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Magazin für Männer – Katholische Männerbewegung

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www.kmb.or.at

Sonderausgabe Ausgabe 3| |2012/2013 Juni 2012

Identitäten. Thema Tabu!Die Denmoderne eigenen Glaubenmännlicher Vielfalt bekennen Rollen 6 7 Glauben.Interview Politik. Männer mit können Minister Nikolaus Berlakovich glauben 11 14 Männerpolitik. Männer. Arbeit und Interview Beruf und mit männliche Minister Rudolf Identität Hundstorfer 16 14

Männerbewegung

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Gemeinschaft. Heimat zum Vater sein. Schwerpunkt für 30.000 Männer in ganz Vatertag über eine fordernde Österreich 9 und schöne Aufgabe 8–13 Sonderausgabe | 2012/2013 1


Inhalt

5 Vater sein

4 Beständigkeit. Über ihre Vater-Sohn-Beziehung sprechen Theodor und Jürgen Rassi. 5 Rollenbild. Der Trend geht in Richtung mehr unmittelbares Engagement der Väter für ihre Kinder.

Glauben

10 Wallfahrt. Gott loben in St. Radegund, dem Wohnort von Franz und Franziska Jägerstätter. 11 Männer können glauben. Sie tun es in unterschiedlicher Intensität.

Mann sein

6 Ich und du. Auch für Männer ist die Qualität der Beziehungen entscheidend. 7 Identitäten. Die Vielfalt männlicher Rollen lässt sich mit Klischees immer weniger erfassen. 8 Freundschaft. Für Männer ist ein „Freund“ etwas Exklusives.

Kolumnen 6 10 12 16

X an Ypsilon Gott bewegt ProjektWelt Vorgestellt

Service

9 Kontakte

Politik

14 Perspektiven. Interview mit Minister Rudolf Hundstorfer. 15 Verantwortung. In der Politik das Gemeinwohl realisieren. Von Franz Fischler.

Editorial Servus Mann,

Christian Reichart. Generalsekretär Katholische Männerbewegung Österreich

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es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei, heißt es in der Bibel gleich zu Beginn in der Schöpfungsgeschichte. Partnerin, Familie und Arbeitskollegen geben deinem Leben Halt und bereichern es. Aber vielleicht stehst du noch vor vielen offenen Fragen? Wenn du Gemeinschaft suchst, wenn du über deine Rolle als Mann nachdenken und dich mit Gleichgesinnten austauschen willst, dann bist du bei uns richtig. Wenn du deine Spiritualität entdecken oder vertiefen willst, bei uns findest du Männer mit ähnlichen Erfahrungen. Wenn du kreativ bist und Ideen hast, für die du andere begeistern willst, dann hast du bei uns viele Möglichkeiten, die Initiative zu ergreifen.

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Unsere Gesellschaft ist in der Krise. Wenn du genug davon hast, über Sachzwänge und Finanzkrisen zu diskutieren, wo du doch über Lösungen sprechen willst, dann komme zu uns. Unser Einsatz gilt den Schwächeren und Armen. Mit unserer entwicklungspolitischen Arbeit SEI SO FREI reden wir nicht nur, sondern tun auch etwas für den Frieden in der Welt. All deine Fragen werden in unseren Gruppen sicherlich nicht geklärt. Aber du findest hier Freunde, mit denen du gemeinsam unterwegs bist. Und wir brauchen auch deine Fähigkeiten. Bringe dich mit, so wie du bist. Du bist wertvoll für uns und unsere Kirche. Mann, mach mit!

13 Entwicklungspolitik

12 Romero-Preis. Die Katholische Männerbewegung verleiht seit 1981 den wichtigsten Preis der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit. 13 Solidarität statt Glück. Ein Plädoyer von Europaabgeordneter Ulrike Lunacek. 13 SEI SO FREI. Die entwicklungspolitische Aktion der Katholischen Männerbewegung.

Foto: KMB Cordero

Foto: rupprecht@kathbild.at

11

Eine Organisation, wozu? Die Katholische Männerbewegung bietet einen Rahmen. Sie regt Männerrunden mit inhaltlichen Impulsen an. Sie schafft Möglichkeiten, über den eigenen Kreis hinaus mit Gleichgesinnten zusammenzutreffen. Komm zu uns und erlebe Männer in einer Gruppe: diskussionsbereit, wach, hilfsbereit, gläubig und am Leben interessiert. Oder eröffne mit anderen zusammen eine neue Männerrunde. Dabei unterstützen wir dich gerne.


Grüß Gott

Was Mann bewegt

Lieber Freund,

Männer bewegen Wir sind gemeinsam auf dem Weg. Wir entwickeln unsere Persön­lichkeiten und Talente und verwirklichen uns im Leben.

Männer gestalten Wir schaffen Gemeinschaft. Wir setzen partnerschaftliche Lebensweisen in Familien, in allen Beziehungen und im Beruf um.

Männer handeln Wir tragen Verantwortung. Wir arbeiten für eine gerechtere Gesellschaft, eine offene Welt und eine lebendige Kirche.

Männer unterstützen Wir setzen uns ein. Wir unterstützen sozial benachteiligte und unterdrückte Mitmenschen auf der ganzen Welt bei ihrem Bemühen um Eigenständigkeit.

Männer wachsen Wir sind auf der Suche. Wir stellen Fragen, bieten Antworten an und bestärken einander im Glauben.

Foto: shutterstock

Mann macht mit!

Leopold Wimmer. Obmann Katholische Männer­bewegung Österreich

ich freue mich, Ihnen auf den folgenden Seiten die Katholische Männerbewegung vorzustellen. In unseren Runden und bei unseren Veranstaltungen greifen wir auf, was Männer bewegt. Unsere Rolle als Mann steht zur Diskussion. Altes Machogehabe ist out. Nicht nur, weil es zu Lasten von Frau und Kindern geht; es schadet auch uns selbst: Es schneidet uns von vielen Gefühlen und bereichernden Lebenserfahrungen ab. Wir suchen Wege, dieses neue Männerbild zu leben. Wir suchen Vorbilder für Männer in der Partnerschaft, als Vater und als Freund. Wir wollen auch selbst Vorbild für andere werden. Ganz ohne Politik gibt es diese Veränderungen nicht: Wir informieren uns und diskutieren Standpunkte zu Themen, die unsere Gesellschaft bewegen. Und wir übernehmen Verantwortung: in politischen Gremien oder als freie Initiative, um unser Gemeinwesen zu gestalten.

Glaubwürdig leben Wir blicken über den Zaun: Wir teilen unseren Wohlstand. Unsere entwicklungspolitische Aktion SEI SO FREI fördert Bildungsprojekte, Gesundheitsfürsorge und landwirtschaftliche Entwicklung in Afrika und Lateinamerika. So erhalten mehr Menschen ein Stück vom Glück. Bei all dem sind wir uns jeden Tag bewusst, dass unser Leben, unsere Beziehungen und Familien ein großes Geschenk sind. Wir wissen uns dankbar gehalten in Gottes Hand. Die Kirche bietet uns Heimat und Gemeinschaft. Hier erfahren wir den Geist des Christentums in vielfältigen Formen und gestalten ihn selbst mit. Dies sind ein paar Worte über die größte Männerorganisation Öster­ reichs. Sie können im Folgenden mehr darüber lesen. Das Wichtigste aber ist: Wir sind eine Gemeinschaft. Wir leben miteinander das, was hier beschrieben ist. Wir freuen uns, wenn auch Sie mitmachen. Ich lade Sie herzlich ein, zu uns zu kommen.

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Eine Bindung mit Beständigkeit Vater-Sohn. Wenn aus dem kleinen Buben ein ­erwachsener Sohn wird. Wenn der Vater zum ­Großvater wird. Über die Entwicklung ihrer VaterSohn-Beziehung sprechen Theodor und Jürgen Rassi. Eine Fackelwanderung gehört bei einem Vater-Kind-Wochenende einfach dazu.

