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Dein Magazin zur Stadtrallye

2013/2014

Mit vielen rEntdecke tipps!

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in deiner

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Über dieses Magazin Dank der Unterstützung der niedersächsischen Sparkassen aus Mitteln der Lotterie Sparen+Gewinnen führen wir vom gemeinnützigen Umweltschutzverein Trinkwasserwald® e. V. mit Kindern im Schulklassenverband der vierten bis siebten Klasse in 2013/2014 mehrere Stadtrallyes „Die Stadtspatzen kommen“ in ganz Niedersachsen durch.

Natur in der

Stadt

Aber auch wenn du nicht an einer solchen Rallye teilnimmst, erfährst du in diesem begleitenden Magazin viel über die Natur vor deiner Haustür und machst dich mit den Pflanzen, Tieren und den ökologischen Themen im urbanen Lebensraum vertraut. Du wirst aber auch mit lokaler Verschmutzung, Klimaproblemen und dem Aussterben bedrohter Tiere und Pflanzen konfrontiert und lernst, was es heißt, ökologisch bewusst zu leben. Weitere Informationen zu den Stadtrallyes und zum Verein findest du unter: www.trinkwasserwald.de

Viel Spaß beim Lesen und Entdecken! 2

Auch wenn du sie vor lauter Straßen und Häusern auf den ersten Blick gar nicht entdecken kannst: Die Stadt hat viele kleine grüne Oasen, die voller Leben stecken! Wildkaninchen bevölkern Verkehrsinseln und Grünstreifen, ein Graureiher fischt im Stadtparksee, Wildblumen auf der Brachfläche neben den Bahngleisen oder die duftenden Blumen auf den Balkonen und in den Gärten

locken Hummeln an und sogar ein Uhu schaut aus seinem urigen Höhlenbaum auf dem Friedhof. Diese vielen großen und kleinen Flächen sowie Bäume und Alleen sind die grüne Lunge der Stadt und bieten uns Menschen Erholung und den Pflanzen und Tieren viele verschiedene Ökosysteme, wo sie Lebensraum, Nahrung und Nistplätze finden.

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ENTDECKERTIPP 1 Unternimm eine Foto-Tiersafari im Park!

Überlebenskünstler zwischen Asphalt

und Hochhaus Die Natur macht nicht am Gartenzaun oder an der Stadtparkgrenze halt! Gerade abseits der von Menschen angelegten Grünflächen, zum Beispiel auf vergessenen Brachflächen, in der Ritze zwischen zwei Pflastersteinen oder in verwilderten Innenhöfen, finden auf engem Raum sehr viele Tier- und Pflanzenarten ein Zuhause. Wer mit offenen Augen seine Umgebung beobachtet, wird sehen, dass überall Leben ist – auch in der noch so kleinen Mauerspalte. Schau doch einmal genau hin und entdecke die Natur in deiner Stadt!

ENTDECKERTIPP 2 Zähle, wie viele unterschiedliche Vogelarten du vom Fenster, vom Balkon oder von der Terrasse aus entdecken kannst!

ENTDECKERTIPP 3 Welche Insekten besuchen eure Blumen auf eurem Balkon, in eurem Garten oder auf eurer Fensterbank?

ENTDECKERTIPP 4 Wie viele grüne, zugewucherte, wilde „Ecken“ in deiner Straße gibt es?

ENTDECKERTIPP 5 Wie viele Bäume und welche Baumarten am Straßenrand zählst du auf deinem Schulweg?

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Auf deiner Entdeckertour wirst du vielleicht feststellen, dass jede Pflanze und jedes Tier eine bestimmte Aufgabe in ihrem jeweiligen Ökosystem hat: Eine Pflanzenart wurzelt ganz tief im Boden, während andere mit flachen Wurzeln den Oberboden erschließen; die eine Pflanze steht gerne im Schatten und hat eine gedrungene kleine Form, die andere steht gerne in der Sonne und macht sich groß und breit, um möglichst viel Sonnenlicht einzufangen. Bei den Tieren geht die Aufgabenteilung noch weiter: Sie sind nicht nur auf die Bedingungen von Klima und Boden in ihrem Lebensbereich spezialisiert, sondern auch auf die Pflanzen und Tiere, von denen sie leben. Und so, wie unter den gleichen Klima- und Bodenbedingungen immer viele verschiedene Pflanzen leben, jede ein bisschen anders, so gibt es auch viele Möglichkeiten für ein Tier, sich von einer Pflanzenart zu ernähren. 05


