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2015 Lesemagazin Mittelstufe


Inhaltsverzeichnis

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Tobias Sturm Rüdiger Bertram / Heribert Schulmeyer Robert Winston Peter Grossmann / Nia Künzer Erin Hunter Alexandra Rigos Anna Ruhe Rüdiger Bertram / Heribert Schulmeyer Sabine Lohf Sabine Zett Pete Johnson Katharina Reschke

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Stefanie Höfler Tracey Turner / Andrea Mills / Clive Gifford Jürg Lendenmann / Daniel Frick

Gabi Neumayer Maja Nielsen Ilona Einwohlt Sonja Kaiblinger John Matthews Luca Novelli Piers Torday Paul Maar Irmgard Kramer Neal Shusterman /  Eric Elfman

Das Geheimnis von Schloss McCornflakes Die Jungs vom S. W. A. P. – Flammendes Inferno Verrückte Wissenschaft Fortuna Girls – Das Spiel beginnt! Seekers – Das schmelzende Meer WAS IST WAS – Ameisen und Termiten, Fleissige Baumeister Seeland – Per Anhalter zum Strudelschlund Rocco Calzone – Meine ehrenwerte Familie Das grosse Bastelbuch Einmal Star und nie wieder Wie man voll krasse Superkräfte kriegt (ohne dass es jemand merkt) Morlot – Detektive schlafen nie Tiere – Die Vielfalt der Tierwelt in 1500 Bildern Der Schatz des Listigen Lars Piraten – Auf den Spuren der Seeräuber Zettelkram und Kopfsalat – Felis Überlebenstipps Scary Harry – Meister aller Geister Henry Hunter jagt den Urvampir Magellan und die Welt ohne Anfang und Ende Aufstand der Tiere Der Galimat und ich memo – Wissen entdecken, Raumfahrt Sunny Valentine – Von Schaumbädern und tanzenden Rollschuhen Teslas unvorstellbar geniales und verblüffend katastrophales Vermächtnis Mein Sommer mit Mucks 100 Erfindungen, die die Welt verändert haben Globi im alten China

Viel Spass beim Lösen des Wettbewerbs! Trage den richtigen Buchstaben rechts ein.

10. Der Galimat will für Jim etwas erfinden, nämlich? EWP  S   GUP  U   FLU  W 11. Ein bekannter Pirat und Freibeuter hiess ... Pete Nielsen  O   Rick Haupt  A   Henry Morgan  E 12. Wie heissen die beiden Gangster, von denen nur Schatten zu sehen sind? Frenk & Eddy  L    Vic & Jeff  V    Rob & Bob  B

1.  Wie heisst Felicitas Fussball-Lieblingsverein? Bayern-München  M     FC Zürich  Z    BVB Dortmund    L 2. Wie viele Mitglieder hat Roccos Familie ? 7  A   4  E   8  O 3. Wie heisst die Eisbärin, die mit ihren Freunden das schmelzende Meer sucht? Lusa  T   Kallik  O   Tokla  B 4. Vielviele Haie kannst du auf den Seiten 24 und 25 zählen? 15  B   17  L   16  C 5. Markus hat krasse Superkräfte, er ist ein... Superman  P   Halbvampir  T   Zauberer  R 6. Wie viele Schurken erledigt Globi bei seinem Angriff? 3  S   5  W   7  K 7. Neben Otto, der mit Geistern sprechen kann, ist eine seltsame Dame eingezogen, wie heisst sie? Anna  K   Berta  A   Olga  I 8. Welche Ameise verbringt die meiste Zeit unter der Erde? Rote Waldameise  X   Gelbe Wiesenameise  N Schwarze Wegameise  T 9. Wann gelang John Logie Baird erstmals eine transatlantische Fernsehübertragung? 1926  F   1928  E   1924  H

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Lies den Satz von hinten nach vorne! Lösungssatz: Vor- / Nachname: Strasse: PLZ / Wohnort:

Sende den ausgefüllten Talon bitte bis 31. 12. 2015 an: Kinder- und Jugendmedien Zürich, Bachstrasse 1, 8633 Wolfhausen Du kannst tolle Büchergutscheine gewinnen!

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Das Geheimnis von Schloss McCornflakes Tina, Tinu und ihre Katze Tinto entdecken, dass in der Fabrik eingebrochen wurde. Im Büro ist ein grosses Durcheinander.

Mehr als drei Fragezeichen «Bekanntlich hat alles zwei Seiten», sagt Tina und dreht die Postkarte um. «Klasse Idee, darauf wäre ich ja nie gekommen», spöttelt Tinu. «Die Karte wurde in Grossbritannien verschickt, der Poststempel ist aber unleserlich. Mit den Satzzeichen scheint dieser L. V. D. auch nicht sehr vertraut zu sein.» «Das ist ein Geheimcode!», ruft Tinu. «Ein Hilferuf aus Schottland!» Wie lautet der entschlüsselte Hilferuf?

Wie kommt Tina darauf?

Auflösung: Bin in grosser Gefahr in Schloss McCornflakes.

Die Papierrazzia Tina, Tinu und Tinto wühlen im Papierkorb. Tinu findet eine Postkarte. «Eine Strasse zu einer Burg am Meer oder an einem See. Das könnte irgendwo sein.» Schon will er die Karte weglegen, da meint Tina: «Nein, es kann nicht irgendwo sein. Wenn es in Europa ist, dann in Grossbritannien, Irland oder Malta.»

Tobias Sturm Das Geheimnis von Schloss McCornflakes SJW Schweizerisches Jugendschriftenwerk 32 Seiten, Fr. 6.00

Auflösung: Das Verkehrsschild verrät den Linksverkehr.


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Tim und Bob sind Agenten von S. W. A. P., dem internationalen Geheimdienst der UNO. Die Abkürzung steht für Special Weapon Action Programm. Mit Agent Snyder, der zur Zeit im Rollstuhl sitzt, sind sie unterwegs zu einem neuen Auftrag. « !», schimpfte Snyder erneut, weil er sich den heissen Kaffee über seine weissen Verbände geschüttet hatte. Es dauerte eine Weile, bis er sich endlich wieder beruhigt hatte und Tim ihre Fragen wiederholen konnte. «Jetzt spucken Sie's schon aus! Worum geht es diesmal? Wieder so ein durchgeknallter Wissenschaftler, der die Welt vernichten will?» «Fast», antwortete Snyder, der sich an die Seitenlehnen seines Rollstuhls klammerte, weil Otto so scharf in eine Kurve gegangen war, dass sich der Lieferwagen zur Seite neigte. «Diesmal ist es ausnahmsweise kein durchgeknallter Professor.» «Da bin ich ja beruhigt», murmelte Bob. «Es ist eine durchgeknallte Professorin. Sie nennt sich Madame Hot und droht damit ... » Ich störe Sie ja nur ungern, aber ich glaube wir werden verfolgt.

Hebt mich mal an, dann sehe ich besser.

Oder gehört der Wagen auch zum S.W.A.P.?

Die gehören absolut nicht zu den Guten. Die Guten kenne ich alle, und die da kenne ich nicht.

«Ich will ja nicht angeben, aber ich habe gleich gesagt, dass das keine so gute Idee war mit ‹Alle

Rohre werden frei, kommt die Firma S. W. A. P. vorbei› », bemerkte Tim, der wieder begonnen hatte, nachdenklich sein Ohrläppchen zu kneten. «Kleiner Klugscheisser», brummte Snyder und machte sich an den Monitoren zu schaffen. Kurz darauf erschien auf dem Bildschirm eine Nahaufnahme der Männer, die in dem Wagen hinter ihnen sassen. Sie waren beide schwarz gekleidet und trugen Skimasken über den Köpfen, sodass man ihre Gesichter nicht erkennen konnte. «Otto könnte versuchen, sie abzuschütteln», schlug Tim vor. «Absolut unmöglich! Otto fährt doch schon wie eine gesengte Sau, und sie sind uns immer noch auf den Fersen», knurrte Snyder, während er näher an die Gesichter heranzoomte. «Der Typ hinter uns muss so eine Art Rallyeweltmeister sein.« «Und wenn wir eine von Ihren Wunderwaffen hier benutzen?» Bob deutete auf das Waffenarsenal an der Seitenwand des Lieferwagens. «Ebenfalls absolut unmöglich!» Snyder seufzte, wobei Bob und Tim nicht ganz klar war, ob er von ihnen mehr ... oder gar nichts anderes erwartet hatte. Vielleicht galt das Seufzen auch nur dem Bild auf dem Monitor, auf dem ihre Verfolger trotz des Zooms auch nicht besser zu erkennen waren als vorher. «Da draussen sind viel zu viele Leute, da können wir nicht einfach so in der Gegend rumballem!» «Stimmt, dabei könnten Unschuldige verletzt werden», räumte Bob ein. «Nein, es wäre einfach viel zu auffällig», erwiderte Snyder. «Kann das Ding hier zufällig fliegen?», erkundigte sich Tim. «Brillante Idee! Absolut brillant! Wir ballern hier nicht rum, weil wir nicht auffallen wollen, aber erheben uns mal eben kurz in die Lüfte, als sässen


Band 3

Band 1

wir im Fliewatüüt oder was?» Snyder seufzte erneut. «Was glaubt ihr, was das Wörtchen ‹geheim› in ‹Geheimdienst› bedeutet? Na? Irgendeine Idee?» Im selben Augenblick ging Otto ein weiteres Mal so scharf in die Kurve, dass die Jungs durcheinandergewirbelt wurden und Snyder beinahe aus seinem Rollstuhl geschleudert worden wäre.

Die schiessen nicht auf euch. Die schiessen auf mich!

Sehr tröstlich. Aber warum tun die das?

Band 2

Warum schiessen die auf uns?!

Rüdiger Bertram /  Heribert Schulmeyer Die Jungs vom S.W.A.P – Flammendes Inferno Oetinger Verlag 224 Seiten, Fr. 18.90


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Wissenschaft Kräfte

Wenn du einen Ball kickst oder wirfst, fliegt er durch die Luft. Aber warum? Er wird von Kräften bewegt. Wenn sich etwas bewegt, ist entweder eine Zugoder eine Druckkraft am Werk. Viele Kräfte wirken nur bei Berührung, aber Anziehungskraft und Magnetismus wirken z. B. auch über einige Entfernung. In diesem Buch kannst du erleben wie spannend Physik und Chemie sind: Pop-ups und Drehelemente zeigen dir, wie etwas funktioniert. Dazu gibt es viele Experimente zum selber Ausprobieren! Kraft kann…

n dDie Kraft des Motors beschleunigt ick das Auto. en Sta hlse ilen

.

Drei, zwei, eins – Start! Damit eine Rakete die Erdanziehungskraft überwindet, vom Boden abhebt und bis ins Weltall fliegt, sind starke Kräfte nötig. Raketen verbrennen Treibstoff und stossen die Abgase rückwärts aus. Die grössten Raketen verbrennen rund 13 Tonnen Treibstoff pro Sekunde.

Die Anziehungskraft lässt das Auto von der Klippe stürzen – oje!

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Die Kraft des Baums zerquetscht die Motorhaube. Hoppla!

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Wissenschaft

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Die Erde zieht alles zu sich – mit ihrer unsichtbaren SCHWERKRAFT.

VERSUCH FÜR ZU HAUSE

Münzentrick Mit diesem Trick kannst du deine Freunde verblüffen. Er zeigt, dass Trägheit mit wenig Kraft oft kaum zu überwinden ist. Lege einen Münzenstapel auf ein Blatt Papier und ziehe es möglichst schnell weg. Der Münzenstapel bleibt stehen, wenn du schnell genug bist.

D gl Je rit ei t d ch e K es gr ra Ge s os ft R h et W s Tr ake en e G at e z eg in n a eib te Ge uss sto bre ein enk e nn e ge tös ff ra ft . nk en st na un raft , sc ch u den hi d n s e t in ie s W na bt e en el ch ine ta o ll . be n

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Ausgleich der Kräfte Auf dich wirken ständig viele Kräfte. Gerade jetzt zieht dich die Anziehungskraft zur Erde, der Boden schiebt dich nach oben, die Luft drückt auf dich und dein Körper drückt dagegen. Solange alle Kräfte ausgeglichen sind, geschieht nichts. Das ist der Grund, warum Schiffe nicht sinken und Brücken nicht einstürzen: Die auf sie wirkenden Kräfte sind in Balance. Die Erdanziehungskraft zieht die Brücke nach unten … … die Spannung in den Seilen zieht aber in die andere Richtung.

Robert Winston Verrückte Wissenschaft Dorling Kindersley Verlag 32 Seiten, Fr. 25.90

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Felicitas liebt Fussball. Ihr Spitzname ist Messi. Mit ihrem Verein war sie in Dortmund sehr erfolgreich. Leider musste sie mir ihrer Familie nach Erfurt umziehen. Heute ist ihr erster Schultag.

Lauf mit dem Ball.

Jetzt heisst es, so schnell wie möglich abbremsen…

Täusch einen Sprint an, ohne den Ball zu spielen.

… und mit dem Ball in die entgegengesetzte Richtung laufen.

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usser Atem klopfte sie an der Klassentür und öffnete. Aber was sah sie da? In der Klasse hingen bunte Girlanden, alles war geschmückt, Blumen waren auf den Tischen, und an der Tafel stand in grossen Buchstaben: HERZLICH WILLKOMMEN! Felicitas war sprachlos. So eine tolle Begrüssung für eine neue Schülerin? Sie musste ein ziemlich verdutztes Gesicht gemacht haben, denn die Klasse brach in Gelächter aus. Die Lehrerin, die am Pult vor der Tafel stand, bemerkte Messis Verwirrung. «Bist du Felicitas González?», fragte sie. «Ich bin deine Klassenlehrerin und heisse Frau Schneider.» «Olé», antwortete Messi noch völlig verwirrt und biss sich auf die Zunge. Zu Hause war das ein «Ja», aber hier natürlich war das als Einstieg völlig daneben. Wieder lachte die Klasse, und ein Junge rief: «Hola chica, für mich bitte einmal Paella!» Er grinste über beide Wangen. Messi erkannte ihn sofort wieder. Es war der Spielmacher der Unbeatables. Der Anführer des wohl unsympathischsten Fussballteams der Welt war bei ihr in der Klasse. Das war ja klar! Und noch zwei weitere aus dem Team sassen direkt neben ihm. Und klatschten Beifall für den tollen Witz. Na denn, schlechter konnte der Tag eigentlich gar nicht beginnen. Messi aber fasste sich langsam. «Für dich bitte immer noch Frau González!», antwortete sie patzig in Richtung «Superfussballer». Ein Raunen ging durch die Klasse. Die Jungs schauten sich überrascht an. «Hallo, Felicitas, komm doch bitte mal zu mir», unterbrach Frau Schneider das kleine Wortgefecht. «Es tut uns leid, aber die ganze Dekoration stammt immer noch vom Wochenende», erklärte sie. «Wir hatten Tag der offenen Tür, und diese


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Klasse hat für die Eltern ein Projekt vorgestellt.» «Spanisch für Anfänger», rief Benni und hatte wieder die Lacher auf seiner Seite. «Benni, bitte!», sagte Frau Schneider. «Wenn deine Leistungen so gut wären wie deine spontanen Witze, müsstest du keine Angst um deine Versetzung haben.» Jetzt klatschten auch die Mädchen. «Es ging bei dem Projekt um Erfurt im Mittelalter, aber natürlich gilt die Begrüssung heute auch für dich, Felicitas», fuhr Frau Schneider fort. Das wird ja immer besser, dachte Messi. Kaum bin ich in der Klasse, schon habe ich den ersten Eindruck komplett versemmelt. «Würdest du dich bitte kurz vorstellen?», bat Frau Schneider sie. Messi schaute in die Runde und schluckte. Klassen-Casting. Also gut. «Ich heisse Felicitas González, komme aus Dortmund und wohne seit drei Wochen in Erfurt. Meinen Eltern gehört die Bäckerei Lämmerhirt», sagte Messi mit einem Kloss im Hals und etwas zu förmlich. «Dann gibt es da ja bald Knoblauchbrötchen», rief Spielmacher Benni. Diesmal war die Reaktion eher spärlich. «Gar keine schlechte Idee», sagte ein türkischer Junge rechts neben Benni. Auch er gehörte zum Team der Unbeatables. Er war Messi schon während des Spiels aufgefallen, weil er die Fähigkeit besass, eigentlich nur mit sich selbst zu spielen. Den Ball abzugeben gehörte nicht zu seinen angeborenen Fussballfähigkeiten. Alle anderen waren bisher eher still geblieben. Bis auf ein ziemlich aufgebrezeltes Mädchen, das Messi auch schon mal gesehen hatte. Auf dem Platz, als Cheerleader für die Jungs. Perfekt gestylt, perfekt geschminkt. So hätte sie sich sofort bei Heidi Klum bewerben können. Sie klatschte immer mit, wenn die Jungs klatschten. «Ich bin dreizehn», fuhr Messi schon etwas selbstbewusster fort, «und am liebsten spiele ich Fussball!» Totenstille folgte. Die Mädchen schauten verständnislos, den Jungs klappte die Kinnlade herun-

ter. Aber Messi war noch nicht fertig. «Mein Lieblingsverein ist der BVB, und ich fänd’s toll, in einer guten Mädchenmannschaft zu spielen, so wie in Dortmund auch. Da sind wir Meister geworden!» Und nach einer kleinen Pause, in der man hätte hören können, wie eine Stecknadel zu Boden fällt, fügte sie hinzu: «Und ihr könnt mich gern Messi nennen. Das ist mein Spitzname.» Plötzlich hatte Benni seine Sprache wiedergefunden. Er stand auf und fragte: «Und was sammelst du ab jetzt in Erfurt? Vielleicht lauter Niederlagen?» Die Klasse lachte. Felicitas lief rot an. Die Lehrerin rief «Ruhe bitte!», und als es einigermassen still war, wandte sie sich an Messi. «Danke, Felicitas, ich werde dich aber bei deinem richtigen Namen nennen! Und jetzt wollen wir mit dem Unterricht beginnen. Wir haben den Platz neben Ellie für dich freigemacht.» Auf dem Weg zum Platz musste sie an den drei Unbeatables vorbei. Der Typ links neben Benni raunte Messi kurz zu: «Pass bloss auf, hier sind alle Bayern-Fans!» «Bayern-Fan kann jeder sein», antwortete Messi und setzte sich auf den freien Platz neben Ellie, die sie freundlich anschaute. «Echt cool», flüsterte Ellie, «endlich mal wieder was los hier.» Messi schaute sie an und wusste: Das wird hier kein Zuckerschlecken, aber mit Ellie könnte das Leben in Erfurt vielleicht ein wenig angenehmer werden.

