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Erneuerbare Energien in S端dtirol


Impressum

Herausgeber: TIS innovation park – Bereich Energie und Umwelt und Eurac Research - Institut für Erneuerbare Energien Redaktion:

Hannes Reichhalter, Alvise Bozzo, Stefano Dal Savio, Sepp Walder, Monica Sparer Bereich Energie & Umwelt, TIS innovation park Siemensstrasse 19, 39100 Bozen Grafik & Layout: mediamacs concept design Druck: Printeam Bozen Erscheinung:

September 2010

Danksagung:

Ressort für Raumordunug, Umwelt und Energie, Amt für Energieeinsparung und den Anlagenbetreibern für die Übermittlung der Daten


Inhalt

Vorworte ........................................................................ 2 Einleitung........................................................................ 5 Erneuerbare Energien und Südtirol............................ 7 Erneuerbare Energien............................................. 7 Die Provinz Südtirol................................................ 7 Meilenstein in der Südtiroler Energiepolitik........ 9 enertour – Südtirol | Energie zum Entdecken...... 9 Wasserkraft.................................................................. 10 Holz ...................................................................... 12 Biogas ...................................................................... 16 Photovoltaik................................................................. 18 Solarthermie................................................................ 20 Windkraft...................................................................... 22 Geothermie................................................................... 24 Energieproduktion in Südtirol................................... 26 Energieverbrauch in Südtirol..................................... 28 Ziele und Perspektiven............................................... 31 Quellen ...................................................................... 32

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Vorwort vom Ministerium für Umwelt, Landschafts- und Gewässerschutz

Dr. Corrado Clini Generaldirektor - Ministerium für Umwelt, Landschafts- und Gewässerschutz

Die Kampagne SEE (Sustainable Energy for Europe) ist eine Initiative der Europäischen Kommission und unterstützt die Förderung von erneuerbaren Energiequellen, der Energieeffizienz, der Energieeinsparung und allgemein einen bedachten Umgang mit Energie. Sie repräsentiert einen wirksamen Beitrag zur Erreichung der ambitionierten Ziele, welche sich die Europäische Union bis 2020 gesetzt hat. In Italien wird die Kampagne vom Ministerium für Umwelt, Landschaftsund Gewässerschutz koordiniert (www.campagnaSEEitalia.it) und mittlerweile bestehen auf nationaler Ebene mehr als 130 Partnerschaften. Unter diesen die strategische Partnerschaft mit der Provinz Bozen, dem TIS innovation park und der Eurac, die darauf abzielt, die vielfältigen nachhaltigen Aktionen, die im Bereich Energie- und Umwelt in Südtirol getätigt worden sind, auf nationaler sowie auf europäischer Ebene zu promoten und verbreiten. Die Broschüre „Erneuerbare Energien in Südtirol“ verfolgt genau dieses Ziel, indem sie einen Überblick über die Energiesituation in Südtirol gibt und aufzeigt, in welchen Maßen und mit welchen Technologien erneuerbare Energiequellen genutzt werden.

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Foto: Kuadrat

Foto: Helmuth Rier

Vorwort der zuständigen Landesräte

Dr. Michl Laimer Landesrat für Raumordnung, Umwelt und Energie

Dr. Sabina Kasslatter Mur Landesrätin für Bildung und deutsche Kultur

Seit Jahren ist die Südtiroler Landesregierung in besonderem Maße um den Ausbau erneuerbarer Energieträger bemüht. Erneuerbare Energie bildet zusammen mit der zunehmend sparsamen Nutzung von Energie und der Erhöhung der Energieeffizienz den dritten wesentlichen Pfeiler einer nachhaltigen Energie- und Umweltpolitik. Ziel unserer Bemühungen ist es, von fossilen Brennstoffen wie Erdöl und Erdgas zunehmend unabhängiger zu werden. Ohne das Engagement der Gemeinden, der Unternehmerinnen und Unternehmer sowie der Bevölkerung kann dies allerdings nicht gelingen. Die Eigenverantwortung jeder und jedes Einzelnen für unsere Umwelt und das verstärkte Bewusstsein dafür, dass unsere Energiequellen nicht unerschöpflich sondern begrenzt sind, spielen dabei eine wesentliche Rolle. Der Energiesektor – und dabei insbesondere der Bereich der erneuerbaren Energien – entwickelt sich laufend weiter. Um diese Entwicklung aktiv mitzugestalten, braucht es praxisorientierte Forschung und die enge Zusammenarbeit zwischen Forschung und Industrie. Diese Voraussetzungen werden in Südtirol schon seit Jahren erfüllt. Auf diese Weise schaffen wir Kompetenzen vor Ort, die zu einer nachhaltigen Entwicklung unseres Landes beitragen. Die vorliegende Broschüre, die die aktuelle Situation Südtirols im Bereich der erneuerbaren Energien darstellt, wurde im Rahmen der gesamteuropäischen Kampagne SEE (Sustainable Energy for Europe) erarbeitet. Sie zielt darauf ab, Bevölkerung und öffentliche Entscheidungsträgerinnen und –träger gleichermaßen für die Thematik zu sensibilisieren und auf die vielen Vorzüge erneuerbarer Energiequellen hinzuweisen. Die unterschiedlichen Technologien werden anhand bereits in Südtirol realisierter Energie-Anlagen erläutert, die im Übrigen während einer enertour®Besichtigungsfahrt genauer unter die Lupe genommen werden. Wir wünschen Ihnen eine interessante und aufschlussreiche Lektüre!

AUTONOME PROVINZ BOZEN - SÜDTIROL

PROVINCIA AUTONOMA DI BOLZANO - ALTO ADIGE

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Foto: Elpo Gmbh


Einleitung

Das Thema Energie hat sich besonders in den letzten Jahren zu einem brisanten Thema sowohl auf internationaler als auch auf lokaler Ebene entwickelt. Der weltweit steigende Energiehunger der Industrieund Entwicklungsländer führt zu steigenden umweltschädlichen Emissionen und wir laufen Gefahr einer nicht reversiblen Umweltzerstörung entgegen zu steuern. Der starke Energiekonsum, der im 19. Jahrhundert mit der Kohleverbrennung begann und sich seitdem auf andere fossile Energieträger (Erdöl und Erdgas) ausgeweitet hat, hat es der modernen Zivilisation ermöglicht, einen so hohen Lebensstandart in so kurzer Zeit zu erreichen. Dieser Vorteil kann den fossilen Energieträgern nicht abgeschrieben werden, jedoch ihr großer Nachteil ist, dass sie keine nachhaltige Energieversorgung darstellen und besonders wegen ihrer Emissionen für die weltweite Klimaveränderung mitverantwortlich sind. Zwei wertvolle Instrumente der Klimaveränderung entgegenzuwirken, die bereits jetzt eingesetzt werden können, sind Energieeinsparung und der breite Einsatz von Technologien, die erneuerbare Energien nutzen. Ein großer Schritt in diese Richtung wurde durch das Erlassen von Richtlinien auf EU-Ebene un-

