Page 1

April 17


Sebastian-Kneipp-Akademie Wissen fördert Gesundheit Sebastian-Kneipp-Akademie für Gesundheitsbildung

Ein stolzes Jubiläum und ein Grund zu feiern: Die Sebastian-Kneipp-Akademie (SKA) wird 40 Jahre alt! Das Bildungszentrum des Kneipp-Bund e.V. wurde am 7. März 1977 gegründet und leistet seitdem einen wichtigen Beitrag für die Qualifizierung der Übungsleiter/-innen in den Kneipp-Vereinen. Seit ihren Anfängen hat sich die Sebastian-KneippAkademie konstant weiterentwickelt und ist zu einem professionellen, bundesweiten Dienstleister im Gesundheitswesen geworden. Davon überzeugen sich mittlerweile rund 3000 Seminarteilnehmer im Jahr, die in Bad Wörishofen und an vielen weiteren Veranstaltungsorten in ganz Deutschland Seminare der SKA besuchen. Ob Gesundheitspädagoge oder Yoga-Lehrer, Kneipp-Gesundheitserzieher oder Stresspräventionstrainer, die SKA hat für jeden Geschmack und für alle Lebenslagen und Settings das passende Seminarformat im Programm.

Der Kneipp’schen Tradition verpflichtet, ist es unser Ziel, das Gesundheitsbewusstsein möglichst vieler Menschen zu stärken. Denn nur hier wird so umfassend und qualifiziert das Gesundheitskonzept nach Sebastian Kneipp gelehrt. Dies leisten wir als die Ausbildungsstätte der KneippBewegung mit unseren Ausbildungen im Bereich der Kneipp-Gesundheitsbildung rund um die fünf Elemente auf einzigartige Weise.

1. Juli 2017 Tag der offenen Tür Überzeugen Sie sich selbst von unserer Kompetenz und besuchen Sie unseren Tag der offenen Tür am 1. Juli 2017. Ein vielfältiges Vortrags- und Praxisprogramm lädt ein, Naturheilkunde nach Kneipp hautnah und praktisch zu erleben. Lassen Sie sich zu einem gesunden und naturverbundenen Lebensstil inspirieren!

www.kneippakademie.de

Wir sind anerkannter Bildungsträger nach § 178 SGB III / § 2 AZAV

Kneipp-Journal 04/2017


Editorial und Inhalt

87

126. Jahrgang 04/2017

Titelbild: © skypicsstudio Fotolia

Allgemeines  |  Information  |  Kur / Erholung Marion Caspers-Merk Präsidentin des Kneipp-Bundes

Fluch oder Segen? Die Informations- und Kommunikationstechniken, die unsere Arbeitswelt und auch unseren Alltag nicht nur begleiten, sondern weitgehend auch bestimmen, sind ebenso bereits Bestandteil der Medizin und erreichten die Gesundheitsförderung. Die Geschwindigkeit des Fortschritts ist enorm und in vielen Bereichen unserer Gesellschaft besteht das Gefühl, kaum hinterher zu kommen. Der Autor Sascha Lobo hat dies auf einer Ärzteversammlung zum Thema Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft und Medizin ganz treffend formuliert: „Alles veraltet, bevor wir wissen, wie es funktioniert!“. Wir haben in dieser Ausgabe des Kneipp-Journals versucht, einige Bereiche des großen Themas E-Health herauszupicken. Viele Fragen bleiben trotzdem offen und wir werden uns in der Zukunft weiter damit beschäftigen müssen. Als Patienten werden wir vermessen, verdatet und womöglich dank eines zuverlässigen Roboters auch umfänglich gepflegt. Aber eine Sorge wächst dabei: Wo bleibt in Zukunft die Menschlichkeit? Schon heute beklagen Ärzte, dass vielfach der Behandlungserfolg unter einer fehlenden Gesprächszeit leidet. Sie wünschen sich im Vergütungssystem mehr Berücksichtigung des persönlichen Austausches zwischen Arzt und Patient. Bleibt uns zu wünschen übrig, dass die neuen Technologien nicht nur erforderliche Daten produzieren und austauschen, sondern dass der Einsatz der Techniken für das Fachpersonal gleichzeitig auch Raum schafft – Raum und Zeit für menschliche Zuwendung und Gespräche.

Editorial

87

Sebastian-Kneipp-Akademie

97

Mehr Gesundheit durch Bildung

Kneipp-Journal

102

Kneipp aktuell

88

Verbandsarbeit, Personalien, Nachrichten, Gesundheitspolitik, Programme

Vorschau  |  Bildnachweis  |  Impressum

Gesundheit  |  Körper & Geist E-Health – Fluch oder Segen

89

Fitness-, Gesundheits-Apps und Self-Tracking

94

Zum Arzt per Online-Video

98

Fitnessarmbänder und Co:

99

Moderne Kommunikationstechnologien Die „Gesundheitshelfer“ der Zukunft?

