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Belebte Schweiz.

Nr. 3 | Dezember – Februar 2014 | CHF 7.90

Das Magazin für naturbewusstes und nachhaltiges Leben in der Schweiz.

Tierspuren im Winter

Rücksichtsvoll durch den Landschaftspark Binntal

Natur- und Tierpark Goldau

Wenn das Murmeltier schläft

Schwyz

Ungezähmte Natur und landschaftliche Schönheit Energie

Weihnachten

Schweiz erleben

Einschalten und der Strom fliesst.

Oh du nachhaltige Weihnachtszeit

Wintererlebnisse in den Bergen


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EDITORIAL

Zeit für Reflexionen Liebe Leserin, lieber Leser

Winterzeit – Ruhezeit. Alles ist jetzt ruhiger und gemächlicher. Die Bäume haben ihre Blätter verloren und vielerorts liegt die Natur unter einer dicken Schneedecke verborgen. Die Tiere haben sich zurückgezogen und leben auf Sparflamme, machen Winterschlaf oder sind in wärmere Gefilde gezogen. Flora und Fauna sind in einer Ruhephase, und wir sollten uns nun ebenfalls Zeit nehmen, zur Ruhe zu kommen. Uns Zeit nehmen, das Jahr Revue passieren zu lassen. Zeit nehmen, in uns zugehen und zu analysieren, wer uns wirklich wichtig ist. Wer hat uns geholfen, wer war für uns da. Wer oder was bedeutet uns etwas, und was. ZYT – Zeit nehmen nachzudenken

In unserer schnelllebigen Zeit nehmen wir unser Umfeld und unsere Gedanken viel zu wenig wahr. Gerade zur Weihnachtszeit verfallen wir in eine doch eher ungemütli­ che Hektik. Da müssen noch diverse Geschen­ ke angeschafft werden und die Feiertage müssen vorbereitet werden. Deshalb rennen wir manchmal schon fast kopflos in verschiedene Geschäfte und kaufen sinnlosen Kram ein, welchen, niemand wirklich braucht. Müssen denn Geschenke sein? Was bedeutet Weihnachten eigentlich? Nehmen Sie sich die Zeit, mal darüber nachzudenken. Weihnachten ist das Fest der Liebe. Man ist mit der Familie und Freunden zusammen, geniesst einen schönen Abend mit einem feinen Essen und beschenkt sich. Doch schenken ist gar nicht so einfach. In der heutigen Zeit hat jeder schon fast alles. Weshalb denn nicht anstelle teurer Geschenke einfach mal darüber nachdenken, was einem die zu beschenkende Person bedeutet, und das zu Papier bringen. Manchmal ist weniger mehr. Und eine liebevolle Karte, die zeigt, wie sehr man jemanden mag, ist tausendmal schöner als irgendein materiel­ les Geschenk. Es gibt jedoch auch viele Menschen, die nicht so viel haben und sich keine Weihnachts­

geschenke leisten können. Also warum nicht einfach mal vor Weihnachten räumen und die Dinge, die man nicht mehr will oder braucht, einer Organisation weitergeben, die diesen Menschen eine schöne Weihnacht beschert. Und wenn wir etwas schenken, uns auch da über verschiedene Aspekte Gedanken machen. Ist es wirklich ein sinnvolles Geschenk? Was wünscht sich der andere wirklich? Es gibt sogar ökologisch sinnvolle Geschenke, die toll aussehen! Vielleicht könnte man ja auch mal so ein Geschenk kaufen. ZYT, die Natur zu erleben – erfahren – bewahren

Wir sollten uns auch Zeit nehmen, darüber nachzudenken, was im Jahr 2013 gut und was eher nicht so toll war. Darüber nachdenken, was uns unsere Zukunft bringen soll. Wo wollen wir hin, was wollen wir erreichen, welche Pläne haben wir im nächsten Jahr. Anstatt sich für das neue Jahr gute Vorsätze zu nehmen, welche sowieso nie eingehalten werden, mal reflektieren, was wir selbst an unserem Verhalten ändern können. Was wir dazu­ lernen wollen. Uns, unseren Mitmenschen und unserer Umwelt zuliebe. Wir haben uns diese Gedanken bereits gemacht. Wir werden mit NATURZYT auch in Zukunft neue Wege gehen. Damit Sie auch im 2014 unsere ­Schweizer Natur erleben – ­erfahren – bewahren. Wir wünschen Ihnen allen eine friedvolle Weihnachtszeit im Kreise Ihrer Lieben und ein spannendes, positives neues Jahr! Herzlichst Ihr NATURZYT Redaktions-Team

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10 

16 Wenn das

Murmeltier schläft

Tierspuren im Winter

36 Oh du nachhaltsbringende ­Weihnachtszeit

Inhalt 3 Editorial 4 Inhaltsverzeichnis 6 Leserbriefe Böser Wolf, guter Wolf. 7 Wissenswertes Können Bienen heizen? Wo überwintert die Eidechse? 8 Entdeckt & Fair Klimafreundlich einkaufen mit der Climate Credit Card. 62 Vorschau März 2014 62 Impressum

Natur erfahren 10 Tierspuren im Winter Das Summen und Zirpen der Insekten ist verstummt. Die Piffe der Murmeltiere bleiben aus. Wo verbringen die Bergtiere den Winter im Landschaftspark Binntal?

4 NATURZYT

46 Im Emmental

an der Wildnis schnuppern

16 Wenn das Murmeltier schläft, ist viel los. Still und verträumt liegt der Natur- und Tierpark Goldau unter einer Schneedecke. Wer jedoch glaubt, dass alle Tiere W ­ interschlaf halten, irrt gewaltig.

Natur bewahren 20 Regional entstanden – national gerettet Fast alle alten Tierrassen, die bis heute überlebt haben, stammen aus dem Alpenraum. Deren Rettung und Erhaltung spielen sich jedoch oft nicht im Ursprungs­ gebiet ab. 24 Patente gefährden die Biodiversität Was hat ein Patent auf einem Automotor mit einem Patent auf ein natürliches Maisgen gemeinsam? Eigentlich nichts! 26 Winterzeit – in Claudias naturnahem Garten Der Winter steht vor der Tür und zwingt uns, alles etwas gemächlicher zu nehmen. Der ideale Moment, sich ein paar Gedanken über den Garten zu machen.


INHALT

32 

Umweltbewusst essen

50 Ungezähmte Natur im Kanton Schwyz

30 Einschalten und der Strom fliesst Es wird Dunkel, das Licht wird eingeschaltet. Ein ­K nopfdruck, der Fernseher läuft. Der Strom fliesst – doch woher eigentlich? 33 Umweltgerecht essen – der Natur zuliebe Ein Kalbsgeschnetzeltes Zürcher Art mit Rösti und Karottengemüse verursacht einen CO2-Ausstoss von 3960 g. Mit einem Kilogramm Spargel aus Kalifornien kaufen wir 5 Liter Erdöl mit. 36 Oh du fröhliche, nachhaltsbringende Weihnachtszeit Wie können wir nachhaltigere Weihnachten 2013 verbringen – nachhaltiger schenken und feiern.

Natur erleben 40 Orte der Stille und Kraft – ganzheitliches ­Wahrnehmen in der Natur Dort, wo ich wohne, umgibt mich eine Landschaft von wilder Schönheit. Ich schaue auf das Land und lausche den ­Geschichten.

44 Unter dem Mistelzweig Das Küssen unter aufgehängten Mistelzweigen gehört zu den bekanntesten Weihnachtsbräuchen. Die Mistel ist aber mehr als ein Glücksbringer zur Weihnachtszeit. 46 Im Emmental an der Wildnis schnuppern Lust auf arktische Natur, Blockhüttenromantik und ein ­bisschen Abenteuer? Dann ist die winterliche Wildnis im Emmental das Richtige. 50 Ungezähmte Natur und landschaftliche Schönheit Steile Felsen, liebliche Seelandschaften, mystische Nebelfelder. Im Winter legt sich eine sanfte Stille auf die Schwyzer Natur. 57 Aus der Küche des Kantons Schwyz «Einsiedler Ofetuurli», «Chriesiprägel nach Steiner Art» oder «Schwyzer Hafächabis» – Spezialitäten-Rezepte für Sie zusammengestellt. 58 Wintererlebnisse in den Schweizer Bergen Die Wälder, Wiesen und Berge sind schneebedeckt, die Natur im Winterschlaf.

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LESERBRIEFE

Nr. 2 | Sep

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Belebte Sc

«In die Natur eintauchen»

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In der letzten Ausgabe von NATURZYT wird dem Bild des bösen Märchenwolfs dasjenige des real ungefährlichen Naturwolfs entgegengehalten. Ein solcher Vergleich zielt aber ins Leere. Der Märchenwolf ist in der Seele des Menschen ebenso real zu Hause wie der Wolf auf unseren Bergen. In seiner eigentümlichen, symbolischen Sprache weist er auf die Gefahren der räuberischen Wesenheit des Menschen gegenüber Natur und Mitwelt hin und warnt uns zu Recht und eindringlich davor. Man sollte also die Bedeutung des Märchen­ wolfs – und ebenso jene der Blümlisalp­ sage aus dem Berner Oberland, die im selben Heft erzählt wird – ernst nehmen und zu verstehen versuchen. Beide rufen in anderer Sprache als der naturwissen­ schaftlichen zu einem respektvolleren Umgang mit der Natur auf. Gelingt es, solche Geschichten wirklich zu ­verstehen und die Lehren daraus zu ziehen – dazu braucht es ein ­symbolisches Verständnis –, findet der Mensch durch bessere Selbstkenntnis ein viel ausgeglicheneres Verhältnis zur Natur, also genau das, was wir heute so dringlich brauchen.

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ZURÜCK ZUR NATUR OHNE ­RÜCKSICHT AUF VERLUSTE

Ich möchte Ihnen gratulieren. Mit Ihrem Editorial haben Sie es auf den Punkt gebracht. Alle schreiben darüber, kommunizieren und bewerben unsere Schweizer Natur. Entschleunigen, mehr in die Natur gehen, die Natur k­ onsumieren ohne Rücksicht auf Verluste. Sie haben den Mut – auch das anzusprechen, was andere verschweigen. Wir können nicht nur konsumieren – sondern müssen auch lernen, rücksichtsvoller zu werden. Mit NATURZYT zeigen Sie nicht nur die Natur, sondern informieren uns auch über kleine Massnahmen, welche durch umweltbewussteren und rücksichts­ volleren Umgang im Alltag helfen, dieselbe zu schützen. Aber nicht nur das, Sie unterstützen mit einem Teil der Abonnement-Erlöse Naturprojekte. Ausserdem ein Lob für Ihren Mut,

kritisch den Finger zu heben. Sie gestehen eigene Fehler ein und ­verbessern diese umgehend. Bravo! Nicht nur dass Sie das Papier wechseln, auf, welchem NATURZYT gedruckt wird, nein, Sie berichten auch gleich darüber und zeigen auf, wo wir selber mehr tun können. Danke und weiter so. E. Bögli, Basel AUS ALT MACH NEU

Bravo! Ihr Magazin zeigt die Schweiz nicht nur naturnah, sondern bringt auch tolle Artikel mit hilfreichen Informationen. Ich bin ein älterer Jahrgang und deshalb froh, dass ich meinen Enkeln zeigen kann, wie meine alten Möbel neugestylt später auch mal in Ihre Wohnung passen können. Peter Tobler, pensionierter Schreiner

Luca Vetterli, Biologe, Zürich per E-Mail IN DIE NATUR EINTAUCHEN

Spannend, informativ und natürlich. Danke für die wundervolle Zeitschrift, jedesmal wenn ich im NATURZYT lese, tauche ich ein in unsere wunderbare Natur, vergesse den Alltagsstress und lerne dazu, was ich im Kleinen beitragen kann – um diese zu unterstützen. Vielen Dank für diese schönen Stunden und hilfreichen Informationen. Alina Putorti, per SMS

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Leserbriefe an NATURZYT Ob Zustimmung, Lob, Kritik oder Anregung. Sagen Sie uns Ihre Meinung zum einen oder anderen Beitrag. Was hat Ihnen gefallen, was nicht. Was ist Ihre Meinung zur Natur – zum nachhaltigen Leben. Was würde Sie interessieren, wie gefällt Ihnen das Magazin, welche Artikel fanden Sie besonders interessant usw.? Die Leserbriefe müssen mit vollständiger Adresse versehen sein. Die Redaktion behält sich vor, Briefe zu kürzen. Schicken Sie Ihren Brief per E-Mail, Post an: redaktion@naturzyt.ch oder: NATURZYT, Leserbriefe, Knaus Marketing & Verlagsservice, Burgstrasse 11, 8604 Volketswil.

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WISSEN

Wissenswertes KÖNNEN BIENEN IM WINTER IHR NEST HEIZEN?

Ja. Wenn der Frost einsetzt, ziehen sich die Bienen im Nest (Traube) zusammen. Mitten in der Traube sitzt die Königin. Die Bienen in der äussersten Schicht der Traube entwickeln durch Vibrieren ihrer Muskulatur Wärme. Für die Herstellung der Wärme wird das Futter, welches die Bienen im Sommer und Herbst in den Futterwaben abgelagert haben, verwendet. Auf diese Weise existiert im Innern der Traube stets eine Temperatur von mindestens 25 °C. Wenn die Aussentem­ peratur einmal über 12 °C steigt, lockert sich die Traube. Die Bienen gehen nach draussen und machen einen kurzen Reinigungsflug, auf welchem sie ihren Darm entleeren. Nachher wird die Traube wieder in neuer Zusammensetzung gebildet.

Andere Spinnen überwintern in einem Kokon – sowohl die erwachsenen Tiere als auch die gerade erst geschlüpften Jungtiere. Einige wenige Spinnen sind auch im Winter unterwegs, sie haben eine Art Frostschutzmittel im Körper, damit sich bei Temperaturen um 0 Grad oder darunter keine Eiskristalle im Körper bilden, welche die Spinne verletzen würden. WIE ÜBERWINTERT DIE EIDECHSE?

Da sich die Körpertemperatur der Eidechse an die Aussentemperaturen anpasst, erfriert sie, wenn das Thermometer auf 3 Grad Celsius oder weniger fällt. Deshalb muss sie sich einen frostsicheren

WO SIND DIE SPINNEN IM WINTER?

Die meisten Spinnen ziehen sich im Winter in den Boden oder unter das herabgefallene Laub zurück und verschlafen den Winter. Im Boden und Laub sind sie vor sehr niedrigen Temperaturen geschützt und trocknen nicht aus. Alternativ suchen sich Spinnen warme Räumlichkeiten – wie unsere Keller –, um den kalten Temperaturen zu entgehen. Wasserspinnen suchen sich ein leeres Schneckenhaus und versiegeln den Ausgang mit einem Gespinst. Das Schneckenhaus treibt an die Wasseroberfläche und friert ein. Im Sommer taut alles wieder auf und die Spinne kommt aus ihrer Behausung.

Unterschlupf für den Winter suchen. Meistens findet sie ihn in Steinritzen, in der Erde oder unter Baumwurzeln, weil dort die Temperaturen nur selten unter 5 Grad sinken. Dort erstarrt die Eidechse und wacht auch nicht auf, wenn der Frost so stark wird, dass ihr Leben bedroht ist. Sie erfriert dann einfach. Erst wenn die Temperaturen steigen und es wieder warm ist, kommt sie aus ihrem Winterversteck heraus.

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Entwicklungsländern. Die Kosten für die CO2-Kompensation werden dabei komplett von Cornèrcard, der Partnerbank der Climate Credit Card, übernommen. So wird mit der Climate Credit Card etwa ein Klimaschutzprojekt in Honduras unterstützt: Familien erhalten neue, effiziente Kochherde. Diese ersetzen die traditionellen offenen Kochstellen und sparen 50 Prozent des benötigten Brennholzes ein. Dadurch werden jährlich etwa 38 000 Tonnen CO2-Emissionen

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vermieden. Daneben werden gefährliche Lungen- und Augenkrankheiten ebenso reduziert wie die aufwendige Suche nach Holz, bei der Frauen und Kinder viele Tage ungeschützt in der Wildnis verbringen. Anstelle von Bonuspunkten wie Flugmeilen, Eintauschprämien etc. unterstützt die Climate-Credit Card Projekte, die den CO2-Ausstoss der Einkaufsnutzung in Projekte investieren. Das ist fair – und hilft der Natur. Mehr Information unter www.climatecreditcard.ch

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Rテシcksichtsvoll durch den Landschaftspark Binntal (VS)

Tierspuren im Winter 10窶クATURZYT


NATURZYT 11 NATUR ERFAHREN


Auf den Ernergalen gibt es einen attraktiven Schneeschuhtrail.

Es ist still geworden in den Wäldern des Landschaftsparks Binntal. Das Summen und Zirpen der Insekten ist verstummt. Die Vögel haben aufgehört zu singen. Die Pfiffe der Murmeltiere bleiben aus. In den Bergen liegt oft meterhoher Schnee, in den Nächten herrscht eisige Kälte, Nahrung ist schwer zu finden. Da fragt man sich, wie die Bergtiere eigentlich den Winter verbringen.

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ATURZYT geht auf Spurensuche und erkundet mit der Biologin Brigitte Wolf vom Landschaftspark Binntal, wie die Tiere den Winter im Park verbringen. Eine Strategie vieler Vögel ist es, der kalten Jahreszeit einfach zu entfliehen. Die Zugvögel fliegen im Herbst nach Südeuropa, Nordafrika oder noch weiter. Kürzere Wanderungen unternehmen die sogenannten Vertikalzieher wie Alpendohle oder Alpenbraunelle, die im Park leben. Das sind Hochgebirgsvögel, die im Winter in Täler und Dörfer hinunterkommen. Auch ein täglicher «Pendelverkehr» zwischen Berg und Tal lässt sich beobachten. Doch längst nicht alle Vögel verlassen uns im Herbst.

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Die meisten bleiben auch im Winter bei uns, darunter so kleine Geschöpfe wie das Wintergoldhähnchen, das in den Bergwäldern zu Hause ist. Die nur wenige Gramm schweren Vögelchen ernähren sich auch im Winter von Insekten, die sie in Ritzen und Spalten von Rinden, Wurzeln oder Moosen finden. Kleine Tiere – so nehmen wir an – haben es im Winter besonders schwer, erzählt uns Brigitte Wolf. Dabei kann ihre geringe Körpergrösse sogar ein Vorteil sein. Sie kommen an Orte hin, wo grosse Tiere keine Chance haben. So bewegen sich die Mäuse im Winter oft nicht auf, sondern unter dem Schnee. In der Krautschicht zwischen Boden und Schnee fällt die Temperatur nie weit unter null Grad.

