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Unerreicht:

A rturo B enedetti ­M ichelangeli

Foto: Pauline Belviso / DG

Meister des Minimalen Ludovico Einaudi ist ein Star aus gutem Hause. Sein Großvater Luigi war Italiens erster Staatschef nach dem 2. Weltkrieg und das von der Familie gegründete Verlagshaus Einaudi gehört zu den Fixpunkten des literarischen Lebens im Lande. Seinen Ruf als Pianist, Komponist, Soundtrack-Spezialist („Primavera“ ist im Trailer der Bestsellerverfilmung „Der Vorleser“ zu hören) und Meister der pastellenen Zwischentöne hat er sich aber unabhängig davon erarbeitet. Seit dem Durchbruch mit „Le onde“ (1996) hat Ludovico Einaudi eine Dreiviertelmillion Platten verkauft, mit kammermusikalisch minimalistischer Musik, die den Menschen zu Herzen geht. Daran knüpft er nun mit „Nightbook“ an. „Diese Musik ist eine Reise und jedes Stück ist wie ein Kapitel einer Geschichte oder die Facette eines Prismas, ein Weg, zu einer tieferen Ebene von uns selbst vorzudringen”, kommentiert er seine klingenden Impressionen, die ihm bei Tourneen während der vergangenen Jahre zuflogen. Einaudi folgt ihnen behutsam, aber bestimmt und stellenweise um Gäste wie den Cellisten Marco Decimo ergänzt – ein Magier der kleinen, feinen Form. • RD www.einaudi.de

Wäre mancher Feuilletonist nicht immerzu beschäftigt mit Einspielungen von heute, mit der Suche nach neuen Klavierstars, die dann meist schneller wieder aus dem Licht der Öffentlichkeit verschwinden, als sie aufgetaucht sind – er könnte viel schreiben über eine Aufnahme wie diese von Arturo Benedetti Michelangeli. Vor genau 25 Jahren riss der italienische Pianist das Publikum in der Pariser Salle Pleyel zu Begeisterungsstürmen hin, als er zusammen mit Daniel Barenboim und dem Orchestre de Paris Schumanns Klavierkonzert aufführte. Hier trafen zwei Musiker aufeinander, die sich gegenseitig bewunderten und die beide als Pianisten die anspruchsvolle Konzeption des a-Moll-Konzerts tief verinnerlicht haben. Besonders in den wenigen Takten des Andantinos hört man, wie intensiv sie gemeinsam dem Puls des Werkes nachspüren, aber auch die energischen Passagen zeugen von großem künstlerischen Einvernehmen. Dass diese Aufnahme nun zum ersten Mal veröffentlicht wird (ergänzt übrigens um vier der „Images“ von Debussy), ist nicht nur für Michelangeli-Fans, sondern auch für Schumann-Liebhaber ein Glücksfall. Vergleichbare Einspielungen von heute gibt es nur wenige. • JB

Foto: Christophe Beauregard

Am Puls des Konzerts

Pastellene Zwischentöne:

L udovico E inaudi

Robert Schumann Claude Debussy Klavierkonzert a-Moll op. 54 • Images Deutsche Grammophon CD 477 8569

Arturo Benedetti Michelangeli, Klavier Orchestre de Paris Dirigent: Daniel Barenboim

Nightbook Decca CD 476 3639

Ludovico Einaudi, Klavier

www.KlassikAkzente.de 37

KlassikAkzente Printausgabe 2009_04  

In dieser Ausgabe: Cecilia Bartoli: Leidenschaft, die Leiden schafft, Deutsche Grammophon - 111 Jahre Musikgeschichte, Lang Lang - Der Geist...

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