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3路2013

S A LV E

Zeitschrift der benediktinischen Gemeinschaften Einsiedeln und Fahr


SALVE Zeitschrift der benediktinischen Gemeinschaften Einsiedeln und Fahr

5. Jahrgang · Ausgabe 3 · Juni / Juli 2013 Erscheint 6-mal jährlich Titelbild (Liliane Géraud): Wasser, Weihwasser, Taufwasser, Wasser des Lebens ... (siehe S. 4ff).

Jahr des Glaubens Weihwasser – Segen, Schutz und Taufgdächtnis

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Wallfahrt Wallfahrtstage grosser Pilgergruppen Liturgie konkret – Sonntag Haben Sie gewusst, dass ...

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Kloster Einsiedeln In Memoriam: Pater Angelo Zanini Die neue Psallierorgel Pater Isidoros: Datteln aus dem Wüstenkloster Eine lohnenswerte Erfahrung: Volontär im Kloster Oblatentreffen im Kloster Fahr: Gott sitzt am Webstuhl 25. Jahresversammlung: Jubilierende Freunde des Klosters Konventglöckli

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Stiftsschule Schulnachrichten Ecke der Eltern Schulseelsorge – Reif für den nächsten Schritt Internat – Neues Beherbergungsangebot Personalnachrichten Alumni – Lust auf Welttheater Corvina: Ein heisser kalter Frühling Klassentag 1993

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Propstei St. Gerold Konzert- und Kursprogramm

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Kloster Fahr Grusswort Ein Tag im Leben der Bäuerinnenschule GV der Freunde des Klosters: Grosse Hilfe Nachrichten Ehemalige

54 56 62 65

Kaleidoskop www.kloster-einsiedeln.ch www.kloster-fahr.ch www.zeitschrift-salve.ch www.gotteswort.ch

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Edzard Schaper – Dichter des Glaubens Buchvernissage: Klosterplatz und Abteihof als Ort der Begegnung Neue Bücher Impressum

68 76 78 83


LEITGEDANKE

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ie leider viele Christen im Nahen Osten haben auch die ,PQUFO alles andere als ein friedliches Leben, seit in Ägypten extremistische Muslime Christen und anderen Minderheiten das Leben schwer machen. Viele koptische Christen sind aus Ägypten geflohen, einige hundert Familien leben in der Schweiz und werden von koptischen Geistlichen betreut. Pater Isidoros El-Anba-Samuel ist einer von ihnen. Wie etliche seiner Vorgänger wohnt auch er im Kloster Einsiedeln. Bruder Gerold Zenoni hat mit ihm ein Gespräch geführt über sein Heimatkloster, über sein Leben in der Schweiz und über die ernsten Probleme der Christen in Ägypten. Ungefähr gleichzeitig, als Bruder Gerold das Gespräch mit Pater Isidoros führte (S. 20ff), bekam ich ein Buch in die Hand: «Jesus in Ägypten. Das Geheimnis der ,PQUFO». Geplant war dieses Zusammentreffen keineswegs, aber es bietet mir Gelegenheit, ergänzend zum Interview mit Pater Isidoros auf dieses ungemein spannende Buch hinzuweisen (Seite 25). Es erzählt die abenteuerliche Geschichte einer Reise auf den Spuren der Heiligen Familie von Bethlehem bis ins südliche Ägypten, nach 5IFCFO, wo das Jesuskind mit seinen Eltern nach der in Ägypten nach wie vor lebendigen Überlieferung «genau sechs Monate und fünf Tage» gelebt haben. Die LPQUJTDIFO Christen leben auch heute noch ganz aus dieser Tradition, weshalb sie Ägypten das «zweite Heilige Land» nennen. Vielleicht können wir uns ein Beispiel an ihnen nehmen, was aller historisch-kritischen Fragezeichen zum Trotz lebendige Tradition bedeutet und welche Kraft aus ihr geschöpft werden kann. Bald haben wir einen konkreten Anlass, uns mit den Anfängen des christlichen Glaubens auf Schweizer Boden wieder und vielleicht auf neue Art zu befassen: 2015 feiert das Kloster St. Maurice im Unterwallis sein tausendfünfhundertjähriges Bestehen. Bei dieser Gelegenheit werden uns zwei Wörter wieder begegnen: ,PQUFO und 5IFCFO. Mauritius und seine Gefährten, die im Wallis ihren Glauben an Jesus von Nazareth, Christus, mit ihrem Blut bezeugt haben, waren nach der Überlieferung LPQUJTDIF Christen aus der Gegend von 5IFCFO. Wir Katholiken verehren die LPQUJTDIFO Heiligen unseres Landes – nebst dem hl. Mauritius, einer der zwei Patrone der Einsiedler Klosterkirche, auch die Zürcher und Solothurner Stadtheiligen, Felix und Regula, Ursus und Victor. Ihnen allen verdanken wir, dass der Same des Christentums auf dem Gebiet der heutigen Schweiz ausgesät worden ist. Ja, es ist ein Grund zu Dankbarkeit von uns Heutigen gegenüber unseren LPQUJTDIFO Glaubensgeschwistern – jenen von damals und denen von heute.

Erich Liebi

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JAHR DES GLAUBENS

Weihwasser

4FHFO 4DIVU[VOE5BVGHFEÊDIUOJT Geweihtes Wasser – Symbol von Leben und Kraft – kann bis in die frühesten Zeiten des Christentums zurückverfolgt werden und besass bereits in der altgermanischen Welt grosse Bedeutung. Auch im 21. Jahrhundert ist es aus katholischen Kirchen und Familien nicht wegzudenken. Im Kloster Einsiedeln braucht man davon jährlich über 5500 Liter.

Ein Grossteil der Kirchenbesucher nimmt – viele wohl aus Gewohnheit und automatisch – das Weihwasser und macht das Kreuzzeichen beim Betreten und Verlassen der Stiftskirche Einsiedeln. Ob die Menschen sich bewusst sind, dass das Kreuzzeichen mit Weihwasser sie einlädt, sich an die eigene Taufe zu erinnern – ein Mini-Taufversprechen quasi? Das Segenszeichen ist auch Erinnerung an den historischen Brauch, sich vor dem Betreten einer Kirche Hände oder Füsse zu waschen – ein Brauch, der vermutlich in die Anfangszeiten des Christentums zurückgeht und in verschiedenen Religionen, so im Islam, heute noch gepflegt wird. 4JDIEFN4FHFO(PUUFTFNQGFIMFO Der Verbrauch an Weihwasser ist im Kloster Einsiedeln beachtlich: Zweimal wöchentlich erneuern die Klostersakristane das geweihte Wasser in den beiden grossen Becken, links und rechts der Kirchentüren, nachgefüllt wird fast täglich. Zusätzlich zum Weihwasserbedarf in der Stiftskirche wird aus dem grossen Kupferfass im Vorraum des Pfarramts, links vom Haupteingang der Kirche, wöchentlich rund hundert Liter geweihtes Wasser von Einheimischen, Wallfahrenden, Pilgern sowie Besucherinnen und Besuchern der Klosterkirche in Fläschchen und Flaschen abgefüllt und mit nach Hause

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genommen. Das Weihwasser als Zeichen, sich dem Segen Gottes zu empfehlen, hat sich bis heute in der katholischen Kirche rund um die Welt gehalten. Gesegnet werden Menschen, Kultgegenstände, aber auch Autos, Tiere und sogar Feuerwehrfahrzeuge, Spitalbauten und Schulhäuser – beispielsweise von Pater Basil Höfliger, Benediktinermönch im Kloster Einsiedeln und Pfarrer im Klosterdorf. Pater Basil, im Englischen heisst Weihwasser ‹Holy Water›, wieso? Vermutlich deshalb, weil geweihtes Wasser dem Bereich des Göttlichen, des Heiligen, zugeordnet wird. Wasser ist ein Element dieser Welt, und mit dem Segen kommt es in Die Utensilien für die priesterliche Wassersegnung: Stola, Gebetstext, Salz.


JAHR DES GLAUBENS

Pater Basil Höfliger: «Wenn jemand das Weihwasser nimmt, bevor er das Haus verlässt, erinnert er sich daran: ‹Ich gehe nicht allein, Gott geht mit mir›.» Verbindung mit Gott. Weihwasser will uns mit Gott, dem Heiligen, in Beziehung bringen. Es gibt im übertragenen Sinn auch andere ‹Heilige Wasser›, sogar in unserem Land, im Wallis etwa. Die Suonen, die Kanäle, die Wasser seit dem 13. Jahrhundert von den Quellen hoch oben in den Bergtälern und unterhalb der Gletscher zu den Feldern, Wiesen und Äckern ins Tal bringen, sind existentiell. Diese Wasser sind für die Menschen ein Segen, ein Geschenk Gottes. Wasser ist segensreich? Ja, und ein tiefes Zeichen. Wasser bedeutet Leben. Wir alle leben, weil wir Wasser zur Verfügung haben. Auf dem Mars wird nach Wasser gesucht, um herauszufinden, ob Leben möglich ist. In der Bibel ist das Wasser Zeichen für das Leben, das Gott schenken will: Leben, das mehr ist als bloss zu existieren. Mose führte das Volk Israel durch das Wasser des Roten Meeres in die Freiheit. Während der Wanderung durch die Wüste hat Mose Wasser aus dem Felsen geschlagen – sonst wären die Israeliten verdurstet.

Die Propheten haben mit Wasser den lebendigen Bund, der Gott mit dem Volk Israel schliessen wollte, ausgedrückt. Jesus selber ist im Wasser des Jordan getauft worden. Wasser ist ein Zeichen für das Leben, das Jesus ‹Leben in Fülle› nennt. So ist Wasser ein Zeichen des Segens, der über unserem Leben steht. Wie erklären Sie das Weihwasser? Weihwasser ist gesegnetes Wasser und wird beim Segnen verwendet. Ein Segen erinnert uns daran, dass Gott der Ursprung und das Ziel allen Lebens ist. Geweihtes Wasser ist sodann auch Erinnerung an die Taufe. Im Wasser der Taufe schenkt Gott uns das neue Leben des Glaubens, wir sind Söhne und Töchter Gottes. Jedes geweihte Wasser, ob Weihwasser, Osterwasser, Dreikönigswasser, erinnert uns daran. Wir machen mit dem Weihwasser das Kreuzzeichen und rufen dabei den Namen Gottes an – wie bei der Taufe, wenn es heisst: ‹Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes›.

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JAHR DES GLAUBENS digt, dass sie beim Hereinkommen vermutlich das Weihwasser genommen und das Kreuzzeichen gemacht hätten. Ironischerweise war am 27. Januar 2013 das Weihwasser in der Jugendkirche aber Stein und Bein gefroren! Wie kann man Erwachsene (wieder) zum Thema Weihwasser führen? Indem man den Sinn wieder ins Bewusstsein ruft – zum Beispiel bei Tauffeiern. Wenn wir eine Kirche betreten und das Weihwasser nehmen, ist das wie eine kleine Tauferneuerung. Das Weihwasser kann auch ein Zeichen mitten im Alltag sei. Wenn jemand das Weihwasser nimmt, bevor er das Haus verlässt, erinnert er sich daran: ‹Ich gehe nicht allein, Gott geht mit mir›. Es ist selbstverständlich nicht so, dass Gott erst in dem Moment, in dem wir das Weihwasser nehmen, zu uns kommt. Aber es macht uns neu bewusst, dass Gott da, bei uns ist – im konkreten Moment.

Erst der priesterliche Segen macht gewöhnliches Wasser zu Weihwasssser. Wie erklären Sie es den Kindern in Ihrer Pfarrei? Wir versuchen, den Kindern in der Vorbereitung auf die Erstkommunion den Gedanken an ihre Taufe unter anderem mit dem Weihwasser zu vermitteln. Beim Eröffnungsgottesdienst übergeben wir jedem Kind ein Fläschchen mit Weihwasser. Es erinnert sie daran, dass sie Getaufte sind, dass Gott sein Ja zu ihnen gesprochen hat und sie auf ihrem Lebensweg begleitet. Sie gehen den Weg zur Erstkommunion im Bewusstsein, dass sie getauft sind. Dieses Jahr war es noch besonders: Ich sagte den Kindern in der Pre-

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Wie gross ist die Bedeutung von Weihwasser Ihrer Ansicht nach? Wenn ich sehe, wie viel Weihwasser im Kloster abgeholt wird, dann kann man davon ausgehen, dass es für viele Leute grosse Bedeutung hat. Was sie konkret mit dem Weihwasser machen, weiss ich nicht. Es wäre schön, wenn das Bewusstsein wächst, dass mit dem Weihwasser nicht irgendwie «gezaubert» wird, sondern die Beziehung zu Gott im Alltag gestärkt werden soll. Viele Menschen verspüren das Bedürfnis, ihren Glauben im Alltag zum Tragen kommen zu lassen und daraus Kraft zu schöpfen. Das Weihwasser ist eine Hilfe dazu. Wenn ich einem Menschen das Weihwasser gebe, sage ich: Gott ist mit dir. Wenn ich eine Wohnung segne, bitten wir Gott, dass er die Menschen an diesem Ort seine Gegenwart erfahren lasse. Wenn ein Auto gesegnet wird, werden wir uns bewusst, dass Gott uns immer und überall begleitet. Auch unsere Verantwortung füreinander im Strassenverkehr wird dabei ins Gedächtnis gerufen.


JAHR DES GLAUBENS Was kann man segnen? Die Liste ist fast endlos. Das Benediktionale, das Buch der Segnungen, zählt auf: Häuser, Wohnungen, Ställe, Autos, Andachtsgegenstände, Kerzen, Rosenkränze, Christusund Marienbilder, Christophorus- und Benediktsmedaillen. Weiter Adventskränze, Sternsinger, Blasiussegen, Wettersegen, Kräutersegnung, Muttersegen vor oder nach der Geburt, Kindersegen beim Schulanfang, Krankensegnung, Silberne und Goldene Hochzeit, Pilgersegen, Segnung vor den Ferien, Kreuzweihe, Kreuzweg, Orgeln, Hostienschale, Kelch, Friedhofhalle, Fahnen, Segnung von Jugendlichen vor einem besonderem Lebensabschnitt, Brotsegnung, Segnung eines Rathauses oder Krankenhauses, Segnungen von Altersheimen, Feuerwehrfahrzeugen, landwirtschaftlichen und Begehrtes Nass: 5500 Liter Weihwasser pro Jahr werden im Kloster Einsiedeln verbraucht.

handwerklichen Betrieben, Buchhandlungen, Gaststätten, Tieren, Feldern, Gärten, Schulen, Bibliotheken, Flugzeugen, öffentlichen Verkehrsmitteln, Seilbahnen, Brücken, Musikinstrumenten. Am Schluss heisst es aufschlussreich: Segnung jeglicher Dinge. Erinnern Sie sich an eine eindrückliche Segnung? Ich erinnere mich an einen etwa 60-jährigen Herrn, der ins Pfarramt kam und erzählte, er habe sein Leben lang grosse Probleme mit seinem verstorbenen Vater gehabt. Er wolle das abschliessen und vermisse, dass sein Vater ihn nie gesegnet habe. Und er bat mich, ihn anstelle seines Vaters zu segnen. Es war für den Mann eine sehr emotionale Angelegenheit. Er bat mich am Schluss, ihm mit dem Weihwasser ein Kreuz auf die Stirn zu machen. Ein besonderer Moment sind für mich auch Goldene Hochzeiten. Da treten Menschen nach 50 Jahren Ehe vor Gott hin und bitten erneut um den Segen für ihre Beziehung. Da blicken Menschen, die sich durch und durch kennen, einander in die Augen und sagen sich ihre Liebe zu. Das berührt mich jeweils sehr. Auch Wohnungsund Haussegnungen sind beeindruckende Feiern. Wir Menschen brauchen ein Daheim, das Geborgenheit schenkt wie auch die Möglichkeit, Kraft für die Herausforderungen des Lebens zu sammeln. Wenn dann zum Beispiel die Familie anwesend ist, kommt der Gemeinschaftscharakter von Segnungen gut zum Ausdruck. Ein Segen will Beziehung schaffen zwischen Gott und den Menschen aber auch unter den Menschen. Zudem gilt ein Segen nicht nur Objekten, sondern auch den Menschen, die sie gebrauchen. Wer darf mit Weihwasser segnen? Jeder Mensch darf segnen. Jeder Mensch soll segnen. Im Alten Testament gibt Gott Abraham den Auftrag, selbst ein Segen für andere zu sein. Dieser Auftrag gilt uns allen. In vielen Situationen wünschen sich die Menschen einen offiziellen Segen der Kir-

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JAHR DES GLAUBENS das Salz der Erde. Wir Christinnen und Christen sollten durch unseren Glauben Salz für unsere Welt sein. Bei der Segnung des Weihwassers im Pfarramt verwenden wir immer Salz – eine Prise für den grossen Kübel. Dieses Salz wird vor dem Dreikönigsfest gesegnet.

Othmar Krucker, Sakristan: Zweimal wöchentlich wechseln er und seine Kollegen das Weihwasser in der Klosterkirche aus. che. Dieser wird dann durch einen Priester oder Diakon gespendet. Und wer segnet das Weihwasser? Weihwasser zu segnen ist Aufgabe des Priesters. Es ist ein offizielles Zeichen der Kirche, ein Sakramentale. Übrigens wird Weihwasser nicht mit Weihwasser gesegnet; es wird nicht Weihwasser über das zu segnende Wasser gespritzt. Während des Gebets wird das Wasser mit Salz vermischt. Salz gibt Würze und Kraft, Wasser spendet Leben. Das Weihwasser ist Zeichen der Lebenskraft, die Gott schenkt. Im Segensgebet wird daran erinnert, dass alles seinen Ursprung in Gott hat. Es wird der Dank für die vielen Zeichen der Liebe und des Erbarmens Gottes ausgesprochen. Dann wird das Wasser gesegnet mit der Bitte, dass alle, die es gebrauchen, Gottes Nähe und Schutz erfahren dürfen. Wieso wird es mit Salz vermischt? Der Prophet Elischa hat schal gewordenes Wasser mit Salz wieder trinkbar gemacht – das wird auch im Segensgebet erwähnt. Jesus hat seinen Jüngern gesagt, sie seien

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Wie darf man Weihwasser nutzen? Die Verwendung von Weihwasser ist überall dort sinnvoll, wo wir Gott um seinen Schutz, seine Begleitung, seinen Segen bitten. Die möglichen Situationen sind beinahe unbeschränkt. Es scheint Leute zu geben, die Weihwasser auch trinken. Ich finde das nicht besonders sinnvoll. Auch nicht, den Garten mit Weihwasser zu spritzen. Man kann den Garten im Frühling segnen und um Wachstum für die Pflanzen bitten. Ein Ort, wo Weihwasser häufig verwendet wird, ist der Friedhof. Wir geben den Verstorbenen das Weihwasser im Glauben, dass Gott sie zu einem neuen Leben führt. Ist Weihwasser aus dem Kloster Einsiedeln etwas Besonderes? Viel Menschen kommen nach Einsiedeln und nehmen das Weihwasser mit. Man wird auf dem Klosterplatz hin und wieder gefragt, wo das Weihwasser zu finden ist. Einsiedeln ist ein Wallfahrtsort, an dem Menschen Gott in besonderer Weise begegnen dürfen. Wenn das Weihwasser aus Einsiedeln sie daran erinnert, kann es für diese Menschen wohl eine spezielle Bedeutung haben. Weihwasser gibt es aber in jeder Kirche und kann von dort mitgenommen werden. In Einsiedeln geschieht das meist mit Flaschen von daheim. Flaschen, die wir im Pfarramt hinstellen, gehen innert kurzer Zeit weg. Durchschnittlich einmal pro Woche segnen Pater Aaron, Pater Benedict oder ich das Weihwasser. Ich selbst brauche es auch – morgens und abends – oder beim Betreten der Kirche. Im Pfarramt hängt ebenfalls ein Weihwassergefäss. Es gibt immer mal wieder Leute, die das Weihwasser beim Weggehen nach einem Gespräch nehmen. Ich habe den Eindruck, dass sie das bewusst tun.


JAHR DES GLAUBENS Was bewirkt das Weihwasser? Wenn ich mich von Gott behßtet und gesegnet fßhle, bewirkt das etwas in mir. Menschen, die glauben, sind Menschen, die vertrauen kÜnnen. Wer vertrauen kann, kann unbelasteter an das Leben herangehen. Wer meint, er mßsse alles selber machen, es hänge alles von ihm ab, der wird Mßhe haben, etwas aus der Hand zu geben. Der Segen ist auch Zeichen des Vertrauens. Es gibt viele Situationen, in denen wir die Kontrolle abgeben mßssen. Wenn ein Kind sich auf den Schulweg macht, kÜnnen die Eltern es nicht mehr beschßtzen. Der Segen mit dem Weihwasser drßckt dann das Vertrauen aus, dass das Kind dennoch begleitet ist. Er ist eine Hilfe loszulassen, Gott zu ßbergeben. 8FJIXBTTFSUBHF Othmar Krucker ist einer der vier zivilen Sakristane, die in der Klosterkirche Einsiedeln fßr den Ordnungs-, Schneeräumungs-, Reinigungs- und Kirchendienst zuständig sind – aber auch dafßr, dass die beiden grossen Weihwasserbecken in der Klosterkirche immer ßber genßgend gesegnetes Wasser, ßber Weihwasser, verfßgen. Fßr mich gehÜrt das Weihwasser, das Segenszeichen, auch zu meinem eigenen privaten Alltag. Bevor ich morgens zuhause weggehe, nehme ich das Weihwasser und stelle den Tag unter den Schutz Gottes. Das ist ganz selbstverständlich; und wenn ich abends die Klosterkirche verlasse, tue ich dasselbe wieder. Zweimal wÜchentlich wechseln Krucker und seine SakristanKollegen aus hygienischen Grßnden das Weihwasser in den grossen Becken aus. Das Einsiedler Weihwasser hat fßr viele Menschen eine spezielle Bedeutung. Aber es ist doch eigentlich das gleiche geweihte Wasser, wie sie es daheim in ihrer Pfarrei bekommen kÜnnen, zeigt sich Othmar Krucker erstaunt. Die grossen Wallfahrtstage, aber auch die hohen kirchlichen Festtage wie etwa Weihnachten oder Ostern sind bei uns eigentliche ‚Weihwassertage›. So kommt es vor, dass wir etwa von Grßndonnerstag bis Ostermontag ßber hundert Liter Weihwasser brauchen.

Die Leute kÜnnen es im Vorraum des Pfarramts gratis abfßllen – ja es kommt vor, dass Leute Weihwasser harassweise mit nach Hause nehmen. Wenn ich das Schildchen ‚Wasser nicht geweiht› ans Fass hänge, wissen Pater Basil und Pater Aaron, dass ich gewÜhnliches Wasser aus dem Hahn aufgefßllt habe, und dass sie jetzt wieder an der Reihe sind, dieses zu segnen. So wird aus gewÜhnlichem Wasser nach dem Segen etwas Besonderes. Das ist so. 4VTBOO#PTTIBSE,ÊMJO

8FJIXBTTFS4ZNCPMJL 8BTTFS Das Wasser hat die Wirkung zu reinigen. Auch in vielen nicht-christlichen Religionen und Kulturen gibt es Reinigungsund Weiheriten, die mit dem Gebrauch von Wasser verbunden sind. 4BM[ Das Salz hat die Fähigkeit, Verderbliches vor der Fäulnis zu bewahren und einem Gericht Geschmack zu verleihen. Salz war von alters her hochgeschätzt und kostbar. Im Altertum gab es die Gewohnheit, dem Gast Brot und Salz als Zeichen der Freundschaft anzubieten. In der heiligen Schrift ďŹ nden wir die Bezeichnung fĂźr die Apostel als ÂŤSalz der ErdeÂť. Der Gebrauch von Salz in der christlichen Kirche kommt seit dem 4. Jahrhundert bei der Taufe vor, in die RitualbĂźcher der RĂśmischen Kirche wurde es seit dem 5. und 6. Jahrhundert aufgenommen (Heino Pfannenschmid, Das Weihwasser, S. 109). 8FJIF Weihen bedeutet, etwas Gott hinzureichen, unter seinen Schutz zu stellen. (Quellen: kathpedia.com, freie katholische Enzyklopädie und ÂŤDas WeihwasserÂť, Dr. Heino Pfannenschmid, Boheimer Verlag.)

