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Praxisstudie zum demographischen Wandel in der Region Bremen Endbericht

Auftraggeber: Kommunalverbund Niedersachsen / Bremen e. V.

Verfasser: FORUM GmbH, Oldenburg

Klaus-Martin Hesse Martin Karsten

unter Mitarbeit von: Regine Kleinert Tina Schröder

Überarbeitete Fassung: Oldenburg, März 2007


Gliederung 1

Einführung .................................................................................................................. 1 1.1 Ziele der Studie ........................................................................................................ 2 1.2 Aufbau der Studie..................................................................................................... 3

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Demographische Entwicklung in Deutschland: Wo steht die Region Bremen? 4

3

Demographische Entwicklung im regionalen Vergleich: Wie sehen Strukturprofile demographischer Entwicklung der Kommunen des Kommunalverbundes aus?....................................................................................... 9 3.1 Die Kommunen des Kommunalverbundes im Demographie-Vergleich anhand von 12 Demographie-Indikatoren – Grafiken ................................................................ 15 3.2 Die Stadtteile der Freien Hansestadt Bremen im Demographie-Vergleich anhand von 11 Demographie-Indikatoren – Grafiken ......................................................... 32

4

Fallstudie Achim ...................................................................................................... 48 4.1 Konzeption der Fallstudie....................................................................................... 48 4.2 Ortsteile in der Übersicht........................................................................................ 48 4.3 Ausgangslage......................................................................................................... 48 4.4 Problemlage und Herausforderungen .................................................................... 58 4.5 Gute Ansätze.......................................................................................................... 60 4.6 Handlungsoptionen ................................................................................................ 61 4.6.1 Handlungsoptionen für Siedlungstypen .......................................................... 64 4.6.2 Handlungsoptionen zur Anpassung sozialer Infrastruktur .............................. 65

5

Fallstudie Dötlingen................................................................................................. 66 5.1 Konzeption der Fallstudie....................................................................................... 66 5.2 Ortsteile in der Übersicht........................................................................................ 66 5.3 Ausgangslage......................................................................................................... 67 5.4 Problemlage und Herausforderungen .................................................................... 76 5.5 Gute Ansätze.......................................................................................................... 78 5.6 Handlungsoptionen ................................................................................................ 79 5.6.1 Handlungsoptionen für Siedlungstypen .......................................................... 81 5.6.2 Handlungsoptionen zur Verbesserung der Versorgungslage und zur Anpassung sozialer Infrastruktur .................................................................... 81

6

Fallstudie Lilienthal ................................................................................................. 82 6.1 Konzeption der Fallstudie....................................................................................... 82 6.2 Ortsteile in der Übersicht........................................................................................ 82 6.3 Ausgangslage......................................................................................................... 83 6.4 Problemlagen und Herausforderungen .................................................................. 93

I


6.5 Gute Ansätze.......................................................................................................... 95 6.6 Handlungsoptionen ................................................................................................ 96 6.6.1 Handlungsoptionen für Siedlungstypen .......................................................... 98 6.6.2 Handlungsoptionen zur Anpassung sozialer Infrastruktur .............................. 98 7

Fallstudie Thedinghausen..................................................................................... 100 7.1 Konzeption der Fallstudie..................................................................................... 100 7.2 Ortsteile in der Übersicht...................................................................................... 100 7.3 Ausgangslage....................................................................................................... 101 7.4 Problemlagen und Herausforderungen ................................................................ 111 7.5 Gute Ansätze........................................................................................................ 111 7.6 Handlungsoptionen .............................................................................................. 112 7.6.1 Handlungsoptionen für Siedlungstypen ........................................................ 114 7.6.2 Handlungsoptionen zur Anpassung sozialer Infrastruktur ............................ 114

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Handlungsoptionen im demographischen Wandel ............................................ 116 8.1 Kommunale Handlungsoptionen .......................................................................... 117 8.2 Interkommunale Handlungsoptionen ................................................................... 123

II


1 Einführung Der demographische Wandel ist in aller Munde: Auf Bundesebene wird seit langem über den Umbau der Versorgungssysteme und über eine „neue“ Familienpolitik als Antwort auf die demographische Herausforderung verhandelt; auf Landesebene erfolgen erhöhte Ausgleichsbemühungen vor dem Hintergrund zunehmender Disparitäten als Folge des Wandels und die Kommunen diskutieren die Folgen der demographischen Entwicklung für soziale und technische Infrastruktur, Flächenpolitik, Wohnungsbau und Einzelhandelssituation. Starke räumliche Unterschiede erschweren die Diskussion um regionale und kommunale Handlungsoptionen Auf regionaler und kommunaler Ebene erweist sich das Thema als außerordentlich sperrig: Die Gründe dafür dürften insbesondere in den starken Unterschieden liegen, mit denen Räume in Deutschland mit dem Wandel konfrontiert sind: Auf Bundesebene sind für die Zukunft Wachstums- und Schrumpfungsräume zu beobachten, Regionen mit starker oder geringer Überalterung, mit hohen oder geringen Kinderzahlen. Tendenziell leidet der Osten stärker als der Westen und im Westen der Norden mehr als der Süden unter demographisch bedingten Veränderungen. Die Region Bremen ist aus dieser Perspektive ein vergleichsweise unauffälliger Stagnationsraum mit durchschnittlichen Alterungstendenzen. Auf regionaler Ebene können verschiedene demographische Strukturtypen von Gemeinden analysiert werden. Die Kernstadt Bremen stagniert z. B. in der Einwohnerzahl bis 2020, wird dann einen durchschnittlichen Anteil von Hochbetagten, aber weit unterdurchschnittlichen Kinderzahlen sowie einen hohen Migrantenanteil haben. In den Gemeinden der Region wiederum sind für die Zukunft wachsende, stagnierende und schrumpfende Gemeinden zu erkennen, solche mit weit überdurchschnittlichen Anteilen Hochbetagter und solche mit einer überdurchschnittlichen Anzahl von Kindern. Auf kommunaler Ebene ist eine weitere Differenzierung festzustellen. So verzeichnet beispielsweise eine Gemeinde wie Lilienthal, die zu den Spitzenreitern des regionalen Bevölkerungswachstums der letzten 10 Jahre gehört, Ortsteile mit hohem Wachstum und solche, in denen die Einwohnerzahl zurückgegangen ist. Die beschleunigten Alterungsprozesse in dieser Gemeinde haben dazu geführt, dass – trotz Einwohnerzuwachses – bereits in der jüngeren Vergangenheit 60 Kindergartenplätze wegen Nachfragerückgangs abgebaut werden mussten, der Rückgang der Schülerzahlen folgt. Das Beispiel Lilienthal belegt, dass Anpassungsprozesse in der Folge des demographischen Wandels alle Kommunen betreffen. Eine Praxisstudie zum demographischen Wandel muss die unterschiedlichen räumlichen Ebenen und deren kleinräumige Ausprägungen berücksichtigen! Die räumlichen Unterschiede hinsichtlich der Folgen der demographischen Entwicklung erschweren die Formulierung von Handlungskonzepten und Maßnahmen. Bislang existieren wenige Berichte über Erfahrungen mit kommunalen Demographie-Konzepten, die die teilräumlichen Ausdifferenzierungen berücksichtigen. Es dominieren isolierte Maßnahmen wie beispielsweise die Installation einer Demographiebeauftragten, Umfragen zur Zufriedenheit älterer Menschen in der Gemeinde, der Bau von Mehrgenerationenhäusern oder neuen Wohnformen für ältere Menschen. Anpassungskonzepte, die demographische Aspekte bis auf Ortsteilebene analysieren und darauf aufbauend Handlungsoptionen formulieren, liegen kaum vor. Diese

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Kleinräumigkeit, eingebettet in die Kenntnisse demographischer Entwicklungen in der Region, lässt aber erst die Formulierung schlüssiger Anpassungskonzepte zu. Eine Praxisstudie sollte sich auf regional und kommunal beeinflussbare Handlungsfelder konzentrieren! Der demographische Wandel hat Auswirkungen auf nahezu alle Lebensbereiche und damit auch auf nahezu alle öffentlichen Aufgaben: So verändern sich Nachfragen nach öffentlicher Infrastruktur, seien es soziale und Bildungseinrichtungen oder technische Infrastruktur wie Straßen, Ver- und Entsorgungssysteme oder ÖPNV. Auswirkungen hat der demographische Wandel auf Kaufkraft, auf Flächen- und Immobilienangebote, aber auch auf Arbeitsmarkt und Wirtschaftsförderung. Nicht zuletzt wird auch die Finanzausstattung der Kommunen erheblich von demographischen Faktoren beeinflusst. Bei dieser Komplexität und Abhängigkeit gewinnen Regionen und Kommunen erfahrungsgemäß dann Handlungskompetenz, wenn es ihnen gelingt, sich auf die Handlungsfelder zu konzentrieren, in denen sie Steuerungsmöglichkeiten haben. Flächenpolitik, Zentrenentwicklung, Wohnungsbestandsentwicklung und soziale Infrastrukturplanung sind regionale und kommunale Handlungsfelder, die sich in dieser Hinsicht als Starter-Handlungsfelder für Anpassungsmaßnahmen im demographischen Wandel eignen. Handlungsoptionen sollten nicht nur Risikenabwehr, sondern auch Chancennutzung im Hinblick auf den demographischen Wandel im Blick haben! Die öffentliche Diskussion um die Folgen des demographischen Wandels wird von Ängsten und Risiken geprägt. Diese Wahrnehmung wird einer notwendigen nüchternen Auseinandersetzung mit den Folgen nicht gerecht, schließlich ist Einwohnerwachstum nicht per se ein positiver Wert, Einwohnerverlust wiederum nicht an sich eine Einbuße an Lebens- und Wohnqualität einer Stadt. Auch die Zunahme von älteren Menschen in einer Kommune macht diese nicht weniger lebenswert. Sehr wohl ist aber genau zu analysieren, wo sich welche demographischen Prozesse abspielen, um daraufhin z. B. wichtige Angebote der öffentlichen Daseinsvorsorge anpassen zu können. Bei diesen Anpassungsmaßnahmen wiederum gilt es auch die Chancen eines Wandels im Blick zu haben. Beispiel: Durch Standortbündelung von zwei Grundschulstandorten zu einer Einrichtung können u. U. pädagogisch, konzeptionelle Verbesserungen erzielt werden. Notwendige Veränderungen bieten immer auch Chancen der Qualitätsverbesserung, für die der Blick frühzeitig geschärft sein muss!

1.1 Ziele der Studie Ausgehend von den in der Einführung dargestellten Überlegungen verfolgt die „Praxisstudie zum demographischen Wandel in der Region Bremen“ folgende Ziele, die nach Analyse- und Handlungsschwerpunkten differenziert werden können: Ziele mit Analyseschwerpunkten • Die fachliche Einordnung der demographischen Prozesse in der Region Bremen im demographischen Wandel Deutschlands • Der Vergleich wichtiger demographischer Aspekte der Kommunen des Kommunalverbundes Niedersachsen / Bremen • Die kleinräumige Analyse demographischer Prozesse am Beispiel von Fallstudien für die Kommunen Achim, Dötlingen, Lilienthal und Thedinghausen

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Ziele mit Handlungsschwerpunkten • Die beispielhafte Formulierung von Handlungsoptionen für Anpassungsmaßnahmen zur Bewältigung des demographischen Wandels für die vier Fallstudien-Kommunen in Bezug auf Flächenpolitik, Gebäude- und Wohnungsbestände und soziale Infrastruktureinrichtungen • Rückschlüsse aus den Fallstudien für kommunale Anpassungsmaßnahmen • Rückschlüsse aus den Fallstudien für Handlungsansätze des Kommunalverbundes Niedersachsen / Bremen e. V.

1.2 Aufbau der Studie Die Ziele, den demographischen Wandel mit seinen differenzierten räumlichen Ausprägungen vertiefend zu analysieren und kommunale und interkommunale Handlungsoptionen zu formulieren, werden durch einen mehrgliedrigen Aufbau der Studie verfolgt: • Kap. 2 ordnet die demographischen Prozesse in der Region Bremen in den bundesdeutschen demographischen Wandel ein. • Kap. 3 vergleicht anhand von 12 demographischen Indikatoren die Entwicklung der Kommunen des Kommunalverbundes. Der Vergleich wird textlich erläutert und mit Grafiken unterstützt. Dieser Vergleich liefert den KommunalverbundKommunen ein demographisches Strukturprofil. Ergänzend wird in Kap. 3 ein Vergleich der Stadtteile der Stadt Bremen in Bezug auf dieselben demographischen Merkmale vorgenommen. • Kap. 4 umfasst die Ergebnisdarstellung der Fallstudien in den Gemeinden Achim, Dötlingen, Lilienthal und Thedinghausen. Die Fallstudiendarstellung folgt einer Binnenstruktur mit den Gliederungspunkten Ausgangslage, Problemlage und Herausforderungen, Gute Ansätze und Handlungsoptionen. Für die Kommunen des Kommunalverbundes bieten sich hier zahlreiche Anregungen zur vertiefenden Analyse und für Handlungsoptionen. Die Dokumentationen der Fallstudien sind so angelegt, dass sie in den ausgewählten vier Kommunen als eigenständige Dokumente genutzt werden können. Dieses Dokumentationskonzept geht einher mit einer gewissen Redundanz von Informationen zwischen den einzelnen Fallstudien. • Kap. 5 stellt zusammenfassend Handlungsoptionen für den Kommunalverbund und einzelne Kommunen zur Bewältigung des demographischen Wandels dar.

3


2 Demographische Entwicklung in Deutschland: Wo steht die Region Bremen? Die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland ist zur Jahrtausendwende geprägt von vier demographischen Trends (vgl. Abbildung 2.1): • Bevölkerungsrückgang: Die gesamtdeutsche Bevölkerung hat auch in den 1990er Jahren durch Zuwanderungsgewinne noch zugenommen. Diese Entwicklung ist mittlerweile zum Stillstand gekommen, die Zuwanderungsgewinne kompensieren nicht mehr die hohen Sterbeüberschüsse. Nach eher als Stagnation zu bezeichnender aktueller Entwicklung wird die bundesdeutsche Bevölkerung ab 2020 deutlich abnehmen. Zuwächse in der Vergangenheit und aktuelle Stagnation verdecken allerdings regionale Differenzierungen: Schon seit den 1990er Jahren verlieren große Teile ostdeutscher Kommunen und eine bislang kleine Anzahl westdeutscher Städte und Gemeinden in strukturschwachen, meist peripher gelegenen Regionen kontinuierlich an Einwohnern. Prognosen weisen darauf hin, dass regionale Unterschiede zwischen Regionen mit Bevölkerungswachstum (vornehmlich Agglomerationen in Westdeutschland) und solchen mit Einwohnerverlusten zunehmen werden, wobei insgesamt schon im Jahr 2020 die große Mehrzahl der Kreise in Deutschland zurückgehende Einwohnerzahlen aufweisen wird. • Alterung: Begleitet wird diese Entwicklung von einem Anstieg der Lebenserwartung, der zusammen mit der geringen Geburtenrate zu einer Alterung der Bevölkerung führt. Dieser Trend trifft Deutschland in seiner Gesamtheit, weist aber auch regionale Besonderheiten auf. So nimmt in Ostdeutschland die Gruppe der Schulpflichtigen besonders stark ab und im Umland der größeren Städte in Westdeutschland ist eine starke Zunahme der Hochbetagten als Folge der Suburbanisierungsprozesse in den letzten 40 Jahren zu erwarten. • Internationalisierung: Dritter Trend der demographischen Entwicklung in Deutschland ist der zunehmende Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund. Dieser Trend basiert hauptsächlich auf dem Effekt, dass sich bei steigenden Sterbeüberschüssen die Bedeutung der Zuwanderung aus dem Ausland für die Bevölkerungsdynamik erhöht. Gleichzeitig sind auch hier regionale Unterschiede festzustellen: Aufgrund der Arbeitsplatzperspektiven und der Existenz sozialer Netzwerke konzentrieren sich Zuwanderungen aus dem Ausland einerseits auf Westdeutschland, andererseits auf Agglomerationen und da wiederum auf deren Kernstädte.

4


Abbildung 2.1: Der demographische Wandel im Raum - eine Synthese

5


Als weitere Besonderheit des demographischen Wandels wird in der Fachdebatte der Prozess der Haushaltsverkleinerung genannt. Er besagt, dass ein immer größerer Anteil der Menschen in kleinen Haushalten allein oder mit nur einer weiteren Person zusammen lebt. Demographische Gründe dafür sind die Alterung und der ansteigende Anteil kinderloser Frauen. Weitere Gründe sind in sozialen und ökonomischen Wandlungsprozessen zu sehen. Dieser Trend zur Haushaltsverkleinerung hat in der Vergangenheit zur Belebung der Wohnungsnachfrage geführt, weil mehr Haushalte Wohnraum suchen, dabei insgesamt die durchschnittliche Wohnfläche pro Einwohner steigt. Diese Haushaltsverkleinerung wir in naher Zukunft in vielen deutschen Regionen den Rückgang der Wohnraumnachfrage durch Bevölkerungsrückgang nicht mehr kompensieren können. Darüber hinaus wird die Haushaltsverkleinerung die Nachfrage nach Wohnraum qualitativ verändern. Wo steht nun die Region Bremen im bundesdeutschen Vergleich dieser vier Trends? Im Hinblick auf die Bevölkerungsdynamik ist festzustellen, dass Teilräumen der Region Stagnation, anderen Teilräumen Schrumpfung und wenigen Teilräumen auch Zuwachs prognostiziert werden. In Bezug auf Alterungsprozesse fallen Teilräume der Region Bremen mit überdurchschnittlicher Abnahme von Schulpflichtigen und überdurchschnittlicher Zunahme von Hochbetagten auf. Im Hinblick auf Internationalisierungsprozesse wundert nicht, dass die Kernstadt Bremen als Teilraum mit starker Zunahme von Migranten gekennzeichnet ist und damit hohe Integrationsbedarfe erwartet werden können. Im Hinblick auf Haushaltsverkleinerung und damit zusammenhängender Veränderung der Wohnraumnachfrage fällt auf, dass Teile der Region zu den wenigen Räumen in Norddeutschland gehören, denen eine deutlich abnehmende Nachfrage nach Ein- und Zweifamiliehäusern prognostiziert wird (vgl. Abbildung 2.2) und dass ein vergleichsweise hohes Leerstandsrisiko für den Geschosswohnungsbau in Teilen der Region Bremen erwartet wird (vgl. Abbildung 2.3).

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Abbildung 2.2: Wohnfl채chennachfrage in Ein- und Zweifamilienh채usern

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Abbildung 2.3: Absch채tzung des Leerstandsrisikos

8


3 Demographische Entwicklung im regionalen Vergleich: Wie sehen Strukturprofile demographischer Entwicklung der Kommunen des Kommunalverbundes aus? Als eines der Ziele der vorliegenden Studie wurde vorab formuliert, dass ein regionaler Vergleich der demographischen Entwicklung der Kommunen des Kommunalverbundes Hinweise liefern soll, welches Strukturprofil im demographischen Wandel einzelne Kommunen aufweisen. Der regionale Vergleich soll den Kommunen grunds채tzliche Hilfestellung bei der Einordnung geben, bei welchen Komponenten des demographischen Wandels in besonderer Weise Handlungsbedarf besteht. 33 Gemeinden der Region Bremen im Vergleich, vier Fallstudien als Vertiefung Im Vergleich demographischer Komponenten und demographischer Indikatoren werden 33 Gemeinden in der Region Bremen ber체cksichtigt (vgl. Abb. 3.1). Die Lage der vier Fallstudien-Kommunen ist einer weiteren Karte zu entnehmen (vgl. Abb. 3.2).

Abbildung 3.1: Die Gemeinden der Region Bremen

Quelle: Kommunalverbund Niedersachsen/Bremen e.V., 2007

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Abbildung 3.2: Die Lage der ausgewählten Fallstudien-Kommunen

Quelle: Kommunalverbund Niedersachsen/Bremen e.V., 2007

Fünf demographische Komponenten und 12 demographische Indikatoren sind die Vergleichsbasis! Auf Grundlage der Erläuterungen in Kapitel 2 wurden fünf demographische Komponenten formuliert, die Aussagekraft im Hinblick auf den demographischen Wandel in einer Gemeinde besitzen. Zu diesen demographischen Komponenten wurden jeweils Indikatoren ausgewählt, für die einheitliches Datenmaterial für alle Kommunen des Kommunalverbundes zur Verfügung steht. Als Ergänzung wurden dieselben demographischen Komponenten und dieselben Indikatoren auch in einen Vergleich Bremischer Stadtteile aufgenommen1. Die Ergebnisse des Stadtteilvergleichs werden anhand von Grafiken dokumentiert, eine textliche Interpretation erfolgt aber nicht, weil diese im Finanzrahmen des Auftrags nicht vorgesehen war.

1

Für den Vergleich der Kommunen im Kommunalverbund wurden die Daten des „Demographischen Wegweisers“ der Bertelsmann-Stiftung (vgl. www.wegweiserdemographie.de) genutzt (Stand der Datengrundlage: 31.01.2007). Für den Vergleich der Bremischen Stadtteile hat der Senator für Bau, Umwelt und Verkehr der Freien Hansestadt Bremen die Vergleichsdaten zur Verfügung gestellt (Stand der Datengrundlage 2006).

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Folgende fünf demographische Komponenten und die dazugehörigen Indikatoren wurden in den Vergleich einbezogen: • Komponente: Bevölkerungsdynamik Bevölkerungsentwicklung 1996 – 2003 Bevölkerungsentwicklung 2003 - 2020 • Komponente: Ältere Menschen Entwicklung 60-79-Jähriger 2003 – 2020 Anteil 60-79-Jähriger 2020 Entwicklung über 80-Jähriger 2003 – 2020 Anteil über 80-Jähriger 2020 • Komponente: Junge Menschen Entwicklung unter 18-Jähriger 2003 – 2020 Anteil unter 18-Jähriger 2020 • Komponente: Familien Familienwanderung Fertilitätsindex Anteil Frauen an 20-34-Jährigen • Komponente: Migration Anteil Ausländer Eine Kategorienbildung der Ergebnisse aller Indikatoren vereinfacht den Vergleich der Kommunen und legt die „demographische Betroffenheit“ der Gemeinden offen! Schaubilder mit dem Vergleich aller Kommunen des Kommunalverbundes für jeden der 12 Indikatoren geben den Kommunen einen Hinweis, welche Ausprägung ihre demographische Entwicklung im regionalen Vergleich in Bezug auf einzelne Indikatoren aufweist. Um einen abstrakteren Vergleich in Bezug auf die fünf demographischen Komponenten zu ermöglichen, wird darüber hinaus eine Bewertung der Ausprägung jeder Gemeinde für jeden Indikator in einer Skala von 1 bis 3 vorgenommen. Beispiel: Die Bevölkerungsentwicklung zwischen 1996 und 2003 variiert in den Kommunen zwischen – 2,9 % in Delmenhorst und +12,2 % in Hude. Vor dem Hintergrund der regionalen Verteilung wird folgende Kategorienbildung gewählt: • 1 = starkes Wachstum (> 6 %) • 2 = Wachstum (2 % bis 6 %) • 3 = Stagnation/ leichtes Schrumpfen (< 2 %) Eine solche Kategorienbildung wurde für alle Indikatoren vorgenommen. Eine Mittelwertsbildung mehrerer Indikatorenausprägungen ermöglicht dann die Ermittlung eines Wertes für jede Demographiekomponente und als Mittelwert aller Ausprägungen der Demographiekomponenten einen Gesamtwert. Die Kategorienbildungen sind: • Bevölkerungsentwicklung 1996 bis 2003 1 = starkes Wachstum (> 6%) 2 = Wachstum (2% bis 6%) 3 = Stagnation/ leichtes Schrumpfen (< 2%) • Bevölkerungsentwicklung 2003 bis 2020: 1 = anhaltendes Wachstum (> 2%) 2 = Stagnation (-2% bis 2%) 3 = Schrumpfung (< -2%)

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• Anteil der 60 bis 79-Jährigen an der Gesamtbevölkerung 2020 1 = geringer Anteil (< 23%) 2 = mittlerer Anteil (23% bis 25%) 3 = hoher Anteil (> 25%) • Entwicklung des Anteils der 60 bis 79-Jährigen 2003 bis 2020 1 = gleich bleibend (< 3 Prozentpunkte) 2 = zunehmend (3 bis 5 Prozentpunkte) 3 = stark zunehmend (> 5 Prozentpunkte) • Anteil der über 80-Jährigen an der Gesamtbevölkerung 2020 1 = geringer Anteil (< 6,5%) 2 = mittlerer Anteil (6,5% bis 8,5%) 3 = hoher Anteil (> 8,5%) • Entwicklung des Anteils der über 80-Jährigen 2003 bis 2020 1 = gleich bleibend (< 3 Prozentpunkte) 2 = zunehmend (3 bis 5 Prozentpunkte) 3 = stark zunehmend (> 5 Prozentpunkte) • Familienwanderungen pro 1000 Einwohner 1 = starker Zuzug (> 15) 2 = Zuzug (5 bis 15) 3 = wenig Zuzug/ Fortzug (< 5) • Anteil der Frauen an den 20 bis 34-Jährigen 1 = hoher Anteil (> 50%) 2 = mittlerer Anteil (49% bis 50%) 3 = geringer Anteil (< 49%) • Fertilitätsindex 1 = hoch (> 15%) 2 = mittel (8% bis 15%) 3 = niedrig (< 8%) • Anteil der unter 18-Jährigen an der Gesamtbevölkerung 2020 1 = hoher Anteil (> 16%) 2 = mittlerer Anteil (15% bis 16%) 3 = geringer Anteil (< 15%) • Entwicklung des Anteils der unter 18-Jährigen 2003 bis 2020 1 = geringe Abnahme (< -3 Prozentpunkte) 2 = mittlere Abnahme (-3 bis -5 Prozentpunkte) 3 = starke Abnahme (> -5 Prozentpunkte) • Anteil der Ausländer an der Gesamtbevölkerung 1 = geringer Anteil (< 5%) 2 = mittlerer Anteil (5% bis 10%) 3 = hoher Anteil (> 10%) Die „demographische Betroffenheit“ einer Kommune ist an Gesamtwerten und Zwischenwerten der fünf Demographie-Komponenten ablesbar. Zwischenwerte als Mittelwerte von fünf Demographiekomponenten und Gesamtwerte sind als Maß der Betroffenheit der Kommunen im Hinblick auf demographische Komponenten der Bevölkerungsdynamik, Alterung und Migration zu interpretieren. Die darauf aufbauenden Handlungsoptionen können vielgestaltig ausfallen: So kann einem beschleunigten Alterungsprozess, der sich z. B. als Mittelwert 3,0 von vier Indikatoren bei der Komponente „Ältere Menschen“ ausdrückt, Handlungsoptionen in unterschiedlicher Richtung eröffnen. Eine Kommune kann z. B. zur Erkenntnis gelangen, dass eine Profilbildung der Gemeinde für ältere Menschen als kommunales Leitbild tragfähig ist und

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ausgebaut werden soll. Denkbar ist aber auch eine Entscheidung, kommunale Strategien mit dem Ziel einer ausgeglichenen Altersstruktur zu erarbeiten. Wofür eignen sich damit die Durchschnittwerte der Komponenten und der Gesamtwert? Diese Werte helfen zur Einordnung, wie die Kommune im regionalen Vergleich steht. Weiterhin dienen die Werte zur Abschätzung der Betroffenheit in Bezug auf demographische Entwicklungen. Hohe Betroffenheit drückt sich in geringen Gesamtoder Komponentendurchschnittswerten aus. Eine Berücksichtigung der Komponentenwerte wird ausdrücklich empfohlen: So kann eine Gemeinde, die hohe Bevölkerungsdynamik aufweist, durchaus starke Überalterung aufweisen. Bevölkerungsentwicklung: Wenige Gemeinden sind in der Vergangenheit geschrumpft, es folgen mehr! Der Vergleich bei der Bevölkerungsdynamik zeigt, dass in der Vergangenheit nur vier Gemeinden das Kriterium für Stagnation und Schrumpfung erfüllten, diese Entwicklung bis 2020 aber 13 Gemeinden prognostiziert wird. Berücksichtigt man die Tatsache, dass der Prognosezeitraum (2003 bis 2020) mehr als doppelt so groß ist wie der Beobachtungszeitraum in der Vergangenheit (1996 – 2003), kann davon ausgegangen werden, dass in der Zukunft die Mehrheit der Gemeinden des Kommunalverbundes Kommunalpolitik unter den Bedingungen von Stagnation oder Schrumpfung formulieren wird. Großstadt und mittelgroße Städte weisen besonders hohe „demographische Betroffenheit“ auf! Der regionale Vergleich weist die Kernstadt und die mittelgroßen Städte im Umland der Kernstadt Bremen als vom demographischen Wandel besonders stark betroffene Kommunen aus. Diese Städte – Bremen, Achim, Delmenhorst, Osterholz-Scharmbeck, Syke, Verden – liegen mit ihren Gesamtausprägungen und bei der Bevölkerungsdynamik im unteren Drittel aller Gemeinden. Dieser Befund ist umso bedeutsamer, als die Raumordnung von diesen Kommunen Bündelungsfunktionen des Wachstums im Sinne ihres Leitbildes der dezentralen Konzentration erhofft hatte. Frühe Suburbanisierungsgewinnergemeinden verzeichnen ausgeprägte Alterungsprozesse! Die im Norden, Osten und Süden direkt an Bremen angrenzenden Gemeinden Achim, Lilienthal, Oyten, Weyhe und Stuhr sind die Kommunen, die schon seit den 1960er und 1970er Jahren vergleichsweise hohe Zuwanderungsgewinne aus Bremen zu verzeichnen hatten. Sie stellen damit frühe Suburbanisierungsgewinner dar. Die Elterngeneration dieser frühen Zuwanderer gehört mittlerweile zur Altersgruppe der Senioren. Daher weisen diese Gemeinden – mit Ausnahme von Stuhr – weit überdurchschnittliche Anteile alter Menschen heute und in Zukunft auf. Sie haben damit einen besonderen Anpassungsdruck in Bezug auf Alterungsprozesse. Unterdurchschnittliche Bedeutung von Familien liegt in der Großstadt und in mittelgroßen Städten im Umland vor! Die vergleichende Betrachtung von Familienwanderungen, Fertilitätsindex und Anteil von Frauen im gebärfähigen Alter zeigt, dass Familien eine unterdurchschnittliche Bedeutung in der Kernstadt Bremen und in von industriellem Wandel mit schlechter Arbeitsmarktperspektive betroffenen Kommunen wie Lemwerder und Delmenhorst sowie allgemein in den mittelgroßen Städte des Umlandes besitzen. Im zweiten Suburbanisierungsring und in ländlichen Kommunen haben die Familienindikatoren eine günstigere Ausprägung. Als stadtnahe Kommune stellt wiederum Stuhr mit z. B. dem

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höchsten Anteil der Familienwanderungen aller Kommunen und dem höchsten Anteil an Frauen an 20 bis 34-Jährigen eine Ausnahme dar. Junge Menschen nehmen in jeder Gemeinde ab, besonders auch in Gemeinden am Stadtrand! In allen Gemeinden des Kommunalverbundes wird bis 2020 ein Rückgang des Anteils von Kindern und Jugendlichen prognostiziert, der minimal bei - 1,8 Prozentpunkten und maximal bei -6,2 Prozentpunkten liegen wird. Besonders geringe Anteile von unter 18Jährigen werden 2020 in den ehemals durch Kinder und Jugendliche geprägten Gemeinden Lilienthal, Oyten, Stuhr und Weyhe erwartet. In Bremen, mittelgroßen Städten und Kommunen altindustrieller Prägung konzentrieren sich Integrationsbedarfe! Der Anteil der Ausländer an der Bevölkerung ist bundesweit in Großstädten am höchsten, besonders hoch auch in Kommunen, deren Wirtschaftsstruktur von Altindustrie geprägt ist. Diese Aussagen treffen auch auf die Region Bremen zu, in der Bremen, altindustriell geprägte Kommunen wie Lemwerder und Delmenhorst sowie die mittelgroßen Städte des Umlandes höchste Anteile von Ausländern an der Gesamtbevölkerung aufweisen. In diesen Kommunen werden die größten Anstrengungen zur Integration von Migranten aufzuwenden sein.

