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Susann Gretener Jegge Peter D체rrenberger

Praxishandbuch

Prozesseinheiten PE Lernende wirkungsvoll anleiten

Rahmen Zeitliche Planung Inhaltliche Planung PE Schritt f체r Schritt Dokumentation erarbeiten Beispiel Dokumentation PE Pr채sentation vorbereiten


Inhaltsverzeichnis 1

Einführung Wichtiger Hinweis ............................................................................................. 10

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Rahmen ............................................................................................................ 14

2.1 2.2 2.3 2.4 2.5 2.6

Zielsetzungen der Prozesseinheiten .................................................................................... 15 Begriffe .................................................................................................................................. 16 Einbettung der Prozesseinheiten .......................................................................................... 18 Vorgaben und Hilfsmittel ...................................................................................................... 20 PE-Varianten ......................................................................................................................... 23 Plagiate ................................................................................................................................. 25

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Zeitliche Planung ............................................................................................. 28

3.1 3.2 3.3 3.4 3.5

Ausbildung planen ................................................................................................................ 30 Prozesseinheiten terminieren .............................................................................................. 31 Schlusstermine .................................................................................................................... 33 Checkliste Erarbeitung PE .................................................................................................... 34 Besondere Fälle .................................................................................................................... 26

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Inhaltliche Planung .......................................................................................... 40

4.1 4.2 4.3 4.4 4.5 4.6 4.7 4.8

Prozesse auswählen ............................................................................................................. 42 Prozesstitel definieren .......................................................................................................... 48 Start und Ende des Prozesses festlegen .............................................................................. 49 Aufgabenstellung vervollständigen ...................................................................................... 50 Vereinbarung / Bewertung ergänzen .................................................................................... 55 Datenbank DBLAP nutzen ..................................................................................................... 59 Prozesseinheiten und Leistungsziele ................................................................................... 61 PE und Sozial- und Methodenkompetenzen ......................................................................... 62

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PE Schritt für Schritt ......................................................................................... 66

5.1 5.2 5.3 5.4 5.5 5.6 5.7 5.8 5.9 5.10

Startgespräch durchführen .................................................................................................. 68 Arbeitsablauf erlernen lassen .............................................................................................. 70 Erarbeitung Dokumentation begleiten ................................................................................. 74 Bewertung Dokumentation erstellen ................................................................................... 76 Abschlussgespräch durchführen .......................................................................................... 82 Dossier bei der Ausbildungsbranche einreichen .................................................................. 87 Erarbeitung Präsentation unterstützen ................................................................................ 89 Präsentation im überbetrieblichen Kurs .............................................................................. 91 Bewertung Präsentation erstellen ........................................................................................ 92 Prozesseinheiten abschliessen ............................................................................................ 94

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Dokumentation erarbeiten ............................................................................... 96

6.1 6.2 6.3 6.4 6.5 6.6 6.7 6.8 6.9 6.10 6.11 6.12 6.13 6.14

Prozess bearbeiten ............................................................................................................... 98 Vorgehensplan / Pendenzenliste ........................................................................................ 100 Flussdiagramm ................................................................................................................... 108 Kurzbericht .......................................................................................................................... 114 Erfahrungsbericht (PE 2) .................................................................................................... 116 Kritische Schnittstellen (PE 3) ............................................................................................ 118 Lernjournal ......................................................................................................................... 122 Auswertungsbogen Lernjournale ....................................................................................... 124 Anhang ................................................................................................................................ 126 Inhaltsverzeichnis ............................................................................................................... 128 Titelblatt .............................................................................................................................. 130 Dokumentation gestalten / zusammenstellen ................................................................... 132 Dossier ................................................................................................................................ 136 Checklisten Dokumentation / Dossier ................................................................................ 137

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Beispiel Dokumentation PE ............................................................................ 142

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Präsentation vorbereiten ............................................................................... 156