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WALLFAHRT

Liturgischer Kalender fĂźr den Juni 1. Sa

Hl. Justinus († um 165) Philosoph und Märtyrer

2. So 4POOUBHJN+BISFTLSFJT 09.30 Feierliches Konventamt 16.30 Feierliche Vesper 3. Mo

Karl Lwanga und Gefährten Märtyrer († 1886)

5. Mi

Hl. Bonifatius († 754) Bischof, Märtyrer





11. Di

Hl. Barnabas Apostel

Hl. Antonius von Padua († 1231) Ordenspriester, Kirchenlehrer Einsiedler Gebetstag fßr geistliche Berufe 13.00 Anbetung in der Unterkirche 16.00 Eucharistischer Segen

Hl. Romuald († 1027) Abt, Ordensgrßnder

21. Fr

Hl. Aloisius Gonzaga († 1591) Ordensmann

23. So 4POOUBHJN+BISFTLSFJT 09.30 Feierliches Konventamt 16.30 Feierliche Vesper

7. Fr )PDIGFTU)FS[+FTV 11.15 Feierliches Konventamt 16.30 Feierliche Vesper Eucharistische Aussetzung 20.00 Feierliche Komplet Eucharistische Aussetzung 9. So 4POOUBHJN+BISFTLSFJT 09.30 Feierliches Konventamt 16.30 Feierliche Vesper

19. Mi

24. Mo  11.15 16.30

)PDIGFTUEFS(FCVSU +PIBOOFTEFT5ĂŠVGFST Feierliches Konventamt Feierliche Vesper

28. Fr

Hl. Irenäus († um 202) Bischof von Lyon, Märtyrer

29. Sa  09.30 16.30

)PDIGFTUEFS"QPTUFM 1FUSVTVOE1BVMVT Feierliches Konventamt Feierliche Vesper

30. So 4POOUBHJN+BISFTLSFJT 09.30 Feierliches Konventamt 16.30 Feierliche Vesper

13. Do

16. So 4POOUBHJN+BISFTLSFJT 09.30 Feierliches Konventamt 16.30 Feierliche Vesper

10

Gebetsmeinungen 8FMULJSDIF 'Ă SFJOF,VMUVSEFT%JBMPHT EFTBVG FJOBOEFS)ĂšSFOTVOEEFT3FTQFLUT VOUFSEFO7ĂšMLFSO 'Ă SOFVF*NQVMTFGĂ SEJF7FSLĂ OEJ HVOHEFT&WBOHFMJVNTJOEFO TĂŠLVMBSJTJFSUFO(FTFMMTDIBGUFO


WALLFAHRT

Liturgischer Kalender fĂźr den Juli 2. Di 'FTU.BSJĂŠ)FJNTVDIVOH 11.15 Feierliches Konventamt 16.30 Feierliche Vesper

 

3. Mi 'FTU)M5IPNBT "QPTUFM 11.15 Feierliches Konventamt 4. Do

4POOUBHJN+BISFTLSFJT 7. So 09.30 Feierliches Konventamt 16.30 Feierliche Vesper 11. Do  11.15 16.30

­VTTFSF'FJFS 6OTFSF-JFCF'SBV WPO&JOTJFEFMO Feierliches PontiďŹ kalamt Feierliche PontiďŹ kalvesper

22. Mo

Hl. Maria Magdalena Zeugin des Auferstandenen Christus

Hl. Ulrich von Augsburg († 973) Bischof

5. Fr Herz-Jesu-Freitag 11.15 Feierliches Konventamt 20.00 Feierliche Komplet Eucharistische Aussetzung



21. So   09.30 16.30

)PDIGFTUEFTIM#FOFEJLU "CU 4DIVU[QBUSPO&VSPQBT Feierliches Konventamt Feierliche Vesper

13. Sa

Einsiedler Gebetstag fĂźr geistliche Berufe 13.00 Anbetung in der Unterkirche 16.00 Eucharistischer Segen

4POOUBHJN+BISFTLSFJT 14. So 09.30 Feierliches Konventamt 16.30 Feierliche Vesper



23. Di 

'FTU )M#JSHJUUFWPO4DIXFEFO († 1373) Ordensgrßnderin, Mitpatronin Europas 11.15 Feierliches Konventamt

'FTU"QPTUFM+BLPCVT 25. Do 11.15 Feierliches Konventamt 26. Fr

Hl. Joachim und hl. Anna Eltern der Gottesmutter Maria

28. So 4POOUBHJN+BISFTLSFJT 09.30 Feierliches Konventamt 16.30 Feierliche Vesper 29. Mo

Hl. Marta, Maria und Lazarus Freunde unseres Herrn

31. Mi

Hl. Ignatius von Loyola († 1556) Priester und Ordensgrßnder

15. Mo

Hl. Bonaventura († 1274) Bischof und Kirchenlehrer

Gebetsmeinungen

16. Di   11.15 16.30

)PDIGFTU6OTFSF-JFCF 'SBVWPO&JOTJFEFMO Feierliches Konventamt Feierliche Vesper

8FMULJSDIF %FS8FMUKVHFOEUBHJO#SBTJMJFOFSNVUJ HFBMMFKVOHFO$ISJTUFO[V+Ă OHFSTDIBGU VOE(MBVCFOT[FVHOJT (BO["TJFONĂšHFTFJOF5PSFGĂ SEJF #PUFOEFT&WBOHFMJVNTĂšGGOFO

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WALLFAHRT

8BMMGBISUTUBHFHSPTTFS1JMHFSHVQQFO "MMFGottesdienste finden jeweils in der Klosterkirche statt (ausser GK = Gnadenkapelle). +VOJ So 2. Juni

Sa 8. Juni So 9. Juni So 16. Juni

Tschechenwallfahrt 150 Jahre Schweizer Bischofskonferenz und 150 Jahre Inländische Mission Kroatenwallfahrt Kroatenwallfahrt Tamilenwallfahrt

So 23. Juni

Glarner Landeswallfahrt

So 30. Juni

Albanermission Ostschweiz

+VMJ Sa 6. Juli Mo 8. Juli Di 9. Juli

Zürcher Wallfahrt 125. Jurassier Wallfahrt

Mi 10. Juli Do 11. Juli Fr 12. Juli Di 30. Juli Di 31. Juli

15. Wallfahrt der Fahrenden

"VHVTU Do 1. August Fr 2. August Sa 3. August

12

So 4. August Sa 17. August

Rheintaler Wallfahrt

So 18. August

MFM Deutschschweiz

Mo 19. August

Einsiedler Krankentag

Sa 31. August

Afrikanische Wallfahrt

12.30 Uhr

Pontifikalamt

14.30 Uhr 19.00 Uhr 12.15 Uhr 12.30 Uhr 15.15 Uhr 11.00 Uhr 14.30 Uhr 12.30 Uhr

Pontifikalamt Pontifikalamt Pontifikalamt Eucharistiefeier Andacht Pilgermesse Andacht Eucharistiefeier

12.30 Uhr 20.30 Uhr 09.30 Uhr 20.30 Uhr 09.30 Uhr 14.30 Uhr 09.30 Uhr 09.30 Uhr 21.30 Uhr

Eucharistiefeier Andacht Eucharistiefeier Andacht Bussfeier Pontifikalamt Eucharistiefeier Eucharistiefeier Lichterprozession Andacht GK

21.30 Uhr 15.00 Uhr 14.00 Uhr 21.30 Uhr 09.30 Uhr 09.45 Uhr 15.15 Uhr 12.15 Uhr 14.30 Uhr 14.30 Uhr

Andacht GK Kreuzzug Pontifikalamt Andacht GK Konventamt Eucharistiefeier Andacht GK Rosenkranz Pontifikalamt Eucharistiefeier mit Krankensalbung Kreuzweg Eucharistiefeier

10.30 Uhr 12.30 Uhr


WALLFAHRT

Liturgisches Grundwissen

4POOUBH Hand aufs Herz: Mit welchem Tag fängt fßr Sie die Woche an? Nach christlichem Verständnis gehÜrt der Sonntag nicht zum Wochenende, sondern steht am Beginn einer neuen Woche. Die Evangelien berichten, dass Jesus am ersten Tag der Woche, am Tag nach dem Sabbat, von den Toten auferweckt wurde. Er erschien den Frauen und den Jßngern, hielt mit ihnen Mahl, hauchte sie an mit Heiligem Geist und wurde in den Himmel emporgehoben. All dies geschah am ersten Tag. Die Rede vom ersten Tag verweist auf den Beginn der Inbegriff des christlichen Sonntags: Die KirchengloSchÜpfung mit der Erschaffung cke (Foto: Harry Bruno Greis). des Lichtes. Zugleich klingt darin die neue SchÜpfung in Christus an, dem Licht der Welt. Die Kirche begeht darum den ersten Tag der Woche, den Sonntag, als ihren ureigensten Feiertag. Bereits aus der Bibel ist bekannt, dass die Christen sich jeweils am Abend des ersten Tages versammelten, um miteinander Mahl zu halten und die Gegenwart des Auferstandenen in ihrer Mitte zu feiern. Als im 4. Jahrhundert der Sonntag zum arbeitsfreien Tag erklärt wurde, setzte sich die morgendliche Eucharistiefeier durch. Sonntagsgottesdienst und Sonntagsruhe gehen eine glßckliche Verbindung ein. Was das Fest im Alltag, das ist der Sonntag in der Woche: eine freie, geschenkte Zeit, um Gemeinschaft zu pegen, das Leben zu feiern, Gott zu danken.

(Quelle: Gunda Brßske / Josef-Anton Willa (Hg.), Im Namen ‌ Amen. Liturgie in Stichworten. Paulusverlag, Freiburg Schweiz, 2012).

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WALLFAHRT

Wallfahrtsinformationen Seelsorge

Ă–ffnungszeiten

#FJDIU[FJUFO 4POOVOE'FJFSUBHF 08.30 – 09.15 / 10.45 –11.00 / 15.00 –16.00 / 17.00 –18.00 Uhr .POUBHCJT4BNTUBH 09.00 –10.45 / 15.00 –16.00 / 17.00 –18.00 Uhr

,JSDIFOQGPSUF .POUBHCJT4BNTUBH 08.30 –11.00 / 13.30 –16.15 / 17.00 –18.15 Uhr 4POOVOE'FJFSUBHF 08.30 – 09.15 / 10.30 –11.45 / 13.30 –16.15 / 17.15 –18.15 Uhr

%BTj(PMEFOF0ISx das.goldene.ohr@kloster-einsiedeln.ch ,MPTUFSLJSDIF 0TUFSOCJT"MMFSIFJMJHFO 6.00 – 21.00 Uhr "MMFSIFJMJHFOCJT0TUFSO 6.00 – 20.30 Uhr 4FHOVOHWPO "OEBDIUTHFHFOTUÊOEFO .POUBHCJT4BNTUBH 12.00 / 14.45 / 16.15 / 17.00 Uhr 4POOVOE'FJFSUBHF 10.45 / 12.00 / 14.45 / 16.15 / 17.00 Uhr

8BMMGBISUTCàSP Sie erreichen uns telefonisch von .POUBHCJT'SFJUBH 09.00 –11.00 / 13.30 –17.30 Uhr /PWFNCFSCJT'FCSVBS TPXJFXÊISFOEEFS4PNNFSGFSJFO 09.00 –11.00 Uhr Telefon: +41 (0)55 418 62 70 Fax: +41 (0)55 418 62 69 wallfahrt@kloster-einsiedeln.ch www.wallfahrt-einsiedeln.ch ,MPTUFSMBEFO 4POOVOE'FJFSUBHF 10.45–16.30 Uhr .POUBHo'SFJUBH 10.00 –12.00 Uhr / 13.30 –17.30 Uhr 4BNTUBHT 10.00 –16.30 Uhr Telefon: 055 418 64 71 www.klosterladen-einsiedeln.ch

Gottesdienste in der Klosterkirche

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4POOVOE'FJFSUBHF

8FSLUBHF

17.30 Uhr 06.15 Uhr 07.15 Uhr 08.00 Uhr 09.30 Uhr

Vorabendmesse (Hauptaltar) Kapellmesse (Gnadenkapelle) Laudes Kapellmesse (Gnadenkapelle) Konventmesse (Hauptaltar)

06.15 Uhr 07.15 Uhr 08.30 Uhr

Kapellmesse (Gnadenkapelle) Laudes Kapellmesse (Gnadenkapelle)

11.00 Uhr

Pilgermesse (Hauptaltar)

16.30 Uhr 17.30 Uhr 20.00 Uhr

Vesper/Salve Regina Kapellmesse (Gnadenkapelle) Komplet

09.30 Uhr 11.15 Uhr 12.05 Uhr 16.30 Uhr 17.30 Uhr 20.00 Uhr

Kapellmesse (Gnadenkapelle) Konventmesse (Hauptaltar) Mittagsgebet Vesper/Salve Regina Kapellmesse (Gnadenkapelle) Komplet


Haben Sie gewusst, dass ... … ein Schuh nicht nur am Fuss getragen wird? Wir kennen die Redensart «Wo drückt dich der Schuh?». Sie stammt aus der Wichtigkeit der Schuhe für unser Leben. Wenn in armen Familien die jüngeren Kinder die Schuhe der Älteren austragen mussten, kam es vor, dass die ausgetragenen Schuhe nicht zum Fuss des Kindes passten, irgendwo drückten, Blasen verursachten, die Haut wund rieben. Aber sogar neu gekaufte Schuhe können drücken und weh tun. Doch heute kann man solche neuen Schuhe ins Geschäft zurückbringen und behandeln lassen, bis sie passen. Schuhe, die drücken, sind zu einem Bild geworden. Verhältnisse, die einengen, Vorhaben, die nicht gelingen, Beziehungen, die unbefriedigend sind, Unsicherheit, ob man die richtige Entscheidung getroffen hat: Vieles kann zu einem drückenden Schuh werden. Natürlich gibt es «Geschäfte», wo man mit solchen Schuhen hingehen kann, in der Hoffnung, dass sie besser angepasst werden. Ärzte, Psychiater, Eheberater, Seelsorger, Freunde sind solche Hilfen.

Aber so wie früher arme Kinder die unpassenden Schuhe einfach anziehen mussten und durch das lange Tragen die Schmerzen allmählich weniger spürbar waren, so sucht heute nicht jeder Mensch, den ein Schuh drückt, Hilfe, sondern gewöhnt sich mehr und mehr an den Schmerz, verdrängt ihn, und läuft dadurch Gefahr, viele Kräfte in sich zu hemmen und zu binden, die er für ein froheres, freieres, glückliches Leben fruchtbar machen sollte. Schuhe, die drücken, sind mit einem Auto zu vergleichen, das mit angezogener Handbremse fährt, und nie das Gefühl der befreienden Schnelligkeit gibt. So behindert ein drückender Schuh das Gefühl des freien, beglückenden Lebens. Es ist keine Schande, solche Schuhe behandeln zu lassen. Die Vorstellung vom drückenden Schuh, den man einfach zum Schuhmacher bringen kann, versagt aber bei Schuhen, die nicht an den Füssen drücken, hier muss eine wirksame Behandlung von persönlicher Mitarbeit getragen sein. Nur wer wirklich will, kann diese Art von Schuh tragbar machen. 1BUFS"MPJT,VSNBOO

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KLOSTER EINSIEDELN

Pater Angelo Zanini – In Memoriam

%FO5PEWPS"VHFOIBMUFO Fßr uns alle unerwartet, starb am 12. April 2013 Pater Angelo Zanini. Fßr den Prediger am Beerdigungstag von Pater Angelo, Pater Hieronymus Krapf, war das Anlass genug, sich grundsätzlich Gedanken zum Tod zu machen. Salve gibt hier seine Predigt wieder.

So sicher wie 2 plus 2 gleich 4 ist, so sicher ist, dass ich und Du, wir alle sterben werden. Bleiben wir Realisten! Eines aber wollen wir tun: Verbannen wir aus unseren Gedanken und Vorstellungen jede Art von Darstellungen des Todes, z.B. den Knochenmann mit einer Sense in der Hand! Denn: der Tod ist nicht ÂŤJemandÂť. Sondern der Tod ist ein Ereignis in unserem Leben, zu vergleichen mit unserer Geburt vor so und so vielen Jahren. Ein Ereignis, das so wichtig ist, dass grosse Menschen, die in ihrem Lebenswerk bis heute weiterleben – ich denke da z.B. an unseren Ordensvater, den hl. Benedikt, im 4. Kapitel seiner Regel, das die Ăœberschrift trägt: ÂŤMit was fĂźr Werkzeugen das Gute getan wirdÂť, an 47. Stelle rät: ÂŤSich täglich den Tod vor Augen halten!Âť – Das sei ein gutes Werk! %FS5PEFJOFQFSTĂšOMJDIF#FHFHOVOH Den Tod vor Augen halten! Was sollen wir uns da vor Augen halten? Die Antwort: Ein Antlitz! Das Antlitz des Auferstandenen Herrn Jesus Christus! Im Antlitz, im Blick der Augen des Auferstandenen Herrn, werden wir erkennen, dass Er alles weiss, dass Er uns durch und durch kennt, unser ganzes Leben, als Kind, als Erwachsene. Wir werden in seinem Licht auch erkennen all seine unzählbaren Angebote der Liebe, der Barmherzigkeit, die Er uns als ErlĂśser der Menschen ein Leben lang gemacht hat. Wir erkennen unsere

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Oberächlichkeit, unsere Untreue im Kleinen und Grossen. Jesus wird uns mit seinem Blick aber auch darauf aufmerksam machen, dass Er um unseren guten, aber schwachen Willen weiss, mit dem wir versuchten uns immer wieder aufzufangen. Sicher wird diese ganz persÜnliche Begegnung mit Jesus Christus das Ereignis sein, auf das sich vorzubereiten es wohl der Wert ist. Das ist der Sinn der Worte in der Regel des hI. Benedikt: Sich täglich den Tod vor Augen halten! An den Tod denken, heisst ganz konkret: an Jesus Christus denken. So ist auch jede heilige Kommunion, die wir wßrdig und bewusst empfangen, eine direkte Vorbereitung auf diese Begegnung mit Jesus in unserem Tod. Drßcken wir diese Wirklichkeit nicht auch in der heiligen Messe nach der Wandlung aus, wenn wir miteinander singen oder beten: Deinen Tod, o Herr verkßnden wir, und Deine Auferstehung preisen wir, bis Du kommst – zu mir – in Herrlichkeit! Noch etwas wollen wir uns einprägen: Die Art und Weise unseres Todes, die Umstände unseres Todes, ob durch Krankheit oder durch einen Unfall, ob als junger oder betagter Mensch, all das ßberlassen wir dem Heilswillen Gottes, seiner Vorsehung, der will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen, wie sich Paulus in seinem ersten Brief an Ti-


KLOSTER EINSIEDELN motheus ausdrückt (2,3). Wer ist sich auch bewusst, dass wir in jedem «Gegrüsst seist Du Maria» am Schluss um einen guten Tod beten? «… bitte für uns, jetzt und in der Stunde unseres Todes!» /JDIUTIÚIFSBMT$ISJTUVTTUFMMFO Wenn wir diese Gedanken zusammenfassen wollen, so müsste man so sagen: Eines dürfen wir in unserem Alltag nie vergessen: Jesus Christus, in welchem uns der Eine, wahre Gott, der Schöpfer Himmels und der Erde sichtbar entgegenkommt! Der hI. Benedikt beendet seine Regel mit der Mahnung an die Mönche: «Sie sollen gar nichts (nihil omnius) höher stellen als Christus, der uns alle gemeinsam zum ewigen Leben führe» (72, 11f.). Vor Jahren habe ich im österreichischen Fernsehen ein Interview gesehen. Die gute Mutter Teresa von Kalkutta, die 2003 selig

gesprochen wurde und die weltweit über alle Konfessionen, Religionen und Mentalitäten hinweg volle Anerkennung gefunden hat, wurde von zwei jungen Journalisten ausgefragt. Gegen Ende des Gespräches meinte einer der Journalisten: «Mutter, Sie werden nun doch langsam älter, und ihr Gesicht zeigt bereits einige Runzeln! Darf ich fragen: Haben Sie keine Angst vor dem Tod?» Da lächelte die Mutter: «0 nein, junger Mann! Ich habe das ganze Leben für Jesus gearbeitet! Nun komme ich zu Ihm! Warum Angst haben? Ich freue mich, Jesus zu sehen!» – Mutter Teresa ist gestorben am 5. September 1997. 1BUFS)JFSPOZNVT,SBQG

-FCFOTMBVG Am 15. Oktober 1932 wurde Pater Angelo dem Ehepaar Ulisse und Olga Zanini als erstes von drei Kindern in Cavergno geboren und auf den Namen Silvano getauft. Auch wenn die Familie später nie gross werden sollte: Pater Angelo blieb ihr ein Leben lang verbunden. In Cavergno besuchte der junge Silvano die Primarschule, bevor er für den Besuch des Gymnasiums nach Ascona ans Collegio Papio zog. Es war hier, dass er den Einsiedler Benediktinermönchen begegnete. 1951 wechselte er an unsere Stiftsschule und bestand – bereits als Kandidat für das Kloster – die Matura. Danach begann er das Noviziat, legte am 8. September 1953 seine einfache Profess ab und erhielt den Namen Angelo. Am 8. Juni 1957 wurde er zum Priester geweiht. Zwar entschied sich Pater Angelo mit seinem Eintritt in Einsiedeln für ein Kloster in der Deutschschweiz, doch schlug sein Herz stets für den Kanton Tessin und die italienische Kultur. Bereits 1958 kam er wieder nach Ascona, um am Collegio zu unterrichten. Danach führten ihn seine Studien nach Mailand, wo er italienische Literatur und Geschichte studierte. Nach einem weiteren Jahr der Lehrtätigkeit in Ascona promovierte er in Mailand. 1964 hatte das Kloster Einsiedeln die Führung des Collegio Papio abgegeben. Pater Angelo zog noch ein Jahr nach Fribourg, wo er an der Akademie St. Croix Religion unterrichtete, bevor er endgültig nach Einsiedeln zurückkehrte. Ab 1967 wirkte Pater Angelo als Lehrer für Geschichte und Italienisch an der Stiftsschule. Daneben half er von Beginn weg in der Seelsorge für die italienische Sprachgemeinschaft in Einsiedeln und an anderen Orten in der Deutschschweiz aus. 1971 berief ihn Abt Georg als Subprior in eine Leitungsfunktion innerhalb der Gemeinschaft, ab 1974 war er zudem als Instruktor für die Brüder

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KLOSTER EINSIEDELN

zuständig. Auch begleitete er zwischen 1970–1976 und dann wieder von 1995–2002 als Assistent die Gemeinschaft Unserer Lieben Frau (GULF). Nachdem Pater Angelo ab 1992 nicht mehr Subprior war und 1995 aus dem Schuldienst ausschied, war er frei für neue Aufgaben: Von 1996–2002 lebte er als Spiritual im Benediktinerinnenkloster St. Lazarus in Seedorf. Pater Angelo war ein sehr belesener Mann, das Lesen war seine grosse Leidenschaft. Leider wurde sein grosses Wissen nie einem grösseren Kreis von Menschen bekannt, fehlte ihm doch zum Schreiben und Publizieren eine nicht unwichtige Tugend: die Disziplin. Wer ihn aber näher kennenlernen konnte, fand in ihm einen interessanten Gesprächspartner und eine grosse Offenheit für sein Gegenüber. Gleichwohl setzte er sich für die Kultur in unserer Gemeinschaft und darüber hinaus ein: So war er etwa verantwortlich für die tägliche Tischlesung, eine für die Bildung von uns Mönchen wichtige Institution. 1981 wurde er zudem als Mitglied der Eidgenössischen Kommission für das Schweizerische Landesmuseum ernannt, der er bis 1992 angehörte. War es ab 1995 seine Stimme, die ihm immer mehr zu schaffen machte, schmerzte Pater Angelo der zunehmende Verlust seiner Sehkraft. Vor allem aus gesundheitlichen GrünPater Angelo Zanini den zog er sich darum ab 2002 immer mehr in sein Zimmer † 12. April 2013 zurück. Ihm blieb seine Liebe zur Literatur: Er las dank einer technischen Lesehilfe immer noch viel und tauschte sich weiterhin gerne mit anderen darüber aus. Eine Bereicherung stellten für ihn die Gespräche und Begegnungen an der Kirchenpforte und im Beichtstuhl dar. Dabei stellte sich für ihn immer mehr die Frage nach dem Dunkel in unserer Welt. Er versuchte, Menschen in tragischen Lebenssituationen eine Antwort zu geben. Dazu schreibt er in einem Brief: «Ich versuche auf das Positive hinzuweisen, auf das Aufbauende, auch dort, wo die Dunkelheit gross ist. […] Gerade durch den Austausch von Büchern entdeckt man Persönlichkeiten, auch im 20. Jahrhundert, die eine Antwort geben können auf unsere Fragen. […] Es gibt «Zeichen am Weg» für uns alle (so lautet der Titel des Tagebuches von Dag Hammarskjöld). «Wir hoffen, dass diese Zeichen zu Spuren Gottes werden: Es sind Mitmenschen, es ist ein Wort, ein Bild, ein Klang, eine Landschaft […]. Wenn wir Ja sagen können zu all diesen Zeichen, dann spüren wir etwas von Seiner Gegenwart auch in unserem Leben.» Pater Angelo sammelte in den letzten Jahren darum Texte, die ihm halfen, das tragische Menschenbild des 20. Jahrhundert zu vertiefen und Wege aus allen Arten von Totalitarismen zu zeigen. Es sind seine eigenen Fragen, mit denen ich diesen Lebenslauf beenden möchte. In einem weiteren Brief schreibt er: «Ich denke an meine, unsere ‹Condizione umana›: Was trägt uns? Was gebe ich weiter? Was empfange ich?» Am letzten Freitag hat Pater Angelo im Tod seine eigene «Condizione umana» eingeholt. Möge Gott ihm nun die Antwort auf seine Fragen sein. 1BUFS6SCBO'FEFSFS

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Die neue Psallierorgel im Unteren Chor

;VN-PCF(PUUFTVOE [VS'SFVEFEFT,MPTUFST Während der ersten Vesper zum Sonntag Laetare, am Samstag, 9. März 2013, wurde im Unteren Chor des Klosters von Abt Martin eine neuen Psallierorgel geweiht. Sie entspricht ganz einem Bedürfnis, das dem täglichen Singen entspringt.