Die Vorteile der Online-Sprechstunde Nicht unbedingt ein Allheilmittel

Zertifizierung digitaler Gesundheitshelfer

100

Fitnessarmbänder

100

Das E-Health-Gesetz

106

Der kleine K(l)ick

108

Online-Stresskurs

112

Auf dem Weg zu einem Schaltplan des Gehirns

114

Wechselwirkungen

118

Risiko Darmkrebs

119

Diabetes in der Familie

120

Digitale Gesundheitshelfer

Wie seniorenfreundlich sind die Geräte? Patientennutzen und Datenschutz Gehirnfitness für Jung und Alt Krankenkassen übernehmen die Kosten

...von Medikamenten und Lebensmitteln

Ernährung Bärlauch-Schlemmerzeit

Die Fans warten schon sehnsüchtig darauf Kneipp-Journal 04/2017

130

128


88

MAGAZIN

Gesund altern: vdek sucht Leuchtturmprojekte zur Prävention und Gesundheitsförderung

KNEIPP

aktuell

Tipps für Ihren fairen Einkauf von „Kolonialwaren“ Gesund und fit im Alter zu sein – wer wünscht sich das nicht? Prävention und Gesundheitsförderung fallen dabei Schlüsselrollen zu: Sie können entscheidend dazu beitragen, dass sich Menschen Vitalität und Lebensqualität erhalten und lange selbstbestimmt leben. Der Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek) verleiht seinen Zukunftspreis in diesem Jahr an innovative Ideen, Projekte und BestPractice-Konzepte, die sich dem gesunden Altern widmen. Unter dem Motto „Gesundheit für Ältere gestalten – Lebensqualität fördern“ werden Projekte gesucht, die beispielsweise die Gesundheit und Selbstständigkeit älterer Mitbürger in der Kommune oder im Quartier fördern. Für die besten Ideen und Konzepte wird ein Preisgeld von insgesamt 20.000 Euro verliehen. Weitere Informationen, Teilnahmebedingungen und das Anmeldeformular zum vdek-Zukunftspreis 2017 finden Bewerber unter www.vdek.com/ueber_uns/ vdek-zukunftspreis/zukunft preis_2017.html Für Fragen zur Ausschreibung steht Christin Liebrenz unter der Telefonnummer 030 26931-1766 zur Verfügung.

Kaufen Sie nicht nur biologisch angebaute Produkte, sondern auch solche, die zusätzlich fair gehandelt sind. Denn fair gehandelte Produkte müssen nicht zwangsläufig biologisch angebaut sein und umgekehrt. Dass Bio und Fairer Handel Hand in Hand gehen, ist jedoch sinnvoll, denn neben der Umwelt leiden auch die Menschen in den Anbauregionen unter dem teils intensiven Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln. Ökologischer Landbau verbessert die Lebenssituation der Kaffee-, Bananen- und Kakaobauern erheblich und der Käufer bekommt eine besonders hohe Qualität. „Nachhaltig einkaufen“

Fernüberwachung kann Klinikaufenthalt ersparen Das Universitäts-Herzzentrum Freiburg nutzt als erstes Klinikum Baden-Württembergs einen miniaturisierten Sensor, mit dem sich der Blutdruck bei Herzschwäche-Patienten aus der Ferne kontrollieren lässt. Mithilfe des in die Lungenschlagader implantierten Sensors misst der Patient einmal täglich den Blutdruck sehr nahe am Herzen und überträgt die Werte per Handy an das Behandlungszentrum am UHZ. Steigt der Druck, kann das der Vorbote einer akuten, lebensgefährlichen Herzschwäche sein. Noch vor Auftreten von Symptomen können die behandelnden Ärzte aus der Ferne die Therapie so anpassen, dass der Blutdruck wieder fällt. UHZ

Ärzte zeigen sich offen für digitale Möglichkeiten

Mehr als die Hälfte aller Ärzte kann sich vorstellen, Videosprechstunden mit Patienten abzuhalten. Diejenigen Ärzte, die Videosprechstunden positiv gegenüberstehen, wurden zusätzlich gefragt, bei welchen Patientengruppen sie sich diese Kommunikationsform besonders gut vorstellen könnten. An erster Stelle nannten sie dabei Patienten, die nur eingeschränkt mobil sind (81,6 Prozent). Weitere sinnvolle Zielgruppen wären Patienten, die einen weiten Anfahrtsweg zur Praxis haben (72,3 Prozent) sowie chronisch kranke Patienten (52,8 Prozent). Mit ihrer Studienreihe „Ärzte im Zukunftsmarkt Gesundheit“ beobachtet die Stiftung Gesundheit seit 2005 die Einstellung niedergelassener Ärzte zu wiederkehrenden und aktuellen Themen. Stiftung Gesundheit Kneipp-Journal 04/2017


E-HEALTH

das aktuelle Thema

89

Fluch oder Segen?