8.1 8.2 8.3 8.4 8.5 8.6 8.7 8.8 8.9

Voraussetzungen ................................................................................................................. 158 Rahmen ............................................................................................................................... 159 Bewertung der Präsentationen ........................................................................................... 162 Präsentation vorbereiten: Konzept ..................................................................................... 169 Präsentation vorbereiten: Inhalt ......................................................................................... 171 Präsentation vorbereiten: Medieneinsatz ........................................................................... 178 Präsentation vorbereiten: Auftritt ....................................................................................... 181 Präsentation durchführen ................................................................................................... 184 Checklisten Präsentation.................................................................................................... 187

Anhang ............................................................................................................ 191 Downloads ............................................................................................................................ 192 Glossar/Abkürzungen .......................................................................................................... 194 Links ..................................................................................................................................... 196 Quellennachweis .................................................................................................................. 197 Literatur ............................................................................................................................... 199 Stichwortverzeichnis............................................................................................................ 201

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Rahmen

2 Rahmen

Neben den Noten der schriftlichen und mündlichen praktischen Abschlussprüfung bestehen zwei weitere Prüfungselemente, die ganz oder teilweise am Ausbildungsplatz aufgrund von konkreten betrieblichen Aufgaben geplant, durchgeführt und bewertet werden: die Prozesseinheiten PE und die Arbeits- und Lernsituationen ALS. Diese Aufwertung der betrieblichen Ausbildung erlaubt es den Lehrbetrieben selbst, die Leistungen ihrer Lernenden zu würdigen. Lernende können nun zeigen, was sie in der Praxis so "draufhaben". Und nach Abschluss der Lehre sehen künftige Arbeitgeber, wie sich die ausgelernten Berufsleute in der praktischen Arbeit bewährt haben.

Das Ausbildungsreglement legt die Anzahl und die Berechnung der Fachnote fest. In den Ausführungsbestimmungen zu den Prozesseinheiten PE sind die Grundlagen, der Ablauf, die Beurteilung und die Notengebung definiert.

Die Ausbildungsbranchen haben das Verfahren passend auf die Situation in ihren Lehrbetrieben konkretisiert und in den Modell-Lehrgängen MLG beschrieben. Dort finden Sie auch die notwendigen Aufgabenstellungen und Formulare, welche Sie benötigen für Anleitung und Bewertung.

Pro Lehrjahr ist eine Prozesseinheit PE zu absolvieren. Die Kantonalen Ämter für Berufsbildung haben dafür verbindliche Abgabetermine definiert. In besonderen Fällen können PE verschoben oder weggelassen werden. In solchen Fällen ist immer das Kantonale Amt für Berufsbildung zu kontaktieren.

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Rahmen

2.1 Zielsetzungen der Prozesseinheiten Die Prozesseinheiten PE sind eingebettet in die übrige betriebliche Ausbildung. Das gewählte Verfahren ermöglicht es den Berufsbildenden, ihre Lernenden anhand von tatsächlich im Lehrbetrieb vorkommenden praktischen Arbeitsabläufen zu bewerten. Die Bewertungen sind Teil der betrieblichen Abschlussprüfung.

Um in der heutigen Arbeitswelt zu bestehen, müssen Mitarbeitende prozessorientiert und bereichsübergreifend denken und handeln können. Selbständigkeit, geplantes und analytisches Vorgehen, vernetztes Denken und die Anwendung von Präsentationstechniken sind erforderlich. Kaufleute sollen betriebliche Abläufe erkennen, verstehen und sowohl schriftlich wie mündlich dokumentieren können. Zudem sollen sie wo notwendig zur Prozess- und Qualitätsverbesserung beitragen und auch in einem dynamischen, wirtschaftlichen Umfeld flexibel agieren können. Und nicht zuletzt sollen Lernende im Sinne des „Lebenslangen Lernens“ ihre Lernprozesse selbstkritisch hinterfragen und optimieren.

