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Roland Gschwend | Dr. Ueli Matter

Volkswirtschaft und Staat entdecken Für Lernende – inkl. CD

1. Auflage 2010

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Grundlagen der Volkswirtschaft Marktwirtschaft und Staat Geld und Inflation Wirtschaftswachstum und Konjunktur Aussenwirtschaft Das politische System der Schweiz Die Behörden und ihre Aufgaben


Inhaltsverzeichnis Vorwort ...........................................................................................................................................................5 Angebot für Lernende ...................................................................................................................................6 Kapitel 1 Grundlagen der Volkswirtschaft ..................................................................................................7 Teil A 1.1 1.2 1.3 Teil B Teil C Teil D Teil E

Grundwissen ........................................................................................................................................................8 Unabsehbare Bedürfnisse und knappe Güter ..................................................................................................8 Aufgabe der Volkswirtschaftslehre ...................................................................................................................15 Die magischen Vielecke ....................................................................................................................................22 Grundwissen-Check .........................................................................................................................................26 Schlüsselbegriffe im Zusammenhang .............................................................................................................33 Aufträge .............................................................................................................................................................34 Fallbeispiele .......................................................................................................................................................35

Kapitel 2 Marktwirtschaft und Staat ...........................................................................................................41 Teil A 2.1 2.2

2.3

2.4 Teil B Teil C Teil D Teil E

Grundwissen ......................................................................................................................................................42 Wirtschaftsordnungen ........................................................................................................................................42 2.1.1 Planwirtschaft und Marktwirtschaft heute .............................................................................................44 Die Funktionsweise der reinen Marktwirtschaft ...............................................................................................48 2.2.1 Die Märkte .................................................................................................................................................48 2.2.2 Der Marktpreismechanismus ...................................................................................................................51 2.2.3 Elastizitäten ................................................................................................................................................60 Die Rolle des Staates in der Wirtschaft .............................................................................................................62 2.3.1 Sozialer Ausgleich: Ungleiche Güterverteilung .....................................................................................63 2.3.2 Wirtschaftsschwankungen und Arbeitslosigkeit ....................................................................................69 2.3.3 Öffentliche Güter......................................................................................................................................70 2.3.4 Externalitäten und Umwelterhaltung .....................................................................................................71 2.3.5 Wirtschaftskonzentration ..........................................................................................................................74 Finanzpolitik des Staates ....................................................................................................................................75 Grundwissen-Check .........................................................................................................................................81 Schlüsselbegriffe im Zusammenhang .............................................................................................................94 Aufträge .............................................................................................................................................................95 Fallbeispiele .......................................................................................................................................................96

Kapitel 3 Geld und Inflation ........................................................................................................................99 Teil A 3.1 3.2 3.3 3.4 Teil B Teil C Teil D Teil E

Grundwissen ....................................................................................................................................................100 Geld ...................................................................................................................................................................100 Landesindex der Komsumentenpreise (LIK) ..................................................................................................106 Inflation ..............................................................................................................................................................109 Die Schweizerische Nationalbank ..................................................................................................................115 Grundwissen-Check .......................................................................................................................................121 Schlüsselbegriffe im Zusammenhang ...........................................................................................................129 Aufträge ...........................................................................................................................................................130 Fallbeispiele .....................................................................................................................................................131

Kapitel 4 Wirtschaftswachstum und Konjunktur ......................................................................................135

Teil A 4.1 4.2 4.3 4.4 Teil B Teil C Teil D Teil E

Grundwissen ....................................................................................................................................................136 Erfassung der Wirtschaftsleistung ....................................................................................................................136 Bruttoinlandprodukt (BIP) .................................................................................................................................141 Konjunktur ..........................................................................................................................................................147 Wirtschaftswachstum .......................................................................................................................................156 Grundwissen-Check .......................................................................................................................................167 Schlüsselbegriffe im Zusammenhang ...........................................................................................................177 Aufträge ...........................................................................................................................................................178 Fallbeispiele .....................................................................................................................................................179


Kapitel 5 Aussenwirtschaft ........................................................................................................................183