Peter Grossmann /  Nia Künzer Fortuna Girls – Das Spiel beginnt! Baumhaus Verlag 160 Seiten, Fr. 15.90


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Der Braunbär Toklo, die Eisbärin Kallik, die Braunbärin Lusa und ihr Freund Yakone sind auf der Reise zum schmelzenden Meer.

wirbelten den Schnee auf, an seinem Bauch bildeten sich bereits Eisklumpen. Er fühlte sein Herz heftig schlagen, sein Atem ging in heissen, keuchenden Stössen. Ein kurzer Blick nach hinten verriet ihm, dass Kallik ihm dicht auf den Fersen war. Ein wildes Leuchten blitzte aus ihren Augen, während sie voranstürmte. Yakone hielt sich an ihrer Seite, weniger als eine Schnauzenlänge zurück. Toklo zwang seine schmerzenden Beine zu noch grösserer Anstrengung. Ein steiler Felsvorsprung tauchte vor ihm auf. Wenn ich’s nur bis dahin noch schaffe! Dann hörte er, wie weiter hinten Lusa einen Schrei ausstiess, der jedoch sofort vom Schnee erstickt wurde. Mit Sicherheit war die kleine Schwarzbärin wieder einmal in einer Schneewehe gelandet, aber Toklo liess sich davon nicht beirren und stürmte weiter. Lusa wird selber sehen müssen, wie sie da wieder herauskommt. Ich kann jetzt keine Rücksicht auf sie nehmen. Hinter Toklo nahm das Geräusch der trommelnden Pfoten etwas ab. Bestimmt war Yakone zurückgeblieben, um Lusa zu helfen. Der Felsvorsprung war nun ganz nahe. Mit einem mächtigen Satz wollte Toklo sich auf den untersten Sims werfen, doch seine Tatzen rutschten auf der eisigen Oberfläche ab. Er verlor das Gleichgewicht und purzelte, mit allen vieren zappelnd, in den Schnee. Kallik sprintete an ihm vorbei, sprang auf den Fels

und schleuderte beim Hochklettern eine weitere Ladung Schnee auf Toklo. «Sieger!», brüllte sie. Etwas mühsam kam Toklo auf die Pfoten und schüttelte sich. «Von wegen», erwiderte er mürrisch. «Ich war als Erster beim Felsen. Ist nicht meine Schuld, dass ich abgerutscht bin.» «Wer als Erster auf dem Felsen ist, haben wir gesagt, nicht beim Felsen.» Kallik sprang nach unten und gab ihm einen freundlichen Stups mit der Schnauze. «Du musst auch mal verlieren können.» Toklo brummte nur. Er ärgerte sich mehr über sich selbst als über Kallik. Ich hätte ganz klar gewinnen können. Wenn ich nur etwas besser aufgepasst hätte … «Gut gemacht, Kallik!», rief Yakone, als er und Lusa schnaufend herankamen. «Du bist echt schnell. Du aber auch, Toklo.» «Danke, dass du dich so nett um mich gekümmert hast!», fügte Lusa beleidigt hinzu. Toklo unterdrückte ein belustigtes Schnauben, als er die kleine Schwarzbärin näher in Augenschein nahm. Sie war über und über mit Schnee bedeckt, selbst die Ohren waren voll davon. «Ich weiss doch, wie gerne du in Schneewehen versinkst», neckte er sie. «Ausserdem hätte es ja auch ein Trick sein können, um


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mich aufzuhalten.» Lusa warf mehrmals den Kopf hin und her, um sich den Schnee aus den Ohren zu schütteln. «Ich hatte doch überhaupt keine Chance, zu gewinnen», murmelte sie geknickt. «Meine Beine sind einfach zu kurz.» Als er sah, dass sie schlotterte, ging Toklo zu ihr und machte sich daran, ihr die Ohren freizulecken. «Kopf hoch», tröstete er sie. «Bei einem Wettkampf im Bäumeklettern würdest garantiert du gewinnen.» «Da wäre ich mir nicht so sicher.» Lusas Augen blickten traurig. «Ich bin ja vollkommen aus der Übung. Ich weiss gar nicht mehr, wann wir das letzte Mal einen echten Baum gesehen haben.» «Wohl wahr», bestätigte Kallik. «Man bekommt überhaupt nicht viel zu sehen auf dieser Insel und dummerweise scheint sie sich unendlich hinzuziehen. Ob das hier wirklich der richtige Weg zum Meer ist?» «Es ist der Weg, den Nanulaks Familie uns gewiesen hat», erwiderte Toklo. «Und darauf vertrauen wir?», murmelte Yakone. «Nach dem, was Nanulak getan hat?» Yakones Worte bohrten sich wie ein Stachel in Toklos Herz und liessen den Schmerz über Nanulaks Verrat wiederaufleben. Er hatte Nanulak für seinen Freund gehalten, hatte geglaubt, er könne ihm allerlei Nützliches beibringen und sich um ihn kümmern, genau wie früher um Ujurak. Aber Nanulak wollte mich nur benutzen, um sich an seiner Familie zu rächen! Die Erinnerung an Nanulaks Vater flammte so lebhaft in ihm auf, dass er den riesenhaften Eisbären für einen Moment vor sich zu sehen glaubte. Er erinnerte sich an die Blut-

spritzer auf seinem weissen Fell und dachte an die Wunden, die er selbst davongetragen hatte. Ich hätte ihn beinahe getötet, nur weil Nanulak mich belogen hatte. Wie konnte ich mich so in ihm täuschen? Mit einem sanften Stoss riss Kallik Toklo aus seinen schmerzlichen Gedanken. «Lass uns jagen gehen», schlug sie vor. «Es wird nicht mehr lange hell sein.» Aus ihren Augen blitzte der Schalk, als sie hinzufügte: «Ich habe das Wettrennen gewonnen, also finde ich, solltet ihr mir alle etwas zu fressen bringen.» «Aber nur im Traum!», rief Toklo, der froh war, dass sie Nanulak nicht erwähnt hatte. «Da du ja so wahnsinnig schnell bist, solltest du diejenige sein, die sich um Beute kümmert!» Toklo übernahm wieder die Führung, als die Bären weiterzogen. Sein Magen knurrte mächtig, aber von Beute gab es weit und breit keine Spur. Schneebedecktes Hügelgelände breitete sich gleichförmig nach allen Seiten aus, unterbrochen nur hier und da von einzeln aufragenden Felsen und einigen wenigen verkümmerten Dornenbäumen. Seit Tagen marschierten sie auf die untergehende Sonne zu, dabei waren sie bloss selten anderen Bären begegnet. Selbst auf Krallenlose gab es kaum Hinweise in dieser trostlosen Landschaft, nur gelegentlich eine kleine Höhle oder einen schmalen, in den Himmel ragenden Turm.

Erin Hunter Seekers - Das schmelzende Meer Beltz und Gelberg Verlag 298 Seiten, Fr. 22.90


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Ameisen und Termiten

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enn ihr einen Garten habt, leben dort garantiert auch Ameisen. Andernfalls kannst du dich im nächsten Park oder im Wald auf die Suche machen. An warmen, trockenen Stellen wird man am leichtesten fündig. Das Treiben der geschäftigen Insekten zu beobachten, kann süchtig machen. Aber Achtung: Waldameisen aller Art sind streng geschützt. Du darfst sie nur aus sicherer Entfernung betrachten, aber keinesfalls Tiere einfangen oder ihr Nest aufgraben.

Rote Waldameise

Die «Rote Waldameise» macht mit ihren Hügeln auf sich aufmerksam. Neben der eigentlichen «Formica rufa» gibt es in unseren Wäldern mehrere verwandte Arten, die sich von Laien schwer unterscheiden lassen.

Kann man Ameisen als Haustiere halten? Immer mehr Menschen finden Freude daran, Ameisen im Haus zu halten und über lange Zeit hinweg zu beobachten. Das funktioniert am besten in einem speziell ausgestatteten Terrarium, das man Formicarium nennt. Manche sind so konstruiert, dass man direkt in die Nestkammern hineinschauen kann. Wie immer bei Haustieren sollte man sich genau über die Details Inzwischen gibt spezielle Händler, die Ameisen samt Königin und Zubehör anbieten. Wenn man sich auf einheimischen Arten beschränkt, sind die Insekten relativ einfach zu halten. Ameisen benötigen jedoch nicht weniger Aufmerksamkeit und Pflege als andere Haustiere!

Schwarze Wegameise

Die sehr anpassungsfähige «Schwarze Wegameise» ist bei uns die Ameise schlechthin. Nach ihr muss man nie lange suchen. Oft befinden sich ihre Nester unter Steinen. Die bis zu fünf Millimeter langen Tiere lieben Honigtau, den sie von Blattläusen melken.


11 Experiment für junge Forscher

Gelbe Wiesenameise

Hingegen kannst du gewöhnliche Wegameisen vorübergehend einfangen und versuchen, ihr Verhalten näher zu untersuchen. Willst du ihre Duftspuren in einem Labyrinth auf die Probe stellen? Dann versuche dieses einfache Experiment:

Eng mit der Wegameise verwandt, aber etwas kleiner ist die «Gelbe Wiesenameise». Anders als ihre schwarzen Kusinen mögen sie feuchten Boden und kommen oft auf Viehweiden vor. Die meiste Zeit ihres Lebens verbringen sie unter der Erde.

Du brauchst: eine flache Schachtel ohne Deckel S  treifen aus dünnem Karton

Klebstoff oder Tesafilm Frischhaltefolie einen Kronkorken Zucker Stoppuhr

So geht's: Bastle zunächst aus der Schachtel und passend zugeschnittenen Kartonstreifen ein Labyrinth. Das geht am besten, wenn du die Streifen L-förmig faltest, sodass eine Klebefläche entsteht. Dann rührst du aus einem Löffel Zucker und wenig Wasser einen Sirup an. Fülle etwas davon in den Kronkorken und stelle ihn im Labyrinth auf. Jetzt setzt du eine Ameise ans andere Ende des Irrwegs und verschliesst die Schachtel nach oben mit Folie. Wie lange dauert es, bis das Insekt den Sirup findet? Setze die Ameise zurück an den Anfang. Geht es jetzt schneller? Wie lange brauchen andere Ameisen, um ans Ziel zu gelangen? Vergiss nicht, die Tiere zum Schluss wieder da auszusetzen, wo du sie gefangen hast!

Alexandra Rigos WAS IST WAS Ameisen und Termiten Fleissige Baumeister Tessloff Verlag 48 Seiten, Fr. 14.40


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Max und Emma sind in einen Brunnen geklettert und durch eine Höhle in eine unbekannte Welt gelangt. Das seltsame Land heisst Seeland, wie sie von den Bewohnern erfahren. In einem Unterwasserbus reisen sie nun in die Hauptstadt Milmar. Dort wollen sie den verschollenen Vater von Max suchen.

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eit einer gefühlten Ewigkeit versuchte Max, eine bequeme Haltung einzunehmen. Sein Sitz war so schmal, dass er gerade wie ein Besenstiel sitzen musste, um nicht ständig gegen Emma oder seinen Zeitung lesenden Nachbarn zu rutschen. Es war echt nicht zu fassen. Heute Morgen erst hatte er beschlossen, in einen Bus zu steigen und seinen Vater zu suchen. Jetzt sass er zwar auch in einem Bus und war auf dem Weg zu seinem Vater, nur geplant hatte er das alles irgendwie anders. «Kneif mich mal bitte», sagte er zu Emma. «Oh, gerne.» Sie kniff so kräftig in seinen Oberarm, dass ihm ein lautes «Au!» entfuhr. «Kneifen, nicht amputieren.» «Wenn es nicht wehtut, hilft es nicht.» Sie grinste und deutete auf die Leute in ihren seltsamen Gummianzügen um sie herum. «Ich hab schon überlegt, ob wir in der Höhle vielleicht giftige Dämpfe eingeatmet haben und das alles nur träumen oder so.» Max musste lachen und erntete dafür prompt tadelnde Blicke seiner Nachbarn. «Sag mal», fing Emma nach ein paar Minuten leise an, «du heisst doch auch Hickmans mit Nachnamen, oder? Wer ist denn dieser Mortensen?» Max hatte gehofft, dass Emma ihn nicht danach fragen würde. Aber gut, sie würde es früher oder später ja sowieso erfahren. Er griff nach dem Umschlag, holte das Hochzeitsfoto hervor und hielt

es Emma hin. «Die Frau rechts ist meine Ma Lynn Hickmans und neben ihr steht Mortensen Hickmans.» Er schluckte. «Er ist mein Vater, aber ich habe ihn noch nie gesehen.» Ein unsanfter Stoss in seine Seite liess ihn hochschrecken. «Guck dir das an!» Emma zog ihn aufgeregt zum Bullauge. «Da draussen! Da ist eine Stadt, eine Unterwasserstadt!» Max rieb sich die Augen und schaute ungläubig hinaus. Der Wasserbus tauchte zwischen Hochhäusern hindurch, die irgendwie spiegelverkehrt in die Tiefe ragten, so massig und lang, als hätte man den Big Ben verkehrt herum ins Wasser gehängt. Unzählige Stockwerke hinter glattem Stein und Metall erleuchteten durch ihre rund gewölbten Fenster das Wasser. Im Innern der Häuser war es offenbar trocken. Der Wasserbus schwamm zwischen zwei massiven Metallketten entlang, die von leuchtenden Kugeln markiert wurden. Mehrere solcher Wasserstrassen lagen in verschiedenen Höhen wie Stockwerke übereinander. Durch senkrechte Abzweigungen fuhr der Wasserbus zu den darüber- oder darunterliegenden Strassenebenen. Hier und da ragten schwere Eisenketten senkrecht in die Tiefe. Max fehlten die Worte. Dass es möglich sein sollte, unter Wasser zu leben, hätte er sich im Traum nicht vorstellen können. Aber hier wohnten Menschen in einer riesigen Stadt – einer Unterwassergrossstadt. Ihr Bus fuhr dicht an einer lang gestreckten Fensterfront entlang und gab den Blick in einige der Wohnungen und Läden frei. Vor den Häusern im Wasser schwammen Leute herum. Sie trugen alle die schon vertrauten Gummianzüge, hatten


aber über Hände und Füsse mal mehr, mal weniger farblich passende Flossen gestreift. Kein Anzug glich dem anderen. Max fiel auf, dass manche einen Helm trugen, von dem zwei Schläuche in einen Kanister auf ihrem Rücken führten. Andere hatten sich hingegen nur einen Rucksack umgehängt, aus dem ebenfalls dünne Schläuche zu einem Mundstück führten. Auch aus einigen Häuserwänden hingen welche. Daneben waren Bänke und Sessel befestigt, auf denen Menschen sassen und sich unterhielten. Ab und zu sogen sie an den Schläuchen wie an einer Wasserpfeife, um kurz darauf feine Luftbläschen ins Wasser abzugeben. Emmas Zeigefinger schnellte durch die Luft. «Müssten die Häuser nicht voller Wasser laufen?» Max drückte sich ebenfalls näher zum Bullauge. «Nee, schau mal, da.» Vor ihnen im Wasser öffnete ein Mann eine der gläsernen Haustüren und betrat eine dahinterliegende, mit Wasser gefüllte Schleuse. Darin betätigte er einen Knopf, als stünde er in einem Fahrstuhl. Augenblicklich zischte das Wasser aus dem Zwischenraum heraus, bis der Mann im Trockenen stand, die zweite Tür öffnete und im Inneren des Hauses verschwand. Um sie herum tuckerten weitere Wasserbusse umher. Neben ihrem blauen gab es noch gelbe, grüne und violette. Sie hiessen Anemonengelbe Linie oder Seegrasgrüne Linie. Auch kleinere Fahrzeuge zischten durchs Wasser. Manche von ihnen waren so klein, dass nur eine einzige Person darin Platz fand. In den anderen lugten mehrere Gesichter aus den Bullaugen. Eine Lautsprecherstimme ertönte: «In Kürze erreichen wir Milmar-Haupthafen. Die Tintenblaue Linie 265 endet hier.

Anna Ruhe Seeland – Per Anhalter zum Strudelschlund Arena Verlag 288 Seiten, Fr. 19.90


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Roccos Familie ist etwas speziell: Opa sitzt im Gefängnis, Oma war mal eine berüchtigte Taschendiebin, der Vater klaut Autos, die Mutter fälscht Ausweise ... auch seine drei Geschwister sind bereits kleine Ganoven. Zum Leidwesen seiner Familie ist Rocco ehrlich! Damit der kranke Opa behandelt werden kann, wollen die Calzones den Panda aus dem Zoo entführen und dafür Lösegeld fordern.