IGLU UND SCHNEESCHUHE ERLEICHTERN DAS ÜBERLEBEN

Etwas grössere Tiere können sich nicht einfach unter den Schnee verkriechen. Das Schneehuhn lässt sich bei Schnee­ fall aber einfach einschneien und verharrt in seinem «Iglu», in dem die Temperatur nicht so weit sinkt wie ausserhalb, bis das Wetter wieder besser ist. Auch sonst ist das Schneehuhn hervorragend an das Leben im Winter angepasst. Es wechselt im Herbst sein braunes Sommerkleid gegen ein schneeweisses Federkleid, wodurch es in der Schneelandschaft hervorragend getarnt ist. An den Füssen hat es besonders viele Federn, die ein Ein­ sinken im Schnee verhindern. Ganz ähnlich verhält sich der Schneehase,


der im Herbst ebenfalls sein Kleid wechselt und auch mit «Schneeschuhen» ausgerüstet ist. Dass es dem Schnee­ hasen und allen andern Tieren nie zu kalt wird, dafür sorgt ein dicker Pelzmantel. Vor allem Raubtiere wie Hermelin, Marder, Fuchs, Dachs und Luchs besitzen im Winter ein besonders dichtes Fell mit viel Unterwolle. Aber auch die Huftiere wie Steinbock und Gämse wechseln im Herbst und Frühling ihr Fell. FRESSEN, FRESSEN UND FRESSEN ODER VORRÄTE ANLEGEN

Wer den Winter nicht schlafend verbringt wie das Murmeltier, ­verbraucht in der kalten Jahreszeit besonders viel Energie. Die meisten Tiere legen sich vor Einbruch des Winters zwar möglichst grosse Fett­ reserven an, dennoch reichen diese nicht bis zum Frühling. Da Nahrung

im Winter besonders knapp ist, verbringen die Tiere deshalb oft den ganzen Tag mit der Suche danach. Sie halten sich dabei gerne an Sonnen­ hängen, und vom Wind schneefrei gefegten Rippen und Rücken auf. Einige Tiere legen sich für den Winter Vorräte an. Das Eichhörnchen etwa, das den Winter je nach Wetter abwechselnd schlafend und wach verbringt, versteckt im Herbst zum Beispiel Haselnüsse. «Weltmeister» im Vorräteanlegen und vor allem im Wiederfinden ist jedoch der Tannen­ häher. Im Herbst sammeln die braunweiss gesprenkelten Vögel Tausende von Arvennüsschen und verstecken sie an unterschiedlichen Orten. Dank einem phänomenalen Gedächtnis finden sie die Vorräte auch unter meterhohem Schnee wieder. Für einige wenige Tiere bringt der Winter sogar Nahrung im Überfluss. Der Fichtenkreuzschnabel,

ein finkengrosser Vogel mit über­ kreuztem Schnabel, ernährt sich von allem von Föhren- und Tannensamen, die im Winter reif werden. So kommt es vor, dass die Kreuzschnäbel mitten im Winter ihre Jungen aufziehen.

Die Alpenbraunelle, eine Hochgebirgsbewohnerin, wird im Winter oft im Tal angetroffen.

Tierspuren im Winter rücksichtsvoll erkunden Wild beobachten im Winter Am Sonntag, 9. Februar 2014, kann man mit Jäger Klaus Agten Wildtiere im Winter beobachten. Von der Talstrasse zwischen Binn und Fäld aus kann man mit dem Fernrohr und mit etwas Glück gleich alle vier Schalenwildarten – ­Gämse, Steinbock, Hirsch und Reh – beobachten. Klaus Agten erklärt den Teilnehmern, wie man die verschiedenen Arten voneinander unterscheidet, warum die Tiere den Winter trotz Kälte und Schnee überleben, wie wir auf die Tiere Rücksicht nehmen und unnötige Störungen vermeiden können und vieles mehr. Treffpunkt ist auf dem Dorfplatz von Binn – mitzunehmen sind warme Kleider, gute Schuhe, evtl. Fernglas. Kosten Erwachsene CHF 15.00, Kinder CHF 6.00. Führung von 13.30 bis 16.30 Uhr.

Das Alpenschneehuhn wechselt im Frühling und im Herbst sein Federkleid. Im Winter ist es schneeweiss.

Rücksichtsvoll Schneeschuh laufen Der Winter ist für die Wildtiere eine harte Zeit, die sie nur mit geschickten Strategien überleben können. Mit ein paar einfachen Regeln können wir auf die Wildtiere Rücksicht nehmen und den Wintersport dennoch in vollen Zügen geniessen. Am Sonntag, 16. Februar 2014, erfahren wir auf einer Schneeschuhwanderung mit dem Bergführer Hanspeter Berchtold und der Biologin Brigitte Wolf, wie wir rücksichtsvoll und ohne schlechtes Gewissen ­Schneeschuh laufen können. Treffpunkt ist beim Bahnhof Niederwald – mitzunehmen sind Schneeschuhe und Verpflegung. Kosten Erwachsene CHF 15.00, Kinder CHF 6.00. Führung von 13.15 bis 16.30 Uhr.

Die Alpendohle fliegt im Winter oft ins Tal, um nach Nahrung zu suchen.

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Während im Sommer eine reichhaltige Flora und Fauna im Landschaftspark zu beobachten ist, verbringen die Blumen beziehungsweise deren Kraut den Winter unter einer dicken Schnee­ decke. Dennoch können einige Tiere mit etwas Glück auch im Winter beobachtet werden. Und wenn die Tiere selbst sich nicht zeigen, dann verraten die Spuren im Schnee ihre Anwesenheit. WINTEREINSTANDSGEBIET FÜR HUFTIERE

Im Landschaftspark Binntal leben alle vier Huftierarten der Schweiz: Steinbock, Gämse, Rothirsch und Reh. An den steilen sonnigen Südhängen, wo der Schnee auch im Winter nie lange liegen bleibt, finden die Huftiere ideale Bedingungen, die kalte Jahreszeit zu überleben. Sehr gut lassen sich diese Tiere zum Beispiel zwischen Binn und Fäld beobachten. Von der Strasse aus kann man ihnen mit dem Fernrohr beim Äsen zuschauen. Im Landschaftspark Binntal leben aber auch Fuchs, Marder, Schneehase, Birkhuhn, Schneehuhn usw. Wie für die Huftiere ist der Winter für alle Tiere eine schwierige Zeit. Futter ist Mangelware. Die Tiere müssen von ihren Reserven zehren, die sie sich im Sommer und Herbst angefressen

Die äusserst seltene Rötliche Bernsteinschnecke misst nur wenige Millimeter.

haben. Es ist deshalb wichtig, dass sie möglichst wenig gestört werden; denn wenn sie fliehen müssen, verbrauchen sie viel wertvolle Energie. Bei unseren Ausflügen im Winter sollten wir deshalb Rücksicht auf die Wildtiere nehmen und ein paar Regeln beachten: – Beachten Sie Wildruhezonen und Wildschutzgebiete – sie sind Rückzugsgebiete für Wildtiere – Bleiben Sie im Wald auf den markier­ ten Routen und Wegen – so können sich Wildtiere an Menschen gewöhnen – Meiden Sie Waldränder und schneefreie Flächen – sie sind die Lieblingsplätze der Wildtiere – Führen Sie Hunde an der Leine, insbesondere im Wald. – Wenn Sie Tiere sehen, verhalten Sie sich ruhig und lassen ihnen Zeit, sich zurückzuziehen WENN DER FRÜHLING ERWACHT

Wenn die ersten warmen Sonnenstrah­ len, die Schneedecke zum Schmelzen bringen und die Temperaturen wieder steigen, erlebt man im Landschaftspark Binntal eine grosse Vielfalt an Tieren und Pflanzen. Das Binntal gilt unter Naturkennern als Tal voller verborgener Schätze. Wer dann mit offenen Augen durch den

Landschaftspark geht, wird viele kleine und grosse Kostbarkeiten finden. Im Landschaftspark Binntal wurden bis heute 184 Tier- und Pflanzenarten der Roten Liste entdeckt! Die Vielfalt an Lebensräumen im Landschaftspark Binntal ist beachtlich: Flachmoore, trockene Magerrasen, dunkle Fichtenwälder, karge Alpweiden, saftige Wiesen, Gletschervorfelder, lichte Föhrenwälder, dunkle Bergseen, Felsensteppen, alte Äcker und alpine Auen, um nur einige zu nennen, bilden ein abwechslungsreiches und vielfältiges Mosaik. Natürliche Faktoren, wie das Klima, die Exposition und der vielfältige geologische Untergrund, führten zu dieser Vielfalt. Dazu kommt die traditionelle Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Flächen, die die hohe Biodiversität zu einem grossen Teil überhaupt erst ermöglichte. Bekannt ist das Binntal vor allem für die vielen seltenen Blumen. Auf dem Hügel Kalberweid bei Grengiols blüht in der zweiten Maihälfte die Grengjer Tulpe, eine Wildtulpe, die weltweit nur hier blüht. In der Twingischlucht zwischen Ausserbinn und Binn wächst die Walliser Levkoje. Weiter hinten im Tal leuchtet im Juni der Frauenschuh im lichten Wald. Und im Sommer stösst man in den Bergen mit etwas Glück neben den bekannten Alpenblumen auch auf die Alpenakelei, die Gold­ primel, die Ausgeschnittene Glocken­ blume, Hallers Primel, Schleichers Enzian, den Weiden-Baldrian usw. Aber auch unter den Vögeln, Schmetterlingen und Heuschrecken finden sich im Park viele bedrohte Arten. Eine wirkliche Rarität bildet jedoch die wenige Millimeter grosse Rötliche Bernsteinschnecke, welche in der Schweiz nur ganz im Osten in Grau­ bünden und in der Twingischlucht lebt. TAL DER MINERALIEN

Das Binntal ist in Insiderkreisen bekannt für seine Mineralien. An die 200 verschiedene Mineralien wurden im Tal bisher gefunden. Die Mineralien­ grube Lengenbach gehört zu den zehn berühmtesten Mineralienfundstellen der Welt. Im charakteristischen weissen Dolomit des Lengenbachs führte ein

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Landschaftspark Binntal Postfach 20, 3996 Binn Telefon 027 971 50 50 info@landschaftspark-binntal.ch www.landschaftspark-binntal.ch

spezieller Mineralisierungs-Prozess zur Bildung von höchst ungewöhnlichen und einzigartigen Mineralien. Mehr als ein Dutzend davon wurden nirgendwo sonst auf der Welt entdeckt. Einige tragen Namen aus der Region, wie Lengenbachit, Binnit, Wallisit oder Cervandonit. Der Frühling kann kommen – doch bevor es so weit ist, gehen wir rücksichtsvoll durch den Winter. Text Brigitte Wolf, Michael Knaus Fotos Brigitte Wolf

Auf alten Roggenäckern von Grengiols blüht eine Wildtulpenart, die sonst nirgends auf der Welt gefunden werden kann.

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NATUR ERFAHREN

Wissenswertes Der Landschaftspark Binntal erhielt im Jahr 2011 das Bundeslabel «Regionaler Naturpark von nationaler Bedeutung». Der Park liegt im Oberwallis und umfasst die sechs Gemeinden Binn, Ernen, Grengiols, Bister, Niederwald und Blitzingen. Das Gebiet ist nur dünn besiedelt. Auf einer Fläche von 180 Quadratkilometern wohnen nur gerade 1300 Leute. Unzählige Kilometer markierte Wanderwege laden ein, das Gebiet zu Fuss zu erkunden. Auch im Winter! Niederwald und Blitzingen sind Ausgangspunkte für gut präparierte Winterwanderwege. In Blitzingen, Ernen, Binn und in Fäld, einem der ursprünglichsten Weiler im Oberwallis, starten mehrere markierte Schnee­­schuh ­trails von unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad.


Wenn das Murmeltier schläft,

ist viel los im Natur- und Tierpark Goldau

Im Natur- und Tierpark Goldau begegnen sich die Bären und Wölfe in der Gemeinschafts­ anlage mit Respekt.

Still und verträumt liegt der Natur- und Tierpark Goldau unter einer Schneedecke. Wer jedoch glaubt, dass in der kalten Jahreszeit alle Tiere Winterschlaf halten, irrt gewaltig. Im Winter ist der Park ein Eldorado für Tierbeobachter. Auf dem 34 Hektar grossen Gebiet leben über hundert mehrheitlich in Europa beheimatete Wildtierarten.

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Steingeiss mit Jungtier. Sind Gras und Kräuter von Schnee bedeckt, fressen Steinböcke auch Stauden, Flechten und Moose.

NATUR ERFAHREN

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er im Winter wach bleibt, muss geeignete Überlebensstrategien haben. Den Säugetieren wächst im Herbst ein Winterfell aus längeren Deckhaaren und dichterer Unterwolle, das vor Wärmeverlust schützt. Vögel hingegen sind durch ihr dichtes und gut gefettetes Gefieder bestens geschützt. Ihre unbefiederten Beine werden einfach weniger stark durchblutet. Fische leben im Winter auf Sparflamme. Wird das Wasser kühler, sinkt auch ihre Körpertemperatur und sie ziehen sich ins tiefere Wasser zurück, wo konstant vier Grad Celsius herrschen. Durch das grosse Fenster der Tauch­ station kann dies im Natur- und Tier­ park Goldau sehr gut beobachtet werden. Murmeltiere verschlafen die kalten Monate. Ihr Lebensraum, die Berg­ region, bietet nur wenige Monate Futter. Die Tiere nutzen die kurze Zeit intensiv zur Nahrungsaufnahme. Kurz vor dem Winterschlaf haben erwachsene Tiere rund ein Kilogramm Fettreserven angefressen. Die Murmeltiere im Natur- und Tierpark Goldau werden jeden Herbst eingefangen und ­verbringen die kalte Jahreszeit in einem Winterquartier ausserhalb des Parks. Da – eine Spur! Von welchem Tier sie wohl stammt? Der Hufabdruck zeigt, sie ist von einem Mufflon. Schon schaut ein Widder interessiert um die Ecke. Weiter oben steht eine Gruppe Sika­ hirsche und wartet auf Streicheleinheiten. Die grosse Freilaufzone ermöglicht hautnahen Kontakt zu den Tieren. Sie dürfen nicht nur gestreichelt, sondern auch mit speziellen Würfeln gefüttert

Der Mufflon-Widder trägt einen imposanten Kopfschmuck. Die Hörner wachsen ein ganzes Leben lang.

werden. Mit geübtem Auge erkennen die Tiere, wer Leckerbissen mit sich führt, und sind schnell zur Stelle. Mufflons lieben gebirgige Landschaften, und die Sika­h irsche schätzen die vielen Bäume, die das Tierparkgelände prägen. GEFIEDERTE BRAUTSCHAU AUF DEM WASSER

Auf dem Blauweiher, einem der beiden Naturweiher, herrscht reges Treiben – es  ist Balzzeit und die Männchen gehen auf Brautschau. Am Weiher kann jetzt mitverfolgt werden, wie mit Geklapper, eindringlichem Trompeten oder ­a krobatischen Balztänzen um Beachtung gebuhlt wird. Die Männchen der Stockenten gehen aufs Ganze. Im Schilf gut getarnt entledigten sie sich im Sommer ihrer Federn. Während rund vier Wochen waren sie flugunfähig. Jetzt zeigen sie sich im nagelneuen farbigen Winterkleid, denn nur so lässt sich die Gunst der Angebeteten ­gewinnen.

Für die Balz hat sich der StockentenErpel ein farbiges Federkleid zugelegt.

IM REICH VON MEISTER PETZ UND ISEGRIM

Mit federndem, elegantem Schritt kontrolliert der Wolf sein Revier. Er ist der Leitrüde und lebt mit seinem Rudel Seite an Seite mit den Syrischen Braunbären in der Gemeinschaftsanlage für Bär und Wolf. Die 4 Hektar grosse Anlage wurde 2009 eröffnet. Sie ist in dieser Grösse einzigartig in Europa. Das zerklüftete Gebiet mit Bäumen und Felsen bietet den Tieren genügend Rückzugsmöglichkeiten. Im Natur- und Tierpark Goldau sind im Winter nur die älteren Bären träge. Sie beschränken ihre Aktivitäten und fressen nur wenig. Die jüngeren Tiere spielen im Schnee und gehen gerne auf Futtersuche. Um an ihre Nahrung zu gelangen, müssen sie sich jedoch anstrengen und bewegen. In der Anlage verteilt stehen fünf Boxen, die Futter enthalten. Für jeden Bären steuert ein Computer die Futterfreigabe an den einzelnen Boxen zu verschiedenen Zeitfenstern. Trifft der Bär den richtigen Zeitpunkt an einer Box, gibt sie ihm ein Handvoll Futter frei. Wie in der Natur gibt es nicht jeden Tag gleich viel zu fressen. Auch der Wolf muss sich sein Futter suchen. Beide Tierarten sind bei ihren Streifzügen sehr gut zu sehen. Ein besonderes Erlebnis ist die kommentierte Fütterung an Sonntagen, an denen die Zuschauer viel Wissenswertes über das gemeinsame Leben der Tiere in der Anlage erfahren.

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Ein Luchs im Winterpelz mit mähnen­ ähnlichem Backenbart.

GROSSE ARTENVIELFALT

Luchse, Wildkatzen, Steinböcke, Gämsen, Zwerggeissen – das sind nur einige der Tiere, die auch im Winter im Natur- und Tierpark Goldau sehr aktiv sind. Ihre Spuren sind im Schnee gut auszumachen. Dreimal grösser als die einer Hauskatze sind die Pfotenspuren des Luchses. Das garantiert, dass er im Tiefschnee nicht einsinkt. Im Winter trägt der Luchs einen mähnenähnlichen Backenbart. Das Winterfell ist eher grau, dichter und die Flecken sind weniger ausgeprägt. In der Schweiz leben zwei Luchspopulationen, die eine im Jura und die andere in den Alpen. Die Tiere sind nachtaktive Einzelgänger. Deshalb bekommt man Luchse kaum je zu Gesicht. Im Februar und März ist Paarungszeit. Das Paarungsritual kann im Tierpark hautnah mitverfolgt werden. Wildkatzen sind das ganze Jahr über aktiv. Schnee kann für sie allerdings zu einem Problem werden. Im Gegensatz

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zum Luchs sinken sie schnell ein. In der Natur wird die Futtersuche schwierig. Ihre Hauptbeute, die Mäuse, sind unter der Schneedecke nur schwer ausfindig zu machen. Deshalb leben Wildkatzen nicht in schneereichen Gebieten. Im Natur- und Tierpark Goldau wird das Futter zwar versteckt, mit etwas Geschick kommen die Tiere jedoch gut an ihre Nahrung. Wie machen das eigentlich die Steinböcke? Selbst noch so steiles Gelän­

Im Winter liegt eine mystische Stimmung auf dem Blauweiher.

de kann den Kletterkünstlern nichts anhaben. Ihre Klauen sind an den gebirgigen Lebensraum angepasst. Verhornte Aussenränder sorgen für Trittfestigkeit und die weichen Ballen verhindern das Abrutschen. Von Ende November bis im Januar ist Brunftzeit. Als Zeichen von Macht und Potenz setzen die Böcke ihre imposanten Hörner ein. Es sind aber schlussendlich die Geissen, die entscheiden, mit wem sie sich paaren.