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3.1

Die Kommunen des Kommunalverbundes im Demographie-Vergleich anhand von 12 Demographie-Indikatoren – Grafiken

Gesamtmaß der Betroffenheit vom demographischen Wandel

Thedinghausen, SG

1,2 1,4

Hatten Dötlingen

1,5

Wildeshausen, Stadt

1,5

Wardenburg

1,5

Ritterhude

1,5

Großenkneten

1,5

Berne

1,5

Stuhr

1,5

Harpstedt, SG

1,6

Grasberg

1,6

Hude

1,6

Tw istringen, Stadt

1,7

Hambergen, SG

1,7

Langw edel

1,7

Ganderkesee

1,8

Schw anew ede

1,8

Bruchhausen-Vilsen, SG

1,8

Kirchlinteln

1,8

Ottersberg

1,9

Lilienthal

2,0

Grafschaft Hoya, SG

2,1

Verden, Stadt

2,1

Oyten

2,2

Worpsw ede

2,2

Osterholz-Scharmb., Stadt

2,2

Bassum, Stadt

2,2

Syke, Stadt

2,3

Bremen, Stadt

2,3

Achim, Stadt

2,3 2,4

Weyhe Delmenhorst, Stadt

2,4 2,5

Lemw erder

0,0

0,5

1,0

1,5

2,0

2,5

3,0

15


Mittelwert der Indikatoren "Bevรถlkerungsentwicklung" Wildeshausen, Stadt

1

Wardenburg

1

Thedinghausen, SG

1

Stuhr

1

Schw anew ede

1

Lilienthal

1

Langw edel

1

Hude

1

Hatten

1

Harpstedt, SG

1

Hambergen, SG

1

GroรŸenkneten

1

Grasberg

1

Ganderkesee

1

Dรถtlingen

1

Tw istringen, Stadt

1,5

Ritterhude

1,5

Oyten

1,5

Bruchhausen-Vilsen, SG

1,5

Berne

1,5

Bassum, Stadt

1,5

Worpsw ede

2

Syke, Stadt

2

Ottersberg

2

Osterholz-Scharmb., Stadt

2

Kirchlinteln

2

Weyhe

2,5

Lemw erder

2,5

Grafschaft Hoya, SG

2,5

Bremen, Stadt

2,5

Verden, Stadt

3

Delmenhorst, Stadt

3

Achim, Stadt

3 0

0,5

1

1,5

2

2,5

3

16


Bevรถlkerungsentwicklung 1996-2003

12,9%

Hatten Hude

12,2% 12,0%

Thedinghausen, SG Dรถtlingen

11,4%

Langw edel

11,4%

GroรŸenkneten

11,3%

Stuhr

11,1%

Wildeshausen, Stadt

10,0%

Schw anew ede

10,0% 9,4%

Grasberg

9,0%

Lilienthal

7,9%

Hambergen, SG

7,3%

Wardenburg Harpstedt, SG

6,5%

Bassum, Stadt

6,4%

Ganderkesee

6,1%

Ottersberg

6,0%

Bruchhausen-Vilsen, SG

5,7%

Weyhe

5,5% 4,9%

Ritterhude Berne

4,3%

Kirchlinteln

4,2%

Oyten

4,2% 3,4%

Syke, Stadt Tw istringen, Stadt

3,0% 2,6%

Osterh.-Scharmb., Stadt Lemw erder

2,6%

Niedersachsen

2,3%

Grafschaft Hoya, SG

2,2%

Worpsw ede

2,2%

Verden, Stadt

-0,6%

Bremen, Stadt

-0,7%

Achim, Stadt

-0,7%

Delmenhorst, Stadt

-4%

-2,9%

-2%

0%

2%

4%

6%

8%

10%

12%

14%

Quelle: Datengrundlage der Bertelsmannstiftung (www.wegweiserdemographie.de)

17


Bevรถlkerungsentwicklung 2003-2020 Wildeshausen, Stadt

15,7%

Hatten

10,4%

Stuhr

10,1%

Schw anew ede

8,2%

GroรŸenkneten

7,8%

Thedinghausen, SG

7,4%

Berne

7,2%

Bruchhausen-Vilsen, SG

6,4%

Ganderkesee

6,4%

Hambergen, SG

6,1%

Langw edel

5,3%

Wardenburg

4,3%

Lilienthal

4,1%

Dรถtlingen

3,6%

Grasberg

3,6%

Ritterhude

3,5%

Tw istringen, Stadt

3,0%

Hude

2,9%

Harpstedt, SG

2,3%

Oyten

2,3%

Syke, Stadt

1,4%

Bassum, Stadt

1,3%

Ottersberg

1,2%

Bremen, Stadt

0,7%

Kirchlinteln

0,3%

Worpsw ede

0,1%

Niedersachsen

-0,2%

Osterh.-Scharmb., Stadt

-0,6%

Weyhe

-2,5%

Grafschaft Hoya, SG

-2,9%

Achim, Stadt

-3,3%

Verden, Stadt

-5,1%

Lemw erder

-6,3%

Delmenhorst, Stadt

-9%

-7,1%

-6%

-3%

0%

3%

6%

9%

12%

15%

18%

Quelle: Datengrundlage der Bertelsmannstiftung (www.wegweiserdemographie.de)

18


Mittelwert der Indikatoren "Ältere Menschen" 1

Großenkneten Tw istringen, Stadt

1,3

Thedinghausen, SG Dötlingen

1,3 1,3

Bremen, Stadt

1,3

Wildeshausen, Stadt

1,5

Stuhr Hude

1,5 1,5

Grafschaft Hoya, SG

1,5

Berne

1,5

Verden, Stadt Ritterhude

1,8 1,8

Kirchlinteln

1,8

Hatten

1,8

Hambergen, SG

1,8 1,8

Grasberg Schw anew ede

2

Langw edel

2

Syke, Stadt

2,3 2,3

Osterholz-Scharmb., Stadt

2,3

Lemw erder

2,3

Harpstedt, SG Ganderkesee

2,3 2,3

Wardenburg

Delmenhorst, Stadt

2,3

Bruchhausen-Vilsen, SG

2,3

Bassum, Stadt

2,3 2,3

Achim, Stadt Weyhe

2,5

Oyten

2,5

Lilienthal

2,5

Worpsw ede

2,8

Ottersberg

2,8 0

0,5

1

1,5

2

2,5

3

19


Entwicklung des Anteils der 60-79-Jährigen an der Gesamtbevölkerung 2003-2020 -0,8

Stuhr

-0,3

Ritterhude

1,1

Bremen, Stadt

1,4

Schw anew ede Grafschaft Hoya, SG

1,8

Lilienthal

1,8 2,0

Berne Niedersachsen

2,7

Hude

2,7

Großenkneten

2,8

Harpstedt, SG

2,9

Ganderkesee

2,9

Dötlingen

3,0

Oyten

3,0 3,5

Lemw erder Wildeshausen, Stadt

3,8

Delmenhorst, Stadt

3,8

Verden, Stadt

4,1

Thedinghausen, SG

4,1

Bruchhausen-Vilsen, SG

4,3

Achim, Stadt

4,3

Tw istringen, Stadt

4,4 4,8

Grasberg

5,1

Bassum, Stadt

5,3

Syke, Stadt Wardenburg

5,5

Osterh.-Scharmb., Stadt

5,8

Hambergen, SG

5,9 6,1

Ottersberg Hatten

6,4

Weyhe

6,5 6,7

Kirchlinteln

6,9

Worpsw ede

7,3

Langw edel

-2

-1

0

1

2

3

4

5

6

7

8

in Prozentpunkten

Quelle: Datengrundlage der Bertelsmannstiftung (www.wegweiserdemographie.de)

20


Anteil der 60-79-Jährigen an der Gesamtbevölkerung 2020

Großenkneten

20,8%

Berne

21,0%

Hude

21,1%

Thedinghausen, SG

21,1%

Dötlingen

21,5%

Twistringen, Stadt

22,1%

Bremen, Stadt

22,2%

Wildeshausen, Stadt

22,3%

Grafschaft Hoya, SG

22,6%

Schwanewede

22,7%

Stuhr

22,8%

Grasberg

22,8%

Ganderkesee

23,0%

Ritterhude

23,0%

Niedersachsen

23,2%

Kirchlinteln

23,6%

Harpstedt, SG

23,6%

Verden, Stadt

23,7%

Bruchhausen-Vilsen, SG

24,0%

Oyten

24,0%

Langwedel

24,1%

Wardenburg

24,2%

Syke, Stadt

24,2%

Hatten

24,2%

Osterh.-Scharmb., Stadt

24,3%

Hambergen, SG

24,7%

Bassum, Stadt

24,8%

Lemwerder

25,0%

Delmenhorst, Stadt

25,1%

Ottersberg

25,1%

Lilienthal

25,2%

Weyhe

25,9%

Achim, Stadt

26,2%

Worpswede

28,5% 0%

5%

10%

15%

20%

25%

30%

Quelle: Datengrundlage der Bertelsmannstiftung (www.wegweiserdemographie.de)

21


Entwicklung des Anteils der über 80-Jährigen an der Gesamtbevölkerung 2003-2020 Bremen, Stadt

2,2

Verden, Stadt

2,4

Großenkneten

2,4

Kirchlinteln

2,5

Tw istringen, Stadt

2,7

Hatten

2,7

Hambergen, SG

2,7

Thedinghausen, SG

2,7

Dötlingen

2,9

Wildeshausen, Stadt

2,9

Bassum, Stadt

3,0

Langw edel

3,1

Berne

3,2

Niedersachsen

3,3

Wardenburg

3,4

Grafschaft Hoya, SG

3,4

Weyhe

3,5

Grasberg

3,8

Syke, Stadt

3,9

Delmenhorst, Stadt

3,9

Lemw erder

3,9

Hude

4,0

Osterh.-Scharmb., Stadt

4,0

Bruchhausen-Vilsen, SG

4,3

Ritterhude

4,5

Achim, Stadt

4,6

Ottersberg

4,6

Worpsw ede

4,8

Stuhr

4,8

Lilienthal

5,2

Schw anew ede

5,3

Ganderkesee

5,6

Harpstedt, SG

5,9

Oyten

8,3

0

1

2

3

4

5

6

7

8

9

in Prozentpunkten

Quelle: Datengrundlage der Bertelsmannstiftung (www.wegweiserdemographie.de)

22


Anteil der ab 80-Jährigen an der Gesamtbevölkerung 2020 Hambergen, SG

5,8%

Thedinghausen, SG

5,8%

Großenkneten

5,8%

Hatten

6,0%

Dötlingen

6,0%

Kirchlinteln

6,1%

Langw edel

6,2%

Tw istringen, Stadt

6,4%

Wildeshausen, Stadt

6,8%

Wardenburg

6,8%

Berne

6,8%

Weyhe

6,9%

Verden, Stadt

7,1%

Bassum, Stadt

7,2%

Bremen, Stadt

7,3%

Grasberg

7,4%

Hude

7,5%

Delmenhorst, Stadt

7,6%

Niedersachsen

7,7%

Osterh.-Scharmb., Stadt

7,7%

Grafschaft Hoya, SG

8,0%

Syke, Stadt

8,0%

Stuhr

8,0%

Lemw erder

8,0%

Achim, Stadt

8,2%

Ritterhude

8,5%

Ottersberg

8,6%

Bruchhausen-Vilsen, SG

8,7%

Ganderkesee

8,9%

Schw anew ede

8,9%

Worpsw ede

9,1%

Lilienthal

9,5%

Harpstedt, SG

10,1%

Oyten

0%

12,4%

2%

4%

6%

8%

10%

12%

14%

Quelle: Datengrundlage der Bertelsmannstiftung (www.wegweiserdemographie.de)

23


Mittelwert der familienbezogenen Indikatoren Hatten

1

Berne

1

Wildeshausen, Stadt Wardenburg

1,3 1,3

Thedinghausen, SG

1,3

Ottersberg

1,3

Bruchhausen-Vilsen, SG

1,3

Worpsw ede

1,7

Stuhr

1,7

Ritterhude

1,7

Langw edel Harpstedt, SG

1,7 1,7

Hambergen, SG

1,7

Grasberg

1,7

Tw istringen, Stadt Syke, Stadt

2 2

Hude

2

GroĂ&#x;enkneten

2

Ganderkesee

2 2

DĂśtlingen Weyhe

2,3

Verden, Stadt

2,3

Schw anew ede Oyten

2,3 2,3

Osterholz-Scharmb., Stadt

2,3

Lilienthal

2,3

Kirchlinteln Grafschaft Hoya, SG

2,3 2,3

Delmenhorst, Stadt

2,3

Bassum, Stadt

2,3

Achim, Stadt

2,3

Lemw erder

2,7

Bremen, Stadt

2,7 0

0,5

1

1,5

2

2,5

3

24


Familienwanderungen (pro 1000 Ew.)* 2003

Stuhr

25,9

Berne

23,9

Schw anew ede

19,4

Wildeshausen, Stadt

18,5

Hatten

17,6

Ritterhude

16

Ganderkesee

15,7

Hambergen, SG

15,2

Thedinghausen, SG

14,8

Wardenburg

13,8

Lilienthal

13,6

Großenkneten

12

Kirchlinteln

11,6

Grafschaft Hoya, SG

11,5

Grasberg

11,4

Dötlingen

11

Hude

10

Langw edel

10

Bassum, Stadt

10

Tw istringen, Stadt

8,8

Bruchhausen-Vilsen, SG

8,4

Syke, Stadt

8,3

Worpsw ede

7,6

Ottersberg

7,3

Harpstedt, SG

5,9

Niedersachsen

4,3

Oyten

4,2

Achim, Stadt

2,7

Osterh.-Scharmb., Stadt

2,6

Weyhe

1,6

Lemw erder

1,3

Verden, Stadt

-0,5

Bremen, Stadt

-0,9

Delmenhorst, Stadt

-2,6

-5

0

5

10

15

20

25

30

Quelle: Datengrundlage der Bertelsmannstiftung (www.wegweiserdemographie.de)

* Wanderungssaldo der unter 18-Jährigen und der 30-49-Jährigen.

25


Anteil der Frauen an den 20-34-Jährigen 2003 Stuhr

51,6%

Hatten

51,5%

Weyhe

51,4%

Thedinghausen, SG

51,1%

Oyten

50,7%

Ottersberg

50,7%

Bruchhausen-Vilsen, SG

50,6%

Harpstedt, SG

50,6%

Syke, Stadt

50,6%

Berne

50,4%

Hude

50,3%

Worpsw ede

50,2%

Wardenburg

50,1%

Osterh.-Scharmb., Stadt

50,0%

Lilienthal

49,9%

Grasberg

49,9%

Bremen, Stadt

49,8%

Verden, Stadt

49,8%

Delmenhorst, Stadt

49,7%

Hambergen, SG

49,6%

Langw edel

49,6%

Ritterhude

49,6%

Achim, Stadt

49,5%

Niedersachsen

49,4%

Wildeshausen, Stadt

49,0%

Schw anew ede

48,9%

Dötlingen

48,7%

Ganderkesee

48,5%

Grafschaft Hoya, SG

48,4%

Tw istringen, Stadt

47,9%

Kirchlinteln

47,8%

Großenkneten

47,0%

Bassum, Stadt

47,0%

Lemw erder

42%

45,7%

43%

44%

45%

46%

47%

48%

49%

50%

51%

52%

53%

Quelle: Datengrundlage der Bertelsmannstiftung (www.wegweiserdemographie.de)

26


Fertilitätsindex* 2003 Großenkneten

48,5%

Dötlingen

28,2%

Berne

27,8%

Thedinghausen, SG

27,6%

Grasberg

23,4%

Twistringen, Stadt

22,2%

Ottersberg

20,6%

Bruchhausen-Vilsen, SG

20,1%

Langwedel

19,0%

Wildeshausen, Stadt

18,6%

Hatten

16,5%

Wardenburg

15,1%

Grafschaft Hoya, SG

13,9%

Osterh.-Scharmb., Stadt

13,8%

Worpswede

13,2%

Ritterhude

13,0%

Harpstedt, SG

12,8%

Verden, Stadt

11,3%

Bassum, Stadt

10,8%

Delmenhorst, Stadt

10,5%

Ganderkesee

10,4%

Kirchlinteln

10,3%

Lemwerder

9,4%

Achim, Stadt

8,7%

Hambergen, SG

8,0%

Oyten

7,7%

Hude

7,5%

Niedersachsen

7,4%

Syke, Stadt

5,8%

Schwanewede

5,3%

Weyhe

4,1%

Lilienthal

1,4%

Stuhr

-1,7%

Bremen, Stadt

-20%

-9,1%

-10%

0%

10%

20%

30%

40%

50%

60%

Quelle: Datengrundlage der Bertelsmannstiftung (www.wegweiserdemographie.de) * Prozentuale Abweichung der Geburten pro Frau zwischen 15 und 45 Jahren vom Bundesdurchschnitt.

27


Mittelwert der Indikatoren "Junge Menschen" Verden, Stadt

1

Ritterhude

1

Wildeshausen, Stadt

1,5

Tw istringen, Stadt

1,5

Thedinghausen, SG

1,5

GroĂ&#x;enkneten

1,5

Ganderkesee

1,5

Berne

1,5

Wardenburg

2

Schw anew ede

2

Ottersberg

2

Osterholz-Scharmb., Stadt

2

Kirchlinteln

2

Hude

2

Hatten

2

Harpstedt, SG

2

Grasberg

2

DĂśtlingen

2

Delmenhorst, Stadt

2

Bruchhausen-Vilsen, SG

2

Bremen, Stadt

2

Achim, Stadt

2

Worpsw ede

2,5

Stuhr

2,5

Lilienthal

2,5

Langw edel

2,5

Hambergen, SG

2,5

Grafschaft Hoya, SG

2,5

Weyhe

3

Syke, Stadt

3

Oyten

3

Lemw erder

3

Bassum, Stadt

3 0

0,5

1

1,5

2

2,5

3

28


Entwicklung des Anteils der unter 18-Jährigen an der Gesamtbevölkerung 2003-2020 -1,8

Bremen, Stadt

-1,9

Ritterhude Verden, Stadt

-2,9 -3,0

Stuhr

-3,1

Achim, Stadt Delmenhorst, Stadt

-3,3 -3,5

Großenkneten

-3,5

Berne

-3,7

Wildeshausen, Stadt

-3,8

Niedersachsen Lilienthal

-4,1

Ganderkesee

-4,2 -4,4

Thedinghausen, SG

-4,4

Schw anew ede

-4,5

Bruchhausen-Vilsen, SG

-4,6

Worpsw ede

-4,7

Harpstedt, SG

-4,9

Tw istringen, Stadt

-5,0

Hambergen, SG

-5,1

Dötlingen

-5,2

Grafschaft Hoya, SG

-5,2

Lemw erder

-5,4

Bassum, Stadt

-5,4

Wardenburg

-5,4

Weyhe

-5,5

Osterh.-Scharmb., Stadt

-5,5

Grasberg

-5,6

Syke, Stadt

-5,6

Oyten

-5,6

Hatten

-5,7

Kirchlinteln Langw edel

-6,0

-7

-6

-5

-4

-6,2

Hude

-6,2

Ottersberg

-3

-2

-1

0

in Prozentpunkten

Quelle: Datengrundlage der Bertelsmannstiftung (www.wegweiserdemographie.de)

29


Anteil der unter 18-Jährigen an der Gesamtbevölkerung 2020 Großenkneten

20,1%

Berne

19,4%

Thedinghausen, SG

18,9%

Dötlingen

17,8%

Twistringen, Stadt

17,6%

Wildeshausen, Stadt

17,4%

Verden, Stadt

16,7%

Grasberg

16,6%

Kirchlinteln

16,5%

Ottersberg

16,4%

Osterh.-Scharmb., Stadt

16,3%

Ritterhude

16,3%

Wardenburg

16,2%

Hude

16,2%

Hatten

16,2%

Ganderkesee

16,1%

Bruchhausen-Vilsen, SG

16,0%

Grafschaft Hoya, SG

15,9%

Hambergen, SG

15,9%

Niedersachsen

15,7%

Langwedel

15,7%

Delmenhorst, Stadt

15,7%

Harpstedt, SG

15,5%

Schwanewede

15,4%

Achim, Stadt

15,2%

Bassum, Stadt

14,9%

Syke, Stadt

14,9%

Stuhr

14,8%

Bremen, Stadt

14,4%

Oyten

14,4%

Weyhe

14,3%

Lemwerder

13,9%

Lilienthal

13,7%

Worpswede

13,4% 0%

2%

4%

6%

8%

10%

12%

14%

16%

18%

20%

22%

Quelle: Datengrundlage der Bertelsmannstiftung (www.wegweiserdemographie.de)

30


Ausländeranteil 2003 Hambergen, SG

2,2%

Dötlingen

2,8%

Worpsw ede

2,8%

Harpstedt, SG

2,9%

Kirchlinteln

3,0%

Schw anew ede

3,0%

Hatten

3,0%

Wardenburg

3,3%

Hude

3,3%

Berne

3,4%

Grafschaft Hoya, SG

3,5%

Ritterhude

3,6%

Grasberg

3,6%

Ganderkesee

3,7%

Stuhr

3,8%

Thedinghausen, SG

3,9%

Langw edel

4,1%

Oyten

4,2%

Tw istringen, Stadt

4,4%

Weyhe

4,5%

Lilienthal

4,6%

Bassum, Stadt Ottersberg

4,9% 5,2%

Syke, Stadt

5,6%

Großenkneten

5,8%

Bruchhausen-Vilsen, SG

6,5%

Niedersachen

6,7%

Osterh.-Scharmb., Stadt

7,1%

Achim, Stadt

7,2%

Wildeshausen, Stadt

7,8%

Lemw erder

7,9%

Delmenhorst, Stadt

9,1%

Verden, Stadt

10,2%

Bremen, Stadt

0%

13,1%

2%

4%

6%

8%

10%

12%

14%

Quelle: Datengrundlage der Bertelsmannstiftung (www.wegweiserdemographie.de)

31


3.2

Die Stadtteile der Freien Hansestadt Bremen im Demographie-Vergleich anhand von 11 Demographie-Indikatoren – Grafiken

Gesamtmaß der Betroffenheit vom demographischen W andel

1,4

Borgf eld

1,8

Strom Seehausen

1,9

Osterholz

1,9

Huchting

1,9

Oberneuland

2

Obervieland

2,1

Gröpelingen

2,1

Blockland

2,1

V ahr

2,2

Horn-Lehe

2,2

Blumenthal

2,2

Woltmershausen

2,3

Walle

2,3

V egesack

2,3

Häf en

2,3 2,4

Findorf f Schw achhausen

2,5

Östliche V orstadt

2,5

Neustadt

2,5

Hemelingen

2,5

Burglesum

2,5 2,6

Mitte 0

0,5

1

1,5

2

2,5

3

32


Mittelwert der Indikatoren "Bevölkerungsentwicklung" 1

Borgf eld Strom

1,5

Seehausen

1,5

Osterholz

1,5

Obervieland

1,5

Oberneuland

1,5

Horn-Lehe

1,5

Huchting

2

Häf en

2

Woltmershausen

2,5

V egesack

2,5

Hemelingen

2,5

Gröpelingen

2,5

Findorf f

2,5

Blumenthal

2,5

Blockland

2,5

Walle

3

V ahr

3

Schw achhausen

3

Östliche V orstadt

3

Neustadt

3

Mitte

3

Burglesum

3

0

0,5

1

1,5

2

2,5

3

33


Bevölkerungsentw icklung 1996-2003

Borgf eld

37,3%

Seehausen

12,8%

Oberneuland

9,8%

Strom

8,4%

Horn-Lehe

7,6%

Obervieland

5,6%

Findorf f

3,4%

Blockland

2,1%

Huchting

-0,2%

Bremen

-0,7%

Schw achhausen

-0,7%

V ahr

-0,8%

Gröpelingen

-0,8%

Östliche V orstadt

-1,6%

Neustadt

-1,7%

Mitte

-2,1%

Woltmershausen

-2,1%

V egesack

-2,2%

Hemelingen

-2,4%

Burglesum

-2,5%

Walle

-3,2%

Blumenthal

-5,0%

Osterholz

-6,6%

-10%

-5%

0%

5%

10%

15%

20%

25%

30%

35%

40%

Quelle: Datengrundlage des Senators für Bau, Umwelt und Verkehr der Freien Hansestadt Bremen

34


Bevölkerungsentwicklung 2003-2020 Östliche Vorstadt -4,9% Neustadt

-4,7%

Mitte

-4,3%

Schwachhausen

-4,2%

Blockland

-3,9%

W alle

-3,8%

Vahr

-3,7%

Burglesum

-2,9%

Findorff

-2,0%

Gröpelingen

-1,9%

Hemelingen

-1,9%

Vegesack

-1,7%

Seehausen

1,2%

W oltmershausen

1,3%

Blumenthal

1,3% 2,3%

Oberneuland Huchting

3,3%

Obervieland

3,3%

Horn-Lehe

5,1% 8,1%

Osterholz Borgfeld

44,7% 46,1%

Strom -10%

0%

10%

20%

30%

40%

50%

Quelle: Datengrundlage des Senators für Bau, Umwelt und Verkehr der Freien Hansestadt Bremen

35


Mittelwert der Indikatoren "Ältere Mernschen" 1,5

Walle V egesack

1,8

Osterholz

1,8

Neustadt

1,8

Gröpelingen

1,8

Blumenthal

1,8

Blockland

1,8

Woltmershausen

2

V ahr

2

Seehausen

2

Östliche V orstadt

2

Mitte

2

Huchting

2

Horn-Lehe

2

Hemelingen

2

Häf en

2

Borgf eld

2

Strom

2,3

Schw achhausen

2,3

Obervieland

2,3

Findorf f

2,3

Burglesum

2,3 2,5

Oberneuland

0

0,5

1

1,5

2

2,5

3

36


Entwicklung des Anteils der 60-79-Jährigen an der Gesamtbevölkerung 2003-2020

5,5

Östliche Vorstadt

4,6

Mitte Seehausen

2,5 1,8

Obervieland

1,6

Findorff

1,5

Schwachhausen

1,1

Hemelingen

0,8

Gröpelingen

0,6

W oltmershausen

0,4

Neustadt

0,2

Oberneuland

-0,3

Burglesum

-0,3

Blumenthal

-0,4

W alle

-0,5

Borgfeld

-0,6

Vegesack

-1,1

Horn-Lehe

-2,1

Osterholz

-2,6

Blockland

-3,9

Vahr

-4,1

Huchting

-5,2

Häfen Strom

-6,0 -8

-6

-4

-2

0

2

4

6

8

in Prozentpunkten

Quelle: Datengrundlage des Senators für Bau, Umwelt und Verkehr der Freien Hansestadt Bremen

37


Anteil der 60-79-Jährigen an der Gesamtbevölkerung 2020 Häf en

11,0% 17,4%

Neustadt Strom

18,7%

Seehausen

18,8%

Mitte

19,1%

Walle

19,2%

Östliche V orstadt

19,3%

Gröpelingen

19,7%

Borgf eld

20,5%

Hemelingen

20,6%

Osterholz

20,7% 21,1%

Woltmershausen Blumenthal

21,7%

Horn-Lehe

21,8%

Findorf f

21,9%

Huchting

21,9%

V ahr

22,1%

V egesack

22,4%

Blockland

22,9%

Burglesum

23,5%

Obervieland

23,7% 24,3%

Schw achhausen

26,8%

Oberneuland

0%

5%

10%

15%

20%

25%

30%

Quelle: Datengrundlage des Senators für Bau, Umwelt und Verkehr der Freien Hansestadt Bremen

38


Entwicklung des Anteils der über 80-Jährigen an der Gesamtbevölkerung 2003-2020

Häfen

5,7

Oberneuland

5,2 4,8

Strom Burglesum

4,3

Huchting

4,2 4,0

Osterholz Obervieland

3,6

Horn-Lehe

3,6

Blockland

2,9

Blumenthal

2,9

Vegesack

2,8

Vahr

2,6

Borgfeld

2,3

W oltmershausen

2,3

Gröpelingen

2,3

Hemelingen

2,0

Seehausen

2,0

Mitte

1,8

Neustadt

1,6

Findorff

1,6

W alle

1,0

Schwachhausen

0,9 0,5

Östliche Vorstadt 0

1

2

3

4

5

6

in Prozentpunkten

Quelle: Datengrundlage des Senators für Bau, Umwelt und Verkehr der Freien Hansestadt Bremen

39


Anteil der über 80-Jährigen an der Gesamtbevölkerung 2020

Östliche V orstadt

4,9%

Borgf eld

5,3%

Seehausen

5,5%

Mitte

6,1%

Walle

6,3%

Gröpelingen

6,4%

Häf en

6,5%

Hemelingen

6,6%

Woltmershausen

6,6%

Neustadt

6,8%

Strom

7,2%

Blumenthal

7,3%

Obervieland

7,4%

Findorf f

7,5%

Bremen

7,7%

Blockland

7,8%

Osterholz

8,4%

V egesack

8,4%

Schw achhausen

8,5%

Huchting

8,9%

V ahr

9,0%

Burglesum

10,2%

Oberneuland

10,4%

Horn-Lehe

10,6% 0%

2%

4%

6%

8%

10%

12%

Quelle: Datengrundlage des Senators für Bau, Umwelt und Verkehr der Freien Hansestadt Bremen

40


Mittelwert der familienbezogenen Indikatoren Oberneuland

1

Borgf eld

1 1,5

V ahr Schw achhausen

2

Östliche V orstadt

2

Obervieland

2

Huchting

2

Findorf f

2

Walle

2,5

Osterholz

2,5

Neustadt

2,5

Gröpelingen

2,5

Burglesum

2,5

Blumenthal

2,5

Woltmershausen

3

V egesack

3

Strom

3

Seehausen

3

Mitte

3

Horn-Lehe

3

Hemelingen

3

Häf en

3

Blockland

3

0

0,5

1

1,5

2

2,5

3

41


Familienwanderungen (pro 1.000 Ew.)* Neustadt

-7,84

Hemelingen

-6,38

Horn-Lehe

-5,3

Findorff

-3,11

Östliche Vorstadt

-2,85

Mitte

-2,82

Woltmershausen

-2,29

Vegesack

-1,9

Walle

-1,76

Obervieland

-1,69

Huchting

-1,4

Blumenthal

-1,15

Osterholz

-1,12

Häfen

0

Schw achhausen

1,36

Gröpelingen

5,04

Vahr

7,82

Burglesum

-10

8,22

-8

-6

-4

-2

0

2

4

6

8

10

Quelle: Datengrundlage des Senators für Bau, Umwelt und Verkehr der Freien Hansestadt Bremen

* Wanderungssaldo der unter 18-Jährigen und der 30-49-Jährigen.

42


Anteil der Frauen an den 20-34-Jährigen 2003 Strom

37,7%

Blockland

43,1%

Häf en

46,2%

Gröpelingen

46,7%

Mitte

47,2%

Burglesum

47,9%

Hemelingen

48,3%

Horn-Lehe

48,4%

V egesack

48,5%

Seehausen

48,9%

Woltmershausen

49,0%

Osterholz

49,1%

Blumenthal

49,3%

Walle

49,5%

Neustadt

49,8%

Oberneuland

50,3%

Obervieland

50,6%

Huchting

51,0%

V ahr

51,3%

Östliche V orstadt

51,8%

Borgf eld

52,4%

Findorf f

52,8%

Schw achhausen

53,5% 0%

10%

20%

30%

40%

50%

60%

Quelle: Datengrundlage des Senators für Bau, Umwelt und Verkehr der Freien Hansestadt Bremen

43


Mittelwert der Indikatoren "Junge Menschen" Strom

1

Osterholz

1

Huchting

1

Borgf eld

1

Woltmershausen

2

V egesack

2

V ahr

2

Seehausen

2

Obervieland

2

Horn-Lehe

2

Häf en

2

Blumenthal

2

Gröpelingen

2,5

Walle

2,5

Oberneuland

2,5

Hemelingen

2,5

Burglesum

2,5

Blockland

2,5

Schw achhausen

3

Östliche V orstadt

3

Neustadt

3

Mitte

3

Findorf f

3

0

0,5

1

1,5

2

2,5

3

44


Entwicklung des Anteils der unter 18-Jährigen an der Gesamtbevölkerung 2003-2020

0,6

Borgfeld

0,0

V ahr

-0,4

Horn-Lehe

-0,4

Schw achhausen

-0,4

Walle

-0,5

Östliche V orstadt

-0,6

Gröpelingen

-0,6

Huchting

-0,8

Mitte

-0,9

Woltmershausen

-0,9

Neustadt

-1,0

Findorf f

-1,1

V egesack

-1,3

Hemelingen

-1,4

Häfen

-1,4

Oberneuland

-1,5

Blumenthal

-1,6

Burglesum

-1,6

Blockland

-1,7

Osterholz

-1,8

Strom

-1,9

Obervieland

-8,4 -9

-8

-7

-6

-5

-4

Seehausen

-3

-2

-1

0

1

in Prozentpunkten

Quelle: Datengrundlage des Senators für Bau, Umwelt und Verkehr der Freien Hansestadt Bremen

45


Anteil der unter 18-Jährigen an der Gesamtbevölkerung 2020 Mitte

8,3%

Östliche V orstadt

11,3%

Schw achhausen

11,5%

Häf en

11,7%

Neustadt

11,8%

Findorf f

12,3%

Horn-Lehe

13,8%

Blockland

15,0%

Walle

15,1%

Burglesum

15,2%

Woltmershausen

15,5%

Oberneuland

15,6%

V ahr

15,6%

Hemelingen

15,8%

V egesack

16,1%

Seehausen

16,8% 17,3%

Obervieland Blumenthal

18,0%

Huchting

18,1%

Osterholz

18,3%

Strom

18,4%

Gröpelingen

18,7%

Borgf eld

22,0% 0%

5%

10%

15%

20%

25%

Quelle: Datengrundlage des Senators für Bau, Umwelt und Verkehr der Freien Hansestadt Bremen

46


Ausländeranteil 2003 Strom

1,5%

Blockland

2,0%

Seehausen

3,4%

Borgfeld

3,7%

Oberneuland

5,0%

Schwachhausen

6,7%

Burglesum

9,0%

Findorff

9,7%

Horn-Lehe

10,5%

Östliche Vorstadt

11,0%

Obervieland

11,1%

W oltmershausen

11,1%

Blumenthal

12,1%

Vegesack

13,5%

Huchting

13,7%

Hemelingen

14,6%

W alle

15,4%

Neustadt

15,5%

Vahr

16,6%

Osterholz

16,9%

Mitte

17,5%

Gröpelingen

22,8%

Häfen

32,4%

0%

5%

10%

15%

20%

25%

30%

35%

Quelle: Datengrundlage des Senators für Bau, Umwelt und Verkehr der Freien Hansestadt Bremen

47


4 Fallstudie Achim 4.1 Konzeption der Fallstudie Die Fallstudie der Stadt Achim im Rahmen der o. g. Praxisstudie ist gegliedert in vier Bausteine: Sie startet mit der Beschreibung der Ausgangslage, formuliert anschließend die Problemlagen und Herausforderungen, hebt Gute Beispiele in einem dritten Baustein hervor und schließt ab mit Handlungsoptionen in Bezug auf Wohnungsmarkt, Baulandentwicklung und soziale Infrastrukturplanung. Angesichts der Fülle des zugrunde liegenden Daten- und Informationsmaterials und zur besseren Lesbarkeit werden die wichtigen Informationen zu prägnanten Aussagen verdichtet und mit Text und Grafik belegt.