Schon seit geraumer Zeit bestand der Wunsch nach einem Instrument zur täglichen Psalmenbegleitung im Unteren Chor, da die historische Chororgel im Oberen Chor diesem Zweck aus Gründen der Distanz, besonders des erheblichen Höhenunterschieds, nur beschränkt genügen konnte. Nachdem ein grosszügiges Stifterehepaar gefunden werden konnte, wurde die neue Psallierorgel bei der Firma Mathis in Auftrag gegeben. Das Instrument hat nun seinen Platz zwischen den beiden Chorseiten, beziehungsweise (in der Längsrichtung) zwischen dem Zelebrationsaltar und dem Aufbau des ursprünglichen Hochaltars, gefunden. %JF,MPTUFSPSHBOJTUFOCFJN HFNFJOTBNFO4QJFM Da das Werk den Blick zum Tabernakel nicht beeinträchtigen darf, wurde es als Truhe entworfen. Die Pedalklaviatur und der Motor können für den Transport vom Orgelgehäuse abgetrennt werden, dessen Deckel und Seitenfüllungen für eine optimale Klangabstrahlung durchbrochen sind. Als Register erklingen Bourdon 8‘, Viola 8‘, Spitzflöte 4‘ und Prinzipal 2‘. Da auf einen von den Klosterorganisten gewünschten Subbass 16‘ im Pedal aus Platzgründen verzichtet werden musste, erhielt die Orgel nach dem Vorbild italienischer Orgeln einen Manualumfang von FF – f‘‘‘ (61 Tasten). Die Pedalklaviatur

Die neue Psallierorgel: eine Truhenorgel zwischen den beiden Chorseiten (Foto: Franz Kälin sen.).

mit 24 Tasten (C – h°) ist fest an die Manualklaviatur angehängt und zusätzlich mit einer Suboktavkoppel versehen, so dass im Pedal die 16‘ – Lage ab F spielbar ist. Bei der Orgelweihe durch Abt Martin waren fast alle Klosterorganisten beteiligt: Pater Ambros, Pater Lorenz, Pater Lukas, Pater Theo und Pater Basil. Die Ausnahme bildete Pater Daniel, der im Priesterseminar Chur seine Abschlussarbeit in Theologie fertigschrieb. 4UJGUTPSHBOJTU1BUFS5IFP'MVSZ

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Ein koptischer Mönch im Kloster Einsiedeln

%BUUFMOBVTEFN8àTUFOLMPTUFS GàS1BUFS*TJEPSPT Man kann schon von einer kleinen Tradition sprechen: seit vielen Jahre wohnt immer ein koptischer Mönch aus Ägypten im Kloster Einsiedeln. Davon sind in der Zwischenzeit einige zu Bischöfen aufgestiegen. Momentan logiert Pater Isidoros im Stift Einsiedeln und betreut von hier aus seine Landsleute in der Schweiz. «Salve» hat sich mit ihm über harte Einsiedler Winter, Klöster in der Wüste, die jüngste Papstwahl in Kairo und über den Terror gegenüber Christen in Ägypten unterhalten. 2012 weilten Sie in Ägypten an der Wahl des neuen koptischen Papstes. Können Sie uns den Ablauf dieser Wahl erläutern? Nach dem Tode von Papst Shenouda III. versammelte sich die heilige Synode, um einen Bischof zu bestimmen, der die Wahl leiten sollte. Aus einem ersten Verfahren resultierten siebzehn Namen. Ein Komitee reduzierte die Namenliste auf zwölf. Das Komitee untersucht in einem geheimen Verfahren die Biographie jedes Aufgeführten. Die Namenliste wird auf fünf Namen reduziert und der Tag der Wahl wird festgelegt. Von den Pater Isidoros im Abteihof des Klosters Einsiedeln ...

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fünf Namen bleiben schlussendlich noch drei übrig, aus denen der Papst per Losentscheid erkoren wird. Dazu versammelten sich in der Kathedrale von Kairo 2640 Personen. Darunter befanden sich auch 139 wahlberechtigte Frauen. Haben Sie an der Wahl teilgenommen? Ja. Da es in der Schweiz keinen koptischen Bischof gibt, durfte ich an der Wahl teilnehmen. Das war eine Ausnahme, da wir dem Papst direkt unterstellt sind. In den westlichen Medien konnte man von einem Knaben lesen, der die Wahl durch Ziehen eines Loses entschied. Wie wird dieser Junge ausgewählt? Der Bischof erbat sich von den Eltern eine Liste mit den Namen von Kindern bis zu zehn Jahren. Viele Eltern nannten Namen und sandten sie dem Komitee. Am Vorabend der Wahl werden in einem Losentscheid 12 Kinder ausgewählt. Am Morgen des Wahltages kommen die 12 Kinder vor den Bischof. In einem Kelch sind die Namen, aus denen ein weiteres Kind den Namen jenes Knaben zieht, der dann die Wahl vornimmt. Die Medien haben diesen Knaben interviewt. Er sagte, dass er in der Nacht davon geträumt habe, ausgewählt zu werden.


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... und im Heimatkloster mit seinen Mitbrüdern (sitzend rechts). Haben Sie schon mit dem neuen koptischen Papst Tawadros II. gesprochen? Ja. Zwei Tage nach der Wahl fuhr ich zum Kloster des neugewählten Papstes. Die Stras sen waren verstopft. Radio und Fernsehen waren da. Ich wartete zwei Stunden vor dem Büro des neuen Papstes. Als ich vorgelassen wurde, gratulierte ich dem neuen Papst. Er sagte mir, dass wir zusammen viel zu tun hätten. Der neue Papst war noch nie in der Schweiz. Zum zweiten Mal traf ich ihn am Donnerstag nach der Inthronisation. Ich sagte ihm, dass ich nach Zürich fliegen würde und bat um den Segen.

Dann war ich ab 1989 zwei Jahre im Militärdienst. Ägypten kämpfte an der Seite der Nato gegen den Invasor Saddam Hussein in Kuwait. Zwar kam ich nicht an die Front. Aber die Ausbildung war streng in dieser Zeit der Gefahr. Danach arbeitete ich zwei Jahre am Roten Meer in einem Hotel als Buchhalter, um dann ins Kloster einzutreten. Heiratsgedanken hatte ich nie. Mein ganzes Leben stand ich der Kirche nahe, hatte Kontakte zum Bischof und zu Priestern. Ich schätze die kirchliche Atmosphäre. So war es für mich nur folgerichtig, in ein Kloster einzutreten.

Wo sind Sie in Ägypten aufgewachsen? Ich bin in Nordägypten, im Delta, aufgewachsen. Meine Heimatstadt heisst Mansura. Ich habe zwei Brüder und zwei Schwestern. Mein Vater war Mathematiklehrer.

Wo steht Ihr Heimatkloster? In Mittelägypten, rund zweihundert Kilometer südlich von Kairo.

Waren Sie ein braves Kind? (lacht) Nein. Immerhin war ich religiös veranlagt. Ich pflegte gute Kontakte zu den kirchlichen Einrichtungen und war schon früh Subdiakon. Ich bin ausgebildeter Buchhalter.

Können Sie uns das Kloster beschreiben? Bis zur Zeit des Papstes Shenouda waren alle koptischen Klöster sehr arm. Die Brüder sorgten für ihren Lebensunterhalt. Papst Schenuda kaufte Bauernhöfe für die Klöster und initiierte weitere Projekte. Dadurch konnten Bibliotheken angelegt und Gebäu-

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KLOSTER EINSIEDELN de errichtet werden. Bis 1985 war auch mein Kloster sehr sehr arm. Es gab weder Strom noch fliessendes Wasser und keine Strassenverbindungen. Man erreichte das Kloster nur mit Offroadern mit Vierradantrieb. Das Kloster befindet sich siebzig Kilometer tief in der Wüste. Das war ein schweres Leben. Vor meinem Klostereintritt verlor ich mein Geld, wenn man so will, mit meinen vielen Reisen zu den Klöstern. Ich arbeitete einen Monat und reiste dann mit dem verdienten Geld wieder zu einem Kloster. So war mein damaliges Leben. Das Kloster Anba Samuel hat der Bischof für mich ausgewählt. Als Buchhalter fand ich im Kloster kein Büro. So lernte ich nach Anweisung eines Ingenieurs in einem zweimonatigen Intensivkurs Elektriker und Installateur. Elf Jahre habe ich in meinem Kloster in diesen Berufen gearbeitet. Wir erhalten keine staatliche Unterstützung. Wir kauften einen Generator zur Stromproduktion. Wir organisierten grosse Maschinen, um Brunnen graben zu können. Das Terrain des alten Klosters umfasste bloss 2000 Quadratmeter. Die Lage des Ortes ist überwältigend schön. Ein Berg umschirmt das Kloster. Wir kauften 2000 Hektaren Land dazu und zogen eine Mauer ringsherum. So haben wir jetzt im Rücken den Berg und sind gegen vorne von einer Mauer umgeben. Das dazugekaufte Land war sandig. Heute sind bereits 400 Hektaren Gartenanlage mit Palmen und Olivenbäumen entstanden. Noch bleibt allerdings viel zu tun. Wieviel Mönche leben dort? Momentan sind es 106 Mönche. Als ich eintrat waren es 75 Brüder. Nach den positiven Veränderungen kamen auch junge Mönche zu uns. Gibt es Pilger, die Ihr Kloster aufsuchen? Ja, aus den umliegenden Städten kommen Leute zu uns. Da die Strasse nicht gut ist, kommen allerdings wenig Menschen. Sprechen Sie im Alltag koptisch oder die ägyptische Sprache?

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Wir reden im Alltag arabisch und verwenden die koptische Sprache für die Liturgie. Das ist wie mit dem Latein in der katholischen Kirche. Seit wieviel Jahren leben Sie als Gast im Kloster Einsiedeln? Seit 2007 lebe ich hier. Haben Sie keine Mühe mit den langen Wintern im Einsiedler Hochtal? Nein. Ich lebte vier Jahre in Deutschland und war diese Art Winter gewohnt. Wir haben ein koptisches Kloster in der Nähe von Frankfurt. Was würden Sie als grössten Unterschied im monastischen Leben zwischen Einsiedeln und Ihrem Kloster bezeichnen? Der Hauptunterschied ist die Arbeit. Die Brüder in Ägypten verrichten ihre Arbeit praktisch ohne weltliche Angestellte. Wir haben zwei grosse Projekte. Ein Bauernbetrieb mit 30 000 Hühnern und einer grossen Tiefkühlanlage. Das zweite grosse Projekt dreht sich um Datteln. Wir produzieren jedes Jahr etwa 80 Tonnen Datteln. Erhalten Sie manchmal Datteln von Ihrem Kloster? Ja, sicher. Gibt es etwas, das Sie hier besonders schätzen und das man vielleicht in ägyptischen Klöstern auch einführen könnte? In Einsiedeln gibt es eine schöne Bibliothek. Mir schwebt vor, in unserem Kloster eine grosse Bibliothek für die Mitbrüder einzurichten. Gibt es etwas, das Ihnen hier im Klosteralltag oder in der Liturgie fehlt? Ich möchte die katholischen Rituale untersuchen und mit unseren Gottesdiensten vergleichen, denn es gibt das gleiche Fundament für alle diese Rituale. Ich finde hier viele schöne Gebete. Wir haben diese Gebete auch und der Kalender ist der gleiche.


KLOSTER EINSIEDELN Beim Weihnachtsfest gibt es dreizehn Tage Unterschied. In einem Interview sagten Sie, dass die ägyptische Regierung die Zahlen der Kopten bewusst tief halte. Wieviele Kopten leben gemäss Ihrer Ansicht in Ägypten? Wir sind auf siebzehn Millionen gekommen, also eine viel grössere Zahl als von der Regierung angegeben. Dazu kommen noch drei Millionen Kopten ausserhalb von Ägypten. Anschläge gegen Kopten sind ein Thema in den westlichen Medien. Können Sie in Ihrer Ordenstracht durch Kairo laufen? Nach der Revolution kann ich das nicht mehr. Ich muss immer ein eigenes Auto mit einem Das koptische Wüstenkloster Anba Samuel in Mittelägypten.

vertrauenswürdigen Chauffeur haben. Ich suche ein Taxi mit einem christlichen Chauffeur oder bitte einen Verwandten um Transportdienste. Allein kann ich mich im Ordensgewand momentan in Ägypten nicht in der Öffentlichkeit bewegen. Das gilt für das ganze Land. Ist das nicht traurig für Sie? Doch, das ist traurig und eine beklagenswerte Folge der Revolution. Hat die Revolution auch Vorteile oder aus Ihrer Sicht bloss Nachteile? Zuerst freuten wir uns über das Ende der diktatorischen Herrschaft. Wir Kopten und andere Minderheiten hofften auf Freiheit. Doch leider hat sich das nicht bewahrheitet. Ist der neue ägyptische Präsident ein Garant für gute Rahmenbedingunge der Kopten? Zwar hat Präsident Mursi das gesagt. Aber bis heute halten die Attentate der Extremisten und die fanatischen Übergriffe auf Frauen an. Es gibt einen Schweizer Journalisten, der nach Ägypten gereist ist und über dieses Thema geschrieben hat. Er konstatierte eine grosse Kriminalität gegenüber den Kopten. Was tun die Kopten dagegen? Viele Kopten flüchten aus Ägypten. Wobei das die ausgebildeten und besitzenden Kopten sind. Die Armen bleiben in Ägypten. Es gibt viele ungebildete Kopten, die auch keine andere Sprache können. Das ist das Problem. Sehen Sie eine Möglichkeit der Verständigung zwischen den radikalen Muslimen und den koptischen Christen in Ägypten? Die koptische Kirche predigt stets Frieden mit allen. Wir hoffen, dass der neue Papst die Radikalen mit diesen Friedensparolen gewinnen kann. Dialog und Diskussion sind notwendig. Der Papst ist in Kontakt mit dem Moscherat. Der Chef dieses Moscherates hat sich bereits mit Papst Tawadros getroffen. Wie man hörte, war es ein gutes Gespräch.

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KLOSTER EINSIEDELN Der Chef des Moscherates scheint eine offene Person zu sein. Er hat in Frankreich studiert und seine Doktorarbeit an der Sorbonne abgelegt. Er versteht die Situation in Ägypten gut. Er hat grosse Probleme mit seinen extremistischen Leuten. Die Schwierigkeit besteh darin, dass man im Volk kaum auf den Vorsteher des Moscherates hört.

Und die Landschaft? Sehr schön (lacht). In meiner Freizeit spaziere ich in der Umgebung von Einsiedeln. Das ist interessant.

Ist die Rolle der Medien negativ für die Kopten? Nein. Nach der Revolution hat sich medienmässig eine Öffnung ereignet. Es gibt viele liberale Fernsehprogramme. Allerdings existieren auch extremistische Fernsehprogramme. Es gibt einen richtigen Krieg unter den Medien. Die Leute sind konvus ob der divergierenden Aussagen der Medien. Am Ende findet man die Wahrheit nicht.

Persönlich bin ich ein begeisterter Leser des ägyptischen Literaturnobelpreisträgers Nagib Machfus. Kennen Sie seine Bücher? Ja, natürlich. Das ist bei uns Schullektüre. So haben wir an unserer Schule zwei Bücher von Nagib Machfus gelesen. Heute haben die Extremisten alle Machfus-Bücher aus dem Unterricht verbannt. Leider. Machfus selber war Opfer eines Extremisten-Attentates.

Wieviele koptische Christen betreuen Sie in der Schweiz? In der Deutschschweiz gibt es 120 Familien. In der Westschweiz gibt es mehr. Vielleicht 225 Familien.

Sehe Sie eine Möglichkeit, dass einmal alle Christen der Welt vereint sind? In Ägypten agierten nach der Revolutin alle christlichen Kirchen – also die katholische, die reformierte und die koptische – vereint. Wir halten viele ökumenische Gebete miteinander. Wir beten für Ägypten, für das Volk und für den Frieden. Die Extremisten in der Welt machen die Kirchen verwundbar. Wir Christen müssen uns vereinen. Wichtig sind die internationalen Organisationen wie der Kirchenrat in Genf. Wir wollen keine Einheitssprache für die ganze Welt. Aber wir hoffen, dass die ganze Welt in Christus vereint sein möge. Ich hoffe mein Deutsch wird besser (lacht).

Wie muss man sich Ihre Arbeit vorstellen? Üblicherweise verrichte ich meine Arbeit als Seelsorger am Wochendende in der Kirche. Am Samstag feiern wir einen Vespergottesdienst. Nachher gibt es eine Bibelstunde. Am Sonntag feiern wir einen Gottesdienst von neun bis zwölf Uhr. Nachher gibt es eine Stunde Pause mit Essen. Dann folgt die Sonntagsschule für die Kinder. Es gibt zudem Arabischunterricht. Wir finden es gut, wenn die zweite Generation die Sprache der Eltern versteht. So können sie problemlos nach Ägypten fahren. Wir halten zudem Chorunterricht. Gefällt Ihnen die Schweiz? Die Schweizer nehme ich als sehr höflich wahr. Ich spüre viel Respekt gegenüber meinem Ordensgewand. Häufig werde ich im Zug gefragt, woher ich komme. Man nennt dann die orthodoxe Kirche Russlands oder Griechenlands. In Deutschland wurden die

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koptischen Priester mit scheelen Augen angesehen. In der Schweiz haben selbst die Jungen eine Ahnung, was mein Kleid bedeutet.

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KLOSTER EINSIEDELN

Das Buch zum Thema Kopten

%JFChristen im Zufluchtsland  EFS)FJMJHFO'BNJMJF «Das zweite heilige Land» nennen die koptischen Christen Ägypten, ihr Land, das vor rund zweitausend Jahren der Heiligen Familie auf der Flucht Asyl gewährte. Michael Hesemann, der unter anderen das Buch «Mein Bruder, der Papst» geschrieben hat, reiste 2011/12 zusammen mit der Archäologin Yulia Tkachova auf der überlieferten Fluchtroute des Jesuskindes und seiner Eltern von Bethlehem nach Ägypten bis an den Ort am Nil, wo nach der unter den Kopten bis heute sehr lebendig gebliebenen Überlieferung die heilige Familie «genau sechs Monate und fünf Tage» in einem Haus gelebt hat, auf dessen Grundmauern «die erste Kirche überhaupt auf der Welt» gebaut wurde: Deir al-Muharraq, der heiligste Wallfahrtsort der koptischen Christen. Der Ort liegt in der Thebäis, jener Gegend, aus welcher nach unserer Überlieferung Christen stammten, die als erste Märtyrer auf heutigem Schweizer Boden ihren Glauben an Jesus Christus bezeugten: Mauritius, Felix, Regula, Ursus... waren Kopten, ein Wort, das aus dem griechischen Wort für «Ägypter» hervorgegangen ist. Wer sich privat oder beruflich für Christentumsgeschichte allgemein und für die Geschichte des Christentums in Ägypten im Besonderen interessiert, dem gibt Michael Hesemann ein ungemein spannendes Buch in die Hand. Hesemann interessierte sich für die heute in Ägypten lebendige Tradition und für archäologischen Spuren, die die ersten christlichen «Asylanten» möglicherweise hinterlassen haben. Angesichts der Bedrängnis der koptischen Christen heute in ihrer muslimisch geprägten Heimat ist dieses Buch auch ein

Appell an alle Christen, die Augen nicht davor zu verschliessen, was im «zweiten heiligen Land» derzeit geschieht. «Gut möglich, dass wir von den Kopten einmal lernen müssen, auch unsere Zukunft zu meistern», schreibt Hesemann in seinem Schlusskapitel. &SJDI-JFCJ

Michael Hesemann, Jesus in Ägypten. Das Geheimnis der Kopten. Herbig, München, 2012, 364 S., CHF 37.90, ISBN 978-3-77662697-1.

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S A LV E

4·2012

S A LV E Zeitschrift der benediktinis Gemeinscha chen ften Einsiede ln und Fahr

Zeitschrift der benediktinischen Gemeinschaften Einsiedeln und Fahr SALVE gewährt sechsmal im Jahr einen facettenreichen Einblick in das Leben hinter den Einsiedler und Fahrer Klostermauern (das Kloster Fahr gehört seit 1130 zum Kloster Einsiedeln), das geprägt ist von Gebet, geistlicher Lesung, manueller Arbeit und vielfältigem Engagement in Erziehung, Bildung und Seelsorge.

In verschiedenen Rubriken informiert die Zeitschrift unter anderem umfassend über die Klostergemeinschaften Einsiedeln und Fahr, die Stifts- und Bäuerinnenschule, die Wallfahrt, die Klosterbetriebe sowie über religiöse und kulturelle Anlässe in den Klöstern Einsiedeln und Fahr.

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Kloster Einsiedeln, Abonnentenverwaltung «Salve», 8840 Einsiedeln Telefon: 055 418 62 92, Fax: 055 418 64 25, E-Mail: abo@kloster-einsiedeln.ch, Internet: www.zeitschrift-salve.ch Ist die Bestellkarte verloren gegangen? Senden Sie uns bitte einfach diese Seite ausgefüllt zurück.

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KLOSTER EINSIEDELN

(FCFUTBOMJFHFO Im Gebet kÜnnen wir Menschen uns selber erfreuen an Menschen, Orten und Gegebenheiten, die wir in unserem Sein mit Gott begleiten. So durfte die Klostergemeinschaft Einsiedeln unsere Studentenmusik und deren Leiter Marcel Schuler anlässlich ihrer Reise nach Luxemburg ins Gebet einschliessen und sich dabei freuen an unserer Jugend und deren musikalischen Fähigkeiten. Auf der anderen Seite beschäftigen uns auch die schwierigen Situationen, in denen Menschen stehen und von denen sie uns berichten oder schreiben: Eine Frau bittet gleich fßr zwei ihr nahe stehende Menschen: fßr ihren schwerkranken Mann und fßr ihren Sohn, der eine schwere Augenoperation vor sich hat. Es ist nicht immer die Heilung von einer schweren Krankheit, fßr die Menschen beten lassen, sondern oft auch um den richtigen Umgang mit ihr und um das innere Bestehen. In diesem Sinne bittet eine Frau fßr ihren Mann, der einen Arzttermin vor sich hat, um mit diesem zu schauen, was die Diagnose – Tumor im Rßcken – fßr die nähere Zukunft heisst.

Gib uns reinen Geist, damit wir dich sehen, demĂźtigen Geist, damit wir dich hĂśren, liebenden Geist, damit wir dir dienen, gläubigen Geist, damit wir dich lieben – Du, den ich nicht kenne, dem ich doch zugehĂśre. %BH)BNNBSTLKĂ•ME 6/(FOFSBMTFLSFUĂ…S m

Heute erreicht uns auch die Nachricht von einem tragischen Unfall eines jungen Bergbauers, der seitdem im Koma liegt und eine Frau und ein junges Kind zu Hause lässt. Ihn und seine Familie wollen wir Gott und der Fßrbitte seiner hl. Mutter anempfehlen.

Haben Sie ein Gebetsanliegen? MĂśchten Sie, dass andere Menschen Ihr Anliegen im Gebet begleiten? Die Klostergemeinschaften von Einsiedeln und Fahr, die GULF, die Gemeinschaft der Oblaten und viele Leserinnen und Leser von ÂŤSalveÂť sind fĂźr Sie da! Schreiben Sie uns: zeitschrift@kloster-einsiedeln.ch.

Medaillon auf einem Kelch im Besitz des Klosters Fahr (Foto: Lilane GĂŠraud).

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KLOSTER EINSIEDELN

Jan Lukas Holt, Klostervolontär

j&JOFMPIOFOTXFSUF&SGBISVOHx Seit letztem Jahr lädt das Kloster Einsiedeln junge Männer zwischen 18 und 25 Jahren zu einem Freiwilligendienst im Kloster ein. Auch in den Sommermonaten dieses Jahres sind wieder Volontäre im und um das Kloster anzutreffen. Sie leben als Gäste bei den Mönchen, übernehmen unterschiedliche Arbeiten und vertiefen ihre eigene Gottsuche. Jan Lukas Holt aus Bremen mit verwandtschaftlichen Beziehungen zum Klosterdorf schildert hier seine Erfahrungen als Klostervolontär. Zwei Wochen lang, vom 17. bis 30. Juli 2012, habe ich das Angebot des Klosters Einsiedeln wahrgenommen und dort diese Zeit gemeinsam mit drei weiteren jungen Männern als Volontär verbracht. Wie so häufig – und so auch dieses Mal – kann ich meine Erfahrung über den Aufenthalt aber eigentlich erst im Nachhinein richtig schildern, indem ich auf den gesamten Aufenthalt in einem zurückblicke. Bevor ich den Freiwilligendienst begonnen habe, war mir eigentlich nicht bewusst, was genau auf mich zukommen würde. Im Internet konnte ich mir einen Beispieltag in Form einer Tabelle von zuhause aus anschauen, jedoch war das lediglich ein roter Faden, der den Tagesablauf nur grob skizzierte. Das Kloster Einsiedeln ist mir zuvor bei weitem kein unbekannter Ort gewesen, denn in den vergangenen Jahren war ich fast immer dort zur Ostermesse. Meine Tante Tina lebt mit ihrem Mann Hans seit einigen Jahren unweit des Klosters in einem Nachbarort, wodurch auch die Bindung nach Einsiedeln entstanden ist. 7PSTUFMMVOHVOE8JSLMJDILFJU In den Anfangstagen des Volontariats wurde mir recht schnell klar, dass ich mir das Leben und die Gemeinschaft der Mönche im

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Kloster anders vorgestellt hatte. Durch den zweiwöchigen Freiwilligendienst nahmen wir Volontäre zu einem grossen Teil am alltäglichen Klosterleben teil. Bis auf die Vigil besuchten wir gemeinsam mit den Mönchen alle über den ganzen Tag verteilten Gebetszeiten und Gottesdienste. Auch das Mittagund Nachtessen nahmen wir gemeinsam mit den Mönchen im Refektorium ein. Somit war es für mich eine intensive Erfahrung, in der Gemeinschaft die Gebete und Tagesabläufe erleben zu dürfen. Bemerkt habe ich dabei aber auch, dass man mindestens eine Woche im Kloster verbringen muss, um «anzukommen» und das Leben der Mönche und ihre immerwährende Suche nach Gott besser zu verstehen. Zugegebenermassen kam mir am ersten Abend und den darauffolgenden Tagen vieles im Klosterleben der Mönche unbekannt vor. Nach kurzer Zeit aber schon wurde es mir vertrauter. 8FOEFJN-FCFO Der Zeitpunkt, zu dem ich den Freiwilligendienst absolviert habe, war für mich persönlich eine gewisse Wende in meinem Leben. Zwei Monate zuvor hatte ich das Abitur absolviert, im Oktober sollte es mit dem Studium weitergehen.


