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Gedankenstürme – Wenn Tr äume fliegen lernen

Gedichte und Gedanken: Sarah-Lena Birkenbeul Covergestaltung: Sophia Stephani Satz: Lukas Ullrich


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Inhalt Wenn Tr채ume fliegen lernen . . . . . . . . 4 Teil deines Lebens sein . . . . . . . . . . 6 Zeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8 Aufbruch . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 Heraus-gefordert . . . . . . . . . . . . . . 11 Schwimmen . . . . . . . . . . . . . . . . 12 Ich will kein Fallobstfresser sein . . . . . . 14 Liebesgedicht . . . . . . . . . . . . . . . 16 Ich habe einen Traum . . . . . . . . . . . 18 Aus dem Kopf schlagen . . . . . . . . . . 20 Valentinstagreformation . . . . . . . . . . 22 Stempelaufdruck . . . . . . . . . . . . . . 24 Die I-T체pfelchen des Lebens . . . . . . . 26 Freundschaft . . . . . . . . . . . . . . . . 28 Ganze Wahrheiten?! . . . . . . . . . . . . 30


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Wenn Tr äume fliegen lernen Eine Invasion von Ideenfunken kündigt sich an, packt die Gelegenheit beim Schopf und malt Bilder in meinen Kopf, durchströmt mich mit einer Wucht von Worten und kleinen Ansprachen, lässt mich nicht ruhen, bis ich sie endlich niederschreiben kann, diese Einfälle anordne, zu einem Spiegel meines Innern werden lasse. Wortspiele, ein Wirbelwind von Buchstaben. Ich beginne nachzudenken, den Reichtum meiner Sprache zu entdecken. Empfindungen, die mich umhauen, meinen Kopf durchfegen, aufräumen, neue Perspektiven schenken, einst versperrte Türen öffnen. Lass auch Du sie stürmen, die Gedanken, auf dich wirken, eine neue, deine ganz eigene Geschichte erzählen. Wenn Träume fliegen lernen wollen, dann lohnt es sich, diese loszulassen, unabhängig von dem hier, jetzt, und wann. Steige ein in den Orkan der Inspiration, steige auf und verlasse deinen verborgenen Kokon! Mutig werden, tragen lassen, flieg mein Schmetterling, flieg.


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Teil deines Lebens sein Hey, ich bin die Muße und möchte Teil deines Lebens sein, lade dich ein, mich auf eine Reise zu begleiten, gemeinsam die Abenteuer des Lebens zu bestreiten. Ich will dich packen, in andere Welten entführen, lasse dich spüren, dass es noch etwas Anderes geben kann, als dieses Chaos hier auf Erden. Bring dich weg von allem Rationalismus, aller Utopie, hin zu der Träumerwelt, wo ein anderer Wind weht, immer und nie nicht existieren. Dort scheint alles anders zu sein. Worte und Wünsche sind hier nicht mehr so klein. Ein Ort, wo du in Worten schwimmen kannst, in Melodien versinkst, dich die Sehnsucht bei der Hand nimmt und du mit der Wahrscheinlichkeit zusammen um die Hoffnung ringst. Ich will Teil deines Lebens sein, pflanze mich wie Efeu in deinem Kopf ein, mache mich breit in deinem Herzen, wage es täglich neu mit dem Rest deiner Gedanken zu scherzen, mich mit deiner Logik auseinanderzusetzen mit dem Optimismus um die Wette zu hetzen. Um dann, seinen Gegenspieler aus deinen Synapsen zu vertreiben, da er sich tarnt als Realist, in Wirklichkeit aber all deine positiven Ressourcen kaputtfrisst.


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Ja, Teil deines Lebens will ich sein, beauftragt von meinem Chef dir regelmäßig ins Ohr schreien, deine Augen aufzureißen. Ich will dich spüren lassen wie sich der Himmel anfühlt, dich an der Blume des erfüllenden Moments schnuppern lassen und mit dir vom Kuchen endloser Zeit essen. An deinem Leben will ich Teil haben, dich beanspruchen, dich stundenlang in deinem Wirrwarr von Gedanken suchen, dich am liebsten nie mehr loslassen, nur um eine kurzer Zeit deine Aufmerksamkeit zu erhaschen. Und manchmal komm ich ganz plötzlich einfach nur angeschlichen, so von dir entzückt, dass ich nichts anderes tun kann als: Dich küssen. In Liebe, Deine Muße!


