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reingehört

Werke von Feldman Zimmermann Schönberg • Xenakis Phantasy of Spring ECM New Series CD 476 3310

Doppelt hochkarätig Seit Jahrzehnten schon bevorzugt Martha Argerich den Auftritt mit Duopartnern oder kammermusikalischen Formationen gegenüber dem Solokonzert. Ein – musikalisch wie menschlich – besonders enges Verhältnis hat sie im Verlauf ihrer Karriere zu dem geheimnisumwitterten brasilianischen Pianisten Nelson Freire aufgebaut, der erst vor wenigen Jahren nach langer Abstinenz auf die internationalen Konzertbühnen zurückgekehrt ist. Es ist die vom ersten Moment an spürbare, totale Vertrautheit zweier Ausnahmekünstler, die ihren gemeinsamen Auftritt im Rahmen der diesjährigen Salzburger Festspiele zu einem Konzert­ ereignis ersten Ranges machte. Auf dem Programm standen Johannes Brahms’ „Haydn-Variationen“, Sergej Rachmaninoffs „Symphonische Tänze“ sowie Maurice Ravels „La Valse“ – jeweils in von den Komponisten selbst arrangierten Fassungen für zwei Klaviere. Als Kontrast dazu führten Freire und Argerich noch Franz Schuberts „Grand Rondeau“ D 951 auf – gemeinsam an einem Klavier musizierend und gänzlich sich versenkend in Schuberts verinnerlichte Klangwelten. • HR

Carolin Widmann, Violine Simon Lepper, Klavier

Die Ohren und ihr Atem „Man meint, er bräuchte die mathematische Konstruktion, um das Übermaß an Urgewalt und Emotion in seinem Inneren zu bändigen“, sagt Carolin Widmann über den griechischen Komponisten Iannis Xenakis. Ein typischer O-Ton der Geigerin: Was immer sie spielt, stets nimmt sie die Musik persönlich, identifiziert sich kompromisslos, lotet tiefe Abgründe aus. Um dann mit einer Intensität zu Werke zu gehen, die den Hörer keinen Moment lang unbeteiligt lässt. Über ein Jahr hat sie an der Zusammenstellung ihres Duoprogramms mit dem Briten Simon Lepper gearbeitet. Höchst instruktiv machen die zwei um 1950 entstandenen Stücke und zwei Werke von 1975 einen frappierenden Epochenbruch erkennbar. „Der ganze Körper muss zum atmenden Ohr werden“, meint Widmann zur Musik von Morton Feldman – und genau dies erleben wir beim Hören. Die harte Arbeit an den fast unlösbar komplizierten Partituren hat sich also gelohnt … • GG www.ecm40.de

www.martha-argerich.de

Gesänge der Nacht So früh die Schweiz zu politischer Selbstbestimmung gefunden hat, so zögerlich befreite sie sich musikalisch vom übermächtigen Einfluss der Nachbarländer. Eigentlich dauerte es bis zu Frank Martin und Arthur Honegger, ehe sich eigene Traditionen zu bilden begannen. Othmar Schoeck (1886–1957) ist der große Unbekannte dieser Generation, ein Spätromantiker, der sich ständig zwischen allen Stühlen wiederfand. Vor dem zweiten Weltkrieg galt sein chromatisches Espressivo als allzu herb – danach hingegen als hoffnungslos démodé. Nun legen der Bariton Christian Gerhaher und das Rosamunde Quartett eine wunderbare Interpretation von Schoecks wohl persönlichstem Werk vor, dem 1933 vollendeten „Notturno“ auf Gedichte von Nikolaus Lenau und Gottfried Keller. Und plötzlich wird offenbar, wie viel diese im Grunde tonale Musik doch mit Berg und Schönberg verbindet. Ihr tiefer Weltschmerz ergreift auch heute noch unmittelbar. • GG www.ecm40.de

Totale Vertrautheit:

Brahms • Rachmaninoff Schubert • Ravel Salzburg Deutsche Grammophon CD 477 8570

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Martha Argerich Nelson Freire, Klavier

Foto: Wolfgang Lienbacher / DG

Nelson Freire und Martha A rgerich

Othmar Schoeck Notturno ECM New Series CD 476 6995

Christian Gerhaher, Bariton Rosamunde Quartett

KlassikAkzente Printausgabe 2009_04  

In dieser Ausgabe: Cecilia Bartoli: Leidenschaft, die Leiden schafft, Deutsche Grammophon - 111 Jahre Musikgeschichte, Lang Lang - Der Geist...

KlassikAkzente Printausgabe 2009_04  

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