KLOSTER EINSIEDELN Der Freiwilligendienst half mir, den einen Abschnitt bewusster zu beenden und den anderen mit Zuversicht beginnen zu können. Besonders hilfreich war dabei, dass ich den Trubel, die Hektik und das Leben auf dem Klosterplatz in meinem Gästezimmer und auf den Korridoren des Gästetrakts und in der Klausur wenig wahrgenommen habe. Gerade dadurch konnte ich den Nachrichten aus Zeitung, Radio und Fernseher, aber auch meinen sonst alltäglichen Gedanken einmal für zwei Wochen entfliehen und mich auf zwei Wochen Gebet und Besinnung einlassen. Insbesondere der strenge Gebetsrhythmus und Tagesablauf im Klosterleben hat eine sehr angenehme Atmosphäre geschaffen, die eine beruhigende Wirkung auf mich ausgeübt hat. Nach dem Volontariat habe ich mich um so mehr auf meine ersten Studientage gefreut. Zwischen den einzelnen Gebeten und geistigen Aktivitäten hatten wir aber keineswegs Langweile. Zwei Mal am Tag trafen wir uns mit Pater Cyrill, der das Projekt leitete, zu einem geistigen Impuls. Der erste Klostervolontär Jan Lukas Holt: Es blieb auch Zeit für das Musikalische im Klosterleben (Foto: Sebastian Gasser).

Impuls war vormittags direkt nach dem Frühstück und bei diesem interpretierten wir häufig Symbole und Bilder in der Klosterkirche. Beim Impuls am Nachmittag lasen wir in der Bibel und versuchten schwer verständliche Stellen zu deuten. Nachmittags hatte jeder Volontär eine weitere Aufgabe zu erledigen. Ich durfte die Besucher des Klosters vor der Dia-Vision begrüssen und sie auf bestimmte, organisatorische Punkte hin aufmerksam machen. Meine Kollegen hatten die Aufgabe, Pilger durch die Klosterkirche oder die Stiftsbibliothek zu führen. Immer wieder teilte uns Pater Cyrill aber auch für neue, interessante Aufgaben ein. So halfen wir im Klosterladen oder der Gärtnerei aus. Durch die verschiedenen Tätigkeiten konnte ich unterschiedliche Arbeits- und Lebensbereiche des Klosters kennenlernen. 'àSTPSHMJDIF(FNFJOTDIBGU Betrachte ich den Klosteraufenthalt nach knapp einem Jahr noch einmal, so war es eine wirklich lohnenswerte Erfahrung. Sehr geschätzt habe ich, das Leben in einem Kloster kennenzulernen und mit den Mönchen, aber auch anderen Gästen des Klosters, tiefgründige Gespräche über theologische und philosophische Themen führen zu können. Besonders beeindruckt aber haben mich das gemeinschaftliche und fürsorgliche Zusammenleben der Mönche und ihre stetige, tägliche und geduldige Suche nach Gott im Gebet und Gesang und ihre Arbeit unter den Menschen in der Welt. Ich kann mir gut vorstellen, ein weiteres Mal als Gast ins Kloster zu kommen. Über die vertrauensvolle Gastfreundschaft bin ich sehr erfreut und dankbar. +BO-VLBT)PMU (Mehr über den Freiwilligendienst im Kloster unter www.kloster-einsiedeln/volontaire)

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KLOSTER EINSIEDELN

Oblatentreffen im Kloster Fahr

(PUUTJU[UBN8FCTUVIM Am zweiten Samstag im März waren die Einsiedler Oblaten in ihrem Schwesterkloster Fahr zu Gast. Dort wurden sie nicht nur kulinarisch, sondern auch spirituell verwöhnt. In einer kurzen Einführung erklärte Priorin Irene Gassmann den Wert des Handwerks für eine benediktinische Gemeinschaft sowie die Bedeutung der Paramentenwerkstatt im Kloster Fahr. Anschliessend liess Schwester Matthäa Wismer die Zuhörer daran teilhaben, wie fruchtbar das schweigende Arbeiten am Webstuhl sein kann. Müssiggang ist der Seele Feind (RB 48,1), zitierte Priorin Irene Gassmann ihren Ordensgründer. «Das ganze Kapitel 57 der Benediktsregel ist dem Mönch als Handwerker gewidmet. Arbeitslose merken, wie ihnen die Arbeit fehlt. Arbeiten zu können und zu dürfen, tut der Seele gut und erfüllt das Leben. Benedikt war Realist. Ein Mönch kann nicht den ganzen Tag über beten. Wie überWenn ein einziger Faden fehlt, entsteht ein Fehler im Gewebe (Foto: Verena Huber-Halter).

all suchte Benedikt auch hier das richtige Mass im Wechsel von Mahlzeiten, Arbeit, Lesung, Gebet und Ruhezeiten.» Dem entsprechend hat, wie uns Priorin Irene erklärte, auch im Kloster Fahr das Handwerk einen hohen Stellenwert. In der Regel (RB 48,8) ist zu lesen: «Sie sind dann wirkliche Mönche, wenn sie wie unsere Väter und die Apostel von ihrer Hände Arbeit leben.» Priorin Irene erzählte über den wohl bekanntesten dieser Handwerksbetriebe des Klosters: über die Paramentenwerkstatt. %FO5JTDICFSFJUFO Das Wort «Parament» stammt etymologisch von «parare mensam»: für den Tisch bereiten, wie uns erklärt wurde: «Man bereitet den Tisch für die Liturgie. Das beinhaltet die Kleidung, den Wandschmuck, die Tücher für den Altar.» Die Paramentenwerkstatt im Fahr hat mittlerweile in der Schweiz grosse Bedeutung. Und die neue weltliche Betriebsleiterin leistet daran einen nicht unwesentlichen Anteil. Die Tatsache, dass in dieser Werkstatt auch Nicht-Ordensleute arbeiten, hat die Schwestern vor besondere Aufgaben gestellt: die Webstühle stehen nämlich in der Klausur. So wurden auf Bitte der Bereichsleiterin hin Regeln für die Arbeit in der Klausur

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KLOSTER EINSIEDELN

Die Fäden, aus denen auf den Fahrer Webstßhlen Paramente werden (Foto: Liliane GÊraud). notiert. Schweigend wird zum Beispiel gearbeitet und es werden keine privaten Telefongespräche entgegen genommen. 0IOF,SFV[LFJOF7FSCJOEVOH Schwester Matthäa Wismer, eine der Schwestern, die in dieser Werkstatt arbeiten, fßhrte die Gäste durch eine Meditation, die während ihrer Arbeit am Webstuhl entstanden ist: Wie der Ton in der Hand des TÜpfers bin ich ein Faden im Gewebe und Gott sitzt am Webstuhl meines Lebens. Hunderte von Fäden nebeneinander nßtzen nichts, wenn sie nicht durch einen Querfaden miteinander verbunden sind. Vertikal und Horizontal gehÜren zusammen. Aus einem Minus wird ein Plus. Durch diese Verbindung entsteht ein Kreuz. Ohne Kreuz gibt es keine Verbindung, keinen Zusammenhalt und auch kein Muster. Ein Stßck Stoff besteht aus millionenfach gekreuzten Fäden. Erst durch Reibung ent-

steht der Stoff, indem ein Teil der Fäden nach oben und der andere Teil zur selben Zeit herab gefßhrt wird. Die Fäden reiben sich aneinander, nebeneinander und ßbereinander. Wie ich und meine Mitmenschen. Jeder Faden hat seinen festen Platz, seine Bestimmung, seine Farbe, seine besondere Struktur. Jeder Faden, wie auch jeder Mitmensch. Wenn der Faden nicht mitmacht beim Auf und Ab, entsteht ein Fehler. Das Werk ist dann nicht vollkommen. Reisst ein Faden entzwei, wird er fehlen. Das Gesamtbild stimmt nicht mehr und der Zusammenhalt ist gefährdet. Es kann ein Wirrwarr entstehen. Der fehlende Faden muss ersetzt werden. Welch schÜnes Gewebe, wenn jeder Faden seiner Bestimmung gemäss da ist! Ein Handwerk – ein Kunstwerk! So, wie Gott es haben mÜchte? 

7FSFOB)VCFS)BMUFS

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KLOSTER EINSIEDELN

Jahresversammlung 2013

+VCJMJFSFOEF'SFVOEFEFT,MPTUFST Am Samstag, 27. April, fand im Kloster Einsiedeln die 25. Mitgliederversammlung der «Vereinigung der Freunde des Klosters Einsiedeln» statt. Die Besucherinnen und Besucher erlebten ein Orgelkonzert, die Mitgliederversammlung und nach dem Vespergebet in der Stiftskirche die Buch- und Ausstellungsvernissage «GeschichtenGesichter» im Abteihof, wo auch der Apero stattfand.

«Seit 25 Jahren dürfen wir ,unserem Kloster’ helfen und viele Projekte sind seitdem realisiert worden. Das bisher grösste Projekt war die Renovierung der Klosterbibliothek, die tagtäglich von Besuchern bewundert wird. Die beiden letzten Projekte waren 2012 der Lesesaal des Klosterarchivs und die wunderbare neue Beleuchtung der Klosterkirche.» Das schrieb Präsident Heino von Prondzynski in der Einladung zur 25. Mitgliederversammlung der «Vereinigung der Freunde des Klosters Einsiedeln». Nach einem von Abt Martin Werlen eingeleiteten und OrgaApplaus für 25 Jahre Freundschaft: 25. Mitgliederversammlung, im Grossen Saal des Klosters Einsiedeln.

nist Pater Ambros Koch gespielten Orgelkonzert in der Stiftskirche fanden sich die Gäste zur Mitgliederversammlung im Grossen Saal des Klosters ein. Nach Begrüssungsworten des Präsidenten informierte dieser über das grosse Vorhaben der Klosterplatzsanierung. «Es bietet sich eine einmalige Chance und eine historische Gelegenheit, diesen Platz zu restaurieren.» Der momentane Spendenstand beläuft sich auf rund 3,7 Millionen Franken. Rund 52 Prozent der virtuell verkauften Klostersteine auf dem Platz konnten abgesetzt werden. Benötigt werden noch fünf Millionen Franken. 3FJTFCFSJDIUF Margarethe Graf, Vizepräsidentin der Vereinigung, referierte über die im vergangenen Jahr durchgeführten Reisen auf den Etzelpass, nach der Insel Werd und dem Schloss Freudenfels im Kanton Thurgau sowie zur Einsiedler Besitzung, der Propstei St. Gerold in Vorarlberg, und stellte das aktuelle Reiseziel Hirsau vor. Mit diesen Aktivitäten soll den Mitgliedern das Kloster, seine Besitzungen und die Gemeinschaft nähergebracht werden. Die Jahresrechnung stellte Ansgar Gmür vor. Die Vorstandsmitglieder Margarethe Graf, Ansgar Gmür, Urs Leuthard, Martin Weishaupt und Bruder Gerold Zeno-

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KLOSTER EINSIEDELN ni sowie Präsident Heino von Prondzynski wurden fĂźr eine weitere Amtszeit von drei Jahren gewählt bzw. vom Abt bestimmt. ĂƒCFSSBTDIFOEFĂŠCUMJDIF"OTQSBDIF ÂŤIch wage hier etwas zu sagen, was die meisten Ăźberraschen dĂźrfte und hoffentlich auch etwas schockiert.Âť So begann Abt Martin Werlen sein Grusswort an die Freunde des Klosters. Seit kurzer Zeit realisiere man, dass es nicht selbstverständlich sei, dass die Ăźber tausendjährige Klostergeschichte fortgefĂźhrt werden kĂśnne. Das Gleiche gelte fĂźr die Kirche in unserem Kulturkreis. ÂŤWenn vor sechzig Jahren in einem Dorf am Sonntag alle in die Kirche gingen, geschah das nicht, weil sie frĂśmmer waren als wir heute.Âť Man habe gar keine andere Wahl gehabt. ÂŤWenn der Metzger am Sonntag nicht in die Messe gegangen wäre, hätte er in der folgenden Woche keine Kunden gehabt.Âť Heute reiche es nicht mehr, Christ oder Christin zu sein, weil das Vorteile bringe. Wir mĂźssten entdecken, dass unser Glaube auf der Beziehung mit Gott aufbaue. ÂŤDiese Beziehung mĂźssen wir wieder zu leben beginnen.Âť Viele Menschen hätten das noch nicht realisiert. Selbst Verantwortungsträger in der Kirche nicht. Vieles, was uns als selbstverständlich erscheine, breche zusammen, sagte der Abt. ÂŤEs ist gar nicht so schlecht, dass es zusammenbricht. Wer ständig etwas zu meckern hat, der sollte zum Tierarzt gehen, denn es fehlt ihm am Glauben.Âť Wir wĂźrden in den nächsten Jahren tĂźchtig herausgefordert, sagte der Klostervorsteher, denn es gehe darum neu zu entdecken, was christlicher Glaube ist. ÂŤHier in Einsiedeln kĂśnnen die Menschen die Gegenwart Gottes entdecken.Âť *OUFHSJFSUF#VDIWFSOJTTBHF Im Programm integriert war als Schlusspunkt nach dem Vespergebet die Vernissage von Buch und Ausstellung ÂŤGeschichtenGesichter – Die Welt trifft sich auf dem Einsiedler KlosterplatzÂť von Susann

Ernste Worte, heitere Miene: Abt Martin Werlen am Rednerpult (Fotos: Bruder Gerold Zenoni). Bosshard-Kälin und Beatrice KĂźnzi (siehe S. 76). Die Vereinigung der Klosterfreunde hat die Entstehung des Buches ďŹ nanziell unterstĂźtzt. Man hat sich zudem entschlossen, den Apero an diesem Tag gemeinsam zu organisieren. Zweifellos ist der Klosterplatz Einsiedeln einer der kommunikativsten Orte der Schweiz. Susann Bosshard-Kälin als Autorin und Beatrice KĂźnzi als FotograďŹ n haben in ihrem Buch dem Genius loci nachgespĂźrt. Beim leicht verregneten Apero im Abteihof und angrenzenden Gebäulichkeiten ergaben sich noch viele Gespräche zwischen der bunt zusammengewĂźrfelten Schar der Teilnehmenden. Die nächste Mitgliederversammlung ist provisorisch fĂźr den Samstag, 21. Juni 2014 vorgesehen. #SVEFS(FSPME;FOPOJ XXXGSFVOEFLMPTUFSFJOTJFEFMODI

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KLOSTER EINSIEDELN

KONVENT GLĂ–CKLI

RĂœ C K BLI C K .ĂŠS[ Weihe der neuen Psallierorgel im Unteren Chor während der ersten Vesper zum Sonntag Laetare. FrĂźhjahrstreffen der Oblaten im Kloster Fahr. Es haben sich 21 Personen angemeldet. Schwester Matthäa Wismer gibt einen Impuls Ăźber ÂŤWeben – mehr als nur ein HandwerkÂť, gefolgt von einem Einblick in die Paramenten-Werkstatt des Klosters Fahr durch Priorin Irene Gassmann. "QSJM Die Dechantenkonferenz Linz besuchte anlässlich einer dreitägigen Kultur- und Pastoralreise nach Vorarlberg auch die Propstei St. Gerold. Pater Kolumban fĂźhrte die interessierten MitbrĂźder durch die Propsteianlage und informierte Ăźber die Geschichte und die ak tuellen Herausforderungen der Propstei. "QSJM Am Samstagabend ist der Kammerchor aus Bristol (England) in der Klosterkirche zu Gast. Der Chor wurde im Jahre 1837 als Madrigalgesellschaft gegrĂźndet. Letztes Jahr konnte der 175. Geburtstag gefeiert werden. Einer der GrĂźnder war Robert Lucas Pearsall (1795–1856), der seinen Lebensabend auf Schloss Wartensee bei Ror-

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schacherberg verbrachte und seinen gesamten musikalischen Nachlass der Einsiedler Musikbibliothek vermachte. "QSJM Abt Martin empfängt um 8.30 Uhr die Erstkommunikanten von Einsiedeln im Grossen Saal und lädt sie anschliessend zum FrĂźhstĂźck am Hof ein. "QSJM Am Morgen ďŹ ndet eine Sitzung zwischen Abt Martin, Pater Urban, Jeronimo Barahona und Verantwortlichen des Welttheaters statt, um anstehende Fragen anzugehen. "QSJM In der Propstei St. Gerold ďŹ ndet die diesjährige Freundestagung statt. Pater JeanSĂŠbastien vertritt dabei das Kloster. "QSJM Nun nimmt das Welttheater auf dem Klosterplatz fĂźr alle sichtbar Formen an: Einerseits haben heute auf dem Platz die Proben begonnen. Andererseits werden bereits erste Bauten errichtet. "QSJM 25. Mitgliederversammlung der ÂŤVereinigung der Freunde des Klosters EinsiedelnÂť. "QSJM Beginn der ersten Lässe. .BJ Diese Woche wurde die alte TĂźre der Externenpforte durch eine neue ersetzt; gleichzeitig wurde eine automatische elektronische Schliessung eingebaut.


KLOSTER EINSIEDELN

PERSO N ELLES .ĂŠS[ Am Abend hält Abt Martin in Grindelwald fĂźr das Internationale Verbändeforum das Referat ÂŤWenn die Sorge um den guten Ruf dem guten Ruf im Wege stehtÂť. .ĂŠS[ Pater Jean-SĂŠbastien nimmt im Rahmen der Ausstellung ÂŤFilm der AntwortenÂť im Kunstmuseum Thurgau, Kartause Ittingen, an einem Podiumsgespräch teil. .ĂŠS[ Pater Alois hält am Abend in der Pfarrei Felix und Regula, Thalwil, ein Referat mit anschliessender Diskussion Ăźber ÂŤOra et labora. Die Benediktsregel und ihre Umsetzung im AlltagÂť. .ĂŠS[ Pater Pascal hält die Exerzitienvorträge im Marienheim. Am Abend hält Abt Martin an der Universität Fribourg ein Referat Ăźber ÂŤMiteinander die Glut unter der Asche entdeckenÂť. .ĂŠS[ Vor genau 50 Jahren wurde das Liturgische Institut gegrĂźndet. An diesem Tag ďŹ ndet in Fribourg unter dem Vorsitz von Abt Martin die Sitzung des Kuratoriums statt. .ĂŠS[ Pater Lorenz nimmt an einer Pressekonferenz in St. Urban teil, an der das interkantonale Projekt ÂŤSakrallandschaft InnerschweizÂť der Ă–ffentlichkeit vorgestellt wurde. Es scheint hier ein Projekt in Gang zu kommen, von dem unsere Wallfahrt auch wird proďŹ tieren kĂśnnen.

.éS[ Wie in den vergangenen Jahren fährt Pater Urban heute nach Heiligkreuz (LU), um dort eine der Märzenpredigten zum Thema «Das Sakrament der Ehe» zu halten. Pater Justinus reist heute nach Lugano, um bei der Vernissage des Buches «Sorpresi dalla fede. Testimoni della vita nuova» dabei zu sein, bei dem er Mit-Autor ist. .éS[ An Ostern wird in der Jesuitenkirche Luzern die neue Orchestermesse von Pater Theo («Missa Lucernensis») uraufgeführt. Die Komposition wird innerhalb eines Gottesdienstes erklingen. Auftraggeber ist das Collegium musicum, in dem die verschiedenen kirchenmusikalischen Formationen der Jesuitenkirche zusammengefasst sind. "QSJM Es ist die Meldung eingegangen, dass Pater Thomas das Diplom für seine theologischen Studien mit dem Bestprädikat «mit Auszeichnung» entgegennehmen konnte. "QSJM Abt Martin hält um 14 Uhr in Köln beim Kader der AXA vor 500 Personen ein Referat zum Thema «Sich der Situation stellen und das Beste daraus machen». "QSJM Wir feiern heute das feierliche Requiem für Pater Angelo. "QSJM Pater Pascal wurde von der 62. Delegiertenversammlung der Sport Union Schwyz für seinen 25-jähringen Einsatz als Präses (seit 1988) zum Ehrenpräses ernannt.

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STIFTSSCHULE 7. März / 16. April: Die Klassen 2 und 3 werden fĂźr einen 4DIVMHPUUFTEJFOTU mit Pater Cyrill von den Lektionen dispensiert. 8. März: 5IFBUFSQSFNJFSF. Das Stiftstheater spielt unter der Regie von Oscar S. Bingisser ÂŤDie RäuberÂť von Friedrich Schiller. Anlässlich der diesjährigen Kampagne des ÂŤFastenopfersÂť und passend zum Unterrichtsthema ÂŤArmut und EntwicklungszusammenarbeitÂť kommt der Inder Ajoy Kumar zu den Klassen 5a und 5b zu Besuch. 12./13. März: 4DIXFJ[FS.FJTUFSTDIBGUFOJO7PMMFZCBMM . Die Mädchen zeigen mit ihrem tollen 8. Rang eine gute Leistung. 13./14. März: "VGOBINFQSĂ GVOHFO in die 3. Klasse. Zwanzig SchĂźlerinnen und SchĂźler haben sie bestanden. 21. März: .VTJLWJFSUFMTUVOEF in der Gartenhalle. JoĂŤl Steinauer brilliert mit seinem Horn, JoĂŤl KĂźchler mit dem Kontrabass. Und dann ďŹ nden noch zwei UrauffĂźhrungen statt: Die SchĂźlerinnen und SchĂźler des Ergänzungsfachs Musik haben in ihrer letzten Lektion innert 25 Minuten zwei Popsongs komponiert, die nun zum ersten Mal Ăśffentlich aufgefĂźhrt werden. 25./27. März: Information Ăźber die 4DIĂ MFSCFSBUVOH fĂźr die ersten drei Klassen. Vorstellung unseres Betreuerteams und erste Kontaktnahme. 25.–28. März: 0TUFSFYBNFO fĂźr die Klassen 5 und 6.

+++ nachrichten +++ nachrichten +++ 3. April: 4FYVBMXPSLTIPQ. Prävention und Information auf dem Gebiet der Sexualität fßr beide 2. Klassen. 6. April: Ein wunderbares -BFUBSFLPO[FSU der Studentenmusik erfreut einen beinahe ausverkauften Theatersaal. Schade, dass viele zum letzten Mal aufspielen. 10./11. April: "VGOBINFQSàGVOH in die erste Klasse. Sechzig Schßlerinnen und Schßler haben bestanden. Wir fßhren im Herbst also zwei Klassen mit je 26 SchßlerInnen und haben noch 7 SchßlerInnen auf einer Warteliste. 12. April: )BMMFOWPMMFZCBMMUVSOJFS in der Stiftshalle. In drei Kategorien kämpft man in guter Atmosphäre um den Sieg. Endlich sind wieder einmal viele Mannschaften aktiv. 24. April: (PUUFTEJFOTU GàS BMMF "OHFTUFMMUFO der Stiftsschule im Oratorium. Eine sehr schÜne und eindrßckliche Feier, die von den Schßlerinnen des Kursfaches Sologesang unter der Leitung von Sarah Zeller wunderbar umrahmt wird. 25. April: Ein fächerßbergreifender Schulanlass, gestaltet von verschiedenen Lehrkräften mit den 2. Klassen unter dem Thema j4FIOTVDIU1BSBEJFTx, wird fßr die ganze Stiftsschule ein wßrdiger Abschluss vor den Frßhlingsferien. 22.–26. April: 4DISJGUMJDIF.BUVSJUÊUTQSàGVOHFO im Grossen Saal des Klosters. 1FUFS-àUIJ $P3FLUPS

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STIFTSSCHULE

ECKE DER ELTERN Liebe Eltern unserer Schßlerinnen und Schßler &JO7PSCJME In den sechziger Jahren wurde mir eingeprägt, dass man sich keine Bilder machen sollte; Max Frischs Andorra hat hier eine deutliche Warnung in die Welt geschrien. Ich kam nie ohne Bilder aus. Manchmal machte mir das zu schaffen, oft schwelgte ich in Bildern. Sind Bilder nicht auch Geschichten? Eine solche Geschichte geht an der Stiftsschule zu Ende. Damit auch ein Bild? Ich meine, ja! Ich kÜnnte auch von einem Uhrwerk schreiben, einem Menschen, der tagein tagaus seinen Rhythmus einhält, am Morgen pichtbewusst die ersten Telefonanrufe entgegennimmt und am Abend wie ein Ritual seine Tagesschau im Bßro geniesst. Das ist der Rahmen eines Menschen, den ich in den letzten sieben Jahren achten lernte, ein Vorbild also! Zwischen Tagesanfang und -ende verbirgt sich sein Wirken. Und wenn ich betone, dass es sich verbirgt, kommt eine erste Tugend zum Vorschein. Nie stellt er sich in den Vordergrund. Er betrachtet. Das gibt Distanz und verhindert Fehler. Getragen wird das alles von einem sanften Lächeln, das auch den Kollegen in grÜsster Aufregung zur Ruhe mahnt. Diese Sanftmut entspringt einem Denken, das den Alltag relativiert und ihn in die GrÜsse der SchÜpfung einbindet. Was kann dann eigentlich Grosses geschehen? Die tägliche Lesung in der Bibel scheint diesen ausserordentlichen Menschen zu prägen; sie schenkt ihm die innere Ruhe, in dem er jenem vertraut, von dem alles ge-

schaffen ist. Da kÜnnen wir im Sekretariat noch so umtriebig werken, im Bßro des Rektors herrscht Ruhe und Lesung. Diese Lesezeit fßhrt mich selbst zu eigenem Lesen, auch wenn ich bei der Literatur verweile, nicht einfach bei den Psalmen. Da wird man wirklich entspannter. Dazu kommt eine gehÜrige Portion Humor. Mitten in das Gewitter strahlt dann die Sonne, wenn Pater Markus Steiner sagt: Habe ich den schon erzählt? Da hÜrt man zu, ist fasziniert, lacht und vergisst fßr einen Moment die kleinen Sorgen. Aber unser Rektor nimmt sich auch Zeit, um zuzuhÜren. Vielleicht seine grÜsste Gabe. Er lässt uns ausreden, frägt kurz nach und zeigt praktisch immer Verständnis. Manchmal merkt man es seinem Gesicht an, wenn er nicht ganz gleicher Meinung ist. Er verschont uns immer mit ßbertriebenen Belehrungen, zeigt aber neue Wege des Denkens auf. Trotzdem gibt es manchmal so kleine Inseln der Beharrlichkeit, wenn er von einer Sache total ßberzeugt ist. Darßber kann man später immer wieder reden. Das wirkt, weil es keine unveränderbare Sturheit ist, sondern eher eine Macke, die manchmal seine Sanftheit noch stärker bewusst werden lässt. Er hat seine PersÜnlichkeit im Griff. Ein Vorbild also. So auch beim alltäglichen Joggen. Mehrmals traf ich ihn an Samstagen oder freien Tagen bei seiner sportlichen Betätigung an. Sein Laufstil gleicht seinen Worten, ruhig, leichtfßssig und ohne nach links und rechts zu schauen, immer nach dem Ziel ausgerichtet. So beeinusst er seine Laune. Ein Mensch, der sich im Griff hat, also ein wirklicher Erwachsener. Das ist unser Rektor, ein Vorbild, und ich glaube, dass seine Sanftmut und Umsicht, seine Abgeklärtheit mir persÜnlich fehlen wßrden, wenn er nicht weiterhin Mathematiklehrer bliebe. Fßr all dies danke ich ihm ganz herzlich. Da kann man sich ruhig ein Bild machen. Nicht das schlechteste. 1FUFS-àUIJ $P3FLUPS