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Zeit Tick, tick, tick tick… Zeit vergeht, Zeit steht, schleicht oder rennt, gerade noch versucht sie festzuhalten, haben wir sie schon verpennt. Die Uhr tickt, tickt, tickt… Zeit. Mal will ich sie zurückdrehen, oder hoffe sie bleibt für einen Moment stehen. Dann wieder vorspulen, oder ihr für einen Moment entfliehen. Tick, tick, tick… Was würden wir machen ohne Uhr, ohne zeitliche Struktur. Zeit richtig einteilen, pünktlich sein und ja nicht zu lange an irgendeinem Ort verweilen. Schließlich muss man die Zeit sinnvoll nutzen, ja nichts verpassen, unsere Zeitplan täglich überdenken, neu herausputzen.


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Denn es könnte sich ja etwas einschleichen, was mir die Zeit raubt, weitere wichtige Stunden, Minuten, Sekunden klaut. Tick, tick, tick… Ich weiß??? in drei verschiedene Dimensionen zu leben, ständig gedanklich zwischen Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft schweben. Tick, tick, tick… Stehen bleiben, Zeit anhalten, jemanden einstellen um effektiv meine Zeit zu verwalten. Zeit ist 100% vergänglich, wie bitte soll sie ich dann einst begreifen, wenn sie ist ewig? Ich will weg, ihr entfliehen, doch stattdessen hör ich sie nur mit dem Wind an mir vorüberziehen. Tick, tick, tick….


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Aufbruch Schon lang gestartet und doch noch nicht am Ziel, gemeinsam auf dem Weg mit perspektivischer Vielfalt. Bewusstsein für Nähe und Distanz, Individuum und doch Kollektiv. Erwachsen sein mit kindlichen Blick. Vertrauen lernen in Zeiten des Aufbruchs. Zwischen Kontrolllust und Orientierungslosigkeit. Eine Tür zum Leben mit vielen Schlüsseln. Eine Frage über Liebe mit tausend Antworten. Verantwortung für Entscheidungen mit jedem Tag mehr. Der Hunger treibt mit Unruhe nach Praxis, die der Haltung folgt. Von Theorie zum Tun bewegt bleibt Harren bis der Startschuss fällt. Erwartung wächst während Zweifel verdorrt. Mit Kompetenz gerüstet, um den Ruf zu hören. Spannung ohne En(t)d. Suchen nach dem Passenden aktiv nach dem Kreaktiven. Aufbruch des und vom Kokon. Bauen am Bild, das bleibt. Es steht fest und reißt nicht ein. Erinnerung an Zeiten, wie diese. Konservierung von Gefühlen Eindrücke mit Druckstellen. Ade du traute Reifezeit.


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Her aus-gefordert Herausforderung, Fordert uns heraus, raus aus unseren Schneckenh채uschen von Sicherheiten, man nennt sie auch Gemeinden, hinein in neue Welten. Konfrontation mit dem uns Fremden. Wir d체rfen beobachten, teilnehmen, beobachtend teilnehmen, selber Teil sein, einen Teil von uns geben, Neues mitnehmen. Herausforderung, fordert uns auf, loszuziehen, zu explorieren, loszulassen, Neues zu wagen. Lasst uns losgehen, uns mit der Welt drehen. Das Neuartige entdecken, diese Welt mal durch eine neu, alternative Brille wahrnehmen.


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Schwimmen „Ich will doch nur schwimmen. Uuuh. Ich tue doch nichts! Mhm…“ Ich will doch nur schwimmen, sagte ich mir beim Betreten des Hallenbads, in Ruhe meine Bahnen ziehen und das geht nun mal am besten mittags. Doch hätte ich gewusst, dass mich für mein geplantes Seelenbaumeln lassen, ein bestimmtes Klientel wird hassen, dann hätte ich‘s wahrscheinlich doch gelassen. Denn beim Ziehen meiner 100 Bahnen passierte so einiges, was ich nicht wagte, auch nur zu erahnen. Ihr müsst wissen, das war mir eigentlich auch vorher klar, ich bin wahrscheinlich nicht alleine da. Neben Familien, Sportlern und anderen Ausgekorenen, befanden sich in dem recht kleinen Becken noch etwa 15-20, ach was sag ich, unzählbar viele: Senior en. Was machen Senioren um diese Zeit nur im Schwimmbad? Ist‘s doch eigentlich 12 Uhr und Zeit zum Mittagessen Diese Frage hatte ich schon fast vergessen und die Hoffnung auf eine Antwort war sowieso schon längst aus meinem Kopf geschlagen, als ich an diesem Tag durfte endlich die Erklärung dafür erfahren: Ich schwamm und schwamm ganz normal in der einen Bahn, die meiner Meinung nach nun mal den Schwimmer galt, schließlich machten die Menschenmassen ja schon von dem Rest des Beckens keinen Halt, wo sie alles anderes taten als schwimmen, nämlich gemütlich ein „Schwätzchen“ halten, ihre Zungen trimmen. Bis mich plötzlich böse Blicke trafen. Wenn Blicke töten könnten, dachte ich nur, dann würde ich jetzt in Blut und nicht in Wasser schwimmen. Ach wäre neben mir doch nur diese blöde Schwimmerschnur, damit ich in Ruhe meine Bahnen schwimmen kann und nicht dauernd an irgendein Arm oder anderes Körperteil gelang.