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 or dem Eingang des Zoos hat sich eine lange Schlange gebildet. «Kommen wir einfach ein anderes Mal wieder», sage ich. «Hier stehen wir ja ewig an.» «Hast recht», stimmt Papa mir zu und dreht wieder um. Er geht aber nicht zurück zu unserem neuen Wagen – wie ich gehofft hatte –, sondern macht sich auf die Suche nach einer Stelle, wo der hohe Zaun nicht ganz so hoch ist. Dazu müssen wir gar nicht lange laufen. Keine hundert Meter von der Kasse entfernt befindet sich ein Tor für die Lieferanten, das so niedrig ist, dass man bequem rüberklettern könnte. Ich sag könnte, weil ich das ganz sicher nicht machen werde, weil das nämlich verboten ist. Es gibt sogar ein Schild, dass Unbefugten das Betreten des Geländes an dieser Stelle ausdrücklich verbietet. Enrico und Mama kümmert das nicht, die sind schon auf der anderen Seite. Papa und Renzo haben für die beiden eine Räuberleiter gemacht ... was sonst? Jetzt heben sie Oma über das Tor, dann sehen mein grosser Bruder und mein Vater mich an. «Wisst ihr was?! Ich kauf mir schnell eine Eintrittskarte da vorne an der Kasse, und wir treffen uns dann drinnen im Zoo», sage ich, da packen mich Papa und Renzo auch schon an Armen und Beinen und schleudern mich über das Tor. Zum Glück

lande ich auf einem Haufen mit Heuballen, die meine Landung abfedern. Als ich mich aufgerappelt habe, sind Renzo und Papa uns bereits hinterhergeklettert und grinsen mich zufrieden an. «Schwupps, schon haben wir uns drinnen getroffen», sagt Papa und zupft mir einen Strohhalm von meiner Jacke. «Wo müssen wir denn jetzt hin?», fragt Mama und hält sich dabei ihr Handy ans Ohr. «Ihr geht einfach an den Elefanten vorbei, dann haltet ihr euch bei den Pinguinen links und biegt dann rechts bei den Flamingos ab. Direkt dahinter liegt das Panda-Gehege», ertönt Angelinas Stimme aus dem Gerät. Als Renzo meinen überraschten Gesichtsausdruck bemerkt, erklärt er es mir: «Angelina hat sich mit


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ihrem Laptop in die Überwachungskameras des Zoos gehackt und kann von ihrem Bett aus genau beobachten, wo wir sind.» Dank den Anweisungen meiner Schwester finden wir mühelos den Weg zu dem Albino-Panda, dessen Gehege von einer Million Menschen belagert wird. Mindestens. Die Leute wollen alle nur den neuen weissen Panda sehen. Selbst für die PandaDame mit den schwarzen Flecken, die im Gehege neben ihm hockt, interessiert sich niemand, und deswegen sieht sie ziemlich beleidigt aus. Sie ist die Einzige, die ihren Nachbarn keines Blickes würdigt. Es dauert, bis wir uns alle durch die neugierige Menge ganz nach vorne gedrängelt haben. Oma nutzt die Gelegenheit und sammelt unterwegs ein paar Portemonnaies ein. Dank ihres kurzen Nickerchens in dem grasgrünen Leichenwagen zittern ihre Hände nicht ganz so doll wie sonst und keiner merkt etwas. Keiner ausser mir, der den Leuten kleine Kärtchen mit dem Wort «Entschuldigung» in die Jackentasche gleiten lässt. Die Karten habe ich vorsorglich für genau solche Fälle bei mir. Dann stehen wir endlich direkt vor dem Gehege, das von einem Wärter bewacht wird. Er achtet darauf, dass keiner seine Finger durch die Gitterstäbe streckt oder den Panda ärgert. Der sitzt in einer Ecke und kaut auf einer Bambusstange herum, während er die ganze Zeit sehnsüchtig zu der Panda-Dame im Nachbargehege hinüberblickt. Mir tut er leid, wie er da so traurig hockt und von den Menschen angeglotzt wird. Die Einzigen, die ihn keines Blickes würdigen, sind Renzo und Papa, die hoch interessiert die gesicherten Zugänge des Geheges begutachten. Währenddessen versucht Mama mit dem Wärter ins Gespräch zu kommen. «Waren Sie früher auch schon so ein schneidiger Bursche?», fragte Mama und lächelt den Wärter an. Geschmeichelt zeigt er seinen Betriebsausweis, auf dem ein Foto von ihm als junger Mann zu sehen ist. Mehr wollte Mama gar nicht. Jetzt weiss sie, wie so ein Mitarbeiterausweis hier im Zoo aussieht, und

kann ihn mühelos fälschen. Nun kommt Enricos Einsatz. Mit einem Zweig, den er von einem Baum abgerissen hat, klopft er herausfordernd gegen die Gitterstäbe. Der Panda schaut nicht mal auf, aber der Wärter geht sofort dazwischen. Auf den Augenblick hat Oma gewartet. Ihre Hand schiesst nach vorne in die Jackentasche des Mannes, schliesst sich um den Schlüsselbund und ist schon wieder draussen. Das Ganze geht so schnell, dass nur ich es sehe. Ich kann aber nichts dagegen tun und schweige lieber, weil mir Renzo seinen Zeigefinger in die Rücken gerammt hat, als wäre es die Mündung eines Revolvers. Der Wärter hat von dem Diebstahl überhaupt nichts bemerkt, weil er immer noch mit Enrico schimpft. Damit ist der Zoobesuch für die Calzones beendet, weil meine Familie erledigt hat, was sie hier erledigen wollte. Als wir gehen, drehe ich mich noch mal zu dem Panda um, der immer noch die Panda-Dame nebenan anschmachtet. «Ihr wollt den Panda doch jetzt nicht wirklich klauen, oder?», frage ich Papa, als wir auf dem Rückweg sind. «Keine Sorge», erwidert mein Vater. «Da bin ich aber erleichtert», sage ich, denn das bin ich wirklich. «Jetzt sind doch viel zu viele Leute da, mein Grosser», ergänzt meine Mutter. «Wir holen ihn heute Nacht.»

Rüdiger Bertram /  Heribert Schulmeyer Rocco Calzone – Meine ehrenwerte Familie cbj Verlag 192 Seiten, Fr. 15.90


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Basteln

Mit vielen Sachen aus der Natur kannst du prima basteln. In diesem Buch findest du Ăźber 100 Bastelideen. Am Strand Steine und Muscheln zu sammeln macht Riesenspass! Du kannst sie zu immer neuen Figuren legen, sie bemalen, mit Knete verzieren oder Sandbilder daraus zaubern.

Diese Strandnixe jongliert mit Perlen.

Sammle kleine Steinfunde in einer leeren Pralinenschachtel. Aber Vorsicht: nicht hineinbeissen.


Basteln

Für die Hexe brauchst du einen Zierkürbis mit einer «Nase». Stecke ihn mit einem langen Zahnstocher in einen Hokkaidokürbis, sodass die Nase nach vorne schaut. Dann male zwei lange Zahnstocher schwarz an und stecke sie als Arme in den unteren Kürbis. Die Katze und den Raben schneidest du aus Tonpapier aus und klebst sie auf die Arme. Die Haare sind aus Wolle. Du kannst der Hexe noch ein Kopftuch aus einem Stück Stoff umbinden. So steckst du den Zierkürbis und den Hokkaidokürbis zusammen.

Sabine Lohf Das grosse Naturbastelbuch Gerstenberg Verlag 160 Seiten, Fr. 28.90

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Polly lebt mit ihrer kleinen Schwester Luna, dem vierzehnjährigen Bruder Romeo und den Eltern in einem Zukunftshaus, denn ihr Vater erfindet Dinge, die er im Haus gleich ausprobiert und testet. Als Polly von der Schule heimkommt, muss sie sich zu ihren Eltern in die Küche setzen, sie wollen ihr etwas mitteilen.

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ch sehe gespannt in ihre Gesichter. «Was habt ihr ausgefressen?» Papa grinst und Mama lächelt breit. «Wieso redest du jetzt wie meine Mutter?» «Ich rede wie du», gebe ich zurück. Mama lacht immer noch. «Pass auf, Polly, wir müssen etwas mit dir besprechen. Du kennst doch Rob de Vaal aus dem Fernsehen? Besser bekannt als Reporter-Rob?» Wer kennt Rob nicht? Rob ist ein Kult-Fernsehreporter, der dafür bekannt ist, ausgefallene Aussen-Reportagen zu drehen und ganz verrückte Sachen auszuprobieren. Er ist sehr beliebt. «Klar», antworte ich. «Was ist mit ihm? Wirst du demnächst in seiner Redaktion arbeiten statt in deinem langweiligen Mittagsmagazin?» Hoffnung keimt in mir auf. Rob finden alle toll und die Vorstellung, dass meine Mutter vielleicht für ihn tätig sein könnte, würde mir gefallen. «Genau genommen», sagt Mama langsam, «will Rob mit uns allen zusammenarbeiten … im übertragenen Sinn.» WAS SOLL DAS DENN SCHON WIEDER HEISSEN? Ich sehe sie verständnislos an. «Was bedeutet das? Mit wem denn?» «Rob dreht ein neues Format. Es trägt den Titel ‹Top mit Rob›. Dabei will er ungewöhnliche Ideen im Alltag vorstellen ... und es soll auch einige Fol-

gen über unser Haus geben. Für deinen Vater und seine Firma wäre es natürlich eine unglaublich gute Werbung und wir bekämen auch ein gutes Honorar dafür. Davon würden wir gern mit euch Kindern einen tollen Urlaub machen. USA vielleicht ... Natürlich nur, wenn alle einverstanden sind.» HABE ICH DAS RICHTIG VERSTANDEN? «Moment mal, Mama, Reporter-Rob will hier bei uns im Haus drehen?» Mama nickt. «Richtig. Könntest du dir das vorstellen?» Ich versuche, das richtig einzusortieren. «Bei uns zu Hause. Innen drin?» «Drinnen und draussen, aber ja ... genau so.» Mama und Papa sehen mich erwartungsvoll an, während sich meine Gedanken überschlagen und ich versuche, sie zu sortieren.

Argumente, die dafür sprechen: 1. Papas Erfindungen würden berühmt werden 2. Der coole Reporter-Rob wäre in unserem Haus 3. Geld würde es auch dafür geben und wir könnten uns dafür etwas Tolles kaufen oder: 4. Wir würden zum ersten Mal Urblaub im Ausland machen 5. Ich könnte vielleicht einmal zuschauen und mir von Rob ein Autogramm holen 6. Vielleicht könnte Mathilda ein Foto von mir und Rob machen 7. Mama hat sogar die USA als Reiseziel erwähnt


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Argumente, die dagegen sprechen: 1. Papa wäre im Fernsehen zu sehen und das könnte peinlich werden 2. Er könnte die «Hello Kitty»-Schürze tragen 3. Er könnte die «Teletubbies»-Schürze tragen 4. Er könnte die «Schlümpfe»-Schürze tragen 5. Er könnte die «Bob der Baumeister»Schürze tragen 6. Er könnte die «Barbie»-Schürze tragen 7. Es könnte Pannen bei den Erfindungen geben.

Mehr Punkte fallen mir nicht ein und wenn man das Schürzen-Problem unter einem Punkt ablegt, ist die DAFÜR-Liste eindeutig länger. Man müsste nur mit Papa absprechen, dass er während der Drehzeit nicht einen auf Hausmann machen kann, aber da es um seine Firma und seine Erfindungen geht, müsste es auch in seinem Sinne sein, als seriöser Geschäftsmann aufzutreten, oder? Nur für den Fall, dass ihn jemand aus meiner Schule sieht. Und am liebsten hätte ich es, wenn niemand mein Zimmer betritt. «Was sagst du dazu, Polly?», fragt Mama. «Von mir aus», sage ich. »Kann ich an dem Tag bei Mathilda bleiben und bei ihr übernachten? Aber vorher wollen wir Reporter-Rob kurz kennenlernen und ein Foto mit ihm zusammen machen, ja?» «An welchem Tag willst du bei Mathilda bleiben?» «Wenn ihr hier dreht. Und Papa? Du darfst denen nur die Erfindungen vorführen, die auch wirklich funktionieren, ja? Ich fände es ziemlich peinlich, wenn die Zuschauer mitbekämen, wie aus unserem automatischen Saftspender mal wieder Senf und Ketchup herauskommen oder das Gesundheitscheck-Gerät ganz laut ‹Polly Blume, zu viel Körperfett› sagt, weil es falsch programmiert wurde und eigentlich Mama gemeint ist.» «Das hat das Gerät noch nie gesagt!», protestiert

mein Vater, und Mama sagt: «Aber Polly, du kannst doch nicht zwei Wochen zu Mathilda ziehen.» ZWEI WOCHEN?! Ich ahne Böses, aber bevor ich nachfragen kann, fügt sie hinzu: «Ausserdem soll natürlich die ganze Familie gezeigt werden. Die Menschen möchten nicht nur sehen, wie so ein Zukunftshaus aussieht, sondern auch wissen, wie es von Eltern und Kindern im Alltag genutzt wird. Rob will mit uns allen sprechen, vieles selbst ausprobieren und alles genau erklären.» SOLL DAS BEDEUTEN, DASS ICH EBENFALLS GEFILMT WERDE?! NIEMALS!!! «Nehmt doch die beiden anderen BlumeKinder», sage ich zu meinen Eltern. «Ich will auf keinen Fall ins Fernsehen! Was, wenn das jemand aus meiner Klasse sieht?» Mama und Papa sehen sich an. «Deine Klassenkameraden finden das bestimmt ganz toll», sagt Mama. «Wollen nicht alle irgendwie ins Fernsehen?» Das kann nur jemand behaupten, der bei dem Verein arbeitet, denke ich und widerspreche laut: «Ich nicht!» Den coolen Rob kennenlernen allerdings schon. «Polly», setzt Papa zu einer Erklärung an. «Du würdest auch nur ganz kurz gezeigt werden, wie du zum Beispiel die Haustür aufschliesst oder sich die Frischluft-Zufuhr in deinem Zimmer reguliert oder ...» «Dass Rob in mein Zimmer gehen möchte, finde ich schon sehr privat, aber darauf würde ich mich vielleicht noch einlassen. Doch ich will nicht gefilmt werden! Auf gar keinen Fall!» Mein Entschluss steht fest.

Sabine Zett Einmal Star und nie wieder cbj Verlag 192 Seiten, Fr. 15.90


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Wie man voll krasse Superkräfte kriegt (ohne dass es jemand merkt)

Markus ist kein gewöhnlicher Teenager, er ist ein Halbvampir, der gemeinsam mit seiner Freundin Tallulah gefährliche Vampire gekämpft. Doch seit einiger Zeit hat er sein Gedächtnis verloren ... Tallulah: Der Ruf des Vampirs Der Ostersonntag kam und ging – und Markus rief nicht an. Aber ich verbrachte viele Stunden mit der Frage, ob sein Gedächtnis allmählich zurückkehrte. Fing er wieder an, sich an mich zu erinnern? Dabei überkam mich gelegentlich ein leises Unbehagen. Ein grosser Vogel oder eine Fledermaus, die dem Fahrer gegen die Windschutzscheibe geflogen war, hatte Markus’ Unfall und damit seinen Gedächtnisverlust verursacht. Eine Fledermaus. Es liess mir keine Ruhe. War das nur ein seltsamer Zufall? Ich wollte Markus unbedingt helfen und etwas unternehmen, aber stattdessen blieb alles in der Schwebe. Doch dann erfuhr ich am Ostermontag bei einem weiteren Familienessen eine Neuigkeit, die sich als sehr wichtig herausstellen sollte. Wir waren diesmal in ein Restaurant gegangen, in dem man im Schneckentempo bedient wird. Plötzlich drehte sich mein Bruder zu mir um und sagte: «Letzte Woche hat ein Laden eröffnet, der dich bestimmt interessieren wird.» Das bezweifelte ich

stark, denn ich hasse Shoppen. «Er heisst Mad About Monsters», fügte er hinzu. Das hörte sich nun doch interessant an. «Er ist ziemlich klein und liegt am Ende der neuen Ladenzeile in der Dover Street. Im Schaufenster hängen lauter Bilder von Monstern. Es ist gerade so, als würde man die Wand in deinem Zimmer anschauen.» An dieser Stelle gluckste der Rest meiner Familie. «Ich hatte natürlich keine Zeit, selber reinzugehen», fuhr Martin fort. Nein, das überliess er lieber seiner verrückten Schwester. Aber ich würde mir Mad About Monsters auf jeden Fall ansehen. Es erschien mir höchst unwahrscheinlich, dass jemand so einen speziellen Laden ausgerechnet in Great Walden eröffnete, ausser ... Jetzt überschlugen sich meine Gedanken. Als die tödlichen Vampire das letzte Mal hier gewesen waren, hatten sie den Jahrmarkt benutzt, um anzureisen. Sie hatten so getan, als würden sie in einigen der Buden und Fahrgeschäfte arbeiten. War das jetzt für sie eine andere Möglichkeit zur Rückkehr? Sollte der Laden nur als Deckmantel für Vampirgeschäfte dienen? Dass Markus sein Gedächtnis genau in der Woche verloren hatte, in der Mad About Monsters eröffnet worden war – konnte das auch nur ein Zufall sein? Am nächsten Morgen ging ich mir sofort den Laden ansehen. Da war er, mit einem «Neueröffnung»Banner quer über dem Schaufenster und absolut umwerfenden Postern von allen möglichen Monstern. Als ich die Tür öffnete, ertönte ein lautes Heulen. Genauso einen Soundeffekt würde ich unheimlich gern an der Tür zu meinem Zimmer anbringen. Ich fühlte mich sofort wie zu Hause. Der Laden war zwar klein, aber vollgestopft mit fas-


zinierenden Sachen. Die wirklich teuren Modelle standen in Vitrinen und kosteten astronomische Summen. Aber es gab auch spottbillige kleine Monster und Horror-DVDs und Bücher und Poster, die einem richtig ins Auge sprangen ... Das war zweifelsohne der aufregendste Laden, den ich je betreten hatte. Dann hörte ich jemanden sagen: «Die erste Kundin des Tages, wie grossartig.» Ein kleiner Mann mittleren Alters mit rotem Bart schlängelte sich zu mir durch. Bis auf eine grosse schwarze Augenklappe über seinem rechten Auge war an ihm nichts Ungewöhnliches. Er strahlte mich einladend mit rosig leuchtendem Gesicht an. Aber mich konnte man nicht zum Narren halten. Ich hatte schon mal eine reizende alte Dame kennengelernt, Mrs Lenchester, die sich schliesslich als echter tödlicher Vampir entpuppt hat. Könnte er einer von ihnen sein? «Herbert Cheshire zu deinen Diensten. Willkommen in meinem kleinen Reich», sagte er. Er rollte alle Wörter auf seiner Zunge herum wie ein Schauspieler in einem alten Schwarz-Weiss-Schinken. «Wir sind vielleicht winzig, aber es wimmelt hier drin von gruseligen Kreaturen. King Kong, Die Kreatur aus der Schwarzen Lagune, Godzilla, Der Weisse Hai, It! The Terror from Beyond Space, geflügelte Schlangen, Werwölfe, du findest hier alles, sogar Den Unsichtbaren.» Ich lächelte höflich über seinen albernen Witz. Markus: Das gruseligste Spielzeug aller Zeiten

Erinnerungslücke). Ich habe seitenweise gebloggt und alles aufgeschrieben, was ich erlebt habe. Das ist zweifellos die grösste Entdeckung seit der Erfindung des Penicillins – nun, zumindest für mich. Ich hasse es, dass sechs Monate meines Lebens einfach verschwunden sind. Es ist, als wäre ein Teil von mir gleich mitverschwunden, weswegen ich jetzt nicht vollständig da bin. Doch das ist vorbei. Ich muss nur meinen Blog lesen und dann bin ich wieder auf dem Laufenden. Happy End für alle. Ich habe mich an noch etwas erinnert. Ja, ich bin echt nicht mehr zu bremsen. Ich habe meinen Blog mit einem supergeheimen Passwort gesichert, also muss ich da richtig aufregendes Zeug reingeschrieben haben. Fortsetzung folgt. 7.20 Uhr

Ich kann mich ganz genau an meinen Blog erinnern, bloss das supergeheime Passwort fällt mir nicht mehr ein. Ist das nicht typisch? 7.25 Uhr

Ich glaube, jetzt weiss ich es wieder. Ich wette, es waren die Anfangsbuchstaben meines liebsten James Bond-Films.