Ziel PE

Alle diese Schlüsselkompetenzen werden in den Prozesseinheiten PE gefördert und bewertet. Anhand der Bewertungen können die Lernenden erkennen, wo und wie sie sich verbessern müssen, um arbeitsmarktfähig zu sein bzw. über welche Kompetenzen sie bereits in ausreichendem Masse verfügen. Während der dreijährigen Lehre werden drei Prozesseinheiten erarbeitet. Dabei steigt das Anspruchsniveau kontinuierlich: während in der ersten PE die korrekte Beschreibung des Arbeitsablaufes im Vordergrund steht, geht es bei der dritten PE auch darum, kritische Schnittstellen im Ablauf zu erkennen und Vorgehensweisen zu deren Bewältigung vorzuschlagen oder zu dokumentieren. Lernende werden dadurch befähigt, zur Prozessoptimierung beizutragen und in ihrem Berufsleben selbständig korrekte Arbeitsprozesse unter Einbezug der betrieblichen Rahmenbedingungen zu gestalten.

Mit einer geschickten Auswahl der zu beschreibenden Prozesse (siehe Kapitel 4.1 Prozesse auswählen) können Sie einen konkreten Nutzen für den Lehrbetrieb erzielen. Viele Prozesseinheiten sind nämlich detaillierte Arbeitsbeschreibungen für wichtige Arbeitsabläufe in Ihrem Unternehmen. Flussdiagramme und Kurzberichte können eingesetzt werden für die Instruktion von Ferien-Stellvertretungen und die Einarbeitung von neuen Mitarbeitenden und neuen Lernenden. Wenn Sie diese Arbeiten in geeigneter Form den anderen Mitarbeitenden zur Verfügung stellen, drücken Sie damit auch Wertschätzung gegenüber der Arbeit der Lernenden aus.

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Rahmen

2.2 Begriffe Für das Verständnis der Prozesseinheiten sind die beiden nachfolgenden Begriffe zentral:

Prozesse

Prozesse sind kürzere oder längere betriebliche Arbeitsabläufe, welche sich in mehrere kleinere oder grössere einzelne Schritte unterteilen lassen. Prozesse haben einen Anfang und ein Ende; die einzelnen Schritte müssen in einer vorgegebenen Folge ablaufen, damit das geschäftliche oder betriebliche Ziel erreicht werden kann. Ein bestimmter Prozess kann innerhalb einer Abteilung oder bereichsübergreifend ablaufen, er kann mit anderen betrieblichen Prozessen verknüpft oder die Folge oder Voraussetzung für andere interne oder externe Prozesse sein. Hierbei kann es zu kritischen Schnittstellen z.B. in der Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen oder parallel laufenden Prozessen kommen. Prozesse müssen dynamische Elemente der betrieblichen Tätigkeit sein, da sich die internen und externen Rahmenbedingungen (z.B. die Produktepalette des Betriebes oder rechtliche Vorgaben des Staates) laufend verändern. Prozesse lassen sich in Worten beschreiben und/oder mit bestimmten Symbolen visualisieren. Die Visualisierung hilft, Verbesserungs- und Optimierungspotenziale (z. B. die Verringerung von Warte- oder Liegezeiten) zu erkennen und notwendige Schritte zu deren Umsetzung zu formulieren. Die einzelnen Arbeitsschritte umfassen meistens mehrere Tätigkeiten und / oder Entscheidungen und basieren auf einem bestimmten Input (z.B. Material oder Dokumente). Sie schliessen ab mit einem definierten Output (z.B. Brief oder Sendung), worauf der nächste Arbeitsprozess folgen kann. In ganz komplexen Prozessbeschreibungen, zum Beispiel für Abläufe in der Informatik, können durchaus auch mehrere hundert einzelne Schritte zur Darstellung notwendig werden.

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Rahmen

Prozesseinheiten (im Sinne der kaufmännischen Grundbildung) sind schriftliche und mündliche Beschreibungen von betrieblichen Prozessen (Arbeitsabläufen) gemäss einer vorgegebenen Aufgabenstellung. Sie umfassen eine Dokumentation und eine Präsentation, welche durch die Lernenden selbstständig zu erarbeiten und zu präsentieren sind. Die beiden Teile werden durch die Berufsbildenden und die Leitenden der überbetrieblichen Kurse beurteilt und bewertet.