Vater-Kind-Wochenende

Eine besondere Zeit mit Papa

Männer, die mit ihren Söhnen und Töchtern im Klettergarten balancieren, Würs­ tel grillen, Steinmanderl bauen, den Bach aufstauen oder in der Nacht mit Fackeln unterwegs sind und das sagen, was sie aneinander besonders schätzen: Das begeistert Väter und Kinder. Das Schönste an den Vater-Kind-Wochenenden der KMB ist die intensive Zeit des Miteinanders. So stellen Väter oft fest: „In diesen Tagen habe ich von meinem Kind mehr erfahren als sonst das Jahr über.“ Die zunehmende Sehnsucht von Männern nach gelungener Vaterschaft ist spürbar. Oft fehlen Vorbilder oder im Alltag die Möglichkeiten, dies umzusetzen. Einfach raus in die Natur, die einfachen Dinge des Lebens genießen und gemeinsame Aufgaben bewältigen. Kreatives Arbeiten in der Gemeinschaft steigert den Spaßfaktor. Impulse für einen sensiblen Umgang mit der Natur vertiefen die Wertschätzung für unsere Schöpfung.

Wie hat sich eure Beziehung entwickelt? Vater: Zunächst stand natürlich der erzieherische Teil mit Betreuung und Ratschlägen im Vordergrund. Das hat sich dann gelockert, als mein Sohn auf die Uni ging. Für mich waren Betreuung bei gleichzeitigem Gewähren aller Freiheiten und das Heranführen zum selbstständigen Arbeiten wichtig. Sohn: Die Beziehung war stark von einem geborgenen Zuhause geprägt. Ich wurde immer gefördert, mein Können umfassend und selbstständig auszuschöpfen. Durch seinen Schichtdienst war es uns möglich, auch viel Zeit unter der Woche gemeinsam zu verbringen. Auch Urlaube waren bereichernd und prägend. Wo erlebt ihr Nähe und Abstand in eurer Beziehung? Sohn: Nähe erlebe ich dadurch, dass mein Vater als Opa mein Familienleben aktiv mitbegleitet. Die Freude bei familiären Ereig-

Impulse für den Alltag

Obmann der KMB-Gruppe St. Florian bei Linz OÖ.

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Was habt ihr voneinander gelernt? Sohn: Entscheidend waren immer auch seine Anständigkeit und sein Fleiß. Dabei strahlten die christliche Erziehung und sein tiefer Glaube stark aus. Geprägt wurde ich auch durch seine Sportlichkeit, und zwar in Richtung Fairness und Zielorientierung. Vater: Jürgen geht alles sehr zielstrebig an und zieht das durch. Ich hoffe, dass er das zum Teil auch von mir gelernt hat (lacht). Enttäuscht wurde ich nie. Es ist immer eine Freude, dass alles so klappt. Was erwartet ihr euch von der Zukunft? Vater: Gesundheit, Zufriedenheit und einen starken Familienverband. Ich hoffe, dass die gemeinsame Festigkeit im Glauben aufrecht bleibt. Sohn: Gesundheit, um noch vieles gemeinsam erleben zu können. Mein Vater soll auch weiterhin aktiv die Entwicklung meiner Familie begleiten und das Wachsen und Heranführen im Glauben unterstützen. 

Wenn Väter ihre Erfahrungen mitteilen, erleben Sie bei anderen Männern viel Verständnis. Sie bestärken einander und erhalten oft neue Impulse. Das belebt auch die Partnerschaft. „Vater-Kind-Wochenende? Mama, wie soll das gehen, wenn du nicht dabei bist? Papa kann ja nicht kochen …“ Diese Bedenken von Müttern oder Kindern sind jedes Mal noch durch schöne Erlebnisse zerstreut worden. Jahre später leuchten oft noch die Augen der Kinder, wenn sie davon erzählen. Und die Kinder sind stolz, Papa einmal ganz für sich zu haben.  Hannes Hofer. Der Autor ist Bankangestellter und

nissen und sein Interesse über mein berufliches Fortkommen stärkt unser Band. Abstand ergibt sich daraus, dass wir 20 km entfernt wohnen und zeitlich sehr beschäftigt sind. Vater: Mit seiner Berufstätigkeit vollzog sich eine gewisse Abkopplung. Durch meine drei Enkelkinder und die damit verbundenen Kontakte intensivierte sich die Beziehung aber wieder.

Theodor Rassi (74), technischer Angestellter Jürgen und Theodor Rassi: Eine Vater-SohnBeziehung, die das rechte Maß zwischen Nähe und Distanz gefunden hat.

in Pension. Jürgen Rassi (42), Richter am OLG Wien und Lehrbeauftragter an der Universität Wien. Interview: Helmut Wieser


Vater sein

Die neuen Väter Rollenbild. Vieles ist heute möglich und wird auch gelebt: von der traditionellen Rolle des Familienoberhauptes, der die Familie erhält, sich aber in die Erziehung nicht einmischt, bis zur Rollenumkehr des freiwillig und bewusst alleinerziehenden Vaters. Generell geht der Trend in Richtung mehr unmittelbares Engagement der Väter für ihre Kinder. Das Engagement von Vätern für ihre Familie kann sehr unterschiedlich ausfallen: von praktisch keinem bis zu sehr hohem Einsatz. Wie viel ein Vater in seine Familie, speziell für seine Kinder, investiert, hängt von mehreren Faktoren ab, wobei die Qualität der Partnerschaft zur Mutter seiner Kinder eine zentrale Rolle spielt. Viele Väter, die eine enge Beziehung zu ihren Kindern aufbauen konnten – z. B. auch im Rahmen der Väterkarenz –, erleben diese als essenzielle Bereicherung ihrer Lebensqualität, verbunden oft auch mit einer neuen Dimension an Emotionalität. Wie viel Vater ein Kind braucht, lässt sich seriöserweise nicht

Johann Eberhardt (66), Vollerwerbsbauer, Deutschlandsberg ST

allgemein, womöglich mit einer Anzahl von Stunden pro Woche, beantworten. Das hängt vor allem auch davon ab, wie sehr der Vater bereit und in der Lage ist, für sein Kind zu investieren oder wie sehr andere Bezugspersonen involviert sind. Aus Sicht der Kinder gibt es Entwicklungsphasen, in welchen das väterliche Element im Vordergrund steht und von den Kindern auch aktiv und intensiv nachgefragt wird, aber etwa auch Zeiten der bewussten Abgrenzung, in denen zu viel Einmischung des Vaters eher kontraproduktiv wäre. Aber auch das Geschlecht des Kindes und nicht zuletzt die individuelle Persönlichkeit des Kindes können hier einen großen Unterschied machen.

Ein hartes Match: Dabei sein ist alles, gewinnen ist Nebensache.

Authentisch sein

Es wäre verkehrt, krampfhaft bestimmte Formen von Zuwendung anzustreben, die dem Vater, aus welchen Gründen auch immer, nicht liegen. Wichtig sind Ehrlichkeit und Authentizität in der Zuwendung, solange diese zum Wohl des Kindes erfolgt. Verschiedene Studien belegen, dass Väter oft andere, typischerweise körperbetontere, weniger sprachzentrierte Spiele bevorzugen oder Spiele in einer Weise durchführen, die für das Kind weniger vorhersehbar ist. Aber in letzter Konsequenz ist natürlich jeder Elternteil, ob Mutter oder Vater, in der Art seiner Zuwendung einzigartig. Harald Werneck. Der Autor ist Klinischer Psychologe und Gesundheitspsychologe an der Universität Wien.

Selbstverständlich Vorbild sein

Ein Wegweiser fürs Leben

Als Vater lebe ich meinen Glauben einfach. Der Sonntagsgottesdienst ist keine Pflicht, aber eine Selbstverständlichkeit. Tischgebet auch. Das Jahr ist nach den kirchlichen Feiertagen gegliedert. So werden die Kinder in das Kirchenjahr eingebunden. Für eine gläubige Familie darf es aber nicht nur bei äußeren Ritualen bleiben. Es geht auch darum, wie wir miteinander umgehen. Das vertieft den Glauben und macht ihn erst glaubwürdig.

Die Vielfalt der Interessen meines Vaters hat mich sehr geprägt. Das Erbe seiner Sammelleidenschaft versuche ich hingegen so gut es geht zu bekämpfen. Ich bin ihm sehr ähnlich darin, dass wir in emotionalen Situationen nah am Wasser gebaut haben. Heute bin ich ihm dankbar, dass er eine große Neugier entwickelt hat und mir damit eine wichtige Zeit in meinem Leben sehr einfach gemacht hat. Manche meiner Entscheidungen haben sicher nicht seinem Bild entsprochen. Doch er hat mich immer unterstützt und sich für meinen Weg interessiert.

