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LehrplanPLUS | Realschule Bayern

Erarbeitet von

Hartmut Umhรถfer Yvonne Kopp

7 Betriebswirtschaftslehre/ Rechnungswesen


www.klv-verlag.de 1. Auflage, 1. Druck 2019 Alle Drucke dieser Auflage sind inhaltlich unverändert und können im Unterricht ­nebeneinander verwendet werden. © by KLV Verlag GmbH Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt. Jede Nutzung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlages. Hinweis zu §§ 46, 52 a UrhG: Weder das Werk noch seine Teile dürfen ohne eine solche Einwilligung gescannt oder in ein Netzwerk eingestellt oder sonst öffentlich zugänglich gemacht werden. Dies gilt auch für Intranets von Schulen und sonstigen Bildungseinrichtungen. Illustrationen: Bettina Nutz, Mainz Verlagsredaktion: Elisabeth Berten, Berlin Korrektorat: Martina Dold, Züssow, Marion Drachsel, Berlin Layout und Satz: zweiband.media, Berlin Cover: zweiband.media, Berlin ISBN 978-3-95739-074-5 KLV Verlag GmbH  |  Bellamonter Straße 30  |  88463 Eberhardzell Telefon 07358 9610920  |  Fax 07358 9610921  |  E-Mail info@klv-verlag.de


Liebe Schülerinnen und Schüler, Dieses Buch wird euch in dem neuen Unterrichtsfach Betriebswirtschaftslehre/Rechnungswesen, kurz: BwR, begleiten. Wir, die Autoren, gehen davon aus, dass ihr bis jetzt noch kein Betriebspraktikum absolviert habt und nur wenige von euch über die Abläufe in Betrieben etwas wissen. Deshalb haben wir für dieses Buch ein Modellunternehmen, die Ludwig Thalberger Schuhe e. K. entwickelt. Das existiert nicht wirklich, könnte aber! Denn alles, was wir zum Unternehmen schreiben, passiert auch in wirklichen Unternehmen. Durch „Mitarbeit“ bei der Ludwig Thalberger Schuhe e. K. könnt ihr erfahren, wie die Prozesse in Unternehmen funktionieren. Dazu sollt ihr die verschiedenen Lernsituationen bearbeiten.

LTS

Jede Lernsituation ist nach einem immer wiederkehrende Muster aufgebaut:

1. Orientierung Ihr macht euch mit der vorliegenden Lernsituation vertraut und ermittelt das gestellte Problem.

2. Information Jetzt besorgt ihr euch die benötigten Arbeitsmaterialien und informiert euch selbstständig zur Lernsituation. Unter dem nebenstehenden Symbol findet ihr dazu grundlegende Informationstexte. In manchen Lernsituationen sind auch zusätzliche Arbeitsmaterialien eingestellt. Im Methodenpool zum Schluss des Buches könnt ihr auch nach passenden Methoden und Techniken suchen, die ihr bei der Informationsbeschaffung nutzen könnt, z. B.: • Referate erstellen • Informationsbeschaffung über das Internet • Informationsbeschaffung durch Betriebserkundungen bzw. Betriebsbesichtigungen • Brainstorming • Brainwriting • Stationenlernen • Pro-und-Kontra-Debatte

Informationen

3. Planung Im nächsten Schritt organisiert ihr eigenständig, wie ihr die Aufgaben bearbeiten wollt. Ihr könnt dazu auch Arbeitsgruppen bilden, die unterschiedliche Themen bearbeiten.

4. Durchführung Nach diesen Schritten der Vorbereitung erstellt ihr das Handlungsprodukt. Dafür kommen infrage: • Vortrag • Referat • Hefteintrag • Antwortschreiben in Form eines Briefes, eines Faxes oder einer E-Mail • Rollenspiel • Plakat oder Folie • PowerPoint-Präsentation 3


5. Bewertung Nach der Bearbeitung der Lernsituation präsentiert ihr euer Handlungsprodukt. Nachdem es gegebenenfalls verbessert wurde, sichert die ­Ergebnisse in euren Unterlagen.

6. Reflexion Am Ende jeder Lernsituation reflektiert ihr sowohl das Arbeitsergebnis als auch den Arbeitsprozess. Auch hier stehen wieder mehrere Methoden und Techniken zur Verfügung, z. B.: • Feedback • Bewertungsbogen „Zielscheibe“ • Bewertungsbogen „Gruppenarbeit“ • Stärken-und-Schwächen-Analyse • Punktabfrage • Beobachtungsbogen zur Selbst- und Fremdeinschätzung

Wir wünschen euch viel Freude bei der „Mitarbeit“ im Unternehmen Ludwig Thalberger Schuhe e. K. und freuen uns, wenn ihr uns über eure Erfahrungen berichtet – natürlich auch das, wir besser machen sollten. Schreibt uns eine E-Mail unter: info@klv-verlag.de Autoren und Verlagsredaktion

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Inhaltsverzeichnis Lernbereich 1: Wirtschaftliches Handeln im privaten Haushalt . . . . . . . . . . . 7 Die Modellfamilie Brandl stellt sich vor . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8 Lernsituation 1: Einnahmen und Ausgaben der Familie Brandl . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9 Lernsituation 2: Kriterien für Konsumentscheidungen Jugendlicher . . . . . . . . . . . . 15 Lernsituation 3: Einkaufsbelege unter der Lupe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20 Lernsituation 4: Angebotsvergleich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33 Lernbereich 1: Aufgaben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36

Lernbereich 2: Wirtschaftliches Handeln im Unternehmen . . . . . . . . . . . . . . . 43 Das Modellunternehmen stellt sich vor . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44 Lernsituation 5: Unternehmen in der Region erkunden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45 Lernsituation 6: Der betriebliche Produktionsprozess bei der Ludwig Thalberger Schuhe e. K. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50 Lernsituation 7: Von der Geschäftsidee zur Unternehmensgründung . . . . . . . . . . . 61 Lernsituation 8: Die Standortwahl bei der Ludwig Thalberger Schuhe e. K. . . . . . . . 67 Lernsituation 9: Die neue Rechtsform der Ludwig Thalberger Schuhe e. K. . . . . . . . 73 Lernbereich 2: Aufgaben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80

Lernbereich 3: Einführung in die ­Geschäftsbuchführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . 83 Lernsituation 10: Durchführung einer Inventur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 84 Lernsituation 11: Buchungen einfacher Geschäftsvorfälle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 99 Lernsituation 12: Buchen der Umsatzsteuer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 108 Lernbereich 3: Aufgaben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 117

Lernbereich 4: Buchhalterische Erfassung des betrieblichen Produktionsprozesses . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 125 Lernsituation 13: Buchung erfolgswirksamer Geschäftsvorfälle . . . . . . . . . . . . . . . . . 126 Lernsituation 14: Durchführung eines Angebotsvergleichs . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 132 Lernsituation 15: Buchhalterische Erfassung des Einkaufs von Werkstoffen . . . . . 145 Lernsituation 16: Erstellung und Buchung einer Ausgangsrechnung . . . . . . . . . . . . 152 Lernbereich 4: Aufgaben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 163

Lernbereich 5: Strukturierung der G ­ eschäftsbuchführung . . . . . . . . . . . . . . . . 173 Lernsituation 17: Abschluss aller Konten am Ende des Jahres . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 174 Lernsituation 18: Inventurdifferenzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 181 Lernbereich 5: Aufgaben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 187

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Methodenpool . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 189 Plakatgestaltung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 190 Brainstorming . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 191 Referate anfertigen – aber wie? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 192 Feedback . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 193 Bewertungsbogen „Zielscheibe“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 194 Pro-Kontra-Liste . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 195 Erstellen eines Fragebogens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 196 Arbeiten in Sozialformen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 199 Mindmaps (Gedächtniskarten) erstellen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 201 Präsentieren – aber wie? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 202 Kriterienkatalog (Checkliste) für Präsentationen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 204 „Spickzettel“ anfertigen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 206 Arbeitsplan/Maßnahmenplan/Zeitplan . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 207 Präsentationsmedien: Beamer, Flipchart und Folie (Overheadfolie) . . . . . . . . . . . . . 208 Gallery Walk oder „Markt der Möglichkeiten“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 209 Gruppenpuzzle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 211 Stichwortverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 212 Bildquellenverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 215

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Wirtschaftliches Handeln im privaten Haushalt

Die Schülerinnen und Schüler … • stellen die Einnahmen und Ausgaben privater Haushalte gegenüber, um sich einen Überblick über deren finanzielle Situation zu verschaffen. Sie bewerten Ausgabewünsche von Familienmitgliedern kritisch, auch im Hinblick auf die Gefahr einer Überschuldung. • hinterfragen eigene Konsumgewohnheiten und leiten Konsequenzen für einen verantwortungsbewussten Umgang mit dem Einkommen ab. • analysieren und überprüfen Belege eines Familienhaushalts, um die für den Verbraucher wesentlichen Informationen, z. B. im Hinblick auf die Bezahlung, zu entnehmen. • wählen geeignete Zahlungsmöglichkeiten für familientypische Situationen aus, indem sie die jeweiligen Vor- und Nachteile abwägen und sie aus der Sicht des kritischen Verbrauchers bewerten. • wenden die Prozentrechnung insbesondere in ökonomischen Kontexten an und überprüfen die Richtigkeit der Ergebnisse durch Abschätzen. • entnehmen und bewerten die in Infografiken dargestellten Informationen, indem sie die Grafiken anhand typischer Kriterien untersuchen und Diagrammarten unterscheiden.

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Wirtschaftliches Handeln im privaten Haushalt

Die Modellfamilie Brandl stellt sich vor

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Familie Brandl wird dich die nächsten Jahre begleiten. Vater Josef Brandl fand nach seinem Studium als Elektro­ingenieur eine Anstellung bei der Hansen GmbH, einem orts­ansässigen Elektrounternehmen, das sich um die Elektro- und Sicherheitstechnik verschiedener Bauvorhaben kümmert. Helga Brandl ist stundenweise in der Verkaufsabteilung des Unternehmens Ludwig Thalberger Schuhe e. K. tätig. Sohn Daniel ist bereits ausgezogen und studiert derzeit internationale Betriebswirtschaftslehre. In seiner Freizeit bessert er sich sein Taschengeld durch gelegentliche Auftritte als DJ auf. Tochter Elena hat gerade ihren Mittleren Bildungsabschluss erfolgreich geschafft und eine Ausbildung als Floristin begonnen. Tochter Carina besucht die siebte Klasse der Realschule und das Nesthäkchen Erik kommt nächstes Jahr in die Grundschule.

Vater Josef Brandl (45) ist als Elektroingenieur bei einem Unternehmen in Landshut tätig.

Mutter Helga Brandl (44) arbeitet stundenweise im Unternehmen Ludwig Thalberger Schuhe e. K.

Sohn Daniel (18) studiert derzeit internationale Betriebswirtschaftslehre.

Tochter Elena (16) absolviert eine Ausbildung als Floristin.

Tochter Carina (13) besucht die siebte Klasse der Realschule.

Sohn Erik (5) kommt erst nächstes Jahr in die Schule.

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Lernsituation 1: Einnahmen und Ausgaben der Familie Brandl

Lernsituation 1: Einnahmen und Ausgaben der Familie Brandl

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Es ist Familiensonntag bei Familie Brandl. Im Wohnzimmer werden die Ereignisse der letzten Woche besprochen sowie Essenswünsche für die kommende Woche geäußert. Frau Brandl schaut die Anzeigenblätter der Supermärkte durch und schreibt einen Einkaufszettel. Auch die Kinder Carina, Elena und Daniel sowie Vater Josef blättern in der Werbung, als der Vater Josef etwas entdeckt. Josef:

„Schau mal, Helga, hier gibt es eine super Elektrokettensäge, die kostet nur 289 Euro. Dann könnte ich das stumpfe Ding im Keller endlich wegwerfen.“

Helga: „Josef, das ist jetzt nicht dein Ernst, oder? Schau mal, jetzt zum Schul­beginn fallen wieder so viele Ausgaben an. Carina braucht noch drei große Ordner. Und die Hausschuhe von Erik im Kindergarten werden auch schon wieder zu klein. Die kosten bestimmt 30 Euro.“ Carina: „Papa, ich brauche auch noch die 15 Euro Kopiergeld für die ­Schule …“ Elena: „Na ja, Carina, das kann auch noch warten. Ich brauche ganz dringend 20 Euro für die Wochenkarte beim Bus.“ Daniel: „Haha, du verdienst doch schon dein eigenes Geld, Schwesterherz ­Elena. Nimm doch erst einmal das. Ich brauche für die Universität noch ein ganz wichtiges Buch, wenn jetzt im Oktober das Semester wieder losgeht!“ Elena: „Ich bekomme erst nächsten Monat meine erste Ausbildungsvergütung. Und wieso ein Buch? Schau doch im Internet dein Zeug nach.“ Josef:

„Was für ein Buch brauchst du denn schon wieder, Daniel? Ist das auch wieder so teuer wie das letzte Buch für 50 Euro?“

Daniel: „Na ja, Papa … es ist echt total wichtig: Wirtschaftsenglisch. Und die Bücher für die Uni sind eben alle so teuer.“ Helga: „Dann wird das nächste Woche aber nichts mit unserem Grillabend, das klingt eher nach Suppe, bei den ganzen Ausgaben. Wir brauchen ja auch mindestens 150 Euro für die Lebensmittel pro Woche.“ Josef:

„Ach komm, Helga, irgendwie wird das schon gehen. Am besten hole ich mal das Haushaltsbuch. Da stehen unsere gesamten Einnahmen drin.“

Helga: „Ja, mach das. In meiner Handtasche ist auch noch ein Kontoauszug, den ich am Freitag geholt habe. Dann rechnen wir das mal durch.”

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Wirtschaftliches Handeln im privaten Haushalt

Arbeitsmaterial

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M1

M2

Kindergeld ab 01.07.2019 für das erste und zweite Kind

204,00 €

für das dritte Kind

210,00 €

für jedes weitere Kind

235,00 €

M3 GIRO BLZ 743 500 00 Sparkasse Landshut Datum Erläuterungen

Kontoauszug

25/20.. Blatt 1 Betrag

Kontostand in EUR am 31.08.20XX,

4.875,29 + ------------------01.09.20XX Miete 01.09.20XX 1.146,00 03.09.20XX Strom 03.09.20XX 110,00 03.09.20XX Versicherung Kinder 03.09.20XX 138,00 04.09.20XX Telefon und TV 04.09.20XX 54,00 ------------------neuer Kontostand in EUR am 05.09.20XX, Auszug Nr. 25 3.427,29 +

Familie Brandl Spechtweg 21 84028 Landshut

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IBAN: DE 58 7435 0000 8932 7453 25 SWIFT-BIC: BYLADEM1LAH


Lernsituation 1: Einnahmen und Ausgaben der Familie Brandl

Handlungsaufträge

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1. Macht euch mit der Situation vertraut, indem ihr euch zunächst orientiert. Betrachtet hierzu die erhaltenen Unterlagen und stellt sicher, dass euch die Aufgabe klar ist. Informiert euch insbesondere sowohl über die Quellen und Arten als auch über die Verwendung des Einkommens. (Orientierung und Information) 2. Plant das weitere Vorgehen, indem ihr euch Gedanken macht, was in dieser ­konkreten Situation zu tun ist, und notiert diese stichpunktartig. (Planung) 3. Erstellt eine Übersicht, aus der die Einnahmen und Ausgaben der Familie für den Monat September abgelesen werden können, und macht der Familie Brandl Vorschläge zu den Wünschen am Familiensonntag. (Durchführung) 4. Präsentiert eure Ergebnisse zunächst zwei Klassenkameraden und später im Klassenplenum und diskutiert über sie. Ergänzt gegebenenfalls eure Übersicht. (Bewertung) 5. Erstellt für den kommenden Monat eine Übersicht eurer eigenen Einnahmen und Ausgaben mithilfe eines Computerprogramms. Bildet die Summen der Einnahmen sowie der Ausgaben. Wählt als Überschrift für die Tabelle „Meine ­Einnahmen und Ausgaben im …“ und gebt den Monat und die Jahreszahl an. 6. Stellt die Einnahmen und die Ausgaben in einem geeigneten Diagramm gegenüber und beschriftet es vollständig und sinnvoll. 7. Speichert die Datei unter dem Dateinamen Einnahmen_Ausgaben.­ 8. Findet eine Lösung, falls ihr mehr ausgegeben habt, als ihr eigentlich an ­Taschengeld zur Verfügung hattet. (Reflexion)

Quellen und Arten des Einkommens einer Familie Das Geld, das einer Familie zur Verfügung steht, bezeichnet man als Einkommen. Es wird z. B. zur Finanzierung von Lebensmitteln, von Kleidung, der Wohnung, aber auch dem ­Hobby und den vielen kleinen weiteren Wünschen verwendet. Dieses Einkommen ist von Familie zu Familie unterschiedlich hoch. Es kommt aus verschiedenen Quellen, wobei die größte Quelle mit rund zwei Drittel der Einkommen die Erwerbsarbeit ist. Einkommen aus ­Erwerbsarbeit

Einkommen aus Vermögen und Besitz

Informationen zur Lernsituation 1

Einkommen aus Steuermitteln und gesetzlichen Sozialversicherungen

Nice to know  Familien zählen bei statistischen Untersuchungen und Wirtschaftsberichten zur Gruppe der privaten Haushalte. 11


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Wirtschaftliches Handeln im privaten Haushalt

Einkommen aus Erwerbsarbeit

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Arbeiter, Angestellte und Auszubildende beziehen Einkommen aus nicht selbstständiger Arbeit. Dieses Einkommen kann als Gehalt oder Lohn vom Arbeitgeber ausgezahlt werden. Wer Gehalt bezieht, bekommt monatlich einen fest vereinbarten Betrag, der jeden Monat gleich hoch ist. Beim Lohn wird nur die tatsächlich geleistete Stundenzahl ver­gütet. Der Betrag kann jeden Monat verschieden hoch sein.

Entgeltabrechnung 8/20.. Firma

Elektroanlagen Hansen GmbH

Personalnummer

023

Josef Brandl Spechtweg 21 84028 Landshut

Bezeichnung

Lohnsteuermerkmale Steuerklasse

III

Kinderfreibetrag

2

Konfession

r.k.

Betrag

Gehalt

4.200,00 €

Bruttoentgelt

4.200,00 €

Steuern

− 449,95 €

Sozialversicherungsbeiträge

− 859,95 €

Nettoentgelt

2.890,50 €

  Nice to know Steuern setzen sich zusammen aus: Lohnsteuer, Kirchensteuer, Solidaritätszuschlag. Sozialversicherungsbeiträge bestehen aus Krankenversicherung, Pflegeversicherung, Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung.

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Elektroanlagen Hansen

Der Betrag nach Abzug der Steuern und der Beiträge zu den Sozialversicherungen wird als Nettoentgelt bezeichnet und kann von den Haushalten für ihre Ausgaben verwendet werden. Der Betrag vor dem Abzug wird als Bruttoentgelt bezeichnet. Eine weitere Möglichkeit, Erwerbseinkommen zu erhalten, ist die selbstständige Arbeit. Dies beziehen beispielsweise Handwerker in Form von Gewinn. Ihr Erwerbseinkommen ist der Gewinn, die Differenz zwischen ihren Umsätzen (Einnahmen) und ihren Kosten. Unternehmer haben zunächst Kosten (Ausgaben), z. B. für ihre Arbeitsmaterialien, ein Büro oder für ihre angestellten Mitarbeiter. Auch Unternehmer in freien Berufen wie Physiotherapeuten, Rechtsanwälte, Ärzte oder auch Künstler erzielen Einkommen aus selbstständiger Arbeit in Form von Honoraren oder Gagen.


Lernsituation 1: Einnahmen und Ausgaben der Familie Brandl

Einkommen aus Vermögen und Besitz

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Besitzen private Haushalte gespartes Geld, Wohnungen, Häuser oder Grundstücke, beziehen sie daraus Einkommen aus Vermögen. Sie erhalten beispielsweise Zinsen für Sparanlagen bei Geldinstituten, Pacht für ein Grundstück oder Miete für eine Wohnung.

Einkommen aus Steuermitteln und gesetzlichen Sozialversicherungen • Unter bestimmten Bedingungen erhalten private Haushalte Einkommen aus ­Steuermitteln. Beispiele hierfür sind das Kindergeld, das Elterngeld, aber auch das Arbeitslosengeld II (umgangssprachlich: Hartz IV). • Transfereinkommen kann auch aus einer gesetzlichen Sozialversicherung gezahlt werden. Beispiele: Altersrente, Arbeitslosengeld I, Pflegegeld.

Nice to know  Transfer (lat.) = Übertragung

Damit der Staat Transferleistungen, z. B. Kindergeld, gewährleisten kann, muss fast jeder ­Einkommensempfänger Steuern und in den meisten Fällen auch Beiträge zu den gesetzlichen Sozialversicherungen entrichten.

Die Verwendung des Haushaltseinkommens Jeder private Haushalt verwendet sein Einkommen unterschiedlich, da persönliche ­Interessen und Wünsche berücksichtigt werden. Die Grafik zeigt, wofür private Haushalte ihr Geld ausgeben. Private Konsumausgaben von Mehrpersonenhaushalten* 2015 126,00 € Sonstige Waren und 186,00 € Dienstleistungen Gaststätten/ Übernachtungen 67,00 € Bildungswesen

* 2 Erwachsene mit Kind(ern) unter 18 Jahren bzw. bis 24 Jahren, wenn sie nicht erwerbstätig sind

505,00 € Nahrungsmittel/Getränke/Tabak

351,00 € Freizeit, Unterhaltung, Kultur

175,00 € Bekleidung/Schuhe

84,00 € Post- und Telekommunikation 466,00 € Verkehr 96,00 € Gesundheit

1.108,00 € Wohnen/Energie/ Wohnungsinstandhaltung

187,00 € Innenausstattung/Haushaltsgeräte und -gegenstände Quelle: Stat. Jahrbuch Deutschland 2017, S. 176, 177

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Wirtschaftliches Handeln im privaten Haushalt

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Das verfügbare Einkommen in den privaten Haushalten ist normalerweise begrenzt und die Wünsche sind teils grenzenlos. Um mit dem verfügbaren Geld auszukommen, ist es sinnvoll, eine Einteilung in regelmäßig und unregelmäßig anfallende Ausgaben vorzunehmen. Zu den regelmäßigen Ausgaben zählen z. B. die Miete und Vorauszahlungen für Mietnebenkosten wie Wasser, Heizung und Strom. Auch die Ausgaben für Lebensmittel und Getränke, sowie für Telefon und Versicherungen gehören dazu. Ausgaben für Kleidung, Geschenke, Urlaub oder auch Eintrittsgelder ins Kino und Theater, Reparaturen an Auto oder Elektrogeräten fallen unregelmäßig an. Stellt man nun die Einnahmen und Ausgaben gegenüber, hat man zu jeder Zeit einen Überblick über seinen finanziellen Spielraum und kann beurteilen, ob einzelne Wünsche realisierbar sind. Die Aufstellung kann sowohl handschriftlich in einem Haushaltsbuch als auch mit Computerprogrammen zur Tabellenkalkulation geschehen.

Taschengeld Hinweis: Auch für dich gibt es viele Möglichkeiten, dein Taschengeld auszugeben. Am besten ordnest du es in verschiedene Kategorien ein und schreibst deine Ausgaben täglich auf, um immer zu wissen, wie viel Geld du noch für den laufenden Monat zur Verfügung hast.

Für viele Jugendliche ist das Taschengeld die einzige regelmäßige Einnahmequelle. Dieser Betrag ändert sich selten. Was dabei als durchschnittlicher Richtwert empfohlen wird, kann unten stehender Tabelle entnommen werden. Neben dem Taschengeld können dann noch Einnahmen aus Ferienjobs oder Nebenjobs (z. B. Zeitungen austragen) oder sonstige Einnahmen (z. B. aus Verkäufen auf dem Flohmarkt) dazukommen. Darüber hinaus sind Verwandte (gerade die Großeltern) beim Erreichen besonderer Leistungen oder an Geburtstagen und bestimmten Feier­tagen (z. B. Weihnachten) äußerst spendabel. Die Taschengeldtabelle 2018 Kindesalter

Taschengeld

4–5 Jahre

0,50 Euro pro Woche

6–7 Jahre

1,50–2 Euro pro Woche

8–9 Jahre

2–3 Euro pro Woche

10–11 Jahre

13–16 Euro pro Monat

12–13 Jahre

18–22 Euro pro Monat

14–15 Jahre

25–30 Euro pro Monat

16–17 Jahre

35–45 Euro pro Monat

18 Jahre

70 Euro pro Monat

Quelle: Taschengeldtabelle der Jugendämter: www.taschengeldtabelle.org/ Abgerufen am 08.06.2018

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Lernsituation 2: Kriterien für Konsumentscheidungen Jugendlicher

Lernsituation 2: Kriterien für Konsumentscheidungen Jugendlicher

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Nach der 6. Stunde trifft sich Carina mit ihren beiden Freundinnen Lena und Tamara in der Aula. Heute Nachmittag steht noch differenzierter Sportunterricht auf dem Programm.

Lena:

Hey, ihr beiden. Schaut mal, ich habe gerade das Smartphone in dem Prospekt entdeckt. Das wünsche ich mir zu meinem Geburtstag.

Tamara: Oh, sieht das toll aus. Aber das ist ganz schön teuer. Meine Eltern würden mir dies nicht kaufen. Lena:

Da hast du schon recht. Aber meins ist schon fast über ein Jahr alt.

Carina:

Na ja, du bist ja immer gerne up to date. Also ich habe das alte Handy von meiner Mutti bekommen. Für Nachrichten schreiben ist das völlig ausreichend.

Lena:

Nein, das wäre absolut nichts für mich. Die anderen lachen doch schon, wenn du deinen Oldtimer auspackst.

Carina:

Das ist mir egal. Ich würde mir zum Geburtstag viel lieber Geld wünschen. Ich möchte in den Sommerferien eine Sprachreise nach England machen. Und da ist ein bisschen Taschengeld zusätzlich bestimmt nicht schlecht.

Tamara: Echt jetzt? Du denkst aber schon weit in die Zukunft. 15


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Wirtschaftliches Handeln im privaten Haushalt

Handlungsaufträge

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1. Macht euch mit der Situation vertraut, indem ihr euch zunächst orientiert. Betrachtet hierzu die erhaltenen Unterlagen und stellt sicher, dass euch die Aufgabe klar ist. Informiert euch insbesondere über das Konsumverhalten von Jugendlichen. (Orientierung und Information) 2. Plant euer weiteres Vorgehen, indem ihr euch Gedanken macht, was in dieser konkreten Situation zu tun ist, und notiert eure Gedanken in einer Mindmap. (Planung) 3. Entwerft eine Präsentation, die das Konsumverhalten eurer Gruppe vorstellt. (Durchführung) 4. Diskutiert über die verschiedenen Lösungsvorschläge der Klasse im Plenum und bewertet die einzelnen Präsentationen mithilfe eines Kriterienkatalogs für ­Präsentationen. (Bewertung) 5. Reflektiert euer Konzept und eure Präsentation, indem ihr konstruktives Feedback der Mitschüler annehmt und Schlüsse für zukünftige Präsentationen und Entscheidungen zieht. (Reflexion)

Das Konsumverhalten Jugendlicher Informationen zur Lernsituation 2

Kinder und Jugendliche haben immer mehr Geld zur freien Verfügung. Dabei spielen neben dem regelmäßigen Taschengeld auch unregelmäßige Zuwendungen eine Rolle. Doch wofür geben sie ihr Geld aus?

Konsumfreudige Jugend Einnahmen und Ausgaben der 6- bis 19-Jährigen in Deutschland im Jahr 2017 Einnahmen insgesamt: 22,9 Mrd. Euro, davon: 9,6 Mrd. €

regelmäßiges Nettogehalt regelmäßiges Taschengeld

5,1

Jobs, Nebentätigkeiten

4,0 2,0

Geldgeschenke (Zeugnis, Urlaub, Weihnachten, Geburtstag)

1,5

zusätzliches Geld von den Eltern Sonstiges

0,7 Ausgaben insgesamt: 17,9 Mrd. Euro, davon für: 4,1 1,6 1,3 1,2 1,0

Kleidung, Mode Kneipe, Disko u. ä.

Fastfood-Restaurants Getränke Körper-/Haarpflege

0,9

Fahrrad, Mofa, Moped, Auto

0,9

Süßigkeiten/Eis

0,9

Hobbys

0,8

Eintrittskarten

0,8

Handygebühren Zeitschriften/Bücher

0,7

Sport, Sportartikel, Fitnessstudio

0,6 0,5

Rauchen

0,5

Sachen fürs eigene Zimmer

0,5

salzige Knabbersachen/Chips

0,5

Computer, -software, -spiele, Internet 1,1

Sonstiges

Hochrechnungen auf Basis einer repräsentativen Befragung von 1465 6- bis 19-Jährigen im März/April 2017 Quelle: iconkids & youth rundungsbedingte Differenzen © Globus

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12008


Lernsituation 2: Kriterien für Konsumentscheidungen Jugendlicher

1

Sehr oft sind diese Konsumentscheidungen unüberlegt und überhastet. Ergebnis ist, dass falsche und/oder überteuerte Produkte gekauft werden. Da Jugendliche nicht selten ihre Konsumentscheidung instinktiv treffen und auch Auswirkungen auf die Zukunft nicht berücksichtigt werden, führt das oftmals dazu, dass am Ende des Tages Schulden entstehen (vgl. nachfolgendes Schaubild).

Jugendliche und Schulden Umfrage unter 14- bis 24-Jährigen, Angaben in Prozent Hatten Sie schon einmal Schulden?

Nein 74 % 26 Ja

Bei wem hatten Sie schon einmal Schulden? 51 %

Eltern/Familie

48

Freunde 30

Bank Händler,

12

z. B. Ratenkauf

Kreditverleiher,

9

z. B. auf Onlineplattformen

7

Telefonanbieter

© Globus

Sonstige

6

Umfrage unter 650 Jugendlichen und jungen Erwachsenen vom 22.5. bis 7.6.2018

12747

Quelle: Bankenverband

Aus diesem Grund sollte jede Kaufentscheidung anhand bewusster Kriterien gefällt werden. Hierzu stellt sich erst einmal die Frage, welche Faktoren einen Kauf beeinflussen. Die Entscheidung, ein Produkt zu kaufen oder nicht, ist an verschiedene Motive geknüpft. Eine besondere Rolle spielt die Person selbst, d. h. welche Wünsche, Interessen, Hobbys, aber auch welche Konsumgewohnheiten hat sie. Daneben spielt gerade bei Jugendlichen die Gruppenidentität, also die Zugehörigkeit zu einer Gruppe, eine wesentliche Rolle. Hier kann als Folge der Markenzwang bei Kleidung herangezogen werden. Ein weiterer wichtiger Einflussfaktor sind die finanziellen Möglichkeiten. Es sind die der Jugendlichen selbst, aber auch die ihrer Eltern. Denn Kaufentscheidungen werden häufig von deren Kindern beeinflusst. Aus den Motiven zum Kaufverhalten ergeben sich auch gleich die Risiken. Beispiel Will ein Jugendlicher zu einer Gruppe gehören, die sich stark über Marken definiert, dazu aber nicht die finanziellen Mittel hat, kann daraus schnell Verschuldung resultieren.

17


1 1

Wirtschaftliches Handeln im privaten Haushalt

Durch weltweiten Handel wird das Warenangebot immer größer und auch scheinbar preiswerter. Das machen u. a. Billigprodukte aus Fernost wie z. B. Kleidung oder Elektronik möglich. Das Angebot bei Nahrungsmitteln beschränkt sich schon lange nicht mehr auf Waren aus der Region. Ganzjährig ist alles zu kaufen, was sich die Kunden wünschen.   Nice to know  Diese Fülle an Angeboten hat weltweit nicht nur positive, sondern auch negative AusÖkosystem ist die kleinste wirkungen auf die Wirtschaft, auf die sozialen Strukturen und das Ökosystem. Durch Einheit eines Lebensraumes die Kaufentscheidungen können Verbraucher Einfluss nehmen, welche Produkte vermit in ihm wohnenden kauft werden. Aus diesem Grund setzen die Verkäufer mit der Werbung für ihre Produkte Lebewesen, wie z. B. ein See oder ein Wald. In diesem ganz gezielt auf Kinder und Jugendliche, da die wiederum erheblichen Einfluss auf die ­Zusammenhang bedeutet Erwachsenen ausüben.

das die unmittelbare Umgebung des Verbrauchers.

Und genau hier ist es wichtig, neben wirtschaftlichen Einflussfaktoren auch ökologische, soziale und etische Punkte zu berücksichtigen: Exkurs: Ökologische Gesichtspunkte

Die Ökologie beschäftigt sich mit unserer Umwelt. Unser Ziel ist es dabei, die Ressourcen zu schonen, Natur und Umwelt und die menschliche Gesundheit zu schützen. Doch dieses Ziel steht meist im Konflikt zu den ökonomischen Gesichtspunkten. Verbraucher sollten bei der Auswahl ihrer Produkte auf eine ressourcenschonende und schadstoffarme Herstellung achten. Jeden Tag werden Tausende Tonnen Lebensmittel und Konsumgüter sowie unzählige Liter von Wasser in einer Großstadt verbraucht. Diese Versorgung wird oftmals über Lastkraftwagen gewährleistet, die dabei eine Reihe von Schadstoffen in unsere Umwelt abgeben. Doch nicht nur die Versorgung, sondern auch die Entsorgung bereitet zahlreichen Großstädten ein Problem, da viele Menschen überflüssige Dinge in den Müll entsorgen. Um unsere Welt langfristig zu erhalten, sollten wir auf eine Reduzierung des Abfalls achten,

den Müll trennen und wenn möglich Dinge wiederverwerten. Jeder kennt den Grünen Punkt oder die blaue und die braune Tonne zur Trennung des Abfalls. Durch eine vernünftige Abfalltrennung können die Müllberge reduziert, Stoffe wie Glas und Papier nochmals genutzt und wertvolle Ressourcen geschont werden. Die Wiederverwertung von Gegenständen wird als Recycling bezeichnet. Das Wort stammt aus dem Englischen und setzt sich aus der Vorsilbe „re“ = zurück und dem Wort „cycle“ = Kreislauf zusammen und kann mit „etwas wieder in einen Kreislauf zurückführen“ übersetzt werden. Tipps für umweltbewusstes Verhalten in der Schule: • Keine Mappen und Schultaschen aus Kunststoff verwenden. • Die Pausenstärkung in Frühstücksboxen einpacken. • Hefte aus Recyclingpapier verwenden. • Umweltfreundliche Klebstoffe verwenden. • Auf Kugelschreiber, Fasermaler und Tinten­ killer verzichten. • Wiederverwendbare Heft- und Buchumschläge verwenden.

Exkurs: Soziale Gesichtspunkte Regelmäßig berichten Medien über Legebatterien bei Hühnern oder andere Massentierhaltungen. Ebenso häufig werden Skandale wie BSE-­ Er­ krankungen bei Rindern, Schweinpest oder Antibio18

tika in Tiernahrung bekannt und verunsichern die Verbraucher. Jedoch möchten heutzutage immer mehr Menschen diesem Trend entgegenwirken und achten beim Kauf ihrer Produkte auf eine art-


Lernsituation 2: Kriterien für Konsumentscheidungen Jugendlicher

gerechte Tierhaltung. Die Kennzeichnung beispielsweise auf Eiern und andere zahlreiche Gütesiegel unterstützen die Menschen bei der Auswahl ihrer Produkte. Einige wichtige Siegel sollen kurz vorgestellt werden:

Farben, Möbel, Computer, Elektro-­ Kleingeräte, Papier, etc. Bei der Vergabe des Zeichens wird der gesamte Lebenszyklus des Produktes betrachtet.

Lebensmittel, die das deutsche oder das europäische Bio-Siegel tragen, erfüllen die Rechtsvorschriften einer ökologischen Anbauweise und der artgerechten Tierhaltung in Deutschland bzw. der EU.

Produkte, die mit Holz aus einer nachhaltigen Waldwirtschaft hergestellt werden, erhalten das FSC-Siegel.

Die ökologische und natürliche Erzeugung von Trauben, deren Saft, Sekt und Wein, werden mit diesem Siegel bestätigt. Dabei wird auch auf die Vermehrung der Artenvielfalt, die Schaffung von Lebensräumen bedrohter Pflanzen- und Tierarten geachtet. Der Blaue Engel ist das älteste Umweltzeichen der Welt und kennzeichnet Produkte aus zahlreichen technischen Bereichen wie Bauen, Büro, Mobilität,

1

Für Textilen, die umweltfreundlich und schadstoffgeprüft produziert sind, vergibt die Gemeinschaft für Forschung und Prüfung für Textilökologie dieses Siegel. Das Energie-Label gibt Auskunft über den Energieverbrauch eines Produktes und das TÜV-­ Siegel wird für Strom, der zu 100 % aus erneuerbaren Quellen gewonnen wird, vergeben.

Exkurs: Ethische Gesichtspunkte Wir genießen eine Vielzahl an Waren, z. B. Kakao und Kaffee aus Südamerika, Obst aus Südafrika oder Kleidung aus Asien. Selten stellen wir uns die Frage, wie diese Produkte gewonnen und hergestellt werden und welche lange Reise sie hinter sich haben. Doch nicht nur unsere Ressourcen, die Natur und die Tiere müssen geschützt werden, sondern auch die Menschen, die die Produkte herstellen. Oft leiden diese Menschen, vor allem Kinder, unter der Ausbeutung ihrer Arbeitskraft, ihrer Lebensumgebung und sind bei der Verarbeitung und Gewinnung der Produkte gesundheitlichen Belastungen ausgesetzt. Verschiedene Organisationen bemühen sich um einen „Fair Trade“ mit der „Dritten Welt“ und haben verschiedene Qualitätskriterien und Siegel entwickelt (fair, engl. = gerecht; trade, engl. = Handel). Mit dem Kauf von Fair-Trade-Produkten tragen wir zu mehr Gerechtigkeit bei und

unterstützen die Lebensbedingungen der Menschen in den Erzeugerländern. Mithilfe der Erlöse der Produkte, die meist teurer sind, werden auch menschenwürdigere Arbeitsbedingungen geschaffen und Kindern eine Schulausbildung ermöglicht. Produkte bzw. Läden, die diese Anforderungen erfüllen, erkennen Sie an entsprechenden Zeichen. Sie garantieren den „fairen Handel“ und natürlich, dass der Verkaufserlös den Erzeugern der Produkte und nicht den Händlern zugute kommt.

19


1

Wirtschaftliches Handeln im privaten Haushalt

Lernsituation 3: Einkaufsbelege unter der Lupe

1

Samstagnachmittag ist immer der Groß-Einkauftag bei Familie Brandl. Neben den üblichen Wochenvorräten für Lebensmittel hat sich Vater Josef Brandl beim Fotofachgeschäft Maier eine neue Digitalkamera gekauft. Zu Hause angekommen klingelt es an der Haustür. Ein Mitarbeiter der Spedition Flitz & Hurtig liefert ein Paket an. Es ist ein Fahrrad für Tochter Elena. Sie hatte es sich schon länger gewünscht, da sie so schneller zu ihrem Ausbildungsbetrieb Gärtnerei Rossmayer kommt. Nun geht es ans Auspacken. Die Lebensmittel müssen sachgerecht verstaut werden. Die Kamera soll am liebsten sofort in Betrieb genommen werden und lose Zettel stapeln sich auf dem Küchentisch. Carina: Die Zettel kann ich doch wegschmeißen!? Mutter: Um Gottes willen … NEIN. Das sind alles Belege von den Sachen, die wir gerade eingekauft haben. Carina: Ja, aber wie du schon sagst: … die wir eingekauft haben. Warum sind die Zettel dann jetzt noch so w ­ ichtig? Mutter: Die brauche ich noch, um später genau zu wissen, was ich genau eingekauft habe; und auch als Nachweis, was ich bereits bezahlt habe und was eben nicht. Und bei der Kamera hilft uns die Garantie ohne Kaufbeleg gar nichts. Carina: Ach so. Mutter: Aber da fällt mir ein, du könntest dich da gleich nützlich machen. Sortiere doch mal diese Belege zusammen mit den anderen Belegen, die noch auf dem Schreibtisch liegen, in den Ordner Haushaltsbuch ein. Carina: Mach ich. Aber wie sind die denn geordnet? Mutter: Ganz einfach. Ich sortiere immer nach bezahlt und noch nicht bezahlt. Und falls du nicht weiterkommst, frag mich einfach.

Arbeitsmaterial M1

20


Lernsituation 3: Einkaufsbelege unter der Lupe

1

M2 GIRO BLZ 743 500 00 Sparkasse Landshut Datum Erläuterungen

Kontoauszug 96 Blatt 1 Betrag

Kontostand in EUR am 21.11.20XX, Auszug Nr. 95

2.456,35 + -------------------

21. Nov Lastschrift Barauszahlung

500,00 +

------------------neuer Kontostand in EUR am 22.11.20XX, Auszug Nr. 96 1.956,35 +

Familie Brandl Spechtweg 21 84028 Landshut

IBAN: DE 58 7435 0000 8932 7453 25 SWIFT-BIC: BYLADEM1LAH

M2

Fahrrad Mayer GmbH – Neuer Weg 6 – 91522 Ansbach

Helga Brandl Spechtweg 12 84028 Landshut

Rechnung Kundennummer

Rechnungsnummer

Lieferdatum

Auftragsnummer

240367

NM 84/20XX

12.04.20XX

NM 84/20XX

Pos.

1

Bezeichnung

Einzelpreis

Art, 14672, Tourenfahrrad „Damen“ rot, 28 Zoll

252,00 €

Gesamtpreis

252,00 €

Rechnungsbetrag netto + 19 % Umsatzsteuer

252,00 € 47,88 €

Rechnungsbetrag brutto

299,88 €

Zahlungsbedingung: Innerhalb 30 Tagen rein netto.

Bankverbindung: Sparkasse Ansbach, IBAN: DE 64765500000000075386 BIC: BAYLADEM1ANS

21


1

Wirtschaftliches Handeln im privaten Haushalt

Handlungsaufträge

1

1. Macht euch mit der Situation vertraut, indem ihr euch zunächst orientiert. Betrachtet hierzu die erhaltenen Unterlagen und stellt sicher, dass euch die Aufgabe klar ist. Informiert euch insbesondere über die einzelnen Zahlungsarten und Zahlungsformen; informiert euch bei Bedarf auch im Internet. Ordnet den einzelnen Zahlungsarten für sie typische Belege zu. Macht euch insbesondere Gedanken über die Besonderheiten, die Vor- und Nachteile der einzelnen Zahlungsarten. (Orientierung und Information) 2. Plant euer weiteres Vorgehen, indem ihr euch Gedanken macht, was in dieser konkreten Situation zu tun ist. (Planung) 3. Erstellt eine Mindmap über Zahlungsarten und Zahlungsformen. (Durchführung) 4. Diskutiert über die verschiedenen Lösungsvorschläge der Klasse im Plenum und bewertet die einzelnen Präsentationen. (Bewertung) 5. Reflektiert euer Konzept und eure Präsentation, indem ihr konstruktives Feedback der Mitschüler annehmt und Schlüsse für zukünftige Präsentationen und Entscheidungen zieht. (Reflexion)

Das Girokonto Informationen zur Lernsituation 3

Es gibt viele Möglichkeiten, Einkäufe zu bezahlen. Mit der Bezahlung wird der vorangehende Kauf erfüllt. Der Käufer, in der Fachsprache Schuldner genannt, hat die Pflicht, dem Verkäufer den vereinbarten Kaufpreis zu zahlen. Der Verkäufer wird Gläubiger genannt. Die meisten Bezahlvorgänge benötigen ein Konto, und zwar ein Girokonto. Solche Konten werden von Geldinstituten eingerichtet. Darüber werden alle bargeldlosen Zahlungsvorgänge abgewickelt. Mit einer zugehörigen Bankkarte kann der Kontoinhaber Bargeld an einem Geldautomaten ziehen. Mit dem Bargeld kann er z. B. seine Einkäufe in bar bezahlen. Vom Girokonto kann der Kunde auch Geld auf andere Konten überweisen oder Geld von anderen seinem Konto gutschreiben lassen. Eine Übersicht über alle Kontobewegungen gibt der Kontoauszug. Das Girokonto kann online und offline geführt werden. Beim Onlinebanking wird die Verbindung zum Geldinstitut über das Internet hergestellt. Wer offline seine Kontoführung machen möchte, geht selbst zu einer Niederlassung seines Geldinstituts und erledigt dort alles vor Ort.

22


Lernsituation 3: Einkaufsbelege unter der Lupe

1

2

Sparkasse Landshut Datum Erläuterungen Kontostand in EUR am 04.07.20XX, Auszug Nr. 116 05. Jul Lastschrift Mitgliedsbeitrag Sportverein

4

1

Kontoauszug 117 Blatt 1 Betrag 3

614,53 + -------------------

5

6

112,00 –

------------------7 502,53 + neuer Kontostand in EUR am 05.07.20XX, Auszug Nr. 117

Familie Brandl Spechtweg 21 84028 Landshut

1

9

8

 das Kreditinstitut bzw. die Bank, bei der das Konto geführt wird

2

 die fortlaufende Nummer des Auszugs bzw. des Blattes

3

 Übertrag des Kontostandes vom letzten Kontoauszug

4  Datum,

an dem der Vorgang gebucht

wurde

7

  neuer Kontostand

8

 Kontoinhaber

9

  IBAN des Kontoinhabers (Internationale Bankkontonummer, die sich wie folgt zusammensetzt: 2-­stelliger ­Ländercode [DE für Deutschland], 2-stellige Prüfziffer, 8-stellige Bankleitzahl, 10-stellige Kontonummer)

10  

5

 Verwendungszweck

6

 Betrag des gebuchten Vorgangs (– für Abzüge/Lastschriften; + für Zugänge/ Gutschriften)

IBAN: DE 58 7435 0000 8932 7453 25 10 SWIFT-BIC: BYLADEM1LAH

 IC der Bank (Bank Identifier Code) B ist eine von der SWIFT (Society for World­wide Interbank Financial Telecommunication) festgelegte international gültige Bankleitzahl

Zahlungsarten im Überblick An allen Bezahlvorgängen sind zwei Parteien beteiligt: • der Zahler, gleichzeitig der Käufer, in der Fachsprache Schuldner genannt • der Zahlungsempfänger, der Verkäufer, in der Fachsprache Gläubiger genannt Wie wird bezahlt?

Barzahlung (kein Konto erforderlich)

Halbbare Zahlung (je ein Konto erforderlich)

Bargeldlose Zahlung (zwei Konten erforderlich)

Wie läuft es ab?

Schuldner zahlt mit Bargeld Gläubiger erhält Bargeld

Schuldner zahlt mit Bargeld Gläubiger erhält Geld auf sein Konto oder Schuldner zahlt Geld auf sein Konto Gläubiger erhält Bargeld

Konto des Schuldners wird belastet Gläubiger bekommt Gutschrift auf sein Konto

Welche Verfahren gibt es?

• Unmittelbare (persönliche) Barzahlung • Mittelbare Barzahlung durch Boten

• Zahlung per Nachnahme • Zahlung per Zahlschein

• • • • •

Verrechnungsscheck Überweisung Dauerauftrag Lastschrift Kartenzahlung 23


1

Wirtschaftliches Handeln im privaten Haushalt

Barzahlung

1

Barzahlung liegt dann vor, wenn • Geld vom Käufer = Schuldner (Zahler) an den Verkäufer = Gläubiger (Zahlungsempfänger) persönlich übermittelt wird und • für die Zahlung keine eigenen Konten verwendet werden. Wird das Geld persönlich vom Schuldner übergeben, spricht man von unmittelbarer Zahlung. Wenn es nicht möglich ist, das Bargeld persönlich zu übergeben, kann dies auch einer vertrauenswürdigen Person, dem Boten, übertragen werden. Der Bote muss nicht immer eine Person sein. Auch die Post übernimmt Botendienste in Form des Wertbriefes, mit dem Beträge bis zu 100 Euro bar zugestellt werden. Man sprich dann von einer mittelbaren Zahlung. Nach wie vor ist die Zahlung mit Bargeld in vielen Einzelhandelsgeschäften üblich. Wer bar bezahlt, muss eine entsprechende Geldmenge im Portemonnaie haben. Und das kann gestohlen werden oder verlorengehen. Versichert ist das Bargeld nicht.

Bar zahlen bleibt beliebt So bezahlten Deutschlands Verbraucher für Waren und Dienstleistungen (Anteil am Umsatz in Prozent)

2008

57,9 % 47,6 25,5

34,0 8,9

Bargeld 3,6

4,4

Kreditkarte 0,3

3,7

InternetBezahlverfahren

Giro-/EC-Karte 1,9

5,6

Überweisung

2,4

0,6

0

Geldkarte

Lastschrift

0

2017

1,4

1,1

Kontaktloses Bezahlen mit Karte

1,2

Sonstiges/ ohne Angabe

repräsentative Umfrage unter 2106 Personen über 18 Jahren rundungsbedingte Differenzen

27936

Quelle: Deutsche Bundesbank

Wer bar bezahlt, sollte sich immer einen Beweis für seine Bezahlung geben lassen – die Quittung. Die Quittung beweist die Übergabe von Bargeld, als Kassenbon, Kassenzettel, quittierte Rechnung („Betrag dankend erhalten/Unterschrift“).

24


Lernsituation 3: Einkaufsbelege unter der Lupe

1

Der Schuldner hat ein Recht auf eine Quittung. Quittung (Auszug aus dem BGB) Der Gläubiger hat gegen Empfang der Leistung auf Verlangen ein schriftliches Empfangsbekenntnis (Quittung) zu erteilen.

§ 368 BGB

Beispiel für eine Quittung Daniel Brandl kauft sich für sein Studium das Buch Wirtschaftsenglisch und verlangt vom Verkäufer eine Quittung. Die Quittung sollte folgende Angaben enthalten: Betrag in Ziffern (ab 100,00 € muss die Umsatzsteuer ausgewiesen werden)

Betrag in Worten

Netto

ct

7

ct

+t

% MwSt.

Gesamt

Gesamtbetrag € in Worten

Quittung

64, 20

Nr.

ct

120

Vierundsechzig Euro

(Im Gesamtbetrag sind von an für

Cent wie oben % Umsatzsteuer enthalten)

Herrn Daniel Brandl Bücherladen Bücherwurm OHG

Fachbuch „Wirtschaftsenglisch für Fortgeschrittene (A2)“, XY-Verlag, 2017

richtig erhalten zu haben, bestätigt Ort

Name des Schuldners (Zahlers)

Landshut,

Buchungsvermerke

Datum

14.03.20XX

terschrift des Empfängers Stempel/Unterschrift

Grund der Zahlung

Stempel i.A. Müller

Ort und Datum der Ausstellung

Name und Stempel des Gläubigers (Zahlungsempfängers)

Die zweite Möglichkeit eines Kaufbelegs ist der Kassenzettel. Er ist die im wirklichen Leben viel häufiger anzutreffende Variante.

25


1

Wirtschaftliches Handeln im privaten Haushalt

Halbbare Zahlung

1

Eine halbbare Zahlung liegt dann vor, wenn • der Schuldner (Zahler) mit Bargeld bezahlt und • der Gläubiger (Zahlungsempfänger) das Geld auf seinem Konto erhält. Zahlung per Zahlschein Zur Überweisung von Barbeträgen auf ein Girokonto wird ein Zahlschein verwendet.

Am Kassenschalter eines Kreditinstitutes wird der Betrag bar eingezahlt. Zusammen mit der Einzahlung muss ein Zahlschein abgegeben werden, auf dem Name und IBAN des Zahlungsempfängers sowie das kontoführende Kreditinstitut eingetragen werden. Der Zahlschein besteht je nach Kreditinstitut aus zwei oder drei Teilen – in jedem Fall erhält der Einzahlende einen Durchschlag als Beleg für seine Einzahlung. Eine Bareinzahlung ist auch auf das eigene Konto möglich. Zahlung per Nachnahme Die Zahlung per Nachnahme erfolgt in Verbindung mit einer Warensendung. Der Versender (z. B. die Post) wird vom Zahlungsempfänger beauftragt, die Ware nur gegen Barzahlung auszuhändigen. Der eingezogene Betrag wird dann dem Konto des Zahlungsempfängers gutgeschrieben.

26

Die Kosten für die Nachnahme belaufen sich auf 6,90 € zusätzlich zum Paketpreis. Darüber hinaus beträgt der Höchstwert für eine Sendung per Nachnahme 3.500,00 €. (Stand 2018)


Lernsituation 3: Einkaufsbelege unter der Lupe

Bargeldlos von Konto zu Konto

1

Zu diesen Zahlungsarten gehören die Überweisung, der Dauerauftrag und die Lastschrift. In allen drei Verfahren werden Geldbeträge dem einen Konto belastet und dem anderen gutgeschrieben. Auch der Verrechnungsscheck gehört dazu, wenngleich er zunehmend seltener genutzt wird. Dabei übergibt der Schuldner dem Gläubiger ein Formular (Scheck) seines Geldinstituts, ausgefüllt mit dem entsprechenden Zahlbetrag und seiner Unterschrift, zur Verrechnung. Der Gläubiger kann diesen Betrag seinem Konto gutschreiben lassen. Die Überweisung Eine Überweisung ist die Anweisung eines Kontoinhabers an sein Geldinstitut einen bestimmten Betrag von seinem Konto auf das Konto des Zahlungsempfängers zu übertragen. Wer seine Kontoführung online erledigt, kann dazu bei seinem Geldinstitut, eine Überweisungsmaske aufrufen und die notwendigen Eintragungen vornehmen. Viele Kunden nutzen den traditionellen Weg mit dem Gang zum Geldinstitut. Dort steht ihnen ein Terminal bereit, an dem sie alle Angaben in das Überweisungsformular eintippen und mit Angabe ihrer Konto-Geheimzahl das Geld freigeben. Es gibt aber auch noch die Möglichkeit, ein Überweisungsformular auf Papier auszufüllen und beim Geldinstitut abzugeben. Das Formular besteht in der Regel aus einem zweiseitigen Durchschreibeformular (Original für den Zahlungsempfänger, Durchschlag für den Schuldner als Beleg). Beispiel für eine Überweisung Josef Brandl hat sich im Onlineshop der Sport Busch GmbH Ware bestellt. Mit dem Eintreffen der Ware erhält er auch die nachfolgende Rechnung. Josef Brandl bezahlt durch Überweisung.

Sport Busch GmbH, Garbsener Landstraße 66, 30541 Hannover

Josef Brandl Spechtweg 12 84028 Landshut

Rechnung 349 SB Kunden-Nr.

Unser Zeichen

Ihr Zeichen

Datum

240421

SB/je

Bestell 224/20XX

04.04.20XX

Pos.

1 2 3

Art. - Nr.

Art. – Bezeichnung

SB 345/17 SB 348/12 SB 352/17

Schultertasche Large, schwarz Trainertasche Large, blau Schuhfachtasche „Large“, schwarz

Menge Einzelpreis Rabatt

1 1 1

11,90 € 18,80 € 25,80 €

Warenwert netto Fracht Verpackung Rechnungsbetrag netto Umsatzsteuer Rechnungsbetrag brutto

10 % 10 % 10 %

19 %

Gesamtpreis

10,71 € 16,92 € 23,22 € 50,85 € 7,00 € 2,15 € 60,00 € 11,40 € 71,40 €

Zahlungsbedingung: Zahlung innerhalb von 30 Tagen ohne Abzug

Bankverbindung: Sparkasse Hannover

IBAN: DE 6425 0501 8000 0220 5505

BIC: SPKHDE2HXXX

27


1 1

Wirtschaftliches Handeln im privaten Haushalt

€uro-Überweisung

BYLADEM1ROS

Sparkasse Rosenheim

Für Überweisungen in Deutschland und in andere EU-/EWR-Staaten in Euro.

Bitte Meldepflicht gemäß Außenwirtschaftsverordnung beachten!

