den Umtausch der Fahrerlaubnis von Land zu Land unterschiedlich bleiben, halte ich aber für gewagt.« Bürokratischer Aufwand und praktischer Nutzen müssten gegeneinander aufgewogen werden. Karen Roske

Weitere Neuerungen und Details im Internet unter: ace-online.de kompakt | Januar 2013 | 39


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Rätsel Europäer Kontoseitendifferenz

Gesellschaftsspiel mit Karten

leichtes Ruderboot Fußballtreffer

musikal. Bühnenausstattungsstück

Klebstoff Nestinhalt (Einzahl) Stadt am Bodensee

2

Stadt am Main Sonderzubehör

7

Pädagoge Massenkundgebung (Kurzwort)

Festkleid chem. Element Teil der Oberkörperkleidung

nimmer

Segeltau

spanischer Maler, † 1828

Rehabilitation (Kzw.) chem. Z. f. Ruthenium Freikörperkultur

dünn gewalzte Metallplatte Autokz. v. Bayreuth Augendeckel

1. Sohn Adams im Alten Testament

3

bedeckter Abzugsgraben Weinstock

Ziel: 2013 Empfänger Adelsprädikat

CD-ähnl. LeichtDatenträger metall (Kurzwort) Kreditart Couturier † (Christian) Zufluss der Oise

11

Erfassen des Sinns von Schriftzeichen Autoz. für San Marino Herzschlag

Für zehn Gewinner unseres ersten Preisrätsels 2013 wartet das Navigationssystem nüvi 2545LMT von Garmin darauf, verschickt zu werden. Das Gerät umfasst Kartenmaterial für 22 Länder in Zentraleuropa, hat eine leicht zu bedienende Software und verfügt über ein kostenloses Verkehrfunkabonnement sowie kostenlose KartenUpdates auf unbegrenzte Zeit. 40 weitere Leser können sich auf ein Set »Feines aus dem Glas« freuen. Das Set enthält vier Gläser, vier Häppchenlöffel und ein Ideenbuch für kleine Köstlichkeiten. So kann das neue Jahr beginnen! Behördenstelle Sohn Abrahams

1

Bescheidenheit Pfeilwurz

in herausfordernder Weise respektlos

17. griechischer Buchstabe ist (math.) kürbisartige Südfrucht

dergleichen (Abk.) Getränk (Kurzwort)

Autokz. v. Landshut lichtdurchflutet

Tischlerei: Gegenstück zur Nut Sängergruppe ungefähr

Geltung Längenmaßeinheit Bein (engl.) südfranz. Stadt

13

Radhülse Hafenstadt in Italien

großes Meeressäugetier ital. Fluss

roh, grob Operngestalt Preisnachlass Zufluss der Aller

griechische Göttin der Kunst engl. Anrede (Abk.) starker Zweig

Kopfbewuchs eh. Schiffsraummaß

Empfehlung Getränke zu sich nehmen Feld- und Wiesentier

gemäß, entsprechend Initialen Einsteins

männl. Schwein Flächenmaß steif, unbeweglich

12

durchdringende Feuchtigkeit

10

40 | kompakt | Januar 2013

4

durch Zuspruch Leid lindern

Fluss durch München

2

botanische Anlage

6

ständiger Besucher Wahlzettelbehältnis

1

Entgelt für Freiberufler

8

Assessor (Abk.) kurzer Abstand

Weidwerk

wbl. Figur Votum bei in Webers der Wahl „FreiGeldsumme schütz“

Teilzahlungsbetrag

5

Himmelsrichtung

Autokz. v. Rostock

Wildpflege

ehemalig. türk. Titel Mainzelmännchen

Teil des Essgeschirrs engl. Zustimmung (Abk.)

Schauspiel

Stadt im US-Staat Nevada

nicht schlecht Vortäuscher

9

Stechpalme dt. Jugendschriftsteller † (Karl)

witziger Einfall in Theater u. Film (engl.)