Barbara Erhabor, Kindergartenpädagogin, St. Pölten NÖ

vatersein

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X an Ypsilon Ist es gut, dass es Männergruppen gibt? Falle oder Fettnäpfchen, ich kann es mir aussuchen. Ein schlichtes „Ja, es ist gut, dass es Männergruppen gibt“, lässt auch jene jubeln, die schon immer überzeugt waren, dass in echten Männerkreisen Frauen nichts verloren haben. Denken Sie ruhig dabei an Gruppen wie den Kartellverband, Moslembruderschaften, Zigarrenclubs oder den katholischen Klerus. Aber auch ein „Nein, es ist nicht gut, dass es Männergruppen gibt“, wäre anmaßend. Wie könnte mir eine solche Wertung zustehen, und warum sollte ich mit einem Satz auch allen Frauengruppen den Boden unter den Füßen wegziehen? Entscheidend ist bei Frauen- wie Männergruppen nicht, was draufsteht, sondern was drinnen ist. Es gibt Frauengruppen, die über erstarrte Rituale nicht hinauskommen, und wohl auch Männergruppen. Soll sein, aber zukunftsweisend ist es nicht.

Ein Blick hinaus, kritisch mit sich selbst Frauen- und Männergruppen finde ich dort gut, wo sie erstens ein Anliegen haben, das über sich selbst hinausweist. Ohne größeres Ziel bleibt der eigene Nabel das Zentrum der Welt. Lässt sich Langweiligeres denken? Und ich finde sie zweitens dann nützlich, wenn sie in Ruhe reflektieren, was es nun heutzutage heißt, Mann oder Frau zu sein – offen für Neues, kritisch gegenüber lieb gewordenen Vorstellungen von sich selbst. Ohne das kann ein Dialog mit dem anderen Geschlecht nicht gelingen. Der Weg zurück führt nur durch die Gasse der Erstarrung. Der Pfad nach vor führt über unbekanntes Terrain und fühlt sich manchmal an wie der ungesicherte Gang auf einer Hängebrücke. Wir sollten einander eher Mut und Unterstützung zusprechen als einander den Absturz zu wünschen. Ist es gut, dass es Männergruppen gibt? Als Antwort spiele ich die Frage gerne zurück. Lassen Sie uns darüber reden!

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Christine Haiden. Chefredakteurin der Zeitschrift Welt der Frau

Ich und du Beziehung. Frauen gelten als Beziehungswesen, aber auch für uns Männer ist die Qualität unserer Beziehungen entscheidend. Bewusst wird vielen Männern das erst, wenn etwas nicht mehr funktioniert. „Bis gestern hat es noch gepasst, und heute ist sie ausgezogen“, so oder ähnlich kommen viele Männer zu Beratungsgesprächen. Dieselben Männer, die dann draufkommen: „Ich habe mir vor zehn Jahren schon gedacht: Mag ich sie noch?“ Aushalten ist eine Fähigkeit, die wir Männer in vielen Bereichen gut einsetzen können. In Beziehungen ist sie selten hilfreich. Viele Männer zeigen sich demonstrativ unabhängig von Frauen und geringschätzig ihnen gegenüber. Meistens stecken Verletzungen dahinter, die Mann so nicht mehr zulassen möchte. Frei nach dem Klassiker in Beziehungen: Wenn der/die Andere anders (gewesen) wäre, ginge es mir besser.

Bei sich selbst anfangen

Viele Männer sind in ihrem Denken und Handeln sehr stark auf Frauen ausgerichtet. Sie tun alles Mögliche, um Frauen zu gefallen und um sie glücklich zu machen. Oft so versteckt und ohne zu fragen, was die Frau will, dass diese es nicht einmal merkt, wie sehr der Mann es ihr rechtmachen will.

Nicht ganz selbstlos, denn wenn sie erst glücklich gemacht ist/ wäre, dann könnte man selbst glücklich sein. Ein Umweg, den auch viele Frauen bei Männern machen und den sehr viele Eltern heutzutage in Bezug auf ihre Kinder beschreiten. Dabei würde man am besten doch einfach bei sich selbst anfangen, sich selbst und seine Bedürfnisse besser kennenlernen und zum Ausdruck bringen. Immer mehr Männer tun das, zu Beginn aber oft nicht ganz freiwillig. Berufliche Überlastung, Beziehungsprobleme oder gesundheitliche Probleme sind Anlässe, mehr über sich nachzudenken. Beratungs- und Seminarangebote, die sich speziell an Männer richten, tun uns Männern gut. Denn die wichtigste Beziehung im Leben jedes Menschen ist die zu sich selbst. Für den Mann also die Beziehung zu sich und seiner Männlichkeit, seinen Prägungen und Mustern. Sich damit zu beschäftigen ist die Voraussetzung dafür, dass die Beziehungen zu anderen, im Besonderen zu Frauen, wieder besser gelingen können. Richard Schneebauer. Der Autor ist Mitarbeiter der Männerberatung des Landes OÖ.

Impressum Männermagazin y, 10. Jg., Heft 55b, Herbst 2012 – Inhaber (100 %): r.k. Diözese St. Pölten, Domplatz 1, 3100 St. Pölten – Herausgeberin und Verlegerin: Kath. Männerbewegung St. Pölten – Obmann: DI Dr. Leopold Wimmer – Anschrift (Redaktionsadresse): KMB, Kapuzinerstraße 84, 4020 Linz, Tel. 0732/76 10-3461 – Redaktion: Reinhard Kaspar (Vorsitzender der Redaktionskonferenz), Markus Himmelbauer (Chefredakteur), Luis Cordero (SEI SO FREI) – Kontakt: ypsilon@kmb.or.at oder über die KMB-Diözesanbüros – Grafik: Egger & Lerch, 1070 Wien – Produktion: Niederösterreichisches Pressehaus, St. Pölten – Erscheinungsweise: Das Männermagazin ypsilon erscheint sechs Mal jährlich (Diözese St. Pölten neun Mal). Einzelpreis 2,50 Euro – Abo: 12 Euro/Jahr


Mann sein

Die vielen Rollen des Mannes und das eine Ich Identitäten. Männer kommen vom Mars, Frauen von der Venus. Männer können nicht zuhören und Frauen nicht einparken. Auch wenn ein ganzes Ratgebergenre von solchen Zuschreibungen lebt: Die moderne Vielfalt der Geschlechtsidentitäten lässt sich mit Klischees immer weniger erfassen. „Die Männer“ gibt es genauso wenig wie „die Frauen“. Identitäten sind brüchig, Familienformen unübersichtlich und persönliche Lebensstile variabel geworden. Verschiedenste Entwürfe vom Mannsein existieren nebeneinander. Das „eine Ich“ besteht aus vielen Rollen; nicht umsonst spricht die Forschung im Plural von „Männlichkeiten“. Frühere Zeiten kannten klare Verhältnisse: Männer waren die Ernährer, die Beschützer, die Bestimmer und die Deuter der Welt. Heute verdienen die meisten

Initiative, Durchsetzungskraft und Entscheidungsfreude bleiben wichtige „männliche“ Qualitäten. Frauen eigenes Geld, manchmal sogar mehr als ihre Partner. Die soldatische Männlichkeit hat nach zwei Weltkriegen ein schlechtes Image; in unserer vergleichsweise sicheren Weltregion gibt es wenig zu schützen. Das autoritäre

(oder gar gewalttätige) Durchsetzen des „Haushaltungsvorstands“ wurde ersetzt durch komplizierte Aushandlungsprozesse der „Familiendemokratie“, bei der sogar die Kinder Stimmrecht haben.

Männliche Qualitäten

Die alten Rollen haben sich aber nicht vollständig aufgelöst. Ein Mann, der einen interessanten Job hat und gut verdient, ist für Frauen weiterhin attraktiv. In dunklen Gassen oder an einsamen Bahnstationen hat das weibliche Geschlecht gern männliche Begleitung an der Seite; körperliche Stärke und Tapferkeit sind in bestimmten Situationen durchaus gefragt. Auch Initiative, Durchsetzungskraft und Entscheidungsfreude bleiben wichtige „männliche“ Qualitäten, die den

Thomas Gesterkamp. Der Autor ist Politikwissenschaftler und Autor zu Männerthemen.