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Bald würd sich mir die Antwort offenbaren, auf die ich musste schon so lange warten: Denn als ich die nächste Bahn beenden wollte, dabei vielleicht nicht ganz zärtlich einen dieser Senioren überholte, hörte ich eine Oma sagen: Wie könne man es denn nur wagen, in solchen Zügen so robust zu schwimmen? Die armen Menschen seien ja kurz vom ertrinken, wenn diese Schwimmer sie mit Wasser nass spritzten und die ganze ruhige Stimmung hier erhitzen und meinen zu versuchen, eine ganze Bahn für sich zu beanspruchen. Was wir hier überhaupt suchten? Schließlich sei: War mbadetag, und da sei ja wohl klar, wie der Sonntagskuchen, dass sie hier regierten und in wohlig warmer Atmosphäre durch das Wasser flanierten; und dazu bräuchte man nun mal genügend Platz und deswegen ginge für uns Schwimmer folgender Universalsatz: „Raus ihr Ruhestörer, fiesen Schwimmer oder was auch immer. Wir wollen euch hier nicht und wenn ihr trotzdem kommt, dann wird hier geschwommen, orientiert an unserer Sicht der Dinge, sonst passt auf, bewerfen wir euch mit Hausmeisters Schwimmringe(n). Ihr habt die Wahl und ja in diesem Thema sind wir konsequent und haben Herzen aus Stahl.“ Tja was sollte ich da nur machen? Sollte ich‘s richtig lassen krachen? Oder mich geschlagen geben, bereitwillig die Senioren unterstützen in ihrem Schmarotzerleben? Nun, ich habe meine Entscheidung getroffen, Ich werde gegen den Strom schwimmen, nicht die Alten lassen bestimmen und einfach hoffen, dass am Ende meines Hallenbadaufenhalts keiner ist ersoffen. Punkt!


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Ich will kein Fallobstfresser sein Die Legende der Frutarier, Frutaner oder wie sie auch heißen, diese komisch, verrückte, abge-space-te Gruppe von Menschen, die nur in Fallobst beißen, die Erde nach verfaulten Früchten absuchen, und jegliches Verzehren von lebenden Äpfeln verrufen. Woher wollt ihr bitte wissen, liebe Frutarier, falls ihr wirklich existiert, ob die Äpfel wirklich tot sin(d) vielleicht leben sie ja noch weiter auf dem Boden vor sich hin? Und ehrlich, wollt ihr wirklich Stunden unter Obstbäumen verweilen, bis der nächste Windzug kommt und die Früchte endlich runterfallen? Ich für mich, will kein Fallobstfresser sein, beiße lieber genüsslich in den knackigen Jonagold rein, lass mich von der Pink Lady verführen oder darf mich mit der Sorte Gala wie eine Prinzessin fühlen. Elstar, Boskoop, Golden Delicious; ich will sie alle verzehren, den frischen Saft auf meiner Zunge spüren, bis zum Gehäuse genussvoll aufessen, den fruchtig, spritzigen Geschmack einfach nicht missen.