Artikel

Schmuckstein m. eingeschnittenem Bild

biblischer Prophet

Papagei eine der Gezeiten Geräte alkalische der SportLösung fischer

in höherem Maße, stärker

an jeder Stelle

Schönheitspflege

Kettengesang

spüren Eigenname von Irland

Abscheu, Widerwille

3

4

5

6

-

1406914

7

8

9

10

11

12

13


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Glück & Glosse

Preisrätsel Im Preisrätsel wird in diesem Monat ein Begriff gesucht, der ein Abkommen bezeichnet, das am 22. Januar 60. Geburtstag feiert. Bitte die Lösung auf eine Postkarte schreiben und einsenden an: kompakt-Redaktion, Postfach 39 45, 30039 Hannover oder per Mail an: kompakt.preisraetsel@igbce.de — bitte die Adresse mit angeben. Einsendeschluss ist der 16. Januar 2013 (Datum des Poststempels ist maßgebend). Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Die Gewinner

Je ein »Dinner-for-One«-Set mit DVD und einer Flasche Wein erhalten: Siegmar Kudßus, Hoyerswerda; Peggy Streicher, Oberschöna; Dieter Henseleit, Merzig; Heinz Tschapp, Gladbeck; Heinrich Roth, Rimbach; Thomas Karrer, Zuzenhausen; Alexander Kuckhoff, Langerwehe; Friedhelm Howitz, Bottrop; Helmut Kranke, Mainz; Manfred Fuchs, Worms; Arnold Willems, Ludwigshafen; Jutta Blaß, Hutschenhausen; Alfred Müller, Essen; Horst Hammer, Marl; Andreas Braun, Bebra; Willi Mohr, Heringen; Peter Zepuntke, Hadamar; Peter Klie, Deinste; Wolfgang Spies, Bad Laasphe; Walter Mehmecke, Salzgitter; Volker Splieth, Hemmingstedt; Tobias Lies, Wetter; Gerhard Maul-Ackermann, Heßheim; Manfred Förster, Münster; Pascal Werling, Hazenbühl; Hans-Jürgen Zäch, Moers; Jean Bormuth, Hattersheim; Katharina Henkes, Neustadt; Hans-Werner Richter, Marienhafe; Karl Happ, Fulda; Klaus Laasch, Duisburg; Heinz Lollert, Ludwigshafen; Bernhilde Tettenborn, Marburg; Winfried Morweiser, Lorsch; Harald Cordes, Visselhövede; Udo Brögmann, St. Peter; Rainer Kriedel, Hermsdorf; Clemens Veeser, Wald; Robert Held, Weißenfels; Frank Morawietz, Lautertal.

Lösung Dezember 2012: MAYA-KALENDER A V K I S A P R O E S D I D E L F I H A N G E M A N S T I K N E

V E R G N O E E W T O F E L I L N T E A N N G O L T A U A U F R S T I L A M E T U E T R M I U G A R G N D E A I N U N

H L C A S E R B R U E T E G W A N F B D E M U A O T E M A Y O

W Z U B E T E C G H H O E I N E I N D R E I A S T E R

K A R R E

O M E L E T T

O W E C K E R E H S E R T T M A K O A G U N B E R T E M U B R

I I S C H D O S N A C I A H M R M M I E

T A D K E N A W U E R H T Y M A N T E

R E G U N G

E R N S T

A I N U

O P F A A R L S E I C E A H R T D I E B N I A G L D E L E L M B A O N K G A L E D E L R I N

»Auch ältere Fahrzeuge kann man mit geringem Aufwand modernem Sicherheitsstandard anpassen.«

@Lappan-Verlag, Gerhard Glück

Cartoon

Bei der Verlosung der Preise unter den Einsendern richtiger Lösungen fielen die zehn Hauptgewinne – ein Cheruskerkorb mit allerlei Leckereien – an: Christel Körner, Zwickau; Ingo Koepler, Buxtehude; Ina Borchert, Diemelstadt; Roswitha Faber, Gelsenkirchen; Waldemar Speicher, Püttlingen; Monika Küfner, Schönwald; Markus Abels, Bergheim; Claudia Thar, Burghausen; Jörg Herrmann, Neuburg; Gert Lehmann, Berlin.

Grimms Märchen

W

as ist bloß mit der Sprache passiert? Putzfrauen nennen sich »Domizil-Kosmetikerinnen«, kleine Menschen sind »vertikal herausgefordert«, dicke Menschen »horizontal«. Noch der ollste Kram trägt einen pompösen Glamournamen, der klingt wie eine akustische Discokugel (Verzeihung: wie ein »zirkulierendes, spiegelgestütztes LichtEntertainment-Device« natürlich). Beispiel: Die gelbe Jacke in einem Klamottenprospekt neulich hieß nicht »gelbe Jacke«, sondern tatsächlich »Soft Shell Jacket Sonnenuntergang Gold«. Bei Porsche heißt das Braun nicht »Braun«, sondern »Macadamiabraun Metallic«. Was soll das bitte? Hat das mehr PS? Ist die Macadamianuss die schnellste Nuss der Welt? Bei Fiat heißt Blau »Cool Jazz Blau Metallic Exklusiv«. Selbst der knackig kurze »Airbag« heißt – politisch korrekt und