Angaben zum Zahlungsempfänger: Name, Vorname/Firma (max. 27 Stellen, bei maschineller Beschriftung max. 35 Stellen)

S P O R T

IBAN

B U S C H

G M B H

DE64 2505 0180 0002 2055 05 S P K H D E 2 H X X X

Betrag: Euro, Cent

7 1,4 0

Kunden-Referenznummer - Verwendungszweck, ggf. Name und Anschrift des Zahlers - (nur für Zahlungsempfänger)

R E C H N U N G

3 4 9

S B

v o m 0 4 .0 4 .2 0 X X

noch Verwendungszweck (insgesamt max. 2 Zeilen à 27 Stellen, bei maschineller Beschriftung max. 2 Zeilen à 35 Stellen)

S E PA

BIC des Kreditinstituts/Zahlungsdienstleisters (8 oder 11 Stellen)

Angaben zum Kontoinhaber: Name, Vorname/Firma, Ort (max. 27 Stellen, keine Straßen- oder Postfachangaben)

F A M I L I E

B R A N D L

D E 5 8 7 4 3 5

0 0 0 0 8 9 3 2 7 4 5 3 2 5

Datum

Unterschrift(en)

IBAN

12.04.20XX

Brandl

l

Am folgenden Tag möchte sich Josef Brandl vergewissern, dass der Betrag auch tatsächlich überwiesen wurde. Aus diesem Grund holt er sich bei der Sparkasse einen Kontoauszug. GIRO BLZ 743 500 00 Sparkasse Landshut Datum Erläuterungen

Kontoauszug 24 Blatt 1 Betrag

Kontostand in EUR am 12.04.20XX, Auszug Nr. 23 12. Apr Lastschrift Sport Busch GmbH, Rechnung 349 SB

3.489,16 + ------------------71,40 –

------------------neuer Kontostand in EUR am 13.04.20XX, Auszug Nr. 24 3.417,76 +

Familie Brandl Spechtweg 12 84028 Landshut

IBAN: DE 58 7435 0000 8932 7453 25 SWIFT-BIC: BYLADEM1LAH

Dauerauftrag Eine besondere Form der Überweisung ist der Dauerauftrag. Mit ihm weist der Schuldner (= Zahler) sein Geldinstitut an, Zahlungen, die regelmäßig zu einem bestimmten Zeitpunkt und in gleicher Höhe anfallen, zulasten seines Kontos auf ein Konto des Gläubigers zu überweisen. Typische Beispiele hierfür sind Mietzahlungen, Sparraten, Versicherungsbeiträge oder Ratenzahlungen. Der Vorteil eines Dauerauftrags ist, dass der Schuldner nur einmal die Überweisung tätigen muss. Außerdem schützt er sich davor, das Bezahlen zu vergessen.

28


Lernsituation 3: Einkaufsbelege unter der Lupe

Lastschrift

1

Eine andere Sonderform der Überweisung ist die Lastschrift. Sie eignet sich für Zahlungen, die auch regelmäßig anfallen, aber in ihrer Höhe unterschiedlich sein können, z. B. Telefongebühren, Abschlagszahlungen für Strom. Für das Lastschriftverfahren muss der Schuldner dem Gläubiger eine Einzugsermächtigung in Textform erteilen. Diese berechtigt den Zahlungsempfänger, Geldbeträge vom Konto des Schuldners (= Zahlender) einziehen zu lassen. Dazu reicht der Gläubiger bei seinem Geldinstitut einen ausgefüllten Lastschriftvordruck ein. Nach Prüfung des Vordrucks zieht das Geldinstitut diesen von dem Geldinstitut des Schuldners ein und belastet dabei das Konto des Zahlenden. Das Geldinstitut des Gläubigers schreibt den Betrag dem Zahlungsempfänger gut. Unberechtigte Belastungen kann der Zahlende bei seinem Geldinstitut widerrufen. Der Wortlaut einer Einzugsermächtigung ist in der Regel folgender: Hiermit ermächtige ich Sie (Zahlungsempfänger) widerruflich, die zu entrichtenden Zahlungen wegen (Zahlungsgrund) bei Fälligkeit zulasten meines Kontos (Konto­ verbindung des Schuldners) durch Lastschrift einzuziehen. Ort und Datum sowie die Unterschrift des Schuldners.

Die Kartenzahlung Die Geldinstitute stellen ihren Kontoinhabern Zahlungskarten zur Verfügung, um damit Bezahlvorgänge schnell ausführen zu können. Beim Bezahlen mit der Karte wird das Konto des Schuldners belastet, sofort oder auch später oder auch im Voraus. Danach lassen sich die Karten unterscheiden in: • Debitkarten (Belastung sofort) • Kreditkarten (Belastung später) • Prepaid-Karten (Belastung im Voraus)

Plastikgeld Zahl der in Deutschland umlaufenden Bankkundenund ec-Karten in Millionen 1992

1997

2002

2007

91,9

2012

100,4

76,1

2017

107,9

BAN

KCA

RD

Girocard

40,8

Bankcard

33,4 Mio. davon ausgegeben von Sparkassen

DE 00 1234 5678 3456 9877 654

41

31

Kreditbanken

%

12265

© Globus

26 Landes- 3 banken u. a. Quelle: Deutsche Bundesbank

Genossenschaftsbanken rundungsbed. Differenz Stand jeweils Ende Juli

29


1 1

Wirtschaftliches Handeln im privaten Haushalt

Debitkarten   Nice to know  Bei der Debitkarte, früher EC-Karte, handelt es sich um eine Bankkarte eines GeldinstiDie Bezeichnung tuts. Sie wird dem Kunden parallel zu seinem Konto ausgegeben. Er kann sie sowohl zum Debitkarte kommt vom bargeldlosen Bezahlen als auch zum Abheben von Bargeld an einem Geldautomaten ­ nglischen Wort debit. Das e einsetzen. Für das Bezahlen werden die Karte, eine PIN-Nummer oder die Unterschrift bedeutet: Belastung des Kontos. des Karteneigentümers benötigt. Auf einer Debitkarte befinden sich verschiedene Angaben. Was bedeuten sie?

Häufig verfügen die Debitkarten auch über die sog. Geldkartenfunktion. Die Karte muss vor dem Bezahlen mit Geld aufgeladen werden. Sobald die Geldkarte zum Bezahlen eingesetzt wird, wird der Betrag vom Konto abgebucht. Weder Geheimzahl noch Unterschrift sind erforderlich. Die Geldkarte wird gern zum Bezahlen von Kleinstbeträgen eingesetzt. Die Kreditkarten Bezahlt der Schuldner seine Einkäufe mit einer Kreditkarte, wird das Konto erst später belastet. Meist wird einmal im Monat abgerechnet. Kreditkarten sind Zahlungskarten, die von eigenen Unternehmen ausgegeben werden. International gibt es vier große Unternehmen, deren Logo auf der jeweiligen Kreditkarte zu sehen ist. Zwei Unternehmen arbeiten nur mit Banken und Sparkassen zusammen, die den gesamten Zahlungsverkehr abwickeln. Zwei weitere Unternehmen geben die Karten direkt an Kunden aus. Abgerechnet wird in der Regel einmal pro Monat und erst dann wird das Konto des Schuldners belastet.

Mithilfe der Kreditkarte kaufen die Kunden bargeldlos in den Geschäften ein, die Kreditkarten akzeptieren. Diese Einzelhandelsbetriebe, Tankstellen, Restaurants und Hotels sind entsprechend gekennzeichnet. Meist ist das Logo des jeweiligen Kreditkartenunternehmens an der Eingangstür des Geschäfts angebracht. Der Kassierer prüft bei der Bezahlung die Kreditkarte auf Gültigkeit und führt sie dann in ein dafür vorgesehenes Lesegerät ein. Die Daten werden geprüft und der Kunde unterschreibt anschließend einen Zahlungsbeleg oder gibt eine PIN-Nummer ein. 30


Lernsituation 3: Einkaufsbelege unter der Lupe

1

Für die Kreditkarte, die nur kreditwürdige Personen erhalten, ist in der Regel eine Jahresgebühr zu entrichten. Diese schwankt zwischen 20,00 € und 80,00 € je nach Kreditkartenorganisation. Die Karte weist auf der Vorderseite eine zehn- bis 16-stellige Nummer auf, den Karteninhabernamen sowie das Ablaufdatum der Karte. Auf der Rückseite sind der Magnetstreifen und eine Kartenprüfnummer zu sehen sowie ein Feld für die Unterschrift. Häufig sind mit den Kreditkarten noch Sonderleistungen verbunden, wie z. B. kostenloses Parken, Bonus bei hohen Umsätzen oder Versicherungsleistungen. Weiterhin kann man mit einer Kreditkarte und seiner PIN an Geldautomaten Bargeld abheben, wofür allerdings relativ hohe Gebühren zu entrichten sind. Beim Internet-Kauf hat die Kreditkarte zunehmend Bedeutung gefunden. Der Schuldner gibt dazu dem Gläubiger seinen Namen, seine Kreditkartennummer und das Verfallsdatum seiner Kreditkarte an. Die Unterschrift des Schuldners ist nicht erforderlich. Beim Kauf auf sicheren Internetseiten mit SSL-Verschlüsselung (Secure Socket Layer), erkennbar am Beginn der URL (https://), verringert sich das Risiko vor Kreditkartenmissbrauch.

Elektronische Bezahlverfahren – E-Payment Heutzutage kaufen bereits viele Kunden ihre Waren im Internet. Im Anschluss nutzen sie meist einen Onlinezahlungsservice. Die häufigsten Onlinezahlungsmöglichkeiten sind entweder über Giropay oder über PayPal.

Bezahlen im Netz So viel Prozent der Online-Käufer haben im Jahr 2017 diese Möglichkeiten zum Bezahlen im Internet genutzt

62 %

Kauf auf Rechnung

52

Paypal

27

Lastschrift

24

Kreditkarte

19

Vorkasse

18

Sofort-Überweisung Bezahlen mit Amazon

10

Nachnahme

8

Paydirekt*

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* eigenes Online-Bezahlverfahren von Banken und Sparkassen Befragung von 2061 Personen ab 18 Jahren in Deutschland im Jahr 2017 Quelle: Deutsche Bundesbank

© Globus

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1 1

Wirtschaftliches Handeln im privaten Haushalt

Giropay

Kauft ein Kunde bei einem Unternehmen, das an das Bezahlsystem Giropay angeschlossen ist, so wird er im Anschluss an den Kaufvorgang auf die Onlinebankingseite seiner Hausbank weitergeleitet. Dort findet er eine vorgefertigte Überweisung zur Autorisierung, d. h. zur Genehmigung, vor. Durch Eingabe der TAN wird die Überweisung vorgenommen. Dem Kunden wird die Bezahlung bestätigt, das Unternehmen erhält eine elektronische Zahlungsgarantie und wird die Waren zeitnah versenden. PayPal

Der Käufer überweist bei PayPal-Zahlungen von seinem Konto den entsprechenden Betrag durch Lastschrift oder Kreditkartenzahlung auf das PayPal-Konto. Im Anschluss wird dieses unmittelbar automatisch auf das PayPal-Konto des Verkäufers gutgeschrieben. Beide erhalten über den Bezahlvorgang eine E-Mail.

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Lernsituation 4: Angebotsvergleich

Lernsituation 4: Angebotsvergleich

1

Bei einem gemeinsamen Mädelsnachmittag finden Carina und Tamara bei einem Onlinehändler ein T-Shirt, das Tamara auf Anhieb gefällt.

Beschreibung T-Shirt Preis: 29,95 € aus Ökobaumwolle mit Fair-Trade-Siegel Verpackung zu 100 % recyclebar Lieferung: 4,50 € Lieferzeit 2 Tage

Tamara: Wow, genau so eines suche ich schon seit Langem. Carina:

Ja, aber das gibt es doch auch bei Mode Kogler in der Innenstadt.

Tamara: Ich weiß. Habe genau das gleiche dort auch schon gesehen. Aber bei Mode Kogler kostet es 36,95 €. Da ist das hier ja ein richtiges Schnäppchen. Carina:

Das sehe ich anders. Mode Kogler hat diese Woche eine Sonderaktion: „15 % Rabatt auf alles!“ Und bei denen im Internet kommen ja auch noch Lieferkosten dazu.

Handlungsaufträge 1. Macht euch mit der Situation vertraut, indem ihr euch zunächst orientiert. ­Betrachtet hierzu die erhaltenen Unterlagen und stellt sicher, dass euch die Aufgabe klar ist. Informiert euch insbesondere über den Angebotsvergleich und das Kalkulationsschema. Da das Kalkulationsschema mit der Prozentrechnung arbeitet, wiederholt bei dieser Gelegenheit auch die Prozentrechnung. (­Orientierung und Information) 2. Plant euer weiteres Vorgehen, indem ihr euch Gedanken macht, was in dieser konkreten Situation zu tun ist, und notiert eure Gedanken in einer Mindmap. (Planung) 3. Vergleicht die beiden Angebote mithilfe des Kalkulationsschemas. ­(Durchführung) 4. Bewertet eure Ergebnisse im Klassenplenum und korrigiert sie gegebenenfalls. (Bewertung) 5. Bearbeitet die Übungen zum Prozentrechnen und Angebotsvergleich. (Reflexion)

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Wirtschaftliches Handeln im privaten Haushalt

Der Angebotsvergleich

1 Informationen zur Lernsituation 4

Jeder Mensch hat eine Vielzahl an Wünschen. Um diese zu befriedigen, stellen Unternehmen verschiedene Güter her, die sie an die Verbraucher verkaufen. Diese Wünsche und den Drang, ein bestimmtes Gut zu erwerben, versucht uns jeden Tag die Werbung in Radio und Fernsehen einzureden, aber auch Schaufensterauslagen und Kataloge. Doch lassen sich mithilfe dieser Medien die Angebote vergleichen und eine sachgemäße Kaufentscheidung herbeiführen? Nein, dies wäre zu einfach. Die Werbung dient vorrangig dazu, die Konsumenten auf bestimmte Güter aufmerksam zu machen und spricht eher ihre Gefühle an. Ein wichtiger Aspekt für den Vergleich zweier Angebote ist der Preis.

Das Kalkulationsschema Um für verschiedene Angebote einen Preisvergleich durchführen zu können, müssen neben den Preisnachlässen auch alle zusätzlich anfallenden Kosten berücksichtigt werden. Welche können das sein? Ein Kalkulationsschema hilft, damit nichts vergessen wird.

Listeneinkaufspreis – Rabatt = Zieleinkaufspreis – Skonto = Bareinkaufspreis + Bezugskosten = Bezugspreis bzw. Einstandspreis

Das Kalkulationsschema zieht vom Listeneinkaufspreis des Verkäufers alle Rabatte, z. B. aufgrund einer großen Bestellmenge oder für Kundentreue, ab und erhält damit den Zieleinkaufspreis. Um auf den Bareinkaufspreis zu gelangen, wird Skonto abgezogen. Dies ist ein Nachlass für die vorzeitige Zahlung des Rechnungspreises. Manchmal gewähren Verkäufer Skonto, wenn eine größere Summe in bar bezahlt wird, z. B. beim Autokauf. Die Rabatte sind in der Regel in einem Prozentsatz vom Listeneinkaufspreis, der Skonto in einem Prozentsatz vom Zieleinkaufspreis gegeben. Auf den Bareinkaufspreis werden noch die Bezugskosten zugerechnet. Das sind die Kosten für Verpackung und Transport. Das Ergebnis ist dann der Bezugspreis bzw, der Einstandspreis. Beispiel: Elena Brandl hat sich aus einem Katalog einen Rucksack bei der Firma Wanderlust AG auf Rechnung bestellt. Ihr liegt folgendes Angebot vor: Der Katalogpreis für den Rucksack beträgt 40,00 €. Aufgrund eines Geschäftsjubiläums erhalten die Kunden auf alle Produkte einen Rabatt von 10 %. Zusätzlich fallen Portokosten von 4,50 € an. Elena rechnet sich aus, was sie tatsächlich zu bezahlen hat: Listenpreis – Rabatt = Zieleinkaufspreis – Skonto = Bareinkaufspreis + Bezugskosten = Bezugspreis 34

– = – = + =

40,00 € 4,00 € 36,00 € 0,00 € 36,00 € 4,50 € 40,50 €


Lernsituation 4: Angebotsvergleich

1

Exkus: Prozentrechnung Beispiel: Carina und Tamara haben sich beide einen Rucksack gekauft und wetteifern gegeneinander, wer den besseren Preisnachlass bekommen hat: Carinas Rucksack wurde von 89,00 € auf 79,00 € reduziert und Tamara hat 118,00 € anstelle von 129,00 € zahlen müssen. „Da haben die mir aber etwas mehr Rabatt gegeben“, sagt Tamara. Und was meint ihr? Sicher lassen sich Zahlen absolut miteinander vergleichen. Doch spielt in vielen Fällen beim Vergleich auch die jeweilige Grundmenge eine Rolle. Im Beispiel werdet ihr das erkannt haben. Dazu dient die Prozentrechnung. Prozent (per centrum, lat. = pro Hundert) hat die Vergleichszahl 100 und wird abgekürzt mit dem Zeichen „%“. Es bedeutet nichts anderes als einen Bruch mit dem Nenner 100. Beispiele: 1 1  % = ___ ​​  100     ​​ 20 __ 10 _1 20  % = ___ ​​  100    ​​ = ​​   ​​ = ​​   ​​  50 5 50 _1 50  % = ___ ​​  100    ​​ = ​​   ​​  2 ___ 100 100  % = ​​  100  ​​ = 1

In der Prozentrechnung geht man immer von einem bestimmten Grundwert aus. Er ist das Ganze (entspricht 100 %) und ist die Zahl, auf die sich die Prozente beziehen. Der Prozentsatz gibt an, wie viel Prozent man von dem Ganzen ermitteln will. Der Prozentwert ist der Wert, der sich aus dem Prozentsatz ergibt und den Anteil am Ganzen darstellt.

Berechnung des Prozentwertes Beispiel: Dir liegt eine Rechnung über 500,00 € vor. Du darfst 15 % Rabatt abziehen und fragst dich nun, wie viel Euro das sind. Berechnung mit dem Dreisatz: 500,00 € = 100 % x (in Euro) = 15 % 500,00 € ∙ 15 %

x = ___________ ​​   ​​    = 75,00  € 100 % Antwort: Der Rabatt beträgt 75,00 €. Selbstverständlich können mit dem Dreisatz auch die beiden anderen Größen, der Prozentsatz und der Grundwert, berechnet werden Berechnung des Prozentsatzes Beispiel: Dir liegt eine Rechnung über 400,00 € vor. Du darfst 80,00 € Rabatt abziehen und fragst dich nun, wie viel dies in Prozent ist. Berechnung mit dem Dreisatz: 100 % x (in %)

= 400,00 € = 80,00 €

100 % ∙ 80,00 €

x = ___________    ​​  400,00 € ​​   = 20  % Antwort: Der Rabatt beträgt 20 %. Berechnung des Grundwertes Beispiel: Du hast beim Kauf einen Rabatt von 30,00 € erhalten, was einem Prozentsatz von 5 % entspricht. Du fragst dich, wie hoch der Rechnungsbetrag ist. Berechnung mit dem Dreisatz:

Die Berechnung erfolgt analog dem Dreisatz mit geradem Verhältnis:

30,00 € = 5 % x (in Euro) = 100 %

Reiner Grundwert (Vom-Hundert-Rechnung) Im Normalfall beträgt der Grundwert 100 %. Wir sprechen dann vom reinen Grundwert.

x = ___________ ​​   ​​    = 600,00  € 5 %

30,00 € ∙ 100 %

Antwort: Der Rechnungsbetrag beträgt 600,00 €.

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Wirtschaftliches Handeln im privaten Haushalt

Vermehrter Grundwert (Auf-Hundert-Rechnung) In einigen Fällen ist der Grundwert größer als 100 %. Wir sprechen dann vom vermehrten Grundwert.

Verminderter Grundwert (Im-Hundert-Rechnung) In einigen Fällen ist der Grundwert kleiner als 100 %. Wir sprechen dann vom verminderten Grundwert.

Beispiel: Ein Auszubildender erhält nach einer Lohnerhöhung von 2 % nun 550,80 € Ausbildungsvergütung. Du fragst dich, wie viel Euro die Erhöhung betrug.

Beispiel: Du erhältst beim Kauf einer Jacke 10 % Sonderrabatt und zahlst deswegen nur noch 108,00 €. Du fragst dich, wie hoch der ursprüngliche Preis der Jacke war.

Berechnung mit dem Dreisatz:

Berechnung mit dem Dreisatz:

550,80 € = 102 % x (in Euro) = 2 %

108,00 € = x (in Euro) =

550,80 € ∙ 2 %

x = ___________ ​​  102 % ​​    = 10,80  € Antwort: Die Erhöhung betrug 10,80 €.

90 % 100 %

108,00 € ∙ 100 %

x = ___________    ​​   ​​  = 120,00  € 90 % Antwort: Der ursprüngliche Preis der Jacke war 120,00 €.

Lernbereich 1: Aufgaben Aufgabe 1 Annika und Ronja, beide Schülerinnen der Realschule, sind beim Einkaufsbummel. Dabei entdeckt Annika eine wunderschöne Kette. Da beide Freundinnen am Nachmittag noch ins Kino wollen und die Kette 14,95 € kostet, ist sich Annika unsicher, ob sie sie kaufen soll. Ronja empfiehlt ihr, sich ganz genau durchzurechnen, ob ihr Taschengeld dafür noch reicht, und sich erst dann zu entscheiden. Dafür sucht sich Annika zu Hause alle Belege des Monats zusammen.

Jugend-GIRO BLZ 790 500 00 Sparkasse Schweinfurt Datum Erläuterungen

BYLADEM1SWU

Wert

Kontostand in EUR am 09.01.20XX, Auszug Nr. 1 28.01. Gutschrift Taschengeld Februar Kontostand in EUR am 29.01.20XX, 15:24 Uhr

Annika Schubert Rudolf-Diesel-Str. 15 97124 Schweinfurt

36

28.01. Auszug Nr. 2

Kontoauszug 2 Blatt 1 Betrag 86,65 + ------------------25,00 + ------------------111,65 +

IBAN: DE83 7905 0000 0034 6652 90 BIC: BYLADEM1SWU


Lernbereich 1: Aufgaben

1

pro 1,20 € ket ic t s Bu lig a einm

t chrif Zeits  € 2,60

. Kffr. Tante Emm1aScehweinfurt

18.02.20xx / 13: 53

42 Mainweg 18, 97 1 358 614 72 09 l. Te

Drogerie Meier OHG

Steuernummer: 206 /222/93832 Hafenstraße 56 | 974 24 Schweinfurt Tel. 09721 3154

551 er: 206/222/97

Steuernumm el Kassenzett Limo el Schokorieg TOTAL Netto

Beleg-Nr.:

1,20 € 0,85 €

1174367

Nagellack, pink 1 St. 2,25 €

2,05 € 1,92 € 2,05 € 3,00 € € 0,95   LD

SUMME BAR RÜCKGE euer (7 %) e Umsatzst 0,13 € enthaltend  Einkauf. für Ihren Vielen Dank 10.02.20xx

TOTAL

2,25 € 2,25 €

SUMME BAR

2,25 € 5,00 € RÜC KGELD 2,75  € enthaltende Umsatz steuer (19 %)  0,36 € Es bediente Sie Frau Thein.

Umtausch und Rek lamation nur geg en Vorlage des Kassen bons!

/ 15:21

Vielen Dank für Ihren Einkauf.

6,00 €

Liebe Annika, hier ist das wöchentliche Essengeld. Den Rest darfst du wie immer behalten.

ZUR IN FORMA TION: Das täg liche M ittages an der sen Schule kostet 2,80 €.

Kuss, Mama

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1 1

Wirtschaftliches Handeln im privaten Haushalt

Dann findet Annika noch einen benutzten Fahrschein für 1,20 € und die Zeitschrift, die sie für 2,60 € gekauft hat. Erstellt eine Übersicht, aus der die Einnahmen und Ausgaben des Monats Februar abgelesen werden können, und macht Annika einen Vorschlag zur Kaufentscheidung.

Aufgabe 2 Stolz schüttelt Steffi ihre kleine Kiste. Darin ist das ganze Geld, das sie heute auf dem Flohmarkt verdient hat. Spielsachen, Comics und Kleidung, die sie nicht mehr braucht, hat sie dort ganz allein verkauft. Mit dem verdienten Geld möchte sie sich nun all das kaufen, was sie sich schon lange wünscht. „Es sind bestimmt 100,00 €“, freut sich Steffi. Aber so genau weiß sie es nicht, denn sie hat ihre Einnahmen noch nicht gezählt. Und dann sind ja auch noch die 30,00 € Taschengeld und die 50,00 €, die sie von ihrer Oma geschenkt bekommen hat. Na ja, etwas hat sie davon schon ausgegeben, aber es ist bestimmt noch genug übrig. Nun sitzt Steffi mit ihren Eltern beim Abendessen. Mutter:

Na, Steffi, wie ist der Tag heute beim Flohmarkt gelaufen?

Steffi:

Super, ich habe bestimmt 100,00 € eingenommen. Zusammen mit dem Geld von euch und Oma sind das fast 200,00 €. Davon kann ich morgen gleich in die Stadtgalerie gehen und mir endlich die Sachen kaufen, die ich mir schon lange wünsche.

Mutter:

Langsam, langsam. Bist du dir denn sicher, dass dein Geld auch reicht? Von dem Taschengeld musst du noch zwei Wochen deine Ausgaben in der Schulcafeteria bezahlen. Also, ich möchte erst einmal genau über deine finanzielle Situation Bescheid wissen und was du gedenkst zu tun, falls das Geld nicht reichen sollte.

1 Skianzug 15,00 €

15 Comics

3 Brettspiele zu je 8,00 € 12 Kinderbücher zu je 2,00 €

1 Schn Paar eesc 12,00 huhe  €

38

2 Pu llove r zu je 6,00  €

zu je 1,50 €

Das hat Steffi auf dem Flohmarkt verkauft:


Lernbereich 1: Aufgaben

1

Das musste Steffi für den Stand bezahlen: €

Netto

ct

€ +

10, 00

Quittung

10, ct 00

Nr.

ct

% MwSt.

Gesamt

14

Gesamtbetrag € in Worten Cent wie oben

zehn (Im Gesamtbetrag sind von

für

% Umsatzsteuer enthalten)

Steffi Bauer Stadt Schweinfurt Standgebühr Flohmarkt

richtig erhalten zu haben, bestätigt Ort

Schweinfurt

Datum

Buchungsvermerke

22.10.XX

Stempel/Unterschrift des Empfängers

Jürgen Bolzer Das hat Steffi bereits ausgegeben: 14.10.20xx / 13:53

Schreibwaren Müller OHG

ZUR INFORMATION: Steffi ist in der Pause Stammgast in der Schulcafeteria.

Steuernummer: 815/144/10421

Sie kauft sich täglich eine Wurstsemmel zu 0,75 € und einen Schokodrink zu 0,50 €.

Schulstr. 10 97424 Schweinfurt Tel. 09721 1200 Beleg-Nr.:1174367 Scout Pink Heart, 36 teilig 1 St.

35,99 €

35,99 €

TOTAL

35,99 €

SUMME

35,99 €

BAR

50,00 €

RÜCKGELD

14,01  €

enthaltende Umsatzsteuer (19 %)

Und zweimal pro Woche kann sie nicht widerstehen und leistet sich Süßigkeiten für 1,00 €.

5,75 €

Es bediente Sie Frau Boudier. Umtausch und Reklamation nur gegen Vorlage des Kassenbons! Vielen Dank für Ihren Einkauf.

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1 1

Wirtschaftliches Handeln im privaten Haushalt

Das ist Steffis Wunschzettel für ihren Einkauf in der Stadtgalerie:

Capri-Jeans mit Fransen 34,99 €

Sweatshirt 27,99 €

Longshirt 24,99 €

Chiffon-Rock 14,99 €

Jacke 49,99 €

Kann Steffi sich alle Wünsche von ihrem Wunschzettel erfüllen? Stellt eine ­Einnahmen- und Ausgaben-Rechnung auf!

Aufgabe 3 Du hast von deinem Lehrer mehrere Blanko-Formulare erhalten. Bearbeite nun folgende Aufgaben. Nutze dabei die folgenden Kontoangaben. Kontoinhaber: Tobias Doser Stadtsparkasse Augsburg IBAN DE73 7205 0000 0000 0317 56 BIC: AUGSDE77XXX 1. Tobias hat am 9. Juni beim Sportgeschäft Kaiser e. K. in der Oderstraße 14 in 86165 Augsburg im Auftrag seines Sportvereins, des SV Lechhausen-Süd e. V., 20 Fußbälle zu einem Gesamtwert von 595,00 € gekauft. Er bittet die Verkäuferin Frau Bindrim um einen Beleg. 2. Tobias hat am 10. Juni auf einer Onlinetauschbörse die CD „It’s only Rock’n Roll“ von den Rolling Stones gekauft. Drei Tage später erhält er die Lieferung mit fol gender Beilage: Hallo Tobias, anbei die CD. Wie vereinbart, überweist du das Geld bitte auf mein Konto Volksbank Köln-Nord IBAN DE44 3706 9429 0000 8463 72 BIC GENODED1KNL Gruß Rainer Neubert

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Lernbereich 1: Aufgaben

3. Am 15. Juni erhält Tobias eine Lieferung durch eine Spedition. Bei den Papieren findet er nachfolgende Rechnung. Er bereitet sofort den Überweisungsvordruck vor und geht anschließend zu seiner Sparkasse.

1

Baumarkt Röder GmbH, Industriepark 6, 94034 Passau

Tobias Doser Finkenallee 12 86165 Augsburg

Rechnung Nr. 1745/20XX Kunden-Nr.

Unser Zeichen

Ihr Zeichen

Datum

240956

Bestell 490/20XX

12.06.20XX

Pos.

Art. - Nr.

Art. – Bezeichnung

1 2 3

7861 BR 7714 BR 7345 BR

Camping Flammkocher Camping Wasserkanister 10l Camping Kühlakku R12

Menge

1 2 6

Einzelpreis

Gesamtpreis

79,99 € 5,99 € 3,99 €

79,99 € 11,98 € 23,94 €

Warenwert netto Fracht/Verpackung Rechnungsbetrag netto Umsatzsteuer Rechnungsbetrag brutto

115,91 € 7,00 € 122,91 € 23,35 € 146,26 €

Zahlungsbedingung: Zahlung innerhalb von 30 Tagen ohne Abzug

Aufgabe 4 Bei den folgenden Aufgaben ist die Prozentrechnung anzuwenden. 1. Ein Handy wurde im Preis um 15 % herabgesetzt. Wie viel € sind das, wenn er bisher bei 82,00 € lag?

2. Frau Dr. Schmidt erhält eine Nachricht der Wartungsfirma. In dieser wird mitgeteilt, dass die Gebühren ab nächsten Monat um 5,5 % angehoben werden. „Das sind bei Ihnen lediglich 9,90 €“, Bankverbindung: VR-Bank Passau IBAN: DE50 7409 0000 0000 2738 49 BIC: GENODEF1PA1 heißt es in dem Schreiben. Wie hoch war die Wartungsgebühr bisher? 3. Ein Möbelmarkt bestellt Couchgarnituren im Wert von 124.000,00 € ohne Umsatzsteuer. Wie viel € beträgt die Umsatzsteuer bei einem Steuersatz von 19 %? 4. In einer Warensendung von 750 Reagenzgläsern befinden sich 6 zerbrochene Gläser. Wie viel Prozent sind das?

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1

Wirtschaftliches Handeln im privaten Haushalt

5. Es liegen zwei Angebote zum Kauf eines Schrankes vor:

1

a) Angebot I: Listenpreis 422,00 € je Stück, 6 % Rabatt. b) Angebot II: Listenpreis 419,80 € je Stück, 5 % Rabatt.

Welches der beiden Angebote ist günstiger?

6. Ein medizinisches Fachbuch kostet 48,30 €. Früher betrug der Preis 42,00 €. Wie viel Prozent beträgt die Erhöhung? 7. Die Kelterei Hans Richter, welche sich auf die Herstellung von Fruchtsäften spezialisiert hat, möchte ihren Abnehmern auch Saftflaschen mit eigenem Firmenlogo verkaufen. Es werden wöchentlich 6.000 Flaschen verkauft. Zwei Angebote liegen der Kelterei vor:

  Nice to know  Frei Haus bedeutet, dass keine Kosten für Verpackung und Transport anfallen.

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Lieferant A: pro Flasche 2,45 €, 12 % Rabatt und 2 % Skonto wöchentliche Bezugskosten: Verpackung 155,00 €, Fracht 300,00 € und Transportversicherung 65,00 € Lieferant B: pro Kasten 24 Flaschen, Kasten 48,88 € Lieferung frei Haus


Wirtschaftliches Handeln im Unternehmen

Die Schülerinnen und Schüler … • ordnen die Unternehmen der regionalen Wirtschaft in gängige Kategorien (z. B. Branche, Unternehmensgröße) ein, um einen Überblick über die lokale Wirtschaftsstruktur zu erhalten. • formulieren und begründen unterschiedliche Unternehmensziele. Sie berücksichtigen dabei Aspekte des nachhaltigen Wirtschaftens. • stellen Chancen, Risiken und Formalitäten einer Unternehmensgründung auf Grundlage einer Geschäftsidee dar. Sie charakterisieren in diesem Zusammenhang die betrieblichen Produktionsfaktoren. Für verschiedene Unternehmen begründen sie die Wahl von Standort und Rechtsform. • systematisieren Gemeinsamkeiten im betrieblichen Fertigungsprozess verschiedener Fertigungsunternehmen und stellen die Funktionsbereiche in einem Modell dar.

2


2

Wirtschaftliches Handeln im Unternehmen

Das Modellunternehmen stellt sich vor

LTS

2

Steckbrief: Ludwig Thalberger Schuhe e. K. Inhaber

Ludwig Thalberger

Standort

Rudolf-Diesel-Str. 12, 84030 Landshut

Kontakt

Telefon: 0871 4321-0 Fax: 0871 4321-21 Website: www.thalberger-schuhe.de

Bankverbindung

Sparkasse Landshut IBAN DE 10 7435 0000 0000 2244 68 BIC BYLADEM1LAH

Steuer

Steuernummer: 040/442/40756 Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (USt-IdNr.): DE 176324958

Gründung

12. Januar 2015

Unternehmenszweck

Herstellung und Verkauf von Outdoor-Schuhen

Produktionsprogramm

• • • •

Verkaufsgebiet

Süddeutschland

Kundenzielgruppe

hauptsächlich Schuhgeschäfte

Zahl der Mitarbeiter

40 2 Auszubildende

Bergstiefel Trekkingstiefel Wanderschuhe Handelswaren (Schnürsenkel, Pflegemittel)

Das Organigramm des Unternehmens Inhaber und Geschäftsführer Ludwig Thalberger

Leitung Einkauf und Lager Susanne Gerber

Leitung Produktion Peter Sonntag

Team Einkauf Bernd Donath Elena Kobe

Team Produktion 26 Mitarbeiter

Team Lager Nicole Kleinhenz Peter Kleisert Juan Salvado Thomas Tröger

44

Leitung Verwaltung/­ Personal/Buchhaltung Michael Marinoff

Auszubildende Jennifer Rodscheik Paul Zeiß

Leitung Verkauf Sebastian Schmitz

Team Verkauf Helga Brandl Philip Eirich Liselotte Stöcker


Lernsituation 5: Unternehmen in der Region erkunden

Lernsituation 5: Unternehmen in der Region erkunden 2

Montag, 3. Stunde, jetzt steht BwR bei Herrn Weiß auf dem Stundenplan. Herr Weiß hat den Schülerinnen und Schülern zu Beginn des Schuljahres mitgeteilt, dass alle Schüler der 7. Klasse am nächsten Girls’ bzw. Boys’Day teilnehmen werden. In der zweiten Pause unterhalten sich Carina und ihr Klassenkamerad Luca:

Mitmachen beim

Wissenschaft

Forschung

28 | 03 | 19 Informatik

Industrie

Technik

Handwerk

senschaft k - Informatik - Wis - Industrie - Techni nte in Handwerk Entdecke deine Tale

- Forschung

© Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e. V.

© Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e. V.

Mitmachen beim

28 | 03 | 2019

Entdecke deine Talente in Gesundheit - Pflege - Soziales - Erziehung - Bildung - Dienstleistung

girls-day.de | #girlsday

dUrchGeführt vom

Gefördert von

Unterstützt von

AktionspArtner

boys-day.de | #boysday Gefördert vom

durchGeführt vom

Bündnispartner

Bundesverband der Freien Berufe e.V.

Carina: Hallo, Luca. Luca:

Hallo, Carina. Hast du das eigentlich gecheckt, was Herr Weiß mit diesem Girls’ und Boys’Day gemeint hat?

Carina: Ja, eigentlich schon. Irgendwie geht’s wohl darum, dass wir einen ersten Einblick in die Berufswelt bekommen sollen. Und deswegen sollen wir an diesem Tag mal in einen Beruf unserer Wahl hineinschnuppern. Luca:

Okay. Aber ehrlich gesagt, ich habe mir da noch überhaupt keine Gedanken gemacht. Aber ist ja auch eine Zeit lang hin, bis wir Herrn Weiß Bescheid geben müssen, was wir machen.

Carina: Ja, das stimmt schon. Aber ich fände es gut, wenn wir eine Übersicht hätten, was es für Betriebe eigentlich gibt und was man dort macht. Luca:

Ja, aber allein in unserem Dorf gibt es bestimmt zehn verschiedene Betriebe. Lass uns doch einfach mal nachforschen, ob wir nicht ein System in die Vielzahl der Betriebe reinbringen könnten.

Carina: Genau. Ich habe da gestern einen total interessanten Beitrag im Fernsehen angeschaut: Wie ein T-Shirt entsteht. Mithilfe dieses Beispiels könnten wir ein Plakat anfertigen, auf dem wir einen Vorschlag machen, wie man Betriebe etwas genauer einteilen könnte. 45


2

Wirtschaftliches Handeln im Unternehmen

Handlungsaufträge 1. Macht euch mit der Situation vertraut, indem ihr euch zunächst orientiert. ­Betrachtet hierzu die erhaltenen Unterlagen und stellt sicher, dass euch die ­Aufgabe klar ist. Informiert euch insbesondere über die einzelnen Wirtschaftssektoren. (Orientierung und Information)

2

2. Plant euer weiteres Vorgehen, indem ihr euch Gedanken machen, was in dieser konkreten Situation zu tun ist. (Planung) 3. Entwerft ein Plakat, auf dem übersichtlich die einzelnen Wirtschaftssektoren vorgestellt werden. Baut als konkrete Beispiele den Beitrag „Wie ein T-Shirt entsteht!“ ein. (Durchführung) 4. Sucht mindestens vier Betriebe aus eurer Heimatregion und ordnet sie den einzelnen Sektoren zu. Präsentiert eure Ergebnisse im Klassenplenum und diskutiert über diese bzw. nehmt Verbesserungen vor. (Bewertung und Reflexion)

Die Wirtschaftssektoren Informationen zur Lernsituation 1

Die Wirtschaft eines Landes bzw. der ganzen Welt (man spricht hier auch von der globalen Wirtschaft) besteht aus zahlreichen wirtschaftlichen Einheiten, die entweder als Betriebe Sachgüter oder Dienstleistungen herstellen oder als Haushalte die bereitgestellten Sachgüter und Dienstleistungen verbrauchen. In einem Betrieb werden Arbeitskräfte, Betriebsmittel (Werkzeuge, Maschinen) und Werkstoffe (Rohstoffe, Hilfsstoffe und Betriebsstoffe) vom Unternehmer kombiniert, um eine bestimmte Leistung so wirtschaftlich wie möglich zu erstellen. Die Betriebe können nun nach Art der von ihnen erstellten Leistung unterschieden werden in: • Rohstoffgewinnungsbetrieb (z. B. Bergwerk, Baumwollplantage) • Produktionsmittelbetrieb (z. B. Maschinenfabrik) • Verbrauchsgüterindustrie (z. B. Schuhfabrik, Bekleidungsfabrik) • Dienstleistungsbetriebe (z. B. Handelsbetriebe, Banken, Versicherungen, Transportbetriebe) Fast alle Güter durchlaufen auf ihrem Weg zum Endverbraucher mehrere Verarbeitungsstufen, die man auch als Wirtschaftssektoren bezeichnet. Zusammengefasst können die einzelnen Wirtschaftssektoren wie folgt dargestellt werden: Der Primärsektor wird auch als Urproduktion bezeichnet. Zu diesem Sektor zählen landund forstwirtschaftliche Betriebe (z. B. durch Ackerbau, Viehzucht und Waldnutzung mit Jagd) und die Fischerei. Er beschreibt also die Wirtschaftstätigkeiten, die unmittelbar mit der Natur, den Tieren und den Pflanzen zu tun haben. Die Gewinnung dieser Rohstoffe umfasst die erste (= primäre) Stufe der wirtschaftlichen Tätigkeit. In den meisten Entwicklungsländern ist der Anteil der Bevölkerung, die im primären Wirtschaftssektor arbeitet, wesentlich höher als in den Industrienationen.

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Lernsituation 5: Unternehmen in der Region erkunden

Landwirtschaft

Forstwirtschaft

2

In der zweiten (= sekundären) Stufe werden die ursprünglichen Ressourcen der Natur in bearbeitete und verarbeitete Güter umgeformt (z. B. Baumwolle in Fasern, die zur Herstellung von Bekleidung dienen). Zu diesem sekundären Sektor zählen neben den Industrie- und Handwerksbetrieben auch die Betriebe der Energiewirtschaft (durch Wasserkraft, Windkraft und Bergbau). Industriebetrieb

Handwerksbetrieb

In einem dritten (= tertiären) Schritt bedarf es noch verschiedenster Dienstleistungen, wie z. B. den Transport, die Organisation, den Handel, Bank- und Versicherungsleistungen, um das Funktionieren der Wirtschaft sicherzustellen. Aus diesem Grund nennt man den tertiären Sektor auch Dienstleistungssektor. Transport

Handel

Betrachtet man den Anteil der Beschäftigten in den einzelnen Wirtschaftssektoren, so stellt man fest, dass der Dienstleistungssektor über die Jahrzehnte an Bedeutung gewonnen hat. Heute sind über zwei Drittel aller Beschäftigten im Dienstleistungsbereich tätig, während es vor hundert Jahren nur etwa ein Viertel war. Man spricht deshalb auch von einem Strukturwandel der Wirtschaft hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft.

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2

Wirtschaftliches Handeln im Unternehmen

Wandel in der Arbeitswelt Von je 100 Erwerbstätigen arbeiten in diesen Bereichen

2

1970

Dienstleistung

1991

2017

45 61 75

Industrie, Bergbau, Energiewirtschaft

38 28

Baugewerbe

9

Landwirtschaft*

8

1970 nur Westdeutschland Quelle: Stat. Bundesamt

18 7 3

*einschl. Forstwirtschaft, Fischerei

6 1 rundungsbed. Diff.

© Globus

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Exkurs: Wie ein T-Shirt entsteht Von der Baumwollernte in Pakistan bis zum Verkauf in Deutschland – das T-Shirt durchläuft in seiner Entstehung alle drei Wirtschaftssektoren. Das T-Shirt: Es scheint unter allen Kleidungsstücken das einfachste zu sein. Doch betrachtet man seinen Lebenszyklus, so stecken in ihm Feldarbeit, Tausende Kilometer Transportweg, Hunderte Arbeitsschritte und die Arbeitskraft unzähliger Menschen. Das Leben eines T-Shirts beginnt mit der Keimung des Baumwollsamens. Besonders häufig wird jene Pflanze in asiatischen Gebieten – Pakistan, China, Indien – und in den Südstaaten der USA angebaut. Die ca. 400 Gramm Baumwolle, die in etwa für ein T-Shirt benötigt werden, kosten den Abnehmer lediglich 0,40 Euro. Nach der Ernte wird die Baumwolle zur Weiterverarbeitung in verschiedene Länder Asiens, wie Bangladesch, verschifft. Dieses Glied der textilen Kette ist hauptsächlich von maschineller Arbeit geprägt. Unterschiedliche Mischverhältnisse der Fasern produzieren verschiedene Garnarten, die dann

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zu Flächen verwebt werden. Danach bekommt der nun fein gewebte Stoff die vom Auftraggeber gewünschte Farbe.

So kostet ein T-Shirt aus Bangladesch in der Produktion circa 1,35 Euro. Der Stoff wird dann in


Lernsituation 5: Unternehmen in der Region erkunden

der ­ Konfektion im Akkord zugeschnitten, genäht und kontrolliert, weshalb dieser Produktionsschritt der arbeitsaufwendigste ist. Die Verfeinerung des Designs findet nicht zwingend in der gleichen Fabrik statt. Somit wechselt das T-Shirt zur Verzierung mit Aufdrucken, Knöpfen oder ähnlichen Details erneut den Produktionsort und wird in Partnerfabriken, z.  B. in Indien, weiterverarbeitet. Dann treten die T-Shirts zu Tausenden in überdimensionalen Containern ihren Weg in die verschiedenen Filialen der ganzen Welt an. Ein Frachtschiff kann 8 000 solcher Container fassen und kostet für eine Strecke von Bangladesch nach Deutschland gerade einmal 2 800 Euro pro Container. Das sind auf das T-Shirt gerechnet lediglich

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sechs Cent. Bis also das T-Shirt in den einzelnen Bekleidungsgeschäften angekommen ist, hat es bereits einen Weg von etwa 20 000 Kilometern zurückgelegt. Dort wartet es dann, hübsch auf einem Stapel sortiert, täglich zehn Stunden darauf, gekauft zu werden.

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Wirtschaftliches Handeln im Unternehmen

Lernsituation 6: Der betriebliche Produktionsprozess bei der Ludwig Thalberger Schuhe e. K.

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Carina Brandl hat sich dazu entschlossen, den Girls’Day in der Ludwig Thalberger S­ chuhe e. K. zu verbringen. Sie hat sich dort erfolgreich beworben und so startet sie am Montagmorgen zu ihrem ersten Schritt in die Berufswelt. Im Betrieb wird sie vom Geschäftsführer, Herrn Thalberger, und Paul Zeiß, Auszubildender zum Kaufmann für Büromanagement, begrüßt.

Das Angebot ist nur für Mädchen. Für Jungen gibt es den Boys’Day. Jungen können Berufe erleben, die selten von Männern ausgeübt werden.

Herr Thalberger: Guten Morgen, Carina. Freut mich sehr, dass du dich schon so früh dafür interessiert, wie es in ein paar Jahren im Berufsleben so aussieht. Carina:

Ja, wir machen das gerade im BwR-Unterricht und ich finde das total spannend.

Herr Thalberger: Gut. Und damit du auch etwas von diesem Tag hast, wird dir unser Auszubildender Paul den kompletten Betrieb zeigen. Er ist Auszubildender im dritten Ausbildungsjahr und kennt sich bei uns bestens aus. Und falls du Fragen hast, löchere ihn ruhig. Carina:

Danke, Herr Thalberger, sehr nett von Ihnen.

Paul:

Auch von mir ein „Hallo“! Ich habe mir das so vorgestellt, dass ich dir erst einmal unser Unternehmen zeige. Wir werden also durch alle Abteilungen laufen. Du kannst dort genau sehen, was die einzelnen Mitarbeiter machen, und ihnen natürlich auch Fragen stellen.

Carina: Super.

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Paul:

Und anschließend gehen wir dann in den Konferenzraum. Da kannst du mir bei etwas behilflich sein und ich kann sehen, ob du alles verstanden hast.

Carina:

Gut. Und wobei soll ich dir helfen?

Paul:

Unsere Geschäftsleitung möchte in nächster Zeit einen Tag der offenen Tür durchführen. Und da hat Herr Schmitz mich beauftragt, eine kleine Ausstellung vorzubereiten, so mit Firmengeschichte, Aufbau und Aufgaben unseres Unternehmens, Leistungsangebot usw. Die Plakatausstellung soll durch Flyer, Bilder usw. ergänzt werden.

Carina:

Kein Ding, was Plakatgestaltung betrifft, bin ich schon Profi. Aber eine Frage habe ich jetzt schon: Die Schwester einer Freundin arbeitet bei einem Lebensmittel-Großhandel. Und die macht, wie du, eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement. Aber ihr seid doch ein Produktionsbetrieb und die sind ein Handelsbetrieb. Wie geht das denn?

Paul:

Das macht gar nichts. Denn alle Betriebe haben eigentlich die gleichen Hauptaufgaben. Aber das wirst du spätestens heute Nachmittag wissen.


Lernsituation 6: Der betriebliche Produktionsprozess bei der Ludwig Thalberger Schuhe e. K.

Arbeitsmaterial M1

Firmengeschichte der Ludwig Thalberger Schuhe e. K.

2 Ludwig Thalberger Schuhe e. K. – ein Name für hochwertige Materialien, Qualität und Passformen bei Outdoor-Schuhen. Die Namen Thalberger und Schuhe sind schon seit mehreren Jahrzenten sehr eng mit dem Raum Landshut verbunden. 1960er Bereits in den frühen 1960er-Jahren gründete Josef Thalberger, der Großvater von Ludwig Thalberger, ein kleines Schustergeschäft in der Landshuter Innenstadt. Der Schuhmachermeister führte in seiner Werkstatt alle handwerklichen Arbeiten aus, von der einfachen Schuhreparatur bis zur Maßanfertigung. Am Anfang wurde das Sortiment durch den Verkauf von Schnürsenkeln und Schuhcremes ergänzt. 1980er In die Fußstapfen seines Vaters trat Mitte der 1980er-Jahre Maximilian Thalberger. Auf den Schuheinzelhandel, den Verkauf von Markenschuhen, wurde aufgrund der Konkurrenzsituation in der Stadt bewusst verzichtet. Maximilian führte das Geschäft als reine Reparaturwerkstatt weiter. 2010

Im Jahr 2010 stieg mit Ludwig Thalberger bereits die dritte Generation in das Geschäft ein. Der passionierte Bergwanderer gab sich mit dem reinen Reparaturbetrieb nicht mehr zufrieden. Die stetig steigende Nachfrage nach Outdoor-Artikeln ließ ihn zu der Überzeugung gelangen, Schuhe für den Outdoor-Bereich in das Sortiment aufzunehmen. Anfangs war es noch ausschließlich der Handel mit Produkten namhafter Hersteller. Doch bereits 2013 versuchte er, mit eigenen Wanderschuhen die Beliebtheit des Geschäfts zu steigern. Auf der OUTDOOR Friedrichshafen, der Fachmesse für den Handel, präsentierte er seine erste Kollektion. Die Resonanz war riesig. Aus diesem Grund beschloss Ludwig Thalberger die Gründung eines eigenen Unternehmens, der Ludwig Thalberger Schuhe e. K.

2015

Seit dem 12. Januar 2015 wird das Unternehmen im Handelsregister geführt. Ein neues, zeitgemäßes Logo wurde entwickelt, um die Aktualität der Kollektion zu unterstreichen. Es gelang Ludwig Thalberger, das Unternehmen im Outdoor-Bereich am Markt zu etablieren und die Marktposition des Unternehmens erheblich auszubauen. Der Kundenkreis des Unternehmens erstreckte sich nun über den gesamten süddeutschen Raum.

LTS

Aufgrund der positiven Geschäftsentwicklung hat die Zahl der Mitarbeiter stetig zugenommen. Zurzeit sind 40 Mitarbeiter bei der Ludwig Thalberger Schuhe e. K. beschäftigt. Bisher wurde auf eine Vergrößerung des Unternehmens wegen der enormen Kosten verzichtet. Aber aufgrund der guten Zukunftsaussichten überlegt Ludwig Thalberger zu expandieren.

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Wirtschaftliches Handeln im Unternehmen

M2

Aktuelles Leistungsangebot der Ludwig Thalberger Schuhe e. K. Bergstiefel

Trekkingschuhe

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Schnürsenkel

Pflegemittel

Wanderschuhe

Handlungsaufträge 1. Macht euch mit der Situation vertraut, indem ihr euch zunächst orientiert. Betrachtet hierzu die erhaltenen Unterlagen und stellt sicher, dass euch klar ist, was eure Aufgabe ist. Bewertet die erhaltenen Informationen zur Darstellung des Betriebes. Erschließt das Leistungsangebot des Betriebes und die eingesetzten betriebswirtschaftlichen Produktionsfaktoren. Informiert euch über organisatorische Sachverhalte wie Aufbau des Betriebes und die damit verbundenen wesentlichen Aufgaben und fasst alle Informationen übersichtlich zusammen (z. B. in Mindmaps). (Orientierung und Information) 2. Plant euer weiteres Vorgehen, indem ihr euch Gedanken macht, was in dieser konkreten Situation zu tun ist, und notiert diese stichpunktartig. (Planung) 3. Präsentiert das Unternehmen am Tag der offenen Tür. Wählt für die Darstellung eurer Ergebnisse geeignete Präsentationsformen aus und beachtet die entsprechenden Präsentationsregeln. (Durchführung)

Tipp: Bildet thementeilige Arbeitsgruppen und erarbeitet in den Gruppen die Informationen zur Lernsituation 6. 52

4. Bewertet die Präsentation mithilfe eines Kriterienkataloges für Präsentationen. Ebenfalls nehmt ihr Kritikpunkte zur Vollständigkeit und inhaltlichen Richtigkeit eurer Darstellung auf, ergänzt diese und korrigiert gegebenenfalls Fehler. Gebt Carina auf ihre Frage eine Antwort und diskutiert die Antworten im Plenum. (Bewertung) 5. Reflektiert über eure Präsentation, indem ihr konstruktives Feedback der ­Mitschüler annehmt und Schlüsse für zukünftige Präsentationen zieht. (Reflexion)


Lernsituation 6: Der betriebliche Produktionsprozess bei der Ludwig Thalberger Schuhe e. K.

Leistungsangebote von Unternehmen Aus der Sicht der Gesellschaft ist der Hauptzweck eines Unternehmens, Güter anzubieten. Diese Güter sind nicht im Überfluss vorhanden, müssen erarbeitet werden und dienen dazu, Bedürfnisse zu befriedigen. Man nennt sie auch wirtschaftliche Güter im Vergleich zu den freien Gütern (z. B. Luft zum Atmen), die die Natur noch kostenlos zur Verfügung stellt. Wirtschaftliche Güter können nach ihrer Beschaffenheit und ihrer Verwendung eingeteilt werden.

Informationen zur Lernsituation 6

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Güter nach ihrer Beschaffenheit Materielle Güter

Immaterielle Güter

Sachgüter, also körperliche Gegenstände, deren Herstellung und Nutzung meist zeitlich auseinanderfallen; z.  B. Bekleidung, Fahrrad, Handy.

Dienstleistungen, hier fallen Herstellung und Nutzung meist zeitlich zusammen. Sie können personenbezogen (Beratung durch einen Rechtsanwalt, Haareschneiden beim Friseur) und sachbezogen sein (Transport durch eine Spedition, Buchung von Belegen, Reparatur eines Autos).

Rechte beziehen sich auf die Nutzung und Verwertung fremden geistigen und körperlichen Eigentums; z.  B. Nutzung einer Erfindung, Miete einer Wohnung, Zugang zu einer Webseite.

Güter nach ihrer Verwendung Konsumgüter Sie dienen der privaten Verwendung und der unmittelbaren Bedürfnisbefriedigung, z. B. privater Pkw, privates Essen, Heizöl zu Hause.

Produktionsgüter Sie dienen der gewerblichen Verwendung, also der Herstellung anderer Güter, z. B. Geschäftswagen, Heizöl im Betrieb.

Verbrauchsgüter Sie gehen bei ihrer Verwendung unter oder werden in andere Güter umgewandelt, z. B. Nahrungsmittel, Garne, Betriebsstoffe.

Gebrauchsgüter Sie sind über längere Zeit verwendbar, z. B. Auto, Gebäude, Maschine, Bekleidung.

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Wirtschaftliches Handeln im Unternehmen

Produktionsbetriebe Wenn Betriebe Waren (auch Sachgüter genannt) bereitstellen bzw. produzieren, gehören sie zu den Produktionsbetrieben. Zur Herstellung der Sachgüter setzen sie Produktionsfaktoren ein. Man unterscheidet dabei die Elementarfaktoren von dem sog. dispositiven Faktor.