4.2 Ortsteile in der Übersicht Die Stadt Achim setzt sich aus insgesamt 9 Ortsteilen zusammen. Der Kernortsteil Achim ist der mit Abstand einwohnerstärkste Ortsteil mit über einem Drittel der 31.852 Einwohner (2006) von Achim. Als nächstgrößter Ortsteil folgt das im Osten gelegene Baden mit ca. 20 % Einwohnern, Uesen, Uphusen und Bierden sind nächstgrößere Ortsteile, die zwischen 8 und 12 % der Achimer Bevölkerung aufweisen. Darüber hinaus hat Achim noch die kleinen Ortsteile Embsen, Badenermoor, Borstel und Bollen mit Einwohnerzahlen unter 1000. Im Rückblick der letzten 10 Jahre ist die Gesamtbevölkerungsentwicklung der Stadt Achim maßgeblich vom Ortsteil Uphusen beeinflusst worden: Der unmittelbar an Bremen grenzende Ortsteil ist zwischen 1998 und 2006 um über 600 Einwohner (17,2 %) gewachsen, während alle anderen Ortsteile Stagnation der Bevölkerung aufwiesen.

4.3 Ausgangslage Achims Demographieprofil ist: Geringe Bevölkerungsdynamik und überdurchschnittliche Alterungsprozesse! Achim nimmt beim Vergleich der fünf demographischen Faktoren (Bevölkerungsentwicklung, Ältere Menschen, Familien, Junge Menschen und Migration) mit allen Gemeinden des Kommunalverbundes eine untere Rangposition ein. Achims Bevölkerungsdynamik ist im regionalen Vergleich unterdurchschnittlich, insbesondere in dem Vergleichszeitraum zwischen 1996 und 2003, der auch die Basis für die Bevölkerungsprognose 2020 darstellt. Gleichzeitig liegen die Bevölkerungsanteile der über 65-Jährigen und der über 80-Jährigen an der Gesamtbevölkerung schon heute im regionalen Vergleich relativ hoch, Familienwanderungen und Fertilitätsindikatoren liegen regional verglichen dagegen im unteren Drittel. Der Anteil von Ausländern an der Gesamtbevölkerung ist wiederum im Vergleich zu den vielen kleineren suburbanen und ländlichen Gemeinden in der Region hoch.

Abbildung 4.1: Mittelwerte der Demographie-Indikatoren - Achim 1

1,5

2

2,5

3

Bevölkerungsentwicklung

Ältere Menschen

Familien

Junge Menschen

Migration

Quelle: eigene Berechnungen

48


Zusammenfassend weist Achim ein demographisches Profil geringer Bevölkerungsdynamik und fortgeschrittener Alterung auf, das Handlungsbedarf in Bezug auf Anpassungsmaßnahmen z. B. im Bereich von Immobilien- und Grundstücksmarkt sowie sozialer Infrastrukturangebote vermuten lässt.

Achims Bevölkerungsdynamik war um das Jahr 2000 von Rückgang geprägt, seit 2002 wächst die Einwohnerzahl wieder moderat! Mit Bevölkerungsverlusten zwischen 1998 und 2001 weist die Stadt Achim als Kommune, die unmittelbar an eine Kernstadt angrenzt und daher tendenziell von Stadtrandwanderungsgewinnen profitiert, eine Besonderheit auf. Zwischen 2002 und 2006 – in Zeiten, in denen das hohe Bevölkerungswachstum der Umlandgemeinden von Bremen bereits abgenommen hat – nimmt die Einwohnerzahl in Achim wiederum um 2,2 % zu. Im Vergleich mit anderen Umlandgemeinden ist damit in Achim in den letzten 10 Jahren eine Entwicklung mit jeweils umgekehrten Vorzeichen zu beobachten. Worin liegt das begründet?

Abbildung 4.2: Bevölkerungsentwicklung Achim gesamt 1998-2006 Bevölkerungsentwicklung Achim gesamt 1998-2006 32000 31800 31600 31400 31200 31000 30800 1998

1999

2000

2001

2002

2003

2004

2005

2006

Quelle: Stadt Achim, 2006

49


Das geringe Baulandangebot Ende der 1990er Jahre scheint für diese Bevölkerungsentwicklung mit verantwortlich zu sein.

Abbildung 4.3: Fertigstellung von Wohngebäuden in Achim 1996-2005 Fertigstellung von Wohngebäuden in Achim 1996-2005 120 100 80 60 40 20 0 1996

1997

1998

1999

2000

Wohngebäude mit 1 und 2 Wohneinheiten

2001

2002

2003

2004

2005

Wohngebäude mit 3 und mehr Wohneinheiten

Quelle: Stadt Achim, 2006 Die Anzahl der Baufertigstellungen ist bei vorliegender Nachfrage ein Hinweis auf Verfügbarkeit von Bauland. In den meisten Gemeinden der Region Bremen hat die Bautätigkeit seit 2000 spürbar nachgelassen, was sich in geringerer Anzahl von Baufertigstellungen niederschlägt. Anders in Achim: Hier haben die Baufertigstellungen bei Wohngebäuden mit einer oder zwei Wohneinheiten zwischen 2000 und 2004 deutlich zugenommen. Dies dürfte auf die offensivere Baulandpolitik der Stadt Achim seit 2000 zurückzuführen sein.

Das größere Baulandangebot hat vermutlich nicht nur mehr Zuzüge hervorgerufen, sondern auch weniger Fortzüge bewirkt! Die Einwohnerentwicklung ist maßgeblich bestimmt durch das Wanderungsgeschehen, da in Achim wie in der Mehrzahl der deutschen Kommunen die natürliche Bevölkerungsentwicklung negativ ist. Das Wanderungsgeschehen seit 2000 – also dem Jahr, seit dem die Einwohnerzahl in Achim zugenommen hat – ist geprägt von zunehmenden Zuzügen und abnehmenden Fortzügen. Insbesondere die Fortzüge haben kontinuierlich um insgesamt 200 zwischen 2000 und 2004 abgenommen. Die Vermutung liegt nahe, dass das vermehrte Baulandangebot nicht nur Neubürger angezogen hat, sondern besonders auch Achimer von der Abwanderung aus Achim abgehalten hat.

50


Abbildung 4.4: Zuzüge nach und Fortzüge aus Achim 2000-2004 Zuzüge Fortzüge 2000

1527

1647

2001

1658

1668

2002

1725

1585

2003

1623

1522

2004

1657

1427

Quelle: Niedersächsisches Landesamt für Statistik, 2006

Zwischen Achim und den östlichen Bremer Stadtteilen findet ein reger Bevölkerungsaustausch statt. Die Zuzüge von Bremen nach Achim und die Fortzüge von Achim nach Bremen machen ca. ein Drittel aller Fort- und Zuzüge Achims aus. Die Stadt Bremen ist damit die Kommune mit den intensivsten Wanderungsbeziehungen zu Achim. Eine kleinräumige Analyse der Wanderungsbewegungen zwischen Achim und den Bremer Stadtteilen zeigt, dass der größte Teil der Zuzüge nach Achim aus den benachbarten Stadtteilen Hemelingen und Osterholz kommt, gleichzeitig aber auch ein erheblicher Teil der Fortzüge als Ziele die benachbarten Stadtteile hat. In welchem Maß dieser Befund durch Wanderungen im Geschosswohnungsbau zwischen z. B. Osterholz-Tenever und dem Magdeburger Viertel in Achim geprägt ist und in welchem Maße durch Nachfrager nach Einfamilien- und Reihenhäusern oder Eigentumswohnungen, kann auf der Basis dieser Datenlage nicht geklärt werden.

Abbildung 4.5: Abwanderungen aus Achim nach Bremen 2000-2005 Abwanderungen aus Achim nach Bremen 2000 - 2005 432

Hemelingen

262

Osterholz

236

Neustadt

218

Schwachhausen

152

Östliche Vorstadt

132

Findorff

109

Mitte

104

Walle

102

Vahr

95

Gröpelingen

94

Horn-Lehe

79

Obervieland

68

Oberneuland, Ortsteil

50

Huchting Vegesack

42

Woltmershausen

40 38

Burglesum

31

Blumenthal

17

Borgfeld

3

Blockland, Ortsteil

3

Seehausen, Ortsteil Strom, Ortsteil

0

Häfen

0

0

100

200

300

400

500

Quelle: Statistisches Landesamt Bremen, 2006

51


Abbildung 4.6: Zuwanderungen nach Achim aus Bremen 2000-2005 Zuwanderungen nach Achim aus Bremen 2000 - 2005 755

Hemelingen

485

Osterholz Neustadt

187

Vahr

186 182

Schwachhausen

146

Östliche Vorstadt

115

Findorff

105

Walle

103

Horn-Lehe

86

Gröpelingen

83

Obervieland

71

Huchting

70

Mitte

64

Oberneuland, Ortsteil

57

Woltmershausen

51

Burglesum

46

Vegesack

36

Blumenthal

14

Borgfeld

1

Blockland, Ortsteil Häfen

1

Strom, Ortsteil

0 0

Seehausen, Ortsteil

0

200

400

600

800

Quelle: Statistisches Landesamt Bremen, 2006

Bis 50-Jährige prägen das Wanderungsgeschehen zwischen Achim und Bremen: Bei 30 bis 50-Jährigen und unter 18-Jährigen gewinnt Achim, bei 18 bis 29Jährigen verliert Achim. Die Analyse der Wanderungen zwischen Achim und Bremen nach Altersgruppen zeigt, dass über 50-Jährige an diesem Wanderungsgeschehen quantitativ nur eine geringe Bedeutung haben. Dies ist u. a. auch darauf zurückzuführen, dass die Umzugsmobilität in diesen Altersgruppen allgemein geringer ist als in jüngeren Altersgruppen. Auffallend ist, dass Achim in den Altersgruppen „über 50 Jahre“ leichte Wanderungsgewinne gegenüber Bremen verzeichnet. Die höchste Bedeutung im Wanderungsgeschehen haben die Altersgruppen 18 bis 29 und 30 bis 49 Jahre, gefolgt von Kindern und Jugendlichen. Hinter dieser Wanderungsstatistik dürften sich die unterschiedlichsten Umzugsmotive und Wohnwünsche verbergen: So dürften bei den 30 bis 49-Jährigen viele Eltern mit Kindern sein, die in Achim Eigentum bilden, denkbar ist dies aber auch bei den Abwandernden, die von Achim nach Osterholz oder Hemelingen wandern. Sicherlich spielen in der Altersgruppe aber auch Singles oder Paare eine Rolle, deren Arbeitsstellen vielleicht zu Achim günstig liegen oder die in schöner Wohnlage an der Weser bei gleichzeitig guter Versorgungssituation wohnen wollen. Bei den 18 bis 29-Jährigen dürfte das ähnlich vielgestaltig sein: Es handelt sich bei dieser Gruppe nicht nur um Ausbildungswanderer, die von Achim in zentrale Viertel von Bremen ziehen, sondern offensichtlich auch um viele in dieser Altersgruppe, die aus dem Bremer Osten nach Achim ziehen oder aus Achim nach Osterholz oder Hemelingen. Diese Datenanalyse kann keine Antworten über diese Gruppen liefern, sehr wohl aber lehren die richtigen Fragen zu stellen, so z. B.:

52


• In welchem Ausmaß ziehen Familien mit Kindern auch von Achim in Bremische Nachbarstadtteile Osterholz und Hemelingen? Wenn ja, welche Rolle spielt dabei das Angebot von Gebrauchtimmobilien? • Welche Motive weisen 18-29-Jährige auf, die von Bremen nach Achim ziehen? • Warum ziehen so viele 18-29-Jährige von Achim in die benachbarten Stadtteile Hemelingen und Osterholz?

Abbildung 4.7: Wanderungsbeziehungen Achims mit Bremen 2000-2005 Wanderungsbeziehungen Achims mit Bremen 2000 - 2005

80+

-18

49

Abwanderungen

Zuwanderungen

60-79

-102

50-59

1028

-733

-993

<18

-1.500

143

-131

30-49

18-29

141

970

-330

-1.000

-500

513

0

500

1.000

1.500

Quelle: Statistisches Landesamt Bremen, 2006

Achim verzeichnet anhaltende Wanderungsverluste an kleinere Umlandgemeinden. Eine nach Nachbargemeinden differenzierte Wanderungsstatistik liegt der Stadt Achim nicht vor. Vor diesem Hintergrund können für die Analyse des Wanderungsgeschehens zwischen Achim und seinen kleineren Nachbargemeinden im Landkreis Verden nur Daten der Nachbarkommunen verwandt werden. Die Wanderungsstatistik des Landkreises weist darauf hin, dass insbesondere die Gemeinden Langwedel und Thedinghausen in vergleichbarer Größenordnung starke Wanderungsgewinne in den letzten 10 Jahren zu verzeichnen haben. Für Langwedel liegt den Gutachtern eine differenzierte Datenlage nicht vor, sehr wohl aber für Thedinghausen: Hier zeigt sich, dass mit Ausnahme von 2002 seit 1996 anhaltend Wanderungsverluste der Stadt Achim gegenüber Thedinghausen bestehen. Diese Wanderungsverluste haben sich aber verringert. Eine Analyse der Zuzüge aus Achim nach Thedinghausen zeigt aber, dass diese seit 10 Jahren zwischen 75 und 125 Zuzügen pro Jahr liegen und nach starkem Rückgang bis 2001 wieder schrittweise gewachsen sind. Der Grundstücksmarktbericht 2005 für den Landkreis Verden (S. 10) liefert mit seiner Darstellung des Baulandangebotes in den kreisangehörigen Gemeinden einen Hinweis auf die Bedeutung des Baulandangebotes für diese Wanderungen: Nach Angaben der Gemeinden standen in der Stadt Achim zum 31.12.2004 155 voll erschlossene

53


Baugrundstücke zur Verfügung, im Vergleich dazu 325 Baugrundstücke in Thedinghausen. Die Ermittlung des mittleren Grundstückspreises für individuellen Wohnungsbau im Grundstücksmarktbericht 2005 gibt weitere Hinweise: In Achim wurde ein Durchschnittspreis von 135 EUR/qm ermittelt, in Langwedel von 102 EUR/qm und in Thedinghausen von 58 EUR/qm.

Abbildung 4.8: Zuzüge nach Thedinghausen aus Achim 1996-2005 Zuzüge nach Thedinghausen 1996-2005 140 120 100 80 60 40 20 0 1996

1997

1998

1999

2000

2001

2002

2003

2004

2005

Achim

Quelle: Samtgemeinde Thedinghausen, 2006

Die kleinräumige Bevölkerungsentwicklung bildet die Baulandentwicklung der letzten Jahre ab: Bevölkerungsgewinne weist insbesondere das in unmittelbarer Nachbarschaft zu Bremen liegende Uphusen auf. Im regionalen Vergleich verzeichnet die Stadt Achim in den letzen 10 Jahren, insbesondere in dem in dieser Studie beim Regionalvergleich zugrunde gelegten Zeitraum 1996 bis 2003, eine weit unterdurchschnittliche Bevölkerungsdynamik. Nach kurzzeitigem Einwohnerrückgang sind allerdings seit 2002 wieder Bevölkerungszuwächse zu beobachten. Diese Zuwächse sind allerdings fast ausschließlich auf die Zuwächse im Bremen-nahen Ortsteil Uphusen zurück zu führen. Zwischen 1998 und 2006 ist die Bevölkerung Uphusens um 17,2 % angestiegen, während die anderen großen Ortsteile weitgehend Stagnation zu verzeichnen haben. Einen wichtigen Einflussfaktor dieser Entwicklung stellt die langjährige Konzentration der Baulandpolitik auf Uphusen dar.

Abbildung 4.9: Einwohner der Stadt Achim nach Ortsteilen 2006 Uphusen 3.627

Achim 12.261

Baden 6.398

Badenermoor 631

Bierden 2.972

Bollen 216

Borstel 424

Embsen 912

Uesen 4.411

Quelle: Stadt Achim, 2006

54


Abbildung 4.10: Prozentuale Entwicklung der Stadtteile Achims 1998-2006 Prozentuale Entw icklung de r Stadtteile Achim 1998-2006 20%

17,7% 14,9%

15%

10% 6,4% 5% 1,0%

0,6% 0% -0,9%

-1,0% -2,5% -5%

en

n U

ph

us

l le Bo

bs en Em

n de er Bi

en U

es

n de Ba

bs t se l hi m Ac

Ba

de

ne

Bo

rm

rs

oo

te

r

l

-4,1%

Quelle: Stadt Achim, 2006

Wohnangebote in Mehrfamilienhäusern sind nicht irrelevant für den Gesamtmarkt. Bei den Baugenehmigungen für Wohngebäude dominieren in allen deutschen Städten und Gemeinden, insbesondere aber auch in Stadtrandlagen und im ländlichen Raum Einfamilienhäuser, gefolgt von Doppel- und Reihenhäusern. Eine Differenzierung der Baugenehmigungsstatistik nach Wohneinheiten zeigt, dass in Achim die Bedeutung von genehmigten Wohneinheiten in Mehrfamilienhäusern groß ist und im Vergleich zu Genehmigungen für Einfamilienhäuser über die letzten 10 Jahre relativ konstant. Vertiefendere Aussagen, um welche Wohnprodukte es sich bei den Baugenehmigungen in Mehrfamilienhäusern handelt, lässt diese Statistik nicht zu. Es liegt die Vermutung nahe, dass es sich bei diesen Wohneinheiten mehrheitlich um Eigentumswohnungen handelt, die als Einzelgebäude mit 4 bis höchstens 8 Wohneinheiten erstellt werden.

55


Abbildung 4.11: Wohneinheiten nach Gebäudetyp in Achim 1995, 2000, 2005 80 70 60 50

Einfamilienhaus Doppelhaus

40

Reihenhaus Mehrfamilienhaus

30 20 10 0 1995

2000

2005

Wohneinheiten

Quelle: Stadt Achim, 2006

Der Altersstrukturaufbau der Ortsteile unterscheidet sich deutlich. Die einzelnen Ortsteile von Achim haben je spezifische Altersstrukturprofile, die auf unterschiedliche Qualitäten von Wohnraumnachfrage, aber auch Nachfrage nach sozialer Infrastruktur schließen lassen. Beispielhaft soll das an den Ortsteilen Achim und Uphusen erläutert werden: Während beim Ortsteil Achim die hohen Einwohneranteile in den Altersgruppen von Mitte 30 bis 70 Jahren besonders auffallen, besitzen in Uphusen die 30 bis 50-Jährigen und die unter 10-Jährigen eine überdurchschnittliche Rolle. Hier spiegeln sich die Unterschiede in den Zuzügen in den letzten 10 Jahren in besonderer Weise wider.

56


Abbildung 4.12: Altersstruktur Ortsteil Achim 2006 Altersstruktur Ortsteil Achim

96 91 86 81 76 71 66 61 56 51 46 41 36 31 26 21 16 11 6 1

Quelle: Stadt Achim, 2006 Abbildung 4.13: Altersstruktur Ortsteil Uphusen 2006

Altersstruktur Ortsteil Uphusen 97 91 85 79 73 67 61 55 49 43 37 31 25 19 13 7 1

Quelle: Stadt Achim, 2006

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Die Anzahl der Grundschüler nimmt in den nächsten Jahren ab. Uesen und Baden sind in besonderer Weise von Rückgängen der Grundschüler betroffen. Vergleichbare Entwicklungen sind für Kindergartenkinder zu erwarten. Die Stadt Achim verfügt über sechs Grundschulen in ihren Ortsteilen. Die Fortschreibung der Entwicklung der Grundschülerzahlen zeigt, dass die Anzahl in Achim in den nächsten sechs Jahren um ca. 170 Schüler und damit fast 15 % abnehmen wird. Die Betroffenheit einzelner Grundschulen von dieser Entwicklung unterscheidet sich aber deutlich. So ist davon auszugehen, dass die Anzahl der Grundschüler in Uphusen noch um knapp 10 % steigen kann, während in Uesen und Baden die Schülerzahlen um 30 % bzw. 20 % zurückgehen werden, was die Anzahl der Züge beeinflussen wird.

Abbildung 4.14: Anzahl der Grundschüler in Achim 2005/06 bis 2011/12 Schuljahr AstridGS GS GS GS GS Lindgren- Paulsberg Baden Bierden Uesen Uphusen Schule

GS gesamt

2005/06

207

181

286

142

283

149

1.248

2006/07

197

174

286

125

272

150

1.204

2007/08

177

177

270

119

248

152

1.143

2008/09

182

170

269

118

224

155

1.118

2009/10

179

181

261

122

210

155

1.108

2010/11

192

180

250

132

204

165

1.123

2011/12

184

171

229

136

196

162

1.078

Quelle: Stadt Achim, 2006 Eine Vorausschätzung der Nachfrage nach Kindergartenplätzen nach Ortsteilen bzw. Einrichtungen liegt den Gutachtern nicht vor. Nach Sichtung des Altersstrukturaufbaus der Ortsteile ist aber davon auszugehen, dass die für Grundschulen konstatierten Veränderungen in der Richtung auch für die Kindergärten zutreffen.

4.4 Problemlage und Herausforderungen Die Einwohnerentwicklung Achims war seit den 1960er bis Ende der 1970er Jahre durch starkes Wachstum geprägt. In den 1980er und 1990er Jahren wuchs die Einwohnerzahl moderat mit Stagnationsphasen Anfang der 1980er Jahre und um 2000. Seit 2002 stieg die Einwohnerzahl wieder. Dieser Anstieg steht im Zusammenhang mit dem Baulandangebot der Kommune. Ende der 1990er Jahre stand kaum Bauland zur Vermarktung zur Verfügung, weshalb die Wanderungsbilanz negativ ausfiel, ab 2002 stand Bauland zur Verfügung und führte zu Bevölkerungswachstum, gespeist durch Abnahme von Abwanderungen und Zunahme von Zuwanderungen. Wanderungsgewinne wiederum sind ausgeprägt in den Altersstufen der 30 bis 50-Jährigen, der unter 18Jährigen und in geringerem Ausmaß aber kontinuierlich auch der über 50-Jährigen. Die Wanderungen erfolgen kleinräumig: Zu- und Fortzüge entfallen in hohem Maße auf drei benachbarte Bremer Stadtteile und auf benachbarte Kommunen mit günstigem Bauland wie Thedinghausen, wo Preise für Bauland ca. ein Drittel von Achimer Preisen ausmachen. Die innergemeindlichen und übergemeindlichen Zuwanderungen der letzten Jahre scheinen sich auf den Ortsteil Uphusen konzentriert zu haben, was dessen Rolle als alleiniger „Wachstumsmotor“ der Gemeindeentwicklung herausstellt. Damit hängen

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dann auch die Auslastungen und Auslastungsvorausschätzungen für soziale Infrastruktureinrichtungen in den Ortsteilen zusammen: Während der Bedarf an Kindergartenplätzen und Grundschulplätzen in Uphusen kurzfristig noch zunimmt, sind in den Ortsteilen Uesen und Baden Rückgänge der Nachfrage zu erwarten. Mit der Baulandmobilisierung durch Konversion militärischer Liegenschaften in Uesen und dem Gebiet Lahof in Baden sind diese Vorausschätzungen allerdings insofern zu relativieren, als sie - abhängig von der derzeit schwer abschätzbaren Nachfrage - neue Impulse für die Auslastung bieten können. Grundsätzlich ist die Datenlage zu Fragestellungen des demographischen Wandels in der Stadt Achim ungünstiger als in den anderen drei Fallstudienkommunen. Ein auf Kontinuität angelegtes Monitoringsystem, das z. B. die Wanderungen nach Ortsteilen und Altersgruppen differenziert, existiert nicht, auch nicht eine kontinuierliche Berichterstattung über die Vorausschätzung der Nachfrage nach Kindergarten- und Grundschulplätzen in den Ortsteilen. Mit der Vergabe eines Gutachtens zur Abschätzung der Bevölkerungs- und Gemeinbedarfs-, Wohnraum- und Baulandnachfrageentwicklung ist in dieser Richtung ein wichtiger Schritt unternommen, der aber nur eine punktuelle Bestandsaufnahme darstellen wird. Angesichts der Kleinräumigkeit demographischer Prozesse und deren Abhängigkeit von u. a. konjunkturbedingter Nachfrage wird es wichtig sein, eine kontinuierliche kleinräumige Berichterstattung aufzubauen. Die Kommune Achim steht vor folgenden Herausforderungen im Kontext ihrer demographischen Entwicklung: • Die aktuelle Informationslage über relevante demographische Prozesse ist suboptimal für Entscheidungen über weitergehende kommunale Strategien. Es fehlen u. a. Kenntnisse über die Qualitäten der Nachfragestruktur von Zu- und Abwanderern aus und in Nachbarstadtteile und Nachbarkommunen. Diese Kenntnisse sind nicht ausschließlich über statistische Daten zu generieren, sondern müssten von im Immobilien- und Grundstückmarkt aktiven Experten wie Makler und Bauträger systematisch gewonnen werden. • Der infrastrukturell best ausgestattetste, zentral gelegene Ortsteil Achim (selbst) hat in der Vergangenheit an Einwohnern verloren, während Uphusen alleiniger Wachstumsmotor war. Die Kommune wird sich bei zu erwartender abnehmender Nachfrage auf dem Bauland- und Wohnungsmarkt die Frage stellen müssen, wie eine stärkere Konzentration auf zentrale Standorte der fünf großen Ortsteile gelingen kann. • Die Baulandpolitik von Achim konzentrierte sich bislang stark auf das Segment der Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser, obwohl schon in der Vergangenheit an der Baufertigstellungsstatistik ablesbar war, dass auch der Mehrfamilienhausbau eine wichtige Rolle spielt. Die Nachfrage nach Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäusern wird in der Zukunft nachlassen, weil die Altersgruppe der Familiengründer, die den Hauptteil der Nachfrager in der Vergangenheit bildete, in ihrer Anzahl deutlich abnehmen wird. Daher ist für Achim zu klären, welche anderen Angebotssegmente dazu dienen können, Einwohner in Achim zu halten und neue hinzu zu gewinnen. • Hinzu kommt u.U. die notwendige Anpassung von Kindergarten- und Schulangeboten an veränderte Nachfrage insbesondere in den Ortsteilen Uesen und Baden.

59


4.5

Gute Ansätze • Bündnis für Familie: Das „Achimer Bündnis für Familie“ ist eine Initiative der Kommune, familienorientierte Ansätze und Angebote verschiedener Träger und ehrenamtliche Aktiver zu unterstützen und zusammenzuführen. Das Bündnis wurde im November 2005 gegründet und erfreut sich großer Resonanz, was u. a. eine mit über 100 Personen besuchte Jubiläumsveranstaltung zum ersten Jahr des Bestehens im November 2006 widerspiegelt. Vom Bündnis für Familie wurden während des einjährigen Bestehens folgende Aktivitäten entwickelt: Ferienangebote für Grundschulkinder, Angebote für Eltern mit Kleinkindern, Großelterndienste, Unternehmensbefragung zur Kinderbetreuung, Spielplatzpaten, Broschüre „Familien in Achim – Wer – Was –Wo“ (http://www.achim.de/images/dld/1172006_1255_Achim_wer-wo-was.pdf)

• Bürgerschaftliches Engagement: Freiwilligenagentur Die Initiierung bürgerschaftlichen Engagements - in einer alternden Gesellschaft von zunehmender Bedeutung - wird in Achim systematisch vorangetrieben. So besteht in Achim eine von der Kommune koordinierte Freiwilligenagentur. Unter diesem Dach wird u. a. das Bündnis für Familie gesteuert. Weitere Aktivitäten sind u. a.: der Achimer Ehrenpreis, die Achimer Bürgerstiftung, NeubürgerInnenpaten sowie weitere Aktivitäten für Kinder und Jugendliche sowie Senioren.

60


• Neue Qualitäten des Wohnangebots im Wohnungsneubau: Die Stadt Achim bietet derzeit in Zusammenarbeit mit Bauträgern sieben Standorte für Wohnungsneubau an. An drei dieser Standorte werden neben Einfamilien- und Doppelhäusern auch Angebote in Mehrfamilienhäusern geboten. So werden im Wohnpark „Auf den Höfen“ in Uphusen seniorengerechte Wohnungen in Gebäuden mit vier Wohneinheiten angeboten, im Wohnquartier an der Achimer Marsch in unmittelbarer Nähe zur Innenstadt Achims bietet der Bauträger ebenfalls seniorengerechte Wohnungen mit Service an. Es handelt sich dabei um neue Qualitäten des Wohnungsneubaus und es bleibt abzuwarten, welche Erfahrungen die Bauträger mit diesen Produkten machen.

Abbildung 4.15: Wohnpark "Auf den Höfen"

Quelle: www.reiners-projektentwicklung.de

4.6 Handlungsoptionen Bei der Bewältigung des demographischen Wandels gibt es nicht „den Königsweg“ kommunalen Handelns. Die Kommunen müssen ihre demographische Struktur und die zu erwartende Entwicklung analysieren und auf der Basis dieser Analyse Handlungsziele für die Zukunft formulieren. So ist beispielsweise bei einer demographischen Struktur wie der der Gemeinde Achim denkbar, den im Regionalvergleich fortgeschrittenen Alterungsprozess als Profilierungsargument einzusetzen, attraktive Angebote für die Gruppe der über 50-Jährigen für ihren „Lebensabend“ in Achim weiterzuentwickeln und damit noch mehr, meist kaufkräftige sog. Best-Agers zu umwerben. Genauso überzeugend kann sein, durch eine gezielte Familienpolitik dem Trend abnehmender Kinder- und Jugendzahlen entgegen zu wirken. Erster Schritt auf dem Weg zu einer Handlungsstrategie Achims bezogen auf den demographischen Wandel sollte eine Klärung des Zukunftsleitbildes sein. Im Rahmen eines solchen Klärungsprozesses müsste die Kommune Positionsbestimmungen zu u.a. folgenden Fragestellungen vornehmen: • Welche Zielgruppen sollen im Mittelpunkt einer mittelfristigen Wohnstandortstrategie stehen? • Welche Standorte sollen im Mittelpunkt einer mittelfristigen Wohnstandortstrategie stehen? • In welchem Verhältnis soll Innen- und Außenentwicklung bei dieser Strategie stehen?