Dank moderner Informationsund Kommunikationstechnologie sind wir heute in der Lage, jederzeit und mit jedem, der über einen Computer mit Internetanschluss verfügt, Kontakt aufzunehmen und Dokumente auszutauschen – unabhängig davon, wo immer er sich gerade aufhält.

A

uch unter jedem Schreibtisch einer Arztpraxis und in den Arztzimmern der Krankenhäuser und Rehakliniken stehen schon seit Jahren leistungsfähige Rechner, die innerhalb des Hauses vernetzt sind, sodass Pflegepersonal und Ärzte von jedem Arbeitsplatz aus auf die Daten ihrer Patienten zugreifen können. Befunde und Arztbriefe könnten natürlich

Das neue Stadium in der Evolution? Kneipp-Journal 04/2017


90

das aktuelle Thema

auch per E-Mail verschickt werden. Das verbietet sich aber aus Gründen des Datenschutzes.

Die elektronische Gesundheitskarte (eGK) In Kürze wird sich das ändern. Bis spätestens Ende 2018 soll aus der Gesundheitskarte, mit der sich Versicherte einer gesetzlichen Krankenkasse ausweisen, eine Art Hochsicherheitstresor werden, in dem dann – wenn es der Versicherte wünscht – alles aufbewahrt wird, was an Informationen über seine Gesundheit wichtig ist. Der Bereich „Notfalldaten” enthält etwa Dokumente über Vorerkrankungen, Allergien, regelmäßig eingenommene Medikamente und aktuelle Diagnosen. Ein „elektronischer Medikamentenplan” wird immer dann angelegt, wenn mehr als drei verschiedene Medikamente eingenommen werden müssen. Damit soll Wechselwirkungen zwischen den Medikamenten vorgebeugt werden. Und im „elektronischen Patientenfach” können vom Versicherten erhobene Daten oder andere ihm wichtige Informationen zu seiner Gesundheit aufgenommen werden. Die Eintragungen in der eGK können nur gelesen werden, wenn der Versicherte seine eGK und eine PIN und etwa der behandelnde Arzt seinen elektronischen Heilberufsausweis in ein Kartenlesegrät eingibt. Wo immer sich der Versicherte bei Akteuren des deutschen

Gesundheitswesens (Ärzte, Zahnärzte, Apotheker, Psychotherapeuten, Krankenhäuser u. a.) mit seiner eGK ausweist, kann – mit seinem Einverständnis – auf den „Tresor” seiner Gesundheitsdaten zugegriffen werden. Damit diese auch sicher zwischen den Akteuren ausgetauscht werden können, bedarf es einer „Telematikinfrastruktur”, eines hochsicheren geschlossenen digitalen Netzwerkes. Für dessen Aufbau und Pflege sorgt die „gematik”, eine extra hierfür gegründete Gesellschaft.

E-Health als Helfer in der Medizin Sinngemäß bedeutet e-Health Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) im Bereich Gesundheit. Schon seit geraumer Zeit verrichten die digitalen Helfer auch im Bereich der Medizin ihren Dienst. Sie haben es nicht dabei belassen, Krankenakten auf dem Display anzulegen, zu verwalten und in ihrem Inneren zu speichern. In kurzer Zeit haben sie sich zu Assistenten mit Patientenkontakt qualifiziert. So messen und speichern sie den Blutdruck über ganze 24 Stunden hinweg. Auf vergleichbare Weise lässt sich auch die Herzstromkurve, das EKG, über einen ganzen Tag und die Nacht über aufzeichnen. Diese Assistenten aus dem IKT-Bereich können inzwischen sogar Blutzucker messen, ohne dass in den Finger gestochen werden muss. Ein Sensor wird auf die Haut geklebt, eine dünne, wenige Millimeter lange Sonde durchdringt die Haut und bekommt Kon-