2 dispositiver Faktor

Elementarfaktoren

Der dispositive Faktor wird von den Führungskräften des Betriebes verkörpert und sorgt für den wirtschaftlichen Einsatz der Elementarfaktoren Arbeit, Betriebsmittel und Werkstoffe. Hierzu zählen die Leitung, Planung, Organisation und Kontrolle. Die Leitung entscheidet über den Einsatz der Mittel und gibt Anweisungen. Planung ist die geistige Vorwegnahme zukünftigen Handelns (z. B. Absatz-, Personalplan). Die Organisation gliedert den Betrieb und stellt Regeln zur reibungslosen Abwicklung aller Tätigkeiten auf. Die Kontrolle sorgt dafür, dass die Pläne eingehalten und ggf. an neue Situationen angepasst werden. Arbeit wird von Menschen ausgeführt. Sie kann körperliche und auch geistige Arbeit sein. Betriebsmittel (Gebäude, Maschinen, Werkzeuge, Lager- und Büroausstattung) stehen dem Betrieb über längere Zeit zur Verfügung und verbleiben auch nach der Leistungserstellung im Betrieb. Werkstoffe werden bei der Leistungserstellung meist verbraucht und müssen deshalb in kürzeren Abständen wiederbeschafft werden. Werkstoffe werden wie folgt unterschieden: • Rohstoffe sind Hauptbestandteile des Produkts, z. B. Alu-Rahmen eines Fahrrads, Holz für Möbel, Stahlblech für Autos, Papier für Bücher, Baumwolle für Bekleidung. • Fremdbauteile sind fertig bezogene Einbauteile des Produkts bei anderen Unternehmen, z. B. Gangschaltung ­eines Fahrrads, Reifen für Autos, Druckfarbe für Bücher, Knöpfe für Bekleidung. • Hilfsstoffe sind Nebenbestandteile des Produkts, z. B. Schrauben im Fahrrad, Leim für Möbel, Nieten für Autos, Garn für Bekleidung. • Betriebsstoffe gehen nicht ins Produkt ein, sondern dienen der Aufrechterhaltung des Produktionsprozesses und der Energieerzeugung, z. B. Treibstoff bzw. Strom für ­Maschinen, Sauerstoff beim Schweißen, Schmierstoffe für Maschinen.

Handelsbetriebe Betriebe, die auf eigene Produktion verzichten und bereits produzierte Waren verkaufen, bezeichnet man als Handelsbetriebe. Diese Waren werden von fremden Unternehmen bezogen und ohne weitere Veränderung weiterverkauft. Handelswaren können auch das eigene Leistungsangebot ergänzen. So verkauft die Ludwig Thalberger Schuhe e. K. Pflegemittel und Schnürsenkel, die von anderen Produzenten bezogen werden. Auch Handelsbetriebe nutzen zur Bereitstellung ihrer Leistung die betrieblichen Produktionsfaktoren. Im Gegensatz zu den Werkstoffen bei Produktionsbetrieben gehen die Handelswaren nicht ins Produkt ein, sondern werden sofort weiterverkauft.

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Lernsituation 6: Der betriebliche Produktionsprozess bei der Ludwig Thalberger Schuhe e. K.

Geschäftsprozesse Für die Bereitstellung von Gütern müssen die Betriebe die betriebswirtschaftlichen Produktionsfaktoren miteinander kombinieren. Jeder Betrieb regelt, je nach Art, die Kombination selbst. Es lassen sich aber bei den verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten gewisse Ähnlichkeiten feststellen. So kommt man zu den Geschäftsprozessen, die sich in allen Betrieben wiederfinden. Die folgende Übersicht stellt sie im Überblick dar.

Auslieferung

Produktion Fertigungskontrolle

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Betriebsleitung Technische Leitung

Kaufmännische Leitung

Forschung und Entwicklung Produktgestaltung Fertigungsplanung

Organisation Betriebliches Rechnungswesen

EDV

- Buchhaltung - Kostenrechnung - Statistik - Planungsrechnung

Personalverwaltung

Vertrieb Werbung Auftragsannahme Fakturierung

Einkauf Materialbestellung Wareneingang Lager

© Bergmoser + Höller Verlag AG

Aufbau eines Betriebs ZAHLENBILDER

201 110

Im Mittelpunkt steht der dispositive Faktor, ausgeübt durch die Geschäftsleitung. Seine Hauptaufgabe ist die Planung, Organisation, Entscheidung und Kontrolle. Zur Unterstützung dient ihm die allgemeine Verwaltung (Personal, Rechnungswesen, Finanzen). Die Geschäftsleitung steuert die anderen Geschäftsprozesse miteinander: • die Beschaffung (den Einkauf) • die Leistungserstellung (die Produktion) • den Absatz (den Verkauf) Bei der Beschaffung geht es um die Beschaffung von Arbeitskräften, von Betriebsmitteln und von Werkstoffen. Der Absatz hat die Aufgabe, die vom Unternehmen angebotenen Leistungen und Güter auf den Absatzmärkten zu vertreiben. Zwischen Beschaffung und Absatz liegt die Leistungserstellung. Die Leistungserstellung besteht in Produktionsbetrieben in der Herstellung (Produktion) von Waren. Handelsbetriebe stellen selbst keine Waren her. Ihre Leistungserstellung ist die Lagerung (Bereitstellung) fertiger Waren für ihre Kunden. Dienstleistungsbetriebe halten keine Waren bereit, sondern Arbeitskräfte, die eine Dienstleistung nach Kundenwunsch erfüllen.

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Wirtschaftliches Handeln im Unternehmen

Organisation der Leistungserstellung Die Leistungserstellung kann mithilfe verschiedener Fertigungsverfahren vollzogen werden, wobei unter Fertigungsverfahren die Vorgehensweise zu verstehen ist, wie ein Produkt hergestellt wird:

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Beteiligung menschlicher Arbeit (Wie hoch ist der Anteil menschlicher Arbeit an der Leistungserstellung?) Manuelle Fertigung

Die manuelle Fertigung zeichnet sich durch den vorwiegenden Einsatz von Handarbeit aus. Gerade im Handwerk werden die erforderlichen Tätigkeiten von Menschen durchgeführt, die eine entsprechende Berufsausbildung haben. Sie verwenden zwar Maschinen (Bohrmaschine, Schleifmaschine, Nähmaschine etc.), aber die manuelle Bearbeitung steht im Vordergrund.

Automation

Hier übernimmt eine Maschine (Computer, Roboter) die Bedienung, Steuerung und Überwachung der Produktion. Der Mitarbeiter überwacht nur noch die Funktionsfähigkeit des Computers, die meisten Arbeitsschritte werden durch die Roboter selbstständig durchgeführt.

Fertigungsorganisation (Wie sind die Betriebsmittel bei der Leistungserstellung angeordnet?)

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Werkstattfertigung

Bei der Werkstattfertigung werden die Maschinen und Arbeitsplätze mit gleichartigen Arbeitsverrichtungen zu einer Einheit, zu einer Werkstatt, zusammengefasst (z. B. Dreh-, Fräs-, Schleif-, Montagewerkstatt). Die Durchführung dieser gleichartigen Arbeitsschritte erfolgt also an diesem Ort, eine Weiterverarbeitung wird an einem anderen Ort ausgeführt. Das zu bearbeitende Material muss von einer Werkstatt zur anderen transportiert werden.

Fließfertigung

Bei der Fließfertigung entspricht die Anordnung der Maschinen und Arbeitsplätze der zeitlichen Reihenfolge der am Produkt durchzuführenden Tätigkeiten. Voraussetzung für die Anwendung des Fließprinzips ist eine Massen- oder Großserienfertigung, damit für eine längere Zeit ohne große Abänderung produziert werden kann.

Gruppenfertigung

Die Gruppenfertigung ist eine Kombination der Werkstatt- und Fließfertigung. Die gesamte Produktion wird in fertigungstechnische Einheiten aufgeteilt, die eine Funktionsgruppe bilden. Innerhalb der Funktionsgruppen wird das Fließprinzip angewandt.


Lernsituation 6: Der betriebliche Produktionsprozess bei der Ludwig Thalberger Schuhe e. K.

Fertigungstyp (Wie viele gleiche Produkte entstehen bei der Leistungserstellung?) In der Regel wird bei Einzelfertigung von einem Produkt Einzelfertigung nur eine Einheit erstellt, auch wenn das Produkt zu einem späteren Zeitpunkt gleich oder ähnlich noch einmal hergestellt werden kann, z. B. Spezialmaschinen, individuelle Möbelstücke, Schiffe.

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Die Serienfertigung liegt zwischen den beiden Extre- Serienfertigung men Einzel- und Massenfertigung, es werden mehrere gleichartige Produkte hergestellt. Nach der Anzahl der produzierten Einheiten spricht man von Klein- und Großserienfertigung. Im Unterschied zur Massenfertigung ist die Anzahl der produzierten Einheiten begrenzt.

Bei der Massenfertigung werden während einer länge- Massenfertigung ren Zeit Einheiten von einem einzigen Produkt (einfache Massenfertigung) oder von mehreren Produkten (mehrfache Massenfertigung) in sehr großer Zahl hergestellt.

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Wirtschaftliches Handeln im Unternehmen

Exkurs: Die Betriebserkundung Um ein Unternehmen und seine betrieblichen Abläufe besser kennenzulernen und auch „live“ zu

erleben, greifen viele Schulen auf die Möglichkeit zurück, eine Betriebserkundung durchzuführen.

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Mühle Münch AG, Münchstraße 1–22, 84030 Ergolding

Staatliche Realschule Landshut Christoph-Dorner-Straße 18 84028 Landshut

Kunden-Nr. –

Datum 7.4.20XX

Betriebserkundung Sehr geehrter Herr Weiß,

vielen Dank für das Interesse an unserem Unternehmen. Gerne laden wir Sie mit Ihrer Klasse zu einer Betriebserkundung am Montag, 14.4.20XX, in der Zeit von 08:30 bis ca. 15:00 Uhr in unsere Mühle ein. Den genauen Ablauf entnehmen Sie bitte dem beigefügten Programm.

Mit freundlichen Grüßen

ppa. Manfred Münch Geschäftsführer

Bankverbindung: Sparkasse Landshut – IBAN DE58 7435 0000 2246 6513 12 – BIC BYLADEM1LAH

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Lernsituation 6: Der betriebliche Produktionsprozess bei der Ludwig Thalberger Schuhe e. K.

Programm für die Betriebserkundung der 7. Klasse der Staatlichen Realschule Landshut Zeit

• Aktion

Verantwortlicher

08:30–08:45

• Begrüßung

Mühle Münch

08:45–10:00

• Vorstellung und Firmenpräsentation • Abfrage der Erwartungshaltung an die Betriebserkundung • Ausbildungsberufe im Unternehmen

Mühle Münch

10:00–10:15

• Pause

10:15–12:30

• Sicherheitsunterweisung • Einteilung und Unterweisung der Erkundungstrupps • Betriebserkundung durchführen

12:30–13:30

• Gemeinsames Mittagessen

13:30–15:00

• • • •

Verständnisfragen der Schüler/-innen beantworten Lernzielkontrolle Bewertung der Betriebserkundung Verabschiedung

Eine Betriebserkundung muss von einer Betriebsbesichtigung streng getrennt werden, denn sie geht weit mehr in die Tiefe.

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Mühle Münch Lehrer Schüler/-innen

Mühle Münch Schüler/-innen Schüler/-innen Mühle Münch

Betriebsbesichtigung

Betriebserkundung

Die Betriebsbesichtigung findet meist losgelöst vom Unterricht statt. Sie wird zumeist als Einzelmaßnahme z. B. am Wandertag durchgeführt.

Die Betriebserkundung hat unmittelbaren Bezug zum Unterricht. Hier wird das zuvor im Lernbereich erworbene Wissen konkret in einem Unternehmen angewendet.

Ein ganz wichtiges Ziel von Die Organisation wird aus diesem Grund sowohl Betriebserkundungen ist die vom Unternehmen als auch von den Schülern Anwendung des zuvor im Undurchgeführt. terricht erworbenen Wissens. Die Organisation liegt Die Betriebserkundung ist deswegen auch zeit­ Bedenkt man darüber hinaus, dabei ausschließlich in intensiver, da neben der Erkundung vor Ort auch der Hand des Unterdass Schüler nur rund 30 % von viel Zeit in die Vor- und Nachbereitungsphase nehmens. investiert werden muss. dem, was sie hören bzw. sehen, aber 90 % von dem, was sie Die Schüler besichtigen Bei Betriebserkundungen gestalten die Schüler den selbst tun, behalten, so führt nur, sind also „passive Ablauf aktiv mit. Sie gehen mit konkreten Fragesteleine Betriebserkundung viel Informationsempfänlungen und Beobachtungsaufgaben, die sie zuvor im Unterricht vorbereitet haben, in den jeweiligen ger“. schneller und effizienter zum Erkundungsbereich. erwünschten Erfolg. Zudem wirken sich das aktive Mitgestalten und das praxisnahe Lernen positiv auf die ligung nicht nur gefragt, sondern auch gewünscht. Darüber hinaus müssen sich die Schüler im Klaren Lernmotivation der Schüler aus. sein, dass das Unternehmen viel Zeit investiert, um Die Betriebserkundung ist eine wertvolle Ergänihnen einen guten Einblick in die betrieblichen Abzung zum herkömmlichen Unterricht; damit aber läufe und den Arbeitsalltag zu ermöglichen. Aus auch ein nachhaltiger Effekt erzielt werden kann, diesem Grund ist ein respektvoller Umgang der müssen die Schüler wichtige Voraussetzungen mitSchüler mit den Mitarbeitern des Unternehmens bringen: Die Schüler sind eben nicht nur reine Zuund den zur Verfügung gestellten Arbeitsmitteln hörer und stille Beobachter, daher sind das aktive absolute Voraussetzung. Mitgestalten und die Bereitschaft zur regen Betei-

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Wirtschaftliches Handeln im Unternehmen

Die Betriebserkundung gliedert sich in drei Phasen: Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung. 1. Vorbereitung

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Zuallererst werden die Schüler in mehrere Gruppen (z. B. Allgemeine Verwaltung, Beschaffung, Produktion und Absatz) eingeteilt. Nachdem vom Unternehmen und der Lehrkraft die allgemeinen organisatorischen Regelungen abgesprochen sind, müssen die einzelnen Gruppen die für sie relevanten Informationen und Materialien recherchieren. Als Quellen kommen sowohl das Internet, Fachzeitschriften als auch das Unternehmen selbst infrage. Anschließend werden Arbeitsblätter und Fragebögen für die Erkundung ausgearbeitet. 2. Durchführung Die Gruppen erkunden mit den ihnen zugeteilten Mitarbeitern des Unternehmens die zugeteilten Unternehmensbereiche und führen ihre Arbeitsaufträge durch. Um die in der Vorbereitung erarbeiteten Arbeitsblätter und Fragebögen zu bearbeiten, müssen sie Interviews mit Mitarbeitern führen, Notizen machen, Protokolle anfertigen, Mitarbeiter bei verschiedenen Arbeitsschritten beobachten und eventuell einfache Tätigkeiten selbst ausprobieren. Die Lehrkraft wird sich während der Erkundung zurücknehmen bzw. gar nicht direkt daran teilnehmen. Dies hat vor allem den Hintergrund, dass Schüler in Anwesenheit des Lehrers angespannter und gehemmt sind, Fragen zu stellen. Dadurch ist

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die Lehrkraft oft gezwungen, die Fragen selbst zu formulieren und als Interviewpartner aufzutreten. Zum Abschluss der Betriebserkundung treffen sich alle Gruppen wieder in den vorher festgelegten Räumlichkeiten. Hier haben die Schüler die Möglichkeit, noch offene Fragen zu klären, zusätzliche Informationen einzuholen und mit den Mitarbeitern zu diskutieren. 3. Nachbereitung In der ersten Unterrichtsstunde nach der Betriebserkundung reflektieren die Schüler ihre Eindrücke, die sie während der Betriebserkundung gesammelt haben. Es wird auch besprochen, wie es den einzelnen Gruppen bei der Durchführung ihrer Erkundungsaufträge ergangen ist und wie sie den Umgang mit den Mitarbeitern des Betriebes erlebt haben. Hier will die Lehrkraft erfahren, ob die Erwartungen der Schüler erfüllt worden sind oder ob es noch offene Fragen gibt. In einem nächsten Schritt geht es darum, die Arbeitsblätter, Fragebögen, Notizen und Protokolle auszuwerten. Dabei kann es natürlich vorkommen, dass die Schüler auf offene Fragen, Missverständnisse oder Unklarheiten stoßen, die im Rahmen der Erkundung nicht geklärt werden konnten. Diese sollten in der Nachbesprechung erörtert werden. Die Ergebnisse der einzelnen Gruppen werden anschließend den anderen Gruppen präsentiert. Dies kann im Unterricht, aber auch öffentlichkeitswirksam im Rahmen einer Ausstellung am Tag der offenen Tür erfolgen.


Lernsituation 7: Von der Geschäftsidee zur Unternehmensgründung

Lernsituation 7: Von der Geschäftsidee zur Unternehmensgründung 2

Am Tag nach dem Boys’ und Girls’Day herrscht bei den Schülerinnen und Schülern natürlich großer Redebedarf. Alle wollen über ihre Erlebnisse in den verschiedenen Betrieben berichten. Auch die Freunde Carina, Tamara, Lena und Luca stehen in der Pause zusammen. Tamara:

Na, wie wars gestern bei euch?

Luca:

Ich war im Kindergarten bei uns im Dorf. Das hat richtig Spaß gemacht; war aber auch total anstrengend.

Lena:

Stimmt. Ich war bei der Berufsfeuerwehr. Die haben einen richtig stressigen Job. Aber für uns haben die sich echt was einfallen lassen; das war total klasse. Und du warst ja in dem Betrieb deiner Mutter, Carina?

Carina:

Ja, bei der Ludwig Thalberger Schuhe e. K. War echt interessant, mal zu sehen, wie so Schuhe hergestellt werden … und auch das ganze Drumherum. Und der Chef, Herr Thalberger, hat sich voll viel um mich gekümmert. Ich würde am liebsten auch eine eigene Firma haben.

Tamara:

Das wärs. Und ich hab da schon eine Idee. Was haltet ihr von einer eigenen Schüler-Cafeteria?

Carina:

Gute Idee. Wir haben doch bei uns Ganztagesschule, und dann gibt’s doch auch noch einige Schüler, die auf den Bus warten müssen. Die sind doch bestimmt froh, wenn auch am Nachmittag noch was angeboten werden würde.

Luca:

Also ich bin dabei. Lasst uns doch gleich mal Herrn Weiß fragen, ob wir das als Wahlfach machen ­können.

Gleich nach der nächsten BwR-Stunde teilen die vier ihrem Lehrer Herrn Weiß ihre Geschäftsidee mit. Herr Weiß: Euer Vorschlag hört sich nicht schlecht an. Aber ihr müsst euch schon im Voraus Gedanken machen, z. B. welche Ziele ihr verfolgt. Luca:

Gewinn machen. Das kommt dann in die Klassenkasse für die nächste Klassenfahrt.

Herr Weiß: Das wäre ein Ziel, aber es gibt noch weitere, über die ihr euch informieren müsst. Und dann stellt sich gleich die nächste Frage: Bringt ihr überhaupt die entsprechenden Voraussetzungen mit, um so ein kleines Unternehmen zu führen? Carina:

Oh, das hört sich ja nach Arbeit an.

Herr Weiß: Richtig. Aber ich habe auch eine gute Nachricht für euch. Diese und andere Ideen hatten auch schon Schüler vor euch. Wir haben alles in einem Ordner abgeheftet, was mit der Gründung eines Unternehmens zusammenhängt. Den schaut ihr euch genau an und legt mir dann euren Businessplan vor. Luca:

Business … was?

Herr Weiß: Businessplan, die Grundlage einer jeden Unternehmensgründung. 61


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Wirtschaftliches Handeln im Unternehmen

Handlungsaufträge 1. Macht euch mit der Situation vertraut, indem ihr euch zunächst orientiert. ­Betrachtet hierzu die erhaltenen Unterlagen und stellt sicher, dass euch die Aufgabe klar ist. Informiert euch zuerst über die verschiedenen Unternehmensziele. Anschließend informiert euch über die persönlichen, sachlichen und rechtlichen Voraussetzungen einer Unternehmensgründung und den Businessplan. ­(Orientierung und Information)

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2. Plant euer weiteres Vorgehen, indem ihr euch Gedanken macht, was in dieser konkreten Situation zu tun ist, und notiert diese stichpunktartig. (Planung) 3. Legt eurem BwR-Lehrer einen Businessplan zur Gründung einer Schüler-­Cafeteria vor. (Durchführung) 4. Präsentiert und bewertet die einzelnen Businesspläne. Nehmt Kritikpunkte zur Vollständigkeit und inhaltlichen Richtigkeit eurer Darstellung auf, ergänzt diese und korrigiert gegebenenfalls Fehler. (Bewertung) 5. Reflektiert über eure Präsentation, indem ihr konstruktives Feedback der Mitschüler annehmt und Schlüsse für zukünftige Präsentationen zieht. (Reflexion)

Unternehmensziele Informationen zur Lernsituation 7

Unternehmensziele werden von den Entscheidungsträgern (z. B. Geschäftsführer, Inhaber) festgelegt und beschreiben einen zukünftig anzustrebenden Zustand des Unternehmens. Dabei sollten diese Ziele so formuliert werden, dass sie der SMART-Formel entsprechen: S = Spezifisch

Das Ziel sollte möglichst genau und präzise formuliert werden.

M = Messbar

Es sollten Kennzahlen bestehen, mit denen man die festgelegten Ziele auch messen kann.

A = Akzeptiert

Das Ziel sollte von allen Beteiligten (Unternehmensleitung und Mitarbeiter) akzeptiert werden und mit den Werten sowie dem Leitbild des Unternehmens übereinstimmen.

R = Realisierbar

Die Ziele müssen auch tatsächlich erreichbar sein.

T = Terminierbar

Eine Zeitangabe sollte wenn möglich immer genannt werden.

So macht eine Zielformulierung wie „Steigerung des Umsatzes“ wenig Sinn; besser wäre es, hier zu sagen: „Steigerung des Umsatzes in der Abteilung Handelswaren um 5 % bis zum Ende des Quartals“. Dieses formulierte Ziel bezieht sich ausschließlich auf den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens (ökonomische Ziele). Darüber hinaus hat aber jedes Unternehmen auch eine Verantwortung seinen Mitarbeitern (soziale Ziele) und der Umwelt bzw. den nachfolgenden Generationen (ökologische bzw. nachhaltige Ziele) gegenüber.

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Lernsituation 7: Von der Geschäftsidee zur Unternehmensgründung

Unternehmensziele Ökonomisch

Sozial

Ökologisch

• • • • •

• Mitarbeiterzufriedenheit durch gerechte Entlohnung • Einklang Beruf und Freizeit • Altersabsicherung • Ausgleich von familiären Unterschieden • Sichere Arbeitsplätze

• Verringerung der Schadstoffemissionen • Verringerung der Umweltbelastung durch Recycling

Steigerung des Gewinns Steigerung des Absatzes Steigerung des Umsatzes Steigerung der Qualität Kundenzufriedenheit

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Zur Erreichung der oben genannten Ziele (insbesondere bei Kundenzufriedenheit und Umweltbewusstsein) sind hohe Qualitätsstandards einzuhalten. Hierzu wurden bestimmte Verfahren entwickelt, mit denen sich Unternehmen die Einhaltung von Mindestanforderungen nachweisen lassen können. Unabhängige Zertifizierungsstellen wie z. B. der TÜV oder die DEKRA vergeben zeitlich befristet diese Zertifizierungen und kontrollieren sie auch. Als bekannteste Zertifizierung gibt es die EN ISO 9001. Sie legt die Mindestanforderungen an das Management eines Unternehmens fest. Sie dienen vor allem dazu, die Kundenanforderungen sowie weitere Anforderungen an die Produkt- bzw. Dienstleistungsqualität zu erfüllen. Damit wird ermöglicht, dass die Transparenz der betrieblichen Abläufe erhöht, die Kundenzufriedenheit nachhaltig verbessert und die Fehlerquote und somit die Kosten deutlich gesenkt werden. Die am weitesten verbreitete Zertifizierung im Bereich des Umweltmanagements eines Unternehmens ist das Eco-Management and Audit Scheme (EMAS), besser bekannt als Öko-Audit. EMAS wurde von der Europäischen Union entwickelt. Unternehmen berichten in einer Umwelterklärung über ihre Auswirkungen auf die Umwelt und ihre Umweltziele.

Voraussetzungen bei der Unternehmensgründung Ob es nun in der Tradition der Familie, im Wunsch der eigenen Selbstverwirklichung, im Erkennen einer Marktlücke, in der Erwartung eines höheren Lebensstandards oder in der Unzufriedenheit mit der Tätigkeit als abhängig Beschäftigter liegt … es gibt viele Gründe, die jemanden dazu bewegen, ein eigenes Unternehmen zu gründen. In der jüngeren Vergangenheit beobachtet man immer häufiger Unternehmen, die mit einer innovativen Geschäftsidee schnell am Markt wachsen, die sogenannten Start-ups. Doch die Planungen für eine erfolgreiche Unternehmensgründung beginnen schon weit vor Aufnahme der eigentlichen betrieblichen Tätigkeit. Zuallererst muss man sich fragen, ob man die persönlichen, sachlichen und rechtlichen Voraussetzungen für die Gründung eines Unternehmens mitbringt.

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Wirtschaftliches Handeln im Unternehmen

Persönliche Voraussetzungen • Fachkenntnisse • Kenntnisse der Branche • Führungsqualität • Erfahrung • Motivation • Zuverlässigkeit • Durchhaltevermögen • Ideenreichtum

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Sachliche Voraussetzungen Die Hauptschwierigkeiten bei der Gründung eines Unternehmens liegen in der Beschaffung von Kapital. Um bereits im Vorfeld diese Schwierigkeiten weitestgehend zu vermeiden, sollten folgende Fragen geklärt sein: • Chancen am Markt für das Produkt bzw. die Dienstleistung muss ein Bedarf vorhanden sein; d. h. trotz bestehender Konkurrenten muss es realistische Chancen geben, das Produkt bzw. die Dienstleistung auch zu verkaufen • Standort die Entscheidung über den Standort ist einer der wichtigsten Punkte bei der Gründung eines Unternehmens; mit dieser Entscheidung werden auch der Kundenkreis und die Kosten beeinflusst • Lieferanten • qualifiziertes Personal Rechtliche Voraussetzungen • Geschäftsfähigkeit • Anmeldung bei • Finanzamt • Berufsgenossenschaft • IHK • evtl. Gewerbeamt • Amtsgericht (falls ein Handelsregistereintrag notwendig ist)

Der Businessplan Der Businessplan erläutert in schriftlicher Form die geplante Geschäftsidee. Er beschreibt im Detail das unternehmerische Gesamtkonzept sowie die Maßnahmen, die zu ergreifen sind, um diesen Plan in die Tat umzusetzen. Er erfasst das wirtschaftliche Umfeld, die gesetzten Ziele und die dafür aufzuwendenden Mittel. Das ist insofern sinnvoll, um vor der eigentlichen Gründung alle Fakten durchzuplanen. Schon allein die detaillierte Ausformulierung zwingt den Unternehmensgründer, die Geschäftsidee systematisch zu durchdenken und Probleme zu lösen. Darüber hinaus gehört die Vorlage eines Businessplans zum guten Umgang mit Geschäftspartnern und dient als Bewerbungsschreiben, um Investoren zu gewinnen.

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Lernsituation 7: Von der Geschäftsidee zur Unternehmensgründung

Folgende wesentliche Elemente werden dabei erfasst:

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Der Businessplan 1. Zusammenfassung Die Zusammenfassung gehört an den Anfang des Businessplans, um dem Leser schon vorab einen kurzen Einblick in die Geschäftsidee zu geben. Ebenfalls können hier auch schon die Ziele für die ersten Jahre genannt werden. 2. Gründerpersonen Hier stellen sich die Gründer des Unternehmens vor. Dabei geht es vor allem um die persönlichen Voraussetzungen, d. h. welche Fähigkeiten und Qualifikationen bringen die einzelnen Gründungsmitglieder mit. 3. Geschäftsidee Die Geschäftsidee wird unter Herausstellung des Kundennutzens detailliert beschrieben. Es wird die Frage beantwortet, welche Güter bzw. Dienstleistungen angeboten werden sollen und welche besonderen Merkmale sie haben. 4. Markt und Wettbewerb Hier geht es um eine detaillierte Analyse des Marktes, d. h. vor allem um die Frage des Standortes, der möglichen Kunden und der Wettbewerber. 5. Marketing Hier geht es um Fragen der Werbung und des Absatzweges. Natürlich muss aber auch erklärt werden, zu welchem Preis die Produkte bzw. die Dienstleistungen angeboten werden sollen. 6. Unternehmensform Die gewählte Rechtsform wird geschildert. 7. Finanzplanung Der Punkt Finanzierung ist wohl der wichtigste und aufwendigste Punkt in einem Businessplan. Denn ohne Geld geht gar nichts. Zu Beginn muss die Frage geklärt werden, wie hoch der Kapitalbedarf für die Gründung des Unternehmens sein muss. Im Anschluss wird beschrieben, wie dieser Kapitalbedarf finanziert wird, d. h. wie viel die Gründer selbst dazu beitragen und wie hoch ein Kredit sein müsste. 8. Risikobewertung Eine kritische Bewertung der Geschäftsidee sowie ein Blick in die Zukunft werden mithilfe der SWOT-Analyse (engl. für Strengths [Stärken], Weaknesses [Schwächen], Opportunities [Chancen] und Threats [Risiken]) vorgenommen.

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2

Wirtschaftliches Handeln im Unternehmen

Beispiel: Die beiden Freundinnen Kathrin Frey und Julia Frank wollen zusammen den Schritt in die Selbstständigkeit wagen und ein Reisebüro gründen. Zur Finanzierung ihres Vorhabens haben sie einen Bankkredit über 20 000,00 € beantragt. Als Grundlage für die Kreditentscheidung benötigt die Bank einen Businessplan. Punkt für Punkt arbeiten Kathrin und Julia deshalb mithilfe einer Vorlage einen Businessplan aus.

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BUSINESSPLAN REISEBÜRO FRANK & FREY OHG Julia Frank und Kathrin Frey 1. Zusammenfassung Julia Frank und Kathrin Frey beabsichtigen, in der Mustergasse 12 in 91522 Ansbach ein eigenes Reisebüro zu eröffnen. Als Zielgruppe sollen alle Bevölkerungsgruppen angesprochen werden. Als Hauptreiseland ist Italien angedacht; selbstverständlich werden alle Regionen weltweit speziell nach den Kundenwünschen angeboten. Neben dem Geschäft werden alle Dienstleistungen auch auf der eigenen Website angeboten. Es gibt zwar einige Reisebüros in der unmittelbaren Umgebung; aber durch das speziell auf Italien angelegte Äußere des Geschäfts möchten sie sich von der Konkurrenz abheben. Mit dem Reisebüro möchten die beiden Frauen das Ziel erreichen, den eigenen Lebensunterhalt bestreiten zu können. In den kommenden Jahren möchten sie einen Stammkundenkreis aufgebaut und die Vertriebswege sowie den Kundenkreis ausgebaut haben. Dieses Ziel setzen sich die beiden für die folgenden fünf Jahre. 2. Gründerpersonen Julia Frank, 20 Jahre alt, hat ihre Ausbildung zur Reiseverkehrskauffrau beim Reiseunternehmen FLY AG in Nürnberg 2016 abgeschlossen. Im Anschluss war sie zuerst für die Kundenberatung und Reisevermittlung in der Zweigstelle Ansbacher Straße in Nürnberg für die FLY AG zuständig. Seit Juni 2018 managt sie die Touristenbetreuung direkt vor Ort. Ihr bisheriges Einsatzland war Italien. Überhaupt interessiert sie sich besonders für Geschichte und Kultur Italiens. Sie hat neben ihrer Ausbildung die Italienische Sprache an der vhs gelernt. Sie spricht verhandlungs­sicheres Italienisch auf B2-Level. Kathrin Frey, 18 Jahre, absolviert im Moment ihr drittes Ausbildungsjahr beim Reisebüro Müller in Nürnberg. Auch Kathrin Frey interessiert sich besonders für Land und Leute Italiens. Ihre Mutter ist Italienerin. Kathrin Frey hat neben Deutsch auch Italienisch als Muttersprache. 3. Geschäftsidee Die Deutschen sind nach wie vor Urlaubsweltmeister; und während der „schönsten Tage des Jahres“ gönnt man sich etwas Besonderes und ist bereit, für ein gelungenes Urlaubserlebnis auch höhere Beträge zu bezahlen.

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Lernsituation 8: Die Standortwahl bei der Ludwig Thalberger Schuhe e. K.

Lernsituation 8: Die Standortwahl bei der Ludwig Thalberger Schuhe e. K. 2

Jennifer Rodscheik, Auszubildende zur Kauffrau für Büromanagement bei der Ludwig Thalberger Schuhe e. K., durchläuft während ihrer Ausbildung alle Abteilungen des Unternehmens. Aktuell ist sie in der Abteilung Verwaltung eingesetzt und unterstützt dort Herrn Marinoff. Auf ihrem Schreibtisch findet sie folgende Unterlagen:

LTS Hausmitteilung Absender: Empfänger:

Michael Marinoff Jennifer Rodscheik, Auszubildende

Betreff: Standort für unser neues Zweigwerk Hallo Jennifer, lies dir mal die E-Mail von unserem Chef Herrn Thalberger durch. Du weißt ja, dass wir unser Unternehmen demnächst vergrößern wollen. Als mögliche Standorte haben wir Lübeck und Rosenheim etwas näher ins Auge gefasst. Informiere dich über die Thematik und erstelle mir bitte bis morgen eine Pro- und Kontra-Liste. Mit freundlichen Grüßen Michael Marinoff 67


2

Wirtschaftliches Handeln im Unternehmen

Handlungsaufträge Tipp: Bildet thementeilige Arbeitsgruppen zum Standort Lübeck und zum Standort Rosenheim.

2

1. Macht euch mit der Situation vertraut, indem ihr euch zunächst orientiert. ­Betrachtet hierzu die erhaltenen Unterlagen und stellt sicher, dass euch die Aufgabe klar ist. Bewertet die erhaltenen Informationen zum betrieblichen Standort. Informiert euch auch im Internet über die beiden geplanten Standorte der Ludwig Thalberger Schuhe e. K. (Orientierung und Information) 2. Plant euer weiteres Vorgehen, indem ihr euch Gedanken macht, was in dieser konkreten Situation zu tun ist, und notiert diese stichwortartig. (Planung) 3. Erstellt eine Pro- und Kontra-Liste zu den geplanten Standorten. (Durchführung) 4. Präsentiert eure Ergebnisse und nehmt zu den anderen Gruppen Stellung. Einigt euch auf eine Pro- und Kontra-Liste. (Bewertung) 5. Reflektiert über euer gemeinsames Arbeitsergebnis, indem ihr den Bewertungsbogen „Zielscheibe“ ausfüllt. (Reflexion) 6. Bearbeitet die Übungs- und Vertiefungsaufgabe. (Übungsphase)

Der betriebliche Standort Informationen zur Lernsituation 8

Standort ist derjenige Ort, an dem sich ein Unternehmen zur Erledigung seiner betrieblichen Grundfunktionen (Beschaffung, Produktion, Absatz und Verwaltung) niederlässt. Dies kann an einem Ort geschehen, aber natürlich gibt es auch Unternehmen, die mehrere Standorte haben. Die Wahl des richtigen Standortes ist gerade bei Unternehmensgründungen eine ganz zentrale Frage, weil sie für einen in der Regel sehr langen Zeitraum getroffen wird. Der Unternehmer wird also diese Wahl von mehreren Gesichtspunkten (sogenannte Standortfaktoren) abhängig machen. Allerdings ist häufig zu beobachten, dass ein Unternehmer sein Unternehmen an seinem Wohnort gründet. Die Standortfaktoren spielen also vor allem dann eine Rolle, wenn sich ein Unternehmen vergrößern will und einen neuen Standort sucht.

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Lernsituation 8: Die Standortwahl bei der Ludwig Thalberger Schuhe e. K.

Die wesentlichen Faktoren bei der Wahl des Standortes sind: Standortfaktoren Fläche

Steht hinreichend Fläche zur Verfügung? Kann unter Umständen noch erweitert werden? Wie sind die Preise für das Bauland? Befindet sich das Bauland in einem Industrie-, Gewerbe- oder einem Wohngebiet? usw.

Nachfrage

Erreicht man in der Region die gewünschten Käufer? Gibt es Wettbewerber in unmittelbarer Umgebung? Wie wichtig ist unmittelbare Kundennähe, d. h. Innenstadt oder außerhalb einer Stadt (vor allem bei Handelsbetrieben)? Wie hoch sind die Mietpreise? Gibt es ausreichend Parkmöglichkeiten für die Kunden? Wie ist die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel? usw.

Mitarbeiter

Bietet die Region qualifizierte und motivierte Arbeitskräfte? Sind Hochschulen und Universitäten in der Nähe? Wie ist das Freizeitangebot in der Region (falls Arbeitskräfte von außerhalb geholt werden müssen)? usw.

Infrastruktur

Sind die Verkehrswege für die Anlieferung der Werkstoffe und Waren und den Versand der Produkte geeignet? Sind Bahnhöfe und Flughäfen in der Region? Entspricht das Kommunikationsnetz (z. B. Internet) den Anforderungen? usw.

Zulieferer

Gibt es Zulieferunternehmen in der Region? usw.

Rohstoffe

Speziell für Unternehmen, die sehr große Mengen an Rohstoffen benötigen: Wie sind die Entfernungen zu den Vorkommen? usw.

Umwelt

Müssen Umweltauflagen eingehalten werden? Wie kann die Entsorgung bei Problemabfällen organisiert werden? usw.

Staatliche Hilfe

Erhält das Unternehmen einen finanziellen Anreiz zur Errichtung eines Betriebes in der Region? Muss das Unternehmen weniger Steuern bezahlen? usw.

2

Nicht immer können Unternehmen über ihren Standort frei entscheiden. Gerade Unternehmen in der Urproduktion sind an einen bestimmten Standort gebunden (Mühle am Wasser, Kohle- und Erzbergbau, Erdölförderung, Forst- und Landwirtschaft). Die Unternehmen des sekundären und tertiären Sektors (Industrie, Handwerk, Handel und Dienstleistung) dagegen werden bei der Wahl des richtigen Standortes immer wieder mehrere der oben genannten Standortfaktoren zurate ziehen. Jedes Unternehmen wird anschließend für sich individuell die einzelnen Standortfaktoren gewichten und eine Standortanalyse durchführen.

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2

Wirtschaftliches Handeln im Unternehmen

Dies soll im Folgenden beispielhaft dargestellt werden: Ein Einzelhandelsunternehmen der Textilbranche muss sich zwischen einem Gebäude in der Innenstadt (Standort A) und einem Gebäude in einem Gewerbegebiet ca. 5 km außerhalb der Stadt (Standort B) entscheiden.

2

Standortfaktor

Gewichtung Standort A Bewertung

Laufkundschaft

Standort B Punkte

Bewertung

Punkte

10

5

50

0

0

Parkplätze

5

1

5

5

25

Fachkräfte

3

4

12

4

12

10

3

30

5

50

Verkehrswege Gesamt Gewichtung: Bewertung: Punkte:

97

87

10 = unverzichtbar, 5 = sehr wichtig, 3 = wichtig, 1 = weniger wichtig 5 = sehr gut, 4 = gut, 3 = mittel, 1 = schlecht, 0 = sehr schlecht Gewichtung x Bewertung

In diesem Beispiel wird sich das Unternehmen für den Standort A, die Innenstadtlage, entscheiden. Die Standortwahl ist also immer eine Kompromisslösung. Den „optimalen Standort“ gibt es nicht.

Die möglichen Standorte der Ludwig Thalberger Schuhe e. K.

Standort 2: Lübeck

Hauptsitz: Landshut

Standort 1: Rosenheim 70


Lernsituation 8: Die Standortwahl bei der Ludwig Thalberger Schuhe e. K.

Wirtschaftsstandort Rosenheim Die kreisfreie Stadt Rosenheim liegt im Regierungsbezirk Oberbayern im Alpenvorland. Mit beinahe 60 000 Einwohnern ist Rosenheim nach München und Ingolstadt die drittgrößte Stadt in Oberbayern und eines von 23 bayerischen Oberzentren. Der Wirtschaftsraum Rosenheim liegt im Dreieck zwischen München-Salzburg-Innsbruck und ist durch eine Fülle positiver Standortfaktoren gekennzeichnet.

2

Hierzu zählen insbesondere die verkehrliche Infrastruktur mit Anbindung an europäische Hauptverkehrsachsen über Straße und Schiene, ein breites Angebot an Gewerbeflächen, eine flächendeckende Versorgung mit Glasfaseranbindungen in nahezu unbegrenzter Bandbreite, das Vorhandensein vieler Forschungs- und Bildungseinrichtungen, eine Hochschule, ein reichhaltiges und hochqualifiziertes Kulturangebot, die Nähe zu München und Salzburg und nicht zuletzt eine beneidenswert schöne Landschaft mit sehr hohem Freizeitwert. Neben Pflege, Ausbau und steter Verbesserung der vorhandenen Wirtschaftsstruktur stellt allein schon die Lagegunst des Wirtschaftsraumes Rosenheim einen entscheidenden Faktor für seine weitere positive Entwicklung als Wirtschaftsstandort dar. Dank der soliden mittelständischen Struktur und seines krisensicheren Branchenmixes präsentiert der Arbeitsmarkt in Rosenheim ein weitaus positiveres Bild als vergleichbare Städte. Grundlage der gesunden Wirtschaftsstruktur sind auf der einen Seite international tätige Unternehmen und auf der anderen Seite gesunde regionale Unternehmen in den Bereichen Dienstleistung, Handwerk, produzierendes Gewerbe usw. (Quelle: www.rosenheim.de; leicht verändert)

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2

Wirtschaftliches Handeln im Unternehmen

Wirtschaftsstandort Lübeck Die Hansestadt Lübeck – Produktions- und Dienstleistungszentrum mit 213 000 Einwohnern – ist Sitz von 13 der 100 größten Unternehmen Schleswig-Holsteins und größter deutscher Ostseehafen. Hinter diesen nüchternen Zahlen verbirgt sich ein Standort, der in Wirtschaft, Wissenschaft und Lebensqualität gleichermaßen Maßstäbe setzt.

2

Rund 115 000 Erwerbstätige tragen zu Lübecks Bedeutung als Drehscheibe im Ostseeraum bei. Über 5500 Studierende absolvieren ihre akademische Ausbildung in der Hansestadt. Eine Million Übernachtungen jährlich unterstreichen Lübecks touristische Attraktivität und Lebensqualität. Dabei kann Lübeck für eine vielversprechende Zukunft auf seine traditionsreiche Basis aus der Hansezeit bauen – zum Nutzen von Unternehmen, die den idealen Standort suchen oder sich bereits für die Hansestadt entschieden haben. Die wirtschaftliche Struktur Lübecks ist von einem kontinuierlichen Anpassungsprozess geprägt. Der traditionelle Produktionsstandort hat sich dabei zu einem Inkubator für Zukunftsindustrien, einem Zentrum für Handel, Dienstleistung sowie Lehre und Forschung entwickelt. Lübeck arbeitet bewusst an diesem neuen Profil mit einer starken Betonung auf dem Dienstleistungs- und Distributionssektor. Unterstrichen wird diese Entwicklung dadurch, dass fast 40 Prozent der 80 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in den Bereichen Dienstleistung und Verkehr tätig sind. Das verarbeitende Gewerbe kann dabei trotz abnehmender Beschäftigtenzahl auf einen Anstieg der Bruttowertschöpfung verweisen – ein Anzeichen dafür, dass die Lübecker Unternehmen gut gerüstet in die Zukunft gehen. Lübecks geografische Lage hat über Jahrhunderte hinweg einen positiven Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung ausgeübt. Und auch heute ist dieser Standortvorteil nicht minder wichtig. Die Nähe zur Metropolregion Hamburg und die exponierte Lage an der Ostsee zeichnen die Hansestadt aus. Die Lage, in Kombination mit den Kostenvorteilen des Seetransportes, hat Lübeck zum drittgrößten Universalhafen Deutschlands werden lassen. Durch die fortschreitende Spezialisierung des Hafenumschlages ist Lübeck zu dem logistischen Zentrum für den Papier- und Zellulosebereich in Europa geworden. Für den optimalen Distributionsprozess bieten sich in Lübeck eine Reihe von Verkehrsträgern an. Die Hansestadt verfügt mit dem Elbe-Lübeck-Kanal als einziger deutscher Ostseehafen über eine direkte Anbindung an das europäische Binnenwasserstraßennetz. Neue Impulse für den Standort liefern die über 150 Unternehmen des Transport- und Logistikbereiches, die in Lübecks Häfen jährlich 27 Millionen Tonnen Güter umschlagen. Die gute straßenverkehrliche Erschließung mit den Autobahnen A1 und A20 sowie die zunehmende Bedeutung des Flughafens Lübeck-Blankensee, mit seinen 800 000 Passagieren jährlich, komplettieren das Potenzial des Logistikstandortes Lübeck. (Quelle: www.luebeck.de; leicht abgeändert) 72


Lernsituation 9: Die neue Rechtsform der Ludwig Thalberger Schuhe e. K.

Lernsituation 9: Die neue Rechtsform der Ludwig Thalberger Schuhe e. K. 2

Die Entscheidung für den weiteren zukünftigen Standort ist gefallen. Nach Abwägung aller Pro- und Kontra-­Argumente hat sich Herr Thalberger dazu entschieden, in Zukunft einen weiteren Produktionsstandort in ­Rosenheim zu betreiben. Aus diesem Grund hat er alle Abteilungsleiter zu einer außerordentlichen Abteilungsleiterkonferenz gebeten. Herr Thalberger: Guten Morgen, Frau Gerber, guten Morgen, meine Herren. Ich hatte Ihnen ja schon in der internen E-Mail mitgeteilt, worum es heute geht. Ich habe mich nach einer Gegenüberstellung aller Gründe, die für den einen oder anderen Standort gesprochen haben, jetzt letztendlich für Rosenheim entschieden. Herr Schmitz:

Eine sehr gute Entscheidung, vor allem aus Sicht des Verkaufs. So sind wir jetzt künftig noch näher an unseren neuen Kunden in Österreich und Südtirol dran.

Herr Thalberger: Ja, das war sicher ein ganz wichtiger Grund. Aber natürlich auch die Nähe zum Hauptwerk hier in Landshut hat schließlich zu dieser Entscheidung geführt. Und da jetzt der künftige Standort feststeht, sollten wir uns schnellstens an die Vorbereitungen machen. Frau Gerber:

Sie meinen damit, sich nach passenden Gewerbeflächen umzuschauen und auch Personal zu suchen.

Herr Thalberger: Genau, Frau Gerber. Aber mich drückt noch ein ganz anderer Schuh; und da könnten Sie mir weiterhelfen, Herr Marinoff. Herr Marinoff:

Gerne, Herr Thalberger.

Herr Thalberger: Durch die Vergrößerung des Unternehmens glaube ich, dass die aktuelle Rechtsform nicht mehr zeitgemäß ist. Im Moment hafte ich ja noch für alle Verbindlichkeiten nicht nur mit meinem Geschäftsvermögen, sondern auch mit meinem privaten Vermögen. Das möchte ich künftig nicht mehr. Herr Marinoff:

Das kann ich verstehen. So auf Anhieb würde mir da die Rechtsform GmbH einfallen.

Herr Thalberger: Gut. Könnten Sie mir einmal eine Gegenüberstellung dieser beiden Rechtsformen machen und eine Beurteilung, welche der beiden Sie mir empfehlen würden? Herr Marinoff:

Selbstverständlich, Herr Thalberger. Bis morgen liegen Ihnen die geforderten Informationen vor. 73


2

Wirtschaftliches Handeln im Unternehmen

Handlungsaufträge 1. Macht euch mit der Situation vertraut, indem ihr euch zunächst orientiert. Betrachtet hierzu die erhaltenen Unterlagen und stellt sicher, dass euch klar ist, was eure Aufgabe ist. Informiert euch zuerst über die Kaufmannseigenschaften, die Firma und das Handelsregister. Anschließend informiert euch über die Rechtsformen, speziell das Einzelunternehmen und die GmbH. Informiert euch bei Bedarf auch im Internet. (Orientierung und Information)

2

2. Plant euer weiteres Vorgehen, indem ihr euch Gedanken macht, was in dieser konkreten Situation zu tun ist, und notiert diese stichpunktartig. (Planung) 3. Vergleicht die beiden Rechtsformen und entscheidet euch für die künftige Rechtsform der Ludwig Thalberger Schuhe e. K. (Durchführung) 4. Bewertet die Entscheidungen der einzelnen Gruppen kritisch. Ebenfalls nehmt ihr Kritikpunkte zur Vollständigkeit und inhaltlichen Richtigkeit eurer Darstellung auf, ergänzt diese und korrigiert ggf. Fehler. ­(Bewertung) 5. Reflektiert über eure Präsentation, indem ihr konstruktives Feedback der Mitschüler annehmt und Schlüsse für zukünftige Präsentationen zieht. (Reflexion)

Der Kaufmann im Sinne des HGB Informationen zur Lernsituation 9

Handelsgesetzbuch § 1 HGB

Als Kaufmann versteht man umgangssprachlich Personen, die eine kaufmännische Ausbildung beendet haben oder im Büro arbeiten. Im rechtlichen Sinne legt das Handelsgesetzbuch Folgendes fest: § 1 HGB (1) Kaufmann im Sinne dieses Gesetzes ist, wer ein Handelsgewerbe betreibt. (2) Handelsgewerbe ist jeder Gewerbebetrieb, es sei denn, dass das Unternehmen nach Art oder Umfang einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb nicht erfordert.

Die Anwendung des HGB hat Auswirkungen auf z. B. die Namensgebung des Unternehmens (Firma) oder aber die Buchführungspflicht. Auch sind Kaufleute verpflichtet, sich im Handelsregister eintragen zu lassen. Doch was ist nun ein Kaufmann im Sinne des HGB? Ausgangspunkt ist das Handelsgewerbe. Ein Handelsgewerbe ist jede auf Dauer angelegte und auf Gewinnerzielung ausgerichtete selbstständige Tätigkeit, die einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert. Was ein „in kaufmännischer Weise geführter Geschäftsbetrieb“ ist, ist gesetzlich nicht geregelt. Das zuständige Amtsgericht wird dies nach folgenden Kriterien beurteilen: • Anzahl der Mitarbeiter • Anzahl der Niederlassungen • Höhe des Umsatzes • Höhe des Vermögens • etc. Sind die Voraussetzungen des § 1 HGB erfüllt, spricht man von einem IST-Kaufmann. Daneben gibt es noch den KANN-Kaufmann, der die Voraussetzungen des § 1 HGB nicht 74


Lernsituation 9: Die neue Rechtsform der Ludwig Thalberger Schuhe e. K.

erfüllt (z. B. ein Kleingewerbetreibender). Für ihn gelten die Vorschriften nur eingeschränkt; er kann sich aber freiwillig in das Handelsregister eintragen lassen. Und die dritte Art von Kaufmann ist der FORM-Kaufmann, der aufgrund seiner Rechtsform (z. B. GmbH und AG) Kaufmann ist.

2

Firma Ein Kaufmann muss eine Firma führen. Umgangssprachlich werden Firma, Betrieb und Unternehmen oft gleichgesetzt. Was man genau unter einer Firma versteht, regelt das HGB: § 17 HGB (1) Die Firma eines Kaufmanns ist der Name, unter dem er seine Geschäfte betreibt und die Unterschrift abgibt. (2) Ein Kaufmann kann unter seiner Firma klagen und verklagt werden.

Handelsgesetzbuch § 17 HGB

Die Firma besteht immer aus dem Firmenkern und dem Firmenzusatz. Der Firmenkern beinhaltet den Namen des Kaufmanns, den Gegenstand des Unternehmens oder einen Fantasienamen. Der Zusatz entspricht dabei der Rechtsform und muss auf Geschäftsbriefen, Visitenkarten etc. angegeben werden. Es können folgende Firmenarten unterschieden werden: Personenfirma

Sachfirma

Gemischte Firma

Fantasiefirma

Der Firmenkern besteht aus einem oder mehreren Namen, z. B. Frank & Frey GmbH.

Der Firmenkern beinhaltet den Gegenstand des Unternehmens, z. B. Ansbacher Reisebüro GmbH.

Der Firmenkern ist eine Kombination aus Personen- und Sachfirma, z. B. Frank & Frey Reisebüro GmbH.

Der Firmenkern ist ein Fantasiename oder eine Abkürzung, z. B. FFR GmbH.

Die Firma ist an mehrere rechtliche Grundsätze gebunden: • Firmenwahrheit und -klarheit Die Firma muss den tatsächlichen Verhältnissen entsprechen, d. h. sie darf nicht irreführend sein, vor allem bei Art und Umfang des Unternehmens. Bsp.: Ralf Schuster, der mit seinem kleinen Lkw Nahtransporte im Raum Augsburg erledigt, darf seine Firma nicht „Internationale Spedition Schuster GmbH“ nennen. • Firmenausschließlichkeit Die Firma muss sich von anderen Firmen am gleichen Ort unterscheiden, um Verwechselungen vorzubeugen. Dies wird bereits bei der Eintragung ins Handelsregister geprüft. • Firmenbeständigkeit Der Firmenname darf beibehalten werden, auch wenn der Inhaber wechselt. • Firmenöffentlichkeit Der Kaufmann muss seine Firma ins Handelsregister eintragen lassen, damit die Öffentlichkeit über die Gründung der Firma informiert ist.

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2

Wirtschaftliches Handeln im Unternehmen

Handelsregister Das Handelsregister ist ein öffentliches Verzeichnis beim Amtsgericht, in das alle Kaufleute des betreffenden Amtsgerichtsbezirks einzutragen sind.

2

Handelsgesetzbuch § 29 HGB

§ 29 HGB Jeder Kaufmann ist verpflichtet, seine Firma, den Ort und die inländische Geschäftsanschrift seiner Handelsniederlassung bei dem Gericht, in dessen Bezirk sich die Niederlassung befindet, zur Eintragung in das Handelsregister anzumelden.

In das Register kann nur eingetragen werden, was das Gesetz als eintragungsfähig bestimmt. Der Kaufmann kann daher nicht beliebige Tatsachen, die er der Öffentlichkeit mitteilen möchte, in das Handelsregister eintragen lassen. Das Handelsregister besteht aus zwei Abteilungen: Abteilung A

Abteilung B

Einzelunternehmungen Personengesellschaften

Kapitalgesellschaften

z. B. e. K./e. Kfr. (eingetragener Kaufmann/­ eingetragene Kauffrau) OHG (Offene Handelsgesellschaft) KG (Kommanditgesellschaft)

z. B. GmbH (Gesellschaft mit beschränkter ­Haftung) AG (Aktiengesellschaft)

Eingetragen werden: a) Firma b) Sitz der Gesellschaft c) Gegenstand des Unternehmens d) Grund-/Stammkapital (bei AG bzw. GmbH) e) Persönlich haftende Gesellschafter/Inhaber f) Rechtsverhältnisse g) Tag der Eintragung h) Bemerkungen

Ein Auszug aus dem Handelsregister kann dabei folgendes Aussehen haben:

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Lernsituation 9: Die neue Rechtsform der Ludwig Thalberger Schuhe e. K.

Die Eintragungen in das Handelsregister werden in einer örtlichen Zeitung sowie in einer Beilage des Bundesanzeigers veröffentlicht. Die Bekanntmachung ist wirksam mit Ablauf des Tages, an dem das letzte der beiden Veröffentlichungsblätter erschienen ist. Die Anmeldung erfolgt entweder mündlich durch den Inhaber oder den Geschäftsführer oder schriftlich in notariell beglaubigter Form. Anzumelden sind auch die Änderungen der Firma oder ihres Inhabers sowie die Verlegung der Niederlassung an einen anderen Ort.

2

Zweck des Handelsregisters ist es, die Firma des Kaufmanns zu schützen sowie der Allgemeinheit, insbesondere aber den Geschäftspartnern des Kaufmanns, die Möglichkeit zu verschaffen, sich über die kaufmännischen Verhältnisse eines Kaufmanns zuverlässig zu informieren.

Rechtsformen von Unternehmen Bei der Eintragung in das Handelsregister entscheidet die Rechtsform, also das Einzelbzw. Personenunternehmen oder die Kapitalgesellschaft, in welcher der beiden Abteilungen die Firma eingetragen werden muss. Die Voraussetzungen und Auswirkungen der Wahl einer bestimmten Rechtsform sollen in diesem Abschnitt etwas genauer untersucht werden.

