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INTERVIEW

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TOM ANGELRIPPER

„PAPA, DU BIST’N SPIESSER“ 70

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Auf dem alten Gelände der Zeche Hugo in Gelsenkirchen-Buer hat der Schalker Kreisel einen „aggressive leader“ schwermetallischer Härte zum Plausch getroffen. Thomas Such alias Tom Angelripper ist Sänger und Bassist der Thrash-Metal-Band „Sodom“, mit der er rund 1,5 Millionen Platten verkauft hat. „Auf Hugo“ ist der gelernte Bergmann selbst eingefahren, ehe er sich anschickte, zum Pionier und Grandseigneur der deutschen Metal-Szene zu werden. Dem Kreisel erzählte der eisenharte Haudegen, was ihn mit Schlagersänger Roberto Blanco verbindet, was er an seiner Heimat Buer liebt, warum er im Swimmingpool von Schalke-Legende Erwin Kremers plantschen durfte und warum seine Tochter findet, dass er ein Spießer ist.

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err Such, haben Sie eine Ahnung, warum Sie der Schalker Kreisel ausgerechnet vor dem Heimspiel gegen Kaiserslautern treffen wollte? Vielleicht, weil ich ein Gelsenkirchener Junge aus Buer bin und durch meine Heimatverbundenheit natürlich auch eine Verbundenheit zu Schalke habe? Auch richtig, aber dazu später. Wir dachten, wer sich selbst mit Künstlernamen „Engelschlitzer“ nennt, muss sich doch auch auskennen mit „Roten Teufeln“. Nach dem Namen werde ich oft gefragt. Als wir zu Beginn der 80er-Jahre mit „Sodom“ angefangen haben, war das in der Szene so eine Mode. Unser Drummer hieß „Witchhunter“ („Hexenjäger“, Anm. d Red.), und ich war eben der „Angelripper“. Den Titel kann ich jetzt einfach nicht mehr ablegen. Darauf bin ich in irgendeinem Irrsinn gekommen. Wir haben damals im Proberaum weniger geprobt als versucht, schwarze Messen zu feiern, weil es irgendwie zum Image des Black Metal gehörte. „Venom“ war noch vor „Motörhead“ und „AC/DC“ die erste Band, die uns inspiriert hat. In diese musikalische Schiene wollten wir auch rein.

„FRÜHER HATTE ICH SOGAR EINEN SCHREBERGARTEN...“

Insofern kennen Sie sich also mit Teufeln aus. Nun ja, bei uns in Metal-Kreisen singen wir gerne mal vom Satan. Aber seit 1987 verfasse ich solche Texte gar nicht mehr. Damals haben wir beschlossen, mehr über den Krieg und die Untiefen der Menschheit zu schreiben. Früher habe ich viel über Aleister Crowley (Okkultist und Mystiker, Anm. d. Redaktion) gelesen, aber wenn du die Bücher liest, wirst du krank im Kopf. Dafür war ich auf dem Pütt – im Bergwerk Hugo habe ich genug schwarze Messen gesehen (schmunzelt). Tausende Zuschauer, große Show: Erkennen Sie Gemeinsamkeiten zwischen Heavy Metal und Fußball? Wenn ich auf die Bühne komme, und da unten stehen ein paar tausend Leute, habe ich manchmal ein mulmiges Gefühl. Ich kann das schon nachvollziehen, wie es als Fußballer sein muss, in die Arena ein-

