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Heft 1/2018 · Preis 2,00 €

KneippKindergarten

Seite 12:

Miteinander – Füreinander Das Kneip Wasser

Heilpflanze n Ernährung Bewegung

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Vorwort

Inhalt Lebensordnung 

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Dr. phil. Sonja Weißbacher/Diana Eichmüller:

Familienpaten in Bayern Niederschwellige Unterstützungsangebote als primärpräventiver Ansatz in der Gemeindeversorgung

Wasser12 Annette Pache:

Morgenkreis in der Kita nach Kneipp Ernährung 

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Natalie Stadelmann:

Miteinander, Füreinander Gemeinsam mit Kindern Kochen, Essen und Erleben

Bewegung 

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Katrin Niekerke:

Ich – Du – Wir Kreisspiele, die das Mit- und Füreinander fördern

Dies + Das 

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Ursula Uhlemayr:

Wickel und Auflagen als heilsame und wohltuende Begleitung Anwendungen der wissenschaftlich anerkannten Hydrotherapie nach Sebastian Kneipp

Lebensordnung26 Dr. sc. päd. Roswitha Reinhold:

Kinder brauchen Kinder

Impressum/Bildnachweis 

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SKA Aktuell 

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für ein gutes „Miteinander – Füreinander“, das Jahresmotto der Kneipp-Bewegung für 2018, ist es entscheidend, das gesellschaftliche Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken und eine solidarische, offene und tolerante Gesellschaft aufrecht zu erhalten und aktiv mit zu gestalten. In Zeiten rasanThomas Hilzensauer ter Veränderungsprozesse ist es für uns alle Bundesgeschäftsvon großer Bedeutung, einen festen Platz führer in der Gemeinschaft zu haben. Dies gilt für Kinder in besonderem Maße – sie brauchen ein Umfeld, in dem sie sich wohlfühlen. Mit der not­ wendigen Geborgenheit und Stabilität können sie sich bestmöglich entwickeln, ihre R ­ essourcen stärken und Selbstheilungskräfte aktivieren. „Miteinander – Füreinander“ ist ein Teil der Lebens­ ordnung und für die Gesundheit genauso wichtig, wie die anderen Elemente der Kneippschen Gesundheitslehre. Denn wer sich mit Begeisterung und Motivation für die Gemeinschaft einsetzt, empfindet sein Leben zumeist als sinnvoll und erfüllt – eine der wichtigsten Voraussetzungen für Gesundheit und Glück. Diesem Gedanken kann man im Kita-Alltag mit ­unterschiedlichen Ansätzen begegnen: Egal ob Spielund Bewegungsformen, die das Mit- und Füreinander fördern, gemeinsames „Kochen, Essen und Erleben“, ein „Morgenkreis nach Kneipp“ oder der Beitrag über das „Netzwerk Familienpaten“ – in unserer ersten Ausgabe des Kneipp­Kindergartens in 2018 haben wir einige interessante Ideen und Möglichkeiten zusammengestellt, um das „Wir-Gefühl“ zu stärken und den Zusammenhalt untereinander zu ­fördern. Viel Spaß beim Lesen und bleiben Sie aktiv & gesund!

Friedliches Miteinander von Anfang an fördern

Aus- und Weiterbildungen an der Sebastian-Kneipp-Akademie

Liebe Leserin, lieber Leser,

Ihr

Thomas Hilzensauer Bundesgeschäftsführer

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Lebensordnung

Familienpaten in Bayern Niederschwellige Unterstützungsangebote als primär­ präventiver Ansatz in der Gemeindeversorgung 4

KneippKindergarten  Heft 1/2018


Lebensordnung

Ich fahre durch das benachbarte Dorf, bis ans andere Ende, kurz bevor auf der einen Seite der Wald beginnt und auf der anderen Seite weite Felder den Blick zu den Alpen frei geben. An einem der letzten Häuser mache ich Halt, finde nach kurzem suchendem Blick die beschriebene Eingangstür. Ich brauche nicht zu klingeln, denn die Mutter, mit der ich den Termin habe, hat mich bereits vom Fenster aus gesehen und erwartet mich etwas aufgeregt und verlegen zugleich. Als Koordinatorin eines Familienpatenstandortes komme ich oft in solche Situationen. Der erste Blick von außen ist fast romantisch. Dorfidylle, viel Platz, um ungestört zu spielen, ein Paradies für Kinder. Doch oft trügt das Bild. Schon nach kurzem Gespräch stellt sich heraus, dass der Vermieter den Kinderlärm nicht mag, die steile Auffahrt zum Haus sich als lebensgefährlich für ein Kind erweist, das mit Buggy unterwegs ist und die Wohnlage so abgelegen ist, dass die Mutter es schwer hat, soziale Kontakte zu pflegen, vor allem, wenn sie mal wieder kein Auto hat. Die Eltern in der nur etwa 10 km entfernten Kleinstadt sind leider keine Unterstützung. Im Gegenteil, durch ihre manipulative Art haben sie mehr Zwistigkeit in die kleine Familie gebracht, als dass sie entlastend gewesen wären. Die Mutter meidet daher ihre Eltern seit längerer Zeit. Ihr Mann arbeitet für eine große Firma in der 50 km entfernten Großstadt. Er ist ständig unterwegs, hat Außendienste mit Übernachtungen. Er muss

S „Zum Erziehen eines Kindes braucht es ein ganzes Dorf“ (afrikanisches Sprichwort)

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viel arbeiten, um den Lebensunterhalt der Familie hier in diesem teuren Teil von Deutschland zu verdienen. Wenn er daheim ist, braucht er Erholung und vor allem Schlaf. Die beiden Söhne, beides Wunschkinder, sind wild und anstrengend. Oftmals platzt dem Vater dann der Kragen, wenn er sein Erholungsbedürfnis bedroht sieht und gleichzeitig macht er sich Vorwürfe, dass er den Kindern nicht mehr Zuwendung geben kann. Grund genug für einen Ehekrach, denn die Mutter erfährt durch ihren Mann somit keine Entlastung, sondern fühlt sich verpflichtet, seine Sorgen aufzufangen. Innerhalb einer Stunde hat mir die Mutter ihre Lebenssituation geschildert. Immer mehr Details machen deutlich: diese Mutter ist am Ende ihrer Kräfte, die Akkus sind leer, hier ist dringender Handlungsbedarf. Wenn die Mutter z.B. beim Einkaufen mit der älteren alteingesessenen Bäckersfrau ins Gespräch kommt, sagt diese nur: „Mei, früher ham ma fünf bis sieben und mehr Kinder g’habt und ham ned g‘jammert. Was ihr jungen Leut heut z‘tag so habt?“ Dann geht die Mutter heim, mit Selbstzweifeln und dem Gefühl, dass irgendetwas mit ihr nicht stimmt. Es stimmt wirklich etwas nicht, denn sie hat eine psychische Krise gehabt und ist seither in psychiatrischer Behandlung. Ihr Arzt hat ihr daraufhin den Flyer von den Familienpaten in die Hand gedrückt.

o oder anders sind die Zugänge zu den Familien, denen eine Patin/ein Pate im Rahmen der Familienpaten vermittelt wird. Das Netzwerk Familienpaten Bayern1 Bereits im Jahr 2009 haben sich erstmals verschiedene Stellen, die in Bayern für Familienunterstützung und -schutz tätig sind2, für ein bayernweites Netzwerk eingesetzt, um Familienpaten sukzessive flächendeckend zu etablieren. Ziel war es, ein niederschwelliges Angebot bereitzustellen, auf das alle Familien zugreifen können, unabhän-

gig u.a. von finanziellen Ressourcen oder Nationalität; ein Angebot, das wohnortnah und ohne formelle und behördliche Hürden, Unterstützung im Alltag bieten kann. Mit dem Slogan „Hilfe, die ankommt“, werden engagierte Menschen in den Gemeinden gesucht, die ihre Zeit und ihre Lebenserfahrung anderen Familien ehrenamtlich zur Verfügung stellen wollen. Doch Helfen will gekonnt sein. Daher ist die intensive Schulung, die der Übernahme einer Patenschaft vorausgeht, obligatorisch. Hierfür wurde vom Staatsministerium

1G  efördert durch das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration. http://www.stmas.bayern.de/erziehungsberatung/familienpaten/index.php und www.familienpaten-bayern.de. Der Begriff „Familienpate“ ist nicht geschützt, so dass es leicht zu Verwechslungen mit gleichlautenden Projekten kommen kann. 2D  eutscher Kinderschutzbund Landesverband Bayern e.V., Bayerischer Landesverband des Katholischen Deutschen Frauenbundes e.V., Landesverband Mütter- und Familienzentren in Bayern e.V., Zentrum Aktiver Bürger Nürnberg.

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Lebensordnung

handlungssache zwischen der Familie und den Paten ist. Die geleisteten Stunden werden protokolliert und fließen in eine bayernweite Statistik ein. Die Paten werden auch nach der Schulung professionell koordiniert, haben regelmäßige Fortbildungen und Supervision. Das relativ kostenintensive Projekt basiert auf einer Mischfinanzierung an der sich Gemeinden, freie Träger, Stiftungen u.m. anteilig beteiligen. Das Projekt wird vom Netzwerk Familienpaten halbjährlich evaluiert. Die Beteiligten werden nach Beendigung einer Patenschaft schriftlich befragt. Was Familien nach einem Jahr Familienpatenschaft sagen: „Endlich hat mir jemand zugehört.“ „Wenn die Familienpatin mit meinen Geschwistern spielt, hat meine Mami Zeit für mich.“ „Zeit für mich selbst gab es gar nicht mehr. Langsam beginne ich damit, wieder etwas für mich zu tun.“

Die Motivation der Helfer/-innen und Gründe für den Bedarf Gemeinsam stark und glücklich sein

ein umfangreiches Curriculum erstellt. Inhalte sind beispielsweise die Phasen einer Patenschaft, Familiensysteme und ihre Dynamik, die systemische Sichtweise, die dem Familienpatenprojekt zugrunde liegt, Kommunikation, Werte in der Familie, Nähe und Distanz, Nein sagen, Abgrenzung in der Patenschaft, die eigene Rolle als Pate/-in, interkulturelle Kompetenz, Trennung und Scheidung, rechtliche Fragen, was tun, bei Verdacht auf Kindswohlgefährdung, wo stößt die eigene Verantwortung als Pate/-in an ihre Grenzen, so dass eine Sache an das professionelle Netz abgegeben werde muss, Schweigepflicht und vieles mehr. Erst nach dieser 6-tägigen Schulung entscheiden sich die Teilnehmer/-innen, ob sie tatsächlich als Familienpaten/ -innen tätig sein wollen. Diese Verzahnung zwischen Familien, ehrenamtlichen Helfern aus der Region und professionellen Koordinatoren/-in­ nen unter der Nutzung des gesamten Netzwerkes eines Landkreises, um Syn-

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ergien nutzbar zu machen und Schnittstellen effizient zu managen (Clearing) ist ein Spezifikum, ein Qualitätsmerkmal und ein Erfolgskriterium des Familienpatenprojekts zugleich. Dabei bleibt das Hilfsangebot auf beiden Seiten freiwillig. Zwar wird schriftlich eine detaillierte Vereinbarung über die konkrete Hilfeleistung – auch als Schutz für die Paten – getroffen, die sehr wichtig ist. Dennoch bleibt das Angebot zwar verbindlich, aber freiwillig und kann auch wieder beendet werden, wenn sich Verhältnisse verändern oder andere Gründe für eine vorzeitige Beendigung sprechen. Läuft eine Patenschaft, so beträgt die Dauer ein Jahr, mit dem Ziel der Hilfe zur Selbsthilfe, aber auch der Option der Verlängerung, falls nötig und beidseits gewünscht. Ein Rechtsanspruch auf Familienpaten besteht hingegen nicht. Im Durchschnitt leisten die Paten/-innen pro Woche 2–3 Stunden Hilfestellung, wobei der genaue Treffensmodus Aus-

Die klassische Großfamilie gibt es nur noch vereinzelt. Manchmal sind es auch die Großeltern, die ihre Rolle als Unterstützer/-innen nicht mehr ausfüllen wollen. Sei es, weil sie selber noch aktiv sind und ihre eigenen Interessen pflegen, sei es, weil die Beziehung zwischen ihnen und den eigenen Kindern nicht die beste ist und zu Reibungsflächen führt. Auch dann ist es manchmal gesünder, seine Zeit und Anteilnahme anderen Kindern und nicht den eigenen zukommen zu lassen. So verschwimmen die Fürsorgebeziehungen heute mehr und mehr. Was früher innerhalb einer Familie und eines Dorfes, einer sozialen Gemeinschaft geregelt wurde, weicht auf, ist durchlässig, verhandelbar. Diese Mechanismen zu bewerten führt nicht weiter. Sie sind der Motor für Veränderung und damit Weiterentwicklung. Ohne Schritte der Veränderung – oft nicht freiwillig gegangen – keine Menschheitsgeschichte. Auch die Mobilität kostet ihren Preis. Viele Familien haben keine Angehörigen in der Nähe, soziale stützende Netzwerke müssen in der Wahlheimat erst neu aufgebaut werden. Die Zeit bis zum ersten Kind verschiebt sich zunehmend

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Lebensordnung

nach hinten und wird bis dahin von Mann und Frau gleichermaßen mit der immer wichtigeren beruflichen Identität, Gelderwerb und der Planung einer abgesicherten Zukunft verbracht. Wenn die Kinder und Enkelkinder weit weg wohnen oder man selber nie eigene Kinder hatte, schenkt man die Zeit eben lieber anderen. Auffallend viele der Familienpaten haben selber in ihrem Leben nicht nur Gutes erfahren, Unterstützungsangebote außerhalb der Familie gab es kaum. Erfreulicher Weise gibt es unter den Familienpaten einen erstaunlich hohen Anteil an Männern. Oft sind es Berentete, die ihr Wissen gerne weitergeben, Nachhilfe und Hausaufgabenbetreuung als Patenaktivität bevorzugen. Hier passt das Hilfsangebot oft wie der Schlüssel ins Schloss, denn viele Familienpaten werden in der Tat für Jungs gesucht. Der oft abwesende eigene Vater kann somit durch ein neues männliches Vorbild ergänzt werden.