Die Rechtsformen der Unternehmen Im Jahr 2016 gab es in Deutschland rund 3,3 Millionen Unternehmen*. davon in Tausend

2177

Personengesellschaften

436

Kapitalgesellschaften

574

darunter

Gesellschaften des bürgerlichen Rechts (GbR)

209

Kommanditgesellschaften** (KG)

161

Offene Handelsgesellschaften (OHG) darunter

Einzelunternehmen (natürliche Personen)

Körperschaften des öffentlichen Rechts

6

Genossenschaften

6

Aktiengesellschaften (AG)

67

* Unternehmen mit Umsätzen von mehr als 17 500 Euro im Jahr ** einschl. GmbH & Co. KG

sonstige Rechtsformen

Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH)

15 530

Quelle: Stat. Bundesamt (2018) © Globus

8

12694

Für jeden, der ein Unternehmen gründen möchte, stellt sich die Frage, welche Rechtsform für sein Unternehmen am besten geeignet ist. Für die Wahl der Rechtsform gibt es keine Patentlösung. Jede Form hat Vor- und Nachteile und wirkt sich auf wichtige betriebswirtschaftliche Grundfragen aus: • Möglichkeiten der Kapitalbeschaffung • Geschäftsführung • Haftung • Gewinn- und Verlustverteilung • Besteuerung 77


2

Wirtschaftliches Handeln im Unternehmen

Rechtsformen von Unternehmen Gesellschaften

2

Kapitalgesell­ schaften AG

GmbH

Einzelunternehmen

Personengesellschaften

GbR

OHG

KG

Betrachtet man die obige Grafik, so stellt man fest, dass die GmbH und das Einzelunternehmen mit über 80 % den Großteil der Rechtsformen abbilden. Aus diesem Grund soll im Folgenden nur auf diese beiden Rechtsformen etwas genauer eingegangen werden.

Einzelunternehmen Das Einzelunternehmen ist eine einfache und besonders gängige Rechtsform in Deutschland, die vor allem von kleinen und mittleren Betrieben bevorzugt wird. Die Gründung ist insoweit einfach, da das Einzelunternehmen nicht an eine bestimmte Form gebunden ist. Ist der Einzelunternehmer ein Kaufmann (vergleiche hierzu S. 74 f), dann muss eine Eintragung in das Handelsregister A erfolgen. Das Einzelunternehmen hat dann den Firmenzusatz e. K. Einerseits muss der Einzelunternehmer allein das Kapital zur Finanzierung des Unternehmens aufbringen. Damit ist selbstverständlich auch ein hohes finanzielles Risiko verbunden. Auf der anderen Seite steht dem Einzelunternehmer aber auch der erzielte Gewinn allein zu. Die Geschäftsführung liegt allein bei ihm. Aufgrund dieser völligen Entscheidungsfreiheit besteht keine Gefahr von Konflikten hinsichtlich der Führung des Unternehmens. Der Einzelunternehmer trägt aber auch die volle Verantwortung gegenüber seinen Mitarbeitern, den Kunden und Lieferanten. Die Frage der Haftung ist klar geregelt: Der Einzelunternehmer haftet unbeschränkt mit seinem gesamten Vermögen (Betriebs- und Privatvermögen) für private als auch betriebliche Schulden des Unternehmens. Daraus folgt, dass die Kreditwürdigkeit vom Vermögen und Einkommen des Einzelunternehmers abhängt.

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Lernsituation 9: Die neue Rechtsform der Ludwig Thalberger Schuhe e. K.

Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) Die GmbH ist eine Kapitalgesellschaft, deren Gesellschafter sich an dem in Stammeinlagen zerlegten Stammkapital beteiligt haben, ohne persönlich für die Schulden der Gesellschaft zu haften.

2

Die Gründung einer GmbH ist schwieriger und kostenintensiver als die Gründung eines Einzelunternehmens, weil der Gesellschaftsvertrag der notariellen Form bedarf. Die Eintragung der GmbH muss ins Handelsregister B erfolgen. Gesellschafter können sowohl natürliche als auch juristische Personen, d. h. auch andere Gesellschaften, sein. Für die Anzahl der Gesellschafter bestehen keine Vorgaben. Möglich ist die Gründung einer „Ein-Mann-GmbH“. Bei Gründung der Gesellschaft muss ein Mindeststammkapital in Höhe von 25.000,00 Euro nachgewiesen werden. Dieser Betrag ist während des Bestandes der GmbH fortlaufend nachzuweisen. Zahlungen an die Gesellschafter dürfen nicht erfolgen, solange und soweit das Gesellschaftsvermögen den Betrag des Stammkapitals nicht übersteigt. Sacheinlagen wie Gebäude, Büroeinrichtung, Fuhrpark etc. sind zulässig. Auf jede in Geld zu leistende Stammeinlage muss mindestens ein Viertel eingezahlt werden. Außerdem müssen diese Einzahlungen mindestens 12 500,00 Euro – also die Hälfte des gesetzlichen Mindeststammkapitals – erreichen. Sacheinlagen müssen voll geleistet werden, und zwar so, dass sie bei der Anmeldung endgültig zur freien Verfügung des Geschäftsführers stehen. Bei der Ein-Mann-GmbH sind ebenfalls mindestens 12 500,00 Euro nachzuweisen. Für den Rest hat der Gesellschafter Sicherheitsleistungen beizubringen. Die GmbH verfügt über ein eigenes Gesellschaftsvermögen, das vom Privatvermögen der Gesellschafter zu trennen ist. Damit die GmbH handeln kann, bedarf es verschiedener Organe: Das sind der/die Geschäftsführer sowie die Gesellschafterversammlung (bei mehr als 500 Mitarbeitern ist ein Aufsichtsrat gesetzlich vorgeschrieben). Der Geschäftsführer vertritt die Gesellschaft nach außen (z. B. Kunden, Lieferanten). Die innere Organisation wird durch die Gesellschafterversammlung bestimmt. Die GmbH haftet uneingeschränkt mit ihrem eigenen Gesellschaftsvermögen. Gesellschafter, die ihre Stammeinlage erbracht haben, haften darüber hinaus grundsätzlich nicht.

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Wirtschaftliches Handeln im Unternehmen

Lernbereich 2: Aufgaben Aufgabe 1

2

In den folgenden Fällen suchen verschiedene Unternehmer den geeigneten Standort für ihren Betrieb. Entscheide dich für einen Standort und begründe deine Standortwahl mithilfe von mindestens zwei geeigneten Standortfaktoren. Standortwahl 1 Paula Lustig sucht einen Standort für ein Feinkostgeschäft für italienische Spezialitäten. Standortwahl 2 Tom und Alex suchen einen Standort für einen Betrieb, in dem aus Wasserkraft Strom gewonnen wird. Standortwahl 3 Der Transportunternehmer Blitzschnell hat fünf Lkws. Er erhält Waren von Lieferanten aus ganz Deutschland und verteilt diese an seine Münchner Kunden. Nun sucht er einen geeigneten Standort für sein Lager. Standortwahl 4 Karl Klever möchte Wein anbauen und verkaufen. Er sucht einen geeigneten Standort.

Aufgabe 2 Schorsch Stangerl ist leidenschaftlicher Bergsteiger und Skifahrer. Schon lange wünscht er sich ein eigenes Geschäft, in welchem er Ausrüstungen für Skifahrer und Bergsteiger verkaufen will. Für dieses Vorhaben stehen ihm zwei Standorte zur ­Verfügung: Standort 1 Dieser Standort hat ca. 20 000 Einwohner und ist 15 km von München entfernt. Im Ort gibt es bereits zwei Sportgeschäfte, die auch Ski- und Bergsteigerausrüstung verkaufen. Die Bevölkerungszahl ist durch die hervorragende Verkehrsanbindung (S-Bahn, Autobahn) zu München ständig gestiegen. Das Geschäft liegt direkt in der Innenstadt, ein öffentlicher Parkplatz ist nur ca. 200 m entfernt. Er muss für das Geschäft monatlich 2.000,00 € Pacht bezahlen.

Standort 2 Dieser Standort hat ca. 1000 Einwohner und liegt 55 km südlich von München. Im Ort gibt es noch keine Sportgeschäfte. Die Bevölkerungsanzahl ist in den letzten Jahren leicht rückläufig, da gerade die jungen Menschen in der näheren Umgebung zu München bessere Ausbildungsund Arbeitsmöglichkeiten haben. Das Geschäft liegt in der Ortsmitte, direkt davor sind Parkmöglichkeiten vorhanden. Er muss für das Geschäft monatlich 800,00 € Pacht bezahlen.

Arbeitsaufträge: 1. Überlege dir, welche Standortfaktoren in den Texten genannt werden. Überlege auch, für welche Betriebe diese Standortfaktoren besonders wichtig sind. 2. Entscheide dich dann für einen der beiden Standorte und begründe deine Wahl.

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Lernbereich 2: Aufgaben

Aufgabe 3 Die Spielwarenfabrik Holzmann GmbH mit Hauptsitz in Vaterstetten bei München hat sich auf die Produktion von hochwertigen Spielwaren aus Holz spezialisiert. Das Unternehmen beschäftigt aktuell 45 Mitarbeiter/-innen. Die anhaltend hohe Nachfrage nach Produkten der Holzmann GmbH deutet für die kommenden Jahre auf ein Wachstum hin. Leider sind die Räumlichkeiten nicht angemessen mitgewachsen, sodass die heutige Situation von großen Schwierigkeiten geprägt ist. Die Größe und die Qualität der bestehenden Flächen lassen sehr zu wünschen übrig. Dies führte dazu, dass die Belegschaft auf drei Gebäude in Vaterstetten, Haar und Aschheim zersplittert ist. Die Folgen liegen auf der Hand: unzufriedene Mitarbeiter, unnötige Kosten und mittlerweile auch unzufriedene Kunden. Es wird also höchste Zeit, dass eine ordentliche, kostengünstige und zukunftsorientierte Lösung geschaffen wird. Die Geschäftsleitung hat hierfür zwei mögliche Standorte in die engere Wahl genommen.

2

Standort 1: Dorfen (Landkreis Erding) • ca. 50 km östlich von München, neues Industriegebiet • Neubauprojekt, Fertigstellung in ca. 6 Monaten • geeignet für maximal 50 Arbeitsplätze • keine Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel • Parkplätze in gewünschter Anzahl herstellbar • Mietpreis pro m² 29,00 € monatlich Standort 2: Wendelstein • ca. 20 km südlich von Nürnberg • Neubauvorhaben, bezugsfertig in ca. 12 Monaten • geeignet für ca. 40 Arbeitsplätze mit der Möglichkeit der Erweiterung auf 100 • maximal 45 Parkplätze • Wohn- und Handelsgebiet in der näheren Umgebung • Mietpreis pro m² 18,00 € monatlich Arbeitsaufträge: 1. Überlege dir Standortfaktoren, die für dieses Unternehmen besonders wichtig sind. 2. Gewichte die einzelnen Standortfaktoren und entscheide dich für einen Standort.

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Wirtschaftliches Handeln im Unternehmen

Aufgabe 4 Julia Scheler hat ihre Ausbildung zur Landschaftsgärtnerin mit sehr gutem Erfolg abgeschlossen. Nun könnte ihr lang ersehnter Traum in Erfüllung gehen. Ihr Chef Herr Busch, Inhaber von Busch Garten- und Landschaftsbau, möchte aus Altersgründen das Unternehmen verkaufen. Aus diesem Grund hat er Julia Scheler angeboten, das Geschäft zu übernehmen.

2

Für ihr Vorhaben hat sie in den vergangenen Jahren 7.500,00 € angespart. Da jedoch noch einige Renovierungsarbeiten an dem in die Jahre gekommenen Unternehmen notwendig sind, würde sie gerne ein Gründerdarlehen von 50.000,00 € bei ihrer Hausbank beantragen. Als Grundlage für die Kreditentscheidung benötigt die Bank einen Businessplan. Punkt für Punkt arbeitet Julia deshalb mithilfe einer Vorlage einen Businessplan aus. Folgende Informationen erhältst du von Julia Scheler: • In Bezug auf die Haftung ist Julia besonders wichtig, kein Risiko einzugehen und sicher sein zu können, dass ihr Eigenheim, das sie von ihrer Großmutter geerbt hat, in keiner Situation gefährdet ist. • Julia Scheler, 21 Jahre, ledig, erreichte ihren Mittleren Schulabschluss an der Realschule. Im Anschluss absolvierte sie eine Ausbildung zur Landschaftsgärtnerin und verfügt über eine zweijährige Berufserfahrung. Dabei wurde sie mit allen fachlichen, aber auch mit den kaufmännischen Aufgabenbereichen einer Gärtnerin vertraut und besitzt ein umfangreiches Fachwissen. • Ihre besonderen Stärken liegen auf folgenden Gebieten: • kreative Gestaltung von Neuanlagen im Garten • Sportplatzbau • Fähigkeit zur Problemlösung auch bei schwierigen Kunden Mit ihrer zusätzlich absolvierten Fortbildung zu neuen Trends und Techniken in der Gartenneuanlage gewährleistet Julia Scheler, dass das Unternehmen seine Kunden auf hohem und aktuellem Niveau ansprechen wird. Arbeitsauftrag: 1. Erstelle einen möglichen Businessplan (vor allem zu den Punkten Gründerpersonen, Geschäftsidee und Unternehmensform).

82


Einführung in die ­Geschäftsbuchführung

Die Schülerinnen und Schüler … • erstellen auf der Grundlage von Inventurverzeichnissen ein Inventar. • stellen die Vermögenswerte und Vermögensquellen am Beispiel eines Unternehmens gegenüber und begründen dabei die Gültigkeit der Bilanzgleichung. • erfassen Veränderungen in der Bilanz aufgrund von Geschäftsvorfällen. Dabei unterscheiden sie bestandsverändernde Vorgänge und grenzen diese von erfolgswirksamen Vorgängen ab. • bilden ausgehend von Belegen die Buchungssätze für bestandsverändernde ­Geschäftsvorfälle und erfassen sie in Konten. Dabei berücksichtigen die Schülerinnen und Schüler die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung. • formulieren Geschäftsvorfälle auf der Grundlage von Buchungssätzen und Eintragungen in Konten und überprüfen die Übereinstimmung von Buchung und Beleg. • berechnen an einfachen Zahlenbeispielen jeweils Warenwert, Umsatzsteuer und Rechnungsbetrag. • erfassen Ein- und Verkaufsvorgänge unter Berücksichtigung der Umsatzsteuer buchhalterisch.

3


3

Einführung in die ­Geschäftsbuchführung

Lernsituation 10: Durchführung einer Inventur Bei der Ludwig Thalberger Schuhe e. K. herrschte in den letzten beiden Tagen reges Treiben – es ist Inventur. Auch die beiden Auszubildenden sind den ganzen Tag mit Zählen beschäftigt. Heute Morgen bittet Herr Marinoff Jennifer, die im Rahmen ihrer Ausbildung nun auch die Buchführung kennenlernt, in sein Büro. Herr Marinoff: „Jennifer, ich habe heute eine besondere Aufgabe für dich.“

3

Jennifer:

„Kein Problem, Herr Marinoff.“

Herr Marinoff: „Du hast ja schon eine Woche in der Buchhaltung verbracht und kennst dich auch schon mit den verschiedenen Aufgaben aus. Also, ich habe gestern damit begonnen, die einzelnen Inventurlisten zu sammeln und zu ordnen. Ich habe sie auch schon in das Inventurverzeichnis übertragen. Heute kommen sicher noch weitere Unterlagen dazu.“ Jennifer:

„Guten Morgen, Jennifer. Ich hoffe, Sie fühlen sich wohl bei uns in der Buchhaltung.“

„Mach ich, Herr Marinoff.“

Herr Marinoff: „Und anschließend bereiten wir dann das Inventar und die Bilanz vor.“ Jennifer:

„Okay, hört sich ja nach viel Arbeit an.“

Arbeitsmaterial Folgende Inventurlisten liegen bereits vor und wurden von Herrn Marinoff in einem Verzeichnis zusammengestellt: M1

84

Inventurverzeichnis Abteilung

Allgemeine Verwaltung

Datum

31. Dez. 20XX

Verantwortlicher

Herr Marinoff

Blatt

1

Lfd. Nr. Inventurliste

Bezeichnung

Gezählte Menge

Inventurwert gesamt

1

Grundstück Rudolf-Diesel-Straße 12

 1

256.000,00 €

2

Gebäude Rudolf-Diesel-Straße 12

 1

428.000,00 €

3

Maschinen (lt. Anlagenverzeichnis)

 8

1.215.300,00 €

4

Lagereinrichtung (lt. Anlagenverzeichnis)

12

52.400,00 €

5

Lkw Scania P 380 6x2 (lt. Anlagenverzeichnis)

 1

84.500,00 €

6

Geschäfts-Pkw BMW 530d (lt. Anlagenverzeichnis)

 1

47.500,00 €

7

Betriebs- und Geschäftsausstattung (lt. Anlagenverzeichnis)

54

41.000,00 €


Lernsituation 10: Durchführung einer Inventur

Die folgenden Unterlagen müssen noch erfasst werden: M2

Inventurliste Blatt-Nr. 12 Abteilung Lager Regale 1–48 Aufgenommen am 31. Dez. 20XX Bezeichnung

Gezählte Menge

3

Inventurwert Einzeln

Gesamt

1.

2280 LTS 2201 Wanderschuh „Roland“, Farbe braun, Größe 40

18

65,00 €

1.170,00 €

2.

2280 LTS 2201 Wanderschuh „Roland“, Farbe braun, Größe 42

22

65,00 €

1.430,00 €

3.

2280 LTS 2201 Wanderschuh „Roland“, Farbe braun, Größe 44

14

65,95 €

923,30 €

4.

2280 LTS 2201 Wanderschuh „Roland“, Farbe braun, Größe 46

28

65,95 €

1.846,60 €

5.

2280 LTS 2201 Wanderschuh „Roland“, Farbe braun, Größe 48

18

65,95 €

1.187,10 €

47.

2280 LTS 2202 Wanderschuh „Dolomiti“, Farbe schwarz, Größe 40

14

68,95 €

965,30 €

48.

2280 LTS 2202 Wanderschuh „Dolomiti“, Farbe schwarz, Größe 42

32

68,95 €

2.206,40 €

GESAMT Unterschriften:

1 978

158.200,00 €

Angesagt Simone Fella Geschrieben Sandro Sommer Kontrolliert Tarik Bas

Konto 2 244 68 BLZ Sparkasse Landshut Datum Erläuterungen

743

500

00

Kontoauszug 98 Blatt 2 Betrag

M3

Kontostand in EUR am 30.12.20XX, Auszug Nr. 97 30.12. Gutschrift Bareinzahlung

26.577,20 + ------------------Wert: 30.12. 12.752,80 +

------------------neuer Kontostand in EUR am 31.12.20XX, Auszug Nr. 98 39.330,00 +

Ludwig Thalberger Schuhe e.K. Rudolf-Diesel-Str. 12 84030 Landshut

IBAN: DE10 7435 0000 0000 2244 68 SWIFT-BIC: BYLADEM1LAH

85


3

Einführung in die ­Geschäftsbuchführung

M4

LTS Hausmitteilung Absender: Empfänger:

3

mit der Bitte um

Susanne Gerber, Abteilungsleiterin Einkauf Michael Marinoff, Abteilungsleiter Verwaltung

Erledigung Stellungnahme Information

Sehr geehrter Herr Marinoff, in Vorbereitung auf unseren Jahresabschluss kann ich Ihnen mitteilen, dass wir folgende Rechnungen unserer Lieferanten bis heute noch nicht bezahlt haben: Lieferant

Rechnungsnummer

Betrag

Leco Leder GmbH, Hamburg Leco Leder GmbH, Hamburg Leco Leder GmbH, Hamburg Fuchs Import GmbH, Bremen Fuchs Import GmbH, Bremen Ledermann AG, Düsseldorf

40145 40256 40669 FU 47/20XX FU 101/20XX LE 11420XX

15.053,50 € 14.875,00 € 16.660,00 € 5.355,00 € 7.140,00 € 18.742,50 €

GESAMT

77.826,00 €

Mit freundlichen Grüßen i. V.

Susanne Gerber

Susanne Gerber

M5

LTS Hausmitteilung Absender: Empfänger: mit der Bitte um

Sebastian Schmitz, Abteilungsleiterin Verkauf Michael Marinoff, Abteilungsleiter Verwaltung

Erledigung Stellungnahme Information

Sehr geehrter Herr Marinoff, in Vorbereitung auf unseren Jahresabschluss kann ich Ihnen mitteilen, dass folgende Kunden ihre Rechnungen bis heute noch nicht bezahlt haben: Kunde

Rechnungsnummer

Betrag

Schuhgeschäft Alois Reindl e. K., Ingolstadt Heinrich e. K., Bad Tölz Lachner Schuhe OHG, Passau Lachner Schuhe OHG, Passau Schuhe Horstmann OHG, München Schuhe Horstmann OHG, München Shoes and more GmbH, Würzburg

LTS 14-20XX LTS 87-20XX LTS 111-20XX LTS 113-20XX LTS 216-20XX LTS 217-20XX LTS 378-20XX

17.183,60 € 13.601,70 € 2.856,00 € 4.046,00 € 14.280,00 € 15.470,00 € 18.123,70 €

gesamt

85.561,00 €

Mit freundlichen Grüßen i. V.

Sebastian Schmitz

Sebastian Schmitz

86


Lernsituation 10: Durchführung einer Inventur

M6

Volksbank Raiffeisenbank Landshut eG

VR-Bank Landshut eG – Ingolstädter Straße 2 – 84030 Landshut Ihr Zeichen:

3

Ihre Nachricht: Unser Zeichen:

Ludwig Thalberger e. K. Rudolf-Diesel-Str. 12 84030 Landshut

Unsere Nachricht: Name:

Julia Franke

Telefon: Telefax: E-Mail: Datum:

30.12.20XX

Aktuelle Auskunft über Darlehensvertrag VB 5432-1357-9876 Sehr geehrte Damen und Herren, von dem am 15. März 20XX aufgenommenen Darlehen in Höhe von 1.000.000,00 € wurden bereits 215.000,00 € getilgt. Somit sind noch 785.000,00 € zuzüglich Zinsen an uns zurückzuzahlen. Raten und Zinssatz entnehmen Sie bitte dem Darlehensvertrag. Für weitere Rückfragen stehen wir Ihnen natürlich gerne zur Verfügung. Mit freundlichen Grüßen Volksbank Raiffeisenbank Landshut eG i. V.

Julia Franke

Julia Franke Leiterin Abteilung Firmenkunden

M7

Kassenbestand M8

Inventar der Ludwig Thalberger Schuhe e. K. (Auszug) laut Inventurliste Nr.

Menge

Gesamtpreis (€)

Summe (€)

A. Vermögen A.1

Anlagevermögen

87


3

Einführung in die ­Geschäftsbuchführung

Handlungsaufträge 1. Macht euch mit der Situation vertraut, indem ihr euch zunächst orientiert: Betrachtet hierzu die erhaltenen Unterlagen und stellt sicher, dass euch klar ist, was eure Aufgabe ist. Informiert euch insbesondere über die rechtlichen An­ forderungen an eine ordnungsgemäße Buchführung und die korrekte Erstellung eines Inventars und einer Bilanz. (Orientierung und Information)

3

2. Plant euer weiteres Vorgehen, indem ihr euch Gedanken macht, was in dieser konkreten Situation zu tun ist, und notiert diese stichpunktartig. (Planung) 3. Erstellt auf Grundlage der Inventur ein ordnungsgemäßes Inventar und die ­Bilanz für die Ludwig Thalberger Schuhe e. K. (Durchführung) 4. Präsentiert eure Ergebnisse im Klassenplenum. Bewertet euren Vortrag zusammen mit dem Lehrer und den Mitschülern anhand des Kriterienkatalogs für Präsentationen ( Methodenpool). Nehmt Kritikpunkte zur Vollständigkeit und inhaltlichen Richtigkeit auf, ergänzt eure Ausarbeitungen und korrigiert Fehler. (Bewertung) 5. Reflektiert über eure Präsentation, indem ihr konstruktives Feedback des Lehrers und der Gruppenmitglieder annehmt und Schlüsse für zukünftige Präsentationen zieht. Bearbeitet zur Absicherung die Übungsaufgaben. (Reflexion)

Ergänzender Handlungsauftrag für die Lermbereiche 3–6 „LERNKARTEI“ 1. Entwerft eine Lernkartei für das Thema Buchführung. 2. Schreibt jeden der folgenden Begriffe auf die Kopfzeile eines DIN-A6-Kärtchens: Aufgaben der Buchführung, Geschäftsvorfall, Buchführungspflicht, Belegarten (Begriff, Beispiele), Adressaten der Buchführung, Bücher der Buchführung (Grundbuch, Hauptbuch), Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung (GoB), Inventur, Inventar, Vermögen (Begriff, Gliederungsprinzip), Anlagevermögen (Begriff, Beispiele), Umlaufvermögen (Begriff, Beispiele), Schulden (Begriff, Gliederungsprinzip), langfristige Schulden (Begriff, Beispiele), kurzfristige Schulden (Begriff, Beispiele), Bilanz (Begriff), Aktiva, Passiva 3. Sortiert die Begriffskärtchen nach den Kriterien weiß ich oder weiß ich nicht. 4. Bildet Kleingruppen und erklärt euch gegenseitig die Weiß-ich-nicht-Kärtchen. Schlagt dabei die ungeklärten Begriffe im Schulbuch nach. 5. Schreibt die Begriffserklärungen auf die Rückseite des entsprechenden ­Kärtchens und ordnet diese unter der Leitkarte Buchführung alphabetisch in euren ­Lernkartei-Behälter ein.

88


Lernsituation 10: Durchführung einer Inventur

Grundlagen der Buchführung eines Unternehmens Das Führen eines Buches begegnet dir in vielen Lebensbereichen. Du führst vielleicht ein Tagebuch. Du möchtest dich auch in ferner Zukunft immer wieder an bestimmte Ereignisse zurückerinnern können.

Informationen zur Lernsituation 10

Etwas wirtschaftlicher betrachtet, interessieren dich nur Ereignisse, die etwas mit Geld zu tun haben. Genau dies tun möglicherweise deine Eltern, wenn sie ein Haushaltsbuch führen. Sie notieren immer dann ein Ereignis, wenn sie Geld ausgeben oder wenn sie Geld einnehmen. So behalten sie den genauen Überblick über alle Ausgaben und Einnahmen der Familie. Das Haushaltsbuch dient ihnen dann als Grundlage, um z. B. Anschaffungen zu tätigen.

3

Um nichts anderes geht es in der Buchführung eines Unternehmens. Im Unternehmen Ludwig Thalberger Schuhe e. K. ereignen sich Tag für Tag sehr viele Ereignisse: • Die Rechnung von der Leco Leder GmbH für gekauftes Leder ist eingetroffen. • Outdoorschuhe werden an viele verschiedene Kunden verkauft. • Das Büro in der neuen Lagerhalle wird mit neuen Schreibtischen, Stühlen und Aktenschränken eingerichtet. • Mitarbeiter erhalten für ihre Arbeit im Unternehmen einen Lohn oder ein Gehalt. • usw. Alle diese Ereignisse nennen wir Geschäftsvorfälle. Um alle Geschäftsvorfälle genau zuordnen zu können und auch im Nachhinein noch einen schriftlichen Beweis zu haben, benötigt das Unternehmen für jeden einzelnen Geschäftsvorfall einen Beleg.

Wichtige Belege

Zahlung erfolgt bar.

Kassenbon

89


3

Einführung in die ­Geschäftsbuchführung

+

19

424, 00 80, 56 504, 56

Netto

ct

€ % MwSt.

Gesamt

Gesamtbetrag € in Worten

ct

Quittung

ct

Nr.

385

Fünfhundertvier

Cent wie oben

(Im Gesamtbetrag sind

3

% Umsatzsteuer enthalten)

von

Ludwig Thalberger Schuhe e.K.

für

2 Aktenschränke „STYLE“ Art. Nr. WE 7453

richtig erhalten zu haben, bestätigt Ort

Landshut,

Datum

2.Juli 20XX

terschrift des Empfängers Stempel/Unterschrift

Buchungsvermerke

Büro Weidmann GmbH

i. A. Haberle Quittung

Zahlung erfolgt bar.

Einzahlungsquittung

LTS

Wir bestätigen den Erhalt Ihrer Einzahlung! Anzahl

0 0 2 8 29 17 22 51 81 95 76 68 116 48 74

2

Kasse Wert (€)

Betrag (€)

x

500,00

=

x

200,00

=

x

100,00

=

x

50,00

=

x

20,00

=

x

10,00

=

x

5,00

=

x

2,00

=

x

1,00

=

x

0,50

=

x

0,20

=

x

0,10

=

x

0,05

=

x

0,02

=

x

0,01

= Summe

– – 200,00 400,00 580,00 170,00 110,00 102,00 81,00 47,50 15,20 6,80 5,80 0,96 0,74 1.720,00

Landshut, 17.04.20XX

Ort, Datum

i. A. Brandl

Unterschrift Einzahler

Einzahlungsquittung 90

i. V. Marinoff

Unterschrift Buchhaltung

Zahlung erfolgt bar; von der Kasse auf das Geschäftsgirokonto.


Lernsituation 10: Durchführung einer Inventur

Konto 2 244 68 BLZ 743 500 00 Sparkasse Landshut Datum Erläuterungen

Kontoauszug 3 Blatt 1 Betrag

Kontostand in EUR am 24.05.20XX, Auszug Nr. 2 25.05. Gutschrift AR Eichelmann Schuhe NR. 29 25.05. Lastschrift ER Bergmann OHG Nr. BE 47/06/18

4.234,80 + ------------------Wert: 25.05. 535,50 + Wert: 25.05. 1.785,00 -

3

------------------neuer Kontostand in EUR am 25.05.20XX, Auszug Nr. 3 2.985,30 + Ludwig Thalberger Schuhe e.K. Rudolf-Diesel-Str. 12 84030 Landshut

IBAN: DE10 7435 0000 0000 2244 68 SWIFT-BIC: BYLADEM1LAH

Kontoauszug

Zahlung erfolgt durch Überweisung.

LTS

Ludwig Thalberger Schuhe e.K. – Rudolf-Diesel-Str. 12 – 84030 Landshut

Lieferbedingung:

21.06.20XX 21.06.20XX 240001 frei Haus

Datum:

21.06.20XX

Rechnungsdatum: Auftragsdatum: Kunde:

Heinrich e. K. Haupstraße 56 83646 Bad Tölz

Rechnung LTS 171-20XX Pos.

Art.-Nr.

Artikelbezeichnung

1

2280 LTS 2201

2

2280 LTS 3201

Anzahl

Einheit

Einzelpreis (€)

Gesamtpreis (€)

Wanderschuh „Roland“, Farbe braun

65,00 €

1.625,00 €

Trekkingstiefel „Marion“, Farbe braun grau

78,00 €

1.950,00 €

Warenwert netto 19 % USt.

3.575,00 € 679,25 €

Rechnungsbetrag

4.254,25 €

Zahlungsbedingungen: Bei Zahlung innerhalb 14 Tagen 2 % Skonto vom Warenwert, innerhalb von 30 Tagen ohne Abzug.

Das Unternehmen hat dem Kunden etwas verkauft und ihm dafür eine Rechnung geschrieben; d. h., der Kunde hat die Waren noch nicht bezahlt.

Tel.: 08031 12343-0 Fax: 08031 12343-21 E-Mail: info@chiem-sport.de Internet: www.chiem-sport.de

Geschäftsführerin: Franziska Brandl Handelsregister Rosenheim, HRB 5302 USt-IdNr.: DE 167234959 St.-Nr. 156/324/60754

Ausgangsrechnung

Bankverbindung: Sparkasse Rosenheim – Bad Aibling IBAN: DE11 7115 0000 0009 7763 45 BIC: BYLADEM1ROS

91


3

Einführung in die ­Geschäftsbuchführung

Leco Leder GmbH – Industriestraße 55 – 22442 Hamburg

Ludwig Thalberger e.K. Rudolf-Diesel-Str. 12 84030 Landshut

3 Rechnung Kundennummer

Rechnungsnummer

Lieferdatum

Auftragsnummer

Auftragsdatum

Bestellnummer

240054

40123

14.02.20XX

WE 77889

10.02.20XX

3032

Einzelpreis

Gesamtpreis

Pos.

1

Hinweis: Natürlich gibt es in der Realität noch eine Vielzahl von weiteren Belegen. Für die Einführung der Buchführung sind die sechs eben genannten aber ausreichend. Eingangsrechnung

Bezeichnung

Rohleder Art. 572345

Anzahl

Einheit

125

77,60 €

9.700,00 €

Rechnungsbetrag netto + 19 % Umsatzsteuer

9.700,00 € 1.843,00 €

Rechnungsbetrag brutto

11.543,00 €

Zahlungsbedingung: Innerhalb 10 Tagen 2 % Skonto auf den reinen Warenwert, innerhalb 30 Tagen rein netto.

Das Unternehmen hat bei einem Lieferanten etwas gekauft und dieser hat dem Unternehmen dafür eine Rechnung geschrieben; sie ist noch nicht bezahlt.

Aufgaben der Buchführung Natürlich macht ein Unternehmen die Buchführung nicht zum Spaß. Denn die Buchführung hat diese wichtigen Aufgaben zu erledigen: • Die Unternehmensführung erhält einen Überblick über die Inhaberin: Hannelore Lorz • Handelsregister Hamburg, HRA 3687jederzeit • St.-Nr.: 181/732/56921 • USt-IdNr.: vollständigen DE358267941 Kontakt: Tel.: 040 68040-10 Bankverbindung: Hamburger Sparkasse Fax: 040 68040-49 IBAN: DE77 2005 0550 0086 3933 45 finanzielle Lage des Unternehmens (Informationsaufgabe). E-Mail: halotri@bekleidung.com BIC: HASPDEHHXXX • Durch einen Vergleich mehrerer Jahre lässt sich die Entwicklung des Unternehmens erkennen (Kontrollaufgabe). • Sollten die dadurch gewonnenen Informationen nicht den Vorstellungen und Zielsetzungen der Unternehmensführung entsprechen, können geeignete Gegenmaßnahmen eingeleitet werden (Dispositionsaufgabe).

92


Lernsituation 10: Durchführung einer Inventur

Doch nicht nur die Unternehmensführung selbst, sondern auch noch weitere Personen und Personengruppen innerhalb und außerhalb des Unternehmens sind an Informationen interessiert, die die Buchführung liefert: Kapitalgeber

In vielen Unternehmen stellen Personen dem Unternehmen nur ihr Kapital zur Verfügung, ohne selbst mitzuarbeiten. Sie möchten natürlich regelmäßig darüber informiert werden, wie gut ihr Kapital angelegt ist.

Mitarbeiter

Informationen der Buchführung liefern Daten über den finanziellen Zustand des Unternehmens und damit über die Sicherheit der Arbeitsplätze im Unternehmen.

Kunden und Lieferanten

Der finanzielle Zustand des Unternehmens hat wesentliche Auswirkungen auf die Geschäftsbeziehungen.

Kreditinstitute

Benötigt ein Unternehmen zur Finanzierung einer Investition ein Darlehen, so prüft z. B. die Bank mithilfe der Informationen aus der Buchführung die Kreditwürdigkeit.

Staat

Gerade für die durch das Unternehmen zu zahlenden Steuern benötigt der Staat (insbesondere das Finanzamt) die Berechnungsgrundlage.

3

Rechtliche Grundlagen Anders als private Haushalte, sind die meisten Unternehmen zu einer Buchführung verpflichtet. Ihnen wird genau vorgeschrieben, wie ihre Buchführung auszusehen hat; und zwar im Handelsgesetzbuch (HGB). § 238 HGB (1) Jeder Kaufmann ist verpflichtet, Bücher zu führen und in diesen seine Handelsgeschäfte und die Lage seines Vermögens nach den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung ersichtlich zu machen. Die Buchführung muss so beschaffen sein, dass sie einem sachverständigen Dritten innerhalb angemessener Zeit einen Überblick über die Geschäftsvorfälle und über die Lage des Unternehmens vermitteln kann. Die Geschäftsvorfälle müssen sich in ihrer Entstehung und Abwicklung verfolgen lassen.

Handelsgesetzbuch § 238

Unter einem Kaufmann versteht das Gesetz dabei jeden, der ein Handelsgewerbe betreibt, das „nach Art und Umfang einen kaufmännischen Geschäftsbetrieb“ erfordert. Die Art und der Umfang hängen dabei vom erzielten Umsatz, der Anzahl der Mitarbeiter, der Größe des Kundenstamms usw. ab. Kleine Unternehmen wie der „Tante-Emma-Laden“ oder die „Ein-Mann-Autowerkstatt“ im Ort fallen in der Regel nicht unter ein Handelsgewerbe. Dennoch hat der Gesetzgeber eine Grenze gesetzt, ab der ein solches Unternehmen Bücher führen muss; und zwar im § 141 der Abgabenordnung (AO): § 141 AO Gewerbliche Unternehmer, die Umsätze von mehr als 500.000 Euro im Kalenderjahr oder einen Gewinn aus Gewerbebetrieb von mehr als 50.000 Euro im Wirtschaftsjahr erzielen, sind verpflichtet, für diesen Betrieb Bücher zu führen und auf Grund jährlicher Bestandsaufnahmen Abschlüsse zu machen.

Abgabenordnung § 141

Auch für die Art und Weise, wie die Buchführung erfolgen muss, gibt es gesetzliche Vorschriften. Diese Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung (GoB) entstanden in den letzten Jahrhunderten und haben auch noch heute ihre Gültigkeit: 93


3

Einführung in die ­Geschäftsbuchführung

Handelsgesetzbuch §§ 238, 239

§§ 238, 239 HGB § 238 (1) […] Die Buchführung muss so beschaffen sein, dass sie einem sachverständigen Dritten innerhalb angemessener Zeit einen Überblick über die Geschäftsvorfälle und über die Lage des Unternehmens vermitteln kann. Die Geschäftsvorfälle müssen sich in ihrer Entstehung und Abwicklung verfolgen lassen. § 239 (2) Die Eintragungen in Büchern und die sonst erforderlichen Aufzeichnungen müssen vollständig, richtig, zeitgerecht und geordnet vorgenommen werden. § 239 (3) Eine Eintragung oder eine Aufzeichnung darf nicht in einer Weise verändert werden, dass der ursprüngliche Inhalt nicht mehr feststellbar ist.

Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung

Zusammenfassend können die Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung wie folgt dargestellt werden:

3

Vollständigkeit

Kein Geschäftsvorfall darf in der Buchführung unberücksichtigt bleiben.

Richtigkeit

Jede Buchung muss wahrheitsgemäß erfolgen.

zeitgerecht

Die Buchung muss in angemessener Zeit nach dem Geschäftsvorfall erfolgen; Kasseneinnahmen und -ausgaben sollen täglich erfasst werden.

geordnet

Geschäftsvorfälle sind zeitlich fortlaufend zu erfassen; sachliche Zuordnung auf Konten und geordnete Ablage der Belege.

Belegprinzip

Für jede Buchung muss ein Beleg vorhanden sein.

Sprache, Währung

Handelsbücher und Aufzeichnungen in lebender Sprache; Abkürzungen, Ziffern, Buchstaben oder Symbole nur mit eindeutig festgelegter Bedeutung; Jahresabschluss in deutscher Sprache und in Euro.

Berichtigungen

Eintragungen oder Aufzeichnungen dürfen nicht in einer Weise verändert werden, dass der ursprüngliche Inhalt nicht mehr feststellbar ist (keine Bleistifteintragungen, kein Tipp-Ex, Radieren, Überschreiben, Löschen von Datenträgern usw.).

Aufbewahrungspflicht

Unterlagen der Buchführung müssen aufbewahrt werden.

Die Inventur Dieses Schild hast du mit Sicherheit schon einmal gesehen. Denn viele ­Unternehmen schließen ihre Geschäfte, wenn sie die Inventur durchführen. Um aber den normalen Geschäftsbetrieb nicht zu sehr zu unterbrechen, wird meist am Wochenende, je nach Größe des Unternehmens, 24 Stunden rund um die Uhr durchgearbeitet. Fast alle Mitarbeiter und manchmal sogar zusätzlich Schüler und Studenten als Aushilfen sind damit beschäftigt, alles, was in dem Unternehmen ist, genau nach Menge und Wert zu erfassen. Insbesondere die Waren benötigen sehr viel Zeit, weil bereits kleine Unternehmen mehrere Hundert verschiedene Artikel in ihrem Warensortiment haben.

Handelsgesetzbuch § 240 94

§ 240 HGB Der Kaufmann hat zu Beginn seines Handelsgewerbes und für den Schluss eines jeden Geschäftsjahrs seine Vermögensgegenstände und Schulden genau zu verzeichnen und dabei den Wert der einzelnen Vermögensgegenstände und Schulden anzugeben.


Lernsituation 10: Durchführung einer Inventur

Ein Unternehmen muss also erstmals am Tag seiner Gründung und dann jedes Jahr zum Ende des Geschäftsjahres (meist ist das der 31. Dezember) ein Verzeichnis erstellen, in dem alle Vermögensgegenstände und Schulden aufgelistet werden. Doch zuvor muss natürlich alles erst einmal gezählt, gewogen, gemessen oder berechnet werden. Die Mitarbeiter erfassen alles in ihrer Abteilung nach Menge (in Stück, Meter, Kilo­ gramm usw.) und Wert (in Euro). Diesen Vorgang nennt man Inventur. Das Zählen von Vermögensgegenständen, die längerfristig im Unternehmen verbleiben, ist relativ problemlos, da sich ihr Bestand im Laufe eines Geschäftsjahres im Normalfall nicht großartig verändert.

3

Hingegen nimmt das Zählen der über hundert verschiedenen Artikel besonders viel Zeit in Anspruch. Dafür werden spezielle Inventurlisten verwendet. Inventurliste Blatt-Nr. 8 Abteilung Lager Regal 46 Trekkingschuhe Aufgenommen am 31. Dez. 20XX Bezeichnung

Gezählte Menge

Inventurwert Einzeln

Gesamt

1.

2280 LTS 3201 Trekkingschuh „Dolomiti“, Farbe schwarz, Größe 40

 12

72,00 €

864,00 €

2.

2280 LTS 3201 Trekkingschuh „Dolomiti“, Farbe schwarz, Größe 42

 10

72,00 €

720,00 €

3.

2280 LTS 3201 Trekkingschuh „Dolomiti“, Farbe schwarz, Größe 44

 13

72,95 €

948,35 €

4.

2280 LTS 3201 Trekkingschuh „Dolomiti“, Farbe schwarz, Größe 46

 12

72,95 €

875,40 €

28.

2280 LTS 3301 Trekkingschuh „Terra“, Farbe schwarz, Größe 46

8

78,95 €

631,60 €

GESAMT Unterschriften:

348

27.474,60 €

Angesagt Simone Fella Geschrieben Sandro Sommer Kontrolliert Tarik Bas

Die Ludwig Thalberger Schuhe e. K. besitzt u. a. folgende Vermögensgegenstände:

Lagerhalle und Lkw zur Auslieferung von Waren

Büroausstattung 95


3

Einführung in die ­Geschäftsbuchführung

3 Gabelstapler zum Be- und Entladen

Warenlager und verpackte Ware

Inventar Am Ende der Inventur werden alle Inventurlisten gesammelt und ausgewertet. Die einzelnen Informationen werden dann in einem Bestandsverzeichnis, dem sogenannten Inventar, festgehalten. Für das Inventar gibt es keinen fest vorgeschriebenen Aufbau, aber im Laufe der Zeit hat sich doch ein bestimmtes Schema herausgebildet. So gliedert sich das Inventar in folgende drei Hauptgruppen: A. Vermögen Im Vermögen wird alles aufgelistet, was im Unternehmen vorhanden ist. Es wird nach   Nice to know  seiner Liquidität geordnet; d. h., die am wenigsten liquiden Vermögensgegenstände Liquidität (= Flüssigkeit) werden zuerst genannt.

gibt an, wie schnell eine Vermögensposition in Geld umgewandelt (also „flüssig“ gemacht) werden kann.

Man unterscheidet zwischen Anlagevermögen und Umlaufvermögen. Vermögen

Beschreibung

Beispiele

Anlagevermögen

benennt alle Positionen, die dem Unterneh- Grundstücke men langfristig zur Verfügung stehen. Gebäude Maschinen Fuhrpark

Umlaufvermögen

benennt alle Positionen, die das Unterneh- Waren men relativ schnell durchlaufen. Forderungen an die Kunden Bankguthaben Kassenbestand

B. Schulden (Verbindlichkeiten) Schulden sind alle „fremden“ Geldquellen (z. B. Kreditinstitute, Lieferanten, Staat), die zur Finanzierung des Vermögens beigetragen haben. Schulden werden nach ihrer Fristigkeit geordnet, d. h., wann das Geld wieder zurückzuzahlen ist. Man unterscheidet zwischen langfristigen und kurzfristigen Schulden.

96

Schulden

Beschreibung

Beispiele

Langfristige Schulden

sind alle Verbindlichkeiten mit einer Laufzeit länger als ein Jahr.

Hypothek Darlehen

Kurzfristige Schulden

sind Verbindlichkeiten mit Verbindlichkeiten gegenüber Lieferanten einer Laufzeit unter einem Jahr. Verbindlichkeiten gegenüber dem Finanzamt


Lernsituation 10: Durchführung einer Inventur

C. Reinvermögen (Eigenkapital) Wenn man nun vom gesamten Vermögen die gesamten Schulden abzieht, so erfährt man, wie viel das Unternehmen selbst zur Finanzierung des Vermögens beigetragen hat. Dies nennt man dann das Reinvermögen bzw. Eigenkapital. Summe Vermögen –

Summe Schulden

=

Reinvermögen bzw. Eigenkapital

3

Für die Ludwig Thalberger Schuhe e. K. sah das Inventar des letzten Jahres so aus: Inventar Datum A

31. Dez. 20XX

Vermögen I

Anlagevermögen Grundstück Rudolf-Diesel-Straße 12

256.000,00 €

Gebäude Rudolf-Diesel-Straße 12

428.000,00 €

Maschinen (lt. Anlagenverzeichnis)

1.215.300,00 €

Lagereinrichtung (lt. Anlagenverzeichnis) Fuhrpark Betriebs- und Geschäftsausstattung II

52.400,00 € 132.000,00 € 41.000,00 €

Umlaufvermögen Fertigerzeugnisse

158.200,00 €

Forderungen aus Lieferung und Leistung

72.700,00 €

Bank

42.300,00 €

Kasse

2.100,00 €

Summe Vermögen B

275.300,00 € 2.400.000,00 €

Schulden I

Langfristige Schulden Darlehen

II

854.400,00 €

854.400,00 €

63.600,00 €

63.600,00 €

Kurzfristige Schulden Verbindlichkeiten aus Lieferung und Leistung

Summe Schulden C

2.124.700,00 €

918.000,00 €

Ermittlung des Reinvermögens Summe Vermögen −

Summe Schulden

Summe Reinvermögen (Eigenkapital)

2.400.000,00 € 918.000,00 € 1.482.000,00 €

97


3

Einführung in die ­Geschäftsbuchführung

3 Bilanz Das Inventar eines Unternehmens kann sehr lang werden. Das komplette Inventar der Ludwig Thalberger Schuhe e. K. mit über hundert verschiedenen Waren und vielen Kunden und Lieferanten umfasst mehrere Seiten. Hier verliert die Buchführung ihre Informationsaufgabe. Aus diesem Grund gibt es ein stark vereinfachtes Verzeichnis, in dem • nur noch die jeweiligen Sammelbegriffe mit ihrem Gesamtwert (also ohne Mengenangabe) erfasst werden. • Vermögensteile oder Schulden ohne Wert nicht geführt werden. • nicht mehr untereinander, sondern nebeneinander erfasst wird. Dieses zusammenfassende, in T-Konten-Form erstellte Verzeichnis heißt Bilanz. Der Begriff „Bilanz“ stammt vom italienischen „bilancia“ und bedeutet „Waage“. Das bedeutet, dass beide Seiten einer Bilanz immer in der Waage, also gleich groß sein müssen. Die Bilanz der Ludwig Thalberger Schuhe e. K. sieht wie folgt aus: Aktiva

Bilanz der Ludwig Thalberger Schuhe e. K. zum 31.12.20XX

Grundstücke und Gebäude

684.000,00 € Eigenkapital

Maschinen

1.215.300,00 € Darlehen

Lagereinrichtung Fuhrpark BGA Fertigerzeugnisse

63.600,00 €

41.000,00 € 158.200,00 €

Bank

42.300,00 € 2.100,00 € 2.400.000,00 €   

Die linke Bilanzseite nennen wir Aktiva. Sie beantwortet die Frage: Welche Vermögenswerte sind im Unternehmen vorhanden? 98

854.400,00 €

132.000,00 €

72.700,00 €

  

1.482.000,00 €

52.400,00 € Verbindlichkeiten aus L. L.

Forderungen aus L. L.

Kasse

Passiva

2.400.000,00 €

Die rechte Bilanzseite nennen wir Passiva. Sie beantwortet die Frage: Von wem stammt das Kapital zur Finanzierung des Vermögens?


Lernsituation 11: Buchungen einfacher Geschäftsvorfälle

Lernsituation 11: Buchungen einfacher Geschäftsvorfälle GESCHAFFT! Die Arbeiten zum Jahresabschluss sind erledigt, die Bilanz wurde erstellt und schon Herrn Thalberger vorgelegt. Doch die Arbeiten in der Buchhaltung gehen natürlich weiter. Bereits am 3. Januar findet Jennifer folgenden Beleg in ihrem Posteingangskörbchen.

Konto 2 244 68 BLZ 743 500 00 Sparkasse Landshut Datum Erläuterungen

3

Kontoauszug 1 Blatt 1 Betrag

Kontostand in EUR am 31.12.20XX, Auszug Nr. 256 02.01. Gutschrift Bareinzahlung

39.330,00 + ------------------Wert: 25.05. 2.500,00 +

------------------neuer Kontostand in EUR am 02.01.20XY, Auszug Nr. 1 41.830,00 + Ludwig Thalberger Schuhe e.K. Rudolf-Diesel-Str. 12 84030 Landshut

Jennifer:

IBAN: DE10 7435 0000 0000 2244 68 SWIFT-BIC: BYLADEM1LAH

Herr Marinoff, ich habe hier einen Kontoauszug in meinem Eingangskörbchen. Müssen wir jetzt noch einmal die Bilanz abändern?

Herr Marinoff: Nein, das alte Geschäftsjahr ist abgeschlossen. Dieser Beleg betrifft schon das neue Geschäftsjahr. Jennifer:

Aber das verändert doch jetzt die Beträge bei der Bank und der Kasse. Muss jetzt bei jedem Beleg die Bilanz neu gemacht werden?

Herr Marinoff: Nein, um Gottes willen. Das wäre ja viel zu aufwendig. Du musst jetzt nur diesen Beleg sowohl im Hauptbuch als auch im Grundbuch eintragen. Und wenn das erledigt ist, machst du einfach einen Buchungsvermerk auf den Kontoauszug. 99


3

Einführung in die ­Geschäftsbuchführung

Handlungsaufträge 1. Macht euch mit der Situation vertraut, indem ihr euch zunächst orientiert. Informiert euch darüber, warum die Bilanz in Bestandskonten aufgelöst wird und wie die Bestandskonten eröffnet werden. Erkennt die Unterschiede zwischen Aktiv- und Passivkonten. Informiert euch über die Buchung mithilfe des Buchungssatzes und erkennt die Vorteile dieser Buchungstechnik. (Orientierung und Information)

3

2. Plant euer weiteres Vorgehen, indem ihr euch Gedanken macht, was in dieser konkreten Situation zu tun ist, und notiert dies stichpunktartig. (Planung) 3. Bucht den Beleg auf Bestandskonten (T-Konten). Entwickelt Buchungsregeln für die Buchung auf Aktiv- und Passivkonten. Wendet dabei das Grundprinzip der doppelten Buchführung an. (Durchführung) 4. Bewertet euer Ergebnis im Klassenplenum. Nehmt Kritikpunkte zur Vollständigkeit und inhaltlichen Richtigkeit auf, ergänzt eure Ausführungen gegebenenfalls und korrigiert Fehler. (Bewertung) 5. Reflektiert kritisch mögliche Fehlerquellen im Buchungsprozess und überprüft eure Arbeitsweise. Seid bereit, euer Arbeitsergebnis zu verantworten und aus Fehlern zu lernen. Erkennt, dass ihr bei der Kontierung von Buchungsbelegen besonders gewissenhaft arbeiten müsst. Ebenso reflektiert euer Verhalten in der Arbeitsgruppe und überlegt, wie ihr Verhaltensweisen verbessern könnt. (Reflexion)

Ergänzender Handlungsauftrag für die Lernbereiche 3–6 „LERNKARTEI“ 1. Führt eure Lernkartei fort. 2. Schreibt nun folgende Begriffe auf die Kopfzeile eines DIN-A6-Kärtchens: Möglichkeiten der Bilanzveränderung, Aktivtausch, Passivtausch, Aktiv-Passiv-Minderung, Aktiv-Passiv-Mehrung, Bestandskonten, Eröffnung Bestandskonten, Buchungsregeln 3. Sortiert die Begriffskärtchen nach den Kriterien weiß ich oder weiß ich nicht. 4. Bildet Kleingruppen und erklärt euch gegenseitig die Weiß-ich-nicht-Kärtchen. Schlagt dabei die ungeklärten Begriffe im Schulbuch nach. 5. Schreibt die Begriffserklärungen auf die Rückseite des entsprechenden Kärtchens und ordnet diese unter der Leitkarte Buchführung alphabetisch in euren Lern­ kartei-Behälter ein.

100


Lernsituation 11: Buchungen einfacher Geschäftsvorfälle

Werteveränderungen in der Bilanz Eine Bilanz wird immer zu einem bestimmten Stichtag zum Geschäftsjahresende (meistens zum 31. Dezember) aufgestellt. In einem Unternehmen ereignen sich aber Tag für Tag viele Geschäftsvorfälle, die die erfassten Werte der Bilanz verändern. Bei jedem Geschäftsvorfall sind mindestens zwei Bilanzposten betroffen. Zur Verdeutlichung sollen folgende vier Geschäftsvorfälle betrachtet werden, die sich bei der Ludwig Thalberger Schuhe e. K. an einem Arbeitstag ereignen. Ausgangspunkt ist die Bilanz, die die Ludwig Thalberger Schuhe e. K. zum 31.12.20XX erstellt hat: Aktiva

Bilanz der Ludwig Thalberger Schuhe e. K. zum 31.12.20XX

Grundstücke und Gebäude

684.000,00 € Eigenkapital

Maschinen

1.215.300,00 € Darlehen

Lagereinrichtung Fuhrpark BGA Fertigerzeugnisse

52.400,00 € Verbindlichkeiten aus L. L.

Passiva 1.482.000,00 € 854.400,00 € 63.600,00 €

41.000,00 € 158.200,00 € 72.700,00 €

Bank

42.300,00 €

  

3

132.000,00 €

Forderungen aus L. L.

Kasse

Informationen zur Lernsituation 11

2.100,00 € 2.400.000,00 €   

2.400.000,00 €

Geschäftsvorfall 1: Ein Kunde bezahlt eine ausstehende Forderung über 20.000,00 € in bar. Aktiva

Bilanz der Ludwig Thalberger Schuhe e. K. zum 31.12.20XX

Grundstücke und Gebäude

684.000,00 € Eigenkapital

Maschinen

1.215.300,00 € Darlehen

Lagereinrichtung Fuhrpark BGA Fertigerzeugnisse

52.400,00 € Verbindlichkeiten aus L. L.

854.400,00 € 63.600,00 €

41.000,00 € 158.200,00 € 52.700,00 €

Bank

62.300,00 €

  

1.482.000,00 €

132.000,00 €

Forderungen aus L. L.

Kasse

Passiva

2.100,00 € 2.400.000,00 €   

Bei diesem Geschäftsvorfall sind zwei Positionen der Aktivseite betroffen: Die Position Forderungen sinkt um 20.000,00 €; gleichzeitig steigt die Position Kasse um 20.000,00 €. An der Bilanzsumme ändert sich nichts. Dieser Vorgang wird Aktivtausch genannt.

2.400.000,00 € Aktivtausch

101


3

Einführung in die ­Geschäftsbuchführung

Geschäftsvorfall 2: Die Ludwig Thalberger Schuhe e. K. wandelt eine kurzfristige ­Lieferantenverbindlichkeit über 50.000,00 € in ein langfristiges Darlehen um. Aktiva

3

Bilanz der Ludwig Thalberger Schuhe e. K. zum 31.12.20XX

Grundstücke und Gebäude

684.000,00 € Eigenkapital

Maschinen

1.215.300,00 € Darlehen

Lagereinrichtung Fuhrpark BGA

52.400,00 € Verbindlichkeiten aus L. L.

Passiva 1.482.000,00 € 904.400,00 € 13.600,00 €

132.000,00 € 41.000,00 €

Fertigerzeugnisse

158.200,00 €

Forderungen aus L. L.

52.700,00 €

Bank

62.300,00 €

Kasse

2.100,00 €

  

2.400.000,00 €   

Passivtausch

2.400.000,00 €

Jetzt sind zwei Positionen der Passivseite betroffen: Die Position Verbindlichkeiten sinkt um 50.000,00 €; gleichzeitig steigt die Position Darlehen um 50.000,00 €. An der Bilanzsumme ändert sich nichts. Dieser Vorgang wird Passivtausch genannt. Geschäftsvorfall 3: Die Ludwig Thalberger Schuhe e. K. kauft ein neues Grundstück im Wert von 150.000,00 € durch Aufnahme eines Darlehens.