Fragen, die das Leben stellt

Energie finden

„Wer bin ich?“ und „Was ist meine Aufgabe in der Welt?“ – die Fragen, die das Leben mir stellt, kann ich nicht beeinflussen, aber die Antworten darauf liegen in meiner Verantwortung und sind gestaltbar. Bei diesen Prozessen ist mir die KMB eine wertvolle Hilfe und Begleiterin.

In der Männergruppe sind Männer einmal anders! Nichts leisten und nicht funktionieren müssen, sondern der sein dürfen, der man(n) wirklich ist. Reden unter Männern kann befreiend wirken, mich auf wichtige Lebensspuren bringen und mich mit echter Energie aufladen.

mannsein Josef Muhr (53)

beruflichen Alltag erleichtern und in Liebesbeziehungen hilfreich sein können. Im 21. Jahrhundert erweitern sich die „Männlichkeiten“ um das Element der Fürsorge, früher eine weibliche Domäne. Engagierte Väter gehören heute zur selbstverständlichen Alltagskultur. Und auch bei der Pflege älterer Angehöriger engagieren sich überraschend viele Männer. Das Kunststück der modernen „Rollenartisten“ besteht darin, aus dem Supermarkt der Identitätsangebote jene zu nutzen, die sich zu einer zeitgemäßen Männlichkeit bündeln lassen. Im besten Fall gelingt eine zugleich starke wie sensible, auf jeden Fall aber selbstbewusste Persönlichkeit.

Klaus Salzmann (55),

mit Ehefrau Helga,

Lehrer für Deutsch und

Landwirt und Diakon,

Französisch, Saalfelden

Weistrach NÖ

SBG

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Mann sein

Etwas ganz Besonderes Freundschaft. In einer Umfrage haben drei Viertel der Männer gesagt, sie hätten keinen Freund. Kumpel und Kollegen natürlich, aber Freund, da hapert es. Wir Männer verwenden das Wort „Freund“ sehr exklusiv. „Deine Liebe war kostbar für mich, mehr als die Liebe der Frauen.“ Ich weiß nicht, woran Sie spontan denken, wenn Sie solche Worte von einem Mann hören. Doch es ist kein geringerer als David, der so von seinem Freund Jonathan

Selbst wenn man einander länger nicht gesehen hat, ist schlagartig alles wie beim letzten Mal. spricht. Dabei war Jonathan der Sohn von Davids eifersüchtigem Rivalen Saul, der ihm die Nachfolge nie wirklich gönnte. Die Freundschaft zwischen diesen jungen Männern überstand raue Herausforderungen und gab beiden einen starken Rückhalt. David aber war den Frauen keineswegs abgeneigt, nicht zuletzt hatte er ja Jonathans Schwester geheiratet. Die Freundschaft zu Jonathan war ihm aber kostbarer als alles andere.

Eine Beziehung, die trägt

Die Liebe zu einer Frau und die

Gemeinsam zu einem Rhythmus finden, Schritt für Schritt.

Freundschaft mit einem Mann sind zwei verschiedene Dinge. Das Eine kann das Andere nicht ersetzen, beide haben ihre tiefe Bedeutung und beide tun uns gut. Es braucht eher viel, bis wir von einem anderen Mann als „Freund“ reden. Das ist dann schon etwas Besonderes, und darum verwenden wir das Wort auch sehr vorsichtig. Kameraden, wie es früher hieß, kann man sich nicht selber aussuchen, mit denen wächst man durch die Situation zusammen. Echte Männerfreundschaft ist noch einmal etwas anderes. Freundschaft ist eine tiefe Verbindung, um die man nicht mehr buhlen muss, eine Beziehung, die trägt und verlässlich ist. Selbst wenn man einander länger nicht gesehen hat, ist schlagartig alles wie beim letzten Mal. Männerfreundschaft heißt, dass man miteinander über alles reden kann, genauso aber, dass man gar nicht mehr reden muss. Es gibt zwischen Männern eine Form

des wortlosen Einverständnisses als Ausdruck einer tiefen Verbindung, tiefer manchmal noch, als Gespräche sein können.

Eine Investition, die sich lohnt

Warum haben Männer so wenige echte Freundschaften? Vielleicht ist es eine gewisse Unsicherheit, die wir voreinander haben, wo wir doch sonst eher Rivalen sind. Wir haben unter Männern auch eine gewisse Scheu, näher aufeinander zuzugehen, Nähe zuzulassen. Und es ist sicher auch eine Frage der Zeit. Freundschaften müssen gepflegt werden. Wir müssen in sie auch investieren. Doch es sind Investitionen, die sich lohnen, die unser Männerleben bereichern, stabilisieren. Nicht zuletzt kann man unter Freunden einander auch einmal etwas sagen, das wir sonst von niemand erfahren. Markus Hofer. Der Autor ist Männerreferent der Diözese Feldkirch.

ypsilon: das KMB-Männermagazin Wenn ich das Mitgliedermagazin ypsilon im Postkasten finde, weiß ich, dass ich zur KMB gehöre. Ich finde die Vielfalt der Themen besonders sympathisch. Obwohl sie sehr anspruchsvoll sind, sind sie gut aufbereitet. An den Beitrag „Szenen aus dem Vaterleben“ denke ich gerne zurück. Zuerst bin ich immer auf die Kolumne „Perspektiven“ neugierig. Sie ist aus dem Leben gegriffen. Bei den Terminen und Veranstaltungsberichten sieht man, was alles läuft.

ypsilon y Karl Graf (65), Mattersburg B

Bestellen Sie Probeexemplare mit der beiliegenden Postkarte oder unter ypsilon@kmb.or.at

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Männerbewegung Wir sind für Sie da Österreich Mag. Christian Reichart Spiegelgasse 3/II 1010 Wien Tel. 01/515 52-3666 austria@kmb.or.at www.kmb.or.at

Ein starkes Netz Im Überblick. Das vielfältige Angebot der Katholischen Männerbewegung hat auch eine organisatorische Seite.

Diözese Eisenstadt Mag. Johann Artner St.-Rochus-Straße 21 7000 Eisenstadt Tel. 02682/777-281 kmb@martinus.at www.martinus.at/kmb

In acht Diözesen gibt es die Katholische Männerbewegung KMB als Teil der Katholischen Aktion. In Kärnten greift das Katholische Familienwerk Männerthemen auf. Die KMB wurde am 13. Mai 1948 im Stift Lambach OÖ gegründet. Heute finden mehr als 30.000 Männer in der KMB ihre spirituelle Heimat, Gleichgesinnte und Freundschaft. In Oberösterreich hat die Männerbewegung 16.000 Mitglieder, je etwa 5.000 in der Diözese St. Pölten und in der Erzdiözese Wien. Um Programme und Themen miteinander zu koordinieren, besteht ein Zusammenschluss auf Bundesebene.

Diözese Feldkirch Mag. Roland Sommerauer Bahnhofstraße 13 6800 Feldkirch Tel. 05522/34 85-204 kmb@kath-kirche-vorarlberg.at www.kmb.or.at/vorarlberg Diözese Graz-Seckau Franz Windisch Gertrude Felber Bischofplatz 4 8010 Graz Tel. 0316/80 41-326 kmb@graz-seckau.at www.katholische-kirche-steiermark. at/kmb Diözese Gurk-Klagenfurt Mag. Wolfgang Unterlercher Tarviser Straße 30 9020 Klagenfurt Tel. 0463/58 77-2440 wolfgang.unterlercher@kath-kirchekaernten.at www.kath-kirche-kaernten.at/kfw Diözese Innsbruck Obmann Adolf Stüger Riedgasse 9 6020 Innsbruck Tel. 0664/194 55 62 kmb@dibk.at www.kmb.or.at/innsbruck Diözese Linz Mag. Wolfgang Schönleitner Mag. Reinhard Kaspar Kapuzinerstraße 84 4020 Linz Tel. 0732/76 10-3461 kmb@dioezese-linz.at www.dioezese-linz.at/kmb

Im Leben verwurzelt

Die KMB-Obmänner der einzelnen Diözesen. Sitzend: Leopold Wimmer (St. Pölten und KMB Österreich), Herbert Nussbaumer (Feldkirch), stehend v. l. n. r.: Helmut Wieser (Wien), Johann Haider (Eisenstadt), Bernhard Treschnitzer (Salzburg), Ernest Theußl (Graz-Seckau), Adolf Stüger (Innsbruck), Franz Gütlbauer (Linz).

