Page 27

Foto: Alix Laveau / DG

Lustvolle Beschäftigung mit der eigenen Identität:

Roberto Al a gn a

Der französische Sizilianer Roberto Alagna ist ein typischer Franzose: Seine Wurzeln liegen nämlich ganz woanders. Auf seinem Album „The Sicilian“ lässt er sie uns hautnah miterleben. Der Tenor Roberto Alagna ist in Frankreich geboren, aufgewach­ sen und ein Superstar, dessen Albumverkäufe sich mit denen der beliebtesten Popstars mes­ sen können. Aber er stammt aus einer durch und durch siziliani­ schen Exilfamilie. Entsprechend war die erste Sprache, die Alag­ na gelernt, gesprochen und ge­ sungen hat, Sizilianisch. Roberto war der erste Alag­ na, der in Frankreich geboren wurde. Seine frühesten Erinnerun­gen kreisen um die traditio­ nellen Sonntagsessen zuhause, zu deren Abschluss sein Vater zur Gitarre griff und alle gemein­ sam Walzer, Wiegenlieder und Tarantellas auf Sizilianisch an­ stimmten. Lieder, die damals in Frankreich für die Alagnas die einzige Verbindung zu ihrer Hei­

mat darstellten. Es sind diese Wurzeln, zu denen Alagna zu­ rückkehren will, und zwar nicht nur mit einem einzelnen Album, sondern mit aller Intensität und allem Ehrgeiz: „Dieses Album ist das Persönlichste, das ich je ge­ macht habe“, sagt er. Nun gut, werden Sie sagen, das hört man öfter. Aber wie ist es damit: „Ich werde diese Lieder bis zum En­ de meiner Tage singen. Sie wer­ den mein Image prägen. Ich leugne meine erste Liebe, die Oper, nicht, aber ich möchte, dass man von nun an, wenn man an Roberto Alagna denkt, an diese sizilianischen Lieder denkt.“ „The Sicilian“ ist nicht ein­ fach das „Tenoralbum mit südi­ talienischen Liedern“, das früher oder später eben dazugehört für

einen Tenor, der mit dem italie­ nischen Fach assoziiert wird. „The Sicilian“ steht auch nicht in einer Reihe mit illustren und teil­ weise großartig gelungenen Vor­ gängerprojekten von Tenören wie Franco Corelli, Luciano Pa­ varotti oder jüngst Andrea Bo­ celli. Nein, „The Sicilian“ ist das Ergebnis einer erfolgreichen und höchst lustvollen Beschäftigung mit der eigenen Identität – und ein Album, wie wir es so noch nie zuvor gehört haben. Denn wer erwartet, dass ei­ ner der größten lebenden Opern­ tenöre das sizilianische Lied ent­ weder als Kunstlied oder als opulent arrangiertes, massen­ taugliches Entertainment behan­ delt, wie viele vor ihm es getan haben, der wird eine faustdicke Überraschung erleben: Bei Ro­

berto Alagna gibt es stattdessen einen umwerfend schmissigen, angemessenerweise fast schon „schmutzigen“ Vortrag mit au­ thentischen volksmusikalischen Arrangements inklusive Hack­ brett, Mandoline und Akkordeon zu erleben. Das riecht, klingt und schmeckt nach den Dörfern von Mario Puzos „Paten“, nach aus­ gedörrter Landschaft, nach dem Aroma von Tomaten, Oliven und Wein. Haben Sie schon mal daran gedacht, Ihrem Lieblingsitaliener für unvergessliche Abende ein kleines Geschenk zu machen? „The Sicilian“, Roberto Alagnas neue CD, könnte dafür genau das Richtige sein! Harald Reiter www.roberto-alagna.de

Pietro Mascagni L’amico Fritz Deutsche Grammophon CD 477 8358 The Sicilian Deutsche Grammophon CD 477 8104 Roberto Alagna, Tenor

Angela Gheorghiu, Sopran Roberto Alagna, Tenor Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin Dirigent: Alberto Veronesi

www.KlassikAkzente.de 27

KlassikAkzente Printausgabe 2009_04  

In dieser Ausgabe: Cecilia Bartoli: Leidenschaft, die Leiden schafft, Deutsche Grammophon - 111 Jahre Musikgeschichte, Lang Lang - Der Geist...

KlassikAkzente Printausgabe 2009_04  

In dieser Ausgabe: Cecilia Bartoli: Leidenschaft, die Leiden schafft, Deutsche Grammophon - 111 Jahre Musikgeschichte, Lang Lang - Der Geist...

Advertisement