Aktiva

Passiva

Grundstücke und Gebäude

834.000,00 € Eigenkapital

1.482.000,00 €

Maschinen

1.215.300,00 € Darlehen

1.054.400,00 €

Lagereinrichtung Fuhrpark BGA Fertigerzeugnisse

52.400,00 € Verbindlichkeiten aus L. L.

41.000,00 € 158.200,00 € 52.700,00 €

Bank

62.300,00 €

  

Aktiv-Passiv-Mehrung

13.600,00 €

132.000,00 €

Forderungen aus L. L.

Kasse

102

Bilanz der Ludwig Thalberger Schuhe e. K. zum 31.12.20XX

2.100,00 € 2.550.000,00 €   

2.550.000,00 €

In diesem Geschäftsvorfall ist sowohl eine Position der Aktivseite als auch eine Position der Passivseite betroffen: Die Position Grundstücke steigt um 150.000,00 €; gleichzeitig steigt auch die Position Darlehen um 150.000,00 €. Die Bilanzsumme steigt ebenfalls um 150.000,00 €. Dieser Vorgang wird Aktiv-Passiv-Mehrung genannt.


Lernsituation 11: Buchungen einfacher Geschäftsvorfälle

Geschäftsvorfall 4: Die Ludwig Thalberger Schuhe e. K. bezahlt eine Lieferantenverbindlichkeit von 10.000,00 € durch Banküberweisung. Aktiva

Bilanz der Ludwig Thalberger Schuhe e. K. zum 31.12.20XX

Passiva

Grundstücke und Gebäude

834.000,00 € Eigenkapital

1.482.000,00 €

Maschinen

1.215.300,00 € Darlehen

1.054.400,00 €

Lagereinrichtung Fuhrpark BGA Fertigerzeugnisse

52.400,00 € Verbindlichkeiten aus L. L. 132.000,00 € 41.000,00 € 158.200,00 €

Forderungen aus L. L.

52.700,00 €

Bank

52.300,00 €

Kasse   

3

3.600,00 €

2.100,00 € 2.390.000 €   

Auch jetzt sind sowohl eine Position der Aktivseite als auch eine Position der Passivseite betroffen: Die Position Bank sinkt um 10.000,00 €; gleichzeitig sinkt auch die Position Verbindlichkeiten um 10.000,00 €. Die Bilanzsumme sinkt ebenfalls um 10.000,00 €. Dieser Vorgang wird Aktiv-Passiv-Minderung genannt.

2.390.000 €

Aktiv-Passiv-Minderung

Bestandsvorgänge buchen Jeder Geschäftsvorfall ändert die Werte der Bilanzpositionen. Aus diesem Grund müsste nach jedem Geschäftsvorfall eine neue Bilanz erstellt werden. Dies ist mit erheblichem Aufwand verbunden und die Übersichtlichkeit würde darunter leiden. Deshalb werden alle Bilanzpositionen zu Beginn eines Geschäftsjahres in sogenannten Bestandskonten erfasst. Aktiva

Bilanz der Ludwig Thalberger Schuhe e. K. zum 31.12.20XX

Grundstücke und Gebäude

684.000,00 € Eigenkapital

Maschinen

1.215.300,00 € Darlehen

Lagereinrichtung Fuhrpark BGA Fertigerzeugnisse

52.400,00 € Verbindlichkeiten aus L. L.

854.400,00 € 63.600,00 €

41.000,00 € 158.200,00 € 72.700,00 €

Bank

42.300,00 €

  

1.482.000,00 €

132.000,00 €

Forderungen aus L. L.

Kasse

Passiva

2.100,00 € 2.400.000,00 €   

2.400.000,00 €

103


3

Einführung in die ­Geschäftsbuchführung

Schritt 1

Für jede einzelne Position der Bilanz wird ein eigenes Konto eröffnet. Je nachdem, auf welcher Seite der Bilanz die Position steht, heißt das zugehörige Konto Aktiv- oder Passivkonto. Die linke Seite eines Kontos heißt Soll, die rechte Haben. Der Anfangsbestand des Kontos wird aus der Bilanz genommen. Er wird auf der gleichen Seite erfasst, auf der die Position in der Bilanz steht. Somit gilt: Alle Aktivkonten haben ihren Anfangsbestand im Soll, alle Passivkonten im Haben. Die Zunahme eines Kontos erfassen wir auf derselben Seite wie den Anfangsbestand, die Abnahme auf der jeweils anderen Seite.

3

Soll

Akivkonto (z. B. Kasse)

Anfangsbestand

Haben

– (Abnahme)

Soll

Passivkonto (z. B. Verbindlichkeiten aus L. L.)

– (Abnahme)

+ (Zunahme)

Haben

Anfangsbestand + (Zunahme)

 Merke • Bei Aktivkonten werden Zunahmen im Soll, Abnahmen im Haben gebucht. • Bei Passivkonten werden Abnahmen im Soll, Zunahmen im Haben gebucht.

Schritt 2

Geschäftsvorfälle werden analysiert und auf den Bestandskonten gebucht. Geschäftsvorfall: Die Rechnung eines Lieferanten in Höhe von 1.000,00 € wird in bar gezahlt. Dieser Geschäftsvorfall bewirkt • eine Abnahme des Passivkontos Verbindlichkeiten. Sie wird auf der Soll-Seite erfasst. • eine Abnahme des Aktivkontos Kasse. Sie wird auf der Haben-Seite erfasst. Soll

Verbindlichkeiten

Kasse Soll

1.000,00 € Anfangsbestand Kasse

Anfangsbestand

Haben

2.100,00 € Verbindlichkeiten

63.600,00 € Haben 1.000,00 €

Bei dieser Vorgehensweise sind nur noch die Konten Verbindlichkeiten und Kasse betroffen und nicht mehr die komplette Bilanz. Eine Bestandsmehrung oder -minderung wird durch den Eintrag auf der vorgegebenen Kontenseite, im Soll oder im Haben, eindeutig festgelegt.  Merke • Jeder Geschäftsvorfall muss mindestens auf zwei Bestandskonten gebucht werden. • Zuerst wird immer im Soll und anschließend im Haben unter Angabe des Gegenkontos gebucht. • Soll- und Haben-Buchungen müssen wertmäßig immer gleich sein. • Es gibt keine Buchung ohne Gegenbuchung. 104


Lernsituation 11: Buchungen einfacher Geschäftsvorfälle

Der Buchungssatz In der betrieblichen Praxis wird jeder Geschäftsvorfall im Hauptbuch (auf T-Konten) und im Grundbuch (oder Journal) erfasst. Betrachtet dazu den Beleg weiter unten. Diesem Beleg liegt folgender Geschäftsvorfall zugrunde. Geschäftsvorfall: Ein Mitarbeiter der Ludwig Thalberger Schuhe e. K. hebt vom Bankkonto 2.500,00 € ab.

Konto 2 244 68 BLZ 743 500 00 Sparkasse Landshut Datum Erläuterungen

3

Kontoauszug 44 Blatt 1 Betrag

Kontostand in EUR am 12.03.20XX, Auszug Nr. 44

19.240,00 + ------------------Wert: 25.05. 2.500,00 -

12.03. Lastschrift Barabhebung

------------------neuer Kontostand in EUR am 13.03.20XY, Auszug Nr. 45 16.740,00 + Ludwig Thalberger Schuhe e.K. Rudolf-Diesel-Str. 12 84030 Landshut

IBAN: DE10 7435 0000 0000 2244 68 SWIFT-BIC: BYLADEM1LAH

Erfassung im Hauptbuch Hauptbuch Soll Anfangsbestand

Bank 42.300,00 € (1) Kasse

Haben 2.500,00 €

Das Konto Bank nimmt um 2.500,00 € ab. Dies wird auf der Haben-Seite erfasst.

Soll

Kasse

Anfangsbestand

2.100,00 €

(1) Bank

2.500,00 €

Haben

Das Konto Kasse nimmt um 2.500,00 € zu. Dies wird auf der Soll-Seite erfasst.

Um nun jederzeit einen Überblick zu haben, dass der kompletKonto 2 244 68­NummerBLZ 743 500 00 te Geschäftsvorfall erfasst wurde, wird die laufende Sparkasse Landshut des Geschäftsvorfalls (in diesem Beispiel die Nummer 1) auch Datum Erläuterungen in das betroffene Gegenkonto eingetragen. Somit kann  1 Kontostand in EURsofort am 12.03.20XX, Auszug Kass nachgeprüft werden, ob auch dort der Geschäftsvorfall eingee 12.03. Lastschrift tragen wurde. Barabhebung Ba Bel

eg

Kon

to

Dat

Sol

l

Kon

to

Kontoauszug 44 Blatt 1 Betrag Nr. 44

Hab

en

Bet

19.240,00 + ------------------Wert: 25.05. 2.500,00 -

rag

2500 (in EUR) ,00 ------------------13. März Auszug Nr. 45 neuer Kontostand in EUR am 13.03.20XY, 16.740,00 + Auf dem Beleg wird vermerkt, dass er bereits im Hauptbuch er2500 20XX Unt ers ,00 chr ift i .V. fasst wurde. In der betrieblichen PraxisLudwig wird hierfür ein Stempel Thalberger Schuhe e.K. Mari noff Rudolf-Diesel-Str. 12 IBAN: verwendet mit einem kurzen und eindeutigen Vermerk, dem soum

genannten Buchungssatz.

84030 Landshut

nk

DE10 7435 0000 0000 2244 68 SWIFT-BIC: BYLADEM1LAH

105


3

Einführung in die ­Geschäftsbuchführung

Erfassung im Grundbuch (= Journal) Nachdem der Beleg mit dem Buchungsstempel erfolgt ist, wird der Buchungssatz im Grundbuch erfasst. Die Erfassung erfolgt in zeitlicher Reihenfolge. Somit ist eine schnelle und unkomplizierte Überprüfbarkeit jedes Beleges gewährleistet. Grundbuch (Journal)

3

1

Das Wörtchen an wird zur Trennung der Soll-Konten und Haben-Konten dazwischengeschoben.

Datum

Beleg

Buchungstext (= Buchungssatz)

13.03.20XX

KA 44/1

Kasse

Betrag (in EUR)

an1

2.500,00 Bank

2.500,00

 Merke Für die verschiedenen Belege gibt es allgemein verwendete Abkürzungen, z. B. AR = Ausgangsrechnung, ER = Eingangsrechnung, KA = Kontoauszug, QU = Quittung. Bevor ihr in Zukunft einen Buchungssatz bildet, beantwortet immer diese vier Fragen: 1. Welche Konten sind betroffen? 2. Um welche Kontenart handelt es sich jeweils? (Aktiv- oder Passiv-Konten?) 3. Wie verändern sich die Konten? (Nehmen sie zu? Nehmen sie ab?) 4. Auf welcher Kontenseite wird gebucht? (Soll oder Haben?) Der Buchungssatz lautet immer: Konto Soll an Konto Haben Zur Verdeutlichung folgendes Beispiel: Geschäftsvorfall: Die Ludwig Thalberger Schuhe e. K. kauft für das Lagerbüro einen neuen Bürodrehstuhl im Wert von 450,00 € auf Rechnung. 1. Welche Konten sind betroffen? Betriebs- und Geschäftsausstattung (BGA)

Verbindlichkeiten aus L. L.

2. Um welche Kontenart handelt es sich? Aktiva

Passiva 3. Wie verändern sich die Konten?

Zunahme

Zunahme

4. Auf welcher Kontenseite wird gebucht? Soll

Haben

Buchungssatz BGA

Betrag (in EUR) an

450,00 Verbindlichkeiten aus L. L.

106

450,00


Lernsituation 11: Buchungen einfacher Geschäftsvorfälle

Der zusammengesetzte Buchungssatz In vielen Fällen werden bei einem Geschäftsvorfall mehr als zwei Konten berührt. Wir sprechen dann von einem zusammengesetzten Buchungssatz. Betrachtet dazu das folgende Beispiel: Geschäftsvorfall: Ein Kunde der Ludwig Thalberger Schuhe e. K. bezahlt am 15.03.20XX die Rechnung LT 87 über 12.000,00 €. Er zahlt 1.000,00 € sofort bar an; den Restbetrag bezahlt er durch Banküberweisung.

3

Erfassung im Hauptbuch: Dieser Geschäftsvorfall bewirkt eine Abnahme des Aktivkontos Forderung um 12.000,00 € auf der Haben-Seite und eine Zunahme der beiden Aktivkonten Kasse um 1.000,00 € und Bank um 11.000,00 € auf der Soll-Seite. Erfassung im Grundbuch (= Journal) Der zu diesem Geschäftsvorfall entsprechende Buchungssatz lautet also: Grundbuch (Journal) Datum

Beleg

Buchungstext (= Buchungssatz)

15.03.20XX

AR LT 87

Kasse Bank

Betrag (in EUR) 1.000,00

an

11.000,00 Forderungen

12.000,00

 Merke Beim zusammengesetzten Buchungssatz ist die Summe der Soll-Buchungen und die Summe der Haben-Buchungen gleich.

107


3

Einführung in die ­Geschäftsbuchführung

Lernsituation 12: Buchen der Umsatzsteuer Jennifer Rodscheik ist nun schon mit fast allen Grundlagen der betrieblichen Buchhaltung vertraut. Heute hat sie wieder ihr regelmäßiges Treffen mit Herrn Marinoff. Auf seinem Schreibtisch liegen diese Unterlagen.

3

Gesamte Einkäufe Monat März o 571.200,00 Euro brutt

Gesamte Verkäu fe Monat März 654.500,00 Eu ro brutto

Jennifer:

Herr Marinoff, da steht nur etwas von Umsatzsteuer-Voranmeldung.

Herr Marinoff: Genau, das steht heute an. Du weißt doch schon, dass uns die Umsatzsteuer, die wir mit dem Verkauf unserer Waren einnehmen, nicht gehört. Wir müssen sie an den Staat abführen. Tja, und deshalb müssen wir eine sogenannte Voranmeldung machen, und zwar bis zum 10. des Folgemonats. So zahlen wir die schuldige Umsatzsteuer des Vormonats an das Finanzamt. Unsere gesamten Ein- und Verkäufe habe ich schon mal ausgerechnet. Jennifer:

Und warum unsere Einkäufe im Monat März?

Herr Marinoff: Die können wir gegenrechnen! Lies dir einfach mal die Informationen durch. Dann können wir ja zusammen die Vorsteuranmeldung für den Monat März machen. 108


Lernsituation 12: Buchen der Umsatzsteuer

Handlungsaufträge 1. Macht euch mit der Situation vertraut, indem ihr euch zunächst orientiert. Informiert euch über das System und das Buchen der Umsatzsteuer sowie die Berechnung der Umsatzsteuerschuld. Vertieft eure Kenntnisse der Prozentrechnung durch Berechnung der Umsatzsteuer bei gegebenen Nettobzw. Bruttobeträgen. (Orientierung und Information)

3

2. Plant euer weiteres Vorgehen, indem ihr euch Gedanken macht, was in dieser konkreten Situation zu tun ist, und notiert diese stichpunktartig. (Planung) 3. Schließt die Umsatzsteuer für den Monat März ab. Entwickelt auch eine systematische Vorgehensweise, die ihr auf einem Plakat festhaltet. (Durchführung) 4. Bewertet euer Ergebnis im Klassenplenum. Nehmt Kritikpunkte zur Vollständigkeit und inhaltlichen Richtigkeit auf, ergänzt eure Ausführungen gegebenenfalls und korrigiert Fehler. (Bewertung) 5. Reflektiert kritisch mögliche Fehlerquellen und überprüft eure Arbeitsweise. Seid bereit, euer Arbeitsergebnis zu verantworten und aus Fehlern zu lernen. Erkennt, dass ihr bei der Kontierung von Buchungsbelegen besonders gewissenhaft arbeiten müsst. Ebenso reflektiert euer Verhalten in der Arbeitsgruppe und überlegt, wie ihr Verhaltensweisen verbessern könnt. (Reflexion)

Ergänzender Handlungsauftrag für die Lernbereiche 3–6 „LERNKARTEI“ 1. Führt eure Lernkartei fort. 2. Schreibt nun folgende Begriffe auf die Kopfzeile eines DIN-A6-Kärtchens: Umsatzsteuer, Vorsteuer, Zahllast, Vorsteuer-Überhang usw. 3. Sortiert die Begriffskärtchen nach den Kriterien weiß ich oder weiß ich nicht. 4. Bildet Kleingruppen und erklärt euch gegenseitig die Weiß-ich-nicht-Kärtchen. Schlagt dabei die ungeklärten Begriffe im Schulbuch nach. 5. Schreibt die Begriffserklärungen auf die Rückseite des entsprechenden Kärtchens und ordnet diese unter der Leitkarte Buchführung alphabetisch in euren Lern­ kartei-Behälter ein.

109


3

Einführung in die ­Geschäftsbuchführung

Das System der Umsatzsteuer Informationen zur Lernsituation 12

Der Staat hat vielfältige Aufgaben. Hierzu gehören z. B. neben der Sicherheit durch Polizei und Bundeswehr oder der Gesundheit durch öffentliche Krankenhäuser, natürlich auch die Bildung in Schulen und Universitäten. Um diese Aufgaben zu finanzieren, benötigt der Staat entsprechende Einnahmen. Die Haupteinnahmequelle sind dabei die Steuern. Die Umsatzsteuer ist inzwischen die bedeutendste Einnahmequelle des Staates.

3

Die Umsatzsteuer besteuert • alle Lieferungen (z. B. Verkauf von eigenen Erzeugnissen und Handelswaren, Maschinen, Fuhrpark) und Leistungen (z. B. Transport, Lagerung, Reparaturen), die ein Unternehmer im Inland gegen Entgelt ausführt. • den Eigenverbrauch eines Unternehmers (z. B. Entnahme eines Schreibtisches, den ein Möbelfabrikant für seinen Privathaushalt benötigt). • alle Einfuhren von Gegenständen aus dem Ausland. Der Höhe des Steuersatzes kann in drei Gruppen eingeteilt werden: Allgemeiner Steuersatz 19 %

• Jede Lieferung und Leistung eines Unternehmers, die nicht steuerermäßigt oder -befreit ist

Ermäßigter Steuersatz 7 %

• Wichtige Lebensmittel: Fleisch, Milch, Fisch, Gemüse • Kulturelle Gegenstände und Leistungen: Bücher, Zeitungen, Museen, Schwimmbäder • Öffentlicher Personennahverkehr

Steuerbefreite Umsätze Keine USt.

• • • •

Ausfuhrlieferungen Versicherungs- und Bankumsätze Umsätze der Post Leistungen der Ärzte

Berechnung der Umsatzsteuer Für Lieferungen und Leistungen ist die Bemessungsgrundlage das Entgelt. Entgelt ist alles, was der Leistungsempfänger netto aufwenden muss, um die Leistung zu erhalten. 110


Lernsituation 12: Buchen der Umsatzsteuer

Beispiel: Die Ludwig Thalberger Schuhe e. K. kauft beim Lieferanten Leder Busch GmbH 40 m2 Rindsleder, Farbe braun, Stärke 2 mm, zu einem Preis von 20,00 € netto je m2. Aufgrund langjähriger Geschäftsbeziehungen erhält die Ludwig Thalberger Schuhe e. K. einen Treuerabatt von 10 %. Die Lieferung vom Lieferanten Leder Busch GmbH in Hannover erfolgt unfrei; d. h. für die Ludwig Thalberger Schuhe e. K. entstehen zusätzlich noch Fracht- und Verpackungskosten in Höhe von 44,40 € netto. Als Zahlungsbedingung wurde zwischen den beiden Vertragspartnern vereinbart, dass bei Zahlung innerhalb von 14 Tagen 2 % Skonto gewährt werden. Die Ludwig Thalberger Schuhe e. K. bezahlt innerhalb der Skontofrist. Listeneinkaufspreis

40 × 20,00 €

= 10 %

3

800,00 €

Lieferantenrabatt

80,00 €

=

Zieleinkaufspreis

Lieferantenskonto

=

Bareinkaufspreis

+

Bezugskosten

44,40 €

=

Einstandspreis

750,00 €

+

Umsatzsteuer

=

Rechnungsbetrag

720,00 € 2 %

14,40 € 705,60 €

19 %

142,50 € 892,50 €

Die Grundlage für die Berechnung der Umsatzsteuer ist der Einstandspreis; dieser entspricht dem Entgelt. Ist der Einstandspreis (= Rechnungsbetrag netto) gegeben, so errechnet sich der Umsatzsteuerbetrag von-Hundert. Beispiel: Die Ludwig Thalberger Schuhe e. K. kauft Rindsleder zum Warenwert netto 800,00 €. Rechnungsbetrag netto × 19

800,00 × 19

Umsatzsteuerbetrag = ___________________ ​​          ​​ = ________ ​​  100 ​​    = 152,00  € 100 Ist der Rechnungsbetrag brutto gegeben, so errechnet sich der Umsatzsteuerbetrag auf-Hundert. Beispiel: Die Ludwig Thalberger Schuhe e. K. kauft Outdoorjacken zum Warenwert brutto 833,00 €. Rechnungsbetrag brutto × 19

833,00 × 19

Umsatzsteuerbetrag = ___________________ ​​         ​​ = ________ ​​  119 ​​    = 133,00  € 100

Ermittlung der Umsatzsteuerschuld Das System der Umsatzbesteuerung verteilt die Umsatzsteuer auf alle beteiligten Wirtschaftsstufen. Waren, die von der Herstellung bis zum Verbrauch mehrere Unternehmen durchlaufen, werden auf jeder Stufe auf der Basis ihres Mehrwertes besteuert. Aus diesem Grund wird die Umsatzsteuer oftmals auch als Mehrwertsteuer bezeichnet. Damit wird zum einen verhindert, dass ein und dieselbe Ware mehrfach besteuert wird, und zum anderen werden dadurch alle Unternehmen verpflichtet, die Umsatzsteuer einzuziehen.

Nice to know  Auf vielen Kassenbons wird häufig die Mehrwertsteuer auf den Zahlbetrag ausgewiesen; abgekürzt: MwSt. Diese steckt im Verkaufspreis und muss vom Endkunden bezahlt werden. 111


3

Einführung in die ­Geschäftsbuchführung

In den Eingangsrechnungen der vorgelagerten Unternehmen ist neben dem Warenpreis die vom Lieferanten an sein zuständiges Finanzamt abzuführende Umsatzsteuer enthalten. Somit sind die dem eigenen Umsatz vorgelagerten Umsätze innerhalb des eigenen Einkaufs Vorumsätze. Deshalb nennen wir die beim Einkauf anfallende Umsatzsteuer auch Vorsteuer. Beispiel: Umsatzsteuer bei einer Outdoorjacke, die die Ludwig Thalberger Schuhe e. K. in ihrem Sortiment hat:

3

Einkaufspreis

Vor- Verkaufs- Umsatzsteuer preis steuer

Mehrwert

Umsatzsteuerschuld

0,00 €

0,00 €

10,00 €

1,90 €

10,00 €

1,90 €

Garnspinnerei

10,00 €

1,90 €

15,00 €

2,85 €

5,00 €

0,95 €

Textilbetrieb

15,00 €

2,85 €

22,00 €

4,18 €

7,00 €

1,33 €

Großhandel

22,00 €

4,18 €

32,00 €

6,08 €

10,00 €

1,90 €

Einzelhandel

32,00 €

6,08 €

40,00 €

7,60 €

8,00 €

1,52 €

40,00 €

7,60 €

Landwirtschaftlicher Betrieb (Baumwolle)

Endverbraucher

Der Endverbraucher zahlt 47,60 € für die Outdoorjacke (Mehrwert + Umsatzsteuer), da er die Umsatzsteuer nicht als Vorsteuer geltend machen kann. Für die Unternehmen ist die Erhebung der Umsatzsteuer nur ein „durchlaufender Posten“ ohne Auswirkung auf den Erfolg des Unternehmens. Von der Umsatzsteuer, die der Unternehmer seinen Kunden in Rechnung stellt, kann er die Vorsteuerbeträge abziehen, die er an seine Lieferanten zu zahlen hat. Nur die Differenz zwischen Umsatzsteuer und Vorsteuer muss an das Finanzamt abgeführt werden. Einkauf

Verkauf

Die Ludwig Thalberger Schuhe e. K. kauft Werkstoffe zum Warenwert netto 10.000,00 € + 19 % Ust.

Die Ludwig Thalberger Schuhe e. K. verkauft Fertigerzeugnisse zum Warenpreis netto 25.000,00 € + 19 % Ust.

Warenpreis netto

Warenpreis netto

10.000,00 €

+ 19 % USt.

1.900,00 €

= Rechnungsbetrag brutto

+ 19 % USt.

11.900,00 €

Vorsteuer

= Rechnungsbetrag brutto

1.900,00 €

Umsatzsteuer

(Forderung gegenüber dem Finanzamt)

25.000,00 € 4.750,00 € 29.750,00 € 4.750,00 €

(Verbindlichkeit gegenüber dem Finanzamt) Saldo 2.850,00 €

Finanzamt

112

Umsatzsteuer > Vorsteuer

Zahllast

Die Zahllast muss bis zum 10. des Folgemonats an das Finanzamt bezahlt werden

Umsatzsteuer < Vorsteuer

Vorsteuer-­ Der Vorsteuer-Überhang wird im Folgemonat vom ­Finanzamt erstattet. Überhang


Lernsituation 12: Buchen der Umsatzsteuer

Buchung beim Einkauf Betrachtet dazu den folgenden Geschäftsvorfall. Geschäftsvorfall: Zur Neueinrichtung des Lagerbüros hat die Ludwig Thalberger Schuhe e. K. verschiedene Büromöbel gekauft. Hierzu liegt folgende Eingangsrechnung vor:

3 Niedermayer Büromöbel GmbH – Nutzweg 62 – 83043 Bad Aibling

Ludwig Thalberger e.K. Rudolf-Diesel-Str. 12 84030 Landshut

Rechnung Kundennummer

Rechnungsnummer

Rechnungsdatum

Auftragsnummer

Bestellnummer

240367

NM 84/20XX

12.04.20XX

NM84/20XX

3032

Menge Bezeichnung

Einzelpreis

4

Bürodrehstuhl „Aktiv Plus“

10

Aktenschrank „Aktiv Plus“ 200 × 100 × 50

2

Schreibtisch „Aktiv Plus“

Gesamtpreis

130,00 €

520,00 €

80,00 €

800,00 €

240,00 €

480,00 €

Rechnungsbetrag netto + 19 % Umsatzsteuer

1.800,00 € 342,00 €

Rechnungsbetrag brutto

2.142,00 €

Zahlungsbedingung: Innerhalb 30 Tagen rein netto. Bankverbindung: Volksbank Bad Aibling, Konto-Nr. 88 77 66, Bankleitzahl: 711 900 00

Im Rechnungsbetrag ist bereits die Umsatzsteuer in Höhe von 342,00 € enthalten, die die Niedermayer Büromöbel GmbH an ihr Finanzamt abführen muss. Somit kann sie die Ludwig Thalberger Schuhe e. K. als Vorsteuer geltend machen und vom Finanzamt wiederfordern. Der Buchungssatz zur obigen Rechnung lautet: Buchungssatz

Betrag (in EUR)

BGA VORST

1.800,00 an

342,00 VE

2.142,00

113


3

Einführung in die ­Geschäftsbuchführung

Buchung beim Verkauf Betrachtet nun diesen Geschäftsvorfall. Geschäftsvorfall: Die Ludwig Thalberger Schuhe e. K. hat sich einen neuen Verteiler-­ Lkw gekauft. Aus diesem Grund wird der alte Lkw an die Liebermann AG verkauft. Hierzu folgende Ausgangsrechnung:

3 LTS

Ludwig Thalberger Schuhe e.K. – Rudolf-Diesel-Str. 12 – 84030 Landshut

Rechnungsdatum: Auftragsdatum: Kunde:

Liebermann AG Industriepark 86 90451 Nürnberg

Lieferbedingung:

16.04.20XX 12.04.20XX 240299 frei Haus

Rechnung LTS 186-20XX Menge

Art.-Nr.

Artikelbezeichnung

1

Lkw Scania R 310 6 × 2,

Einzelpreis

Gesamtpreis

40.000,00 €

40.000,00 €

Warenwert netto 19 % USt.

40.000,00 € 7.600,00 €

Rechnungsbetrag

47.600,00 €

Zahlungsbedingungen: Zahlung innerhalb von 30 Tagen ohne Abzug.

Die Ludwig Thalberger Schuhe e. K. stellt dem Kunden Liebermann AG den Nettopreis über 40.000,00 € zuzüglich 19 % Umsatzsteuer in Rechnung. Die Umsatzsteuer in Höhe von 7.600,00 € muss die Ludwig Thalberger Schuhe e. K. an das Finanzamt abführen. Der Buchungssatz zur obigen Rechnung lautet: Buchungssatz FO

Betrag (in EUR)

an

47.600,00 FP UST

114

40.000,00 7.600,00


Lernsituation 12: Buchen der Umsatzsteuer

Abschluss der Steuerkonten Jedes Unternehmen muss seine Umsatzsteuerschuld bis zum 10. des Folgemonats an das Finanzamt bezahlen. Betrachtet hierzu folgendes Beispiel. Beispiel: Für die Ludwig Thalberger Schuhe e. K. liegen für den abgelaufenen Monat Mai folgende Informationen vor. • Einkäufe zum Gesamtrechnungsbetrag brutto 595.000,00 €; darin sind 95.000,00 € Vorsteuer enthalten. • Verkäufe zum Gesamtrechnungsbetrag brutto 690.200,00 €; darin sind 110.200,00 € Umsatzsteuer enthalten.

3

Jeder Einkauf war mit einer Zunahme der Vorsteuer verbunden. Dies wurde auf dem aktiven Bestandskonto „Vorsteuer“ im Soll gebucht. Mit jedem Verkauf nahm die Umsatzsteuer zu, sodass beim passiven Bestandskonto „Umsatzsteuer“ im Haben gebucht wurde. Betrachten wir hierzu den Auszug aus dem Hauptbuch: Hauptbuch Soll

Vorsteuer

Einkäufe

Haben

Soll

Umsatzsteuer

95.000,00 €

Verkäufe

Haben 110.200,00 €

Die Ludwig Thalberger Schuhe e. K. wird nun spätestens am 10. Juni zuerst von der Umsatzsteuer, die sie ihren Kunden in Rechnung gestellt hat, die Vorsteuerbeträge, die die Lieferanten in Rechnung gestellt haben, abziehen. Das bedeutet in der Buchführung, dass das Konto Vorsteuer auf dem Konto Umsatzsteuer abschließt. Hauptbuch Soll

Vorsteuer

Einkäufe

95.000,00 € Umsatzsteuer

Haben 95.000,00 €

Soll Vorsteuer

Umsatzsteuer 95.000,00 € Verkäufe

Haben 110.200,00 €

Der Buchungssatz für den Abschluss der Vorsteuer lautet: Buchungssatz UST

Betrag (in EUR)

an

95.000,00 VORST

95.000,00

Abschließend wird die Ludwig Thalberger Schuhe e. K. die so ermittelte Zahllast an das Finanzamt überweisen.

115


3

Einführung in die ­Geschäftsbuchführung

Hauptbuch Soll Einkäufe

Vorsteuer

Haben

95.000,00 € Umsatzsteuer

95.000,00 €

Soll

Umsatzsteuer

Vorsteuer

95.000,00 € Verkäufe

Bank

3

Soll Anfangsbestand

Bank

Haben 110.200,00 €

15.200,00 €

Haben

5.600,00 € Umsatzsteuer

15.200,00 €

Der Buchungssatz für die Überweisung der Zahllast am 10. des Folgemonates lautet (nur für die Monate Januar bis November): Buchungssatz UST

Betrag (in EUR)

an

15.200,00 BK

15.200,00

Der Monat Dezember ist für den Abschluss der Umsatzsteuer insofern ein Sonderfall, weil am 31. Dezember das Schlussbilanzkonto erstellt wird. Für das obige Beispiel würde das bedeuten, dass wir die Zahllast am 31. Dezember auf dem Schlussbilanzkonto abschließen: Hauptbuch Soll Vorsteuer SBK Aktiva Grundstücke und Gebäude

95.000,00 € Verkäufe

Haben 110.200,00 €

15.200,00 € Bilanz der Ludwig Thalberger Schuhe e. K. zum 31.12.20XX 690.000,00 € Eigenkapital

Passiva 359.450,00 €

Lagereinrichtung

26.000,00 € Darlehen

Fuhrpark

85.000,00 € Verbindlichkeiten aus L. L.

53.850,00 €

BGA

49.000,00 € Umsatzsteuer

15.200,00 €

Handelswaren

24.850,00 €

Forderungen aus L. L.

26.745,00 €

Bank

26.100,00 €

Kasse   

116

Umsatzsteuer

500.000,00 €

805,00 € 928.500,00 €   

928.500,00 €


Lernbereich 3: Aufgaben

Der Buchungssatz für den Abschluss der Umsatzsteuer am 31. Dezember (Ende des Geschäftsjahres) lautet:

Buchungssatz UST

Betrag (in EUR)

an

15.200,00 SBK

15.200,00

Die Umsatzsteuer öffnet dann am 2. Januar mit einem Anfangsbestand von 15.200,00 € und wird am 10. Januar durch Banküberweisung an das Finanzamt ausgeglichen.

3 Lernbereich 3: Aufgaben Aufgabe 1 Bestimme die folgenden Positionen des Inventars der Ludwig Thalberger Schuhe e. K.: AV = Anlagevermögen KS = Kurzfristige Schulden UV = Umlaufvermögen LS = Langfristige Schulden – = nichts davon

Musterbeispiel Noch nicht bezahlte Rechnung des Kunden Sportgeschäft Müller, Würzburg ⊲ ­Forderung aus Lieferung und Leistung: UV  1. Lagerhalle im Landshuter Gewerbegebiet  2. Kredit bei der VR Bank Landshut  3. Geschäftswagen mit dem amtlichen Kennzeichen LA-LT 13  4. Guthaben auf dem Geschäftskonto bei der Sparkasse Landshut  5. Büro-Schreibtische „ModernArt“, Farbe schwarz  6. Rechnung vom Lieferanten Outdoor Imports, Hamburg  7. Büro-Drehstühle „ModernArt“, Farbe schwarz  8. Bauplatz in der Rudolf-Diesel-Straße  9. Hypothek auf das Grundstück im Landshuter Gewerbegebiet 10. Stanzmaschine ST 1458 in der Produktionshalle

Aufgabe 2 Erstelle aus den folgenden Positionen der Ludwig Thalberger Schuhe e. K. eine ordnungsgemäße Bilanz. Betriebs- und Geschäftsausstattung Fuhrpark Maschinen Waren Forderungen gegenüber Kunden Kassenbestand Guthaben bei der Sparkasse Guthaben bei der Commerzbank Verbindlichkeiten bei Lieferanten Darlehen bei der Sparkasse Verbindlichkeiten aus Steuern

46.000,00 € 67.000,00 € 245.000,00 € 116.000,00 € 26.000,00 € 3.500,00 € 29.500,00 € 22.000,00 € 35.000,00 € 200.000,00 € 10.000,00 € 117


3

Einführung in die ­Geschäftsbuchführung

Aufgabe 3 Bilde zu den folgenden Geschäftsvorfällen in der Ludwig Thalberger Schuhe e. K. den Buchungssatz, indem du dir zuerst immer die vier Fragen stellst.

Musterbeispiel

3

Ein Kunde der überweist eine ausstehende Rechnung über 2.500,00 €. 1. Welche Konten sind betroffen? Bank

Forderungen 2. Um welche Kontenart handelt es sich?

Aktiv

Aktiv 3. Wie verändern sich die Konten?

Zunahme

Abnahme

4. Auf welcher Kontenseite wird gebucht? Soll Buchungssatz Bank

Haben Betrag (in EUR)

an

2.500,00 Forderungen

2.500,00

 1. Bareinzahlung auf unser Bankkonto in Höhe von 5.800,00 €  2. Erhalt einer Rechnung für gelieferte Schreibtische über 3.250,00 €  3. Verkauf eines alten Druckers im Wert von 250,00 € auf Ziel  4. Umwandlung einer Lieferantenschuld über 20.000,00 € in eine Darlehensschuld  5. Erstellen einer Lagerhalle und zahlen per Banküberweisung 135.000,00 €  6. Kauf eines Pkw im Wert von 22.000,00 € auf Ziel  7. Verkauf einer alten Schreibmaschine im Wert von 180,00 € in bar  8. Verkauf eines alten Regals im Wert von 467,00 € auf Ziel  9. Erhalt eines Darlehen von der „Hausbank“ über 68.000,00 € 10. Zielkauf eines neuen Faxgerätes im Wert von 1.750,00 € 11. Kunde überweist eine ausstehende Rechnung über 2.700,00 € 12. Darlehenstilgung durch Banküberweisung; 22.000,00 € 13. Bareinzahlung von 1.200,00 € auf das Bankkonto 14. Erhalt einer Rechnung für gelieferte Bürostühle im Wert von 10.000,00 €. 15. Verkauf des gebrauchten Firmen-Pkw im Wert von 25.000,00 € auf Ziel 16. Barzahlung eines neuen Druckers im Wert von 600,00 € 17. Grundstückskauf gegen Darlehen; Wert 750.000,00 € 18. Überweisung einer Lieferantenrechnung über 3.800,00 € 19. Verkauf eines alten Aktenschranks im Wert von 1.000,00 € gegen bar 20. Kauf einer Maschine im Wert von 25.000,00 € auf Rechnung 21. Verkauf eines alten Schreibtisches im Wert von 400,00 € gegen bar 22. Banküberweisung eines Kunden zum Rechnungsausgleich 4.500,00 € 118


Lernbereich 3: Aufgaben

23. Bareinzahlung auf das Geschäftsbankkonto in Höhe von 3.600,00 € 24. Umwandlung einer Lieferantenschuld in Höhe von 6.250,00 € in ein Darlehen 25. Banküberweisung einer Hypothekenschuld in Höhe von 30.000,00 € 26. Verkauf einer gebrauchten Schreibmaschine im Wert von 390,00 € gegen Barzahlung 27. Zum Ausgleich einer Rechnung überweist der Kunde 4.330,00 € unserem Bankkonto 28. Barzahlung einer Lieferantenrechnung über 340,00 €

3

Aufgabe 4 Bilde zu den folgenden Geschäftsvorfällen der Ludwig Thalberger Schuhe e. K. den zusammengesetzten Buchungssatz, indem du dir zuerst immer die vier Fragen stellst.

Musterbeispiel Ein Kunde zahlt eine Rechnung; 2.000,00 € bar, 5.000,00 € durch Bank. 1. Welche Konten sind betroffen? Kasse

Bank

Forderungen

2. Um welche Kontenart handelt es sich? Aktiv

Aktiv

Aktiv

3. Wie verändern sich die Konten? Zunahme

Zunahme

Abnahme

4. Auf welcher Kontenseite wird gebucht? Soll

Soll

Buchungssatz

Betrag (in EUR)

Kasse Bank

Haben

2.000,00 an

5.000,00 Forderungen

7.000,00

1. Verkauf des alten Firmengrundstücks in der Berliner Straße: der Kunde zahlt 10 % bar an, den restlichen Betrag über 180.000,00 € zahlt er durch Banküberweisung 2. Ein Kunde zahlt eine Rechnung: 2.000,00 € bar, 5.000,00 € durch Bank 3. Verkauf eines Lkw im Wert von 85.500,00 €: 50 % Baranzahlung, Restbetrag auf Rechnung 4. Verkauf einer gebrauchten Maschine: 4.000,00 € gegen bar, 26.000,00 € auf Ziel 5. Kauf eines Lkw im Wert von 50.000,00 €: 15 % werden überwiesen, der Restbetrag geht auf Rechnung 6. Verkauf eines Computers: 10 % zahlt der Kunde bar an, die restlichen 1.800,00 € werden überwiesen

119


3

Einführung in die ­Geschäftsbuchführung

 7. Aufnahme eines Darlehens in Höhe von 250.000,00 €: Es werden 80.000,00 € dem Bankkonto gutgeschrieben; mit dem Restbetrag werden zwei neue Lkw gekauft  8. Verkauf eines gebrauchten Regalsystems im Wert von 5.000,00 €: Der Kunde zahlt die Hälfte bar an, der Restbetrag geht auf Rechnung  9. Verkauf eines Grundstücks im Wert von 120.000,00 €. Anzahlung von einem Drittel durch Banküberweisung; über den Restbetrag wird eine Hypothekenschuld aufgenommmen 10. Ein Kunde begleicht eine Rechnung. Er zahlt 30 % bar an, die restlichen 4.200,00 € durch Banküberweisung 11. Kauf eines Lkw im Wert von 55.000,00 € und einer Maschine im Wert von 230.000,00 €. 40.000,00 € werden durch Banküberweisung bezahlt, der Restbetrag geht auf Rechnung 12. Rückzahlung einer Lieferantenrechnung: 4.300,00 € bar und 5.200,00 € durch Banküberweisung 13. Kauf eines Geschäftswagens im Wert von 33.000,00 € und eines Lkw im Wert von 84.000,00 €: 10 % werden bar angezahlt, der Restbetrag geht auf Rechnung

3

Aufgabe 5 Bilde die entsprechenden Geschäftsvorfälle a) und b) anhand der Eintragungen auf dem jeweiligen Konto. a)

Soll

Kasse

Anfangsbestand

2.400,00 € (1) Verbindlichkeiten

(2) Forderungen b)

Haben

Soll (1) Bank

525,00 € (3) Bank

1.000,00 €

Verbindlichkeiten

Haben

1.250,00 € Anfangsbestand

(2) Darlehen

650,00 €

5.000,00 € (3) BGA

32.000,00 € 850,00 €

Musterbeispiel Zum Geschäftsvorfall a) Nr. (1) auf dem Konto Kasse Buchungssatz Verbindlichkeiten

Betrag (in EUR) an

650,00 Kasse

650,00

Geschäftsvorfall (1):  Eine Eingangsrechnung in Höhe von 650,00 € wird in bar bezahlt.

120


Lernbereich 3: Aufgaben

Aufgabe 6 Berechne die fehlenden Beträge (Tipp: Nutze zur Lösung den Dreisatz).  1. Warenwert netto 19 % Umsatzsteuer  2. Warenwert netto Warenwert brutto  3. Warenwert brutto 19 % Umsatzsteuer  4. Warenwert brutto 19 % Umsatzsteuer  5. Warenwert brutto Warenwert netto  6. Warenwert brutto Warenwert netto  7. 19 % Umsatzsteuer Warenwert netto  8. 19 % Umsatzsteuer Warenwert netto  9. 19 % Umsatzsteuer Warenwert brutto 10. 19 % Umsatzsteuer Warenwert brutto

3.500,00 € ? 6.400,00 € ? 3.332,00 € ? 6.426,00 € ? 3.808,00 € ? 2.261,00 € ? 266,00 € ? 427,50 € ? 1.187,50 € ? 931,00 € ?

3

Aufgabe 7 Berechne den Einstandspreis, die Umsatzsteuer und den Rechnungsbetrag. 1. Ein fabrikneuer Pkw wird dem Autohändler Schrott e. K. zu folgenden Bedingungen angeboten: Listenpreis 25.000,00 €, 10 % Lieferantenrabatt, 2 % Lieferanten­ skonto. Hinzu kommen Bezugskosten in Höhe von 155,00 €. 2. Der Kohlenhändler Georg Grandler beabsichtigt, 2 Tonnen Kohle zu kaufen. Ihm liegen zwei Angebote vor: Angebot

Lieferer Schwarz

Lieferer Pech

Einkaufspreis

2,00 € je kg

1.950,00 € je Tonne

Rabatt

15 %

13 %

Skonto

2 %

2 %

Bezugskosten

0,35 € je kg

350,00 € je Tonne

3. Das Uhrenfachgeschäft Gustav Glocke bezieht 120 Uhren aus der Schweiz. Diese sind in Kartons zu je 5 Stück verpackt. Der Listeneinkaufspreis beträgt 275,00 € pro Stück. An Verpackungskosten fallen 0,20 € pro Stück, an Fracht 9,00 € pro Karton und an Zoll pauschal 61,00 € an. Der Lieferer gewährt 16 ​​ _23 ​​  % Rabatt und 3 % Skonto.

121


3

Einführung in die ­Geschäftsbuchführung

4. Dem Sportgeschäft Fit & Fesch OHG werden Fußbälle zu einem Preis von 50,00 € je Ball angeboten. Die Fußbälle sind in Kartons zu je 5 Bällen verpackt. Bei einer Abnahme von weniger als 25 Fußbällen gewährt der Lieferant keinen Rabatt, nur Skonto in Höhe von 2 %. An Fracht fallen pauschal 50,00 € an. Bei einer Abnahme von mehr als 25 Fußbällen gewährt der Lieferant 10 % Mengenrabatt und 2 % Skonto. Für Fracht berechnet er 10,00 € je Karton. Das Sportgeschäft Fit & Fesch bestellt 30 Fußbälle.

3

Aufgabe 8 Bilde für das Sportgeschäft Hansen GmbH die entsprechenden Buchungssätze.  1. Verkauf des alten Firmen-Pkw durch Banküberweisung Warenwert netto 25.000,00 € + 19 % USt. 4.750,00 € Rechnungsbetrag 29.750,00 €  2. Erhalt einer Eingangsrechnung von der Firma Opson AG für gelieferte Drucker Warenwert netto 4.000,00 € + 19 % USt. ? Rechnungsbetrag ?  3. Kauf von Monitoren von der Firma Makrosoft AG auf Ziel Warenwert netto ? + 19 % USt. 5.700,00 € Rechnungsbetrag ?  4. Verkauf von PCs an den Fachmarkt Heinemann auf Rechnung Warenwert netto ? + 19 % USt. ? Rechnungsbetrag 5.950,00 €  5. Bezahlung der Rechnung aus Teilaufgabe 2. durch Banküberweisung  6. Barkauf neuer Schreibtische Warenwert netto + 19 % USt. 114,00 € Rechnungsbetrag  7. Umwandlung der Rechnung aus Teilaufgabe 3. in ein Darlehen  8. Verkauf von Aktenschränken an den DV Fachmarkt Müller gegen Banküber­ weisung Warenwert netto 6.350,00 € + 19 % USt. Rechnungsbetrag ?  9. Zielkauf eines neuen Firmen-Pkw Warenwert netto ? + 19 % USt. Rechnungsbetrag 33.320,00 € 10. Verkauf eines gebrauchten Regals gegen bar Warenwert netto ? + 19 % USt. 28,50 € Rechnungsbetrag ? 11. Verkauf von Computersoftware von der Firma Larsen AG auf Ziel Warenwert netto ? + 19 % USt. ? Rechnungsbetrag 2.975,00 € 122


Lernbereich 3: Aufgaben

12. Der Fachmarkt Heinemann (Teilaufgabe 4.) bezahlt die Rechnung durch Bank­ überweisung 13. Zielkauf eines neuen Ausliefer-Lkw Warenwert netto 48.500,00 € + 19 % USt. Rechnungsbetrag

Aufgabe 9

3

Bilde für das Möbelgeschäft Freiersinger e. K. die entsprechenden Buchungssätze. 1. Erhalt einer Rechnung für gelieferte Aktenschränke im Warenwert netto 420,00 € 2. Verkauf eines Kleintransporters für das Geschäft im Warenwert netto 35.000,00 € auf Ziel 3. Barkauf von Briefmarken im Wert von 60,00 € 4. Barzahlung einer Lieferung Aktenordner im Warenwert brutto 35,70 € 5. Banküberweisung für Geschäftsausstattung in Höhe von netto 2.480,00 € 6. Verkauf einer Verpackungsmaschine im Warenwert brutto 29.750,00 € auf Ziel 7. Verkauf eines alten Verteiler-Lkw im Warenwert netto 12.000,00 € auf Ziel

Aufgabe 10 Zum Monatsende Februar 20XX liegen dem Sportgeschäft Jansen GmbH folgende Informationen vor: a) gesamte Verkäufe im Warenwert brutto 35.700,00 € b) gesamte Einkäufe im Warenwert brutto 29.750,00 € 1. Berechne die Vorsteuer und die Umsatzsteuer. 2. Übertrage dein Ergebnis auf die beiden Steuerkonten Vorsteuer und Umsatzsteuer. 3. Schließe die beiden Steuerkonten ab und bilde jeweils die Abschlussbuchungssätze.

Aufgabe 11 Der Geschäftsleitung der Großhandlung Huber GmbH liegen für den Monat November 20XX folgende Daten vor: a) Einkäufe brutto lt. Eingangsrechnungen im lfd. Geschäftsjahr 892.500,00 € b) Verkäufe brutto lt. Ausgangsrechnungen im lfd. Geschäftsjahr 987.700,00 € 1. Berechne die Vorsteuer und die Umsatzsteuer. 2. Übertrage dein Ergebnis auf die beiden Steuerkonten Vorsteuer und Umsatzsteuer. 3. Schließe die beiden Steuerkonten ab und bilde jeweils die Abschlussbuchungssätze.

123


3

Einführung in die ­Geschäftsbuchführung

Aufgabe 12 Betrachte folgenden Auszug aus dem Hauptbuch der Großhandlung Seifert GmbH für den Monat November: Hauptbuch Soll

3

Vorsteuer

Haben

Soll

Umsatzsteuer

Haben

(4) VE

475,00 €

(5) FO

855,00 €

(8) BK

684,00 €

(7) BK

323,00 €

(10) VE

883,50 €

(9) KA

85,50 €

(15) KA

95,00 €

(12) FO

2.280,00 €

(16) BK

646,00 €

(13) BK

513,00 €

(14) BK

152,00 €

Schließe die beiden Steuerkonten ab und bilde die jeweiligen Abschlussbuchungs­ sätze.

124


Buchhalterische Erfassung des betrieblichen Produktionsprozesses

Die Schülerinnen und Schüler … • stellen ausgehend von einem Unternehmen den betrieblichen Produktionsprozess in einem Modell dar und ermitteln am konkreten Beispiel aus der Gegenüberstellung von Aufwendungen und Erträgen den Periodenerfolg. • treffen Beschaffungsentscheidungen, indem sie bei verschiedenen Werkstoffangeboten den günstigsten Preis ermitteln. Bei dieser Entscheidung berücksichtigen sie auch nichtmonetäre Faktoren (z. B. Qualität, Lieferzeit). • erfassen Einkaufsvorgänge für Werkstoffe buchhalterisch. Die dafür relevanten Informationen (z. B. Warenwert, Werkstoffart) entnehmen sie Belegen oder Geschäftsvorfällen. • bilden ausgehend von Belegen die Buchungssätze für bestandsverändernde Geschäftsvorfälle und erfassen sie in Konten. Dabei berücksichtigen die Schülerinnen und Schüler die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung. • vervollständigen Verkaufsbelege für Fertigerzeugnisse auf der Grundlage von Vordrucken. Sie erfassen den Verkauf von Fertigerzeugnissen buchhalterisch. Die dafür relevanten Informationen (z. B. Warenwert, Menge) entnehmen sie Belegen oder Geschäftsvorfällen.

4


4

Buchhalterische Erfassung des betrieblichen Produktionsprozesses

Lernsituation 13: Buchung erfolgswirksamer Geschäftsvorfälle Den Buchungssatz hat Jennifer jetzt schon gut begriffen. Fleißig trägt sie die einzelnen Belege zuerst in das Hauptbuch und anschließend in das Grundbuch ein.

4

Doch bei nachfolgendem Beleg wird sie stutzig, passt er doch nicht so ganz in ihr bisher gewohntes Ablaufschema: €

Netto

€ +

% MwSt.

Gesamt

Gesamtbetrag € in Worten

420, 00 ct

Quittung

ct

420, 00

Nr.

ct

77

vierhundert und zwanzig

(Im Gesamtbetrag sind

Cent wie oben

% Umsatzsteuer enthalten)

von

Ludwig Thalberger Schuhe e.K.

für

Aushilfslohn Monat Januar 20XX

richtig erhalten zu haben, bestätigt Ort

Landshut

Buchungsvermerke

Datum

01.02.20XX

Stempel/Unterschrift des Empfängers

Michael Marinoff Jennifer: Herr Marinoff, also bisher war ja immer alles klar. Aber bei dieser Quittung weiß ich nicht ganz so recht. Dass die Kasse abnimmt, o. k., ist klar. Aber was mache ich mit dem Aushilfslohn? Der passt eigentlich zu keinem Bestandskonto, das ich kenne. Wenn überhaupt, wirkt sich das allerhöchstens auf den Gewinn aus.

126

Herr Marinoff:

Richtig. Und welches Bestandskonto ist dann betroffen?

Jennifer:

Hmmm… das Eigenkapital vielleicht?

Herr Marinoff:

Richtig, und damit hast du das Problem fast schon gelöst.


Lernsituation 13: Buchung erfolgswirksamer Geschäftsvorfälle

Handlungsaufträge 1. Macht euch mit der Situation vertraut, indem ihr euch zunächst orientiert. Betrachtet hierzu die erhaltenen Unterlagen und stellt sicher, dass euch klar ist, was eure Aufgabe ist. ­Informiert euch über das Konto Eigenkapital und seine Unterkonten, die Erfolgskonten. Erkennt den Unterschied der Erfolgskonten zu den Bestandskonten. (Orientierung und Information) 2. Plant euer weiteres Vorgehen, indem ihr euch Gedanken macht, was in dieser konkreten Situation zu tun ist, und notiert diese stichpunktartig. (Planung) 3. Bucht den Beleg auf T-Konten. Entwickelt Buchungsregeln für die Buchung auf die Erfolgskonten. Wendet dabei das Grundprinzip der doppelten Buchführung an und bucht mithilfe von Buchungssätzen. (Durchführung)

4

4. Bewertet euer Ergebnis im Klassenplenum. Nehmt Kritikpunkte auf zur Vollständigkeit und inhaltlichen Richtigkeit, ergänzt eure Ausführungen gegebenenfalls und korrigiert Fehler. (Bewertung) 5. Reflektiert kritisch mögliche Fehlerquellen im Buchungsprozess und überprüft eure Arbeitsweise. Seid bereit, euer Arbeitsergebnis zu verantworten und aus Fehlern zu lernen. Erkennt, dass ihr bei der Kontierung von Buchungsbelegen besonders gewissenhaft arbeiten müsst. Ebenso reflektiert euer Verhalten in der Arbeitsgruppe und überlegt, wie ihr Verhaltensweisen verbessern könnt. (­Reflexion)

Ergänzender Handlungsauftrag für die Lernbereiche 3–6 „LERNKARTEI“ 1. Führt eure Lernkartei fort. 2. Schreibt nun folgende Begriffe auf die Kopfzeile eines DIN-A6-Kärtchens: Eigenkapital und seine Unterkonten, Erfolgskonten, Aufwandskonten, ­Ertragskonten usw. 3. Sortiert die Begriffskärtchen nach den Kriterien weiß ich oder weiß ich nicht. 4. Bildet Kleingruppen und erklärt euch gegenseitig die Weiß-ich-nicht-Kärtchen. Schlagt dabei die ungeklärten Begriffe im Schulbuch nach. 5. Schreibt die Begriffserklärungen auf die Rückseite des entsprechenden Kärtchens und ordnet diese unter der Leitkarte Buchführung alphabetisch in euren Lern­ kartei-Behälter ein.