takt mit der Gewebsflüssigkeit, in der die Blutzuckerkonzentration gemessen wird. Mit einem handlichen Lesegerät, einem Scanner, kann dann der Patient den aktuellen Blutzuckerwert ablesen, wann immer er das möchte. In der modernen Chirurgie, die bereits viele Operationen endoskopisch durchführt, wird das Operationsfeld auf einen Monitor übertragen. Über ein Steuerpult, eine Console, lenkt der Operateur die vom OP-Roboter bewegten Instrumente. Da spielt es dann keine Rolle, ob er sich beim Patienten im OP oder in einem Nebenraum befindet (short distance) oder gar auf einem anderen Kontinent (long distance). Die elektronische Überwachung von lebenswichtigen Organfunktionen, das Telemonitoring, dient in den Intensivstationen der Krankenhäuser schon lange der Sicherheit Schwerstkranker. So werden u. a. die Daten von Herzfrequenz, Blutdruck und Atemfunktion durch am Patienten befestigte Sensoren aufgenommen und auf Monitore übertragen, Kneipp-Journal 04/2017


das aktuelle Thema

Telemonitoring sorgt auf den Intensivstationen schon lange für die Patientensicherheit.

die in einem separaten Raum zentral überwacht werden. In Bahnhöfen, Flughäfen und sonstigen öffentlichen Gebäuden weist auf quadratischem grünen Hintergrund ein weißes Herz mit grünem Blitzsymbol auf einen handlichen elektronischen Lebensretter hin. Es ist der „Automatisierte Externe Defibrillator” (AED). Ein kleines technisches Wunder, das Erstretter in verständlicher Sprache anleitet, wie sie auch als medizinische Laien bei einem Herznotfall ein aus dem Takt geratenes Herz mit Hilfe des AED wieder rhythmisieren können. Nur eigenartig, hier stellt die Maschine die Diagnose und übernimmt auch die Therapie, sendet den elektrischen Impuls – der menschliche Retter wird zum Assistenten.

Auch in der Altenpflege: E-Health Wurde vorhin schon auf das roboterassistierte Operieren hingewiesen, so tauchten in letzter Zeit in den Medien Kneipp-Journal 04/2017

wiederholt Abhandlungen über den Einsatz von Robotern auch in der Altenpflege auf. Japan sei uns da weit voraus. Da sieht man im Internet, wie ein Roboter eine bettlägrige Person aus dem Bett hebt und sanft in einen Rollstuhl setzt. Oder die kleinen Kuschel-Robbenbabies, kleine Roboter für das seelische Wohlbefinden alter Menschen. Hierzulande geht es da etwas nüchterner zu. Hier heißen die Roboter einfach nur Pflegemaschinen. Sie sollen auch nüchtern wie Maschinen aussehen; also ohne menschliche Züge, ohne Kulleraugen – so Janine Seitz, Redakteurin des Zukunftsinstituts in einem Artikel im Internet. Im Servicebereich könnten sie etwa Essenstabletts austeilen und wieder einsammeln. Menschliche Zuwendung geben können sie leider nicht. Ein Schwerpunkt in der elektronischen Unterstützung alter Menschen wird darin liegen, ihnen möglichst lange ein Leben in der gewohnten häuslichen Umgebung zu ermöglichen, indem etwa Programme an die rechtzeitige Einnah-

91

me der Medikamente erinnern und zu regelmäßigem Trinken anhalten. Diskret verbaute Sensoren könnten Stürze erkennen und per Funk schnell Hilfe herbeiholen. Denkbar sind auch Vorrichtungen, die verhindern, dass das Ausschalten des Herdes vergessen wird oder dass die Badewanne überläuft. Hier sind es nicht kleine herumrollende Roboter, die älteren Menschen das Leben erleichtern, sondern im Wohnbereich installierte elektronische Helfer aus dem Bereich „Ambient Assisted Living” (umgebungsunterstütztes Leben). Die eigentliche Pflege aber wird auch künftig von Menschen verrichtet werden. Und die ist kaum möglich, ohne in körperlicher Zwangshaltung mitunter hohe Gewichte anzuheben und zu bewegen. Eine menschliche Wirbelsäule hält solche Belastungen nicht lange aus. Auch für dieses Problem ist elektronische Hilfe in Aussicht. Ursprünglich entwickelt um Gehbehinderte beim Gehen zu unterstützen, wurden gelenkübergreifende, beweglichen Gliedmaßen und Rückenprotektoren ähnliche Vorrichtungen entwickelt. Sie werden an Beinen und Rumpf angeschnallt. Ihr elektronisches Innenleben erhält über Sensoren Bewegungsimpulse, die vom Gehirn an die Muskulatur gerichtet sind. Sie werden verstärkt und kleine Motoren aktivieren die mechanischen Gliedmaßen. Sie unterstützen damit die Bein- und Rückenmuskulatur. Wie schon die Telechirurgie vom Militär entwickelt wurde, so geht auch die Entwicklung dieser „Exoskelette” auf Bedürfnisse des Militärs zurück. Sie ermöglichen es Soldaten, Gewichte bis zu 100 kg zu tragen. Den Arbeitern in der Atomruine in Fukushima soll ein spezieller Roboteranzug helfen, den schweren Strahlenschutzpanzer zu tragen und trotzdem noch effektiv zu arbeiten.

