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Inhaltsverzeichnis Grußwort Peter Otto, Geschäftsführer Deutscher Bühnenverein / Landesverband Berlin ..................................................................................................... 2 Grußwort Kay Wuschek, Intendant THEATER AN DER PARKAUE ................................. 3 Grußwort Amelie Mallmann, künstlerische Leiterin KLUBSZENE ................................... 5 Theaterklubs Die ATZEn – ATZE Musiktheater ..................................................................................... 9 Banda Agita – GRIPS Theater ....................................................................................... 11 WTF / GAYşe GAY Liberation – HAU .................................................................................... 13 Spiel.Raum / Wochentreff Junges DT – Deutsches Theater ........................................ 15 Junge Lichtburg – Lichtburg-Forum ............................................................................. 17 Die Aktionisten – Maxim Gorki Theater Berlin .............................................................. 19 Die Zwiefachen – Schaubühne am Lehniner Platz ........................................................ 21 Operatiefer Eingriff – Staatsoper im Schiller Theater .................................................... 23 Programmübersicht ...................................................................................................... 24 Theaterklub 5 – THEATER AN DER PARKAUE ............................................................. 26 SOS – Straight On Stage – THEATER STRAHL ............................................................ 28 P 14 – Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz ............................................................ 30 Workshops 1 / I heard it through the bassline, bassline Jörg Albrecht .......................................................... 34 2 / Musikalische Suppenküche, Suppenküche Anton Berman ............................................................ 36 3 / Video as Subject Subject, Marcio Carvalho .......................................................................... 38 4 / Alles zur selben Zeit!, Thomas Fiedler ..................................................................... 40 5 / Phantome Speisen Ghost Notes, Notes Sylvi Kretzschmar ............................................... 42 6 / Rhythmic Bodies, Bodies Odile Seitz .................................................................................. 44 7 / Rhythmus heißt, mit Fehlern zu arbeiten, arbeiten, Carlos Manuel ........................................ 46 Impressum .................................................................................................................... 48


Dem Festival ein gutes Gelingen – Bühne frei! Im vergangenen Jahr stand KLUBSZENE unter dem Programmsatz "Mehr Theater muss sein!". Angesichts von Mittelkürzungen war dies ein wichtiger Appell an die Öffentlichkeit, die Politik, die Medien. Ein Forderungspapier wurde entwickelt: mehr Geld und öffentliches Interesse für die Theaterklubs an den Theatern, Schulen mit Schwerpunkt Theater, Theaterbesuche im Rahmen des regulären Unterrichts, Gleichberechtigung künstlerischer Fächer gegenüber den Naturwissenschaften, bessere Förderung von freien Projekten. Was haben diese Forderungen bewirkt? Haben Sie etwas bewirkt? Hier sollte nachgefasst werden. Nur wer auf die Nerven geht, hat die Chance, gehört zu werden. In diesem Jahr ist das Generalthema nun eine Innenschau, der intensive Austausch der Klubs über ihre unterschiedliche Arbeitsweise unter dem Motto "Rhythmus neu denken und erfahren". Alle machen etwas Anderes, alle machen es anders. Das Festival ist die Gelegenheit, sich auszutauschen, zu diskutieren, voneinander zu lernen. Ihr teilnehmenden Jugendlichen seid euch ein sachverständiges, kritisches Publikum. Euer Enthusiasmus und eure Neugier, eure Spielfreude und eure Spontanität werden die Aufführungen, auch für eure Zuschauer, wieder zu einem Erlebnis machen. Peter Otto, Geschäftsführer Deutscher Bühnenverein / Landesverband Berlin

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Der Fall Christian Friedel Statt eines Vorwortes möchte ich von Christian Friedel erzählen. Am 6. März 2010 ging er in Hollywood über den roten Teppich zur Oscar-Verleihung. In der Rolle des Lehrers in Michael Hanekes Film DAS WEISSE BAND überzeugte er viele. 2011 veröffentlichte die Zeitschrift Theater heute unter dem Titel "Ein idealer Gefährte" ein wunderbar anrührendes Porträt dieses Schauspielers. Zum Theatertreffen 2011 war Christian Friedel als Don Carlos in der Inszenierung des gleichnamigen Stückes von Friedrich Schiller zu erleben. Der Intendant des Staatsschauspiels Dresden, Wilfried Schulz, lobt sein außergewöhnliches Talent: "Christian Friedel ist ein Spieler, federleicht und tief zugleich, der seinen Figuren mit großer Zärtlichkeit begegnet." Mitte der 90er Jahre lernte ich den 1979 in Magdeburg geborenen Christian Friedel an den dortigen Freien Kammerspielen kennen. Er spielte in einem Theaterklub, gründete schließlich seinen eigenen, kümmerte sich um Text, Bühne und Musik und schien bereits als Teenager im Theater zu leben. Mitunter erweckte er den Eindruck, als wolle er das Theater neu erfinden oder er sei kurz davor, es selber zu übernehmen. Von ihm ging ein Selbstbewusstsein aus, eine Lust, ein Wagemut, der manchen Mitarbeiter der Freien Kammerspiele Magdeburg den Kopf schütteln ließ. Bei all dem aber wurde eines klar: Dieser Mensch muss auf die Bühne, dieser Mensch gehört in das Theater und solche Menschen braucht das Theater. Er selbst sagt über diese Zeit: "Natürlich ist man unglaublich unverfroren und will das Theater von hinten umkrempeln. Man hat sich überschätzt, aber es war wichtig." Jeder Theaterklub braucht solche Menschen. Menschen, die im Spiel über sich hinauswachsen, Menschen, die auf der Bühne eine Heimat suchen. Ich freue mich auf die Arbeiten der Berliner Jugendtheaterklubs und die Leidenschaften ihrer Akteure. Herzlich willkommen im THEATER AN DER PARKAUE! Kay Wuschek, Intendant

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Rhythmus neu denken und erleben Musikalische Rhythmen fahren uns in den Körper, lassen uns unvermittelt tanzen. Rhythmus auf der Bühne bestimmt dagegen Szenenabläufe, Bewegungen und Sprechgeschwindigkeiten. Er ist unter anderem verantwortlich dafür, ob wir ein Stück als langweilig oder spannend empfinden, ob wir dranbleiben oder abschalten. Doch wie gestaltet man Rhythmus? Wie schreibt, tanzt, spricht man rhythmisch, und lassen sich auch Bilder rhythmisieren? Seit 2006 treffen sich jedes Jahr 130 Jugendliche zu KLUBSZENE, um sich gegenseitig ihre Inszenierungen zu zeigen, miteinander in Austausch zu treten und sich gemeinsam mit einem Thema zu beschäftigen, das sie in ihrer Theaterarbeit und ihrem Theaterverständnis weiterbringen soll. Der Deutsche Bühnenverein unterstützt KLUBSZENE seit 2007 großzügig – dafür an dieser Stelle herzlichen Dank! Wir freuen uns besonders, dass Claudia Zinke, Staatssekretärin für Bildung, Jugend und Familie, die diesjährige Schirmherrschaft über das Festival übernommen hat. Dieses Jahr steht das Festival unter dem Thema "Rhythmus neu denken und erleben". Wir werden die gezeigten Inszenierungen unter diesem speziellen Blickwinkel anschauen, wir werden versuchen herauszufinden, welche rhythmische Qualität in den einzelnen Stücken steckt. Darüber hinaus haben wir sieben Künstler verschiedener Disziplinen gebeten, einen Workshop für die Teilnehmer zu entwickeln, in dem es um unterschiedliche Aspekte rhythmischen Gestaltens geht. Die Ergebnisse werden am Sonntag in einer großen Performance präsentiert. Ein Wochenende voller Aufregung, Input und Begegnung steht uns bevor. Ich wünsche uns allen viel gutes Herzklopfen und einen stabilen Biorhythmus! Amelie Mallmann, Theaterpädagogin und Dramaturgin am THEATER AN DER PARKAUE, Künstlerische Leiterin KLUBSZENE