Wissenswertes

ALLES BEGANN MIT EINER KATASTROPHE

EDUKATION, FÜHRUNGEN UND VERANSTALTUNGEN

Vor über 200 Jahren stürzte ein gewaltiges Felsmassiv vom Rossberg ins Tal und löschte Goldau fast vollständig aus. Über 100 Jahre später entstand an dieser Stelle der Natur- und Tierpark Goldau. Die grosszügigen Tieranlagen liegen zwischen grossen Felsblöcken und geben dem Innerschweizer Park einen unvergleichlichen Charme. Auf einem relativ kleinen Gebiet herrscht heute eine beachtenswerte Vielfalt an Pflanzen und Tieren, und auch sehr seltene Arten finden hier einen Lebensraum. Als wissenschaftlich geführter Zoo und Mitglied der WAZA (World Association of Zoos and Aquariums) hat sich der Natur- und Tierpark Goldau verpflichtet, seine Tiere bestmöglich zu halten, neues Wissen zu schaffen, dieses der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und aktive Erlebnisse mit Tieren zu ermöglichen.

Der Park bietet stufengerechte Führungen und Workshops für Schul­ klassen und führt Weiterbildungen für Lehrpersonen durch. Gruppenführungen: Auf Themen­ führungen erfahren Teilnehmende unter kundiger Leitung viel Wissens­ wertes über die Tiere. Die Exkursionen werden individuell an die Interessen der Gruppe angepasst. Kosten ab  10 Teilnehmenden je nach Thema CHF 100.– bis CHF 150.–. Das ganze Jahr finden im ­ Natur- und Tierpark Goldau spannende Veranstaltungen statt. Das Winter-­Programm kann auf www.tierpark.ch/aktuell/index.htm im PDF-Format heruntergeladen werden. Text / Fotos Condi Scherrer, Natur- und Tierpark Goldau

Dieses Hausschwein spielt sichtlich vergnügt im Schnee.

Öffnungszeiten Täglich geöffnet ab 9 Uhr. 1. April bis 31. Oktober bis 18 Uhr Sa / So und Feiertage bis 19 Uhr 1. November bis 31. März bis 17 Uhr Eintritt Erwachsene CHF 18.– Kinder 6 –16 Jahre CHF 10.– Gruppen ab 10 Personen CHF 16.– Familien CHF 50.– Allgemeines: Erreichbar in 5 Gehminuten ab Bahnhof Arth-Goldau. Für Auto­ reisende sind Parkplätze ­vor­handen. Der Park ist rollstuhl­ gängig. Es steht ein Elektroscooter zur Verfügung (Reservation notwendig). Infrastruktur: ­A benteuerspielplätze, Grillund Picknickstellen. Selbst­ bedienungs-Restaurant mit 100 Sitzplätzen. Der Tierparkshop führt neben Souvenirs päda­ gogisch wertvolle Spielsachen und Behausungen für Vögel, Fledermäuse und Wildbienen.

Der Naturund Tierpark Goldau im Winterkleid.

Natur- und Tierpark Goldau Parkstrasse 40 6410 Goldau Telefon 041 859 06 06 info@tierpark.ch www.tierpark.ch

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Regional entstanden – national gerettet

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Nur wenige der letzten Kupferhalsziegen leben in ihrem Ursprungsgebiet im Wallis.

S

ein Name verrät die Herkunft des Bündner Oberländer Schafes. Es stellt mit seinen Nalpser, Vriner und Somvitger Wurzeln den klassischen Alpenschaf-Typ dar. Betrachtet man die geografische Verteilung der heute lebenden Tiere, so fällt auf, dass die alte Rasse in ihrer Heimat kaum vertreten ist, dafür aber in weiten Teilen der Voralpen und des Mittellandes. Dieses Phänomen ist bei vielen alten Nutztierrassen zu beobachten – es erzählt uns von der Geschichte ihrer Rettung. Auch bei den ProSpecieRara-Rettungsprojekten für akut bedrohte Rassen, wie z.B. die Capra Grigia oder die Kupferhalsziege, zeigt sich dasselbe Bild. Wie kommt das? Gerät eine Rasse in die Gefahr, für immer auszusterben, passiert ihr dies in ihrem ­u rsprünglichen Habitat. Aus vielerlei Gründen kommt sie bei der Wahl der Bauern nicht mehr in die Kränze. Oft ist der Grund dafür, dass sie weniger Fleisch oder Milch liefert als eine moderne ­L eistungsrasse. Aber auch die Abwesenheit eines Netzwerks von gleichgesinnten Züchtern in Form ­eines Vereins sowie das Ausbleiben von ­A nerkennung für die Tiere führt zur kulturellen Entwurzelung einer Rasse. DIE FASZINATION DES SELTENEN

Hier kommt ProSpecieRara auf den Plan, recherchiert nach den letzten verbliebenen Tieren und macht auf das drohende Verschwinden aufmerksam. In der Folge berichten die Medien fasziniert über ein fast verlorenes Stück Kulturgut und helfen so, Menschen zu motivieren, bei der Rettung aktiv mitzuhelfen. Fast immer handelt es sich dabei um Leute, die ausserhalb der ursprünglichen Heimat der seltenen Rasse wohnen. Das «ProSpecie­R araPhänomen», die Motivation und Freude also, die Menschen aus dem Bewusstsein ziehen, raren und bedrohten Tieren eine Perspektive zu geben, scheint mit der Entfernung zum Ursprungsort der Rasse zuzunehmen. Da genau diese Motivation der Motor vieler Erhaltungsprojekte ist, erfolgt der Wieder­ aufbau der Bestände der traditionellen Alpenrassen vor allem im Mittelland und in den Voralpen.

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NATUR BEWAHREN

Fast alle alten Tierrassen, die bis heute überlebt haben, stammen aus dem Alpenraum. Deren Rettung und Erhaltung spielen sich jedoch oft nicht in ihrem Ursprungsgebiet ab. Was aus kulturellen Gründen und aus Sicht traditioneller Tierhaltung auf den ersten Blick irritiert, ergibt für ein Rettungsprojekt durchaus Sinn.


Jedes Päckli macht Freude. Ganz besonders dieses.

Adoptieren Sie noch heute online: wwf.ch/adoptionen

Tun Sie Gutes, und dies gleich doppelt: Mit einer symbolischen Adoption für eine bedrohte Tierart und ihren Lebensraum. Und mit einem Geschenk für jemand, den Sie gern haben. Für 80 Franken erhalten Sie die attraktive WWF-Tieradoptionsbox, «Tiger», «Eisbär», «Delfin», «Panda» oder «Braunbär» inklusive Plüschtier und Informationsflyer. Helfen auch Sie, zeigen Sie Ihr Engagement. Für Bestellungen, die bis zum 16.12.2013 aufgegeben werden, garantieren wir Lieferung vor Weihnachten.


Bünder Oberländer Schaf auf einem Betrieb im luzernischen Willisau. Im Exil gerettet und wieder zurück in der Heimat: Engadinerschaf. VIELE KLEINE STATT WENIGE GROSSE HERDEN


Verstärkt wird dieser Effekt durch die bewusste Projekt-Strategie, möglichst viele kleinere Zuchtgruppen dezentral aufzubauen. Ein Unterfangen, das nicht immer einfach ist, denn die motivierten Tierhalter sehen gerne, wie ihre Herden wachsen. Hier kommt es ProSpecieRara entgegen, dass kleinere Hobby- oder Nebenerwerbsbetriebe nicht unlimitiert Stallplätze besitzen und schon nach wenigen Jahren aus Platzgründen Tiere abgeben müssen. Nebst dem geringeren Risiko, viele Tiere auf einmal, z.B. durch Krankheit oder Unfall, zu verlieren, werden in vielen kleineren Herden zudem mehr männliche Zuchttiere gehalten, als dies in wenigen grossen Gruppen der Fall wäre. Und genau das ist für den Aufbau einer gesunden Population mit möglichst wenig Inzuchtproblemen ein ­gewaltiger Vorteil.

ProSpecieRara-Agenda Führungen durch den ProSpecieRara-Zierpflanzenschaugarten Montag, 14. April, und Dienstag, 10. Juni 2014, 17.30 bis 18.30 Uhr Erlacherhof, 3011 Bern Führung zu den Jungtieren bei ProSpecieRara Mittwoch, 23. April, 14:00 Uhr ProSpecieRara-Hauptsitz, in den Merian-Gärten, 4052 Basel Tomatensetzlingsmarkt, Zürich Freitag, 25. April 2014, 14.00 bis 19.00 Uhr bis Samstag, 26. April 2014, 9.00 bis 13.00 Uhr Stadtgärtnerei Zürich

ZURÜCK IN DIE HEIMAT

Schön ist es zu sehen, wenn nach Jahren beharrlicher Bemühungen, die Bestände erstarken und eine Wiederbesiedlung der ursprünglichen Heimat beginnt. So zogen in den vergangenen Jahren wieder vermehrt Engadinerschafe auf Höfen im Engadin ein. Auch sie waren in ihrem Ursprungsgebiet quasi verschwunden, während die Rasse im Unterland überlebte. Die genügsamen und stolzen Schafe mit ihren charakterstarken Köpfen und ihren typischen Hängeohren, im Engadin zu sehen, motiviert mich ungemein und ist eine schöne Bestätigung für die unermüdliche Arbeit aller Züchterinnen und Züchter. Text / Fotos Philippe Ammann, Bereichsleiter Tiere ProSpecieRara

Setzlingsmarkt Wildegg/AG Samstag, 3. Mai 2014, und Sonntag, 4. Mai 2014, jeweils 9.00 bis 17.00 Uhr Schloss Wildegg, 5103 Wildegg AG Schafschur im Tierpark Lange Erlen Basel Mittwoch, 7. Mai 2014, 15.00 Uhr bis 16.30 Uhr Tierpark Lange Erlen, Basel Setzlingsmarkt Wil/SG Samstag, 10. Mai 2014, 9.00 Uhr bis 17.00 Uhr Gärtnerei der Psychiatrischen Klinik, 9500 Wil SG Mehr Informationen unter: www.prospecierara.ch/de/veranstaltungen

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Die ProSpecieRara-Sorten sind grundsätzlich für jedermann frei zugänglich.

Patente gefährden die Biodiversität – ein Kommentar Was hat ein Patent auf einen Automotor mit einem Patent auf ein natürliches Maisgen gemeinsam? Eigentlich nichts! Und dennoch werden beide Patentansprüche gleich behandelt. Die ­Auswirkungen auf die Biodiversität und unsere Ernährungs­ sicherheit sind verheerend. 24 NATURZYT


EUROPA HAT NACHGERÜSTET

Was ist geschehen? Eigentlich gab es seit Jahrzehnten bereits eine erprobte Möglichkeit für Züchter, ihre neu gezüchteten Sorten über das Sortenschutzsystem schützen zu lassen und damit exklusive Verwertungs­-­ ansprüche auf ihre Neuentwicklungen zu erheben. Viele Saatgutfirmen gediehen und entwickelten sich auch ohne den Patentschutz prächtig ­– und doch ... Der Patentschutz, der in den USA mit Beginn der Gentechnik stark ausgeweitet wurde, versprach den Züchterfirmen einen deutlich erweiterten Schutz ihrer Produkte und damit höhere Profite. Die EU, die das Thema Biotechnologie im Vergleich zu den USA lange vernachlässigt hatte, kam plötzlich unter Druck und passte ihre rechtlichen Grundlagen im Hauruckverfahren an, um der Konkurrenz gewachsen zu sein. Mit der 1998 verabschiedeten Biopatentrichtlinie wurden auch in Europa Patente auf Leben ermöglicht. Trotz grosser Widerstände aus der Zivilgesellschaft wurden auch die nationalen Patentgesetze nach und nach den EU-Vorgaben angepasst – so auch in der Schweiz.

Verfügung stehen? Die Antworten auf diese Fragen finden wir mit grosser Wahrscheinlichkeit im Patentgesetz, den dazugehörigen Verordnungen und vor allem in verschlungenen, gerichtlichen Aus­legungen derselben. Dieser Zustand ist kaum nachvollziehbar und absolut inakzeptabel! FREIES SAATGUT
FÜR EINE GESICHERTE ERNÄHRUNG


Es müssen dringend neue Wege gefunden werden, wie Bauern (vor allem in den sogenannten ­Ent­w icklungsländern) den Zugang zu nachbau­ fähigem, ihren Bedingungen angepasstem Saatgut behalten (und wiedererlangen) und wie Züchter unter rechtlich sicheren Bedingungen ihrer Arbeit nachgehen können, damit die Ernährungssicherheit weltweit garantiert werden kann. Zu stärken sind die vielen bereits heute ­existierenden ermutigenden Ansätze, in denen z.B. die Zivilgesellschaft zusammen mit professionellen Züchtern versucht, alternative Konzepte zu ­ent­w ickeln. Nicht zuletzt ist auch die Arbeit von ProSpecieRara ein Teil der Lösung, da dank ihr heute und in Zukunft viele Menschen auf eine sehr grosse Anzahl von Sorten zurückgreifen können, die frei verfügbar und nachbaubar sind.

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n jahrelanger Feinarbeit haben es die Juristen der Saatgutkonzerne und EU-Behörden gemeinsam mit den Vollstreckern des ­Euro­päischen Patentamtes geschafft, ein komplexes juristisches Gebäude um die Patente auf Leben zu errichten. Das Ziel dieses Werkes scheint darin zu bestehen, dass es jedem sogar naturwissenschaftlich gebildeten, aber eben nicht juristisch beschlagenen Menschen verunmöglicht wird, den heutigen Debatten noch folgen zu können. Die Absurdität der Situation hat ein derartiges Ausmass erreicht, dass selbst viele Züchterfirmen, die eigentlich in erster Linie von den Patenten auf Leben profitieren sollten, mit der aktuellen Situation nicht mehr leben bzw. überleben können. Es sieht ganz danach aus, als ob einige, vor allem mittel­ ständische Saatgutfirmen die Geister, die sie in den 1980er-Jahren riefen, gerne wieder los wären.

Text Béla Bartha, Geschäftsführer ProSpecieRara Fotos ProSpecieRara

JURISTEN- STATT ZÜCHTERWISSEN ENTSCHEIDET


Heute können wir nur noch verständnislos den Kopf über verschiedene patentrechtliche Auswüchse schütteln. Wie ist es beispielsweise möglich, dass nicht mehr nur eindeutig technische Erfindungen (wie es der Automotor zweifellos war) geschützt werden können, sondern auch Entdeckungen in der Natur – wie bereits vorhandene Gensequenzen – Patentschutz erhalten? Wie ist es möglich, dass Pflanzen, die über herkömmliche Kreuzungszüchtung entstanden sind, plötzlich patentierbar sind? Wie kann es möglich sein, dass Pflanzen den Patentschutz nach 25 Jahren nicht automatisch verlieren und damit der Allgemeinheit wieder frei zur

In der Samenbibliothek von ProSpecieRara lagert Saatgut von über 1250 Gemüse- und Zierpflanzensorten – ein unschätzbar wertvolles Gut.

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Claudias naturnaher Garten

Winterzeit – Zeit, sich ein paar Gedanken rund um den Garten zu machen Getrocknete Samenstände der Iris.

Liebe garten- und naturbegeisterte Leserinnen und Leser, Der Winter steht vor der Tür und zwingt uns, alles etwas gemächlicher zu nehmen. Der ideale Moment, sich ein paar Gedanken über den Garten zu machen. Für einmal nicht über Beetbepflanzungen oder saubere Gartengeräte, nicht über neue Züchtungen oder Düngemittel, sondern vielmehr über den Sinn, einen Garten zu haben, und die Verantwortung, mit dem uns zur Verfügung gestellten Boden sorgfältig umzugehen. 26 NATURZYT


DER GARTEN – EIN BEGRENZTES STÜCK LAND

Die Definition von Garten steht im Duden wie folgt: «Ein begrenztes Stück Land (am/um ein Haus) zur Anpflan­ zung von Gemüse, Obst, Blumen oder Ähnlichem.» Ich würde gerne diese Definition noch mit folgenden Worten ergänzen: «Ein Stück Boden, das uns die Natur zur sorgfältigen Bearbeitung und für einen respektvollen Umgang überlassen hat.» Wenn ich heute durch die Schweizer Landschaft fahre, fallen mir vor allem die monotonen Siedlungen auf, alles sauber, ja fast schon steril, alles sieht gleich aus, hier wird weder etwas angebaut noch sorgfältig oder respektvoll mit dem Stück Boden u ­ mgegangen. RESPEKTVOLL UMGEHEN

Unter einem respektvollen Umgang verstehe ich, dass wir möglichst viele heimische Lebewesen, ungeachtet ihrer Aufgabe, ihres Daseins, ihrer Lebensweise, achten und ihnen die entsprechenden Lebensgrundlagen

Phlomis-Samenstand mit Schneehut.

bieten, die sie zur Erfüllung ihrer Aufgaben benötigen. Woher nehmen wir das Recht, Tiere in Nützlinge und Schädlinge einzustufen oder Pflanzen als Unkräuter abzustempeln? Jede pflanzliche und tierische Art hat im gesamten Ökosystem wichtige Aufgaben und Funktionen, nur wir Menschen denken immer, wir kämen ohne alles zurecht und es sei egal, wenn die eine oder andere Art fehle. Wir Menschen sind nur eine von vielen, vielen Arten auf diesem Planeten, die gerne eine artgerechte Umgebung haben, warum bieten wir das nicht auch anderen an? Schliesslich ist es das Zusammenspiel aller Arten, das ein Leben auf der Erde langfristig erfolgreich und nachhaltig sein lässt. SAGENHAFTES ZUSAMMENSPIEL DER NATUR

Wir haben uns so weit von der Natur entfernt, dass wir uns vor vielem ekeln, dass wir mehr Angst vor Zecken haben als vor Autos, dass wir keine Ahnung mehr haben von den fantastischen Vorgängen in der Natur, von dem sagenhaften Zusammenspiel von Jägern und Beutetieren, von Nützlingen und Schädlingen oder von Pflanzen und Tieren. Gerne erzähle ich Ihnen an dieser Stelle das wunderbare Zusammenspiel zwischen einem Schmetterling, dem dunklen Wiesen­ knopf-Ameisenbläuling, und den Ameisen. Die Raupen des Wiesen­k nopfAmeisenbläulings ernähren sich ausschliesslich von den Blüten des grossen Wiesenknopfs. Deshalb legt auch das Schmetterlingsweibchen seine Eier einzeln auf die noch nicht geöffneten Blüten. Die geschlüpften Raupen fressen eine Weile im Innern der Blüten. Nach einer gewissen Zeit lassen sie sich auf den Boden fallen und warten, bis ihre Wirts­ ameise, die Rote Garten­ ameise oder die Trocken­ rasen-Knotenameise, daherkommt und sie mitnimmt in ihren Amei­ senbau. Ja, warum tut sie das? Natürlich weil sie etwas erhält dafür, und zwar ein zuckerhaltiges Sekret, das die Ameisen so sehr lieben, dass sie

in Kauf nehmen, dass die Raupen die Eier und Ameisenlarven fressen. Die Raupen können sogar den Nestgeruch der Ameisen imitieren, so dass diese von den Ameisen wie ihre Brut gepflegt werden. Die Raupen überwintern und verpuppen sich im Frühling im ­A meisenbau. Nach dem Schlüpfen aus der Puppe muss der Schmetterling jedoch sofort das Ameisennest ver­ lassen, denn die Tarnung funktioniert nicht mehr und die Ameisen würden jetzt beginnen ihn aufzufressen. Dieses Zusammenspiel finde ich hochspannend, und davon gibt es unzählige. Doch damit so etwas funktioniert, braucht es für dieses Beispiel in einem Garten den Grossen Wiesenknopf und Ameisen. Fehlt beispielsweise die Ameise, kann sich die Raupe nicht weiter als bis zum Stadium, in dem sie zu Boden fällt, entwickeln, dann verhungert sie. AMEISEN UND BLATTLÄUSE