ternommen. Diese haben das Ziel, Aktionen in diesen Bereichen voranzutreiben. Zudem hat sich die EU das Ziel 20-20-20 gesetzt, mit dem innerhalb 2020 20% weniger Emissionen, 20% mehr Energieeffizienz und 20% mehr Erneuerbare Energie erreicht werden soll. In Südtirol werden diese Lösungsansätze schon seit vielen Jahren mit Erfolg angewandt. So hat man im Bereich der Energieeinsparung begonnen, die Gebäude energieeffizienter zu gestalten und das so genannte Klimahaus-Zertifikat eingeführt, das auf nationaler Ebene eine Vorreiterrolle einnimmt. Aber auch im Bereich der erneuerbaren Energien wurde viel unternommen. Diese Broschüre soll einen Überblick über die aktuelle Nutzung der erneuerbaren Energien in Südtirol geben, indem die Produktionsdaten der verschiedenen Technologien aufgezeigt werden und mit jenen von Italien und Europa verglichen werden. Die Daten beziehen sich für Wasserkraft, Holz, Biogas und Photovoltaik auf das Jahr 2009, hingegen für Solarthermie, Windkraft und Geothermie auf das Jahr 2008. Am Ende jeder Technologie wird zusätzlich ein entsprechendes Best-Practice Beispiel einer Anlage aufgezeigt, welches im Rahmen einer organisierten Besichtigungsfahrt (enertour®) angesehen werden kann.

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Foto: Hydros Gmbh


Erneuerbare Energien und Südtirol

Erneuerbare Energien Erneuerbare Energien sind Energiequellen, die sich im Laufe relativ kurzer Zeit erneuern und daher im Unterschied zu fossilen Energiequellen eine nachhaltige Energieversorgung darstellen. Erneuerbare Energien sind ein sehr erfolgreiches Mittel im Kampf gegen den Klimawandel, weil sie den großen Vorteil haben, Energie bereitzustellen, ohne den Treibhausgasanteil in der Atmosphäre zu erhöhen. Ein weiterer Vorteil ist, dass sie, wenn auch in unterschiedlicher Intensität und Form, überall auf der Erde vorzufinden sind. Deshalb eröffnen sie Industriestaaten wie Entwicklungsstaaten gleichermaßen die Möglichkeit, die benötigte Energie im eigenen Land zu erzeugen und so wertvolle Devisen in die eigene Entwicklung zu investieren. Damit verringern sie die Abhängigkeit von den immer knapper werdenden fossilen Rohstoffen und entschärfen die Krisen rund um die Erdöl und Erdgas exportierenden Regionen. Trotz des theoretisch großen Potentials der erneuerbaren Energien, ist ihre Anwendung in einer betriebswirtschaftlichen Betrachtung häufig noch teurer als Strom und Wärme aus fossilen Rohstoffen. Deshalb steckt die erneuerbare Energiebranche zum Teil noch in den Anfängen und braucht die Hilfe der öffentlichen Hand, wenn sie sich in einem Land behaupten soll. Man geht allerdings davon aus, dass in wenigen Jahren die erneuerbaren Energien ihre Startphase überwunden haben und auch beim Marktpreis die herkömmlichen Energieträger hinter sich lassen.

Die Südtiroler Erfahrung zeigt, dass die öffentlichen Investitionen in diesem Bereich gut angelegt sind. Einerseits wird die energetische Abhängigkeit vom Ausland verringert und andererseits wird effektiver Umweltschutz betrieben. Dadurch entstehen lokale Unternehmen und spezialisierte Arbeitsangebote.

Die Provinz Südtirol Südtirol ist die nördlichste Provinz Italiens mit einer Fläche von 7.400 km², in der knapp über 500.000 Menschen leben. Die Alpenregion besitzt ein kontinentales Klima mit jährlich rund 300 Sonnentagen und weist somit ein gutes Solarpotential auf. 42% der Landesfläche Südtirols ist mit Wald bedeckt, was nicht nur der lokalen Holzindustrie zu gute kommt, sondern auch der Energieversorgung. Ebenso liegt in den abfließenden Wassermengen, dank der gebirgigen Landschaft, ein besonders hohes Energiepotential, das mittels Wasserkraftwerken schon seit langem genutzt wird. Das Windpotential ist hingegen besonders in den Talflächen sehr gering. So beträgt die mittlere Windgeschwindigkeit in den Tälern nur 1 bis 2 m/s und 5 bis 7 m/s auf den Bergen.

Fig.: Jährlich eingestrahlte Sonnenenergie in Südtirol 7


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Foto: TIS/A.Filz


Meilenstein in der Südtiroler Energiepolitik In Südtirol wurde schon frühzeitig das erneuerbare Energiepotential erkannt und von politischer Seite deren Nutzung stark gefördert. So wurden vom Jahr 1983 – dem Beginn der Förderungen für Energiesparmaßnahmen – bis zum Jahr 2009 insgesamt 56.500 Gesuche behandelt und mit rund 500 Millionen Euro bezuschusst. Damit wurden schon vor in Kraft treten der nationalen Fördermechanismen Maßnahmen zur Wärmedämmung, Wärmerückgewinnung und Heizmodernisierung, sowie Wärmepumpen, Solaranlagen, Biogasanlagen, Hackschnitzel – bzw. Pelletsheizungen und Fernheizwerke mit einem Investitionsbeitrag von etwa 30% gefördert. Das Ergebnis dieser politischen Fördermechanismen war das Entstehen eines lokalen Marktes, der vielen verschieden Firmen Arbeit bot und in dem insgesamt Investitionen im Ausmaß von 1,6 Mrd.€ im betrachteten Zeitraum getätigt wurden. Das jährliche Budget für Förderungen ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich angestiegen und betrug im Jahr 2008 insgesamt 32 Mio. €. Somit hat die

Provinz im Jahr 2008 mehr als 6.300 € pro 100 Einwohner an Förderungen bereitgestellt. Den hohen Stellenwert von erneuerbarer Energie, Klimaschutz und Energieeffizienz unterstreicht außerdem die breite Palette an Institutionen und Projekten unter der Obhut des Landes Südtirol. Diese umfassen die Klimahausagentur, das Amt für Energieeinsparung, die Energiegesellschaft SEL und weitere Institutionen, die Innovation und Forschung in diesem Bereich vorantreiben wie der Bereich Energie & Umwelt im TIS innovation park und das Institut für Erneuerbare Energien an der Eurac. Dank dieser politischen Fördermaßnahmen und auch dank der guten meteorologischen und morphologischen Bedingungen, werden heute alle Formen der in Südtirol vorkommenden erneuerbaren Energieträger genutzt. Dabei kommen verschiedene Technologien zum Einsatz, die in den folgenden Kapiteln beschrieben werden und zu denen die jeweiligen Produktionsdaten aufgelistet werden.