Jahren in landwirtschaftlich geprägten Gegenden für Frauen normal, harte Arbeit außerhalb des Hauses Tag für Tag zu erledigen. Die Bäuerin ging der Feldarbeit meist rasch nach der Geburt ihres Kindes wieder nach. Die Landhebamme Rosalie Linner3 beschreibt in zahlreichen Erzählungen, wie oft sie Mütter wenige Tage nach der Geburt eines Kindes bereits auf dem Feld antraf und ihnen deswegen ins Gewissen reden musste. Die Erziehung der Kinder oblag damals größtenteils der Großmutter, die mit im Haus lebte. Das damalige Familienleben war v.a. Versorgungs- und Zweckgemeinschaft. Dazu brauchte es Zusammenhalten und Solidarität. Die Befriedigung von basalen Bedürfnissen stand im Vordergrund, nicht aber die pädagogische Pflege. Kinder galten noch lange als kleine Erwachsene, die ihre Aufgaben zu erfüllen hatten, wie alle anderen Hausmitglieder im Arbeitsprozess. Ver-

glichen mit der heutigen Lebenswirklichkeit war es ein hartes, pflichtvolles und klar strukturiertes Zusammenleben ohne große Rücksicht auf individuelle Befindlichkeiten. Durch die Lehren der freudschen Tiefenpsychologie versuchte die Gesellschaft ab den 70er Jahren die Familie immer mehr auf einen sehr kleinen Rahmen festzulegen: Vater, Mutter und Kind. Ziel war die Einheit zu bilden, ein eng verwobener Kern, in dem die Kinder eine besondere pflegende Umgebung erführen. Die mütterliche Pflege war dabei von entscheidender Bedeutung. Bei ihr sollte der Nachwuchs eine pädagogisch geprägte Nestwärme erleben und darin bestmöglichst „gedeihen“ können. In diesem Gebilde stieg der Anspruch aber auch an das elterliche Handeln, zunächst besonders bei den Müttern, enorm an. Noch heute befinden sich deutsche Familien in diesem

Familie im gesellschaftlichen Wandel Manche Menschen kann man heute schwärmen hören „Früher war alles besser! Da waren die Familien noch in Ordnung“. „Früher“ meint: als noch die Mütter liebevoll die Kinder um- und die Väter mit ihrer harten Arbeit die Familie versorgten. Sofort baut sich vor dem eigenen geistigen Auge eine romantische Idylle auf und man möchte denken „Ja, früher!“. Die klassische traditionelle VaterMutter-Kinder-Familie, mit ihrem männlich konnotierten Versorgungsaspekt und der weiblichen Führsorge wurde faktisch nur zwischen den 1950er bis maximal 90er Jahren gelebt. Es war ein Idealbild des städtischen Bürgertums sowie des Nationalsozialismus, aber auch geprägt durch die ersten damaligen Erkenntnisse der Psychologie nach Sigmund Freud und seinen Schülern. Tatsächlich war es noch in den 60er-

3B  ücher von Rosalie Linner, u.a. „Meine Zeit als Landhebamme“ (2003), „Hebamme aus Leidenschaft“ (2004), „Tagebuch einer Landhebamme“ (2014), „Meine besten Geschichten als Handhebamme“ (2015), u.a.

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In unserer heutigen Zeit eher seltene Momente

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Lebensordnung

Das gute Verhältnis zu Eltern bzw. Großeltern wird maßgeblich durch die Qualität des Miteinanders geprägt

Entwicklungsprozess – mit weiter steigender Tendenz. So entwickelte sich das Konstrukt „Familie“ von einer Gemeinschaft, die das Überleben des Individuums sichern sollte, zu einem sozialen Verbund, in dem ein besonderes Augenmerk auf die Entwicklung und Pflege des Nachwuchses gelegt wird. Auf der anderen Seite rückte die Versorgung der Alten, die als Gegenleistung von den Kindern erwartetet wurde, mehr und mehr durch das Rentenversicherungssystem in den Hintergrund. Folglich wird also maximal in den Nachwuchs investiert, ohne dass eine entsprechende Solidarität von genau diesem erwartet wird. Zielsetzung des elterlichen Handelns ist nun die Zufriedenheit über das eigene Erziehungsverhalten, sowie eine gute Beziehung und Freundschaft zum

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eigenen Kind. Nach der Shellstudie4 der letzten Jahre berichten junge Menschen in Deutschland, dass sie überaus zufrieden mit ihren Eltern wären. Über 75% erwägen eine ähnliche Erziehung, wie die ihrer Väter und Mütter. Gleichzeitig gehört die „Familie“ zu den attraktivsten Lebensmodellen bei Jugendlichen. Fast 80% der jungen Menschen meinen, dass ein glückliches Leben nur im Kreise einer eigenen Familie möglich wäre. Dies spricht für den hohen Erfolg der westlich geprägten Elternschaft. Eltern sind gute „Freunde“5 für ihre Kinder. Sie sind wichtigste Bezugs- und Vertrauenspersonen. Dazu gesellen sich zusätzlich überaus aktive Großeltern. Auch sie suchen weiter eine positive Beziehung zu ihren Kindern und Enkeln. Außerdem sind Frauen und Männer mit anwachsenden

Bildungschancen zunehmend immer häufiger beide berufstätig. Zur Unterstützung beider übernehmen Omas und Opas oft wichtige Teile der Kinderbetreuung und -versorgung. So erhalten 4 Prof. Dr. Albert et al. (2015). 17. Shellstudie. Hamburg. http://www.shell. de/ueber-uns/die-shell-jugendstudie/ multimediale-inhalte/_jcr_content/ par/expandablelist_643445253/expandablesection.stream/1456210165334/ d0f5d09f09c6142df03cc804f0fb389c2d39e167115aa86c57276d240cca4f5f/ flyer-zur-shell-jugendstudie-2015-aufdeutsch.pdf 5 Das Befreundet sein mit seinen eigenen Kindern hat auch seine Grenzen. Dann nämlich, wenn die autoritäre Kraft der Eltern dabei verschwimmt und das eigene elterliche Rollenbild nicht klar ist. Dann können auch Eltern ihre Kinder als beste Freunde und Vertraute „missbrauchen“.

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Lebensordnung

auch sie einen wichtigen Platz im Leben der Kinder und Jugendlichen. Befragungen ergaben zusätzlich, dass deutsche Großeltern gerne ihre Kinder entlasten. Weiter möchten sich gerade Menschen an der Grenze zur Rente zusätzlich sozial engagieren. Sie ergreifen dann ehrenamtliche Ämter als Familienpaten, Bildungscoaches oder Lesepaten. Dabei entlasten sie Eltern in ihren unterschiedlichen Bedürfnissen.

Warum diese Veränderungen? In der deutschen Kultur haben sich zwei US-amerikanische Ideale verankert: Einmal wird angenommen, dass jedes Individuum über eine Wahlfreiheit in seinem Leben verfügen soll6. Allen Menschen stehen weitestgehend alle Türen offen. Voraussetzung dafür ist ein entsprechender persönlicher Einsatz. Diese Einsicht ist u.a. Frucht der behavioristischen Strömung in der Psychologie, die nach Watson7 besagt, dass man jeden Menschen mit einer entsprechenden Förderung zu jedem Weg befähigen könne. Natürlich möchten Väter und Mütter ihren Kindern unbedingt gute Lebensvoraussetzungen ermöglichen. Dazu fördern sie ihren Nachwuchs nun entsprechend. Kinder werden bereits frühzeitig zum Sprach-, Musik- oder Kreativunterricht angemeldet. Die Nebenfolge ist die Verinselung der Kindheit. Mädchen und Jungen werden zu verschiedenen Förderangeboten befördert, um ihre Attraktivität für die Marktwirtschaft und spätere Berufstätigkeit zu sichern. Dabei können oft Familienaktivitäten auf der Strecke bleiben. Weiter hat jeder Mensch in der westlichen Kultur ein verbrieftes Recht auf sein persönliches Glück. Verantwortlich dafür sind bei Kindern deren wichtigste Bezugspersonen und die Gesellschaft. Sie haben zum Ziel, das Kind in die Richtung zu bringen, auf dass es sein persönliches Glück fände. Die Wahlfreiheit und das Recht auf eigenes Glück- diese beiden Ansätze bergen ein großes Potenzial in der Fami6M  ehr über Wahlfreiheit und Glück aus systemischer Arbeit und Therapie bei: A. Retzer (2010). 7 https://de.wikipedia.org/wiki/Behaviorismus

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lie. Kinder können heutzutage alles erreichen. Ihre Eltern stehen ihnen quasi als Coaches bei. Auch dadurch entsteht eine positive Beziehung. Auf der anderen Seite bekommt Elternschaft aber gerade dadurch einen fast „unheimlichen“ Anspruch. Eltern werden in diesem Bild alleinig für das Glück und die Chancen ihrer Kinder verantwortlich. Die meistens berufstätige Mutter und/ oder der Vater sollen neben den hohen Anforderungen des Lebens und der Arbeitswelt ihre/seine Kinder feinfühlig, verständnisvoll und in einer überaus positiven Beziehung großziehen. Eltern sollen allzeit pädagogisch handeln: also nicht schreien, schlagen oder ihre eigene Schwäche zeigen. Gleichzeitig haben sie den Auftrag ihren Kindern alle Freiheit zu ermöglich und dazu angemessene Grenzen zu setzen, ihre Freunde zu kennen, entsprechende Medienkompetenz zu erwerben usw. Das ist eine sehr große Heraus- und großteils Überforderung. In pädagogischen Kreisen beobachtet man entsprechend, dass Eltern in gewissen Bereichen zum großen Teil resignieren und gerne ihre Erziehungsverantwortung in professionelle Hände abgeben möchten. Folge ist eine zunehmende Vollzeitbetreuung von Kindern und Jugendlichen in Institutionen.

Gleichzeitig möchte der deutsche Staat mit weiteren Maßnahmen die Elternschaft fördern um die Funktionalität der Familie zu sichern. Das Familienleben stellt heute neue Anforderungen an alle Teile der Gemeinschaft. Dabei kann eine Unterstützung von Menschen mit entsprechender Lebenskompetenz eine wichtige Richtung geben. Ehrenamtliche Familienpaten haben oftmals bereits erfolgreich eigene Kinder großgezogen und entsprechende Erfahrungen. Sie kennen häufig die Dinge, die zu einer gelingenden Beziehung wichtig sind und können neue Perspektiven aufzeigen.

Der gesundheitliche Aspekt Gesellschaftlicher Wandel vollzieht sich über viele Jahrzehnte, in denen Parallelwelten mehr oder weniger glücklich koexistieren. Das heißt auch, dass beispielsweise alte und neue Familienwerte in ein und derselben Familie gelebt und vertreten werden. Die Elterngeneration, die sozusagen zwischen den Großeltern und den Enkeln steht, ist dabei meist in einer „Sandwich-Position“. An ihnen reiben sich die Vorstellungen, Werte und Emotionen bis zur Zerreißprobe. Manche Familie zerbricht daran. Auf jeden Fall ist das eine prekäre Position. Eine, an der sich psychosomatische Dynamiken ma-

Hohe Erwartungen sind häufig mit Elternschaft verknüpft

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Lebensordnung

Immer mehr Eltern klagen über Erschöpfung

nifestieren können. Bereits 2014 stellte Jennifer Hüge8 fest, dass immer mehr Eltern und vor allem Mütter an Burnout leiden. Sie macht die gesellschaftlichen Trends in der Entwicklung von Familienstrukturen dafür verantwortlich. Familien heute sind also hochbelastet.