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Theaterklubs


VerGANGen

Die ATZEn – Theaterklub ATZE Musiktheater Wir gründen eine Gang! Warum? Klingt gut, aber was macht eigentlich eine Gang? Sechs Jugendliche machen sich auf den Weg, eine Gang zu gründen – aus Langeweile, in der Hoffnung, Halt und eine Art Familie zu finden, um sich Respekt zu verschaffen, um endlich jemand zu sein. Doch der alte Slogan: "Alle für einen und einer für alle!" wird schneller als gedacht zur Zerreißprobe. Die ATZEn gibt es seit September 2008. Anzahl und Zusammensetzung der Gruppe variieren von Spielzeit zu Spielzeit. 2008 entwickelten die Jugendlichen zum Thema GESCHICHTE UND GESCHICHTEN ein Theaterstück, das sie in Zusammenarbeit mit der Breakdance-Gruppe aus der Jugendfreizeiteinrichtung Die Lynar der Öffentlichkeit präsentierten. 2009 stand mit der Produktion SPUREN das Spiel mit dem geschriebenen und dem gesprochenen Wort im Vordergrund. Mit LONGING ist ein Stück entstanden, das sich mit Sehnsucht und dem Warten auf den großen Durchbruch beschäftigt und mit der Frage, was man bereit ist, für diese Chance zu tun. Eine erste Themen-/Interessensammlung im September 2010 ergab folgendes: Freiheit, Verrat, Liebe, Glück, Angst, Irrenhaus, Stress, Träume, Einsamkeit, Freundschaft, Eifersucht, Streit, Übernatürliches, Hilfe Pickel!, Hochmut kommt vor dem Fall. Schritt für Schritt fand sich die Gruppe, fanden sich erste kleine Geschichten und Dialoge, Donnerstag für Donnerstag wurden unterschiedliche Darstellungsweisen ausprobiert und schließlich der Entschluss gefasst, ein Stück über Gangs zu machen. Nun wurden Rollenprofile, ein erstes provisorisches Skript und auch die musikalischen Einlagen erstellt, ausprobiert, wieder verworfen und neu zusammengestellt. Für das neue Stück VerGANGen konnten wir den Rapper Tibor Sturm ("Quietstorm") als Musik- und GangExperten gewinnen, der der Inszenierung einen eigenen Beat verpasst hat. Es spielen: Beatrice Reinke, Leonie Kaiser, Isabelle Bergstrøm, Ismail Akyüz, Claudia Kandefer, Caroline Mahlburg / Alter: 13 – 23 / Regie: Tanja Pfefferlein / Regieassistenz: Ulrike Teske, Sebastian Hümbert, Miriam Friedrich

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Besser Späti als nie

Banda Agita – Theaterklub GRIPS Theater Aus Improvisationen entstand ein Stück, das einen Berliner Mikrokosmos zwischen Späti, Amt und Zweck-WG beleuchtet. Mit viel Verwirrung und Humor werden die unterschiedlichen Lebenslagen unter die Lupe genommen. Die Konflikte spitzen sich immer mehr zu und der Bösewicht ist scheinbar schnell ausgemacht. Doch ist wirklich nur einer an allem Schuld? Die Trennlinie zwischen Opfer und Täter, zwischen Winner und Loser, ja sogar zwischen hetero und queer werden schnell zur absoluten Grauzone. Themen sind Gentrifizierung, Solidarität und Zwischenmenschliches. Das Hauptmotiv ist die Suche. Seit 2003 werden bei der Banda Agita aus Improvisationen im Laufe einer Spielzeit Stücktexte und eigenständige Produktionen. Die Spieler sind während der Entstehung auch in Bereichen außerhalb des Rampenlichts am Arbeitsprozess beteiligt, so zum Beispiel an der Dramaturgie und Öffentlichkeitsarbeit. Meistens wird auch Musik in die Stücke integriert und so begleitet sich auch dieses Jahr die "Spätiband" mit Punk, Rock, Pop und Bluesrhythmen zu ihrem Schauspiel. Es spielen: Annika Grützner, Nicole Herbert, Linda Matzdorf, Hanna Ratke, Christian Reischel, Jan Steinke, Mütze Thiel, Lukas Huhn, Tomer Yavor / Alter: 15 – 20 Regie: Philipp Harpain / Regieassistenz und Band: Anta Recke / Musikcoach: Christina Hodanek / Assistenz: Ruth Vanreusel, Anneke Schippers

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Homosexualit채t und andere Krankheiten

Und sie lebten einsam bis ans Ende ihrer Tage


Und sie lebten einsam bis ans Ende ihrer Tage WTF – Theaterklub HAU

Homosexualität und andere Krankheiten GAYşe Liberation – Theaterklub HAU In beiden Stücken der Theaterklubs vom HAU geht es um Sexualität: In UND SIE LEBTEN EINSAM BIS ANS ENDE IHRER TAGE nimmt Sie die Gruppe WTF mit auf eine Reise durch verschiedene Affären und wird Sie auf jede erdenkliche Weise beglücken. Sie werden Hassende, Liebende, Beischlafende und Tötende treffen. Alle sind sie orientierungslos und werden ohne Rhythmus vielleicht nie zu ihrem Höhepunkt kommen. WTF ist aus dem ehemaligen Theaterjugendklub Fightclub hervorgegangen: Die Teilnehmer haben nun selbst die Leitung inne. GAYşe GAY e Liberation stellt viele Fragen über Sexualität, gibt aber keine Antworten. Dafür stehen die Spieler auf der Bühne und reden über sich selbst. Keine Geschichte ähnelt der anderen. Die Gruppe arbeitet mit Schlagzeilen, Vorurteilen und Klischees: Werden Jungen, die im Kindergartenalter lieber mit Mädchen und Puppen spielen, später schwul? Kann eine Mutter ihre Tochter, die lieber Hosen anzieht und Fußball spielt, durch Mädchenzeugs "bekehren" und dadurch vor Homosexualität schützen? Wann weiß man, dass man homosexuell ist? Erst nachdem man mit beiden Geschlechtern Sex hatte? Muss man einen Penis haben, um ein Mann zu sein? Darf eine Frau, die einen Penis hat, auf die Damentoilette? GAYşe Liberation grüßt Papst Benedikt XVI. GAY WTF – Theaterklub HAU / Es spielen: Jay König, Zoë Kira Edelmann, Simon Schmieder, Ruth Thrabitzsch, Sophia Malaika Schwerk / Alter: 17 – 21 Regie: Zoë Kira Edelmann, Sophia Malaika Schwerk / Dramaturgie und Regieassistenz: Pia Epping GAYşe Liberation – Theaterklub HAU / Es spielen: Henrik Willun, Paula Schumacher, Vanessa Merve Devec, Philip Scharf, Annika (Annasoul) Duchna, A-Chan Alter: 15 – 24 / Regie: Ayşe Gül / Dramaturgie und Regieassistenz: Luise Kleideiter