Südtirol | Energie zum Entdecken Im Rahmen der Fach- und Erlebnisexkursionen enertour® können ganzjährig über 150 KlimaHäuser, Energieanlagen und innovative Energiekonzepte von Gemeinden in Südtirol besichtigt werden. Ziel der enertour® ist es, am anschaulichen Beispiel neue Lösungsansätze für die Nutzung erneuerbarer Energieträger aufzuzeigen und darzustellen, wie energieeffiziente Gebäude, sprich KlimaHäuser, geplant und gebaut werden. Zudem werden kommunale Energiekonzepte aufgezeigt, wo die Kombination und Integration von politischen, ökonomischen und technischen Lösungsansätzen aufgezeigt wird. Die Führungen werden jeweils von den Planern, Be-

treibern oder politischen Entscheidungsträgern persönlich durchgeführt. Das macht die enertour interessant für Unternehmer, Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltung, Techniker, Schüler- und Studentengruppen sowie für alle Bürger, die sich für die aktuellen Entwicklungen auf dem Energiemarkt interessieren. Enertour® ist eine Initiative des Bereichs Energie & Umwelt im TIS innovation park – Technologiepark der Autonomen Provinz Bozen. Seit 2007 ist enertour Teil der Kampagne SEE (Sustainable Energy Europe), die auf nationaler Ebene durch das italienische Umweltministerium koordiniert wird. Weitere Informationen unter: www.enertour.bz.it 9


Wasserkraft Bei der Wasserkraft wird grundsätzlich die Lageenergie des Wassers genutzt, um elektrische Energie herzustellen. Das Wasser wird dabei in Rohrleitungen zu einer Turbine geführt, die sich in Bewegung setzt und einen Generator antreibt. Die gebirgige Landschaft in Südtirol eignet sich besonders gut für die Nutzung der Wasserkraft. Deshalb wurden schon Ende des 19 Jahrhunderts mit dem Bau von Wasserkraftwerken in Südtirol begonnen und seitdem wurde die Wasserkraft

Foto: Ernerpass GmbH

ständig ausgebaut.

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Zahlen und Fakten in Südtirol In Südtirol werden jährlich ca. 5.600 GWh Strom aus 930 Wasserkraftanlagen produziert. Das ist etwa doppelt so viel, als effektiv in Südtirol an Strom verbraucht wird. Die Mehrzahl der Anlagen sind Kleinwasserkraftwerke mit einer Leistung unter 220 kW, deren Produktion verglichen an der Gesamtproduktion jedoch wenig ausmacht (weniger als 3%). Der Großteil der produzierten Energie (86%) stammt aus den 30 Großanlagen. Mit den bis heute erbauten Wasserkraftwerken wird das Potential in Südtirol fast gänzlich ausgeschöpft. Daher kann in Zukunft nicht mit dem Bau neuer großer Kraftwerke zu rechnen sein. Allerdings können die bestehenden Anlagen entweder renoviert oder potenziert werden, um entsprechend den Wirkungsgrad bzw. die Leistung und somit die Produktion zu erhöhen. Auch für den Bau kleiner Wasserkraftwerke besteht noch ein bestimmtes Ausbaupotential.

Tab.: Unterteilung der Anlagen in drei Größenkategorien mit der dazugehörigen installierten Leistung, produzierten Energie und Anzahl der Anlagen 2009 Unterteilung der Anlagen nach Größe [MW]

Installierte Gesamtleistung [MW]

Produzierte GesamtEnergie anzahl [GWh] Anlagen

P < 0,22

23

164

784

0,22 < P < 3

96

612

116

P>3

752

5.019

30

TOT

871

5.795

930

1720

1800 1600

Vergleich mit Italien und EU Im Vergleich mit Italien und Europa schneidet Südtirol in der Wasserkraft sehr gut ab. Mit einer installierten Leistung von rund 1720 W/Einwohner im Jahr 2008 liegt Südtirol über den europäischen als auch über den italienischen Durchschnitt.

[Watt/Einw.]

1400 1200 1000 800

365

400

293

200 0

0

Italien

EU

Südtirol

Fig.: Installierte Wasserkraftleistung pro Einwohner im Vergleich - 2008

Wasserkraftwerk St. Leonhard in Passeier Betreiber: Enerpass Nennfallhöhe: 260 m Installierte Leistung: 2 mal 16,5 MVA Anmeldung

Jahresproduktion an Strom: ca. 100 Mil. kWh

Besichtigung:

Turbine: 6-düsige vertikale Peltonturbine

TIS innovation park

Besonderheit: Sanfter und ökologisch vertretbarer Ausbau

www.enertour.bz.it

der Wasserkraft der Passer.

Foto: Ernerpass GmbH

Wassereinzugsgebiet: 180 km²

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Holz Holz fällt unter dem Begriff Biomasse. Die darin gespeicherte Sonnenenergie kann als nachwachsender Energieträger für die Gewinnung von thermischer und elektrischer Energie verwendet werden. Südtirol hat sich in den letzten Jahren zu einem bedeutenden Biomasse-Verwertungsland entwickelt, wo Biomasse in unterschiedlichen Formen und in unterschiedlichen Produktionsanlagen zur Energieerzeugung genutzt wird. Holz ist, nach der Wasserkraft, der wichtigste erneuerbare Energieträger in

Foto: Oskar da Riz

Südtirol.

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Fernheizwerke In Fernheizwerken werden Holz- bzw. Hackschnitzel in großen Brennkesseln verbrannt. Die dabei entstehende Wärmeenergie wird in ein Fernwärmenetz eingespeist und direkt zu den Wohneinheiten gebraucht. Einige Anlagen können einen Teil der Wärmeenergie auch zur Stromproduktion verwenden. Der Bau von Fernheizwerken, der 1993 begann, kommt Südtirols Umwelt und Volkswirtschaft zugute. So wird durch das Wegfallen von vielen Einzelfeuerungsanlagen mit oft schlechtem Wirkungsgrad eine

erhebliche Schadstoffreduktion erzielt, die Transportwege des Energieträgers sind kurz, es wird eine regionale Wertschöpfung erzielt und die Abhängigkeit von ausländischen Energiekonzernen wird verringert. Gegenüber herkömmlichen Heizanlagen sind die Energiegestehungskosten meistens geringer und zudem weisen diese weitere Vorteile für den Endverbraucher auf, so entfallen z.B. die Kosten für die Wartung der Heizanlage, die Wärmeübergabestation beansprucht nur wenig Platz und es gibt keine Explosions- und Brandgefahr im Haus.