Elektronische Wächter Längst hat sich auch der Sport die Fortschritte der Informations- und Kommunikationstechnologie zu Nutze gemacht. Drahtlos können heute Herzfrequenz und Blutdruck während des Trainings überwacht und damit der Trai-


92

das aktuelle Thema

ningszustand dokumentiert werden. Dazu genügen ein schmales elektronisches Armband oder eine Smart Watch (pfiffige Armbanduhr) sowie eine entsprechende App, ein kleines Computerprogramm auf dem Smartphone. Bewegungssensoren, die Activity Tracker, zählen zurückgelegte Schritte, gelaufene Kilometer, überwundene Höhen und senden ihre Daten an die App im Smartphone, die daraus sogar verbrauchte Kalorien berechnet. Aus Phasen fehlender Bewegung wiederum schließen die kleinen Rechner auf die Schlafdauer. Nicht jeder treibt Sport um des Sportes wegen. Oft sind es überzählige Pfunde, die wegtrainiert werden sollen. Moderne Körperwaagen zeigen nicht nur an, wie viele Kilo zu viel sind, sie unterteilen auch in Muskel-, Knochen- und in Fettanteile. Auch den Wasseranteil geben sie in Prozent an. Und das alles funken sie an die App im Smartphone, die mit bunten Grafiken zu weiterer sportlicher Aktivität auffordert.

Quantified Self, Selbstvermessung – im Dienste der Gesundheit? Nun gibt es Menschen, die haben offenbar erst durch diese kleinen elektronischen Spione bemerkt, was da so alles in ihrem Körper abläuft – und vor allem, was sich da so alles messen lässt. Waren

Beim Automatisierten Externen Defibrillator leitet die Maschine den Menschen an.

es bisher Anwendungen, die dem Bedürfnis entsprangen, im Sport Trainingsabläufe zu begleiten oder in der Medizin anhand messbarer Daten krankhaft veränderte Organfunktionen zu überwachen, wie etwa die Höhe des Blutdrucks, des Körpergewichts oder des Blutzuckers, so entstand 2007 in den USA durch Gary Wolf und Kevin Kelly eine Bewegung der Selbstvermessung, die ganz andere Ziele verfolgt. Als Quantified-SelfBewegung hat sie schnell Europa und auch Deutschland erreicht. In mehr als 100 Städten auf der ganzen Welt haben sich Quantified-Self-Gruppen gegründet, in Deutschland gibt es sie etwa in München und in Berlin. „Selbsterkennen

durch Zahlen” („self knowledge through numbers”) sei der Grundgedanke dieser Bewegung. Er beruhe auf der Erkenntnis, dass unsere Wahrnehmung und unsere Aufmerksamkeit lückenhaft sind und der Hilfe von Maschinen bedürfen, „um verborgene Geheimnisse im Inneren des eigenen Körpers aufzuspüren.” Um rein wissenschaftliche Interessen geht es hier offenbar nicht. Stefan Selke, Professor für „Gesellschaftlichen Wandel” an der Hochschule Furtwangen im Schwarzwald, schreibt: „Der Feind ist vielmehr der eigene Körper der, gemessen an den Normen der Bezugsgruppen, nicht ausreichend perfekt ist.” Der Fähigkeit des eigenen Körpers, sich selbst zu

Ausbildung: Gesundheitspädagoge/-in SKA Themen zur Gesundheitsförderung und Prävention nehmen in unserer Gesellschaft einen breiten Raum ein. Immer mehr Menschen erkennen die Bedeutung einer Gesundheitsvorsorge für die eigene Lebensqualität. Dabei findet die ganzheitliche Gesundheitsförderung nach dem Kneippschen Konzept mit den fünf Elementen besondere Akzeptanz. Das Interesse an Prävention und Eigenverantwortung wächst und erfordert Fachleute, die Menschen auf diesem Weg kompetent begleiten. Dieses vereint sich in unserer E-Learning unterstützten Ausbildung zum/zur Gesundheitspädagogen/-in SKA. Die Ausbildung Gesundheitspädagoge/-in SKA gliedert sich in zwei Hauptabschnitte: 1. Abschnitt Basisstudium: Erlangung des Zertifikats „Gesundheitspädagoge/-in SKA Basic“ in drei Präsenzphasen und sechs E-Learning-Phasen

Sebastian-Kneipp-Akademie (SKA) Adolf-Scholz-Allee 6 – 8 | 86825 Bad Wörishofen Telefon 08247 3002-132 oder -133 | ska@kneippbund.de