7.28 Uhr

Nein, doch nicht. 7.29 Uhr

Leider auch nicht die Anfangsbuchstaben meines zweitliebsten James Bond-Films. Oder des drittliebsten.

Donnerstag, 14. April 7.05 Uhr

Ich bin wieder da! Vor Aufregung bin ich ganz zappelig. Die Sache ist die, dass ich mich tatsächlich wieder an etwas erinnert habe, als ich heute früh aufgewacht bin. (Ich wache in letzter Zeit immer sehr früh auf. Seltsamerweise scheine ich viel weniger Schlaf zu brauchen als früher.) Ich hatte einen Blog. Und der begann am 30. September, also an meinem dreizehnten Geburtstag (dem Beginn meiner

Pete Johnson Wie man voll krasse Superkräfte kriegt (ohne dass es jemand merkt) ArsEdition Verlag 208 Seiten, Fr. 15.90 ©2015 arsEdition GmbH, München; Illustration: Alexander von Knorre


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Detektive schlafen nie Jonathans Mutter Wanda ist Krimiautorin. Ihre Hauptfiguren sind Morlot, der Detektiv und die Gangster Frenk und Eddy. Nun scheint es als ob Wanda in ihrer Geschichte verschwunden wäre. Jonathan sucht sie.

D

ie Strasse war ohne Licht. Düster und beängstigend. Irgendwo dort in der Mitte musste sich das Haus mit der Nummer 11 befinden. Jonathan zögerte einen Moment. Die nackte Panik kroch seinen Rücken hinauf und erzeugte den Wunsch, kehrtzumachen und nach Hause zu rennen. Aber eine innere Stimme feuerte ihn an, nun auch die letzten Schritte zu wagen. Falls seine Mutter sich tatsächlich auf den Weg zu Morlot gemacht hatte – so absurd das auch nach wie vor klang – dann war sie wahrscheinlich zu ihm nach Hause gegangen. Denn sein Büro hatte er ja offensichtlich für immer verlassen. Mit diesem hoffnungsvollen Gedanken im Kopf trat Jonathan vor und kam erst wieder vor der Nummer 11 zum Stehen. Das Haus wirkte alt und heruntergekommen. Neben der Tür waren Schilder mit Zahlen von eins bis zehn angebracht. Kein Hinweis auf einen Bewohner namens Morlot. Stattdessen gab es neben dem Eingang einen einzelnen Klingelknopf. Jonathan zögerte, nicht wissend, was er auslösen würde. Schliesslich rang er sich durch. Mit einem sonoren Summen gab der Knopf die Eingangstür zum öffnen frei. Man musste sich nur dagegenlehnen. Leise die Tür hinter sich ins Schloss gleiten lassend, betrat Jonathan den dunklen Hausflur. Mit den Händen tastete er sich an den Wänden entlang und spürte, wie ihm die blättrige Farbe entgegenbröselte. Das Licht liess er gelöscht. Sicher war sicher.

Zweiter Stock hatte in dem Buch gestanden. Langsam schritt er die Treppe hoch. Hier und da waren hinter den Türen Stimmen, ein Fernseher oder das Klappern von Geschirr zu hören. Es schienen also tatsächlich Menschen in dieser Welt zu leben. Ob seine Mutter wohl auch sie alle erfunden hatte? Da das Haus schon von aussen keinen besonders wohligen Eindruck verbreitet hatte und Jonathan wusste, dass es in Wandas Büchern meist um Kriminelle ging, wollte er es lieber nicht überprüfen. Stattdessen schlich er selbst wie ein Einbrecher an den Türen vorbei und weiter die Stufen hinauf.

Er hatte gerade die Mitte der Treppe im zweiten Stock erreicht, da sah er einen Lichtschein. Er beleuchtete den oberen Absatz und kam aus der linken Wohnung. Die Tür schien einen Spalt weit offen zu stehen. Jonathan hielt den Atem an und horchte. Er vernahm Schritte. Dann ertönte die Stimme eines Mannes. «Ich hab doch gesagt, der Typ hat die Biege gemacht, Frenk! In so 'nem Loch wohnt doch keiner. Guck dir das doch mal an hier.» «Und warum glaubt die Alte dann das Gegenteil?» Jonathan zuckte erschrocken zurück. «Weil sie lügt! Hast doch selbst gesehen, wie die sich extra verkleidet hat, damit wir sie nicht erkennen. Die will ihn doch nur decken.» «Nee, nee. Dann hätte die sich nie hier rübergewagt. Die weiss doch selbst, wie gefährlich das ist.»


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«Umso schlimmer. Wenn die tatsächlich die Kontrolle über diesen miesen Schnüffler verloren hat, dann ist das doch nur 'n Beweis mehr, dass der unsere Kohle hat. Dann ist der nämlich längst über alle Berge damit. Wahrscheinlich hat der uns sogar diesen Bank-Fuzzy auf 'n Hals gehetzt. Weil die nämlich gemeinsame Sache machen. Das ist doch so klar wie ... » Aus der Wohnung ertönte ein Rumpeln. «Ich hab gesagt, du sollst hier nicht einen auf hysterische Pussy machen, ja, Eddy?», zischte es. «Wir haben die Alte. Das heisst, wir haben die Kontrolle, kapiert?! – Wir sorgen jetzt dafür, dass die Geschichte nach unseren Wünschen verläuft und nicht anders!» «ls ja gut, Frenk«, gurgelte es. Sein Begleiter schien ihm an die Kehle gegangen zu sein. Mit wild pochendem Herzen drückte sich Jonathan an die Wand. Er konnte kaum fassen, was er da hörte. In die Stille hinein platzten hinter ihm ein paar Farbplacken auf und rieselten zu Boden. «Pscht!», zischte es sogleich aus der Wohnung. Jonathan zuckte panisch zurück. «Hab ich da nicht was gehört?» Ein Klicken ertönte. «Warte!» Die Stimmen waren jetzt nur noch wenige Meter entfernt. Jonathan stand wie erstarrt auf dem mittleren Treppenabsatz. Er wusste, er musste sich bewegen. Nur wohin? Vor oder zurück? Ehe er sich entschieden hatte, sprangen seine Beine nach vorne und die Stufen hinauf. Da wurde bereits die Tür aufgerissen. «Hey!», raunte einer der beiden Gangsterbrüder dem anderen zu. «Da war doch was.» Jonathan sah ihre Schatten auf den Flur hinaustreten. Mit angehaltenem Atem drückte er sich hin-

ter einen Vorsprung in der Wand und presste die Lippen zusammen. Die Schatten wurden immer grösser, und im nächsten Moment erschien die Spitze eines Schlangenlederstiefels nur wenige Zentimeter von ihm entfernt. «Wahrscheinlich 'ne Maus», hörte er es neben sich in der Dunkelheit. «Los, Eddy, lass uns verpissen. Knöpfen wir uns lieber noch mal die Alte vor. Komm schon!» Die Schatten rückten von Jonathan ab. Im Gegenlicht des Flurfensters sah er kurz darauf ihre Silhouetten. Der eine klein und bullig, der andere lang und hager. Sie passten genau auf die BauerBrüder in Wandas Manuskript. Am liebsten hätte Jonathan laut um Hilfe gerufen oder wäre einfach nur in Ohnmacht gefallen. Doch er hielt durch, bis er von unten das Zuklappen der Haustür vernahm. Dann holte er tief Luft und sank an der Wand hinunter zu Boden. In seinem Kopf formte sich dabei die furchtbarste aller Gleichungen: die Alte = seine Mutter = in Frenk und Eddys Gewalt = das Schlimmste, was passieren konnte.

Katharina Reschke Morlot – Detektive schlafen nie Boje Verlag 224 Seiten, Fr. 20.90


Tiere

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12 Weisser Hai

Die Vielfalt der Tierwelt in 1500 Bildern 11

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Mit den grossen, gesägten Zähnen Ku rzf wird die Beute zerrissen. los se nSchokoladenhai

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Einige der grössten Haie leben im offenen Meer. Der Kurzflossen-Mako 11 gehört zu den schnellsten Schwimmern. Auf kurzen Strecken kann er über 70 km / h erreichen. Makos erbeuten schnell schwimmende Fische und Kalmare, während der Weisse Hai 12 Robben und Delfine bevorzugt und manchmal versehentlich Menschen angreift. Er wird bis zu 7 m lang und kann 2 t wiegen. Dieser gefürchtete Raubfisch greift von unten an und springt manchmal sogar aus dem Wasser, um sein Opfer zu packen. Der hübsche, lang gestreckte Blauhai 13 legt jedes Jahr Tausende

nhai 14 Kle ingefleckter Katze

von Kilometern zurück. Er zieht zwischen guten Nahrungsgebieten und seinen Fortpflanzungsplätzen im Meer hin und her. Die meisten grossen Haie legen keine Eier, sondern bringen weit entwickelte Junge zur Welt. Kleingefleckte Katzenhaie 14 und ihre Verwandten legen Eier mit einer lederartigen Hülle. Man nennt sie auch «Handtäschchen der Meerjungfrauen». Der Glatte Hammerhai 15 gehört zu einer Haifamilie mit kuriosen T-förmigen Köpfen. Die Augen sitzen an den Seiten des «Hammers», sodass der Hai beim Schwimmen ein grosses Blickfeld hat.


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Mit dem langen Schwanz wird die Beute betäubt.

Wie bei den meisten Haien ist der Rücken dunkel und der Bauch hell.

Beide Schwanzlappen sind etwa gleich lang.

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Die Brustflossen stabilisieren den Körper beim Schwimmen.

Port-Jackson-Stierkopfhaie 16 und Hornhaie 17 leben am Meeresgrund. Ihr Maul weist nach unten und sie haben flache Zähne, mit denen sie Muschelschalen knacken können. Der Gemeine Fuchshai 18 jagt im offenen Meer. Er setzt seine verlängerte Schwanzflosse wie eine Peitsche ein, um Beutetiere zu betäuben. Schwarzspitzen-Riffhaie 19 und Weissspitzen-Riffhaie 20 sind für Menschen relativ harmlos, aber Bullenhaie 21 schwimmen in Flüssen landeinwärts und greifen manchmal Menschen an. Sie werden bis zu 3,4 m lang.

Tiere – Die Vielfalt der Tierwelt in 1500 Bildern Dorling Kindersley Verlag 264 Seiten, Fr. 24.50


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Die Kinder auf der Insel der Piraten haben Sommerferien. Sie wollen ein altes Schiff wieder seetüchtig machen.

S

obald sie wieder zu Atem gekommen waren, redeten alle durcheinander. Was brauchten sie, um das Schiff seetüchtig zu machen? Woher sollten sie das Material bekommen? Wann würden sie in See stechen können? Und wohin sollten sie überhaupt fahren? Als sie schliesslich bei dieser Frage angekommen waren, konnte Mick sich einfach nicht länger zurückhalten. «Wie wäre es denn mit einer Schatzsuche?», rief er grinsend. «Ja, das wäre was!» Stevie lachte. «Aber so ganz ohne Schatzkarte ...» Dann wurden seine Augen gross und grösser. Auch die anderen wurden mit einem Mal ganz still, als Mick die Schatzkarte des Listigen Lars hervorzog und sie lachend in die Höhe hielt. «Nehmen wir doch einfach diese hier.» In null Komma nichts hatten sich alle um ihn versammelt. Jeder wollte die Karte untersuchen, sie in der Hand halten und ihren Inhalt entziffern. Dann musste Mick erzählen: wie er die Karte gefunden, wie er mit Bill den Text entschlüsselt und wie Henriette schliesslich die Unterschrift des Listigen Lars entdeckt hatte. «Der Schatz des Listigen Lars», hauchte Lili.

«Heiliger Thunfisch!», flüsterte Stevie. «Warum sucht Bill denn nicht selbst nach dem Schatz?», fragte Gordon. «Wieso hat er dir die Karte einfach geschenkt?» Mick zupfte an seinem Kopftuch. «Er hat genug Aufregung in seinem Leben gehabt, sagt er. Und ausserdem könnte so ein Schatz mehr Ärger bringen als Nutzen. Bill will einfach seine Ruhe haben.» «Mmmhmm.» Gordon brummte. Auch Mick hatte ein merkwürdiges Gefühl bei Bills Erklärung gehabt. Aber vielleicht wurde er einfach allmählich alt und fühlte sich einer Schatzsuche nicht mehr gewachsen. «Wie auch immer», sagte Lili ungeduldig. «Hauptsache, die Karte gehört jetzt uns.» «Und das sollte unter uns bleiben», warf Stevie ein. «Sonst macht sich jeder einzelne Pirat im Vergessenen Meer auf die Suche.» «Das versteht sich doch wohl von selbst, dass unsere Lippen versiegelt sind», sagte Lili. Die anderen nickten ernst. «Wer ist denn dieser Listige Lars überhaupt?», fragte Susa und handelte sich damit vier fassungslose Blicke ein. «Kinder!» Lili verdrehte die Augen. «Was bringen sie euch eigentlich heutzutage in der Schule bei?» Mick knuffte sie in die Seite. «Susa war doch noch ganz klein, als die Sache mit Lars passiert ist.» «Ich bin nicht klein!» «Also, Susa», begann Stevie, «mit dem Listigen Lars, das war so.» Mick grinste. Stevie konnte erzählen wie niemand sonst. Oft vermischten sich bei ihm Wahrheit und Erfindung. Aber er sagte immer, dass es darauf nicht ankäme, sondern dass es nur wichtig sei, eine gute Geschichte zu erzählen.


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Seine Eltern hatten dafür allerdings wenig Verständnis. Er hatte ihnen zum Beispiel einmal erzählt, dass nicht er, sondern ein schauriger, sabbernder Riesenkrake den Thunfischauflauf aus der Speisekammer gefressen hätte – was ihm eine Woche Spüldienst eingebracht hatte. Doch hier hatte Stevie ein dankbareres Publikum vor sich. Seine Freunde lehnten sich gemütlich an ihr Schiff – ihr Schiff! –, Susa nahm ihre Schmuseschildkröte auf den Schoss, Penelope liess sich auf Micks Schulter nieder und dann ging es los: Die Geschichte vom Listigen Lars Es ist noch gar nicht lange her, da war der Listige Lars auf allen Inseln im Vergessenen Meer bekannt – berüchtigt, sollte ich wohl besser sagen. Er hätte einem zweibeinigen Piraten ein Holzbein aufschwatzen können, und die Lichtbarriere hätte sich von ihm überreden lassen, ihm ihr Leuchten zu verkaufen, sagte man. Soweit ich weiss, hat Lars sogar einmal mit dem Seeungeheuer des Mahlstroms verhandelt. Es ging dabei um die versunkenen Schätze in den Goldwäldern ... Aber das ist eine andere Geschichte. Jedenfalls hatte der Listige Lars sich seinen Piratennamen schon in frühester Jugend verdient, und eigentlich hätte jeder, der sich auf ein Geschäft mit ihm einliess, es besser wissen müssen. Aber so sind Piraten nun mal: Wenn sie eine Chance auf eine wertvolle Prise wittern, lassen sie ihren Verstand über die Planke gehen. Deshalb kam es dann auch zu dieser unseligen Wette, die dreiunddreissig Piraten insgesamt 99 Golddublonen kostete und an deren Ende der Listige Lars auf unerklärliche Weise verschwand ... Aber der Reihe nach: Gustav der Grübler hatte bei einem Geschäft mit dem Listigen Lars drei Golddublonen verloren. Seither grübelte er darüber nach, wie er sein Geld zurückbekommen konnte. Er setzte sich mit zwei anderen Piraten zusammen, die ebenfalls eine Menge

Geld an Lars verloren hatten. Einige Tage später hatten sie einen wasserdichten Plan. (Das dachten sie zumindest.) Sie wussten, dass der Listige Lars eine Schwäche hatte: Er konnte keine Wette ausschlagen. Bisher hatte er zwar jede seiner Wetten gewonnen, aber die drei waren sicher, dass er diese nicht gewinnen konnte. Niemand hätte sie gewinnen können. So suchten sie Lars auf und boten ihm ihre Wette an. Sie würden ihn auf der winzigen Insel der Wilden Wiebke einen Tag und eine Nacht lang aussetzen. Dort wohnte schon lange kein Mensch mehr. Wenn es Lars gelänge, in dieser Zeit die Insel unbemerkt zu verlassen, sollte er von jedem drei Dublonen bekommen. Sollte er es jedoch nicht schaffen, so müsste er jedem drei Dublonen zahlen. Lars überlegte eine Weile und schlug dann ein. Er stellte nur zwei Bedingungen: Er wollte seinen kleinen Seesack mitnehmen und die Wetteinsätze sollten mit ihm auf die Insel der Wilden Wiebke gebracht werden.

Gabi Neumayer Der Schatz des Listigen Lars Beltz und Gelberg Verlag 285 Seiten, Fr. 19.90 Auch als Hörbuch erhältlich.