Ein weiteres Beispiel: Mit der Mutter, die ich heute besuche, hatte ich mich zufällig im Obstladen über den Flyer unterhalten, den ich dort gerade ausgelegt hatte. Von sich aus wäre die Familie aus einer Region in Südbayern, in der das durchschnittliche ProKopf-Einkommen bei über 10.000 Euro liegt, sicher nicht auf mich zugekommen. Zu hoch das eigene schlechte Gefühl, in dieser Gesellschaft nicht zu genügen, zu den Verlierern zu gehören. Das Geschirr türmt sich, am Boden liegen Wäsche, Papiere und Spielsachen durcheinander. Die Mutter müsste dringend in ihrem Homeoffice etwas erledigen und eigentlich müsste schon das Mittagessen auf dem Herd kochen. Aber diese Mutter schafft nichts davon. Beide Eltern Akademiker. Der Vater verdient gut, ist aber nach einem Herzinfarkt gesundheitlich nicht mehr belastbar, ist oft müde und benö-

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tigt viel Erholungsphasen – am besten alleine. Ich höre mir auch diese komplexe Geschichte an und ein Bild in mir wird immer deutlicher: was, wenn in diesem labilen Gleichgewicht noch ein Steinchen dazu kommt? Das Steinchen ist schon am Anrollen. In der Schule zeigen sich Probleme, eine Oma ist im letzten Jahr gestorben und die andere gerade auf dem Weg zum Pflegefall. Die Familienpatin, die ich hier vermitteln konnte, hilft in erster Linie der Mutter bei der Strukturierung des Alltags, beim Aufräumen und Entrümpeln. Außerdem unternimmt Sie manchmal etwas mit den Kindern. An diesem Beispiel, im Übrigen kein Einzelfall, wird deutlich, dass auch eine geringfügige Hilfestellung viel Entlastung bringen kann. Der Vater kann ohne schlechtes Gewissen ausschlafen und sich danach seinen Kindern wieder mit mehr Energie zuwenden. Die Mutter kann durchatmen und hat nicht immer die tausend Dinge im Kopf, die eigentlich getan werden müssten. Jede Woche ein bisschen – das ist über’s Jahr verteilt viel. Ein primärpräventiver Ansatz, der dort ansetzt, wo Schlimmeres, eine Eskalation, ein gesundheitlicher Rückfall, vermieden werden können.

Kneipp sagte einmal sinngemäß, er habe erst wirkliche Heilung erreicht, als er Ordnung in die Seelen der Menschen gebracht habe. Im o.g. Beispiel bringt die Familienpatin Ordnung in die Familienseele und „heilt“ damit auch andere „Wunden“ des Systems. Die systemische Sichtweise ist bei den Familienpaten konzeptimmanent. Drehen wir auf der einen Seite ein Schräubchen, so hat das Auswirkungen auf das Ganze. Auch wenn die gesundheitsförderliche Komponente bei den Familienpaten konzeptionell nicht im Vordergrund steht, hat das Programm doch eindeutig ressourcenorientierte, potenzial- und gesundheitsförderliche, also salutogene Aspekte. Was Einzelne gesund erhält ist auch für Systeme, wie eine Familie, gut und auf diese übertragbar. Die drei Faktoren der Salutogenese: Verstehbarkeit, Handhabbarkeit und Sinnhaftigkeit, sind mehr oder weniger erfüllt. Die Familien erfahren, dass Sie sich Hilfe holen dürfen, dass Probleme mit kleinem Einsatz gelöst werden können, dass Veränderungspotential vorhanden ist, dass sie selbstmächtig sind und die Paten erleben, dass ihr Einsatz Sinn macht, dass ihre Lebenserfahrung gefragt und ihr ehrenamtliches Engagement es wert sind. Dankbarkeit, ein Händedruck und ein Lächeln beim Abschied sind Balsam für die Seele. Aus der Glücksforschung wissen wir, dass Enkel große Glücksstifter sind9. Das gilt auch für die Sorge um andere, die nicht mit einem verwandt sind. Anders als Schmidbauer erkannte Victor Frankl im Drang, anderen zu helfen, eine tiefe Sinnerfüllung, weshalb er diesen Aspekt

8 Jennifer Hüge, stellvertretende Bundesvorsitzende des Deutschen Bundesverbandes für Burnout-Prophylaxe und Prävention e.V. (DBVB) sowie systemische Kinder- und Jugendlichentherapeutin in München. Hüge bezieht sich dabei auf Zahlen des Müttergenesungswerkes, wonach die Zahl der Mütter mit Erschöpfungssyndrom bis hin zum Burnout in den letzten 10 Jahren um 37 Prozentpunkte gestiegen ist. https://www.dbvb.org/burnout-–-mütterder-erschöpfungsfalle 9 Jurczyk Karin, Soziologin und Leiterin der Abt. Familienpolitik am DJI in München. In: DIE ZEIT, No. 12, 16. März 2017, S. 23 (Wirtschaft).

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Dr. phil. Sonja Weißbacher alleinerziehende Mutter einer Tochter, Dozentin an der Sebastian-Kneipp-Akademie in Bad Wörishofen, Koordinatorin für Familienpaten des Standortes Nord im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen.

Diana Eichmüller fünffache Mutter, zweifache Oma, Fach­stelle für Familienförderung beim Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen, Amt für Jugend und Familie

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10 „ Verordnet“ deshalb, weil die Familienpaten Bayern ein sog. Top-down-Modell verfolgen, bei dem der Staat aktiv wird, Ressourcen bereitstellt, etc., die Kommunen und Gemeinden als Zwischenakteure fungieren und die eigentlichen Kunden am untersten Ende quasi nur die mehr oder weniger passiven Empfänger sind. Im Gegenteil dazu sind buttom-up-Projekte von der Basis aus motiviert

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Albert, Mathias/Hurrelmann, Klaus/ Quenzel, Gudrun/TNS Infratest Sozialforschung (2015). Jugend 2015: 17. Shell Jugendstudie. Hamburg. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) (Hrsg.) (2001). Forschung und Praxis der Gesundheitsförderung, Band 6. Was erhält Menschen gesund? Antonovskys Modell der Salutogenese. Diskussionstand und Stellenwert. Köln. Netzwerk Familienpaten Bayern (Hrsg.) (2014). „Familien Pate sein“, „Familien Patin sein“. München: Selbstverlag des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Soziales, Familie und Integration. Netzwerk Familienpaten Bayern (Hrsg.) (2014). Netzwerk Familienpaten Bayern: Information. München: Selbstverlag. Herunterzuladen als pdf-Datei über: www.familienpatenbayern.de Linner, Rosalie (2005). Landhebamme mit Leib und Seele. Rosenheim: Rosenheimer Verlagshaus. Ornish, Dean (2001). Die revolutionäre Therapie: Heilen mit Liebe. Krankheiten ohne Medikamente überwinden. München: Wilhelm Goldmann Verlag. Ornish, Dean (2006). Revolution in der Herztherapie. Der Weg zur vollkommenen Gesundheit. Bielefeld: Lüchow Verlag. Porges, Stephen W. (2010). Die Polyvagal-Theorie. Neurophysioogische Grundlagen der Therapie. Emotionen, Bindung, Kommunikation und ihre Entstehung. Paderborn: Junfermann Verlag. Retzer, Arnold (2010). Lob der Vernunftehe. Eine Streitschrift für mehr Realismus in der Liebe. Frankfurt am Main: Fischer. Schmidbauer, Wolfgang (1992). Hilflose Helfer: Über die seelische Problematik der helfenden Berufe. Reinbek: Rowohlt TB-Verlag.

arkie gutm

Fazit Mit diesem Artikel wurde deutlich, dass der Slogan „Miteinander – Füreinander“ als Losung in einer erodierenden Gesellschaft in Mitten eines Paradigmenwechsels fungieren kann. Gesellschaft im Wandel verlangt von uns allen Reaktionen, Anpassungsbestrebungen, Kompensation von Versorgungslücken, die wie eine soziale Wunde klaffen, politische Weichenstellungen, Rituale für Übergänge (Transitionen). Ein zwar staatlich „verordnetes“10, doch auf Erfahrung basiertes und bewährtes Programm wie die Familienpaten Bayern stellt genau dies dar und kann ein Vorzeigemodell bürgerschaftlichen Engagements und Gemeindeorientierung sein.

Literaturangabe

Mi

in den Mittelpunkt seiner psychologischtherapeutischen Arbeit stellte. Menschen sind soziale Wesen und evolutionär auf Kooperation angewiesen. Wir brauchen den Austausch mit anderen Menschen, Verbundenheit und das Gefühl, einen sinnerfüllten Platz in der Gemeinschaft einzunehmen. Nicht zufällig wird diese eher philosophische Erkenntnis durch medizinische Forschung aus dem Bereich der Psychoneuroimmunologie, der Stressforschung und der Kardiologie bestätigt. So hat beispielsweise Dean Ornish festgestellt, dass der wichtigste Faktor zur Gesundung bei kardiovaskulären Erkrankungen, neben Ernährung, Bewegung und Gesprächen, der sog. „social support“ ist. Soziale Unterstützung darf also als salutogener Faktor und protektive Kraft in (Familien-) Systemen nicht unterschätzt werden. Ebenso sind die Forschungsarbeiten von Stephen Porges wegweisend. Er konnte nachweisen, dass frühe Bindungserfahrungen einen entscheidenden Einfluss auf die Herzkohärenz haben.

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Morgenkreis

in der Kita nach Kneipp

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Wasser

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as Jahresmotto des KneippBundes führte uns gezielt an die Frage heran, was bedeutet Miteinander-Füreinander für eine „Vom Kneipp-Bund e.V. anerkannte Kindertageseinrichtung“. Auf die Frage hin, weshalb ist ein „Miteinander – Füreinander“ für eine Kita wichtig, antwortete ein Kollege: „Es macht uns allen den Alltag unglaublich viel einfacher, wenn es gelebt wird“. „Wir leben Gemeinschaft“ ist eines der Leitziele unserer Kindergärten.

Unter dem Blickwinkel der UN-Kinderrechtskonventionen hat es nicht nur die Bedeutung der Teilhabe aller, sondern stellt auch ein nachhaltiges Ziel der Friedensstiftung und Friedenserhaltung dar. Lebenspraktisch betrachtet kommt die Gemeinschaft einer Gruppe täglich um 9.00 Uhr im Morgenkreis zusammen. Hier findet Vieles beinahe unbemerkt statt. Die Kinder besprechen, wer an diesem Tag fehlt, welche Chancen und Möglichkeiten der neue Tag an Aktivitäten und Freiräumen bringen kann. Informationen, Erlebnisse und Geschichten werden miteinander geteilt. Das Ankommen und Wahrgenommen werden jedes Einzelnen, einen Platz in der Gruppe zu haben, erwartet bzw. vermisst zu werden stärkt jedes einzelne Kind und die Gruppe zugleich. Einander achten und wertschätzen, jedem Kind Raum geben, auch im Mittelpunkt der Gruppe stehen dürfen, einander zuhören, sich mitteilen und miteinander etwas teilen, z.B. das mitgebrachte

Obst, Ideen und Pläne für gemeinsame Vorhaben oder gemeinsam Absprachen finden in dieser wertvollen Zeit des Morgenkreises statt. „Große und Kleine“ lernen voneinander und miteinander. Sich wechselseitig ergänzen und im positiven Sinne die „große Vielfalt“ als Bereicherung zu sehen, all das kann im Morgenkreis geschehen. Die Vorbildfunktion der Vorschüler kann ebenso thematisiert werden wie die Fürsorge und Hilfsbereitschaft innerhalb der Gruppe. Das Wissen der Kinder sowie der Wortschatz der Gruppe können miteinander geteilt werden. An dieser Stelle dürfen sich alle Erwachsenen mit angesprochen fühlen, die sich mit den Kindern auf den Weg machen. Eben füreinander und miteinander leben im Lebensraum Kindergarten. Bedürfnisse und Wünsche Einzelner zu besprechen, Bedarfe und Gesamtzusammenhänge zu veranschaulichen und daraus Regeln für ein gutes Miteinander zu erarbeiten, ist ein weiterer Teil der Inhalte des Morgenkreises. Jeden Tag wird ein Morgenkreiskind benannt, diesem kommt eine besondere Bedeutung im Morgenkreis zu. Tritt es doch aus der Gruppe in den Mittelpunkt und darf den Kreis mit moderieren und mitgestalten. Miteinander im Einklang sein kann z.B. über das gemeinsame Singen erreicht werden. Singen stärkt das Miteinander und Füreinander in besonderer Weise. Ein reichhaltiger „Liederschatz“ in der Kita bildet eine gute Grundlage dafür. Begrüßungslieder stellen einen variablen musikalischen Auftakt des Morgenkreises dar. Im folgenden stellen wir Ihnen Praxisideen für einen Morgenkreis nach Kneipp vor.