Sebastian-Kneipp-Akademie für Gesundheitsbildung

2. Abschnitt Spezialisierung in einem ausgewählten Fachbereich: Es stehen folgende Ausbildungen zur Wahl: Fachbereich Kneippsche Anwendungen – Kneipp-Gesundheitstrainer/-in SKA – Kneipp-Gesundheitstrainer/-in SKA (2. + 3. Ausbildungsseminar) + 2 spezifische Weiterbildungen (à 16 LE) Fachbereich Bewegung – Übungsleiter/-in Breitensport C-Lizenz + 1 spezifische Weiterbildung (à 16 LE) Fachbereich Heilpflanzen – Kursleiter/-in Heilpflanzenkunde SKA Fachbereich Lebensordnung – Entspannungstrainer/-in SKA – Stress-Präventionstrainer/-in SKA nach Kneipp

www.kneippakademie.de Kneipp-Journal 04/2017


93 regulieren, wird misstraut und ebenso dem etablierten medizinischen Wissen. Inzwischen bieten Internetfirmen sogar Blutanalysen zur Selbtvermessung an. Steckt hier Lebensangst dahinter?

Digitales Protokollieren des eigenen Lebens (Lifelogging) Lifeloggern (Life = Leben, to log = protokollieren) geht es darum, möglichst kontinuierlich alles zu protokollieren, was ihnen im Alltag so begegnet, wo sie sich gerade aufhalten (GPS-Daten), was sie sehen (Mikrokameras), ihre psychische Verfassung (Self-Tracker). Dies und all die oben erwähnten Daten sammeln sie. Auf diese Weise füllen sie eine Art Black Box, aus deren Daten ihr Leben rückverfolgt werden kann. Rob Spence, ein kanadischer Kameramann, war seit Kindheit auf einem Auge blind. Später hatte er sich dieses Auge gegen eine Augenprothese mit eingebauter Minikamera austauschen lassen, die nun alles aufnimmt und drahtlos an ein Speichermedium sendet. In Anlehnung an den Begriff Cyborg, was ein Mischwesen aus Mensch und Maschine bedeutet, gab er sich den Namen Eyeborg. Durch die Übertragung des eigenen Bewusstseins auf einen Datenspeicher gelänge es schließlich, eine Art digitalen Doppelgänger, einen Avatar, zu schaffen und so digitale Unsterblichkeit zu erreichen. Ein Zukunftstraum der Lifelogger – oder ein visionärer Blick in eine unmenschliche Zukunft?

E-Health – Fluch oder Segen? Schon Paracelsus war überzeugt, der Mensch sei ein biologisches Mängelwesen, ein Rohling. Er brauche daher „ein Feuer unter dem Kessel”. Während Pflanzen und Tiere optimal an die Anforderungen ihrer natürlichen Umgebung angepasst sind, müssen wir, die Entlassenen der Natur, uns um eine möglichst natürliche Lebensordnung bemühen. Längst aber leben wir in einer weitgehend unnatürlichen, von uns selbst geschaffenen künstlichen Umwelt. Ohne „Prothesen” Kneipp-Journal 04/2017

welcher Art auch immer, wird sich unser biologischer Körper irgendwann unter diesen künstlichen Lebensbedingungen nicht mehr behaupten können. Mit künstlichen Gelenken, einem Herzschrittmacher, einer implantierten Insulinpumpe und was sonst noch an Organfunktionen durch Technik ersetzt werden kann, sind wir heute schon Cyborgs. Unser Gedächtnis lagern wir aus auf die Festplatte unseres Computers, unser Erinnerungsvermögen verkümmert. Das Auto nimmt uns die Wege ab, Muskulatur und Kreislaufstabilität beginnen zu schwächeln und seit es GPS gibt finden wir uns ohne diese Orientierungshilfe selbst in der näheren Umgebung nicht mehr zurecht. Andererseits: alles was wir besser können als die Natur macht uns hypertroph und gleichzeitig entfremdet es uns von uns selbst. Eine schnellere Herzfrequenz, ein flüchtiger Schwindel, ein leichtes Unwohlsein löst heute schon bei vielen Menschen Verunsicherung und Panik aus. Da müssen Daten her über Blutdruck, Puls und Blutzucker und was die High-Tech-Medizin so hergibt. Das Vertrauen in das Lebendige und das Leben insgesamt ist vielen verloren gegangen. Selke spricht vom „Verlust metaphysischer Geborgenheit”, dem Selbstvermesser „vertrauensvoll bunte Balkendiagramme, deskriptive Statistiken und eine Logik entgegensetzen, die sich in hypnotisch redundanten Sinn-Formeln erschöpft”. Vielleicht sollten wir nicht nach Fluch oder Segen der E-Health-Entwicklung fragen, sondern in der Quantified-SelfBewegung und im Lifelogging einen Hinweis darauf sehen, dass wir vielleicht auf eine neue Stufe kultureller Evolution zusteuern, in der es nun darum geht, unsere biologische Ausstattung an die immer künstlicher und unnatürlicher werdende Umwelt anzupassen, statt umgekehrt, wie wir es bisher versuchen. Mag das auch noch so nach Science Fiction aussehen.