Piraten

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Piraten

>>> A uf den Spuren der Seeräuber

Fluch der Karibik ________________ > >> Schrecken der Meere,

Fluch der Karibik: Piraten! Von dem grössten Goldrausch in der Geschichte der Menschheit werden sie in die Karibik gelockt. Denn seit Christoph Kolumbus im Jahre 1492 für die spanische Krone Amerika entdeckt hat, sehen es die Spanier als ihr gutes Recht an, die unermesslichen Goldschätze der Inka, Maya und Azteken an sich zu reissen und über den Ozean nach Spanien zu bringen. Je mehr Schatzschiffe sich auf den gefahrvollen Weg über den Atlantik begeben, desto zahlreicher werden auch die Männer, die auf die fette Beute aus sind. Mit ihren wendigen, schnellen Schiffen machen die Piraten Jagd auf die mit Gold und Silber beladenen Galeonen der Spanier. Sobald der Schreckensruf «Piraten!» ertönt, können die spanischen Seeleute nur noch beten. Gegen die bis an die Zähne bewaffneten, zum Äussersten entschlossenen Seeräuber hat die Mannschaft der Schatzschiffe keine Chance. Es ist das «Goldene Zeitalter der Piraterie», und Freibeuter wie Henry Morgan werden gleichermassen durch ihre Grausamkeit wie durch ihren Wagemut zur Legende. Keiner ist so verwegen, keiner erbeutet so reiche Schätze wie er. Geschichten über Henry Morgan und sein berühmtes Flaggschiff, die HMS Oxford, werden auf allen Schiffen, in allen Hafenkneipen erzählt. Alle wollen zu seiner Mannschaft gehören. Wer ist der Mann hinter der Legende? Was trieb ihn an, und was ist das Geheimnis seines sagenhaften Erfolges? Der deutsche Wracktaucher Rick Haupt verbringt vier Jahre seines Lebens damit, dem erfolgreichsten Piraten des englischen Königs auf die Spur zu kommen. Er macht sich auf die Suche nach dem Wrack der Oxford, einst legendäres Flaggschiff Morgans, das in der Karibik sank und Jahrhunderte auf dem Grund des Meeres ruhte. Eine Suche wie eine Sucht, von der in diesem Buch erzählt wird.

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Ein Teufelskerl, dieser Morgan! Was ist dieses Mal sein Plan?, fragen sich die Männer, als der Anführer endlich zu ihnen stösst. Fast alle, die ihn vor Île à Vache erwarten, waren bei Morgans letztem Beutezug dabei. Glorreiche Tage waren das, als sie mit Henry Morgan Portobello verwüsteten, die drittgrösste Siedlung der Spanier in Mittelamerika. Drei Forts mussten bezwungen werden, dann fielen die Stadtmauern. Die Reichen wurden so lange gefoltert, bis sie entweder starben oder den Freibeutern die geheimen Verstecke verrieten, in denen ihr Geld und Gold war. Früher oder später redeten alle – die noch reden konnten. Ein kleines Vermögen sprang für jeden Gefolgsmann Morgans dabei heraus. Was wird ihr neues Ziel sein? Henry Morgan lässt die ganze Mannschaft an Deck antreten. Dann raunt er heiser nur das eine Wort: «Cartagena!» An Bord ist es totenstill. Dann erhebt sich ein lautes Stimmengewirr. Was? Cartagena? Ein Angriff auf die stärkste Festung der Spanier – das ist Wahnsinn! Die Sonne hat Morgan anscheinend das Hirn verbrannt! Die Bastion Cartagena ist uneinnehmbar! «Da machen wir nicht mit»,

murren die Ersten. Meuterei liegt in der Luft. Doch Morgan lässt sich nicht beirren. Er zählt die vielen Schätze auf, die in Cartagena lagern. Die Spanier rauben in der Neuen Welt, was sie nur kriegen können. Mit Waffengewalt entreissen sie den Einwohnern jahrtausendealte Kulturschätze. Zudem zwingen sie die unglücklichen Menschen, als Sklaven in den Gold- und Silberminen zu schuften. Zahllose Goldschiffe segeln mit ihrer Beute von der amerikanischen Atlantikküste nach Spanien ab. Nahezu der gesamte Kolonialhandel der Spanier wird über Cartagena abgewickelt. Die Lagerhäuser quellen über. Wertvolle Edelsteine, zahlreiche Schätze aus den Tempeln der Inka, kostbarer indianischer Silberschmuck, Tonnen über Tonnen vom Gold der Azteken. Morgans Augen blitzen, als gehöre das alles schon ihnen. «Wahrhaftig, unter Morgans Führung könnte uns der Raubzug gelingen!», murmelt einer, und ein anderer nickt. Am Ende wird abgestimmt. Und alle sind sich einig: «Wir sind dabei!»

Die Spanier nehmen den Inka mit brutaler Gewalt ihre Schätze ab. Das lockt Piraten an, die wiederum die Spanier um die Beute bringen. Auf manchen Raubzügen werden die Piraten von Ureinwohnern unterstützt.

Maja Nielsen Piraten – Auf den Spuren der Seeräuber Gerstenberg Verlag 64 Seiten, Fr. 19.90 Auch als Hörbuch erhältlich.


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Schulalarm ODER: Lach – und die Welt gehört dir! «Rabäääh! Rabäääh! Wääähhh! ! !» Ohrenbetäubendes Babygeschrei reisst mich aus dem Tiefschlaf. Wo bin ich? Wer bin ich? Bevor ich dazu komme, mit dem kleinen Zeh zu wackeln oder mich in die Nase zu kneifen, steht Papa in meinem Zimmer. «Felicitas, guten Morgen! Levantate! Aufstehzeit!» Schwungvoll zieht er die Jalousie hoch, helles Sonnenlicht blinkert in meine Augen. «Grrrmpf!» Grummelnd ziehe ich mir das Kissen über den Kopf. Ich will in meinem Bett liegen bleiben! Für immer! Hier fühle ich mich warm, sicher, geborgen ... «Venga, komm, heute ist dein erster Schultag! Schon vergessen?» Papa zieht mir gnadenlos die Decke weg. «Ich will nicht!» Wer hat bloss das Aufstehen erfunden? Mein Vater wuschelt mir lieb durchs verstrubbelte Haar. «Zieh dich an und kämm dich ordentlich, wir sind sowieso schon spät dran …» Schon ist er wieder zur Tür hinaus und in der Küche verschwunden, wo ich ihn kurz darauf mit dem Frühstücksgeschirr klappern höre. Das absolut nervtötende Rabäääh! meiner Babyschwester hat glücklicherweise aufgehört. Ich grinse in mich hinein, während ich mich strecke und ausgiebig gähne. Kämm dich ordentlich – typisch Papa! Bien está lo bien peinado oder: Haare gut, alles gut, das ist Papas Lebensmotto. Er ist Friseur aus Leidenschaft und führt gemeinsam mit meiner

Mutter den «Kopfsalat» in der dritten Generation. Vor Urzeiten hat ihn sein Grossvater Pablo Morera in bester Lage in der Innenstadt eröffnet, die Kunden lieben unseren Salon mit Herz, wie viele ihn liebevoll nennen. Kein Wunder, denn unsere Eltern können nicht nur Haare schneiden, sondern auch gut zuhören, wenn jemand Sorgen hat. Das gilt für Kunden wie für uns Kinder. Nur morgens beim Aufstehen, da ist Papa unerbittlich. Langsam steige ich aus dem Bett und schiele in meinen Kleiderschrank. Heute Morgen habe ich es überhaupt nicht eilig. Seit Tagen verspüre ich ein ungutes Gefühl, wenn ich an meinen ersten Schultag in der neuen Schule denke. Denn in meiner neuen Klasse kenne ich niemanden, das weiss ich schon jetzt. Meine beste Freundin Kim wohnt nicht mehr in unserer Stadt, weil ihre Mutter den Job gewechselt hat. Und die Mädchen aus meiner alten Klasse besuchen bis auf die langweilige Ellen alle andere Schulen. Grummelnd stehe ich vor dem Spiegel und weiss nicht, was ich anziehen soll. Nicht, weil ich so eine Modetussi bin und mich nicht zwischen einem rosa Rock und einem pinken Kleid entscheiden könnte. Auch nicht, weil ich zu dick oder zu dünn wäre. Nein, es liegt viel mehr an dieser elementaren Alles-entscheidenden Frage: Was zieht man am ersten Schultag an, um bei seinen neuen Klassen- kameraden den richtigen Eindruck zu machen? Wahllos hole ich eine weisse Jeans hervor und ziehe ein schwarzes Shirt darüber. Sieht nach Opernballbesuch aus. Mit einer weissen Bluse viel zu sommerlich. Mit einer blauen Jeans laaangweilig. Und wenn ich diese Fellweste darüber trage? Soll ich meine Sneakers dazu anziehen? Oder die coolen Plateausandalen? Was werden die anderen von mir denken? Und was will ich, was die anderen von mir denken?


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Gute Mädchen hätten sich ihre Klamotten gestern bereits rausgelegt, schiesst es mir durch den Kopf. Ich seufze und lege das bunte Tuch zur Seite das ich mir um den Hals drapiert hatte, aber ich bin nun mal keins. Seit ich eine kleine Schwester habe, versuche ich jedoch, ein gutes Vorbild zu sein und mich entsprechend zu benehmen. Ausserdem schreibe ich alles auf und sammle die Tipps in meiner Glücksbox, damit Serena es eines Tages einmal besser hat als ich.

Aufgeregt, weil du niemanden kennst und nicht weisst, was dich erwartet? Mach dich nicht verrückt, anderen geht es ganz genauso! Damit du nicht vor Lampenfieber vergehst, konzentriere dich auf dich und deine guten Eigenschaften. Schreibe mindestens fünf Dinge, die du an dir magst, auf einen Zettel und stecke ihn in deine Hosentasche – oder hänge ihn gut sichtbar an deinen Spiegel.

Ilona Einwohlt Zettelkram und Kopfsalat – Felis Überlebenstipps Arena Verlag 176 Seiten, Fr. 14.90


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Der zwölfjährige Otto lebt bei seiner Tante Sharon. Ebenfalls im Haus wohnen die Hausgeister Tony, Bert und Molly, die allerdings nur von Otto und seiner Freundin Emily gesehen werden können. Die freche sprechende Fledermaus Vincent ist Ottos Haustier. Neu wohnt im Nachbarhaus Madame Olga.

ein schmutziges, tristes Grau. Otto und Emily bahnten sich ihren Weg durch einige Pfützen bis zum Gartentor und überquerten die Strasse, bis sie vorm Nachbarhaus standen. Emily deutete auf ein glänzendes Messingschild neben Mr Olsens alter Haustür. «Sieh mal, Otto. Dieses Schild ist neu.» Otto warf einen Blick auf das Schild. In verschnörkelten Buchstaben stand dort:

Die geheimnisvolle Madame Olga,

T

ante Sharon reparierte Madame Olgas riesige Wanduhr in Windeseile. Schon am kommenden Nachmittag funktionierte sie wieder einwandfrei. Zufrieden drückte Tante Sharon Otto die Uhr in die Hände. «Lieb von dir, dass du Madame Olga die Uhr persönlich vorbeibringen möchtest», sagte sie. «Dann sieht sie gleich, was für einen wohlerzogenen Neffen ich habe. Und wie nett, dass du Emily mitnimmst. Olga freut sich über jeden Besuch.» Otto warf seiner Freundin Emily einen verstohlenen Blick zu. Sie hatten gerade eine schwierige Mathehausaufgabe erledigt und konnten etwas Abwechslung gebrauchen. Ausserdem hatte Otto ihr heute in der Schule alles brühwarm erzählt und wusste, dass Emily genau wie er schon darauf brannte, die mysteriöse Wahrsagerin mit eigenen Augen zu sehen. «Richtet ihr liebe Grüsse von mir aus», flötete Tante Sharon den beiden noch hinterher, als sie durch die Haustür nach draussen traten. Inzwischen war es Ende Februar und in Tante Sharons Garten war nun auch das letzte bisschen Schnee weggeschmolzen. Trotzdem liess sich der Frühling noch nicht blicken und der Himmel trug

zertifizierte und diplomierte Wahrsagerin. Ihr schneller Draht zur Geisterwelt.

Termine nur nach Voranmeldung. Keine Handys oder anderen elektronischen Geräte während der Séance erlaubt.

Otto drückte auf den Klingelknopf und trat einen Schritt zurück. Drinnen rührte sich nichts. «Ist wohl nicht zu Hause, diese Geister-Tante», brummte Vincent, der vor Kälte zitterte. «Lasst uns gehen. Ich friere mich hier zu Tode, und das will was heissen, immerhin bin ich eine Halb-


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Geisterfledermaus.» Vincent schlang sich die Flügel um seine Brust. «Ich verstehe wirklich nicht, warum dieser Torero freiwillig ins kalte England gezogen ist. In Spanien ist es jetzt bestimmt schön warm. Können wir nicht dorthin fahren, Otto? Bitte, bitte! Spanische Würmer sind bestimmt feuriger und würziger als diese zähen englischen Insekten. Pfui!» «Jetzt sei doch mal leise, Vincent.» Otto nahm die Fledermaus von seiner Schulter und steckte sie in die Seitentasche seines Rucksacks. In diesem Moment öffnete sich die Tür und ein gelockter Kopf spähte heraus. «Wer stört?», blaffte eine tiefe, raue Stimme. Jetzt wurde die Tür vollständig geöffnet und eine untersetzte Dame mit rotem lockigen Haar und gehäkeltem Kleid stand vor Otto und Emily. Otto hielt den Atem an. Ein furchtbarer Geruch nach Schiesspulver und Räucherstäbchen schlug ihnen entgegen. «Ich kaufe nichts», brummte die Frau und rümpfte dabei ihre knollige Nase. Aus der Nähe konnte Otto erkennen, dass sie dicke Schminke im Gesicht trug und damit aussah wie ein exotischer Vogel. Ausserdem schienen ihre Augen regelrecht bernsteinfarben zu glühen. «Keine Kekse. Keine Schokoladentafeln. Und wenn ihr Spenden für die Pfadfinder sammeln wollt, könnt ihr das auch gleich vergessen.» Wie vom Donner gerührt starrte Otto die merkwürdige Frau an. Konnte es tatsächlich sein, dass das hier Tante Sharons neue Freundin war? Eine mies gelaunte, nach Schiesspulver stinkende Schreckschraube? «Was steht ihr noch hier, ihr Rotzlöffel?», schrie Madame Olga jetzt aus voller Kehle und hob die Hand, als wollte sie Otto und Emily ohrfeigen. «Wollt ihr etwa eine Tracht Prügel kassieren? Ihr stört mich mitten in einer Sitzung!» Otto lief ein kalter Schauer über den Rücken. Offenbar hatte Fernando ausnahmsweise mal nicht übertrieben. Otto konnte gut verstehen, dass er vor dieser alten Hexe Reissaus genommen hatte.

Emily liess sich nicht einschüchtern. «Wir wollen Ihnen nichts verkaufen. Wir sind bloss hier, um Ihnen Ihre Uhr zurückzubringen», erklärte sie. «Wir sind Ihre Nachbarn und haben gehört, dass Sie erst kürzlich in diese Gegend gezogen sind. Ich bin Emily. Und das ist mein bester Freund Otto.» Die bernsteinfarbenen Augen der Dame musterten erst Otto, dann Emily. «Ach ja. Die Nachbarn», knurrte sie und riss Emily die Uhr aus der Hand. Das Ding bestand aus Metall und war ganz schön schwer, aber Madame Olga hob es hoch, als wäre es federleicht. «Ich hoffe, ihr wohnt nicht gleich nebenan. Ich hasse Kindergekreische.» «Tja, ich fürchte, ich wohne gleich gegenüber, bei meiner Tante Sharon», gab Otto trocken zurück und deutete auf die Villa hinter seinem Rücken. Was bildete sich diese Person eigentlich ein? Otto war immerhin schon zwölf und kein kreischendes Kleinkind. Erstaunlicherweise verschwand der grimmige Ausdruck auf dem Gesicht seines Gegenübers. Für einen Moment betrachtete Madame Olga Otto, dann zog sie ein Fernglas aus ihrer Tasche und richtete es auf die Villa. Sie schien jedes Detail des Hauses genauestens zu untersuchen, dann glitt ihr Blick zurück zu Otto. «Eine schöne alte Villa habt ihr da, du und deine Tante. Sieht sehr geheimnisvoll aus.» Sie lächelte, doch es wirkte eher wie eine Grimasse. «Und ich habe eine Schwäche für Geheimnisse», fügte sie hinzu.

Sonja Kaiblinger Scary Harry – Meister aller Geister Loewe Verlag 240 Seiten, Fr. 19.90 Auch als Hörbuch erhältlich.


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Henry Hunter ist überzeugt: in Transilvanien gibt es immer noch den Urvampir. Mit seinem Freund Dolf befindet er sich nun im Land Draculas, um den Urvampir zu finden.

Der Rote Turm, auch genannt Burg Poenari oder Schloss Dracula, steht auf einem Berggipfel. Während ich die Minibar nach übrig gebliebenen essbaren Snacks durchwühlte (ich fand einen Müsliriegel mit abgelaufenem Verfallsdatum und ein Päckchen Ingwerkekse), weil ich davon ausgehen musste, dass Henry wohl so ziemlich an alles ausser ans Abendessen dachte, brachte Herr Antonescu uns etwa die Hälfte der Strecke den Berg hinauf. Weiter war die Strasse seiner Meinung nach nicht befahrbar. Er zeigte auf eine Stelle, wo inmitten von Bäumen ein gewundener Pfad weiter in die Höhe führte. Daneben war an einem grossen Baum ein äusserst verwittertes Schild mit dem Namen des Schlosses auf Rumänisch angenagelt. Jemand . hatte etwas darübergeschmiert: Noch bevor Henry das für mich übersetzte, konnte ich mir denken, was es hiess: KEIN ZUTRITT. Herr Antonescu hielt uns eindeutig für völlig verrückt, und um ehrlich zu sein, war ich vom Gegenteil selbst nicht hundertprozentig überzeugt. Aber so war das mit Henry Hunter eben, und selbst in diesem Moment hätte ich um nichts in der Welt darauf verzichten wollen. Herr Antonescu stand belämmert da, während Henry zwei grosse Taschenlampen mitsamt zwei gut bepackten Rucksäcken aus dem Kofferraum holte und mir eins der Päckchen reichte. «Mehr sollten wir heute Nacht nicht benötigen, Dolf», sagte er grinsend. Ich nahm den Rucksack und versuchte, ebenfalls zu lächeln. Dann drehte ich mich zu Herrn Antonescu um, der ziemlich verloren wirkte, wie er so neben dem Wagen herumlungerte. Er betrachtete uns mit einem Blick, der deutlich zu verstehen gab, dass er nicht erwartete, uns je wiederzusehen.


