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Konzept über eine einheitliche Regelung von legalem Abbrennen von Pyrotechnik bei Fußballspielen Wir, ein Bündnis verschiedener Ultragruppen, setzen uns dafür ein, den Einsatz von Pyrotechnik als Mittel des optischen Supports zu legalisieren. Für dieses legale Abbrennen könnte es deutschlandweit einen Konsens auf Basis dieses Konzeptes geben. Die Genehmigungspraxis wird am jeweiligen Standort angesiedelt, der DFB stimmt zu, wenn die Genehmigung vom jeweiligen Verein und der Kommune erteilt wurde und sich die Antragssteller an die Rahmenbedingungen dieses Konzeptes halten. Nachteile der derzeitigen Regelung (allgemeines Verbot der Pyrotechnik bei Sportveranstaltungen) Pyrotechnik wird von vielen Fans als unverzichtbares Stilmittel gesehen – seit Jahrzehnten wurden beim Einsatz damit Erfahrungen gesammelt und trotz der Verschärfung der Strafen in den letzten Jahren sind die meisten Szenen nicht bereit, darauf zu verzichten. Daher kommt es trotz der Verbote regelmäßig zum Abbrennen von Pyrotechnik in Stadien. Dies birgt folgende Gefahren: – Da das Material eingeschmuggelt werden muss, wird daran manipuliert (z.B. Kürzen der Handgriffe bei Bengalen) oder es in seine Bestandteile zerlegt (z.B. Mitführen von losem Magnesiumpulver). Das spätere Abbrennen ist so deutlich gefährlicher, da es sich dadurch teils um selbst gebastelte Brandsätze handelt, deren Auswirkung nicht vorhersehbar ist. - Weil man wegen des Verbots versucht, beim Abbrennen nicht erkannt zu werden, stehen die Fans sehr dicht beisammen, zünden unter Blockfahnen oder werfen die brennende Pyrotechnik auf den Boden. Dies erhöht das Risiko für alle Umstehenden. – Zudem kann nicht kontrolliert werden, ob es sich um in Deutschland erlaubtes pyrotechnisches Material handelt, daher steigt das Sicherheitsrisiko erheblich. – Es sind keine Entsorgungsbehältnisse und kaum geeignete Löschwerkzeuge vorhanden. – Das Verhältnis zu Polizei und Sicherheitsbehörden wird unnötig belastet, da die Fans in ihren Augen für die Ausübung ihrer Leidenschaft bestraft werden. – Die mediale Berichterstattung ist sehr zwiespältig, als Fußballfan wird man kriminalisiert: - Manche Medien bringen Pyrotechnik beim Fußball fälschlich mit Gewalt und Randale in Verbindung, während Jahre zuvor über gleiche Ereignisse positiv berichtet wurde. - In den Medien gilt Pyromanie beim Skispringen als Bestandteil einer „tollen Stimmung“, im Ausland erfüllt sie „südländische Leidenschaft“ und in Deutschland wird sie mit „Randale“ gleichgesetzt. - Eine solche Berichterstattung kann dazu führen, dass genau die Leute angezogen werden, die sich für Fußball, den Verein und dessen Unterstützung maximal sekundär interessieren, sondern vielmehr auf Auseinandersetzungen rund um die Spiele hoffen. – Das Verhältnis zu den Vereinen wird getrübt. - Vereine können bzw. müssen Fans mit mehrjährigen, bundesweiten Stadionverboten belegen, die beim Umgang mit Pyrotechnik überführt werden. - Da ein Gerichtsverfahren mit entsprechender Bestrafung folgt, werden die Ausführenden doppelt bestraft, was den Glauben an den Rechtsstaat negativ beeinträchtigt. - Vereine werden zu teils empfindlichen Geldstrafen verurteilt und damit für eine lebendige Fankultur bestraft. - Der Verein hat somit nicht einkalkulierte Ausgaben und schränkt deswegen die Fanszene bzw. auch Gästefans im Ausleben ihrer Fankultur ein, um weitere Vergehen zu verhindern. Durch diese stetige Zunahme von Verboten fühlt sich der Fan wiederum vermehrt kriminalisiert und gerät zunehmend in Widerspruch zu seinem Bezugsverein. - Durch Strafen bzw. „Präventivmaßnahmen“, wie Blocksperren oder gar Geisterspiele werden tausende Fußballfans für das „Vergehen“ einiger Weniger kollektiv bestraft. Dabei sind es doch gerade die Fans und die Art und Leidenschaft ihrer Unterstützung, die neben Tradition, Geschichte und sportlichen Erfolgen den Charakter eines Vereins formen.