Fünf Facetten des Mannseins bilden das Fundament der KMB: Beziehung (Partnerschaft, Vater sein, Freundschaft), Mann sein (Identität), Glauben, Entwicklungspolitik und Politik. Viele KMB-Mitglieder sind – vielfach ehrenamtlich – in Staat, Gesellschaft und Kirche aktiv tätig. So gestalten sie unsere Institutionen aus dem Geist der Partnerschaft der Geschlechter und der solidarischen Verantwortung füreinander. Ein Brennpunkt des Arbeitsjahres ist seit 1986 die jährliche

Sommerakademie der KMB: in der dritten Juliwoche eine erfüllende Zeit der Diskussion, der persönlichen Begegnung und des gemeinsamen Gebets.

Kirche und Gesellschaft gestalten

Sechs Mal im Jahr erhält jedes Mitglied das Magazin ypsilon, eine Männerzeitschrift mit unverwechselbarem Profil. Aus dem entwicklungspolitischen Engagement der KMB seit 1958 entstanden die Aktion SEI SO FREI und ab 1972 die Augustsammlung, die heute gemeinsam mit der Caritas durchgeführt wird. 1975 gründete die KMB die EZA Fairer Handel GmbH mit dem Auftrag, Partnerinnen und Partnern in den Ländern des Südens unter fairen Bedingungen Absatzmärkte in Österreich zu verschaffen. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in den Diözesanbüros (s. Spalte links) unterstützen Männerrunden vor Ort und koordinieren die Projekte von SEI SO FREI. Nehmen Sie mit ihnen Kontakt auf, wenn Sie mehr über die Katholische Männerbewegung wissen wollen.  Markus Himmelbauer

Erzdiözese Salzburg MMag. Peter Ebner Kapitelplatz 6 5020 Salzburg Tel. 0662/80 47-7556 peter.ebner@ka.kirchen.net http://kmb.kirchen.net/ Diözese St. Pölten Michael Scholz Klostergasse 15 3100 St. Pölten Tel. 02742/324-3376 kmb.ka.stpoelten@kirche.at www.kmb-stpoelten.at Erzdiözese Wien Obmann Helmut Wieser Stephansplatz 6/5 1010 Wien Tel. 0664/621 69 82 ka.maennerbewegung@edw.or.at www.kmbwien.at

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Gott bewegt

Viele Wege – ein Ziel

Beständigkeit und Reform Wir suchen Spannung im Film und im Kriminalroman, Spannung vor und in einer Begegnung: Spannung gibt Anreiz, Motivation und Offenheit. Ausgespannte Arme sind die Einladung zur Begegnung und Umarmung. In diesem Sinn möchte ich auch die Spannung zwischen Beständigkeit und Reform, d. h. Veränderung, sehen. Bauen und Umbauen kennen wir. Eine Wohnung oder das Haus wird umgebaut – verändert bis hin zum Neubau. Bei alldem bleibt eines konstant: das Ziel. Die Neugestaltung soll den Notwendigkeiten, der Vision entsprechen. Die Parallelität zum Glaubensgebäude: Als Bub hatte der Glaube eine andere Struktur als in der Pubertät. Als erwachsener Mann – junger Liebhaber, Partner, Vater – waren vermutlich weitere Veränderungen angesagt, mindestens so im Scheitern einer Partnerschaft. Wenn Mann als Sohn seine Eltern zu Grabe begleiten muss, ist das auch eine neue Phase des Glaubens. Im Großvatersein und der Pension verändern sich die Schwerpunkte wiederum.

Lebendiger Baustein der Kirche Veränderungen im Glauben – Umbauten sind nötig. Konstant bleibt seit Kindesbeinen das Ziel: Gott und seine Nähe und Erlösung in Jesus Christus, sein Geist als Beistand und Kraftquelle für ein glückendes Leben. Neu sind immer wieder meine Zugänge zu Gott, Einsichten und Aussichten auf dem persönlichen Lebensweg. In der KMB können diese Reformgeschichten im Leben der Männer zur Sprache kommen. Als Christen dürfen wir uns als lebendigen Baustein in der Kirche Jesu Christi verstehen. In der Reform des persönlichen Glaubensgebäudes geschieht auch Kirchen­ reform. Selbst bei Enttäuschung über die Langsamkeit bei nötiger Veränderung in Kirche und Gesellschaft verlieren wir als KMB das Ziel der Offenbarung nicht aus den Augen: Erlösung und Heil für alle.

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Jägerstätter-Wallfahrt. Von unterschiedlichen Orten starten Mitglieder der Männerbewegung mit demselben Ziel: Gott loben in St. Radegund, dem Wohnort von Franz und Franziska Jägerstätter. Andreas Jakober. Geistlicher Assistent der KMBÖ

Zwettl an der Rodl: Hans Enzenhofer bricht am Sonntag, 13. Mai, um 5.30 Uhr auf. Quer durch Oberösterreich kommt er Freitag Nachmittag in St. Radegund an. Die rund 190 Kilometer Fußwallfahrt „waren für mich ein kleines Abenteuer und ich habe es genossen“, erzählt er: „Im Gasthaus habe ich mich immer zu den Leuten am Stammtisch gesetzt. Dabei haben sich interessante Gespräche ergeben. Dreimal wurde mir die Zeche bezahlt.“ St. Anton am Arlberg: Am Montag, 14. Mai, starten die Vorarlberger Männer um 10 Uhr die Sternwallfahrt. KMB-Vorsitzender Herbert Nussbaumer sagt, warum sie sich dem unberechenbaren Wetter aussetzen: „Jägerstätter ist ein Symbol, der viele Strapazen auf sich genommen hat. Mit der Radwallfahrt erweisen wir seiner Person die Ehre. Am Abend fragen die Leute, wer ist eigentlich dieser Jägerstätter und was hat er gemacht? Anfängliche Skepsis verändert sich in Begeisterung und Stolz, bei dieser Wallfahrt dabei sein zu dürfen.“ Salzburg, Domplatz: Am Samstag, 19. Mai, schwingen sich um

9 Uhr die Radlerinnen und Radler nach dem Reisesegen auf den Sattel. Im Vergleich zu den anderen sind die 45 Kilometer der Salzach entlang ein Genussprojekt. Ein herrlicher Frühlingstag. Unterwegs schließen sich immer mehr Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Gruppe an.

Begegnung und Gebet

Bei der Ankunft am ehemaligen Wohnhaus der Familie Jägerstätter werden wir von Pfarrer Josef Steinkellner und Bürgermeister Simon Sigl empfangen und von Martina Fischer aus Ostermiething verköstigt. Die Halsbacher Theatergruppe spielt eindrucksvoll Szenen aus dem Leben des Seligen Franz. Auch ein Reisebus mit der Mesnergemeinschaft aus Niederösterreich ist angereist. Krönender Abschluss ist der Gottesdienst mit einer Festpredigt von Pfarrer Richard Schwarzenauer aus Schwarzach im Pongau. Beim neu eingeweihten Denkmal für den Frieden werde ich daran erinnert, kritisch zu sein und Gott mehr zu gehorchen, als mich blind einer Ideologie hinzugeben.  Peter Ebner. Der Autor ist Diözesanreferent der KMB Salzburg.

Begegnung mit Franziska Jägerstätter (2. v. r.) bei der KMB-Wallfahrt 2011 im oberösterreichischen St. Radegund.