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“An apple a day keeps the doctor away”, eine Frucht die nicht nur Gesundheit, sondern auch ewige Jugend verspricht, integrierbar ist in so manches Gericht: Von Mus bis Kuchen, Saft oder Wein, gebraten, gepresst oder einfach nur vollkommen rein. Frutarier, ihr seid etwas am verpassen, ich für meinen Teil werde auf jeden Fall nicht freiwillig von dieser Frucht lassen. Denn sie ist einfach nur „gelee“, granatenapfelgeil. Und ja, auf weitere Ausschmückungen werde ich jetzt mal verzichten, denn wie‘s in Goethes Faust so schön mag heißen: „Über Rosen lässt sich dichten, in Äpfel (aber) muss man beißen“


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Liebesgedicht Herzklopfen, Mentales Gedankenkarussell, welches ich durchfahre, pulsierend rotiere, und mich dabei nur um Dich kreise, unsere erste Begegnung noch einmal durchgehe. My heart beats like a dschungeldrum, bum, bum, bum Mister Supinator, für mich war es Liebe auf den ersten Blick, ganz unerwartet sah ich dich auf dem Poster in der Arztpraxis. Dein Format, dein Profil hat mich schlagartig umgehauen, mich in einen Zustand von Glückseligkeit versetzt, wie von Wolke 7 getragen, konnte ich nichts anderes, als dich mit einem großen Lächeln stundenlang anschauen, dich in meinem Gedächtnis ehrenwürdig einprägen, und so musste ich dir einfach diese, meine, Zeilen widmen:


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Musculus Supinator, Du kleinster Muskel aller Skelettmuskelfasern, ich hab dich einfach gern. Auch wenn ich dich vielleicht hautnah, aber hoffentlich nie darüber hinaus persönlich kennenlern(e), kann ich doch nicht ohne dich, du, der du bedeutend mein Leben und Rotieren bestimmst. M. Supinator, Triumphator, Meister, Gigant, du toller Hecht, dich setzt auch keine Kampfansage außer Gefecht. Du gibst Halt, lässt Elle und Speiche parallel und nicht gekreuzt zu einander stehen, durch dich kann ich meinen Unterarm erst drehen, schreiben, in Freiheit bewegen, dafür Reime paaren und kreuzen. Dir gebührt Rang und Hochachtung, Akklamation, viel mehr Einfluss und namentliche Anerkennung, du hast ihn dir verdient: den Ehrenplatz in meinem Herzen. Und ich hoffe inbrünstig, dass dies der Beginn ist, einer unvergleichlichen, nie endenden Hingabe!


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Ich habe einen Tr aum (Gedanken einer Malaysischen Fr au) Gefangen, in ethnischer Tradition und sozialer Klasse. Festgehalten von den Vorstellungen der breiten Masse: „Du musst, du sollst Herrin des Hauses und der Kinder sein, Haushalt, Arbeit, Familie in deinem Alltag vereinen, dich unterordnen, Mann und Religion gehorchen, deine Wünsche ins Abseits verorten, Demut zeigen, lieber schweigen!“ Ich hab einen Tr aum: Einmal… Gleichberechtigung erfahren, den Schritt aus der Rolle Hausfrau und Mutter wagen, Mauern der Stereotypisierung überwinden, Wertschätzung, Erfüllung in neuen Aufgaben finden. mich Losbinden von religiöser Tradition, Diskriminierendem Spott und Hohn. Den Einfluss der Scharia, dem islamischen Gericht stoppen. Gnade vor erniedrigenden Gesetzesbeschlüssen erhoffen.


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Einmal… Gesehen werden, In Beruf und Politik Beachtung und Wertschätzung ernten, Unabhängig, eigenständig sein, Wunden sexuellen Missbrauchs, selbstverständlicher Gewaltübergriffe wegschreien. Eines Tages ausbrechen, Verständnis und Bemühungen erfahren, die das Arbeitnehmerrecht wahren, klare Arbeitszeiten und gerechte Löhne schaffen, um die Familie auf dem Land ausreichend zu versorgen. Nie mehr ausgepeitscht, geschlagen werden, sich loslösen von dem Haufen aus Scherben. Wieder die Rechte der Frau, frühere Unabhängigkeit zurückgewinnen. Träume spinnen. Brücken anstatt Mauern bauen. Neu vertrauen. „Steht auf für Ger echtigk eit!“ all ihr Frauen, all ihr Menschen Es wird Zeit, für unser Recht einzutreten, nicht mehr wegzusehen, endlich Stellung zu beziehen. Ich habe einen Tr aum! Und daran halt ich mich fest Mit der Hoffnung, dass mich zumindest eine Instanz nicht im Stich lässt.