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zulaufen. Besonders zuletzt bei Manuel Neuer, der genau wusste, was wegen seines Wechsels nach Bayern passiert. Er hat das aber sehr souverän gemeistert. Fußballer und Bandleader müssen eben beide Professionalität beweisen. Man ist nicht immer der, der man auf der Bühne ist. Wahrscheinlich ist ein Profispieler privat auch ganz anders als auf dem Platz. (Tom Angelrippers Mobiltelefon klingelt. Seine Handymelodie: „Spiel mir das Lied vom Tod“) Und was unterscheidet den privaten Thomas Such vom Tom Angelripper auf der Bühne? Meine Tochter sagt immer: „Papa, du bist ’n Spießer!“ Das kommt jetzt überraschend. Was veranlasst sie zu diesem Urteil? Na ja, so als Mann mit Gärtchen und Einfamilienhäuschen. Früher hatte ich sogar einen Schrebergarten. Aber als ich in einem Sommer ein paar Wochen nicht zu Hause war, war alles so zugewuchert, dass ich überhaupt nicht mehr wusste, wie ich da reinkommen sollte, wo der Rasen war und wo das Gemüse stand. Da hatte ich die Schnauze voll und hab das Ding verkauft. Zumal meine Nachbarn schon vor der Tür standen, mit der Schrebergartensatzung winkten und meinten: „Du musst jetzt mal zusehen…“ Da ich auch Jäger bin und die Erlaubnis hatte, habe ich im Schrebergarten auch Tauben geschossen, aber offensichtlich zu wenige. Die Leute haben sich immer bei mir beschwert, aber ich konnte ja nicht überall stehen. Auch deswegen habe ich mich dann nur noch der Jagd gewidmet. Mittlerweile habe ich ein eigenes Revier und das ist für mich mehr Erfüllung als ein Schrebergarten. Diese Leidenschaft teilen Sie mit Schalke-Chef Clemens Tönnies und Torjäger Raul. Was reizt Sie an der Jagd? Wir hatten in der Schule noch Heimatkunde, und als kleiner Stöpsel habe ich in einem Artikel gelesen‚ im Westerholter Wald könne

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„WEIL SICH DIE FAMILIEN GUT KANNTEN, DURFTEN WIR JUNGS BEI KREMERS IM SWIMMING-POOL SCHWIMMEN UND HABEN OFT FREIKARTEN FÜRS PARKSTADION BEKOMMEN.“ man Rehe beobachten. Das konnte ich mir in Gelsenkirchen überhaupt nicht vorstellen. Da bin ich morgens öfter hingelaufen mit Rucksack und Fernglas, und dann habe ich tatsächlich Rehwild gesehen. Seitdem war ich von dieser Leidenschaft infiziert. Ich bin total begeistert von allem, was mit Tieren und Natur zu tun hat. Ich war zum Beispiel jahrelang im Vogelschutz aktiv, habe Vögel beobachtet und Nistkästen gebaut. Dieses Interesse hat mich bis heute nicht losgelassen. 1992 habe ich meinen Jagdschein gemacht. Zum Glück habe ich mein eigenes Revier in der Elfringhauser Schweiz, kann das hegen und pflegen und selber jagen. Wenn ich vom Proben oder von einer Tournee zurückkomme, ist das ein guter Ausgleich, mich da ganz einfach in Ruhe hinzusetzen oder auch mal in meiner Jagdhütte zu übernachten. Ich wünschte, ich hätte mehr Zeit dafür, und ich will das nicht mehr missen. Erst Metal, dann Ruhe. Das hat natürlich überhaupt nichts miteinander zu tun, aber ich mag diese Gegensätze.

Thomas Such alias Tom Angelripper gehört mit „Sodom“ zu den erfolgreichsten Klassikern und Pionieren der deutschen Metal-Szene. Mit dem Album „Agent Orange“ gelang „Sodom“ 1989 als erster deutscher Metal-Band der Sprung in die Charts (Platz 36). Such, geboren und wohnhaft in GelsenkirchenBuer, hat allein mit „Sodom“ ungefähr 1,5 Millionen Platten verkauft. Mit der Band sowie als Solokünstler „Onkel Tom“ hat der Sänger und Bassist insgesamt 20 Studioalben veröffentlicht, bis auf Afrika ist er auf allen Kontinenten getourt. Das größte Konzert spielte er 1990 vor 20.000 Fans in Sofia, zudem war „Sodom“ die erste deutsche Metal-Band, die hinter dem Eisernen Vorhang gespielt hat, 1988 in Kattowitz vor 12.000 Zuschauern.