Teil A 5.1 5.2 5.3 5.4 5.5 Teil B Teil C Teil D Teil E

Grundwissen ....................................................................................................................................................184 Die wirtschaftliche Verflechtung der Schweiz mit dem Ausland ................................................................184 Wechselkurssysteme .........................................................................................................................................189 Europäische Integration und Schweizer Aussenwirtschaftspolitik ............................................................... 193 Internationale Organisationen ........................................................................................................................202 Handel und Wohlstand ....................................................................................................................................206 Grundwissen-Check .......................................................................................................................................208 Schlüsselbegriffe .............................................................................................................................................217 Aufträge ...........................................................................................................................................................218 Fallbeispiele .....................................................................................................................................................219

Kapitel 6 Das politische System der Schweiz ..........................................................................................225 Teil A 6.1 6.2

6.3 6.4

6.5 Teil B Teil C Teil D Teil E

Grundwissen ....................................................................................................................................................226 Die Entstehung der Schweiz (Grundbegriffe) ................................................................................................226 Die verschiedenen Staatsformen ...................................................................................................................233 6.2.1 Gliederung nach Staatsaufbau ............................................................................................................233 6.2.2 Gliederung nach Staatsgewalt ............................................................................................................234 6.2.3 Gliederung nach Art der Demokratie ..................................................................................................235 Der Schweizerische Bundesstaat ....................................................................................................................237 Rechte und Pflichten........................................................................................................................................239 6.4.1 Die Menschenrechte .............................................................................................................................240 6.4.2 Die staatsbürgerlichen Rechte .............................................................................................................241 6.4.3 Die politischen Rechte ...........................................................................................................................241 Die politischen Entscheidungsträger ..............................................................................................................249 6.5.1 Die Parteien .............................................................................................................................................249 6.5.2 Übrige Organisationen und Gruppierungen .......................................................................................256 Grundwissen-Check .......................................................................................................................................259 Schlüsselbegriffe im Zusammenhang ...........................................................................................................267 Aufträge ...........................................................................................................................................................268 Fallbeispiele .....................................................................................................................................................269

Kapitel 7 Die Behörden und ihre Aufgaben ............................................................................................275 Teil A 7.1

7.2

7.3 7.4 Teil B Teil C Teil D Teil E

Grundwissen ....................................................................................................................................................276 Das Parlament (Legislative, Bundesversammlung) ......................................................................................276 7.1.1 Der Nationalrat .......................................................................................................................................276 7.1.2 Der Ständerat ..........................................................................................................................................281 7.1.3 Die vereinigte Bundesversammlung.....................................................................................................283 7.1.4 Die Gesetzgebung .................................................................................................................................288 Der Bundesrat (Exekutive)................................................................................................................................296 7.2.1 Der Bundespräsident ..............................................................................................................................296 7.2.2 Der Gesamtbundesrat ...........................................................................................................................297 7.2.3 Die 7 Departemente ..............................................................................................................................299 7.2.4 Beziehungen der Landesregierung zum Ausland ...............................................................................300 Das Bundesgericht (Judikative) ......................................................................................................................310 Die Behörden auf kantonaler und kommunaler Ebene ..............................................................................312 7.4.1 Behörden auf kantonaler Ebene ..........................................................................................................312 7.4.2 Behörden auf kommunaler Ebene .......................................................................................................313 Grundwissen-Check .......................................................................................................................................315 Schlüsselbegriffe im Zusammenhang ...........................................................................................................326 Aufträge ...........................................................................................................................................................327 Fallbeispiele .....................................................................................................................................................328

Stichwortverzeichnis ..................................................................................................................................332


A. Grundwissen 1.1

Ein grundsätzliches Dilemma: Unabsehbare Bedürfnisse und knappe Güter

Unabsehbare Bedürfnisse nach Maslow: Grund-, Sicherheits-, Soziale Bedürfnisse, Selbstverwirklichung, Individual-/Kollektivbedürfnisse Knappe wirtschaftliche Güter: Investitionsgüter, Konsumgüter (Verbrauch-/Gebrauchsgüter), Dienstleistungen, öffentliche Güter; freie Güter Knappe Produktionsfaktoren Boden, Arbeit, Kapital und Wissen Optimale Allokation der Ressourcen, Ökonomische Prinzipien: Minimum-, Maximum-, Optimumprinzip Unabsehbare Bedürfnisse Ein Bedürfnis ist der Wunsch, einen Mangelzustand zu beheben.