61


Vor dem Hintergrund unterschiedlicher Handlungsmöglichkeiten werden an dieser Stelle Handlungsoptionen formuliert, über deren Einsatz als Einzelmaßnahme oder auch in Kombination mehrerer Ansätze die kommunalen Entscheidungsträger im Sinne des aus ihrer Sicht richtigen Leitbildes beraten müssen. Die Handlungsoptionen für die Gemeinde Achim betreffen die vier Ebenen „Informationsgrundlagen“, „Zielgruppen“, „Siedlungstypen“ und „soziale Infrastruktureinrichtungen“ und werden im Folgenden getrennt dargestellt:

Informationsgrundlagen: • Monitoring-System aufbauen: Die Ergebnisse zeigen, dass sich zahlreiche Aspekte demographischer Entwicklung kurzfristig durch strukturelle Nachfrageoder Angebotsverschiebungen ändern können und sich gleichzeitig sehr kleinräumig differenzieren. Aus diesem Grund scheint es wichtig, kleinräumig demographische Daten in mindestens jährlichem Turnus aufzubereiten, um allgemeine Änderungen des Marktes wahrnehmen und die Wirkung kommunaler Strategien überprüfen zu können. Viele dieser Daten dürften vorliegen und müssten nur systematisch zusammengeführt werden oder aber mit geringem Aufwand vom Status der Rohdaten in eine Auswertungsroutine überführt werden. Hier wäre ein Koordinator innerhalb der Verwaltung zu bestimmen, der diese Daten von einzelnen Verwaltungsstellen anfordert, sammelt und regelmäßig aufbereitet. Eine solche Koordinationsstelle könnte beim Einwohnermeldeamt oder auch beim Stadtplanungsamt angesiedelt sein. Ein jährlicher „Demographiebericht“ könnte Anlass sein, diese Daten systematisch aufzubereiten und zu interpretieren. • Netzwerk lokaler Grundstücks- und Immobilenexperten aufbauen: Die Kommune bedient sich Marktakteuren bei der Vermarktung von Bauland, eigene Vermarktung wird nicht vorgenommen. Im Immobilienbereich ist die Kommune überhaupt nicht aktiv. Um die Erfahrungen der Marktakteure (Bauträger, Makler) und deren unmittelbare Marktkenntnisse in kommunalpolitische Strategien einbinden zu können, erscheint es sinnvoll, die lokalen Experten z. B. zweimal jährlich zu einem systematisch vorbereiteten Erfahrungsaustausch einzuladen. Ein solches Netzwerk dient der Bestandsaufnahme aktueller Entwicklungen und der Weiterentwicklung von Strategien in Zusammenarbeit mit privaten Akteuren. Zielgruppen: • Ausbildungsabwanderer umwerben: Die Gemeinde kann in Ermangelung von Ausbildungseinrichtungen nur geringen Einfluss auf die Abwanderung der ca. 18-30-Jährigen nehmen. Diese Gruppe, die in der Regel eine hohe Bindung an Achim hat, kann aber als potenzielle Rückwanderungsgruppe in späteren Lebensphasen betrachtet werden. Indem diese Abwanderungsgruppe nach Abmeldung beim Einwohnermeldeamt z. B. ein Schreiben des Bürgermeisters bekommt, in dem dokumentiert wird, dass sich die Gemeinde über eine Rückkehr in einer späteren Lebensphase freuen würde, könnte die Rückkehr erleichtert werden. Auch die Unterstützung bei Klassentreffen o. ä. kann die Verbindung der Kommune zu „ihren“ Kindern halten und deren Rückkehr erleichtern. • Neubürger bei ihrer Integration unterstützen: Die im Rahmen der Freiwilligenagentur koordinierte Initiative „NeubürgerInnenpaten“ scheint ein sinnvoller Ansatz, Neubürgern in Achim schnell das Gefühl einer Heimat zu

62


vermitteln. Die Erfahrungen mit dieser Initiative, deren Besonderheit darin liegt, dass sie von Bürgern und nicht von der Verwaltung getragen wird, sollten regelmäßig für eine Optimierung des Angebotes ausgewertet werden. • Zielgruppenspezifische Wohnprodukte anbieten: Das Baulandangebot von Achim wird nach wie vor vom freistehenden Einfamilienhaus dominiert, schon Doppel- und Reihenhäuser spielen eine untergeordnete Rolle. Eine Analyse der Baugenehmigungsstatistik zeigt aber, dass in Bezug auf Wohneinheiten – und damit auch Einwohner – der Mehrfamilienhausbau eine nicht unbedeutende Rolle auf dem Immobilienmarkt von Achim spielt. Eine Ausweitung der Variationsbreite von Wohnprodukten erscheint im Sinne der Erreichung vieler Zielgruppen sinnvoll. Nun kann die Kommune den Immobilienmarkt formell nur über ihre Bauleitplanung beeinflussen. In Zeiten der Nachfrageschwächung nimmt aber die Rolle der Kommune als Moderatorin und Initiatorin von Immobilienprozessen zu. Da unklar ist, welche Wohnprodukte an einem Standort Interesse wecken könnten, dürfte es Sinn machen, eine Arbeitsgruppe potenzieller Bauträger für neue Wohnprodukte zu initiieren, um als Kommune zusammen mit Marktpartnern Handlungsoptionen auszuloten. Mit den vermarkteten oder in der Vorvermarktungsphase befindlichen Projekten „Auf den Höfen“ in Uphusen und in der Achimer Marsch in Achim mit barrierefreien Eigentumswohnungen könnten Erfahrungen gesammelt werden, die die Entwicklung weiterer Nischenprodukte befördern könnten. Ein Potenzial stellen sicherlich ältere Menschen aus Achim dar, die ihre großen Gebäude und Grundstücke nicht mehr bewirtschaften können oder wollen sowie Eltern von Kindern, die mit ihren Kindern nach Achim gezogen sind. Ein Potenzial könnten aber auch Einsteigerprodukte für junge Singles und Paare sein. Bezogen auf nachgefragte Produkte ist davon auszugehen, dass bei Geschosswohnungsbau der Form, wie es das Magdeburger Viertel darstellt, tendenziell nachlassende Nachfrage zu erwarten ist, bei Nischenangeboten im Eigentumsmarkt dagegen von Nachfragestärkung auszugehen ist. • Familien mit Bauland umwerben: Das Leitbild des Einfamilienhauses im Grünen hat – nicht nur für Familiengründer – in Deutschland nach wie vor eine hohe Anziehungskraft. Untersuchungen in anderen Regionen, aber auch die vorliegende Studie weisen darauf hin, dass von der insbesondere aus demographischen Gründen abnehmenden Nachfragergruppe der Familiengründer bei anhaltendem Baulandangebot im suburbanen Raum tendenziell Standorte mit guter infrastruktureller Ausstattung bevorzugt werden. Bei der Baulandpolitik gilt es zu berücksichtigen, dass der schon in den letzten Jahren zu beobachtende gesamtregionale Nachfragerückgang nach Einfamilienhausgrundstücken anhalten bzw. sich weiter reduzieren wird. Eine behutsame Angebotspolitik erscheint angeraten, um nicht den lokalen Immobilienmarkt angesichts des zu erwartenden Anstiegs des Verkaufs von Einfamilienhäusern aus den 1960er und 1970er Jahren unter Druck zu bringen. Besonderes Augenmerk sollte bei der Achimer Baulandpolitik auf Familiengründer aus Achim gelegt werden, von denen in der Vergangenheit viele nach Thedinghausen und Langwedel gezogen sind. Sicherlich wird auch mittelfristig ein erhebliches Preisgefälle zwischen Achimer Baugrundstücken und solchen in den Nachbargemeinden liegen, eine durch das „Achimer Bündnis für Familie“ initiierte systematische Ansprache potenzieller Nachfrager könnte vielleicht für viele potenzielle Abwanderer Argumente für den Verbleib in der Gemeinde bieten. • Familien mit Gebrauchtimmobilien umwerben: Der suburbane Standort Achim ist im regionalen Vergleich ein Hochpreisstandort, der es nur kaufkräftigen Eigentumsbildnern erlaubt, Immobilien zu erwerben. In Zukunft werden

63


angesichts der Alterungsprozesse der Eigentümer von Einfamilienhäusern der Suburbanisierungswellen der 1960er und 1970er Jahre die Verkäufe von Gebrauchtimmobilien steigen. Diese Gebrauchtimmobilien werden voraussichtlich in Preiskategorien fallen, die auch weniger kaufkräftigen Bürgern eine Eigentumsbildung in Achim ermöglichen. Die Gemeinde wird sich die Frage stellen müssen, ob sie den Eigentumsübergang solcher Immobilien für eine soziale und bauliche Erneuerung systematisch nutzen will. Dies könnte z. B. durch kommunale Förderprogramme oder spezifische Beratungsansätze für Eigentumsbildner in „alten“ Einfamilienhausgebieten erfolgen.

4.6.1

Handlungsoptionen für Siedlungstypen • Analyse der Veränderungsprozesse in alten Einfamilienhausgebieten: In Achim dominiert als Haustyp das Einfamilienhaus, gefolgt vom Reihen- und Doppelhaus. Die Entwicklung der Dominanz dieses Haustyps begann in diesen Lagen mit Einsetzen der Stadtrandwanderungsprozesse in den 1960er Jahren. Die demographische Entwicklung führt einerseits zum verstärkten Eigentumswechsel, weil viele Ersteigentümer sich aus Altersgründen von der Immobilie trennen (müssen), andererseits nimmt die Hauptnachfragergruppe der Familiengründer ab. Mit einem erhöhten Marktangebot alter Einfamiliehäuser mit teilweise ausgeprägtem Modernisierungsstau wächst die Gefahr der schrittweisen Abwertung von Einfamilienhaussiedlungen der 1960er und 1970er Jahre. Aktuell scheint ein solcher Abwertungsprozess in Achimer Siedlungen dieses Typs noch nicht erkennbar, eine vertiefende Analyse erscheint aber als Frühwarnsystem sinnvoll. Eine mehrphasige Vorgehensweise könnte folgendermaßen aussehen: o Analysephase: Am Beginn steht eine Abschätzung der Gefährdung der Siedlungsgebiete. Mit einer stromzählergestützten Leerstandsanalyse durch das Energieversorgungsunternehmen könnte erhoben werden, ob es bereits Leerstand in bestimmten Siedlungen gibt. Eine Gefährdungsabschätzung für die Zukunft ist möglich durch die Analyse, in welchen Gebäuden nur Einzelpersonen über 65 Jahre gemeldet sind. Dies lässt Rückschlüsse darauf zu, dass diese Häuser in absehbarer Zeit einen Nutzerwechsel erfahren werden. o Vorbereitungsphase: Für den Fall, dass eine Gefährdung bestimmter Siedlungsbereiche konstatiert werden kann, sollte in einer Vorbereitungsphase ein lokales Bündnis von Eigentümern, Kommune, dem Eigentümerschutzverband Haus & Grund, der lokalen Bauwirtschaft und lokaler Kreditinstitute geschmiedet werden, das potenzielle Lösungsansätze für Aufwertungsstrategien solcher Gebietstypen erarbeitet. Mögliche Instrumente solcher Aufwertung können u. a. kommunale Förderprogramme, spezifische Beratungsangebote für Fördermittel oder zinsgünstige öffentliche Kredite und spezifische Angebote der Bauwirtschaft für Modernisierungslösungen sein. o Umsetzungsphase: Die vom lokalen Bündnis erarbeiteten Instrumente zur Aufwertung werden schrittweise umgesetzt. • „Hinterland-Bauland“ in alten Einfamilienhausgebieten aktivieren: Für viele Einfamilienhausgebiete aus den 1960er und 1970er Jahren sind große Grundstücke von 700 bis 1000 qm charakteristisch. Hier bietet sich eine „stille“ Baulandreserve an, die durch Initiative und Moderation der Kommune aktiviert werden könnte. Nicht wenige heutige Eigentümer dürften angesichts ihres

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Alters und mangelnder Bindung von Angehörigen an das Objekt Interesse an Verkleinerung von Grundstücken haben, zumal das Grundstückspreisniveau einen erheblichen Verkaufserlös verspricht. Aus kommunaler Sicht macht es Sinn, die Potenziale für die Mobilisierung dieser „stillen“ Baulandreserve zu heben, weil diese Mobilisierung zwar einen hohen Moderationsaufwand erfordert, aber keine weiteren kommunalen Infrastrukturvorleistungen mit sich bringt. Bei einer solchen kommunalen Initiative gilt es, nicht unsystematisch jeden interessierten Eigentümer von Einzelgrundstücken zu unterstützen, sondern im Rahmen einer Gesamtstrategie Standorte ausfindig zu machen, an denen durch Integration mehrerer Grundstücke eine solche Baulandmobilisierung auch städtebaulich Sinn macht.

4.6.2 Handlungsoptionen zur Anpassung sozialer Infrastruktur Die Auslastung von Kindergärten und Schulen wird in einigen Teilräumen Achims in Zukunft voraussichtlich abnehmen. Die Gemeinde wird in Zukunft nicht umhinkommen, auf der Basis vorliegender Auslastungszahlen und der Entwicklung der Nachfrager in den jeweiligen Einzugsbereichen Standorte von Kindergärten und Schulen auf ihre Zukunftsfähigkeit zu überprüfen. Ziel sollte ein mittelfristig angelegtes Standortsicherungskonzept für Kindergärten und Schulen sein, das folgende Aspekte berücksichtigt: • Es gilt zu prüfen, ob tendenziell ein wohnortnahes Angebotssystem kleinerer Einrichtungen oder ein zentralisierteres System größerer Einrichtungen mit Angebotsvielfalt verfolgt werden soll. • Es gilt zu prüfen, ob die räumliche Veränderung des Angebotssystems einschließlich der Aufgabe von Standorten mit einer inhaltlichen Verbesserung der Angebotsqualität verbunden werden kann. Im Rahmen von Standortsicherungskonzepten sollte die Mehrfachnutzung von Gebäuden, die Flexibilisierung von Raumangeboten, Angebotssynergien und die Zusammenarbeit mit privaten Anbietern Berücksichtigung finden. • Die Auslastung von Kinderkrippen und Kindergärten steht in großer Abhängigkeit des Zuzugs von Familien mit Kindern in bestimmten Siedlungsgebieten und unterliegt daher großen Schwankungen. Es gilt zu prüfen, inwieweit durch Förderung privater Einrichtungen oder Tagesmütter diese Schwankungen einfacher zu bewältigen sind als durch Angebote in kommunaler Trägerschaft. Dies gilt z. B. auch für den mittelfristig geplanten Ausbau der Krippenplätze durch die Änderung des Tagesbetreuungsausbaugesetzes (TAG).

65


5 Fallstudie Dötlingen 5.1 Konzeption der Fallstudie Die Fallstudie der Gemeinde Dötlingen im Rahmen der o. g. Praxisstudie ist gegliedert in vier Bausteine: Sie startet mit der Beschreibung der Ausgangslage, formuliert anschließend die Problemlagen und Herausforderungen, hebt Gute Beispiele in einem dritten Baustein hervor und schließt ab mit Handlungsoptionen in Bezug auf Wohnungsmarkt, Baulandentwicklung und soziale Infrastrukturplanung. Angesichts der Fülle des zugrunde liegenden Daten- und Informationsmaterials und zur besseren Lesbarkeit werden die wichtigen Informationen zu prägnanten Aussagen verdichtet und mit Text und Grafik belegt.

5.2 Ortsteile in der Übersicht Die Gemeinde Dötlingen mit ihren 6.067 Einwohnern Ende 2006 ist eine ländlich geprägte Kommune mit vielen kleinen dörflichen Strukturen. Unter den 22 statistisch erfassten Ortsteilen sind 14 kleine Ortsteile mit unter 5 % Anteil an der Gesamtbevölkerung. sieben Ortsteile verfügen über einen Anteil zwischen 8,1 und 15,7% an allen Einwohnern Dötlingens. Die Gesamtgemeinde hat speziell in den 1990er Jahren hohe Bevölkerungszuwächse verzeichnet, die sich am stärksten niedergeschlagen haben in Zuwächsen in Aschenstedt, Brettorf und Neerstedt II. Dieses Wachstum ist zurückzuführen auf starke Zuwanderungsgewinne aus den Nachbarkommunen Wildeshausen, Ganderkesee und Delmenhorst, in geringem Maß auch aus der Kernstadt Bremen. Abbildung 5.1: Einwohner der Gemeinde Dötlingen nach Ortsteilen 2006 (größere Ortsteile mit über 8 % Anteil an der Gesamtbevölkerung sind dunkel unterlegt) Anteil an Einwohner absolut Gesamtbevölkerung in % Altona 14 0,2 Aschenstedt 696 11,5 Barel 110 1,8 Brettorf 839 13,9 Busch 113 1,9 Dötlingen I 731 12,1 Dötlingen II 625 10,4 Geveshausen 95 1,6 Grad 45 0,75 Haidhäuser 26 0,43 Hockensberg 487 8,1 Iserloy 21 0,3 Klattenhof 150 2,5 Neerstedt 0 0 Neerstedt I 511 8,5 Neerstedt II 945 15,7 Nuttel 94 1,6 Ohe 36 0,6

66


Ostrittrum 265 Rhade 100 Uhlhorn 44 Wehe 88 Gesamt Dötlingen 6035 Quelle: Gemeinde Dötlingen, 2006

4,4 1,7 1,5 1,5 100

5.3 Ausgangslage Dötlingens Demographieprofil ist: vergleichsweise günstige Bevölkerungsdynamik bei moderaten Alterungsprozessen Im regionalen Vergleich der Bevölkerungsentwicklung 1996 bis 2003 und der Bevölkerungsprognose für 2020 fällt Dötlingen mit seiner besonders günstigen Dynamik auf. Diese Aussage ist heute zu relativieren, da Dötlingen seit 2002 einen Entwicklungsbruch verzeichnet, der in der Prognose noch keine Berücksichtigung hat finden können. Trotz dieses Entwicklungsbruchs, der der Gemeinde trotz offensiver Baulandvermarktung stark zurückgehende Zuzüge und eine Stagnation des Einwohnerbestands 2004 bis 2006 beschert hat, ist die Bevölkerungsentwicklung im regionalen Vergleich noch als günstig zu erwarten. Gleichzeitig sind die absehbaren Alterungsprozesse mit vergleichsweise geringen Anteilen und Zuwächsen über 60Jähriger und geringen Rückgängen der unter 18-Jährigen als moderat zu bezeichnen. Abbildung 5.2: Mittelwerte der Demographie-Indikatoren - Dötlingen 1

1,5

2

2,5

3

Bevölkerungsentwicklun

Ältere Menschen

Familien

Junge Menschen

Migration

Quelle: eigene Berechnungen

67


Auf Wachstumssprung in den 1990er Jahren folgt Stagnation der Bevölkerungsentwicklung seit 2004. Dötlingen verzeichnet seit den 1970er Jahren grundsätzlich Einwohnerzuwächse. Nur Ende der 1980er Jahre waren geringfügige Rückgänge zu konstatieren, die dann ab 1990 durch starke Zuwächse abgelöst wurden. Alleine zwischen 1990 und 2003 betrug der Einwohnerzuwachs fast 30 %. Seit 2004 ist aber ein Entwicklungsbruch zu verzeichnen, der bis einschließlich 2006 als Stagnation des Einwohnerbestandes zu charakterisieren ist.

Abbildung 5.3: Bevölkerungsentwicklung der Gemeinde Dötlingen 1995-2006 Bevölkerungsentwicklung der Gemeinde Dötlingen 1995-2006 7000 6000 5000 4000 3000 2000 1000 0 1995

1996

1997

1998

1999

2000

2001

2002

2003

2004

2005

2006

Quelle: Gemeinde Dötlingen, 2006

Wanderungsgewinne sind verantwortlich für die Einwohnerzuwächse. Wanderungsgewinne in den Jahren mit hohem Einwohnerwachstum stammen insbesondere aus Delmenhorst und Ganderkesee. Die Gemeinde Dötlingen verzeichnet durchgehend bis heute Geburtenüberschüsse: eine Seltenheit bei Gemeinden in Deutschland. Dieser natürliche Bevölkerungsgewinn ist aber geringfügig (z. B. 2005: +11%). In den Zeiten des höchsten Einwohnerwachstums der 1990er Jahre hatten die Geburtenüberschüsse einen Anteil von um die 10 % am Gesamtzuwachs, 90 % wurden durch Wanderungsgewinne getragen. Die Wanderungsgewinne sind seit Mitte der 1990er Jahre, besonders seit 2003 zurückgegangen, 2005 hat Dötlingen sogar einen Wanderungsverlust zu beklagen. Der Vergleich der Wanderungssalden der Hauptzuzugs- und Fortzugsgemeinden weist auf strukturelle Veränderungen seit Mitte der 1990er Jahre hin: Das Hauptwachstum der 1990er Jahre wurde gespeist durch Wanderungsgewinne aus Delmenhorst und Ganderkesee, während zu diesem Zeitpunkt Wanderungsverluste gegenüber Wildeshausen vorlagen. Seit 2000 haben die Wanderungsgewinne gegenüber Delmenhorst und Ganderkesee deutlich abgenommen und in zwei Jahrgängen ist es sogar zu Wanderungsverlusten gekommen, während sich die Wanderungsbilanz gegenüber Wildeshausen tendenziell günstiger entwickelt. Die Wanderungsbilanz

68


gegenüber Bremen ist tendenziell positiv, spielt aber quantitativ nur eine untergeordnete Rolle.

Abbildung 5.4: Wanderungssaldo insgesamt für Dötlingen 1995-2005

120 100 80 60 40 20 0 1995

1996

1997

1998

1999

2000

2001

2002

2003

2004

2005

-20 -40

Quelle: Gemeinde Dötlingen, 2006

Abbildung 5.5: Wanderungen im Städtevergleich 1995-2005

Wanderungen im Städtevergleich 60 50

Anzahl Personen

40 30 20 10 0 -10

1995

1996

1997

1998

1999

2000

2001

2002

2003

2005

2005

-20 -30 -40 Jahr Ganderkesee

Delmenhorst

W ildeshausen

Bremen

Quelle: Gemeinde Dötlingen, 2006

69


Höchste Wanderungsgewinne der letzten 10 Jahre sind bei Familien mit Kindern zu verzeichnen. Dötlingen war bis Anfang 2000 Ziel von Zuwanderungen vieler junger Familien mit Kindern aus Delmenhorst, Ganderkesee und Wildeshausen, die sich ihren „Traum“ vom Einfamilienhaus verwirklicht haben. Die Analyse der Wanderungssalden gegenüber Delmenhorst, Ganderkesee, Wildeshausen und Bremen der letzten 10 Jahre bestätigt diesen Eindruck, weil unter 20-Jährige und 31-40-Jährige die Altersgruppen mit den Hauptwanderungsgewinnen darstellten.

Abbildung 5.6: Wanderungssaldo insgesamt der Gemeinde Dötlingen nach Altersgruppen 1995-2005 100 80 60 40 20 0 -20 -40 -60 0-20

21-30

Wildeshausen

31-40

Ganderkesee

41-50

Delmenhorst

51-60

61-100

Bremen

Quelle: Gemeinde Dötlingen, 2006

Die Wanderungsgewinne bei Familien gegenüber Delmenhorst und Ganderkesee haben sich in den letzten Jahren zu Wanderungsverlusten umgekehrt, während sich mehrjährige Wanderungsverluste bei Familien gegenüber Wildeshausen zu Wanderungsgewinnen umgekehrt haben. In den Jahren des Hauptwachstums waren die Wanderungsgewinne unter 20-Jähriger und 31-40-Jähriger aus Delmenhorst und Ganderkesee mitverantwortlich für den Einwohnergewinn von Dötlingen. Dies hat sich seit 2000 verändert, indem dieser Wanderungsgewinn deutlich zurückging und in diesen Altersgruppen in den letzten Jahren sogar Verluste aufwies. Gegenüber Wildeshausen wiederum gab es zwischen 1997 und 2002 tendenziell Wanderungsverluste in diesen Altersgruppen, die sich in den letzten Jahren zu geringfügigen Gewinnen verkehrt haben.

70


Abbildung 5.7: Wanderungssaldo zwischen Dรถtlingen und Delmenhorst 1995-2005 nach Altersgruppen 60

50

40

30

20

10

0

-10

-20 1995

1996

1997

0-20

1998 21-30

1999 31-40

2000

2001

41-50

2002 51-60

2003 61-100

2004

2005

Insgesamt

Quelle: Gemeinde Dรถtlingen, 2006 Abbildung 5.8: Wanderungssaldo zwischen Dรถtlingen und Wildeshausen 1995-2005 nach Altersgruppen 30

20

10

0

-10

-20

-30

-40

-50 1995

1996

0-20

1997

1998

21-30

1999

31-40

2000

41-50

2001

2002

51-60

2003

60-100

2004

2005

Insgesamt

Quelle: Gemeinde Dรถtlingen, 2006

71


Der massive Rückgang der Zuzüge aus Delmenhorst und Ganderkesee macht den Entwicklungsbruch der letzten drei Jahre aus. Der Zuzug aus Wildeshausen ist anhaltend hoch. Trotz offensiver Baulandvermarktung - einschließlich Anzeigen in Presseorganen mit Einzugsbereich Delmenhorst und Ganderkesee in den letzten Jahren - sind die Zuzüge aus diesen Gemeinde eingebrochen. Zogen zwischen 1995 und 1999 aus Delmenhorst und Ganderkesee durchschnittlich 52 bzw. 41,8 Personen pro Jahr nach Dötlingen, so liegen diese jährlichen Durchschnittswerte in den Jahren 2003 bis 2005 nur noch bei 19,6 bzw. 18,3 Personen. Die Fortzugszahlen gegenüber diesen Gemeinden sind annähernd stabil geblieben. Demgegenüber bleiben die Zuzüge gegenüber Wildeshausen einigermaßen stabil: Lag der jährliche Zuzug zwischen 1995 und 1999 bei durchschnittlich 106,6 Personen, so ist der in den letzten drei Jahren nur geringfügig auf 98 Personen zurückgegangen. Die Vermutung liegt nahe, dass sich der Zuzug aus Wildeshausen nicht nur durch Eigenheimbau speist, sondern auch andere Marktsegmente betrifft. Welche das sind, kann aus dem Datenmaterial nicht interpretiert werden.

Abbildung 5.9: Zuzüge und Fortzüge nach/aus Dötlingen 2003-2005 Zuzüge 03 bis 05 absolut Fortzüge 03 bis 05 (pro Jahr in Klammern) (pro Jahr in Klammern) Bremen 47 (15,6) 36 (12) Delmenhorst 59 (19,6) 55 (18,3) Ganderkesee 55 (18,3) 37 (12,3) Wildeshausen 267 (98) 258 (86) Zuzüge 95 bis 99 Fortzüge 95 bis 99 Bremen 134 (26,8) 76 (15,2) Delmenhorst 260 (52) 84 (16,8) Ganderkesee 209 (41,8) 55 (11) Wildeshausen 533 (106,6) 539 (107,8) Quelle: Gemeinde Dötlingen, 2006

Die Ortsteile Aschenstedt, Neerstedt und Brettorf waren in der Vergangenheit die Wachstumsmotoren. Die Einwohnerentwicklung der letzten 10 Jahre nach Ortsteilen legt offen, dass sich hinter dem Einwohnerwachstum von Dötlingen Ortsteile mit Wachstum und solche mit Schrumpfung verbergen. Bevölkerungsrückgang betrifft allerdings nur sehr kleine Dörfer. Für das Wachstum verantwortlich sind die großen Ortsteile Brettorf, Neerstedt und Aschenstedt. Der Ortsteil Aschenstedt hat seine Einwohnerzahl durch ein großes Baugebiet auf fast 700 Einwohner verdoppelt.

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Abbildung 5.10: Entwicklung der Ortsteile Dötlingens 1995-2005 Entwicklung der Ortsteile Dötlingens 1995-2006 120 99,4

100 80 54,1

60 41,5 42,4

40 23,4

18,7

20

7,8

4,3

18,5 6,4

4,7

-0,6

0

0

1

0 -1,8

-20

-12,5

-7,3

-1,2 -12,9

-13,3 -22,2

m ha de U hl ho rn W eh e R

he

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O

rit st O

As

ch

Al to n en a st ed t Ba re Br l et to r Bu f D s ch öt lin ge D n öt 1 l i n G e v ge n es ha 2 us en G H r ai dh ad äu H oc ke se r ns be rg Is er Kl l at oy te nh N ee o f rs N ee te d t rs N te d ee t1 rs te dt 2 N ut te l

-40

Quelle: Gemeinde Dötlingen, 2006

Der Eigenheimbau ist seit 1998 auf unter ein Viertel zurückgegangen, Mehrfamilienhausbau spielt in Dötlingen keine Rolle. Die Baufertigstellungsstatistik bestätigt die Trendwende, die die Auswertung der Einwohnerentwicklung und der Wanderungen schon gezeigt hat. Viele Zuzüge nach Dötlingen sind mit dem Bau eines Einfamilienhauses verbunden. Die Anzahl der Baufertigstellungen von Wohngebäuden mit einer oder zwei Wohneinheiten ist von 58 im Jahre 1998 kontinuierlich auf 14 im Jahr 2005 zurückgegangen.

73


Abbildung 5.11: Fertigstellung von Wohngebäuden in Dötlingen 1996-2005

Fertigstellung von Wohngebäuden in Dötlingen 1996-2005 60 50 40 30 20 10 0 1996

1997

1998

1999

2000

Wohngebäude mit 1 und 2 Wohneinheiten

2001

2002

2003

2004

2005

Wohngebäude mit 3 und mehr Wohneinheiten

Quelle: Gemeinde Dötlingen, 2006

Die Einwohnerzuwächse in Aschenstedt und Neerstedt haben die Integrationsfähigkeit der Dorfgemeinschaft (über)strapaziert. Die Ortsteile Aschenstedt und Neerstedt sind Mitte bis Ende der 1990er Jahre enorm gewachsen. Aschenstedt hat im Rahmen der Vermarktung eines großen Baugebiets an Einfamilienhäusern beispielsweise seine Einwohnerschaft verdoppelt. Nach Angaben von Ortskundigen sind Erwerber der Grundstücke vielfach Familien mit Kindern aus Delmenhorst und Ganderkesee, die wegen des günstigen Grundstückspreises die Schwelle der Eigentumsbildung überschreiten konnten. Zur Finanzierung des Eigenheims ist doppelte Berufstätigkeit der Eltern notwendig, viele Eltern sind daher größere Teile des Tages nicht zu Hause und manche Kinder nach der Schule unbetreut. Aus dieser Situation heraus haben sich Problemlagen mit Jugendlichen entwickelt, die die Gemeinde veranlasst haben, ein Jugendhaus mit Mittagstisch und sozialpädagogischer Betreuung in Neerstedt zu gründen, eine Ausweitung des Angebots auf Aschenstedt ist für 2007 geplant. Eine Integration der zugezogenen Eltern wie Jugendlichen ist bislang nur ansatzweise gelungen.

74


Die Nachfrage nach Kindergartenplätzen und Grundschulen hat bislang angehalten. Ein deutlicher Rückgang wird ab 2010 vermutet. Die Gemeinde ermittelt jährlich die Schülerzahl in den Grundschulen Dötlingen und Neerstedt und die Anzahl vorhandener sowie die der belegten Kindergartenplätze. Die Auswertung der letzten sechs Jahre zeigt, dass die Anzahl der Grundschüler und der Kinder im Kindergarten Schwankungen von um die 10 % unterliegt, eine systematisch zurückgehende oder steigende Nachfrage ist aber nicht erkennbar. Eine Fortschreibung dieser Zahlen für die nächsten Jahre auf der Basis der vorliegenden Altersangaben im Einwohnermelderegister liegt nicht vor, weshalb eine Abschätzung der zukünftigen Entwicklung nicht möglich ist. Zurückgreifend auf ein Gutachten zur Bevölkerungs- und Gemeinbedarfsentwicklung von 1999 kann vermutet werden, dass maßgebliche Rückgänge der Schul- und Kindergartennachfrage ab 2010 in Dötlingen zu erwarten sind.

Abbildung 5.12: Anzahl an Kindergartenplätzen in Dötlingen 2000-2006 250 239

240

239

234 230

230 223

220

224

221

220

216 212

210

213

207

205205

200 190 180 2000

2001

2002

2003

2004

Anzahl vorhandener Kindergartenplätze

2005

2006

Anzahl belegter Plätze

Quelle: Gemeinde Dötlingen, 2006

75


Abbildung 5.13: Anzahl der Grundschüler in Dötlingen 1999/2000 bis 2005/2006 2005/2006

299

2004/2005

315

2003/2004

315

2002/2003

317

2001/2002

308

2000/2001

323

1999/2000

321 0

50

100

Insgesamt

150

200

Grundschiule Dötlingen

250

300

350

Grundschule Neerstedt

Quelle: Gemeinde Dötlingen, 2006 5.4 Problemlage und Herausforderungen Die demographische Entwicklung der Gemeinde Dötlingen im Zeitraum der letzten 15 Jahre ist durch eine Trendwende um 2003 / 2004 geprägt. Nach langjährigen Einwohnerzuwächsen seit den 1970er Jahren, besonders aber seit den 1990er Jahren durch zuwandernde Familien mit Kindern in Neubaugebiete für Einfamilienhäuser hat dieser Zuzug und die damit zusammenhängende Bautätigkeit stark abgenommen. Der deutliche Nachfragerückgang geht insbesondere auf reduzierte Zuzüge aus Delmenhorst und Ganderkesee zurück, die quantitativ bedeutsameren Zuzüge aus Wildeshausen sind allerdings nur geringfügig zurückgegangen. Der Rückgang der Zuzüge aus Delmenhorst und Ganderkesee erfolgte trotz offensiver Baulandvermarktung in Presseorganen des Einzugsbereichs dieser Gemeinden, trotz günstigen und großen Baulandangebotes und trotz Kinderrabatts beim Baulandverkauf. Da die Trendwende erst seit drei Jahren erkennbar ist, sind Auswirkungen auf die Nachfrage nach kinder- und jugendbezogener sozialer Infrastruktur wie Kindergärten und Schulen (noch) nicht erkennbar. Grundschülerzahlen haben sich nur geringfügig verringert, die Anzahl belegter Kindergartenplätze liegt 2006 auf dem Niveau von 2001. Eine Interpretation des Einbruchs der Zuzüge an jungen Familien mit Kindern aus Delmenhorst und Ganderkesee ist auf der Basis des vorliegenden Zahlenmaterials der Gemeinde nicht möglich. Die Erkenntnis aus anderen Fallstudien in der Region Bremen im Auftrag des Kommunalverbundes legen aber den Schluss nahe, dass mehrere Faktoren für die deutliche Nachfrageabnahme verantwortlich sind: • Regionsweiter Rückgang der Anzahl von Personen in der Altersgruppe der Familiengründer, die die Eigentumsbildner in der Vergangenheit in Dötlingen ausmachten; • Verstärktes Angebot an preisgünstigem Bauland in Delmenhorst und Ganderkesee; • Erhöhtes Angebot an Altimmobilien von älteren Eigenheimbesitzern, die die Nähe von Infrastruktur und barrierefreien Wohnraum bevorzugen;

76


• •

Änderung der Nachfragequalität dahingehend, dass Bauland-Nachfrager in einem Angebotsmarkt die Standorte präferieren, die eine gute Versorgungsinfrastruktur (z. B. Lebensmittelvollsortimenter, Discounter) aufweisen; Konjunkturell bedingte Nachfrageschwäche.