Zahlen und Fakten in Südtirol In Südtirol sind bis Ende 2009 insgesamt 66 biomassebetriebene Fernheizwerke errichtet worden. Die thermische Gesamtleistung betrug im Jahr 2009 236 MW, die insgesamt 693 GWh an thermischer Energie produziert haben. Das entspricht ca. 13% der Wärmeproduktion in Südtirol. Über Fernwärmenetze, die alle zusammen eine Trassenlänge von 715 km aufweisen, wird eine Gesamtwärmemenge von 560 GWh an 11.820 Übergabestationen verkauft. Der gesamte Holzverbrauch in Fernheizwerken betrug 2009 rund 290.000 Tonnen. In 16 Fernheizwerken wird auch Strom produziert, wobei in neun von diesen die ORC Technologie zum Einsatz kommt. Die gesamt produzierte Strommenge beträgt 77,4 GWh, wobei fast 50 GWh aus erneuerbaren Energiequellen stammen.

Tab.: Zusammenfassung der Daten über Fernheizwerke - 2009 Thermische Produktion

Elektrische Produktion

Anzahl Fernheizwerke

66

16

Installierte Gesamtleistung [MW]

236

Produzierte Energie [GWh]

693

7 (nur ORC-Module)

77,4

Biomassefernheizwerk Toblach - Innichen Betreiber: Fernheizwerk Toblach – Innichen Genossenschaft Thermische Leistung: 20 MW Elektrische Leistung: 1,5 MW Netzlänge: 87 km Anzahl der Anschlüsse: ca. 1200 Anlagentechnik: 3 Biomassekessel, 3 Kondensationsanlagen,

Besichtigung:

1 Organic-Rankine-Cycle Modul

TIS innovation park

Besonderheit: erstes Schaufernheizwerk Europas bei dem der

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Besucher Einblick in die Technologie und Funktionsabläufe gewinnen kann.

Foto: TIS

Brennstoff: Hackgut Anmeldung

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Foto: TIS


Holzbetriebene Kleinfeuerungsheizanlagen Holzbetriebene Kleinfeuerungsheizanlagen liefern hauptsächlich Wärmeenergie für Wohngebäude. Diese Art der Heizung wird schon seit Jahrtausenden angewandt und ist besonders im Alpenraum weit verbreitet. Der große Vorteil dieser Anlagen ist, dass die Energie vor Ort mittels heimischer Energiequellen produziert

wird und daher das Brennmaterial leicht anzuschaffen und günstig ist. Allerdings ist auf die Handhabung der Anlagen zu achten, weil nur geeignetes Brennmaterial (naturbelassenes Holz) mit max. 20% Feuchtigkeitsgehalt und eine optimale Luftzufuhr die Emissionswerte begrenzen können.

Zahlen und Fakten in Südtirol Die Anzahl der gesamten Holzheizanlagen, die in häuslichen oder betrieblichen Gebäuden installiert sind, beträgt ungefähr 90.000. In diesen werden jährlich rund 220.000 Tonnen Biomasse (Holz) verbrannt. Umgerechnet macht das ca. 550 GWh Wärmeenergie aus, was ca. 80% der Wärmeproduktion in Fernheizwerken entspricht. Die am häufigsten installierten Anlagen sind traditioneller Anlagenart, d.h. Kochherd und Ofen bzw. Kachelofen. Moderne Anlagenlösungen wie z.B. Zentralheizung, Ofen mit automatischer Luftregelung werden am häufigsten in Betrieben oder Mehrfamilienhäusern installiert, wo eine mittelhohe thermische Leistung benötigt wird. Der am meisten genutzte Brennstoff sind Holzscheiter, die aus dem Baumschnitt stammen und hauptsächlich in den traditionellen Heizanlagen eingesetzt werden. Der Verbrauch von Pellets, Briketts und Hackschnitzel ist heutzutage noch beschränkt.

Fig.: Eingesetzetes Holz- Brennmaterial in Kleinfeuerungsheizanlagen - 2009

Holz - Vergleich mit Italien und EU

3000 [kWh/Einw.]

Zusammen betrachtet produzieren Fernheizwerke und Kleinfeuerungsanlagen, in denen Holz zum Einsatz kommt, ca. 1240 MWh Wärmeenergie, was ca. 23% der gesamten Wärmeerzeugung in Südtirol im Jahr 2009 ausmachte. Um einen Vergleich mit Italien und Europa, deren Daten sich auf 2008 beziehen, herstellen zu können, wird auch für Südtirol die gesamte Wärmeproduktion aus Holz für 2008 benötigt. Der Wert von 2008 unterscheidet sich von jenem 2009 nur wenig, da ab 2009 nur 3 kleinere Fernheizwerke in Betrieb gegangen sind und kann somit mit 1220 MWh angenommen werden. Wird dieser Wert auf die Einwohnerzahl berechnet, so macht das rund 2445 kWh/ Einwohner aus.

2445

2500 2000

1668

1500 1000

611

500 0 0

EU

Italien

Südtirol

Fig.: Thermische Energieproduktion aus Holz pro Einwohner im Vergleich - 2008 15


Biogas In Biogasanlagen erfolgt die anaerobe Verg채rung von tierischen und pflanzlichen Abf채llen bzw. von organischen Reststoffen zur Erzeugung von Biogas. Unter anaerobe Verg채rung versteht man den Abbau von biogenem Material durch Mikroorganismen in Abwesenheit von Sauerstoff. Das entstehende Biogas besteht vor allem aus Methan und kann infolge in ein Gasmotor-Blockheizkraftwerk zur Strom- und W채rmeprodukti-

Foto: TIS / A. Filz

on eingesetzt werden.

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Ende 2009 waren in Südtirol insgesamt 48 Biogasanlagen in Betrieb. In 31 Anlagen werden vor allem Reststoffe aus der Viehzucht, d.h. Gülle und Mist aber auch Reststoffe aus der Lebensmittelindustrie (sog. Co-Fermente) zur Vergärung eingesetzt. In weiteren 16 Anlagen werden Klärschlämme aus der Abwasserbehandlung verarbeitet und zuletzt gibt es auch eine moderne Biogasanlage, die organischen Hausmüll verwertet. Die Vergärungsanlagen von Gülle und Mist sind besonders für ländliche Gebiete und landwirtschaftliche Betriebe interessant, da durch die Vergärung zum einen Energie gewonnen werden kann und zum anderen die verbleibenden Gärreste als Bodenverbesserungsmittel benutzt werden können. In diesem Sektor sind neben 5 Großanlagen (mehr als 700 Großvieheinheiten) vorwiegend kleine Vergärungsanlagen für ca. 20 bis 100 GVE installiert. In 16 von 55 Kläranlagen in Südtirol wird Biogas aus Vergärung der Klärschlämme produziert. Diese verarbeiten aber immerhin 93% der gesamten anfallenden Klärschlämme der Provinz. Noch große Mengen an Abfallbiomasse (Gülle und Mist, Grünschnitt aus dem Obstanbau und Nebenprodukte aus der Agro-Industrie) könnten zur anaeroben Vergärung eingesetzt werden.

