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VORLESUNG ODER NICHT VORLESUNG?

VORLESUNG ODER NICHT?

Eine Frage, die sich auch unsere Redakteurin Verena Bodenstein während ihres Studiums stellte.

Es ist 9.30 Uhr. Der große Vorlesungssaal im Unihauptgebäude ist bre chend voll. Noch vor zwei Wochen sah das Ganze anders aus. Die hoch offizielle Mail vom Rektorat am Anfang der Woche hat wohl ihre Wirkung erfüllt. Zusammengefasst: »Vorlesung bedeutet Anwesenheitspflicht. Punkt.« So hätte die Mail auch lauten können. Einige studenti sche Rebellen streiken, prangern die Rechtsungültigkeit der An wesenheitspflicht an und sind nicht zur Vorlesung erschienen. Doch dieses Mal schwebt ganz eindeutig etwas über den Köp fen meiner Kommilitonen: Die nackte Angst. Angst nicht zu den Prüfungen zugelassen zu wer den. Angst, einige Semester länger zu studieren. Angst, dass das BAföG nicht ausreichen könnte. Angst, Mama und Papa erklären zu müssen, warum sie den Geld hahn nicht abstellen dürfen.

Ich bin gespannt, wie lange diese Autorität noch anhält. Ich gebe dem Ganzen noch maximal weitere zwei Wochen. Bis dahin ist bei allen durchgesickert, dass tatsächlich kein Gesetz die Leute zwingt, in den Saalreihen sitzen zu bleiben und dann tun wieder alle das, was sie wollen. Doch im Moment sieht es nicht danach aus.

Ein wirklich ungewöhnliches Bild. In der Regel sind nur vereinzelt Studierende im Vorlesungssaal und selbst bei denen frage ich mich: »Was machen die bloß hier?« Neh men wir doch mal die letzte Vorlesung als Beispiel. Ein Junge mit hochgezogener Kappe saß da und sah sich auf seinem Smartphone Netflix-Serien an. Ein Mädchen mit langen künstlichen Fingernägeln exerzierte »leise« mit ihrer Sitznachbarin Beziehungsprobleme durch und ein Junge mit Sommersprossen schlief tief und fest – und das noch dazu in

der ersten Reihe. Eins muss man dem Dozen ten lassen, er schaute über den Langschläfer hinweg (die Vorlesung ging schließlich volle zwei Stunden), als gäbe es ihn gar nicht. Und saß nicht noch jemand mit einem Katzenkos tüm in den Saalreihen? Kein Scherz, hat es alles schon gegeben. Asienwissenschaftler können schon speziell sein.

Doch nun ernsthaft. Anwesenheitspflicht? Muss man im Studium wirklich zu solchen schulischen Maßnahmen greifen? Studierenden die Mündigkeit nehmen, Kontrolle walten lassen? Ein Studium ist schließlich eine freiwillige Sache. Es geht hier um die eigene Karriere. Wie jemand lernt beziehungsweise sich weiterbildet, sollte doch nicht im Vordergrund stehen, sondern, dass derjenige es tut. Vielleicht sind einige Studierende einfach Bücherwürmer und erlernen Studieninhalte gerne im Alleingang. Das ist doch in Ordnung? Die Quittung für Unwissenheit würden sie spätestens zum Zeitpunkt der Klausuren erhalten. Und wenn jemand durch eine Klausur fällt und sein Studium verlängern muss, hat derjenige im Grunde auch etwas gelernt: Entweder früher mit dem Lernen anzufangen oder doch lieber die angebotenen Vorlesungen mitzunehmen. Ich finde das ist eine Lektion, die einem nicht genommen werden sollte.

Nur zu gut erinnere ich mich an mein erstes Studiensemester. Zu dem Zeitpunkt dachte ich noch, dass ich eine große Japanologin werde. Ich träumte davon, durch Ostasien zu reisen, shintoistische Schreine zu entdecken und mich eloquent mit Japanern zu unterhalten. Das hätte alles sein können, hätte ich damals die Japanisch-Vorlesungen etwas ernster genommen. Das Resultat: Zwei Prüfungen, zwei Mal durchgefallen. Tatsache: Für ein Japanologie-Studium hätte ich mein Studium aufgrund der Wiederholungsklausur um ein ganzes Jahr verlängern müssen. BAföG, ade!

Heulend saß ich in der Sprechstunde von unserem Studienkustos Herrn Vollmer. Auf die Frage: »Was soll ich denn nun machen?«, antwortete er mir mit seiner ruhigen Stimme: »Japanologie wohl eher nicht«. Mein Glück, dass dies nicht seine einzigen Worte waren. Er ging mit mir verschiedene Optionen durch, um dann ganz spontan zu sagen: »Frau Bodenstein, lassen sie die Fremdsprachen sein. Kunst- und Kulturgeschichtliches interessiert sie doch eigentlich viel mehr. Das kriegen Sie schon hin.« Heute weiß ich: Er hatte recht. Kunst und Kultur ist einfach meins. Die Vorlesungen nahm ich trotzdem ernster. Ergebnis: Bestanden. Und in mehrfacher Hinsicht etwas dazu gelernt. \ FOTO: PIXABAY

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Grafik und Layout Malte Pferdmenges

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