Angesichts des zurückliegenden Wachstums von Dötlingen, das sich auf wenige Standorte konzentriert hat, das dörfliche Leben überformt und die Integrationsleistung der Dorfgemeinschaft strapaziert hat, stellt sich die Frage, ob und warum der Rückgang der massiven Einwohnerzuwächse ein Problem für Dötlingen darstellen muss. Die Dötlinger Erfahrungen offensiver Baulandvermarktung zeigen, dass sich die Nachfrage und die Nachfrager deutlich gewandelt haben. Die Wahrscheinlichkeit, dass auch bei konjunktureller Belebung eine Baulandvermarktung an Familien aus Delmenhorst und Ganderkesee nicht in vergleichbarem Maße wie Mitte / Ende der 1990er Jahre gelingen wird, ist hoch, weil in erheblichem Maße nicht konjunkturelle, sondern strukturelle demographische Faktoren dafür verantwortlich sein werden. Aber ist das ein Problem? Angesichts des strukturellen Wandels der Nachfragesituation steht Dötlingen vor folgenden Herausforderungen: • Zukunftsleitbild klären: Die Gemeinde muss vor dem Hintergrund der beschriebenen Veränderung der Rahmenbedingungen ihr Zukunftsleitbild gemeindlicher Entwicklung klären. Zur Klärung dürften folgende Fragestellungen bedeutsam sein: Ist weiteres quantitatives Einwohnerwachstum das Ziel? Dann wird eine aufwändige Vermarktungsoffensive notwendig sein, die mögliche Alleinstellungsmerkmale des Wohnstandortes Dötlingen herausstellt und damit versucht vom erheblich kleineren „Kuchen“ der Eigentumsbildner der Region größere Stücke abzubekommen. Ob dies gelingen kann ist offen, in jedem Fall müsste Zuzügen aus Wildeshausen eine größere Aufmerksamkeit geschenkt werden als denen aus Delmenhorst und Ganderkesee. Gibt es als Alternative einen Weg des qualitativen Wachstums? Das zurückliegende quantitative Wachstum beinhaltete auch „Wachstumsschmerzen“ in Form von Integrationsproblemen, Erscheinungen der sozialen Verwahrlosung Jugendlicher, aber auch baukulturelle Defizite wie „billige“ Eigenheime. All dies dürften Folgen der offensiven Vermarktung von Bauland an Familiengründer sein, die nur mit Risiko die Finanzierungshürde der Eigentumsbildung überspringen. Denkbare Alternative zur Vermarktung von Menge ist die Vermarktung besonderer Qualitäten. So könnten z. B. mit Gestaltungsanforderungen bei Neubauten oder mit Anreizen für die Aufwertung von Altimmobilien andere Zielgruppen angesprochen werden. Auch könnten durch noch gezieltere Ansprache der eigenen Bürger mit besonderen Anreizen die Anzahl von Abwanderern – auch solchen nach Delmenhorst, Ganderkesee und Wildeshausen – reduziert werden. •

Marktkenntnisse weiter verbessern: Die Kommune verfügt über gute Kenntnisse von Bevölkerungsentwicklung und Wohnungsmarkt. Diese Informationslage reicht aber nicht aus, um z. B. zu klären, warum die Zuzüge aus Delmenhorst und Ganderkesee stark eingebrochen sind, dies aber für Wildeshausen für dieselben Zielgruppen nicht zutrifft. Gibt es einen relevanten Mietmarkt, der von Wildeshausern genutzt wird? Welche Bedeutung spielt für welche Zuzügler der Gebrauchtimmobilienmarkt? Um die oben beschriebene Leitbildfrage klären zu können, wird es notwendig sein, diese Themenstellungen zu vertiefen. Auch wird es in Zukunft notwendig sein, kontinuierlich und systematisch die

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Auslastung von Grundschulen und Kindergärten zu beobachten. Das Gutachten zur Bevölkerungs- und Gemeinbedarfsentwicklung aus dem Jahre 1999 reicht dafür nicht aus, zumal sich die realen Entwicklungen unterhalb eines damals beschriebenen Passivszenarios bewegen. •

Anpassung sozialer Infrastrukturen: Aufgrund des Entwicklungsbruchs werden sich die Auslastungen von Kindergärten und Schulen ab 2010 deutlich verringern. Eine vorausschauende Anpassungspolitik dieser Infrastrukturen stellt daher eine besondere Herausforderung dar.

5.5 Gute Ansätze Die Gemeinde Dötlingen hat beispielhafte Lösungen für die Angebotsentwicklung sozialer Infrastrukturen für Kinder und Jugendliche entwickelt: • Sanierung des Kindergartens in Neerstedt: Der Kindergarten in Neerstedt bedurfte einer grundlegenden Sanierung. Die Sanierung mit Umbau soll im Frühjahr 2007 abgeschlossen sein. Angesichts der Kenntnisse um die abzusehenden Schwankungen und Verringerung der Nachfrage wurde der Umbau so flexibel konzipiert, dass die Räume für unterschiedliche Nutzungen von Kindergarten, Kindertagesstätte und Krippe, aber auch als Wohnung oder Büro nutzbar sind. Hier wurde vorausschauend gehandelt, um u. U. notwendige Anpassungsprozesse mit den räumlichen Rahmenbedingungen in Einklang bringen zu können. Abbildung 5.14: Grundrissplan des Kindergartens in Neerstedt

Quelle: Gemeinde Dötlingen, 2006

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Jugendhaus Neerstedt: In der Ausgangslage wurde beschrieben, dass der hohe Zuzug von jungen Familien mit Kindern in Einfamilienhausgebiete in Aschenstedt und Neerstedt zu sozialen Integrationsproblemen, besonders bei Jugendlichen geführt hat. Dabei spielt die defizitäre familiäre Betreuungssituation vieler Jugendlicher eine entscheidende Rolle. Vor diesem Hintergrund hat die Gemeinde die Initiative ergriffen und mit dem Verein Pro Jugend e. V. ein sozialpädagogisch betreutes Jugendhaus in Neerstedt eingerichtet, das einen Mittagstisch anbietet und ein Freizeitangebot vorhält. Aufgrund der guten Erfahrungen und der anhaltenden Notwendigkeit soll ein weiteres Jugendhaus in Aschenstedt entstehen.

5.6 Handlungsoptionen Bei der Bewältigung des demographischen Wandels gibt es nicht „den Königsweg“ kommunalen Handelns. Die Kommunen müssen ihre demographische Struktur und die zu erwartende Entwicklung analysieren und auf der Basis dieser Analyse Handlungsziele für die Zukunft formulieren. So ist beispielsweise bei einem demographischen Strukturbruch wie in Dötlingen sowohl eine Anpassung der offensiven Vermarktung preiswerten Baulandes denkbar wie ein Strategiewechsel in Richtung eines qualitativen Wachstums. Vor dem Hintergrund unterschiedlicher Handlungsmöglichkeiten werden an dieser Stelle Handlungsoptionen formuliert, über deren Einsatz als Einzelmaßnahme oder auch in Kombination mehrerer Ansätze die kommunalen Entscheidungsträger im Sinne des aus ihrer Sicht richtigen Rezeptes beraten müssen. Die Handlungsoptionen für die Gemeinde Dötlingen betreffen die vier Ebenen „Informationsgrundlagen“, „Zielgruppen“, „Siedlungstypen“ und „soziale Infrastruktureinrichtungen“ und werden im Folgenden getrennt dargestellt: Informationsgrundlagen: • Monitoring-System aufbauen: Die Ergebnisse zeigen, dass sich zahlreiche Aspekte demographischer Entwicklung kurzfristig durch strukturelle Nachfrage- oder Angebotsverschiebungen ändern können und sich gleichzeitig sehr kleinräumig differenzieren. Aus diesem Grund scheint es wichtig, kleinräumig demographische Daten in mindestens jährlichem Turnus aufzubereiten, um allgemeine Änderungen des Marktes wahrnehmen und die Wirkung kommunaler Strategien überprüfen zu können. Viele dieser Daten liegen der Gemeinde vor und müssten nur systematisch zusammengeführt werden oder aber mit geringem Aufwand vom Status der Rohdaten in eine Auswertungsroutine überführt werden. Ein jährlicher „Demographiebericht“ könnte Anlass sein, diese Daten systematisch aufzubereiten und zu interpretieren. • Netzwerk lokaler Grundstücks- und Immobilenexperten aufbauen: Die Kommune ist selbst Akteur im Grundstückmarkt durch Verkauf von Bauland, in anderen Märkten wie z. B. dem Gebrauchtimmobilienmarkt besitzt sie nur wenig Kenntnisse. Um die Erfahrungen anderer Marktakteure (z. B. Makler, Bauträger) und deren unmittelbare Marktkenntnisse in kommunalpolitische Strategien einbinden zu können, erscheint es sinnvoll, die lokalen Experten z. B. zweimal jährlich zu einem systematisch vorbereiteten Erfahrungsaustausch einzuladen. Ein solches Netzwerk dient der Bestandsaufnahme aktueller Entwicklungen und der Weiterentwicklung von Strategien in Zusammenarbeit mit privaten Akteuren. Denkbar ist auch, gelegentlich verkaufsinteressierte Grundstückseigentümer größerer Gelände (wie z. B. Landwirte) in den Erfahrungsaustausch einzubeziehen.

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Zielgruppen: • Ausbildungsabwanderer umwerben: Die Gemeinde kann in Ermangelung von Ausbildungseinrichtungen nur geringen Einfluss auf die Abwanderung der ca. 18-30Jährigen nehmen. Diese Gruppe, die in der Regel eine hohe Bindung an Dötlingen hat, kann aber als potenzielle Rückwanderungsgruppe in späteren Lebensphasen betrachtet werden. Indem diese Abwanderungsgruppe nach Abmeldung beim Einwohnermeldeamt z. B. ein Schreiben des Bürgermeisters bekommt, in dem dokumentiert wird, dass sich die Gemeinde über eine Rückkehr in einer späteren Lebensphase freuen würde, könnte die Rückkehr erleichtert werden. Auch die Unterstützung bei Klassentreffen o. ä. kann die Verbindung der Kommune zu „ihren“ Kindern halten und deren Rückkehr erleichtern. • Zielgruppenspezifische Wohnprodukte anbieten: Das Wachstum Dötlingens war maßgeblich geprägt durch größere Baugebiete günstiger Einfamilienhäuser. In diesen Baugebieten haben sich viele Familien angesiedelt, die mit großen Anstrengungen ihren Eigenheimbau finanzieren. Demgegenüber ist die Gemeinde Dötlingen, speziell auch der Gemeindeteil Dötlingen selbst, von kaufkräftigen Bewohnern gefragt. Dies wird u. a. auch daran deutlich, dass in jüngerer Zeit nach Aussagen der Gemeinde mehrere Grundstücke von Dötlinger Bürgern erworben wurden, die ihre Immobilie verkaufen und sich für den letzten Lebensabschnitt ein großzügiges, barrierefreies Wohnhaus bauen. Hier wird erkennbar, dass eine Ausweitung der Variationsbreite von Wohnprodukten im Sinne der Erreichung vieler Zielgruppen sinnvoll erscheint. Nun kann die Kommune den Immobilienmarkt formell nur über ihre Bauleitplanung beeinflussen. In Zeiten der Nachfrageschwächung nimmt aber die Rolle der Kommune als Moderatorin und Initiatorin von Immobilienprozessen zu. Da unklar ist, welche Wohnprodukte an einem Standort Interesse wecken könnten, dürfte es Sinn machen, eine Arbeitsgruppe potenzieller Bauträger für neue Wohnprodukte zu initiieren, um als Kommune zusammen mit Marktpartnern Handlungsoptionen auszuloten. • Familien mit Bauland umwerben: Das Leitbild des Einfamilienhauses im Grünen hat – nicht nur für Familiengründer – in Deutschland nach wie vor eine hohe Anziehungskraft. Untersuchungen in anderen Regionen, aber auch die vorliegende Studie weisen darauf hin, dass von der insbesondere aus demographischen Gründen abnehmenden Nachfragergruppe der Familiengründer bei anhaltendem Baulandangebot tendenziell Standorte mit guter infrastruktureller Ausstattung bevorzugt werden. Bei der Baulandpolitik gilt es zu berücksichtigen, dass der schon in den letzten Jahren zu beobachtende gesamtregionale Nachfragerückgang nach Einfamilienhausgrundstücken anhalten bzw. sich weiter reduzieren wird. Eine behutsame Angebotspolitik erscheint angeraten, um nicht den lokalen Immobilienmarkt angesichts des zu erwartenden Anstiegs des Verkaufs von Einfamilienhäusern aus den 1960er und 1970er Jahren unter Druck zu bringen. Besonderes Augenmerk könnte bei der Dötlinger Baulandpolitik auf Familiengründer aus Wildeshausen gelegt werden. Denkbar wäre aber auch der Versuch, durch Baulandangebot mit Alleinstellungsmerkmalen wie besonderem landschaftlichem Reiz oder hohem gestalterischem Anspruch kaufkräftigere Zielgruppen anzuziehen. • Ortsansässige von der Abwanderung abhalten: Aus der Wanderungsstatistik ist erkennbar, dass nicht wenige Fortzüge in unmittelbare Nachbargemeinden erfolgen und dies nicht nur von Altersgruppen, die ausbildungsbedingt ihren Standort verändern müssen. Es liegen keine Informationen darüber vor, welche Gründe diese Dötlinger Bürger zur Abwanderung in den Nahraum bewegt haben. Möglicherweise könnten diese Bürger durch gezielte Angebote speziell für Bewohner der Gemeinde von der Abwanderung abgehalten werden. Besonderer Vorteil liegt darin, dass eine Vermarktung solcher Angebote die Zielgruppe mit geringen Mitteln durch Direktmarketing ohne Streuverlust erreichen kann.

80


5.6.1 •

Handlungsoptionen für Siedlungstypen

Höhere Qualität im Neubau absichern: Die Gemeinde Dötlingen hat Ende der 1990er Jahre mit ihren Baugebieten in Aschenstedt und Neerstedt die Erfahrung gemacht, dass besonders günstige Baulandpreise in Verbindung mit relativ kleinen Grundstücken Eigentumsbildner anziehen können, die für die ländlich geprägte Zuzugsgemeinde Integrationsprobleme mit sich bringen. Für die Kommune stellt sich die Frage, ob sich nicht günstige Eigentumsbildung in Gebrauchtimmobilien realisieren lässt, während sich ihre Baulandstrategie auf Angebote mit Alleinstellungsmerkmalen konzentriert. Denkbar sind ausgewählte Einzelgrundstücke mit besonderem landschaftlichen Reiz oder auch kleine Baufelder mit spezifischen baulichen oder energetischen Wohnkonzepten. Eine solche Strategie kann nicht nur soziale Folgeprobleme mindern, sondern auch mögliche bauliche Abwertungsprozesse von Einfamilienhausgebieten im Einfachstandard verhindern helfen.

5.6.2

Handlungsoptionen zur Verbesserung der Versorgungslage und zur Anpassung sozialer Infrastruktur Die Analyse der Einwohner- und Nachfrageentwicklung im Rahmen der vier Fallstudien legt die Vermutung nahe, dass in jüngerer Zeit die Bedeutung der Einzelhandelsversorgung bei der Wohnstandortwahl außerhalb von Kernstädten eine zunehmende Bedeutung erlangt. Seit einigen Jahren scheint sich die verringerte Nachfrage gerade auf Lagen mit guter Versorgungslage, mindestens aber mit guter Erreichbarkeit eines Lebensmittelvollsortimenters oder eines Lebensmittelsdiscounters zu konzentrieren. Vor diesem Hintergrund erscheinen Anstrengungen lohnenswert, einen größeren Lebensmittelmarkt in Dötlingen anzusiedeln, der zusätzliche Anziehungskraft für ansässige wie auch neue Bürger entfaltet. Die Standortwahl und Größendimension sollte von einem Fachgutachter geprüft werden. Die Auslastung von Kindergärten und Schulen wird erst in einigen Jahren in Teilräumen Dötlingens abnehmen. Die Gemeinde wird innerhalb der nächsten 10 Jahre nicht umhinkommen, auf der Basis vorliegender Auslastungszahlen und der Entwicklung der Nachfrager in den jeweiligen Einzugsbereichen Standorte von Kindergärten und Schulen auf ihre Zukunftsfähigkeit zu überprüfen. Ziel sollte ein mittelfristig angelegtes Standortsicherungskonzept für Kindergärten und Schulen sein, das folgende Aspekte berücksichtigt: • Es gilt zu prüfen, ob tendenziell ein wohnortnahes Angebotssystem kleinerer Einrichtungen oder ein zentralisierteres System größerer Einrichtungen mit Angebotsvielfalt verfolgt werden soll. • Es gilt zu prüfen, ob die räumliche Veränderung des Angebotssystems einschließlich der Aufgabe von Standorten mit einer inhaltlichen Verbesserung der Angebotsqualität verbunden werden kann. Im Rahmen von Standortsicherungskonzepten sollte die Mehrfachnutzung von Gebäuden, die Flexibilisierung von Raumangeboten (wie soeben bei der Sanierung des Kindergartens in Neerstedt geschehen), Angebotssynergien und die Zusammenarbeit mit privaten Anbietern Berücksichtigung finden. • Die Auslastung von Kinderkrippen und Kindergärten steht in großer Abhängigkeit des Zuzugs von Familien mit Kindern in bestimmten Siedlungsgebieten und unterliegt daher großen Schwankungen. Es gilt zu prüfen, inwieweit durch Förderung privater Einrichtungen oder Tagesmütter diese Schwankungen einfacher zu bewältigen sind als durch Angebote in kommunaler Trägerschaft. Dies gilt z. B. auch für den mittelfristig geplanten Ausbau der Krippenplätze durch die Änderung des Tagesbetreuungsausbaugesetzes (TAG).

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6 Fallstudie Lilienthal 6.1 Konzeption der Fallstudie Die Fallstudie der Gemeinde Lilienthal im Rahmen der o. g. Praxisstudie ist in vier Bausteine gegliedert: Sie startet mit der Beschreibung der Ausgangslage, formuliert anschließend die Problemlagen und Herausforderungen, hebt Gute Beispiele in einem dritten Baustein hervor und schließt ab mit Handlungsoptionen in Bezug auf Wohnungsmarkt, Baulandentwicklung und soziale Infrastrukturplanung. Angesichts der Fülle des zugrunde liegenden Daten- und Informationsmaterials und zur besseren Lesbarkeit werden die wichtigen Informationen zu prägnanten Aussagen verdichtet und mit Text und Grafik belegt.

6.2 Ortsteile in der Übersicht Lilienthal hat 2006 18.111 Einwohner und setzt sich aus fünf Ortsteilen zusammen. Lilienthal als Kernort ist mit über 13.000 Einwohnern der größte Ortsteil mit allen grundzentralen Infrastruktur- und Versorgungsangeboten. Der Kernort ist für einen suburbanen Standort stark verstädtert. Die weiteren Ortsteile sind: • Heidberg mit ca. 300 Einwohnern, kleinräumig und flächig erschlossen. Einzelhofanlagen ohne besonderen Schwerpunkt dominieren. • Seebergen mit 860 Einwohnern besteht ebenfalls aus Einzelhofanlagen, wobei in den letzten Jahrzehnten eine Verdichtung abseits der Hauptverkehrsstraßen stattgefunden hat. • In St. Jürgen besteht ein alter Siedlungsraum im Westen des Ortsteils, im Bereich Frankenburg existiert eine haufenartige Verdichtung, Kleinmoor im Osten ist geprägt von der Verdichtung des Hauptortes Lilienthal. • Worphausen ist im 18. Jahrhundert als Moorhufendorf entstanden. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts erfolgen Überformungen durch teilweise großflächige Wohngebiete.

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6.3 Ausgangslage Lilienthals Demographieprofil ist: Überdurchschnittlicher Bevölkerungszuwachs bei weit überdurchschnittlichem Anteil älterer Menschen und sehr geringem Anteil junger Menschen! Beim Vergleich der fünf demographischen Faktoren (Bevölkerungsentwicklung, Ältere Menschen, Familien, Junge Menschen und Migration) mit allen Gemeinden des Kommunalverbundes erreicht die Gemeinde Lilienthal mit Platz 13 einen mittleren Rangplatz. Hinter diesem Gesamtergebnis Abbildung 6.1: Mittelwert der verbirgt sich folgende Differenzierung, die Demographie-Indikatoren - Lilienthal auch an der Abbildung abzulesen ist: Der Bevölkerungszuwachs zwischen 1996 und 1 1,5 2 2,5 3 2003 ist im regionalen Vergleich mit 9 % hoch, bei der Prognose 2003 – 2020 liegt Lilienthal mit Rangplatz 13 und 4,1 % ebenfalls im oberen Drittel. Demgegenüber Bevölkerungsentwicklung hat die Gemeinde einen fortgeschrittenen Alterungsprozess seiner Bevölkerung zu verzeichnen: Der Anteil der 60-79-Jährigen und der über 80-Jährigen ist heute bereits Ältere Menschen sehr hoch und wird 2020 voraussichtlich bei 25,2 % bzw. 9,5 % liegen, was den viertbzw. dritthöchsten Anteil im regionalen Vergleich darstellt. Im Hinblick auf den Demographiefaktor Familien zeigt sich ein Familien heterogenes Bild: Während die Zuwanderung von Familien relativ hoch ist (Rangplatz 11) und der Anteil der Frauen an den 20 bis 34-Jährigen durchschnittlich, liegt der Fertilitätsindex mit 1,4 % an Junge Menschen drittletzter Position in der Region. Bei den jungen Menschen ist das Bild eindeutig: Der Anteil unter 18-Jähriger ist heute schon niedrig und wird für 2020 mit 13,7 % prognostiziert, was den zweitgeringsten Migration Anteil in der Region darstellt. Dagegen liegt der Ausländeranteil im regionalen Mittelmaß. Quelle: eigene Berechnungen

83


Lilienthal hatte bis 2004 hohe Einwohnerzuwächse, seitdem verhaltenere Gewinne zu verzeichnen. Die Einwohnerentwicklung ist zwischen einer Stagnationsphase Mitte der 1990er Jahre und einem abflachenden Wachstum seit 2004 zwischenzeitlich stark positiv gewesen. Der Einwohnerzuwachs betrug zwischen 1996 und 2003 9 %, was deutlich über dem Wachstum im Landkreis Osterholz und in Niedersachsen liegt2.

Abbildung 6.2: Bevölkerungsentwicklung der Gemeinde Lilienthal 1995-2006 Bevölkerungsentwicklung der Gemeinde Lilienthal 1995-2006 20000 19500 19000 18500 18000 17500 17000 16500 1995

1996

1997

1998

1999

2000

2003

2004

2005

2006

Quelle: Gemeinde Lilienthal, 2006 (keine Angaben für die Jahre 2001 und 2002)

Zentraler gelegene und infrastrukturell gut ausgestattete Ortsteile gewinnen Einwohner, peripher gelegene Ortsteile verlieren Einwohner! Die Einwohnerentwicklung in der Gemeinde Lilienthal verläuft nach Ortsteilen sehr unterschiedlich. In den Ortsteilen Lilienthal, Worphausen und Seebergen sind in den letzten zehn Jahren starke Einwohnerzuwächse zu verzeichnen, während St. Jürgen und Heidberg Einwohner verloren haben. Tendenziell hat damit Einwohnerwachstum an Standorten in zentraleren Lagen und mit der vergleichsweise besseren Infrastrukturausstattung stattgefunden.

2

Nach Daten des Nds. Landesamtes für Statistik liegt der Bevölkerungsgewinn zwischen 1996 und 2003 bei 9%. Die von der Kommune gelieferten Daten weisen einen Bevölkerungszuwachs von 5,5 % zwischen 1995 und 2006 auf. Unterschiede dieser Datenlagen sind bekannt. Im Weiteren werden die kommunalen Daten genutzt, weil nur diese in der entsprechenden Differenziertheit vorliegen.

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Abbildung 6.3: Einwohnerentwicklung in den Ortsteilen Lilienthals von 1995-2006 Entwicklung Einwohner Einwohner Verlust/Gewinn Ortsteil in % 1995 2006 Gesamt 17167 18111 944 5,5 Seebergen

782

860

78

10,0

Lilienthal

12327

13036

709

5,8

Heidberg

343

310

-33

-9,6

St. Jürgen

1628

1599

-29

-1,8

Worphausen

2073

2306

233

11,2

Quelle: Gemeinde Lilienthal, 2006

Fast 40 % der Lilienthaler Bevölkerung ist über 50 Jahre alt! 19,4 % der Lilienthaler sind über 65 Jahre alt, demgegenüber liegt der Anteil der bis 17 Jahre alten Kinder und Jugendlichen nur bei 16,9 %. In absoluten Zahlen heißt das: 3.808 über 65-Jährige gegenüber 3.324 unter 18-Jährige. Der Mittelbau der 31 bis 50-Jährigen stellt 6.332 oder 32,4 % aller Bewohner. Die kleinste Gruppe stellen die 18 bis 30-Jährigen dar, was auf die hohe ausbildungsbezogene Abwanderung in dieser Altersklasse zurückzuführen ist. Während bei Kindern und Jugendlichen ein leichter Jungenüberschuss existiert, sind die Altersgruppen ab 51 Jahren von einem Frauenüberschuss geprägt.

Abbildung 6.4: Altersgruppen der Lilienthaler Bevölkerung in % 2006 0-17 18-30 31-50 51-65 Über 65 16,9% 11,7% 32,4% 19,5% 19,4% Quelle: Gemeinde Lilienthal, 2006

Abbildung 6.5: Altersstruktur Lilienthal 2006 Altersstruktur Lilienthal 2006 7000 6000 5000 4000 3000 2000 1000 0 0 - 17 Jahre

18 - 30 Jahre Einwohner gesamt

31 - 50 Jahre Einwohner männlich

51 - 65 Jahre

65 - 110 Jahre

Einwohner weiblich

Quelle: Gemeinde Lilienthal, 2006

85


In den letzten 10 Jahren hat die Altersgruppe der 31 bis 50-Jährigen und die der über 65-Jährigen zugenommen! Die Bevölkerungsentwicklung nach Altersgruppen in den letzten 10 Jahren zeigt, dass die Gruppe der 31-50-Jährigen und der über 65-Jährigen größer werden, während die der 18-30-Jährigen abnimmt. Die Gruppe der Kinder und Jugendlichen und die der 51-65Jährigen stagniert. Für das Prognosejahr 2020 wird eine weitere Zunahme der 50-60Jährigen und der über 70-Jährigen erwartet, während bei den 35-45-Jährigen eine Abnahme vermutet werden kann.

Abbildung 6.6: Altersstruktur der Bevölkerung in der Gemeinde Lilienthal 2020 im Vergleich zur Altersstruktur 2004

Quelle: Pestel Institut, 2005

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Abbildung 6.7: Bevölkerungsentwicklung der Gemeinde Lilienthal 1995-2006 Bevölkerungsentwicklung der Gemeinde Lilienthal 1995-2006 7000 6000 5000 4000 3000 2000 1000 0 1995

1996

0 - 17 Jahre

1997

1998

18 - 30 Jahre

1999

2000

31 - 50 Jahre

2003

2004

51 - 65 Jahre

2005

2006

65 - 110 Jahre

Quelle: Gemeinde Lilienthal, 2006

Das Ausmaß der Bedeutungsverschiebung von Altersgruppen zeigt sich besonders in den Ortsteilen! Der Hauptortsteil Lilienthal trägt am stärksten zum demographischen Alterungsprozess bei. Die Tabelle zeigt die Entwicklung von Einwohnern nach Ortsteilen und Altersgruppen. Als gemeinsames Merkmal aller Ortsteile fällt auf, dass sie 18-30-jährige Einwohner verlieren. Die starken altersstrukturellen Verschiebungen zeigen sich an einzelnen Ortsteilen: Im Ortsteil Lilienthal ist die Gruppe der über 65-Jährigen um 1.093 Einwohner und die der 31-50-Jährigen um 886 Einwohner gewachsen, während 847 18-30-Jährige verloren gingen. Gleichzeitig ist der höchste Zuwachs bei den unter 18-Jährigen in diesem Ortsteil zu verzeichnen. Dahinter verbergen sich völlig unterschiedliche Entwicklungen: Der hohe Verlust der 18-30-Jährigen ist auf Ausbildungsabwanderung einerseits, aber auch auf die besonders hoch besetzten Altersklassen andererseits zurückzuführen, die den Suburbanisierungswellen folgen. Der Zuwachs an 31-50-Jährigen ist aufgrund der Wanderungsgewinne in dieser Altersgruppe zu vermuten, während das Wachstum der über 65-Jährigen daran liegt, dass die frühen Stadtrandwanderer, die vor 20 bis 30 Jahren zur Familiengründung nach Lilienthal gezogen sind, alt werden.

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Abbildung 6.8: Einwohnerentwicklung zwischen 1995 und 2006 nach Ortsteilen und Altersgruppen Ortsteile 0-17 18-30 31-50 51-65 Über 65 Gesamt

365

-1050

1097

-23

1367

Seebergen

28

-13

26

36

42

Lilienthal

239

-847

886

-131

1093

Heidberg

-9

-7

-11

-5

13

St. Jürgen

-6

-118

35

56

87

Worphausen

109

-78

151

25

131

Quelle: Gemeinde Lilienthal, 2006

Der Einwohnerzuwachs ist allein auf Wanderungsgewinne zurückzuführen. Für den Bevölkerungszuwachs seit Mitte der 1990er Jahre ist ausschließlich der positive Wanderungssaldo verantwortlich. Sterbefälle überwiegen seit langem die Geburten und würden ohne Wanderungsgewinne zur Bevölkerungsabnahme führen. Die Wanderungsgewinne verzeichnet Lilienthal gegenüber Bremen, während gegenüber dem Landkreis Osterholz und dem übrigen Niedersachsen leichte Wanderungsverluste zu beobachten sind (Pestel 2005). Der ausgeglichene Saldo 2002 als ungewöhnliches Phänomen kann auch nach Nachfragen vor Ort von den Gutachtern nicht erklärt werden.

Abbildung 6.9: Natürliche Bevölkerungsentwicklung und Wanderungssaldo der Gemeinde Lilienthal 1996-2004

Natürliche Bevölkerungsentwicklung und Wanderungssaldo der Gemeinde Lilienthal 1996-2004 400 350 300 250 200 150 100 50 0 -50

1996

1997

1998

1999

2000

2001

2002

2003

2004

-100 natürlicher Saldo

W anderungssaldo

Saldo insgesamt

Quelle: pestel Institut, 2005 (Regionale Modellrechnungen Bevölkerung, Wohnungsbedarf und Wohnungsnachfrage bis 2020. Gemeinde Lilienthal)

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Der Einwohnerzuwachs resultiert zu großen Teilen aus Zuwanderungen unter 50-Jähriger aus Bremen. Bis zu 20 % der Bremer Zuzüge stellen aber auch über 65-Jährige dar. Die Gemeinde Lilienthal verfügt über keine eigene Datenbasis zu Wanderungen nach Quelle und Ziel sowie nach Altersgruppen. Die Fortzugsdaten aus Bremen des Bremer Landesamts für Statistik werden daher an dieser Stelle zur Einschätzung genutzt, welche Bevölkerungsgruppen nach Lilienthal wandern. Die Grafik zeigt, dass unter 50-Jährige, in der Hauptsache wahrscheinlich Familien mit Kindern oder Paare ohne Kinder, die Hauptgruppe der Bremer bilden, die nach Lilienthal ziehen. Aber mit im Durchschnitt auch 100 Zuzüglern sind die über 50-Jährigen nicht zu vernachlässigen. Unter diesen über 50-Jährigen sind die Gruppen der 50-65-Jährigen und über 75-Jährigen am stärksten vertreten. Es fällt auf, dass der höchste Zuzug 50-65-Jähriger in das Jahr 1998 fällt, in dem auch besonders hohe Baufertigstellungen im Mehrfamilienhausbau zu verzeichnen waren. Die Vermutung liegt nahe, dass das Wohnangebot jenseits des Einfamiliehauses gerade diese Gruppe angesprochen hat.

Abbildung 6.10: Zuzüge aus Bremen nach Lilienthal 1990-2004 Zuzüge aus Bremen nach Lilienthal 1990-2004 600 500 400 300 200 100 0 1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 0<50

50+

Quelle: Gemeinde Lilienthal, 2006

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Abbildung 6.11: Zuzüge nach Lilienthal von Bremen 1990-2004 Zuzüge nach Lilienthal von Bremen 1990-2004 80 70 60 50 40 30 20 10 0 1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 50<65

65<75

75+

Quelle: Gemeinde Lilienthal, 2006

Mitte der 1990er Jahre übertraf die Anzahl fertig gestellter Wohneinheiten in Mehrfamilienhäusern die der Ein- und Zweifamilienhäuser. Seit Anfang 2000 überwiegt der Neubau in Ein- und Zweifamilienhäusern. Stadtrandgemeinden wie Lilienthal werden in der Regel einseitig mit Einfamilien- und Reihenhausgebieten in Verbindung gebracht. Die Baufertigstellungsstatistik zeigt jedoch, dass Mitte der 1990er Jahre mehr Wohneinheiten in Mehrfamilienhäusern als in Ein- und Zweifamilienhäusern entstanden sind. Erst seit 2002 überwiegt – bei insgesamt stark zurückgegangenem Fertigstellungsniveau, der Ein- und Zweifamilienhausbau. An den Bauanträgen ist abzulesen, dass nur ein Drittel der Ein- und Zweifamilienhäuser Doppelhäuser bzw. Reihenhäuser darstellt.

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Die Nachfrage nach Kindergartenplätzen hat bereits 2003 ihren Höchststand überschritten. Die oben beschriebene Stagnation bzw. der teilräumliche Rückgang von Kindern und Jugendlichen hat bereits seit 2002 zu einer Abnahme der Nachfrage nach Kindergartenplätzen geführt. Die Kommune hat bereits darauf reagiert und das Kindergartenplatzangebot um ca. 60 Plätze reduziert.

Abbildung 6.12: Entwicklung der Kindergartenplätze in der Gemeinde Lilienthal 1998-2006 Entwicklung der Kindergartenplätze in der Gemeinde Lilienthal 1998-2006 700 600 500 400 300 200 100 0 1998/1999 1999/2000 2000/2001 2001/2002 2002/2003 2003/2004 2004/2005 2005/2006 Anzahl der tatsächlich betreuten Kinder

Quelle: Gemeinde Lilienthal, 2006

Die Schülerzahlen nehmen in den nächsten Jahren deutlich ab. Der Höchststand der Anzahl der Schüler in Lilienthal ist überschritten. Die Vorausschätzung der Grundschülerzahlen bis 2011, die ja bereits die Kinder berücksichtigt, die geboren sind und damit eine gute Schätzung darstellt, geht von einer Abnahme von ca. 160 Schülern aus (Rückgang von ca. 20 % der Schüleranzahl 2006). Der Rückgang der Schülerzahlen ist teilräumlich unterschiedlich: Die größte Schülerabnahme ist an den Grundschulen in Falkenberg, Trupermoor und Frankenburg zu erwarten. Im Hinblick auf die Schülerzahlen der weiterführenden Schulen ist eine Vorausschätzung schwierig, weil die bildungspolitischen Reformen zu starken Veränderungen des Anwahlverhaltens von Schulformen nach der 4. Klasse geführt haben, die noch nicht als konstant zu werten sind.