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Als Opa ein kleiner Junge war

Spiel.Raum / Wochentreff Junges DT – Deutsches Theater Berlin In ALS OPA EIN KLEINER JUNGE WAR beschäftigen wir uns mit der Kindheit vor 60, 70 Jahren, also der Zeit, in der unsere Großeltern Kind waren. Zunächst haben wir die eigenen Großeltern befragt, Informationen und Geschichten gesammelt: Was passierte gerade in der Welt, als du geboren wurdest? Welche Spiele habt ihr gespielt? Woran erinnerst du dich gerne, wenn du zurückblickst? Woran nicht? Was war dein Lieblingsessen? Was ist deiner Meinung nach der größte Unterschied zwischen früher und heute? Dieser Erinnerungsschatz wurde erweitert durch Interviews, die die Spieler mit älteren Ensemblemitgliedern des DT geführt haben. Neben den persönlichen Geschichten haben wir szenisches Material zu Texten von Nadja Budde (KINDSEIN IN ZEHN KAPITELN) und Wolfdietrich Schnurre (ALS VATERS BART NOCH ROT WAR) entwickelt. Inhaltlich geht es zum einen um zeitlose Momente von Kindheit, aber auch um die Unterschiede zum Kindsein heute. Es wurden thematische Schwerpunkte gesetzt: Kinderspiele, Kinderspielzeug und Kindergeburtstag, Essen und die abwesenden Väter, die im Zentrum der Collage stehen. Es wechseln sich chorische Szenen mit Erzählpassagen ab und bestimmen den Rhythmus des Kindheitskaleidoskops. Der Spiel.Raum ist das Format des Jungen DT, in dem seit der Spielzeit 2009/10 neben zwei Wochentreffs auch Workshops, Kurzwerkstätten und die "Offene Bühne" angeboten werden. Alle Klub-Mitglieder können für 3 Euro alle Inszenierungen des DT besuchen. Es spielen: Jan Bülow, Leo Dombrowski, Rojda Düzgün, Wanda Fritzsche, Anna Lena Gutierrez Toca, Caroline Hellwig, Jannika Hinz, Paula Koch, Luzie Laufenberg, Marisa Nest, Hanna Friederike Stange, Mahlet Tefera / Alter: 11 – 25 / Regie: Birgit Lengers, Nadine Boos / Assistenz: Anja Hofmann / Beratung Kostüme: Keren Kormann

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Terrorism

Junge Lichtburg – Theaterklub Lichtburg-Forum Wir beschäftigen uns diesmal mit Terror aller Art aus Sicht von Opfern und Tätern. Dabei befassen wir uns mit klassischen Dramen, modernen Romanen und zeitgenössischem Theater. Unser Stück wird irgendwo zwischen Collage, Performance und Theaterexperiment landen. Die Premiere findet erst im Oktober 2011 statt, deshalb können wir bei KLUBSZENE 2011 noch keine fertige Inszenierung zeigen. So ist das eben auf halber Strecke! Gegründet wurde der Klub 2006 am Theater Tribüne unter dem Namen "Junge Gegen Warte". Nach der Schließung des Theaters bzw. dem Verkauf an einen anderen Theaterleiter wanderte der Klub in das Lichtburg-Forum aus und nennt sich seitdem "Junge Lichtburg". Wir einigen uns immer erst auf ein Thema oder eine Textgrundlage und erarbeiten dann das Stück. Das meiste entsteht durch improvisierte Proben und Übungen. Welche Rolle spielt Rhythmus in unserer Arbeit? Es gibt einen Probenrhythmus, dann entwickelt jedes Stück seinen eigenen Spielrhythmus und wir merken auch, da sich die Gruppe oft in der Zusammensetzung ändert, es gibt so etwas wie einen Gruppenrhythmus. Aber all diese Rhythmen passieren eher ungeplant.

Es spielen: Tina, Karo, Rachel, Tamalan, Tobias, Julia, Nicole – oder auch: Annie, Maria, Jean, Ophelia, Leon, Katharina und Kassandra / Alter: 18 – 25 Regie: Janine Schweiger

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Research

Eine theatralische Begriffsbestimmung


Research -

Eine theatralische Begriffsbestimmung Die Aktionisten – Theaterklub Maxim Gorki Theater Berlin Was ist "Nichts"? Woraus besteht "Nichts"? Und wenn "Nichts" vorhanden ist, dann gibt es nicht "Nichts". Oder? Die Aktionisten – der MGT-Jugendklub – versuchen, mit Hilfe von philosophischen Ratgebern, literarischen Größen und theatralischen Mitteln dem Begriff "Nichts" in kurzen szenisch-essayistischen Untersuchungen Bedeutung zu verleihen. Mit verschiedenen performativen, choreografischen und Flashmob-Aktionen haben sie bisher die Spielzeit am MGT Berlin begleitet. Die Arbeit mit Rhythmen hat in allen Projekten eine große Rolle gespielt – z. B. bei der Flashmob-Aktion, die über ein Ensemble- und Zeitgefühl funktionierte oder beim WutChor, der über gemeinsames Sprechen ablief – immer gehörte der Rhythmus als Orientierungspunkt dazu. Wir arbeiten viel mit Standbildern, Musik und Themen, zu denen wir eigene Texte, Erfahrungen und Ideen sammeln, woraus sich dann die jeweilige Form der Aktion entwickelt. Unsere Vorbilder sind keine klassischen Theaterformate. Uns interessiert der Bereich zwischen Theater und Wirklichkeit – Aktionen, durch die der eigene Erfahrungsbereich mit theatralischen Mitteln verbunden werden kann. Es spielen: Uta Chotjewitz, Aaron Fiedler, Anna Carolina Freiheit, Gesa Geue, Linn Reusse, Stephanie Richter, Beatrice Köhler, Sophia Krüger, Toni Lucka, Anika Mahla, Angelo Marinis, Marie Scharf, Anna-Maria Schedler, Jan Wysujack / Alter: 16 – 24 Regie: Jelka Likus, Richard Kretschmar, Nele Weber / Musik: Richard Kretschmar