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STIFTSSCHULE

Spiritualität

j3FJGGàSEFOOÊDITUFO4DISJUUx Als Zeichen der Dankbarkeit für das Privileg, an der Stiftsschule Einsiedeln «reif» geworden zu sein, veranstaltet die Maturaklasse 2013 am 10. Juni einen Benefizlauf rund ums Kloster. Der Erlös soll der Partnerschule Namwala in Afrika zugute kommen. Aber mit der Matura ist das Reifwerden keineswegs abgeschlossen. Matura heisst: Reif geworden für den nächsten Schritt. Wenige Wochen vor der schriftlichen Matura traf ich Adrian, einen Maturanden, im langen Gang zum Theater, den grossen Glasfenstern entlang schlendernd. Man sah ihm an, dass er ohne Energie und Lust war. Als ich ihn ansprach, gestand er tatsächlich seinen Überdruss. Es sei reif für den nächsten Schritt. Er möchte nun weitergehen, ein Studium in Angriff nehmen, ins Leben hinaus streben. Wahrscheinlich geht es vielen Maturanden so. Der Zeitpunkt scheint gekommen, den nächsten Schritt zu tun. Sie sind reif (maturi) dafür. In der Tat haben die Maturanden schon vor Wochen begonnen, ihre verbleibenden Tage am Stift offiziell zu zählen. Damit demonstrierten sie ihre Vorfreude und zeigten ein wenig ihre Schadenfreude gegenüber jenen, die noch weitere Jahre an der Stiftsschule vor sich haben. Nicht nur der Wille oder die Sehnsucht nach dem Schritt ins Leben, sondern auch die Dankbarkeit für die Vergangenheit und das Erreichte ist ein Zeichen der Reife. Das Reifwerden eines Menschen ist im Grunde ein Dankbarwerden. Die derzeitigen Maturanden drücken in ihrem Projekt «Sechs Jahre – für alle» ihre Dankbarkeit aus. Im Rückblick auf ihre vergangene Stiftszeit schreiben sie als Einleitung zu ihrem Projekt: «Seit bald sechs Jahren besuchen wir die Stiftsschule Einsiedeln und stehen nun kurz vor der Matura. Weniges dürfte

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uns mehr geprägt haben als diese Zeit. Tag für Tag konnten wir uns in einem erstklassigen sozialen Umfeld mit neuem Wissen bereichern, Erfahrungen sammeln und uns so eine solide Grundlage für das künftige Studien- und Berufsleben schaffen. Mit der Zeit haben sich innerhalb, aber auch über die Klassen hinaus gute Freundschaften entwickelt, schnell ist man zum Mitglied einer grossen Familie geworden. Natürlich, es gab auch strenge Zeiten und harte Momente, doch sind sie der Preis für Erfolge und machen schöne Augenblicke umso wertvoller. Auch wenn wir die Schule meist als harten Alltag wahrnehmen, müssen wir uns bewusst sein, dass wir in den Genuss eines grossen Privilegs gekommen sind, das anderen Jugendlichen aus vielerlei Gründen vorenthalten bleibt. Die Stiftsschule hat uns in verschiedener Hinsicht viel gegeben. Davon möchten wir anderen Jugendlichen, denen der Zugang zu einer umfassenden Schulbildung erschwert ist, etwas weitergeben. Natürlich gibt es verschiedenste Wege, um unsere guten Erfahrungen weiterzugeben. Eine wesentliche Hürde für den Besuch einer Schule dürften die fehlenden finanziellen Mittel sein. Mit einem Sponsorenlauf sollen die StiftsschülerInnen die Möglichkeit erhalten, sich für jene einzusetzen, die nicht in den Genuss einer guten Bildung kommen


STIFTSSCHULE konnten. Dazu suchen die Schülerinnen und Schüler Sponsoren, die ihre Leistung mit einem selbstgewählten Betrag pro gelaufene Runde entgelten. Die so generierte Summe kommt einem zuvor bestimmten Bildungsprojekt im In- oder Ausland zu.» -BVGFOGàS/BNXBMB Nach einigen Rückschlägen und erneutem Ringen um das passende Zielobjekt – Ausdauer ist auch ein Zeichen von Reife – haben die Maturanden sich entschieden, den Sponsorenlauf zugunsten der Partnerschule Namwala in Sambia zu veranstalten. Diesen werden sie am Vorabend ihres letzten Schultages (LSD) in den Sporthallen der Stiftsschule durchführen. Soweit mir bekannt ist, ist das die erste Klasse, die ihre Dankbarkeit für die vergangenen Stiftsjahre auf diese Weise zum Ausdruck bringt. Am Ende des Schuljahres dürfen wir hoffentlich alle 6. Klässler als maturae und maturi weiterziehen lassen. Die erreichte Reifeprüfung ist aber weder ein End- noch ein Höhepunkt ihrer Reife. Die Reifung eines Menschen ist im Grunde nie abgeschlossen. So wie man vom Glauben und der Liebe nie sagen kann «Jetzt habe ich das maximale Niveau an Glaube oder Liebe erreicht, jetzt brauche ich mich nicht mehr darum zu bemühen», so versteht sich das mit der persönlichen Reife. Wohl erreiche ich in verschiedenen Lebensabschnitten gewisse Grade geistiger Reifung. Diese aber bilden nicht einen Abschluss eines Prozesses, sondern einen Ausgangspunkt für Neues. Geistige Reife eröffnet neue Wege und Tore geistigen Wachstums. Die Ausbildung an der Stiftsschule kann als geglückt betrachtet werden, wenn die maturae und maturi selber die Verantwortung für ihre Weiterbildung in allen Dimensionen ihres Lebens auf sich nehmen.

Die gezählten Tage bis zum Last School Day (Foto: Pater Cyrill Bürgi). zonte ausloten, und wir werden reifer, wenn wir diese Horizonte in der Gegenwart verankern. Ein Auge für die Not(-wendigkeiten) der gegenwärtigen Zeit, verbunden mit einem Weitblick, erzeugen in einem reifen Menschen Initiativen, sich für das Wohl dieser Welt zu verschenken, Verantwortung zu übernehmen und nichts dem Zufall zu überlassen. Natürlich besteht die Gefahr darin, dass wir verbissen an den eigenen Ideen haften oder dass ohnmächtige Situationen uns verbittern. Doch ein gewisser Grad an Reife erlaubt uns, auch wieder loszulassen und den nächsten Schritt in Angriff zu nehmen. 1BUFS$ZSJMM#àSHJ

&SXBDITFOXFSEFO Das Erwachsenwerden ist kein Addieren von Jahren und ein Produkt des Zeitenlaufs. Wir werden erwachsen, indem wir neue Hori-

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STIFTSSCHULE

Internat

/FVFT#FIFSCFSHVOHTBOHFCPU Das Internat geht im kommenden Schuljahr2013/14 in das 7. Jahr seit seiner Neueröffnung. Für Schul-, Kloster- und Internatsleitung Zeit für eine eingehende Zwischenbilanz. Wichtige Ziele, wie die Zufriedenheit der Schülerinnen und Schüler konnten in dieser Zeit erreicht werden, andere wie die Anzahl der Internen hingegen nicht.

In Zeiten von Kleinfamilien bietet unser Internat Raum und Gelegenheit, Sozial- und Selbstkompetenzen einzuüben: Verzichten, Rücksicht nehmen, seinen Platz finden. Dieses Ziel haben wir seit 2006 erreicht. Das gilt auch für die Entlastung und Hilfe für Alleinerziehende, letztes Jahr waren es sechs Interne in dieser Kategorie. Ein für die Klostergemeinschaft und für die Tradition des Internats wichtiges Ziel war und ist uns die Übernahme von Ministrantendiensten. Bis zu sechs Interne übernahmen im letzten Jahr regelmässig diese Aufgaben in der Kirche. Das Internat hat intensiv die Lernunterstützung ausgebaut. Zwei von fünf Maturanden hätten vergangenes Jahr ohne Internat die Matura nicht bestanden (Selbst- oder Elternaussagen). Und das Internat bietet ein Rückläufige Belegungszahlen: Ziel nicht erreicht. Interne 2007–2012

50 40 30 20 10 0 2007

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2008

2009

2010

2011

2012

gut ausgebautes Betreuungsangebot für den Skispringernachwuchs. Es konnten Verträge mit dem Nationalen Leistungszentrum SwissSki abgeschlossen werden («PartnerSchool»). Wir können ausserdem erfreut feststellen, dass im Internat Freundschaften fürs Leben geschmiedet werden. Nicht zuletzt bereichert das Internat die Schule und gibt ihr durch die verschiedenen Herkunftsregionen (Tessiner, Welsche…) einen nationalen Charakter. Und schliesslich bestätigte eine Umfrage im Rahmen einer Maturaarbeit einen hohen Zufriedenheitsfaktor der Schülerinnen und Schüler im Internat. ;JFMOJDIUFSSFJDIU 6STBDIFOTJOE FSLBOOU Zahlenmässig konnte das gesteckte Ziel nicht erreicht werden. Geplant waren für das fünfte Jahr nach der Wiedereröffnungsjahr 45–50 Interne. Dieses Jahr sind es weniger als 30. Es wurde eine intensive Ursachenforschung betrieben. Analysiert wurden Fluktuationen, Herkunft, Werbung, Umfrage über Zufriedenheit, Vergleiche mit anderen Internaten, Umsatz, Kosten usw. Als Hauptursachen für den fehlenden Zuwachs wurden definiert: Zunehmende Gymnasiums-


STIFTSSCHULE

Werbung für das Internat: Inserate in nationalen in regionalen Zeitungen. dichte, Verbessertes ÖV-Angebot und – man staune – die eigene Tagesschule. Unsere Tagesschule bietet eine ganztägige Betreuung an und vermindert somit den Anreiz, ins Internat zu gehen. Zu erwähnen ist auch, dass durch das Lateinobligatorium an unserer Schule wiederholt Quereinsteigern ohne Lateinkenntnisse der Übertritt verwehrt werden musste. 'MFYJCMFSVOEHàOTUJHFS Nach intensiven Vorarbeiten legte die Schulund Internatsleitung der Klostergemeinschaft folgenden Vorschlag dar, der auch angenommen wurde: Weiter mit dem Bewährten und zugleich das Angebot erweitern und flexibilisieren. Wir sind zum Schluss gekommen, dass das Internatsangebot flexibler und die Preise günstiger werden müssen, wenn wir den heutigen Bedürfnissen entgegenkommen wollen. Aus diesem Grund bieten wir ab Schuljahr 2013/14 eine allgemeine Preisreduktion von 10 Prozent an. Zugleich schaffen wir die Möglichkeit, reduziert («nach

Mass») im Internat wohnen zu können, das Internat kann semesterweise auch nur für 2–4 Nächte pro Woche belegt werden. Zusätzlich bieten neu Doppelzimmer auch für Einkommensschwächere die Möglichkeit eines Internat-Aufenthalts. 8FSCFLBNQBHOF Folgend ein Textauszug aus unserer Homepage (www.internat.stift.ch) und aus dem Werbeinserat, das in diversen nationalen und regionalen Zeitungen gesetzt wurde: «Du wohnst etwas weiter weg, aber Stundenplan und ÖV erlauben dir, ein oder zwei Abende nach Hause zurückzukehren, um dort vielleicht weiterhin im Verein mitzumachen, du möchtest nur über Winter (Nov.– März) ins Internat, du brauchst eine Rückzugszeit, um dich auch schulisch zu verbessern, oder du suchst eine kostengünstige Alternative …» Wir sind gespannt auf das Echo und gehen weiterhin optimistisch ins neue Schuljahr. 3PMBOE#VSHFOFS *OUFSOBUTMFJUFS

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STIFTSSCHULE Es ist nicht leicht, die Angaben fßr die Personalnachrichten zu bekommen. Weil aber immer wieder gesagt wird, dass die Seite interessiert, versuche ich auf verschiedene Art, an Nachrichten heranzukommen und solche zu verÜffentlichen, auch wenn sie nicht brandneu sind. Dieses Mal gab mir der 20-jährige Klassentag eine erfreuliche Ausbeute. Wer jetzt (aus Platzgrßnden) nicht erwähnt ist, wird im nächsten Heft präsent sein. 7FOFSBCJMF.POBTUFSJVN Pater Gregor Jäggi hat am 1. Januar 2013 das Amt des Stiftsarchivars ßbernommen. Zu seinem Nachfolger als Novizenmeister und Fraterinstruktor wurde auf Ostern 2013 (31. März) Pater Cyrill (Christoph) Bßrgi (1987–M 1993) ernannt. – Am 12. April ist Pater Angelo (Silvano) Zanini (1951–M 1952) gestorben. – Am 19. April wurde Pater Pascal (Patrick) Meyerhans (1955–M 1963) von der Delegiertenversammlung der Sport Union Schwyz fßr seinen 25-jährigen Einsatz als Präses zum Ehrenpräsidenten ernannt.

Provinzen. – Nicole Imesch-Stutz (1986–M 1993) hat 2011 den FMH in Allgemeiner Innernern Medizin gemacht und arbeitet seit 2010 als Hausärztin in Zßrich. – DorothÊe Rhein (1986-M 1993) ist seit 2001 Dr. med., machte 2006 den FMH fßr Innere Medizin und arbeitet seit August 2011 als leitende Ärztin fßr Notfall im Kantonsspital Nidwalden.– Fanziska Bolt (1986–M 1993) studierte 1994–2001 Humanmedizin, war 2005–2008 Vertreterin des Lassalle-Instituts in Jerusalem, studierte ab 2005 an der Fernuniversität Hagen (D) und schloss 2012 mit dem Master of Peace-Studies ab.

PERSONAL NACHRICHTEN

7JUBFNFSJUB Daniel Hauser (1983–M 1993) ist am 24. April 2012 nach der Ausbildung zum Pilot bei Edelweiss Air zum Captain befÜrdert worden. – Anton Diezi (1965–M 1967) geht am 30. April nach 30 Jahren Dienst als Pfarrer in Montlingen-Eichenwies in Pension. – Werner Kßttel, Lehrer an der Stiftsschule fßr Sport, Bildnerisches Gestalten und Nichttextiles Werken von 1980–2012 ist am 20. April 2013 von der Abgeordnetenversammlung des Sportverbandes des Kantons Schwyz zum Ehrenmitglied ernannt worden. – Othmar Baldegger (1967–M 1969) wird ab 1. Mai Pfarradministtrator der Pfarrei Montlingen-Eichenwies.– Hannes Flßck (1990-M 1995) studierte Urund Frßhgeschichte, Mittelalterarchäologie und Ethnologie in Basel und Freiburg i. B. und ist seit 2009 Assistent der VindonissaProfessur fßr Archäologie der rÜmischen

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1FOBUFT Christian Holenstein (1991–M 1993) und Doris Mende heiraten am 13. Juli 2013 in der Basilika Birnau (D). – Aisha Shaikha SchrÜter (1991– M 1997) und Stefan Birchler (1995–M 1997) freuen sich ßber ihren Sohn Simon Ibrahim, geboren am 20. April 2013. – DorothÊe Rhein (1986–M 1993) ist seit 9. August 2003 mit Erich Straub verheiratet und freut sich ßber ihre Tochter Hannah Victoria, geboren am 16. August 2012. – Franziska Bolt (1986–M 1993) und ihr Partner Roland Dähler freuen sich ßber ihren Sohn Naim Kailash, geboren am 24. November 2011. – Sonja Erny-Schuler (1986–M 1993) ist seit dem 5. Juni 1999 mit Felix Erny verheiratet und hat zwei Kinder: Matteo, geboren am 14. November 2002 und Simona, geboren 25. Nobember 2005. *OQBDF Anfangs April 2013 ist Daniel Rieber (1979– M 1986) gestorben. – Am 22. April 2013 ist Pius Frey (1947–M 1951) gestorben. 6NMJFCF"OHFIÚSJHFUSBVFSO Am 27. März 2013 ist in Sri Lanka die Mutter von Anton Gnanamuthu, Angestellter der Stiftsschule, gestorben. – Der Vater von Fritz Kälin (1975–M 1982), Thomas Kälin-Zehnder, ist am 24. April 2013 gestorben. 1BUFS"MPJT,VSNBOO


„Wer sagt Ihnen, dass eine Rübe oder ein Schwein weniger glücklich ist als Sie und ich.“

Von Tim Krohn, nach Calderón

Regie Beat Fäh

www.welttheater.ch

Das Welttheater findet im Freien statt. Das Spiel beginnt um 20.45 Uhr und dauert 1 ¾ Stunden. Parkplätze stehen zur Verfügung. Billette: Ticketcorner 0900 800 800, www.welttheater.ch, Spielbüro 055 422 16 92 (Gruppenreisen, Tageskasse). Wir freuen uns auf Ihren Besuch. Partner

Medienpartner

Tickets

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Alumni

-VTUBVG8FMUUIFBUFS Die Alumni hat ihre diesjährige Generalversammlung eingebettet in das grosse Einsiedler Thema dieses Jahres – das Welttheater. Den äusseren Rahmen dazu lieferte die aktuelle Ausstellung im Museum Fram über die Geschichte des Grossen Welttheaters von Calderòn. Auf das diesjährige Spiel liessen sich Alumni und Alumnae im Talk zwischen Pater Urban Federer und Regisseur Beat Fäh «gluschtig» machen.

Alumni, Alumnae und Gäste wurden mit einem kleinen Apéro empfangen, bevor Präsidentin Stéphanie Engels um 17 Uhr die GV eröffnete. Der Jahresbericht zeigte eine erfreulich stabile Mitgliederzahl – Ende Jahr waren es 665 Mitglieder. Weniger erfreulich war der Erfolg einzelner Events. Der Rabenball und der Alumni-Cup zur Fussball-Europameisterschaft mussten aufgrund zu weniger Anmeldungen abgesagt werden. Auf riesiges Interesse gestossen war hingegen die Besichtigung der Firma Zweifel PomyChips AG. Im Anschluss präsentierten Yvonne Beereuter (M 1991) Jahresrechnung 2012 und das Budget 2013 sowie Daniele Bürli (M 1981) einen Ausblick auf das laufende Vereinsjahr. Am 29. Juni wird die Prämierung der Alumni-GV im Museum Fram: Einführung in die Welt des Welttheaters (Foto: Dario Züger).

besten Maturaarbeiten stattfinden – neu im Rahmen der offiziellen MaturaarbeitsPräsentation der Schüler. Im Herbst schliesslich ist eine Besichtigung des Flughafens Zürich geplant. "OTUFDLFOEF-FJEFOTDIBGU Wie gewohnt bettete der Alumni-Vorstand die GV in einen attraktiven Event ein. Dieser stand im Zeichen des grossen Einsiedler Welttheaters, das im Sommer wieder auf dem Klosterplatz aufgeführt wird. Im Museum Fram ist momentan die Ausstellung «Dem Meister ein Spiel. Calderón, die Einsiedler und ihr Welttheater» zu bestaunen, sie beleuchtet die Entwicklung des Welttheaters von Pedro Calderón de la Barca seit seiner Entstehung im 17. Jahrhundert. Museumsdirektorin Detta Kälin erzählte spannende und erstaunliche Details zum Welttheater, bevor sich jeder selbst ein Bild von den Ausstellungsstücken machte. Höhepunkt des Abends war ein Talk zwischen Pater Urban Federer, Vorstandsmitglied der Welttheatergesellschaft, und Beat Fäh, der in diesem Jahr Regie führt. Die Anwesenden waren fasziniert von der enormen Passion, die der Regisseur für das Werk aufbringt. Die Lust auf den Theatersommer wurde zweifellos bei jedem im Raum wach! 'MVSJOB%FDBTQFS

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Corvina

&JOIFJTTFSLBMUFS'SàIMJOH Das Kandidatenseminar in Zürich, die Eröffnung des neuen Farbensemesters, Besuch aus St. Maurice mit sprachlicher Herausforderung und das lang ersehnte Krambambuli am 6. April versetzten die Corvina trotz des kalten Wetters in heisse Frühlingsstimmung.

Der 9. März war für die Verbindung ein ereignisreicher Tag. Am Morgen erschienen wir mit beinahe dem gesamten Fuchsenstall am Kandidatenseminar in Zürich. Der Anlass dürfte jedes noch so neue Mitglied für den Schweizerischen Studentenverein begeistert haben. Mehrere Hundert Couleurstudenten trafen sich an der Uni Zürich, um Wissen über die Entstehung, den Aufbau, die Ziele und die Angebote des Schweizerischen Studentenvereins vermittelt zu bekommen. Am Abend reisten wir alle gemeinsam nach Einsiedeln – der Schluss- und Eröffnungskommers wartete. Wir feierten bis tief in die Nacht hinein den Beginn des neuen Farbensemesters. Die SG Agaunia aus St. Maurice (Wallis) stattete uns am 29. März einen Besuch ab. Das Krambambuli wurde von Altherr Ben Wyttenbach v/o Fortissimo nach Corviner Tradition Art gebraut (Foto: Melanie Syz v/o Sega).

Sie befanden sich gerade auf ihrer alljährlichen Osterreise. Nach einer kleinen Führung durch unsere Altherrin Nadine Villiger v/o Lolli durch das Dorf mit besonderem Augenmerk auf das Kloster und die Stiftsschule trafen wir uns im Rosengarten zu einem Kreuzstamm. Der Abend bereicherte uns in vielerlei Hinsicht. Nicht nur hatten wir viel Spass und knüpften neue Kontakte, sondern wir waren sogar dazu gezwungen, unsere Französischkenntnisse aufzubessern. %BTMFU[UF,SBNCBNCVMJ Unser Krambambuli wäre bereits für Dezember geplant gewesen, musste aber wegen organisatorischer Schwierigkeiten verschoben werden. Dank dem grossen Einsatz von Collin Buckner v/o Ringo fand dann am 6. April das Langersehnte statt. Es fanden sich mehr als vierzig Leute aus der ganzen Schweiz zusammen: Wir begrüssten Gäste von der AV Fryburgia, der AV Waldstättia, der AV Techumania Sangallensis, der GV Angelomontana, der AV Turicia, der AB Glanzenburger, der AV Filetia, der AV Gundoldinger, der AV Orion und der Minerva Sangallensis. Michèle Weder v/o Aria und Julia Merz v/o Trojka wurden fuchsifiziert. Wir hoffen, dass das Farbensemester weiterhin so freudig wie bisher verlaufen wird. .BSJP3BEBWP4UàSNJ

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Klassentag Matura 1993

+BISFVOEJISF4QVSFO Es war erfreulich und interessant die ehemaligen Kolleginnen und Kollegen, die Lehrer und Patres wieder zu treffen und zu beobachten, welche Spuren das Leben in den einzelnen hinterlassen hat. Äusserlich sind einige sichtlich älter geworden und innerlich wohl auch reifer. Die Stiftsschule hat in den vergangenen 10 Jahren einige Veränderungen durchgemacht. Nach dem Gottesdienst im Oratorium hat Rektor Pater Markus sich viel Zeit genommen, uns die Entwicklung und Ausgestaltung des neuen Profils der Stiftsschule

vorzustellen. Erneuert sind auch viele Schulräume, wovon wir uns bei einem Rundgang überzeugen konnten. Die Mensa ist bunter, das Internat wohnlicher und das Musikhaus luxuriöser geworden. Das Stift lebt! Die Reform greift sogar in der Küche. Die Menüs wurden den Bedürfnissen der Schüler angepasst. Dennoch schimpfen die heutigen Studenten über den Stiftsfood wie wir damals. Am Maturatag haben wir trotzdem «unseren» Chefkoch Egon vermisst. Sind wir nur älter geworden oder doch auch reifer? 1BUFS$ZSJMM#àSHJ

Vorderste Reihe, v. l.: Daniel Hauser, Stefan Zufluh, Pater Alois, Christian Holenstein, Pater Dekan Urban, Franziska Bolt, Rektor Pater Markus, Ricarda Gisler, Petra Bamert-Studiger, Claude Fleischmann. Zweite Reihe: Marcel Oswald, Christoph Nay, Andrea Schibli-Németh, Sonja Erny-Schuler, Nicole Imesch-Stutz, Claudia Hiestand, Sarah Hess-Hechelhammer, Patricia Domann-Rimann, Bruno Peter, Marco Kälin, Marcel Landolt, Jan Marco Grebe, Pater Georg. Dritte Reihe: Pater Lorenz, Erich Züger, Réka Szalay, Dorothée Rhein Straub, Tim Kleinert, Pater Cyrill, Joep Spauwen, Pater Lukas. Hinterste Reihe: Roland Thoma, Patricia von Allmen-Geering, Andreas Rodel, Christopher Frei (Foto: Franz Kälin sen.).

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In Memoriam

3FOĂ?'FMCFS%ĂŠUXZMFS o. 