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Abbildung 6.13: Entwicklung der Sch端lerzahl an Grundschulen insgesamt Entwicklung der Sch端lerzahl an den Grundschulen insgesamt 850 800 750 700 650 600 550 500 450 400 2006

2007

2008

2009

2010

2011

Quelle: Gemeinde Lilienthal, 2006

Abbildung 6.14: Voraussichtliche Entwicklung der Sch端lerzahlen an den Grundschulen der Gemeinde Lilienthal Voraussichtliche Entwicklung der Sch端lerzahlen an der Grundschulen der Gemeinde Lilienthal 250 200 150 100 50 0 2006

2007

2008

2009

2010

Schroeterschule

GS Falkenberg

GS Trupermoor

GS W orphausen

GS Frankenburg

GS Seebergen

2011

Quelle: Gemeinde Lilienthal, 2006

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Abbildung 6.15: Schülerzahlenentwicklung der Gemeinde Lilienthal 1995-2006 Schülerzahlentwicklung der Gemeinde Lilienthal 1995-2006 1400 1200 1000 800 600 400 200 0 1995/96 1996/97 1997/98 1998/99 1999/00 2000/01 2001/02 2002/03 2003/04 2004/05 2005/06 Orientierungsstufe

Hauptschule

Gymnasium

Christoph-Tornee-Schule

Realschule

Quelle: Gemeinde Lilienthal, 2006

6.4 Problemlagen und Herausforderungen Lilienthals demographisches Charakteristikum ist der beschleunigte Alterungsprozess der Bevölkerung. Es handelt sich dabei um „doppelte Alterung“: Der Anteil der über 50Jährigen ist überdurchschnittlich hoch und steigt, der Anteil der Kinder und Jugendlichen ist unterdurchschnittlich und sinkt. Mit diesem doppelten Alterungsprozess gehen Veränderungen der Wohnnachfrage und des -angebotes sowie Veränderungen der Nachfrage nach sozialer Infrastruktur einher. Im Kontext dieser demographischen Charakteristika können folgende differenzierte Befunde und Herausforderungen für die kommunale Politik formuliert werden: • Die Bevölkerung von Lilienthal ist überdurchschnittlich alt. Ohne Zuwanderung junger Menschen würde sich dieser Alterungsprozess, der heute zu den ausgeprägtesten in der Region Bremen gehört, noch weiter verstärken. Er ist insbesondere darauf zurückzuführen, dass die Bevölkerungsgruppen, die in den 1970er und 1980er Jahren zu hohen Einwohnerzuwächsen in Lilienthal führten, homogen älter werden. Weiterhin Familien mit Kindern anzuziehen, die die Alterungsprozesse mindern, stellt damit eine wichtige Herausforderung kommunaler Politik dar. • Hohe Wanderungsverluste sind bei der Gruppe der jungen Erwachsenen zu verzeichnen, die in Ausbildung gehen. Die Gemeinde wird auch auf lange Sicht keine Ausbildungsangebote schaffen können, die dieser Abwanderung Einhalt gebieten. Es könnte eine Herausforderung darin liegen, Instrumente zu entwickeln, die eine Rückkehr z. B. in einer Familiengründungsphase erleichtern. • Lilienthal hat heute schon eine vergleichsweise hohe Anzahl von älteren Menschen. Diese Anzahl wird weiter zunehmen. Soziale Infrastrukturangebote und spezifische Wohnangebote für diese Gruppe vorzuhalten bzw. zu schaffen ist eine wichtige kommunale Aufgabe. Gleichzeitig bietet sich auch eine Chance

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erhöhten bürgerschaftlichen Engagements von „aktiven Alten“, das für das Gemeinwesen genutzt werden könnte. Die Anzahl der Kinder stagniert insgesamt und wird in Zukunft, wie schon heute in Teilräumen zu beobachten ist, zurückgehen. Die Auslastung von Kindergärten und Schulen bei gleich bleibender oder verbesserter Qualität des Angebots der abnehmenden Anzahl der Nachfrager anzupassen, ist eine große Herausforderung. Angesichts des zunehmenden Alters der Eigentümer von Wohngebäuden in Wohngebieten, die in den 1960er und 1970er Jahren die erste Suburbanisierungswelle eingeleitet haben, ist ein erhöhter Eigentümerwechsel in der nahen Zukunft anzunehmen. Es ist offen, ob das erhöhte Angebot zu nachlassenden Preisen in peripheren Lagen auch zur schwierigen Vermarktbarkeit führt. Dieses gilt es zu beobachten und wenn möglich sollte präventiv agiert werden. Das Einwohnerwachstum schlägt sich hauptsächlich in den zentralen und infrastrukturell gut ausgestatteten Teilräumen Lilienthals nieder. Diese vermutlich auf Nachfrageinteressen und kommunale Baulandpolitik zurückzuführende Entwicklung gilt es weiter zu profilieren. Insgesamt ist davon auszugehen, dass sich der Immobilienmarkt im nächsten Jahrzehnt von einem Neubaumarkt zu einem Bestandsimmobilienmarkt entwickeln wird. Kommunale Steuerungspotenziale in einem Immobilienmarkt zu identifizieren, der durch Interessen von Einzeleigentümern von Altimmobilien geprägt ist, dürfte eine besondere Herausforderung darstellen.

Die Gemeinde Lilienthal geht in ihrem „Handlungskonzept Lilienthal 2020“, das von der Kommunalpolitik im April 2006 aufgestellt wurde, davon aus, dass der demographische Wandel „aufgrund der Lage im Großraum Bremen, der Nähe zur Universität und der guten verkehrlichen Anbindung zunächst weniger negative Auswirkungen haben wird als in peripheren Regionen“ (S. 3). Bezogen auf die Problemstellung von Schrumpfungsprozessen in anderen Regionen ist dieser Einschätzung uneingeschränkt zuzustimmen. Dabei sollten aber die Folgen eines derart ausgeprägten Alterungsprozesses für das Gemeinwesen nicht vernachlässigt werden. Mit der Aufstellung des Handlungskonzeptes 2020, das das Ziel einer Konzentration der Siedlungsentwicklung beinhaltet, dokumentiert Lilienthal, dass die Gemeinde die demographische Entwicklung in ihren Zukunftsplanungen berücksichtigt. Auch die regelmäßige Beobachtung der Kindergarten- und Schulauslastung sowie deren Abschätzung für die Zukunft zeigen, dass sich die Gemeinde der Auswirkungen des demographischen Wandels auf die soziale Infrastruktur bewusst ist. So ist es auch nicht selbstverständlich, dass der bereits erfolgte Abbau von knapp 60 Kindergartenplätzen in der jüngeren Vergangenheit vergleichsweise konstruktiv von Politik und Bevölkerung begleitet wurde. Gleichwohl entbindet das nicht von der Zukunftsaufgabe, grundlegende konzeptionelle Überlegungen zu einer langfristigen Standortplanung bei Schulen und Kindergärten angesichts abnehmender Kinderzahlen anzustellen.

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6.5 Gute Ansätze In der Gemeinde Lilienthal sind mehrere Ansätze zur Bewältigung des demographischen Wandels identifizierbar, die im regionalen Kontext als gute Beispiele gewertet werden können: • Monitoring Kindergarten und Schulauslastung: Die Verwaltung führt eine stets aktuelle Auflistung der Auslastung von Kindergärten und Schulen differenziert nach allen Standorten. Weiterhin wertet die Verwaltung die Altersstrukturdaten nach Einzugsbereichen der Infrastruktureinrichtungen aus und hat so einen Überblick, wie sich die Auslastungszahlen in den nächsten Jahren entwickeln werden. Dieses Monitoring stellt eine gute Informationsbasis für mittelfristige Standortplanungen von Kindergärten und Schulen dar. • Handlungskonzept Lilienthal 2020: Der Fachbereich III der Gemeindeverwaltung Lilienthals hat im April 2006 ein Handlungskonzept 2020 erstellt, das einen Überblick über vorhandene Grundlagen, Rahmenbedingungen und die wesentlichen Handlungsfelder und Herausforderungen der künftigen Gemeindeentwicklung in Lilienthal gibt, um daraus handlungsorientierte Konzepte ableiten zu können. Es beinhaltet u. a. wichtige Zielaussagen einer nachhaltigen Siedlungsentwicklung von Lilienthal und wurde Ende Mai 2006 von der Politik unterzeichnet. • Amtmann-Schroeter-Haus: Das Haus ist langjähriges Wohnhaus des international bekannten Astronomen Johann Hieronymus Schroeter, der 1782 als Amtmann in das Amt Lilienthal gekommen war. Das 1791 errichtete Haus ist das älteste Gebäude im Lilienthaler Zentrum und beherbergt seit 1993 ein Zentrum für Seniorenarbeit (vgl. www.amtmann-schroeter-haus.de), das von einer privaten Stiftung getragen wird und seit 2003 auch mit Ratsbeschluss für die kommunale Seniorenarbeit zuständig ist. Das Haus bietet Raum für Selbsthilfegruppen zu verschiedenen Krankheitsbildern, es beherbergt Arbeitsgemeinschaften aus sozialen Bereichen, der Seniorenbeirat ist hier zuhause und diverse Beratungsangebote werden vorgehalten. Es gibt regelmäßige Vorträge zu Fragen der Gesundheit und Informationsveranstaltungen zu aktuellen Themen wie Patientenverfügung, Betreuungsgesetz, Pflegeversicherung oder Erbrecht. Es stehen kompetente ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeiter zur Verfügung, die für individuelle Nöte Ansprechpartner sind. Bereits 1997 zählte das Amtmann-Schroeter-Haus zu den Preisträgern des „Deutschen Seniorenpreis Multimedia". Das Preisgeld von DM 50.000 war Grundstock des Internetcafes, das Anlaufstelle interessierter Senioren zu allen Fragen des Internet ist. • Ökosiedlung: Das Siedlungsgelände des Vereins Lebensraum Lilienthal e. V. (vgl. www.liliensiedlung.de) ist ungefähr 3 Hektar groß und liegt am Rande eines „konventionellen“ Neubaugebiets zwischen Lilienthal und Falkenberg. Bei der Siedlung handelt es sich um eine von einem Verein gesteuerte Quartiersentwicklung, bei der außergewöhnliche Wohnkonzepte mit besonderem ökologischem und sozialem Anspruch realisiert werden sollen. Ca. 70 Wohneinheiten auf 9 Teilbauflächen - den so genannten Baufenstern - sind bereits entstanden oder noch in Planung. Sieben Jahre Austausch über individuelle Wohnvorstellungen, zähe Verhandlungen und präzise Planungen des Vereins Lebensraum Lilienthal trugen im September 1997 zur Grundsteinlegung der ersten Häuser ihre Früchte. Im selben Jahr wurde Richtfest gefeiert. In der Vielfalt der Architekturstile liegen der Charme und die

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Attraktivität dieser Siedlung. Nach Angaben des Vereins wohnen in der Siedlung „über einhundert 'soziale Individualisten', Singles und Paare, junge und alte, mit Kindern oder ohne, aus den verschiedensten Berufsfeldern - man wird akzeptiert mit seinem traditionell-bürgerlichen Lebenszuschnitt, aber auch beim Ausprobieren alternativer Lebensformen und ökologischen Wirtschaftens“. Die Baufenster unterscheiden sich in der architektonischen Gestaltung und im Preis voneinander. Dies hängt zum Beispiel davon ab, welche Baumaterialien gewählt werden, ob ein Ausbauhaus oder ein schlüsselfertiges Haus gewählt wird, welche Ansprüche bezüglich der Ausstattung bestehen. Es ist jeweils ein/e Architekt/in bzw. ein Architektenteam für eine Hausgruppe zuständig. Die Raumaufteilung in den Häusern wird mit den zuständigen Architekten individuell abgestimmt

6.6 Handlungsoptionen Bei der Bewältigung des demographischen Wandels gibt es nicht „den Königsweg“ kommunalen Handelns. Die Kommunen müssen ihre demographische Struktur und die zu erwartende Entwicklung analysieren und auf der Basis dieser Analyse Handlungsziele für die Zukunft formulieren. So ist beispielsweise bei einer demographischen Struktur wie der der Gemeinde Lilienthal denkbar, den im Regionalvergleich fortgeschrittenen Alterungsprozess als Profilierungsargument einzusetzen, attraktive Angebote für die Gruppe der über 50-Jährigen für ihren „Lebensabend“ in Lilienthal weiter zu entwickeln und damit noch mehr, meist kaufkräftige sog. Best-Agers zu umwerben. Genauso überzeugend kann es sein, durch eine gezielte Familienpolitik dem Trend abnehmender Kinder- und Jugendzahlen entgegen zu wirken. Vor dem Hintergrund unterschiedlicher Handlungsmöglichkeiten werden an dieser Stelle Handlungsoptionen formuliert, über deren Einsatz als Einzelmaßnahme oder auch in Kombination mehrerer Ansätze die kommunalen Entscheidungsträger im Sinne des aus ihrer Sicht richtigen Rezeptes beraten müssen. Die Handlungsoptionen für die Gemeinde Lilienthal betreffen die drei Ebenen „Zielgruppen“, „Siedlungstypen“ und „soziale Infrastruktureinrichtungen“ und werden im Folgenden getrennt dargestellt:

Zielgruppen: • Ausbildungsabwanderer umwerben: Die Gemeinde kann in Ermangelung von Ausbildungseinrichtungen nur geringen Einfluss auf die Abwanderung der ca. 18-30-Jährigen nehmen. Angesichts der räumlichen Nähe zur Universität Bremen sollte die Gemeinde nicht ungeprüft lassen, ob spezifische Wohnprodukte für Studierende nicht Ausbildungsabwanderer halten oder auch Studierende anziehen können. Gleichzeitig können abwandernde junge Erwachsene, die in der Regel eine hohe Bindung an Lilienthal haben, als potenzielle Rückwanderungsgruppen in späteren Lebensphasen betrachtet werden. Indem diese Abwanderungsgruppe nach Abmeldung beim Einwohnermeldeamt z. B. ein Schreiben des Bürgermeisters bekommen, in dem dokumentiert wird, dass sich die Gemeinde über eine Rückkehr in einer späteren Lebensphase freuen würde, könnte die Rückkehr erleichtert werden. Auch die Unterstützung bei Klassentreffen o. ä. kann die Verbindung der Kommune zu „ihren“ Kindern halten und deren Rückkehr erleichtern. • Zielgruppenspezifische Wohnprodukte anbieten: Der Immobilienmarkt einer suburbanen Gemeinde wie Lilienthal ist dominiert vom Einfamilienhaus, gefolgt vom Doppel- und Reihenhaus. Die Baufertigstellungsstatistik bestätigt diesen

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Eindruck. Gleichwohl zeigt die Baufertigstellungsstatistik, dass in den 1990er Jahren auch zahlreiche Wohneinheiten im Geschosswohnungsbau entstanden sind, in der Mehrheit vermutlich Eigentumswohnungen der gehobenen Kategorie, teilweise auch barrierefrei. Eine Ausweitung des bislang verhältnismäßig einseitigen Angebots an Wohnprodukten erscheint im Sinne der Erreichung vieler Zielgruppen sinnvoll. Nun kann die Kommune den Immobilienmarkt formell nur über ihre Bauleitplanung beeinflussen. In Zeiten der Nachfrageschwächung nimmt aber die Rolle der Kommune als Moderatorin und Initiatorin von Immobilienprozessen zu. Da unklar ist, welche Wohnprodukte an einem Standort Interesse wecken könnten, dürfte es Sinn machen, eine Arbeitsgruppe potenzieller Bauträger für neue Wohnprodukte zu initiieren, um als Kommune zusammen mit Marktpartnern Handlungsoptionen auszuloten. Mit der Ökosiedlung Lilienthal liegen immerhin Erfahrungen mit Nischenprodukten auf dem Immobilienmarkt in Lilienthal vor, die hilfreich für die Entwicklung weiterer Nischenstrategien sein können. • Familien mit Bauland umwerben: Das Leitbild des Einfamilienhauses im Grünen hat – nicht nur für Familiengründer – in Deutschland nach wie vor eine hohe Anziehungskraft. Untersuchungen in anderen Regionen, aber auch die vorliegende Studie weisen darauf hin, dass in einer insbesondere aus demographischen Gründen abnehmenden Nachfragergruppe der Familiengründer bei anhaltendem Baulandangebot im suburbanen Raum tendenziell Standorte mit guter infrastruktureller Ausstattung bevorzugt werden. Die Gemeinde Lilienthal hat sich bereits mit der in ihrem Handlungskonzept 2020 formulierten Konzentrationsstrategie der Baulandausweisung auf Ortsteile mit guter Infrastruktur auf diese Entwicklung eingestellt. Bei der Baulandpolitik gilt es zu berücksichtigen, dass der schon in den vergangenen Jahren zu beobachtende Nachfragerückgang nach Einfamilienhausgrundstücken anhalten bzw. sich weiter reduzieren wird. Eine behutsame Angebotspolitik erscheint angeraten, um nicht den lokalen Immobilienmarkt angesichts des zu erwartenden Anstiegs des Verkaufs von Einfamilienhäusern aus den 1960er und 1970er Jahren unter Druck zu bringen. • Familien mit Gebrauchtimmobilien umwerben: Der suburbane Standort Lilienthal ist im regionalen Vergleich ein Hochpreisstandort, der es nur kaufkräftigen Eigentumsbildnern erlaubt, Immobilien zu erwerben. In Zukunft werden angesichts der Alterungsprozesse der Eigentümer von Einfamilienhäusern der Suburbanisierungswellen der 1960er und 1970er Jahre die Verkäufe von Gebrauchtimmobilien steigen. Diese Gebrauchtimmobilien werden voraussichtlich in Preiskategorien fallen, die auch weniger kaufkräftigen Bürgern eine Eigentumsbildung in Lilienthal ermöglichen. Die Gemeinde wird sich die Frage stellen müssen, ob sie den Eigentumsübergang solcher Immobilien für eine soziale und bauliche Erneuerung systematisch nutzen will. Dies könnte z. B. durch kommunale Förderprogramme oder spezifische Beratungsansätze für Eigentumsbildner in „alten“ Einfamilienhausgebieten erfolgen. • Best Agers umwerben: Lilienthal hat bereits heute eine große Anzahl über 50-Jähriger und diese Zahl wird noch steigen. Das infrastrukturelle Angebot ist – zumindest im zentralen Ortsteil Lilienthal – für diese Zielgruppe gut. Der Zuzug in dieser Altersgruppe aus Bremen beträgt immerhin im Durchschnitt 100 Personen pro Jahr und verbleibt seit langem auf diesem Niveau, während die Zuzüge unter 50-Jähriger aus Bremen nicht nur starken Schwankungen unterliegen, sondern auch seit 2000 zurückgegangen sind. Best Agers sind damit für die Gemeinde Lilienthal eine interessante Zielgruppe, die sowohl durch eine Erweiterung der Wohnangebote des barrierefreien Wohnens als

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auch durch Bewerbung der Standortqualitäten Lilienthals für dieses Klientel angesprochen werden kann.

6.6.1 Handlungsoptionen für Siedlungstypen In suburbanen Lagen wie den Ortsteilen der Gemeinde Lilienthal verzeichnet der Haustyp Einfamilienhaus eine hohe Bedeutung, gefolgt vom Reihen- und Doppelhaus. Die Entwicklung der hohen Bedeutung dieses Haustyps begann in diesen Lagen mit Einsetzen der Stadtrandwanderungsprozesse in den 1960er Jahren. Die demographische Entwicklung führt einerseits zum verstärkten Eigentumswechsel, weil viele Ersteigentümer sich aus Altersgründen von der Immobilie trennen (müssen), andererseits nimmt die Hauptnachfragergruppe der Familiengründer ab. Mit einem erhöhten Marktangebot alter Einfamiliehäuser mit teilweise ausgeprägtem Modernisierungsstau wächst die Gefahr der schrittweisen Abwertung von Einfamilienhaussiedlungen der 1960er und 1970er Jahre. Aktuell scheint ein solcher Abwertungsprozess in Lilienthaler Siedlungen dieses Typs noch nicht erkennbar, eine vertiefende Analyse erscheint aber als Frühwarnsystem sinnvoll. Eine mehrphasige Vorgehensweise könnte folgendermaßen aussehen: • Analysephase: Am Beginn steht eine Abschätzung der Gefährdung der Siedlungsgebiete. Mit einer stromzählergestützten Leerstandsanalyse durch das kommunale Energieversorgungsunternehmen könnte erhoben werden, ob es bereits Leerstand in bestimmten Siedlungen gibt. Eine Gefährdungsabschätzung für die Zukunft ist möglich durch die Analyse, in welchen Gebäuden nur Einzelpersonen über 65 Jahre gemeldet sind. Dies lässt Rückschlüsse darauf zu, dass diese Häuser in absehbarer Zeit einen Nutzerwechsel erfahren werden. • Vorbereitungsphase: Für den Fall, dass eine Gefährdung bestimmter Siedlungsbereiche konstatiert werden kann, sollte in einer Vorbereitungsphase ein lokales Bündnis von Eigentümern, Kommune, dem Eigentümerschutzverband Haus & Grund, der lokalen Bauwirtschaft und lokaler Kreditinstitute geschmiedet werden, das potenzielle Lösungsansätze für Aufwertungsstrategien solcher Gebietstypen erarbeitet. Mögliche Instrumente solcher Aufwertung können u. a. kommunale Förderprogramme, spezifische Beratungsangebote für Fördermittel oder zinsgünstige öffentliche Kredite und spezifische Angebote der Bauwirtschaft für Modernisierungslösungen sein. • Umsetzungsphase: Die vom lokalen Bündnis erarbeiteten Instrumente zur Aufwertung werden schrittweise umgesetzt.

6.6.2 Handlungsoptionen zur Anpassung sozialer Infrastruktur Die Auslastung von Kindergärten und Schulen ist in Lilienthal bereits in den letzten Jahren zurückgegangen und wird weiterhin abnehmen. Das gut funktionierende Monitoringsystem liefert die notwendigen Daten, um Anpassungsmaßnahmen vorzunehmen. Die Gemeinde wird in Zukunft nicht umhinkommen, auf der Basis vorliegender Auslastungszahlen und der Entwicklung der Nachfrager in den jeweiligen Einzugsbereichen Standorte von Kindergärten und Schulen auf ihre Zukunftsfähigkeit zu überprüfen. Ziel sollte ein mittelfristig angelegtes Standortsicherungskonzept für Kindergärten und Schulen sein, das folgende Aspekte berücksichtigt: • Es gilt zu prüfen, ob tendenziell ein wohnortnahes Angebotssystem kleinerer Einrichtungen oder ein zentralisierteres System größerer Einrichtungen mit Angebotsvielfalt verfolgt werden soll.

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• Es gilt zu prüfen, ob die räumliche Veränderung des Angebotssystems einschließlich der Aufgabe von Standorten mit einer inhaltlichen Verbesserung der Angebotsqualität verbunden werden kann. Im Rahmen von Standortsicherungskonzepten sollte die Mehrfachnutzung von Gebäuden, die Flexibilisierung von Raumangeboten, Angebotssynergien und die Zusammenarbeit mit privaten Anbietern Berücksichtigung finden. • Die Auslastung von Kinderkrippen und Kindergärten steht in großer Abhängigkeit des Zuzugs von Familien mit Kindern in bestimmten Siedlungsgebieten und unterliegt daher großen Schwankungen. Es gilt zu prüfen, inwieweit durch Förderung privater Einrichtungen oder von Tagesmüttern diese Schwankungen einfacher zu bewältigen sind als durch Angebote in kommunaler Trägerschaft. Dies gilt z. B. auch für den mittelfristig geplanten Ausbau der Krippenplätze durch die Änderung des Tagesbetreuungsausbaugesetzes (TAG). Der Landkreis Osterholz als Träger der Jugendhilfe strebt in diesem Bereich eine Versorgungsquote von 10% 15 % bis zum Jahr 2010 an.

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7 Fallstudie Thedinghausen 7.1 Konzeption der Fallstudie Die Fallstudie der Samtgemeinde (SG) Thedinghausen im Rahmen der o. g. Praxisstudie ist in vier Bausteine gegliedert: Sie startet mit der Beschreibung der Ausgangslage, formuliert anschließend die Problemlagen und Herausforderungen, hebt Gute Beispiele in einem dritten Baustein hervor und schließt mit Handlungsoptionen in Bezug auf Wohnungsmarkt, Baulandentwicklung und soziale Infrastrukturplanung ab. Angesichts der Fülle des zugrunde liegenden Daten- und Informationsmaterials und zur besseren Lesbarkeit werden die wichtigen Informationen zu prägnanten Aussagen verdichtet und mit Text und Grafik belegt.

7.2 Ortsteile in der Übersicht Die SG Thedinghausen hat im Jahr 2006 15.246 Einwohner. Bis zum 31.10.2006 bestand die SG aus fünf Mitgliedsgemeinden; mit dem Zusammenschluss von Thedinghausen und Morsum zum 1.11.2006 hat sich die Zahl der Mitgliedsgemeinden auf vier reduziert: Blender, Emtinghausen, Thedinghausen und Riede. Um möglichst kleinräumige Aussagen treffen zu können, beziehen sich die Analysen und Erläuterungen in diesem Text aber noch auf fünf Mitgliedsgemeinden. Thedinghausen ist die größte Mitgliedsgemeinde der gleichnamigen Samtgemeinde. Hier wohnt ein Drittel der Bevölkerung und als Grundzentrum verfügt Thedinghausen über die beste Infrastruktur- und Versorgungsausstattung aller Mitgliedsgemeinden. Neben der Samtgemeindeverwaltung befinden sich Schulen, Kindergärten und ein Altenheim im Zentrum von Thedinghausen. Darüber hinaus hat der beschleunigte Struktur- und Standortwandel im Einzelhandel dazu geführt, dass sich die mittlerweile von Discountern und Lebensmittelvollsortimentern dominierte Versorgungsinfrastruktur der Samtgemeinde signifikant auf den Hauptort konzentriert. Keine andere Mitgliedsgemeinde verfügt heute über vergleichbare umfassende Versorgungsangebote für Güter des täglichen Bedarfs. Die anderen Mitgliedsgemeinden lassen sich wie folgt charakterisieren: • Die Gemeinde Blender liegt im Osten des Samtgemeindegebiets und hat ca. 3.000 Einwohner. Die Siedlungsstruktur weist ein relativ kompaktes Erscheinungsbild auf, es gibt nur wenig Streubebauung im Außenbereich. Die Siedlungskerne verfügen teilweise über ältere Bausubstanz. Grundschule und Kindergarten werden als soziale Einrichtungen vorgehalten. • Emtinghausen liegt im Südwesten und hat ca. 1.700 Einwohner. Siedlungsstrukturell ist die Gemeinde geprägt vom Kreuzungspunkt der L354 mit der L331, entlang derer sich die Siedlungsentwicklung vollzogen hat. Erste Einfamilienhausgebiete haben seit der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts diese straßenorientierte Struktur ergänzt. Emtinghausen besitzt einen Kindergarten, ein Gemeindebüro und Sportstätten, jedoch keinen Schulstandort und eine lediglich rudimentäre Einzelhandelsversorgung. • Morsum hat knapp 3.000 Einwohner und eine heterogene Siedlungsstruktur. Die Mitgliedsgemeinde ist geprägt durch die Hauptorte Morsum und Wulmstorf sowie einen hohen Anteil landwirtschaftlicher Nutzfläche. Grundschule und Kindergarten werden vorgehalten, die Einzelhandelsversorgung ist defizitär. • Riede mit seinen 2.800 Einwohnern liegt im Westen der Samtgemeinde und ist geprägt vom Hauptort Riede mit altem Ortskern. Grundschule, Sporthalle und Kindergarten stellen als jüngere Entwicklungen Teil einer Siedlungserweiterung

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dar. Jüngste Ergebnisse der Bautätigkeit sind Wohngebiete entlang der Bremer Straße, die – untypisch für diese Lage – Reihenhausbebauung beinhalten.

7.3 Ausgangslage Thedinghausens Demographieprofil ist: Regionale Spitzenposition beim Bevölkerungszuwachs, der die altersstrukturellen Verschiebungen gering hält! Im Vergleich der fünf demographischen Faktoren (Bevölkerungsentwicklung, Ältere Menschen, Familien, Junge Menschen und Migration) mit allen Gemeinden des Kommunalverbunds nimmt die SG Abbildung 7.1: Mittelwert der Thedinghausen die erste Rangposition ein. Sie verzeichnet seit Mitte der 1990er Demographie-Indikatoren - Thedinghausen Jahre die dritthöchsten Bevölkerungsgewinne in der Region und 1 1,5 2 2,5 3 die Prognose lässt zunächst eine weiterhin anhaltend positive Entwicklung erwarten. Im regionalen Vergleich hat die Bevölkerungsentwicklung Gemeinde heute geringe Anteile über 65-Jähriger, deren Zuwächse bis 2020 wiederum unterdurchschnittlich prognostiziert werden. Gleichzeitig hat sie hohe Anteile von Kindern und Ältere Menschen Jugendlichen, die auch nach der Prognose mittelfristig fortbestehen werden, weiterhin weisen die Analysen auf Familienzuwanderung und vergleichsweise hohe Fertilitätsraten Familien sowie geringe Anteile von Migranten hin. Thedinghausen steht damit für eine ‚späte’ Suburbanisierungsgemeinde, deren natürliche Alterungsprozesse künftig noch von der Zuwanderung von Junge Menschen Familien mit Kindern gemildert werden und die zunächst sogar über einen leichten Geburtenüberschuss verfügt. Wenn die Zuwanderungsprozesse in Zukunft anhalten sollten, wird Migration Thedinghausen nur geringfügige alterstrukturelle Verschiebungen zu erwarten haben. Trotz der im Regionalvergleich günstigen Situation Quelle: eigene Berechnungen wird sich aber auch die SG Thedinghausen den übergeordneten demographischen Prozessen nicht entziehen können; auch Thedinghausen wird sich mittel- und langfristig auf einen signifikanten demographischen Wandel im Samtgemeindegebiet einstellen müssen. Hier werden speziell folgende Prozesse zu berücksichtigen sein: • Der ‚Suburbanisierungsdruck’ des Ballungsraums Bremen lässt als Folge des ‚Pillenknicks’ deutlich nach: Seit Anfang der 1970er Jahre sind die Geburten je Frau auf 30 % unterhalb des Bestandserhaltungsniveaus abgesunken und verharren seither konstant auf diesem Stand. Die Umlandgemeinden haben bis

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in die späten 90er Jahre des letzten Jahrhunderts von der Familiengründungsphase der sog. Babyboomer profitiert. Künftig wird jedoch – Zuwanderung herausgerechnet – jede Generation um ein Drittel kleiner ausfallen als ihre Elterngeneration. Das typische Zielgruppenpotenzial der Neubau-Wohngebiete im Umland wird künftig mit jeder Generation um etwa ein Drittel abnehmen. Schon die deutlich rückläufigen Zuwanderungen aus Bremen in den vergangenen fünf Jahren sind von diesem Umbruch beeinflusst. • Auch die im Regionalvergleich hohe Fertilitätsrate der SG liegt deutlich unterhalb des Bestandserhaltungsniveaus. Nur der hohe Anteil junger Frauen sorgt aktuell für ein natürliches Bevölkerungswachstum. Sobald die den im letzten Jahrzehnt zugewanderten Familien zuzuordnenden Geburten abnehmen und insbesondere wenn die Sterbefälle der überdurchschnittlich stark vertretenen Jahrgänge (ca. ab 1950) deutlich ansteigen, wird voraussichtlich auch Thedinghausen mit Bevölkerungsrückgang umzugehen haben. Mit den absehbar sinkenden Zuwanderungen junger Familien wird auch die positive Entwicklung bei den Kindern und Jugendlichen mittel- bis langfristig kippen und rückläufig werden. • Die Entwicklung des Altersstrukturaufbaus der SG Thedinghausen lässt bis zum Ende des Prognosezeitraums (2020) noch keine problematischen Prozesse im Hinblick auf einen überdurchschnittlichen Seniorenanteil erkennen. Dies liegt allerdings zum großen Teil in der späten Wachstumsphase Thedinghausens begründet: Die große Zahl der in den 1990er Jahren zugewanderten Familiengründer wird erst nach 2020 in eine Lebensphase überwechseln, die spezielle Infrastrukturanpassungen erforderlich machen dürfte.

Thedinghausen verzeichnet seit Mitte der 1990er Jahre anhaltend hohe Einwohnerzuwächse! Thedinghausen verzeichnet seit Mitte der 1990er Jahre nach Hatten und Hude die höchsten prozentualen Bevölkerungsgewinne im Kommunalverbund. Zwischen 2000 und 2005 flachte die Steigerungsrate leicht ab, um 2006 wieder anzusteigen. Der Einwohnerzuwachs betrug zwischen 1996 und 2003 12 %, was deutlich über dem Wachstum im Landkreis Verden und in Niedersachsen liegt3.

3

Nach Daten des Nds. Landesamtes für Statistik liegt der Bevölkerungsgewinn zwischen 1996 und 2003 bei 9 %. Die von der Kommune gelieferten Daten weisen einen Bevölkerungszuwachs von ca. 17% zwischen 1995 und 2006 auf. Unterschiede dieser Datenlagen sind bekannt. Im Weiteren werden die kommunalen Daten genutzt, weil nur diese in der entsprechenden Differenziertheit vorliegen.

