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Rechnungswesen 2 Aufbruch zur Spitze

1. Ausgabe 2012 SCHĂœLERBAND

Louis Maag Dr. Ueli Matter


Inhalt

Theorie

Aufgaben

9

30

73

90

8. Debitorenverluste

121

136

9. Abschreibungen

151

168

10. Abgrenzungen

199

216

11. Personalaufwand

255

248

6. Buchf端hrung & Kalkulation im Warenhandel 7. Mehrwertsteuer

Stichwortverzeichnis

280

Kontenrahmen

282


6



Buchführung & Kalkulation im Warenhandel

THEORIE

6. Buchführung & Kalkulation im Warenhandel Leitfragen Finden Sie beim Durcharbeiten der Theorie Antworten auf diese Fragen :

1.

Was ist das Kerngeschäft einer Handelsunternehmung ?

2.

Was zeigt der Saldo des Kontos Warenaufwand ?

3.

Was zeigt der Saldo des Kontos Warenertrag ?

4.

Wodurch unterscheidet sich die Buchführung mit ruhendem Inventar von der Buchführung mit laufendem Inventar ?

5.

Was wird unter Bezugskosten verstanden und wie werden sie verbucht ?

6.

Was wird unter Verkaufssonderkosten verstanden und wie werden sie verbucht ?

7.

Wie werden Rabatte auf Einkäufen verbucht ?

8.

Wie werden Rabatte auf Verkäufen verbucht ?

9.

Wie erstellt man eine dreistufige Erfolgsrechnung ? Weshalb ist die Aussagekraft der dreistufigen Erfolgsrechnung grösser als jene der stufenlosen Darstellung ?

10. Was ist der Unterschied zwischen Gesamt- und Einzelkalkulation ? 11. Wie berechnet man in der Gesamtkalkulation die Zuschlagssätze für Gemeinkosten, für den Bruttogewinn sowie für den Reingewinn ? 12. Nach welcher Reihenfolge werden Ein- und Verkaufskalkulation vorgenommen und wie lauten die Fachbegriffe für die einzelnen Kalkulationsschritte ? 13. Worin liegt der Unterschied zwischen abbauender und aufbauender Kalkulation ?

10


6

 THEORIE

6.1

Kerngeschäft der Handelsunternehmung

Die Handelsunternehmung kauft von Lieferanten Waren ein und verkauft diese zu einem höheren Preis an Kunden weiter. Nebst dieser Beschaffungsfunktion bietet sie den Kunden in der Regel auch ein Sortiment an verschiedenen Waren und hält einen Vorrat, um jederzeit lieferbereit zu sein.

Buchführung & Kalkulation im Warenhandel

Innerhalb der Handelsunternehmung ist es die Aufgabe des Rechnungswesens, Rechnungen und Zahlungen aus Ein- und Verkäufen zu verbuchen sowie den Bestand der Waren zu bewerten.

Lieferanten

Handelsunternehmung

Kunden

Rechnungswesen Kreditorenrechnung

Debitorenrechnung

Zahlung

Zahlung

Bestandesmeldung

Waren

12

Warenbestand ( Vorrat )

Waren




Typische Erfolgskonten im Warenhandel

Die Konten Warenaufwand und Warenertrag sind typisch für die Erfolgsrechnung einer Handelsunternehmung : Warenaufwand

Warenertrag

Der Saldo des Kontos Warenaufwand zeigt auf, wie viel die verkauften Waren im Einstand ( Einkaufspreis + Bezugskosten ) gekostet haben.

Der Saldo des Kontos Warenertrag zeigt die verkauften Waren zu Nettoerlösen ( Verkaufspreisen ) auf.

Warenaufwand

Warenertrag

Soll ( + )

Haben ( - )

Soll ( - )

Einstandswert der gehandelten Waren

6

THEORIE

Buchführung & Kalkulation im Warenhandel

6.2

Haben ( + ) Nettoerlös der gehandelten Waren

Saldo

Saldo

Das Konto Warenbestand Eine Handelsunternehmung führt in der Regel das Konto Warenbestand, weil am Ende der Periode nicht immer alle eingekauften Waren auch verkauft wurden oder weil ganz bewusst ein Lagerbestand zur Gewährleistung der Lieferbereitschaft gehalten wird.

Warenbestand ( Aktivkonto ) Der Saldo des Kontos Warenbestand zeigt die nicht verkauften Waren im Lager zu Einstandspreisen.