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Und der Gegensatz zu dem Spießer mit Schrebergarten und Jagdrevier ist die Rampensau auf der Bühne. Wie beschreiben Sie Außenstehenden diesen Typen? Der ist ein ganz anderer. Man schaltet um, ist wie ein Schauspieler, der auf der Bühne steht oder gefilmt wird und umschaltet. Du spielst eine Rolle. Wir machen schnelle, harte Musik. Auf der Bühne bin ich aggressiv, völlig skrupellos, und die Texte, die politisch angehaucht sind, versuche ich rüberzubringen nach dem Motto: Ich kann nix ändern, aber ich kann herausschreien, was mir missfällt. Kramen Sie mal in Ihren Erinnerungen. Was kam zuerst – Ihre erste Heavy-Metal-Platte oder Ihr erstes Schalke-Spiel? Mein erstes Schalke-Spiel, auf jeden Fall. Welches das genau war, weiß ich nicht mehr, ich bin oft mit meinem Vater auf Schalke gewesen und muss beim ersten Mal ungefähr zehn Jahre alt gewesen sein. Als Jugendliche waren wir oft Zaungäste im Parkstadion,

saßen oben im Baum und haben das Spiel gesehen. Früher konnte man aber auch zur zweiten Halbzeit umsonst rein, das war nicht so streng reglementiert wie heute. Außerdem wohnte mein Freund Ralf Telöken in der Eschfeldstraße, wo auch Rüdiger Abramczik und die Kremers-Zwillinge lebten. Und weil sich die Familien gut kannten, durften wir Jungs bei Erwin Kremers im Swimmingpool schwimmen und haben oft auch Freikarten fürs Parkstadion bekommen. Uns war im Prinzip egal, wer da gespielt hat. Hauptsache, wir gingen auf Schalke. Ihr schönstes Schalke-Spiel? 2006 das 7:4 gegen Leverkusen. Einerseits, weil es die erste Partie war, die ich zusammen mit meinem Sohn live in der Arena gesehen habe. Das hat mich daran erinnert, wie mein Vater damals mit mir auf Schalke war. Andererseits war es ein sensationelles Spiel. Anschließend habe ich zu meinem Sohn gesagt: „So ein Spiel wirst du wahrscheinlich nie mehr erleben!“ Und Ihr schlimmstes? Ich weiß nicht, das waren zu viele. Aber hängen geblieben ist selbstverständlich das letzte Spiel 2001. Ich kam mit einem Kollegen von der Jagd, da kam seine Frau herausgelaufen und jubelte: „Wir sind Deutscher Meister!“ Überall hat man Leute schreien gehört. Fünf Minuten später kam seine Frau noch mal raus und hat geweint. Als ich hörte, dass die Bayern doch noch ein Tor geschossen haben, konnte ich das gar nicht fassen. Das war unglaublich bitter. Alle meinten, das wäre nicht mit rechten Dingen zugegangen. Ich glaube, das Spiel hat uns das Kreuz gebrochen. Das war wie ein Leichenhemd, davon haben wir uns bis heute nicht erholt. Aber mein Traum wäre es, einmal eine Schalker Meisterschaft zu erleben. Jedenfalls drücke ich Schalke die Daumen. Ein eher heiteres Thema ist Ihr neues Werk „Nunc Est Bibendum“, was so viel heißt wie „Es möge getrunken werden“. Wie kam es dazu, dass Sie als „Onkel Tom“ ausgerech-

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INTERVIEW

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Vorne „Sodom“, hinten die Fanmeute: Tom

Rock'n'Roll zugunsten der Alzheimer

Angelripper und Co. nach der Metal-Maloche

Gesellschaft: Tom Angelripper (l.) und

in der Zeche Bochum im Februar 2011.

"Sodom"-Gitarrist Bernemann (r.) mit Roberto Blanco.

net Volks- und feucht-fröhliche Trinklieder in ein HardrockKorsett pressen? Als ich Mitte der 90er ein Soloalbum machen wollte, meinte ein Produzent zu mir: „Wenn einer solche Lieder covern kann, dann du.“ Ich gelte als authentisch, bodenständig und volksnah. Vielleicht, weil wir uns mit der Band nach Konzer ten immer noch unter die Fans mischen und mit ihnen ein Gläschen trinken. Ich hasse Musiker, die nach der Show direkt abhauen ins Hotel oder in den Tourbus. „Onkel Tom“ sollte eigentlich ein einmaliges Projekt sein, ist aber total gut aufgenommen worden. Dass wir mit „Sodom“ Udo Jürgens‘ „Aber bitte mit Sahne“ gecovert haben, hat uns in der Szene ja auch keiner krumm genommen. Also habe ich damit weitergemacht.