102


Abbildung 7.2: Bevölkerungsentwicklung der Samtgemeinde Thedinghausen 1995-2006 Bevölkerungsentwicklung der Samtgemeinde Thedinghausen 1995-2005 15500 15000 14500 14000 13500 13000 12500 12000 11500 1995

1996

1997

1998

1999

2000

2001

2002

2003

2004

2005

2006

Samtgemeinde Thedinghausen

Quelle: Samtgemeinde Thedinghausen, 2006

Die Mitgliedsgemeinde Thedinghausen verzeichnet anhaltenden Bevölkerungszuwachs, während die Einwohnerentwicklung in den kleineren Ortsteilen seit 2002 stagniert. Die Einwohnerentwicklung in der Gemeinde Thedinghausen verläuft schon seit den 1970er Jahren positiv. Besonders starke Einwohnerzuwächse sind seit Mitte der 1990er Jahre zu verzeichnen. In den 1990er Jahren verteilten sich die Zuwächse auf alle Ortsteile, seit 2002 konzentrieren sich die Zuwächse auf den größten Ortsteil Thedinghausen. Aussagen von Verantwortlichen der Gemeinde legen die Vermutung nahe, dass die Konzentration der Einwohnerzuwächse auf Thedinghausen in der jüngeren Vergangenheit einerseits auf die Eröffnung einer Grundschule im Jahre 2000 sowie andererseits auf das bessere Einzelhandelsangebot und die bessere infrastrukturelle Ausstattung zurückzuführen ist. Der Strukturwandel im Einzelhandel mit Größenwachstum der Einheiten und Discounterisierung hat seit Ende der 1990er Jahre in der Gemeinde Thedinghausen dazu geführt, dass inzwischen fünf große Lebensmittelanbieter im Hauptort Thedinghausen angesiedelt sind, sich die Lebensmittelversorgung in allen anderen Ortsteilen dagegen auf einen Bäcker oder Vergleichbares reduziert hat.

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Abbildung 7.3: Bevölkerungsentwicklung der Gemeinden der SG Thedinghausen 1970-2005 Bevölkerungsentwicklung der Gemeinden der SG Thedinghausen 1970-2005 5000 4500 4000 3500 3000 2500 2000 1500 1000 500

Emtinghausen

05

04

20

03

20

02

20

01

20

00

Riede

20

99

20

98

Morsum

19

97

19

96

19

95

19

94

19

93

19

92

19

91

19

90

Blender

19

85

19

80

19

75

19

19

19

70

0

Thedinghausen

Quelle: Samtgemeinde Thedinghausen, 2006

Thedinghausens Altersstruktur ist geprägt von Familien mit Kindern! Die Altersstruktur der Bevölkerung von Thedinghausen ist typisch für eine suburbane Gemeinde, die in den letzten 10 bis 15 Jahren hohe Wanderungsgewinne von Familien mit Kindern zu verzeichnen hatte: Der Anteil der unter 18-Jährigen (Jahrgänge 1988 bis 2006) ist hoch, ebenso der Anteil der Altersgruppe der 31-50-Jährigen (Jahrgänge 19561976), die vielfach die Elterngeneration der unter 18-Jährigen darstellen. Gleichzeitig ist die Altersgruppe der 19-30-Jährigen unterdurchschnittlich besetzt, weil diese Altersgruppe in Ermangelung von Ausbildungsangeboten abwandert.

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Abbildung 7.4: Altersstruktur der Samtgemeinde Thedinghausen nach Geburtsjahrgängen Altersstruktur der Samtgemeinde Thedinghausen nach Geburtsjahrgängen 40% 35% 30% 25% 20% 15% 10% 5% 0% 1906-1925

1926-1940

1941-1955

1956-1975

1976-1987

1988-2006

Quelle: Samtgemeinde Thedinghausen, 2006

Der Einwohnerzuwachs ist überwiegend auf Wanderungsgewinne zurückzuführen. Für den Bevölkerungszuwachs seit Mitte der 1990er Jahre ist hauptsächlich der positive Wanderungssaldo verantwortlich, wenn auch die geringen Geburtenüberschüsse eine Besonderheit in der Region darstellen. Die Wanderungsgewinne waren Ende der 1990er Jahre mehr als doppelt so hoch wie seit 2001. Eine erstaunliche Entwicklung vollzog sich 2005, wo erstmals ein Wanderungsverlust zu verzeichnen war.

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Abbildung 7.5: Natürliche Bevölkerungsbewegung und Wanderungssalden für die Samtgemeinde Thedinghausen 1995-2005 Natürliche Bevölkerungsbewegung und Wanderungssalden für die Samtgemeinde Thedinghausen 1995-2005 350 300 250 200 150 100 50 0 -50

1995

1996

1997

1998

1999

2000

2001

2002

2003

2004

2005

-100 natürlicher Saldo SG Thedinghausen

W anderungssaldo SG Thedinghausen

Quelle: Samtgemeinde Thedinghausen, 2006

Der Einwohnerzuwachs resultiert aus Zuzügen aus Bremen, Achim und Verden. Die Wanderungssalden seit Mitte der 1990er Jahre weisen hohe Wanderungsgewinne Mitte und Ende der 1990er Jahre aus Bremen und Achim auf, die allerdings seit 2000 stark abgesunken sind, in einzelnen Jahren sogar Verluste zeigen. Dazu ergänzende Informationen erschließt die Analyse der Zuzüge aus Bremen und den Thedinghausen benachbarten Städten Achim, Syke und Verden: Die Zuzüge aus Bremen haben bereits seit 2000 sukzessive abgenommen, machen aber auch 2005 noch über 130 Personen aus. Die Zuzüge aus Achim sind dagegen weitgehend stabil geblieben und liegen bei immerhin fast 100 pro Jahr. Zuzüge aus Verden haben in jüngerer Zeit abgenommen, während Umzüge aus Syke auf niedrigem Niveau stagnieren. Insgesamt liegt die Summe der Zuzüge aus Achim, Syke und Verden höher als die Zahl der aus Bremen Zugezogenen. Damit zeigt sich ein nicht nur von der Metropole, sondern auch von den kleineren Zentren ausgehender Suburbanisierungsprozess in der Region. Aus dem Vergleich der Wanderungssalden und der Zuzüge wird erkennbar, dass nicht alleine die Abnahme der Zuzüge für den Wanderungsverlust 2005 verantwortlich sein kann, sondern dieser Wanderungsverlust insbesondere auch auf hohe Fortzüge zurückzuführen ist. Die Vermutung liegt nahe, dass sich in diesen Zahlen speziell die Fortzüge der stark vertretenen Altersgruppe der 18-30-Jährigen niederschlagen.

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Abbildung 7.6: Wanderungssalden 1996-2005 Wanderungssalden 1996-2005 200

150

100

50

0 1996

1997

1998

1999

2000

2001

2002

2003

2004

2005

2004

2005

-50 Syke

Achim

Verden

Bremen

Quelle: Samtgemeinde Thedinghausen, 2006 Abbildung 7.7: Zuzüge nach Thedinghausen 1996-2005 Zuzüge nach Thedinghausen 1996-2005 300 250 200 150 100 50 0 1996

1997

1998

1999 Syke

2000 Achim

2001 Verden

2002

2003 Bremen

Quelle: Samtgemeinde Thedinghausen, 2006

Auf dem Immobilienmarkt Thedinghausens spielt Neubautätigkeit eine bedeutende Rolle. Die Baufertigstellungen sind dabei seit 2000 um ein Drittel zurückgegangen. Der Grundstücksmarktbericht 2005 für den Landkreis Verden zeigt für Thedinghausen ein Immobilienmarktgeschehen, das durch einen hohen Anteil an Wohnbaulandverkauf geprägt ist. Von den insgesamt 169 registrierten Verkaufsfällen sind 75 Fälle (44,4 %) bebaute Grundstücke (also Gebrauchtimmobilien mit Grundstück), 61 Fälle (36,1 %) sind Baulandverkäufe und nur 9 Fälle (5,3 %) Eigentumswohnungen oder andere Formen von

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Teileigentum4. Dies stellt einen strukturellen Unterschied zu einer Stadt wie z. B. Achim dar, wo im selben Zeitraum 35 % der Verkaufsfälle Eigentumswohnungen und Teileigentum darstellten, dagegen nur 21 % Baulandverkäufe. Der hohe Anteil von Baulandverkäufen weist auf eine große Anzahl von Baufertigstellungen hin, die sich auch in den entsprechenden Statistiken niederschlagen. Die Fertigstellungen sind allerdings seit dem Jahr 2000 binnen fünf Jahren um etwa ein Drittel auf ca. 100 Fertigstellungen zurückgegangen.

Abbildung 7.8: Baufertigstellungen in Thedinghausen 1996-2005

Ältere Gebäude an Hauptverkehrsstraßen finden keine Nutzer mehr! Die Kerne der Siedlungsentwicklung befinden sich in der SG Thedinghausen im Allgemeinen in innerörtlicher Lage und an den Hauptverkehrsstraßen. In persönlichen Gesprächen mit Verantwortlichen vor Ort und durch Anschauung fällt auf, dass zahlreiche der älteren Gebäude in zentraler Ortslage, häufig solche mit ehemals landwirtschaftlicher Nutzung, sichtbaren Modernisierungsstau aufweisen, untergenutzt wirken oder in Teilen leer stehen. Viele dieser Gebäude sind im Eigentum älterer Menschen, manche gehören auch Eigentümergemeinschaften. Eine Nachfrage nach diesen Immobilien an Hauptverkehrstraßen existiert kaum, weil sie für die Anpassung an heutige Nutzerwünsche hoher Investitionen bedürfen und gleichzeitig wegen überdurchschnittlicher Luft- und Lärmbelastung wenig attraktive Lagen aufweisen. Geringe Nachfrage und zunehmender Verkaufsdruck angesichts des Alters vieler Eigentümer könnten in Zukunft zu städtebaulichen Problemlagen in den alten Ortskernen mit Unternutzung und Leerstand alter Gebäude führen.

4

Bei den Restfällen zu 100% handelt es sich um land- und forstwirtschaftliche Flächen.

108


In jeder Mitgliedsgemeinde werden Kindergartenplätze angeboten. In einzelnen Mitgliedsgemeinden mussten in der Vergangenheit bereits Kindergartengruppen abgebaut werden. In Blender, Emtinghausen, Morsum, Riede und Thedinghausen werden überwiegend mehr Kindergartenplätze angeboten als dies nach Bedarfsschätzung notwendig wäre. An einigen Standorten sind die Kapazitäten nicht vollständig ausgeschöpft. Hinter dieser punktuellen Bestandsaufnahme verbergen sich teilräumlich starke Veränderungen der vergangenen Jahre. So wurden beispielsweise in den 1990er Jahren in der Gemeinde Riede wegen erhöhten Bedarfs durch starken Zuzug zusätzliche Kapazitäten geschaffen, die kürzlich wegen abnehmender Nachfrage wieder abgebaut werden mussten. Auch die insgesamt von starkem Bevölkerungswachstum durch Zuzug von Familien geprägte Samtgemeinde ist in Teilräumen schon heute mit der Notwendigkeit konfrontiert, Infrastrukturkapazitäten abbauen zu müssen.

Abbildung 7.9: Kapazität an Kindergartenplätzen in Thedinghausen 2006 140 120 100 80 60 40 20

Angebot nach Betriebserlaubnis

Plätze zur Bedarfsdeckung

Waldkindergarten Thänhuser Holtkinners

Koop. Kindertagesstätte Thedinghausen

Morsumer Kindergruppe e.V.

Kiga Thedingausen

Kiga Riede

Kiga Morsum

Kiga Emtinghausen

Kiga Blender

0

Anzahl betreuter Kinder

Quelle: Samtgemeinde Thedinghausen, 2006

Die Schülerzahlen sind in der Vergangenheit kontinuierlich gestiegen. Die Grundschülerzahlen werden aber an allen Standorten außer Thedinghausen in der Zukunft abnehmen. Die Samtgemeinde verfügt zurzeit über vier Grundschulen in den Mitgliedsgemeinden Blender, Morsum, Riede und Thedinghausen sowie über eine Haupt- und eine Realschule in Thedinghausen. Die zurückliegende Entwicklung war durch Zunahme in allen Schulformen geprägt. Eine standortbezogene Vorausschätzung der Schülerzahlen in den Grundschulen zeigt, dass in den nächsten fünf Jahren Rückgänge der Schülerzahlen insbesondere in Blender und Morsum zu erwarten sind, die nicht unbedingt den Standort gefährden, aber die Mehrzügigkeit beeinflussen. In Thedinghausen sind Rückgänge bei den Grundschülern erst nach 2012 zu erwarten.

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Abbildung 7.10: Anzahl der Sch端ler an den Schulen der Samtgemeinde Thedinghausen 1995-2005 Anzahl der Sch端ler an den Schulen der Samtgemeinde 19952005 1000 900 800 700 600 500 400 300 200 100 0 1995

1996

1997

1998

Grundschulen

1999

2000

2001

Orientierungsstufe

2002

2003

Hauptschule

2004

2005

Realschule

Quelle: Samtgemeinde Thedinghausen, 2006

Abbildung 7.11: Voraussichtliche Einschulungen in Thedinghausen 2006-2012

Voraussichtliche Einschulungen 2006-2012 70 60 50 40 30 20 10 0 2006/2007 GS Blender

2007/2008 GS Morsum

2008/2009

2009/2010

2010/2011

Ilse-Lichtenstein-Rother-Schule

2011/2012

GS Thedinghausen

Quelle: Samtgemeinde Thedinghausen, 2006

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7.4 Problemlagen und Herausforderungen Die gemeindliche Entwicklung der jüngeren Vergangenheit der Samtgemeinde Thedinghausen ist von Bevölkerungswachstum durch Zuzug von Familien mit Kindern geprägt. Geburtenüberschüsse - wenn auch geringe – sind für eine deutsche Kommune heutzutage eine Besonderheit, der Bevölkerungszuwachs von 12 % in den letzten 10 Jahren ebenso. Hohe Anpassungsbedarfe an die Folgen des demographischen Wandels sind für Thedinghausen zumindest aktuell nicht zu formulieren. Sehr wohl scheint es aber sinnvoll, vorausschauend auf sich für die Zukunft abzeichnend Problemlagen zu reagieren, die im Zusammenhang mit dem defizitären Nahversorgungsangebot außerhalb des Ortskerns von Thedinghausen, der zunehmenden Unternutzung alter Gebäude an Hauptverkehrsstraßen innerorts, den Veränderungen im altersstrukturellen Aufbau der Samtgemeinde und dabei speziell der künftig abnehmenden Auslastung von Kindergärten und Schulen stehen. Mit diesen Problemlagen einhergehen folgende kommunale Herausforderungen: • Bereits seit ca. dem Jahr 2000 bevorzugen Zuzügler den mit Infrastruktur am besten ausgestatteten Standort Thedinghausen. Diese Konzentration der Siedlungsentwicklung stellt im Sinne einer nachhaltig tragfähigen Auslastung von Infrastruktur eine wichtige künftige Herausforderung dar. • Eine weitere Herausforderung ist die Entwicklung von Nahversorgungsangeboten in Blender, Emtinghausen, Morsum und Riede, die den Strukturwandel im Einzelhandel einerseits und die Bedarfe in den Gemeindeteilen andererseits angemessen berücksichtigen; • Weiterhin sind Einschätzungen aktueller und zukünftiger Relevanz von Unternutzung und Leerständen von Altgebäuden notwendig. Zunächst sind hier Immobilien an Hauptverkehrsstraßen betroffen, für die ggfs. die Entwicklung von Gegenstrategien notwendig werden wird; • erst langfristig ist zu befürchten, dass auch die Einfamilienhausgebiete der 1980er und 1990er Jahre zunehmend unter Druck geraten könnten. • Hinzu kommt die Anpassung von Kindergarten- und Schulangeboten an die zu erwartende nachlassende Nachfrage zunächst außerhalb der Mitgliedsgemeinde Thedinghausen. • Der Weiterentwicklung spezieller seniorenbezogener Infrastruktur wird als mittel- bis langfristige Aufgabe eine immer größere Bedeutung zukommen.

7.5

Gute Ansätze • Monitoring Kindergarten und Schulauslastung: Die Verwaltung führt eine stets aktuelle Auflistung der Auslastung von Kindergärten und Schulen differenziert nach allen Standorten. Weiterhin schätzt die Verwaltung die Schülerzahlen für die Zukunft regelmäßig ab. Dieses Monitoring stellt eine gute Informationsbasis für mittelfristige Standortplanungen von Kindergärten und Schulen dar. • Infrastrukturausbau Grundschule Thedinghausen: Die Nils-Holgerson-Schule in Thedinghausen wurde erst 2004 gegründet. Angesichts der Konzentration des Zuzugs auf Thedinghausen und der im Vergleich zu den anderen Mitgliedsgemeinden besten infrastrukturellen und Versorgungsausstattung erscheint dieser Infrastrukturausbau im Rückblick betrachtet zukunftsträchtig. Da die Grundschule im Schulzentrum liegt und auch der Kindergarten am Standort ist, ergeben sich Synergien, die für etwaige Anpassungen bei veränderter Nachfrage günstige Voraussetzungen bieten. • Barrierefreies Wohnangebot auf innerörtlicher Brache: Zwei Bauträger haben an unterschiedlichen Standorten im Ortszentrum von

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Thedinghausen jeweils ein Bauvorhaben mit barrierefreien Wohnungen als Eigentumswohnungen konzipiert. Ob dafür eine ausreichende Nachfrage existiert ist noch offen. Baubeginn soll Mitte 2007 sein, wenn eine ausreichende Anzahl von Vorverträgen vorliegt. Nach Angaben eines Bauträgers zielt das Angebot einerseits auf ältere Menschen ab, die bereits in Thedinghausen wohnen, andererseits aber auch auf Eltern, deren Kinder und Enkelkinder nach Thedinghausen gezogen sind und die für die letzte Lebensphase in deren Nähe ziehen wollen.

Abbildung 7.12: "Braunschweiger Hof" barrierefreies Wohnen in Thedinghausen

Quelle: www.zwilling-immo.de • Bürgerschaftliches Engagement: der Baumpark Im Jahre 2005 wurde durch private Hilfe und Sponsoren in unmittelbarer Nähe des Erbhofes in Thedinghausen ein 11 Hektar großer Baumpark angelegt. Der Baumpark - gestartet mit 280 verschiedenen Laubbäumen aus 28 Baumarten soll ein parkartiger Wald mit einem ausgesuchten Bestand verschiedener einheimischer Baumarten werden (sog. Arboretum). Die Umsetzung dieses Vorhabens, die hohes ehrenamtliches Engagement erforderte und erfordert (einschließlich Anlage und Pflege vor Ort), wird maßgeblich getragen von einer Gruppe Thedinghauser Bürger, die altersbedingt aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind und ihre Tatkraft nun in die Gemeinwesenarbeit stecken: ein gutes Beispiel bürgerschaftlichen Engagements älterer Mitbürger.

7.6 Handlungsoptionen Bei der Bewältigung des demographischen Wandels gibt es nicht „den Königsweg“ kommunalen Handelns. Die Kommunen müssen ihre demographische Struktur und die zu erwartende Entwicklung analysieren und auf der Basis dieser Analyse Handlungsziele für die Zukunft formulieren. Ein Beispiel: Die Gemeinde Lilienthal am unmittelbaren Stadtrand von Bremen ist durch einen im Regionalvergleich fortgeschrittenen Alterungsprozess geprägt. Diese Struktur lässt sich aber durchaus auch als Profilierungsargument einsetzen, um attraktive Angebote für die Gruppe der über 50-Jährigen für ihren „Lebensabend“ in Lilienthal weiterzuentwickeln und damit noch mehr, meist kaufkräftige sog. Best-Agers zu umwerben. Genauso überzeugend kann es dagegen sein, durch eine gezielte Familienpolitik dem Trend abnehmender Kinder- und Jugendzahlen entgegenzuwirken. Vor dem Hintergrund unterschiedlicher Handlungsmöglichkeiten werden an dieser Stelle Handlungsoptionen formuliert, über deren Einsatz als Einzelmaßnahme oder auch in Kombination mehrerer Ansätze die kommunalen Entscheidungsträger im Sinne des aus ihrer Sicht richtigen Rezeptes beraten müssen.

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Die Handlungsoptionen für die Gemeinde Thedinghausen betreffen die drei Ebenen „Zielgruppen“, „Siedlungstypen“ und „soziale Infrastruktureinrichtungen“ und werden im Folgenden getrennt dargestellt:

Zielgruppen: • Ausbildungsabwanderer umwerben: Die Gemeinde kann in Ermangelung von Ausbildungseinrichtungen nur geringen Einfluss auf die Abwanderung der ca. 18-30-Jährigen nehmen. Diese Gruppe, die in der Regel eine hohe Bindung an Thedinghausen hat, kann aber als potenzielle Rückwanderungsgruppe in späteren Lebensphasen betrachtet werden. Indem diese Abwanderungsgruppe nach Abmeldung beim Einwohnermeldeamt z. B. ein Schreiben des Bürgermeisters bekommt, in dem dokumentiert wird, dass sich die Gemeinde über eine Rückkehr in einer späteren Lebensphase freuen würde, könnte die Rückkehr erleichtert werden. Auch könnte nach Möglichkeiten gesucht werden, die Verbindung der Kommune zu „ihren“ Kindern zu halten und deren Rückkehr zu erleichtern, z. B. durch Unterstützung bei Klassentreffen, Newsletterversand o. ä. • Zielgruppenspezifische Wohnprodukte anbieten: Der Immobilienmarkt einer suburbanen Gemeinde wie Thedinghausen ist dominiert vom frei stehenden Einfamilienhaus, schon Doppel- und Reihenhäuser spielen eine unbedeutende Rolle. So konnten beispielsweise Reihenhäuser in Riede nur schlecht vermarktet werden. Eine Ausweitung des bislang verhältnismäßig einseitigen Angebots an Wohnprodukten erscheint im Sinne der Erreichung vieler Zielgruppen sinnvoll. Nun kann die Kommune den Immobilienmarkt formell nur über ihre Bauleitplanung beeinflussen. In Zeiten der Nachfrageschwächung nimmt aber die Rolle der Kommune als Moderatorin und Initiatorin von Immobilienprozessen zu. Da unklar ist, welche Wohnprodukte an einem Standort Interesse wecken könnten, dürfte es Sinn machen, eine Arbeitsgruppe potenzieller Bauträger für neue Wohnprodukte zu initiieren, um als Kommune zusammen mit Marktpartnern Handlungsoptionen auszuloten. Mit den in der Vorvermarktungsphase befindlichen Projekten in Thedinghausen mit barrierefreien Eigentumswohnungen könnten Erfahrungen gesammelt werden, die die Entwicklung weiterer Nischenprodukte befördern könnten. Ein Potenzial stellen sicherlich ältere Menschen aus dem Samtgemeindegebiet dar, die ihre großen Gebäude und Grundstücke nicht mehr bewirtschaften können oder wollen sowie Eltern von Kindern, die mit ihren Kindern nach Thedinghausen gezogen sind. • Familien mit Bauland umwerben: Das Leitbild des Einfamilienhauses im Grünen hat – nicht nur für Familiengründer – in Deutschland nach wie vor eine hohe Anziehungskraft. Untersuchungen in anderen Regionen, aber auch die vorliegende Studie weisen darauf hin, dass in einer insbesondere aus demographischen Gründen abnehmenden Nachfragergruppe der Familiengründer bei anhaltendem Baulandangebot im suburbanen Raum tendenziell Standorte mit guter infrastruktureller Ausstattung bevorzugt werden. In der Samtgemeinde Thedinghausen hat sich dies bereits niedergeschlagen in Form konzentrierter Nachfrage nach Baugrundstücken in der Mitgliedsgemeinde Thedinghausen in der jüngeren Vergangenheit. Bei der Baulandpolitik gilt es dennoch zu berücksichtigen, dass der schon in den vergangenen Jahren zu beobachtende Nachfragerückgang nach Einfamilienhausgrundstücken anhalten bzw. sich weiter beschleunigen wird. Eine behutsame Angebotspolitik erscheint angeraten, um nicht den lokalen Immobilienmarkt angesichts des zu erwartenden Anstiegs des Verkaufs von Einfamilienhäusern aus den 1960er und 1970er Jahren unter Druck zu bringen.

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• „Nischennutzer“ mit Gebrauchtimmobilien umwerben: Angesichts des zurückliegenden Strukturwandels in der Landwirtschaft fallen mehr und mehr große ehemals landwirtschaftlich genutzte Gebäude und Flächen brach. Für den „Normalhaushalt“ sind diese Gebäude und Grundstücke uninteressant, für wenige Nutzer aber von großem Interesse. So sind nicht wenige Pferdeliebhaber Eigentümer solcher Anwesen geworden, ebenso Unternehmer (z. B. Handwerker etc.) mit spezifischen Flächenbedarfen. Anbieter, Makler und Interessenten gezielt bei der Umnutzung solcher Gelände zu unterstützen könnte eine Möglichkeit darstellen, diese Gebäude vor Leerstand und Verfall zu bewahren.

7.6.1 Handlungsoptionen für Siedlungstypen Der Thedinghauser Immobilien- und Grundstücksmarkt umfasst einen Neubaumarkt von frei stehenden Einfamilienhäusern mit großer Nachfrage und einen schwierigen Gebrauchtimmobilienmarkt. Besondere Vermarktungsschwierigkeiten machen Altgebäude in Innerortslagen, die einen hohen Modernisierungsstau aufweisen, an Hauptverkehrsstraßen liegen und z. T. kleine Grundstücke aufweisen. Nachfrager, die die notwendigen Investitionen zur Anpassung der Gebäudesubstanz an heutige Wohnwünsche vornehmen, gibt es kaum. Auf längere Sicht könnten sich viele solcher Gebäude als unvermarktbar herausstellen und zu städtebaulichen Schandflecken alter Ortskerne werden. Um städtebauliche Problemlagen, die auf ganze Ortskerne ausstrahlen zu verhindern scheint eine frühzeitige Strategiebildung zum Umgang mit solchen Problemfällen sinnvoll. Eine mehrphasige Vorgehensweise könnte folgendermaßen aussehen: • Analysephase: Am Beginn steht eine Gefährdungsabschätzung. Eine Gefährdungsabschätzung für die Zukunft könnte systematisch über eine Analyse der Meldedaten vorgenommen werden, indem bspw. abgefragt wird, in welchen Gebäuden nur Einzelpersonen über 65 Jahre gemeldet sind. Dies lässt Rückschlüsse darauf zu, dass diese Häuser in absehbarer Zeit einen Nutzerwechsel erfahren werden. • Vorbereitungsphase: Für den Fall, dass eine Gefährdung bestimmter Ortskerne konstatiert werden kann, sollte in einer Vorbereitungsphase ein lokales Bündnis von Eigentümern, Kommune, der lokalen Bauwirtschaft und lokaler Kreditinstitute geschmiedet werden, das potenzielle Lösungsansätze für Aufwertungsstrategien der Ortskerne erarbeitet. Mögliche Instrumente solcher Aufwertung können u. a. kommunale Förderprogramme, spezifische Beratungsangebote für Fördermittel oder zinsgünstige öffentliche Kredite und spezifische Angebote der Bauwirtschaft für Modernisierungslösungen sein. • Umsetzungsphase: Die vom lokalen Bündnis erarbeiteten Instrumente zur Aufwertung werden schrittweise umgesetzt.

7.6.2 Handlungsoptionen zur Anpassung sozialer Infrastruktur Die Auslastung von Kindergärten und Schulen ist in einigen Mitgliedsgemeinden von Thedinghausen in den letzten Jahren zurückgegangen und wird weiterhin abnehmen. Das ausgereifte Monitoringsystem liefert die notwendigen Daten, um Anpassungsmaßnahmen vorzunehmen. Die Gemeinde wird in Zukunft nicht umhinkommen, auf der Basis vorliegender Auslastungszahlen und der Entwicklung der Nachfrager in den jeweiligen Einzugsbereichen Standorte von Kindergärten und Schulen auf ihre Zukunftsfähigkeit zu überprüfen. Ziel sollte ein mittelfristig angelegtes

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Standortsicherungskonzept für Kindergärten und Schulen sein, das folgende Aspekte berücksichtigt: • Es gilt zu prüfen, ob tendenziell ein wohnortnahes Angebotssystem kleinerer Einrichtungen oder ein zentralisierteres System größerer Einrichtungen mit Angebotsvielfalt verfolgt werden soll. • Es gilt zu prüfen, ob die räumliche Veränderung des Angebotssystems einschließlich der Aufgabe von Standorten mit einer inhaltlichen Verbesserung der Angebotsqualität verbunden werden kann. Im Rahmen von Standortsicherungskonzepten sollte die Mehrfachnutzung von Gebäuden, die Flexibilisierung von Raumangeboten, Angebotssynergien und die Zusammenarbeit mit privaten Anbietern Berücksichtigung finden. • Die Auslastung von Kinderkrippen und Kindergärten steht in großer Abhängigkeit des Zuzugs von Familien mit Kindern in bestimmten Siedlungsgebieten und unterliegt daher großen Schwankungen. Es gilt zu prüfen, inwieweit durch Förderung privater Einrichtungen oder Tagesmütter diese Schwankungen einfacher zu bewältigen sind als durch Angebote in kommunaler Trägerschaft. Dies gilt z. B. auch für den mittelfristig geplanten Ausbau der Krippenplätze durch die Änderung des Tagesbetreuungsausbaugesetzes (TAG).

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8 Handlungsoptionen im demographischen Wandel Diskussionen über den demographischen Wandel hinterlassen bei Vertretern von Politik und Verwaltung gerade auf kommunaler Ebene häufig Unsicherheiten, weil prognostizierte Entwicklungen kein einheitliches Bild bieten, sich diese Entwicklungen innerhalb einer Kommune kleinräumig differenzieren und nicht zuletzt deswegen Handlungsvorschläge komplex erscheinen lassen. Die vier Fallstudien zum demographischen Wandel zu Achim, Dötlingen, Lilienthal und Thedinghausen im Rahmen dieser Studie bestätigen die Annahme einer komplexen Themenstellung, zeigen aber auch, dass bei detaillierter und zeitnaher Analyse demographischer Aspekte, deren regelmäßiger Fortschreibung und teilräumlich differenzierten Handlungsansätzen ein erfolgreicher kommunaler Anpassungsprozess an die demographiebedingten Veränderungen gelingen kann. Dabei fällt auf, dass es für die Kommunen keinen „Königsweg“ der Anpassung gibt, sondern eine Entscheidung, in welche Richtung der kommunale Anpassungsprozess vonstatten gehen soll, auf der Basis meist mehrerer Handlungsoptionen von der Kommunalpolitik getroffen werden muss. Basis der in diesem Kapitel vorgestellten Handlungsoptionen sind die diesbezüglichen Vorschläge aus den vier Fallstudien. Eine gewisse Redundanz dieses Kapitels mit den Kapiteln zu Handlungsoptionen in den vier Fallstudien ist damit beabsichtigt und Bestandteil der methodischen Konzeption der Studie. Die Handlungsoptionen für einzelne Kommunen gliedern sich in fünf thematische Ebenen: • Informationsgrundlagen, • Leitbildbestimmung, • Zielgruppen, • Siedlungstypen, • soziale Infrastrukturen. Die Vorstellung von Handlungsoptionen startet mit den Vorschlägen für einzelne Kommunen. Davon getrennt werden interkommunale Handlungsoptionen formuliert. Diese Trennung geschieht vor dem Hintergrund, dass eine große Anzahl von „Hausaufgaben“ nur durch die einzelne Kommune „erledigt“ werden kann, darüber hinaus aber gerade auch in der interkommunalen Zusammenarbeit eine Chance für Erfahrungsaustausch, Verfahren und Lösungen für demographische Problemlagen liegt, die dem Kommunalverbund Niedersachsen / Bremen e. V. als Plattform interkommunaler Kooperation eine wichtige Rolle bei Anpassungsprozessen im demographischen Wandel zuweisen kann. Die Analysen der Ausgangslagen in den vier Fallstudien-Kommunen haben gezeigt, dass sich in den letzten drei bis fünf Jahren ein Entwicklungsbruch der jeweiligen kommunalen Entwicklung abzeichnet: So haben beispielsweise die Gemeinden Dötlingen und Thedinghausen, die in den 1990er Jahren die höchsten Einwohnerzuwächse der Region aufgrund von Wanderungsgewinnen verzeichnet hatten, mittlerweile Wanderungsverluste zu konstatieren und einen deutlichen Rückgang bei den Baufertigstellungen. Gleichzeitig hat Achim als Kommune mit negativer Bevölkerungsdynamik Ende der 1990er Jahre und prognostizierter Schrumpfung der Einwohnerzahl seit 2002 Einwohnergewinne auf der Basis von Wanderungsgewinnen zu verzeichnen. Ist das ein Trendwechsel? Zeichnet sich hier das in der Fachwelt schon lange vorausgesagte Ende der Stadtrandwanderung und die „Renaissance der Städte“ ab? Für eine solche Aussage ist angesichts der kurzen Zeitdauer der Veränderung und der Flexibilität der Umlandkommunen wie der Nachfrager

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Skepsis geboten. Gleichwohl sind vor dem Hintergrund der Fallstudienanalysen folgende Aussagen als Basis der vorgeschlagenen Handlungsoptionen möglich: • Die Stadtrandwanderung aus der Kernstadt Bremen in ihr Umland und von mittelgroßen Städten des Umlandes in deren Anrainergemeinden scheint seit 2000 deutlich nachgelassen zu haben. • Diese verringerten Stadtrandwanderungsprozesse korrespondieren mit deutlichen Rückgängen bei der Baufertigstellung von Ein- und Zweifamilienhäusern. Die Vermutung liegt nahe, dass der demographische Wandel zu einer spürbar geringeren Anzahl von Eigentumsbildnern in der Familiengründungsphase geführt hat und dieses sich u. a. in geringeren Stadtrand-Wanderungsprozessen ausdrückt. • Die verringerte Nachfrage im Eigenheimbau scheint sich in jüngerer Zeit verstärkt auf infrastrukturell gut ausgestattete Standorte zu konzentrieren. • Mehrfamilienhausbau, mehrheitlich in Form von Eigentumswohnungen realisiert, hat schon in den 1990er Jahren in den unmittelbaren Anrainergemeinden von Bremen eine spürbare Rolle in Bezug auf die Einwohnerentwicklung gespielt. Die Fallstudien legen offen, dass auch aktuell zahlreiche Objekte in der Planung bzw. Realisierung sind, viele davon stellen barrierefreie Immobilienangebote dar. • Welche Rolle Gebrauchtimmobilien und Vermietungen in Bezug auf das gesamte Wanderungsgeschehen in der Region spielen, kann nicht abgeschätzt werden, weil dazu Datengrundlagen fehlen. Aussagen lokaler Experten lassen aber darauf schließen, dass gerade in den unmittelbaren Nachbargemeinden von Bremen, die seit den 1960er Jahren durch Eigenheimbau Bevölkerungsgewinne zu verzeichnen hatten, die „alten“ Einfamilienhaussiedlungen verstärkt von Eigentumswechseln und Vermietungen geprägt sind. • In den Fallstudiengemeinden sind erhebliche Unterschiede in der Bevölkerungsentwicklung der Ortsteile zu beobachten. Diese Unterscheide haben dazu geführt, dass sogar Wachstumsgemeinden wie Thedinghausen mit deutlichem Nachfragezuwachs bei Kindergärten und Schulen in der Vergangenheit in einzelnen Ortsteilen Kapazitäten haben abbauen müssen. Anpassungsmaßnahmen an zurückgehende Auslastung zumindest in einzelnen Ortsteilen sind in allen Gemeinden in den nächsten zehn Jahren zu erwarten.

