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Bruder Benno Maria Skala OCD (unten links) ist Prior des Karmelitenkonvents in Linz. In den alten Gängen des Klosters (oben) verschwindet der Lärm der größten Einkaufsstraße Oberösterreichs (rechts oben). Die Verehrung des Jesuskindes ist eine Besonderheit der Spiritualität der Karmelitinnen und Karmeliten (rechts).

Stille inmitten der Shoppingwelt Karmeliten. Es ist zu erwarten, dass ein Hof in einem Karmeliterkloster ein beschaulicher Ort ist. Die Überraschung ist, dass diese Oase inmitten der größten Shoppingmeile von Linz liegt. Wer sich einladen lässt, tritt ein paar Schritte durch das Kirchenportal und landet in einer anderen Welt.

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Bruder Benno (47) ist Prior des Karmelitenkonvents in Linz. Ich frage ihn: „Was ist die Botschaft von Weihnachten?“ – „Gott wird einfach. Gott wird ganz verständlich. Er kommt dorthin, wo der Mensch es nicht erwartet. Dort, wo der Mensch er selbst ist“, antwortet er. Der Slogan einer Drogeriekette fällt mir ein: „Hier bin ich Mensch, hier kauf ’ ich ein.“ Ist das nicht das genaue Gegenteil? Nein – in Opposition will Bruder Benno seine Gemeinschaft nicht sehen. Er will nicht verurteilen: „Gott ist auch dort“, meint er. „Wir halten keine Strafpredigt über die schlechte Welt, sondern wir geAusgabe 6 | Dezember 2012 12

ben Zeugnis für das Wesentliche.“ Aber um Gott zu hören, gehört natürlich schon dazu, sich ein Stück von der Konsumgesellschaft zu lösen: „Weihnachten braucht keine Geschenke – Weihnachten ist das Geschenk Gottes.“

Offene Kirchentür

Manchmal stehen die Brüder mit Frauen und Männern ihrer Gemeinde auf der Landstraße. Sie laden ein, ein paar Minuten in die Kirche zu kommen: auf ein Gebet, um eine Kerze anzuzünden oder zur Beichte. Oder um sich einfach nur ein paar Minuten hinzusetzen. Die Lichter und der Glanz in der

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