Prozesseinheiten

Die Dokumentation muss verschiedene Elemente enthalten, anhand derer der Ausbildungsstand der Lernenden in Bezug auf Selbständigkeit, geplantes Vorgehen und die Fähigkeit, einen Sachverhalt nachvollziehbar zu beschreiben und nach kaufmännischen Grundsätzen sauber darzustellen, bewertet werden kann. Sie wird durch die Berufsbildenden aufgrund von Kriterien bewertet, welche durch die Ausbildungsbranche vorgegeben sind. Die Dokumentation umfasst eine bestimmte Anzahl Seiten und muss zu einem vorgegebenen Zeitpunkt an die Ausbildungsbranche oder die von dieser beauftragte Organisation zur Durchführung der überbetrieblichen Kurse eingesandt werden. In der Präsentation wird die Anwendung üblicher Präsentationstechniken bewertet. Sie erfolgt in einem vorgegebenen Rahmen (Zeit, Präsentationsmittel) und soll so gestaltet sein, dass auch Aussenstehende (z. B. die Teilnehmenden eines überbetrieblichen Kurses oder deren Leitende) nachvollziehen können, wie und unter welchen Bedingungen der Arbeitsablauf im Lehrbetrieb ausgeführt wird. Die Präsentation wird in den meisten Ausbildungsbranchen durch die üK-Leitenden bewertet aufgrund von ebenfalls durch die Ausbildungsbranche vorgegebenen Kriterien. In einzelnen Branchen ist es aber auch möglich, dass für eine bestimmte Prozesseinheit nach Wahl auch die Bewertung der Präsentation im Lehrbetrieb durchgeführt wird. Und in zwei Ausbildungsbranchen erfolgen alle Bewertungen ausschliesslich durch den Lehrbetrieb. Die in den beiden Bewertungen erzielten Punktzahlen werden zusammengezählt. Das Total der erreichten Punkte ergibt anhand eines Schlüssels eine Note. Gemäss Ausbildungsreglement werden während der Lehrzeit von 3 Jahren 3 Prozesseinheiten erarbeitet; pro Lehrjahr jeweils 1 Prozesseinheit. Das Anspruchsniveau der Prozesseinheiten wächst vom 1. bis zum 3. Lehrjahr. Auch die Bewertungskriterien müssen nicht in jedem Lehrjahr gleich sein.

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Rahmen

2.3 Einbettung der Prozesseinheiten Die Prozesseinheiten PE sind eines der vier praxisbezogenen PrĂźfungselemente der betrieblichen Ausbildung. Element der betrieblichen AbschlussprĂźfung

Während der dreijährigen Lehrzeit mßssen insgesamt 3 Prozesseinheiten erarbeitet werden. Der Mittelwert der 3 PE-Noten bildet eine Teilnote der betrieblichen Abschlussprßfung AP. Dieser Mittelwert wird auf Zehntelnoten gerundet.

Betriebliche AbschlussprĂźfung

Die drei anderen Elemente der betrieblichen AbschlussprĂźfung AP sind die 6 Arbeits- und Lernsituationen ALS und am Ende der Lehrzeit eine mĂźndliche und eine schriftliche praktische AbschlussprĂźfung. Diese vier Elemente ergeben zusammen die betriebliche Lehrabschlussnote. Die Noten der einzelnen Elemente sowie die betriebliche Lehrabschlussnote werden im eidg. Fähigkeitszeugnis „Kauffrau / Kaufmann“ ausgewiesen.

   

 

 

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Ăœbersicht betriebliche Abschluss prĂźfung

Weitere Informationen zur AbschlussprĂźfung finden Sie im KLV-Praxishandbuch „Lernende begleiten“. Das KLV-Praxishandbuch „Arbeits- und Lernsituationen“ informiert detailliert Ăźber den Einsatz und die DurchfĂźhrung der ALS.

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PHB Prozesseinheiten PE  

Lernende wirkungsvoll anleiten

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