Gerne erzähle ich Ihnen noch ein anderes Beispiel mit Ameisen, die sind ja so zahlreich im Garten vorhanden: Die Art und Weise, wie Ameisen und Blattläuse zusammen funktionieren respektive wie Ameisen sich Blattläuse halten. Blattläuse ernähren sich vom Saft der Pflanzen, sie beissen also in den Stängel und saugen den Saft heraus. Was sie davon nicht brauchen, also Zucker und Wasser, scheiden sie aus. Diesen sogenannten Honigtau lieben die Ameisen so sehr, dass sie die Blattläuse wie Haustiere halten, sie gegen Feinde beschützen und sie sogar am Morgen an eine Futterstelle bringen und am Abend wieder in den Ameisenbau zurückholen. Als Lohn dafür winkt den Ameisen, wenn sie die Blattläuse in den Hintern zwicken, der zuckersüsse Honigtau. Faszinierend, was die Welt der Insekten alles zu bieten hat. Darum greifen Sie nicht gleich zur Giftkeule ­wegen ein paar Blattläusen, es gibt viele Tiere, die sich von ihnen ernähren, wie zum Beispiel der Marienkäfer, die Florfliege, der Ohrwurm und die Schlupfwespe. Und sollten die Ameisen stören, dann lassen sie sich gut ver­ treiben mit dem Duft von Lavendel, Zedern, Pfefferminze, Orangenöl oder mit Kaffeesatz. Je weniger Gift Sie

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NATUR BEWAHREN

I

ch werde um ein paar kritische Fragen und Bemerkungen nicht herumkommen, und ich möchte Sie einladen, Ihr eigenes Tun, Ihre eigene Einstellung kritisch zu hinterfra­ gen und Antworten darauf zu finden.


im Garten einsetzen, umso besser kann sich darin ein Gleichgewicht einstellen. DER GARTEN, EIN LEBENSRAUM

Ihr Garten, Ihr Stück Boden, von dem ich am Anfang gesprochen habe, könnte der Lebensraum für ganz viele Arten sein, sofern ihren Bedürfnissen ­Rechnung getragen wird und der Lebensraum Garten ihnen entspricht, was leider noch viel zu wenig der Fall ist. Und über jede Art gäbe es etwas Spannendes zu berichten. Öffnen Sie Ihre Augen, Ihr Herz und Ihren Garten für andere Lebewesen und ihre ­Bedürfnisse, sie werden es Ihnen danken, indem sie zum Beispiel eben Ihre Blattläuse fressen, Ihre Schnecken dezimieren oder Sie mit einem schönen Gesang oder Gezirpe erfreuen. Als Abschluss möchte ich Ihnen ein Gedicht von Irmtraut Fröse-Schreer mitgeben, das mir sehr am Herzen liegt: «Du sollst niemals das Staunen ­verlernen über die Vielfalt des Lebens. Möge deinem wachen Blick Auch das Kleinste nicht entgehen, damit du es achtest und schätzt.» Ihre Claudia Ebling Text/Fotos Claudia Ebling

Blühender Nieswurz trotzt dem Schnee!

Mehr zu Claudia Ebling Claudia Ebling Wagner ist verheiratet, Mutter eines 9-jährigen Jungen, und leidenschaftliche Hobbygärtnerin. Die Liebe zur Natur und zu den Tieren begleitet sie schon ein Leben lang. Auf ihrem 2800-m2-Grundstück finden die verschiedensten Gartenbereiche mühelos Platz: Ziergarten, Weiher, magerere und fette Wiese, Kräutergarten, Wildstauden- und Rosenrabatten und diverse Kleinstrukturen. Mehr unter www.natur-im-garten.ch Claudias Wintertipp: Um einen Garten für die verschiedensten Lebewesen attraktiv zu machen, braucht es einige Kenntnisse. Dies soll Sie jedoch nicht von Ihren guten Vorsätzen abbringen, Sie brauchen ja auch nicht gleich den ganzen Garten umzugestalten. Beginnen Sie in einer Ecke oder mit einem Beet. Lesen Sie jetzt im Winter ein gutes Buch, das Ihnen Ideen vermittelt und Sie motiviert. Hier ein paar Vorschläge: –  Natur sucht Garten, 35 Ideen für nachhaltiges Gärtnern, Ulmer Verlag –  Der Naturgarten, Gestaltungsideen für ein grünes Paradies, blv Verlag –  Gärtnern für Tiere, ein Praxisbuch für das ganze Jahr, Haupt Verlag – Lebendige Naturgärten, Peter Richard, AT Verlag Und wenn Sie gar nicht weiterkommen, dann wenden Sie sich an eine / n Fachfrau / Fachmann für naturnahe Garten- und Landschaftsgestaltung (www.natur-im-garten.ch) oder an einen Fachbetrieb Naturgarten.

Claudias Veranstaltungstipp: Am Dienstag, 17. Juni 2014, von 13.30 bis ca. 16.30 Uhr führe ich folgenden Kurs in meinem Garten durch: Erlebnis naturnaher Garten! Dieser Kurs ist der perfekte Einstieg in die Thematik des naturnahen Gartens. Sie finden vor Ort die verschiedensten Gartenbereiche und Kleinstrukturen. Sie lernen den Garten als Lebensraum für einheimische Pflanzen und Tiere kennen, erfahren Zusammenhänge zwischen Beetbepflanzung und Schmetterlingen, und beim Rundgang erhalten Sie viele Tipps für die eine oder andere Umsetzung im eigenen Garten. Ort: Büelweg 6, 5213 Villnachern Anmeldung: erwünscht unter info@natur-im-garten.ch / Telefon 056 442 56 27 Kosten: 30 Fr. pro Person Bitte beachten Sie, dass die Teilnehmerzahl begrenzt ist. Ich freue mich auf zahlreiche Interessierte!

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LESERUMFRAGE

Ihre Meinung ist uns wichtig Mitmachen ist ganz einfach. Füllen Sie einfach den Fragebogen aus. Unter allen Einsendern verlosen wir 4 × 2 Tageskarten für tolle Bergerlebnisse auf dem Stoos (SZ) im Wert von je CHF 98.–

1. WIE SIND SIE AUF NATURZYT AUFMERKSAM GEWORDEN?

am Kiosk im Briefkasten beim Arzt/Coiffeur online Geschenk

6. WIE BEURTEILEN SIE DIE GLIEDERUNG UND ÜBERSICHTLICHKEIT VON NATURZYT?

sehr gut gut mittel schlecht 7. WIE ALT SIND SIE?

2. WIE VIELE PERSONEN LESEN IHR EXEMPLAR VON NATURZYT? 8. WELCHES GESCHLECHT HABEN SIE? 3. WIE LANGE BEHALTEN SIE NATURZYT?

eine Woche einen Monat länger 4. WIE BEURTEILEN SIE DIE THEMENAUSWAHL VON NATURZYT?

sehr gut gut mittel schlecht

weiblich männlich 9. HABEN SIE KINDER IM HAUSHALT?

Ja Nein

Natur und Tiere in der Schweiz Naturausflüge, Wandern in der Natur Artenvielfalt der Schweiz Tipps für nachhaltigeres Leben

Senden Sie den ausgefüllten Fragebogen bis zum 31.1.2014 per Post an: Knaus Marketing- & Verlagsservice NATURZYT Burgstrasse 11 8604 Volketswil Oder nehmen Sie online teil unter www.NATURZYT.ch/umfrage. Über die Verlosung wird keine Korrespondenz geführt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

10. WO WOHNEN SIE?

auf dem Land in der Stadt in einer Agglomeration 11. WIE SIND SIE UNTERWEGS?

5. WELCHE THEMEN INTERESSIEREN SIE BESONDERS?

NATURZYT verlost 4 × 2 Tages­ karten für tolle Berg­e rlebnisse auf dem Stoos (SZ) im Wert von je CHF 98.–

Auto öffentliche Verkehrsmittel

Name Vorname Strasse / Nr PLZ / Ort Telefon E-Mail

12. WAS WOLLEN SIE UNS SONST NOCH SAGEN?

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Einschalten und der Strom fliesst Sobald es dunkel wird, wird das Licht eingeschaltet, ist der Akku von iPhone, iPad und Co. leer, wird er ans Stromnetz zum Aufladen angedockt. Ein Knopfdruck – der Fernseher, das Radio, der PC etc. läuft. Und voller Stolz wird das neue, umwelt­ freundliche ­Elektro-Fahrzeug tagsüber oder über Nacht aufgeladen für die nächste Fahrt. Der Strom fliesst, doch nur wenige machen sich Gedanken ­woher.

A

lle wissen, der Strom ist vorhanden – ein­ stecken, einschalten und er fliesst. Die wenigsten wissen, wie unser täglicher Strom tatsächlich hergestellt wird – und wer wie viel braucht. Im Jahr 2012 haben wir Schweizer 58 973 GWh verbraucht – das entspricht 58 973 000 000 Kilowatt und bei über 8 Millionen ­Einwohnern im Schnitt satten 7336 Kilowatt (Quelle Bundesamt für Energie, Energieverbrauch 2012, Details siehe Box). Fast 60% unseres Stroms werden durch Wasser­ kraft erzeugt, gegen 36% aus Atomkraft und der Rest aus erneuerbaren Energien. ENERGIE-STRATEGIE 2050

In der Politik wird die Energie-Strategie 2050 intensiv diskutiert. Die Ziele: Ausstieg aus der Atomkraft, Steigerung der Wasserkraft bis 2035 auf mindestens 37 400 GWh. Steigerung der erneuer­ baren Energien bis 2035 auf 14 500 GWh und Senkung des Elektrizitätsverbrauchs pro Person gegenüber dem Stand im Jahr 2000 um 13% bis 2035. Dies steht im Entwurf des Energie­gesetzes, welches auf der Homepages des Bundesamtes für Energie einsehbar ist. NATURZYT rechnet nach. Das Ziel, bis 2035 den Elektrizitätsverbrauch um 13% zu senken auf

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der erwähnten Basis des Standes 2000, also von 52 373 GWh, ergäbe einen Zielverbrauch von 45 600 GWh. Oder vom aktuellen Stand 2012 müssten Herr und Frau Schweizer in den nächsten 23 Jahren gegen 23% Strom einsparen – ohne Berücksichtigung der Bevölkerungsentwickung. Ein ehrgeiziges Ziel in Anbetracht der Tatsache, dass wir von 2000 bis 2012 eine Steigerung des Gesamtverbrauches um 11% erzielten. Würde es uns gelingen den Energieverbrauch wirklich zu senken, die Elektrizitätsgewinnung aus Wasserkraft mit 37 400 GWh und aus erneuerbaren Energien mit 14 500 GWh auf ein Total 51 900 GWh zu steigern – wäre das Ziel erreicht, die Energie­ wende geschafft. WASSERKRAFT AUSBAUEN

Um das Ziel der Energieversorgung aus Wasserkraft sicherzustellen, will die Politik neue Kleinwasser­ kraftwerke aktiv fördern und damit gegen 1000 bis 1500 GWh Mehrleistung erzeugen. Wasserkraft ist in der Schweiz die wichtigste Energiequelle; Wasser ist aber auch Leben – und die Energiegewinnung daraus immer ein Eingriff in die Natur. Im Jahr 2012 wurden 58,7% des Gesamtverbrauches aus Wasserkraft gedeckt – was einer Produktion von 34 617 GWh entspricht. Das heisst, dass Ziel von 37 400 GWh


SOLARENERGIE UND WINDENERGIE

Ein Hauptargument, das immer wieder gehört wird, ist, die Sonne scheine nicht immer, der Wind blase nicht den ganzen Tag. Energieerzeugung ist also nicht immer möglich. Damit kann nicht immer produziert werden – und diese Energie kann (noch) nicht gespeichert werden. Der Solarrechner in der Redaktion steht uns heute, obwohl der Himmel Wolken behangen ist, zur Verfügung. Die Solarlam­ pen auf der Terrasse zu Hause machen auch ihren Dienst. Das heisst, eine geringe Produktion ist doch möglich – oder die Akkus haben noch Energie in der Speicherung vom schönen Vortag. Es ist auch unverständlich, weshalb der Bund bei den erneuerbaren Energien die Windkraft stärker fördern will als die Sonnenenergie. Windkraft erfordert wiederum einen Eingriff in die Natur. Wildtiere wie Greifvögel werden in den Sog der Rotoren gezogen und verenden an den zugezogenen Verletzungen. Auf unseren Hausdächern, auf den Büro- und Industriegebäuden hätte es genug Platz für Sonnenkollektoren. Am Beispiel des ersten Skilift in Tenna (siehe Box) ist eine Stromproduktion nicht nur für den Skiliftbetrieb, sondern für ein ganzes Dorf alternativ möglich. Wenn grosse Skigebiete wie Laax, Davos, St. Moritz, Arosa etc. Solar-Kleinkraftwerke bauen würden, könnte man ­nachhaltiger Ski fahren! ENERGIE-ZUKUNFT E-MOBILITÄT

Der Energieverbrauch in den aufstrebenden Ent­ wicklungsländern wie China steigt und damit auch der CO2-Ausstoss. China setzt sich deshalb zum Ziel, bis in 10 Jahren 10 bis 20 Millionen Elektrofahrzeuge zu erreichen – und fördert dies mit Subventionen. Die Autoindustrie bringt laufend neue E-Fahrzeuge auf den Markt. Das steigert unseren Stromverbrauch. Tagsüber oder über Nacht wird geladen. Anstelle eines Panoramadaches könnte hier ein Solardach zur eigenständigen Aufladung integriert werden. Neuste Technik mit Windenergie sind Drachen, die in der Luft mit kleinen Windrädern Strom erzeugen. Diese Kleinstwindkraftwerke, integriert in den

­Aussenspiegel der Fahrzeuge oder an der Fahrzeug­ front, könnten doch während der Fahrt durch den Fahrtwind die Batterie zusätzlich laden. Die Technik von Wind- und Solarenergie ist im Vergleich zur Wasserkraft relativ jung – die Bundes­ subventionen sollten deshalb mehr in diese ­Entwicklung investiert werden. Überall werden Verbraucher zur Regulierung zur Kasse gebeten. Wer mehr nutzt, zahlt mehr – zum Beispiel bei den Abfallgebühren, durch Erhö­ hung von Benzin­preisen usw. Weshalb nicht im Elektrizitäts­verbrauch? Nicht mit Zuschlägen, sondern mit sinnvollen Massnahmen, um zu lernen, effizienter und sinnvoller mit dem Strom um zugehen. Zum Beispiel mit dem neuen iPhone Solar, welches es 2020 geben könnte. Ist der Akku leer, kann es nicht ans Stromnetz, weil es keine Netz­ werkkabel dafür mehr gibt, und wenn zu viel gespielt wurde, zu viel Sinnloses in Facebook gepostet wurde – ist halt schneller Schluss. Die Technik ist gefordert, damit wir unser Konsumverhalten aufrecht erhalten können, welches Konzept das richtige sein wird, wird sich zeigen – schlussendlich fliesst der Strom (noch) aus der Steckdose.

NATUR BEWAHREN

würde mit neuen Kleinwasserkraftwerken nur knapp erreicht. Das heisst, es wäre viel sinnvoller, alter­ native erneuerbaren Energien zu fördern. Die Elektrizitätsgewinnung aus Wasserkraft ist zurzeit günstiger als die Erzeugung von Elektrizität aus Sonne oder Wind. Zudem hat Wasserkraft sicher den Vorteil, dass die Energie reguliert werden kann, angepasst an die täglichen Schwankungen. Doch was ist, wenn unsere Gletscher weiter abschmelzen, die Flüsse zum Teil weniger Wasser führen, weil unsere Sommer immer heisser werden? Oder zu viel Wasser wegen Unwetter vorhanden ist und die Speicher­ becken abgelassen werden müssen? Das können wir nicht regulieren.

Text Michael Knaus

Elektrizitätsverbrauch Endverbrauch Haushalte Landwirtschaft Industrie Dienstleistung Verkehr Total Gigawatt Einwohner Verbrauch je Einwohner in Kilowatt Erzeugung in % Wasserkraft Kernkraftwerke Thermisch und andere

2012 GWH 18 333 986 19 029 15 855 4770 58 973 8 039 060 7336

2000 GWH 15 727 991 18 079 13 405 4171 52 373 7 204 055 7270

58.7 % 35.8 % 5.5 %

57.9 % 38.2 % 3.9 %

Quelle: bfe.admin.ch/statistiken

Solarskilift Tenna – weltweit der erste Die Solaranlage produziert in etwa 90 000 kWh im Jahr. Für den Skiliftbe­ trieb werden in etwa 7000 kWh benötigt. Die Überproduktion (das 13-Fache des Eigenverbrauchs an Sonnenenergie) wird an das EW Tenna verkauft.

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Umweltbewusst ­Essen –

der Natur ­zuliebe

Der CO2-Ausstoss des Toyota Yaris Hybrid beträgt 79 g/km. ­Kalbsgeschnetzeltes Zürcher Art mit Rösti verursacht 3700 g CO2 – dies  entspricht 50 km Fahrleistung des Toyota bei gleicher Umwelt­belastung durch CO2-Ausstoss.

D

er Verbrauch des Toyota liegt bei 3.5 l/100 km – wer im Februar ein Kilo eingeflogene Spargeln aus Kalifornien einkauft, kauft 5 Liter Erdöl mit. Es erstaunt deshalb nicht, dass die Ernährung in Europa fast einen Drittel der Umweltbelastungen ausmacht. Doch im Gegensatz zur Mobilität findet man keine Kennzahlen, welche die gesamten Umweltaspekte transparent machen würden. Als Konsument stehen wir im Coop, Migros, Denner,

Lidl, Aldi etc. vor vollen Regalen. Das ­A n­gebot ist unabhängig von der Saison vorhanden. Die  Gewächsgurke aus Belgien kaufen wir bereits im Februar mit 1,1 Liter Erdöl. Denn die Schweizer Freilandgurke ist erst im Juni mit 0,1 Liter Erdöl reif. Aber für uns Konsumenten ist es nur ein feiner Gurkensalat, den wir das ganze Jahr geniessen können. Wäre uns bewusst, dass wir neben der Gurke Erdöl in den Einkaufswagen legen, würden wir umweltbewusster einkaufen.