Die Eiche in der Stadt und im Wald

Von und mit einer einzigen Eiche leben bis zu tausend verschiedene Tier - und Insektenarten! Die einen saugen Säfte, die anderen fressen Blätter, wieder andere haben sich auf Holz, Samen oder Pollen spezialisiert. Hinzu kommen noch die vielen Arten, die sich nicht von der Pflanze selbst, sondern von den Tieren und Insekten an der Pflanze ernähren. So erfüllt jede Art einen oft hochspezialisierten „Beruf“ in ihrem Ökosystem. Die Vielfalt der

Tier- und Insektenarten auf nur einem Baum spiegelt die Vielfalt der Pflanzenarten, und diese wiederum die vielfältigen Lebensbedingungen auf der Erde wider. Diese biologische Vielfalt gilt es zu bewahren und zu schützen! Denn je artenreicher die Welt ist, desto gesünder ist sie! Aber Bäume können noch viel mehr! Sie erhöhen die Luftqualität, tragen zur Kühlung der verhältnismäßig warmen Städte bei und bei ihrem Wachstum speichern Bäume

Kleine Taten, große Wirkung Pflanze auf brachliegenden Kleinflächen in der Stadt etwas an, setze z. B. Zwiebeln des Gelbstern oder Kapuzinerkresse in Minitöpfchen in Mauerspalten

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Kohlendioxid (CO2) und entfernen es so aus der Atmosphäre. Außerdem erhöhen Wälder – vor allem Wälder mit heimischen Laubbäumen wie Bergahorn, Stieleichen oder Rotbuchen – die Grundwasserneubildungsrate: Unser nutzbares Grundwasser entsteht aus Nebel, Regen-, Schnee- und Hagelniederschlägen. In Laubwäldern sickert viel Wasser in den Waldboden, denn die Bäume tragen im Winter kein Laub und der Regen fällt direkt auf den Boden. Zudem lässt die glatte Baumrinde bei vielen Laubbäumen das Wasser schnell zum Boden abfließen. So bildet sich in Laubwäldern viel mehr neues Grundwasser – und zwar im Bundesmittel pro Hektar und Jahr 800.000 Liter mehr – als im reinen

Nadelwald (Wälder nur mit Kiefern, Tannen, Fichten und Lärchen). Unter Laubwäldern wird jedoch nicht nur mehr Trinkwasser gebildet, als unter Nadelwäldern. Auch die Qualität des Grundwassers ist deutlich besser. Das hängt unter anderem mit dem Humusaufbau unter der Laubschicht zusammen, die in Laubwäldern entsteht.

Ein Baumlexikon, in dem viele heimische Laubbaumarten und Sträucher und ihre Auswirkungen für Insekten, Tiere, Pflanzen, das Ökosystem Wald, das Wasser und den Boden beschrieben sind, findest du unter: www.trinkwasserwald.de/ baumlexikon

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Bäume pflanzen und Trinkwasser ernten

Wie funktioniert ein Trinkwasserwald? WIR KÖNNEN UNSER TRINKWASSER SELBER PFLANZEN!

Obwohl wir wissen, wie wichtig eine unbelastete Natur und Bäume für unser Trinkwasser sind, werden stündlich neue Flächen asphaltiert oder bebaut, so dass Regen nicht mehr in den Boden eindringen kann. Zudem führt die intensive Nutzung landwirtschaftlicher Flächen zu einer gesundheitsschädlichen Nitratbelastung des Grundwassers.

10 bis 15 Jahren im Durchschnitt für 800.000 Liter mehr verfügbares Grundwasser pro Hektar und Jahr. Da der jährliche Wasserverbrauch in Deutschland zurzeit 40.000 Liter pro Person und Jahr beträgt, generiert ein Hektar Laubwald somit den Wasserbedarf von 20 Personen (800.000 Liter/Jahr: 40.000 Liter/Jahr = 20) – und das lebenslang.

Der Umweltschutzverein Trinkwasserwald® setzt sich seit seiner Gründung 1995 für den Natur-, Gewässer- und Artenschutz ein und fördert aktiv den naturnahen Waldbau in Deutschland. Der Verein führt hierfür Baum-Pflanzaktionen durch – zum Beispiel bei den regionalen Blätterwälder-Pflanzfesten: In ganz Norddeutschland unterpflanzt Trinkwasserwald® gemeinsam mit Kindern und Erwachsenen reine Nadelwälder mit Laubbäumen. Ein so entsprechend umgebauter Wald sorgt hierzulande bereits nach ca.