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Aus dem Kopf schlagen Das kannst du dir aus dem Kopf schlagen, sofort vergessen, Halteverbot den Gedankenspinnen, dem naiven Nachsinnen, Voilà, der Schlussstrich utopischen Visionen nachzurennen. Kick sie out, die naiven Gedanken, Träumereien, lerne realistisch, prosaisch, gar analytisch und nüchtern zu sein. Komm endlich auf den Boden der Tatsachen zurück, Gewalt ist eine Lösung, zumindest in diesem Stück. Doch je mehr wir versuchen uns diesen Gedanken abzuwenden, desto mehr wollen sie uns einnehmen, lassen sie sich nicht verdrängen. Wir tasten uns langsam vor, doch können sie nur kaum überwinden. Ideen, die unsere tiefsten Sehnsüchte, unsere Träume illustrieren, Intuitionen, die Wahrung der Integrität und Heilung vergangener Verletzungen propagieren. Aus dem Kopf schlagen, sich selbst bewusstlos prügeln. Der Kampf unseres inneren Teams kann beginnen.


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Doch wer wären wir nach dem Knockout, Walkover oder Rsc-os? Irgendjemand, jeder, Sos! Wir stehen in der Gefahr uns selbst aufzugeben, Ziele anzustreben, die uns widersprechen, nicht mehr unsere, sondern die Träume anderer zu leben, unser Selbstbewusstsein aus dem persönlichen Kampfring zu verbannen. Ein kleiner Satz, durch den unsere kleine Welt der Realitäten aus den Fugen geraten kann. Das kannst du dir aus dem Kopf schlagen, hören wir sie aussprechen, dazwischen werfen, doch ich frage sind wir bereit es trotzdem zu wagen? „Fears take fly“, Mut, nicht uns, sondern neue, kreative Wege einzuschlagen. Annahme und Wachstum im persönlichen Versagen. Trotz Niederlagen wieder aufstehen, nach vorne sehen, das Beste aus dem uns Gegebenen machen, für uns selber und unsere Träume sorgen lernen, eigene Schätze entdecken, längst vergessene Lebenswünsche wecken. Das kannst du dir aus dem Kopf schlagen! Es wird Zeit, den Kampfring zu verlassen!


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Valentinstagreformation Weil du mein Nächster bist und bald wieder Valentinstag ist, will ich dir, mein Nächster, diese Zeilen widmen, dich mit Worten überschütten, dir Adjektive wie phänomenal, staunenswert oder „gelee“ zuordnen, auf meiner To do Liste ganz weit oben verorten, dich gern haben und dir sagen: Ich mag dich, weil du so bist wie ich, der sich ab und zu nach Wertschätzung sehnt, gelegentlich nach Anerkennung und Beachtung strebt, ab und zu mal eine Umarmung braucht, oder zur Beruhigung gern mal eine Zigarette vergangener Komplimente raucht. Ja, du bist ein Mensch wie ich, kunstvoll erdacht. Und wir Geschöpfe wollen gesehen werden, Gemeinschaft genießen, für uns werben geben und nehmen, Freundschaft schließen. Wollen wir selber sein dürfen, uns wohl und angenommen fühlen, uns beschenken lassen, zeitweilig Bewunderung erfahren. Wir alle sind komparabel, analog in unserer Urnostalgie nach Angenommen sein, sind ähnlich gestrickt, wollen träumen Belobigung ernten, wahrgenommen werden. Ja, wir brauchen unsere Pullis der Sicherheit, den wärmenden Schutz aus wohltuenden Worten und Gesten, wollen uns überstülpen den Mantel aus Segen uns schmiegen in der Wolle der Geborgenheit, dem Stoff, der nach Nutzen und Getragen werden schreit.


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Darum Leute, lasst uns Pullis stricken, kreative Designer der Wertschätzung sein, Ideen sammeln und gemeinsam Kleider der Liebe und Anerkennung austeilen. Nicht unseren Nächsten scheuen, sondern beschenken, den Sinn des Valentinstags in eine andere Richtung lenken. Wäre es Jesus sein Tag, dann würde er allen gelten, nicht nur den einzelnen sich vereinenden Seelen, sondern denen, denen vielleicht so keiner gedenkt, von denen man lieber seinen Blick in eine andere Richtung lenkt. Die Personengruppe, die die Menschheit hasst. Die Kategorie Mensch, welche scheinbar nie Beachtung von jemanden erhascht. Gekommen um zu dienen, zu heilen und sein Leben zu widmen, sich den Kranken, Verlassenen und Ausgegrenzten hinzugeben. Mein Erlöser, Schöpfer, die Gottheit selbst will ich mir zum Vorbild nehmen und auch euch auffordern eine Reformation des Valentinstags zu starten, Gottes Brille, seine Sicht auf die Menschen, zu tragen. Gemeinsam mit ihm neue Schritte wagen. Pullover der Zustimmung und Wertschätzung stricken. Kurz gesagt, diese geile Welt mit Jesus und nicht Valentin rocken!