Die Begrüßung im Morgenkreis Das Begrüßungslied im Morgenkreis und die Überlegung, wer denn heute fehlt ist täglicher Bestandteil des Morgenkreises. Es gibt sehr viele Begrü-

Das Geburtstagsrad zeigt nicht nur die Geburtstage – es spiegelt den Jahreskreislauf

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Wasser

schild abgedruckt. Das Morgenkreiskind vergleicht nun mit der Erzieherin die Schriftbilder der Wochenübersicht und heftet danach den Wochentag an die Wand an.

Strukturierung des Tagesablaufs

Wie warm ist es denn heute?

ßungslieder, die einfach zu lernen sind und die Kinder zum mitmachen auffordern. Einige Beispiele: ff„Wir stampfen alle mit den Füßen“ Text und Melodie: Wolfgang Hering ff„Hey, Hallo, Bon jour, Guten Tag“

Text und Melodie: überliefert ff„Ich will euch begrüßen und mache

das so…“ Text und Melodie: Volker Rosin

Der Kalender – jeder Tag ist neu Für uns Erwachsene sind die Jahreszeiten sowie die Tage einer Woche so selbstverständlich bekannt, dass wir uns oftmals keine Gedanken dazu machen, dass für die Kinder diese Gesamtzusammenhänge zunächst bewusst wahrgenommen werden müssen, um sie verstehen zu können. Auf dem Geburtstagsrad sind die einzelnen Monate mit einem für Kindergartenkinder gut erkennbaren Bild aus ihrer Lebenswelt abgebildet. Die Farben der Segmente des Rades sind an die Temperaturen und das typische Farbbild in der Natur angelehnt. Es ist den Erzieher/-innen ein wichtiges Anliegen, die natürlichen Kreisläufe des Jahres für die Kinder ersichtlich und verständlich darzubieten. Jedes Kind wird mit sei-

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Die Wochenübersicht selbst ist auf einem magnetischen Whiteboard vorgedruckt. Darauf heftet das Morgenkreiskind die Symbole für die Tagesaktivitäten an. Als Piktogramme sind die Aktivitäten veranschaulicht, die sich über die Konzeption und den Orientierungsplan ergeben. Für die Kinder sind sie in vereinfachter Weise abgebildet und geben sowohl den Kindern als auch ihren Eltern eine Übersicht über die Angebote innerhalb einer Woche. Die nachfolgenden Aufzählungen enthalten keine Priorisierung: ffMorgenkreis ffTurnen ffZwergenstündchen (Singen und Bewegen für die Jüngsten) ffObst-Austeilrunde ffSpielen im Freien/Hof ffGemeinsamer Singkreis ffSpiele in den offenen Gruppen ffGeburtstag

nem Foto auf dem jeweiligen Monatssegment angeheftet. Am Beginn des Morgenkreises wird, wie vorhin bereits erwähnt, das Kind des Tages benannt, das den Kalender aktualisiert und die Änderungen mit dem/der Erzieher/-in gemeinsam an die Gruppe mitteilt. Jeden Tag ist ein anderes Kind an der Reihe, den Kalender zu aktualisieren. Dies geschieht anhand eines Bilderkalenders, auf dem alle Kinder nacheinander erscheinen. So wird es gewährleistet, dass jedes Kind seinen Teil zum Morgenkreis beitragen kann. Dieser Bilderkalender ist für die Kinder stets greifbar und wird von ihnen auch regelmäßig angesehen. Über diesen Weg erkennen die Kinder selbständig, wann sie selbst diese leitende Aufgabe im Morgenkreis übernehmen dürfen und freuen sich bereits Tage zuvor darauf. Die Wochentage sind ... und gestern? jeweils auf einem Holz-

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Das al gin r r O i unsereufaktur aus r Man äue

Allg

Traditionelle Naturheilkunde für Kinder und Erwachsene Wickel und Auflagen sind altbekannte Hausmit­ tel und eine anerkannte Heilmethode der Hydro­ therapie nach Sebastian Kneipp sowie in der anthroposophischen Medizin. Sie lindern auf sanfte und natürliche Weise Beschwerden und unter­ stützen die Selbstheilungskräfte von Kindern und Erwachsenen.

Bitte kurze Bildunterschrift

Bewegungen dazu aufzeigen, siehe unten ffWelcher Tag war gestern?

Gestern war der . . . . . . (z.B. Sonntag) Bewegungen dazu aufzeigen, siehe unten ffWelcher Tag kommt morgen?

Morgen kommt der . . . . . . (z.B. Dienstag) Bewegungen dazu aufzeigen – siehe

Wir fertigen komplette und vielfach erprobte Wickel­Sets für eine einfache und fachlich richtige Anwendung. Alle Produkte werden in unserer All­ gäuer Manufaktur mit Sorgfalt und Liebe in Hand­ arbeit gefertigt. Dazu verwenden wir nur hochwer­ tige Naturmaterialien, vorzugsweise aus kontrolliert biologischem Anbau.

Naturheilkunde für die ganze Familie In diesem Buch finden Sie bewährte Hausmittel, die auf sanfte, natürliche Weise Beschwerden lindern, sowie die Gesundheit und das Immunsystem stärken, um Erkrankungen wirksam vorzubeugen.

Mond in die Luft malen ffDienstag – Beide Handflächen flach vor

der Brust aneinander legen und sich leicht verbeugen ffMittwoch – Eine flach ausgestreckte Handfläche wird von der zweiten Hand, die senkrecht darauf gestellt wird, symbolisch geteilt ffDonnerstag – Beide Hände werden zu Fäusten geballt und aufeinander gestellt – zum Donner mehrmals dazu so bewegt ffFreitag – Beide Arme werden zum Jubeln schräg nach oben gereckt

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Übersichtlicher Praxisteil mit leicht verständlichen Anleitungen, die das Behandeln mit Wickel & Co. »kinderleicht« machen. Dazu pfiffige Ideen, wie Kindern die Naturmedizin noch mehr Spaß macht. Liebevolle Illustrationen der Familie Bär bringen den Kindern die Anwendungen auf spielerische Weise näher. »Vorbeugen und Stärken mit Kneipp« Wertvolle Tipps zum Gesundbleiben und Gesundwerden! Die Anwendungen sind ganz einfach und machen richtig Spaß!

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Ursula Uhlemayr

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Wickel & Co.

Bärenstarke Hausmittel für Kinder

unten

Nun sprechen alle Kinder und Erzieher/ -innen die Tage der Woche nochmals vom Wochenanfang beginnend und gestikulieren dazu: ffMontag – Mit beiden Händen einen

ne

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ffWelcher Tag ist heute? ffHeute ist der . . . . . . (z.B. Montag)

de Kin r

Ergänzend dazu wird noch das Bild des entsprechenden Kneipp-Elements mit den Kindern überlegt und mit angepinnt. Über dieses Vorgehen ist sowohl den Erzieher/-innen als auch den Kindern der direkte Bezug zwischen den Aktivitäten und dem kneippschen Konzept bewusst. Auf diese Art und Weise vergleichen die Kinder auch das aktuelle Wetter und die Veränderungen zu den Tagen zuvor. Die vorbereiteten Schaubilder der Wetterlagen wurden den Piktogrammen der Tageszeitung entnommen. Darüber erfahren die Kinder den praktischen Lebensbezug, beispielsweise wenn im Morgenkreis miteinander ein anstehender Ausflug vorbereitet wird. Kleidung und Schuhwerk sollten ja der Witterung angepasst sein.

Fingerspiel: Welcher Tag ist heute?

Ursula Uhlemayr

förderung über die Landesstiftung in Kooperation mit der Musikschule

Besprechen des Wochentages anhand eines Fingerspiels

Kne

ffGeschichten hören ffKinderkonferenz ffAusflüge und Exkursionen ffExperimente ffKleingruppenarbeit ffVorschule ffKneipptag ffKochen und Backen ffSingen-Bewegen-Sprechen – Sprach-

erarbe

Wickel & Co. Bärenstarke Hausmittel für Kinder Urs-Verlag

Der bewährte Familienratgeber „Wickel & Co. – Bärenstarke Hausmittel für Kinder“ von Ursula Uhlemayr beschreibt anschaulich den sinnvollen und richtigen Einsatz bewährter Hausmittel.

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Wasser

ffSamstag – Beide Handflächen werden

Oberarm inkl. des Ellenbogengelenkes hinauf bis zur Schulter. Von der Schulter aus nimmt der Waschhandschuh den Weg auf der Innenseite des Armes hinunter bis zum Zeigefinger. Nun wird die Handinnenfläche nach oben gedreht. Über die gesamte Handinnenfläche streicht der Waschhandschuh auf dem nach oben gedrehten Unterarm bis in die Achselhöhle hinein. Danach wird der Waschhandschuh ausgewaschen, ausgewrungen und das Selbe wiederholt sich am linken Arm. Anschließend für Wiedererwärmung sorgen.

aufeinander gelegt. Daraus entsteht das symbolische Kopfkissen, auf das der Kopf abgelegt wird ffSonntag – Beide Hände werden zum Gebet gefaltet

Trockenbürsten nach Sebastian Kneipp Auch das Trockenbürsten kann Teil des Morgenkreises sein und ist bei den Kindern sehr beliebt. Füreinander etwas Gutes zu tun stärkt nicht nur das Immunsystem, sondern auch die Gemeinschaft, den Zusammenhalt und die Bereitschaft, selbst etwas für das Wohl eines Anderen beizutragen. Somit bieten wir den Kindern sinn-volle Erfahrungsfelder. In Baden-Württemberg nennen sich die Lernfelder des Bildungs- und Orientierungsplanes Sinne, Sinn-Werte-Religion, Körper, Sprache, Denken, Gefühl und Mitgefühl. Letztlich wird jedes dieser Lernfelder mit einer Bürstenmassage erreicht. Für jedes Kind liegt ein Kneipptäschchen mit einer eigenen Massagebürste bereit. Diese sind nach den Jahrgängen in Bezug auf die kommende Einschulung in Boxen vorsortiert. Dies ermöglicht ein besseres Verteilen im Morgenkreis.

Armwaschung Im Morgenkreis liegen auf einem vorbereiteten Tisch kleine Waschhandschuhe aus Leinen. Eine große Schüssel Wasser steht auf einem zur Tischdecke ausgebreiteten Handtuch bereit. Die Kinder legen nun ihre Oberbekleidung ab und gehen nacheinander an die Wasserschüssel um ihren Waschhandschuh darin anzufeuchten und anschließend sehr gut auszuwringen. Es ist auch möglich, dass der/die Erzieher/-in diesen Vorgang selbst ausführt und die feuchten, gut ausgewrungenen Waschhandschuhe im Morgenkreis austeilt.

Massagen zur eigenen Sinnes­ wahrnehmung und für besseres Miteinander und Füreinander

Trockenbürsten ist leicht und gibt Kindern die Möglichkeit, den eigenen Körper zu erfahren und zu spüren

Wichtig vor der Armwaschung: Kaltes Wasser nur auf warmer Haut anwenden. Dann beginnt die Armwaschung. Der rechte Arm wird dazu leicht angewinkelt nach vorne ausgestreckt. Die Handfläche zeigt dabei nach unten. Am Rechten kleinen Finger beginnend streicht der Waschhandschuh über den äußeren

Im Rahmen der Lebensordnung ist der Bereich Entspannen können und Kraft schöpfen für Kinder ein wichtiges und wertvolles Ziel für ein gesundes aufwachsen. Massagen können dazu beitragen. Eine Erzieherin unserer Einrichtung (Kindergarten Maria Hilf in Bad Mergentheim), Grazyna Peterek, schrieb zur Durchführung einer Handmassage eine Geschichte für die Kinder. Diese können Sie auf der Homepage des Kneipp-Bundes unter dem Sebastian-Kneipp-Tag 2018 herunterladen (www.kneippbund.de).