Männer können glauben Eine Typologie. Ob es den typisch weiblichen Glauben oder den typisch männlichen gibt, weiß ich nicht. Ich sträube mich auch ein wenig gegen diesen Gedanken, aber vielleicht hilft ja ein Streifzug durch meine Tätigkeitsfelder. Als Aushelfer in den Pfarren erlebe ich Männer, die in der Kirche in den „ersten“ Reihen (vom Eingang aus gesehen ) sitzen genauso wie sehr engagierte. Die „Distanzierten“ singen weniger mit, gehen weniger oft zur Kommunion, messgestalterische Spompanadeln lassen sie kalt; aber sie halten alles unter Beobachtung (z. B. die Länge der Predigt). Doch: Wovor schützen sie sich? Vor dem Zugriff des Pfarrers, dem Zugriff Gottes?

Voll überzeugt bis tausend Fragen

Bei den Engagierten kommt mir ein Musterexemplar in den Sinn: Dieser Mann bindet Jung und Alt ein, er motiviert, er denkt mit. Er hat kein Problem mit der „Öffentlichkeit“ seines Glaubens. Er hat eine Sprache für seinen Glauben gefunden: Vom Singen bis zum Knien gehört alles dazu – auch

Stefan Schmu-

das Einstehen für den Glauben im Beruf. Als Jugendseelsorger erlebe ich – fangen wir bei den Jüngsten an – Firmlinge, denen im Grunde alles religiöse Tun peinlich ist; tief drinnen haben sie aber oft Fragen ans Leben und an den Glauben Ende nie. Manche bringen sämtliche Pauschalurteile über die Kirche mit, da muss man zunächst einmal „Müll entsorgen“. Andere kommen ganz unbelastet, weil schon ihre Eltern kaum Erfahrungen mit Kirche hatten. Übrigens, ein Detail aus Gottesdiensten zum Thema Licht: Burschen taugen Fackeln, Mädchen eher Teelichter.

Typisch Mensch

Als Subregens im Priesterseminar bin ich umgeben von Männern unterschiedlichen Alters (aktuell 20–47) und unterschiedlicher Zugänge zum Glauben. Allen aber ist gemeinsam, dass sie Priester wer-

Bürgermeister,

Klosterneuburg NÖ

Markus Muth. Der Autor ist Bundesjugendseelsorger und Subregens im Priesterseminar der Erzdiözese Wien.

Zeugnis geben

Kraft-Räume

Seit 100 Jahren pilgern zum Leopoldifest tausende Männer zum Grab des heiligen Leopold nach Klosterneuburg. Sie alle setzen nach außen ein deutliches Zeichen der Identifikation mit dem christlichen Glauben. Als Politiker ist es mir ein Anliegen, gemeinsam mitzubeten. Für mich bedeutet der Glauben in meiner politischen Arbeit, dass man stets an den Lebenskreislauf erinnert und gemahnt wird.

Mit Männern auf dem Weg zu sein, nahe an den Themen, die uns bewegen, hat für mich eine große spirituelle Kraft. Kraftvolle Orte besuchen, der Natur nachspüren, Feuer anzünden, still sein, miteinander auf das Leben anstoßen, gemeinsam an etwas werkeln ... Mitten in diesen Erfahrungen und Ritualen spüre ich eine spirituelle Kraft, die mich im Alltag trägt.

glauben ckenschlager (34),

den wollen. Wobei der eine diesen Weg mit tausend Fragen geht und der andere bereits zu innerer Gewissheit gefunden hat. Gemeinsam sind auch liturgische Vollzüge wie Stundengebet, Messe, Anbetung, Bibelgespräch. Ich erlebe Männer, die aus vollem Herzen Halleluja singen, genauso wie einen, dem Tränen in den Augen stehen. Als Verantwortlicher für die Taufvorbereitung Erwachsener ergibt sich noch einmal ein anderer Blick, z. B. auf einen Mann, der die Wahrheit sucht und bereit ist, dafür seine Stelle als Professor aufzugeben und zu fliehen. Respekt! Zusammenfassend: Männer können glauben, und sie tun es in unterschiedlichen Intensitätsstufen. Wenn daran auch nicht alles typisch Mann ist, so ist es doch typisch Mensch!

Roland Sommerauer (40), KMBReferent, Feldkirch V

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ProjektWelt Andrea Schle­ huber, Geschäftsführerin der EZA Fairer Handel GmbH mit Projektpartner Francisco Reynaga aus Bolivien.

Fairer Handel Die 40-jährige Shila Verararghoven lebt mit ihrer elfjährigen Tochter auf Mauritius. Shila arbeitet als Büglerin bei Craft Aid. Ihr Lohn liegt deutlich über dem in der Branche üblichen, es gibt regelmäßige Arbeitszeiten, eine gewählte Arbeitnehmervertretung, Beteiligung am Gewinn und ein Betriebsklima, das von gegenseitigem Respekt getragen ist – ganz anders, als man es aus der Textilbranche sonst kennt. Die EZA Fairer Handel arbeitet seit 2005 mit Craft Aid zusammen. Bereits seit 25 Jahren existiert eine Brücke zwischen Kleinbauernfamilien im tropischen Tiefland Boliviens und Verbraucherinnen und Verbrauchern in Österreich. Die Kakaogenossenschaft El Ceibo zeigt, dass Träume Wirklichkeit werden, wenn Menschen sich zusammentun und einander unterstützen. „Die beste Erfahrung ist für mich, organisiert zu sein“, sagt Francisco Reynaga, langjähriges Mitglied der Kooperative. „Du bekommst Zugang zu Information, kannst dich weiterbilden.“ Heute erwirtschaftet El Ceibo bereits 60 Prozent seines Umsatzes am Inlandsmarkt.

Starthilfe durch die KMB So wie Shila und Francisco gibt es Tausende Menschen, die heute am fairen Handel teilhaben. Als bedeutender Gesellschafter der EZA unterstützt die KMB diese alternative Wirtschaftsweise bereits seit langem. So wurde etwa auch die EZA-Partnerorganisation El Ceibo durch Gelder der KMB gefördert. Durch den Kauf eines nunmehr an die EZA verpachteten Grundstücks in Köstendorf konnte die EZA 2005 den Bau eines neuen Logistikzentrums realisieren. Die KMB setzt sich für die Verbreitung des fairen Handels ein und erfüllt damit eine Vorbildfunktion.

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Zu Ehren eines Märtyrers und Kämpfers Romero-Preis. Erzbischof Oscar Arnulfo Romero wurde am 24. März 1980 in der Kathedrale von San Salvador während der Messe erschossen. Das war für die ­Katholische Männerbewegung ein Aufruf, gegen ­Ungerechtigkeit und mörderische Gewalt aufzustehen. Seit 1981 wird jährlich der Romero-Preis für herausragendes Engagement für Gerechtigkeit und Entwicklung in Afrika und Lateinamerika verliehen. Erster Preisträger war der deutsche Jesuit Franz von Tatenbach für seine Arbeit in Mittelamerika.

ter Polizeischutz. Ich weiß, dass die befreiende Dimension des Evangeliums ein Dorn im Auge der Mächtigen ist, aber mit der Unterstützung aus Österreich, auch der Katholischen Männerbewegung, werden wir weiterkämpfen.“

30 Jahre Auszeichnung für Mut und Einsatz

Sechs Jahrzehnte weltweite Solidarität

Über 30 Persönlichkeiten und Gruppen aus 17 verschiedenen Ländern haben diesen wichtigsten Preis Österreichs für Entwicklungspolitik inzwischen entgegengenommen. Unter den Geehrten sind die somalische Frauenrechtsaktivistin und Model Waris Dirie (2004), die tansanische Landwirtschaftsexpertin Saria Amillen Anderson (2011), der brasilianische Bischof und Autor Pedro Casaldáliga (1986) und der alternative Nobelpreisträger Bischof Erwin Kräutler (1988). Dom Erwin sagt über den Romero-Preis: „In Brasilien bin ich jeden Tag gefordert, Bischof Romero als Vorbild zu folgen. Ich werde nach wie vor bedroht und bin leider noch un-

1958 organisierte die Katholische Männerbewegung eine Sammlung zugunsten einer Landwirtschaftsschule auf der Insel Flores in Indonesien. Die Anfrage von Bischof Thyissen war der Zündfunke des entwicklungspolitischen Engagements der KMB. Der Erfolg der „Aktion Flores“ führte 1961 zur österreichweiten „Aktion Bruder in Not“. Die KMB startete 1972 die Augustsammlung, die heute gemeinsam mit der Caritas getragen wird. Seit 1996 läuft die Entwicklungszusammenarbeit unter dem Namen SEI SO FREI. Im Advent wird jedes Jahr um Spenden zugunsten Afrikas und Lateinamerikas gebeten.  Luis Cordero