Gruppenbild mit Förderturm: Tom Angelripper (2.v.r.) und Schlagersänger Magic Lauster (2.v.l.) haben mit "Die Knappen" eine Ode ans Ruhrgebiet geschrieben.

„MEIN TRAUM IST ÜBRIGENS, EINMAL IM LEBEN AUF SCHALKE ZU SPIELEN...“ 76

Sie können aber auch ernst: Zusammen mit Roberto Blanco haben Sie einen Werbespot zugunsten der Alzheimer Gesellschaft gemacht, in dem sich Blanco als dementer Schlagersänger auf die Bühne eines Metal-Konzerts verläuft. Wie kam es dazu? Die Alzheimer Gesellschaft hatte eine Band gesucht, die gerade auf Tour ist. Wir waren unterwegs und für den guten Zweck haben wir gerne zugesagt. Bei dem Spot hat man schon etwas zu lachen, aber am Ende ist er auch tragisch. Man denkt immer, so etwas wie Alzheimer passiert nur anderen, aber davor ist keiner gefeit, und wir können helfen, die Leute für dieses Thema wachzurütteln. Bei einem „Sodom“-Konzert wurde gefilmt, wie wir mit ihm „Ein bisschen Spaß muss sein“ spielen. Beim Wacken-Festival sind wir noch einmal vor zigtausend Fans zusammen aufgetreten. Roberto ist ein absoluter Rock’n’Roller. Mit der Band „Die Knappen“, in der unter anderem der Gelsenkirchener Schlagersänger Magic Lauster mitwirkt, haben Sie S04-Lieder in rauer Klangschale vertont… Ja, das war 2007 – in einer Saison, in der es für Schalke verdammt gut lief. In der Hoffnung, dass wir Meister werden, haben wir zuerst ein paar Schalke-Lieder eingespielt, zum Beispiel „Schalke ist Papst“ oder unsere Version von „Blau und Weiß“. Aber am Ende ist doch

Stuttgart Meister geworden, so dass wir die CD nicht herausbringen konnten. Deshalb haben wir uns überlegt: Wir können doch Musik machen über unsere Tradition, über unsere Heimat, über den Bergbau. Mal darüber nachgedacht, wie es wäre, Ihre HardrockVer sion des Steigerlieds in der VELTINS-Arena zum Besten zu geben? Für Schalke war das zu hart, allein schon mein Gesang. Ich verstehe das auch. Aber wenn unsere Version mal im Stadion laufen würde, wäre das schon eine tolle Sache, und ich glaube, das würde auch gut ankommen. Mein Traum ist übrigens, einmal im Leben auf Schalke zu spielen, sei es mit den „Knappen“, mit „Sodom“ oder mit „Onkel Tom“. Es ist mir bisher nicht vergönnt gewesen. „Metallica“ hat es ja geschafft. Irgendwie komisch… Aber mal im Ernst: Wäre schön gewesen, wenn „Metallica“ eine örtliche Band wie uns als Vorgruppe mit ins Boot geholt hätte. Das Album der „Knappen“ heißt „Auf Kohle geboren“, darauf sind Lieder enthalten wie „Der alte Mann von Revier 10“, „Mädchen aus dem Kohlenpott“ oder „Komm auf ein Bierchen nach Gelsenkirchen“. Eine Ode ans Ruhrgebiet und den Bergbau? Definitiv! Textlich gibt’s da auch ein bisschen den erhobenen Zeigefinger. Der Bergbau hat viel für unsere Region getan. Ohne den wären wir wahrscheinlich gar nicht hier. Aber im Jahr 2000 wurde auf der Zeche Hugo die letzte Schicht gefahren, das bleibt in Erinnerung. Viele meiner Kumpels hat das in die Arbeitslosigkeit getrieben, oder sie wurden weit weg auf andere Bergwerke verlegt, obwohl wir doch eine Zeche vor der Türe hatten. Außerdem ging es mir um den Begriff Knappen, der steht für Tradition, Bergbau und Heimatgefühle. Zumal Sie selbst gelernter Bergmann und auf Hugo eingefahren sind. 1989 haben Sie sich entschieden, die Musik zu Ihrem Beruf zu machen, weil das „Sodom“-Album „Agent Orange“ so erfolgreich gewesen ist. Der Chef der Plattenfirma