RenÊ Ernst Felber wurde am 16. Juli 1921 in und 1959 gesellte sich die dritte Tochter, BarAarau als einziger Sohn des Arztes Dr. Ernst bara, hinzu. Schliesslich wurde 1963 der erFelber und seiner Ehefrau Lina Helena Felbersehnte Sohn Georg geboren. Dieser verunBuser geboren. Er verlebte seine ersten glßckte achtjährig sehr schwer und trug eine Lebensjahre in Endingen und in Affoltern a. A. bleibende Behinderung davon. Das traf RenÊ Als RenÊ bereits die Primaschule besuchte, Felber tief und er konnte diesen Schickzog die Familie nach Kilchberg. Das Gymnasalsschlag lange nicht ßberwinden. sium besuchte er in Zßrich und Einsiedeln, Er nahm seine Tätigkeit als Hausarzt in wo er die Matura bestand. Sehr Kilchberg sehr ernst und engagern betonte er, er sei der erste gierte sich mit allen Kräften fßr reformierte Schßler in der Klosterseine Patienten. Eine Abendschule gewesen. Er pegte Konsprechstunde fßr die Angestelltakte aus der Einsiedler Zeit bis ins ten der Schokoladefabrik gehohe Alter. hÜrte auch zum wÜchentlichen Nach der Matura studierte Pensum. 1988 ßbergab er seine RenÊ Felber Medizin in Fribourg Praxis an den Nachfolger. und Basel. Dort belegte er auch Als junger Mann ist RenÊ Kunstgeschichte. 1939/1940 absolFelber Skirennen gefahren, doch vierte er die Rekrutenschule und seine grosse Passion wurde die leistete ab 1941 Aktivdienst. Er beJagd. Ihr frÜnte er zuerst in der endete seine militärische Karriere Schweiz, später weltweit. Schon als Oberstleutnant und Komder eigene Vater und auch der mandant einer Spitalabteilung. Schwiegervater waren Jäger geRenÊ Felber-Dätwyler Im Winter 1947 lernte RenÊ wesen. Seine Jagdreisen fßhrten † 5. März 2013 Felber seine spätere Gattin Frieihn viel ins Ausland. RenÊ Felber derike Dätwyler im Skilager in Zermatt näher war zudem ein passionierter Sammler von Kekennen, nachdem er bereits in der kunstgeramiken und Porzellan. Von 1963–1988 präsischichtlichen Vorlesung ein Auge auf die dierte er den Verein der Keramik-Freunde schÜne, junge Frau geworfen und sich nach Schweiz und war anschliessend bis zum Tod ihr erkundigt hatte. Erst nach fßnf Jahren des Ehrenpräsident dieser Vereinigung. In der Nacht auf den 5. März ist sein LeWartens und des erfolgreichen Studienabben zu Ende gegangen und er ist ins ewige schlusses wurde das Paar am 15. Mai 1952 in Licht eingetreten, in das ihm seine Gattin Basel getraut. Die Assistenzzeit absolvierte 2008 vorausgegangen war. RenÊ Felber im Spital in Winterthur, wo 1953 NJUH

die erste Tochter, Elisabeth, geboren wurde. 1955 erfolgten der Umzug der Familie nach Kilchberg und die Ăœbernahme der väterlichen Klinik als ambulante Praxis. Im gleichen Jahr kam Tochter Katharina in ZĂźrich zur Welt

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ST. GEROLD

,VSTVOE,VMUVSQSPHSBNNEFS1SPQTUFJ4U(FSPME ,PO[FSUF j)PSJ[POUFx Wann: Wer: Was:

Samstag, 8. Juni, 20 Uhr, BeneďŹ zkonzert GIOIA-Chor, Bludenz, Leitung: Ulrich Mayr; Musikergruppe JAZZDEBAKEL Verschiedene Sprachen, verschiedene Stile, instrumental oder vokal – eben verschiedene Horizonte.

#MFDICMĂŠTFSVOE0SHFMoj8JFXJMMJDINJDIGSFVFOx Wann: Sonntag, 16. Juni, 17 Uhr Ursache fĂźr dieB.A.C.H sympathische Begegnung Wer: Bläserensemble: Patrik Haumer, Trompete; Helmut Schuler, Trompete; zwischen Jou Urs Länzlinger, Horn; Zsolt Ardai, Posaune; Thomas Wittwer, Bassposaune; Bernhard Loss, Orgel &JOMBEVOH[VFJOFN,MPTUFSCFTVDI Was: Das Vorarlberger Ensemble spielt u. a. Werke von C. Monteverdi, D. Speer, G. Gabrieli, S. Bach, an A. Harniess und B. W. Sanders. In einem Schreiben vom 4.J.Februar die entsprechenden Redaktionen wies Abt Martin im Sinne einer Klarstellung darauf hin, .VTJLGĂ S#VSNBVOEBVT#VSNB dass in der 1075-jährigen Geschichte des Wann: Sonntag, 23. Juni, 17 Uhr100 / BeneďŹ zkonzert fĂźr burmesische Musikstudenten Klosters Einsiedeln nur knapp während BROKENzuCONSORT Roswitha Tiefenthaler, TraversÜte; Agnes JahrenWer: mehr MĂśnche EinsiedelnINNSBRUCK: gehĂśrSilbernagl, Barockvioline; Brigitta Rauschmayer-Gartner, Gambe; GĂśsta MĂźller, ten als heute (zurzeit zählt die Gemeinschaft Cembalo 76 Mitglieder), und dass das DurchschnittsalWas: Werke von B. Leclair und G. Ph. Telemann ter der Gemeinschaft seit J.ein paar Jahren QUARTETT YANGON sinkt. Wer: Noch vor GITAMEIT sieben Jahren waren die Me- (Burma) Was: Die Musikstudenten dien erstaunt, dassjungen Einsiedeln mit Martin aus Burma spielen Streichquartett-Literatur, Salonmusik, Country Jazzstandards. Werlen einen so jungen Abt hat – und er war damals 39 Jahre alt. Abt Martin ist jedoch nicht der einzige junge Verantwortungsträ*UBMJFOJTDIFT#VGGFUVOE.VTJL ger im Kloster Einsiedeln. Zurzeit zählt die Wann: Freitag, 28.das Juni,Journalisten18.30 Uhr / Konzert und Buffet â‚Ź 44.– Gemeinschabehaupten, (Reservierung: +43 5550 2121) Team hätte auch bereits mĂśgliche Termine Wer: Appenzeller Echo: Josef Remper, Geige, Akkordeon; fĂźr ein vorausgehendes Trainingscamp disBenjamin Remper, Hackbrett; Piano; Walter Neff, Bass kutiert‌ Was: Verschiedene Appenzeller-Stilrichtungen in Reinkultur. 1BUFS,PMVNCBO3FJDIMJO Einlagen aus anderen Ländern wie Kaffeehausmusik, Swing, Tango, Blues, Ungarisch, Russisch, Irish, Cajun, Latin usw. 5SPNQFUF 0SHFMVOE(FTBOH Wann: Wer:

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Sonntag, 30. Juni, 17 Uhr / BeneďŹ zkonzert Edson Cordeiro, Counter-Tenor; Otto Sauter, Trompete; Christian Schmitt, Orgel


ST. GEROLD 7JPMJOFVOE,MBWJFS Wann: Wer: Was:

Sonntag, 7. Juli 17 Uhr Mykhaylo Zakharov, Violine; Illya Buyalskyy, Klavier Werke von W. A. Mozart, B. Bartok, L. v. Beethoven, R. Schumann

,BNNFSLPO[FSUNJUEFN%PSFNJT&OTFNCMFEFS8JFOFS4ZNQIPOJLFS Wann: Wer:

Was:

Sonntag, 28. Juli, 17 Uhr Karl-Heinz Schßtz, FlÜte; Claire Dolby, Violine; Matthias Honeck, Violine; Vera Regersberg, Viola; Peter Siakala, Violoncello; Ernst Weissensteiner, Kontrabass; Johannes Hämmerle, Cembalo Werke von C. Ph. E. Bach und J. S. Bach. – Im Anschluss an das Konzert lädt Daniela Fabianek zur Degustation im Weinkeller der Propstei ein (Weinverkostung gratis).

j1PFUSZJO.PUJPOx Wann: Wer: Was:

Freitag, 9. August, 20 Uhr Pierre Favre Mit Pierre Favre auf den Spuren des Klanges: Der Perkussionist als Poet, der Schlagzeuger als Klangmaler, der Komponist als Geschichtenerzähler und der Improvisator als ĂœberlebenskĂźnstler.

7PSUSBH j4QJSJUVBMJUĂŠUBN-FCFOTFOEFx Wann: Wer: Was:

Sonntag, 16. Juni, 11.15 Uhr / Kinderhßtedienst Abt Martin Werlen, Kloster Einsiedeln Die Palliativstation am Landeskrankenhaus Hohenems feiert 2013 ihr 10-jähriges Jubiläum – eine gute Gelegenheit, eine breite Öffentlichkeit fßr dieses Thema zu sensibilisieren. Abt Martin Werlen wird sich in seinem Referat mit dem Thema Alter, Krankheit, Tod und der Frage nach Spiritualität am Lebensende auseinandersetzen.

"VTTUFMMVOH j/FJHFEBT0ISEFJOFT)FS[FOTxo7FSOJTTBHF Wann: Wer: Was:

Samstag, 13. Juli, 16 Uhr Pater Jean-SÊbastien Charrière, Kloster Einsiedeln Mit Farben, Formen, Symbolen und Themen in vielfältigen Stilen gibt der Kßnstler seinen Erfahrungen Ausdruck zum Thema Neige das Ohr deines Herzens!, mit dem die Regel des hl. Benedikt beginnt.

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ST. GEROLD

,VSTF %BTNFOTDIMJDIF)FS[o5PSJOTJOOFSF(FIFJNOJTEFS4DIÚQGVOH Wann: Was:

14.–16. Juni Im Ankommen in den eigenen Herzräumen entdecken wir in geführten Meditationen die Fülle und den Reichtum der Kraft der Liebe. Wir lernen mit einfachen Techniken, die Meditationen in unserem Alltag anzuwenden und zu vertiefen. Leitung: Maya Bandelier, Therapeutin und Meditationsleiterin, Buchs SG/CH Kosten: Kurs € 210.– / Pension € 152.– bis € 172.– ;&/o4FTTJO Wann: Was:

12.–16. Juli Zen ist eine Jahrtausende alte Form gegenstandsfreier Meditation, ohne Bild, ohne Konzept – ein spiritueller Weg der Einübung in die unmittelbare Erfahrung dessen, was ist. Das japanische Wort «Zazen» heisst wörtlich übersetzt «Sitzen in Versunkenheit» und ist die wichtigste Übung im Zen. Dabei geht es darum, mit unserer Essenz in Kontakt zu kommen, um aus dieser Mitte heraus unseren Alltag zu gestalten. Es ist ein Lebensweg, der den Menschen von innen her verwandelt. Übungen und persönliche Gespräche unterstützen diesen Prozess. Leitung: Edith Breuss, Zen-Lehrerin, Psychotherapeutin, Feldkirch Kosten: Kurs € 140.– / Pension € 264.– bis € 304.–

"VGCSVDI[VS-FCFOTGSFVEFo#JMEIBVFSOJO4UFJO Wann: Was:

28. Juli–1. August Unser gemeinsamer schöpferischer Weg mit Hammer und Meissel in den Händen ist kein Kräftemessen mit dem Stein, sondern wir schliessen Freundschaft mit einem besonders geduldigen Gegenüber. Unsere Emotionen, Gefühle und Sorgen übergeben wir der ruhigen Gegenwart des Marmors. Im Gegenzug erfahren wir, wie unsere Visionen greif- und begreifbar werden und geben ihnen Festigkeit und Dauer mit unserer klaren, neu gewonnenen Gestaltungskraft. Leitung: Christian Koller, Bildhauer, Pöndorf/A Kosten: Kurs € 270.– / Material € 50.– bis 65.– / Pension € 304.– bis € 344.–

j3IZUINFFO.PVWFNFOUx Wann: Was:

5.–10. August Dieser Kurs ist nicht nur für Schlagzeuger und Percussionisten bestimmt, sondern für alle, welche sich für das Phänomen Rhythmus interessieren, mit diesem vertraut werden, es bewusster leben und in alltägliche Bewegung, Abläufe von Gedanken, Zielsetzungen und Tun integrieren möchten. Technische Möglichkeiten und Probleme werden selbstverständlich eingehend besprochen und praktisch geübt. Leitung: Pierre Favre, Zürich/CH Kosten: Kurs € 250.– / Pension € 380.– bis € 430.–

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ST. GEROLD &JOHBO[QFSTĂšOMJDIFT5IFBUFSTUĂ DLFOUTUFIU Wann: Was:

11.–15. August Jede(r) Teilnehmende bringt etwas mit, woran er/sie gerne arbeiten mÜchte: einen Text, eine beobachtete oder selbst erlebte Situation, ein Kostßmteil, eine Geste, ein Satz, ein Wort: kurz etwas, das aus irgendeinem Grund interessiert. – Durch das gemeinsame Spielen und Improvisieren entsteht daraus im Laufe der Tage eine Geschichte, eine kleine Auffßhrung, die jede(n) betrifft; ein vielschichtiges berßhrendes Panorama, das ßberraschende Bezßge schafft und PersÜnliches in einem anderen Kontext neu entdecken und betrachten lässt. Theaterarbeit fÜrdert so ganz wesentlich das persÜnliche Wachstum und die spirituelle Erfahrung des ganz in der Gegenwart sein. Wir lernen individuelle AusdrucksmÜglichkeiten kennen. Gleichzeitig erfahren wir, wie Theater funktioniert und Spielen Spass macht. Das Schauspielseminar richtet sich an Anfänger und Fortgeschrittene. Leitung: Martin Spitzweck, Theaterpädagoge und Schauspieler, Mßnchen/D Kosten: Kurs ₏ 235.– / Pension ₏ 304.– bis ₏ 344.–

ĂƒCFONJU-FJDIUJHLFJUo.FOUBMFT5SBJOJOHJOEFS.VTJL&JOGĂ ISVOHTLVST Wann: Was:

15.–18. August Aufgeregt vor einem Auftritt? MĂźhe bei schwierigen Stellen? Schmerzende Schultern? MĂźde Augen? Vergesslichkeit? – Mentales Lernen in der Musik ist eine junge Methode, fĂźr die Erfahrungen aus dem Sport weiterentwickelt und die neuesten Erkenntnisse aus der Hirnforschung nutzbar gemacht wurden. Im Kurs lernen wir, die mentale Methode auf unsere individuellen BedĂźrfnisse anzuwenden, und entdecken nĂźtzliche Hilfsmittel, um das Ăœben mit wenig Aufwand sinnlicher und effektiver weiter zu entwickeln. – Damit die Spielfreude nicht zu kurz kommt, ist ein Teil des Kurses auch fĂźr das gemeinsame Musizieren reserviert. Der Kurs richtet sich an Musikantinnen und Musikanten ab drei Jahren Spielerfahrung. Leitung: Barbara Schirmer, Musikerin, Hackbrettlerin, dipl. Mentaltrainerin in Musik bei Tanja Oroff-Tschekorsky Kosten: Kurs â‚Ź 290.– / Pension â‚Ź 228.– bis â‚Ź 258.–

+B[[8PSLTIPQ Wann: Was:

18.–23. August Schwerpunkt dieses Workshops ist das Verstehen und Spielen von Jazz unter Berßcksichtigung der Wurzeln, von ethnischen Einßssen bis zu den amerikanischen Musicals, sowie die Fortsetzung der Entwicklung. In unterschiedlichen Formationen setzt man das soeben Gelernte gleich spielerisch um oder lernt während des Spielens die Theorie zu verstehen. Der Kurs ist somit fßr Notisten ebenso sinnvoll wie fßr GehÜrmusiker. Leitung: Wolfgang Lackerschmied, Augsburg/D Kosten: Kurs ₏ 250.– / Pension ₏ 380.– bis ₏ 430.– Anmeldung und weitere Infos: Tel. +43 (0)5550 2121 / propstei@propstei-stgerold.at

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(Foto: Liliane GĂŠraud)

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KLOSTER FAHR

PSHFOCMÛIU XBTXJSIFVUFTÅFOv Dieser Satz steht als Leitgedanke ßber dem Frßhlingskurs unserer Bäuerinnenschule. In den vergangenen zwanzig Jahren hatte jeder Kurs seinen eigenen Spruch, welcher die Kursteilnehmerinnen und Lehrpersonen während der Kurszeit begleitete und bei verschiedenen Gottesdiensten und Anlässen wie Kursanfang, Ausstellung oder Ehemaligentage inspirierte. Der Kursspruch stiftet Identität weit ßber die Kurszeit hinaus. Ich staune immer wieder, wie einzelne Ehemalige ihren Kursspruch verinnerlicht haben. Die Wahl des Kursspruchs fßr den Frßhlingskurs 2013 ist uns nicht leicht gefallen. Gibt es doch an diesen Spruch verschiedene Anforderungen: Erstens soll der Leitspruch die Kursteilnehmerinnen ansprechen und motivieren. Zudem soll dieser Leitgedanke fßr den letzten Kurs auch das Vollenden unserer Bäuerinnenschule aufnehmen und abrunden.  j.PSHFOCMÛIU XBTXJSIFVUFTÅFOv Fßr alle, die selber einen Garten bewirtschaften, ist dies ein sehr handfester, anschaulicher Leitgedanke. Während der Zeit im Fahr konnten alle Absolventinnen selber erfahren und staunen, wie winzige SamenkÜrner keimen, Blätter und Knospen treiben und Blßten hervorbringen. Ja, die Gärten im Fahr und unzählige (Bauern)Gärten sind eine wunderschÜne Blßtenpracht in unserer Landschaft; sie sind der Lohn fßr Sorgfalt und Mßhe, fßr vertrauensvolles Arbeiten. In unserem Lebens-Garten ist es uns oftmals vergÜnnt, die Blßten unserer Saat zu bewundern. Das kann manchmal zermßrbend und kräfteraubend sein. Und gerade da will uns dieser Leitgedanke Mut machen und uns anspornen. Was immer wir säen, irgendwann und irgendwo wird es blßhen, auch wenn wir es nicht sehen. Es ist unsere Aufgabe die Zeit in der wir leben mitzugestalten, damit die Welt nicht verdorrt und die Menschen nicht verkßmmern, sondern aufblßhen. Unsere SamenkÜrner, ob in Beruf und Familie, in ehrenamtlicher Tätigkeit, kÜnnen sehr vielfältig sein: ein offenes Ohr, ein ermutigendes Wort, ein warmer Händedruck, eine tatkräftige Unterstßtzung‌ Nicht selten sind es die zufälligen, unscheinbaren SamenkÜrner, die auf fruchtbaren Boden fallen. Schon Üfters hat sich bei mir jemand fßr ein Wort bedankt, das ich nur in einem Nebensatz sagte und selbst schon längst vergessen hatte.  j.PSHFOCMÛIU XBTXJSIFVUFTÅFOvUnsere Welt ist voller Blumen! Öffnen wir unsere Augen, damit wir das Spriessen und Gedeihen, auch kleiner unscheinbarer Blßten in unserem Leben und um uns herum entdecken und sehen! All diese Blumen ermutigen uns, grosszßgig zu säen, denn in jeder Blßte reifen wiederum unzählige SamenkÜrner! Liebe Leserinnen und Leser, ich wßnsche Ihnen allen Kreativität beim Säen und viel Freude ßber all das, was in diesen Sommertagen blßht! Ihre

Priorin Irene Gassmann

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24 Stunden an der Bäuerinnenschule

j.PSHFOCMàIU  XBTXJSIFVUFTÊFOx Voll-Endet – es ist der letzte Kurs. Nach 69 Jahren schliesst die Bäuerinnenschule im Kloster Fahr im Sommer ihre Tore. Susann Bosshard-Kälin hat sich 24 Stunden an die Fersen der Schßlerinnen gehängt und sich im April ein Bild des aktuellen Frßhlingskurses 2013 gemacht, der unter dem Motto steht: Morgen blßht, was wir heute säen.

 6IS Gruppe ÂŤBlauÂť kann das erste Mal in den Schulgarten: Endlich‌ nach einem total verregneten FrĂźhling. Rote Bellis, GrĂźndĂźngung da und dort sowie Erdbeerstauden vom letzten Jahr! Die Beete liegen brach. Schwester Beatrice Beerli, der GartenproďŹ , freut sich sichtlich, die Frauen fĂźr den Hausgarten zu begeistern. Sie zeigt, wie die Beete hergerichtet werden: 1.20 m breit und immer vorwärts auockern und hacken. Die

Absolventinnen haben Zeit zum Ăœben, auch zum Erdbeerstauden Putzen und Spargeln DĂźngen. Das Thema Fruchtwechsel wird kurz angeschnitten: ÂŤRĂźebli nie nach Sellerie und FenchelÂť, erklärt Schwester Beatrice. 6ISMiachaela Loretz aus dem urnerischen Bristen erntet zum ersten Mal Spinat. Gewachsen ist er im Tunnel entlang der Klostermauer. ÂŤSo was gedeiht bei uns oben

Schwester Beatrice, Garten-Profi, und Michaela Loretz, Absolventin der Bäuerinnenschule.

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Salate, gewachsen im Tunnel ‌ exakte Gartenbeetli ‌ Schnupfen als Pausenritual oder VanilleDessert ‌ und später ÂŤWäschepflegeÂť bei Kerstin KĂśnig (alle Fotos: Susann Bosshard-Kälin). nichtÂť. Der frische Spinat steht auf dem MenĂźplan fĂźr Freitag, er kommt in die Lasagne. 6IS; Pause fĂźr die ÂŤBlauenÂť: Vanillecrème mit FrĂźchten ist angesagt, dazu Kaffee und fĂźr ein kleines GrĂźppchen obendrein Apricot-Schnupftabak. ÂŤDas ist ein RitualÂť, heisst‘s unisono.

Erwachsenenbildnerin, das Thema waschaktive Stoffe. ÂŤOhne waschaktive Substanzen geht‘s nicht. Diese setzen die Wasserspannung herunter, damit das Wasser den Schmutz besser von den Fasern der zu reinigenden Oberäche lĂśsen kann.Âť Theoretisches Wissen, das später im Alltag nĂźtzt. Aus dem Schulzimmer geht der Blick hinaus auf die Limmat; keine Zeit zum Träumen!

 6IS Die Grßnen besprechen im Schulzimmer im Fach Wäschepege bei Kerstin KÜnig, der Agrar-Ingenieurin und

 6IS Thema ÂŤHaushaltsfĂźhrungÂť fĂźr die ganze Klasse; 28 Frauen lassen sich von Manuela Frei, der Modulverantwortlichen,

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Aktiver Unterricht mit Gruppenarbeit bei Manuela Frei ‌ in ihren Stunden darf gestrickt werden ‌ in den zwanzig Kurswochen sammelt sich viel Wissen auch zwischen Ordnerdeckeln an. ßber Licht als Gestaltungsmittel in der Wohnung informieren. Welches Licht wo platzieren? Später Diskussion in sieben Gruppen und Präsentation am Flipchart vor der Klasse: mÜgliche Lichtkonzepte in Bad, Schlafzimmer. Am Schluss der Lektion um 18.00 Uhr erinnert Manuela Frei daran, dass nächste Woche der Besuch bei einem Kßchenbauer auf dem Programm steht. 6ISNachtessen im Speisesaal, gleich neben der Schulkßche. Schwester Beatrice

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ist zu Gast, auch die Leiterin des Mittwochabend-Ateliers, Kathrin Gubler. GemĂźsegratin und Polenta mit dem letzten klĂśsterlichen Rosenkohl aus dem TiefkĂźhler stehen auf dem MenĂźplan. Gekocht haben die ÂŤGrĂźnenÂť; nun ist’s aufgewärmt. Die Schulreise vom 2. Mai ins Appenzellische ist das Hauptthema des Abends. 7POCJT6ISysteht die Werkund Handarbeitslehrerin den Fahrer-Frauen mit Rat und Tat zur Seite. Das Angebot reicht


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Irene Barmettler beim Stricken; in der Freizeit sind Handys erlaubt ‌ Mittwochatelier mit Kathrin Gubler (links); Schmuckgestalten, Schnitzen oder Brennen ‌ frisches Brot zum Frßhstßck. von LÜten, Plexiglas-Bearbeiten, Bienenhotel-Fabrizieren bis zu Glasperlen- und FimoSchmuck. Traditionsgemäss ist Brennen, Glasritzen und Schnitzen hoch im Kurs im Fahr. Irene Barmettler aus Buochs im Kanton Nidwalden strickt sich einen Schal, eine Kappe dazu‌ der nächste Winter kommt bestimmt! Im Aufenthaltsraum (und in den Zimmern) gibt’s WLAN; während des Schulalltags haben die Handys abgestellt zu sein. Nach 22 Uhr wird es ruhig im Haus. Einige studieren in den Zimmern, nehmen die

Handarbeit mit, schlafen bald. Die Tage in der Bäuerinnenschule sind lang. Zweimal fĂźnf Lektionen täglich fordern. Dazu die ÂŤĂ„mtliÂť, von Staubsaugen bis WC-Putzen, Waschen und BĂźgeln – der Grosshaushalt wird vom Kurs selber gefĂźhrt. "C6ISy wird das FrĂźhstĂźcksbuffet von der Gruppe ÂŤBlauÂť zubereitet, Brot aufgewärmt; Yoghurt, Cornakes, Frischkäse, FrĂźchte, Butter und KonďŹ tĂźre Ă  discretion stehen auf dem Tisch. Und natĂźrlich heisser

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Nach der Morgenlektion ... die Kßrchenschßrze umbinden ... Menß-Inspirationen in Hßlle und Fßlle ... Zwiebeln schneiden! Verena Keller, Fachlehrerin Ernährung/Verpflegung, zeigt, wie's einfach geht. Kaffee – der weckt die Lebensgeister. Ein paar der Frauen steigen bereits mit schmutziger Wäsche in den Keller hinunter; die wird dann in der grossen Pause aufgehängt werden. 6ISFamilie und Gesellschaft steht auf dem Stundenplan bei Kerstin KÜnig. Es geht um das Thema nonverbale Kommunikation und Konikte. Lebensnah und spannend ist der Unterricht. Die Frauen sind trotz frßher Morgenstunde aktiv und interessiert.