Prälat Maximilian Fürnsinn, Bundespräsident Heinz Fischer und KMBÖ-Vorsitzender Raimund Löffelmann überreichen den Romero-Preis 2004 an die Frauenrechtsaktivistin Waris Dirie.


sei so frei Solidarität statt Glück Entwicklungspolitik. Was für Europa gilt, muss weltweit Geltung haben. Denn alles, was uns in Europa lieb ist – Wohlstand, Sicherheit und Demokratie –, ist langfristig nur aufrechtzuerhalten, wenn es gelingt, die mangelnden Lebensperspektiven in den Entwicklungsländern zu entschärfen. Die Zunahme gescheiterter Staaten sowie die ökologischen Risiken, allen voran die Klimaerwärmung, fordern uns heraus. Was einmal nationale, innenpolitische Aufgaben waren – die Förderung der wirtschaftlichen und sozialen Wohlfahrt, Friedenssicherung, Umweltschutz oder die Einhaltung der Menschenrechte –, verlangt heute „weltinnenpolitische Anstrengungen“ (© Peter Niggli, Alliance Sud). Die zentrale Aufgabe der Politik ist, für den Zusammenhang der einzelnen Maßnahmen zu sorgen. Entwicklungspolitik darf nicht durch eine gegenläufige Wirtschafts-, Handels-, Agraroder Außenpolitik konterkariert werden. Das EU-Parlament fordert daher eine Abkehr von der aggressiven EUHandelsliberalisierungspolitik und eine Agrarpolitik, die nicht der Nahrungsmittelsicherheit in den Entwicklungsländern zuwiderläuft.

Gerhard Pührmayr (46), Tischler,

Auf das Glück Einzelner lässt sich keine Gemeinschaft bauen

Zwei von drei Europäerinnen und Europäern unterstützen, dass die EU ihre Zusagen für eine Erhöhung der Entwicklungshilfe auf 0,7 Prozent des Bruttonational­ produkts bis 2015 einhält. Die Bilanz der Millenniums-Entwicklungsziele fällt aber sehr gemischt aus. Schuld daran sind auch die EU und viele Mitgliedsstaaten, deren Aktivitäten unambitioniert waren und die teilweise sogar ihre Hilfe zurückschrauben. Österreich gehört zu den EZASchlusslichtern, und die Mittel werden weiterhin gekürzt – ein Skandal und moralisches wie wirtschaftliches Armutszeugnis für eines der reichsten Länder der Welt. Dem griechischen Komödiendichter Menander (342–290 v. Chr.) wird das Zitat zugeschrieben: „Wenn alle Menschen sich immer gegenseitig beistünden, dann bedürfte niemand des Glücks.“ Recht hat er, der alte Grieche, die sozialen Ver-

Ulrike Lunacek. Die Autorin ist Europasprecherin der Grünen, Europaabgeordnete und außenpolitische Sprecherin der Grünen/EFAFraktion im Europaparlament.

Spenden SEI SO FREI Entwicklungspolitische Aktion der Katholischen Männerbewegung Hypo Oberösterreich BLZ 54.000, Kto.-Nr. 397562 IBAN AT93 5400 0000 0039 7562 BIC OBLAAAT2L Danke! Ihre Spende ist steuerlich absetzbar.

Bildung befreit

Durch persönliche Gespräche konnte die KMB-Gruppe 30 Waldbesitzer gewinnen, die zumindest einen Baum zur Verfügung stellten. Freiwillige Helfer übernahmen die Fällarbeiten und Vermarktung der gespendeten Bäume. Dank der großzügigen Unterstützung der Bevölkerung konnten so 7.500 Euro dem Projekt von Janira Souza de Franca in Brasilien zur Verfügung gestellt werden.

In Guatemala sind 60 Prozent der Menschen Analphabeten und viele Kinder hungern. SEI SO FREI ermöglicht verschiedene Schulprojekte – denn Bildung ist ein Schlüssel gegen Armut. Unsere Organisation ADICO organisiert seit fünf Jahren eine tägliche Schuljause für mehr als 200 Schülerinnen und Schüler in den Bergen. Ihre Spenden aus Österreich machen es möglich. Ein Euro ist in Guatemala das Vierzigfache wert. Danke!

Foto: SEI SO FREI Linz

Ein Baum für das Leben

Mayra Orellana, Geschäftsführerin von

sei so frei ­Helfenberg OÖ

werfungen im neuen Griechenland zeigen es: Auf das Glück Einzelner lässt sich keine Gemeinschaft aufbauen – und noch weniger eine Welt, in der jeder und jede eine Chance für ein menschen­würdiges Leben erhält. 

ADICO (Guatemala)

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Politik

Unterwegs zu einer geschlechtergerechten Gesellschaft Perspektiven. Dass Männer Politik machen, bedeutet noch nicht, dass diese Politik für Männer machen. Sozialminister Rudolf Hundstorfer spricht über die Aktivitäten der Männerpolitischen Grundsatzabteilung in seinem Ressort.

Rudolf Hundstorfer (61) ist Minister für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz.

Mehrheitlich machen Männer Politik. Warum braucht es da noch eine spezielle Männerpolitik? Hundstorfer: Väterbeteiligung an Familienarbeit und Kindererziehung, geschlechtergerechte Erziehung von Buben und Burschen, der Boy’s Day mit dem Ziel der Erweiterung des Berufswahlspektrums von männlichen Jugendlichen, Männergesundheit – all das sind Themen der Männerpolitik, aber nicht automatisch Themen der von Männern gemachten Politik. Was sind die Stärken des Mannseins? Hundstorfer: Zu den Stärken von emanzipierten Männern sollte es gehören, gemeinsam mit Frauen den Weg zu einer geschlechter-

Zu den Stärken von emanzipierten Männern sollte es gehören, gemeinsam mit Frauen den Weg zu einer geschlechtergerechten Gesellschaft zu ebnen.

gerechten Gesellschaft zu ebnen, Vorbildwirkung für Kinder auszuüben und schließlich auch über sich selbst lachen zu können. Manche Seiten männlicher Identität sind aber auch kontraproduktiv: kürzere Lebenserwartung, Tod durch (Verkehrs- und Sport-)Unfälle und Gewalt gegen die Partnerin. Hundstorfer: Der 1. österreichische Männergesundheitsbericht nennt diese Defizite und zeigt Strategien für die Steigerung des Gesundheitsbewusstseins auf. Das BMASK beabsichtigt, mit Jahresende einen Online-Männergesundheitsratgeber (www.maennerundgesundheit. at) einzurichten. Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Welche Rahmenbedingungen braucht es dazu aus Männersicht? Hundstorfer: Das Sozialressort hat zwei Väterkonferenzen mit internationaler Beteiligung durchgeführt, Publikationen zum Väterthema herausgebracht und

schließlich zum Vatertag 2012 den viersprachigen digitalen Leitfaden „Hurra, ich werde Vater!“ adaptiert und neu aufgelegt – kostenlos bestellbar über das Broschürenservice des BMASK. Dieser Leitfaden ist nun auch als App verfügbar. Neben dieser Bewusstseinsbildung gibt es auch die gesetzlich verankerten Maßnahmen zur Väterkarenz und die verschiedenen Bezugsvarianten des Kinderbetreuungsgeldes. Halbe-halbe wird von Frauenseite immer wieder eingefordert: dass häusliche Pflege- und Versorgungsarbeit tatsächlich partnerschaftlich geteilt wird. Wie kann man das erreichen? Hundstorfer: Das ist immer auch im Zusammenhang mit der Aufteilung der Erwerbsarbeit zu sehen. Wesentlich ist die partnerschaftliche Aufteilung der Gesamtverantwortung für das „Unternehmen Familie“ durch die (Ehe-)Partner. Interview: Markus Himmelbauer.