Henry legte ein Wahnsinnstempo vor, und die nächste Stunde lang fehlte uns beiden die Puste zum Reden. Der Pfad war steil und verlief obendrein schon bald im Nichts. Abgelöst wurde er von Geröll, auf dem wir mehrfach ausrutschten und hinfielen. «Nicht mehr weit, Dolf», sagte Henry immer wieder, als hätte er diesen Berg schon Hunderte Male bestiegen. Doch letztendlich war es wirklich nicht mehr weit. Wir traten aus einem Wäldchen und hatten den Gipfel erreicht. Dort vor uns in der zunehmenden Dunkelheit lag das wahre Schloss Dracula. Anders als Schloss Bran war es klein und wirkte viel älter – und irgendwie gruseliger. Eine schmale Holzbrücke spannte sich über eine gähnend tiefe Schlucht, die zwischen uns und dem Eingangstor lag. Die Flügeltüren hingen in ihren Angeln, als hätte sie eine Explosion aufgebrochen. Die Schatten in der Finsternis umgaben uns wie Fledermausflügel. Tief unten konnten wir in einigen Dörfern das schwache Glimmen von Lichtern sehen. Der Mond lieferte gerade genug Helligkeit, um im Norden die Gipfel riesiger Berge ausmachen zu können. Dann verdeckten mit einem Mal Wolken den Mond und die Dunkelheit hüllte uns ein wie ein schwarzer Mantel. «Jetzt gibt es kein Zurück mehr, Dolf», meinte Henry vergnügt – er sagte das tatsächlich, weil er sich darüber freute, nicht weil er glaubte, mich erinnern zu müssen. Und natürlich hatte er recht. In dieser undurchdringlichen Schwärze hätten wir den Rückweg nie im Leben wiedergefunden. Genau das war es, was Abenteuer für Henry Hunter bedeutete: das Unbekannte und Gefährliche. Und das hier war eine unserer bisher gefährlichsten Situationen überhaupt. Henry schaltete seine Taschenlampe ein, eins von diesen kräftigen LED-Dingern, die heller sind als ein Suchscheinwerfer. Überall fingen die Schatten

an zu tanzen, und kurz meinte ich, vor der Schlossmauer würde sich etwas bewegen – vielleicht vorbeihuschende Augen –, doch so schnell es aufgetaucht war, war es auch schon wieder verschwunden. «Hast du das gesehen?», fragte ich. «Was?» Henry schwenkte die Lampe herum. «Ich glaube, da drüben hat sich was bewegt.» «Wahrscheinlich nur ein Wolf», meinte Henry. «Hier gibt es Wölfe?» Warum hatte ich daran nicht schon früher gedacht? Doch Henry hörte mir gar nicht zu. Er leuchtete ins Eingangstor des Schlosses. «Dann mal los, Dolf!», sagte er und marschierte über die Holzbrücke. Nachdem mir nichts Besseres einfiel, folgte ich ihm. Jedes Mal, wenn einer von uns einen Fuss daraufsetzte, knarrten die Brückenbretter bedrohlich. In meinem Kopf malte ich mir aus, wie die Brücke zusammenkrachen und uns mit sich in die grauenhafte Tiefe des Tals unter uns reissen würde. Ich war zu jung zum Sterben!

John Matthews Henry Hunter jagt den Urvampir Knesebeck Verlag 240 Seiten, Fr. 22.90


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Entdeckung der Welt

Magellan und die

Welt ohne Anfang und Ende Dort werde ich zum Admiral ernannt und bekomme eine kleine Flotte, die ich über die Weltmeere führe.

mir, Ferdinand Magellan.

Ich erzähle von meiner Kindheit und Jugend als Page im Dienst von König Johann II.

Ich erzähle auch von Begegnungen mit seltsamen Kreaturen und Bewohnern am anderen Ende der Welt.

Ich berichte von meinen Abenteuern in Indien und Marokko sowie von den falschen Anschuldigungen, die mich zwangen, nach Spanien ins Exil zu gehen. Leider finde ich dort ein tragisches Ende, doch es ist der Abschluss einen grossen Unterfangens, welches bewies, dass die Erde eine Kugel ist.


Entdeckung der Welt

1519 verlässt Magellan, nun zum Admiral ernannt mit fünf Schiffen und etwa 260 Mann an Bord Spanien um zu beweisen, dass man Indien auch auf dem Westweg erreichen kann. Sie sind im späteren Brasilien, am Rio de la Plata angekommen.

Ich glaube zwar nicht, dass wir ins Leere fallen könnten, aber das Meer wird tatsächlich immer trüber und stürmischer. Am 31. März 1520 legen wir in einer ruhigen Bucht an, um hier zu überwintern.

Vom Rio de la Plata aus fuhr Magellan weiter in Richtung Südpol, so weit südlich, wie noch kein europäischer Seefahrer jemals vorgedrungen war. Er durchquerte die Mündung des Rio Negro, des Flusses, der die argentinische Pampa von Patagonien trennt. Das Klima wird hier zunehmend rauer. An der Küste leben Seelöwen und Pinguine. Im Landesinneren gibt es eine dürre, ebene Steppe, von früh bis spät gepeitscht vom Wind.

Diese Bucht nenne ich Puerto San Julian, hier wird später ein Hafen entstehen. Noch ist es aber nur eine kalte, windige, unwirtliche Gegend. Weit und breit kein Mensch ausser uns. Meine Leute machen Jagd auf Seelöwen, Pinguine und andere seltsame Tiere. Doch wo bekommen wir Feuerholz her? Soweit das Auge reicht, ist kein Baum zu entdecken, nur ein paar dürre Sträucher ...

Ob Magellan doch noch sein Ziel erreichen wird? Der südliche Winter steht vor der Tür. In Spanien blühen nach dem 21. März die Pfirsiche und Aprikosen. Hier dagegen, auf dem 35. südlichen Breitengrad, wird der eisige Wind noch stärker und die Tage werden kürzer. Wir sind weiter südlich, als das südlichste Kap Afrikas liegt. In dieser geografischen Breite ist noch kein Mensch je gesegelt, natürlich auch meine weitgehend spanische Besatzung nicht. Einige von ihnen befürchten ernsthaft, dass wir kopfüber ins Leere stürzen könnten. Die karge Landschaft lässt einen wirklich glauben, dass wir uns dem Ende der Welt nähern.

Luca Novelli Magellan und die Welt ohne Anfang und Ende Arena Verlag 112 Seiten, Fr. 14.90 Auch als Hörbuch erhältlich.

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Im Schatten unseres Apfelbaums, mit Blick über einen Fluss in einer Stadt aus Glas, ergreife ich Dads Hand und beobachte, wie unser Feind auf uns zufliegt. Der Feind ist ein schwarzer Punkt, der, von Premia kommend, dicht über dem Wasser schwebt, während die Rotorblätter mit lautem Wuppwupp die Luft zerschneiden. Als die Sonne hinter den Türmen versinkt, nimmt der Himmel eine Farbe an, wie sie Mandarinen früher einmal hatten. Der kleine Punkt in der Luft reflektiert die letzten Strahlen des orangefarbenen Lichts. Der Punkt ist inzwischen kein Punkt mehr, sondern eine grosse metallene Flugmaschine. Ein Hubschrauber. Ein purpurroter Hubschrauber, auf den ein grosses F gemalt ist. Mehr musst du noch nicht wissen. (Vielleicht sollte ich dir noch verraten, wo wir uns befinden.) Der Apfelbaum, unter dem wir warten, steht in Dads Garten hinter unserem Haus in unserer kleinen Sackgasse. Seit sechs Jahren ist hier niemand mehr gewesen, alles ist zugewachsen und überwuchert. Dad drückt meine Hand, um mir wortlos zu sagen, dass ich keine Angst haben soll. Als wäre das so einfach, wenn man in der Falle sitzt und es keinen Fluchtweg gibt. Auf der anderen Seite neben mir steht ein Mädchen mit einer grossen Kröte in der Hand. Das Mädchen aus dem verlassenen Haus in Norden. Das Mädchen, das mich geheilt hat, als ich krank war, und das einmal mein Leben gerettet hat. Es legt den Kopf in den

Nacken und blickt zum Himmel. In den zerzausten Haaren stecken Zweige, und das Mädchen fröstelt, weil es nur ein dünnes T-Shirt anhat. Das ist Polly, die beste Freundin, die ich je hatte. Hinter uns scharen sich meine anderen Freunde, mit denen ich sogar sprechen kann: der grosse Hirsch, der jetzt nervös mit den Ohren zuckt, daneben der kleine Wolf, dessen Flanke immer noch bandagiert ist. Auf seinem Rücken hüpft die Erntemaus auf und ab, sie führt ihren speziellen Tanz-der-Flugmaschine auf (der aus sehr vielen Drehungen besteht). Und zu guter Letzt, auf meinem Schal, der General aller Kakerlaken. Er wackelt mit den Fühlern und sein harter orangefarbener Panzer schimmert wie fein poliert. Um uns herum, halb verborgen in der Dämmerung, warten noch fast hundert weitere Tiere. Ein Otter, Iltisse, Marder, Kaninchen und ein aufgeregt herumhüpfendes rotes Eichhörnchen. Vögel in den Bäumen, in den Büschen Bienen und im Gras unzählige Käfer und Insekten. «Versteck sie», sagt Dad, ohne mich anzusehen. Er lässt den Hubschrauber keine Sekunde aus den Augen. Ich blicke ihn fragend an. Scharf sagt er zu mir und Polly: «Wenn ihr eure Tiere am Leben erhalten wollt, dann versteckt sie. Und zwar schnell!» Und das machen wir. Auf meinen Befehl hin tauchen sie im Gebüsch unter, verschwinden hinter Bäumen, manche graben sich sogar in die Blumenbeete. Polly sammelt schnell abgebrochene Zweige, damit sich Tiere darunter


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verbergen können. Sogar der tapfere General kriecht in meine Hemdtasche und zieht die Fühler ein. Keines der Tiere gibt einen Laut von sich, sie sind es mittlerweile gewöhnt, wegzurennen und sich unsichtbar zu machen. Bis auf das laute Wuppwupp des Hubschraubers ist alles still. Jetzt ist keine Zeit, um nachzudenken, uns bleibt nichts anderes übrig als darauf zu hoffen, dass die Tiere in der Dämmerung hinter wuchernden Pflanzen und Klettergewächsen tatsächlich nicht zu sehen sind. Im letzten Moment findet auch das rote Eichhörnchen, das verstört im Kreis herumgerannt ist, eine Zuflucht unter einem verblühten Rosenbusch. Der Hubschrauber wirbelt Zweige und Blätter kreuz und quer durch die Luft. Die dicke Staubwolke reizt die Kehle und erschwert das Atmen. Das kalte Scheinwerferlicht blendet, und der Luftsog zwingt uns zurückzuweichen, im Umkreis der Maschine ist das Gras bereits plattgedrückt. Dad duckt sich und zerrt Polly und mich von den Rotoren weg. Der kleine Wolf fängt zu knurren an, als der Hubschrauber immer weiter nach unten sinkt. Jetzt riecht es nicht mehr nach Garten und Fluss, sondern nach Öl und Benzin. Die Hitze der knirschenden Rotoren treibt mir das Wasser in die Augen, sie sind inzwischen so nah, dass man sie fast berühren kann. Ich bin die Grosse Wildnis, der Anführer der Tiere. Ich warte und ich weiche nicht. Nicht vor dem grellen Licht, dem Brüllen der Maschine, dem Wind. Der Hubschrauber landet und allmählich kommen die wirbelnden Rotoren zum Stehen. Polly umklammert meine Hand. Für einen Moment ist der Helikopter still und dann … … wird eine Tür aufgestossen. Klappstufen werden heruntergelassen. In dem schummrigen Licht hinter uns fängt Pollys Kröte an zu quaken. Wir versuchen, in der dunklen Hubschrauberkabine etwas zu erkennen, weichen aber sofort zurück, als einige Männer die Stufen herunterpoltern und in unseren Garten stürmen. Es sind Keuler. Sie tragen klirrende Helme,

gepolsterte Uniformen und Stiefel. Ohne Vorwarnung legen sie ihre langen Pfeilgewehre an und nehmen uns ins Visier. Dad. Polly. Und mich. Wir drei sehen uns nervös an und heben ganz langsam die Arme. In der nächtlichen Dunkelheit kommt ein Mann auf uns zu. Ein kleiner Mann in einem grauen Anzug, der soeben gelenkig und flink aus dem Hubschrauber gestiegen ist. Ein Mann, dessen Porträt ich schon einmal gesehen habe, und zwar im Arztzimmer von Mentorium. Er blickt auf seine Füsse und reibt sich die Hände. Dann zupft er an seinen Manschetten und streicht sein dünnes Haar glatt. Er räuspert sich, richtet seine hinter schimmernden Brillengläsern verborgenen Augen auf uns und sagt lächelnd zu Dad: «Verzeihen Sie mir, dass ich so unangemeldet bei Ihnen auftauche, Professor Jaynes.» Dad sagt kein Wort, aber er bebt am ganzen Leib. Ich habe ihn noch nie zuvor so erlebt, ich kann richtig sehen, wie seine Hände zittern. Ich nehme mir fest vor, nicht zu zittern. Aber das ist schwieriger als gedacht. Jetzt kommt der Mann zu mir. Er nimmt die Brille ab und zieht ein Taschentuch hervor, um damit einen schmierigen Fleck wegzuwischen. «Weisst du, wer ich bin?», fragt er mich. Ich nicke. Lächelnd setzt er seine Brille wieder auf. «Gut. Weisst du, womit ich mich beschäftige?»

Piers Torday Aufstand der Tiere cbj Verlag 400 Seiten, Fr. 24.50 Auch als Hörbuch erhältlich.


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DER GALIMAT und ich Jim lebt bei seiner Tante und seinem Onkel. Plötzlich ist in seinem Zimmer der Galimat aufgetaucht. Es ist ein kugelförmiges Wesen, das Vieles kann. Heute hatte Jim wieder Ärger in der Schule.

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im setzte sich auf den Bettrand. »Jim ist nicht gut gelaunt, gelaunt«, stellte Gali fest und kletterte aufs Bett zu Jim. «Haben sie dich in der Schule wieder geärgert? Denkst du wieder darüber nach, wie schön es wäre, wenn du ein erwachsener Mann wärst, wärst?» «Ja. Schade, dass du nur Dinge materialisieren kannst», sagte Jim. «Wenn du mich erwachsen zaubern könntest, ginge es mir bestimmt besser.» Gali war beleidigt. «Zaubern!», wiederholte er. «Ein Galimat zaubert nicht, er materialisiert. Und was heisst nur Dinge! Denkst du, es ist einfach, Moleküle zusammenzufügen? Dann versuch's doch selber mal, mal!» «Molekül: kleinster Teil einer chemischen Verbindung», schlug Jim in seinem inneren Lexikon nach. «Pfff. Was nützt es dir, wenn du weisst, was Moleküle sind, sie aber kein bisschen zusammenfügen kannst?», sagte Gali. «Ich habe vierhundert Zeiteinheiten üben müssen, bis sich die Moleküle so gefügt haben, wie sie sollten.» Er lachte. «Ganz am Anfang sollte ich eine Maus materialisieren, es ist aber ein Frosch mit Mauseohren und Schwanz

dabei herausgekommen. Beim zweiten Versuch hatte die Maus dann die Ohren am Po. Da waren meine Lehrmeister ganz schön sauer, sauer.» Jim wurde zusehends besser gelaunt. «Ein Frosch mit Ohren. Den hätte ich gerne gesehen», sagte er. In dem Moment hatte er eine Idee. «Warte mal ... Wenn du Gegenstände materialisieren kannst ... wie ist es dann mit einer Pille? Pille: Arznei in Form von Kügelchen oder flachen Tabletten.» «Ein Pillenkügelchen? Kein Problem», antwortete Gali. «Du musst mir nur sagen, wogegen es wirken soll, soll.» «Es soll nicht gegen etwas wirken, sondern für etwas. Kannst du eine Pille materialisieren, die mich erwachsen macht?» «Hm», machte Gali. «Hat noch kein Galimat jemals versucht. Wird sicher nicht einfach. Könnte aber gehen.» Er wackelte begeistert mit den Ohren. «Gali, dem es gelungen ist, die EWP zu materialisieren! Eine bahnbrechende Materialisation! So wird es dann in allen Galimat-Lehrbüchern stehen, stehen.» «EWP?», fragte Jim. «Erwachsen-werden-Pille. Steht noch nicht in deinem Lexikon, Lexikon!» Am liebsten hätten Jim und Gali den neuen Materialisationsversuch sofort gestartet. Aber das ging natürlich nur, wenn Tante Larissa und Onkel Hans-Gert nicht da waren. Jims Onkel war zwar an seinem Arbeitsplatz im Finanzamt, aber Tante Larissa säuberte gerade mit dem Staubsauger die Wohnung. Erst hörte man das Brummen aus dem Schlafzimmer, dann im Flur. «Wie lange saugt sie denn noch?», sagte Jim ungeduldig. «Nicht mehr lange, lange», sagte Gali.


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Fast im selben Moment schrie Tante Larissa draussen erschrocken auf. Jim öffnete die Tür. «Was ist passiert?», fragte er. «Nur ein winzig kleines bisschen Elektro-Verschiebung, Verschiebung!», murmelte Gali hinter ihm. «Der Staubsauger!», rief Tante Larissa. «Schau doch! Der Staubsauger!» Der Staubsauger hatte sich offensichtlich selbstständig gemacht, war ihr aus der Hand geglitten und raste jetzt mit bestimmt zwanzig Stundenkilometern durch den Flur. Am Ende des Flurs stiess er nicht etwa gegen die Tür, sondern drehte sich dreimal um sich selbst und kam mit noch grösserer Geschwindigkeit auf Tante Larissa zugefahren. Sie rettete sich mit einem Sprung in Jims Kinderzimmer. Zum Glück hatte Gali das vorausgesehen und sich schnell unter dem Schreibtisch entmaterialisiert. Nur sein rechter Fuss war noch zu sehen, aber Jim stellte schnell den Papierkorb davor. Draussen hörte der Staubsauger auf zu rasen und stand still. Allerdings gab er jetzt merkwürdige Geräusche von sich. Es gurgelte im langen Staubsaugerrohr, als würde sich Onkel Hans-Gert die Zähne putzen. «Was ist nur mit dem Staubsauger los?», rief Tante Larissa. «Das hat er noch nie getan. Es fehlt nur noch, dass er pupst!» Das war wohl ein Stichwort für Gali. Denn jetzt fing der Staubsauger tatsächlich an, ein Geräusch auszustossen, das ziemlich genau einem Pupsen glich. Jim drehte sich zu Gali. «Jetzt hör doch mal auf damit!» Fast im selben Augenblick rülpste der Staubsauger noch einmal laut und war dann still. «Nicht zu fassen: Als würde der Staubsauger auf dich hören!», sagte Tante Larissa. «Also, eines ist sicher: Ich rühre dieses Gerät nicht mehr an! Dein Onkel soll es sich heute Abend mal ansehen. Vielleicht findet er raus, was mit dem Ding los ist.» «Es ist bestimmt nur eine kleine Störung», sagte Jim. «Was machst du eigentlich heute Nachmittag? Hast du nicht Lust, mal wieder in die Stadt zu gehen?» «Bei diesem Regen?», fragte Tante Larissa zurück.