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Stempelaufdruck Ene mene mis-te – es rappelt in der Kis-te, ene mene mek – und du bist weg. Raus, weg, ausgeschlossen, der Gemeinschaft ausgewiesen, abgeschrieben, einer ganz bestimmten Rolle pseudozufällig zugewiesen. Plötzlich überrempelt. Abgestempelt! Es ist wieder soweit, es hat mich wieder erwischt, ein neuer Stempelaufdruck in meinem Gesicht. Ein Stempel, der mich meint zu definieren, willkürlich zu kategorisieren. Scheinwahrheiten festzulegen, ohne mir die Chance zu geben, der sein zu dürfen, der ich gerade sein will. Ausgeschlossen – ich werde still. Sehnsucht macht sich in mir breit, nach Freiheit, Sicherheit, Beständigkeit. Erfüllung, die ich nur bei einem finden kann: „Mein Gott, an dich kommt einfach keiner ran!“ Du nimmst diese Stempel ab, machst mich frei, und siehst liebevoll auf mich herab. Vor dir darf ich sein, lieben, hassen, tanzen, schlafen, vor Wut schreien. Vor dir, darf ich heil werden, alles raus lassen, mich auskotzen, ich bin dein und du bist mein.


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Mein Gott, bei dir kann ich endlich aufatmen, und auch verzeihen. Du siehst mich ohne den Stempel in meinem Gesicht und die, die ich selber an andere zu verteilen wage, ihnen ihr Selbstsein untersage. All diese Last, diese Schuld Nimmst du von mir, jetzt und hier. Deswegen will ich loslassen, losziehen, in das Ungewisse, mich ahnungslos davon beamen. Auf dessen Wegen gehen, schreiten, laufen, nicht mehr zurücksehen, nach vorne wenden, keine Zeit verschwenden, träumen, rumspinnen, mein Herz zurückgewinnen. Das macht die Hoffnung. Das ist die Macht der Hoffnung, die mich am Leben erhält, keine dummen Fragen stellt, festhält. Deswegen wag ich den Schritt, ab jetzt gibt es kein Zurück mehr. Auf zu neuen Ufern, vom Stadtrand weg, von allem Druck, Lärm, fortbewegt zum Strand, Sand zu meinen Füßen, Weite. Meer. Wärme, Sonne strahlend, meine Erwartungen überragend. Wo du bist, da ist Stille, die sanft meine Sehnsucht stillt, Trost spendet, ich tanze, drehe mich mit dem Wind, im Uhrzeigersinn, spüre wie ich Ich bin. Angekommen.


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Die I-Tüpfelchen des Lebens Sonnenstrahlen, die mich morgens aus dem Schlaf kitzeln, mich sanft aufwecken, mitnehmen, in ein Leben, so explosiv und undurchschaubar aufregend, atem-beraubend. Ein neuer Anfang beginnt, jetzt mit diesem Moment. Naturklänge, die Melodien des Lebens spielen. Ich spüre den Wind, wie er mich wagt zu durchdringen, meine Gedanken für einen kleinen Augenblick der Zeit zu verdrängen, dem Alltag zu entfliehen, mich von dem nüchternen Asphalt unter meinen Füßen wegzuziehen, kurzzeitig davon zu schweben. Musik in meinem Ohr, die mich antreibt, mir nichts vorschreibt, mich sein lässt, an die Hand nimmt, und mit mir durch das Meer der mich umgebenden Schallwellen davon schwimmt. Ich will ihn wieder festhalten diesen Moment, der Moment, der mir ein weiteres i- Tüpfelchen des Lebens schenkt. Figuren eines Buches, die mich in eine andere Welt entführen, mich mit hineinnehmen, in ein phantasievoll, schöpferisches Abenteurland, ihre ganz eigene Geschichte erzählen, geschrieben wie von Zauberhand.