Urlaub mit Inhalt: KMB-Sommerakademie

Fritz Dobringer

Seit drei Jahren nehme ich an der KMB-Sommerakademie teil. Dort vertiefen wir mit hochkarätigen Referentinnen und Referenten das jeweilige Jahresthema der KMB, z. B. Tabu, Zivilcourage, Gerechtigkeit, Demokratie oder Diktatur!, Beziehung … Vorträge, Diskussionen und Arbeitsgruppen helfen mir, nicht auf billige Stammtischparolen hineinzufallen. Doch das ist nur ein Aspekt: Das gemeinsame Beten und die Begegnungen und Gespräche machen die besondere Atmosphäre dieser Woche aus. Oft wird gesagt, die Veränderung der Welt fängt bei einem selbst an. Vielleicht ist das eine Überforderung des Einzelnen. Aber als Gruppe können wir gemeinsam sicherlich starke Zeichen setzen.

akademie y (45), Bilanzbuchhalter, Buchkirchen bei Wels, OÖ

Sonderausgabe | 2012/2013 14


Veränderung beginnt heute Verantwortung übernehmen. Politik bietet keinen Platz für Illusionen oder für Missionierungen. Sie ist ein Ort, wo kreative, entscheidungsfreudige, führungsstarke, zähe und überzeugende Menschen das Gemeinwohl realisieren können. Als ich im Jahre 1989 von einem Tag auf den anderen in die österreichische Politik nahezu katapultiert wurde, ist bei mir zunächst keinerlei Lust aufgekommen. Allerdings hat sich im Laufe der Zeit mit den Erfolgen auch die Freude am Politikmachen eingestellt. Heute kann ich aus voller Überzeugung sagen: „Es hat sich nicht nur ausgezahlt, sondern die Politik ist zu meinem zweiten Ego geworden. Ich lebe mit ihr mit, auch wenn ich schon längst keine politische Funktion mehr habe.“

Kritikfähige und kreative Menschen zum Mitmachen gesucht!

Ich habe daher auch kein Verständnis für das ewige Jammern,

Alois Kloibhofer

goge, Bad Zell OÖ

Nörgeln und Besserwissertum, das gerade in katholischen Kreisen weit verbreitet ist. Manchmal vermute ich, dass dies als Ausrede herhalten muss, um sich der Politik zu verweigern. Dabei wäre gerade in Zeiten wie diesen, in denen die Probleme größer geworden sind und nicht nur unsere Generation, sondern vor allem die Generationen nach uns betreffen, offene, kritikfähige, aber auch kreative und konsequente Menschen vonnöten, um eine nachhaltige und lebenswerte Zukunft zu bauen. Wir Christen können gute Antworten geben auf die Fragen unserer Zeit. Wir machen uns aber auch schuldig, wenn wir uns der Politik entschlagen und uns in Hinterstübchen ein realitätsfremdes Biedermeier-Ambiente einrichten.

Gerechtigkeit schaffen

Max Weber hat darauf hingewiesen, dass es die vornehmste und wichtigste Aufgabe der Politik sei, Gerechtigkeit zu schaffen und zu sichern. Gerade hier gibt es jede Menge offene Baustellen. Ob Kli-

mawandel, Alterspyramide, neue Armut oder Chancengerechtigkeit: Überall ist energisches Handeln angesagt. Worauf warten dann diejenigen eigentlich noch, die Ungerechtigkeiten und Unzulänglichkeiten in unserer Gesellschaft längst erkannt haben? Das Verlangen, dass sich zuerst die politischen Verhältnisse ändern müssten, bevor es wieder attraktiv wäre, ein politisches Amt anzustreben, ist eine faule Ausrede und zeugt von politischer Naivität. Nur wenn Menschen bereit sind, sich einzubringen, sind sie auch in der Lage, die politischen Verhältnisse zu ändern. Wer etwas verändern will, soll noch heute damit anfangen. Ob in einem Verein oder einer NGO, in der Gemeinde, in einer Interessenvertretung oder auf Landes-, Bundes- oder internationaler Ebene, überall sind Leute willkommen, die sich engagieren. Franz Fischler. Der Autor war von 1989 bis 1994 österreichischer Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, von 1995 bis 2004 EU-Landwirtschaftskommissar.

Mit himmlischer Kraft

Politik und Gott

Ich sehe es als Aufgabe der KMB, sich für wesentliche Themen zu engagieren, u. a. der aktive Einsatz für die Schöpfung. Die KMB Bad Zell hat daher eine Photovoltaikanlage realisiert. Die Finanzierung haben wir mittels Bürgerbeteiligung und öffentlichen Förderungen aufgestellt. Wir produzieren nun etwa die Hälfte des pfarrlichen Strombedarfes mit himmlischer Kraft auf dem Dach des Pfarrheims. So können wir auch glaubhaft leben.

Beim politischen Emmausgang des Dekanats Deutschlandsberg legen Politikerinnen und Politiker aller Parlamentsparteien ihre Position zu aktuellen Themen dar. Ausgangspunkt ist eine Bibelstelle. Zwischen den Stationen ergibt sich die Möglichkeit zu österlicher Meditation oder zum Gespräch. Mich beeindruckt die Offenheit, mit der die Politikerinnen und Politiker an die Fragen herangehen. Leider ist in der konkreten Politik nicht immer etwas davon zu spüren.

politik (54), Diplompäda-

Foto: KMB Lechner

Diskussion im Politik-Zelt“ bei ” der 60-Jahr-Feier der KMB 2009 im Stift Melk.

Gerhard Schloffer (72), Pensionist, Hausmannstätten ST

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Verlags- und Aufgabepostamt: 3100 St. Pölten GZ 02Z032352M P.b.b. Rücksendeadresse: KMBÖ, Spiegelgasse 3/II, 1010 Wien

Unser Jahreslauf Überregionale Schwerpunkte aus unseren Angeboten: > > > > >

Dezember: SEI SO FREI-Adventsammlung Mai: Jägerstätter-Wallfahrt nach St. Radegund Juni: Vatertag Juli: KMB-Sommerakademie (ab 2013 in Melk) Sommer: SEI SO FREI-Augustsammlung in Kooperation mit Caritas > November: Verleihung des Romero-Preises

Unsere Welt

Unser Bischof Die Kirche bietet einen Ort der Besinnung, einen Ort der Christusnachfolge und einen Ort des Engagements. Es ist mir ein besonderes Anliegen, dass sich Männer organisieren, ihren Bedürfnissen nachgehen, gemeinsam im Gebet auf Gottes Stimme hören und in der Eucharistiefeier Kraft am Gauben schöpfen.

Vorgestellt. In der KMB sind 30.000 Männer miteinander verbunden. Werden auch Sie ein Baustein unserer Gemeinschaft. Christian Werner

Unser Promi

Josef Pühringer (63), Landeshauptmann von OÖ

An der Katholischen Männerbewegung schätze ich die zahlreichen gesellschaftspolitischen Initiativen, das „Wort ergreifen“ in Fragen der Sozialpolitik, der Entwicklungspolitik und den Einsatz für die Schwachen in unserer Gesellschaft. Damit wir eine funktionierende Zivilgesellschaft erhalten können, brauchen wir Menschen, die mehr tun als ihre Pflicht. Solche Menschen finden in der KMB ihre geistige Heimat.

Unser Promi

Erwin Pröll (66), Landeshauptmann von NÖ

(69), Bischof der Militärdiözese und „Männerbischof“ der Bischofskonferenz

Unser Ältester Vor 50 Jahren bin ich der KMB beigetreten und bis heute mit Freude aktives Mitglied. Ich erlebe viele gute persönliche Kontakte und leiste gerne auch heute meinen Beitrag für unsere Kirche. Mein Wunsch: Meine Kirche müsste mehr mit der Zeit gehen.

Otto Filipsky (100), Retz NÖ

Die Katholische Männerbewegung organisiert zahlreiche Vorträge, Ausflüge, Veranstaltungen und Diskussionen. Das zeigt, wie sehr die Kirche den Menschen einen Handlauf bietet, an dem man sich in schönen und in schweren Zeiten festhalten kann. Dadurch leistet die KMB einen wichtigen Beitrag, christliche Werte wie Nächstenliebe, Familiensinn und Respekt vor Gott und der Schöpfung in unserer Zeit zu leben und zu beleben.

Unser Neuer Ja, Sie sind gemeint, lieber Leser. Lassen Sie sich ansprechen: Mann, mach mit!

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