anglizismusunverdächtig – mit Geburtsnamen offiziell: »Ergänzendes Insassenrückhaltesystem«, abgekürzt: ERGINSRÜSYS. Klingt wie ’ne türkische Metalband. Wenn das so weitergeht, ist der Rattenfänger von Hameln irgendwann der »Schadnagerdesinfektor von Hameln«. Wie soll man das Kindern erklären? Und es wird schlimmer. Gebäude werden »rückgebaut«, Verluste heißen »Negativgewinn«. Konzerne geben sogar ihren Leute-Rausschmeiß-Programmen alberne Titel wie »Power8plus« (Airbus), »Fit for more« (Siemens), »Perform to win« (e.on). Mir geht das schwer auf die Macadamianüsse. Ich nenne diese Glosse ja schließlich auch nicht »glyphenbasiertes, humorimplizierendes Sprachstimulanzium zur Labsalerzeugung«. Oder gleich »Power Joke 2013«. Schönes neues Jahr! Imre Grimm

Lösung: MAYA-KALENDER

kompakt | Januar 2013 | 41


Mein Arbeitsplatz Foto: Michael Cintula

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Jil Topcu überprüft Fahrzeuge beim Verlassen und Befahren des Geländes.

Jil Topcu (26) ist Fachkraft für Schutz und Sicherheit bei Infracor in Marl.

Pionierin auf Streife

»

Viele denken, Fachkraft für Werkschutz ist ein reiner Männerberuf. Auch bei uns im Chemiepark Marl gab es seit Bestehen nur Männer auf diesem Gebiet. Bis ich vor sieben Jahren als erste weibliche Verstärkung dazukam. Ich wollte schon als Kind Polizistin werden. Das war mein großer Traum.

wieder zu Verkehrsunfällen, und manchmal müssen wir auch Diebstählen nachgehen. Mit den 15 000 Beschäftigten ist es hier wie in einer kleinen Stadt. Fachkraft für Werkschutz ist mein Traumberuf. Ich komme viel mit Menschen zusammen. Und ich kann mein detektivisches Talent nutzen, um bei der

»Immer nur im Büro zu sitzen, das konnte ich mir nicht vorstellen.« Immer nur im Büro zu sitzen und auf einen Bildschirm zu schauen, das konnte ich mir nicht vorstellen. Ich brauche einen abwechslungsreichen Beruf – den habe ich hier im Werkschutz gefunden. Und eigentlich ist die Tätigkeit ganz ähnlich wie bei der Polizei. Man geht auf Streife übers Gelände, es kommt hin und 42 | kompakt | Januar 2013

Aufklärung kleiner Delikte zu helfen. Es ist ein gutes Gefühl, seit 1938 die erste Frau im Werkschutz zu sein. Insgeheim wussten alle längst um die Lücke: Männliche Besucher wurden kontrolliert, gerade wenn sie in empfindliche Bereiche des Geländes gingen. Forschungsergebnisse und Firmengeheimnisse sollten schließlich im

Chemiepark bleiben. Aber die Frauen, die oftmals noch dazu die größeren Taschen hatten, hatte bislang niemand überprüft. Ich war sozusagen die Pionierin im Marler Werkschutz. Nach mir kamen noch sechs weitere weibliche Auszubildende. Ich finde, gemischte Teams sind eine Bereicherung für den Arbeitsplatz. Mittlerweile sehen das auch meine männlichen Kollegen so. Nicht nur der Umgang untereinander wird höflicher, die verschiedenen Sichtweisen bringen auch neuen Wind in alte Arbeitsabläufe. 

«

Aufgezeichnet von Andrea Lammert

Die Fachkraft für Schutz und Sicherheit kontrolliert Zu- und Ausgänge des Werkes, ist zuständig für Geschwindigkeits-, Gefahrgut- und allgemeine Verkehrskontrollen, Objektschutz sowie Streifentätigkeiten.


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kompakt Januar 2013  

In dieser Ausgabe thematisieren wir das bevorstehende Wahljahr 2013. Wir haben den Hirnforscher Gerald Hüther interviewt, und er gewährt uns...

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