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16-18 Elbe.qxp_kloen 24.08.15 10:00 Seite 17

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richtlinie. Von einem intakten Ökosystem ist die Elbe weit entfernt. Auch wenn immer mehr Fische in den Fluss zurückkehren. Vor allem das aus der DDR-Ära stammende Quecksilber bereitet Naturschützern Sorge. Denn über Pflanzen und Kleinstlebewesen gelangt es heute noch in die Nah-

rungskette und reichert sich in Fischen an. Für den Menschen sind die Konzentrationen unbedenklich, aber für den Fischotter oder den Seeadler, die sich ausschließlich von Fischen ernähren, können sie lebensgefährlich sein. „Das Wasser ist herrlich“, sagt Ute Krämer,

Klönschnack 9 · 2015

Im Hafen muss ständig gebaggert werden, sonst können die Frachter nicht mehr festmachen. Für die Stadtväter ein kostspieliges Unterfangen, denn der Flutstrom ist stärker als der Ebbstrom. Damit wird immer wieder neues Sediment in die Hafenbecken und die Segelhäfen entlang des Elbufers gespült.

greift zum Handtuch. Sie komme regelmäßig nach Blankenese zum Baden, sagt die Mutter eines Sohnes und freut sich über den warmen, sonnigen Abend am Elbufer. Wäre die Freude so ungetrübt, wenn sie wüsste, was in der braunen Brühe enthalten ist? Der Senat müsse die Verklappung von Hafenschlick zwischen Neßsand und Blankenese stoppen, fordert der ehemalige Bürgerschaftabgeordnete Dr. Walter Scheuerl, der sich intensiv mit dem Thema beschäftigt hat. Daher weiß er, dass der in den Monaten November bis März zwischen der Elbinsel und Blankenese verklappte Schlick mit Arsen, Blei, Quecksilber und hochgiftigen Butylzinn-Verbindungen aus Antifoulingfarben belastet ist. „So wird die Wasserqualität zwischen dem Naturschutzgebiet Neßsand und Hamburgs schönsten Stränden verschlechtert.“ Außerdem kosteten die „unsinnigen Kreislaufbaggerungen“ den Hamburger Steuerzahler Millionen Euro. Den Blankeneser ärgert zudem, dass sich die Menge des verklappten Baggerguts und Schlicks im Jahr 2013 auf mehr als fünf Millionen KubikNirgendwo ist meter gesteigert habe. die Belastung Im Jahr 2011 seien es mit Quecksil1,1 Millionen Kubikber so hoch meter gewesen, so dokumentiert Scheuerl wie in der ausführlich. Sichtbar Elbe kurz hinund spürbar werde die ter der Saale. Zunahme am Ufer und im Wasser. „Wer sich auf dem Wasser oder an den Stränden im Wasser aufhält, kann die zunehmend dichter werdenden Schlickwolken sehen und buchstäblich mit Händen greifen.“ Die vielen Badegäste am Elbufer scheinen das nicht zu bemerken. Eltern lassen ihre Kleinen unbesorgt im Wasser planschen, Schwimmer wagen sich weit hinaus in den Strom. Dabei ignorieren sie häufig die Schilder, die vor Sog und Wellenschlag vorüber fahrender Schiffe warnen. Seit dem 20. Juli werden die Sedimente in die Nordsee zur Tonne E3 transportiert. Die Lage im Hafen sei angespannt, so Claudia Flocken, Mitglied der Hamburg Port Authority (HPA)-Geschäftsführung. Die „Baggerkampagne“ zur „Tonne 3“ sorge für eine wichtige Entlastung. Insgesamt gebe es mehr Sedimente als in den letzten Jahren so HPA-Sprecher Martin Boneß. So ist täglich die Alexander von Humboldt auf der Elbe unterwegs, um den ungeliebten Schlick seewärts zu transportieren. Weil die Elbe in diesem Sommer wenig Waser geführt habe, sei der Schlicktransfer

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Klönschnack September 2015  

Unser kostenloses Lokalmagazin berichtet über Menschen und Meinungen, beweist Bürgernähe, erzählt Geschichten und präsentiert seinen Lesern...

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