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Parallelen Die Zwiefachen – Theaterklub Schaubühne am Lehniner Platz Um uns existiert, fast unsichtbar, eine parallele Realität. Acht Jugendliche tauchen darin ein und schlüpfen in fremde und doch vertraute Körper. In diesen Körpern arbeiten, essen und lieben sie. Sie sind Reisende, die sich nicht anpassen wollen. Angezogen vom Licht steigen sie hoch hinauf und werden mit Füßen getreten. Über alle Maßen weise, können sie trotzdem ihrer Bestimmung kaum entkommen. Sie stricken ihre Netze in der Hoffnung, dass sich jemand darin verfängt, und versuchen so, sich im ewigen Wettkampf um fressen und gefressen werden zu behaupten. Insekten sind überall! Die Zwiefachen haben sich intensiv mit einer Parallelwelt auseinandergesetzt und diesen anderen, oft übersehenen Lebensraum mit seinen Vorgängen und Regeln untersucht. Als Inspiration dienten Bücher und Dokumentationsfilme über die biologischen Eigenarten der Insekten und ihre Verhaltensweisen. Monologe und Szenen wurden entwickelt: Was würde ein Silberfischchen der Menschheit sagen, warum fliegt die Totenkopfmotte eigentlich ins Licht, und wie lange muss eine Larve kämpfen, bis sie endlich als Zikade ihr eigenes Lied singen kann? Mit insektoiden Charakteren und deren Balztänzen und Weihegesängen gehen Die Zwiefachen auf die Bühne und ziehen Parallelen zwischen den Welten. Seit 1999 arbeitet die Theaterpädagogin Uta Plate mit der von ihr gegründeten Gruppe. Damals warb Uta Plate in betreuten Jugendwohnprojekten für eine Theatergruppe. Viele Jugendliche kamen mit, einige blieben, Die Zwiefachen waren geboren. Die Arbeit der Gruppe fand zuletzt immer mehr auch auf internationaler Ebene statt: Es wurden Inszenierungen mit Jugendlichen aus England, Brasilien, Ungarn und Nepal (im Rahmen des Festivals "Contacting the World") erarbeitet. Es spielen: Alex Bäke, Claudio-Luis João Fernando, Ikra Latif, Astrid Pendarvis, Charléne Spiekermann, Noah Welcker, Annika Westphal, Anina Winter / Alter: 16 – 23 Regie: Uta Plate / Assistenz: Sarah Verny, Alexander Sasanowitsch / Ausstattung: Alexandra Tivig

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Gewisse Bisse Operatiefer Eingriff – Theaterklub Staatsoper im Schiller Theater In dieser Spielzeit beschäftigen sich die 15 Jugendlichen von Operatiefer Eingriff mit dem Thema Freiheit, das Fragen für jeden Menschen aufwirft: Was bedeutet es, frei zu sein? Wann bin ich frei? Wovon bin ich frei? Hat Freisein überhaupt etwas mit Freiheit zu tun? Wo anfangs nur Fragen im Raum standen, entwickelten sich nach und nach Standpunkte und Meinungen. Jeder versuchte, diese Fragen zu beantworten, um eine persönliche Einstellung zum Thema Freiheit zu finden. Die Suche hat zu der szenisch-musikalischen Collage GEWISSE BISSE geführt. Der Grundgedanke des Stückes ist, Interpretationen des Freiheitsbegriffs auszuprobieren, sie gegeneinander auszuspielen und zu vergleichen. Die 15 Rollen, die in GEWISSE BISSE dargestellt werden, verkörpern keine Charaktere, sondern ein Mensch gewordenes Gefühl. Sie stehen für die ambivalenten Ansichten einund derselben Person, die als Ebenbild von uns allen, unserer Gesellschaft, auftritt. Operatiefer Eingriff, der Theaterklub der Staatsoper im Schiller Theater, existiert seit der Spielzeit 2009/10. Der Einstieg war eine Performance im Jahr 2009. Entstanden ist ein Opernjugendklub, der spielt, singt, tanzt und erkundet. Im Jahr 2010 entstand das erste Stück FRAGMENTE – EIN BRUCHSTÜCK. Es spielen: Lillie Esther Leonore Michalski, Diego Cabrera, Linda Hana Schüle, Bedirhan Bayrakci, Karina Repova, Alina Schaeffer, Luisa Glock, Eva Mangelsen, Sarah Marita Schön, Henrik Willun, Theresa Körner, Rosa Götze, Sophie Weynert, Johanna Nothroff, Antonie Huff / Alter: 15 – 21 / Regie: Sarah Del Lago / Assistenz und Musik: Jan Preißler, Dan Fryklund / Maske: Stella Schadow

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Programmübersicht Freitag, 24. Juni 2011 10.30 – 11.00 Uhr

Auftakt

11.00 – 12.30 Uhr

Workshop 1-7 / Teil 1

12.30 – 13.30 Uhr

Mittagessen

13.30 – 14.30 Uhr

Eröffnung

14.40 – 15.20 Uhr

A life in the sun

Bühne 2 Bühne 2

Theaterklub 5 - THEATER AN DER PARKAUE

15.30 – 16.10 Uhr

VerGANGen

Bühne 3

Die ATZEn – ATZE Musiktheater

16.20 – 17.00 Uhr

Was nagen diese Ratten aus

Bühne 2

P14 – Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz Rosa-Luxemburg

17.30 – 18.15 Uhr

Feedbackgespräch zu Theaterklub 1-3

18.15 – 19.15 Uhr

Abendessen

19.15 – 19.55 Uhr

Bernarda Albas Haus / Traumfetzen

Bühne 2

SOS – Straight On Stage – THEATER STRAHL Berlin

20.05 – 20.45 Uhr

Als Opa ein kleiner Junge war

Bühne 3

Spiel.Raum / Wochentreff Junges DT – Deutsches Theater Berlin

20.55 – 21.40 Uhr

Feedbackgespräch zu Jugendklub 4-5

ab 22.00 Uhr

Party auf Bühne 2 mit der Band BLOONS Filmeindrücke des Tages

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Samstag, 25. Juni 2011 11.30 – 13.30 Uhr

Workshop 1-7 / Teil 2

13.30 – 14.30 Uhr

Mittagessen

14.30 – 15.10 Uhr

Besser Späti als nie

Bühne 2

Banda Agita – GRIPS Theater

15.20 – 16.00 Uhr

Und sie lebten einsam bis ans Ende ihrer Tage WTF – HAU H

Homosexualität und andere Krankheiten GAYşşe Liberation – HAU Bühne 3 16.10 – 16.50 Uhr

Gewisse Bisse

Bühne 2

Operatiefer Eingriff – Staatsoper im Schiller Theater

17.15 – 18.00 Uhr

Feedbackgespräch zu Theaterklub 6-8

18.00 – 19.00 Uhr

Abendessen

19.00 – 19.40 Uhr

Parallelen

Bühne 2

Die Zwiefachen – Schaubühne am Lehniner Platz

19.50 – 20.30 Uhr

Terrorism

Bühne 3

Junge Lichtburg – Lichtburg-Forum

20.40 – 21.20 Uhr

Research - Bühne 2 Eine theatralische Begriffsbestimmung Die Aktionisten – Maxim-Gorki-Theater Berlin