Grundwissen

A B C D E

Grundlagen der Volkswirtschaft

4.3 Millionen der 7.5 Millionen Einwohner der Schweiz sind erwerbstätig (2006), um sich und ihren Angehörigen ein Einkommen zu sichern. Das mittlere Bruttoeinkommen pro Haushalt von CHF 5’674.– (2006) wird zum Kauf von Gütern verwendet, welche die vielfältigsten Bedürfnisse wie Hunger, Durst, Schutz vor Witterung, Kontakt mit Anderen, Suche nach dem Sinn des Lebens zur Selbstverwirklichung usw. stillen soll. Wir arbeiten um mit dem Einkommen Güter kaufen zu können, die unsere Bedürfnisse befriedigen. Wobei auch die Arbeit selbst ein Bedürfnis stillen kann, z. B. nach Anerkennung. Bedürfniskategorien nach Maslow

Die Maslow-Pyramide besagt, dass die nächst höhere Bedürfniskategorie aktuell wird, wenn die vorhergehenden Bedürfnisse gestillt worden sind.

(Die These von Maslow ist in ihrer strengen Form widerlegt).

5. Selbstverwirklichung: Das tun, was man eigentlich machen möchte.

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Wah lbe dü rf n is s e

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4. Soziale Bedürfnisse nach Wertschätzung und Anerkennung von anderen Menschen. 3. Soziale Bedürfnisse nach Zugehörigkeit zu anderen Menschen. 2. Sicherheitsbedürfnisse: Das längerfristige Überleben soll gesichert werden. 1. Grund-/Existenzbedürfnisse: Das unmittelbare Überleben soll gesichert werden.

Sind die Grundbedürfnisse gestillt, kommen neue oder latent vorhandene Bedürfnisse zum Vorschein. Daher ändert sich mit zunehmendem Einkommen die Aufteilung der Konsumausgaben.

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Grundlagen der Volkswirtschaft

Kollektivbedürfnisse entstehen durch das Zusammenleben mehrerer Menschen. Diese werden von jedem Einzelnen empfunden, können aber nur durch die Zusammenarbeit aller (der Gesellschaft) befriedigt werden.

In einer Stadt empfinden alle Bewohner das Bedürfnis nach sicheren und sauberen Strassen. Aber nur in gemeinsamer Zusammenarbeit ist dieses Bedürfnis Vieler mittels Gütern wie Reinigung oder einer Kanalisation zu befriedigen. Sobald mehrere Menschen zusammen leben, können sich aus vielen Individualbedürfnissen auch Kollektivbedürfnisse ergeben.

Die Volkswirtschaftslehre geht davon aus, dass sich die Menschen so verhalten, als ob sie unabsehbare (unendliche) Bedürfnisse haben.

Haushalte mit tieferen Einkommen geben prozentual mehr Geld aus für Nahrung als solche mit höheren Einkommen. Diese geben deutlich mehr für Wohnungseinrichtungen aus. Die obige Darstellung „Struktur der Konsumausgaben nach Einkommenshöhe“ zeigt, dass zusätzliches Einkommen für den Konsum anderer Güter verwendet wird. Eine vollständige Sättigung der Bedürfnisse ist nicht absehbar – die Menschen verhalten sich so, als ob sie unendlich viele Bedürfnisse haben (Obwohl viele sagen, sie hätten alles was sie brauchen).

Knappe Ressourcen: Güter Güter umfassen alle Mittel und Leistungen, welche der Bedürfnisbefriedigung dienen. • Sachgüter/Waren • Dienstleistungen, Rechte

Unternehmungen wie die Jucker Farmart (www.juckerfarmart.ch) produzieren verschiedenste Güter zu Befriedigung vielfältiger Bedürfnisse.