Macht Spaß und entspannt – Partnermassage mit unterschiedlichen Hilfsmitteln

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Wasser

Auch zu zweit macht die Klangschalenmassage Freude

Klangschalenmassage Zu Beginn eines Morgenkreises bieten wir den Kindern eine einminütige Klangschalenmassage an. Das Morgenkreiskind legt sich in der Mitte des Kreises auf den Rücken. Die Klangschale liegt flach auf seinem Bauch. Für die Kinder der Gruppe ist dieser Moment auch sehr wohltuend. Über diese Minute der Stille, des Klanges und der Schwingung des Tones kommen alle zur Ruhe und entspannen sich. So ist es nicht verwunderlich, dass sich die gesamte Gruppe dazu auf den Boden legen möchte. Dies ist für alle möglich, da der Bereich des Morgenkreises mit einem Teppich ausgelegt ist. Wenn die Kinder die Klangschalenmassage kennen, legen sie sich mit viel Vorfreude selbstständig in die Mitte und genießen diese Minute. Ein weiterer Vorteil der Klangschalenmassage ist es, dass die Klangschale auch während des Freispiels jederzeit eingesetzt werden kann.

Partnerübung – Sanfte Berührungen mit der Feder oder dem Igelball Da die Kinder die Entspannungsmomente anhand der Klangschalenmassage bereits kennen, bietet sich eine kurze Entspannungszeit mit den Sanften Berührungen einer Feder oder einer

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Igelballmassage ebenso als Moment der Ruhe und des Kraftschöpfens an.

Sieht das lecker aus ... und schmeckt gut

Obst-Austeil-Runde Jeden Morgen bereiten die Kollegen/ -innen einen vielfältig bestückten Obstteller für den Morgenkreis vor, der in der gemeinsamen Runde geteilt und genossen wird. Das Obst bringen die Eltern mit und achten selbstständig darauf, dass stets genügend vorhanden ist. Sowohl saisonales Obst und Gemüse, als auch Trockenfrüchte oder eine Kostprobe exotischer Früchte kann in diesem

Rahmen täglich angeboten werden. Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle an alle Eltern, die dies ermöglichen. Annette Pache Leiterin des viergruppigen Kneippkinder­ gartens Maria Hilf in Bad Mergentheim, Kindergartenfachwirtin, Kneipp-Gesundheitserzieherin, Stresspräventionstrainerin SKA, Psychomotorikerin (Rheinische Akademie für Psychomotorik)

SKA-Seminar-Tipp Entspannen mit K ­ langschalen in der Kita Dieses Seminar bietet Anregungen zur Arbeit mit Klangschalen in der Kita, aber auch die Möglichkeit, Klang einmal am eigenen Körper zu erleben. Seminar-Nr. 218327 Termin: Mo, 15.10.2018 (10 – 17 Uhr) Ort:

Bad Wörishofen

Leitung: Bettina Knörr Gebühr: MG 85 €, NMG 120 € (reine Seminargebühr)

Ausführliche Kursausschreibung unter: www.kneippakademie.de

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Ernährung

Miteinander,    Füreinander Gemeinsam mit Kindern Kochen, Essen und Erleben

M

iteinander“ und „Füreinander“ sind zwei Begriffe, die auch in der Ernährung von Kindern einen außerordentlich hohen Stellenwert haben. Erst das „Miteinander“, die gemeinsam gestalteten, erlebten und später auch miteinander zubereiteten Mahlzeiten erleichtern dem Kind, sich in das kulturelle und soziale Ernährungsverhalten einzufügen und die verschiede-

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nen Lebensmittel sicher zu erkunden und kennenzulernen. Kinder lernen nach dem Vorbild der „Großen“ und schauen sich die Art und Weise der Ernährung ganz genau von ihren Bezugspersonen ab, so dass dieses Verhalten nach und nach übernommen und auch zur eigenen Gewohnheit wird. Hieraus erkennt man, welchen enorm wichtigen und prägenden Einfluss die Ernährung und das Essverhalten der

Bezugspersonen in den ersten Lebensjahren auf die Kinder haben. Kinder beobachten aufmerksam: Stochert ein Erwachsener lustlos in seiner Mahlzeit herum, wird schnell und hektisch heruntergeschlungen oder genießt er sein Essen mit Achtsamkeit und Freude? Essen Eltern oder ErzieherInnen Lebensmittel, die sie dem Kind aber verbieten? Wird während den Mahlzeiten auf dem Smartphone getippt, Fernseher ge-

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Ernährung

schaut oder werden Gemeinsamkeiten ausgetauscht und wohlwollende Gespräche geführt? Essmanieren, Tischsitten und die Bevorzugung einer ausgewogenen, gesunden Ernährung können nicht diktiert werden, sondern müssen im „Miteinander“ erlebt, erfahren und dadurch erlernt werden. Essen hat von Geburt an eine sehr starke soziale Komponente. Neben den Innenreizen Hunger und Durst, welche die Aufnahme lebenswichtiger Nährstoffe einfordern, spielt das Bedürfnis nach Nähe und Bindung eine große Rolle beim Ernährungsverhalten eines Säuglings. Ein paar Monate später, im Beikost-Alter beginnt die Zeit des Entdeckens und Erlebens verschiedenster Nahrungsmittel, Geschmackseindrücke und Mahlzeiten in der sozialen Gruppe. Dieser Altersabschnitt ist geprägt durch Neugier und Entdeckerdrang, Imitieren, Spaß und Spiel. Nach und nach entwickelt das Kind dabei die Fähigkeiten, um selbstständig Nahrungsmittel zu sich zu nehmen. Die zunehmende Auge-Hand-Mund-Koordination ermöglicht es, selber aktiv Essen in den Mund zu stecken. Aber auch die Teller der Eltern und Geschwisterkinder, ErzieherInnen und Kita-Kameraden werden zunehmend interessant. Die Mahlzeit wird noch mehr zum gesellschaftlichen Geschehen, bei dem auch einmal vom Teller des anderen stibitzt wird, das gemeinsame Essen auch zu Unstimmigkeiten führt z.B. aus Unbehagen oder auch aus Trotz die Nahrung verweigert wird. In der Familie und im Kita-Alltag gehören die miteinander zelebrierten Mahlzeiten zum wichtigen geselligen Beisammensein und werden entsprechend besonders gestaltet. Im „Füreinander“ können wir die gegenseitige Hilfe und Unterstützung ausdrücken. Füreinander da sein, bedeutet Zuwendung und soziale Anerkennung. Wir sind bereit Bindung zu schaffen, uns für ein Kind Zeit zu nehmen, es wertzuschätzen, in unsere kulturellen Gepflogenheiten einzuführen und es einzugliedern. Anfangs benötigen Kinder noch viel Hilfe und Unterstützung bei der Nahrungsaufnahme. Sie werden gestillt, gefüttert und in ihrer motorischen Entwicklung begleitet, zum Beispiel mit altersgerechtem Fingerfood,

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bis sie soweit sind, sich selbstständig zu ernähren. Doch über die Art der Nahrungsaufnahme hinaus, spielen auch das Beschaffen, das Zubereiten und das Anrichten wichtige Rollen im Ernährungsverhalten und dieses will durch „Füreinander“ erlernt werden.

Gemeinsam für das leibliche Wohl sorgen macht Spaß Kinder sollten möglichst frühzeitig spielerisch in den Einkauf, die Nahrungsmittelauswahl und die Essenszubereitung eingebunden werden, um sich so wichtige Fertigkeiten für ein gesundes Essverhalten anzueignen. Geben Sie Ihrem Kind schon frühzeitig die Gelegenheit mitzuentscheiden und mitzuhelfen, dadurch fühlt es sich anerkannt und integriert und kann zusätzlich auf spielerische und kreative Weise Erfahrungen und Wissen sammeln. Möglichkeiten für ein kindgerechtes „Miteinander“ und „Füreinander“ gibt es zahlreiche – hier ein paar bewährte Tipps: Lassen Sie Ihr Kind beim Einkaufen sein Lieblingsobst in den Wagen legen oder die Wahl der Nudelsorte bestimmen. Ältere Kinder können nach und nach schwierigere Aufgaben lösen, zum Beispiel konkrete Angaben wie „Hol mir

bitte fünf Karotten, drei Tomaten und eine Salatgurke“. Mit einem standsicheren Hocker an der Arbeitsfläche kann Ihr Kind aktiv am Kochen teilhaben und Ihnen bei der Zubereitung der Speisen zur Hand gehen. Ab etwa 1½ Jahren gelingt das Bestreuen von Speisen mit frischen Gewürzen, das Mischen von Salaten (mit

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Ernährung

Gemeinsam kochen und backen macht schon den Kleinsten Spaß

den Händen) und das Kneten von Teig. Die erste selbst belegte Pizza oder die eigenhändig ausgestochenen Plätzchen mit 2 bis 2½ Jahren sind für viele kleine Gourmets eine große Freude. Bereiten Sie gemeinsam einen bunten Obstoder Gemüsesalat zu und lassen Sie Ihr Kind die Früchte dafür aussuchen. Mit einem stumpfen Obstmesserchen oder ungefährlichem Plastikbesteck können auch schon kleine Zwerge weiche Bananenstückchen oder Tomatenschnitze schneiden. Später können Sie Ihrem Kind zeigen, wie es Eier aufschlägt, Zutaten abwiegt und vielleicht selbst den ersten Pfannkuchenteig rührt. Den Tisch zu decken bereitet auf die gemeinsame Mahlzeit vor und ist eine besonders gute Gelegenheit im „Miteinander“ und „Füreinander“ Arbeiten aufzuteilen und sich gegenseitig zu unterstützen. Kleinere Kinder können dafür beispielsweise das Besteck an den Tisch tragen, die älteren Geschwister oder Spielkameraden verteilen es an die Plätze, sodass auch jeder ein Teller, Messer, Glas und was sonst noch benötigt wird vorfindet. Ein gemeinsam gesprochenes Tischgebet oder „einen guten Appetit“ läutet das „Miteinander“ des Esserlebnisses ein. Kinder unterschiedlichen Alters können sich im „Füreinander“ unterstützen und zum Beispiel helfen Brot mit Frischkäse, Butter oder Marmelade zu bestrei-

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chen, mit Wurst, Käse, Gemüse zu belegen oder auch schon mit selbst auf die Gabel gerollten Spaghetti imponieren. Ab 2 bis 2½ Jahren lernen Kinder die ersten Tischregeln für ein respektvolles und achtsames „Miteinander“. Das können Dinge sein wie „jeder darf über seinen Teller selbst bestimmen“ oder „wir bleiben sitzen, bis alle mit dem Essen fertig sind“. Auch das Abräumen des Esstisches und der Abwasch bieten wie schon das Tischdecken Gelegenheiten für „Miteinander“ und „Füreinander“, auch hier helfen Kinder meist gerne mit und lernen dabei, dass der Haushalt sich nicht von alleine macht und es gemeinsam sogar schneller geht.

beliebig belegt oder einfach pur aus der Hand gegessen werden. Für feine Martinsbrezeln, wie sie bei uns im Allgäu üblich sind, die doppelte Menge Zucker und nur eine Prise Salz verwenden. Die Brezeln vor dem Backen mit etwas Eigelb bestreichen oder nach dem Backen dünn mit Zuckerguss ummanteln.

Ausgesuchte Lieblingsrezepte Für ein gelungenes „Miteinander“ möchte ich Ihnen noch ein paar leckere Lieblingsrezepte vorstellen, bei denen Kinder schon fleißig mitmachen können: Feine Brezeln Jedes Kind liebt Brezeln! Diese hier sind blitzschnell aus Quark-Öl-Teig zubereitet und können nach dem Backen

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Ernährung

Zutaten 100 g Quark (Magerstufe) 5 EL Milch 5 EL Rapsöl 5 g Zucker 1 TL Salz 1 Ei 250 g Dinkelmehl Type 1050 ½ Päckchen Backpulver Zubereitung Den Backofen auf 175° C vorheizen. Aus Quark, Milch, Öl, Zucker, Salz, Ei, Mehl und Backpulver einen glatten Teig herstellen. Den Teig in 6–8 gleiche Portionen teilen und aus diesen Brezeln formen (das benötigt ein wenig Übung – alternativ können auch Kränze geflochten oder Knoten gemacht werden). Die Brezeln auf einem mit Backpapier ausgelegten Blech im heißen Ofen etwa 15 Minuten goldbraun backen. Pizza Eine Pizza aus leckerem Hefe- oder Quark-Öl-Teig lädt zum Mitmachen ein. Schon bei der Teigzubereitung können Kinder, je nach Alter, beim Abwiegen der Zutaten, Kneten und Ausrollen mithelfen. Die Tomatensauce kann mit einem großen Löffel oder einem Backpinsel in fantasievollen Mustern auf den Teig „gemalt“ werden. Zum Schluss darf jeder sich seine Ecke nach Lust und Laune mit buntem Gemüse, Käse und Kräutern belegen und bestreuen. Und die Spannung bis die Pizza fertig gebacken und herrlichen Duft verströmend aus dem Ofen kommt rundet das schöne Erlebnis ab. Zutaten ½ Würfel Hefe 250 ml lauwarmes Wasser 1 Prise Zucker 500 g Mehl, z.B. Dinkelmehl Type 1050 1 TL Salz 2 EL Olivenöl Öl fürs Backblech Zubereitung Hefe und Zucker mit Wasser verrühren und 15 Minuten an einem warmen Ort gehen lassen (gut geht das, indem alle drei Zutaten in einem 250-ml-Babyfläschchen gut verschüttelt werden. Wichtig dabei: unbedingt auf einen luftdurchlässigen Verschluss achten).