21.30 – 22.15 Uhr

Feedbackgespräch zu Theaterklub 9-11

ab 22.30 Uhr

Party auf Bühne 2 mit Xaver Hirsch (DJ-Set) Filmeindrücke des Tages

Sonntag, 26. Juni 2011 11.30 – 14.00 Uhr

Präsentation / Jamsession der Workshops 1-7

ab 14.00 Uhr

Mittagessen und Ausklang 25


A life in the sun nach DIE ALKESTIADE von Thornton Wilder und MEDEAMATERIAL von Heiner Müller

Theaterklub 5 - THEATER AN DER PARKAUE Die Götter sitzen die Ewigkeit aus. Sie sonnen sich, essen Brausepulver, trinken Espresso und spielen gegen die eigene Nutzlosigkeit an. Die Mythen vergangener Tage sind ihre Soaps: Da ist Alkestis, die am Tag ihrer Hochzeit nicht mehr heiraten will, weil sie den Gott Apollo liebt und diesem gerne als Priesterin in Delphi dienen würde. Dann glaubt sie, dass Apollo diese Heirat wünsche, weil er durch den Seher Teiresias verkünden lässt, er selbst werde als Knecht ein Jahr lang am Hofe des Königs dienen – also Alkestis nahe sein. Einige Jahre später verwundet einer der Knechte aus Versehen den König, dieser müsste nun sterben, da überbringt ein Bote aus Delphi die Botschaft, dass der König nicht sterben müsse, wenn sich ein Mensch bereit erklärt, für ihn den Tod zu erleiden. Alkestis ist sofort dazu bereit, und ihr Mann gesundet blitzschnell. Zum Glück kommt gerade Herakles zu Besuch, der Alkestis aus der Unterwelt zurückholt. Der Theaterklub unter der Leitung von Sofie Hüsler besteht seit 2007 am THEATER AN DER PARKAUE. Einige Spieler machen bereits das vierte Jahr mit, andere kamen nach und nach dazu. Anders als in den letzten Jahren arbeitet die Gruppe diesmal entlang einer klassischen Theatervorlage. In der ersten Inszenierung BESTICKEN WIR BROTE ging es um Traumberufe und Lebensentwürfe der Spieler. Im Jahr danach entwickelte die Gruppe eine Produktion über die Frage, was einen guten Menschen ausmacht. 2010 bespielte der Klub das Foyer des Theaters und erzählte in Form eines schrägen Musicals vom Alltag des Einlasspersonals. Welche Rolle spielt Rhythmus? Sofie Hüsler: "Das Wichtigste für einen Schauspieler ist das Timing, und das zu erlernen ist schwer, weil es keine Technik dafür gibt. Jeder Vorgang, der auf der Bühne gezeigt wird, hat sein eigenes Tempo, aber grundsätzlich versuche ich, die Spieler da hinzubekommen, dass sie auf Anschluss sprechen und sich innerhalb des Textes unterschiedlich viel Zeit lassen können." Es spielen: Amelie Ollendorf, Charlotte Gleim, Katharina Fiedler, Marie Popall, Mariella Jurgella, Nora Leithold, Paul Krüger, Rieke Wosny, Tamara Bastian, Viktor Scholz Alter: 17 – 24 / Regie: Sofie Maruschka Hüsler 26


Bernarda Albas Haus / Traumfetzen SOS – Straight On Stage – THEATER STRAHL Berlin In diesem Jahr hat sich SOS entschlossen, an zwei Inszenierungen zu arbeiten. Für KLUBSZENE zeigen wir Ausschnitte aus beiden Produktionen, neu zusammengesetzt und miteinander verwoben: Sechs Spielerinnen setzen sich mit dem Stück BERNARDA ALBAS HAUS von Federico Garcia Lorca auseinander. Es geht um Schwestern, die nach dem Tod des Vaters von der Mutter in ihrem Haus für acht Jahre eingesperrt werden. Einziger Kontakt zur Außenwelt sind die Informationen der Dienerin La Poncia. Warum die jungen Frauen nicht alle gegen ihre Mutter aufbegehren, sondern sich bis auf eine in ihr Schicksal fügen, ist die Frage, die uns in dieser Produktion beschäftigt. Die Ausgangssituation von TRAUMFETZEN, frei nach dem Stück von Gertrud RohloffHecker, ist eine ähnliche. Auch hier bilden sechs junge Frauen eine seltsame Zweckgemeinschaft. Aus ganz unterschiedlichen Gründen treffen sie sich in einer alten Lagerhalle: Dodo, die nicht spricht, Leo, die nur ihre Ruhe will, Emma, die etwas verbirgt und Vivienne und Arlette, die eine merkwürdige Freundschaft verbindet. Die Situation eskaliert, als Dodos Schwester Myrthe dazukommt und alte Wunden aufreißt. Hier gehen die Spielerinnen der Frage nach unterschiedlichen Träumen, Lebensentwürfen und Sehnsüchten auf den Grund. Ausgehend von Themen, die SOS wichtig findet, sind in den letzten Jahren eigene Stücke entwickelt worden. In dieser Spielzeit stand der Wunsch im Raum, sich mit Textvorlagen auseinanderzusetzen und sich an festgesetzten Charakteren abzuarbeiten. Entstanden sind zwei unterschiedliche Inszenierungen, die eine – TRAUMFETZEN – in der Tradition des emanzipatorischen Jugendtheaters, die andere – BERNARDA ALBAS HAUS – auf Basis von surreal anmutenden Bildern und Rhythmen. Es spielen: Michelle Biallowons, Marie Hamayel-Peters, Katharina Heisig, Luca Kokol, Mara Niese, Cleo Schätzle, Cheyenne Schlüter, Kelly Schlüter, Luisa Seikel, Thea von Wedel, Viviann Wilmot, Sophia Wohlfarth / Alter: 14 – 18 Regie: Karen Giese / Assistenz: Magdalena Carl

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Was nagen diese Ratten aus Theaterprojekt nach DIE RATTEN von Gerhart Hauptmann P 14 – Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz

Zeit für Verstörung, Momente der Zerstreuung, Zeit für Verwandlung, Zeit für Erneuerung, Momente des Vergessens, Momente der Schönheit, Zeit für Ruhe, Momente der Anspannung, Zeit des Kollapses. Im Rhythmus des Freejazz vollzieht sich die allmähliche Zermalmung einer Gesellschaft, einer Familie, eines Körpers. Es ist der Rhythmus des Abschieds. Alle entfernen sich voneinander bis eine einzelne Person, Frau John, alleine zurückbleibt. Hundert Jahre nach Gerhart Hauptmann sind die schmierige Moral, der Dunst und der Dreck nicht in rußgeschwärzten Hinterhöfen zu finden, sondern unter gefließten, beige colorierten Einkaufscentern. Du betrittst ein Labyrinth. Zart, leicht, sich der tragischen ausweglosen Form entziehend, an den Grenzen, den Sackgassen, der Form nagend, fragend: Warum? Einen Ausweg zu finden aus dem Muster, das Muster zu durchschauen – ich sehe in den Spiegel und sehe die Ratte. Die Ratte? Die Ratte! Sechs Experimente spüren den RATTEN von Gerhart Hauptmann nach und versuchen den Unterschied zwischen Ratten und Menschen als wilde Kreaturen herauszufinden. Das Jugendtheater P14 entstand 1993, als Volksbühnen-Intendant Frank Castorf und der Dramaturg Matthias Lilienthal Jugendliche aufforderten, ihr Theater selbst zu gestalten. Im Rahmen von P14 entstand kurze Zeit später die Gruppe "Jugend ohne Gott" unter der Leitung von Ramona Zimmermann und Matthias Kubusch. Milan Peschel und die Dramaturgin Andrea Koschwitz übernahmen 1999 die Leitung des Jugendtheaters, ab 2001 hatte Sebastian Mauksch die Gesamtleitung des Jugendtheaters inne. Seit 2008 steht P14 unter der künstlerischen Leitung von Vanessa Unzalu Troya. Es spielen: Lilly Lorenz, Johannah Dähler, Marvin Ketteniß, Marlon Tarnow, Joannah Faust, Klemens Hegen, Gaia Vogel, Sophie Böck, Marcus Tesch / Alter: 17 – 23 Regie: Stathis Grafanakis / P14-Leitung: Vanessa Unzalu Troya / P14-Assistenz: Lisa Schettel / Bühne: Antoine Beaudoine / Ton und Video: Georg Schwarz

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Workshops


Workshop 1

I heard it through the bassline Textwerkstatt

Leitung: Jörg Albrecht, Autor Wie kann man Rhythmen im Text anlegen, mit ihnen spielen? Was gibt es für Werkzeuge und Tricks dafür? Ob ein schneller verbaler Schlagabtausch, ein in die Länge gedehnter Monolog, ob viele Pausen zwischen den Worten oder ob Tanzschritt und Sprache sich abwechseln – über den reinen Inhalt hinaus geht der Rhythmus in den Körper des Zuschauers ein. Oft verbinden sich emotionale Erlebnisse mit bestimmten Songs und deren Text und Tempo. Bringt euren Lieblingssong mit! Wir nutzen die Musik, ihren Beat, ihre Harmonien und Disharmonien, die Erinnerungen und Gefühle, die sich damit verbinden, um kurze Szenen zu schreiben. Dabei geht es um ganz unterschiedliche Arten, Rhythmus einzusetzen. Zum Beispiel können wir Figuren mit Leben füllen, wir können Inhalte über eine ganze Szene ausbreiten oder in wenigen Sätzen erzählen, wir können verschiedene Welten und Sprachen aufeinanderprallen lassen. In jedem Fall können wir die Realität, wie wir sie kennen, beschleunigen, entzerren, überspitzen, remixen, crashen lassen. Hear it through the bassline! Wenn Jörg Albrecht schreibt, wühlt er sich durch einen Berg Material: Filme, Fernsehserien, Interviews, Romane, Theorie, aber auch viele Songs. Daraus nimmt sich Jörg Albrecht alles, was er klug, witzig, berührend findet, heraus. Dann geht die rhythmische Arbeit los: Er schneidet diese Schnipsel aneinander. Dabei ist der Wechsel von schnell und langsam, der Wechsel zwischen einzelnen Themen oder Figuren wichtig. Es geht weniger darum, eine Geschichte von A bis Z zu erzählen; eher verbinden sich im Text viele unterschiedliche Teile von Wirklichkeit – unter anderem über Rhythmus. Musik und Text gehören für Jörg Albrecht zusammen: Sie lassen den Bühnenraum größer erscheinen als er ist. Jörg Albrecht (*1981) lebt in Berlin. Er ist Autor intermedialer Serien, Romane und Hörspiele: DREI HERZEN (2006), STERNSTAUB, GOLDFUNK, SILBERSTREIF (2008, beide Wallstein Verlag) und MOON TELE VISION (mit Matthias Grübel, 2009, intermedium records). 2012 kommt ein drittes Buch über Werwölfe und Kreativwirtschaft heraus. Theaterstücke hat er u.a. am Maxim Gorki Theater Berlin, Schauspielhaus Wien und an den Münchner Kammerspielen realisiert. Mit copy & waste, seinem Theaterkollektiv, erforscht er die Architektur von Städten und Fiktionen. Mehr Infos unter http://fotofixautomat.de. 34


Workshop 2

Musikalische Suppenküche Gesang und Instrumente

Leitung: Anton Berman, Musiker / Komponist / Sänger / Tänzer Wo liegen die Grenzen zwischen orientalischer Musik, klassischer Musik, Death Metal, Speedypolka und kitschigem Pop? Was passiert, wenn man diese Grenzen auflöst und sich auf eine musikalische Reise aus Erinnerungen, Vorstellungen und Fantasien einlässt? Vielleicht entsteht daraus Afrikanischer Barock, Kletzmertechno oder Märchenhiphopindustrial? Das Ziel ist ein wilder Rhythmus-Mix aus unterschiedlichen Stilen. In Anton Bermans Workshop werden Gesang, Instrumente und Improvisationstalent erprobt: Die Teilnehmer werden gebeten, eigene Instrumente mitzubringen und sie auf möglichst viele Arten einzusetzen. Aggressive Rhythmen wechseln sich mit Klang- und Stimmteppichen ab, der eigenen Musizierlust sind keine Grenzen gesetzt. Auf der Suche nach der ungehörten Musik entsteht ein rasant gewürztes Suppengericht aus tausend Zutaten.

Anton Berman (*in Moskau) ist Musiker, Komponist, Sänger, Nachwuchsspezialist für Teezeremonien und Begründer und Leiter der "Hochschule für Bikeballett und Ballettdesign Istanbul". Mit seinem Aufnahmegerät bereist er zahlreiche Länder, um Eindrücke festzuhalten. Er arbeitet für Theater und Tanz, steht oft selbst mit auf der Bühne, zuletzt in RADAU! am THEATER AN DER PARKAUE und am Oldenburgischen Staatstheater. Anton Berman spielt im Klezmerpunktrio "Igra" und ist Sänger des norwegischen Break-PopDuos "Spåaten".