MITMACHEN

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Der Erhalt von Stadtbäumen und die Aufforstung von Wäldern und Waldflächen in der Stadt und auf dem Land sind daher wichtige Beiträge zum Natur-, Gewässer- und Artenschutz. Vielleicht findet ja auch in deiner Nähe ein BlätterwaldPflanzfest statt, an der du mit deiner Familie teilnehmen und Laubbäumchen pflanzen kannst. Schau doch gleich einmal nach unter: www.trinkwasserwald.de

Nadelbäume behalten ihre Nadeln im Sommer...

Laubwälder verhindern den Graswuchs. Das Regenwasser kann ins Grundwasser fließen!

Da in Laubwäldern außerdem die Blätter abfallen, kann im regenreichen Herbst und Winter der Regen ungehindert ins Grundwasser gelangen.

...und auch im Winter.

Junge Laubbäume pflanzen...

An den Nadeln bleibt viel Regen haften und verdunstet.

In Nadelwäldern wächst am Boden oft dichter Grasfilz. Auch daran bleibt Wasser haften, verdunstet und gelangt nicht ins Grundwasser.

EIN LAUBWALD „PRODUZIERT“ IM BUNDESDURCHSCHNITT JÄHRLICH RUND 800.000 LITER MEHR SAUBERES TRINKWASSER PRO HEKTAR ALS EIN NADELWALD!

...ist Umweltschutz zum Anfassen!

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Wo sind die Bienen

und die Spatzen?

So wie einige typische Wildtiere wie Kaninchen, Wildschwein oder Waschbär auf der Suche nach ihrem optimalen Lebensraum immer mehr auch die Städte erobern (sie finden ganz einfach in den vielen Mülltonnen etwas zu fressen und werden hier nicht bejagt), so finden leider einige Tiere nur noch sehr schwer oder aber gar nicht mehr einen passenden Lebensraum – weder auf dem Land noch in der Stadt. Das hat seine Gründe: Äcker und Felder werden nur mit einer Pflanze bewirtschaftet (denke an die Rapsfelder, die sich Kilometer weit hinziehen: farbenfroh in gelb, aber auf Dauer sehr eintönig), alle Straßen werden geteert 10

und freie Flächen zugebaut oder im heimischen Garten wird der Rasen raspelkurz gemäht und Gift gegen sogenanntes Ungeziefer und Unkraut gespritzt. In solchen unnatürlichen Umgebungen fühlen sich die wenigsten Tiere wohl, da sie hier keinen Unterschlupf und nichts zu fressen finden!

SPATZEN (auch Haussperlinge genannt) sind die kleinen, braunen Vögel, die sich gerne gemeinsam tummeln, um die Umgebung zu durchstreifen. Dabei sind sie oft auf der Suche nach Nahrung oder einfach nur neugierig auf die Dinge, die es so zu finden gibt. Aber

moderne oder sanierte Gebäude bieten kaum noch Nischen oder Hohlräume, die der Spatz zum Brüten braucht. In der Stadt kommt noch hinzu, dass dort vielerorts die natürliche Vegetation durch Pflanzen aus fremden Ländern, ersetzt wurde, also Pflanzen, die von Natur aus nicht in Deutschland vorkommen (beispielsweise Ziersträucher). Dies alles hat dazu geführt, dass der Spatz heute in die Vorwarnliste bedrohter Arten aufgenommen wurde: Es gibt immer weniger Spatzen! Auch den BIENEN geht es nicht gut! Weltweit sterben massenweise Bienen und wir wissen, dass

unter anderem eingeschleppte Parasiten, die Monokulturen in der Landwirtschaft und der Einsatz von Pestiziden zu diesem Bienensterben führen. Gibt es aber keine Bienen mehr wäre das dramatisch, denn sie spielen eine entscheidende Rolle in unserem Ökosystem: Rund 80 Prozent der heimischen Kultur- und Wildpflanzen und damit rund ein Drittel des Obstes und Gemüses welches wir essen, sind von der Bestäubung durch Bienen abhängig. Außerdem tragen sie durch die Bestäubung von Blumen und Sträuchern erheblich zur Erhaltung der Artenvielfalt (Biodiversität) bei.