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Aus den restlichen Zutaten und der Hefemilch einen gleichmäßigen Teig kneten und diesen an einem warmen Ort vor Zugluft geschützt mindestens 1 Stunde gehen lassen. Den Teig auf einem mit Öl ausgepinselten Backblech ausrollen und nach Belieben belegen: – Tomatensoße als Unterlage – Wurst, Gemüse z.B. Paprikastreifen, Zucchinischeiben, Maiskörner, Ananas – Geriebenen Käse, z.B. Mozzarella, Emmentaler oder Mischungen – Frische oder getrocknete Kräuter, z.B. Oregano, Basilikum, Rosmarin Den Backofen auf 220° C (Umluft) vorheizen, währenddessen die Pizza nochmals kurz gehen lassen. Im heißen Backofen 15 – 20 Minuten backen. Pfannkuchen Ob zum Frühstück mit Fruchtaufstrich oder Nusscreme, mittags mit herzhafter Gemüse-Käse-Füllung, mit Hackfleisch gefüllt und Käse überbacken, als Wrap für zwischendurch und unterwegs oder getrocknet und in feine Streifen geschnitten als Suppeneinlage. Pfannkuchen sind der Allrounder in der Kinderküche und die Kleinen können schon ab 2 Jahren helfen vorsichtig den Teig zu rühren oder die fertig gebackenen Leckerbissen zu bestreichen und zu verzieren.

besen mit einer Prise Salz und der Milch verrühren. Das Mehl darüber sieben und einarbeiten, bis ein Klumpen freier Teig entsteht. Das Mineralwasser zügig unterrühren. Eine Pfanne mit etwas Öl oder Butter auspinseln bzw. ausstreichen und auf mittlerer Stufe erhitzen. Eine Kelle Teig in die Pfanne geben und den Pfannkuchen von jeder Seite etwa 2–3 Minuten backen. Mit dem restlichen Teig in derselben Weise weiterverfahren, dabei gelegentlich etwas Öl oder Butter zusätzlich in die Pfanne geben. Natalie Stadelmann Pharmazeutisch-technische Assistentin, Fach-PTA für Ernährung, Ernährungs- und Diätberaterin

Zutaten 1 Ei Salz 75 ml Vollmilch 50 g Vollkornmehl 50 ml kohlensäurehaltiges Mineralwasser Sonnenblumenöl oder Butter zum Backen Zubereitung Das Ei aufschlagen und mit dem Schnee-

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Bewegung

Ich – Du – Wir

Es macht Spaß mit Dir Kreisspiele, die das Mit- und Füreinander fördern Art und Weise die gesamte Gruppe. Hierdurch wird die Sensibilität für den Nachbarn beziehungsweise die Gruppe gefördert.

Zur Verdeutlichung ein Beispiel aus der Praxis: Die Kinder stellen sich in einen Stirnkreis und legen mit den Nachbarn die Handflächen aneinander: rechte Handfläche an linke Handfläche des Nachbarn, und umgekehrt. Dieser geschlossene Kreis kann nun durch Impulse Einzelner sanft in Schwingung gebracht werden. Folgende Impulsmöglichkeiten stehen zur Auswahl: – Leichter Druck – Arme nach oben oder unten ziehen –  Hände in Richtung Kreismitte ziehen Zur Verdeutlichung der Schwingung bietet es sich an, die Bewegung zu spüren und nachzumachen bzw. weiterzugeben in eine Richtung, bis sie beim Impulsgeber wieder angekommen ist. Später werden die Bewegungen größer, dafür die Reaktion aber weniger gesteuert. Achtung: Für sehr lebhafte Gruppen bietet es sich an, dass die Kinder im Kreis sitzen. Dadurch bleibt der Kreis stabiler während des Verteilens der Impulse.

D

ie Förderung des Miteinander und Füreinander ist wichtiger denn je. Deshalb begegnen wir in diesem Rahmen auch immer wieder unterschiedlichen Ansätzen. Dieses Mal stellen wir unterschiedliche Spiel- und Bewegungsformen im Kreis vor.

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Der Kreis, eine runde Sache ohne Anfang und Ende, kontinuierlich durchgehend, versprüht ein besonderes Flair. Nehmen sich die Kinder im Kreis an der Hand oder treten auf andere Weise in Kontakt, beeinflussen die Aktionen oder auch nur die Haltung eines einzelnen Kindes oft schon auf unmerkliche

Die Kreisaufstellung kann immer wieder variiert werden, um neue Nachbarn zu erfahren und zu erspüren. Eine Idee für den Platzwechsel: Alle Kinder schließen die Augen, der/die Erzieher/-in tippt ein Kind an woraufhin dieses Kind die Augen öffnet und sich zwischen den anderen Kindern einen neuen Platz sucht. Hiermit lernen sich die Kinder auf eine sehr sensible Art kennen.

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Bewegung

Kennenlernen: „Ich bin – du bist“ Ausgangsposition: alle Kinder sitzen oder stehen im Kreis. ffEin

farbiger Ball wird im Uhrzeigersinn weiter gegeben  mit jedem Weitergeben zum Nachbarn nennt das Kind den eigenen Namen Je nach Altersklasse bietet sich eine Erweiterung oder Veränderung der Aufgabenstellung an: ffEin andersfarbiger Ball wird in die andere Richtung (gegen den Uhrzeigersinn) weitergegeben und der Übergeber nennt den Namen des Empfängers. ffEs können je nach Gruppengröße auch 2 – 4 Bälle pro Farbe weitergegeben und eventuell noch einmal ein Platzwechsel durchgeführt werden. So bleibt das Spiel spannend. ffKennt sich die Gruppe schon besser, wird die immer gleiche Reihenfolge im Kreis eingeübt und beibehalten während sich die Kinder frei durch den Raum bewegen und ihre alten Kreisnachbarn suchen, um die Bälle zu übergeben mit eigener Namensnennung oder Namensnennung des Ballempfängers.

graphie an. Folgende Elemente lassen sich hierfür verwenden (je nach Liedtext): – in die Mitte und wieder nach außen gehen

– im Kreis um die eigene Achse drehen – auf der Kreisbahn vorwärts und rückwärts laufen etc. ffZu zweit zusammen  den Text eines bekannten Liedes spielen.

Schattenlaufen: „Achte auf mich – und ich achte auf dich!“ Ausgangsposition: paarweise oder auch in Kleingruppen hintereinanderstellen ffDie

Kinder begegnen sich durch den Raum, wobei der erste in der Schlange die Art der Bewegung vorgibt, z.B.: – hüpfen – ein oder beidbeinig – wie ein Schmetterling fliegen – krabbeln wie ein Tiger... ffwenn das vorderste Kind keine Lust mehr hat anzuführen, wechselt es nach hinten in die Schlange.

Kreistanz: „Lass uns eine Reise machen!“ Ausgangsposition: auf der Kreisbahn in Tanzrichtung aufstellen = linke Schulter in die Kreismitte ffim Kreis rennen – dazu sprechen oder

singen Für Schulkinder bietet sich an Stelle von Rennen auch eine kleine Choreo-

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Bewegung

Kreis der Freundlich­ keit: „Ich sag Dir etwas Schönes!“ Ausgangposition: alle Kinder bilden einen Kreis – ein Kind löst sich aus dem Kreis und stellt sich in die Mitte.  Das

einzelne Kind geht innen an den anderen Kindern ganz langsam vorbei.   Die anderen Kinder sagen dem einzelnen Kind nacheinander etwas Nettes:  –  „Du bist nett“  – „Du hast eine schöne Frisur“  –  „Ich mag Dich“...

Hüttenspiel: „Lass uns gemeinsam bauen!“

Taktile Flüsterpost: „Ich tu Dir was Gutes“

Ausgangsposition: Innenstirnkreis

Ausgangsposition: Im Kreis hintereinander sitzen, der/die Erzieher/-in sitzt dazwischen.

Basisübung: 2 Kinder agieren: ffKind A und Kind B bilden gemeinsam ein Dach (Hände oben aneinanderlegen) ffKind B und Kind C bilden gemeinsam ein Dach ffKind B und Kind C bilden gemeinsam ein Dach und so weiter Ist die Aufgabenstellung klar, kann man das Bewegungstempo erhöhen oder auch 2 Dächer an unterschiedlichen Stellen im Kreis beginnen zu bauen und weiterlaufen zu lassen.

Jedes Kind und der/die Erzieher/-in haben einen kleinen Ball zum Massieren in der Hand und berühren damit den Rücken des Vordermannes bzw. der Vorderfrau. Für Kinder im Vorschulalter bedeutet es oft schon eine Herausforderung nur den Ball am Rücken eines anderen Kindes zu

bewegen, für die Schulkinder bietet sich folgende Variation an: ffdie Kinder massieren dort, wo sie selbst den Ballkontakt spüren. ffDer/Die Erzieher/-in gibt die Positionswechsel an und wartet, bis alle Kinder darauf reagiert haben und an der gleichen Stelle massieren (= Taktile Flüsterpost).

Zum Abschluss noch ein paar Gedanken zur Methodik: Die Auswahl der Übungen ist für unterschiedliche Altersklassen gedacht, die Basisübung klappt oft schon im Vorschulalter, die Variationen eignen sich auch für Schulkinder. Es empfiehlt sich mit der Grundübung zu beginnen und je nach Leistungsstand mit Variationen zu ergänzen soweit die Kinder bei der Sache sind. Wenn die einzelnen Übungen zu viel Konzentration erfordern, kann zwischendurch noch ein „Rennspiel“ gemacht werden. Mit der Vielfältigkeit der Übungen möchten wir die Kinder auf körperlicher, geistiger und emotionaler Ebene fördern. Doch ein Ziel haben all diese Übungsprogramme gemeinsam, nämlich den Kindern beizubringen auf einander zuzugehen, sensibel füreinander zu werden und gemeinsam Spaß zu erleben. Katrin Niekerke Dipl.-Gesundheitsmanagerin FH, staatl. gepr. Gymnastiklehrerin

Aufbauübung: 3 Kinder agieren: ffKind A + Kind C bauen ein Tor – Kind B duckt sich dort drunter ffKind B und Kind D bauen ein Tor – Kind C duckt sich ffKind C und Kind E bauen ein Tor – Kind D duckt sich und so weiter Variationen: ffDas Kind in der Mitte variiert die Positionen: – während des Duckens einmal im Kreis drehen – auf den Boden setzen – zwischen dem Tor durchstechen etc.

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Dies+Das

Wickel und Auflagen als heilsame und wohltuende Begleitung Anwendungen der wissenschaftlich anerkannten ­Hydrotherapie nach Sebastian Kneipp

D

ie Naturheilkunde und im Speziellen das Gesundheitskonzept nach Sebastian Kneipp stellen eine wahre Schatztruhe für zahlreiche Anwendungen zur Förderung der Gesundheit dar. Sie schaffen Nähe zwischen den Beteiligten und stärken zudem das Wohlbefinden. In Zeiten von Erkältungswellen mit lästigen Infekten oder auch in stressigen Phasen, in denen Nervosität und Unruhe Unwohlsein erzeugen, können Sie durch Wickel und Auflagen beste Unterstützung erfahren. Die wohltuenden Wickel verbunden mit den immunstärkenden Kneipp-Anwendungen sind für Kinder zudem besonders wertvoll im Aufbau der Immunkräfte.