Quelle: www.juckerfarmart.ch, 25.06.2009

Jucker Farmart ist in erster Linie ein Bauernhof, genau wie der Partnerbetrieb Bächlihof in Jona. Wir produzieren landwirtschaftliche Produkte und verkaufen diese in unseren Hofläden in Seegräben und Jona. Beide Bauernhöfe befinden sich an einer einzigartigen Lage, fern von Hektik und Stress. Dies gibt uns die Möglichkeit, unseren Gästen mehr zu bieten. Und was liegt da näher als die Gastronomie und der Eventbereich?

Freie Güter scheinen unbeschränkt zur Verfügung zu stehen und haben keinen Preis (Sonnenlicht).

Auf dem Hof von Jucker Farmart geniessen die Kunden die Aussicht auf See und Alpen, Sonne und frische Luft. Alles Güter, die scheinbar unbeschränkt und gratis vorhanden sind und nicht produziert werden müssen.

Wirtschaftliche Güter sind beschränkt vorhanden d. h. knapp und haben einen Preis (Liegenschaft, Apfelmost).

Jucker Farmart verkauft dagegen Güter wie Äpfel und Most, die zuerst hergestellt d. h. erwirtschaftet werden müssen und einen Herstellungsaufwand für Arbeitszeit, Saatgut, Düngemittel usw. mit sich bringen. Solche wirtschaftlichen Güter stehen im Gegensatz zu den freien Gütern nicht unbeschränkt und gratis zur Verfügung, sondern sie sind knapp und haben einen Preis.

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A B C D E Grundwissen

Die Volkswirtschaftslehre geht vom wirklichen Verhalten der Menschen aus und damit von unabsehbaren Bedürfnissen.

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Grundwissen

A B C D E

Grundlagen der Volkswirtschaft

Sachgüter sind materielle Gegenstände (Fahrzeug). Konsumgüter dienen der unmittelbaren Bedürfnis-befriedigung.

Sachgüter/Konsumgüter/Verbrauchsgüter: Jucker Farmart produzieren u. a. Äpfel, Birnen, Spargeln, Kürbisse welche direkt ab Hof gekauft und von den Konsumenten verbraucht werden können. Sachgüter/Konsumgüter/Gebrauchsgüter: Es werden auch Werkzeuge zum Schnitzen der Kürbisse angeboten. Sie können mehrfach verwendet werden.

1. Verbrauchsgüter können nach ihrem Konsum nicht mehr verwendet werden (Brot). 2. Gebrauchsgüter können mehrfach für den Konsum verwendet werden (T-Shirt).

Dienstleistungen sind immaterielle Gegenstände (Anlageberatung, Handel).

Der Bauernhof betreibt auch Handel. Im Hausladen auf dem Hof steht ein breites Sortiment auch anderer Produzenten zur Auswahl. Ebenso gibt es ein Restaurant.

Investitionsgüter dienen dazu andere Sachgüter oder Dienstleistungen herzustellen (Maschinen, Patente).

Zur Produktion der Äpfel und Birnen werden moderne Bewässerungsanlagen, Traktoren, Lagerhallen und für die Verwaltung IT-Anlagen und Büroräume eingesetzt.

Gütereinteilung Güter

Freie Güter

Wirtschaftliche Güter

Dienstleitungen

Sachgüter/Waren

Konsumgüter

Gebrauchsgüter

Öffentliche Güter werden oft vom Staat hergestellt und haben tendenziell die Eigenschaften • der allgemeinen Zugänglichkeit (Nicht-Ausschliessbarkeit vom Konsum) • der allgemeinen Gleichbehandlung (Nicht-Rivalität im Konsum).

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Investitionsgüter

Verbrauchsgüter

An den Wochenenden besuchen sehr viele Menschen die Jucker Farmart. Bei einem Unfall würden sofort Ambulanz und Polizei ihre Dienstleistungen zur Verfügung stellen. Diese Sicherheit kommt allen zu Gute, niemand kann davon ausgeschlossen werden. Auch würde kaum jemand auf dem Platz eine ärztliche Dienstleistung einem Verletzten streitig machen – Rivalität um diese Dienstleistung gäbe es nur beim unwahrscheinlichen Fall von sehr vielen Pflegebedürftigen.