Vorteile einer einheitlichen Regelung (Fans wird ein kontrolliertes Zünden von Pyrotechnik unter bestimmten Auflagen gestattet) – Deutliche Steigerung der Sicherheit durch Bindung an das deutsche Sprengstoffgesetz: - nur in Deutschland zugelassene Pyrotechnik (BAM/CE-Nummer) - Einhalten der Vorgaben bzgl. Alter und den geeigneten pyrotechnischen Klassen – An pyrotechnischem Material wird nicht mehr manipuliert, da es nicht mehr an den Kontrollen vorbei geschmuggelt werden muss. Fatale Unfälle, wie sie bei lose mitgeführtem Magnesiumpulver passieren können, werden verhindert. – Da die Fans legal Pyrotechnik abbrennen dürfen, müssen sie sich nicht in der Menschenmenge oder unter Fahnen verstecken und können Handfackeln in der Hand halten, was die Gefährdung für sie selber und Umstehende verringert. - Gleichzeitig muss keine Vermummung mehr stattfinden, was die oft empfundene Verbindung von Pyrotechnik mit der Wahrnehmung eines aggressiven Auftretens verringern dürfte. – Sollte man sich darauf einigen, dass es eine fachliche Einweisung von Feuerwehr oder Pyrotechnikern gibt, verringert sich das Risiko weiter, weil die Fans über den sachgemäßen Umgang und Gefahrenvermeidung informiert wurden. – Die Fans können, um legal zünden zu können, freiwillig in dieses Konzept einwilligen. Dadurch werden sie deutlich mehr Eigenverantwortung übernehmen und so dürfte eine Selbstregulierung innerhalb der Gruppen zur Vermeidung von ungeplanten Zwischenfällen greifen. Denn die Fans werden sich der gewonnenen Zugeständnisse nicht wieder berauben lassen wollen – Durch Einrichtung von „Pyrozonen“ sind geeignete Löschwerkzeuge, Entsorgungsmöglichkeiten und genügend Platz vorhanden, um die Gefahren weiter zu minimieren. – Das Verhältnis zu Polizei, Sicherheitsbehörden, Vereinen und Medien wird verbessert, so dass es insgesamt zu einer Verringerung der Aggressionen rund um Fußballspiele kommen könnte, auch dadurch, dass die Fans für eine für sie selbstverständliche Art der Unterstützung nicht mehr kriminalisiert werden. – eine differenziertere Medienberichterstattung kann die Wahrnehmung von Pyrotechnik in der Öffentlichkeit positiv verändern. – Polizei und Ordner werden entlastet, da pyrotechnische Gegenstände nicht mehr ins Stadion geschmuggelt werden und die Überwachung diesbezüglich weniger aufwendig ausfallen kann. Zudem muss die Polizei nicht mehr eingreifen, wenn Pyrotechnik gezündet wird. – Es wird ein verbessertes Vertrauensverhältnis zu derzeit manchmal als problematisch eingestuften Fangruppen wie den Ultras geschaffen, weil Vereine, Polizei und Fans für die Durchführung dieses Konzepts miteinander kommunizieren müssen. Das Konzept Deutschlandweit wird das Zünden von Pyrotechnik in Sportstätten durch den DFB gestattet. Hierfür willigt die entsprechende Fangruppe in die Rechten und Pflichten dieses Konzeptes ein. Die Genehmigungspraxis selbst liegt beim jeweiligen Verein und der Kommune (genehmigende Behörde, Feuerwehr und Polizei). Grundidee: Einrichtung von Pyrozonen – in jedem Stadion können im Heim- (auf Wunsch auch im Auswärts-)Sektor Bereiche eingerichtet werden, in denen das Abbrennen von pyrotechnischem Material erlaubt ist. - Diese Bereiche befinden sich innerhalb der Fankurven, um die Authentizität der Pyroaktionen im Sinne der Fankultur zu bewahren. - Sie werden mit geeigneten Löschmöglichkeiten und Entsorgungsbehältnissen ausgestattet. - In den Pyrozonen wird gemäß der Auflagen der Kommunen die Pyrotechnik abgebrannt. - Die Pyrozonen müssen jeweils an die Gegebenheiten vor Ort angepasst werden. Hier sollten in Zusammenarbeit mit den verantwortlichen Fangruppen, Feuerwehr und dem Verein individuelle