Vergleich mit Italien und EU Im Bereich der Biogasproduktion liegt Südtirol mit einer Energieproduktion von 182 kWh/Einwohner im Jahr 2008 knapp über dem Durchschnitt Europas (179 kWh/Einwohner) und weit über dem Durchschnitt Italiens (79 kWh/Einwohner).

Tab.: Landwirtschaftliche Biogasanlagen – 2009 Anzahl Anlagen

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Installierte elektrische Leistung [MW]

4,28

Elektrischer Nettoenergieertrag [MWh]

21.000

Biogasanlagen mit Fernwärmenetzanschluss

5

Ins Fernwärmenetz eingespeiste Energiemenge [MWh]

5,9 %

4,2 %

4.180

0,5% Rindergülle Rindermist

20,7 %

Klärschlamm Organische Abfälle/Reststoffe

59,1 %

9,6 %

Apfeltrester Stroh

Fig.: Art und Menge der eingesetzten Biomasse in den insgesamt 48 Biogasanlagen - 2009

210

182

179

180 [kWh/Einw.]

Zahlen und Fakten in Südtirol

150 120 79

90 60 30 0 0

EU

Italien

Südtirol

Fig.: Energieproduktion aus Biogas pro Einwohner im Vergleich - 2008

Biogasanlage Lana Betreiber: Eco-Center AG Verarbeitete Biomasse: 12.000 t/a organischer Abfall Biogasproduktion:1,3 Mil. m³ Biogas Jahresproduktion an Strom: 2.480 MWh

Besichtigung:

Ins Netz eingespeister Strom: 1.400 MWh

TIS innovation park

Besonderheit: eine der modernsten Müllvergärungsanlangen Italiens,

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in welcher z.Z. ca. 40% des Biomülls von Südtirol verwertet werden.

Foto: Eco-Center AG

Installierte elektrische Leistung: 870 kW Anmeldung

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Photovoltaik Bei der Photovoltaik wird die Energie der Sonne direkt in elektrische Energie umgewandelt. Dies geschieht in den Solarzellen, die aus einem Halbleiter, meist Silizium, bestehen. Unter Einfluss von Licht, den so genannten Photonen, entstehen dort freie Ladungen, die Ăźber einen elektrischen Leiter abflieĂ&#x;en kĂśnnen. Der so entstandene Gleichstrom wird meist

Foto: Seilbahn Naturns GmbH

in Wechselstrom umgewandelt und ins Stromnetz eingespeist.

18


Zahlen und Fakten in Südtirol 40

Der Photovoltaikmarkt ist in Südtirol aufgrund der guten Voraussetzungen und der hohen Einspeisevergütung, dank des nationalen Fördersystem „conto energia“, stark im Wachstum. Die installierte Photovoltaikleistung ist in Südtirol von 0,6 MWp im Jahr 2006 auf fast 36 MWp im Jahr 2009 gestiegen, was einer mittleren jährlichen Wachstumsrate von fast 300% entspricht. Im Jahr 2010 ist mit einer weiteren starken Steigerung zu rechnen. Ab dem Jahr 2011 wird ein neues Förderprogramm in Kraft treten, mit welchem die Entwicklung des Sektors nur schwer einzuschätzen ist. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass er weiterhin im Wachstum bleibt.

35,7

35

[MWp]

30

24,5

25 20 15 10

6,2

5

0,6

0 0

2007

2006

2008

2009

Fig.: Entwicklung der installierten Photovoltaikleistung in Südtirol

Vergleich mit Italien und EU 80

71

70 60 [Watt/Einw.]

Wird die installierte Leistung pro Einwohner berechnet und dieser Wert mit den Durchschnittswerten von Europa und Italien verglichen so kann beobachtet werden, dass Südtirol sehr gut abschneidet. Obwohl Südtirol die nördlichste Provinz Italiens ist, ist die installierte Leistung pro Einwohner rund fünfmal so hoch wie der Durchschnitt in Italien. Mit rund 71 Watt/Einw. Ende 2009 ist Südtirol die Provinz Italiens mit der höchsten installierten Leistung pro Einwohner. Das ist neben dem Engagement der Bevölkerung auch dem guten Photovoltaikpotential in Südtirol, speziell in höher gelegenen Standorten, zuzuschreiben.

50 40

28

30

14

20 10 0 0

Italien

EU

Südtirol

Fig.: Installierte Photovoltaikleistung pro Einwohner im Vergleich - 2009

Photovoltaikanlage Seilbahn Naturns

Installierte Leistung: 19,34 kWp Fläche: 190 m² Anmeldung

Jährliche Produktion: 20.777 kWh (1074 kWh/kWp)

Besichtigung:

Neigung und Ausrichtung der Module: 30° Süden

TIS innovation park

Besonderheit: Voll integrierte Photovoltaikanlage, die neben der

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Überdachungsfunktion ca. 50% des Strombedarf der Seilbahn deckt.

Foto: Seilbahn Naturns GmbH

Betreiber: Seilbahn Unterstell Naturns

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Solarthermie Bei der Solarthermie wird mit Hilfe von Solarkollektoren die Energie der Sonne in Wärmeenergie umgewandelt. Das entstehende Warmwasser kann für sanitäre Zwecke und in einigen Fällen auch als Heizunterstützung genutzt werden. Als Kollektoren kommen entweder Flachkollektoren oder Vakuumröhren zum Einsatz.

450 400

[m²/1000 Einw.]