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Grundlagen der Volkswirtschaft

A B C D E

Knappe Ressourcen: Produktionsfaktoren Produktionsfaktoren sind die Mittel zur Herstellung von Gütern. Sie bestehen aus Boden, Arbeit, Kapital sowie Wissen. Sie sind knapp und haben einen Preis.

Boden

Arbeit

Wissen

Kapital

Arbeit: Das Unternehmen wird mit Hilfe von unterschiedlich qualifizierten Arbeitskräften (Gärtner, Bauer, Koch, Verkäufer, Kaufmann usw.) betrieben. Die Arbeitskräfte verlangen für ihre Arbeit einen Lohn und sind nicht beliebig verfügbar d. h. knapp. Kapital: Das Restaurant, der Hofladen, der Stall, die Scheune und die Lager, die Abstellhallen für den Maschinen- und Fahrzeugpark sind die ersten sichtbar getätigten Investitionen beim Besuch der Jucker Farmart. Wissen: In der Gestaltung des Bauernhofes und dessen Umgebung steckt viel Wissen. Beispielsweise in der Gestaltung des Sortiments des Hofladens oder in den Maschinen. Dass das Wissen zur Güterherstellung notwendig ist, zeigt sich auch in der Qualität der Beratung durch die Mitarbeiter oder in den kreativen Ideen, die zu immer neuen Events auf dem Hof führen. Auch das Wissen ist zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht in unerschöpflichem Umfang vorhanden – Ideen und Kompetenzen von Mitarbeiter sind knapp. Wissen kann aber im Vergleich zu Boden, Arbeit und Kapital einfacher vermehrt werden.

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Grundwissen

Boden: Jucker Farmart setzt den Boden als Anbaufläche bei der Produktion von Erdbeeren, als Standort für die Lager oder als Rohstofflieferant für den Verkauf von Erde ein. Die Bodenfläche ist nur in beschränkten Umfang einsetzbar und hat einen Preis.

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Das Ziel der optimalen Allokation der Ressourcen Optimale Allokation (= Zuteilung) der Ressourcen bedeutet, dass die knappen Güter dieser Welt so effizient produziert und verteilt werden, dass möglichst viele der unabsehbaren Bedürfnissen gestillt werden können.

Zur Herstellung von Gütern muss sich der Unternehmer für eine bestimmte Kombination der Produktionsfaktoren entscheiden. Da die Produktionsfaktoren knapp sind, ist der Unternehmer zu einem möglichst sparsamen Einsatz, d. h. Zuteilung (= Allokation) der Ressourcen gezwungen. Nur so können die produzierten Güter zu einem angemessen Preis verkauft werden. Werden bei Jucker Farmart zu viele Mitarbeiter oder veraltete Maschinen eingesetzt, so sind die Produktionskosten und damit die Güterpreise höher. Ist der Güterpreis zu hoch oder entsprechen die produzierten Güter keinem bzw. zu wenig Bedürfnissen, so können die Produktionskosten nicht gedeckt werden und das Unternehmen geht Konkurs. Volkswirtschaftlich überleben deshalb konkurrenzfähige Unternehmungen, welche: 1. die knappen Produktionsfaktoren nicht verschwenden sondern haushälterisch (= ökonomisch) mit diesen umgehen d. h. eine effiziente Zuteilung (= Allokation) der Ressourcen vornehmen.

Grundwissen

A B C D E

Grundlagen der Volkswirtschaft

2. Güter herstellen, welche Bedürfnisse der Haushalte befriedigen. 3. Punkt 1 und 2 mindestens so gut wie die Konkurrenz erfüllen, da andernfalls die Unternehmung Konkurs geht. Volkswirtschaftlich gesehen übernehmen Unternehmungen die Aufgabe einer optimalen Güterversorgung der Bevölkerung. Aus Sicht einer Unternehmung wie Jucker Farmart gilt es im Spannungsfeld zwischen unendlichen Bedürfnissen und knappen Ressourcen ein optimales Ergebnis zu produzieren. Zwar ist Jucker Farmart in ihren Zuteilungsentscheiden frei, muss aber immer mit Fehlentscheiden rechnen, die zum Konkurs führen können – wahrlich ein spannendes Feld das es zu beackern gibt!