Detox Detox

✔ unterstützt die natürliche ✔ Entgiftung unterstütztder die Haut natürliche Entgiftung der Haut ✔ reinigt die Haut sanft porentief ✔ und reinigt die Haut sanft und porentief ✔ gebrauchsfertige Paste Gesicht und Körper ✔ für gebrauchsfertige Paste für Gesicht und Körper

Dr. Wolfgang Sattler Facharzt f. psychotherapeutische Medizin freiberuflicher Mitarbeiter der Sebastian-Kneipp-Akademie

www.luvos.de


130

Vorschau & Impressum

Unser Thema im Mai 2017:

Sebastian-Kneipp-Tag 2017: Auszeit für Körper und Geist Im Sinne von Sebastian Kneipps Lebensordnung bieten wir Ihnen mit dem Kneipp-Journal Mai Anregungen zum Ausgleich und zum Schöpfen neuer Kraft. Lesen Sie darüber, wie Sie zu einem guten, regenerierenden Schlaf finden, über Spiritualität und Gesundheit, über die entspannende Heilpflanze Lavendel und über vieles mehr. Freuen Sie sich auf die nächste Ausgabe und nehmen Sie sich gleich damit eine kleine Auszeit.

Kneippen

von H. Kreiter · H. Roschatt Ein Kneipp-Hausbuch mit zahlreichen Kneipp’sche Anwendungen für den Alltag: Von Wassergüssen, Bädern und Wickeln zu Nahrungsmitteln als Medizin, Kräuteranbau und -heilkraft, Entspannungsmethoden, Bewegungstipps u.v.m. Mit Hausmittelapotheke und Beschwerdenlexikon. Best.-Nr. A2477

E

17,99

Nutzen Sie unseren Bestellcoupon auf Seite 126 bzw. bestellen Sie einfach via Internet unter

www.kneippverlag.de/shop

Wickel und Kompressen

von V. Brumm · M. Ducommun-Capponi Ein fundiertes, reich bebildertes Buch, das sowohl Fach- und Lehrbuch wie auch Rezeptbuch ist. Geschrieben von zwei ausgewiesenen Fachfrauen auf dem Gebiet der Wickel und Kompressen. Best.-Nr. A2056

E

26,90

Impressum Titel Der Titel „Kneipp“ ist zu Gunsten der Kneipp-Werke Würzburg/Bad Wörishofen als eingetragene Marke geschützt Herausgeber Kneipp-Bund e. V., Bundesverband für Gesundheitsförderung und Prävention, Bad Wörishofen; vertreten durch die Präsidentin Marion Caspers-Merk Verlag Kneipp-Verlag GmbH, Adolf-Scholz-Allee 6–8, 86825 Bad Wörishofen; Postfach 1451, 86817 Bad Wörishofen; Tel. 0 82 47/ 30 02-212, Fax 0 82 47/30 02-199 E-Mail: Kneippverlag@t-online.de Internet: www.kneippverlag.de: eingetragen beim Amtsgericht Memmingen, HRB 5126 ISSN 1868-4270 Geschäftsführerin Annette Kersting Redaktion Beate Seeßlen-Hurler V. i. S. d. P. Anzeigen Annette Kersting (verantwortlich) Anzeigenverkauf Verlagsbüro ID GmbH & Co. KG Irmgard Ditgens (Ltg.), Tel. 05 11/ 61 65 95-0, Susanne Sinß, 0511/616595-35 Ines Walter, Tel. 0511/616595-25 Fax 05 11/ 61 65 95-55, E-Mail: service@verlagsbuero-id.de Für den Inhalt der Anzeigen zeichnen die Inserenten verantwortlich Vertriebsabteilung Christa Weidner Tel. 0 82 47/ 30 02-112 Bezugsbedingungen Jahresabonnement

e 25,–

bei Versendung ins Ausland zuzgl. Porto Die Zeitschrift Kneipp-Journal (vormals KneippBLÄTTER) ist das offizielle Organ des KneippBundes e.V. Sie erscheint jährlich 10 x und wird allen Kneipp-Bund-Mitgliedern im Rahmen der Mitgliedschaft ohne besondere Bezugsgebühr geliefert. Der Verlag behält sich vor, Anzeigenaufträge wegen des Inhalts, der Herkunft oder der fachmännischen Form nach einheitlichen Grundsätzen des Verlages abzulehnen. Für per ISDN und auf anderen Datenträgern übermittelte Anzeigendaten übernimmt der Verlag keine Gewähr. Wiederverwendung des redaktionellen Inhalts nur mit schriftlicher Zustimmung des Verlages gestattet. Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Fotos wird keine Haftung übernommen. Der Inhalt der veröffentlichten Anzeigen muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