Zeit, Geborgenheit, Aufmerksamkeit schenken Wie wäre es, wenn Sie für die Gesundheit und das Wohlbefinden selbst aktiv werden und die Gelegenheiten nutzen, um Ihren Kindern oder auch sich selbst liebevolle Zuwendung verbunden mit heilsamen Anwendungen zu schenken? Welches Kind liebt es nicht, wenn sich Papa, Mama, oder andere liebgewonnene Personen mit ihm beschäftigen, sich Zeit nehmen, miteinander reden oder eine Geschichte vorlesen. Wenn etwas weh tut, möchten Kinder in den Arm genommen, getröstet und gestreichelt werden – Zuwendung ist für Kinder sehr wohltuend und heilsam. Wie wichtig es ist, dass Kinder Liebe und Geborgenheit erfahren, auch wenn sie krank sind, ist kaum zu ermessen. Kneipp-Anwendungen, Wickel oder Bäder bieten eine wunderbare Möglichkeit, mit der Anwendung auch Zuwendung zu schenken. Sich innere Ruhe schenken, Zeit für Aufmerksamkeit und

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Berührung nehmen, für wohltuende Wärme sorgen, den entspannenden oder erfrischenden Duft eines ätherischen Öls erfahren – das ist Labsal für die Seele. Die moderne Medizin hat häufig die Vorstellung unterstützt, jede Beschwerde müsse sozusagen „auf Knopfdruck“ verschwinden. Dabei wäre es vielleicht an der Zeit, hinzuspüren und zu erfühlen, was mir guttut. Kann ich selbst auch dazu beitragen, dass es mir wieder besser geht? Nehmen Sie sich doch für das neue Jahr einzelne Anwendungen vor, die Sie gemeinsam mit Ihren Kindern ausprobieren und je nach Anklang und Wohlbefinden beim Kind vertiefen, oder nach einer weiteren Anwendung suchen. Beliebt sind beispielsweise Bauch- und Brustwickel in Verbindung mit einem Bienenwachswickel, einer Aromaölauflage, einer Kräuterauflage oder weite-

ren möglichen Zusätzen. Gerne wird der Bauch- und Brustwickel bei Unruhe und Aufregung eingesetzt (beispielsweise vor Prüfungen), bei Schlafstörungen, aber auch mit den entsprechenden Zusätzen bei Erkältungen, Bauchschmerzen oder Verdauungsbeschwerden. Einzelne Anwendungen wie Zwiebelfußsohlenwickel oder das Inhalieren bei Erkältungskrankheiten in einem „Indianerzelt“ können ein wahres Erlebnis für Kinder darstellen. Der geringe Kostenaufwand, keine Nebenwirkungen, eine einfache Handhabung und die Wirksamkeit von traditionellen Hausmitteln begeistern viele Wickelerfahrene. Natürlich bietet es sich an, vor den Anwendungen Fachliteratur zu lesen oder ein Seminar zu besuchen, damit Sie nach bestem Wissen und Gewissen selbst die Hausmittel einsetzen können. Ursula Uhlemayr

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Lebensordnung

Kinder brauchen Kinder Friedliches Miteinander von Anfang an fördern

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as Leben in der Krippe und im Kindergarten sowie bei Eltern-KindTreffen wird von vielen Eltern und Erzieher/-innen nicht zuletzt für die Herausbildung von sozialen Kompetenzen der Kinder als bereichernd gewertet und verstanden. Vom Säuglingsalter an erleben die Mädchen und Jungen einander durch räumliche Nähe; sie merken auf, wenn andere sich bewegen, sich emotional

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und verbal äußern oder auffällige Kleidung tragen (Farben, Glitzer oder ähnliches). Und oftmals lassen sie sich vom Lachen, Jubeln oder Weinen des Anderen „anstecken“. Vor allem Berühren oder Betasten spielen eine große Rolle. So kann es auch zu unliebsamen Kontakten durch zu große Nähe, vielleicht durch Berühren mit dem Mund oder zum Beißen kommen. Oder ein Kind klopft oder schlägt

mit einem Baustein auf den Tisch, auf den Teppich oder eben ein anderes Kind. Das wird wiederholt — wir wissen, mit welcher Ausdauer ein Kind etwas „untersucht“. Sicher wird jede/r Erzieher/-in mit ernsthaftem Gesicht und energischer Stimme unangebrachtes Verhalten unterbinden — wie leicht ist man geneigt, den „Beißer“ als aggressiv zu werten. Versetzen wir uns jedoch in die Lage

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des Kindes: im Säuglings- und Kleinkindalter kann es noch nicht verstehen, dass es dem anderen Kind durch sein Verhalten wehtut. Das energische Verbot führt meist zum Aufhören — aber damit allein ist die Situation noch nicht entspannt. Man kann z.B. das Kind anregen, das andere zu kosen, seine Hand bei vorsichtigem Streicheln zu führen, mit emotional betontem „Mach mal ei – siehst du, nun weint Elias nicht mehr.“

Verbote sparsam einsetzen Ein solches Verbot und Gebot sind Möglichkeiten, unerwünschte und womöglich Schaden auslösende Verhaltensweisen zu unterbinden. Emotional betont vom Erwachsenen ausgesprochen, von ernsthaftem Gesichtsausdruck unterstützt, verdeutlicht bereits Säuglingen, was man zu lassen hat. Allerdings sollten Verbote grundsätzlich sparsam eingesetzt werden. Das Wiedergutmachen, mit freudig bestätigendem Tonfall und Gesichtsausdruck hilft dem Kind, zunehmend zu verstehen, was „gutes Miteinander“ ist. Ungutes Erleben wird auch oft genug ausgelöst durch Spielzeug, mit dem das eine Kind gerade umgeht und ein anderes zum Zugreifen verlockt — nein, es ist zunächst kein absichtliches, egoistisch motiviertes Wegnehmen. Natürlich kann der Erwachsene dafür sorgen, dass ein jedes über ausreichend Material verfügen kann, — man kann darüber hinaus die Kinder erleben lassen, dass man konfliktlos nebeneinander und in elementarer Weise bereits gemeinsam agieren kann.

Zur Vorbereitung breitet der/die Erzieher/-in z.B. eine Matte auf dem Boden aus, stellt das Spielzeug bereit und spricht die Kinder an: „Jetzt werden wir gemeinsam spielen. Seht mal, ich habe einen Korb, ich habe viele Bausteine.“ Dadurch werden die Kinder eingestimmt und in eine frohe Stimmung versetzt. So sind sie aufnahmebereit für Neues. Nacheinander bringt der/die Erzieher/-in die Kinder auf die Matte, setzt sie oder legt sie bäuchlings (wie es

ein jedes bereits kann). Schließlich setzt er/sie sich dazu, zeigt nun, wie man die Steine aus dem Korb herausnehmen und auch wieder hineinlegen kann, beschreibt dabei mit Worten, was sie gerade tut. Danach schiebt sie das Material zu einem der Kinder, beschreibt, was das Kind nun selbst tut, bestätigt lobend: „Du hast alle Steine ausgeräumt, sehr schön!“ Dabei geht es nicht darum, wie die Kinder mit den Steinen umgehen, denn selbst ausprobieren ist erfolgrei-

Ich und die anderen Das lässt sich vom Säuglingsalter an erfolgreich in einer Spielsituation verwirklichen: Zunächst ist zu sichern, dass die Kinder ausgeschlafen und satt sind. Diese Voraussetzungen wirken sich mit großer Selbstverständlichkeit aus, weshalb Regelmäßigkeit und Ordnung im Tagesablauf auch zum Ausprägen von positivem Neben- und Miteinander bedeutsam sind. (Selbst uns als Erwachsenen fällt es nicht leicht, höflich und verständnisvoll mit anderen umzugehen, wenn wir übermüdet oder hungrig sind.)

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cher. In dieser Weise kann ein Kind nach dem anderen tätig werden, erfährt ein jedes Aktivität und Bestätigung. Gleichzeitig werden die Kinder in dieser Situation aufeinander aufmerksam, führen gleiches wie es selbst aus — sie erfahren damit in elementarer Weise, dass die anderen sich verhalten und agieren wie sie selbst. In ähnlicher Weise lassen sich solche Spielsituationen auch mit anderen Materialien gestalten, mit Liedern oder Fingerspielen. Es ist auch möglich, die Aufmerksamkeit der Kinder zueinander auszulösen oder zu verstärken, indem man das Spielzeug (geschickt, ohne damit Kummer auszulösen) wegräumt und sich selbst als Kommunikationspartner zurückhält, damit die Kinder die Möglichkeit haben, sich einander zuzuwenden: aufeinander aufmerksam zu werden, Gefühlsregungen zu zeigen, zu sprechen, sich vielleicht auch zu betasten.

Durch Rollenspiel das Miteinander fördern Bei der weiteren Entwicklung der Kinder jenseits des Säuglingsalters ergeben sich Situationen und/oder lassen sich in ähnlicher Weise eine Vielzahl von Möglichkeiten gezielt gestalten, aufeinander aufmerksam zu werden, miteinander etwas zu tun, sich in einfacher Weise zu helfen. Wird z.B. ein Kind an- oder ausgezogen und ein anderes daneben gesetzt, „hilft“ es oft schon etwas mit — was von dem/der Erzieher/-in bestätigt und gelobt wird. Ein Reigen wie „Häschen in der Grube“ verdeutlicht den Kindern ebenfalls, dass andere genauso handeln wie sie selbst — und ganz nebenbei wird die Artikulation geübt. Zu gemeinsamen Tun anzuregen vermag auch das Gestalten eines Bildes, das aus den von jedem Kind geformten einzelnen Teilen zu einem Ganzen zusammengefügt wird. Das Erlebnis wird verstärkt, wenn das Bild für die Kinder einer anderen Gruppe, für die Eltern, für die Kita-Gäste, für eine Erzieherin oder für die Köchin zum Geburtstag ist. Die reichsten Möglichkeiten für die Herausbildung von Miteinander bietet sicherlich das Rollenspiel, sind doch darin vor allem Kooperation und Kom-

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munikation in einer „Als-ob-Handlung“ Aneignungsgegenstand. Die Kinder gestalten ihre Spiele in der Weise, zu der sie aktuell fähig sind. In der Spielsituation erleben und erfahren sie Möglichkeiten und Erfordernisse des Miteinanders, die allein durch Kommunikation nur schwer oder gar nicht zu vermitteln sind. Dem/Der Erzieher/-in kommt beim Rollenspiel mehr die beobachtende, aber ebenso die anregende und mitspielende Rolle zu. Hierzu ein Beispiel: Bei prächtigem Wetter war eine größere Kinderschar im Freien, manche waren mit Dreirad und Roller aktiv, andere legten aus Kiefernzapfen Muster und füllten Körbe damit. Eines der Mädchen hatte gerade zum Geburtstag ein Zelt geschenkt bekommen, es von zu Hause mitgebracht und stellte es auf. Andere Kinder fanden das auch verlockend. Sie versuchten, sich einzubringen — was jedoch der Besitzerin nicht behagte, worauf sie das Zelt an eine andere Stelle trug. Mehrfach wiederholte sich das. Schließlich raffte die Erzieherin etliche Kiefernnadeln zu einem „Sträußchen“ zusammen, klopfte an und fragte, ob

da wohl das Geburtstagskind sei? Das wurde freudig bejaht, und im Handumdrehen fanden sich etliche andere Mädchen und Jungen ein, gratulierten, brachten „Kuchen“, verteilten an alle „Kakao“, sangen ein Geburtstagslied — ein freudiges Miteinander war entstanden, und auch die Besitzerin des Zeltes dachte wohl nicht mehr daran, dass es nur das ihre war — war sie doch nun das gastgebende Geburtstagskind. Und als Gastgeber hat man Pflichten. Ein weiteres Beispiel aus der Gruppe der zwei- bis dreijährigen Kinder: Jedes Kind erhielt eine Fingerpuppe, spielte „wie die Mutti — wie der Vati“ kleine Szenen aus eigenem Erleben und angeregt durch die Erzieherin und die anderen Kinder. Es kam auch über die Puppen zu kurzen Kontakten, wenn sie sich begrüßten, miteinander tanzten, Verstecken und Fangen spielten. Auch didaktische Spiele ermöglichen so manche Gemeinsamkeit, wie das „Mein rechter, rechter Platz ist leer, ich wünsche mir die Julia her“ — so wird nebenbei in spielerischer Weise die Seitenbezeichnung verinnerlicht und ebenfalls die Artikulation geübt.