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Bei der Neuanschaffung eines Fahrzeuges achten wir auf weniger CO2-Ausstoss und Verbrauch. Auch bei Elektrogeräten stehen die Energie-Effizienzklassen für die Konsumenten zur Kaufentscheidung zur Verfügung. Wer sich umweltgerecht oder umwelt­ bewusster ernähren möchte, findet indessen fast keine Informationen und Labels, welche die ­gesamten Umweltaspekte transparent machen würden. Dennoch können wir umweltbewusster konsumieren – wenn wir bewusster einkaufen und uns vor dem Kaufentscheid ein paar Gedanken machen. HERKUNFT UND HERSTELLUNG DER ­LEBENSMITTEL

Zur Herstellung der Lebensmittel wird viel Land und Wasser benötigt, Es werden Dünger, Pesitzide, Medikamente verwendet und es braucht Iandwirtschaftliche Infrastruktur wie Maschinen, Lagerund Kühl­räume. Je nach Produktionsstandort werden die fertigen Lebensmittel mit dem Flugzeug, auf dem Seeweg oder Landweg mit dem Lastwagen transportiert, bis wir sie im Regal kaufen können. Bei all diesen Herstellungsschritten werden ­Emissionen freigesetzt, die Böden, das Wasser und die Luft belastet – wobei das zur Klimaerwärmung beitragende Treibhausgas CO2 den grössten Anteil ausmacht. Der Transport von 1 kg Obst und Gemüse im Flugzeug setzt rund 1105 g CO2 je 1000 km frei –die gleiche Menge per Lastwagen 188 g CO2 und per Schiffstransport 11 g CO2. Schiffs­t ransporte sind somit recht klimafreundlich und 90 % der Waren wird heute damit transportiert. Der Nachteil: Die Schiffe produzieren Tieffrequenztöne, die Wale, Delphine und andere Meerestiere belasten. Wer an Durchgangsstrassen mit viel Verkehr wohnt, kann am besten nachfühlen, was das heisst. Deshalb gilt je lokaler produziert, desto lärmschonender und umweltfreundlicher für alle. LOKALE UND SAISONALE FRISCHE BIO-­PRODUKTE BEVORZUGEN

Biologisch bewirtschaftete Flächen werden nicht mit Pestiziden belastet, es wird auf Kunstdünger verzichtet. Es wird deutlich weniger Wasserund ­Bodenverschmutzung verursacht. Die T ­ ierund Pflanzenarten profitieren von dieser ­Bewirtschaftung. Der Einkauf von lokalen und saisonalen ­Produkten verursacht weniger CO2 , denn nicht-­ saisonale Produkte haben entweder lange Trans­ portwege hinter sich oder sie wurden in beheizten Gewächshäusern angebaut, was bis zu 800 g CO2 pro ­K ilogramm Gemüse verursacht. Zudem werden in gewissen südlichen Regionen – wie Südspanien, Marokko, Israel um einige zu nennen – grosse Wassermengen für die Produktion

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von Nahrungsmitteln beansprucht. Dies ist ­problematisch, denn der Verbrauch von nicht erneuerbarem Grundwasser als auch die energie­ intensive Meerwasserentsalzung belasten die Umwelt. Rückstände von Düngung und Spritzmitteln können sich im Wasser anreichern, in Grund- und Fliessgewässern bis in die Weltmeere gelangen und von da via Trinkwasser, Pflanzen oder Meeres­ früchten den Weg zurück in unsere Nahrung finden. WENIGER FLEISCH ESSEN

In der Schweiz hat sich der Fleischkonsum in den letzten 50 Jahren verdoppelt und wird sind ­m ittlerweile bei 53 kg pro Person und Jahr angelangt. Dies entspricht in etwa 145 Gramm am Tag. Auf der gleichen Fläche, auf welcher 1 kg Rindfleisch produziert wird, könnten 80 kg Kartoffeln hergestellt werden. Auch wird rund die Hälfte der globalen Getreideernte für Futterzwecke verwendet. Fleisch deckt gerade mal 12 % unseres täglichen Energie­verbrauchs, benötigt aber 70 % der Landwirtschaftsfläche weltweit. Zur Herstellung von einem Kilogramm Rindfleisch braucht es rund 15 500 Liter Wasser. Tierische Produkte sind in der Schweiz für 48 % der ernährungsbedingten Treibhausgas-Emissionen mit verantwortlich, denn Wiederkäuer produzieren bei der Verdauung und Ausscheidung Methangase, welche viel klimaschädlicher als CO2 sind. Auch die Futterproduktion braucht viel Energie und die Bodenerosion und Entwaldung für grössere Futterproduktion (im Amazonas) tragen ungünstig zur Klimaerwärmung bei.

CO2-Belastung von Essen (pro Menü) Zürcher Geschnetzeltes Käsefondue Bratwurt mit Pommes Cheesburger Spaghetti Bolognese Bratwurst mit Kartoffelsalat Pilz-Risotto mit Kürbis Gemüse-Lasagne

3700 g CO 2 2300 g CO 2 2040 g CO 2 1800 g CO 2 1300 g CO 2 1000 g CO 2 590 g CO 2 430 g CO 2 Quelle Eaternity

WENIGER IST MEHR

Die Generation unserer Grosseltern wusste es: Weniger ist mehr – es braucht ja nicht jeden Tag einen Sonntagsbraten mit Butterrösti. Auch sollte man mit Lebensmitteln sorgsam umgehen: In der Schweiz werden durchschnittlich 94 kg Nahrungsmittel pro Person und Jahr weggeworfen. Eine ­k reative Restenküche ist nicht nur gut für


die Haushaltskasse – sondern verbessert auch die Umweltbilanz unserer Speisekarte. Nachhaltig produzierte Feldfrüchte aus der Region schonen den Wasser­haushalt und den Boden – und schmecken erst noch besser; alte traditionelle Sorten und Nutzpflanzen aufzuspüren, erhöht die kulinarische Artenvielfalt nicht nur im Kochtopf. Wer weniger und tiergerecht produziertes Fleisch konsumiert sowie öfters mal auf ressourcenschonende Alternativen umsteigt, tut viel Gutes für die Umwelt und die eigene Gesundheit. Denn mit vermehrt pflanzlichen Produkten wird unsere Kost vielseitiger und vitaminreicher. Und auch an den Festtagen müssen es nicht immer eingeflogene Spezialitäten sein.

Kartoffeln Äpfel Karotten Linsen Teigwaren Rapsöl Tofu

19 g CO 2 22 g CO 2 29 g CO 2 64 g CO 2 90 g CO 2 107 g CO 2 170 g CO 2

Eier Schwein Fisch Rahm Käse Rind Butter

129 g CO 2 324 g CO 2 331 g CO 2 760 g CO 2 849 g CO 2 1550 g CO 2 2381 g CO 2

Die CO 2-Äquivalente geben das Treibhauspotenzial aller freigekommenen Klimagase des gesamten Produktionswegs umgerechnet in CO 2 an.

Quelle Eaternity

BEI FISCH AUF MSC UND BIO ACHTEN

Viele unserer Meere sind überfischt und die Lebensräume von Meerestieren durch fragwürdige Fang­ methoden stark bedroht. Konventionelle Zuchten sind keine wirkliche Alternative. Beim Kauf von Meeresprodukten ist es deshalb empfehlenswert auf das MSC-Label (Marine-Stewardship-Label) zu achten. Eine gute Wahl sind auch inländischer Fisch oder Fisch aus Biozuchten. Text Michael Knaus, NATURZYT Fotos fotalia NATURZYT dankt den Mitautoren myblueplanet und Eaternity, die sich mit dem Projekt «Klimamenü» dafür engagieren, klimafreundliches Essen einem breiten Publikum schmackhaft zu machen und den Zusammenhang zwischen Ernährung und Umwelt aufzuzeigen.

Umweltbewusst essen – regional und saisonal Produkte geniessen.

Die wichtigsten Tipps, um umweltfreundlicher zu essen Besser pflanzlich statt tierisch Ein vegetarisches Gericht mit Obst, Gemüse und Getreide belastet das Klima dreimal weniger als ein Gericht mit Fleisch, denn es werden 70 % weniger Wasser sowie 60 % weniger Energie benötigt. Also öfters mal fleischlos essen und auch mit fettreichen Milchprodukten (Butter, Rahm, Hartkäse) sparsam­ umgehen.

Artgerecht Achten Sie auch auf artgerechte Tierhaltung. Tiere, die regel­mässig ins Freie dürfen, sind zufriedener und gesunder. Das wirkt sich auch auf die Qualität des Fleisches aus.

Freiland Achten Sie beim Kauf von frischem Gemüse auf saisonale Freilandproduktion. Dieses belastet das Klima im Schnitt neunmal weniger als das aus beheizten Treib­ häusern, die viel Energie benötigen.

Massvoll einkaufen Nur einkaufen, was Sie auch zum Essen brauchen, und verwerten Sie die Essensreste konsequent. Denn rund 30 % der eingekauften Nahrungs­ mittel landen im Abfall.

Regionale Produkte Kaufen Sie regionale Lebensmittel oder Lebensmittel aus der Schweiz. Damit fördern Sie die Schweizer Produzenten und kurze Transportwege ins Ladenregal.

Mehr Informationen unter: www.myblueplanet.ch www.eaternity.ch www.wwf.ch/essen

MSC- und Bio-Fisch Achten Sie beim Fischkauf auf das MSC- und Bio-Label

Bio Wer Bio-Produkte kauft, setzt auf naturnahe Produktion, lang­fristige Bodenfruchtbarkeit, tiergerechte Haltung und Stärkung der Biodiversität.

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NATUR BEWAHREN

CO2-Ausstoss pro 100 g des Produktionsprozesses


Oh du fröhliche, o du selige, nachhaltsbringende ­Weihnachtszeit

Die Adventszeit zeigt, dass Weihnachten vor der Türe steht. Eine besinnliche Zeit im Kreise der Familie – doch bevor es so weit ist, regiert der Stress. Ein Tannenbaum soll besorgt sein. Der Christbaumschmuck abgestaubt oder neu angeschafft werden. Und was waren da die Wünsche der Kinder, des Gottenkindes – Play-Station, iPhone, Laptop oder Geld. 36 NATURZYT


WEIHNACHTSBELEUCHTUNGEN – WENIGER IST MEHR

Ob drinnen oder draussen – die Beleuchtung muss nicht immer im Einsatz sein – und weniger ist manchmal mehr. Nicht das Wettrüsten mit dem Nachbarn steht im Vordergrund, sondern eine sparsamere. Manchmal wirkt ein Baumschmuck intensiver als drei. Und ganz ehrlich, für wen lassen wir die ganze Nacht die Beleuchtung brennen? Unsere Wildtiere brauchen in der Nacht kein Licht, im Gegenteil. Also Licht aus, wenn man zu Bett geht. Und bei einer Neuanschaffung fragen Sie nach einer energieeffizienten und nachhaltig produzierten Beleuchtung. WEIHNACHTSBÄUME AUS DER SCHWEIZ SIND AM UMWELTFREUNDLICHSTEN

In der Schweiz werden jährlich gegen eine Million Weihnachtsbäume verkauft, weit mehr als die Hälfte stammt aus dem Ausland, darunter besonders viele der begehrten Edel­ tannen. 60 – 80 % der Weihnachtsbäume stammen von Plantagen aus Dänemark

und Deutschland und werden oft mit synthetischen Düngern oder chemischen Wachstumsförderern, Pestiziden, Herbiziden und Fungiziden gross gezogen. Ganz abgesehen von den Transportwegen – ein nicht wirklich nachhaltiger Weihnachtsbaum. Am umweltfreundlichsten ist kein Weihnachtsbaum anzuschaffen, was natürlich schwerfällt. Aber wenn ein Weihnachtsbaum, dann bitte aus der Schweiz und ein Bio-Weihnachtsbaum. Diese werden ohne Einsatz von Pesti­ ziden und chemischen Düngern gross gezogen und haben einen kurzen Transportweg. Und am besten aus der Region. Auf der Website von IG Suisse Christbaum sind die Verkaufsstellen aufgeführt (siehe Box). Und beim Kauf sollte zusätzlich auf das FSC-Label oder das Bio-Knospe-Label geachtet werden. Diese Gütesiegel zeichnen Forstbetriebe aus, welche den Wald besonders nachhaltig bewirtschaften. Noch schonender ist ein eingetopfter Bio-Christbaum, welcher gekauft werden kann. Dieser erfreut uns das ganze Jahr über. Natürlich gilt zu beachten, dass Platz vorhanden ist – und dieser nicht von 0 Grad direkt in die warme Stube gestellt wird – und anschliessend zurück. Wer zu wenig Platz hat, kann bei der Firma Ecosapin (siehe Box) einen eingetopften Christbaum mieten. Dieser wird vor Weihnachten per Bahn und Post geliefert und nach den Feiertagen abgeholt. EIN SCHMUCKER BAUM – MIT BIO-SCHMUCK

Der Baum steht in der Stube und das schöne Dekorieren gehört zu den Highlights. Den Baum jedes Jahr mit neuem Schmuck zu behängen, ist alles andere als nachhaltig. Auf ­schädlichen Silber- oder Goldspray sollte man ebenfalls verzichten, denn ein besprühter Weihnachtsbaum ist nicht mehr kompostierbar. Die Kombination mit natürlichen Zutaten lässt den Weihnachtsbaum in nach­ haltigem Glanz erstrahlen. Sammelt man während der Adventszeit Tann­ zapfen, Kastanien und Eicheln, können die Kinder damit schönen Baumschmuck basteln. Ergänzt mit Apfel­ ringen, Orangenscheiben bringt man

Farbe hinein. Zimtstangen verleihen einen feinen Akzent, ebenso Bio-­ Gebäcke wie Lebkuchen. Als Christbaumkugeln können Äpfel verwendet werden, welche mit zusätzlichen Verzierungen nach und während Weihnachten verspeist werden können. Selbergebastelte Strohsterne verleihen zusätzliche Effekte. Und an Stelle von Lametta können alte Bettwäsche, Vorhänge etc. in wenigen Handgriffen zu schönen, nachhaltigen Effekten umfunktioniert werden. Auch mit leeren Zündholzschachteln lassen sich spezielle Effekte basteln. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt – und ein wundervoller Baumschmuck entsteht. Gerade für Familien mit Kindern ist nicht nur die Bastelzeit vor ­Weihnachten ein wieder nachhaltiges Erlebnis, sondern auch der köstliche Genuss, während Weihnachten vom Baum zu naschen. Text Michael Knaus Fotos Fotolia

IG Suisse Christbaum Interessengemeinschaft für nachhaltige Schweizer Christ­ bäume. www.suisse-christbaum.ch Eingetopfter Weihnachtsbaum Ein eingetopfter Weihnachtsbaum ab CHF 99.00 inkl. Transport­ kosten kann gemietet werden bei der Firma Ecosapin. www.ecosapin.ch

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NATUR BEWAHREN

U

rsprünglich war Weihnachten das Fest der Geburt Christi. Der Brauch des Schenkens wurde 1535 von Martin Luther als Alternative zur bisherigen Geschenksitte am Nikolaustag pro­ pagiert, um so das Interesse der Kinder auf Christus zu lenken. Hinzu kamen alte und neue Bräuche verschiedener Herkunft, zum Beispiel die Krippenspiele seit dem 11. Jahrhundert, der ­geschmückte Weihnachtsbaum im 16. Jahrhundert, der Adventskranz (1839). So wie sich Bräuche und Sitten ändern, hat sich Weihnachten zu einem Familienfest mit gegenseitigem ­Beschenken gewandelt. Und zu einem Milliarden-Geschäft und wichtigstem Umsatztreiber zum Jahresende für den Detailhandel. Zu einem Konsumevent, gutem Essen, gemütlichem Zusammensein innerhalb der Familie. Zu einem Leuchtevent der Aussendekorationen. Weihnachten ist eine besinnliche Zeit, eine Zeit nachzudenken – und mit kleinen Massnahmen kann diese 2013 etwas umweltbewusster und nachhaltiger sein.


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Was wäre Weihnachten ohne Geschenke? Doch muss es ­immer die neuste Unterhaltungselektronik für die Kinder sein? Es gibt durchaus auch sinnvollere Geschenke als Geld, NATURZYT zeigt Ihnen ein paar nachhaltige und sinnvolle Geschenkideen für Weihnachten 2013.

ELEGANTE HOLZ-UHR

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BETTWÄSCHE AUS BIO-BAUMWOLLE

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NATUR BEWAHREN

Nachhaltig und sinnvoll schenken zu Weihnachten


Serie – Ganzheitliches Wahrnehmen (letzter Teil)

Ganzheitliches Wahrnehmen in der Natur, an Orten der Stille und Kraft

Betrachten Sie den Wasserfall. Was nehmen Sie wahr? Was spüren Sie?

Dort, wo ich wohne, umgibt mich eine Landschaft von wilder Schönheit. Wenn ich einen Stein berühre oder unter einem Baum stehe, befinde ich mich in Gegenwart fühlender Wesen. Was empfinden sie oder wie sieht es in ihnen aus? Sie sehen aus wie Trolle, Gnome und Elfen … Ich schaue auf das Land und lausche auf die Geschichten, die es erzählen möchte. Brian Froud’s World of Faerie 40 NATURZYT


I

m letzten Teil unserer Serie – erfahren Sie, mit wem «ganzheitliches Wahrnehmen» sonst noch möglich ist. Auch wenn der eine oder andere Leser ein leichtes Schmunzeln verspürt – unser Redaktionsteam war dabei – und die Offenen unter uns – konnten es wahrnehmen. Die Verstandes­ menschen in unserem Team natürlich nicht – zu voll war der Kopf mit Gedanken, dem Suchen nach logischen Erklärungen – und das Brett vor dem Kopf versperrte die offene Kommunikation – auch wenn zum Teil etwas durchdrang – wieso es zulassen? Es lässt sich nicht erklären – und vielleicht ist es genau das – wieso immer eine Erklärung suchen, wieso nicht einfach zulassen. Das ist das, was wir vielleicht lernen sollten. Einfach zulassen!

MIT WEM KANN KOMMUNIZIERT WERDEN? Mit Steinen und Bergen. Steine sind zeitlose Wesen

und Energieträger, die uns ihr Wissen gerne mitteilen. Auch mit Bergen kann man kommunizieren. In der Kommunikation mit Bergwesen erhält man erhellen­ de Einblicke in die Geschichte der ganzen Region, die Aufgabe der Berge und Menschen in den Tälern etc. Heilige Berge mögen es in der Regel nicht besonders, wenn Menschen auf ihnen herumkraxeln, ohne ihnen den nötigen Respekt entgegenzubringen. So kommt es auch immer wieder zu unerklärlichen Unfällen.

NATUR ERLEBEN

Erster und zweiter Teil verpasst – auf www.NATURYZT.ch können Sie den Artikel als PDF-Version nachlesen.

Schauen Sie in der Natur genauer hin – es gibt viel zu sehen und zu entdecken.

Nicht alles ist mit dem Auge sofort erkennbar. Spiegelt man ein Bild, wird Verstecktes sichtbar.

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Vergleichen Sie dieses Bild mit Seite 40 – es ist der gleiche Wasserfall, an einemw anderen Tag. Energien verändern sich.