Verhalten nach ökonomischen Prinzipien Output: Hergestellte Menge an Gütern.

Jucker Farmart verkauft im Hofladen Äpfel.

Input: Mittel, die zur Herstellung von Gütern notwendig sind.

Für den Verkauf im Laden sind drei Mitarbeiterinnen angestellt.

Maximumprinzip: Mit gegebenem Input einen maximalen Output erreichen.

Die drei Mitarbeiter sollen je Arbeitsstunden maximal viele Äpfel (Kilogramm oder in CHF) verkaufen.

Minimumprinzip: Mit möglichst wenig Input einen bestimmten Output erreichen.

Die Apfelproduktion von 5 Tonnen je Tag soll mit möglichst wenigen Mitarbeitern geerntet werden.

Optimumprinzip: Die einzelnen Inputs und Outputs sollen so kombiniert werden, dass das Gesamtresultat maximiert wird.

Die Anzahl Mitarbeiter für die Ernte und im Laden soll insgesamt so klein sein, dass eine möglichst gute Ernte möglichst gut verkauft werden kann. Gesucht ist „die goldene Mitte“ bzw. das Optimum aller Kombinationen.

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Grundlagen der Volkswirtschaft

Die Kennzahl Produktivität zeigt das Verhältnis vom erwirtschafteten Output zum eingesetztem Input: Produktivität = Output / Input Beispiel: BIP / Kopf

Wie gut die optimale Allokation umgesetzt wurde lässt sich mit den Kennzahlen Produktivität, Wirtschaftlichkeit und Rentabilität messen. Je besser das Verhältnis von Output zu Input ist, desto grösser ist die Kennzahl. Kennzahl

Praxisbeispiele

Produktivität (P)

P = Output / Input

BIP pro Kopf Äpfel in t pro Arbeitsstunde

Wirtschaftlichkeit (W)

W = Output x Preis / Input x Preis d. h. Ertrag / Aufwand

Umsatz pro Mitarbeiter Umsatz pro m2 Umsatz pro Arbeitsstunde

Output x Preis = Ertrag, Umsatz Input x Preis = Aufwand, Kosten Rentabilität (R)

R = (Ertrag-Aufwand) / Kapital

10 % Rendite einer Bank

In einem Jahr werden 10’000 Stück Apfelkuchen produziert. Dafür braucht es zwei Angestellte, welche insgesamt 500 Arbeitsstunden einsetzen. Eine Arbeitsstunde kostet CHF 30.–; übriger Betriebsaufwand CHF 10’000.–. Der Verkaufspreis für ein Stück Apfelkuchen beträgt CHF 6.–. CHF 400’000.– wurden als Eigenkapital eingesetzt. • Der Output beträgt 10’000 Stück Apfelkuchen • Der Input beträgt 500 Arbeitsstunden • Die Produktivität beträgt 10’000 / 500 = 20 Stück / Arbeitsstunde • Die Wirtschaftlichkeit beträgt 10’000 x 6.– / 2 = CHF 30’000.– Umsatz je Mitarbeiter • Die Rentabilität beträgt (60’000 – 15’000 – 10’000) x 100 / 400’000.– = 8.75 %

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A B C D E Grundwissen

Ertrag – Aufwand = Gewinn Kapital = durchschnittlich eingesetztes Eigenkapital oder Gesamtkapital

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Unabsehbare Bedürfnisse und knappe Güter führen zur Aufgabe der Wirtschaft

Unabsehbare Bedürfnisse

Freie Güter

Grundwissen

A B C D E

Grundlagen der Volkswirtschaft

Konsumgüter Wirtschaftliche Güter sind knapp Investitionsgüter

Output Aufgabe der Wirtschaft:

Optimale Allokation der Ressourcen Input

Knappe Produktionsfaktoren Boden Arbeit Kapital Wissen

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