Lösungen erarbeitet werden. - Die Kosten für die Einrichtung dieser Bereiche tragen je nach Vereinbarung die Fans oder die Vereine. Die Pyrozonen werden also individuell, je nach baulichen Gegebenheiten und der bundeslandspezifisch unterschiedlichen Vorgaben aus den Versammlungsstättenverordnungen und der Feuerwehr eingerichtet. Pflichten der Fans: – Respektieren des deutschen Sprengstoffgesetzes: – Verwendung von nur in Deutschland zugelassenem pyrotechnisches Material (BAM/CE) – Einhalten der damit verbundenen Altersgrenzen und Benutzung der erlaubten pyrotechnischen Klassen – Die Fans sichern zu, dass keine Böller oder Raketen benutzt werden und pyrotechnisches Material nicht geworfen wird. – Den Fans ist bewusst, dass es durch das Abbrennen zu keiner Beeinträchtigung des Spieles und zu keiner Gefährdung Unbeteiligter kommen darf. Rechte der Fans: – Der Zeitpunkt des Abbrennens wird zeitlich nicht eingegrenzt. Die Fans können direkt vor, während oder nach den Spielen zünden, je nachdem, wie es der Spielablauf oder eine Choreographie erfordert. – Die Personen die das Material zum Einsatz bringen, müssen namentlich nicht bekannt sein. – Die Pyrozonen werden direkt in den Kurven eingerichtet, damit es keine örtliche Trennung von Gruppe und Pyrotechnik gibt. Ebenso darf keine bauliche Trennung durch Zäune oder ähnliches verlangt werden. Vorgehen: – Es gibt einen einheitlichen Vordruck, mit dem die Fangruppen entweder ein einmaliges Zünden oder dauerhaften Einsatz von Pyrotechnik anmelden. Damit verpflichten sie sich zeitgleich, sich an die entsprechenden Auflagen zu halten. Dieser Vordruck könnte als Download zugänglich gemacht werden. – Der Antrag wird durch die Kommune und den Verein genehmigt, das ist die Vorraussetzung für die Zustimmung des DFB. – Wenn die Einhaltung der sicherheitsrelevanten Auflagen kontrolliert wird, kann es gleichzeitig ein Beratungsgespräch der ausführenden Behörde/Feuerwehr geben. – Sollten bei der Ausführung eine oder mehrere Auflagen nicht erfüllt worden sein, sollte es klar verständliche Konsequenzen geben. Diese bestehen insbesondere aus einer Verbesserung der Kommunikation untereinander, strengeren Auflagen für eine begrenzte Zeit oder Widerruf der Genehmigung auf eine bestimmte Zeit in schweren Fällen. - Insgesamt sollte versucht werden, den Fans vermehrt Eigenverantwortung zu geben, damit Selbstregulierungsprozesse in den Kurven greifen können. - Vor den Spielen werden die Schiedsrichter über einen möglichen Einsatz von Pyrotechnik durch den Heimverein informiert. – Die Vereine müssen ihre Stadionordnung entsprechend ändern. Rechtlich stehen einem solchen Konzept weder das Sprengstoffgesetz noch die Versammlungsstättenverordnungen entgegen. Zusammenfassung Die derzeitige Regelung verursacht neben einer Kriminalisierung von Fußballfans, Strafen für die Vereine, ein schlechtes Verhältnis zu Behörden, Sicherheitskräften und Polizei, vor allem eine Gefährdung Ausführender sowie Umstehender bei der Anwendung von Pyrotechnik.


Eine Legalisierung unter bestimmten Auflagen bei gleichzeitiger Kommunikation aller Beteiligter untereinander, kann diese Situation deutlich entschärfen und bringt allen Parteien Vorteile. Bei verantwortungsbewusstem Abbrennen von Pyrotechnik kam und kommt es nur äußerst selten zu einer Gefährdung oder Verletzung Beteiligter oder Umstehender. Bekannte Unfälle basierten entweder darauf, dass selbst gebastelte Brandsätze benutzt oder Brandsätze geworfen wurden. Pyrotechnik ist für uns ein stilistisches Mittel, um unsere Mannschaften zu unterstützen, zu motivieren und zum Beispiel unterstützend bei Choreographien unsere Vereine in „ein gutes Licht“ zu rücken. Pyrotechnik im Stadion fasziniert die Zuschauer und schafft eine unglaubliche Atmosphäre, wie sie die Presse früher, oder heute im Ausland gerne als „südländische Leidenschaft“ beschreibt. Und tatsächlich sehen wir Pyrotechnik als „Feuer der Leidenschaft“, um unsere Mannschaft anzufeuern. Gleiches gilt für bunte Rauchtöpfe in den Vereinsfarben. Als Ausdruck von Gewalt und Randalen, wie es gerne von der Presse propagiert wird, verstehen wir Pyrotechnik nicht. Wir wissen aber gleichzeitig um die Verantwortung im Umgang mit Pyrotechnik und werden uns dafür einsetzen, dass dieses Stilmittel nicht provozierend, gewaltverherrlichend oder für andere Menschen gefährdend missbräuchlich eingesetzt wird. Die dieses Konzept unterstützenden Gruppen distanzieren sich von verantwortungslosem Umgang mit Pyrotechnik, von dem Benutzen von Böllern und Raketen und davon, pyrotechnische Gegenstände zu werfen. Wir werden dazu beitragen, nicht nur die passiven Zuschauer aufzuklären, dass Pyrotechnik ein wunderbares Mittel des Supports ist, sondern auch andere Fans unseres und auch anderer Vereine über den verantwortungsbewussten Umgang mit Pyrotechnik informieren. Nur so kann ein breites Umdenken bei Stadionbesuchern und Fußballinteressierten stattfinden und die Pyrotechnik als legitimes Mittel der Unterstützung wieder auf Akzeptanz stoßen.

pyrotechnik legalisieren!  

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