Mit dem Wasser in seinen verschiedenen Gestalten. Beim Wasser haben es mir vor allem kleine Wasserfälle ganz besonders angetan. Dieses Quirlen und Aufspritzen der Wassertrop­ fen hat schon etwas Magisches an sich. Ein Wasserfall singt richtig und zugleich herrscht dort eine grosse Ruhe und Stille. ­Verweilt man länger an so einem Ort, wird man umgehend e ­ ntsch­leunigt. Wenn man sich auf die Wesen am Ort einlassen kann, o ­ ffenbaren sie sich einem auf meist ungewohnte und so nicht ­erwartete Art und Weise.

MIT WOLKEN UND DEN LUFTGEISTERN.

Manchmal erscheinen am Himmel wunderschöne, einzigartige Gebilde, viele in Engelsgestalt. Oft,

Wolken in Engelsgestalt…

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wenn wir solche Himmelsgebilde betrachten, klären sich unsere Gedanken und wir werden still.

… wunderschöne, einzigartige Gebilde.


Fiona Mac Leod Text/Fotos Veronika Dubi Jehle

Gnom im Wallis.

NATUR ERLEBEN

Mit dem kleinen Volk. Um mit Zwergen und Feen zu kommunizieren, braucht es vor allem eines: Geduld. Um sie zu sehen, muss man schon ein wenig Sitzleder entwickeln. Sie lieben vor allem Zwischen­ zonen und Zwischenzeiten. Das heisst: Die Zeit zwischen Nacht und Tag / Tag und Nacht, zwischen Morgen und Mittag oder Plätze des Übergangs zwischen Wasser und Land. In diesen Zeiten und an diesen Orten kann man sie am ehesten sehen. Sie lieben Musik, Tanz und Süssigkeiten, insbesondere Schokolade. Damit lassen sie sich gerne anlocken. Wenn sie sich einem offenbaren, ist dies ein grosses Geschenk und eine Gnade. Die wenigsten Menschen können sie materialisiert vor sich sehen. Meistens sieht man sie mit dem inneren Auge. Da wir so konditioniert sind, nur zu glauben, was wir auch wirklich vor uns sehen, fällt es uns sehr schwer, diese innere Schau als das anzunehmen, was sie ist, nämlich gleichwertig mit der äusseren Schau. Manchmal spürt man die Feen und Zwerge ganz deutlich, oder man sieht ein Glitzern, einen Lichtnebel oder eine Lichtkugel etc. Fotografiert man in dem Moment, kann es durchaus sein, dass auf dem Foto Dinge aus diesem Zwischenreich sichtbar werden, die man so vielleicht nicht erwartet hat. So geschehen bei den Zwergen – Foto aus dem Zastlertal im Schwarzwald oder dem Gnom, einem gespiegelten Foto aus dem Wallis. Wer zweifelt, ob so was wirklich funktioniert, soll einmal den Versuch wagen und mit einer Pflanze Kontakt aufnehmen, die er noch nicht kennt, diese Pflanze fragen, was ihre Aufgabe ist, über welche Heilkräfte sie verfügt, ob sie ungiftig oder giftig ist. Die Pflanze fotografieren und zu Hause in einem Pflanzenbuch nachschlagen und sich so davon überzeugen lassen, dass die erhaltenen Informationen sich mit den Informationen im Pflanzenbuch absolut decken und es eben wirklich möglich ist, telepathisch zu kommunizieren. Ein alter keltischer Segen, der auf den äusseren Hebriden-Inseln in Schottland immer noch ­a ngewendet wird, drückt eine tiefe Verbundenheit zur Natur aus. Töife Fride vom reine wisse Mondliecht zu dir, töife Fride vom reine grüene Gras zu dir, töife Fride vom reine Brun vo der Ärde zu dir, töife Fride vom reine Grau vom Näbu zu dir, töife Fride vom reine Blau vom Himmu zu dir, töife Fride vo de rollende Wäue zu dir, töife Fride vo dr flirrende Luft zu dir, töife Fride vo dä Böum zu dir, töife Fride vo de Tier zu dir, töife Fride vo de glitzernde Schtärne zu dir, töife Fride vom göttleche Liecht zu dir.

Zwerge im Wasserfall.

Ganzheitliches Wahrnehmen in der Natur, an Orten der Stille und Kraft selber erleben und fühlen NATURZYT war selber dabei – und kann diese spezielle Erfahrung nur empfehlen, nächste Erlebnistage für Ganzheitliches Wahr­ nehmen in der Natur mit Veronika Dubi Jehle im Mai/Juni und September/Oktober 2014. Die Kosten je Tag – in der Regel von 10 bis 17 Uhr betragen CHF 80.– ohne Verpflegung. Voraussetzungen sind die Liebe zur Natur, wetterfeste Kleidung und gutes Schuhwerk. Für die eigene Verpflegung sorgt jeder selber, welche unterwegs in der Natur als Picknick (ohne Feuerstelle) eingenommen wird. Teilnehmerzahl ist pro Kurs auf max. 10 Personen beschränkt. Mehr Informationen und Anmeldung bei Veronika Dubi Jehle, Telefon 078 673 60 04, rugen10@yahoo.de

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Die Weissbeerige Mistel (Viscum Album) gehört zur Familie der Sandelholzgewächse und ist eine der wenigen parasitisch lebenden Gefässpflanzenarten Europas.

Dagegen ist ein Kraut gewachsen – ein kleiner Einblick in die Hausapotheke von Mutter Natur Das Küssen unter in Wohnungen aufgehängten Mistelzweigen gehört zu den wohl bekanntesten Weihnachtsbräuchen in den USA und England. Doch ist die Mistel nicht nur eine GlücksbringerPflanze zur Weihnachtszeit.

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chon in der Mythologie des Altertums war die Mistel bekannt. Die gallischen Priester benutzen die Mistel sowohl als Heilpflanze als auch zu rituellen Handlungen. Sie galt den Druiden als Kind des Himmels und durfte die Erde nicht berühren, weil sie sonst ihre Heilwirkung verlöre. Nicht nur als Wunderpflanze gegen Krank­ heiten, sondern auch als Heiligtum wurde sie verehrt. Als Zeichen des immerwährenden Lebens. Die Germanen glaubten, dass die Götter die Mistel­ samen in die Bäume streuten, sie also ein Geschenk des Himmels wären. So ist die Mistel in einigen Ländern, wie beispielsweise der Schweiz, ein Fruchtbarkeitssymbol. MISTELN VERMEHREN SICH DURCH VÖGEL UND INSEKTEN

Heute weiss man, dass die Mistel durch Vögel und Insekten vermehrt werden. Meist sind es Fliegen, welche die Bestäubung der Blüten vermitteln, da diese getrennt geschlechtlich sind. Vögel wie z. Bsp. der Specht oder Eichelhäher picken die klebrigen Beeren und scheiden die unverdaulichen Samen mit den Resten des klebrigen Nährgewebes wieder aus oder verteilen die schleimigen Reste durch Reiben des Schnabels an den Ästen. Bleibt der Samen auf einem Ast liegen, bildet er kurz darauf einen kleinen Stängel mit einer Haftscheibe. Aus dieser wächst kurz nach der Keimung ein Saugfortsatz in den Ast des Wirts hinein, welcher sich im Laufe der Zeit zu einer Primärwurzel entwickelt. Diese dringt immer tiefer in das Wirtsgewebe ein. Der Parasitismus der Mistel kann für die Wirtspflanze bedeuten, dass der Ast, auf dem die Mistel lebt, oder auch der ganze Baum, abstirbt. Lange Zeit wurde die Mistel verteufelt und erst später wieder als Heilpflanze entdeckt. Die Heil­ wirkung der Mistel ist vielfältig. Sie wirkt ­beruhigend, blutstillend, entzündungshemmend, Immunsystem stimulierend, Stoffwechsel anregend, harntreibend, leicht krampflösend, tonisierend, Herz stärkend, Blutdruck regulierend, krebs­ feindlich, verdauungsfördernd und Nerven stärkend.

Gesammelt werden junge Zweige mit Blättern, Blüten und Früchten, welche dann getrocknet als Tee zubereitet werden. Misteltee wird ausschliesslich als Kaltauszug angesetzt. Dort lösen sich die schwach giftigen Inhaltsstoffe nicht. 3 Teelöffel des Krautes mit 250 ml Wasser übergiessen und für 10–12 Stunden stehen lassen. Allgemein soll die Wirkung durch Erwärmen herabgesetzt werden. Innerlich angewandt bei Herz- und Blutdruckbeschwerden, äusserlich beispielsweise bei Krampfadern, Rheuma, Arthrose, Neuralgien und bei Heuschnupfen als Nasenspülung. Sie sehen also, auch die Weihnachtszeit in der Natur ist voller Wunder und hält sogar im Winter noch Heilendes in ihrer Apotheke für uns bereit. In diesem Sinne wünscht Ihnen Mutter Natur eine gesegnete Weihnachtszeit und seien Sie auch im neuen Jahr beschützt und gesund. Text/Foto Virginia Knaus

Misteln wachsen ausgesprochen langsam. Ab dem vierten Altersjahr bilden sie jedes Jahr einen Gabelspross. Sie können bis zu 1 Meter Durchmesser erreichen und werden selten über 30 Jahre alt.

MISTELN HELFEN GEGEN BLUTHOCHDRUCK

In der Medizin werden Präparate aus Misteln bei Bluthockdruck, Arteriosklerose und Krebs ­eingesetzt. Paracelsus empfahl in der Natur nach Eben­bildern der Krankheiten zu suchen, worauf Rudolf Steiner bei der Mistel ein Ebenbild zur Metastase erkannte. Durch Studien wurde diese These untermauert. Die Sammelzeit der Mistel ist der Spätherbst, Winter und Frühling. Die ganze Pflanze gilt als giftig oder weniger giftig. Am giftigsten sind die Misteln von Ahorn, Linde, Walnuss und Pappel am wenigs­ ten giftig die des Apfelbaumes.

Die weissen, etwas durchscheinenden Beeren werden gerne von Eichelhähern und anderen Vögeln verspeist, wodurch die Ausbreitung der Misteln ermöglichst wird.

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Im Emmental an der Wildnis schnuppern Lust auf arktische Natur, Blockhüttenromantik und ein bisschen Abenteuer? Dann ist eine zweitägige Schneeschuhtour zur Hohganthütte genau das Richtige. Sie entführt einen in die winterliche Wildnis einer der grössten Moorlandschaften der Schweiz und in die Heimat von Schneehase und Auerhuhn – weit weg von der Zivilisation.

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KEMMERIBODEN-MERINGUES ZUM DESSERT

Start zur Tour ist in Kemmeriboden. Kaum hat man das Postauto verlassen, fühlt man sich um Jahrzehnte zurückversetzt. Der stattliche Emmentaler Landgasthof Kemmeriboden-Bad erinnert an Gotthelfs Zeiten; in den heimatgeschützten ­Gebäuden werden seit 1834 Gäste bewirtet. Damals kamen die Leute aber nicht zum Schneeschuhlaufen her, sondern zum Kuren in der Mineralquelle.

Gemütliche Unterkunft in der Emmentaler Wildnis: Hohganthütte.

Bilderbuchlandschaft im Aufstieg zum Nolle.

Der Kurbetrieb wurde aufgegeben, heute lässt man es sich im Hotpot und in der Sauna gut gehen. Oder bei einer Meringue, für die der Kemmeriboden berühmt ist. Das süsse Gebäck mit Rahm liegt später im Aufstieg aber schwer im Magen. Da empfiehlt es sich, sich auf Tee oder Kaffee zu beschränken und im Hotelkiosk eine Packung Meringue zu kaufen – fürs Dessert in der Hütte.

Hohganthütte – geführt oder auf eigene Faust Die Schneeschuhtour zur Hohganthütte kann man auf eigene Faust unternehmen oder sich einer geleiteten Wanderung anschliessen. Eine geleitete Tour bietet gewisse Vorteile: Man verteilt die Nahrungsmittel, die man zur Hütte buckelt, auf mehrere Schultern, man packt die Hüttenarbeiten gemeinsam an und eine Gruppe bietet Abwechslung und Geselligkeit am einsamen Ort. Darüber hinaus sorgt die Tourenleitung für die Organisation von Hütte und Verpflegung, sie gibt unterwegs Hintergrund­ wissen über die Region weiter, kümmert sich um das Thema Lawinensicherheit und rüstet die Gäste mit Lawinen-Sicherheitsmaterial aus. Geleitete Touren: Die SchneeschuhWanderung zur Hohganthütte kann gebucht werden über Wildout Naturerlebnisse, Tele­ fon 052 558 38 92, www.wildout.ch. ­A ngeboten wird die Tour am Wochenende vom 1. / 2. Februar 2014. Für Privatgruppen von mindestens vier Personen ist die Tour auch an beliebigen Daten buchbar. Kosten: 290 Franken. Inbegriffen sind die Leitung durch Schnee­ schuhwanderleiter, Übernachtung mit ­Halb­pension (wir kochen selbst), Lawinen­ ausrüstung und Sicherheits­instruktion. Bei weniger als 5 Teilnehmern erfolgt ein ­K leingruppenzuschlag von 25 Franken. Wildout Naturerlebnisse hat auch noch andere ­Schneeschuhtouren im Angebot. Individuelle Tour: Wer die Tour alleine machen will, braucht gewisse Erfahrung in den winterlichen Bergen. Die Routen sind in den Wildruhezonen mit Stangen markiert. Die Stangen helfen auch bei der Orientierung, die bei guter Sicht einfach ist, bei Schneefall oder Nebel aber schwierig wird. Karten, Kompass und Höhenmesser gehören folglich mit auf die Tour, genauso wie die Lawinen­ ausrüstung. Die Hohganthütte muss über den SAC ­Emmental vorgebucht werden: www.sac-emmental.ch. Einen Übersichtsplan findet man auf www.lombachalp.ch.

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ann haben Sie das letzte Mal ein Fondue auf dem Holzherd gekocht, die Stube mit dem Holzofen geheizt und Schnee geschmolzen, um Teewasser zu erhalten? Oder müsste die Frage eher lauten: «Haben Sie schon mal?» Egal. In der Hohganthütte wartet das einfache Leben auf ­naturverbundene Besucherinnen und Besucher. Wer sich auf das Abenteuer einlässt, erlebt viel Hüttenromantik, Freiheit und Einsamkeit im lichten Wald am Fuss von Hohgant und Furggengütsch. Das einfache Leben muss verdient sein. Wer in der Hohganthütte übernachtet, trägt sein Essen selber hoch. Der Aufstieg dauert, je nach Route, zwischen vier und fünfeinhalb Stunden. Der Weg ist ein Traum. Er führt durch eine der grössten Moorlandschaften der Schweiz, quert Bergföhren- und Fichtenwälder, und er bietet Aussicht vom Schibegütsch über das Brienzer Rothorn und Augstmatthorn bis zu den Berner Hochalpen.


Angenehmes Schneeschuhgelände führt vom Kemmeriboden zur Hohganthütte.

MARKIERT DURCHS SCHUTZGEBIET

Die erste halbe Stunde ist gemütliches Warmlaufen auf der Strasse angesagt. Wo sich die Schlucht weitet, können die Schneeschuhe angeschnallt und die Strasse nach rechts verlassen werden. Der Pfad führt hinauf zum Schärpfeberg. Pinkfarbene Stangen weisen die Richtung. Gewisse Winterrouten im Hohgantgebiet sind markiert. Die Region ist Lebensraum vieler Wildtiere. Steinbock, Gämse, Hirsch und Schneehase sind hier zu Hause, ebenso die selten gewordenen Auer-, Birk- und Schneehühner. Die Gegend zwischen

Ausblick auf die Bergkette von Brienzer Rothorn und Augstmatthorn.

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Im Abendlicht wird  die Landschaft um den Hohgant mystisch.

Hohgant und Augstmatthorn ist als Vogelschutzgebiet von internationaler Bedeutung ausgezeichnet. Zudem wurden grosse Wildruhezonen ausgeschieden. Auf den markierten Routen dürfen sie begangen werden, und so tauchen wir bald ein in eine Landschaft, die von Tierspuren geradezu übersät ist. Wer wissen will, wer ausser ihm auch noch da ist, nimmt ein Tierspurenbuch mit. In der Gruppe, zum Beispiel auf einer geleiteten Schneeschuhtour, macht das Spurenrätseln am meisten Spass.


Wild im Schnee – mit Respekt Für Wildtiere ist die kalte Jahreszeit ein ständiger Kampf ums Überleben. Das Nahrungsangebot ist knapp, die Qualität der Nahrung schlecht, die Fortbewegung kräfte­zehrend.  Wildtiere reduzieren deshalb ihre Aktivitäten auf ein Minimum, um den Energieverbrauch tief zu halten.

IN ARKTISCHER LANDSCHAFT UNTERWEGS

Auf dem Schärpfenberg müssen wir uns entscheiden. Die direkte Route führt rechts weg und durch den Wald relativ steil hoch zur Hütte. Einiges länger, aber aussichtsreicher und moderater ansteigend ist der Weg über Nolle und Allgäuli. Bei schönem Wetter und genügend Zeit drängt er sich auf. Bis auf den Nolle ist man in arktisch anmutender Bilderbuchlandschaft weitgehend allein, dann teilt man sich kurze Zeit den Platz mit den Langläufern, die auf der Lombachalp gestartet sind. Wer im Schlussanstieg über die Alp Allgäuli zur Hütte im Abendlicht unterwegs ist, erlebt Winterstimmungen, die man nicht so schnell vergisst. Die Ruhe und Weite, die sich auftun, erinnern an Alaska oder Skandinavien. WOHLIGER KOMFORT – SELBST GEMACHT

Bei der Hütte ist zwar die Tour zu Ende, das Tageswerk hingegen längst nicht vollbracht. Wer eine wohlige Stube und warmes Essen will, muss anpacken. Öfen einfeuern, Schnee im Topf schmelzen, Weg zum im Wald gelegenen WC-Häuschen spuren und sich in der Hütte einrichten stehen auf dem Programm. Später beweist man am Holzherd seine Kochkünste sowie seine Sozialkompetenz, wenn noch andere Gäste da sind. Die Hohganthütte bietet alles, was es für einen gemütlichen Aufenthalt braucht. Sie führt einem aber auch vor Augen, auf wie viele Annehmlichkeiten wir jeden Tag zurückgreifen, die nun nicht mehr verfügbar sind. Doch just diese Konzentration aufs Wesentliche ist es, die für tiefe Zufriedenheit sorgt, und so sinkt man nach getaner Arbeit müde und glücklich ins kalte Bett.