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6ISDie Gruppe Blau hat Kßchendienst. Verena Keller, die erfahrene Fachlehrerin fßr Ernährung und Verpegung, präsentiert das Tagesmenß und den Zeitplan: Gekocht wird fßr den ganzen Kurs – der TipTopf ist griffbereit – Frßhlingssalate, Saftplätzli, KnÜpi, Wurzelgemßse gibt’s heute; die Radiesli haben wir am 25. Februar gesät und jetzt, in der 7. Woche unserer Ausbildung, kommen sie auf den Salat, meint Julia Widmer, ausgebildete Landwirtin aus Eschenbach LU, die sich noch zur Bäuerin


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Die ersten frische Radiesli aus dem Klostergarten ... Fleisch anbraten wie die Profis ... der FrĂźhlingssalat als Teamwork und das BĂźgeln nicht vergessen. ausbilden lässt. Zwiebeln richtig schneiden, Fleisch im Saft auf Mittelhitze dämpfen, daneben Rouladen mit verschiedenen FĂźllungen zubereiten und die Kniffs und Tricks fĂźr feine KnĂśpi ‌ frau hilft sich gegenseitig. 6ISDer Gong ertĂśnt. Die ÂŤGrĂźnenÂť kommen aus dem Schulzimmer; die Gartenlektion mit Schwester Beatrice musste leider drinnen stattďŹ nden, es regnet, mit Salatsetzen war nix – dafĂźr wissen die jungen Frauen jetzt, wie das Erdbeeren-Vermehren

geht. Alle freuen sich aufs Mittagessen, die ÂŤBlauenÂť sind im Endspurt fĂźrs Anrichten. Guten Appetit! 6ISDie KĂźchengruppe ÂŤBlauÂť wäscht ab, räumt die KĂźche auf. Bis zum nächsten Schultermin um 14.00 Uhr heisst‘s fĂźr die ÂŤĂ„mtli-GruppeÂť: Schulzimmer putzen, den ÂŤKilometer-GangÂť aufnehmen und BĂźgeln. Auf weitere dreizehn spannende Kurswochen! 4VTBOO#PTTIBSE,ĂŠMJO

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Mitgliederversammlung des Vereins «Pro Kloster Fahr»

(SPTTF6OUFSTUàU[VOHGàSEJF 4DIXFTUFSOHFNFJOTDIBGU An der 5. Mitgliederversammlung führten die Präsidentin, Verena Zehnder, Priorin Irene Gassmann und der neue Kassier Franz Horner durch den «geschäftlichen Teil». Im anschliessenden Orgelkonzert der ehemaligen Lehrerin und Chorleiterin der Bäuerinnenschule, Judith Gander-Brem, erwartete die Mitglieder eine Überraschung der besonderen Art. Abgerundet wurde der Anlass wie immer mit einem geselligen Vorabendimbiss und der Vesper als Abschluss. Mittlerweile zählt der Verein «Pro Kloster Fahr» 523 Mitglieder. Davon haben sich 121 in so genannten Arbeitsgruppen eingeteilt und gehen in diesen dem Kloster tatkräftig zur Hand. Die Arbeitsgruppe «Mittelbeschaffung», bestehend aus Josef Bürge, Ruedi Kalt, Germain Mittaz, Peter Wiederkehr und Carlo Galmarini, beschäftigen sich sehr erfolgreich mit der Suche nach finanziellen Mitteln für die anstehenden Renovationen des Klosters. Bisher sind über sieben Millionen Franken eingegangen. Damit konnte, wie Priorin Irene Gassmann an der Versammlung ausführte, nicht nur die alte Schnitzelheizung ersetzt, sondern auch mit der ersten Etappe des Umbaus begonnen werden. #FHJOOEFT6NCBVT Er wird in drei Etappen ausgeführt. Begonnen wurde im Propsteitrakt. Neben der dringend notwendigen Sanierung der Elektroanlagen werden auch die Räume wieder in neuem Glanz erscheinen und dank der grosszügigen Spende des Kantons Aargau auch gleich die Fenster ersetzt werden können. Nach diesem Flügel wird voraussichtlich im November mit dem Pforten- und im Frühjahr 2014 mit dem Konventtrakt fortgefahren.

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Aber die Arbeitsgruppe «Mittelbeschaffung» wird in ihren Bemühungen auch grosszügig von den Vereinsmitgliedern unterstützt, 300'000 Franken kamen allein aus diesen Reihen zusammen. Priorin Irene war einmal mehr voller Dank für die Sympathie und Unterstützung, die die Schwestern immer wieder durch die Vereinsmitglieder erfahren dürfen. 5ÊUJHLFJUFOJNWFSHBOHFOFO+BIS Im vergangenen Jahr organisierte der Verein für das Kloster Fahr den «Tag der offenen Türen». Zahlreiche Mitglieder bauten den Festplatz auf, führten die Besucher zu den Die Turnhalle der Bäuerinnenschule eignet sich auch bestens als Versammlungslokal.


KLOSTER FAHR einzelnen Bereichen und räumten danach in Windeseile alles wieder ab. Auch bei der Organisation des Grossanlasses mit gegen tausend Besuchern halfen Vereinsmitglieder. Im Herbst organisierte der Verein die CDTaufe von Carl Rßtti und dem Badener Vokalensemble. Der Verein unterstßtzt zudem das neu entstehende Buch Schweizer Bäuerinnen. Eine Schule fßrs Leben. Das Buch steht im Zusammenhang mit der Vollendung der Bäuerinnenschule und soll nächstes Jahr erscheinen. Die Autorin Susann Bosshard-Kälin beschreibt darin das Leben von Absolventinnen der Bäuerinnenschule und den Einuss, den das Kloster Fahr auf sie hat.

Präsidentin Verena Zehnder im Gespräch mit Vizepräsident Robert NietschkÊ.

;VLĂ OGUJHF"VGHBCFO In diesem Sommer soll das Abschlussfest der Bäuerinnenschule stattďŹ nden. Einmal mehr setzt sich das Organisationskomitee aus Vereinsmitgliedern zusammen. Erwartet werden rund 1400 Gäste und auch diese sollen von Vereinsmitgliedern betreut und bedient werden. DafĂźr wurde an der Mitgliederversammlung heftig geworben, es wird damit gerechnet, dass gegen 120 Helfer benĂśtigt werden. Ausserdem hat die Mitgliederversammlung beschlossen, 30'000 Franken an die Renovation der Stuckdecke in der Propsteistube zu bezahlen. NatĂźrlich sind das nur die absehbaren Projekte, die den Verein im neuen Vereinsjahr beschäftigen werden. Die Erfahrung hat gezeigt, dass der Vorstand immer sehr exibel reagieren muss, da Anliegen aus dem Kloster sich immer wieder sehr kurzfristig ergeben. Die Mitgliederversammlung hat daher dem Vorstand grosszĂźgigerweise grĂśsstmĂśgliche Flexibilität gewährt. 4BMWF3FHJOB Nach dem geschäftlichen Teil wartete ein ganz besonderer Leckerbissen sowohl kultureller als auch kulinarischer Art auf die Mitglieder. Die ehemalige Lehrerin und Chorleiterin der Bäuerinnenschule, Judith

Aufräumen nach Versammlungsschluss: Auch das gehĂśrt zur Hilfsbereitschaft der Freunde des Klosters Fahr (Fotos: Sina Huber). Gander-Brem aus Stans spielte ÂŤJesu, meine FreudeÂť von Johann Sebastian Bach sowie das Präludium in G-Dur von Nicolaus Bruhns auf der Grossen Orgel. Eine besondere Ăœberraschung erwartete die ZuhĂśrer jedoch aus den Reihen der Schwestern: die Choralschola (die Schwestern Veronika Odermatt, Christa Haslimann, Ruth Tresch und Priorin Irene Gassmann) sang das Salve Regina von Pieter Cornet in Begleitung der Organistin an der Chororgel. Im anschliessenden Vorabendimbiss wurden die Mitglieder einmal mehr mit besonderen Leckerbissen und hauseigenem Wein verwĂśhnt. Zum Abschluss des Nachmittags fand man sich wieder in der Kirche ein, um zusammen mit der Schwesterngemeinschaft die Vesper zu beten. 7FSFOB)VCFS)BMUFS

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KLOSTER FAHR 7FSNÊIMVOHFO ;V(PUUIFJNHFHBOHFO 1.Juni 2013, Sonja Zwyssig und Sepp Bar&IFNBMJHF4DIàMFSJO mettler, Agglital, 6374 Buochs (FK 10). – 29. Theres Suter-Kaufmann, Birmenstorf (WK Juni 2013, Daniela Moos und Richard Brun53/54). – Annemarie Koller-Scherer, Winikon ner, Herbrig, 6026 Rain (FK 11). – 14. Septem(WK 60/61). ber 2013, Angela Sturzenegger und Julian .VUUFSWPO Burkhard, Schnurrberg, 8488 Turbenthal Margrit Amstutz-Krebs, Beinwil (SK 69). – (HK 05/06). – 5. Oktober 2013, Helen Hauser Antoinette Habermacherund Werni Pfyl, Haslaubstrasse 2, 8824 SchÜnenberg Krebs, Rickenbach (SK 70). NACHRICHTEN (HK 09/10). – 19. Oktober – Schwester Jacoba Suter, DER EHEMALIGEN Rheinau (WK77/78). – Vroni 2013, Renate Kempf und Markus Fuchs, ObereuthaPeterhans-Suter, Kßnten lerstrasse 3, 8844 Euthal (FK 11). (WK 85/86). (FCVSUFO 31. Januar 2013, Christian, Andrea und Karl Fischer-Diener, Udligenswil (FK 02). – 17. März 2013, Ljana, Brigitte und Pirmin TreschSchelbert, Bristen (FK 07). – 22. März 2013, Marco, Myrta und Martin Betschart-Annen, Morschach (HK 02/03). – 20. April 2013, Carlo, Andrea und Richi Schilter-Jauch, Erstfeld ( FK 04). – 28. April 2013, Flurin, Sereina und Peter Rust-Hofmann, Walchwil (99/00).

7BUFSWPO Annamarie Werffeli, Dällikon (FK 03). – Edith Herger, Bßrglen (FK 09). – Bernadette Herger, Spiringen (FK 13). – Schwester Matthäa Wismer, Kloster Fahr (SK 65). – Brigitte Rßegg-Wismer, Frauenfeld (WK 77/78). (BUUFWPO Ruth VÜgeli-Bächler, Leibstadt (WK 75/76). 4DIXFTUFS.JDIBFMB1PSUNBOO

Adressen ,MPTUFS'BIS1SJPSBU 8109 Kloster Fahr Telefon: 043 455 10 40 E-Mail: info@kloster-fahr.ch Homepage: www.kloster-fahr.ch 8FJOLFMMFSFJ Verkauf ab Keller Samstags: 08.00–11.30 Uhr 13.00–15.00 Uhr Telefon: 043 455 10 47 E-Mail: kellermeister@kloster-fahr.ch Homepage: www.kloster-fahr.ch

1BSBNFOUFOXFSLTUBUU 8109 Kloster Fahr Telefon: 043 455 10 43 Fax: 043 455 10 41 E-Mail: paramenten@kloster-fahr.ch Homepage: www.kloster-fahr.ch 3FTUBVSBOUj;VEFO;XFJ3BCFOx 8109 Kloster Fahr Telefon: 044 750 01 01 E-Mail: restaurant@kloster-fahr.ch Homepage: www.kloster-fahr.ch

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)FSS EVIBTUEJF8FMUHFTUBMUFU Herr, du hast die Welt gestaltet, dass sie sich in dir entfaltet: Dir sei Lob und Dank! Was ersteht, was vergeht, was sich jauchzend um dich dreht, ist dein! Herr, du bist zur Welt gekommen, hast sie in dich aufgenommen: Dir sei Lob und Dank! Bliebest hier, wohnst in ihr, um ein armer Mensch wie wir zu sein.

Dann erblüht sie und glüht, denn der ganze Himmel zieht herein.

Silja Walter OSB 66

(Foto: Liliane Géraud)

Herr, so lass dein Werk gelingen, lass den Geist die Welt durchdringen: Dir sei Lob und Dank!


KALEIDOSKOP

Veranstaltungskalender Kultur (BOHĂ CFSEJF1TBMNFOCSĂ DLF 8BT

8BOO 8P -FJUVOH ,PTUFO "ONFMEVOH

Wir lassen uns jeweils von einem ausgewählten Psalmvers inspirieren und vertiefen diesen im Kreativatelier. Den Abschluss bildet die gemeinsame Vesper mit der Klostergemeinschaft Fahr. 22. Juni 2013, 14.00–18.15 Uhr Kloster Fahr Priorin Irene Gassmann, Kloster Fahr, und Schwester Veronica Metzger, Kloster Ingenbohl CH 15.– bis 12. Juni 2013 an info@kloster-fahr.ch Weitere Infos: www.kloster-fahr.ch/Kultur/Angebote

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Sonntag, 23. Juni 2013, 17.15 Uhr Grosser Saal, Kloster Einsiedeln Leitung: Adeline Marty Freier Eintritt – Kollekte

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Sonntag, 7. Juli 2013, 9.30 Uhr Klosterkirche Einsiedeln, Konventamt Sonntag, 7. Juli 2013, 20.15 Uhr Klosterkirche Einsiedeln, Konzert Silas Wollston

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Dienstag, 16. Juli 2013, Pater Theo Flury, Einsiedeln/Rom Dienstag, 23. Juli 2013, Pater Lukas Helg, Einsiedeln, und Emanuel Helg, Frauenfeld Dienstag, 30. Juli 2013, Pater Theo Flury, Einsiedeln/Rom Dienstag, 6. August 2013, Pater Ambros Koch, Einsiedeln, mit Claude Rippas, Trompete Dienstag, 13. August 2013, Pater Theo Flury, Einsiedeln/Rom, mit Bläserensemble Brass Power Dienstag, 20. August 2013, Willibald Guggenmoos, St. Gallen


KALEIDOSKOP

Kultur #FHJOO 8P 8FJUFSFT*OGPT

Jeweils um 20.15 Uhr (20 Uhr: Nachtgebet der MÜnchsgemeinschaft) Klosterkirche Einsiedeln Freier Eintritt – Kollekte www.orgelkonzert.ch Das detaillierte Programm der Einsiedler Orgelkonzerte kÜnnen Sie gratis beim Wallfahrtsbßro anfordern unter E-Mail: wallfahrt@kloster-einsiedeln.ch oder Tel.: 055 418 62 70 (Mo–Fr 09.00–11.00 / 13.30–16.00 Uhr)

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8BOO 8P

Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter zwischen 16 und 30 Jahren steht eine Schreibzelle zur VerfĂźgung, um fĂźr zwei Tage im Rhythmus der Benediktinerinnen und in der Stille des Klosters dem persĂśnlichen Suchen nach Gott und nach dem Sinn des Lebens Raum zu geben und an einem ÂŤFahrer-Psalmen-BuchÂť mitzuschreiben. Jederzeit (Anmeldung erforderlich) Kloster Fahr Weitere Infos und Anmeldung: www.kloster-fahr.ch

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KALEIDOSKOP

Edzard Schaper – «Dichter des 20. Jahrhunderts»

j,BUIPMJTDIFSPSUIPEPYFS -VUIFSBOFSx Der Schriftsteller Edzard Schaper (1908–1984) wurde von Hitler und Stalin zum Tode verurteilt und verbrachte einen großen Teil seines Lebens als Flüchtling zwischen den totalitären Regimen von Ost und West. Seine Bücher verkauften sich millionenfach und wurden in viele Sprachen übersetzt. Heute ist er noch mit drei schmalen Bändchen im Buchhandel präsent und jedenfalls beim grossen Publikum ein Unbekannter. Uwe Wolff veröffentlichte eine packende Biographie über den in Einsiedeln gefirmten Autor, der seine letzte Lebensphase in der Schweiz verbrachte. Auf Mittwoch, 7. November 2012, lud das Institut für Ökumenische Studien der Universität Freiburg in der Schweiz – es steht unter der Leitung des jetzigen Rektors der Universität Fribourg, Prof. Dr. Guido Vergauwen – zu einem Empfang in die Päpstliche Nuntiatur in Bern ein. Unter Mitwirkung von Erzbischof Diego Causero, dem Apostolischen Nuntius, Oberkirchenrat Dr. ClausJürgen Roepke (vertreten durch Mons. Dr. Nikolaus Wyrwoll), Professor Dr. Karl Christian Felmy, Kardinal Kurt Koch, dem Botschafter von Liechtenstein, dem Honorarkonsul von Estland, dem Botschafter von Finnland in Bern, dem Gesandten der Deutschen Botschaft, einer Verwandten von Edzard Schaper und Autor Uwe Wolff wurde in festlichem Rahmen die Biographie «Der vierte König lebt! Edzard Schaper – Dichter des 20. Jahrhunderts» vorgestellt. Die Nuntiatur sei nicht nur zufällig der äussere Rahmen dieses Anlasses, sagte Barbara Hallensleben, Mitglied im Institut für Ökumenische Studien, in ihrem Grusswort: «Wir ehren einen Dichter, der im Licht des Glaubens sein Zeitalter, die Geschichte Europas verdichtet. Aber wir ehren auch einen politischen Denker, der aus dem Glauben sehr sensibel die Fragen der zerrissenen mo-

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dernen Welt aufgegriffen hat, die sich an seinem eigenen Schicksal, an seinem eigenen Leib abgespielt haben und die ihn gleichsam zu einem Symbol nicht nur der Vergangenheit, sondern des daraus für uns hervorgehenden Auftrags machen.» &JOFXVOEFSCBSF8FMU Autor Uwe Wolff hielt in seiner Ansprache fest: «Wer mit Edzard Schaper in Berührung kommt, der kommt mit einer wunderbaren Welt zwischen Himmel und Erde in BerühKardinal Kurt Koch spricht in der Pästlichen Nuntiatur Bern über den Schriftsteller Edzard Schaper (Foto: Bruder Gerold Zenoni).


KALEIDOSKOP rung.» Am Nachmittag hatte er mit seiner Frau Bern auf den Spuren Edzard Schapers durchstreift. Unter den Lauben entdeckte Wolffs Gattin ein am Boden liegendes Buch. Es war Edzard Schapers Erfolgstitel «Die Legende vom vierten König»! «Wenn man Edzard Schaper begegnet, passieren Dinge, von denen wir, die wir an die Welt der Muttergottes, der Engel und den Heiligen Geist glauben, sagen: Selbstverständlich, das ist die Wirklichkeit. Diese unsere sichtbare Wirklichkeit ist durchdrungen von Gottes Wirklichkeit.» Edzard Schaper zeigt in seinem innersten Wesen, dass in den grossen Umbrüchen Europas, die er wie kein anderer durchlebt hat, dennoch Gott auf wunderbare Weise gegenwärtig ist. Dass Gott gerade dort gegenwärtig ist, wo mit den äusseren Augen betrachtet alles zusammenbricht. «Edzard Schaper ist so etwas wie ein Beweis dafür, dass inmitten der Not das Licht aufscheint. Schaper wusste, dass er einen Schutzengel hatte, der ihn durch die Zeiten führen würde.» &JOHSPTTFT)FS[ Wolff führte aus, wie der junge Schaper in Berlin eine junge Frau aus St. Petersburg erblickt und ihr sofort einen Heiratsantrag macht. Schaper sei ein grosser Liebender mit einem grossen Herzen gewesen. «Sie war eine hochgebildete Frau, bewandert in vielen Sprachen des Ostens. Sie war das Gegengewicht zu seinem stürmischen Temperament. Sie bändigte ihn ein wenig und sagte: ‹Ja, mein Herr. So werben sie um mich.›» Schaper verbrachte eine glückliche verliebte Zeit in Estland, wo ihm zwei Mädchen geboren wurden. Er hatte erste Erfolge als Schriftsteller. &JOFS EFSTJDIFYQPOJFSU Edzard Schaper publizierte im renommierten Insel Verlag, einer absoluten Topadresse für jeden Autor. «Es entstanden berühmte Werke wie ‹Die sterbende Kirche›, ,Die Insel Tütasaar’. Es sind Bücher, die heute historische Dokumente sind für den grossen politi-

Edzard Schaper in einer Porträtaufnahme aus dem Buch «Jakob Hegner – Zum Achtzigsten Geburtstag», wo Schaper zusammen mit Schriftstellern wie Reinhold Schneider, Walter Nigg, Hans Urs von Balthasar, Julien Green oder Bruce Marshall vertreten ist. schen Umbruch der damaligen Zeit.» Im Gegensatz zu Bertolt Brecht, der auch in diese Länder ging, sie aber als eine Art Luxusflüchtling durchreist und seine Geschichten schreibt, ohne sich dem Land auszusetzen. «Schaper hingegen setzt sich Estland und Finnland aus. Er hat dort bedeutende Freunde. Marschall Mannerheim wird ihm die finnische Staatsbürgerschaft verleihen. Schaper wird in Finnland gemeinsam mit den Finnen für die Befreiung Kareliens von den Bolschewisten kämpfen.» Schliesslich wird Schaper in Schweden als Doppelagent verdächtigt und interniert. Im daraus resultie-

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KALEIDOSKOP renden Zusammenbruch findet er seinen christlichen Glauben, seine Bekehrung. «In jenem Moment, wo er sich auf nichts mehr verlassen kann, keine politische Heimat mehr hat, wo alles in ihm zusammenbricht, da hat er sein Christuserlebnis.» Die Erfahrung der Gnade wird Leitschnur sein für alle seine künftigen Bücher. «Da wo alles in uns zusammenbricht, da wo wir alles hinter uns lassen müssen, da ist Gott.» «Ohne die Schweiz wäre Edzard Schapers Werk nach 1947 vergessen worden. Der Mediävist Max Wehrli half Edzard Schaper aus dem schwedischen Exil in ein Leben der Freiheit und der Autorschaft. Ohne seine Schweizer Förderer wäre nicht das für die fünfziger und sechziger Jahre zentrale Werk Schapers entstanden. Damals waren nicht Martin Walser, Heinrich Böll oder Günter Grass die zentralen Autoren, sondern jeder Leser, der einen bildungsbürgerlichen Horizont hatte, las Schaper.» In der Schweiz stellte sich Schaper die Frage nach der religiösen Heimat. Er war als Lutheraner getauft worden. Durch seine vielen Wechsel in verschiedene Länder kam er auch mit vielen Traditionen der Ökumene in Berührung. Er war sehr fasziniert von seiner Begegnung mit der russisch orthodoxen Kirche in Estland. Er unterstützte die Kirchen in Russland. Schaper wurde heimisch in der schwedisch-lutherischen Kirche, die sich viele katholische Traditionen bewahrt hat und die apostolische Sukzession in Anspruch nimmt. «Dieses genuine Luthertum, das eine spirituelle Kraft aus der Liturgie zieht, hat Schapers Seele angesprochen.» 7FSNJTTUF)FSSMJDILFJU Bei den Schweizer Reformierten vermisste er diese Erfahrung. Mit Hans Urs von Balthasar gesprochen: er vermisste die Herrlichkeit. Auf der Suche nach Wärme konvertierte er 1953 bei Abt Benno Gut in Einsiedeln zum Katholizismus. «Schaper verstand diesen Schritt als eine Art Heimkommen, eine Integration in die Fülle, die er in seinem bewegten Leben kennengelernt hatte.»