Rollenspiele sind für Kinder ein spielerischer Weg, Sprache und Fähigkeiten zu schulen

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Lebensordnung

Konflikte gemeinsam lösen Unterschiedliche Meinungen, als Auslöser unbeabsichtigtes oder auch absichtsvolles Bedrängen und damit Wehtun, Langeweile, das Wegnehmen von Spielzeug oder Beschäftigungsmaterial, aber ebenso Unwohlsein, beginnende Krankheit und Müdigkeit können zu Streit und gar Tätlichkeiten führen — ein gegebener Fakt, der nicht unbedingt erwünscht ist. Ermöglichen die oben genannten absichtsvoll gestalteten Situationen den Kindern vor allem Verhaltensmuster zu vermitteln, verlangen Konfliktsituationen wiederum angemessene Reaktion der Erzieher/-innen und in wachsendem Maße der Kinder selbst. Streit auslösend sind oft genug die lebhafteren, aktiveren Kinder, die auch meist einen guten sprachlichen Entwicklungsstand und umfassendere Spielfähigkeit haben. Sie setzen sich meist gegenüber den ruhigeren, zurückhaltenden Kindern durch, so dass unterschiedliche Erfahrungen nach dem Schema „Sieger-Besiegter“ gesammelt werden: Ich kann tun/haben, was ich will — ich habe nachzugeben und zurückzustehen. Häufiger wiederholt, dürften sich hier bereits frühzeitig Prägungen ergeben, die im späteren Leben hinderlich sein können. Beobachtungen haben ergeben, dass der Erwachsene — nicht alle Konflikte können von ihm bemerkt werden — vor allem verbal mit Ge- und Verbot eingreift und sich vorrangig dem unterlegenen Kind widmet. Es ist sicher Konsens, dass Schlagen, Beißen u.ä. zu unterbinden sind. Mit einem Verbot erfahren jedoch beide Parteien keine Lösung ihres Konflikts. Sicher wird hier manches erreicht werden, wenn man den Kindern vorschlägt, einander wieder gut zu sein, den anderen zu streicheln oder zu umarmen oder ihn aufzufordern; „Sage: Lass das, Du tust mir weh!“ Oft genug gibt es auch insofern eine Lösung, etwas gemeinsam zu tun, sich z.B. das Bilderbuch gemeinsam anzusehen oder die Puppe von einem füttern zu lassen, während der andere kocht oder einkauft. Oder man nutzt Finger- oder Handpuppen, Flachfiguren oder Bilderbücher, mit denen bzw. in denen auch Konflikte aus dem Leben

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Streiten gehört zum Lernen

der Kinder und ihre Lösung dargestellt werden. Damit erhalten die Kinder sozusagen ein Muster, auf das in der Konfliktsituation verwiesen werden kann: „Mache es wie. . . Es ist also bedeutsam, den Kindern erlebbar zu machen, dass es jenseits des Sieger-Besiegten-Schemas oft genug eine Lösung gibt, vielleicht auch zu um-

schreiben mit der Standard-Frage „Was können wir da tun?“ oder „Was machen wir denn da?“ Seitens des/der Erziehers/-in sehr konkret vorzuschlagen, was sich nebenoder miteinander tun lässt, hilft den Kindern, den Konflikt auszuräumen. Der Rat „Spielt doch miteinander“ ist dabei meistens kaum hilfreich. Ein besserer

... schon wieder ganz entspannt

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Lebensordnung

schlechter Beispiele. Eine gute Lebensqualität in Krippe und Kindergarten ist ein übergreifendes Ziel. Im Sinne der Kneippschen Lebensordnung soll die Gesundheit der Kinder gefördert, ihren Bedürfnissen während des ganzen Tages (z.B. nach Abwechslung und Ruhe, nach Kontakt mit anderen) nachgekommen werden. Eine positive und Komm, ich helfe dir harmonische Atmosphäre ist soVorschlag wäre: „Du kannst die Bau- wohl unter den Kindern als auch unter steine mit dem Auto zu Peter bringen, Mitarbeitern und Eltern erstrebenswert. und er baut daraus eine Garage“. Darauf Darüber hinaus ist die gezielte Entaufbauend können später zunehmend wicklung erwünschter sittlich- moraliverallgemeinernde Informationen ver- scher Verhaltensweisen erreichbar standen werden. – durch unterstützende Vorschläge Menschliches Miteinander und toleund Schaden verhindernde Verbote, rantes Nebeneinander haben — da bin – mittels absichtsvoll gestalteter Situaich mir mit meinen Lesern einig — eitionen, nen hohen Stellenwert für die Gesund- – im Rollenspiel durch Selbst-Tun und heit und ihre Erhaltung. Wenn wir uns Selbst-Erfahren, als „Kneippianer“ der Gesundheitspfle- – in didaktischen Spielen mit den in ge besonders verpflichtet sehen, darf der Regel vorgegebenen Verhaltensund kann achtungsvolle Kooperation forderungen, und Kommu– dem Beispielnikation nicht „Wer bemüht ist, sein eigenes geben — durch ausgeklamVorleben, VorspieGlück zu suchen, der ist auch len sowie verbamert werden. Wertvolle sittles, durch Mimik, den anderen gern behilflich lich-moralische Gestik und PantoSebastian Kneipp dazu“ Beziehungen mimik unterstützzu entwickeln tes Werten/Beursollte vom Säuglingsalter an als eine teilen gewichtige Erziehungsaufgabe angese- – und schließlich (mit zunehmender hen werden und zweifellos in anderen Sprachbeherrschung) die mehr und Bildungsstufen ebenso wie im gesellmehr an das Wort gebundene Verschaftlichen Insgesamt Beachtung findeutlichung entsprechender Inhalte den. Ein Verhalten, das friedliches und (Reime, Gedichte, Bücher, Märchen) möglichst konfliktarmes Miteinander und sicherlich auch durch ausgebegünstigt, muss in jeder Altersstufe wählte Musikstücke. eingefordert werden, denn es gibt immer wieder unterschiedliche und auch Dr. sc. päd. Roswitha Reinhold konträre Ansichten sowie eine Vielzahl

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Impressum Herausgeber Kneipp-Bund e. V. Bundesverband für Gesundheitsförderung und Prävention Adolf-Scholz-Allee 6 – 8 86825 Bad Wörishofen Tel.: 08247 3002-102 E-Mail: info@kneippbund.de Redaktion Sigrid Rau V.i.S.d.P. Viola Mayr Anzeigenverkauf Verlagsbüro ID GmbH & Co. KG Irmgard Ditgens Leitung Jathostraße 10 a 30916 Isernhagen Tel.: 0511 616595-0 Fax: 0511 616595-55 E-Mail:  service@verlagsbuero-id.de Für den Inhalt der Anzeigen zeichnen sich die Inserenten verantwortlich. Erscheinungsweise vierteljährlich Auflage 22 500 Exemplare Bezugsbedingungen Einzelheft € 2,00, ausschließlich Porto, Bestellung beim Kneipp-Bund e. V. Layout und Repro Rudi Rabl, Kneipp-Bund e.V. Druck Signal Iduna Gruppe Josef-Scherer-Straße 3 44139 Dortmund Dieses Heft wurde der Umwelt zu­ liebe auf chlorfrei gebleichtem Papier gedruckt. Kneipp ist eine e ­ ingetragene Marke der Kneipp-Werke Würzburg.

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Titelbild: R. Kneschke, fotolia; S. 4: Art Family, fotolia; S. 6: Dmitry Naumov, fotolia; S. 7: ricardoferrando, fotolia; S. 8: goodluz, fotolia; S. 9: Brian Jackson, fotolia; S. 10: Superingo, fotolia; S. 12 bis 17: Annette Pache; S. 18 bis 21: Natalie Stadelmann; S. 22 und 23: Vitalinka, fotolia; S. 25: Ursula Uhlemayr; S. 26: chasing moments, fotolia; S. 27 oben: Sport Moments, fotolia; S. 27 untene: santypan, fotolia; S. 28: ivolodina, fotolia; S. 29 bis 30: Kristin Gründler, fotolia

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SKA Aktuell

Sebastian-Kneipp-Akademie für Gesundheitsbildung Weiterbildungen Grundausbildung

Wir bieten eine Vielzahl an Weiterbildungen für Erzieher/-innen und Lehrer an:

Kneipp-Gesundheit für Kinder Kneipp-Zertifikat Grundausbildung zur Umsetzung des kneippschen Gesundheitskonzeptes in pädagogischen Einrichtungen wie Grundschulen, Heimen, Horten, Kindergärten, Krippen. Der ganzheitliche Ansatz Kneipps lässt sich ideal in den Alltag integrieren. Kinder sind offen und neugierig, noch frei von eingefahrenen Verhaltensmustern. Dies bietet ideale Voraussetzungen, auf spielerischem Wege Grundlagen für eine naturgemäße, gesunde Lebensweise zu legen, um ganzheitliche Gesundheitsförderung nach Kneipp mit Kindern im Alltag zu planen und umzusetzen.

Kneipp-Anwendungen in der Kita

Erfahrungsaustausch für zertifizierte Einrichtungen Sa, 14.04.2018 | Bad Lauterberg | Irene Hirschhausen-Spork

Märchen erzählen – erleben – deuten Sa, 14.04. – So, 15.04.2018 | Bad Wörishofen | Simone Wanzek-Weber

Ätherische Öle – Sinneserfahrung für kleine Nasen

Mo, 16.04.2018 | Bad Wörishofen | Gabriele Baumeister

Komm, wir finden einen Schatz Das Element Lebensordnung im erzieherischen Umgang mit Kindern Di, 17.04.2018 | Bad Wörishofen | Birgit Meinhardt

Ausbildungen

Entspannen und genießen in der Kita

Fr, 04.05.2018 | Bad Wörishofen | Helga Balter & Henrike Vogel

Märchenerzähler-/in SKA

Sie wollen selbst erzählen, Herzen berühren, kreativ mit Sprache, Gestik und Mimik spielen? Sie möchten sich selbst im Spiegel des Märchens entdecken und Märchen zum Leben erwecken? Dann sind Sie hier richtig! Ausbildungsstart: Mi, 27.06. – So, 01.07.2018 Aufbau/Zeitumfang: Drei Ausbildungs-, Vorbereitungsseminar und ein Prüfungsseminar – Juni 2018 bis Juli 2019

Entspannungstrainer/-in SKA

Die Fähigkeit, sich zu entspannen und zur Ruhe zu kommen, ist bei vielen Menschen nicht mehr in ausreichendem Maße vorhanden. So besteht im Bereich der Gesundheitsvorsorge ein großer Bedarf an guten Entspannungstrainings und umfassend qualifizierten Entspannungstrainer/-innen. Ausbildungsstart: Fr, 28.09. – So, 30.09.2018 Aufbau/Zeitumfang: Die Ausbildung umfasst acht Ausbildungsseminare (Freitag bis Sonntag) September 2018 bis März 2019

Gesundheitspädagoge/in SKA

Das Interesse an Prävention und Eigenverantwortung wächst und erfordert Fachleute, die Menschen auf diesem Weg kompetent begleiten. Dieses vereint sich in unserer E-Learning unterstützten Ausbildung zum/zur Gesundheitspädagogen/-in SKA. Ausbildungsstart: Fr, 19.10. – So, 21.10.2018 Aufbau/Zeitumfang: Basisstudium: 9 Module Oktober 2018 bis Juli 2019 3 Präsenztermine vor Ort (Bad Wörishofen) 6 E-Learningphasen (zu Hause)

Genüsse und Güsse in der Kita

Fr, 18.05.2018 | Bad Wörishofen | Helga Balter & Henrike Vogel

Massage im Kindergarten Von der Kraft der sanften Berührung Mo, 04.06. – Di, 05.06.2018 | Bad Wörishofen | Thordis Zwartyes

Wir sind Pflanzendetektive

Di, 05.06.2018 | Bad Wörishofen | Gabriele Baumeister

Mehr Gelassenheit im Kita-Alltag

Mi, 06.06.– Do, 07.06.2018 | Koblenz | Birgit Meinhardt

Stimme, Körper und Persönlichkeit in der pädagogischen und sozialen Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen Sa, 09.06. – So, 10.06.2018 | Bad Wörishofen | Giuliana de Carlo

Kräuterwanderung mit Kindern

Mo, 25.06.2018 | Bad Wörishofen | Gabriele Baumeister

Immunsystem stärken mit Ernährung und Kräutern in der Kita

Fr, 29.06.2018 | Bad Wörishofen | Helga Balter & Henrike Vogel

Einen Tag in der Natur erleben – Kräuter erkennen Sa, 30.06.2018 | Bad Lauterberg | Petra Höner

Spiel und Spaß mit Alltagsgegenständen und Materialien aus dem Baumarkt Wie können Bewegungsbaustellen dazu aussehen? Sa, 30.06.2018 | Bad Lauterberg | Elke Schulze

…und viele mehr…

Sebastian-Kneipp-Akademie für Gesundheitsbildung Adolf-Scholz-Allee 6–8 86825 Bad Wörishofen Tel. 08247 3002-132 oder 133 Fax 08247 3002-198 KneippKindergarten  Heft 1/2018

E-Mail: ska@kneippbund.de www.kneippakademie.de facebook.de/kneippakademie

Ausführliche Informationen entnehmen Sie bitte dem Programmheft oder unter www.kneippakademie.de

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KneippKindergarten 1/2018  

Die Zeitschrift „KneippKindergarten" enthält Tipps und Ratschläge für Eltern und Erzieher/-innen bzw. Pädagog/-innen. Basis sind die fünf El...

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Die Zeitschrift „KneippKindergarten" enthält Tipps und Ratschläge für Eltern und Erzieher/-innen bzw. Pädagog/-innen. Basis sind die fünf El...

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