350 300 250 200 150 100 50

20

Fig.: Entwicklung Kollektorfläche pro 1000 Einwohner in Südtirol

2008

2007

2006

2005

2004

2003

2002

2001

2000

1999

1998

1997

1996

1995

1994

1993

1992

1991

83-90

Foto: Eurac

0


Zahlen und Fakten in Südtirol Die thermische Solargewinnung hat in den letzten 20 Jahren in Südtirol stetig zugenommen. Auch Dank der Förderprogramme der Provinz ist die installierte Kollektorfläche im Jahr 2008 auf insgesamt mehr als 193.000 m² angestiegen. Somit betrug die relative Kollektorfläche pro 1000 Einwohner rund 387 m². Insgesamt werden von Solarthermischen Anlagen in Südtirol jährlich ca. 111.100 MWh thermische Energie produziert und decken somit mehr als 2% des Wärmebedarfs ab. Trotz dieser hohen installierten Kollektorfläche ist das Potential noch lange nicht erschöpft. Zum ei-

nen kann der Anteil an Anlagen auf Einfamilienhäuser weiter angehoben werden und zum anderen werden in Zukunft immer mehr Anlagen auf Mehrfamilienhäuser und Kondominien errichtet. Der große Vorteil bei Anlagen z.B. auf Kondominien ist, dass die Kosten für die einzelne Wohneinheit deutlich geringer ausfallen als bei Einzelanlagen. Des weitern können diese Anlagen auch für solares Kühlen benutzt werden. Die erzeugte Wärme wird hierbei in einem thermisch angetriebenen Kühlprozess in Kaltwasser umgewandelt. Diese Technologie steckt noch in den Anfängen, obwohl schon einige Erfolgsbeispiele vorhanden sind.

450 387

400

[m²/1000 Einw.]

350

Vergleich mit Italien und EU

300 250 200 150 100

58

50

In Südtirol betrug die installierte Kollektorfläche pro 1000 Einwohner Ende 2008 rund 387 m²/1000 Einwohner In Europa lag der Wert hingegen bei 58 m² und in Italien lediglich bei 27 m². Somit ist dieser Wert in Südtirol rund 14-mal höher als auf nationaler Ebene.

enertour

27

0 0

EU

Italien

Südtirol

Fig.: Kollektorfläche pro 1000 Einwohner im Vergleich - 2008

Teilsolare Heizanlage auf Handwerksgebäude Kollektorfläche: 32 m², 15 Kollektoren zu 2,14 m² Speicher: 4000 l Pufferspeicher mit zusätzlich 500 l Warmwasserspeicher

Besichtigung:

Wärmeproduktion: ca. 30% des Heizwärmebedarfes des Gebäudes

TIS innovation park Besonderheiten: Teilsolare Niedertemperatur – Heizanlage www.enertour.bz.it

mit Unterstützung einer Pellets – Heizanlage.

Foto: SOL GmbH

Kollektorart: hocheffiziente Flachkollektoren Anmeldung

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Windkraft Windkraft wird schon seit mehreren Jahrtausenden genutzt. Damals noch zum Antrieb von M端hlen, wird heute die Windkraft haupts辰chlich zur elektrischen Energieproduktion genutzt. Wichtige Voraussetzung f端r ein gutes Funktionieren einer Windkraftanlage ist eine konstante Windgeschwindigkeit, was in S端dtirol allerdings meist

Foto: Armin Gluderer

nur schwer anzutreffen ist.

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Zahlen und Fakten in Südtirol Die Windkraft spielt wegen der geringen Windgeschwindigkeiten in den Tälern, dem Landschaftsschutz und den schwierigeren geografischen Bedingungen in Südtirol keine große Rolle. Neben drei Großanlagen, und zwar der zwei Anlagen auf der Malser Haide mit 1,2 und 1,5 MW und der Anlage in Rein in Taufers mit 300 kW, wurden einige Kleinanlagen zur Stromversorgung von Berghütten errichtet. Insgesamt wurden seit 1990 ca. elf Wind-

kraftanlagen errichtet, welche jährlich insgesamt ca. 4 GWh produzieren. In Südtirol besteht Interesse, auf unterschiedlichen Standorten weitere Anlagen zu errichten. Die Auswahl der Standorte muss dabei sehr sorgfältig bewertet werden, da geeignete Windkonditionen in Südtirol nur schwer anzutreffen sind. Die Nutzung der Windkraft wird jedoch in Südtirol eher eine Nischentechnologie bleiben.

133

140

Vergleich mit Italien und EU Im Falle der Windkraft weist Südtirol im Vergleich mit Europa und Italien wegen der oben genannten Gründe sehr niedrige Werte auf. Durchschnittlich beträgt die installierte Leistung pro Einwohner in Europa 133 W und in Italien 62 W. In Südtirol sind nur 6 Watt an Windleistung pro Einwohner installiert.

[Watt/Einw.]

120 100 80

62

60 40 20

6

0 0

EU

Italien

Südtirol

Fig.: Installierte Windkraftleistung pro Einwohner im Vergleich - 2008

Windanlage auf der Malser Haide Betreiber: Miteigentumsgemeinschaft Windkraft Marein Leistung: Eine Turbine zu 1,2 MW und eine weitere zu 1,5 MW Besonderheit: Dienen in Südtirol als Pilotanlagen, weil sie die einzigen

Besichtigung:

bis jetzt errichteten Windgeneratoren der Megawattklasse sind.

TIS innovation park www.enertour.bz.it

Foto: Armin Gluderer

Jährliche Stromproduktion: ca. 3,7 GWh Anmeldung

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Geothermie Unter Geothermie versteht man die Nutzung der Wärme aus der Erde. Grundsätzlich wird unterschieden zwischen oberflächennahe Geothermie, wo Wärme mit Hilfe von Wärmepumpen gewonnen wird und zwischen Tiefengeothermie, wo heißes Wasser oder Dampf aus der Erde direkt zur Stromproduktion

Foto: Armin Gluderer

genutzt wird.

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Zahlen und Fakten in Südtirol Dem Geothermie-Markt in Südtirol kam in den vergangenen Jahren eine bescheidene Rolle zu. Lediglich in der oberflächennahen Erdwärmenutzung zu Heiz- bzw. Kühlzwecken von Wohn- und Hotelgebäuden konnte ein Wachstum verzeichnet werden. Immerhin wurden in den letzten Jahren fast 300 Anlagen in Südtirol installiert. Diese Technologie scheint besonders in Kopplung mit Photovoltaikanlagen interessant zu sein, weil dadurch der Strom zum Betrieb der Wärmepumpe vor Ort produziert wird.

Neben der oberflächennahen Geothermie, kommt in vielen Gebieten Europas auch die Tiefengeothermie zum Einsatz, die vor Allem zur Kraftwärmekoppelung, d.h. Strom- und Wärmeproduktion, genutzt wird. Auch diese Technologie wird in nächster Zukunft in Südtirol Fuß fassen, indem Bohrungen bis 3 km ins Erdreich gemacht werden, aus denen die Tiefenwärme entzogen wird. Zurzeit ist auch eine Studie in Ausarbeitung, die das Wärmepotential des Brennerbasistunnels mit Hilfe von Wärmepumpen ermittelt, das von angrenzenden Gemeinden genutzt werden könnte.