«Du kannst ja einen Schirm mitnehmen», schlug Jim vor. «Und was soll ich in der Stadt?», fragte sie. Jim überlegte kurz. «Zum Beispiel eine neue Bluse kaufen.» «Ach, meine Bluse gefällt dir wohl nicht?», fragte sie. «Und was für eine stellst du dir vor?» «Eine rote. Rebekka aus unserer Klasse hat auch immer rote Sachen an. Das steht ihr gut. Passt zu Molligen.» «Du bist ja heute besonders reizend!», sagte die Tante. «Erst gefällt dir meine Bluse nicht, und dann nennst du mich auch noch mollig.» Sie sah an sich herunter. «Na ja, schlank bin ich wirklich nicht mehr. Da hast du schon recht. Auch wenn man nicht gerne hört, dass man dick sei.» «Ich habe nicht dick gesagt, sondern mollig», verteidigte sich Jim. «Ich mag Mollige.» «Danke», sagte sie. «Ich bring dann mal den Staubsauger weg», sagte Jim. «Ja, aber pass auf, dass er nicht noch mal losrast!», rief sie und ging vorsichtig hinter ihm her zum Schrank. Als Jim wieder zurückkam, sagte er halblaut zu Gali: «Wird wohl heute nichts mit dem Materialisieren!» Aber da täuschte er sich, denn wenig später streckte Tante Larissa den Kopf in Jims Zimmer und sagte: «Es hat aufgehört zu regnen. Ich geh noch mal in die Stadt, Jim. Vielleicht sollte ich wirklich mal nach einer neuen Bluse schauen. Sie muss ja nicht unbedingt rot sein.» Und schon war sie aus der Wohnung verschwunden.

Paul Maar Der Galimat und ich Oetinger Verlag 256 Seiten, Fr. 19.90 Auch als Hörbuch erhältlich.


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Raumfahrt In diesem Buch erfährst du alles über die Raumfahrt: Es wird dir der Alltag im Weltraum erklärt und tolle Bilder zeigen den Aufbau verschiedener Raumsonden oder Raketen.

Raumfahrt

Bodenfahrzeuge Unbemannte Raumsonden landeten bisher auf sechs Himmelskörpern im Sonnensystem: auf den Planeten Mars und Venus, den Planetoiden Eros und Itokawa, dem Erdmond und dem Saturnmond Titan. Einige Landefahrzeuge bewegen sich nicht, andere können fahren. Drei unbemannte und ein bemanntes Fahrzeug waren auf dem Erdmond unterwegs und vier unbemannte Rover flogen zum Mars. Zwei davon – Opportunity und Curiosity – sind auf dem Mars noch in Betrieb. TESTFAHRTEN Mithilfe von technischen Modellen, die genauso funktionieren wie die echten Fahrzeuge, werden Rover eingehend getestet. Die Tests finden in besonderen Prüfständen oder an Orten statt, die ähnliche Bedingungen bieten wie die Planeten, auf denen sie eingesetzt werden sollen. Dieser Rover der NASA (oben) hat Wohnmodule, damit sich Astronauten ohne Raumanzüge bis zu 14 Tage darin aufhalten und arbeiten können.

SOJOURNER Der erste und kleinste der vier Marsrover war Sojourner. Er ist etwa so gross wie ein Mikrowellenherd und er fuhr zwischen Juli und September 1997 über 100 m weit in dem alten Überschwemmungsgebiet Ares Vallis.

Solarzellen wandeln Sonnenlicht in Strom um.

Technisches Modell von Lunochod 2

DIE ERSTEN ROVER Die beiden identischen sowjetischen Rover Lunochod 1 und Lunochod 2 waren die ersten Fahrzeuge auf einem anderen Himmelskörper. Anfang der 1970er-Jahre erkundeten sie 15 Monate lang die Mondoberfläche und legten dabei über 50 km zurück. Im Dezember 2013 gelang dem ersten chinesischen Rover Yutu die erste weiche Landung auf dem Mond seit 1976. Er war nur wenige Tage in Betrieb und nahm dabei Bilder auf und untersuchte den Boden. Eine der drei Antennen zur Kommunikation mit der Bodenstation. Diese Aufhängung hält die Räder in unebenem Gelände auf dem Boden.

MONDBUGGY Der Mondrover oder -buggy wurde von Astronauten auf dem Mond benutzt. Drei Fahrzeuge – jeweils eines auf den Missionen von Apollo 15, 16 und 17 – wurden zwischen 1971 und 1972 auf den Mond mitgenommen. So konnten die Astronauten ein zehnmal grösseres Gebiet erforschen als zu Fuss. Sie entfernten sich aber 8_059_175431_space.indd 58 nie weiter als 10 km von ihrer Kapsel. Für diese Strecke hatten sie ausreichend58Sauerstoff, um bei einem Defekt zurückzulaufen. 058_059_175431_space.indd

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Kameras sind die Augen des Rovers. Sie zeigen ihm, wohin er fährt. Sonnenpaddel entfalteten sich nach der Landung.

Raumfahrt OPPORTUNITY Die Zwillingsrover Spirit und Opportunity landeten 2004 auf entgegengesetzten Seiten des Mars. Spirit funktioniert nicht mehr, während Opportunity weiter den Planeten erforscht. Er bewegt sich mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von etwa 1 cm / s vorwärts, sendet Bilder der Umgebung und Ergebnisse seiner Untersuchungen von Felsen und Boden zur Erde. Der Gelenkarm vorn hat einen Bohrer und Analysegeräte, wie auch eine Kamera. Obwohl er nur 3 Monate funktionieren sollte, ist Opportunity seit mehr als einem Jahrzehnt in Betrieb und bis heute 40 km weit gefahren.

Jedes der sechs Räder hat einen Motor.

Die Chemcam bestimmt die Zusammensetzung des Gesteins mit einem Laser.

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Opportunity fuhr über die Duck Bay in den Victoria-Krater. CURIOSITY Marsrover sind heute grösser und besser ausgestattet. Der zuletzt angekommene Marsrover Curiosity ist so gross wie ein Kleinwagen und doppelt so gross wie Opportunity. Er landete im August 2012 und untersucht derzeit den Grund des Gale-Kraters. Der 154 km breite Einschlagkrater entstand vor mehr als 3 Mrd. Jahren. Die Bodenstation der Erde sendet ihm Anweisungen, welche Aufgaben er erledigen muss. Seine Daten werden direkt oder über Raumsonden wie Mars Reconnaissance Orbiter oder Mars Express gesandt, die um den Mars kreisen.

VICTORIA-KRATER Diese Aufnahme zeigt den Victoria-Krater, einen der Einschlagkrater, den Opportunity erforschte. Der Rover verbachte ab September 2006 nahezu 2 Jahre im Inneren und am Rand des 800 m breiten Kraters. Er kam an der Duck Bay an und fuhr im Uhrzeigersinn ein Viertel um den Krater. Er musste jedoch zur Duck Bay zurückfahren, weil ihr sanfter Abhang als sicherste Stelle für Opportunity galt, um hinein- und wieder hinauszufahren. Der Roboterarm ist etwa 2 m lang und kann mithilfe seiner Gelenke Gesteins- und Bodenproben erreichen Bohrer, Schaufel, Kameras und Analysegeräte zur Untersuchung von Proben.

Mit eigenen Motoren an allen Rädern dreht sich Curiosity um 360 °.

memo – Wissen entdecken Raumfahrt Dorling Kindersley Verlag 72 Seiten, Fr. 15.90 22/04/14 3:52 PM

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Sunny, ihre Brüder Flip und Amir und ihr Papa leben mit Konrad in einem sehr besonderen Haus. Heute Nacht hatten alle ihren Spass beim Spielen mit Papierfliegern, aber heute morgen will das HAUS nicht, dass die Kinder zur Schule gehen.

Wir nahmen den gleichen Weg wie vorher. Raus aus der Küche, durch den knarrenden Flur zur Garderobe. Vorsichtig öffnete Amir die Eingangstür, spähte dahinter und musste grinsen. »Was?», fragten wir und drängten uns an ihm vorbei. Hinter der Eingangstür war die Speisekammer, vollgeräumt mit Salami, Ziegenwurst, eingelegten Gurken und Kirschkompott. «Zurück in die Küche», schlug mein Papa vor. Also kehrten wir um, polterten durch den Flur und gingen in die Küche – die leider nicht mehr unsere Küche war, sondern mein Schlafzimmer, das normalerweise im ersten oder im zweiten, selten auch im dritten Stock lag. Erwin glotzte uns verblüfft aus seinem Glas entgegen und flatterte ein bisschen mit seinen winzigen Flossen. Der Papierflieger war schon dabei, sich in Konfetti aufzulösen. «Wir könnten ins Freie klettern», sagte Amir, trat ans Fenster und stiess einen Schrei aus. «Wow!» «Das ... das ... das gibt's nicht», stammelte mein Papa, als er hinaussah. Als ich neben ihn trat, hielt er mich panisch an den Schultern fest. «Pass auf!»

Vorsichtig lehnte ich mich übers Fensterbrett. Es schien, als wären wir im sechzigsten Stockwerk eines Wolkenkratzers. Die Eiche im Hof, tief unter uns, sah so klein aus wie der Kopf einer Stecknadel. Konrads Traktor wirkte winzig und die Hühner, die im Dreck scharrten, konnten wir kaum erkennen. Dafür hatten wir eine gigantische Aussicht: Hinter der Eiche breitete sich unser Gemüsegarten aus und dahinter glitzerte der See. Der Wald schmiegte sich wie eine dunkelgrüne Kuscheldecke über sanfte Hügel und in weiter Ferne reihten sich schneebedeckte Berggipfel aneinander. Kühle Höhenluft strich um meine Nase. «Unglaublich», sagte Amir. «Haus!», murmelte Konrad. «Ich bin beeindruckt.» Ein Pünktchen fuhr in unseren Hof. Es schwankte ein wenig. Ich kniff die Augen zusammen. Das Pünktchen blieb vor unserer Haustür stehen. Aus einem Pünktchen wurden zwei Pünktchen. «Das ist der Briefträger, der vom Fahrrad steigt», sagte mein Papa und rieb sich die Augen. «HALLO!», riefen wir gemeinsam und winkten aus dem Fenster. «HALLO, BRIEFTRÄGER!» Aber der Briefträger hörte uns nicht, stieg wieder aufs Fahrrad und fuhr davon. Für ihn sah unser Haus wohl ganz normal aus. «Da willst du runter, Amir?», fragte Flip ängstlich. Lieber Brad Pitt, vielleicht wärst du wie Spiderman die Hauswand Kopf voran hinuntergeklettert. Aber wir trauten uns das echt nicht. Mir wurde schon vom Runterschauen schlecht. «Die Fenster machen wir besser zu», stammelte mein Papa und war ziemlich blass um die Nase. «Lasst uns zurück in die Küche gehen.


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Ich muss arbeiten.» Wir verliessen also mein Zimmer, liefen ein paar Schritte durch den Flur und polterten hintereinander die Holztreppe hinunter, die wir sonst immer nahmen, wenn wir in die Küche wollten. Die Treppe hatte dreizehn Stufen. Wie immer. Wir kamen, wie immer, an drei Tierzeichnungen von Flip vorbei, die eingerahmt an der Wand hingen: Heuschrecke, Elefantenspitzmaus und Smaragdkolibri. Dann ging es um die Ecke und es kamen noch einmal dreizehn Stufen. Hier hing ein grosses Gemälde von einem Ohrenfeigenkaktus, das ich einmal gemalt hatte. Am Ende der Treppe fing uns normalerweise ein Flickenteppich auf und das Holzgeländer endete mit einem runden Knauf, der glatt und weich anzufassen ist. Aber diesmal kam kein Flickenteppich und es kam auch kein Knauf, stattdessen führte uns die Treppe noch einmal um die Ecke – und an der Wand hingen wieder Heuschrecke, Elefantenspitzmaus und Smaragdkolibri. Und dann der Ohrenfeigenkaktus. «Ich glaube, hier sind wir schon einmal gewesen», stellte Konrad fest und kratzte sich an seiner buschigen Augenbraue. «Ja, verdammt! HAUS! Hör auf mit dem Quatsch», sagte mein Papa. Aber das Haus hörte nicht auf, sondern schickte uns viele Treppen abwärts, eine nach der anderen. Flip und Monty II übernahmen die Führung. Flip hüpfte über zwei Stufen, alles andere ging ihm zu langsam. Amir hatte es auch eilig. Er setzte sich aufs Geländer und rutschte an mir vorbei. «Komm, Sunny!» Das musste er mir nicht zweimal sagen. Ich stieg auf und sauste los. «Seid ihr verrückt?», rief mein Papa. «Das ist viel zu gefährlich.»

«Wartet auf mich!», brüllte Konrad. «Ich will auch mit!», rief Flip. Amir bremste ab und hielt an. Ich rutschte auf ihn drauf und er stoppte mich. Gemeinsam warteten wir auf Flip und Konrad, die hinter uns aufs Geländer kletterten. Wir schlangen unsere Arme fest um den Bauch des Vordermanns. Was nicht so einfach war, denn Flip trug immer noch seine Schultasche auf dem Rücken und den

Wiesenblumenstrauss in einer Hand. «Komm, Papa! Das macht Spass!», sagte Flip. Mein Papa schüttelte den Kopf. «Papa!», rief ich. Aber er schien mich nicht mehr zu hören, sondern setzte tapfer einen Fuss vor den anderen. Mein Papa ist halt nicht so ein Actionheld wie du. «Auf drei!», rief Flip und trommelte mir auf den Rücken. «Auf drei!», rief Amir und streckte einen Arm in die Luft. «Auf drei!», riefen Konrad und ich. «EINS – ZWEI – DREI!»

Irmgard Kramer Sunny Valentine – Von Schaumbädern und tanzenden Rollschuhen Loewe Verlag 176 Seiten, Fr. 17.90 Auch als Hörbuch erhältlich.


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Nick, sein Bruder Danny und ihr Vater sind nach dem Tod der Mutter ins Haus der Grosstante nach Colorado Springs gezogen. Auf dem Dachboden stapeln viele seltsame Geräte. Es sind geniale und gefährliche Erfindungen von Nikola Tesla. Für diese interessieren sich auch gruselige Typen, die bei einem Besuch bei Nick einen Anstecker verloren haben. Nick und seine Freundin Caitlin wollen den Anstecker dem Juwelier Mr Svedberg zeigen.

D

ann wandte Svedberg sich an Nick. «Und das muss der junge Mann sein, von dem du mir erzählt hast!» Nick streckte die Hand aus. «Ich bin Nick Slate. Ein Freund von Caitlin.» «Freut mich, Nick Slate, ein Freund von Caitlin. Sehr anständig von dir, die junge Dame durch die dunkle Nacht zu begleiten.» «Eher Abend», sagte Caitlin, schon jetzt gelangweilt vom Small Talk – und als Nick und sie sich auf die Stühle vor Svedbergs Arbeitsplatz setzten, sahen sie auch noch aus wie ein nervöses junges Pärchen auf der Suche nach dem richtigen Verlobungsring! Der Gedanke machte sie wütend auf Nick, auch wenn er überhaupt nichts dafür konnte. Schweigend blickte der alte Juwelier zwischen ihnen hin und her, bis Caitlin sich schon fragte, ob sie es irgendwie vermasselt hatte. Am Ende gab es besondere Verhaltensregeln für Privattermine nach Geschäftsschluss? «Also …», sagte sie. «Also!», rief Svedberg. «Du wolltest, dass ich einen Blick auf eine kleine Kostbarkeit werfe?» Nick griff in die Hosentasche. «Ja. Es ist ein Anstecker. Hier …» Als Caitlin sah, dass Nick den Anstecker in ein Taschentuch eingewickelt hatte,

verdrehte sie die Augen. Kein Mensch brachte ein wertvolles Schmuckstück in einem zerknüllten Taschentuch zum Juwelier! Hätte er nicht irgendwo einen Samtbeutel auftreiben können? So etwas lag doch sicher beim Schmuck seiner Mutter herum ... da fiel Caitlin wieder ein, dass Nick keine Mutter mehr hatte, und obwohl sie kein Wort gesagt hatte, hätte sie sich am liebsten bei ihm entschuldigt. Nick hielt den Anstecker im Taschentuch hoch. Doch statt ihn über den Tisch zu reichen, sah er Caitlin an. «Sicher, dass das eine gute Idee ist?» Caitlins Blick wechselte zu Mr Svedberg. «Mein Freund muss sich sicher sein, dass unsere Unterredung streng vertraulich bleibt.» «Aber natürlich», sagte der Juwelier und beäugte den Gegenstand zwischen Nicks Fingerspitzen beinahe gierig. Nick befreite den Anstecker vom Taschentuchund legte ihn auf die Filzmatte. Das Gold glitzerte unter der Schreibtischlampe. Caitlin war seltsam enttäuscht – als hätte sie erwartet, dass Svedberg sofort vor Überraschung aufschreien würde. Stattdessen hob er den Anstecker seelenruhig auf und studierte ihn durch eine riesige Lupe. «Hmmmmm ...», brummte er und berührte das Metall mit der Fingerspitze. «Höchstwahrscheinlich Gold … hervorragende Qualität ... vierundzwanzig Karat, würde ich auf den ersten Blick sagen. Und sehr fein gearbeitet – das Symbol hier ist nicht geprägt, sondern gegossen.» Mit einem Seufzen wog er den Anstecker in der Hand. «Aber leider ist er sehr leicht. Selbst wenn es reines Gold ist, dürfte er nicht allzu viel wert sein.» «Sagt Ihnen das Symbol irgendetwas?», fragte Caitlin. «Vielleicht hat der Anstecker einen höheren Wert als Objet d'art als vom Materialwert her?» Während Svedberg die Vorderseite des Anste-


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ckers begutachtete, blickte Nick sie an und wiederholte lautlos: Objet d'art!? Caitlin beschloss, ihn zu ignorieren. «Der Buchstabe V mit klassischen Serifen …», murmelte der Juwelier nachdenklich, «in zwei Hälften geteilt durch die Ziffer 8 ... kommt mir irgendwie bekannt vor, aber …» «Sie müssen ihn umdrehen», meinte Nick. «Es ist kein V, sondern ein A. Und eine Acht auf der Seite steht doch für die Unendlichkeit, oder?» Kaum hatte Svedberg den Anstecker richtig herumgedreht, riss er die bereits weit geöffneten Augen bis zum Anschlag auf und stellte das nachdenkliche Murmeln ein. Caitlin kam es vor, als wären selbst die Armbanduhren in den Vitrinen verstummt. «Was ist?», fragte Nick. «Ach, Verdauungsprobleme», sagte Svedberg nach einem kurzen Zögern und beugte sich leicht vornüber. «Der Arzt rät mir schon lange von scharfem Essen ab, aber hin und wieder ein bisschen Chili kann doch nicht schaden, oder?» Er stand auf und gab Nick den Anstecker zurück. «Tut mir leid, dass ich euch nicht weiterhelfen kann. Aber ich wünsche euch auf jeden Fall viel Glück!» «Aber», sagte Nick und sah Caitlin einen Moment lang an, als wäre der plötzliche Sinneswandel des Juweliers ihre Schuld, «aber Sie meinten doch, das Symbol kommt Ihnen bekannt vor?» «Das war ein Irrtum», erwiderte Svedberg erstaunlich schnell. «In meinem Metier laufen einem so viele Symbole und Zeichen über den Weg, da bringt man schon mal was durcheinander.» Caitlin durchschaute die Lüge sofort. Die Frage war nur, wie man dem Mann sein Wissen entlocken konnte. Doch im nächsten Moment wusste sie wie – die Lösung lag näher als gedacht. Moralisch betrachtet war sie nicht einwandfrei, aber in diesem Fall heiligte der Zweck sicher die Mittel. «Da wird meine Mom aber enttäuscht sein …», meinte sie. Augenblicklich wurde Svedberg hellhörig. «Sag bloss, der Anstecker gehört deiner Mutter?»