Warenbestand Soll ( + )

Haben ( - )

Anfangsbestand

Abnahmen

Zunahmen

Saldo

13


6



Buchführung & Kalkulation im Warenhandel

THEORIE

6.3

Buchführung

Ruhendes oder laufendes Inventar

Einkauf

Verkauf

Ende Periode

Ruhendes Inventar

Laufendes Inventar

Eingekaufte Waren sind im Konto Warenaufwand zu verbuchen.

Eingekaufte Waren werden im Konto Warenbestand verbucht.

Beispiel

Beispiel

Einkauf von Waren auf Rechnung für CHF 2 000

Einkauf von Waren auf Kredit für CHF 2 000

Soll

Haben

Warenaufwand

Kreditoren

Betrag 2 000

Verkaufte Waren werden zum Nettoerlös (Verkaufspreis) im Konto Warenertrag gebucht.

Haben

Warenbestand

Kreditoren

Betrag 2 000

Der Warenverkauf wird doppelt verbucht : 1. Zum Nettoerlös ( Verkaufspreis ) im Konto Warenertrag. 2. Zum Einstandspreis wird die Bestandesabnahme als Warenaufwand der Erfolgsrechnung belastet ( Verbrauch ).

Beispiel

Beispiel ( Fortsetzung )

Verkauf von Waren gegen Rechnung für CHF 3 000

Verkauf von Waren gegen Rechnung für CHF 3 000

Soll

Haben

Debitoren

Warenertrag

Betrag 3 000

Ziel: Das Konto Warenaufwand soll als Saldo den Einstandswert der verkauften Waren zeigen. Entspricht die eingekaufte Menge nicht der verkauften Menge, muss das Konto Warenaufwand um die Bestandesveränderung angepasst werden. Der Warenbestand wird als ruhendes Konto geführt (Anpassung nur Ende Periode). Bsp. Bestandeszunahme (Einkäufe › Verkäufe)

Zunahme Warenbestand um CHF 500 Soll

Haben

Warenbestand

Warenaufwand

Betrag 500

Bsp. Bestandesabnahme (Einkäufe ‹ Verkäufe)

Abnahme Warenbestand um CHF 500

14

Soll

Soll

Haben

Warenaufwand

Warenbestand

Betrag 500

Soll

Haben

Betrag

Debitoren

Warenertrag

3 000

Warenaufwand

Warenbestand

2 000

Keine Buchung, da das Konto Warenaufwand bereits den Einstandswert der verkauften Waren zeigt.




Transportkosten ( Bezugs- bzw. Verkaufssonderkosten ) Wer bezahlt eigentlich den Transport der Waren ?

6

THEORIE

Buchführung & Kalkulation im Warenhandel

Soweit nichts anderes abgemacht ist, trägt gemäss OR 189 ( Obligationenrecht ) der Käufer die Transportkosten sowie alle weiteren anfallenden Ausgaben, bis die Waren am Bestimmungsort sind (Bezugskosten). Es können aber auch andere Abmachungen getroffen werden. Haben die Geschäftspartner « Frankolieferung » vereinbart, bedeutet dies, dass der Verkäufer den Transport übernimmt ( Verkaufssonderkosten ). Im internationalen Handel werden solche Handelsklauseln in der Regel durch Incoterms in den Verträgen festgelegt ( International Commercial Terms, deutsch : Internationale Handelsklauseln ) : Beispiele für Incoterms ( Vollständige Liste auf : http ://www.iccwbo.org/incoterms ) Code

Bedeutung

Ort der Warenübergabe

EXW

ab Werk ( engl. : EX Works )

Standort des Werks

CIF

Kosten, Versicherung und Fracht bis zum Bestimmungshafen ( engl. : Cost Insurance Freight )

vereinbarter Bestimmungshafen

CPT

Fracht bezahlt bis … ( engl. : Carriage Paid To )

vereinbarter Bestimmungsort

CIP

Fracht und Versicherung bezahlt (engl.: Carriage Insurance Paid)

vereinbarter Bestimmungsort

DAT

Geliefert Terminal ( engl. : Delivered At Terminal )

vereinbarter Terminal

DDP

Geliefert Zoll bezahlt ( engl. : Delivered Duty Paid )

vereinbarter Lieferort im Einfuhrland

Bezugs- bzw. Verkaufssonderkosten sind grundsätzlich über dasselbe Erfolgskonto wie die betreffenden Waren zu verbuchen :

Bezugskosten > Käufer bezahlt

Verkaufssonderkosten > Verkäufer bezahlt

Bei ruhendem Inventar

Bei laufendem Inventar

Bezugskosten werden als Warenaufwand gebucht.