1,8

1,6

Vergleich mit Italien und EU Wärmepumpen kommen auf nationaler und internationaler Ebene nur gering zum Einsatz. In Europa sind durchschnittlich 1-2 Anlagen pro 1.000 Einwohner und in Italien nur 1 Anlage pro 10.000 Einwohner installiert. Südtirol liegt im Vergleich mit diesen zwei Ländern mit 0,6 Anlagen pro 1000 Einwohner ungefähr dazwischen.

[Anlagen/1000 Einw.]

1,6 1,4 1,2 1,0 0,8

0,6

0,6 0,4 0,1

0,2 0,0 0

EU

Italien

Südtirol

Fig.: Anzahl Geothermieanlagen pro 1000 Einwohner im Vergleich - 2008

Grundschule Lajen Ried Bauherr: Gemeinde Lajen Nettonutzfläche Gebäude: 625 m² auf zwei Geschossen Klimahausberechnung: 9 kWh/(m2 a) KlimaHaus Gold + Heizleistung Wärmepumpe: 8,3 kW Leistung Photovoltaikanlage: 17,7 kWp Besonderheit: Die Grundschule ist ein KlimaHaus Gold+ und zudem ein so genanntes Aktivhaus, das mit Hilfe einer Solarthermie-, einer Erdwärme- und einer Photovoltaikanlage mehr Energie produziert, als es benötigt.

Foto: TIS

Anmeldung Besichtigung: TIS innovation park www.enertour.bz.it

25


26

Foto: TIS


Energieproduktion in Südtirol

Bei der Energieproduktion in Südtirol kann grundsätzlich zwischen zwei Sektoren unterschieden werden, und zwar zwischen Strom- und Wärmesektor.

Prozentuelle Aufteilung der Stromerzeugung nach Energiequelle

0,6% 0,8%

97,5 %

Energieproduktion im Stromsektor Die Produktion an elektrischer Energie betrug im Jahr 2009 rund 5.990 GWh. Der Großteil davon (99,5%) stammt aus erneuerbaren Energiequellen, insbesondere der Wasserkraft (97,5%). Der restliche Teil wird von Kraftwärmekopplungsanlagen, die hauptsächlich mit Biomasse betrieben werden, Photovoltaik und Windkraft abgedeckt. Nur ganz ein geringer Teil wird aus fossilen Erzeugungsanlagen gewonnen.

2,5 %

Wasserkraft

0,6% 0,1% 0,5%

KWK (Biogas)

KWK (Holz)

Wind

nicht erneuerbare Energien

Photovoltaik

Fig.: Prozentuelle Aufteilung der Stromproduktion nach Energiequelle - 2009

Prozentuelle Aufteilung der Wärmeerzeugung nach Energiequelle 2,1% 0,1%

Energieproduktion im Wärmesektor Die Produktion an thermischer Energie betrug im Jahr 2009 rund 5.240 GWh. Im Unterschied zur Stromproduktion wird in der Wärmeproduktion noch eine große Menge fossiler Energieträger eingesetzt, die ca. 74% ausmachen. Die restlichen 26% werden mit erneuerbaren Energien abgedeckt, wobei der Großteil davon aus der Biomasse, speziell aus der Holzverbrennung in Kleinfeuerungsheizanlagen und in Fernheizwerken stammt.

0,4%

nicht erneuerbare Energien

10,5%

Fernheizwerke Biogasanlagen

13,2%

Holz Kleinfeuerungsanlagen 73,7%

Solarthermie Geothermie

Fig.: Prozentuelle Aufteilung der Wärmeerzeugung nach Energiequelle - 2009

27


28


Energieverbrauch in Südtirol

Energieverbrauch nach Sektoren Der gesamte Endenergieverbrauch in Südtirol beträgt rund 10.600 GWh. Grundsätzlich kann der Endenergieverbrauch in drei Sektoren aufgeteilt werden und zwar in Strom, Wärme und Transport. Der Wärmebedarf stellt mit 40% den größten Sektor dar. Anschließend kommen der Transportsektor mit 32% und der Stromsektor mit 28%.

32% Transport

28% Strom

40% Wärme

Fig.: Prozentuelle Aufteilung des Energieverbrauchs in den drei Sektoren - 2009 Prozentuelle Aufteilung des Stromverbrauchs nach Energiequelle

1,2%

Energieverbrauch im Stromsektor

1,7%

94,8%

Der gesamte Stromverbrauch in Südtirol betrug im Jahr 2009 2.950 GWh und ist somit sehr viel geringer als die Stromproduktion. Fast die Hälfte der Produktion wird daher an den Nachbarregionen exportiert. Insgesamt kann die Nachfrage von elektrischer Energie zu 99% aus erneuerbaren Energiequellen gedeckt werden.

Wasserkraft

5,2%

1,2% 0,1% 1,0%

KWK (Biogas)

KWK (Holz)

Photovoltaik

Wind

nicht erneuerbare Energien

Fig.: Prozentuelle Aufteilung des Stromverbrauchs nach Energiequelle - 2009 Prozentuelle Aufteilung des Wärmeverbrauch nach Energiequelle

Energieverbrauch im Wärmesektor Der gesamte Wärmeverbrauch betrug im Jahr 2009 rund 4.200 GWh. In diesem Sektor sind sowohl der Wärmebedarf von Gebäuden als auch jener der Industrie enthalten. Im Gebäudesektor wird jetzt schon ein großer Teil mit Biomasse d.h. mittels Holz- Kleinfeuerungsanlagen oder biomassebetriebene Fernheizwerke abgedeckt. Hingegen im Industriesektor kommen größtenteils fossile Energieträger zum Einsatz, weil ihr Einsatz zum Teil kostengünstiger und anwenderfreundlicher ist, als jener von erneuerbaren Energieträgern. Im gesamten Wärmesektor werden fast 27% mit erneuerbaren Energien abgedeckt.

2,6% 0,1% 0,1%

nicht erneuerbare Energien

10,4%

Fernheizwerke Biogasanlagen

13,3%

Holz-Kleinfeuerungsanlagen 73,4%

Solarthermie Geothermie

Fig.: Prozentuelle Aufteilung des Wärmeverbrauch nach Energiequelle - 2009

29


Energieverbrauch im Transportsektor Der Transportsektor wird fast ausschließlich mit fossilen Treibstoffen, d.h. Benzin, Diesel, Gas und Flüssiggas abgedeckt. Der Anteil an erneuerbaren Energieträgern in diesem Sektor beträgt auf nationaler Ebene nur rund 1%, der hauptsächlich aus Biodiesel besteht. In dieser Hinsicht ist in diesem Sektor Aufholbedarf notwendig, auch weil sich die Europäische Union das Ziel von 10% Biotreibstoffen im Jahr 2020 festgesetzt hat. Südtirol hat Dank der Wasserkraft den großen

Vorteil, fast doppelt so viel Strom zu produzieren, als verbraucht wird. Diese überschüssige Energie kann mit Hilfe neuer Technologien auf den Transportsektor übertragen werden, was zu einer geringeren Abhängigkeit von fossilen Kraftstoffen führen kann. Zurzeit sind schon einige Projekte in dieser Richtung in Planung, wie z.B. der vermehrte Einsatz von Elektrorädern, Elektromofas und Elektroautos und auch der Bau der Wasserstoff-Meile von Mantua bis München.