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Ausblick in ein weit, verlassenes Tal, eine Komposition von Düften meiner Wahl, Kulinarische Reisen durch andere Kulturen, Erinnerungen an lang vergessene Gedächtnisspuren. Ich will ihn fassen den Moment, nie mehr hergeben, in meine Gedächtnisfotowand kleben, bevor er mir wieder wegrennt, der Moment. Duft warmen Sommerregens auf heißem Asphalt, ein Wolkentheater „for free“ extra für mich bestellt, Worte die unerwartet mein Herz berühren, mich lassen meine tiefsten Sehnsüchte und Träume verspüren. Erkenntnisse, die mich punktuell schweben lassen. Ein Gedankenaustausch, der mich weiß aus den Tiefen der Traurigkeit zu hieven. Endlose Lachzeremonien. Ein unerwartetes Wenden aussichtsloser Situationen. Es ist wieder soweit, ich will ihn festhalten diesen Moment, der Moment, der mir ein weiteres i- Tüpfelchen des Lebens schenkt. Will ihn nie mehr hergeben, in meine Gedächtnisfotowand kleben, bevor er mir wieder wegrennt, der Moment. Ja, ich will ihn fassen den Moment, nie mehr loslassen zu meinem kleinen Stückchen Ewigkeit auf Erden werden lassen.


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Freundschaft Ich sehe alte Einmachgläser, damals in Kindertagen, gefüllt mit kleinen Tierfreunden, heute, mit vergangenen Momenten, Sonnenstrahlen, Regentropfen, festgehalten und verschmolzen. Was daraus entsteht, ist ein Regenbogen. Eine Vielfalt von Farben, Augenblicken, Tagen, Jahren, tiefer Beziehung. Freundschaft – eine Verbindung zweier Menschen, die Freude schafft, Heimat. Freundschaft lädt ein, ehrlich, man selber zu sein, Leben zu teilen. Sie schenkt Mut, sich auf einen anderen Menschen einzulassen, das Abenteuer blinden Vertrauens zu wagen. Freundschaft – das Zusammenkommen verwandter Seelen, gleich der Exploration lange unbekannter Planeten. Eine Schatzkiste mit Lebenskraft, kleinen Diamanten erlebter Zeiten, Spiegeln, die uns zum Du machten, einen Teil unseres Lebens prägten. Freundschaft ist Verbindung, die nicht immer Worte braucht, die manchmal mehrere tausende Kilometer übergeht, Krisen und lange Zeitfenster des Schweigens übersteht, Tränen nicht nur geteilten Leids verbraucht.


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Freundschaft begleitet, ist fest verankert in unsere Gedächtnisfotowand, streitet, und weitet den Horizont, Perspektiven. Sie ist stets willkommen in unserem Herzen, gedanklich konserviert, aufbewahrt, in unseren Marmeladengläsern von heute. Und so wie die Tierfreunde unserer Kindheit, bedarf auch Freundschaft und Erinnerung, Wahrung, Pflege, Wachstum, Fürsorge. Pass gut auf ihn auf, den dir anvertrauten Schatz, dein Geschenk des Himmels. Freundschaft –Ein Stück Heimat, Lebenskraft.


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Ganze Wahrheiten?! Wir glauben zu wissen, dass das, was wir (und andere) für wahr halten, der Wahrheit entspricht. Doch was wäre, wenn unser Wissen mehr ein Vermuten ist und unser „Für-Wahr-Halten“ seine Subjektivität und den ihn beinflussenden Kontext vergisst. Ich bin, was ich ess, was ich trag, was ich präsentier nach außen hin. Und laut meines Fitnesstrainers ist mein Weg zur körperlichen Vollkommenheit noch lange nicht gegeben. Und weil ich diese Worte mir zu Herzen nahm, schleppte ich mich Tag täglich in die Bude von Barbie und Ken und verfiel dem personifizierten Fitnesswahn. Dort traf ich Motivationsdoppelgänger von Popstar-Dee und Co und eigentlich fühlte ich mich weniger unter Menschen als unter Tieren im Zoo. Wölfisches Jaulen des Instructors um uns Probanden anzufeuern, nach Luft schnappende Kursteilnehmer gleich sterbenden Geiern, mein Gesicht so rosarot wie ein Pavianarsch, Klositzhaltung wie die eines Affens als effektiven Dauermarsch. Durchhalten. Nicht erneut hinterfragen. Hoffentlich aufkommende Erfolge neben dem, des Muskelkaters abwarten.