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Workshop 3

Video as Subject Live-Kamera- und Filmtechniken

Leitung: Marcio Carvalho, Video- und Performancekünstler - in englischer Sprache Wir sind die Kamera, die anderen sind die Projektionsflächen. Was sehen wir in ihnen und wie kann man diese Gedanken sichtbar machen? In Marcio Carvalhos Workshop werden ungewöhnliche Techniken mit der Live-Kamera ausprobiert und die Ergebnisse in einen optisch reizvollen Rhythmus gebracht. Wird Video im Theater eingesetzt, ist die Filmsequenz meist vorproduziert und wird auf eine fest installierte Leinwand projiziert. Oder: Szenen werden während des Spiels gefilmt und sofort übertragen. Marcio Carvalho geht noch einen Schritt weiter und filmt das Filmen und Projizieren. Die Kamera spielt bei ihm eine "Rolle" und ist genauso Akteur wie die Darsteller. Der Begriff Projektion hat bei ihm eine doppelte Bedeutung: Einerseits geht es um die Technik, die Übertragung des Bildes auf eine Fläche, andererseits geht es um das Projizieren von Gedanken auf Andere, die für uns zur "Projektionsfläche" werden. Im Workshop wird mit diesen beiden Bedeutungen von Projektion experimentiert. In Marcio Carvalhos Performance-Arbeit spielen die Elemente Video und Fotografie eine große Rolle: Sie sind nicht der theatralen Aktion untergeordnet, sondern haben eine gleichberechtigte Bedeutung – sie werden selbst zum Subjekt. Über Rhythmus sagt er: "Rhythmus ist überall: in unserem Alltag, wenn wir denken, wenn wir Wörter aussprechen und diese Wörter zu Kommunikation werden, in unserem Körper, sogar wenn wir schlafen. Wird das Element Video in einer Live-Performance verwendet, muss man sich automatisch Gedanken über Rhythmus machen, da die Bilder nicht einfach nur illustrieren sollen, was auf der Bühne passiert. Das Element Video soll das Performative nicht unterbrechen, sondern soll eine fließende Fortsetzung des Geschehens sein. Durch loops, slow-motion, fast-forward kann der Rhythmus der Bilder beeinflusst werden." Marcio Carvalho (*1981 in Portugal) hat Visuelle Kunst studiert und arbeitet gerade an seinem Master in Performing Arts an der UdK Berlin. Er ist als Künstler und Kurator tätig, z.B. für die Festivals "Hotel 25" und "PLOT IN SITU" in Berlin. Er ist ebenso Mitbegründer von "Co-Lab Editions", einem Performance-Programm.

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Workshop 4

Alles zur selben Zeit! Regie

Leitung: Thomas Fiedler, Regisseur Im Radio, im Fernsehen, am Telefon, auf der Straße, im Café, am Frühstückstisch, in der U-Bahn, in unserem Kopf, überall sind wir von Texten umgeben. Und meistens laufen mehrere dieser Textebenen gleichzeitig ab – mit dem Handy in der U-Bahn, einem Gespräch zuhörend, dabei noch das Berliner Fenster lesend. Manche Wörter und Sätze wiederholen sich, andere sind einmalig, manche gehen im Chaos des Alltags unter, andere werden Mode oder allgemeine Meinung. Schaut man genau hin, so entdeckt man Strukturen, Wiederholungen, Rhythmen – sowohl im Einzelnen, als auch im großen Ganzen. Was in diesem ständig rauschenden Welttext hervortritt und was untergeht, hängt meist davon ab, wie es sich in seinem Rhythmus präsentiert. Diesem Phänomen wollen wir nachgehen: Aus unterschiedlichen Texten und Geräuschen, die wir unserer Umwelt entnehmen, wollen wir ein Simultangedicht zusammenstellen. Wir ordnen unsere Welt neu, erfinden unsere eigenen Rhythmen und sprechen, murmeln, schreien, flüstern, skandieren sie in die Welt hinaus. Denn den Rhythmus macht nicht irgendwer, sondern wir selber. Aus einer Vielzahl von Texten bauen wir eine Live-Collage, einen Poetry-Slam auf tausend Spuren. Thomas Fiedler (*1974) studierte Musiktheater-Regie in Hamburg. Von 2001 an inszenierte er freischaffend u.a. im HAU Berlin, in der Semperoper Dresden und dem Staatstheater Meiningen. Als Dramaturg war er bei Musiktheater-, Schauspiel- und Tanzproduktionen in Berlin, Jena, Kiel, Mailand, Zürich, der RuhrTriennale und beim "steirischen herbst" beteiligt. Von 2005 an war er Mitglied der künstlerischen Leitung des Theater Aachen und künstlerischer Leiter der Spielstätte Mörgens. Seit Sommer 2007 arbeitet er freischaffend, u.a. bei der RuhrTriennale, am Saarländischen Staatstheater, der Frankfurter Oper, Kampnagel (Hamburg) und dem Schauspielhaus Zürich. 2007 gründete er gemeinsam mit dem Komponisten Jan Dvorak die Gruppe KOMMANDO HIMMELFAHRT, die groß angelegte Musik/Theater/Kunst-Produktionen realisiert. Genau wie in der Musik, ist für Thomas Fiedler auch das Theater nicht ohne Rhythmus denkbar, er begreift Theater als Zeitkunst. Das schlägt sich auch im Probenprozess nieder: Mit den Darstellern arbeitet er besonders an der rhythmischen Struktur eines Stückes. So versucht er über Verlangsamungen, Beschleunigungen, Akzentuierungen, Wiederholungen, über Steigerungen und plötzliche Abbrüche die Szene entstehen zu lassen. Seine letzte Produktion RADAU! ist am THEATER AN DER PARKAUE zu sehen. 40


Workshop 5

Phantome Speisen Ghost Notes Konzertperformance

Leitung: Sylvi Kretzschmar, Performance-Künstlerin / Musikerin / Choreografin Mikrofone produzieren Phantome: Elektronische Verstärkung vergrößert, zerstört, idealisiert und verzerrt Geräusche. Werden Mikrofone geschwungen oder geschleudert, bebt die Bühne mit. Der Luftzug entsteht durch die schwingende Armbewegung, es rauscht, knallt und vibriert. Das Mikrofon in der Hand reißt den Rest des Körpers mit. Wir machen Musik, die im Tanz ihren Ausgangspunkt hat. Unsere Körper und verschiedene Mikrofone sind dabei die einzigen Instrumente. Über große Lautsprecherboxen werden unsere Bewegungen im Raum hörbar. Der Workshop widmet sich einer Suche nach tänzerischen Elementen und Bewegungen, die zum Klingen gebracht werden. Mit einfachen Mitteln wird eine Klang-Performance mit Mikrofonen entwickelt, die sich auf ein rhythmisches Wechselspiel von Improvisation und festgelegter Choeografie gründet. Als Gruppe formen wir einen Klangkörper, der sich weit von dem auf der Bühne Sichtbaren entfernen kann. Die Schmerzgrenze liegt bei 120 Dezibel. Sylvi Kretzschmars Bühnenarbeiten sind eine Synthese aus Performance, Choreografie und elektronischer Musik. Zentrale Fragen sind der Live-Charakter elektronischer Musik und die Rolle des Körpers in ihr. Zwischen Punk-Konzert, Noisegewitter, Soundscape und Liederabend ergeben sich Wege, hörbar zu choreografieren. Dokumentarisches Material, Bewegung, Ideen und Texte, Fiktion und Recherchiertes werden nach musikalischen und rhythmischen Kriterien arrangiert. Sylvi Kretzschmar (*1977 in Jena) arbeitet u.a. regelmäßig mit der Tänzerin Camilla Milena Fehér (Berlin), ELECTRONIC MUSIK THEATRE (Frankfurt), SCHWABINGGRAD BALLETT (Hamburg). Ihr erstes abendfüllendes Solo RESONANZ war 2004 beim PLATEAUX FESTIVAL in Frankfurt zu sehen. Sie war 2008 in Residenz beim K3 Zentrum für Choreografie / TANZPLAN HAMBURG. Ihre in diesem Rahmen entstandene Soloarbeit LAUTSPRECHER / SPEAKER wurde 2008 und 2009 auf Kampnagel gezeigt. Seitdem wirkte sie u.a. bei DEICHKIND IN MÜLL (2010), BUSINESS PUNK CITY (Schwabinggrad Ballett 2010) sowie in Gudrun Langes Stück CHEEESE! als Musikerin und Performerin mit. Im April 2011 hatte ihre KonzertPerformance GOLD GOLD auf Kampnagel Premiere.