Bezugskosten werden im Warenbestand aktiviert.

Beispiel

Beispiel

Wir erhalten eine Rechnung über CHF 100 für den Transport der eingekauften Waren.

Wir erhalten eine Rechnung über CHF 100 für den Transport der eingekauften Waren.

Soll

Haben

Warenaufwand

Kreditoren

Betrag 100

Soll

Haben

Warenbestand

Kreditoren

Betrag 100

Verkaufssonderkosten werden als Ertragsminderung gebucht ( Minus-Warenertrag ). Beispiel Wir bezahlen das Porto von CHF 20 für den Versand von Waren an einen Kunden bar. Soll

Haben

Betrag

Warenertrag

Kasse

20

15


6



Buchführung & Kalkulation im Warenhandel

THEORIE

Verbuchung von Rabatten und Skonti Rabatte und Skonti sind Preisnachlässe, welche der Verkäufer dem Käufer gewährt. In der Praxis kann es diverse Gründe für Rabatte geben : Mängelrabatt

Preisnachlass wegen schlechter Qualität

Mengenrabatt

Preisnachlass ab einer bestimmten Bestellmenge

Skonto

Preisnachlass wegen vorzeitiger Bezahlung ( Bsp. « 2 % bei Bezahlung innert 30 Tagen, 60 Tage netto » )

Einführungsrabatt

Preisnachlass, weil es sich um ein neues Produkt handelt

Aktion

Vorübergehender Preisnachlass

Wenn Rabatte erst nachträglich durch eine separate Gutschrift oder in Form eines Skontoabzugs bei der Bezahlung gewährt werden, ist dafür eine separate Buchung notwendig. Der Rabatt wird dabei stets über dasselbe Konto wie die betreffenden Waren verbucht. Beispiel – Buchung eines nachträglich gewährten Rabatts Aus Sicht des Käufers:

Aus Sicht des Verkäufers:

08.01. Wareneinkauf auf Kredit, CHF 100 10.01. Gewährung von 20 % Mängelrabatt ( vgl. 08.01. )

08.01. Warenverkauf auf Kredit, CHF 100 10.01. Gewährung von 20 % Mängelrabatt ( vgl. 08.01. )

Datum Soll

Haben

08.01.

Warenaufwand* Kreditoren

10.01.

Kreditoren

Betrag 100 100 %

Warenaufwand*

20

20 %

Datum Soll

Haben

08.01.

Debitoren

Warenertrag

10.01.

Warenertrag

Debitoren

Betrag 100 100 % 20

20 %

* Bei laufendem Inventar : Konto Warenbestand

Beispiel – Buchung eines Skontoabzugs bei der Bezahlung Aus Sicht des Käufers:

Aus Sicht des Verkäufers:

08.01. Wareneinkauf auf Kredit, CHF 100 07.02. 3 % Skontoabzug 07.02. Bankzahlung des Restbetrags

08.01. Warenverkauf auf Kredit, CHF 100 07.02. 3 % Skontoabzug 07.02. Bezahlung des Restbetrags

Datum Soll

Haben

08.01.

Warenaufwand* Kreditoren

07.02.

Kreditoren

Warenaufwand*

07.02.

Kreditoren

Bank

Betrag 100 100 %

* Bei laufendem Inventar : Konto Warenbestand

16

Datum Soll

Haben

08.01.

Debitoren

Warenertrag

Betrag 100 100 %

3

3%

07.02.

Warenertrag

Debitoren

3

3%

97

97%

07.02.

Bank

Debitoren

97

97%




Dreistufige Erfolgsrechnung

Einführungsbeispiel Teil 1 – Ist das Kerngeschäft der Ralston AG profitabel ? Die Ralston AG ( Handel mit Sportartikeln ) hat zu Beginn des 2. Quartals die Liegenschaft gekauft, in der sich ihr Verkaufsgeschäft sowie eine fremdvermietete Fläche befinden. Nachstehend finden Sie die Erfolgsrechnung der Ralston AG für das 2. Quartal 2012. Auf den ersten Blick scheint das Kerngeschäft der Ralston AG profitabel zu sein ( Gewinn von CHF 7 000 ) :

6

THEORIE

Buchführung & Kalkulation im Warenhandel

6.4

Erfolgsrechnung Ralston AG 01.04. – 30.06.2012 Aufwand

Ertrag

Warenaufwand

230 000

Lohnaufwand

36 000

Raumaufwand

12 000

Übriger Aufwand Liegenschaftenaufwand Gewinn

Warenertrag

280 000

7 000 12 000

Liegenschaftenertrag

24 000

7 000

304 000

304 000

Einführungsbeispiel Teil 2 – Dreistufige Erfolgsrechnung der Ralston AG in Berichtsform Gliedert man die Erfolgsrechnung der Ralston AG in drei Stufen, wird deutlich, dass nur dank dem Nebengeschäft mit Liegenschaften ein Gewinn erzielt werden konnte. Aus dem Kerngeschäft ( Warenhandel sowie die dafür notwendige Infrastruktur ) resultiert dagegen ein Verlust.