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„ICH BIN BUERANER! ...HIER IST MEINE HEIMAT, HIER BIN ICH VERWURZELT. “ hatte mir angeboten, mir statt der halbjährlichen Lizenzabrechnung monatlich einen Scheck zu geben. Das war schon etwas weniger als ich auf der Zeche verdient habe, aber ich konnte morgens liegenbleiben und mich einfach mehr um die Musik kümmern. Irgendwann hat mir die Bergwerksleitung mit Personaldirektor, Betriebsführer und Fahrsteiger ohnehin die Pistole auf die Brust gesetzt: „Entweder Zeche oder Musik“. Und als ich dann nach einer mehrwöchigen Tour mit der Band an einem Tag zur Arbeit ging, bin ich an der Laterne kurz vorm Zechentor umgedreht und nach Hause gegangen. Dort waren alle bitter enttäuscht, in der Familie waren ja fast alle Männer Bergleute. Die meinten alle nur „Dat kannste nicht machen! Du hast hier auf‘m Pütt den sichersten Job und kannst Karriere machen!“ Aber allein der Erfolg von „Agent Orange“ hat gezeigt, dass eine Band aus dem Ruhrpott kommen und es trotz dieses Umfelds schaffen kann. Sie heizen Metal-Fans auf der ganzen Welt ein, sind in Ihrer Karriere viel rumgekommen. Könnten Sie sich vorstellen, auch woanders als im Ruhrgebiet zu leben? Ja, das stimmt. Wir sind auf der ganzen Welt unterwegs. Aber ich könnte mir nicht vorstellen, woanders zu leben als in Buer. Noch nicht einmal in Gelsenkirchen – also südlich des Kanals. Ich bin Bueraner! Hier fühle ich mich wohl, hier sind meine Heimat und meine Freunde, hier bin ich verwurzelt. Mein Opa war hier auf der Zeche, mein Vater, meine Onkels und ich auch. Ich gehöre einfach hierhin, und ich bin auch immer froh, nach einer großen Tournee nach Hause zu kommen.

druck meiner Heimatverbundenheit. Das hat alles angefangen, als ich auf einer Antikmesse alte Postkarten mit Ansichten von Buer gefunden habe und völlig fasziniert war, wie schön und urig es hier früher war. Seitdem habe ich alles gesammelt, was irgendwie damit zu tun hatte: Postkarten, Fotos, Adressbücher, Stadtpläne, Literatur. Mittlerweile habe ich ein riesiges Archiv, aber ich sammle nicht für mich, sondern ich will das gerne weitergeben. Deshalb die Bücher. Was macht für Sie die Faszination des Ruhrgebiets aus? Die Mentalität. Die Menschen sind lockerer, offenherziger, bodenständiger. Hier geht’s nicht nur um „Was bin ich, was kann ich noch werden?“. Passt deshalb die Schwermetall-Musik so gut ins Ruhrgebiet? Klar. Wir hatten harte Arbeit, ein hartes Leben, also wird die Musik auch hart. Für uns war es damals außerdem ein Stück Revolution, Metal zu hören und Metal zu spielen. Das hat uns ebenso ein Gefühl von Zusammenhalt gegeben wie die Herkunft aus dem Ruhrgebiet. ■

Heimatforscher, Spießbürger

Rührt daher Ihr Interesse an der Heimatforschung? Ja. Dass ich drei Bücher über Buer herausgebracht habe, ist Aus-

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und Rampensau: Thomas Such als Tom Angelripper in Aktion.


Auszug aus dem Schalker Kreisel, Ausgabe Nr.7 vom 15.10.2011