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Kleine Taten, große Wirkung Baue oder kaufe Vogel- und Fledermauskästen und befestige sie nach Absprache im Schulhof, an Alleebäumen, im Stadtpark oder an Hauswänden.

Kleine Taten,

große Wirkung Eine reiche Natur kommt nicht nur den Pflanzen und Tieren selbst zugute, sondern, wie wir gelernt haben, auch den Menschen. Auch du kannst mit ein paar kleinen Taten der Natur in deiner Stadt oder in deinem Dorf helfen! Denn schon kleine Veränderungen, wie ein paar heimische, Beeren tragende Sträucher, duftende Wiesenkräuter oder ein aufgeschichteter Steinhaufen, bewirken etwas und können wieder natürlichen Lebensraum für Pflanzen und Tiere bieten.

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Die Blumenwiese

Gärtnern ohne Gift - aber mit Insekten

Um naturnahen Lebensraum zu schaffen braucht es nicht viel. Ein kleines Stück im Garten oder in einer Ecke des Schulhofes genügt, um einheimische Tiere und Pflanzen, die in der Umgebung leben, gezielt zu fördern: Überlasse bestimmte Bereiche einfach sich selbst, säe ein paar Wildblumen und -kräuter und

lasse das „Unkraut“ wachsen. Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und andere Insekten freuen sich über viel Futter und du kannst schon bald weitere Arten entdecken, die du bisher nie in deinem Garten beobachtet hast. Auch Städter können etwas tun und auf ihren Balkonen oder auf der Fensterbank nektarreiche Blumen pflanzen.

Kleine Taten, große Wirkung

Viele Vögel freuen sich im Winter über eine süße Futterquelle, wenn ihr im Herbst einige Äpfel an den Bäumen hängen lasst. 14

Nützlinge im Garten helfen, Pflanzen ohne Chemie vor Schädlingen wie Blattläusen und Co. zu schützen. Damit die Nützlinge nicht nur Futter, sondern auch einen Rückzugsraum finden, sollte in jedem Garten mindestens ein Insektenhotel geöffnet haben. Sie sind schöne Möglichkeiten, Nützlinge anzulocken und zu beobachten. In Kiefernzapfen der Insektenpension können sich Marienkäfer und Florfliegen verstecken und überwintern, die Bambusstäbe im Insektenhotel sind eine Nisthilfe für Wildbienen

und Grabwespen, Äste mit Löchern eignen sich für Mauerbienen. Ihr könnt das Insektenhotel einfach nur im Garten oder auf dem Balkon an regengeschützter und sonniger Stelle aufhängen, um Nützlingen einen Platz in eurem Garten oder Innenhof zu reservieren. 15


Lebensraum im Steinhaufen Viele Pflanzen fühlen sich nur zwischen Steinen wohl – etwa Mauerraute, Streifenfarn, Zimbelkraut, Fetthenne oder Hauswurz. Die Fugen zwischen den einzelnen Steinen dienen außerdem Wildbienen als Brutplatz und auch Erdkröten finden im feuchten Klima und sonnengeschützt unter dem

Steinhaufen einen Platz. Lege einfach ein paar lose aufgeschichtete Steinbrocken auf einen Haufen und lass um ihn herum ein wenig Wildwuchs entstehen. Bald kannst du das sich einstellende Tier- und Insektenleben beobachten – du brauchst dafür ja nur ein paar Steine und etwas Geduld.

IMPRESSUM HERAUSGEBER:

KONZEPTION, TEXT UND REDAKTION:

Trinkwasserwald® e.V. Lange Strasse 22, Hamburg Tel: 040 / 28 78 82 30 Fax: 040 / 42 90 40 12 Mail: info@trinkwasserwald.de Web: www.trinkwasserwald.de © Copyright 2013 Trinkwasserwald® e.V. Verantwortlich: Alexander Pillath (geschäftsführender Vorstand) (Vollständigkeit und Angaben ohne Gewähr)

kom!on PR-Beratung, Maxi C. Meiners www.komon-pr.de

GESTALTUNG: grow / monospace www.grown-up.info www.mono-space.com

DRUCK: Klimaneutral gedruckt durch diedruckerei.de auf 100% Recycling Papier. CO2-Kompensation durch ein Waldschutzprojekt in Sofala, Mosmabik.

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