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Foto: Mathias Bothor / DG

reingehört

Manifest des Augenblicks „Testament“ ist ein recht ungewöhnlicher Titel für einen Musiker, der noch einiges vorhat. Unter diesem Titel veröffentlicht der Pianist Keith Jarrett jedoch die Mitschnitte zweier Konzerte, die er 2008 in London und Paris gab. Wie schon auf seinem Klassiker „The Köln Concert“ folgt er dabei keiner anderen Vorgabe als seiner spontanen Imagination. Beim Hören allerdings mag man schwer nachvollziehen, dass diese Musik wirklich ein Produkt des Augenblicks ist. Man stelle sich vor, ein Architekt würde spontan und aus dem Moment heraus eine Kathedrale errichten. Der dynamische Fluss, die ausgeklügelte Struktur und das umfassende Referenzsystem der hier erspielten Stücke wirken wie eine klassische Suite. „Testament“ ist das immergültige Manifest eines Augenblicks, das die messbare Ausdehnung der Zeit und die Unumkehrbarkeit des intuitiven Prozesses ad absurdum führt. • WK www.keithjarrett.de

Böhmischer Barock:

Magdalena KoŽená

Weihnachtsgrüße aus Kladrubech

Keith Jarrett Testament ECM CD 270 9583

Lieben Sie Jakub Jan Ryba? Sie wissen gar nicht, wer das ist? Dann wird’s aber höchste Zeit, dass sie mit dem böh­mischen Barockkomponisten Bekanntschaft schließen. Denn spätestens seit sich seine Landsfrau Magdalena Kožená zur Anwältin der wunderbar schlichten und eingän­ gi­gen weihnachtlichen Hirtengesänge und tschechischen Weihnachtsmesse aufgeschwungen hat und beide Stücke mit der Capella Regalis Musicalis im September 1998 in der Klosterkirche Unserer Lieben Frau in Rybas Heimatstadt Kladrubech für die Archiv Produktion aufgenommen hat, sollte dieses Weihnachtsalbum in keinem das Weihnachtsfest bejahenden Haushalt mehr fehlen. Die fröhliche Atmosphäre der Weihnachtsmesse steht dabei in hartem Kontrast zu Rybas unglücklichen Lebensumständen, welche ihn 1815 in den Freitod trieben. Davon ist jedoch in den anrührend naiven, Elemente der romantischen Musikbewegung vorwegnehmenden Kompositionen nichts zu spüren. • AK www.magdalena-kozena.de

Jakob Jan Ryba Tschechische Weihnachtsmesse Archiv Produktion CD 477 8365

38 www.KlassikAkzente.de

Magdalena Kožená, Mezzosopran Capella Regia Musicalis Dirigent: Robert Hugo Veröffentlichung: 13. November

Keith Jarrett, Klavier

Rückblick nach vorn Jan Garbareks Popularität beruht nicht nur auf einer Hörerbindung weit über den Jazz hinaus. 40 Jahre nach seinem Karrierestart gibt er uns auch die wohltuende Gewissheit, dass der Idealismus von einst mit dem standardisierten Gleichlauf der Gegenwart in Einklang stehen kann. Kaum aufgefallen war bisher, dass der leidenschaftliche Livemusiker noch nie einen Konzertmitschnitt seiner Band veröffentlicht hatte. Das holt er nun auf „Dresden“ nach. „Anfang der 70er brauchten wir einen, wenn etwas falsch lief auch mal zwei Takes“, erinnert sich der Norweger. „Später brauchten wir immer mehr Zeit. Unser Ideal blieb es aber, die Platten in einem Rutsch aufzunehmen. Insofern entsprechen Liveplatten heute den Studioalben von damals.“ „Dresden“ vereint alle Charakteristika von Garbareks Musik und darf getrost als Resümee seines bisherigen Gesamtwerkes verstanden werden. • WK www.jan-garbarek.de

Jan Garbarek Group Dresden ECM CD 270 9572

Jan Garbarek, Sopranund Tenorsaxophon, Selje-Flöte Rainer Brüninghaus, Klavier/Keyboards Yuri Daniel, Bass Manu Katché, Schlagzeug

KlassikAkzente Printausgabe 2009_04  

In dieser Ausgabe: Cecilia Bartoli: Leidenschaft, die Leiden schafft, Deutsche Grammophon - 111 Jahre Musikgeschichte, Lang Lang - Der Geist...

KlassikAkzente Printausgabe 2009_04  

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