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Wir glauben zu wissen, dass das. was wir (und andere) für wahr halten, der Wahrheit entspricht. Doch was wäre, wenn unser Wissen mehr ein Vermuten ist und unser „Für-Wahr-Halten“ seine Subjektivität und den ihn beinflussenden Kontext vergisst. Wir sitzend vor dem Bildschirm In Kindertagen die Ausnahme, heute als herangewachsene Damen oder Herrn, bleiben wir dem modernen Kommunikationsmittel kaum noch fern. Unterbrochen von Gedanken der Nostalgie: Ach wie gern, würd ich XY noch mal zu Gesicht bekommen, so richtig “face to face”, real vor mir, im Jetzt und Hier und nicht in der medialen Umwelt die mich von so vielen Dingen abhält, Kreativität einschränkt Werte, Ansprüche, Bedürfnisse umlenkt. Aber, was soll‘s, schließlich entspricht das dem Lauf der Zeit. Und Gedanken wie: „wir können heut zu Tage einfach nicht ohne ES leben“, machen sich in uns breit: Das Internet, die so paradox „real“, virtuelle Welt. Und so sammeln wir weiter Gesichter auf Facebook, und bekommen die Leute kaum noch darüber hinaus zu Gesicht. Wir wundern uns über Vereinsamung und die durchgeknallte Welt, doch wissen nicht, was sich konkret um uns herum und in den Häusern neben uns abspielt.


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Trotzdem glauben wir zu wissen, dass das, was wir (und andere) für wahr halten, der Wahrheit entspricht. Doch was wäre, wenn unser Wissen mehr ein Vermuten ist und unser „Für-Wahr-Halten“ seine Subjektivität und den ihn beinflussenden Kontext vergisst. Einkaufszentren, Internetwerbung, die mit den neusten Angeboten, auf meine „Bedürfnisse“ abgestimmt, locken, mir angeblich Einzigartigkeit und Identität verschaffen und mich eigentlich nur abzocken. Konsumveränderung, die nach dem Trend, stetiger Erneuerung geht, und egoistisch um unbegrenzte Ressourcen, Macht und Geld im limitierten System pokert. Wo ist die Nachhaltigkeit von Produkten geblieben? Unsere Wegwerfgesellschaft will konsumieren, nicht mehr anhaltend besitzen. Wohin mit dem Gefühl der Wahrheit, ich müsste mich täglich neu einkleiden und kreativ einrichten? Dem Wahnsinn verfallen: Lohnsklaverei, Missstand, Zerstörung unseres Lebensraums werden stetig von mir in Kauf genommen, damit ich weiter kaufen kann, um vorgetäuschte Stillung gesuchter Individualität, Status und Heimat zu atmen. Wir glauben zu wissen, dass das, was wir (und andere) für wahr halten, der Wahrheit entspricht. Doch was wäre, wenn unser Wissen mehr ein Vermuten ist und unser „Für-Wahr-Halten“ seine Subjektivität und den ihn beinflussenden Kontext vergisst.


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Erst das Erfüllen bestimmter Kriterien, macht mich zu dem wahren Christ. Stimmen über die Kindheit und Jugend, die uns prägen und meist die Mündigkeit ihrer Schäfchen übergehen. Wir lernen lieber misstrauisch gegen die Welt und ihre Vertreter zu plädieren, Glauben, Heilswege und unseren Schöpfer gedanklich einzuschränken, und genießen es lange in der ersten Naivität des Glaubens zu verweilen. Wir glauben zu wissen, dass das, was wir (und andere) für wahr halten, der Wahrheit entspricht. Doch was wäre, wenn unser Wissen mehr ein Vermuten ist und unser „Für-Wahr-Halten“ seine Subjektivität und den ihn beinflussenden Kontext vergisst. Desorientiert im Meer von Ansichten und Wahrheiten, mit Meinungen und Argumenten vollgepumpt, frustriert gestrandet in Überforderung. Das einzige, was mir jetzt noch helfen mag, ist ein Stoßgebet nach oben, oder wohin auch immer. Ich will hoffen. Nicht wissen, sondern glauben, vertrauen setzen in ein vielleicht ebenfalls von uns personifiziertes, allmächtiges Gegenüber. Zu groß, um je zu fassen, zu verstehen. Hyponym und –präsent und trotzdem, resultierend aus meiner menschlichen Begrenztheit, schwer zu erkennen. Irgendwas lässt mich in getroster Zuversicht abwarten, weiter fragen, die Konfusion von Wahrheiten durchforsten, mit dem Wissen, der Vermutung, um‘s ganz genau zu nehmen, wohl nie die ganze Wahrheit für mich erkennen zu können, Wäre ja auch langweilig, wenn wir nicht täglich, neue Erkenntnisse für uns entdeckten. Punkt.


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Gedankenstürme  

Lyrik von Sarah Lena Birkenbeul

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