In den letzten Jahren hat insbesondere das Schneeschuhlaufen einen Boom erlebt. Kantone und Gemeinden haben deshalb zahlreiche Wildruhezonen und -schutzgebiete ausgeschieden. Sie schränken die Freizeitaktivitäten ein und gewähren so den Wildtieren ihre Ruhe. In den geschützten Gebieten muss man sich vielfach an die Sommerwege und Alpstrassen halten, oder die Behörden geben bestimmte Routen frei. Gewisse Zonen dürfen wiederum gar nicht betreten werden. Sich vorher informieren Die Internetseiten www.wildruhezonen.ch und ­ www.respektiere-deine-grenzen.ch helfen bei der Tourenplanung. Nebst zahlreichen Informationen zeigen sie eine Schweizer Karte, auf der alle Gebiete eingezeichnet sind. Ein Klick auf die jeweilige Zone erläutert deren Schutzbestimmungen. Im Gelände sind ­W ildruhezonen zum Teil signalisiert und frei gegebene Wege ­ausgeschildert. Wo Markierungen fehlen und ein Weggebot gilt, halte man sich an die Sommerwanderwege. Mit seinem Verhalten kann man auch ausserhalb der Ruhezonen auf Wildtiere Rücksicht nehmen. Schneefreie Flächen und Waldränder meiden, im Wald auf bereits angelegten Spuren bleiben und Hunde an die Leine nehmen.

führt zum Allgäuli, dann auf dem Gratweg über den Bollberg auf den Winterröscht. Beide Gipfel sind zwar unscheinbar, bieten aber grandiose Aussicht aufs Berner Gipfelmeer. Wer genug vom Laufen hat, steigt ab zur Lombachalp und bestellt den Kleinbus nach Habkern. Wer noch Kraft hat, gelangt über Schwendiegg ebenfalls ins Dorf. Ziel ist die Busstation im Zentrum – oder zuerst der Gasthof Bären, wo man sich für die Heimfahrt stärken kann. Wohlgemerkt, ohne vorher den Ofen einzuheizen und Schnee fürs Teewasser zu schmelzen. Text / Fotos Daniel Fleuti

MIT BLICK AUFS GIPFELMEER

Wer am nächsten Tag beizeiten los will, muss früh aufstehen. Erst wenn die Hütte aufgeräumt und alles in Ordnung ist, macht man sich auf den Weg. Er

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Wer mit Schneeschuhen oder Tourenskis unterwegs ist, stösst zwangsläufig in den Lebensraum der Wildtiere vor. Kommt man ihnen zu nahe, reagieren sie mit Stress und Flucht; ihr Energie­ verbrauch erhöht sich markant. Muss ein Tier zu oft fliehen, wird es schwach, krank und stirbt.


Ungezähmte Natur und ­ landschaftliche ­Schönheiten in der urtümlichen Erlebniswelt Schwyz Berg oder See? Im Kanton Schwyz braucht sich niemand zu entscheiden. Steile Felsen, liebliche Seelandschaften, mystische Nebelfelder und imposante Bergpanoramen erfreuen das Auge des Betrachters. Im Winter legt sich eine sanfte Stille auf die Schwyzer Natur.

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D

MOORLANDSCHAFT ROTHENTHURM – ­DIE ­MUTTER ALLER SCHWEIZER MOORE

In der Nähe von Einsiedeln liegt das Hochmoor Rothenthurm, das grösste zusammenhängende Hochmoor der Schweiz. Gleichzeitig ist es auch das erste Moor, welches 1987 nach einer Volks­ abstimmung unter Schutz gestellt wurde. Der Spazier­gänger merkt schnell, dass er im ­Hochmoor Rothenthurm einer Rarität begegnet: einem Bach in seinem ursprünglichen Zustand. Die Biber mäandriert durch das Gelände, so wie die Natur sie erschaffen hat. Im Wechsel der Jahreszeiten spielt die über 10 Kilometer lange Moorlandschaft Rothenthurm mit den Farben. Im Frühling schmückt sie sich mit einem violetten Schleier aus Krokussen und ­Mehlprimeln. Zitronen- und Perlmuttfalter sowie Moorbläulinge lassen ihr Sommerkleid bunt flattern. An kühlen Herbstmorgen trägt sie ein Diadem aus Tautropfen. Und im Winter streicheln oft Sonnenstrahlen über die weisse Decke, während im ­Unterland der Nebel drückt. Eine mystische Stille ruht über der Landschaft und die Schneekristalle glänzen an den Zweigen. Wer die Geheimnisse des Hochmoors erforschen und mehr über Flora und Fauna erfahren möchte, schliesst sich am besten einer geführten Wanderung von Moorevent an. KRAFT SCHÖPFEN IN INNERSCHWYZ

Die eigenen Batterien aufladen, in sich gehen, den Alltag abstreifen – verschiedene Kraftorte in der Ferienregion Schwyz bieten sich an, um Energie zu tanken. Jung und alt sind eingeladen, durchzuatmen und dort anzuhalten, wo es ihnen gefällt. Kurz vor dem Dorf Muotathal, in der Nähe der Bushaltestelle Ried/Seilbahn Illgau, stürzt sich der Bettbach vom höher gelegenen Illgau über die steile Felswand in die Tiefe des Muotatals. Trotzig zeigen die Eiszapfen des Wasserfalls im Winter zur Erde. Wer ein wenig verweilt, erkennt Figuren im Eis. Der durch ­Bäume geschützte Ort mutet bei klirrender Kälte wie ein Eispalast an.

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NATUR ERLEBEN

ie kalte Jahreszeit deckt die Landschaft mit einem weissen Mantel. Sie schärft das Auge für die kleinen und grossen Wunder der Natur: bizarre Gestalten und Formen aus Eis, das Blau des Himmels, das mit dem Glitzern der Schneekristalle um die Wette funkelt, oder ein Lichtstrahl, der sich durch den ­Nebel zwängt. Wer sich Zeit nimmt und innehält, entdeckt Erstaunliches. Die Ferienregion Schwyz lädt zum Entschleunigen, Abschalten, Aufatmen ein. Ein Spaziergang im verschneiten Muotathal, in der sonnigen Mythenregion oder der winterweissen Region Einsiedeln-Ybrig macht das Herz leichter und lüftet den Kopf.


Die Seele fliegen lassen, dazu regt der F ­ ronalpstock an. Der Blick kann sich im U ­ nendlichen verlieren, im Panorama der weissen Berge weiden oder auf dem Nebelmeer ruhen. Nicht nur die Dörfer am idyllischen Vierwaldstättersee scheinen kleiner. Von weit oben betrachtet, schrumpft so vieles, das unglaublich wichtig schien, wieder auf seine normale Grösse zusammen. Ein Ausflug nach Stoos und auf den Fronalpstock ist eine Gelegenheit, die Kraft der Natur tief ­einzuatmen. Sobald der Schnee weg ist, lockt «der pfad» auf dem Hochstuckli bei Sattel zum Frühlingswandern. Auf dem Rundgang kann der Wanderer die in der Natur wirkenden Kräfte kennenlernen und deren Auswirkung selbst erspüren. Zum Beispiel in Steinkreisen oder im Steintor. Von Morschach über St. Karl nach Muotathal führt der Weg der ­Schöpfung – über Alpweiden, durch Waldstücke und Blumenwiesen. Der spirituelle Wanderweg bewegt Körper und Seele.

VIELFÄLTIGE PFLANZENWELT IN ­GESCHÜTZTEN GEBIETEN

Die Ferienregion Schwyz beheimatet mehrere Naturschutzgebiete. Hier eine kleine Auswahl an einmaligen Lebensräumen. Die 700 Meter lange «Auenspur» liegt unterhalb des Dorfs Steinen und führt zum Lauerzersee. Auf dem Weg wird dem Besucher die Auenlandschaft im Mündungsgebiet der Steineraa näher gebracht. Die Bergsturzspur führt durch das Gebiet des Goldauer Bergsturzes von 1806, das heute ein Pflanzenschutzreservat ist. Im Gebiet Sägel-Schutt künden Schuttblöcke von der Gewalt der Natur und wachsen seltene Orchideenarten wie der Frauenschuh. Der Frauenwinkel in Pfäffikon misst 350 Hektaren. Das grösste zusammenhängende Naturschutzgebiet am Zürichsee ist auch das wertvollste. Als Verlängerung des Spaziergangs eignet sich der Holzsteg in Hurden, der die ­beiden Seeseiten für Fussgänger verbindet.

NATÜRLICHES EISFELD AUF DEM SIHLSEE

Wenn die Temperatur fällt und die Kälte das Seewasser in Eis verwandelt, vermag das jedes Jahr aufs Neue zu erstaunen. In Euthal eröffnet sich in kalten Wintern die Gelegenheit, auf dem Sihlsee schlittschuhzulaufen. Auch Spaziergänger können über das Wasser wandeln. Die schiere Grösse des freigegebenen Eisfeldes ist ein Erlebnis. Doch wer den Blick vom Eis hebt, sieht rund um den Sihlsee eine überzuckerte Voralpen-Landschaft. FASZINATION HÖHLEN

Wie gross das Hölloch in Muotathal tatsächlich ist, weiss niemand. Rund 200 Kilometer wurden bisher erforscht; diese Länge macht es zum zweitgrössten Höhlensystem Europas. Unterirdische Wasser haben die Höhle im Lauf von fast einer Million Jahren geschaffen. Gefunden wurde sie erst 1875 von Alois Ulrich aus Stalden bei Muotathal. In diesem Weiler befindet sich auch der Eingang zur Höhle, die rund 55 kleinen und winzigen Tierarten ein Daheim ist. In der ewigen Finsternis des Höllochs erwarten Abenteuerlustige unterirdische Seen, natürliche Rutschbahnen, enge Gänge und riesige Steinhallen. Von der Reizüberflutung des Alltags ist hier nichts mehr zu spüren. Die Aussenwelt ist vergessen, und die Stille lenkt die Aufmerksamkeit nach innen. Im grössten Teil des Höhlensystems kann man aufrecht gehen, zwischendurch ist aber auch kriechen angesagt. Trekking Team nimmt Personen und Gruppen mit in die geheimnisvolle, verborgene Welt des Höllochs.

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Im Winter erstarrt der ­Bettbach-Wasserfall in Muotathal und wird zur imposanten Eisskulptur.

Im Hölloch erleben die ­Besucher zu jeder Jahreszeit geheimnisvolle Landschaften unter Tag.


NATUR ERLEBEN

Eine mystische Stille liegt über dem winterlichen Hochmoor Rothenthurm.

Sagen und Mythen in der Ferienregion Schwyz Überlieferungen, Volksglauben und über Jahrhunderte erzählte Geschichten haben dem Kanton Schwyz einen reichen Fundus an Mythen und Sagen beschert. Einer der bekanntesten Erzähler von Geschichten aus den Schwyzer Bergen ist wohl Meinrad Lienert. Sein Geburtsort Einsiedeln hat zu seinem Gedenken einen Brunnen vor dem Schulhaus errichtet.

Die Sage der Raben des heiligen Meinrad: Vor vielen Jahren lebte auf dem Etzel ein gottesfürchtiger Einsiedler, der hiess Meinrad. Als ihm die Besuche der Leute zu viel wurden, zog er weiter in den finsteren Wald. Dort verbrachte er seine Tage und Nächte mit Beten, zwei Raben leisteten ihm dabei Gesellschaft. Eines Tages besuchten ihn zwei Männer. Der fromme Meinrad bewirtete sie freundlich, doch die beiden Räuber schlugen ihn tot. Sofort begannen die Raben zu krächzen und herumzu­flattern. Da erkannten die Männer, dass sie einen Heiligen ermordet hatten. Voller Schrecken flohen sie nach Zürich. Die treuen Raben folgten ihnen bis in eine Wirtschaft und griffen sie an. Weil dies den anderen Gästen merkwürdig erschien, nahmen sie die Männer fest. Die Räuber gestanden daraufhin ihre Tat. Am Ort der Klause des heiligen Meinrads wurde später das Kloster Einsiedeln erbaut.

AUF MEINRADS SPUREN

Das Gedächtnis an die treuen Raben lebt bis heute weiter: Das Wappen von Kloster und Dorf Einsiedeln zeigt zwei Raben. In der üppigen Barockkirche wachen zwei Rabenskulpturen von der Decke herab über die Besucher. Die heutige Klosterkirche entstand am Anfang des 18. Jahrhunderts, das Kloster war jedoch bereits 934 gegründet worden. Von Anfang an wirkte es wie ein Magnet. Auch heute vertrauen Gläubige aus aller Welt ihre ­Gebetsanliegen der Schwarzen Madonna in der Gnadenkapelle an. Das Kloster Einsiedeln zieht zudem Kulturinteressierte an, denn die Stifts­ bibliothek des Klosters beherbergt Handschriften und Bücher, die bis in die Gründungszeit des Klosters zurückgehen.

Der Sihlsee lädt bei j­edem Wetter zu einem Spaziergang – in kalten Wintern in Euthal sogar auf dem See.

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Dort, wo der Mönch Meinrad auf dem Etzel gelebt haben soll, steht heute eine Kapelle. In den Quellen wurde sie erstmals im 13. Jahrhundert erwähnt, das heutige Gebäude stammt aus dem Jahr 1698. Die Kapelle liegt am Jakobsweg auf der Passhöhe des Etzelpasses, der Pfäffikon mit Einsiedeln verbindet. In ihrer Umgebung laden Spazier- und Wanderwege zu sorglosen Stunden in der Natur. Sie überraschen mit immer wieder neuen Aussichten: mal das Zürichsee-Becken, mal die Sihlsee-Landschaft, dann wieder das Klosterdorf und die Mythen. Durch das Gebiet führt ausserdem der Bauernlehrpfad Schindellegi-Einsiedeln.

Die Kapelle St. Meinrad auf dem Etzelpass liegt an der Pilgerroute des Jakobsweges.

DIE SAGE ÜBER DIE HERKUNFT DER SCHWYZER

Vor langer Zeit plagte Schweden eine so grosse Hungersnot, dass viele Menschen das Land verlassen mussten. Unter der Führung von Swyt und Schej kam eine Gruppe bis zum Talkessel am Fuss der Mythen. Hier wollten sie sich niederlassen. Doch als es darum ging, dem Ort einen Namen zu geben, zerstritten sich die Brüder fürchterlich. Im Zweikampf siegte Swyt, weshalb das Land Schwyz genannt wurde. Später reisten aus dem hohen Norden König Hakon und seine Gemahlin an, um ihre Untertanen zu besuchen. Da das Volk nichts vom königlichen Paar wissen wollte, gingen die beiden traurig davon und erstarrten im Mythenfels neben dem Wiss Wändli. Bei richtigem Lichteinfall sind sie auch heute noch zu erkennen, und manchmal zeigt sich Hakon in einer zweiten Form: als böser Geist in Blitz und Donner. PRÄCHTIGES MYTHEN-PANORAMA

Der Hauptort des Kantons Schwyz sieht sich nicht als Stadt. Die Einheimischen bezeichnen den Ort Die mächtigen Mythen ­d ominieren den Schwyzer Talkessel und spiegeln sich im Lauerzersee.

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Schwyz lieber als Dorf oder Flecken. Nicht ohne Grund, denn wenige Minuten Fahrt genügen und der imposante Hauptplatz ist grünen Hängen gewichen. Im Westen prägen Kirschbäume die Landschaft, was Wanderungen zur Blütezeit zu einem m ­ ärchenhaften Erlebnis macht. Im Osten erstreckt sich das Muotatal mit seiner unverfälschten und wilden Natur. Über dem Talkessel Schwyz thronen die Mythen – von unten wie oben ein Augenschmaus. Die ­Schwyzer Hausberge sind nicht in eine Gebirgskette eingegliedert, sondern freistehend. Dadurch wirken sie umso mächtiger. Je nach Licht­ verhältnissen scheinen sie grau, blau oder rötlich. Hat der Grosse Mythen einen Hut, wird das Wetter gut, so sagt zumindest der Volksmund. Die phänomenale Aussicht vom Grossen Mythen ist den Wandernden vorbehalten. Zum Gipfel führt keine Bahn, nur die eigene Muskelkraft.


Genuss

GEBRANNTES WASSER UND PILGERPROVIANT

Tradition hat im Kanton Schwyz der Obstanbau, und Kirschbäume sind bis heute charakteristisch für die Landschaft rund um den Ort Schwyz. Ein grosser Teil der Kirschernte wird in den drei lokalen Brennereien Dettling, Fassbind und Z’Graggen zu Edelbränden verarbeitet. Der Kirsch wiederum gibt weiteren Spezialitäten ihren typischen Geschmack, so auch der Muotathaler Rahmkirschtorte – einer Versuchung in Weiss. Die Einsiedler Schafböcke dienten ursprünglich den Pilgern und Wallfahrern als Wegzehrung. Heute ist das Gebäck aus Honig- und Eierteig beliebt zu einem gemütlichen Kaffee als Energiekick für zwischendurch. Der Goldapfel-Nostalgie-Laden in Einsiedeln gibt Einblick in die Geschichte des Pilgergebäcks. Die feinen Düfte und die romantische Einrichtung entführen in Grossmutters Zeiten. WEITERE SCHWYZER SPEZIALITÄTEN

Der Globalisierung trotzt bis heute die Brauerei Rosengarten in Einsiedeln. Ihre Spezialitätenbiere pflegen die enge Verbindung zur Heimat: In der Linthebene wächst beispielsweise der Mais, aus dem in Einsiedeln das Maisgold gebraut wird. Mehr Informationen zu Schwyzer Spezialitäten auf www.schwyz-tourismus.ch/genuss. Text Manuela Gili Fotos Schwyz Tourismus, ­Einsiedeln Tourismus, e ­ rlebniswelt muotathal, Moorevent, Swissmilk, Trekking Team

Das schmucke Lebkuchen-­ Museum Goldapfel in Einsiedeln.

Wussten Sie, … dass die Glattalp der kälteste Ort der Schweiz ist? Es wurden schon Temperaturen von minus 52 Grad Celsius gemessen. … dass das Muotathal mit seinen 172,2 km2 flächenmässig zu den zehn grössten Gemeinden der Schweiz zählt? … dass zum Kloster Einsiedeln das älteste Gestüt Europas gehört? Die «Cavalli della Madonna» werden seit über 1000 Jahren gezüchtet. … dass Theophrastus Bombastus von Hohenheim, auch ­Paracelsus genannt, 1493 in der Nähe der Teufelsbrücke in Egg/ Einsiedeln geboren worden sein soll? Die Teufelsbrücke wurde ursprünglich gebaut, um Steine für den Klosterbau nach Einsiedeln zu transportieren. … dass im Muotathaler Waldreservat Bödmeren der grösste subalpine Fichtenurwald Europas wächst? Die Erlebniswelt Muotathal begleitet auf Urwaldexkursionen zu schlanken Säulentannen und Karstlandschaften. … dass vor 699 Jahren die Eidgenossen den Habsburgern beim Morgarten auflauerten und sie besiegten? Die Schlachtkapelle in der Schornen bei Sattel erinnert daran und ist Teil des historischen Morgartengeländes. … dass das legendäre Schweizer Taschenmesser von Victorinox im Werk in Ibach (Schwyz) produziert wird? Das Victorinox Museum in Brunnen erzählt die Geschichte des Swiss Army Knife und zeigt Raritäten. … dass Ludwig von Bayern, Richard Wagner, Königin Victoria von England, Winston Churchill und Mark Twain nur einige bekannte Persönlichkeiten sind, die den Kanton Schwyz besucht haben? Mehr Informationen über die Ferienregion Schwyz unter www.schwyz-tourismus.ch www.brunnentourismus.ch www.einsiedeln-tourismus.ch www.morschach-stoos.ch www.hohlgassland.ch www.erlebniswelt-muotathal.ch www.trekking.ch www.moorevent.ch www.sattel-hochstuckli.ch www.swissknifevalley.ch

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NATUR ERLEBEN

Die traditionelle Schwyzer Küche lässt sich mit einem Wort beschreiben: währschaft. Wer in den steilen Hängen heuen, im Wald Holz schlagen oder für Haus und Hof sorgen muss, verbraucht zünftig Kalorien. Entsprechend nahrhaft sind Speisen wie Käsesuppe, Fänz oder Älplermagronen. Die traditionellen Gerichte sind zudem ein Spiegel der damaligen Landwirtschaft. Im Mittelalter betrieben die Schwyzer vor allem Viehwirtschaft. Aus diesem Grund sparen die Speisen nicht mit Milch, Käse oder Rahm, ergänzt mit dem, was der eigene Garten hergab. Fleisch konnten sich nur die reichen Bauern regelmässig leisten. Für Ackerbau war die hügelige Voralpenlandschaft weniger geeignet, deshalb wurde Getreide importiert.


lllgau –

Stoosbahnen AG 041 818 08 08

klein aber fein www.tourismus-illgau.ch

Familienparadies Die Gemeinde Illgau mit seinen 800 Bewohnern sich auf einer Sonnenterrasse über dem Muotathal– auf 830 m über Meer. Wer die Natur geniessen will, ist hier am richtigen Ort.