127


4

Buchhalterische Erfassung des betrieblichen Produktionsprozesses

Aufwands- und Ertragskonten Informationen zur Lernsituation 13

Bisher haben die Geschäftsvorfälle nur die Bestände der Vermögens- und Schuldenpositionen verändert. Das Eigenkapital des Unternehmens blieb davon unberührt; d. h. diese Geschäftsvorfälle hatten keinen Einfluss auf den Erfolg (Gewinn oder Verlust) des Unternehmens. Der Erfolg verändert das Eigenkapital: Erfolg des Unternehmens

4

Positiver Erfolg

Negativer Erfolg

Gewinn

Verlust

Eigenkapitalmehrung

Eigenkapitalminderung

Bei diesen erfolgswirksamen Geschäftsvorfällen führt die Veränderung einer Vermögens- oder Schuldenposition nicht dazu, dass der entsprechende Gegenwert eine Vermögens- oder Schuldenposition verändert. Zur Verdeutlichung folgende Beispiele: Geschäftsvorfall 1: Die Ludwig Thalberger Schuhe e. K. kauft einen neuen GeschäftsPkw im Wert von netto 25.000,00 € durch Banküberweisung. Dieser Geschäftsvorfall bewirkt eine Zunahme der Aktivkonten Fuhrpark und Vorsteuer und eine Abnahme des Aktivkontos Bank.

erfolgsneutral

Dieser Geschäftsvorfall ist erfolgsneutral. Es werden Werte (Geld) verbraucht, der unmittelbar entsprechende Gegenwert fließt aber in Form einer Mehrung der Vermögens­ position Fuhrpark zu. Geschäftsvorfall 2: Die Ludwig Thalberger Schuhe e. K. bezahlt die Miete für eine Lagerhalle in Höhe von 2.300,00 € durch Banküberweisung. Dieser Geschäftsvorfall bewirkt eine Abnahme des Aktivkontos Bank; die Miete für die Lagerhalle bewirkt keine Veränderung einer Vermögens- oder Schuldenposition.

erfolgswirksam

Dieser Geschäftsvorfall ist erfolgswirksam. Es werden Werte (Geld) verbraucht, ohne dass der unmittelbar entsprechende Gegenwert in Form einer Vermögensmehrung oder Schuldenminderung zufließt. Dieser Werteverbrauch vermindert das Eigenkapital. Wir bezeichnen jeden Werteverbrauch an Gütern und Dienstleistungen als Aufwand. Als Aufwand zählen z. B.: • Aufwand beim Einkauf von Werkstoffen und Handelswaren • Löhne und Gehälter der Mitarbeiter • Aufwand für Zinsen • Aufwand für Miete • Aufwand für Reparaturen • Aufwand für Werbung • Aufwand für betriebliche Steuern

128


Lernsituation 13: Buchung erfolgswirksamer Geschäftsvorfälle

Geschäftsvorfall 3: Die Ludwig Thalberger Schuhe e. K. hat Geld bei der Hausbank angelegt und erhält dafür Zinsen in Höhe von 150,00 € auf dem Bankkonto gutgeschrieben. Dieser Geschäftsvorfall bewirkt eine Zunahme des Aktivkontos Bank; die Zinsen bewirken keine Veränderung einer Vermögens- oder Schuldenposition. Dieser Geschäftsvorfall ist erfolgswirksam. Es fließen Werte (Geld) zu, ohne dass der unmittelbar entsprechende Gegenwert in Form einer Vermögensminderung oder Schuldenmehrung abfließt. Dieser Wertezufluss vermehrt das Eigenkapital. Wir bezeichnen jeden Wertezufluss an Gütern und Dienstleistungen als Ertrag.

erfolgswirksam

Als Ertrag zählen z. B.:

4

• Ertrag aus dem Verkauf von Fertigerzeugnissen und Handelswaren • Ertrag aus Vermietung und Verpachtung • Ertrag aus Zinsen • Ertrag aus Provisionen  Merke Erträge führen zu einer Zunahme, Aufwendungen zu einer Abnahme des Eigenkapitals. Soll Aufwendungen (= Abnahme)

Eigenkapital Anfangsbestand

Haben 356.800,00 €

Erträge (= Zunahme)

Sind am Ende eines Geschäftsjahres die Erträge größer als die Aufwendungen, so nimmt das Eigenkapital zu. Das Unternehmen hat einen Gewinn gemacht. Übertreffen die Aufwendungen die Erträge, so nimmt das Eigenkapital ab und das Unternehmen hat Verlust gemacht. Da in der betrieblichen Praxis sehr viele Geschäftsvorfälle erfolgswirksam sind, wird das Konto Eigenkapital mit der Zeit unübersichtlich. Darüber hinaus kann nicht mehr klar nachvollzogen werden, was genau die Veränderung verursacht hat. Aus diesem Grund werden Unterkonten des Kontos Eigenkapital eingeführt, die Erfolgskonten. Die Erfolgskonten werden je nach ihrer Wirkung auf das Eigenkapital in Aufwandskonten und Ertragskonten unterschieden.

129


4

Buchhalterische Erfassung des betrieblichen Produktionsprozesses

Soll

Eigenkapital

Aufwendungen (= Abnahme)

Haben

Anfangsbestand

356.800,00 €

Erträge (= Zunahme) Soll

Mietaufwand

Haben

Soll

Mietertrag

Aufwand

Soll

4

Ertrag

Löhne/Gehälter

Haben

Soll

Provisionsertrag

Aufwand

Soll

Haben

Haben

Ertrag

Zinsaufwand

Haben

Soll

Zinsertrag

Aufwand

Ertrag

Aufwand

Ertrag

Haben

Im Unterschied zu den Bestandskonten haben die Erfolgskonten keine Anfangsbestände. Aufwendungen und Erträge fallen immer nur dann an, wenn der erfolgswirksame Geschäftsvorfall stattfindet. Er lässt sich nicht auf einen späteren Zeitpunkt (­Bestand im neuen Geschäftsjahr) übertragen. Erfolgskonten sind Unterkonten des Eigenkapitals. Aus diesem Grund werden sie in der Buchhaltung genauso behandelt: Aufwendungen (Abnahme des Eigenkapitals) werden im Soll gebucht, Erträge im Haben (Zunahme des Eigenkapitals). Betrachtet dazu noch einmal die beiden erfolgswirksamen Geschäftsvorfälle von oben: Geschäftsvorfall 4: Die Ludwig Thalberger Schuhe e. K. bezahlt die Miete für eine ­Lagerhalle in Höhe von 2.300,00 € durch Banküberweisung. Soll

Mietaufwand

(2) Bank

2.300,00 €

Buchungssatz Mietaufwand

Betrag (in EUR) an

2.300,00 Bank

130

2.300,00

Haben


Lernsituation 13: Buchung erfolgswirksamer Geschäftsvorfälle

Geschäftsvorfall 5: Die Ludwig Thalberger Schuhe e. K. hat Geld bei der Hausbank angelegt und erhält dafür Zinsen in Höhe von 150,00 € auf dem Bankkonto gut­ geschrieben. Soll

Zinsertrag

Haben

(3) Bank

Buchungssatz Bank

150,00 €

Betrag (in EUR)

an

4

150,00 Zinsertrag

150,00

 Merke Aufwendungen werden im Soll, Erträge im Haben gebucht.

131


4

Buchhalterische Erfassung des betrieblichen Produktionsprozesses

Lernsituation 14: Durchführung eines Angebotsvergleichs Im Rahmen seiner Ausbildung lernt der Auszubildende Paul auch alle Arbeiten und Aufgaben der Abteilung Einkauf kennen. Am Montagmorgen bittet ihn Frau Gerber in ihr Büro.

4

Paul:

Guten Morgen, Frau Gerber.

Susanne Gerber: Guten Morgen, Paul. Und, hast du unseren Damen und Herren im Einkauf schon etwas über die Schultern schauen können? Paul:

Ja, klar! Vom Einholen eines Angebots über die Bestellung bis zur Prüfung der Eingangsrechnung. Und das passt im Moment total gut zu dem, was wir in der Berufsschule machen.

Susanne Gerber: Das höre ich gerne. Paul:

Ja, ist echt klasse, dass man die Theorie aus der Schule sozusagen zeitgleich in der Praxis anwenden kann.

Susanne Gerber: Freut mich zu hören. Aber es hat einen Grund, dass ich dich zu mir gebeten habe. Du weißt ja, dass wir beschlossen haben, einen neuen Wanderschuh in unser Sortiment aufzunehmen. Aus diesem Grund haben wir vor einiger Zeit schon etliche Lieferanten angefragt, uns Angebote für Rindsleder zukommen zu lassen. Von den Angeboten sind drei recht interessante dabei. Wir haben natürlich auch schon unsere Kunden angeschrieben und die Rückmeldungen sind echt super. Viele Kunden haben bereits Bestellungen geschickt. Die ersten Auslieferungen sollen schon in zwei Wochen erfolgen. Paul:

Und wie kann ich Ihnen jetzt helfen?

Susanne Gerber: Tja, und jetzt haben wir ein Problem. Ausgerechnet heute meldet sich Frau Kobe mit einer schweren Erkältung für die nächsten Tage krank. Sie hatte wohl noch nicht die Zeit, die Angebote etwas genauer anzuschauen. Paul:

Okay, Frau Gerber, kein Problem, das mache ich doch gerne.

Susanne Gerber: Genau diese Antwort habe ich von dir erwartet. Die Unterlagen liegen auf dem Schreibtisch von Frau Kobe. Also, auf an die Arbeit; wir benötigen erst einmal 1500 m² Rindsleder. Bereite alles soweit vor, dass ich nur noch die fertige Bestellung unterschreiben muss. Paul: 132

Geht klar, Frau Gerber.


Lernsituation 14: Durchführung eines Angebotsvergleichs

Arbeitsmaterial M1

Hansen & Lenz Import GmbH – Industriestraße 55 – 22442 Hamburg

Ludwig Thalberger Schuhe e. K. Rudolf-Diesel-Str. 12 84030 Landshut

4

Kunden-Nr. 240013

Datum 18.02.20XX

Angebot Sehr geehrte Frau Gerber, vielen Dank für Ihre Anfrage. Hiermit übersenden wir Ihnen folgendes Angebot: Büffelleder, Farbe braun, Stärke 2,00 mm

netto 21,90 € je m²

Eine genaue Beschreibung entnehmen Sie bitte unserem Katalog. Unsere Lieferungs- und Zahlungsbedingungen liegen Ihnen vor. Wir hoffen, dass unser Angebot Ihren Vorstellungen entspricht, und freuen uns auf Ihre Bestellungen. Mit freundlichen Grüßen

i.V. Petra Lorz Verkauf

Bankverbindung: Hamburger Sparkassen, BIC: HASPDEHHXXX, IBAN: DE 7720 0505 5000 8639 3345

133


4

Buchhalterische Erfassung des betrieblichen Produktionsprozesses

M2

Leder Bosch GmbH, Industriepark 8, 83024 Rosenheim

Ludwig Thalberger Schuhe e. K. Rudolf-Diesel-Str. 12 84030 Landshut

4 Kunden-Nr. 240021

Datum 17.02.20XX

Angebot Sehr geehrte Frau Gerber, vielen Dank für das Interesse an unseren Produkten. Hiermit übersenden wir Ihnen folgendes Angebot: Art.-Nr. 6145

Büffelleder Farbe braun, Stärke 2,0 mm

56,45 € netto je 2,5 m²

Die Ware ist auf Paletten zu je 50 m² verpackt. Wir berechnen Ihnen 21,00 € netto je Palette Leihgebühr. Sollten Sie insgesamt mehr als 100 m² bestellen, erhalten Sie einen Rabatt von 10 %, bei mehr als 150 m² sogar 15 %. Bei Zahlung innerhalb 10 Tagen erhalten Sie 3 % Skonto, 30 Tage ohne Skonto. Wir hoffen, dass unser Angebot Ihren Vorstellungen entspricht, und freuen uns auf Ihre Bestellungen. Mit freundlichen Grüßen

ppa. Paul Bosch Geschäftsführer

Bankverbindung: Sparkasse Rosenheim – Bad Aibling, BIC: BYLADEM1ROS, IBAN: DE 11 7115 0000 0009 7763 45

134


Lernsituation 14: Durchführung eines Angebotsvergleichs

M3

Auszug aus der Lieferantenkartei Lieferant

Lieferantennummer

Adresse

Industriestr. 55, 22442 Hamburg

Leder

Hansen & Lenz Import GmbH 440027

Sortiment

Bemerkungen: Die Qualität der Produkte ist sehr hoch (Einstufung: 5 Punkte). Die Lieferungen sind meistens fehlerfrei (98 %). Die Lieferzuverlässigkeit ist allerdings ein Schwachpunkt. So wurden Liefertermine mehrmals nicht eingehalten. Auch die Beratung ist nicht voll zufriedenstellend. Die direkte Ansprechpartnerin ist telefonisch nie zu erreichen; Anfragen per E-Mail werden oft erst nach mehrmaligen Mahnungen beantwortet. Die Abwicklung bei Leistungsstörungen erfolgt allerdings schnell und reibungslos.

4

Lieferungs- und Zahlungsbedingungen • Lieferungen ab Bestellwert über 5.000,00 € „frei Haus“ • Rabattstaffel: ab Warenwert 5.000,00 €  5 %, ab 7.500,00 €  10 %, ab 10.000,00 €  20 % • Zahlungsziel 40 Tage, bei Zahlung innerhalb von 10 Tagen 2 % Skonto • Lieferzeit 10 Werktage nach Bestellung …

Leder Bosch GmbH

440056

Industriepark 8, 83024 Rosenheim

Leder

Bemerkungen: Die Qualität bei der Leder Bosch GmbH beträgt 4 Punkte. Rechnungen waren teilweise unvollständig oder fehlerhaft (Preise zu hoch berechnet bzw. falscher Rabatt). Aufgrund der Abhängigkeit von Lieferanten aus dem Ausland erfolgten bereits mehrere Male nur Teillieferungen. Die Nachlieferungen kamen aber zum zugesagten Termin. Beratung und Service sind einwandfrei. Die von der Leder Bosch GmbH zugesagten Liefertermine werden immer pünktlich eingehalten. Die Abwicklung bei Leistungsstörungen ist noch verbesserungsfähig. Lieferungs- und Zahlungsbedingungen • werden individuell bei jedem Angebot extra ausgewiesen • Lieferzeit spätestens 4 Wochen nach Bestellung

Handlungsaufträge 1. Macht euch mit der Situation vertraut, indem ihr euch zunächst orientiert. Betrachtet die Informationen zum Thema Angebotsinhalt und Angebotsvergleich. Stellt sicher, dass euch eure Aufgabe klar ist. (­Orientierung und Information) 2. Plant euer weiteres Vorgehen, indem ihr euch Gedanken macht, was in dieser konkreten Situation zu tun ist, und notiert diese stichpunktartig. (Planung) 3. Führt einen quantitativen und qualitativen Angebotsvergleich durch (nutzt dabei zur Unterstützung eine Entscheidungstabelle). (Durchführung) 4. Präsentiert eure Ergebnisse im Klassenplenum und diskutiert über diese bzw. nehmt Verbesserungen vor. (Bewertung) 5. Reflektiert euer Verhalten hinsichtlich Sorgfalt, Vertraulichkeit und Objektivität und überlegt, wie ihr eure Vorgehensweisen verbessern könntet. (Reflexion)

135


4

Buchhalterische Erfassung des betrieblichen Produktionsprozesses

Das Angebot Informationen zur Lernsituation 14

Mit einer Anfrage, die an keine Form gebunden und rechtlich unverbindlich ist, soll eine Geschäftsbeziehung zu einem neuen Lieferanten angebahnt oder zu einem bekannten Lieferanten erneuert bzw. vertieft werden. Die Anfrage kann sich als allgemeine Anfrage auf das gesamte Leistungsangebot eines Lieferanten oder als spezielle Anfrage auf einen ganz bestimmten Artikel des Lieferanten beziehen. Ziel der Anfrage ist die Einholung eines Angebotes.

Der Angebotsinhalt Es ist für einen Lieferanten (Verkäufer) immer vorteilhaft, wenn er alle Einzelheiten im Angebot so ausführlich und unmissverständlich festlegt, dass für den Kunden (Käufer) keine Fragen mehr offenbleiben.

4

Ein vollständiges Angebot sollte daher diese Angaben enthalten: (1) Menge und Preis inkl. Preisnachlässe (2) Art, Güte und Beschaffenheit (3) Zahlungsbedingungen (4) Versandkosten (5) Verpackungskosten (6) Lieferbedingungen (7) Erfüllungsort   Nice to know  Bei unklaren oder fehlenden Angebotsbedingungen greift die entsprechende Regelung Ein zweiseitiger Handelskauf geht immer von zwei beteiligten Kaufleuten aus.

des Handelsgesetzbuchs (HGB), wenn der Kunde für sein Unternehmen einkauft (zweiseitiger Handelskauf). (1) Menge und Preis inkl. Preisnachlässe Der Preis ist der in Geld ausgedrückte Wert einer Leistung. Er kann sich auf gesetzliche Maßeinheiten oder handelsübliche Mengeneinheiten beziehen.

Stück

Kilogramm

Paletten

Meter

Liter

136


Lernsituation 14: Durchführung eines Angebotsvergleichs

In der betrieblichen Praxis sind noch folgende zwei Sonderfälle anzutreffen: • Mindestbestellmenge: Der Anbieter liefert erst ab einer größeren Menge. • Höchstbestellmenge: Der Anbieter beschränkt die Abgabemenge. Den Preis für eine Mengeneinheit bezeichnet man nun als Listenpreis. Es ist der Preis, der auf Werbeprospekten und Katalogen zu finden ist. Kaufleute bieten grundsätzlich Nettopreise (Listenpreis ohne Umsatzsteuer) an. Zusätzlich werden in der Praxis aus den verschiedensten Gründen Preisnachlässe gegeben: Rabatt (= sofortiger Abzug vom Listenpreis) Mengenrabatt

Preisnachlass für die Abnahme großer Mengen (z. B. „Ab 100 Stück erhalten Sie 10 % Rabatt!“)

Wiederverkäuferrabatt

Preisnachlass richtet sich meist an Einzelhändler für den Weiterverkauf von Waren

Treuerabatt

Preisnachlass für Stammkunden (z. B. „Als langjähriger Kunde erhalten Sie 10 % Rabatt.“)

Personalrabatt

Preisnachlass für Mitarbeiter des Unternehmens (z. B. „Unsere Mitarbeiter erhalten 20 % Rabatt.“)

Sonderrabatt

Preisnachlass zu besonderen Anlässen (z. B. Jubiläum, Aktionen)

Naturalrabatt

Preisnachlass, der in Form von Waren gewährt wird; als Draufgabe (Kunde erhält „eins“ zusätzlich) oder als Dreingabe (Kunde zahlt „eins“ weniger)

Einführungsrabatt

Preisnachlass in der Einführungsphase eines neuen Produktes

4

Gutschrift (= nachträglicher Preisnachlass) Bonus

Preisnachlass, der beim Erreichen einer bestimmten Umsatzzahl gutgeschrieben wird (z. B. „Sie erhalten 1 % Bonus auf alle Ihre Umsätze pro Jahr.“)

Gutschrift

Preisnachlass aufgrund einer Mängelrüge

Skonto

Preisnachlass bei der Bezahlung innerhalb einer bestimmten Frist (z. B. „Sie erhalten bei Zahlung innerhalb von 14 Tagen 2 % Skonto.“)

137


4

Buchhalterische Erfassung des betrieblichen Produktionsprozesses

(2) Art, Güte und Beschaffenheit Um die Art und Qualität einer Ware oder Dienstleistung näher zu beschreiben, gibt es in der Praxis bestimmte Klassifizierungen, die es dem Kunden ermöglichen, die Angebote besser miteinander zu vergleichen: Beispiel für Waren

4

§ 243 Bürgerliches ­ esetzbuch (BGB) G § 360 Handelsgesetzbuch (HGB)

§ 270 BGB § 271 HGB

Genaue Bezeichnung der Ware/Dienstleistung

Artikel-Nr., Bestell-Nr., Katalog-Nr.

Güteklassen

Eier

Typen

Mehl

Gütezeichen

Wollsiegel

Warenzeichen

Milka, Coca-Cola

Herkunft

Wein

Muster

Stoffe, Textilien

Proben

Lebensmittel

Abbildungen

Möbel, Maschinen

Werden in einem Angebot keine näheren Angaben gemacht, so schreibt das Gesetz eine Qualität in mittlerer Art und Güte vor. (3) Zahlungsbedingungen Macht der Verkäufer keine Angaben zu den Zahlungsbedingungen, so muss der Schuldner sofort bezahlen. Die Übermittlung des Geldes an den Gläubiger erfolgt dabei auf Kosten und Gefahr des Schuldners; denn Geldschulden sind Bringschulden. Auch bei den Zahlungsbedingungen besteht die Möglichkeit, andere vertragliche Vereinbarungen zu treffen: Zahlung vor der Lieferung Zahlung gegen Vorkasse Anzahlung Zahlung bei der Lieferung Zahlung per Nachnahme Zahlung bei Empfang der Ware Zahlung nach der Lieferung Ratenzahlung Kauf auf Rechnung

138


Lernsituation 14: Durchführung eines Angebotsvergleichs

(4) Versandkosten Die Kosten der Abnahme und der Versendung der Ware fallen dem Käufer zur Last, denn Warenschulden sind Holschulden.

§ 448 BGB

Haben Käufer und Verkäufer ihren Geschäfts- bzw. Wohnsitz am selben Ort (Platzkauf), dann holt der Käufer die Ware üblicherweise selbst ab und trägt dabei die Beförderungskosten. Ist ein Versendungskauf vereinbart, dann übernimmt der Verkäufer die Beförderungskosten bis zur Versandstation, der Käufer trägt die restlichen Beförderungskosten.

Verkäufer

Anfuhr

Verladestation

Fracht

Entladestation

„Ab Werk“

Kosten, die der Käufer trägt

„Frei Haus“

Kosten, die der Verkäufer trägt

„Unfrei“ (gesetzliche Regelung)

Kosten, die der Verkäufer trägt

Zufuhr

Käufer

4

Kosten, die der Käufer trägt  

Ab Werk und frei Haus sind die gebräuchlichsten vertraglichen Vereinbarungen, wer die Kosten des Versands tragen muss. Neben der gesetzlichen Regelung unfrei gibt es weitere Möglichkeiten, bei denen die Kosten zwischen dem Käufer und dem Verkäufer aufgeteilt werden (frei Waggon, frei Bahnhof). Diese spielen in der betrieblichen Praxis aber eine eher untergeordnete Rolle. (5) Verpackungskosten Die Kosten der Abnahme und der Versendung der Ware fallen dem Käufer zur Last. Daraus folgt, dass der Käufer also auch die Kosten der Versandverpackung übernehmen muss, weil die Verpackungskosten bei der Versendung der Ware anfallen.

§ 448 BGB

In der betrieblichen Praxis haben sich bestimmte Verpackungsregelungen durchgesetzt: Verpackungsklausel

Erklärung

Nettogewicht ausschließlich Verpackung (gesetzliche Regelung)

Die Verpackungskosten werden zusätzlich berechnet.

Nettogewicht einschließlich Verpackung

Die Verpackungskosten sind im Preis enthalten, die Verpackung wird nicht berechnet.

Bruttogewicht einschließlich Verpackung (brutto für netto, bfn, b/n)

Die Verpackung wird wie Ware berechnet.

139


4

Buchhalterische Erfassung des betrieblichen Produktionsprozesses

Beispiel für die Berechnung der Verpackungskosten Eine Ware wird zum Preis von 3,00 € je kg gekauft. Das Nettogewicht der Ware beträgt 200 kg. Die Kosten für die Palette (= Verpackung) betragen 25,00 €. Die Palette wiegt 10 kg. Nettogewicht ausschließlich Verpackung (gesetzliche Regelung) 3,00 € x 200 kg + 25,00 € = 625,00 € Nettogewicht einschließlich Verpackung 3,00 € x 200 kg = 600,00 € Bruttogewicht einschließlich Verpackung 3,00 € x (200 kg + 25 kg) = 675,00 €

4

(6) Lieferbedingungen Wird in einem Angebot nichts Näheres zum Lieferzeitpunkt bzw. -termin genannt, so schreibt das Gesetz die sofortige Lieferung vor (§ 271 BGB). Da der Begriff sofort aber keinen klaren kalendermäßig bestimmbaren Termin beinhaltet, kann es somit zu Unstimmigkeiten zwischen Verkäufer und Käufer kommen. Um also Ärger zu vermeiden, wird die Lieferzeit bzw. der Liefertermin in Angeboten meistens genau angegeben: Lieferzeit bzw. -termin

Erklärung

Terminkauf

Lieferung erfolgt innerhalb einer bestimmten Frist bzw. bis zu einem bestimmten Zeitpunkt (z. B. „Lieferung innerhalb von 14 Tagen nach Bestellung“, „Lieferung Anfang Mai“)

Fixkauf

Lieferung erfolgt zu einem festen Zeitpunkt, wobei der Liefertermin wesentlicher Bestandteil des zu schließenden Vertrags ist. Der Vertrag steht und fällt mit der Einhaltung des Termins. Eine verspätete Annahme der Leistung ist für den Käufer in diesen Fällen nicht zumutbar (z. B. Hochzeit, Geburtstagsfeier, Messetermin)

(7) Erfüllungsort Der Erfüllungsort ist der Ort, an dem die Vertragspartner ihre Leistungsverpflichtungen erfüllen müssen (Leistungsort), an dem die Gefahr auf den Käufer übergeht und an dem geklagt werden kann (Gerichtsstand). Die gesetzliche Regelung zum Erfüllungsort wurde vorher schon erwähnt: Warenschulden sind Holschulden.

Geldschulden sind Bringschulden.

Erfüllungsort ist also der Sitz des Verkäufers.

Erfüllungsort ist also Sitz des Käufers.

Gerichtsstand ist Sitz des Verkäufers.

Gerichtsstand ist Sitz des Käufers.

Daneben besteht natürlich auch die Möglichkeit, einen anderen als den gesetzlichen Erfüllungsort festzulegen: • vertraglich (z. B. „Erfüllungsort für beide Seiten ist München.“) • natürlich, wenn sich der Erfüllungsort aus der Natur der Sache ergibt (z. B. „Ziegel müssen beim Bau einer Lagerhalle an die Baustelle geliefert werden.“)

140


Lernsituation 14: Durchführung eines Angebotsvergleichs

Angebotsvergleich Wurden von mehreren Lieferanten Angebote eingeholt, müssen diese erst einmal vergleichbar gemacht werden. Zuerst wird rein rechnerisch mithilfe der Bezugskalkulation der preisgünstigste Anbieter ermittelt. Die allen Angeboten gemeinsame Größe ist dabei der Einstandspreis.

Listeneinkaufspreis – Liefererrabatt = Zieleinkaufspreis – Liefererskonto = Bareinkaufspreis + Bezugskosten = Einstandspreis

4

Der preisgünstigste Anbieter muss nicht immer der beste Anbieter sein. Denn neben dem rein quantitativen (= rechnerischen) Angebotsvergleich sollten auch andere, eher qualitative Gründe bei der Findung des besten Angebotes eine Rolle spielen. Dazu zählen z. B.: • Zahlungsbedingungen (z. B. Einräumung eines Zahlungsziels) • Lieferbedingungen (Lieferzeit) • Zuverlässigkeit (z. B. Termintreue) • Service (z. B. Reparaturservice, Montageservice, Finanzierungshilfen) • Garantie und Kulanz bei Leistungsstörungen • Auftragsabwicklung • Image des Lieferanten • Einhaltung ökologischer und sozialer Standards Ökologische und soziale Standards beim Konsum von Gütern spielen zunehmend eine wichtige Rolle. Viele Verbraucher wollen beim Einkauf wissen, woraus die Waren bestehen und unter welchen Bedingungen sie produziert wurden. Die ökologischen, sozialen und ethischen Gesichtspunkte, die beim Angebotsvergleich zu berücksichtigen sind, haben wir schon im Lernbereich 2 (S. 19 ff) kennengelernt.

141


4

Buchhalterische Erfassung des betrieblichen Produktionsprozesses

Die für ein Unternehmen wichtigen Kriterien können nun in einer Entscheidungstabelle eingetragen und ausgewertet werden. Für die Ludwig Thalberger Schuhe e. K. könnte diese Entscheidungstabelle folgendes Aussehen haben: Entscheidungstabelle für den Angebotsvergleich Kriterium

Gewichtung Unternehmen X

Unternehmen Y

Einstufung

4

Einstufung

Einstandspreis

20

2

= 40

5

= 100

Qualität

20

6

= 120

3

= 60

Zahlungsbedingungen

10

4

= 40

3

= 30

Lieferbedingungen

20

4

= 80

2

= 40

Zuverlässigkeit

20

3

= 60

3

= 60

Service

5

3

= 15

5

= 25

Garantie und Kulanz bei ­Leistungsstörungen

5

3

= 15

3

= 15

Auftragsabwicklung

5

2

= 10

5

= 25

Image des Lieferanten

5

4

= 20

3

= 15

20

4

= 80

5

= 100

Ökologische und soziale Standards

Gesamt

480

470

Jedes Unternehmen wird die Gewichtung nach eigenen Wünschen festlegen. Auch bei der Einstufung bleibt es jedem Unternehmen selbst überlassen, in welchen Schritten es Abstufungen vornimmt. Die Ludwig Thalberger Schuhe e. K. hat die Einstufung umgekehrt zu den Schulnoten von 6 = sehr gut bis 1 = sehr schlecht vorgenommen. Im Gesamtergebnis lässt sich erkennen, dass das Unternehmen X trotz des schlechteren Einstandspreises insgesamt die höhere Punktzahl aufweist. Das bedeutet, dass sich die Ludwig Thalberger Schuhe e. K. für das Unternehmen X entscheiden wird.

142


Lernsituation 14: Durchführung eines Angebotsvergleichs

Beispiel Die Ludwig Thalberger Schuhe e. K. hat für Schuhreiniger folgendes Angebot erhalten:

Schuster GmbH, Garbsener Landstraße 66, 30541 Hannover

Ludwig Thalberger Schuhe e. K. Rudolf-Diesel-Str. 12 84030 Landshut

Kunden-Nr. 240421

Unser Zeichen SB/je

4 Ihr Zeichen

Datum 04.12.20XX

Angebot Sehr geehrte Frau Gerber, vielen Dank für das Interesse an unserem Unternehmen auf der Messe ISPO in München. Wie mit Ihnen besprochen, übersenden wir Ihnen folgendes Angebot Art.-Nr. SC 7879 Schuster Schuhreiniger Flasche (250 ml)

20,95 € pro Flasche

Art, Güte und ­Beschaffenheit Menge und Preis

Die Preise verstehen sich „frei Haus“. Sollten Sie insgesamt mehr als 100 Flaschen bestellen, erhalten Sie einen Rabatt von 10 %, bei mehr als 200 Flaschen sogar 15 %.

Versandkosten

Bei Zahlung innerhalb 14 Tagen erhalten Sie 2 % Skonto.

Preisnachlässe

Die Auslieferung der Ware erfolgt innerhalb von 5 Werktagen nach Eingang Ihrer Bestellung. Alle o. g. Preise verstehen sich netto.

Lieferbedingungen

Wir hoffen, dass unser Angebot Ihren Vorstellungen entspricht, und freuen uns auf Ihre Bestellungen. Mit freundlichen Grüßen

i.V. Jürgen Endres Abteilungsleiter Verkauf

Bankverbindung: Sparkasse Hannover, BIC: SPKHDE2HXXX, IBAN: DE 6425 0501 8000 0220 5505

143


4

Buchhalterische Erfassung des betrieblichen Produktionsprozesses

Die Ludwig Thalberger Schuhe e. K. beabsichtigt, insgesamt 300 Flaschen Schuhreiniger zu bestellen. Auf Grundlage dieses Angebotes errechnet sie zunächst den Einstandspreis pro Flasche Schuhreiniger: Listeneinkaufspreis

4

Liefererrabatt

=

Zieleinkaufspreis

Liefererskonto

=

Bareinkausfpreis

+

Bezugskosten

=

Einstandspreis

6.285,00 € 15 %

942,75 € 5.342,25 €

2 %

106,85 € 5.235,40 € 0 € 5.235,40 €

Einstandspreis pro Flasche

17,45 €

Neben dieser quantitativen Beurteilung müssen auch qualitative Kriterien berücksichtigt werden. Die Schuster GmbH ist ein neuer Geschäftskontakt. Deshalb kann die Ludwig Thalberger Schuhe e. K. nicht auf Erfahrungen aus der Vergangenheit zurückgreifen und muss sich auf die Informationen verlassen, die im Angebot stehen: Entscheidungstabelle Kriterium

Gewichtung

Schuster GmbH Einstufung

Einstandspreis

20

4

= 80

Qualität

20

4

= 80

Zahlungsbedingungen

10

3

= 30

Lieferbedingungen

20

5

= 100

Zuverlässigkeit

20

Service

5

Auftragsabwicklung

5

Gesamt

290

Zu den letzten drei Punkten kann aufgrund der neuen Geschäftsverbindung noch keine Einstufung gemacht werden. Welche Aussagekraft die Gesamtpunktzahl 290 hat, wird erst durch einen Vergleich mit anderen Lieferanten deutlich.

144


Lernsituation 15: Buchhalterische Erfassung des Einkaufs von Werkstoffen

Lernsituation 15: Buchhalterische Erfassung des Einkaufs von Werkstoffen Paul Zeiß bearbeitet gerade die Eingangspost und findet dabei ein Schreiben der Firma Leder Bosch. Er holt den Ordner mit der Aufschrift Einkäufe aus dem Regal, sucht die dazugehörende Bestellung und geht damit zu Frau Gerber.

4

Leder Bosch GmbH, Industriepark 8, 83024 Rosenheim

Ludwig Thalberger e. K. Rudolf-Diesel-Str. 12 84030 Landshut

Rechnung Kundennummer

Rechnungsnummer

Rechnungsdatum

Auftragsnummer

Auftragsdatum

Bestellnummer

240021

LB 678/XX

26.08.20XX

LT 1754

22.08.20XX

9875

Pos

Bezeichnung

1

Kunstleder schwarz, 2,00 mm

Menge

Einheit

500

Einzelpreis

Gesamtpreis

19,95 €

9.975,00 €

Listenpreis netto abzgl. 10 % Mengenrabatt Zielpreis netto + Leihgebühr Paletten (10 Stück) Rechnungsbetrag netto + 19 % Umsatzsteuer

9.975,00 € 997,50 € 8.977,50 € 210,00 € 9.187,50 € 1.745,63 €

Art.-Nr. 4967

Rechnungsbetrag brutto

10.933,13 €

Zahlungsbedingung: Innerhalb 10 Tagen 3 % Skonto, innerhalb 30 Tagen rein netto

Bankverbindung: Volksbank Chemnitz; BIC: GENODEF1CH1; IBAN: DE13 8709 6214 0000 7534 68

Paul Frau Gerber, ich habe gerade dieses Schreiben von Leder Bosch aus Rosenheim bekommen. Susanne Gerber Ah, die Lieferung Kunstleder für unsere Trekkingstiefel „Wild mountain“. Hast du schon die entsprechende Bestellung von uns rausgesucht? Paul

Ja, hier ist sie … habe auch schon alles verglichen; es passt.

Susanne Gerber Sehr gut, dann kannst du die Rechnung ja auch gleich verbuchen.

145


4

Buchhalterische Erfassung des betrieblichen Produktionsprozesses

Handlungsaufträge 1. Macht euch mit der Situation vertraut, indem ihr euch zunächst orientiert. Betrachtet hierzu die erhaltenen Unterlagen und stellt sicher, dass euch klar ist, was eure Aufgabe ist. Informiert euch über die Buchungen beim Einkauf von Werkstoffen. Macht euch auch mit den Besonderheiten (Sofortnachlässe, Bezugskosten) vertraut. (Orientierung und Information) 2. Plant euer weiteres Vorgehen, indem ihr euch Gedanken macht, was in dieser konkreten Situation zu tun ist, und notiert diese stichpunktartig. (Planung) Tipp: Bildet Stamm- und Expertengruppen zu den einzelnen Besonderheiten.

4

3. Bucht die Eingangsrechnung von der Firma Leder Bosch GmbH an die Ludwig Thalberger Schuhe e. K. Entwerft anschließend eine Übersicht über die Besonderheiten beim Buchen der Einkäufe von Werkstoffen. (Durchführung) 4. Bewertet euer Ergebnis im Klassenplenum. Nehmt Kritikpunkte auf zur Vollständigkeit und inhaltlichen Richtigkeit, ergänzt eure Ausführungen gegebenenfalls und korrigiert Fehler. (Bewertung) 5. Reflektiert kritisch mögliche Fehlerquellen und überprüft eure Arbeitsweise. Seid bereit, euer Arbeitsergebnis zu verantworten und aus Fehlern zu lernen. Erkennt, dass ihr bei der Kontierung von Buchungsbelegen besonders gewissenhaft arbeiten müsst. Ebenso reflektiert euer Verhalten in der Arbeitsgruppe und überlegt, wie ihr Verhaltensweisen verbessern könnt. (Reflexion)

Ergänzender Handlungsauftrag für den Lernbereich 4 „LERNKARTEI“ 1. Führt eure Lernkartei zum Thema Buchführung fort. 2. Schreibt jeden der folgenden Begriffe auf die Kopfzeile eines DIN-A6-Kärtchens: Einkauf (Aufwendungen für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, Aufwendungen für Handelswaren), Sofortnachlässe (Rabatte), Bezugskosten (Unterschied Frei-Haus- und Ab-Werk-Lieferung) usw. 3. Sortiert die Begriffskärtchen nach den Kriterien weiß ich oder weiß ich nicht. 4. Bildet Kleingruppen und erklärt euch gegenseitig die Weiß-ich-nicht-Kärtchen. Schlagt dabei die ungeklärten Begriffe im Schulbuch nach. 5. Schreibt die Begriffserklärungen auf die Rückseite des entsprechenden ­Kärtchens und ordnet diese unter der Leitkarte Buchführung alphabetisch in den Lernkartei-­Behälter ein.

146


Lernsituation 15: Buchhalterische Erfassung des Einkaufs von Werkstoffen

Buchungen beim Einkauf von Werkstoffen Die Ludwig Thalberger Schuhe e. K. ist ein Produktionsbetrieb. Sie produziert Waren und verkauft sie sofort bzw. nach einer kurzen Zeit der Lagerung möglichst gewinnbringend an Kunden. Zur Produktion der Waren muss sie entsprechende Werkstoffe einkaufen.

Informationen zur Lernsituation 15

Rohstoffe Hilfsstoffe

Lieferant

Ludwig Thalberger Schuhe e. K.

Fertigerzeugnisse

Kunde

Betriebsstoffe

Für die weiteren Ausführungen zur Buchung soll gelten, dass die gekauften Werkstoffe just in time angeliefert, sofort weiterverarbeitet und anschließend als Fertigerzeugnisse verkauft werden.

Nice to know  Just in time (engl.) = genau zur richtigen Zeit, damit ist eine Zulieferung von Werkstoffen gemeint, die nicht auf Vorratshaltung ausgerichtet ist.

4

Bereits beim Einkauf wird so gebucht, als ob die Werkstoffe schon verbraucht wurden, also erfolgswirksam auf das Aufwandskonto: Aufwendungen für Rohstoffe, Aufwendungen für Hilfsstoffe und Aufwendungen für Betriebsstoffe. Es gibt auch Unternehmen, die Waren auf Vorrat einkaufen. Diese buchen dann die Einund Verkäufe über die jeweiligen Bestandskonten. Dieses bestandsorientierte Buchen wird im Folgenden nicht behandelt. Beispiel: Die Ludwig Thalberger Schuhe e. K. hat im Mai eine Bestellung für Nähgarn aufgegeben. Sie erhält die Waren und folgende Rechnung dazu: Petersen Garne GmbH – Berliner Straße 14 – 09224 Chemnitz

Ludwig Thalberger e. K. Rudolf-Diesel-Str. 12 84030 Landshut

Rechnung Kundennummer

Rechnungsnummer

Rechnungsdatum

Auftragsnummer

Auftragsdatum

Bestellnummer

240054

41256

26.05.20XX

WE 82383

20.05.20XX

4112

Pos

1

Bezeichnung

Nähgarn 100 % Polyester, braun, 500 m

Menge

Einheit

10

Stück

Einzelpreis

Gesamtpreis

69,99 €

699,90 €

Rechnungsbetrag netto + 19 % Umsatzsteuer

699,90 € 132,98 €

Rechnungsbetrag brutto

832,88 €

Zahlungsbedingung: Innerhalb 10 Tagen 2 % Skonto auf den reinen Warenwert, innerhalb 30 Tagen rein netto

Bankverbindung: Volksbank Chemnitz; BIC: GENODEF1CH1; IBAN: DE13 8709 6214 0000 7534 68

147


4

Buchhalterische Erfassung des betrieblichen Produktionsprozesses

Im Beispiel handelt es sich bei dem gekauften Werkstoff Nähgarn um einen Hilfsstoff. Aus diesem Grund lautet der Buchungssatz: Buchungssatz

Betrag (in EUR)

AFH

699,90

VORST

an

132,98 VE

832,88

Besondere Buchungen bei Sofortnachlässen

4

Es gibt immer wieder Situationen, in denen der Lieferant nicht den Listenpreis verrechnet, sondern einen Sofortnachlass (Rabatt) gewährt. Sofortnachlässe werden sofort mit der Eingangsrechnung in Abzug gebracht. Zu Sofortnachlässen zählen insbesondere: • Mengenrabatt Dieser Rabatt soll zur Abnahme großer Mengen anregen. Als besonderer Anreiz hierzu kann eine Staffelung dienen: Je höher die gekaufte Stückzahl, desto höher ist auch der Rabattsatz. • Treuerabatt Dieser Rabatt dient der Kundenbindung. So wird Kunden für ihre langjährige und treue Geschäftsbeziehung diese Art von Rabatt gewährt. • Wiederverkäuferrabatt Der Wiederverkäuferrabatt wird Handelsbetrieben gewährt, wenn der Endverkaufspreis vom Hersteller festgesetzt wird (Preisempfehlung). Er soll dem Händler einen angemessenen Gewinn sichern. • Sonderrabatte Dazu gehören verschiedene andere Rabattarten, die zu besonderen Anlässen gewährt werden (Saisonrabatt bei Saisonartikeln, Lagerräumungsrabatt usw.)

 Merke Sofortnachlässe vermindern nur den in Rechnung gestellten Listeneinkaufspreis der Werkstoffe. Sie werden nicht gebucht; d. h. Grundlage für die Buchung des Warenwertes ist somit immer der Zieleinkaufspreis.

148


Lernsituation 15: Buchhalterische Erfassung des Einkaufs von Werkstoffen

Betrachtet dazu das folgende Beispiel:

Petersen Garne GmbH – Berliner Straße 14 – 09224 Chemnitz

Ludwig Thalberger e. K. Rudolf-Diesel-Str. 12 84030 Landshut

4

Rechnung Kundennummer

Rechnungsnummer

Rechnungsdatum

Auftragsnummer

Auftragsdatum

Bestellnummer

240054

41256

26.05.20XX

WE 82383

20.05.20XX

4112

Pos Bezeichnung

Menge

Einheit

100

Stück

69,99 €

6.999,00 €

Nähgarn 100 % Polyester, schwarz, 500 m

75

Stück

69,99 €

5.249,25 €

Nähgarn 100 % Polyester, weiß, 500 m

25

Stück

69,99 €

1.749,75 €

1

Nähgarn 100 % Polyester, braun, 500 m

2 3

Einzelpreis

Gesamtpreis

Listenpreis netto abzgl. 10 % Mengenrabatt Rechnungsbetrag netto + Umsatzsteuer 19 %

13.998,00 € 1.399,80 € 12.598,20 € 2.393,66 €

Rechnungsbetrag brutto

14.991,86 €

Zahlungsbedingung: Innerhalb 10 Tagen 2 % Skonto auf den reinen Warenwert, innerhalb 30 Tagen rein netto Bankverbindung: Volksbank Chemnitz; BIC: GENODEF1CH1; IBAN: DE13 8709 6214 0000 7534 68

Listeneinkaufspreis

13.998,00 €

Lieferantenrabatt

10 %

=

Zieleinkaufspreis (= Einstandspreis)

+

Umsatzsteuer

=

Rechnungsbetrag

1.399,80 € 12.598,20 €

19 %

2.393.66 € 14.991,86 €

Der Buchungssatz zur obigen Eingangsrechnung lautet: Buchungssatz

Betrag (in EUR)

AFH VORST

12.598,20 an

2.393,66 VE

14.991,86

149


4

Buchhalterische Erfassung des betrieblichen Produktionsprozesses

Buchung von Bezugskosten Der Zieleinkaufspreis berücksichtigt nur die Kosten bis zur Bereitstellung der Ware im Werk des Lieferanten, denn Warenschulden sind Holschulden. Ab Werk des Lieferanten bis zum Lager des Käufers fallen weitere Kosten an. Man nennt sie Bezugskosten. Das können sein: • Verpackungskosten • Transportkosten • Transportversicherungskosten • Zoll (im Außenhandel)

4

Bei der Lieferbedingung ab Werk trägt der Käufer alle Kosten ab Bereitstellung der Ware im Werk des Lieferanten bis zum Eintreffen in seinem Lager. In diesem Fall werden die Bezugskosten dem Käufer zugerechnet. Lautet die Lieferbedingung frei Haus, fallen für den Käufer keine Bezugskosten an. Diese werden vollständig vom Verkäufer übernommen. Beispiel: Die Petersen Garne GmbH hat in ihrer Rechnung über die Garnlieferung an die Ludwig Thalberger Schuhe e. K. Frachtkosten in Rechnung gestellt. Betrachtet hierzu den folgenden Beleg:

Petersen Garne GmbH – Berliner Straße 14 – 09224 Chemnitz

Ludwig Thalberger e. K. Rudolf-Diesel-Str. 12 84030 Landshut

Rechnung Kundennummer

Rechnungsnummer

Rechnungsdatum

Auftragsnummer

Auftragsdatum

Bestellnummer

240054

41414

14.06.20XX

WE 93443

10.06.20XX

6109

Pos Bezeichnung

1

Nähgarn 100 % Polyester, schwarz, 500 m

Menge

Einheit

20

Stück

Einzelpreis

Gesamtpreis

69,99 €

1.399,80 €

Listenpreis netto + Frachtkosten Rechnungsbetrag netto + Umsatzsteuer 19 %

1.399,80 € 50,20 € 1.450,00 € 275,50 €

Rechnungsbetrag brutto

1.725,50 €

Zahlungsbedingung: Innerhalb 10 Tagen 2 % Skonto auf den reinen Warenwert, innerhalb 30 Tagen rein netto

Bankverbindung: Volksbank Chemnitz; BIC: GENODEF1CH1; IBAN: DE13 8709 6214 0000 7534 68

150


Lernsituation 15: Buchhalterische Erfassung des Einkaufs von Werkstoffen

Listeneinkaufspreis = Zieleinkaufspreis +

Bezugskosten

=

Einstandspreis

+

Umsatzsteuer

=

Rechnungsbetrag

1.399,80 € 50,20 € 1.450,00 € 19 %

275,50 € 1.725,50 €

Der zu buchende Warenwert entspricht dem Zieleinkaufspreis. Zusätzlich in Rechnung gestellte Bezugskosten werden auf dem Konto BZKH gebucht, einem Unterkonto des Kontos AFH.

4

Der Buchungssatz zur obigen Eingangsrechnung lautet: Buchungssatz

Betrag (in EUR)

AFH

1.399,80

BZKH VORST

50,20 an

275,50 VE

1.725,50

151


4

Buchhalterische Erfassung des betrieblichen Produktionsprozesses

Lernsituation 16: Erstellung und Buchung einer Ausgangsrechnung Paul Zeiß lernt gerade die Arbeiten in der Verkaufsabteilung kennen. Am Dienstagmorgen findet er eine ausgedruckte E-Mail an seinem Arbeitsplatz. Und an der Pinwand hat Frau Brandel noch eine Notiz hinterlassen.

4

Hallo Paul, rkaufsabteilung Ve er d in ss a d , ja du weißt Notstand herrschtra. u t ei sz ub a rl U er d en weg e ich diese Woche F Deswegen unterstütz Kobe. n apierkram für ­dieseck P en d te it b u d st Mach echnung schi en R ­ ie (d ig rt fe t ei w Auftrag so Lieferung mit). er d it m ch ei gl h uc wir a bist, buche auch ig rt fe it m a d u d n en Und w . gleich die Rechnung. komm einfach vorbei , st ha n ge ra F u d s Fall Gruß Helga Brandl

152


Lernsituation 16: Erstellung und Buchung einer Ausgangsrechnung

M1

Arbeitsmaterial

4

Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Ludwig Thalberger Schuhe e. K.

M2

Grundsatz Es gelten die Einheitsbedingungen der Deutschen Schuhindustrie, neueste Fassung – mit folgenden Abweichungen: 1. Es gelten die zum Zeitpunkt der Bestellung im Katalog bzw. Internet aufgeführten Preise. Die angegebenen Preise sind Nettopreise, d. h. hinzu kommt noch die jeweils gültige gesetzliche Mehrwertsteuer. 2. Der Mindestbestellwert beträgt 100,00 €. 3. Rechnungen sind innerhalb von 30 Tagen zu begleichen. 4. Ab einem Warenwert von 1.000,00 € gewähren wir einen Mengenrabatt von 5 %. Ab einem Warenwert von 2.500,00 € gewähren wir einen Mengenrabatt von 10 %. Auf alle Artikel, die wir neu in unser Sortiment aufnehmen, gewähren wir einen Preisnachlass von 15 % (Einführungsrabatt). 5. Wir liefern grundsätzlich frei Haus. 6. Wir liefern grundsätzlich innerhalb von zwei Werktagen nach Eingang Ihrer Bestellung. Die Lieferzeit verlängert sich angemessen bei Maßnahmen im Rahmen von Arbeitsausfällen, insbesondere Streik und Aussperrung, sowie weiteren von uns nicht zu vertretenden Umständen, wie gesetzlicher oder behördlicher Anordnung (z. B. Import- und Exportbeschränkungen), oder in Fällen von Lieferverzögerungen durch höhere Gewalt. Beginn und Ende derartiger Hindernisse werden wir dem Käufer unverzüglich mitteilen. 7. Erfüllungsort und Gerichtsstand ist Landshut. 8. Alle Artikel bleiben bis zur vollständigen Bezahlung unser Eigentum. 9. Für alle Lieferungen gelten unsere Liefer- und Zahlungsbedingungen. Mit diesen Angaben verlieren alle vorhergehenden Angebote ihre Gültigkeit. Bei einer ungültigen Bestimmung der AGB behalten die anderen jedoch ihre Wirksamkeit. 153


4

Buchhalterische Erfassung des betrieblichen Produktionsprozesses

Handlungsaufträge 1. Macht euch mit der Situation vertraut, indem ihr euch zunächst orientiert. Betrachtet hierzu die erhaltenen Informationen zum Thema Verkaufsvorgang. Stellt sicher, dass euch klar ist, was eure Aufgabe ist. (Orientierung und Information) 2. Plant euer weiteres Vorgehen, indem ihr euch Gedanken macht, was in dieser konkreten Situation zu tun ist, und notiert diese stichpunktartig. (Planung) 3. Erstellt die Ausgangsrechnung und bucht sie. (Durchführung) 4. Präsentiert eure Ergebnisse im Klassenplenum und diskutiert über sie bzw. nehmt Verbesserungen vor. (Bewertung)

4

5. Reflektiert euer Verhalten hinsichtlich Sorgfalt, Vertraulichkeit und Objektivität und überlegt, wie ihr eure Vorgehensweisen verbessern könntet. (Reflexion)

Ergänzender Handlungsauftrag für den Lernbereich 4 „LERNKARTEI“ 1. Führt eure Lernkartei zum Thema Buchführung fort. 2. Schreibt jeden der folgenden Begriffe auf die Kopfzeile eines DIN-A6-Kärtchens: Verkauf (Umsatzerlöse für Fertigerzeugnisse, Umsatzerlöse für Handelswaren), Sofortnachlässe (Rabatte), Vertriebskosten (Unterschied Frei-Haus- und Ab-Werk-Lieferung) usw. 3. Sortiert die Begriffskärtchen nach den Kriterien weiß ich oder weiß ich nicht. 4. Bildet Kleingruppen und erklärt euch gegenseitig die Weiß-ich-nicht-Kärtchen. Schlagt dabei die ungeklärten Begriffe im Schulbuch nach. 5. Schreibt die Begriffserklärungen auf die Rückseite des entsprechenden Kärtchens und ordnet diese unter der Leitkarte Buchführung alphabetisch in euren Lern­ kartei-Behälter ein.

154


Lernsituation 16: Erstellung und Buchung einer Ausgangsrechnung

Von der Anfrage bis zur Lieferung der Ware Beim täglichen Einkauf werden Kaufverträge überwiegend mündlich geschlossen. Das Verpflichtungs- und Erfüllungsgeschäft (Lieferung und Bezahlung der Ware) fallen zeitlich zusammen. In der Geschäftswelt möchte sich ein Unternehmen vor Beginn einer neuen Geschäftsbeziehung erst informieren und wird deshalb zunächst eine Anfrage stellen.

Informationen zur Lernsituation 16

Diese Anfrage ist rechtlich unverbindlich, d. h. der Anfragende (Käufer) verpflichtet sich zu nichts. Die Anfrage ist an keine Form gebunden, sie kann also mündlich oder schriftlich gestellt werden. Das angefragte Unternehmen (Verkäufer) wird auf die Anfrage hin ein Angebot machen.

4

Ein Angebot ist eine rechtlich verbindliche Willenserklärung an eine bestimmte Person oder Personengruppe zur Anbahnung eines Kaufvertrages. Zu unterscheiden davon sind Kataloge, Zeitungsbeilagen, Werbeprospekte und Schaufensterauslagen, die an die Allgemeinheit gerichtet sind. Diese nennt man Anpreisungen, sie haben keinen rechtlich verbindlichen Charakter. Sagt dem Käufer das Angebot zu, wird er auf Grundlage des Angebots bestellen. Die Bestellung stellt hier die zweite rechtlich verbindliche Willenserklärung dar.

 Merke Ein gültiger Kaufvertrag kommt zustande, wenn zwei übereinstimmende Willenserklärungen vorliegen. Das sind in der Regel ein Antrag (Angebot) und eine Annahme (­Bestellung auf das Angebot hin).

Ging der Bestellung des Käufers kein Angebot des Verkäufers voraus (dies ist dann der Fall, wenn der Käufer aus dem Katalog oder auf Grundlage eines Werbeprospektes bestellt), so ist diese Bestellung die erste rechtlich verbindliche Willenserklärung. Die zum Zustandekommen des Kaufvertrages erforderliche zweite rechtlich verbindliche Willens­erklärung ist die Auftragsbestätigung durch den Verkäufer.

155


4

Buchhalterische Erfassung des betrieblichen Produktionsprozesses

Beispiel: Outdoor Glück e.K. – Brunnthaler Straße 44 – 82041 Oberhaching

Ludwig Thalberger Schuhe e. K. Rudolf-Diesel-Str. 12 84030 Landshut Ihr Zeichen/ Ihre Nachricht vom –/–

Unser Zeichen/ Unsere Nachricht vom Gl/ 06.11.20XX

Ansprechpartner Frau Glück

Telefon/ Mail 089 7890 21 info@outdoor-glueck.de

Datum 14.11.20XX

Bestellung

4

Sehr geehrte Frau Pechmann, vielen Dank für Ihr umfassendes Angebot vom 10. November 20XX. Wir bestellen zu den im Angebot genannten Bedingungen 10 Wanderschuhe "Bavaria", Größe 40, Farbe braun zum Einzelpreis netto 49,95 €. 10 Wanderschuhe "Bavaria", Größe 42, Farbe braun zum Einzelpreis netto 49,95 €. 10 Wanderschuhe "Bavaria", Größe 44, Farbe braun zum Einzelpreis netto 49,95 €. Bei einer entsprechend reibungslosen Auftragsabwicklung können Sie mit weiteren Aufträgen rechnen. Wir freuen uns auf eine gute und dauerhafte Zusammenarbeit.

Mit freundlichen Grüßen Sport Glück e.K.

Manuela Glück Inhaberin

Im Beispiel ist durch Antrag (Angebot von Ludwig Thalberger Schuhe e. K.) und Annahme (Bestellung von Outdoor Glück e. K.) ein Kaufvertrag zustande gekommen. Viele Unternehmen senden dem Käufer nach Eingang der Bestellung automatisch eine Auftragsbestätigung zu. Damit ein Kaufvertrag zustande kommt, muss eine Auftragsbestätigung erfolgen, wenn • das Angebot freibleibend war. • das Angebot verspätet angenommen wurde. • das Angebot abgeändert wurde. Um Missverständnissen vorzubeugen, sollte eine Auftragsbestätigung übersandt werden, wenn • ein Kunde mündlich oder auf dem elektronischen Weg bestellt. • ein Kunde erstmals bestellt. • die Bestellung sehr umfangreich ist. • der Kunde ausdrücklich eine Auftragsbestätigung wünscht. Unabhängig von der rechtlichen Notwendigkeit senden viele Unternehmen automatisch eine Auftragsbestätigung an den Kunden, um alle wesentlichen Auftragsdaten wie Menge, Preis, Termine usw. zu bestätigen. Im Kaufvertrag hat sich der Verkäufer verpflichtet, die Ware bis zu einem bestimmten Zeitpunkt zu liefern. Je nach Versandart wird die Ware nun durch den werkseigenen Verkehr, durch Spedition, Paketdienst oder Post verschickt bzw. durch den Kunden selbst abgeholt. 156


Lernsituation 16: Erstellung und Buchung einer Ausgangsrechnung

Von der Lieferung der Ware bis zum Abschluss des Verkaufsvorgangs Mit dem Versand der Ware ist der Verkaufsvorgang natürlich noch nicht abgeschlossen. Jetzt wird auf Grundlage des Lieferscheins und des Angebots die Ausgangsrechnung erstellt.