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Workshop 6

Rhythmic Bodies Tanz

Leitung: Odile Seitz, Tänzerin / Choreografin / Tanzpädagogin - keine tänzerischen Vorkenntnisse nötig Das Herz schlägt gleichmäßig, der Kreislauf rotiert, wir blinzeln. Unser ganzer Körper ist ein einziger Rhythmus-Apparat, er besteht aus hunderten von unterschiedlichen Rhythmen, deren Koordinierung unsere Gesundheit und innere Balance unterstützen und ermöglichen. Bewegen wir uns, merken wir, dass Zeit vergeht. Im Tanz entwickelt sich der Rhythmus im Raum und lässt die Zeit körperlich spürbar werden. Der Workshop ist ein Bewegungslabor für unsere Körperrhythmen: In Improvisationen mit und ohne Musik suchen wir nach Bewegungen, die unseren Körper als Rhythmusmaschine sichtbar machen. Wir entwickeln unterschiedliche Bewegungsqualitäten und treiben sie an die Grenzen. Mit diesen Bewegungsqualitäten bilden wir eine Partitur aus Solo- und Gruppenteilen. Der Tanz wird zur Musik, zum Rhythmus selbst. Die einzelnen Teile überlagern sich, entwickeln sich vom Solo zum Chor, spielen mit Struktur und erlauben Chaos. Odile Seitz ist diplomierte Tänzerin, Tanzpädagogin und Choreografin aus Frankreich. Sie hat Zeitgenössischen Tanz in Lyon studiert und arbeitet mit verschiedenen Choreografen und Regisseuren, z.B. mit Luc Bondy an der Schaubühne am Lehniner Platz Berlin. Seit 2000 lebt sie in Berlin und arbeitet mit Christoph Winkler, Ingo Reulecke, Felix Ruckert und Christine De Smedt. Sie ist Dozentin für das hochschulübergreifende Projekt Tanzplan Berlin und unterrichtet Jugendliche und Tänzer in der Tanzfabrik Berlin und in der fabrik Potsdam. 2005 gründete Odile Seitz mit Alice Chauchat, Frédéric De Carlo, Frédéric Gies und Isabelle Schad zusammen das Kollektiv "praticable". In diesem Rahmen war sie beteiligt an "Dance (praticable)", "The Partners (praticable)" und "Aaah! (praticable)". 2009 / 2010 leitete sie die Wiederaufnahme von "Dance (praticable)" mit Jugendlichen an der fabrik Potsdam. Seit Oktober 2010 arbeitet sie mit Jugendlichen an "No Limit (praticable)", das während der Tanztage 2011 an der fabrik Potsdam gezeigt wird. Seit 2008 ist sie Pädagogin für somatische Bewegung und hat 2010 das Diplom für Body-Mind-Centering® erlangt. Die Erforschung und die Wahrnehmung von Rhythmus als Element des Lebens ist ein wesentlicher Aspekt ihrer pädagogischen und kreativen Arbeit.

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Workshop 7

Rhythmus heißt, mit Fehlern zu arbeiten Regieworkshop für Klubleiter Leitung: Carlos Manuel, Regisseur Es gibt Inszenierungen, die perfekt durchgestylt sind und kaum Abweichungen vom Geprobten erlauben. Es gibt auf der anderen Seite Inszenierungen, die bewusst mit Freiräumen arbeiten, mit der Möglichkeit, die Szene in dem Moment des Spielens neu zu erfinden und damit eine Unmittelbarkeit erschaffen, die sich im besten Fall als Erlebnis der Intensität auf den Zuschauer überträgt. Was bedeutet diese Art zu arbeiten für die Gestaltung von Rhythmus? Carlos Manuel untersucht anhand eines Textausschnitts von DER SANDMANN von E.T.A. Hoffmann, welche unterschiedlichen Rhythmen mit ein und derselben Szene möglich sind. Die Teilnehmer analysieren den Textausschnitt auf seinen inhaltlichen Gehalt und versuchen unterschiedliche Lesarten szenisch umzusetzen. Dabei soll es darum gehen, naheliegende Rhythmus-Konzepte über den Haufen zu werfen, sich selbst als Spieler zum Gesagten zu positionieren und scheinbar Gegensätzliches zu kombinieren – und möglichst viel Raum für "Fehler", also unerwartete Momente, zu schaffen. Carlos Manuel (*1968 in Angola) studierte Philosophie in Brasilien und Theaterwissenschaft und Schauspiel in Paris. Als Regisseur arbeitete er unter anderem am Bayerischen Staatsschauspiel München, am Theater Freiburg, am Staatstheater Braunschweig, am Thalia Theater Halle und am Moskauer Dramatisches Theater ApaRTe. Er inszenierte am Hans-Otto-Theater Potsdam, am Deutschen Schauspielhaus Hamburg sowie an der JugendTheaterWerkstatt Spandau, einer Generationen übergreifenden Theatergruppe, die mit den Inszenierungen PEER GYNT, NACHTASYL, KARAMASOW und AMERIKA! Aufsehen erregte. Am THEATER AN DER PARKAUE inszenierte er u.a. DER FREISCHÜTZ, VERWANDLUNG, WARUM KOMMEN DINGE DURCHEINANDER, RISIKO und zuletzt KOPF ODER ZAHL, ein Auftragswerk des THEATER AN DER PARKAUE und dem THOC / Staatstheater Zypern im Rahmen des Großprojektes "Young Europe – Young Creation and Education in Theatre". In der Saison 2011/2012 bringt Carlos Manuel DER SANDMANN von E.T.A. Hoffmann auf die Bühne des THEATER AN DER PARKAUE.

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Impressum: KLUBSZENE 2011 Künstlerische Leitung: Amelie Mallmann, Dramaturgin und Theaterpädagogin, THEATER AN DER PARKAUE Produktionsleitung: Maura Meyer Öffentlichkeitsarbeit: Tabea Naumann Gestaltung: Angelika Wedde Logo: Lisa Klinkenberg Workshop-Koordination: Mijke Harmsen und Amelie Mallmann Coaching Moderationsgruppe: Sofie Hüsler Moderation der Feedbackgespräche: Uwe Gössel und Sara Jasinszczak Organisation Rahmenprogramm: Jan Preißler und Richard Kretschmar Video-Dokumentation: Sami Bill Assistenz: Franziska Burnay Pereira und Silke Osterhues Schirmherrschaft: Claudia Zinke, Staatssekretärin für Bildung, Jugend und Familie

Wir bedanken uns für die großzügige Förderung des Deutschen Bühnenvereins.

Gastgeber:

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Programmheft KLUBSZENE Festival 2011  

24.-26.6. 2011 am THEATER AN DER PARKAUE

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