Günstige Familien-Tageskarten: Eltern und alle eigenen Kinder bis 15 Jahre für nur CHF 124.(mit 1 Elternteil nur CHF 87.-) Die Standseilbahn Schwyz-Stoos liegt mitten in der Zentralschweiz und ist einfach und schnell erreichbar.

Mit der Seilbahn Illgau-St.Karl gelangen Sie bequem zum Ausgangspunkt vom Chäferliweg. Der abwechslungsreiche Erlebnis-Pfad, ist bei den Kindern sehr beliebt. Im Winter startet hier der gut präparierte Schlittelweg, Winterwanderwege oder für Skisportler die Skisafari ins Hochybrig-Gebiet. www.seilbahn.illgau.ch Wir Illgauer sind ein sehr geselliges Völkchen, das sich sehr über seine Gäste freut. Und für diese organisieren wir individuelle Eventprogramme. Sei es eine Schneeschuh-Tour oder ein Unterhaltungsprogramm mit Innerschwyzer Traditionen – wir beraten Sie gerne. www.erlebnis-illgau.ch

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04.11.13 11:13


aus de Rezepte – Spezialitäten

m Kanton Schw yz

EINSIEDLER OFETUURLI – KÄSEKUCHEN DER BESONDEREN ART Zutaten 1 kg geschwellte Kartoffeln, Mehl, 5 Eier, 1 Kaffeelöffel Salz 400 g Käse (je 200 g Greyerzer und Appenzeller), 1½ dl Rahm 1½ dl Milch, 2 Kaffeelöffel Speisestärke, 3 bis 4 mittelgrosse Zwiebeln 50 g Speckwürfeli, Salz und Pfeffer, Muskatnuss Zubereitung Die kalten, geschälten Kartoffeln durch die Röstiraffel reiben und mit Mehl, 1 Ei und 1 Kaffeelöffel Salz zu einem Teig kneten. Den Teig 1 cm dick ausrollen und auf ein gefettetes Kuchenblech legen. Den Käse reiben und mit den übrigen Eiern, etwas Mehl, Speisesstärke, den gehackten Zwiebeln, Rahm und Milch zu einer glatten Masse verarbeiten. Mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss nach Belieben würzen. Die Masse auf den Teig geben und ­Speckwürfeli darüberstreuen. In den kalten Backofen schieben und ca. 50 bis 60 Minuten bei Mittelhitze auf der mittleren Rille backen. Die letzten 10 Minuten Backzeit nur noch Unterhitze, damit der Boden des Kuchens gut gar wird.

CHRIESIPRÄGEL NACH STEINER ART Zutaten 1 kg Chriesi, nach Belieben entsteint, 2 dl Apfelsaft, 3 Esslöffel Zucker, 1 kleiner Zimtstängel, 200 g Ruchmehl, 50 g Butter Zubereitung Die Chriesi mit dem Apfelsaft, Zucker und Zimtstängel kurz aufkochen. Das Kompott abgiessen und lagenweise anrichten. Mehl mit Butter goldgelb rösten und über das angerichtete Kompott geben. Vor dem Servieren den Kompottsaft darübergiessen (evtl. noch zuckern).

SCHWYZER HAFÄCHABIS Zutaten je 500 g Schweine- und 500 g Schaffleisch (Voressen), Fett, 1 grosse Zwiebel, 1 grosser Kabiskopf (2 kg), Salz Zubereiten Das Fleisch mit der Zwiebel im Fett stark braun anbraten und würzen. Den Kabiskopf in nicht zu feine Streifen schneiden, und wenn das Fleisch richtig braun und krustig ist, langsam lagenweise beigeben. Umrühren, damit der Kabis schön angebraten wird. Wenn nötig, noch etwas Fett oder Öl dazu, damit der Kabis nicht zu trocken wird. Mit Salz abschmecken. Circa 1½ bis 2 Stunden kochen lassen. Tipp! Schmeckt am nächsten Tag aufgewärmt noch besser.

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Winterwanderwunder Obertoggenburg.

Die Schweiz erleben mit der Bahn

Wintererlebnisse in den Schweizer Bergen Die Wälder, Wiesen und Berge sind schneebedeckt, die Natur ist im Winterschlaf. Die weisse Wunderwelt fasziniert Gross und Klein. Ob bei einer schönen Winterwanderung, mit dem Schlitten den Berg hinab, beim Langlaufen oder Skifahren – was gibt es Schöneres, als seine Freizeit in der Schweizer Schneewelt zu verbringen?

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ie Natur schläft, die Schweizer Wildtiere ­brauchen Ruhe bei der Futter­suche. Mit Respekt die schlafende Natur im Winter geniessen, auf den vorgegebenen Routen und Pisten bleiben und mit der Bahn den Winter geniessen: auch das ist ­nachhaltiger Wintergenuss und ein Wintererlebnis für die ganze Familie. NATURZYT zeigt einige Ausflugs­ tipps für Wintererlebnisse zusammen mit unserem Partner SBB RailAway – als interessante Kombi-Angebote zu ermässigten Preisen. Weitere Details zu diesen sowie weiteren Winteraus­ flugszielen finden Sie online unter sbb.ch/wintersport.

WINTERWANDERWUNDER ­OBERTOGGENBURG

Hier muss niemand zweimal die gleiche Wanderung machen: Im oberen Toggenburg gibt es Winterwanderwege und Schneehschuhtrails am Laufmeter. Über 50 Kilometer präparierte Wege und Varianten sorgen für jede Menge Abwechslung. Ein Klassiker ist der Toggenburger Winter-Sagenweg auf Alp Sellamatt, der an zwölf Stationen mit schaurig-schönen Geschichten und Märchen aufwartet. Ein ideales Winter­ vergnügen auch für Familien. ­Schneeschuhe und Stöcke können direkt bei der Bergstation Alp Sellamatt gemietet werden. Öffnungszeiten Berg­ bahn Alt St. Johann: 8.15–16.30 Uhr.

Mehr Informationen zur Winter­ wanderung Telefon 071 998 68 10; www.bergbahnentogggenburg.ch

Schlittelspass in Grindelwald-First.

WINTERERLEBNIS AM ­H ISTORISCHEN GEMMIPASS

Durch eine märchenhafte Winterwelt, vorbei an eindrücklichen Bergen, gemütlichen Gaststätten und dem ­Daubensee, führt der historische Pass­übergang von Sunnbüel (1934 m ü. M.) im Berner Oberland zum Gemmipass (2350 m ü. M.) im Wallis. Der präpa­r ierte und sicher begehbare Weg öffnet viele Möglich­ keiten, die einmalige Winterlandschaft zu entdecken und zu geniessen. Mehr Informationen zum Winter­ erlebnis Telefon 027 470 18 39, www.gemmi.ch

Schlittelspass von der Gerschnialp.

SCHLITTELSPASS IN ­GRINDELWALD-FIRST

Der Schlittelspass in der Jungfrau-­ Region. Schlitteln Sie auf attraktiven, bestens präparierten und gut ­signa­l isierten Schlittelwegen in der Erleb­nis­welt First. Mit der SchlittelTages­k arte fahren Sie so oft Sie wollen mit der Gondelbahn nach First. Geniessen Sie dabei das einmalige Panorama mit Blick auf Grindelwald und die weltberühmte Eigernordwand. Schlitten können bei Intersport Rent auf First gemietet werden. Optional kann auch eine Fahrt mit dem First Flieger dazu gebucht werden. Der Zustand der

Schlittelwege kann auf www.jungfrau.ch geprüft werden. Für die Schlittenmiete ist eine Reservierung bei Intersport erforderlich, Telefon 033 853 04 00 Mehr Informationen zum Schlittel­ spass unter Telefon 033 828 77 11; www.jungfrau.ch SCHLITTELPLAUSCH VON DER GERSCHNIALP (ENGELBERG)

Wintererlebnis am historischen Gemmipass.

3500 Meter Länge, 250 Meter Höhen­ unterschied – das gibt Tempo. Von der Gerschnialp sausen Sie mit dem Schlitten durch die schneeüber­ zuckerten Wälder runter nach ­Engelberg. Ein rasantes Erlebnis für Sie und Ihre Schlittelfreunde! Die Schlittelbahn ist je nach Schneeverhält­ nissen von Weihnachten bis Anfang März geöffnet. Snowtubing-Spass auf Trübsee (inkl. Retourfahrt mit der Bergbahn) ist inbegriffen. Freitag und Samstag ab 20. Dezember 2013 bis Anfang März 2014: Nachtschlitteln mit Fondue-­Plausch (zahlbar vor Ort). Mehr Informationen unter Tel. 041 639 50 50; www.titlis.ch.

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Schlittelweg Preda-Bergün.

Langlaufen im Goms.

Gutscheine in die Tageskarte Flumser­ berg umgetauscht werden. Flumserberg ist durch die 8er-Gondelbahn ab Unterterzen in nur 20 Minuten erreich­ bar. Der direkte Anschluss an die S2 bietet Ihnen eine komfortable Rückreise ohne Umsteigen bis nach Zürich HB, damit Sie den Après-Ski bis nach Hause geniessen können. Auch Nachtskifahren ist ein Erlebnis oder das gemütliche Verweilen auf den Sonnenterrassen. Mehr Informationen unter Tel. 081 720 15 15, www.flumserberg.ch, www.nightride.ch Text/Fotos Michael Knaus, RailAway

Wintererlebnisse mit SBB RailAway

SCHLITTELWELT PREDA–BERGÜN.

Zehn Kilometer Schlittelspass im Albulatal. Sechs Kilometer lang, 416 Meter Höhenunterschied, rasante Kurven auf der Schlittelbahn auf der gesperrten Albulapassstrasse von Preda nach Bergün. Sie gilt als Klassiker unter den Schlittelbahnen im Alpenraum und garantiert sowohl Familien als auch Kufen-Cracks Vergnügen und Action. Auch das «Lauberhorn der Schlittel­ bahnen» von Darlux nach Bergün mit vier Kilometern Länge ist in der Schlittelwelt Preda-Bergün ein ­Vergnügen. Mehr Informationen zur Schlittelwelt unter Tel. 081 407 14 14; www.berguen-filisur.ch; www.rhb.ch LANGLAUFEN IM GOMS

Aktive Erholung erleben. Zwischen Niederwald und Oberwald stehen dem Gast 85 herrliche Loipenkilometer in sämtlichen Schwierigkeitsgraden zur Verfügung. Unvergessen bleiben der glitzernde Schnee im Licht der Wintersonne, die frische Bergluft, das ­Geräusch vom Dahingleiten über perfekt präparierte Loipen und der feine Imbiss in einem der zahlreichen

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Restaurants an der Loipe. Mehr Informationen zum Langlaufen im Goms unter Info Tel. 027 974 68 68; www.obergoms.ch, www.mgbahn.ch. SNOW’N’RAIL FLUMSERBERG

Im Intersport Walensee – 150 Meter entfernt vom Bahnhof Unterterzen – können die neusten Skis und Boards gemietet und sogar die Snow’n’Rail-­

Snow’n’Rail Flumserberg.

Die SBB RailAway-Kombi-­ Angebote sind online unter sbb.ch/wintersport, am Bahnhof sowie beim Rail Service (0900 300 300, CHF 1.19/Min. vom Schweizer Festnetz) erhältlich. Tipp: Auch GA-Kunden erhalten eine Ermäs­sigung auf die ­Zusatzleistungen, wenn das Billett vorher online oder am Bahn­ schalter gelöst wird.


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* z.B. Snow’n’Rail-Angebot «Flims Laax Falera», 30.11.2013–21.4.2014 mit 20% Ermässigung auf die Bahn-/ Busfahrt nach Flims oder Laax und zurück und auf den 1-, 2- oder 6-Tages-Skipass inkl. Gratis-Ortsbus.

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Vorschau Die nächste Ausgabe erscheint am 3. März 2014 WIE BLINDE DIE NATUR ERLEBEN Die prächtige Blumenwiese entzückt in verschiedenen Farben. Das herrliche Bergpanorama mit den Gämsen im Vordergrund wirkt wehmütig am nächsten Tag bei der Arbeit nach. Schön, dass wir diese Eindrücke in uns aufgenommen haben. Wie erleben blinde Menschen unsere Natur? NATURZYT geht dieser Frage nach.

DIE BURGEN DER NEUEN SCHWEIZER LANDVÖGTE Sie türmen mehrere Kubikmeter Holz auf einen Haufen, stauen Bäche und bilden stehende Gewässer, fällen Bäume und verändern ganze Landschaften. Der Biber – die Burgherren kehren zurück und schaffen neue Lebensräume in und an Gewässern. Wer sind die neuen Landvögte, beuten sie Land und Leute aus, wie einst unsere Vorfahren? Welche Regionen haben sie bereits erobert? Oder schaffen sie einen Mehrwert für uns und unsere Natur? DAS TIERISCH GUTE INTERVIEW Ein Volk, so gross, dass es unsere Vorstellung sprengt. Jede Einzelne eine Persönlichkeit, sozial, loyal und stärker als Herkules. NATURZYT sprach mit A. Meise, Kolonial-Koordinator.

Ab 3. März 2014 am Kiosk erhältlich oder gleich abonnieren unter www.NATURZYT.ch und nichts mehr verpassen.

Impressum NATURZYT 1. Jahrgang. Verlag, Herausgeber Knaus Marketing- & Verlagsservice, Burgstrasse 11, 8604 Volketswil Redaktion Telefon 044 946 01 66, redaktion@naturzyt.ch Anzeigen Michael Knaus, michael.knaus@kmvs.ch Freie und ständige Mitarbeiter Virginia Knaus, Michael Knaus, Veronika Dubi Jehle, Claudia Ebling, Oskar Bismark, Daniel Fleuti, Frank Meier Grafik & Produktion Swissprinters Premedia, Zofingen Titelbild Fotolia.de ­ Korrektorat Swissprinters Premedia, Zofingen Druck Swissprinters AG, 4800 Zofingen Abonnementspreise 1 Jahr mit 4 Ausgaben CHF 39.50 (inkl. 2,5% MwSt.), 2 Jahre mit 8 Ausgaben CHF 69.00 (inkl. 2,5% MwSt.). Auslandabonnemente auf Anfrage. Bestellung unter www.NATURZYT.ch/abonnement, via E-Mail abo@naturzyt.ch, per Telefon 071 274 36 16 oder per Post an: Swissprinters AG, NATURZYT, Zürcherstrasse 505, 9015 St. Gallen. ISSN-Nummer 2296-2859 © Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlages. Das Magazin wird in der Schweiz auf 100% Recyclingpapier gedruckt.

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Erleben.

Die wirkliche NATUR, die Artenvielfalt der Flora und Fauna in der Schweiz erleben.

Erfahren.

Mehr über unsere Natur erfahren. ZYT nehmen, anzuhalten, zu staunen und bewusster hinzuschauen

Bewahren.

Die Natur bewahren und schützen. Den Alltag nachhaltiger und rücksichtsvoller im Einklang mit der Natur leben.

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Das ist naturbewusster und nachhaltiger Lesegenuss.

Lesegenuss mit einem guten Gefühl zum Wohle der Natur. Jedes Abonnement unterstützt mit CHF 10.00 konkrete Naturprojekte oder Projekte von Pro Natura, Pro Igel, CHWOLF, Igelzentrum Zürich, ­Bergwaldprojekt etc. (vollständige Liste finden Sie auf www.NATURZYT.ch). Sie bestimmen! Reichen Sie uns Projekte ein, die sich für die Natur einsetzen, die NATURZYT unterstützen soll. Darüber berichten wir regelmässig im Magazin – und Sie entscheiden.

Ja, ich abonniere NATURZYT   für ein Jahr (4 Ausgaben) zu CHF 39.50   für zwei Jahre (8 Ausgaben) zu CHF 69.00

  als Geschenkabo   als Geschenkabo

Liefer- und Rechnungsadresse: Vorname / Nachname Strasse / Nr. PLZ / Ort Telefon / E-Mail

Abo-Beginn bitte ab Ausgabe  Dezember 13     März 14 Lieferadresse für das Geschenkabo

Sie entscheiden – wo NATURZYT unterstützen soll:

Vorname / Nachname Strasse / Nr. PLZ / Ort Telefon / E-Mail

  NATURZYT-Fonds oder direkt Naturprojekte von 

Einsenden an: Swissprinters, NATURZYT, Zürcherstrasse 505, 9015 St. Gallen. Sie können auch per Telefon 071 274 36 16, per Fax auf 071 274 36 19 oder via Internet www.NATURZYT.ch/abonnieren oder via abonaturzyt@swissprinters.ch ­abonnieren.


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Der neue e-up! Der erste rein elektrische Volkswagen ist da: umweltbewusst, eigenständig und bestens ausgestattet. Der Viertürer besticht mit einem hocheffizienten Antriebskonzept, einer Aufladezeit von nur 30 Minuten (Schnell-Ladestation) und einer Reichweite bis zu 160 Kilometern. Und damit Sie 100 % klimaschonend unterwegs sind, schenken wir Ihnen für das erste Jahr eine Ökostrom-Vignette. Überzeugen Sie sich bei einer Probefahrt. Mehr Informationen unter emobility.volkswagen.ch e-up!, Elektromotor 82 PS (60 kW), Energieverbrauch in kWh: 11.7 (kombiniert), CO2-Emission: 0 g/km (bezieht sich auf den CO2-Ausstoss beim Fahren). Energieeffizienz-Kategorie: A. Benzinäquivalent: 1.3 l/100 km.

Die serienmässige Ökostrom-Vignette garantiert, dass eine definierte Kilometerlaufleistung des Fahrzeugs für das erste Jahr der Immatrikulation mit Ökostrom gedeckt ist.


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