LTS

Ludwig Thalberger Schuhe e. K. – Rudolf-Diesel-Str. 12 – 84030 Landshut

Rechnungsdatum: Auftragsdatum: Kunde:

Outdoor Glück e. K. Brunnthaler Str. 44 82041 Oberhaching

Lieferbedingung:

4

18.11.20XX 15.11.20XX 240299 frei Haus

Rechnung LTS 186-20XX Menge

Art.-Nr.

Artikelbezeichnung

Einzelpreis (€)

Gesamtpreis (€)

10

2280 B 1234

Wanderschuh „Bavaria“, Größe 40, Farbe braun

49,95 €

499,50 €

10

2280 B 1235

Wanderschuh „Bavaria“, Größe 42, Farbe braun

49,95 €

499,50 €

10

2280 B 1236

Wanderschuh „Bavaria“, Größe 44, Farbe braun

49,95 €

499,50 €

Warenwert netto 19 % USt.

1.498,50 € 284,72 €

Rechnungsbetrag

1.783,22 €

Zahlungsbedingungen: Zahlung innerhalb von 30 Tagen ohne Abzug

Führt ein Unternehmen eine Lieferung oder Leistung aus, ist es verpflichtet, innerhalb von sechs Monaten nach Ausführung der Leistung eine Rechnung auszustellen. Nach dem Umsatzsteuergesetz müssen Rechnungen bestimmte Angaben enthalten. Die Pflichtangaben sind bei einem Rechnungsbetrag von über 150,00 € (ohne Umsatz­ steuer) umfangreicher als bei Kleinbetragsrechnungen bis 150,00 € (einschließlich Um08031 12343-0 Geschäftsführerin: Franziska Brandl Bankverbindung: satzsteuer).Tel.: Fax: 08031 12343-21 Handelsregister Rosenheim, HRB 5302 Sparkasse Rosenheim – Bad Aibling E-Mail: info@chiem-sport.de Internet: www.chiem-sport.de

USt-IdNr.: DE 167234959 St.-Nr. 156/324/60754

IBAN: DE11 7115 0000 0009 7763 45 BIC: BYLADEM1ROS

157


4

Buchhalterische Erfassung des betrieblichen Produktionsprozesses

Gesetzliche Bestandteile einer Rechnung über 150,00 € (netto) • vollständiger Namen und vollständige Anschriften des Leistungserstellers (Lieferant) und des Leistungsempfängers (Kunde) • die dem leistenden Unternehmer vom Finanzamt erteilte Steuernummer oder die ihm vom Bundeszentralamt für Steuern erteilte Umsatzsteuer-Identifikationsnummer • Ausstellungsdatum der Rechnung und Zeitpunkt der Lieferung bzw. Leistung • fortlaufende Rechnungs- und ggf. Lieferscheinnnummer • Menge und handelsübliche Bezeichnung der gelieferten Gegenstände oder Art und Umfang der sonstigen Leistung • nach Steuersätzen und -befreiungen aufgeschlüsseltes Entgelt • im Voraus vereinbarte Minderungen des Entgelts • Entgelt und hierauf entfallender Steuerbetrag sowie Hinweis auf Steuerbefreiung • bei Bauleistungen: Hinweis auf die zweijährige Aufbewahrungsfrist (wenn der Leistungsempfänger ein Endverbraucher ist)

4

Weitere kaufmännische Bestandteile einer Ausgangsrechnung • Bezug zur Bestellung des Kunden (Bestell- bzw. Auftragsnummer) • Dank für die Bestellung und das Vertrauen • Bankverbindung(en) Der Rechnungsausgang wird im Rechnungsausgangsbuch registriert und in der Finanzbuchhaltung (Debitoren- bzw. Kundendatei) als offener Posten geführt. Erst wenn der Kunde den Rechnungsbetrag beglichen hat, gilt der Verkaufsvorgang als abgeschlossen.

Buchungen im Verkauf von Fertigerzeugnissen – Sofortnachlässe Die Ludwig Thalberger Schuhe e. K. ist ein Produktionsunternehmen. Zweck eines Produktionsunternehmens ist es, Waren herzustellen, indem Werkstoffe bei einem Lieferanten eingekauft und diese sofort bzw. nach einer kurzen Zeit der Lagerung weiterverarbeitet werden, um sie möglichst gewinnbringend an einen Kunden zu verkaufen. Rohstoffe

Lieferant

Hilfsstoffe

Ludwig Thalberger Schuhe e. K.

Fertigerzeugnisse

Kunde

Betriebsstoffe

Die gekauften Werkstoffe werden just in time angeliefert und sofort weiterverarbeitet. Anschließend werden sie als Fertigerzeugnisse wieder verkauft. Analog zum Wareneinkauf gibt es natürlich auch Sonderfälle im Warenverkauf. Aus diesem Grund wird im Folgenden nur bei wesentlichen Unterschieden genauer auf das jeweilige Themengebiet eingegangen.

158


Lernsituation 16: Erstellung und Buchung einer Ausgangsrechnung

Beispiel: Die Ludwig Thalberger Schuhe e. K. gewährt ihren Kunden einen Mengenrabatt. Betrachtet hierzu folgenden Beleg:

LTS

Ludwig Thalberger Schuhe e. K. – Rudolf-Diesel-Str. 12 – 84030 Landshut

Rechnungsdatum: Auftragsdatum: Kunde:

Schuhgeschäft Steinmann e. K. Münchener Straße 24 83646 Bad Tölz

Lieferbedingung:

06.10.20XX 05.10.20XX 240087 frei Haus

4

Rechnung LTS 186-20XX Menge

Art.-Nr.

Artikelbezeichnung

Einzelpreis (€)

Gesamtpreis (€)

110

2280 B 1344

Wanderschuh „Dolomiten“, Größe 40, Farbe braun

54,95 €

549,50 €

10

2280 B 1345

Wanderschuh „Dolomiten“, Größe 42, Farbe braun

54,95 €

549,50 €

20

2280 B 1346

Wanderschuh „Dolomiten“, Größe 44, Farbe braun

54,95 €

1.099,00 €

Warenwert netto abzgl. 10 % Rabatt Rechnungsbetrag netto 19% USt

2.198,00 € 219,80 € 1.978,20 € 375,86 €

Rechnungsbetrag

2.354,06 €

Zahlungsbedingungen: Zahlung innerhalb von 30 Tagen ohne Abzug

Listenverkaufspreis –

Kundenrabatt

=

Zielverkaufspreis

+

Umsatzsteuer

=

Tel.: 08031 12343-0 Rechnungsbetrag

Fax: 08031 12343-21 E-Mail: info@chiem-sport.de Internet: www.chiem-sport.de

2.198,00 € 10 %

219,80 € 1.978,20 €

19 %

375,86 € 2.354,06 €Bankverbindung:

Geschäftsführerin: Franziska Brandl Handelsregister Rosenheim, HRB 5302 USt-IdNr.: DE 167234959 St.-Nr. 156/324/60754

Sparkasse Rosenheim – Bad Aibling IBAN: DE11 7115 0000 0009 7763 45 BIC: BYLADEM1ROS

 Merke Sofortnachlässe vermindern nur den in Rechnung gestellten Listenverkaufspreis der Waren. Sie werden nicht gebucht; d. h. Grundlage für die Buchung des Warenwertes ist somit immer der Zielverkaufspreis.

Der Buchungssatz zur obigen Ausgangsrechnung lautet: Buchungssatz FO

Betrag (in EUR)

an

2.354,06 UEFE UST

1.978,80 375,86 159


4

Buchhalterische Erfassung des betrieblichen Produktionsprozesses

Buchungen im Verkauf von Fertigerzeugnissen – Vertriebskosten Analog zu den Bezugskosten im Wareneinkauf entstehen Vertriebskosten beim Verkauf, z. B. für Verpackung, Transport und Versicherung der Ware. Der Zielverkaufspreis berücksichtigt nur die Kosten bis zur Bereitstellung der Ware im Werk. Kosten ab Werk bis zum Lager des Kunden werden als Vertriebskosten zusammengefasst. Bei der Lieferbedingung ab Werk trägt der Kunde alle Kosten ab Bereitstellung der Ware im Werk bis zum Eintreffen in seinem Lager. Lautet die Lieferbedingung frei Haus, trägt der Verkäufer (das Unternehmen, das die Ware verkauft) die Vertriebskosten.

4

Beispiel: An den Kunden Schiller GmbH wurden 20 Wanderschuhe Alpin verkauft. Den Transport von Landshut nach München übernahm die Spedition Wiesel & Flink GmbH im Auftrag der Ludwig Thalberger Schuhe e. K. Möglichkeit 1 – Lieferbedingung frei Haus: Lautet der Lieferbedingung frei Haus, trägt die Ludwig Thalberger Schuhe e. K. die Vertriebskosten. In diesem Fall belastet sie den Kunden nur mit dem Warenwert; die Vertriebskosten bedeuten für die Ludwig Thalberger Schuhe e. K. einen Aufwand, der auf das Konto Ausgangsfrachten gebucht wird.

LTS

Ludwig Thalberger Schuhe e. K. – Rudolf-Diesel-Str. 12 – 84030 Landshut

Rechnungsdatum: Auftragsdatum: Kunde:

Schiller GmbH Pestalozzistraße 8 80469 München

Lieferbedingung:

12.10.20XX 09.10.20XX 240112 frei Haus

Rechnung LTS 382-20XX Menge

Art.-Nr.

Artikelbezeichnung

Einzelpreis (€)

Gesamtpreis (€)

20

2280 B 1412

Wanderschuh „Alpin“, Größe 40, Farbe schwarz

54,95 €

1.099,00 €

Warenwert netto 19% USt

1.099,00 € 208,81 €

Rechnungsbetrag

1.307,81 €

Zahlungsbedingungen: Zahlung innerhalb von 30 Tagen ohne Abzug

160


Lernsituation 16: Erstellung und Buchung einer Ausgangsrechnung

Listenverkaufspreis +

Umsatzsteuer

=

Rechnungsbetrag

1.099,00 € 19 %

208,81 € 1.307,81 €

Der Buchungssatz zur obigen Ausgangsrechnung lautet: Buchungssatz FO

Betrag (in EUR)

an

1.307,81 UEFE

1.099,00

UST

4

208,81

Spedition Wiesel & Flink GmbH – Industriepark 86 – 83024 Rosenheim

Rechnungsdatum: Auftragsdatum: Kunde:

Ludwig Thalberger Schuhe e. K. Rudolf-Diesel-Str. 12 84030 Landshut

Rechnungsnummer:

13.10.20XX 12.10.20XX 240177 774/20XX

Rechnung Auftrag

Menge

LTS 382-20XX

4 Karton

Gesamtpreis (€)

Transport von Landshut nach Schiller GmbH, München

41,00 €

Warenwert netto 19% USt

41,00 € 7,79 €

Rechnungsbetrag

48,79 €

Zahlungsbedingungen: Zahlung innerhalb von 30 Tagen ohne Abzug

Die Eingangsrechnung der Spedition Wiesel & Flink GmbH bucht die Ludwig Thalberger Schuhe e. K. wie folgt: Buchungssatz

Betrag (in EUR)

AFR VORST

41,00 Tel.: 08031 12343-0 Fax: 08031 12343-21 E-Mail: info@chiem-sport.de Internet: www.chiem-sport.de

an

VE

Geschäftsführerin: Franziska Brandl Handelsregister Rosenheim, HRB 5302 USt-IdNr.: DE 167234959 St.-Nr. 156/324/60754

7,79

48,79

Bankverbindung: Sparkasse Rosenheim – Bad Aibling IBAN: DE11 7115 0000 0009 7763 45 BIC: BYLADEM1ROS

161


4

Buchhalterische Erfassung des betrieblichen Produktionsprozesses

Möglichkeit 2 – Lieferbedingung ab Werk Lautet die Lieferbedingung ab Werk, muss der Kunde die Vertriebskosten tragen. Trotzdem erhält und verbucht die Ludwig Thalberger Schuhe e. K. nach wie vor die Rechnung der Wiesel & Flink GmbH für den Transport der Wanderschuhe. Diese Kosten werden in diesem Fall jedoch an den Kunden weitergegeben. Dabei rechnet die Ludwig Thalberger Schuhe e. K. die Vertriebskosten dem Listenverkaufspreis hinzu und verbucht den Gesamtbetrag auf das Konto Umsatzerlöse Fertigerzeugnisse.

LTS

4 Ludwig Thalberger Schuhe e. K. – Rudolf-Diesel-Str. 12 – 84030 Landshut

Rechnungsdatum: Auftragsdatum: Kunde:

Schiller GmbH Pestalozzistraße 8 80469 München

Lieferbedingung:

12.10.20XX 09.10.20XX 240112 frei Haus

Rechnung LTS 382-20XX Menge

Art.-Nr.

Artikelbezeichnung

Einzelpreis (€)

Gesamtpreis (€)

20

2280 B 1412

Wanderschuh „Alpin“, Größe 40, Farbe schwarz

54,95 €

1.099,00 €

Warenwert netto zzgl. Fracht und Verpackung Rechnungsbetrag netto 19% USt

1.099,00 € 41,00 € 1.140,00 € 216,60 €

Rechnungsbetrag

1.356,60 €

Zahlungsbedingungen: Zahlung innerhalb von 30 Tagen ohne Abzug

Listenverkaufspreis +

Vertriebskosten

=

Rechnungsbetrag netto

+

Umsatzsteuer

=

Rechnungsbetrag Tel.: 08031 12343-0 Fax: 08031 12343-21 E-Mail: info@chiem-sport.de Internet: www.chiem-sport.de

1.099,00 € 41,00 € 1.140,00 € 19 %

216,60 € 1.356,60 €

Geschäftsführerin: Franziska Brandl Handelsregister Rosenheim, HRB 5302 USt-IdNr.: DE 167234959 St.-Nr. 156/324/60754

Der Buchungssatz zur obigen Ausgangsrechnung lautet: Buchungssatz FO

162

Betrag (in EUR)

an

1.356,60 UEFE

1.140,00

UST

216,60

Bankverbindung: Sparkasse Rosenheim – Bad Aibling IBAN: DE11 7115 0000 0009 7763 45 BIC: BYLADEM1ROS


Lernbereich 4: Aufgaben

Lernbereich 4: Aufgaben Aufgabe 1 Entscheidet bei den folgenden Konten, ob sie Bestandskonten (Aktiv- bzw. Passivkonten) oder Erfolgskonten (Aufwands- bzw. Ertragskonten) sind. Bank Grundstücke Schreibtisch Mieteinnahmen Maschinen Ausgangsrechnung Handelswaren Lagerhalle Gehälter Steuern Löhne Heizkosten Darlehen Mietausgaben Lkw Eigenkapital Eingangsrechnung Werbekosten Provisionseinnahmen Stromkosten

4

Aufgabe 2 Bildet zu nachfolgenden Geschäftsvorfällen die entsprechenden Buchungssätze. Entscheidet jeweils, ob der Geschäftsvorfall erfolgswirksam (+ = Ertrag oder – = Aufwand) oder erfolgsneutral (n) ist.

Musterbeispiel Das Unternehmen X kauft einen neuen Firmen-Pkw im Wert von 25.000,00 € durch Banküberweisung. Buchungssatz Fuhrpark

Betrag (in EUR)

an

neutral

25.000,00 Bank

25.000,00

 1. Das Unternehmen Y bezahlt die Vergütung für seine Auszubildenden über 4.500,00 € durch Banküberweisung.  2. Das Unternehmen A bezahlt die Miete über 800,00 € bar.  3. Das Unternehmen B bezahlt die Stromrechnung über 1.200,00 € durch Banküberweisung.  4. Die Bank belastet das Unternehmenskonto mit 135,00 € Darlehenszinsen.  5. Das Unternehmen C hebt vom Bankkonto 3.000,00 € ab und legt sie in die Kasse.  6. Das Unternehmen D überweist Reisekosten über 300,00 €.  7. Eine Lieferantenrechnung wird wie folgt bezahlt: Barzahlung über 10.980,00 € und 25.000,00 € durch Banküberweisung.  8. Provisionserträge über 2.500,00 € werden auf dem Bankkonto gutgeschrieben.  9. Die Rechnung für die Putzkolonne über 750,00 € wird bar bezahlt. 10. Provisionen in Höhe von 25.765,00 € werden dem Bankkonto gutgeschrieben. 11. Die Heizungsrechnung über 4.759,00 € wird durch Banküberweisung bezahlt. 12. Die Bank schreibt 250,00 € für ein Sparbuch gut. 13. Ein Kunde zahlt eine Rechnung über 357,50 € bar. 14. Das Bankkonto wird mit 390,00 € Telefonkosten, 80,00 € Strom und 62,00 € Zinsen belastet. 15. Frau Dame erhält für ihre Verkaufserfolge eine Provision über 10.000,00 € per Banküberweisung. 163


4

Buchhalterische Erfassung des betrieblichen Produktionsprozesses

16. Barzahlung über 300,00 € für eine Werbekampagne. 17. Bezahlung des neuen Ausliefer-Lkw im Wert von 65.000,00 € wie folgt: 20 % Bar­ anzahlung, der Restbetrag geht auf Rechnung. 18. Die Betriebs-Haftpflichtversicherung über 1.000,00 € wird per Bank bezahlt. 19. Die Gehälter über 50.000,00 € werden per Banküberweisung beglichen. 20. Ein Schreibtisch im Wert von 1.200,00 € wird per Bank bezahlt. 21. Briefmarkenkauf im Wert von 60,00 € in bar. 22. Eingang der Mietzahlung für eine vermietete Lagerhalle über 2.500,00 € per Bank. 23. Der Außendienstmitarbeiter hat im letzten Monat gut verkauft. Er erhält eine Umsatzprovision von 2.500,00 € bar ausgezahlt. 24. Zielkauf von Kugelschreibern und Schreibblöcken für das Büro im Wert von 85,00 €. 25. Bezahlen der Versicherung für den Geschäftswagen über 3.000,00 € per Bank. 26. Der Pächter einer Lagerhalle erhält vom Unternehmen K eine Rechnung über 6.500,00 €. 27. Unternehmen P bezahlt die Gehälter der Mitarbeiter über 12.000,00 € durch Banküberweisung. 28. Bezahlung der Telefonrechnung über 450,00 € durch Banküberweisung.

4

Aufgabe 3 Dem Bekleidungsgeschäft Schreiner e. K. liegen folgende zwei Angebote vor: Angebot Bengler & Sohn, Donauwörth

Angebot Meister, Nürnberg

Preis 8,40 € pro Stück einschließlich Verpackung; bei Abnahme von mindestens 50 Stück gewähren wir einen Mengenrabatt von 15 %. Bei unserer Lieferung ab Werk Donauwörth stellen wir Ihnen pro Hemd 0,10 € Transportkosten in Rechnung. Die Hemden sind innerhalb von 2 Wochen lieferbar. Die Zahlung erbitten wir innerhalb von 6 Wochen ab Rechnungsdatum.

Preis 7,40 € pro Stück; als Verpackungskostenpauschale berechnen wir 10,00 €. Der Preis gilt frei Haus. Ihre Zahlung erbitten wir innerhalb von 14 Tagen abzüglich 2 % Skonto oder innerhalb von 30 Tagen ohne Abzug.

1. Ermittelt den Einstandspreis für 100 T-Shirts. 2. Überlegt Gründe, warum Schreiner e. K. bei dem teureren Händler bestellt.

164


Lernbereich 4: Aufgaben

Aufgabe 4 Die Alpin Sport GmbH möchte Snowboards in ihr Sortiment aufnehmen. Aus diesem Grund wurde eine Anfrage an mehrere Lieferanten versendet. Betrachtet hierzu nachfolgendes Angebot der Snow World AG aus Aschaffenburg:

Snow World AG Friedrich-Ebert-Ring 168 63743 Aschaffenburg

4

Sehr geehrte Frau Hillenbrandt, vielen Dank für Ihre Anfrage vom 22.07.20XX. Aus unserem aktuellen Sortiment können wir Ihnen anbieten: Snowboard „Drive“

319,95 € pro Stück

Bei der von Ihnen geplanten Bestellmenge von 20 Stück und der in Aussicht gestellten Gesamtabnahmemenge von 300 Stück können wir Ihnen einen Rabatt von 10 % einräumen. Die Kosten für Fracht und Verpackung berechnen wir mit 25,00 € pro Stück. Die von Ihnen gewünschte Lieferzeit von 10 Tagen können wir garantieren. Wir können Ihnen ein Zahlungsziel von 40 Tagen anbieten; sollten Sie allerdings innerhalb von 14 Tagen nach Rechnungseingang bezahlen, gewähren wir 3 % Skonto. Sollten Sie noch Fragen haben, stehen wir Ihnen selbstverständlich zur Verfügung. Wir sind uns sicher, Ihnen ein attraktives Angebot unterbreitet zu haben, und freuen uns schon jetzt auf Ihre Bestellungen. Mit freundlichen Grüßen

i.V. Heidi Bergner Leitung Verkauf

1. Überprüft das Angebot auf seine Vollständigkeit. 2. Erläutert zu den einzelnen im Angebot gefundenen Angebotsbedingungen die entsprechenden gesetzlichen Regelungen. 3. Begründet auch, weshalb die vertraglichen Angebotsbedingungen Vorrang vor den gesetzlichen Regelungen haben.

165


4

Buchhalterische Erfassung des betrieblichen Produktionsprozesses

Aufgabe 5 Du bist beim Küchenparadies Martin KG in Neuburg an der Donau in der Abteilung Einkauf beschäftigt. Der neueste Verkaufsschlager ist die Küche Adventure mit integriertem Essbereich; allerdings nur im Stehen. Aus diesem Grund wird die Verkaufsabteilung immer wieder nach Sitzgelegenheiten für diesen Essbereich angefragt. Die Geschäftsleitung hat nun beschlossen, Hocker in das Programm mit aufzunehmen. Betrachte hierzu nachfolgende Gesprächsnotiz:

Schweinfurter Küchenwerkstatt e.K. Gesprächsnotiz

4

Betreff: Gesprächspartner:

Sitzhocker für das Küchenprogramm „Adventure“ Max Moser, Abteilungsleiter Einkauf

Wie von der Geschäftsleitung beschlossen, werden wir unser Küchenprogramm „Adventure“ um Sitzhocker für den Essbereich erweitern. Wir haben deswegen schon ausgiebig im Internet nach geeigneten Lieferanten Ausschau gehalten. Nach intensiver Prüfung kommen für uns nur folgende zwei Unternehmen infrage: – Möbel Münch in Darmstadt – Möbel Wöhrl in Hamburg Wir planen vorerst mit einem Bedarf von 1.500 Sitzhockern pro Jahr. – Führen Sie einen Angebotsvergleich durch (nutzen Sie hierfür eine entsprechende Entscheidungstabelle).

– Bereiten Sie abschließend eine Bestellung an den ausgewählten Lieferanten vor. Vielen Dank für eure Unterstützung Max Moser

Aufgrund der Anfragen gehen innerhalb von zwei Wochen die Angebote der beiden Lieferanten ein: Angebot Münch, Darmstadt Sehr geehrter Herr Moser, wir bedanken uns für Ihre Anfrage vom 10. Juni 20XX und bieten Ihnen wie folgt an: Listenpreis: 45,00 € netto bei einer Mindestabnahmemenge von 500 Stück pro Jahr. Für die Fracht belasten wir Sie mit 0,30 € pro Hocker. Alle weiteren Details zu unserem Produkt entnehmen Sie bitte dem beiliegenden Prospekt. Unsere Lieferzeit beträgt drei Wochen. Bei Zahlung innerhalb von 14 Tagen erhalten Sie 2 % Skonto, innerhalb von 30 Tagen ohne Abzug. Mit freundlichen Grüßen

166

Infos zum - 24-StundLieferanten - Produktio en-Hotline - wird von n in Deutschland absolut zuKvunden als Lieferant be erlässiger - Umweltze schrieben - Qualitäts rtifikat ISO 14001 zertifikat I SO 9001


Lernbereich 4: Aufgaben

Angebot Wöhrl, Hamburg Sehr geehrter Herr Moser, vielen Dank für Ihre Anfrage vom 10. Juni 20XX. Aus unserem Sortiment bieten wir Ihnen an: Sitzhocker „Fabian“ mit den gewünschten Eigenschaften Listenpreis netto 38,00 € je Stück

Infos zum - guter KunLieferanten - Kein Umw dendienst - lässt in elt, Qualitätszertifik F a soziale Stanernost produzieren, t nicht geprüf dards werden - sehr gute t - schleppend Fachberatung - absolut t e Abwicklung ermintreu

Die Preise gelten für eine jährliche Mindestabnahmemenge von 1.000 Stück. Die Lieferung erfolgt frei Haus. Wir gewähren einen Sonderrabatt von 5 %. Bei Zahlung innerhalb von 10 Tagen 2 % Skonto; 60 Tage netto Kasse. Bitte beachten Sie auch unseren beigefügten Prospekt. Die Hocker können innerhalb einer Woche geliefert werden. Wir gewähren 3 Jahre Garantie.

4

Wir wären erfreut, wenn unser Angebot Ihren Vorstellungen entsprechen würde. Mit freundlichen Grüßen

Aufgabe 6 Die Mode Mayer GmbH aus Hof hat sich auf die Herstellung und den Verkauf hochwertiger Herrenanzüge und Herrensakkos spezialisiert. Als Mitarbeiter der Abteilung Finanzbuchhaltung ist es deine Aufgabe, zu den vorliegenden Geschäftsvorfällen den Buchungssatz zu bilden. Übersicht: Werkstoffe und Handelswaren Rohstoffe

Schurwolle, Baumwolle, Polyester, Futterstoff, Schulterpolster etc.

Hilfsstoffe

Garn, Knöpfe, Reißverschluss usw.

Betriebsstoffe

Maschinenöl, Strom usw.

Handelswaren

Herrenhemden, Krawatten

 1. Mode Mayer kauft Schurwolle zum Listenpreis netto 2.500,00 € auf Ziel.  2. Mode Mayer kauft 600 Päckchen Knöpfe zum Listenpreis netto 8,00 € je Päckchen gegen Banküberweisung.  3. Mode Mayer erhält eine Eingangsrechnung über brutto 3.570,00 € für gelieferte Baumwolle.  4. Mode Mayer bezahlt eine Lieferung Reißverschlüsse zum Listenpreis netto 1.600,00 € durch Banküberweisung.  5. Mode Mayer kauft 75 Krawatten zum Listenpreis brutto 21,42 € je Krawatte auf Ziel.  6. Mode Mayer erhält eine Eingangsrechnung für gelieferten Futterstoff von der Firma Jacky Schwarz GmbH, Saarbrücken: Listenpreis netto 12.000,00 € abzüglich 12 % Treuerabatt.  7. Mode Mayer kauft Garn zum Listenpreis brutto 535,00 € auf Ziel. Der Lieferant gewährt einen Mengenrabatt von 10 %.

167


4

Buchhalterische Erfassung des betrieblichen Produktionsprozesses

 8. Mode Mayer kauft 35 Pakete Schulterpolster zum Einzelpreis netto 45,00 € gegen Banküberweisung. Der Lieferant gewährt einen Rabatt von 8 %.  9. Mode Mayer kauft 250 Herrenhemden zum Einzelpreis netto von 20,00 €. Es erhält einen Mengenrabatt von 20 %, und nach Abzug des Mengenrabatts zusätzlich noch einen Treuerabatt von 5 %. 10. Eingangsrechnung der Grosso-Handels AG: Schurwolle zum Nettopreis 3.500,00 €; Mode Mayer erhält einen Mengenrabatt von 15 % und nach Abzug des Mengenrabatts zusätzlich 5 % Großkundenrabatt. a) Bucht die Eingangsrechnung. b) Der Rechnungsbetrag wird durch Banküberweisung bezahlt.

4

11. Mode Mayer erhält folgende Eingangsrechnung für gelieferte Baumwolle der Firma Mutzmayer GmbH, Augsburg: Warenwert netto 1.830,00 € + Fracht 150,00 € + Verpackung 20,00 € = Rechnungsbetrag netto 2.000,00 € + 19 % Umsatzsteuer 380,00 € = Rechnungsbetrag brutto 2.380,00 € 12. Mode Mayer kauft 150 Pakete Knöpfe im Warenwert netto 45,00 € je Paket. Hinzu kommen für Fracht und Verpackung 50,00 € netto. Bucht den Kauf auf Ziel. 13. Bucht folgende Eingangsrechnung:

Hanselmann GmbH, Industriepark West 1, 80637 München

Mode Meyer GmbH Wernerstraße 27 95030 Hof

Rechnung Kunden-Nr.

Rechnung

Verkäufer

Telefon

Datum

240003

HAN 44/12

Frau Jakobs

089/2233-440

12.06.20XX

Pos Art.-Nr.

Bezeichnung

1

HAN 44

Herrenhemd "Caribic", blau

Menge

40

Einzelpreis

50,00 €

Gesamtpreis

2.000,00 €

2

HAN 48

Herrenhemd "Caribic", rot

40

50,00 €

2.000,00 €

Listenpreis netto Rabatt 20% Zielpreis netto Fracht Verpackung Rechnungsbetrag netto Umsatzsteuer 19 %

4.000,00 € 800,00 € 3.200,00 € 75,00 € 25,00 € 3.300,00 € 627,00 €

Rechnungsbetrag brutto

3.927,00 €

Zahlungsbedingung: Innerhalb 10 Tagen 2 % Skonto auf den reinen Warenwert, innerhalb 30 Tagen rein netto

168


Lernbereich 4: Aufgaben

14. Kauf von 10 Fass Motoröl zum Einzelpreis netto von 250,00 €. Mode Mayer erhält einen Mengenrabatt von 20 %. Hinzu kommen noch Transportkosten über netto 50,00 € und Kosten für die Palette (= Leihverpackung) über netto 25,00 €. a) Bucht den Kauf auf Ziel. b) Bezahlt den Rechnungsbetrag durch Banküberweisung. 15. Mode Mayer kauft Baumwolle zum Listeneinkaufspreis netto 2.500,00 € mit einem Mengenrabatt von 10 %. a) Bucht den Kauf auf Rechnung. b) Die Kosten für den Transport über 80,00 € netto werden dem Transportunternehmen in bar bezahlt.

4

Aufgabe 7 Du bist Mitarbeiter/-in im Verkauf der Würzburger Sportmoden OHG. Anbei ein Auszug aus dem Sortiment: Auszug aus dem Sortiment der Würzburger Sportmoden OHG Artikelnummer

Artikelbezeichnung

Preis

2280 WSM 1401

Fußballtrikot „FC Bayern München“

49,95 €

2280 WSM 1501

Fußballtrikot „FC Nürnberg“

49,95 €

2280 WSM 1601

Fußballtrikot „FC Augsburg“

49,95 €

2280 WSM 1701

Fußballtrikot „TSV 1860 München“

49,95 €

2280 WSM 1801

Fußballtrikot „FC Ingolstadt“

49,95 €

2280 WSM 2041

Trainingsanzug „Bavaria“ Farbe grün, Größe S–XXL

55,95 €

2280 WSM 2042

Trainingsanzug „Bavaria“ Farbe schwarz-weiß, Größe S–XXL

55,95 €

2280 WSM 2043

Trainingsanzug „Bavaria“ Farbe rot-weiß, Größe S–XXL

55,95 €

2280 WSM 2062

Trainingsanzug „Europa CSM“ Farbe schwarz, Größe S–XXL

59,95 €

2280 WSM 2091

Trainingsanzug „Athletik“ Farbe grün, Größe S–XXL

64,95 €

2280 WSM 2092

Trainingsanzug „Athletik“ Farbe schwarz-weiß, Größe S–XXL

64,95 €

2280 WSM 2093

Trainingsanzug „Athletik“ Farbe rot-weiß, Größe S–XXL

64,95 €

2280 WSM 2104

Trainingsanzug „Isar“ Farbe grün-weiß, Größe S–XXL

39,95 €

2280 WSM 2105

Trainingsanzug „Isar“ Farbe schwarz-weiß, Größe S–XXL

39,95 €

2280 WSM 2106

Trainingsanzug „Isar“ Farbe rot-blau, Größe S–XXL

39,95 €

2280 WSM 2201

Trainingsanzug „Olymp“ Farbe grün-weiß, Größe S–XXL

89,95 €

2280 WSM 2202

Trainingsanzug „Olymp“ Farbe schwarz-weiß, Größe S–XXL

89,95 €

2280 WSM 2203

Trainingsanzug „Olymp“ Farbe rot-blau, Größe S–XXL

89,95 €

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4

Buchhalterische Erfassung des betrieblichen Produktionsprozesses

Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Würzburger Sportmoden OHG • Lieferungen erfolgen grundsätzlich „frei Haus“ • Rabatt: ab Nettowarenwert 2.000,00 € 10 %, ab 5.000,00 € 15 %, ab 10.000,00 € 20 % • Zahlungsziel: Zahlung innerhalb von 14 Tagen 2 % Skonto, innerhalb von 30 Tagen ohne Abzug • Lieferzeit: 10 Tage ab Bestellung • bis zur vollständigen Zahlung bleibt die Ware Eigentum der Würzburger Sport­ moden OHG Erstelle zu folgenden Bestellungen die entsprechende Ausgangsrechnung:

4

1. Sport Franke, Hauptstraße 18, 97422 Schweinfurt Rechnungsnummer WSM 178-20XX, Rechnungsdatum: aktueller Tag Bestellung: 20 Trainingsanzüge „Athletik“, Farbe grün, Größe L 2. Niedermeyer Sportmoden, Nutzweg 42, 96450 Coburg Rechnungsnummer WSM 334-20XX, Rechnungsdatum: aktueller Tag Bestellung: 10 Fußballtrikots „FC Bayern München“ 10 Fußballtrikots „TSV 1860 München“ 15 Trainingsanzüge “Isar“, Farbe rot-blau, Größe S 15 Trainingsanzüge „Isar“, Farbe schwarz-weiß, Größe L

Fit & Fun GmbH – Linzer Straße 4 – 92637 Weiden i. d. Opf

Würzburger Sportmoden OHG Unter der Burg 29 97084 Würzburg Ihr Zeichen/ Ihre Nachricht vom –/–

Unser Zeichen/ Unsere Nachricht vom SC/ 06.03.20XX

Ansprechpartner Frau Schwarz

Telefon/ Mail 0961 6140 21 info@fitandfun.de

Bestellung Sehr geehrte Frau Herbert, vielen Dank für Ihr umfassendes Angebot vom 2. März 20XX. Wir bestellen zu den im Angebot genannten Bedingungen: 10 Trainingsanzüge „Bavaria“, schwarz-weiß, Größe L 10 Trainingsanzüge „Athletik“, schwarz-weiß, Größe L 10 Trainingsanzüge „Isar“, schwarz-weiß, Größe L Bei einer entsprechend reibungslosen Auftragsabwicklung können Sie mit weiteren Aufträgen rechnen. Wir freuen uns auf eine gute und dauerhafte Zusammenarbeit. Mit freundlichen Grüßen Fit & Fun GmbH

Petra Schwarz Einkauf

170

Datum 06.03.20XX


Lernbereich 4: Aufgaben

Aufgabe 8 Und noch einmal die Mode Mayer GmbH aus Hof. Als Mitarbeiter/-in der Abteilung Finanzbuchhaltung ist es deine Aufgabe, zu den vorliegenden Geschäftsvorfällen den Buchungssatz zu bilden:  1. Verkauf von Anzügen zum Listenpreis netto 4.500,00 € auf Ziel.  2. Verkauf von 80 Sakkos zum Listenpreis netto 190,00 € je Sakko gegen Banküberweisung.  3. Ausgangsrechnung über brutto 8.925,00 € für gelieferte Anzüge.  4. Verkauf von 25 Sakkos zum Listenpreis brutto 178,50 € je Sakko auf Ziel.  5. Gesendete Ausgangsrechnung für gelieferte Anzüge an die Firma Müller Mode GmbH, Würzburg: Listenpreis netto 2.000,00 € abzüglich 12 % Rabatt.  6. Verkauf von Sakkos zum Listenpreis brutto 5.712,00 € auf Ziel mit einem Mengenrabatt von 10 %.  7. Verkauf von 35 Anzügen zum Nettopreis 450,00 € je Stück gegen Banküberweisung mit Rabattgewährung von 8 %.  8. Verkauf von Herrenanzügen zum Listenpreis netto 1.600,00 € auf Rechnung. Hinzu kommen noch 150,00 € netto für Fracht und 45,00 € netto für die Verpackung.  9. Mode Mayer bezahlt die Ausgangsfrachten über 1.487,50 € brutto durch Bank­ überweisung. 10. Ausgangsrechnung an die Mode-Handel Friedrich GmbH: 250 Herrensakkos à 350,00 € mit einem Mengenrabatt von 15 % und nach Abzug des Mengenrabatts zusätzlich 5 % Großkundenrabatt. Hinzu kommen noch für Versicherung und Verpackung 45,00 € netto.

4

a) Bucht die Rechnung. b) Die Frachtkosten für die Lieferung zum Kunden über netto 130,00 € zahlen wir durch Postbanküberweisung. c) Der Rechnungsbetrag wird vom Kunden durch Banküberweisung bezahlt. 11. Mode Mayer – Wernerstraße 27 – 95030 Hof

Sportgeschäft Fit e. K. Hauptstraße 22 97616 Bad Neustadt

Rechnung Kunden-Nr.

Rechnung

Verkäufer

Telefon

Datum

240012

296

Herr Martin

089/2233-440

25.02.20XX

Pos Art.-Nr.

Bezeichnung

1

SF 0832

Trainingsanzug „arima“ Größe S

Menge

20

Einzelpreis

80,00 €

Gesamtpreis

1.600,00 €

2

SF 0833

Trainingsanzug „arima“ Größe L

25

80,00 €

2.000,00 €

Listenpreis netto Umsatzsteuer 19 %

3.600,00 € 684,00 €

Rechnungsbetrag brutto

4.284,00 €

Zahlungsbedingung: Die Lieferungs- und Zahlungsbedingungen entnehmen Sie unseren AGB’s

171


4

Buchhalterische Erfassung des betrieblichen Produktionsprozesses

12.

Netto

ct

€ +

% MwSt.

Gesamt

240, 00 45, 60 285, 60

Gesamtbetrag € in Worten

ct

Quittung

ct

Nr.

196

vierhundert und fünfundachtzig

(Im Gesamtbetrag sind

4

Cent wie oben

% Umsatzsteuer enthalten)

von

Sportgeschäft Müller OHG

für

4 Trainingsanzüge „Bavaria“, Größe L, Farbe 175

richtig erhalten zu haben, bestätigt Ort

Hof

Datum

Buchungsvermerke

14.02.20XX

Stempel/Unterschrift des Empfängers

i. A. Maier Rosi (Mode Mayer GmbH)

13.

Mode Mayer – Wernerstraße 27 – 95030 Hof

Tiger AG Hohenzollernstraße 11–34 94032 Passau

Rechnung Kunden-Nr.

Rechnungsnummer

Verkäufer

Telefon

Datum

240077

T256/20XX

775/20XX

22.02.20XX

27.02.20XX

Pos Art.-Nr.

Bezeichnung

1

Trikots "Tiger Spezial" Größe S

175465

Menge

Einzelpreis

100

45,00 €

4.500,00 €

Listenpreis netto Umsatzsteuer 19 %

4.500,00 € 855,00 €

Rechnungsbetrag brutto

5.355,00 €

Zahlungsbedingung: Die Lieferungs- und Zahlungsbedingungen entnehmen Sie unseren AGB’s

172

Gesamtpreis


Strukturierung der ­Geschäftsbuchführung

Die Schülerinnen und Schüler … • eröffnen die Geschäftsbuchführung, indem sie die Anfangsbestände in die aktiven und passiven Bestandskonten übernehmen. • erfassen laufende Buchungen im Grund- und Hauptbuch. • schließen die Aufwands- und Ertragskonten auf das Konto Gewinn und Verlust formal richtig ab. Dabei begründen sie, welche Art von Erfolg das Unternehmen in der betrachteten Periode erzielt hat. • führen die Erfolgs- und die Bestandsrechnung buchhalterisch im Konto Eigenkapital zusammen. • stellen die Vermögenslage des Unternehmens dar, indem sie die Bestandskonten im Hauptbuch abschließen. • interpretieren die betriebswirtschaftliche Entwicklung, indem sie die Eröffnungs- und Schlussbilanz miteinander vergleichen. • ermitteln auf Grundlage der Werte von Ist- und Soll-Rechnung Inventurdifferenzen und stellen dafür mögliche Ursachen dar.

5


5

Strukturierung der ­Geschäftsbuchführung

Lernsituation 17: Abschluss aller Konten am Ende des Jahres Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Und wie jedes Jahr um diese Zeit herrscht auch jetzt bei der Ludwig Thalberger Schuhe e. K. wieder ein reges Treiben – es ist Inventur. Und wie bereits im letzten Jahr unterstützt Jennifer auch dieses Jahr wieder Herrn Marinoff bei den Abschlussarbeiten.

5

Herr Marinoff: Jennifer, kannst du dich noch an die Inventur im letzten Jahr erinnern? Jennifer:

Ja klar, Herr Marinoff. Das war ein ganz schöner Trubel. Zuerst haben wir alles gezählt, dann in das Inventar übertragen und daraus dann die Schlussbilanz erstellt.

Herr Marinoff: Genau. Tja, auch das steht dieses Jahr wieder an. Aber auch die Buchhaltung muss abgeschlossen werden. Jennifer:

Okay. Und wie funktioniert das?

Herr Marinoff: Ist eigentlich ganz einfach … und den größten Teil habe ich auch schon vorbereitet. Also, zuerst müssen wir noch die beiden Erfolgskonten auf dem Gewinn- und Verlustkonto abschließen. Auf diesem Konto kannst du dann übrigens erkennen, ob unser Unternehmen im abgelaufenen Jahr Gewinn oder Verlust gemacht hat. Jennifer:

Ah, o. k., ich glaube, das habe ich jetzt schon verstanden.

Herr Marinoff: Und das Gewinn- und Verlustkonto schließen wir dann auf dem Konto Eigenkapital ab. Und schwupp, genau an dieser Stelle sind wir bei den Bestandskonten. Jennifer:

Das bedeutet, dass das Eigenkapital das Bindeglied zwischen Erfolgskonten und Bestandskonten ist.

Herr Marinoff: Genau … und dann müssen wir nur noch die Bestandskonten abschließen. Ach ja, da ist noch ein Kontoauszug, der vorher verbucht werden muss; das ist aber kein Problem für dich. Jennifer:

Stimmt. Aber wo schließe ich die Konten dann ab?

Herr Marinoff: Auf dem Schlussbilanzkonto. Das habe ich auch schon größtenteils vorbereitet. Jennifer: 174

Gut. Dann … wie sagen Sie immer: „Ran an die Arbeit.“


Lernsituation 17: Abschluss aller Konten am Ende des Jahres

Arbeitsmaterial Soll Summe aller Buchungen

Mietaufwand

Haben

41.080,00 €

Soll

Zinserträge

Haben

Summe aller Buchungen

Soll Aufw. für Roh-, Hilfs-, ­Betriebsstoffe

Gewinn- und Verlustkonto

6.800,00 €

Haben

4.148.000,00 € UE für Fertigerzeugnisse

6.337.000,00 €

Aufw. für Energie

228.100,00 € UE für Handelswaren

908.000,00 €

Aufw. für Handelswaren

557.540,00 € Mieterträge

Löhne/Gehälter

Sonstige Aufwendungen

M2

5

27.450,00 €

540.000,00 € Zinserträge

Mietaufwand Zinsaufwand

M1

Sonstige Erträge

96.750,00 €

43.600,00 € 1.518.680,00 €

Jahresüberschuss

Soll

Eigenkapital

Haben

Anfangsbestand

M3

1.482.000,00 €

M4 Konto 2 244 68 BLZ 743 500 00 Sparkasse Landshut Datum Erläuterungen

Kontoauszug 198 Blatt 2 Betrag

Kontostand in EUR am 30.12.20XX, Auszug Nr. 197 31.12. Lastschrift Barauszahlung

14.000,00 + ------------------5.400,00 +

------------------neuer Kontostand in EUR am 31.12.20XX, Auszug Nr. 198 8.600,00 + Ludwig Thalberger Schuhe e.K. Rudolf-Diesel-Str. 12 84030 Landshut

IBAN: DE10 7435 0000 0000 2244 68 SWIFT-BIC: BYLADEM1LAH

175


5

Strukturierung der ­Geschäftsbuchführung

Soll Anfangsbestand Summe aller Buchungen Soll Anfangsbestand Summe aller Buchungen M5

5

Soll

2.100,00 € Summe aller Buchungen

Bank 42.300,00 € Summe aller Buchungen

SBK

Maschinen

1.215.300,00 € Darlehen 52.400,00 € Verbindlichkeiten aus L. L. 132.000,00 €

BGA

41.000,00 €

Roh-, Hilfs-, Betriebsstoffe

45.400,00 €

Fertigerzeugnisse

92.400,00 €

Handelswaren

22.340,00 €

Forderungen aus L. L.

52.700,00 €

Bank Kasse

129.640,00 €

Haben 7.012.600,00 €

6.984.300,00 €

834.000,00 € Eigenkapital

Fuhrpark

Haben

128.340,00 €

Grundstücke und Gebäude

Lagereinrichtung

176

Kasse

Haben

706.890,00 € 44.050,00 €


Lernsituation 17: Abschluss aller Konten am Ende des Jahres

Handlungsaufträge 1. Macht euch mit der Situation vertraut, indem ihr euch zunächst orientiert. ­Betrachtet hierzu die erhaltenen Unterlagen und stellt sicher, dass euch klar ist,was eure Aufgabe ist. Informiert euch über das Schlussbilanzkonto (SBK) und das Gewinn- und Verlustkonto (GuV). (Orientierung und Information) 2. Plant euer weiteres Vorgehen, indem ihr euch Gedanken macht, was in dieser konkreten Situation zu tun ist, und notiert dies stichpunktartig. (Planung) 3. Schließt alle Konten der Ludwig Thalberger Schuhe e. K. zum Jahresende ab. Entwickelt eine Systematik für den Abschluss der Konten und haltet diese schriftlich fest. (Durchführung) 4. Bewertet euer Ergebnis im Klassenplenum. Nehmt Kritikpunkte auf zur Vollständigkeit und inhaltlichen Richtigkeit, ergänzt eure Ausführungen gegebenenfalls und korrigiert Fehler. (Bewertung)

5

5. Reflektiert kritisch mögliche Fehlerquellen im Buchungsprozess und überprüft eure Arbeitsweise. Seid bereit, euer Arbeitsergebnis zu verantworten und aus Fehlern zu lernen. Erkennt, dass ihr bei der Kontierung von Buchungsbelegen besonders gewissenhaft arbeiten müsst. Ebenso reflektiert euer Verhalten in der Arbeitsgruppe und überlegt, wie ihr Verhaltensweisen verbessern könnt. (Reflexion)

Ergänzender Handlungsauftrag für die Lernbereiche 3–5 „­LERNKARTEI“ 1. Führt eure Lernkartei zum Thema Buchführung fort. 2. Schreibt jeden der folgenden Begriffe auf die Kopfzeile eines DIN-A6-Kärtchens: Schlussbilanzkonto, Gewinn- und Verlustkonto, usw. 3. Sortiert die Begriffskärtchen nach den Kriterien weiß ich oder weiß ich nicht. 4. Bildet Kleingruppen und erklärt euch gegenseitig die Weiß-ich-nicht-Kärtchen. Schlagt dabei die ungeklärten Begriffe im Schulbuch nach. 5. Schreibt die Begriffserklärungen auf die Rückseite des entsprechenden Kärtchens und ordnet diese unter der Leitkarte Buchführung alphabetisch in euren Lern­ kartei-Behälter ein.

177


5

Strukturierung der ­Geschäftsbuchführung

Informationen zur Lernsituation 17

Abschluss der Erfolgskonten über das Gewinn- und Verlustkonto (GuV) Um einen schnellen Überblick über alle Aufwendungen und Erträge zu haben, führen Unternehmen ein Sammelkonto ein, das Gewinn- und Verlustkonto (GuV). Darin erkennt das Unternehmen sofort, welchen Erfolg es im abgelaufenen Geschäftsjahr hatte. Das Beispiel der Hansen OHG verdeutlicht dies. Im Laufe des Geschäftsjahres wurden auf den Erfolgskonten folgende Geschäftsvorfälle gebucht: Geschäftsvorfall 1: Die Hansen OHG bezahlt die Miete für eine Lagerhalle in Höhe von 2.300,00 € durch Banküberweisung.

5

Geschäftsvorfall 2: Die Hansen OHG hat Geld bei der Hausbank angelegt und erhält dafür Zinsen in Höhe von 150,00 € auf dem Bankkonto gutgeschrieben. Hinweis: Natürlich werden alle Geschäftsvorfälle auf dem Bestandskonto „Bank“ gegengebucht. Da dies aber für das Verständnis dieses Kapitels keine Rolle spielt, bleibt es unberücksichtigt. Geschäftsvorfall 3: Die Hansen OHG überweist die Löhne und Gehälter in Höhe von 30.000,00 € an die Mitarbeiter. Geschäftsvorfall 4: Die Hansen OHG erhält Provisionen für verkaufte Handelswaren in Höhe von 50.000,00 € per Banküberweisung.

Buchung der Geschäftsvorfälle auf den Erfolgskonten Hauptbuch der Hansen OHG Soll (1) Bank

Soll (3) Bank

Mietaufwand

Haben

Soll

2.300,00 €

(2) Bank

Löhne/Gehälter 30.000,00 €

Zinsertrag

Haben

Soll

Provisionsertrag (4) Bank

Haben 150,00 €

Haben 50.000,00 €

Am Ende des Geschäftsjahres werden nun alle Ertrags- und Aufwandskonten auf dem Sammelkonto Gewinn und Verlust (GuV) abgeschlossen. Hierzu müssen die einzelnen Konten erst einmal ausgeglichen werden:

178


Lernsituation 17: Abschluss aller Konten am Ende des Jahres

Hauptbuch der Hansen OHG Soll

Mietaufwand

(1) Bank

Soll

2.300,00 € GuV

Haben

Soll

Zinsertrag

Haben

2.300,00 €

GuV

150,00 € (2) Bank

150,00 €

Haben

Soll

Provisionsertrag

Haben

Löhne/Gehälter

(3) Bank

30.000,00 € GuV

30.000,00 €

GuV

50.000,00 € (4) Bank

50.000,00 €

Die Gegenbuchung erfolgt auf dem Konto GuV: Soll

GuV

Mietaufwand

2.300,00 € Zinsertrag

Löhne/Gehälter

150,00 €

30.000,00 € Provisionsertrag

Gewinn

5

Haben

50.000,00 €

17.850,00 €

Ihr könnt sofort erkennen , dass die Erträge größer sind als die Aufwendungen. Die Hansen OHG hat in diesem Geschäftsjahr also einen Gewinn gemacht. Dieser Gewinn wird nun auf dem Konto Eigenkapital abgeschlossen. Soll

Eigenkapital

Schlussbestand

Haben

1.499.850,00 € Anfangsbestand

1.482.000,00 €

GuV Buchungssatz GuV

17.850,00 € Betrag (in EUR)

an

17.850,00 € Eigenkapital

17.850,00 €

Abschluss der Bestandskonten Nachdem nun zuerst die Erfolgskonten über das Gewinn- und Verlust Konto (GuV) und dieses dann über das Konto Eigenkapital abgeschlossen wurden, müssen im letzten Schritt auch noch die einzelnen Bestandskonten abgeschlossen werden. Die Bestandskonten schließen dabei über das Schlussbilanzkonto (SBK) ab. Zur Verdeutlichung betrachten wir beispielhaft nur das Aktivkonto Bank und das Passivkonto Verbindlichkeiten. Selbstverständlich gelten die folgenden Ausführungen auch für alle anderen Bestandskonten.

179


5

Strukturierung der ­Geschäftsbuchführung

Hauptbuch Soll

Bank

Haben

Anfangsbestand

5.600,00 € (1) BGA

2.500,00 €

(5) Forderungen

8.400,00 € (2) Verbindlichkeiten

1.850,00 €

(7) Forderungen

16.450,00 €

Soll

Verbindlichkeiten

(2) Bank

Haben

1.850,00 € Anfangsbestand

33.200,00 €

(3) Mietaufwand

2.500,00 €

(4) Fuhrpark

20.000,00 €

Der Schlussbestand (SB) errechnet sich als Saldo der Soll- und der Haben-Seite, d. h. aus dem Anfangsbestand plus aller Zunahmen und minus aller Abnahmen. Ihr könnt sofort erkennen, dass der Schlussbestand bei allen Aktivkonten im Haben und bei allen Passivkonten im Soll steht.

5

Hauptbuch Soll

Bank

Haben

Soll

Verbindlichkeiten

Haben

Anfangsbestand

5.600,00 € (1) BGA

2.500,00 €

(2) Bank

1.850,00 € Anfangsbestand

33.200,00 €

(5) Forderungen

8.400,00 € (2) Verbindlichkeiten

1.850,00 €

Schluss­ bestand

53.850,00 € (3) Mietaufwand

2.500,00 €

(7) Forderungen

16.450,00 € Schluss­ bestand

26.100,00 €

(4) Fuhrpark

20.000,00 €

Der Schlussbestand wird dann auf das Schlussbilanzkonto (SBK) gebucht: AKTIVA Grundstücke und Gebäude

Schlussbilanzkonto 690.000,00 € Eigenkapital

Lagereinrichtung

26.000,00 € Darlehen

Fuhrpark

85.000,00 € Verbindlichkeiten aus L. L.

BGA

49.000,00 €

Handelswaren

24.850,00 €

Forderungen aus L. L.

26.745,00 €

Bank

26.100,00 €

Kasse

PASSIVA 374.650,00 € 500.000,00 € 53.850,00 €

805,00 € 928.500,00 €

928.500,00 €

 Merke Die aus der Buchführung ermittelten Schlussbestände, die in das Schlussbilanzkonto gebucht werden, müssen mit den Werten der Inventur, die in der Schlussbilanz stehen, übereinstimmen.

180


Lernsituation 18: Inventurdifferenzen

Lernsituation 18: Inventurdifferenzen Geschafft! Herr Marinoff hat mit Unterstützung der Auszubildenden Jennifer das Schlussbilanzkonto erstellt. Und auch der Stapel bei den Inventurlisten der einzelnen Abteilungen auf dem Schreibtisch von Herrn Marinoff nimmt immer mehr ab. Herr Marinoff:

So, Jennifer, jetzt haben wir es ja fast geschafft. Nur noch die Zahlen aus der Inventurliste der Handelswaren in die Schlussbilanz übertragen … und dann sind wir fertig.

Jennifer:

Okay. Aber schauen Sie mal! Irgendwas stimmt da nicht.

Herr Marinoff:

Wieso?

Jennifer:

Naja, das sind zwei unterschiedliche Beträge bei der Schluss­ bilanz und dem Schlussbilanzkonto.

Herr Marinoff:

Stimmt. Aber das Problem haben wir jedes Jahr. Letztes Jahr hatten wir eine Differenz von 0,5 %. Herr Thalberger hat dann in einer Abteilungsleitersitzung gesagt, dass das gerade noch in einem erträglichen Rahmen ist. Aber wenn wir einmal die 1%-Grenze überspringen, müssen wir unbedingt gegensteuern und erforderliche Gegenmaßnahmen einleiten.

Jennifer:

Ja, aber wie kann das überhaupt sein? Man kann sich doch nicht um so viel verzählen. Schließlich wird bei uns doch die Inventur nach dem Vier-Augen-Prinzip durchgeführt.

Herr Marinoff:

Überleg doch mal, da gibt es noch andere Möglichkeiten.

Jennifer:

Stimmt.

Herr Marinoff:

Also gut. Dann setze dich hin und rechne bitte mal die Differenz aus. Und falls wir tatsächlich über 1 % liegen sollten, dann könntest du neben den möglichen Ursachen auch gleich ein paar Lösungsvorschläge machen.

Jennifer:

Gut, und wie berechne ich den Prozentsatz bei der Inventur­ differenz?

Herr Marinoff:

Ach so, stimmt. Du brauchst ja noch den Umsatz für die Handelswaren … Moment, das waren 85.600,00 €. Und ich habe da auch einen Merkzettel zur Berechnung an der Pinwand.