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Viele Bücher von Edzard Schaper erschienen im Jakob Hegner Verlag in Köln. ½LVNFOJTDIFS(SFO[HÊOHFS Kardinal Kurt Koch sagte in seiner Ansprache, Schaper habe das scharfe Licht des Schriftstellers in das Dunkle der europäischen Geschichte gebracht. Schapers religiöses Denken und seine Spiritualität trügen das Kennzeichen der Grenze, nämlich der Grenze zwischen Schuld und Erlösung, der Grenze zwischen Tod und Auferstehung, der Grenze zwischen Karfreitag und Ostern und vor allem der Grenze zwischen Anfechtung und Gnade. «Dass es keinen Glauben ohne Anfechtung, keine Gewissheit ohne Zweifel und deshalb auch keine Erlösung ohne Versuchung geben kann, zieht sich wie ein roter Faden durch die Biographie Schapers und dürfte sie gerade für die vielen suchenden


KALEIDOSKOP Menschen von heute existentiell in besonderer Weise zugänglich machen.» Ein Grenzgänger sei Edzard Schaper vor allen in ökumenischer Hinsicht gewesen, führte Kardinal Koch aus. «Seine Konversion zur katholischen Kirche hat Schaper aus tiefer Überzeugung vollzogen, genauerhin in der Gewissheit, die er in einem Brief aus dem Jahre 1954 dahingehend ausgesprochen hat, dass Gottes Kirche ‹in allen Konfessionen, sicher aber trotz allem am gegenwärtigsten in der katholischen Kirche› ist.» Man müsse katholisch werden, um evangelisch sein zu können, schrieb Schaper an anderer Stelle, denn Gottes Kirche gehe quer durch alle Konfessionen. Koch führte weiter Diese frühe Ausgabe von Edzard Schapers Erfolgsbuch «Die Legende vom vierten König » wurde mit Zeichnungen des Schweizer Künstlers Celestino Piatti ausgestattet.

aus: «Und wenn er in seinem Buch ‹Die sterbende Kirche› schreibt, dass alle Kirchen ‹gut für die Seele› sind, ‹die da glauben will und Gott sucht›, dann geht es Schaper elementar um eine Ökumene der glaubenden Herzen, die nicht Christen von anderen Kirchen abwerben und aus ihnen Konvertiten machen, sondern Christen auch in anderen Kirchen in ihrem Glauben an Christus stärken will.» Die Erfahrung des gemeinsamen Martyriums von lutherischen Theologen und orthodoxen Bischöfen im Baltikum habe Schaper zur jener Erkenntnis geführt, die wir heute Ökumene der Märtyrer nennen. «80 Prozent aller Menschen, die heute wegen ihres Glaubens verfolgt werden, sind Christen.» Die Ökumene der Märtyrer, die das Lebenswerk Edzard Schapers begleite, erweise sich damit als der innerste Kern jener Ökumene der glaubenden Herzen, die sein ökumenisches Vermächtnis darstelle und die bis heute nichts an Aktualität einge büsst habe, führte der prominente Kirchenmann zum Schluss an. *OEFS4DIXFJ[ Am 17. Juni 1947 traf Edzard Schaper auf dem Hauptbahnhof Zürich ein. Seine Familie folgte nach. Schweizer Freunde wie Max Wehrli, Professor an der Universität Zürich, oder Oberstkorpskommandant Ernst Uhlmann – Schaper wird ihn nach dessen Ableben in einem Brief vom 20. Januar 1982 als «meinen liebsten und ältesten Freund» bezeichnen – standen ihm hilfreich bei. Zuerst nahm er Wohnsitz in Zürich, um dann nach Brig im Kanton Wallis und schliesslich nach Münster im Oberwallis zu ziehen. Fast 37 Jahre verbrachte Schaper in der Schweiz. In dieser Zeit schrieb er über 30 Bücher. Hier entstand die berühmte «Legende vom vierten König» im Roman «Der vierte König» (1961). 1960 wurde Schaper erster Ehrenburger von Münster und im gleichen Jahr Ehrenburger von Brig. 1961 erfolgte die Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Fribourg. Auf Beschluss des Grossen Rates des Kantons Wallis vom 13. November

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KALEIDOSKOP

Widmung von Edzard Schaper für Abt Benno Gut im Buch mit der Signatur Cb 1606 aus der Stiftsbibliothek Einsiedeln. 1963 wurde Schaper das Burgerrecht verliehen. Damit kam er in den Besitz eines Schweizerpasses. Am 29. Januar 1984 stirbt Edzard Schaper in Bern und wird auf dem Friedhof von Glis beigesetzt. In der Miniatur «Einer trage des andern Last – Eine Elegie auf den letzten Gepäckträger» (Im Verlag der Arche, Zürich 1965) über Alfred Pauli, den letzten Dienstmann Nr. 14 des Hauptbahnhofs Bern, hat Schaper seinem Gastland und dessen Menschen ein schönes Denkmal gesetzt. Der Text verrät mehr über die Herzensgüte und Menschenkenntnis Edzard Schapers als lange Analysen und grosse Abhandlungen. Schaper ist in der Schweiz sicher kein Urschweizer geworden. Dazu hatte er zu viel gesehen und erlebt in den düsteren Jahren des 20. Jahrhunderts, und zu souverän war sein Geist auf eine höhere Dimension hin ausgerichtet. 'JSNVOHJO&JOTJFEFMO In der Schweiz kam Schaper in Kontakt mit dem Seelsorger Albert Carlen. Der feinfühlige Priester führte den Dichter zur Konversion in die katholische Kirche im September 1951 in Visperterminen im Wallis. Am Montag, 1. Oktober 1951, reiste man nach Ein-

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siedeln zur Firmung. Schapers benutzten die Bahn durch den Lötschbergtunnel. In der Abtskapelle des Klosters wurden Alice und Edzard Schaper durch Abt Benno Gut gefirmt, der in der lateinischen Messe die sieben Gaben des Heiligen Geistes auf sie herabrief. Schapers Entscheid zur Konversion stimmte sicher für ihn. Dennoch wurde er nicht katholisch im landläufigen Sinn und konnte in einem Brief festhalten: «Nur von ,Diskussionen’ mit der Jugend bitte ich verschont zu bleiben, und gegen Pfarrsäle und die darin Veranstaltenden habe ich eine Abneigung, welche die des Teufels gegen das Weihwasser noch übersteigt.» Schaper zieht den Julianischen Kalender weiterhin vor. Er schreibt einmal: «Der römische Kalender hat die Welt nur scheinbar um vierzehn Tage zeitgemässer gemacht.» Mit einer Widmung im Roman «Die Macht der Ohnmächtigen» bedankte sich Schaper beim späteren Kardinal Benno Gut. Schaper schreibt in leicht geschwollener, seinem Wesen aber wohl entsprechender Art und Weise: «Dem hochwürdigsten Fürstabt vom Kloster Einsiedeln, Dr. Benno Gut, angedenk des 1. Oktober 1951 in Dankbarkeit und Verehrung: Edzard Schaper – Zürich.» 4FJOMFU[UFS#FTVDIJN,MPTUFS Unter dem Datum des 13. Juni 1983 findet sich im klosterinternen Mitteilungsblatt «Einsiedler Konventglöckli» folgende Notiz: «Der bekannte Schriftsteller Edzard Schaper macht, begleitet von Herrn Gut, ZürichseeZeitung, Stäfa, dem Kloster einen Besuch. Schaper erinnert sich, dass er hier von Abt Benno gefirmt wurde.» Der Verleger Theodor Gut hatte gute Kontakte zu Mönchen des Klosters Einsiedeln. Schaper schrieb gelegentlich für die von Gut herausgegebene «Zürichsee-Zeitung». Als 31. Weihnachtsbüchlein der Buchdruckerei Stäfa AG + Küssnacht gab Gut 1983 Schapers Erzählung «Das Christkind aus den grossen Wäldern» mit einer Würdigung des Dichters durch Max Wehrli und Zeichnungen von Robert


Thalmann heraus. Schaper hat bei seinem offenbar letzten Besuch im Kloster Einsiedeln fünf seiner Bücher aus der Stiftsbibliothek signiert und mit Datum versehen. &JO)BVDIWPO3FTJHOBUJPO Schaper füllte zu seinen besten Zeiten bei seinen Lesungen und Vorträgen grosse Säle. Er war begehrt und beliebt und aufgrund seines stattlichen, würdevollen Aussehens nicht zuletzt ein Liebling der Frauen. Seine tiefe sonore Stimme gilt als so etwas wie ein Klassiker unter den Stimmen der Schriftsteller, die bei Lesungen eigene Texte vortrugen. Schapers Erfolg hatte in seinen letzten Lebensjahren nach seinem Empfinden nicht mehr die Intensität der vierziger und fünfziger Jahre. Er haderte mit seinem Schicksal und schrieb in einem Brief: «Ich habe mir für einmal erlaubt, in einer Meta-

Uwe Wolff, Der vierte König lebt! Edzard Schaper – Dichter des 20. Jahrhunderts, Universität Freiburg, Schweiz – Friedrich Reinhardt Verlag, Basel, 2012, 407 S., CHF 38.–, ISBN 9783-7245-1777-1 Edzard Schaper, Händel-Brevier – Aus dem unvollendeten, unveröffentlichten Roman. Institut für Ökumenische Studien der Universität Freiburg in der Schweiz, 2009, 145 S., CHF 18.–, ISBN 978-2-9700643-5-0 Edzard Schaper, Die Legende vom vierten König. Artemis & Winkler, Mannheim, 2012, 104 S., CHF 21.90, ISBN 978-3-411-1602-9

pher zu schreiben, und leiste mir seit den Januar-Februarwochen des Jahres 1966 die zwielichtige Existenz eines Toten. Oder eines Menschen hinter dem Ende.» Und am 13. Mai 1980 schreibt er aus Bern: «Von mir ist alles uninteressant. Ich bin zufrieden mit meiner Abgeschiedenheit mitten in der Welt, in der Stadt, am grünen Aare-Bogen. Aber idyllisch ist es nicht. Die Schicksale seines Zeitalters mit zu erleben, bedeutet heute Leiden; Leiden, für die keine ‹Krankenkasse›, welcher Art auch immer, aufkommt. Die Emigration in die Introversion wird die einzige und die heilsnotwendige Freiheit. Insofern kommen wir, mitten in diesem Säkulum der Reisebüros wie zu Völkerwanderungszeiten, wieder in eine weltgeschichtliche Sternstunde des heiligen Benedikt, den man unlängst so betriebsam gefeiert hat.» Das Geschäftsgehabe der Verleger eines renommierten deutschen Verlags prangerte Schaper in einem Brief mit deutlichen Worten an: «Wer ihnen nicht zu Gefallen und willens ist – ist Antisemit.» Versöhnlich schliesst er: «Aber was soll das Dozieren! Die Mittagssonne hat den (‹hartnäckigen›, sagt selbst das nicht eben wirklichkeitsgetreue Schweizer Radio) Nebel aufgelöst, man kann die Fenster auftun und den smog des eigenen Tabakrauchs dem smog über Bern hinzutun.» Die zitierten Briefpassagen stammen aus der Korrespondenz zwischen Edzard Schaper und der Zürcher Kulturvermittlerin Ruth Binde und werden hier erstmals publiziert. Die Originale befinden sich in der Schweizerischen Nationalbibliothek, Abteilung Schweizerisches Literaturarchiv (Autographensammlung Ruth Binde), in Bern. #SVEFS(FSPME;FOPOJ

Edzard Schaper, Das Christkind aus den grossen Wäldern. Artemis & Winkler, Mannheim, 27. Auflage, 80 S., CHF 21.90, ISBN 978-3-538-04008-3

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KALEIDOSKOP

Buch- und Ausstellungsvernissage

,MPTUFSQMBU[VOE"CUFJIPG BMT0SUEFS#FHFHOVOH Am Samstag, 27. April 2013 war im Abteihof des Klosters die Vernissage von «GeschichtenGesichter – die Welt trifft sich auf dem Klosterplatz» – ein Buch, das den Klosterplatz als Ort der Begegnung ins Zentrum stellt. Gleichzeitig wurde die gleichnamige Open-Air-Ausstellung eröffnet. Bis zum 29. September 2013 zeigen sich 14 der insgesamt 88 Porträtierten grossformatig auf Schwarz-WeissFotografien im Abteihof Spaziergängern und Besuchern. Spürbar ist die Freude bei den beiden Autorinnen des Buches «GeschichtenGesichter», der Eggerin Susann Bosshard-Kälin und der in Bennau lebenden Beatrice Künzi. Mit ihnen freuen sich rund 250 Gäste, Freunde, Gönner, Mitstreiter und Porträtierte. Petrus bescherte dem Anlass mit Dauerregen etwas gar viel Wasser, was der fröhlichen Stimmung jedoch keinen Abbruch tat. Dem Projekt gaben die beiden Frauen viel Zeit; entstanden ist ein beeindruckendes Buch, das auch in Form und Umsetzung höchsten Ansprüchen genügt. Und der Inhalt? Da sind zum einen die Schwarz-Weiss-Bilder. Beatrice Künzi hat es geschafft, subtil Menschen mit der Kamera festzuhalten und ihnen zum Gesagten ein Gesicht zu geben. Für die Texte verantwortlich zeichnet Susann BosshardKälin, mit mehreren Publikationen im Bereich von Biographien und Porträts inzwischen zur Spezialistin geworden. (SBUVMBUJPOFO Ein Novum ist der Ausstellungsraum – der stimmungsvolle, kürzlich renovierte Abteihof. Diese einmalige Gelegenheit verdanken die beiden Frauen denn auch herzlich an die Adresse von Abt Martin Werlen, der dazu seinen Segen gab. Eine erste Laudatio hielt Regierungsrat und Landammann

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Walter Stählin in seiner Funktion als Präsident der Kulturkommission des Kantons Schwyz, eine der Gönnerinnen, die das Projekt finanziell unterstützten. Nicht mit Geld, sondern mit ihrem Können und frischen Ideen haben junge Typografinnen und Typografen die Buchgestaltung entworfen und umgesetzt. Sie waren Teilnehmende einer Weiterbildung an der Berufsschule für Gestaltung Zürich. Richard Frick, Dozent der Hochschule, begleitete das Projekt, das als Wettbewerb lanciert worden war. Auch er richtete das Wort an die Gäste und freute sich am aussergewöhnlichen Die Autorinnen von «GeschichtenGesichter» (v. l.): Beatrice Künzi, Fotografin, Susann Bosshard-Kälin, Autorin (Foto: Mona Ziegler).


KALEIDOSKOP

Der Nebel am Tag der Vernissage im Abteihof hat sich längst verzogen, die Ausstellung bleibt – bis am 29. September 2013 (Foto: Patrick Rohner). Werk. Viele weitere, die das Projekt unterstützt haben, liessen es sich nicht nehmen, an der Vernissage anwesend zu sein. 6OUFSGSFJFN)JNNFM Die Ausstellung ist in verschiedener Hinsicht einmalig. Es gibt keine Öffnungszeiten und keine Eintrittsgebühr, die Bilder sind rund ums Rondell des Scherenschleifer-Gartens befestigt. Genau so zufällig, wie viele der Porträts entstanden sind, können Besucher und Spaziergänger die Bilder und Texte betrachten. Eine stille Ausstellung, die in der Stille des Abteihofes am richtigen Ort ist. Etwas Zeit sollte man sich nehmen, um einzutauchen in diese Geschichten von Menschen aller Couleur: Alt, jung, schwarz, weiss, berühmt, unbekannt, Europäer oder Weltenbürger, Katholikin oder Atheist – alle sagten sie Ja auf die Frage: «Haben Sie eine Stunde Zeit für uns?» ;VTÊU[MJDIFT"OHFCPU

fen. Oft zufällig, manchmal geplant. Ein kleiner Wohnwagen war Interviewraum und mobiles Büro. Bewusst Zeit lassen wollten die beiden Frauen sich und dem Projekt, um ohne Druck schauen zu können, wer Zeit hat fürs Antworten und fürs Fotografiertwerden. Geschickt gewählt ist der Zeitpunkt der Ausstellung. In wenigen Wochen startet das Einsiedler Welttheater, welches bestimmt zusätzlich Besucher auf den Platz bringt. Von den 38 Franken pro verkauftes Exemplar geht ein Franken an die Renovation des Klosterplatzes. Das Buch ist ein Zeitdokument. Einige der Interviewten sind inzwischen verstorben, der Platz verändert sich, die Menschen auch. Bleiben werden Erinnerungen an Begegnungen auf dem Einsiedler Klosterplatz. Verkaufsstellen: Klosterladen, Buchhandlung Benziger, Museum FRAM oder www.geschichtengesichter.ch .POB;JFHMFS

Während fünf Jahren – eine für heutige Verhältnisse unglaublich lange Zeit – befragten Susann Bosshard-Kälin und Beatrice Künzi Menschen, die sie auf dem Klosterplatz tra-

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THEOLOGIE Gerhard Lohfink, Gegen die Verharmlosung Jesu. Reden über Jesus und die Kirche. Herder, Freiburg i. Br., 2013, 488 S., CHF 38.50, ISBN 978-3-451-34147-2. Die Verharmlosung Jesu findet auf vielen Feldern statt. Sie geschieht, wenn Jesus als ein etwas aus der Reihe tanzender Rabbi oder als ein zwar aussergewöhnlicher, aber eben doch als reiner Prophet eingestuft wird. Widerspruch ist vor allem fällig, wenn sich Christen so verhalten, als sei die Kirche eine Art Verein zur Bedienung religiöser Bedürfnisse. Das war von Jesus anders gedacht. Dieses Buch handelt deshalb an vielen Stellen nicht nur von Jesus selbst, sondern auch von der Kirche. Gerhard Lohfinks Reden gegen die Verharmlosung sind provokant, voller überraschender Einsichten und stellen den christlichen Glauben in ein neues Licht.

den mit ihrer Botschaft ihren Platz im Gefüge der antiken Welt gesucht haben. In diesem Band werden neutestamentliche Schriften in ihrem zeitgeschichtlichen Kontext interpretiert. Die Anfänge der Jerusalemer «Urgemeinde» werden dabei ebenso gewürdigt wie das Leben und Wirken des Völkerapostels Paulus, die Hauptthemen paulinischer Theologie ebenso wie ihre Nachgeschichte in neutestamentlicher und nachneutestamentlicher Zeit.

NEUE BÜCHER

Sabine Bieberstein/Daniel Kosch, Paulus und die Anfänge der Kirche. Studiengang Theologie II,2. Theologischer Verlag, Zürich, 2012, 380 S., CHF 42.–, ISBN 978-3-290-20081-7. Nach Jesu gewaltsamem Tod musste sich seine Jüngerschaft neu formieren und ihre Botschaft in Auseinandersetzung mit diesem Tod und im Licht der Auferweckungsbotschaft formulieren. Das Neue Testament belegt die unterschiedlichen Positionen dieser spannungsreichen Entwicklung. Briefe, Apostelgeschichte und Offenbarung zeigen, wie sich die ersten Gemein-

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SPIRITUALITÄT Papst Franziskus, Mein Leben, mein Weg. El Jesuita. Die Gespräche mit Jorge Mario Bergoglio von Sergio Rubin und Francesca Ambrogetti. Herder, Freiburg i. Br., 2013, 224 S., mit 8 Seiten s/w-Fotografien, CHF 28.90, ISBN 978-3-451-32708-7. Der Papst, «vom anderen Ende der Welt», der die Herzen der Menschen im Sturm eroberte, erzählt hier erstmals von seinem Leben, und sagt, was ihn im Tiefsten bewegt: Seine Herkunft, sein ungewöhnlicher Werdegang, das Leben als Jesuit. Die düsteren Zeiten der Militärdiktatur, sein Kampf für die Armen und gegen Drogenmafia und Korruption, die Liebe zum Tango und seine Nähe zu den einfachen Gauchos Argentiniens. Ein Mann, der Kirche und Welt verändern wird. Helmut Schlegel, Assisi für Pilger. Ein spiritueller Reisebegleiter. Echter, Würzburg,2013, 256 S., CHF 18.90, ISBN 978-3-429-03586-0. Wer Assisi als Tourist besucht, findet eine reizvolle Landschaft und herrliche Kunstschätze. Wer als Pilgerin oder Pilger dorthin kommt, sieht sich zu einem spirituellen Abenteuer auf den Spuren von Klara und


KALEIDOSKOP Franziskus eingeladen. Diese Einladung nimmt der Franziskanerpater Helmut Schlegel an und führt zu den Lebensstationen der beiden grossen Heiligen in Assisi. Er geht auf die Geschichte und die spirituelle Bedeutung dieser Orte ein, gibt Impulse für ein Leben im Geist von Franziskus und Klara und bietet Texte für liturgische Feiern und das persönliche und gemeinsame Beten. Ein spiritueller Begleiter «vor Ort»; darüber hinaus eine Ermutigung, im Sinne der beiden Heiligen im Alltagsleben den Protest des Evangeliums zu riskieren. Heiner Wilmer, Gott ist nicht nett. Ein Priester fragt nach seinem Glauben. Herder, Freiburg i.Br., 2013, 208 S., CHF 24.50, ISBN 9783-451-32581-6. Heiner Wilmer, Priester und Leiter einer Ordensgemeinschaft, stellt sich die provozierende Frage: Was bringt mir Jesus? Nach 30 Jahren als Priester und Ordensmann zieht er Bilanz und gibt sich Rechenschaft: Wie tragfähig ist seine Lebensentscheidung angesichts von Leiden und Schuld, von Einsamkeit und unerfüllten Wünschen? Er stellt fest, dass die weichgespülten Jesus-Bilder und die gut gemeinten Ratschläge der anderen nicht ausreichen. Radikal und persönlich macht er sich auf die Suche nach der Antwort, die sein Leben tragen kann. Tomás Halík, Geduld mit Gott. Die Geschichte von Zachäus heute. Herder, Freiburg i.Br., 2012, 5. Auflage, 258 S., CHF 21.90, ISBN 9783-451-30382-1. Inmitten der gegenwärtigen Debatte über Glaube und Unglaube lehrt Tomás Halík, dass Gott uns auffordert, mit unseren Zweifeln auszuharren, sie in uns zu tragen und zuzulassen, dass sie uns zur Reife führen.

Wer glaubt, muss grosse Geduld haben können, denn angesichts von Gottes Schweigen sind Glaube, Hoffnung und Liebe drei Aspekte von Geduld. So wie in der biblischen Erzählung der Zöllner Zachäus sein Leben ändert, können auch wir modernen «Zachäuse» uns die Botschaft Jesu zu Herzen nehmen. Vincenzo Paglia, Wort Gottes jeden Tag 2012/2013. Echter, Würzburg, 2012, 688 S., CHF 24.50, ISBN 978-3-429-03545-7. «Das Wort Gottes jeden Tag 2012/2013» fällt zusammen mit dem von Papst Benedikt XVI. ausgerufenen «Jahr des Glaubens», das an den 50. Jahrestag des Beginns des Zweiten Vatikanischen Konzils  erinnert. In ideeller Verbundenheit mit der historischen Bischofsversammlung, die zum ersten Mal Bischöfe des ganzen Planeten zusammengeführt hat, wünscht der Papst, dass die Gläubigen «zu einer echten und erneuerten Umkehr zum Herrn, dem einzigen Retter der Welt» finden, und betont, dass es möglich ist, «diese Schwelle (die Tür des Glaubens) zu überschreiten, wenn das Wort Gottes verkündet wird und das Herz sich durch die verwandelnde Gnade formen lässt».So soll diese neue Ausgabe als Hilfestellung dienen, um die Einladung des Papstes aufzugreifen. In den Gläubigen und in Menschen, die auf der Suche nach der Wahrheit sind, möchte sie die Freude daran wachsen lassen, ihrem Leben durch das tägliche Hören auf die Heilige Schrift Nahrung zu geben. Joseph Ratzinger, Benedikt XVI., Jesus von Nazareth. Prolog. Die Kindheitsgeschichten. Herder, Freiburg i.Br., 2012, 172 S., CHF 28.90, ISBN 978-3-451-34999-7. Niemals zuvor hat ein Papst so tiefen Einblick gegeben in die Fragen, die ihn in seinem per-

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sönlichen Glauben bewegen. Benedikt XVI. hat nicht als Papst, sondern als gläubiger Christ geschrieben. Sein Anliegen war es, zu zeigen, dass die Botschaft der Evangelien verlässlich ist, weil sie tatsächlich Gottes bejahendes Wort zu den Menschen vermitteln. Es geht ihm um «die innere Freundschaft mit Jesus, auf die doch alles ankommt» (Band I); er schreibt für Menschen, die «Jesus begegnen und ihm glauben wollen» (Band II).Nach dem ersten Teil über die Zeit des öffentlichen Wirkens Jesu und dem zweiten Teil über Passion und Auferstehung schliesst nun der dritte Band über die Kindheitsgeschichten, dessen Inhalt den beiden anderen chronologisch vorangeht, als Prolog dieses grossartige Werk Benedikts XVI. ab.

LITURGIE David Plüss, Angela Berlis, Christian Walti (Hg.), GottesdienstKunst. Praktische Theologie im reformierten Kontext, Band 3, Theologischer Verlag Zürich, 2012, 202 S., CHF 38.–, ISBN 978-3-290-17639-6. Wie zeigt sich die gottesdienstliche Praxis in der Gegenwart? Der Band «GottesdienstKunst» versammelt gewichtige Stimmen der deutschsprachigen Liturgik, die diesen Gegenwartsbezug beleuchten. Neben programmatischen Beiträgen erörtern Vertiefungstexte Einzelfragen zur Gottesdienstkunst. Zuletzt wird die Suche nach einer «liturgischen Kompetenz» reflektiert, die der Gegenwartskultur und der Gegenwart Gottes gerecht werden kann. Die Beiträge machen deutlich, dass Gottesdienstgestaltung eine Kunst ist, die weit über blosse Textarbeit hinausgeht. So setzt der aus Anlass der Eröffnung des Kompetenzzentrums Liturgik an der Universität Bern

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entstandene Band einen neuen Akzent innerhalb der deutschsprachigen Liturgik.

SACHBÜCHER Museum der Kulturen Basel (Hg.), Dominik Wunderlin. Pilgern boomt. Christoph Merian Verlag, Basel, 2013, 140 S., CHF 39.–, ISBN 978-3-85616-608-3. Pilgern boomt – und ebenso das Geschäft mit Pilgerreisenden. Das Thema ist in aller Munde, Fernsehfeatures, Belletristik und Fotobücher widmen sich der Suche nach Ruhe, Wahrheit und innerer Einkehr. Doch warum pilgern Menschen? Im Zentrum der Publikation, die anlässlich der gleichnamigen Ausstellung im Museum der Kulturen erscheint, steht das Pilgern und Wallfahren im christlichen Europa. Sie wirft aber auch einen Blick auf asiatische Religionsformen. Vorgestellt werden ausgewählte Rituale sowie Devotionalien aus der Museumssammlung. Kurzbeiträge aktiver Pilgerinnen und Pilger sowie Statements, die das Pilgern aus den unterschiedlichsten Perspektiven würdigen, ergänzen den sorgfältig bebilderten Band. Christine Eichel, Das deutsche Pfarrhaus – Hort des Geistes und der Macht. Quadriga, Berlin, 2012, 367 S., CHF 32.90, ISBN 978-386995-040-2 bgz. Gleich vorneweg: in diesem Buch geht es praktisch ausschliesslich um protestantische Pfarrhäuser und bei diesen vor allem um deutsche. Die Autorin schrieb so etwas wie eine Kulturgeschichte des Phänomens Pfarrhaus. Ausgehend von bis zu Luther zurückreichenden Prämissen entfaltet sie ein Panorama mit vielen exemplarischen Geschichten und Aussagen von prominenten Pfarrhauskindern wie etwa Elke Heidenreich um einen Ort mit besonderem Nimbus.


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Impressum

Weitere Autoren dieser Ausgabe Roland Burgener, Pater Cyrill BĂźrgi OSB, Flurina Decasper, Verena Huber-Halter, Schwester Michaela Portmann OSB, Mario Rada, Pater Kolumban Reichlin OSB, Mona Ziegler Copyright Das Werk ist urheberrechtlich geschĂźtzt. ISSN 1662-9868

Herausgeber/Verlag Kloster Einsiedeln, 8840 Einsiedeln Redaktion Kloster, 8840 Einsiedeln Telefon 055 418 62 92, Fax 055 418 61 12 zeitschrift@kloster-einsiedeln.ch www.kloster-einsiedeln.ch

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SALVE 3/2013