8.1 Kommunale Handlungsoptionen Kommunale Handlungsoptionen können nach den fünf thematischen Ebenen Informationsgrundlagen, Leitbildbestimmung, Zielgruppen, Siedlungstypen und soziale Infrastrukturen unterschieden werden. Die unten aufgeführten Handlungsoptionen können von Kommunen nach detaillierter Analyse ihrer Ausgangslage problemadäquat kombiniert werden. Handlungsoption Informationsgrundlagen: • Monitoring-System aufbauen: Zahlreiche Aspekte demographischer Entwicklung können sich kurzfristig durch strukturelle Nachfrage- oder Angebotsverschiebungen ändern und gleichzeitig sehr kleinräumig differenzieren. Aus diesem Grund scheint es wichtig, kleinräumig demographische Daten in mindestens jährlichem Turnus aufzubereiten, um allgemeine Änderungen des Marktes wahrnehmen und die Wirkung kommunaler Strategien überprüfen zu können. Viele dieser Daten

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liegen den Gemeinden vor und müssten nur systematisch zusammengeführt werden oder aber mit geringem Aufwand vom Status der Rohdaten in eine Auswertungsroutine überführt werden. Ein jährlicher „Demographiebericht“ könnte Anlass sein, diese Daten systematisch aufzubereiten und zu interpretieren. • Netzwerk lokaler Grundstücks- und Immobilienexperten aufbauen: Die Kommune ist häufig selbst Akteur im Grundstücksmarkt durch Verkauf von Bauland, in anderen Märkten wie z. B. dem Gebrauchtimmobilienmarkt besitzt sie nur wenig Kenntnisse. Um die Erfahrungen anderer Marktakteure (z. B. Makler, Bauträger) und deren unmittelbare Marktkenntnisse in kommunalpolitische Strategien einbinden zu können, erscheint es sinnvoll, die lokalen Experten z. B. zweimal jährlich zu einem systematisch vorbereiteten Erfahrungsaustausch einzuladen. Ein solches Netzwerk dient der Bestandsaufnahme aktueller Entwicklungen und der Weiterentwicklung von Strategien in Zusammenarbeit mit privaten Akteuren. Denkbar ist auch, gelegentlich verkaufsinteressierte Grundstückseigentümer größerer Gelände (wie z. B. Landwirte) in den Erfahrungsaustausch einzubeziehen.

Handlungsoption Leitbildbestimmung: Die Gemeinden müssen vor dem Hintergrund der beschriebenen demographischen Veränderungen und des seit 2000 spürbaren Entwicklungsbruchs ihr Zukunftsleitbild gemeindlicher Entwicklung klären. Gerade für „wachstumsverwöhnte“ Kommunen stellen sich die Fragen nach einem Paradigmenwechsel: • Ist weiteres quantitatives Einwohnerwachstum das Ziel? Sollte weiteres Wachstum das Ziel sein, so wird sehr genau zu prüfen sein, welche Zielgruppen denn dieses Wachstum generieren sollen. Aus demographischen Gründen wird auch bei deutlicher und anhaltender konjunktureller Erholung nicht ausreichend Potenzial an Bevölkerungsgruppen mit Wunsch auf Wohnstandortwechsel existieren, um kommunale Wanderungsgewinne ähnlicher Größenordnung wie in den 1990er Jahren zu realisieren. Außerdem haben sich die Wohnwünsche der Wanderungsinteressierten ausdifferenziert, so dass Baulandbereitstellung alleine nur geringes Marktpotenzial wird ausschöpfen können. Eine differenzierte Angebotsstrategie mit diversifizierten Wohnangeboten wäre in Zusammenarbeit mit privaten Akteuren auf dem Immobilienmarkt zu entwickeln. • Gibt es als Alternative einen Weg des qualitativen Wachstums? Die zurückliegenden Jahrzehnte waren in der deutschen Stadtentwicklung Jahrzehnte des Neubaus. In der Fachwelt besteht Einigkeit darin, dass Stadtentwicklung der Zukunft maßgeblich von Bestandsentwicklung geprägt sein wird. Schwerpunkte gemeindlicher Entwicklung werden in Fragestellungen nach Qualifizierung bestehender Siedlungsgebiete, Diversifizierung von Immobilienangeboten und Optimierung von Versorgungsleistungen liegen. Mit derartigen Bestandsentwicklungsthemen liegen gerade für den suburbanen Raum noch wenig Erfahrungen vor, hier können Gemeinden in der Region Bremen Pionierrollen übernehmen. Die dahinter stehende Frage lautet: Gibt es einen Erfolg versprechenden kommunalen Entwicklungspfad des qualitativen Wachstums?

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Handlungsoption Zielgruppen: • Ausbildungsabwanderer umwerben: Umlandgemeinden können in Ermangelung von Ausbildungseinrichtungen nur geringen Einfluss auf die Abwanderung der ca. 18-30-Jährigen nehmen. Diese Gruppe, die in der Regel eine hohe Bindung an die jeweiligen Kommunen hat, kann aber als potentielle Rückwanderungsgruppe in späteren Lebensphasen betrachtet werden. Indem diese Abwanderungsgruppe nach Abmeldung beim Einwohnermeldeamt z. B. ein Schreiben des Bürgermeisters bekommt, in dem dokumentiert wird, dass sich die Gemeinde über eine Rückkehr in einer späteren Lebensphase freuen würde, könnte die Rückkehr erleichtert werden. Auch die Unterstützung bei Klassentreffen o. ä. kann die Verbindung der Kommune zu „ihren“ Kindern halten und deren Rückkehr erleichtern. • Zielgruppenspezifische Wohnprodukte anbieten: Wachstum der Gemeinden im Umland von Bremen aber auch das Wachstum innerhalb der Stadt Bremen war in der Vergangenheit maßgeblich geprägt durch größere Baugebiete für Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser. Die Fallstudien haben offen gelegt, dass die regionale Nachfrage in diesem Marktsegment deutlich nachgelassen hat und sich gleichzeitig das Immobilienangebot ausdifferenziert: So entstanden oder entstehen Stadtvillen mit Eigentumswohnungen in Umlandgemeinden und barrierefreie Wohnangebote, teilweise mit Serviceangeboten für ältere Menschen. Eine Diversifikation von Angebot und Nachfrage ist auch daran zu erkennen, dass in Dötlingen Baugrundstücke von Eigenheimbesitzern erworben werden, die sich für ihren letzten Lebensabschnitt ein barrierefreies Eigenheim bauen wollen. Hier wird erkennbar, dass eine Ausweitung der Variationsbreite von Wohnprodukten im Sinne der Erreichung vieler Zielgruppen sinnvoll erscheint. Nun kann die Kommune den Immobilienmarkt formell nur über ihre Bauleitplanung beeinflussen. In Zeiten der Nachfrageschwächung nimmt aber die Rolle der Kommune als Moderatorin und Initiatorin von Immobilienprozessen zu. Da unklar ist, welche Wohnprodukte an einem Standort Interesse wecken könnten, dürfte es Sinn machen, eine Arbeitsgruppe potenzieller Bauträger für neue Wohnprodukte zu initiieren, um als Kommune zusammen mit Marktpartnern Handlungsoptionen auszuloten. • Familien mit Bauland umwerben: Das Leitbild des Einfamilienhauses im Grünen hat – nicht nur für Familiengründer – in Deutschland nach wie vor eine hohe Anziehungskraft. Untersuchungen in anderen Regionen, aber auch die vorliegende Studie weisen darauf hin, dass von der insbesondere aus demographischen Gründen abnehmenden Nachfragergruppe der Familiengründer bei anhaltendem Baulandangebot tendenziell Standorte mit guter infrastruktureller Ausstattung bevorzugt werden. Bei der Baulandpolitik gilt es zu berücksichtigen, dass der schon in den letzten Jahren zu beobachtende gesamtregionale Nachfragerückgang nach Einfamilienhausgrundstücken anhalten bzw. sich weiter reduzieren wird. Eine behutsame Angebotspolitik erscheint angeraten, um nicht den lokalen Immobilienmarkt angesichts des zu erwartenden Anstiegs des Verkaufs von Einfamilienhäusern aus den 1960er und 1970er Jahren unter Druck zu bringen.

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• Familien mit Gebrauchtimmobilien umwerben: In Zukunft werden angesichts der Alterungsprozesse der Eigentümer von Einfamilienhäusern der Suburbanisierungswellen der 1960er und 1970er Jahre die Verkäufe von Gebrauchtimmobilien steigen. Diese Gebrauchtimmobilien werden voraussichtlich in Preiskategorien fallen, die auch weniger kaufkräftigen Bürgern eine Eigentumsbildung ermöglichen. Die Gemeinden werden sich die Frage stellen müssen, ob sie den Eigentumsübergang solcher Immobilien für eine soziale und bauliche Erneuerung systematisch nutzen wollen. Dies könnte z. B. durch kommunale Förderprogramme oder spezifische Beratungsansätze für Eigentumsbildner in „alten“ Einfamilienhausgebieten erfolgen. • „Nischennutzer“ mit Gebrauchtimmobilien umwerben: In ländlich geprägten Gemeinden fallen angesichts des zurückliegenden Strukturwandels in der Landwirtschaft mehr und mehr große ehemals landwirtschaftlich genutzte Gebäude und Flächen brach. Für den „Normalhaushalt“ sind diese Gebäude und Grundstücke uninteressant, für wenige Nutzer aber von großem Interesse. So sind nicht wenige Pferdeliebhaber Eigentümer solcher Anwesen geworden, ebenso Unternehmer (z. B. Handwerker etc.) mit spezifischen Flächenbedarfen. Anbieter, Makler und Interessenten gezielt bei der Umnutzung solcher Gelände zu unterstützen könnte eine Möglichkeit darstellen, diese Gebäude vor Leerstand und Verfall zu bewahren. • Neubürger bei ihrer Integration unterstützen: Die Stadt Bremen betreibt seit mehreren Jahren eine sog. Neubürger-Agentur, die für Neubürger notwendige Informationen gebündelt vermittelt. Hierbei handelt es sich um einen kostenaufwändigen großstädtischen Ansatz der Neubürgeransprache. Eine kostengünstige Variante hat die Stadt Achim mit ihrer im Rahmen der Freiwilligenagentur koordinierten Initiative „NeubürgerInnenpaten“ entwickelt. Die Besonderheit dieser Initiative liegt darin, dass Achimer Bürger Neubürgern bei der Integration in ihr neues soziales Umfeld zur Seite stehen. Bislang wird dieses Angebot noch wenig in Anspruch genommen, es gilt zu prüfen, unter welchen Bedingungen ein solcher Ansatz Erfolg verspricht. • Ortsansässige von der Abwanderung abhalten: Aus der Wanderungsstatistik ist erkennbar, dass die meisten innerregionalen Abwanderungen ein Wanderungsziel in relativ räumlicher Nähe haben. Hier liegt ein Potenzial für stärkere Umwerbung: Möglicherweise könnten potenzielle Abwanderer durch gezielte Angebote speziell für Bewohner der Gemeinde von der Abwanderung abgehalten werden. Besonderer Vorteil liegt darin, dass eine Vermarktung solcher Angebote die Zielgruppe mit geringen Mitteln durch Direktmarketing ohne Streuverlust erreichen kann. Handlungsoption Siedlungstypen: • Veränderungsprozesse in alten Einfamilienhausgebieten analysieren: In vielen Stadtrandgemeinden und in am Stadtrand gelegenen Bremischen Stadtteilen dominiert als Haustyp das Einfamilienhaus, gefolgt vom Reihen- und Doppelhaus. Die Entwicklung der Dominanz dieses Haustyps begann in diesen Lagen häufig mit Einsetzen der Stadtrandwanderungsprozesse in den 1960er Jahren. In einigen Kommunen spielen auch Einfamilienhausgebiete aus den

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1950er Jahren eine bedeutende Rolle. Die demographische Entwicklung führt einerseits zum verstärkten Eigentumswechsel, weil viele Ersteigentümer sich aus Altersgründen von der Immobilie trennen (müssen), andererseits nimmt die Hauptnachfragergruppe der Familiengründer ab. Mit einem erhöhten Marktangebot alter Einfamilienhäuser mit teilweise ausgeprägtem Modernisierungsstau wächst die Gefahr der schrittweisen Abwertung von Einfamilienhaussiedlungen der 1950er bis 1970er Jahre. Aktuell scheint ein solcher Abwertungsprozess nur in wenigen Siedlungen dieses Typs in der Region erkennbar, eine vertiefende Analyse erscheint aber als Frühwarnsystem sinnvoll. Eine mehrphasige Vorgehensweise könnte folgendermaßen aussehen: Analysephase: Am Beginn steht eine Abschätzung der Gefährdung der Siedlungsgebiete. Mit einer stromzählergestützten Leerstandsanalyse durch das Energieversorgungsunternehmen könnte erhoben werden, ob es bereits Leerstand in bestimmten Siedlungen gibt. Eine Gefährdungsabschätzung für die Zukunft ist möglich durch die Analyse, in welchen Gebäuden nur Einzelpersonen über 65 Jahre gemeldet sind. Dies lässt Rückschlüsse darauf zu, dass diese Häuser in absehbarer Zeit einen Nutzerwechsel erfahren werden. Vorbereitungsphase: Für den Fall, dass eine Gefährdung bestimmter Gebiete konstatiert werden kann, sollte in einer Vorbereitungsphase ein lokales Bündnis von Eigentümern, Kommune, dem Eigentümerschutzverband Haus & Grund, der lokalen Bauwirtschaft und lokaler Kreditinstitute geschmiedet werden, das potenzielle Lösungsansätze für Aufwertungsstrategien solcher Gebietstypen erarbeitet. Mögliche Instrumente solcher Aufwertung können u. a. kommunale Förderprogramme, spezifische Beratungsangebote für Fördermittel oder zinsgünstige öffentliche Kredite und spezifische Angebote der Bauwirtschaft für Modernisierungslösungen sein. Umsetzungsphase: Die vom lokalen Bündnis erarbeiteten Instrumente zur Aufwertung werden schrittweise umgesetzt. • „Hinterland-Bauland“ in alten Einfamilienhausgebieten aktivieren: Für viele Einfamilienhausgebiete aus den 1950er bis 1970er Jahren sind große Grundstücke von 700 bis 1000 qm charakteristisch. Hier bietet sich eine „stille“ Baulandreserve, die durch Initiative und Moderation der Kommune aktiviert werden könnte. Nicht wenige heutige Eigentümer dürften angesichts ihres Alters und mangelnder Bindung von Angehörigen an das Objekt Interesse an Verkleinerung von Grundstücken haben. Aus kommunaler Sicht macht es Sinn, die Potenziale für die Mobilisierung dieser „stillen“ Baulandreserve zu heben, weil diese Mobilisierung zwar einen hohen Moderationsaufwand erfordert, aber keine weiteren kommunalen Infrastrukturvorleistungen mit sich bringt. • Altimmobilien in Innerortslagen an Hauptverkehrsstraßen beobachten: In ländlichen Gemeinden treffen Altgebäude in Innerortslagen, die einen hohen Modernisierungsstau aufweisen, an Hauptverkehrsstraßen liegen und z. T. kleine Grundstücke aufweisen, auf erhebliche Vermarktungsschwierigkeiten. Nachfrager, die die notwendigen Investitionen zur Anpassung der Gebäudesubstanz an heutige Wohnwünsche vornehmen, gibt es kaum. Auf längere Sicht könnten sich viele solcher Gebäude als unvermarktbar herausstellen und zu städtebaulichen Schandflecken alter Ortskerne werden. Um städtebauliche Problemlagen, die auf ganze Ortskerne ausstrahlen zu

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verhindern scheint eine frühzeitige Strategiebildung zum Umgang mit solchen Problemfällen sinnvoll. Eine mehrphasige Vorgehensweise könnte folgendermaßen aussehen: Analysephase: Am Beginn steht eine Gefährdungsabschätzung. Eine Gefährdungsabschätzung für die Zukunft könnte systematisch über eine Analyse der Meldedaten vorgenommen werden, indem bspw. abgefragt wird, in welchen Gebäuden nur Einzelpersonen über 65 Jahre gemeldet sind. Dies lässt Rückschlüsse darauf zu, dass diese Häuser in absehbarer Zeit einen Nutzerwechsel erfahren werden. Vorbereitungsphase: Für den Fall, dass eine Gefährdung bestimmter Ortskerne konstatiert werden kann, sollte in einer Vorbereitungsphase ein lokales Bündnis von Eigentümern, Kommune, der lokalen Bauwirtschaft und lokaler Kreditinstitute geschmiedet werden, das potenzielle Lösungsansätze für Aufwertungsstrategien der Ortskerne erarbeitet. Mögliche Instrumente solcher Aufwertung können u. a. kommunale Förderprogramme, spezifische Beratungsangebote für Fördermittel oder zinsgünstige öffentliche Kredite und spezifische Angebote der Bauwirtschaft für Modernisierungslösungen sein. Umsetzungsphase: Die vom lokalen Bündnis erarbeiteten Instrumente zur Aufwertung werden schrittweise umgesetzt. Handlungsoption soziale Infrastruktur: Die Auslastung von Kindergärten und Schulen wird in allen Gemeinden der Region mittelfristig zurückgehen. Dabei sind innerhalb der Gemeinden große teilräumliche Unterschiede zu berücksichtigen. Ein kommunales Monitoringsystem ist notwendig, das in halbjährlichem oder jährlichem Turnus Grundlagedaten für Entscheidungen über Anpassungsmaßnahmen liefert. Die Gemeinden werden in Zukunft nicht umhinkommen, auf der Basis vorliegender Auslastungszahlen und der Entwicklung der Nachfrager in den jeweiligen Einzugsbereichen Standorte von Kindergärten und Schulen auf ihre Zukunftsfähigkeit zu überprüfen. Ziel sollte ein mittelfristig angelegtes Standortsicherungskonzept für Kindergärten und Schulen sein, das folgende Aspekte berücksichtigt: • Es gilt zu prüfen, ob tendenziell ein wohnortnahes Angebotssystem kleinerer Einrichtungen oder ein zentralisierteres System größerer Einrichtungen mit Angebotsvielfalt verfolgt werden soll. • Es gilt zu prüfen, ob die räumliche Veränderung des Angebotssystems einschließlich der Aufgabe von Standorten mit einer inhaltlichen Verbesserung der Angebotsqualität verbunden werden kann. Im Rahmen von Standortsicherungskonzepten sollte die Mehrfachnutzung von Gebäuden, die Flexibilisierung von Raumangeboten, Angebotssynergien und die Zusammenarbeit mit privaten Anbietern Berücksichtigung finden. Auch interkommunale Lösungen sollten als Ansätze in Betracht gezogen werden. • Die Auslastung von Kinderkrippen und Kindergärten steht in großer Abhängigkeit des Zuzugs von Familien mit Kindern in bestimmten Siedlungsgebieten und unterliegt daher großen Schwankungen. Es gilt zu prüfen, inwieweit durch Förderung privater Einrichtungen oder Tagesmütter diese Schwankungen einfacher zu bewältigen sind als durch Angebote in kommunaler Trägerschaft. Dies gilt z. B. auch für den mittelfristig geplanten Ausbau der Krippenplätze durch die Änderung des Tagesbetreuungsausbaugesetzes (TAG).

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8.2 Interkommunale Handlungsoptionen Der Kommunalverbund Niedersachsen / Bremen e. V. als Plattform interkommunaler Kooperation in der Region Bremen kann wichtige Aufgaben im Kontext von kommunalen Anpassungsprozessen an den demographischen Wandel übernehmen. Seine Rolle wird dabei die des Informationslieferanten, des Initiators, Katalysators und Kooperationsanbahners sein. In der Startphase wird auch eine besondere Aufgabe darin liegen, den Erfahrungsaustausch über demographische Problemlagen anzuregen. Die vorliegende Studie mit ihrem regionalen Vergleich demographischer Aspekte und der Vertiefung im Rahmen von Fallstudien kann als erster Baustein eines solchen Erfahrungsaustausches zwischen den Gemeinden der Region Bremen gewertet werden. Grundsätzlich können interkommunale Handlungsoptionen nach ihren Intensitäten der interkommunalen Zusammenarbeit unterschieden werden. Der Erfahrungsaustausch stellt dabei die geringste Kooperationsintensität dar und bietet sich als Einstieg in das Thema an. Nächstintensivere Kooperationsstufe sind interkommunal abgestimmte Konzepte im Kontext demographischer Entwicklungsprozesse. Hier bieten sich konzeptionelle Abstimmungsprozesse bei notwendigen Anpassungsmaßnahmen großer Siedlungen des Geschosswohnungsbaus in der Region an, darüber hinaus können auch teilräumliche Konzepte zur Optimierung von sozialen Infrastrukturangeboten einen Erfolg versprechenden Ansatz konzeptioneller Abstimmung bieten. Einige Themenstellungen ergeben sich in zahlreichen Kommunen in vergleichbarer Form, so z. B. die Frage nach Bestandsqualifizierung von Einfamilienhausgebieten aus den 1950er bis 1970er Jahren. In einem solchen Themenspektrum könnte ein produktiver regionaler Weg darin liegen, mehrere Modellvorhaben der Bestandsqualifizierung in verschiedenen Gemeinden auszuwählen und übergreifend auszuwerten. Höchste Kooperationsintensität erfordert der interkommunale Betrieb von Einrichtungen der sozialen bzw. technischen Infrastruktur, auch hier sollten mittelfristig Modellvorhaben initiiert werden. Folgende konkrete Ideen zu den interkommunalen Handlungsoptionen mit unterschiedlichen Kooperationsintensitäten können im Einzelnen vorgestellt werden: Handlungsoption interkommunaler Erfahrungsaustausch: • Kommunale Monitoringsysteme zum demographischen Wandel: Die Fallstudien haben gezeigt, dass die Datenlage zu demographischen Aspekten in den Kommunen unterschiedlich ist. Gleichzeitig haben die Fallstudien offen gelegt, dass ein aussagekräftiges Beobachtungssystem mit Differenzierung auf Ortsteil- bzw. Einrichtungsebene notwendig ist, um frühzeitig kommunale Anpassungsbedarfe zu erkennen. In diesem Themenfeld können die Kommunen der Region viel untereinander lernen, weshalb sich ein baldmöglicher, systematischer Erfahrungsaustausch im Sinne einer zeitlich begrenzt zusammentreffenden Arbeitsgruppe sinnvoll erscheint. Ziel sollte ein gemeinsam erarbeitetes, Ressourcen schonendes Monitoring-Werkzeug für alle Kommunen des Kommunalverbundes sein, das in gebündelter Form auch als regionales Monitoring dienen kann. • Regionale Demographie-Kommission: Die Fallstudien haben gezeigt, dass sich die demographischen Entwicklungen innerhalb kurzer Zeiträume und kleinräumig ändern können. Umfangreiche Studien wie diese können aber nicht regelmäßig erarbeitet werden. Vor diesem Hintergrund erscheint es sinnvoll, eine max. 10-köpfige Expertenkommission zusammenzustellen, die sich jährlich trifft, um relevante Veränderungen demographischer Entwicklungen in der Region zu diskutieren und in einem

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Kurzbericht festzuhalten. So würden allen regionalen Akteuren wichtige Änderungen kurzfristig für ihre praktische Arbeit zur Verfügung stehen. Die Kommission sollte Experten u. a. aus der Planung, Statistik, Immobilien-, Bauund Kreditwirtschaft umfassen. Handlungsoption interkommunal abgestimmte Konzepte: • Interkommunales Wohnraumversorgungskonzept in Abstimmung mit Wohnungsunternehmen: In einem nachfragegeschwächten Wohnungsmarkt wie er in der Region Bremen vorzufinden ist, nehmen die Leerstände im Geschosswohnungsbau zu. Leerstände, geringe Mieten und hohe Fluktuation führen bei Wohnungsunternehmen zu einer erheblich verschlechterten Einnahmebasis. Die Kommunen unternehmen Anstrengungen, die Wohnungsunternehmen bei der Anpassung der Wohnungsbestände an heutige Bedarfe und bei der teilräumlich notwendigen Marktbereinigung zu unterstützen. Dies erfolgt derzeit zwischen den Kommunen unabgestimmt. Da sich die Nachfragerseite auf dem Wohnungsmarkt aber nicht kommunal, sondern regional orientiert, wird in der interkommunalen Abstimmung unter Einbezug der Wohnungsunternehmen eine Chance gesehen, arbeitsteilig Aufwertungen vorzunehmen, Profilbildungen zu unterstützen und Fehlinvestitionen zu verhindern. Ziel ist die Erarbeitung eines interkommunalen Wohnraumversorgungskonzeptes für den Geschosswohnungsbau, das Chancen und Risiken regional abgestimmter wohnungspolitischer Konzepte abwägt und Handlungsfelder sowie Impulsprojekte der Zusammenarbeit formuliert. Das Konzept konzentriert sich räumlich auf Kommunen, in denen höhere Anteile von Geschosswohnungsbau im Eigentum von Wohnungsunternehmen vorliegen, insbesondere die Kernstadt Bremen sowie die mittelgroßen Städte Achim, Delmenhorst, Osterholz-Scharmbeck, Syke und Wildeshausen. Die Erarbeitung soll gesteuert werden von einem Lenkungskreis, dem neben Vertretern der Kommunen Vertreter der Wohnungsunternehmen aus der Region angehören. Im Lenkungskreis sollen interessierte Unternehmen direkt und mittelbar über ihre Verbände vertreten sein. • Interkommunale Infrastrukturkonzepte für Teilräume: Der Betrieb technischer und sozialer Infrastrukturangebote der Kommunen hängt von deren Nachfrage ab. Wenn diese Nachfrage nachlässt oder steigt, müssen die Angebote angepasst werden. Im Hinblick auf soziale Infrastrukturangebote wie Kindergärten und Schulen, aber auch Angebote für Senioren sind viele Anpassungsmaßnahmen bereits im Gange oder in Vorbereitung, bei technischer Infrastruktur wie z. B. Ver- und Entsorgungsleitungen oder Straßeninfrastruktur sind Anpassungsbedarfe in Westdeutschland bislang nur in sehr peripher gelegenen Räumen erkennbar. In der Region Bremen spielen mittelfristig demographisch bedingte Anpassungsmaßnahmen der technischen Infrastruktur keine Rolle. Viele Kommunen stehen vor der Herausforderung, angesichts abnehmender Auslastung sozialer Infrastrukturangebote in kleineren, peripher gelegenen Ortsteilen neue Standortkonzepte zu entwickeln. Die Einbeziehung von Angeboten in Nachbargemeinden im Sinne eines interkommunalen Entwicklungskonzeptes für Teilräume kann ggfs. nahräumliche Angebotsqualitäten erhalten und schaffen, die in einzelnen Gemeinden nicht möglich sind. Vor diesem Hintergrund erscheint es sinnvoll, am Beispiel eines Teilraums ein interkommunales Entwicklungskonzept für soziale Infrastruktur

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erarbeiten zu lassen, um die Potenziale der interkommunalen Zusammenarbeit für die Qualitäten sozialer Infrastruktur abschätzen zu lernen.

Handlungsoption interkommunal abgestimmte Modellvorhaben: • Modellvorhaben zur Aufwertung von Einfamilienhausgebieten der 1950er bis 1970er Jahre: Angesichts des demographischen Wandels und nachfragegeschwächter Märkte steigt die Bedeutung von Stadtentwicklungsstrategien, die sich auf Anpassungen im Gebäudebestand konzentrieren. Dieser Bedeutungsgewinn der Bestandsentwicklung gegenüber der angebotsorientierten Baulandpolitik der letzten Jahrzehnte geht einher mit einer veränderten Rolle der Kommunen: Stand bislang die Steuerung des Wachstums über Bauleitplanung im Mittelpunkt, so wird zukünftig eine moderierende Rolle der Kommunen wichtiger. Die Kommunen müssen die Aufgabe übernehmen, (Einzel-) Eigentümer von Immobilien zu Investitionen in einem nachfragegeschwächten Markt zu mobilisieren. Dabei werden Kooperationen vieler Eigentümer, die sich auf ein Leitbild der Weiterentwicklung ihres Wohnstandortes einigen, zunehmend wichtiger. Derartige Mobilisierungsstrategien zu entwickeln, dürfte mehr und mehr zur Zukunftsaufgabe der Kommunen werden. Dieses Neuland konzeptionell vorzubereiten soll Inhalt des Themenschwerpunkts 2 sein. Dabei liegt es angesichts der Analysen im Raum Bremen nahe, sich auf Einfamilienhausgebiete der 1950er bis 1970er Jahre zu konzentrieren und Bestandsentwicklungsstrategien beispielhaft für diesen Siedlungstyp zu erarbeiten. Nahezu jede Kommune in der Region verfügt über Wohngebiete dieses Siedlungstyps, der sich häufig im Umbruch befindet. Der Vorteil einer interkommunalen Bearbeitung liegt darin, dass ein Wissenstransfer von Modellvorhaben und eine arbeitsteilige Erprobung einzelner Strategieansätze ermöglicht werden. • Modellvorhaben der Anpassung von Kindergärten und Schulen an geringere Auslastung: Viele Kommunen müssen in einzelnen Ortsteilen Anpassungsmaßnahmen an geringere Auslastung von Schulen und Kindergärten vornehmen. Systematische Auswertungen der Erfahrungen mit solchen Maßnahmen gibt es bislang wenige. Vor diesem Hintergrund erscheint es sinnvoll, kommunale Modellvorhaben in der Region mit unterschiedlichen Lösungsansätzen (z. B. Mehrfachnutzung von Gebäuden, Flexibilisierung von Raumangeboten, Angebotssynergien mit anderen Anbietern oder Zusammenarbeit mit privaten Anbietern) zu initiieren, zu erproben und auszuwerten. Handlungsoption interkommunale Projekte: • Wohnatlas „Vielfältig wohnen in der Region Bremen“: Die Fallstudien haben gezeigt, dass in nachfragegeschwächten Wohnungsmärkten zielgruppenspezifische Wohnangebote im Alt- wie Neubau zunehmende Bedeutung erlangen. Eine Veröffentlichung und Internetplattform, die gute Beispiele von an den demographischen Wandel angepassten Wohnangeboten aus der Region Bremen dokumentiert, kann Kommunen, Bauträgern wie auch Nachfragern wichtige Anregungen für die Bau- und Planungspraxis liefern. Eine solche regionale Gute-Beispiel-Dokumentation

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könnte sich konzeptionell an Wohnformen für unterschiedliche Zielgruppen orientieren (z.B. Wohnformen für Familien, Senioren, generationsübergreifende Wohnformen etc.). • Regionale Neubürgeragentur: Im Rahmen der Fallstudie Achim konnte eine ehrenamtliche Form von Neubürgeransprache vorgestellt werden. Aus Bremen ist die professionelle Neubürgeragentur bekannt (www.bremen-service.de). Neubürger aus anderen Regionen Deutschlands oder dem Ausland suchen ihren Wohnstandort und weitere Informationen in der Regel nicht allein in Bezug auf eine Gemeinde in der Region, sondern orientieren sich regional. Vor diesem Hintergrund erscheint es nachfragegerecht, seitens des Kommunalverbundes eine Initiative für eine regionale Informationsplattform für Neubürger zu initiieren. Handlungsoption interkommunaler Betrieb von sozialen Einrichtungen: • Interkommunaler Betrieb von sozialen Einrichtungen: Wie schon oben beim Vorschlag interkommunaler Infrastrukturkonzepte für Teilräume formuliert können interkommunale Infrastrukturangebote Angebotsqualitäten halten oder sogar neue Qualitäten schaffen. Im interkommunalen Betrieb sozialer Infrastruktureinrichtungen liegen bislang weniger Erfahrungen vor als bei interkommunalen Ansätzen von technischer Infrastruktur wie z. B. Kläranlagen, Gewerbegebieten oder dem ÖPNV. Vor diesem Hintergrund erscheint es eine wichtige Aufgabe des Kommunalverbundes Niedersachsen / Bremen e. V., derartige Modellvorhaben bei Schulen, Kindergärten und -tagesstätten, Spielplätzen, Sportanlagen oder Dorfgemeinschaftshäusern zu initiieren, ihre Umsetzung zu unterstützen und auf der Basis des Erkenntnisgewinns einen Erfahrungsaustausch zu organisieren.

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Praxisstudie zum demografischen Wandel in der Region Bremen 2007