Jennifer:

Alles klar, Chef … wie sagen Sie immer: „Dann mal ab an die Arbeit!“

5

Merkzettel B Inventurdiffereerechnung nzen Inventurdiffere nz (_in ___E_U_R_)__x _10 0 Umsatz (in ___ EUR)

181


5

Strukturierung der ­Geschäftsbuchführung

Arbeitsmaterial M1

Soll

834.000,00 € Eigenkapital

1.751.400,00 €

Maschinen

1.215.300,00 € Darlehen

706.890,00 €

Fuhrpark

52.400,00 € Verbindlichkeiten aus L. L.

41.000,00 €

Roh-, Hilfs-, Betriebsstoffe

45.400,00 €

Fertigerzeugnisse

92.400,00 €

Handelswaren

22.340,00 €

Forderungen aus L. L.

52.700,00 €

Bank

14.000,00 € 800,00 € 2.502.340,00 €

2.502.340,00 €

Aktiva

Schlussbilanz zum 31.12.20XX

Grundstücke und Gebäude

834.000,00 € Eigenkapital

1.751.400,00 €

Maschinen

1.215.300,00 € Darlehen

706.890,00 €

Lagereinrichtung Fuhrpark

52.400,00 € Verbindlichkeiten aus L. L. 132.000,00 €

BGA

41.000,00 €

Roh-, Hilfs-, Betriebsstoffe

45.400,00 €

Fertigerzeugnisse

92.400,00 €

Handelswaren Forderungen aus L. L.

52.700,00 €

Bank

14.000,00 €

Kasse

182

44.050,00 €

132.000,00 €

BGA

Kasse

M2

Haben

Grundstücke und Gebäude

Lagereinrichtung

5

SBK

800,00 €

Passiva

44.050,00 €


Lernsituation 18: Inventurdifferenzen M3 Inventurliste Blatt-Nr. 22 Abteilung Lager Regale 51–55 (Handelswaren) Aufgenommen am 31. Dez. 20XX Bezeichnung

Gezählte Menge

Inventurwert Einzeln

Gesamt

1.

2280 LTS 7101 Thalberger Schnürsenkel, 150 cm, Farbe braun

180

2,50 €

450,00 €

2.

2280 LTS 7102 Thalberger Schnürsenkel, 150 cm, Farbe schwarz

340

2,50 €

850,00 €

3.

2280 LTS 7103 Thalberger Schnürsenkel, 180 cm, Farbe braun

280

2,60 €

728,00 €

4.

2280 LTS 7104 Thalberger Schnürsenkel, 180 cm, Farbe schwarz

90

2,60 €

234,00 €

5.

2280 LTS 7105 Thalberger Schnürsenkel, 150 cm, Farbe weiß

170

2,50 €

425,00 €

47

2280 LTS 7418 Thalberger Schuhputzset Max

8

39,90 €

319,20 €

48

2280 LTS 7419 Thalberger Schuhputzset Moritz

6

39,90 €

239,40 €

GESAMT Unterschriften:

12.772

5

21.430,00 €

Angesagt Simone Fella Geschrieben Sandro Sommer Kontrolliert Tarik Bas

Handlungsaufträge 1. Macht euch mit der Situation vertraut, indem ihr euch zunächst orientiert. ­Betrachtet hierzu die erhaltenen Unterlagen und stellt sicher, dass euch klar ist,was eure Aufgabe ist. Informiert euch über das Thema Inventurdifferenzen. (Orientierung und Information) 2. Plant euer weiteres Vorgehen, indem ihr euch Gedanken macht, was in dieser konkreten Situation zu tun ist, und notiert dies stichpunktartig. (Planung) 3. Verfasst eine Hausmitteilung, in der ihr eurem Vorgesetzten sinnvolle Lösungsvorschläge unterbreitet. (Durchführung) 4. Bewertet euer Ergebnis im Klassenplenum. Nehmt Kritikpunkte auf zur Vollständigkeit und inhaltlichen Richtigkeit, ergänzt eure Ausführungen gegebenenfalls und korrigiert Fehler. (Bewertung) 5. Reflektiert kritisch mögliche Fehlerquellen und überprüft eure Arbeitsweise. Seid bereit, euer Arbeitsergebnis zu verantworten und aus Fehlern zu lernen. Ebenso reflektiert euer Verhalten in der Arbeitsgruppe und überlegt, wie ihr Verhaltensweisen verbessern könnt. (Reflexion).

183


5

Strukturierung der ­Geschäftsbuchführung

Ursachen von Inventurdifferenzen Informationen zur Lernsituation 18

Von Inventurdifferenzen wird immer dann gesprochen, wenn der bei der Inventur gezählte Bestand (IST-Bestand) mit dem aus der Buchhaltung ermittelten Bestand (SOLL-Bestand) nicht übereinstimmt. Inventurdifferenzen treten meistens auf. Eine Übereinstimmung der SOLL- und IST-Bestände ist eher ungewöhnlich. Gerade in der heutigen Zeit, in der in den Unternehmen moderne Warenwirtschaftssysteme zum Einsatz kommen, werden Bestände bei jedem Zu- und Abgang automatisch fortgeschrieben. So erhält der Abteilungsleiter oder der Geschäftsführer auch zeitnah eine Information, falls die festgelegte Differenzgrenze erreicht wird. Die Gründe für Inventurdifferenzen sind vielfältig. Als Verursacher können vier unterschiedliche Gruppen auftreten: • eigene Mitarbeiter • Kunden • Mitarbeiter von Lieferanten • organisatorische Mängel

5

Vor allem in Handelsbetrieben wird der Diebstahl durch Kunden als Hauptursache genannt. Aber gerade in Produktionsbetrieben, bei denen der Kunde nicht direkt kaufen kann, scheidet diese Ursache aus. Hier sind dann nur noch Diebstähle durch eigene Mitarbeiter oder Mitarbeiter externer Unternehmen (Lieferanten, Servicedienstleister) möglich. Aber auch das Verzählen trotz des Vier-Augen-Prinzips während der Inventur bleibt als Ursache nicht aus. Und schließlich kann es noch weitere Gründe geben: • Den Eingang der Ware hat ein Mitarbeiter falsch erfasst. • Ein Mitarbeiter hat falsche Ware entnommen. • Die Ware wurde mit falschen Etiketten ausgezeichnet. • Verdorbene oder beschädigte Ware wurde entsorgt und die Entsorgung wurde nicht erfasst.

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Lernsituation 18: Inventurdifferenzen

Berechnung von Inventurdifferenzen Inventurdifferenzen werden grundsätzlich auf zwei verschiedene Weisen berechnet, als absoluter Euro-Betrag oder als Quote in Prozent. Die Quote ist das Verhältnis von Inventurdifferenz und Umsatz. Sie wird in Prozent (von Hundert) angegeben. Beispiel Der Anfangsbestand an Handelswaren betrug im letzten Jahr 4.500,00 €. Es wurden im ganzen Jahr für 140.000,00 € Handelswaren gekauft und für 136.000,00 € verkauft. Anfangsbestand

4.500,00 €

+

Einkäufe

140.000,00 €

Verkäufe

136.000,00 €

=

Schlussbestand (SOLL-Bestand lt. Buchführung)

8.500,00 €

Bei der Inventur wird ein Bestand von 7.950,00 € gezählt (IST-Bestand). Das bedeutet eine Inventurdifferenz von 550,00 €. Dieser Euro-Betrag allein hat noch keine Aussagekraft. Erst durch die Berechnung der Quote werden genauere Informationen geliefert. Man ermittelt die sog. Quote x in Prozent: Inventurdifferenz (in Euro) Umsatz (in Euro) 550,00 € 136.000,00 €

= 0,0040

5

Nice to know  Angaben in Prozent (von Hundert) machen ­Größenangaben vergleichbar. Prozentangaben lassen sich als Bruch mit dem Nenner Hundert darstellen: 1 % = 1/100 100 % = 100/100 = 1

=

= 0,40 %

In unserem Beispiel beträgt die Quote der Inventurdifferenz 0,40 %. Ein Vergleich mit Quoten der Vorjahre oder auch mit anderen Unternehmen der Branche veranlasst die Geschäftsführung bei Erreichen einer selbst festgelegten Schwelle, entsprechende Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

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5

Strukturierung der ­Geschäftsbuchführung

Maßnahmen gegen Inventurdifferenzen Inventurdifferenzen lassen sich nie völlig vermeiden. Die Quote für Inventurdifferenzen ist ganz entscheidend davon abhängig, zu welcher Branche das Unternehmen gehört. So wird ein Handelsbetrieb für Kosmetikartikel eine in der Regel erheblich höhere Inventurdifferenz aufweisen als ein Stahl verarbeitendes Produktionsunternehmen. Denn wie schon bei den Ursachen genannt, ist gerade in Einzelhandelsbetrieben der Kundendiebstahl die Hauptursache. Und genau in diesen Betrieben wird viel in Gegenmaßnahmen investiert. Vom Ladendetektiv bis zur Überwachungskamera, Einzelhandelsbetriebe lassen sich die Verringerung von Inventurdifferenzen durch Diebstahl viel Geld kosten. Bei Produktionsbetrieben wie der Ludwig Thalberger Schuhe e. K. liegen die Gründe für Inventurdifferenzen meist im organisatorischen Bereich. Auch hier gibt es einige Maßnahmen, um sie einzugrenzen: • Optimierung der Lagerorganisation. Schon bei der Anlieferung der Ware soll genau darauf geachtet werden, dass die Ware richtig etikettiert und auf den für sie vorgesehenen Lagerplatz kommt. Werden dennoch Differenzen bei der Inventur festgestellt, sollte noch einmal überprüft werden, ob die Ware nicht doch an einem anderen Platz „zwischengelagert“ wurde. • Zusätzliches Nachzählen. Trotz des Vier-Augen-Prinzips sollte der Bestand einer Ware bei hohen Differenzen nochmals nachgezählt werden. • Kontrolle durch regelmäßig und speziell geschulte Mitarbeiter. Diese müssen darauf achten, dass Retouren oder verdorbene bzw. defekte Ware, die entsorgt wurde, richtig erfasst wird.

5

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Lernbereich 5: Aufgaben

Lernbereich 5: Aufgaben Aufgabe 1 Betrachtet nachfolgenden Auszug aus dem Hauptbuch: Hauptbuch Soll (1) Bank

Soll (5) Bank (6) Kasse

Kommunikationskosten

Haben

1.945,00 €

Löhne/Gehälter

Soll (3) Kasse

Haben

Soll

Mietaufwand

Haben

2.220,00 €

Provisionsertrag

Haben

18.500,00 €

(2) Bank

26.750,00 €

450,00 €

(4) Bank

4.300,00 €

5

1. Schließt die Konten ordnungsgemäß ab und bildet die entsprechenden ­Buchungssätze. 2. Ermittelt den Gewinn bzw. Verlust.

Aufgabe 2 Bildet zu den folgenden Geschäftsvorfällen den Buchungssatz. Anschließend verbucht sie auf Konten, schließt die Erfolgskonten ab und ermittelt den Gewinn bzw. Verlust. 1. Die Bank belastet das Geschäftskonto mit Zinsen von 2.000,00 €. 2. Mieteinnahmen lt. Kontoauszug 2.500,00 € 3. Zinsgutschrift der Bank 1.000,00 € 4. Barzahlung der Miete 800,00 € 5. Gutschrift für Provisionen auf dem Geschäftskonto 28.000,00 € 6. Überweisung von Löhnen und Gehältern an die Mitarbeiter 19.300,00 €

Aufgabe 3 Geht bei dem folgenden Geschäftsgang in diesen Schritten vor: 1. Eröffnet die Bestandskonten. 2. Verbucht die Geschäftsvorfälle. 3. Schließt die Bestandskonten über das Schlussbilanzkonto ab.

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5

Strukturierung der ­Geschäftsbuchführung

Aufgabe 4 Die World of Jacket OHG hatte zum 31.12.20XX die folgenden Bilanzwerte vorliegen: Anfangsbestände vom 01.01.20XX Grundstücke und Gebäude 430.000,00 € Fuhrpark 190.000,00 € BGA 95.000,00 € Handelswaren 80.000,00 € Forderungen a. L. L. 22.000,00 € Bank 54.000,00 € Kasse 7.000,00 € Eigenkapital ? Hypotheken 250.000,00 € Darlehen 185.000,00 € Verbindlichkeiten a. L. L. 79.000,00 €

5

Geschäftsvorfälle: 1. Verkauf gebrauchter Schreibtische und Regale im Wert von 3.000,00 € auf Ziel 2. Ein Kunde bezahlt eine Rechnung: Baranzahlung über 1.000,00 €, Restbetrag über 8.000,00 € durch Banküberweisung 3. Kauf eines Geschäftswagens im Wert von 32.000,00 € auf Ziel 4. Barabhebung über 2.500,00 € vom Bankkonto 5. Banküberweisung einer Liefererrechnung über 4.000,00 € 6. Umwandlung einer Lieferantenschuld über 15.000,00 € in ein langfristiges ­Darlehen 7. Kauf einer PC-Anlage: Baranzahlung über 25 %, Restbetrag von 7.500,00 € durch Banküberweisung 8. Verkauf einer Lagerhalle im Wert von 250.000,00 €: Kunde zahlt 10 % bar an, 50.000,00 € durch Banküberweisung, der Restbetrag geht auf Rechnung

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Methodenpool Die Schülerinnen und Schüler können die folgenden Methoden situationsbezogen einsetzen. • Plakatgestaltung • Brainstorming • Referate anfertigen – aber wie? • Feedback • Bewertungsbogen „Zielscheibe“ • Pro-Kontra-Liste • Erstellen eines Fragebogens • Arbeiten in Sozialformen • Mindmaps (Gedächtniskarten) erstellen • Präsentieren, aber wie? • Kriterienkatalog (Checkliste) für Präsentationen • „Spickzettel“ anfertigen • Arbeitsplan/Maßnahmenplan/Zeitplan • Präsentationsmedien: Beamer, Flipchart und Folie (Overheadfolie) • Gallery Walk oder „Markt der Möglichkeiten“ • Gruppenpuzzle

6


6

Methodenpool

Plakatgestaltung Wenn ihr in einer Gruppenarbeit bestimmte Zusammenhänge und/oder Informationen sammelt und bearbeitet, könnt ihr euren Mitschülern die Ergebnisse mithilfe eines Plakats anschaulich darstellen. Zwei Plakattypen mit unterschiedlicher Funktion • Zum einen kann das Plakat zur Unterstützung eines Vortrags im Unterricht eingesetzt werden. Es enthält relativ wenig Text und wird deshalb eigentlich nur durch ergänzende Erläuterungen des Vortragenden verständlich. Es kann auch zur Orientierung während des Vortrags Gliederungspunkte benennen. • Zum anderen kann ein Plakat als Aushang im Klassenraum oder bei einer Ausstellung eingesetzt werden. Bei dieser Variante sind keine Erklärungen möglich, die Inhalte des Plakats müssen ohne Zusatzinformationen verständlich sein.

6

Was bei der Plakatgestaltung zu beachten ist • Wählt für euer Plakat eine passende Überschrift. • Arbeitet möglichst nur mit Stichpunkten/Schlagworten. • Die Schrift ist groß und gut lesbar. • Das Plakat hat einen logischen Aufbau, der sofort erkennbar ist. • Jedes Plakat wird durch den Einsatz von Farben übersichtlicher. Beachtet aber, dass die Farben sinnvoll eingesetzt werden. • Ein Plakat muss auch noch vom anderen Ende des Klassenzimmers gut gelesen werden können. • Weniger ist mehr! Achtet darauf, das Plakat nicht mit Informationen zu überfrachten. • Der Text kann durch Bilder und Grafiken unterstützt werden. Was bei der Präsentation eines Plakats zu berücksichtigen ist • Jeder Teilnehmer hat freie Sicht auf das Plakat. • Die Angaben auf dem Plakat sollten nicht auch noch vorgelesen werden. • Beim Deuten auf das Plakat sollte man niemals den Zuhörern den Rücken zuwenden. • Ferner ist es selbstverständlich, dass ihr während der Präsentation nicht vor dem Plakat steht. Wer vorträgt, steht immer neben dem Plakat. Wenn ihr mit dem Handrücken auf das Plakat deuten könnt, dann steht ihr automatisch richtig.

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Brainstorming

Brainstorming Mit Brainstorming (Geistesblitz) können in kurzer Zeit viele Ideen zu einem Problem/ Thema gesammelt werden. Theorie: „Ruft alle eure Einfälle in den Raum!“ Praxis: „Meldet euch und wer an der Reihe ist, gibt seine Ideen preis!“ Alle Ideen, die die Teilnehmer eines Brainstormings haben, werden auf Karten notiert, an einer Pinnwand (oder einer Magnet-/Tafelwand) gesammelt und können später nach ihrem Inhalt geclustert (sortiert) werden!

6 Die vielen verschiedenen Ideen können dann zu einem Gesamtergebnis und/oder zu einer Lösung/einem Lösungsansatz führen. Gut gesagt: „Jede Idee zählt“ – gemäß Mark Twain. „Menschen mit einer neuen Idee gelten so lange als Spinner, bis sich die Sache durchgesetzt hat!“

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6

Methodenpool

Referate anfertigen – aber wie? Du musst einen Vortrag in Form eines Referats halten? Keine Panik, wenn du einige Regeln einhältst, kann bei deinem Referat nichts schiefgehen! Grundsatz: Bringe wichtige Informationen auf den Punkt. Bringe die Informationen in eine logische Reihenfolge. Vorbereitung • Informiere dich über ein Referatsthema mithilfe von Fachbüchern, Fachzeitschriften, Internet … und fasse wichtige Informationen zusammen (in einer  Mindmap, auf Karteikarten …). • Überlege dir einen klaren Aufbau für dein Referat, also: Was gehört • in die Einleitung? • in den Hauptteil? • in den Schluss?

6

Erstellen des Referats • Erstelle ein ansprechendes Deckblatt für dein Referat. • Erstelle dein Referat in schriftlicher Form. Achte dabei auf ansprechende Formulierungen, korrekte Grammatik und Rechschreibung. • Verwendest du Grafiken/Bilder, Zitate oder Auszüge aus Büchern oder dem Internet in deinem Referat, musst du die Quellenangaben aufführen (als Fußnote, direkt beim Bild oder unter dem Text oder in einem extra [Bild-]Quellenverzeichnis). • Orientiere dich an den Vorgaben zur Textgestaltung, die du aus dem Unterricht der Informationstechnologie kennst. • Drucke dein Referat aus und gib es möglichst geheftet ab (in einem Schnellhefter, Heftstreifen), damit keine Unterlagen verloren gehen. Vorstellen des Referats • Bereite dich am Vortag des Referats gut vor. • Übe den Vortrag vor dem Spiegel oder trage ihn deinen Eltern/Freunden/Bekannten vor. • Stehe aufrecht und sprich laut und deutlich. • Sei selbstsicher, dann hast du schon den ersten positiven Eindruck gemacht.

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Feedback

Feedback Das Wort Feedback ist euch sicherlich im Alltag schon einmal begegnet. Unter Feedback versteht man eine Rückmeldung zu etwas geben, das heißt, sich zu einem Sachverhalt, einem Themenbereich, einer A ­ rbeitsweise, einem Dokument oder zu Sonstigem zu äußern. Ziele von Feedback • Die eigene Wahrnehmung soll durch die Sicht und Wertung von andere erweitert werden. So können Fehler und weniger gute Verhaltensweisen erkannt werden. • Positives Feedback kann das Selbstwertgefühl stärken. • Förderung des Lernprozesses bzw. Anregungen zur Selbstreflexion in Bezug auf den Umgang mit sich selbst und anderen (Selbstkompetenz, Sozialkompetenz). • Der Lernprozess und die Zusammenarbeit mit anderen Personen werden gefördert. Regeln für das Feedback-geben Beim Feedback-geben spielen natürlich der Ton sowie die Wortwahl eine wichtige Rolle. Berücksichtigt dies: „Das gesprochene Wort kannst du nicht mehr zurücknehmen – es steht im Raum und wirkt.“

6

Es hilft, folgende Feedbackregeln zu beachten: • Sprecht vor dem Feedback-geben über Vertraulichkeit, Datenschutz, gegenseitiges Vertrauen. • Äußert euch konstruktiv, konkret, knapp. • Analysiert oder bewertet nicht, sondern beschreibt: „Was habe ich wahrgenommen?“ • Trefft vor einem Feedback Absprachen und Vereinbarungen, an die sich jedes Mitglied der Feedbackrunde auch halten muss (z. B. Gesprächsregeln). • Feedback darf den Feedbacknehmer nicht verletzen. Regeln für das Feedback-nehmen Auch als Feedbacknehmer sind diese Regeln zu beachten: • Nehmt die Anmerkungen/das Gesagte der Feedbackgeber ernst. • Bezieht das Gesagte nicht direkt auf eure Person – oft steht es vielmehr im Zusammenhang mit einem Themenbereich. • Geht konstruktiv mit dem Gesagten um (was könnte ich in Zukunft verändern, verbessern oder beibehalten). • Erstellt jeder für sich gegebenenfalls eine Übersicht mit den positiven und negativen Aspekten, die angemerkt wurden, und nutzt diese für die Zukunft (Sagt man dir z. B.: „Du hast eine sehr angenehme Stimme, wenn du Präsentationen vorträgst“ – mache dir diese Aussage zunutze, indem du an deiner Stimme nicht viel veränderst).

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6

Methodenpool

Bewertungsbogen „Zielscheibe“ Der folgende Bewertungsbogen ist für dich persönlich gedacht. Er dient der Einschätzung deiner Arbeitsweise bei der Bearbeitung einer Lernsituation. Du gibst dir also selbst ein Feedback. Erstelle nach diesem Muster auf einem DIN-A4-Blatt die Figur. Beantworte die vier Aussagen außerhalb der vier Kreissegmente. Setze dazu Kreuze in den entsprechenden Kreisring des Segments. Je weiter die Kreuze zum Mittelpunkt liegen, umso mehr trifft die Aussage zu.

Ich bin mit meinem ­Arbeitsergebnis zufrieden!

Informationen konnte ich mir gut beschaffen und diese auswerten!

6

Ich habe zuerst die einzelnen Schritte sorgfältig geplant und dann durch­ geführt!

Ich habe zielstrebig und ­ordentlich gearbeitet!

Beantworte anschließend noch diese Frage: „Was nimmst du dir im Hinblick auf die Bearbeitung der nächsten Lernsituation vor?“ Begründe deine Ansicht.

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Pro-Kontra-Liste

Pro-Kontra-Liste Die Begriffe Pro und Kontra sind euch sicherlich schon einmal begegnet. Der Begriff Pro stammt aus dem Lateinischen und bedeutet dafür – das Wort Kontra heißt übersetzt dagegen. Bei einer Pro-Kontra-Liste geht es also darum, welche Argumente für und welche Argumente gegen eine Entscheidung sprechen.

Beispiel: Tim möchte seine Eltern bitten, ihm ein Smartphone zu kaufen. Er überlegt, was dafür und was dagegen spricht, und hält seine Gedanken fest: Pro

Kontra

• • • •

• Teuer • Empfindlicher, wenn es runterfällt • Internetflat notwendig, um die Apps nutzen zu können • … • …

Besserer Empfang als das alte Handy Cool auf dem Pausenhof … …

6

Nachdem Tim nun die einzelnen Argumente gegenübergestellt hat, kann er besser entscheiden, ob er bei seinen Eltern den „Antrag“ auf ein Smartphone stellt oder den Gedanken wieder fallenlässt. Wichtig bei der Pro-Kontra-Liste ist es, dass ihr die Argumente für beide Seiten sammelt, durchdenkt und zum Schluss nach Wichtigkeit ordnet. Mit einer solchen Liste seid ihr für eine anschließende Debatte gut vorbereitet.

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6

Methodenpool

Erstellen eines Fragebogens Nein, nein, da muss man doch immer so viel schreiben, oder?!?

Fragebogen? Was war das noch einmal gleich? Ach ja, das zum Ankreuzen, oder?

6 Fragebögen begegnen Menschen im Alltag recht häufig. Es gibt sie digital, in Papierform, in verschiedenen Formaten (A4 – also ganzes Blatt, A5 – so groß wie ein halbes Blatt usw.) und eigentlich jammern viele, wenn sie einen Fragebogen ausfüllen müssen. Dies liegt manchmal daran, dass die Fragebögen unübersichtlich und kompliziert sind. Warum gibt es Fragebögen? Mithilfe von Fragebögen können die Meinungen von Befragten eingeholt werden. Sie dienen aber auch dazu, Informationen gezielt zusammenzustellen. Aus den Antworten ermitteln die Fragebogenersteller dann die für sie wichtigen Informationen. Beispiel: Peter möchte, dass jeder Jugendliche ab 14 Jahren ein Smartphone hat, und befragt zehn Leute aus seinem Freundeskreis dazu. Acht von zehn Befragten geben die Antwort: „Ja, das finde ich gut.“ Nur zwei haben mit „Nein, finde ich nicht gut“ geantwortet. Nun will Peter zu seinen Eltern gehen, ihnen das Umfrageergebnis vorlegen und seine eigene Meinung zu diesem Thema mithilfe der Ergebnisse untermauern. Bei den Fragebögen unterscheidet man verschiedene Arten: • Fragebögen, bei denen die Antworten angekreuzt werden können (also vorgegeben sind) • Fragebögen, bei denen die Antworten schriftlich vom Befragten aufgeschrieben werden müssen Nachfolgend ein paar Tipps, die beim Erstellen guter Fragebögen beachtet werden sollten:

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Erstellen eines Fragebogens

Tipps und Tricks • Überlegt euch Fragen, die der Fragebogen enthalten soll, und schreibt sie auf. Achtung: Formuliert sie so einfach wie möglich, damit jeder die Fragen versteht. • Prüft nun, um welche Fragen es sich handelt, also ob die Antworten angekreuzt werden können und vorgegeben sind oder ob Platz für Antworten benötigt wird. • Ordnet die Fragen im nächsten Schritt in einer sinnvollen Reihenfolge. • Überlegt euch eine Überschrift für den Frage­bogen und notiert sie ebenfalls. • Prüft, welche Gestaltung der Fragebogen haben soll. Entscheidet auch, wie ihr ihn erstellen wollt (von Hand, am PC, ggf. zum Online-Ausfüllen). Bei der Anfertigung berücksichtigt den Platz für die Antworten. Das können Kästchen zum Ankreuzen sein oder auch Linien zum Eintragen von Text. Bei der Erstellung am PC bietet sich der Einsatz einer Tabelle (Tabellenfunktion in Word – Registerkarte EINFÜGEN – TABELLE) an. • Prüft, ob der Fragebogen übersichtlich und später einfach und schnell auszuwerten ist. Nehmt ggf. Änderungen vor. Wenn der Fragebogen fertig ist, wendet ihn an!

6

Beispiel: Fragebogen zum Ankreuzen Befragung zum Thema Ab welchem Alter sollten Jugendliche ein Smartphone haben? Finden Sie, dass Jugendliche ab dem 14. Lebens­ jahr ein eigenes Smartphone haben sollten?

Ja Nein

□ □

Haben Sie ein eigenes Smartphone?

Ja Nein

□ □

Haben Sie eigene Kinder im jugendlichen ­Alter? Ja Nein

□ □

Wie häufig nutzen Sie Ihr Smartphone?

Mehrmals täglich □ Nur wenn ich auf ­Nachrichten warte □ Sehr selten □

Könnten Sie sich ein Leben ohne Smartphone vorstellen?

Ja Nein

□ □

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6

Methodenpool

Beispiel: Fragebogen, bei dem die Antworten vom Befragten selbst formuliert werden müssen Befragung zum Thema Umgang mit dem Smartphone Frage „Mit 14 Jahren braucht jeder Jugendliche ein Smartphone.“ Was sagen Sie dazu? Nennen Sie Möglichkeiten, den Alltag ohne Smartphone zu organisieren. Warum sollte man sein Smartphone erneuern? …

6

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Antwort


Arbeiten in Sozialformen

Arbeiten in Sozialformen Unter Sozialform versteht man die Beziehungen zwischen Menschen, die sich räumlich und zeitlich zusammenfinden. Das kann in der Schule oder am Arbeitsplatz sein. Oft kristallisieren sich bei Einzelnen in der Sozialform bestimmte Rollen heraus (z. B. ein „Leitwolf“, ein „Pessimist“, ein „Optimist“, eine „stille Maus“, ein „Denker“, ein „Einzelgänger“). Häufig ist es eine Herausforderung, trotz der verschiedenen Charaktere ein gutes Arbeitsergebnis zu erzielen, also gute Teamarbeit zu leisten. Auch die Kommunikationsstruktur spielt innerhalb der Sozialform eine wichtige Rolle – hier gilt: „Aktives Zuhören, ausreden lassen des Gegenübers und gegenseitiger Respekt“. Werden diese Regeln beherzigt, steht dem erfolgreichen Arbeiten in Sozialformen nichts mehr im Wege! Man unterscheidet vier Sozialformen, je nachdem, wie viele Personen an ein und derselben Aufgabe arbeiten: Einzelarbeit Ein Mensch arbeitet alleine. Das Arbeitstempo wird meist vom arbeitenden Menschen selbst bestimmt und steht im Zusammenhang mit den eigenen Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnissen.

6

Partnerarbeit Zwei Menschen arbeiten zusammen. Das Arbeitstempo wird durch die Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten beider bestimmt. Die Partner ergänzen sich von ihrem Wissensstand her oft gegenseitig. Durch den Gedankenaustausch prägen sich die besprochenen Themen meist besser im Gedächtnis ein. Gruppenarbeit Menschen arbeiten in einer Gruppe mit drei bis fünf Personen zusammen und alle sind gleichberechtigt. Die gegenseitige Rücksichtnahme spielt dabei eine wichtige Rolle. Themenbereiche können innerhalb einer Gruppe aufgeteilt und später den Gruppenmitgliedern vorgetragen werden. Wichtig ist immer ein Zeitnehmer, der die vorgegebene Zeit überwacht und einen Zwischenstand über die Restzeit gibt. In der Gruppenarbeitsphase haben die Gruppenmitglieder die Möglichkeit, sich gegenseitig auszutauschen und ihre verschiedenen Wissensstände zu einem Gesamtpaket zu vereinen. Finden Präsentationen nach der Gruppenarbeit statt, ist es wichtig, dass alle Gruppenmitglieder einen Teilbereich präsentieren.

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6

Methodenpool

Plenum Das Wort Plenum ist abgeleitet vom Lateinischen (plenus, plena, plenum = voll) und bedeutet, dass alle zusammen einen Sachverhalt erschließen, besprechen oder Probleme erörtern bzw. diskutieren und/oder konstruktive Kritik während/nach Präsentationen üben. Im Plenum treffen viele Ideen und Wissensstände aufeinander, von denen jeder Einzelne, der an einer Plenumsrunde teilnimmt, profitieren kann. Auch im Plenum gilt: „Gegenseitiger Respekt, aktives Zuhören, aussprechen lassen des Redners“.

6

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Mindmaps (Gedächtniskarten) erstellen

Mindmaps (Gedächtniskarten) erstellen Sollen verschiedene Unterpunkte, die zu einem Hauptpunkt gehören, übersichtlich dargestellt werden, bietet sich eine Mindmap an. Oft wird diese auch als Gedächtniskarte oder Landkarte bezeichnet. Sie eignet sich hervorragend, um Themenbereiche zusammenzufassen und später mit der Mindmap diesen Themen­bereich zu lernen. Eine Mindmap ist wie folgt aufgebaut und sollte nach folgenden Grundsätzen erstellt werden: Aufbau

Grundsätze

• Mittig steht das Hauptthema • An den einzelnen Ästen und Unterästen werden die Unterthemen an das Haupt­ thema gehängt • Grafiken unterstützen die jeweiligen Aus­ sagen

• Ausreichend Platz für die Mindmap vorsehen (am besten Querformat) • Nur Stichworte verwenden • Genaue Gliederung vornehmen • Grafiken verwenden

Unterzweig

Unterzweig Unterzweig

Unterzweig Hauptzweig

Unterzweig

Hauptzweig

Unterzweig

Unterzweig Unterzweig

Unterzweig

Thema

Unterzweig

Unterzweig Unterzweig

6

Unterzweig Unterzweig

Unterzweig

Hauptzweig

Hauptzweig

Unterzweig Unterzweig Unterzweig

Unterzweig

Unterzweig Unterzweig

Unterzweig

Unterzweig

Tipp: Mit Computerprogrammen können problemlos und einfach Mindmaps erstellt, bearbeitet und formatiert werden. Es gibt spezielle MindManager, die für die Anwendung in Schulen geeignet sind.

201


6

Methodenpool

Präsentieren – aber wie? Lehrerin: „Du musst deine Ergebnisse der Projektarbeit präsentieren – du weißt ja, wie das geht.“

Schüler: „??? Hmmm, aber …“

6

Für eine gute Präsentation muss zum einen das Medium, mit dem präsentiert wird, stimmen, zum anderen der Auftritt des Präsentierenden selbst. Vorüberlegungen • Was möchtet ihr präsentieren, also welche Inhalte muss die Präsentation haben? • Wie möchtet ihr präsentieren (Flipchart, Folie, Plakat, PowerPoint-Präsentation)? • Eignet sich das ausgewählte Medium für die Präsentation? (Wie ist die Raumgröße? Gibt es überhaupt einen PC oder Beamer in dem Raum, in dem präsentiert wird?) Wenn ihr euch für ein Medium entschieden habt, könnt ihr die Präsentation erstellen. Achtet dabei auf die nachfolgenden Punkte. Präsentation selbst (Darstellung) • Einheitliches Design • Möglichst nur Stichpunkte auf dem Präsentationsmedium verwenden • Der Inhalt muss vollständig und richtig sein • Folien, Plakate nicht bis zum Rand beschriften • Geeignete Schriftgrößen verwenden (nicht zu klein schreiben, damit auch in der letzten Reihe des Präsentationsraums der Text gelesen werden kann) • Nicht zu viele Farben verwenden • Ggf. Grafiken oder Diagramme einbinden und dafür auf Text verzichten • Rechtschreib- und Grammatikfehler vermeiden • Präsentation muss von der Gestaltung und dem Aufbau her zum Vortrag/dem Thema passen • Ggf. Quellenangaben machen (bei Verwendung von Fremdbildern, z. B. aus dem Internet, müsst ihr angeben, wer die Urheberrechte daran hat)

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Präsentieren – aber wie?

Auftreten während der Präsentation • Möglichst frei sprechen und nicht ablesen • Rückfragen müssen beantwortet werden • Keine Hände in den Hosentaschen haben • Äußeres Erscheinungsbild muss zur Präsen­tation passen • Laut und deutlich sprechen • Auf sicheres Auftreten achten (ggf. vor dem Spiegel üben) • Nicht „zappeln“ Nachbereitung • Was war gut – was war weniger gut? • Bin ich mit meiner Leistung zufrieden? • Wie habe ich mich während der Präsentation gefühlt? • Was würde ich bei der nächsten Präsentation anders ­machen – umstellen? „Übung macht den Meister.“

6

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6

Methodenpool

Kriterienkatalog (Checkliste) für Präsentationen Um Präsentationen bewerten zu können, bietet sich der Einsatz eines Kriterienkatalogs (einer Checkliste) an. Vorteile eines Kriterienkatalogs/einer Checkliste Wenn ihr die Präsentation mit einer Checkliste verfolgen könnt, hat dies den Vorteil, dass • ihr während der Präsentation aktiv zuhören könnt und nur eure Kreuze an der entsprechenden Stelle des Kalalogs setzen müsst (also nicht noch Fragen überlegen und die Antworten notieren müsst). • nichts vergessen werden kann, was später für die Bewertung der Präsentation/für ein Feedback an den Prässentierenden notwenig ist. • ihr mit diesem Kriterienkatalog auch Richtlinien für die eigenen Präsentationen habt. Möchtet ihr einen Kriterienkatalog/eine eigene Checkliste erstellen, achtet gleich bei der Erstellung darauf, dass das „Grundgerüst“ immer wieder verwendet werden kann und lediglich die einzelnen „Bausteine“ (Fragen) ausgetauscht werden müssen. So spart ihr viel Arbeit und Zeit. Tipp: Beim Erstellen eines Katalogs/einer Checkliste am PC bietet sich die Tabellenfunktion in Word an.

6

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Kriterienkatalog (Checkliste) für Präsentationen

Thema der Präsentation: Name des Präsentierenden: Fragen zum Präsentierenden selbst

Trifft zu

Trifft nicht zu

Die Aussprache ist laut und deutlich.

?

?

Es wird frei gesprochen.

?

?

Es wird abgelesen.

?

?

Erklärungen erfolgen einfach.

?

?

Erklärungen erfolgen umständlich.

?

?

Es wird zum Publikum hin gesprochen.

?

?

Der Vortrag ist vollständig.

?

?

Die Inhalte des Vortrags sind richtig.

?

?

Rückfragen werden beantwortet.

?

?

Die Körperhaltung passt zum Vortrag (keine Hände in den Hosentaschen usw.).

?

?

Sicheres Auftreten (kein „Zappeln“ usw.).

?

?

Passende Grafiken/Bilder wurden verwendet.

?

?

Gut lesbare Schrift (Schriftgröße, Schriftart und Schriftfarbe).

?

?

Keine Rechtschreibfehler.

?

?

Keine Grammatikfehler.

?

?

Sinnvolle Überschriften wurden gewählt.

?

?

Einheitliches Design.

?

?

Präsentation passt zum Vortrag.

?

?

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Fragen zur Präsentation an sich

Bemerkungen

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6

Methodenpool

„Spickzettel“ anfertigen „Wer spickt, bekommt die Note 6!“

6

Habt ihr diese Warnung auch schon mal im Schulalltag gehört? Und trotzdem werden täglich Tausende von „Spickzetteln“ geschrieben! Aber warum eigentlich? Sicherlich nicht, um eure Lehrer zu täuschen. Ein „Spickzettel“ dient dazu, wichtige Informationen zu einem oder mehreren Themenbereichen kurz, knapp und übersichtlich darzustellen. Wer ihn schreibt, kann diese zum einen besser behalten und zum anderen des Öfteren nachlesen. Das Geschriebene prägt sich im Gehirn ein und kann z. B. bei Proben leichter abgerufen werden – und zwar dann OHNE „Spickzettel“! Wie erstellt ihr einen „Spickzettel“, um damit besser lernen zu können? • Lest die zu lernenden Informationen genau durch und markiert wichtige Stellen. • Fasst die gefundenen Informationen stichpunktartig auf einem „Spickzettel“ zusammen. Achtet dabei auf Übersichtlichkeit und gute Lesbarkeit. Die Größe des Spickzettels spielt keine Rolle – der „Spickzettel“ kann im A4-Format oder in einem anderen, kleineren Format erstellt werden. Wichtig ist allerdings, dass er überallhin mitgenommen und somit an jedem Ort mit ihm gelernt werden kann. • Lernt mithilfe des „Spickzettels“ nur die wichtigen Informationen! Hinweis: Ihr könnt auch eure eigenen Gedanken zu einem Themenbereich auf einem „Spickzettel“ notieren und dann mit dessen Hilfe mit euren Mitschülern über die Gedanken diskutieren.

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Arbeitsplan/Maßnahmenplan/Zeitplan

Arbeitsplan/Maßnahmenplan/Zeitplan Wenn Arbeiten ordentlich und korrekt erledigt werden müssen, bietet sich das Erstellen eines Arbeitsplans/Maßnahmenplans/Zeitplans an. Mit diesem wird sichergestellt, dass einzelne Schritte nicht vergessen werden und man nicht in Zeitverzug gerät. Gerade wenn ihr mit mehreren Personen in einer Gruppe zusammenarbeitet, sind solche Pläne notwendig, damit jeder Schüler genau weiß, was er wann und mit welchem Ergebnis zu erledigen hat. So kann gewährleistet werden, dass die gesamte Gruppe ein gutes Arbeitsergebnis erzielt und das Ergebnis ein Erfolg wird. Muster für Arbeitsplan/Maßnahmenplan/Zeitplan Datum der Erstellung

01.01.20xx

Namen aller Gruppen­mitglieder/ Beteiligten

Name 1, Name 2 usw.

Wer?

Aufgaben/Schritte, die zu erledigen sind

6 Erledigung bis

Notizen

Hinweis: Der Arbeitsplan kann bei kleinen, aber auch bei großen Arbeitsaufträgen/ Projekten eingesetzt werden!

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6

Methodenpool

Präsentationsmedien: Beamer, Flipchart und Folie (Overheadfolie) Während eines Vortrags ist es oft hilfreich, einige Inhalte zusätzlich auf einem Flipchart oder auf Folien darzustellen. Bei der Vorbereitung solcher Präsentationsmedien berücksichtigt die folgenden Fragen: • Was möchtet ihr mittels der Medien präsentieren? • Wie können die Inhalte übersichtlich und ansprechend dargestellt werden? • Was eignet sich für den Zweck am besten: Flipchart oder ­Folie? • Wie viel Platz wird für die Informationen benötigt? • Wie ist die Raumausstattung? • Wie ist das Publikum zusammengesetzt? Eine ordentliche und übersichtliche Gestaltung des Präsentationsmediums ist das „A“ und „O“ für eine gelungene Präsentation. Schlecht gestaltete Folien oder Flipchartblätter wirken auf die Zuhörer abschreckend oder belustigend und die Präsentation kann – wie man umgangssprachlich sagt – schneller „in die Hose gehen“, als man schauen kann.

6

Gestaltung – aber wie? Gemeinsamkeiten der Medien Flipchart und Folie

• • • •

Ordentlich schreiben! Die Schrift muss für jeden lesbar sein. Geeignete Schriftgröße wählen (nicht zu klein). Rechtschreib- und Grammatikfehler vermeiden! Der Einsatz von Farben bietet sich dann an, wenn dadurch eine bessere Übersicht gewährleistet ist. Bedenkt aber auch: „Weniger ist mehr!“ • Grafiken oder Diagramme zur Veranschaulichung/Visualisierung bei Bedarf einfügen. • Informationen gut strukturiert darstellen, um Übersichtlichkeit zu gewährleisten. • Ggf. Handout für die Präsentationsteilnehmer erstellen, damit sie während der Präsentation nicht mitschreiben müssen.

Besonderheiten der Medien Flipchart

• Möglichst dicke Stifte verwenden. • Möglichst nur Stichpunkte verwenden. • Eignet sich unter Umständen auch als „Notizbrett“ während einer Präsentation.

Folie

• Geeignete Stifte wählen (Folienstifte, wasserlöslich – wenn die Daten später nicht mehr verwendet werden, wasserfest – wenn die Folie mehrmals benötigt wird). • Folie nicht bis zum Rand beschriften (oft schneidet der Projektor die Seitenränder ab). • Folien können auch mit einem Präsentationsprogramm am PC erstellt werden. • Wenn der Drucker dafür geeignet ist, kann die Seite dann auf Folie gedruckt werden.

Wichtig bei der Nutzung von Overheadfolien ist, dass die technischen Geräte vor der Präsentation ausprobiert werden. Falls ein Gerät defekt ist, kann es noch rechtzeitig ausgetauscht werden und einer erfolgreichen Präsentation steht nichts im Weg. Wenn in dem Raum ein Beamer mit PC vorhanden ist, reicht es, die Präsentation direkt vom PC über den Beamer zu zeigen.

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Gallery Walk oder „Markt der Möglichkeiten“

Gallery Walk oder „Markt der Möglichkeiten“ Na, das ist doch ganz einfach! In einem oder mehreren großen Räumen wird zu einem Themenbereich etwas ausgestellt – z. B. an Wänden, Pinnwänden. Und du kannst an ALLEM in Ruhe vorbeigehen und dir die Sachen anschauen!

Ein Galerierundgang? Was ist das denn schon wieder?

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Der Name Gallery Walk kommt aus dem Englischen und lässt sich mit Galerierundgang übersetzen. Euer Klassenraum oder auch die Flure werden zur Galerie umfunktioniert. Die Methode ist besonders geeignet, um verschiedene Arbeitsergebnisse für andere zu präsentieren. Schritt 1 • Präsentation der Ergebnisse an Pinnwänden, Wänden, Tafeln usw. in einem oder mehreren Räumen. Für jeden „Ausstellungsstand“ ist ein Schüler verantwortlich. Er kann auf Fragen der „Besucher“ eingehen. Schritt 2 • Mitschüler schauen sich die Ergebnisse in Ruhe während eines „Rundgangs“ an und machen sich auf einem eigenen Zettel oder auf einem vorgefertigten Auswertungsbogen, der neben den Ergebnissen hängt, Notizen.

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Methodenpool

Beispiel für einen Auswertungsbogen Bewertungskriterien

Gut

Weniger gut

Nicht ausreichend

Inhalt Vollständigkeit Sachliche Richtigkeit Verständlichkeit Rechtschreibung Präsentation Aufteilung/Strukturierung/­ Übersichtlichkeit Lesbarkeit (Schriftart und -größe) Optische Aufmachung (unterstützende Bilder/gefertigte Produkte)

R E T S U M

6 Schritt 3 Die Notizen auf dem eigenen Auswertungsbogen werden im Plenum besprochen. Den jeweiligen Gruppen wird dadurch eine Gesamtbewertung gegeben. Möglichkeiten und Ziele des Gallery Walks • Vergleich der verschiedenen Ergebnisse mit­einander • Eindrücke von verschiedenen Ergebnissen gewinnen • Ideen der Mitschüler aufnehmen • Austausch mit Gruppenmitgliedern • Austausch mit „sonstigen Mitschülern“, die ebenfalls den Gallery Walk durchführen • Ideenfindung und Steigerung der Kreativität • Aufnehmen von Informationen, die in der eigenen Gruppe vielleicht nicht besprochen wurden • „Bewegte Schule“ – da ihr euch aktiv in dem Ausstellungsbereich bewegt Aufgrund der oben genannten Punkte wird der Gallery Walk oft als „Markt der Möglichkeiten“ bezeichnet.

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Gruppenpuzzle

Gruppenpuzzle Ein Gruppenpuzzle ist eine abgewandelte Art der Gruppenarbeit. Hierbei könnt ihr arbeitsteilig eine Aufgabe bearbeiten und euch während der Arbeitsphase mit anderen Gruppen austauschen. Schritt 1 Bildet im Klassenverband Vierergruppen, sog. Stammgruppen. Alle Stammgruppen bekommen ein und denselben Auftrag, der innerhalb der Gruppen unter verschiedenen Aspekten zu bearbeiten ist. Diese Aspekte (Puzzleteile) werden vorab den Gruppenmitgliedern zugewiesen. In jeder Gruppe gibt es damit einen Experten für den jeweiligen Aspekt. Nun kann die Arbeit beginnen.

Stammgruppe bearbeitet Teilaspekte zum Auftrag

Schritt 2

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Nach einer vorher festgelegten Zeit werden neue Gruppen, die sog. Expertengruppen, gebildet. In diesen Expertengruppen sitzen alle Teilnehmer zusammen, die ein und denselben Aspekt bearbeitet haben. Sie tauschen sich über ihre Ergebnisse aus. Expertenrunde zu je einem Teilaspekt Schritt 3 Nach der Expertenrunde finden sich die Stammgruppen wieder zusammen. Die Experten tragen nun ihre Arbeitsergebnisse vor. Dabei können auch Erfahrungen aus der vorher gelaufenen Expertenrunde einfließen. Die übrigen Gruppenmitglieder können Fragen stellen.

In die Stammgruppe fließen Ergebnisse aus den anderen Stammgruppen ein.

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Stichwortverzeichnis A Aktivkonten 104 Aktiv-Passiv-Mehrung 102 Aktiv-Passiv-Minderung 103 Aktivtausch 101 Amtsgericht 76 Anfrage 136 Angebot 34 Angebotsinhalt 136 Auftragsbestätigung 155 Aufwandskonten  129, 147 Aufwendungen für Betriebsstoffe  147 Aufwendungen für Hilfsstoffe  147 Aufwendungen für Rohstoffe  147 Ausgangsfrachten 160 Ausgangsrechnung 91 B Bankkarte 22 Bareinkaufspreis  34, 141 Bargeldlose Zahlung  23 Barzahlung  23, 24 Bestandskonten 103 Betriebsbesichtigung 59 Betriebserkundung 59 Bezugskosten  34, 141, 150 BIC 23 Bilanz 98 Blauer Engel  19 Bonus 137 Brainstorming 191 Bringschulden 138 Bruttoentgelt 12 Buchungssatz  105, 106 –– zusammengesetzt 107 Businessplan 64 D Dauerauftrag  23, 27, 28 Debitkarte 30 Dienstleistungssektor 47 E Eco-Management 63 Eigenkapital 97 Eingangsrechnung 92 Einkommen 11

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Einkommen aus nicht selbstständiger Arbeit 12 Einkommen aus Steuermitteln  13 Einkommen die Erwerbsarbeit  11 Einstandspreis  34, 141 Einzelfertigung 57 Einzelunternehmen 78 EN ISO 9001  63 Entscheidungstabelle 142 Erfolgskonten 129 Erfüllungsort 140 Ertragskonten 129 Ethische Gesichtspunkte  19 F Fair Trade  19 Feedback 193 Fertigungsverfahren 56 Finanzplanung 65 Firma 75 Firmenausschließlichkeit 75 Firmenbeständigkeit 75 Firmenkern 75 Firmenöffentlichkeit 75 Firmenwahrheit 75 Firmenzusatz 75 Fließfertigung 56 FORM-Kaufmann 75 FSC-Siegel 19 G Gallery Walk  209 Gehalt 12 Geldkarte 30 Geldschulden 138 Gewinn- und Verlustkonto  178 Girokonto 22 Giropay  31, 32 GmbH 79 Grundbuch 105 Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung 94 Gruppenarbeit 199 Gruppenfertigung 56 Gruppenpuzzle 211 Gutschrift 137


Stichwortverzeichnis

H Halbbare Zahlung  23 Handelsbetriebe  54, 55 Handelsgesetzbuch 74 Handelsgewerbe 74 Handelsregister  75, 76 Hauptbuch 105 Holschulden 139 I IBAN  23, 26 Industriebetrieb 47 Inventar 96 Inventur 94 Inventurdifferenzen 184 IST-Kaufmann 74 J Journal 105 Just in time  147 K Kalkulationsschema 34 KANN-Kaufmann 74 Kapitalgesellschaft 77 Kartenzahlung  23, 29 Kassenbon  24, 89 Kaufmann 74 Konto  22, 26, 27 Kontoauszug 91 Kreditkarte 30 L Lastschrift  23, 27, 29 Liefererrabatt 141 Liefererskonto 141 Listeneinkaufspreis  34, 141 Lohn 12 M Manuelle Fertigung  56 Marketing 65 Massenfertigung 57 Mehrwertsteuer 111 Mengenrabatt  137, 148 Mindmaps 201 Mittelbare Barzahlung durch Boten  23 N Nettoentgelt 12

O Öko-Audit 63 Ökologie 18 Ökologische Gesichtspunkte  18 Onlinebanking 22 P Partnerarbeit 199 Passivkonten 104 Passivtausch 102 PayPal  31, 32 Personenunternehmen 77 PIN-Nummer 30 Plakatgestaltung 190 Präsentation 202 Prepaid-Karten 29 Primärsektor 46 Produktionsbetriebe 55 Produktionsgüter 53 Pro-Kontra-Liste 195 Prozentrechnung 35 Prozentsatz 35 Prozentwert 35 Q Quittung  24, 25, 90 R Rabatt  34, 137 Ratenzahlung 138 Rechtsform 77 Recycling 18 Referat 192 Reinvermögen 97 S Sachfirma 75 Schlussbilanzkonto 179 Sekundärer Sektor  47 Serienfertigung 57 Skonto  34, 137 SMART-Formel 62 Sonderrabatte 148 Soziale Gesichtspunkte  18 Sozialversicherungen 12 Spickzettel 206 Standort  64, 68 Standortfaktoren 69 Steuern 12

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T TAN 32 Taschengeld 14 Tertiärer Sektor  47 T-Konten 105 U Überweisung  23, 27 Umsatzerlöse Fertigerzeugnisse  162 Umsatzsteuer 110 Unternehmensgründung 63 Unternehmensziele 62 Urproduktion 46 V Vermögen 96 Verpackungskosten 139 Verrechnungsscheck  23, 27 Versandkosten 139

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Vertriebskosten 160 Vorsteuer 112 Vorsteuer-Überhang 112 W Warenschulden 139 Warenwirtschaftssystem 184 Werkstattfertigung 56 Wirtschaftssektoren 46 Z Zahllast 112 Zahlung per Nachnahme  23, 26 Zahlung per Zahlschein  23 Zahlungsbedingungen 138 Zertifizierung 63 Zieleinkaufspreis  34, 141 Zielscheibe 194


Bildquellenverzeichnis

Bildquellenverzeichnis Fotolia Deutschland GMBH, Berlin Seiten: 4 (Trueffelpix), 5 (senoldo, Alexander Limbach, fotomek, diego1012), 6 (fotomek), 7 (senoldo), 15 (Norman75, arrowsg2), 18 (Romolo Tavani), 19 (ferkelraggae, forkART Photography, Aquir), 20 (stadtratte, stockpics), 25 (Birgit Brandlhuber), 26 (nik0.0kin), 30 (ollegn), 31 (Tetiana Pustovoitova), 33 (Piotr Marcinski), 37 (Antonioguillem, euthymia, ProMotion), 40 (Andrey Kiselev, Saverio M., Astrid Gast, paffy, Studio Kwadrat), 43 (Alexander Limbach), 47 (Image'in, Kletr, vchalup, Kzenon, industrieblick), 48 (Daniel L Grantham Jr), 49 (godfer), 53 (ghazii, Viacheslav Iakobchuk, Bulat, Klaus, K. Thalhofer, roostler, nys), 56 (Dan Race, chiradech), 57 (rainbow33, fotografci, Helmut), 65 (Coloures-Pic), 70 (kartoxjm), 71 (Tom Hansen, driendl), 72 (T. Michel, JFL Photography), 83 (fotomek), 89 (Taffi), 94 (debert), 95 (TTstudio, contrastwerkstatt), 96 (Halfpoint, Kadmy), 98 (Denys Rudyi), 125 (fotomek), 136 (Robert Kneschke, Maxim Kazmin, yodiyim, fotomek, designsstock), 148 (ag visuell), 150 (Arsel), 173 (diego1012), 189 (fotomek), 190 (Lagartija de colores, Trueffelpix), 192 (Trueffelpix), 193 (DOC RABE Media), 195 (Trueffelpix, FM2), 196 (Trueffelpix), 197 (Trueffelpix), 202 (Trueffelpix), 203 (Trueffelpix), 206 (Trueffelpix), 207 (rendermax), 208 (Trueffelpix), 209 (Trueffelpix) Alamy Stock Foto Seite: 30 (Robert Goebel) Illustrationen Frau Hild Seiten: 10, 12, 21, 23, 25, 27, 28, 36, 39, 58, 85, 86, 87, 90, 91, 92, 99, 105, 108, 113, 114, 126, 133, 134, 143, 145, 147, 149, 150, 156, 157, 159, 160, 161, 162, 165, 166, 168, 170, 171, 172, 175 Illustrationen Bettina Nutz, Mainz Seiten: 8, 9, 10, 38, 52, 61, 67, 73, 84, 99, 126, 132, 152, 153, 174 FSC Schweiz: S. 19 RAL GmbH: S. 19 GEPA-The Fair Trade Company: S. 19 Fair Wear-Foundation: S. 19 ECOVIN Bundesverband Ökologischer Weinbau: S. 19 Fair-spielt: S. 19 OEKO-TEX® Service GmbH: S. 19 Deutsche Post: S. 26 Logo giro pay: S. 32 Logo PayPal: S. 32 Picture alliance GmbH, Frankfurt a. M.: S. 32 EUROPEAN CENTRAL BANK: S. 37, 87 Logo International Organization for Standardization: S. 63

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Logo EMAS: S. 63 Iconkids & youth: S. 16 Stat. Jahrbuch Deutschland 2017: S. 13 Bankenverband: S. 17 Deutsche Bundesbank: S. 24, 29, 31 Kompetenzzentrum – Girls Day, Boys – Day: S. 45, 50 Auszug aus dem Handelsregister: S. 76 Stat. Bundesamt: S. 48, 77 Bergmoser + Höller Verlag AG: S. 55 Arbeitskreis „Steuerschätzung“: S. 110 EHI-Studie Inventurdifferenzen: S. 184 iStock Seiten: 11 (johannes 86, Meinzahn, Ralf Geithe), 191 (aluxum, GlobalStock), 199 (sturti, AlexRaths, ericsphotography), 200 (style-photographs) Weitere Illustrationen und Modifikationen durch zweiband.media unter Verwendung von Grafikmaterial von freepik.com.

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BWR 7  

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