Bildnachweis Seiten 88, 96, 98, 112, 113, 116: DAK-Gesundheit, Seite 88 und 90: ADV, adam 121_fotolia Seite 89: Milles Studio_fotolia, Fiedels_fotolia, Seiten 90, 91: AOK-Mediendienst Seite 92: Erop_fotolia, Seite 94: Drobot Dean_fotolia Seite 97: The Photos_fotolia, K-U Häßler_fotolia, Kneipp-Bund e. V., Natali Terr_fotolia, Seite 99: Robert Kneschke_fotolia Seiten 108-111: Katrin Niekerke, Seite 114: Alexandr Mitiuc_fotolia, adimas_fotolia, Seite 118: BloodyMary/pixelio, Seite 120: djdWörwag Colourbox, Seite 127: Verlag Hans Högel KG/Tobias Hartmann aus Bildband Bad Wörishofen, Seiten 128, 129: LVBM, FIZ

Kneipp® ist eine eingetragene Marke der Kneipp-Werke Würzburg.

Durch

„Produktinformation“, „Firmenportrait“ und „Kur und Erholung“

Druck ADV SCHODER, Augsburger Druck- und Verlagshaus GmbH, 86167 Augsburg Gestaltung, Satz und Lithos: ADV SCHODER, ADV Mediendienste, 86167 Augsburg

gekennzeichnete Artikel erscheinen außerhalb

der Verantwortung der Redaktion.

Erscheinungsweise: 10 x jährlich Quartal 1/2017 Druckauflage: 91.935 Stück

Kneipp-Journal 04/2017


Unsere Klassiker in bester Qualität Gießrohr

Schnellkupplung

Durch den eingebauten Strahlbrecher wird der druckgeminderte Wasserstrahl erzielt, der für die Kneippschen Güsse benötigt wird. Das Gießrohr wird einfach auf den Brauseschlauch aufgeschraubt.

3-teilig, aus Kunststoff Einfach und schnell zwischen Duschkopf und Gießrohr wechseln. Best.-Nr. A1572 19,90 €

Best.-Nr. A1778

45,90 E Armbadewanne

Fußbadewanne

• das kalte Armbad: Müdigkeit und Erschöpfung verschwinden sofort • das wechselwarme Armbad: das Immunsystem wird gestärkt, Entspannung gefördert.

Ideal zum Wassertreten und für Fußbäder

Farbe Weiß: Best.-Nr. A0243

29,90 €

Farbe Weiß: Best.-Nr. A0245

34,90 €

29,90 €

Farbe Blau: Best.-Nr. A0246

34,90 €

Farbe Blau: Best.-Nr. A0244

Nutzen Sie unseren Bestellcoupon auf Seite 126 bzw. bestellen Sie einfach via Internet unter

www.kneippverlag.de/shop

19,- E Auch als Sitzunterlage für Haus und Garten ideal!

Sitzkissen für Wanderer Größe: 40 x 30 cm Farbe: Braun Material: 13 mm Filz (100% Schafschurwolle) Als Sitzunterlage gibt es kein besseres Material als Filz. Schnell und problemlos aufgerollt lässt sich dieses Sitzkissen einfach im Rucksack verstauen oder mittels Schlaufe am Handgelenk tragen. Filz ist lautlos, temperaturausgleichend und warm, wasserabweisend und strapazierfest - schlichtweg ideal. Die Schuppenstruktur der Wollfaser hält Schmutz genauso wie Nässe an der Oberfläche.

Best.-Nr. A1266

EHA-Badematte Damit Ihre Füße beim Guss nicht im kalten Wasser stehen.

40 x 40 cm, Farbe Elfenbein: Best.-Nr. A0247 22,90 € 40 x 40 cm, Farbe Blau: Best.-Nr. A0249

22,90 €

40 x 60 cm, Farbe Elfenbein: Best.-Nr. A0251 33,90 € 40 x 60 cm, Farbe Blau: Best.-Nr. A0253

33,90 €

Kneipp-Journal April 2017  

Als Zeitschrift für gesundes Leben, Naturheilverfahren und Prävention hat sich das Kneipp-Journal zu einem wertvollen Ratgeber entwickelt. I...

Read more
Read more
Similar to
Popular now
Just for you