Anteil der Erneuerbaren Energiequellen am Gesamtverbrauch und in den einzelnen Sektoren

Zusammenfassung Energieverbrauch 12000 Energiemenge [GWh]

Im Stromsektor wird die Energie fast gänzlich aus erneuerbaren Energienquellen gewonnen. Auch im Wärmesektor kommen vermehrt Technologien zum Einsatz, die Biomasse, insbesondere Holz, nutzen. Der Wärmeverbrauch wird immerhin auch schon mit fast 27% aus erneuerbaren Energiequellen abgedeckt. Im Transportsektor werden zurzeit nur sehr wenige Biokraftstoffe beigemischt und machen ca. 1% aus. Werden diese Ergebnisse zusammengefasst, so kann beobachtet werden, dass vom gesamten Energieverbrauch rund 38% aus erneuerbaren Energiequellen stammen.

10000 8000 6000 4000 2000 0

TOT

Strom

Energieverbrach

Wird der Wärme- und Stromsektor zusammen betrachtet, kann beobachtet werden, dass in Südtirol 56% des Endverbrauchs mit erneuerbaren Energien abgedeckt werden. Südtirol zählt daher europaweit zu den Regionen mit einem sehr hohen Einsatz von erneuerbaren Energiequellen.

Wärme

Transport

Anteil erneuerbare Energien

Fig.: Anteil der erneuerbaren Energien am Gesamtverbrauch und in den einzelnen Sektoren - 2009 Erneuerbarer Energieanteil im Strom- und Wärmeverbrauchssektor

erneuerbare Energien 44 % 56 %

nicht erneuerbare Energien

Fig.: Anteil der erneuerbaren Energien am Gesamtverbrauch im Strom- und Wärmesektor - 2009 30


Ziele und Perspektiven

Die Provinz Südtirol hat in den letzten Jahren viel für den Einsatz erneuerbarer Energien unternommen. So wurde die Wasserkraft ausgebaut, Fernheizwerke und Biogasanlagen errichtet und Solarthermie- und Photovoltaikanlagen installiert. In einigen Bereichen, wie z.B. der Wasserkraft, wird das meiste Potential im Lande schon genutzt. In anderen Bereichen wie z.B. Solarenergie, Geothermie oder Biomasse ist noch großes Ausbaupotential vorhanden. Da erneuerbare Energieträger aber nur in begrenztem Maß zur Verfügung stehen und nicht die bisher jährlich verbrauchte Energiemenge abdecken können, müssen zusätzliche Energiesparmaßnahmen getroffen werden. Darunter zählen hauptsächlich Sparmaßnahmen im Gebäudesektor, da dieser mehr als 40% des Gesamtwärmebedarfes ausmacht, aber auch Sparmaßnahmen im Industriesektor. Mit der Klimahaus-Initiative wurde ein großer Schritt in diese Richtung unternommen. Weitere Vorhaben wie z.B. KlimaHotel und KlimaHabitat untermauern, dass in diese Richtung noch großes Einsparpotential vorhanden ist. In Übereinkunft mit den Europäischen Richtlinien hat sich Südtirol sehr ambitionierte Ziele gesetzt. So ist im neuen Klimaplan des Landes vorgesehen, dass der Anteil an erneuerbaren Energien im Strom- und Wärmesektor im Jahr 2020 75% betragen soll und langfristig die Energieautonomie angestrebt werden soll.

Weiters wurden im Klimaplan die 10 Grundsätze für die Klimastrategie gemäß Energie-Südtirol 2050 formuliert: 1. Maximierung der Energieeffizienz und Erschließung des vorhandenen Sparpotenziales 2. Südtirol übernimmt Verantwortung beim Klimaschutz 3. Ausreichende und öko-sozialgerechte Energieversorgung 4. Weitgehende Abkehr von fossilen Energieträgern 5. utzung regional vorhandener regenerativer Energiequellen bei Schonung der Umweltressourcen 6. Moderne und umweltschonende Infrastrukturen zur Energieproduktion und –übertragung 7. Zusammenarbeit im regionalen und internationalenVerbund 8. Partnerschaften und Netzwerke als Grundlage für eine neue Nachhaltigkeitskultur 9. Verstärkter Wissenstransfer und Forschung im Bereich Klimaschutz und Energie 10. Arbeit zwischen den Sektoren als größtes Innovationspotential Diese Grundsätze können mit Unterstützung der Bevölkerung und dem Bewusstsein, dass Energie ein wertvolles Gut ist, die Region Südtirol in eine Energieautonomie leiten und somit ihre nachhaltige Zukunft sichern.

31


Quellen [1]

Broschüre vom Amt für Stromversorgung: „Die Wasserkraftwerke in Südtirol“, aktualisiert bis 31.05.2009.

[2]

Broschüre vom Bereich Energie & Umwelt im TIS: „enertour, Energie- und Umwelttourismus in Südtirol“.

[3]

Amt für Energieeinsparung: Produktionsdaten über Fernheizwerke, 2009.

[4]

Studie vom Bereich Energie & Umwelt im TIS: „Erhebung und Monitoring von holzbetriebenen Heizanalgen in der Provinz Bozen“.

[5]

Studie vom Bereich Energie & Umwelt im TIS: „Erhebung der zur anaeroben Vergärung verfügbarer Biomasse in Südtirol“.

[6]

Amt für Energieeinsparung: „Statistik thermische Solaranlagen nach Beitragsgesuchen“.

[7]

E-Werk Prad: Tätigkeits- und Geschäftsbericht 2008.

[8]

Astat info Nr. 45: “Erzeugung und Verbrauch von elektrischer Energie“, 2009.

[9]

Astat info Nr. 46: “Fossiler Energie-Einsatz”, 2008-2009.

[10] Broschüre von BLS Business Location Südtirol: „Erneuerbare Energie und Energieeffizienz“. [11] GSE „Statistiche sulle fonti rinnovabili in Italia Anno 2008“ [12] GSE: „Totale dei risultati del conto energia”. [13] Internetseite von Atlasole – Atlas über Photovoltaikanlagen in Italien. [14] Eurobserver Report 2009: „The state of the renewable energies in Europe“.

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