Warenertrag

280 000

- Warenaufwand

230 000

Bruttogewinn

50 000

- Lohnaufwand

36 000

- Raumaufwand

12 000

- Übriger Aufwand

7 000

Betriebsverlust

- 5 000

+ Liegenschaftenertrag

24 000

- Liegenschaftenaufwand

12 000

Unternehmungsgewinn

7 000

17


6

 THEORIE

Dreistufige Erfolgsrechnung Die Erfolgsrechnung einer Handelsunternehmung gewinnt an Aussagekraft, wenn sie in 3 Stufen unterteilt wird :

Buchführung & Kalkulation im Warenhandel

Die erste Stufe ermittelt den Bruttogewinn als Differenz zwischen Einkäufen und Verkäufen. Die 2. Stufe zeigt auf, inwiefern der Bruttogewinn jene Aufwände zu decken vermag, welche für den Betrieb des Kerngeschäfts notwendig waren. Falls die Unternehmung noch ein nebenbetriebliches Geschäft betreibt, wird dessen Einfluss auf den Unternehmungserfolg in der 3. Stufe dargestellt. Das Vermieten von Wohnungen kann beispielsweise ein Nebengeschäft einer Handelsunternehmung sein. Ebenfalls in die 3. Stufe fallen Geschäftsfälle, welche ausserordentlich oder einer früheren Periode zuordenbar sind ( Bsp. : Brand im Lager, unerwartete rechtliche Drittansprüche aus vergangenen Jahren etc. ). Erklärung

1. Stufe

2. Stufe

3. Stufe

Bruttogewinn aus Kerngeschäft Differenz zwischen Warenertrag und Warenaufwand. Die Bezeichnung « Brutto » deutet daraufhin, dass von diesem Gewinn noch weitere Aufwände zu decken sind ( vgl. 2. und 3. Stufe ).

Betriebserfolg ( Gewinn oder Verlust ) Damit der Bruttogewinn der 1. Stufe erzielt werden konnte, war eine Infrastruktur erforderlich ( Personal, Räumlichkeiten, Geld etc. ). Diese Infrastruktur verursacht Aufwände, wie Lohnaufwand, Raumaufwand, Zinsaufwand etc. Solche Aufwände werden unter dem Begriff Gemeinaufwand zusammengefasst. Die 2. Stufe zeigt auf, inwiefern der Bruttogewinn diesen Gemeinaufwand ( allgemeiner Aufwand ) zu decken vermag. Der Bruttogewinn wird deshalb auch als Deckungsbeitrag bezeichnet. Das Kerngeschäft sowie die für das Kerngeschäft notwendige Infrastruktur wird als Betrieb bezeichnet. Betriebsfremder und ausserordentlicher Erfolg ( Gewinn oder Verlust ) Falls die Unternehmung noch ein nebenbetriebliches Geschäft betreibt, wird dessen Einfluss auf den Unternehmungserfolg in der 3. Stufe dargestellt. Das Vermieten von Wohnungen kann beispielsweise ein Nebengeschäft einer Handelsunternehmung sein. Ebenfalls in die 3. Stufe fallen Geschäftsfälle, welche ausserordentlich oder einer früheren Periode zuordenbar sind (Bsp. Brand im Lager, unerwartete Garantieansprüche etc.).

Stufenweise Ermittlung des Erfolgs

Warenertrag - Warenaufwand = Bruttogewinn

- Gemeinaufwand = Betriebserfolg

+ Neutrale Erträge - Neutrale Aufwände = Unternehmungserfolg

Je nach Bedarf oder Standard der Rechnungslegung können weitere Zwischentotale ausgewiesen werden: EBITDA Earnings before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf materiellem und immateriellem Anlagevermögen ( Bsp. Patente & Lizenzen )

18

EBIT

Earnings before Interest and Taxes Gewinn vor Zinsen und Steuern

EBT

Eearnings before Taxes Gewinn vor Steuern


Rechnungswesen 2