«Ja, sie hat ihn geschenkt bekommen.» «Von wem?» «Tja, das wüssten wir auch gerne. Er lag im Briefkasten. Anonym.» «Aber wenn er deiner Mom gehört …» Svedbergs argwöhnisch zusammengekniffene Augen wanderten von Caitlin zu Nick. «Warum war er dann in deiner Tasche?» «Das ist doch offensichtlich», sagte Nick wie aus der Pistole geschossen. «Schauen Sie sich mal Caitlins Jeans an. Die ist so eng, da passt nichts in die Taschen.» «Stimmt», sagte Caitlin und lächelte Nicks ärgerliche Bemerkung weg. «Ich habe Nick gefragt, ob er ihn einstecken kann. Wo seine Klamotten doch immer so schlecht sitzen.» Sie strahlte Mr Svedberg an. «Können Sie uns sagen, was das Symbol bedeutet? Das würde meiner Mom sehr weiterhelfen. Dann könnten wir vielleicht herausfinden, wer ihr das Ding geschickt hat.» Svedberg musterte Caitlin und Nick stumm. Doch die Mauer des Schweigens wankte bereits. Noch ein kleiner Schubs, und sie würde einstürzen. «Mom redet so oft von Ihnen, Mr Svedberg. Sie hält grosse Stücke auf Sie», sagte Caitlin. »Deshalb dachte ich, Sie könnten uns vielleicht helfen .…» Das genügte. Svedberg stützte sich auf eine Vitrine, als hätte er plötzlich Probleme, das Gleichgewicht zu halten. «Ich fürchte, es geht um die ...» Seine Stimme senkte sich zu einem Flüstern. «…um die Accelerati.»

Neal Shusterman /  Eric Elfman Teslas unvorstellbar geniales und verblüffend katastrophales Vermächtnis Loewe Verlag 352 Seiten, Fr. 22.90 Auch als Hörbuch erhältlich.


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Zonja (mit Z) ist neugierig und im Sommer geht sie am liebsten ins Schwimmbad. Dort beobachtet sie gerne die Leute.

O

bwohl es wirklich kein sehr leiser Ort ist, vor allem im Hochsommer, ist das Freibad für mich komischerweise ein Ort der stillen Beobachtung. Nirgends kann man so gut unter einem Baum sitzen, unbemerkt die Leute beobachten und dabei Statistiken aufstellen. Ich gucke den Leuten beim Pommesessen zu und zähle mit, wie viele von ihnen den Mund beim Kauen kreisförmig bewegen wie ein Kamel (ungefähr 25 % ) und wie viele den Mund nach vorne bewegen, eher so wie Fische, wenn sie Luftblasen ausstossen (ungefähr 30 %). Der Rest kaut unauffallig und langweilig. Ich notiere, wie viele sich vorm Duschen drücken, trotz des grossen Schilds am Rand VOR DEM BADEN BITTE DUSCHEN (37 %). Und natürlich sehe ich den Leuten beim Schwimmen zu. Manche schwimmen so krumm und schräg, dass sie alle zwei Meter jemanden ummähen. Andere paddeln wie ein Hund und halten sich dabei zwar über Wasser, kommen dafür aber kaum vorwärts. Und dann die Kinder, die schwimmen lernen. «Ja, und jetzt die Beine, neiiin, du musst auch die Beine bewegen!!», schreien die Väter der untergehenden Kleinkinder. Heute schluckt auch wieder so ein Kleiner literweise Wasser und schnieft schon lange, bevor ihn der Vater aus dem Wasser zieht. Die alte Frau mit der altmodischen lila Bademütze mit Rosenranken, die aussieht wie ein Königinnenhut, hat dabei schon einige Spritzer abgekriegt. Sie guckt, als hätte sie in eine Zitrone gebissen, ihr Gesicht kriegt so viele Falten wie ein zerknittertes Blatt Papier. Aber sonst ist nicht viel los ausser ein paar uralten Männern, die sich die Mitte des Schwimmerbeckens

erobert haben, um es mit Aquajogging-Schritten zu durchpflügen, und zwei Müttern mit zwei ungefähr dreijährigen Jungen, die am Rand hängen wie kleine Bisamratten mit neonorangen Flügeln. Und da steht noch einer am Beckenrand. Ein Junge, dünn und gross wie die frisch gepflanzten Birken vorm Friedhof und auch genauso weiss. Mit grasgrüner Badehose und rotblonden Haarsträhnen, die wild vom Kopf abstehen. Aber die Haare sind nicht das Einzige, was vom Kopf absteht. Solche Abstehohren habe ich noch nie gesehen. Da ich ihn von hinten sehe, kann ich das besonders gut beurteilen, weil die Sonne mit schonungsloser Treffsicherheit seine Ohren orangerot durchleuchtet, sodass es aussieht, als hätte er zwei kleine untergehende Sonnen seitlich an seinem Kopf befestigt. Mit diesen Leuchtohren und seiner merkwürdigen Statur sieht er aus wie ein Ausserirdischer, der gerade mit seinem Raumschiff mitten im Freibad gelandet ist. Auf seinem linken Schulterblatt hat er einen grossen blauen Fleck. Ungefähr dort, wo Siegfried, der Drachentäter, seine verwundbare Stelle hatte. Er sieht aus, als wäre er ungefähr so alt wie ich, aber ich habe ihn noch nie hier gesehen. Ich lehne mich an die grosse Kastanie an der Ecke des Schwimmbeckens, kaue auf einem Grashalm herum und warte darauf, dass er ins Wasser hüpft. Mal sehen, ob er Kopfsprung kann. Aber dann, dann geht alles plötzlich ganz schnell: Aus dem Nichts tauchen die zwei kleinen Bisamratten auf, sie spielen Verfolgungsjagd um das Becken, die eine rutscht auf dem nassen Boden aus und hält sich für einen Augenblick an der Badehose der Birke fest, bevor sie weiterläuft. Die Birke schwankt, verliert das Gleichgewicht und purzelt wenig elegant ins Wasser. Ich muss grinsen. Aber nicht lange. Die Birke


49 treibt nämlich keineswegs oben auf dem Wasser, wie eine Birke das sollte, sondern schlägt um sich und strampelt wie ein wild gewordener Pudel und beruhigt sich auch gar nicht mehr. Irgendwie sieht das nicht aus wie Spass. Weit und breit ist kein Bademeister zu sehen und die anderen Leute weiter hinten im Becken scheinen auch nichts zu bemerken. Also springe ich, mitsamt T-Shirt, Hose und Sandalen, und lande mit grossem Geplatsche direkt neben der Birke. Ich denke an den «Achselschleppgriff», den ich auf dem Schild zum Rettungsschwimmen in der Umkleide mal studiert habe, weil er sich für kleinere Schwimmer eignet, und packe den Jungen unter den Achseln. «Ruhig bleiben», sage ich dabei möglichst laut und deutlich, vielleicht auch, um mich selbst zu beruhigen, «halt deine Arme ruhig!» Schliesslich schreie ich aber doch und dabei schlucke ich einen halben Liter Wasser mitsamt einem Milligramm Chlor, denn die Birke schlägt weiter um sich, als wolle ich sie auf den Grund zerren, statt ihr zu helfen. Endlich habe ich den Jungen im Klammergriff, und er lässt sich kampflos zum Rand ziehen, wo wir uns beide aus dem Wasser stemmen und nebeneinander auf dem Po landen, völlig erschöpft. Jeder sitzt in seiner eigenen kleinen Pfütze. Ich mit triefenden Kleidern und Haaren, er noch blasser als vorher. Er ist jetzt so weiss, dass sich die Sommersprossen auf seinen Schultern so auffallig gegen seine helle Haut absetzen wie die kleinen dunklen Krater auf der hellen Mondoberfläche. Es dauert eine Minute, bis wir beide wieder zu Atem kommen. Dann guckt er mich von der Seite an und gibt mir die Hand. Eine ganz knochige, dünne Hand, und zwar die linke. Er drückt erstaunlich fest zu. «Danke», sagt er. Und dann: «Mucks.» Mucks? Ist das ein Geheimcode, ein Ausserirdischendankesgruss oder was? Die Birke liest meinen Blick richtig und erklärt knapp: «Mucks. Das bin ich.»

Er lächelt überhaupt nicht. Nicht mal ein winziges bisschen. Er hat Schatten unter den Augen. Die Augen selbst sind rot gerändert, aber dabei oder gerade deshalb leuchtend hellblau, genau wie das Schwimmbadwasser. Und auch ebenso gesprenkelt, mit noch helleren Lichtflecken. Ich vergesse zu fragen, wie er wirklich heisst. Er kann ja kaum Mucks heissen. Ich blase die Backen auf und lasse dann die Luft langsam entweichen. «Zonja. Aber mit Z.» Die Birke nickt mir zu. Sein Gesicht zeigt immer noch keine Regung. Nicht mal bei meinem Z. Lieber frage ich ihn nicht, weshalb ich ihn gerade vor dem Ertrinken retten musste. Am gegenüberliegenden Beckenrand steht jetzt der Bademeister und schaut zu uns rüber. Er hat die schokoladenbraunen Arme über dem kugelig gewölbten Bauch verschränkt und sieht irgendwie genervt aus. Er sollte lieber Danke sagen. Aber wahrscheinlich habe ich ihm gerade die einzige Arbeit abgenommen, die er heute gehabt hätte. «Willst du ein Eis?», fragt mich Mucks, als wir uns einigermassen erholt haben. Er holt jedem von uns ein grellpinkes Himbeereis. Mein Lieblingseis, als hätte er es gewusst. Dann lädt er mich auf sein Handtuch ein, das gleich neben meinem Lieblingsbeobachtungsposten liegt.

Stefanie Höfler Mein Sommer mit Mucks Beltz und Gelberg Verlag 140 Seiten, Fr. 19.90


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Erfindungen

seher Feundren rkasten bracht

e W Der Welt ins Wohnzimme uns e r. i d Von den ersten verschwommenen bis zu den heutigen hochauflösenden Bildern: Das Fernsehen informiert und unterhält uns seit Jahrzehnten.

Übrigens …

Einige meiner frühen Erfindungen waren kein Erfolg: Mit meinem rostfreien Rasierer schnitt ich mich fürchterlich und die Schuhe mit luftgefüllten Sohlen platzten.

Baird gelang 1928 die erste transatlantische Fernsehübertragung.

Bairds Keksdosen-Fernseher 1926 bekamen begeisterte Zuschauer in London (England) weltweit zum ersten Mal Fernsehbilder zu sehen. Der schottische Erfinder John Logie Baird hatte aus einer Teekiste, Keksdosen, Hutschachteln und Stopfnadeln ein mechanisches Fernsehgerät gebastelt. Das Publikum erblickte einen unheimlichen Bauchredner mit seiner Puppe «Stookie Bill»

Er bereitete den

Weg für … Mit der Erfindung von VIDEOS und DVDs konnte man Filme zu Hause am Fernseher ansehen.

Massentauglich Bairds Fernsehbilder waren zwar aufregend, aber so verschwommen, dass sein System bald wieder aufgegeben wurde. Einige Jahre später verbesserte der russischamerikanische Erfinder Vladimir Zworykin die Kathodenstrahlröhre (ein Gerät zum Anzeigen von Bildern auf einem Bildschirm) und setzte sie in einen neuen elektrischen Fernseher ein. Um etwa 1950 hatten bereits Millionen Menschen ein solches Gerät, mit dem sie sich Nachrichten und Unterhaltung ins Haus holten. Als 1980 der CAMCORDER erfunden wurde, konnte plötzlich jeder zum Star werden.


Erfindungen

Wie er die Welt veränderte

Plötzlich konnten die Menschen Ereignissen in der ganzen Welt zusehen, ohne das Haus zu verlassen. Das Fernsehen wurde weltweit zur beliebtesten Form der Unterhaltung.

Wusst

Rund 50 est du das? auf der 0 Mio. Zuschaue ga r vor dem nzen Welt sass en Fernsehe r , die erst als 1969 en M dem Mon enschen auf d landet en.

Beim Kathodenstrahlfernsehgerät sendet eine Kathode Elektronenstrahlen aus. Elektromagnete leiten die Elektronen über den Bildschirm, wo sie Bilder erzeugen. Leuchtstoffe – Substanzen, die aufleuchten, wenn der Elektronenstrahl sie trifft – machen das Bild sichtbar. Aus roten, grünen und blauen Leuchtstoffen werden alle Farben gemischt. Kathode

Anode

Magnet Elektronenstrahl

Digitales Fernsehen Die meisten heutigen Fernsehgeräte funktionieren mit Digitaltechnologie und haben einen flachen Plasmabildschirm anstelle der Kathodenstrahlröhre. Im Digitalfernsehen stehen wesentlich mehr Sender zur Auswahl und die Bilder sind dank neuer Technologie hochauflösend und damit viel schärfer.

Die ersten VIDEOÜBERWACHUNGSANLAGEN wurden kurz nach 1940 entwickelt

Die Innenseite des Bildschirms ist mit Leuchtstoffen beschichtet.

Baird entwickelte 1928 den ersten 3-D-FERNSEHER – der natürlich noch nicht so ausgereift war wie das Modell, das 2010 auf den Markt kam.

Tracey Turner / Andrea Mills / Clive Gifford 100 Erfindungen, die die Welt verändert haben Dorling Kindersley Verlag 128 Seiten, Fr. 22.90

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Globi im alten China Globi erlebt dieses Mal in China ein spannendes Abenteuer. Er hilft einem kleinen Drachen, der entführt worden ist. Bei Meister Yang möchte er Kung-Fu lernen

Kung-Fu-Ballett Vor dem Gehen zu trainieren gilt es Stellungen von Tieren, die zum Kämpfen ideal. Man verbeugt sich erst einmal. Wie ein Kranich mit den Schwingen sich zu wehren, kann gelingen, wie der Meister demonstriert. Hat sein Schüler dies kapiert? Adler, Affe, Mantis¹, Schlange zeigt der Meister Globi lange, und dann auch nach Kung-Fu-Art Tiger, Drache, Leopard. Mit Bewegungskunst von Tieren kann der Schweizer nicht brillieren, darum zeigt er mit Bravour eine Top-Ballettfigur. Wie ’ne Primaballerina² tanzt er immer weiter: Prima! Meister Yang schaut höchst erstaunt, und dann meint er gut gelaunt: «Globi, das war ganz fantastisch, auch wenn ich noch nicht ganz plastisch

sehe, welch ein Tier das war!» Solch ein Spass ist wunderbar. 1 Gottesanbeterin 2 Primaballerina: Tanzt die Hauptrolle in einem Ballett.


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Angriff im Sturzflug Über Nacht ist er geflogen und nach Norden abgebogen, wo die Grosse Mauer¹ ist, die man nicht so schnell vergisst. Sie zu schaun ist eine Wonne. Sieh: Im Licht der Morgensonne glänzt das Bauwerk eindrucksvoll. Globi jubelt: «Einfach toll. Dort ist etwas zu erspähen. Ich muss etwas tiefer gehen. Schlangenfrucht² und Durian³, jetzt bin ich ganz nahe dran.» Zwei Kamele kann er sehen, die im Sand im Passgang gehen. Freund und Feinde tragen sie. Nun heisst’s handeln wie noch nie. «Den drei garstigen Banditen lese ich jetzt die Leviten!» Globi setzt zum Sturzflug an, düst hinab so schnell er kann. Wums, da trifft er mit den Füssen – Kung-Fu4-Kämpfer lassen grüssen – voll die Schurken, alle drei (mit dem Reittier nebenbei).

1 Mit dem Bau des über 21’000 km langen Schutzwalls wurde im 7. Jahrhundert begonnen. Die Chinesische Mauer ist das grösste Bauwerk der Welt. 2 Beschuppte Palmenfrüchte 3 Frucht des Zibetbaums, auch Stink- oder Käsefrucht genannt (g ngfu, sprich: gungfu). 4 Kung-Fu: Chinesische Kampfkunst.

Jürg Lendenmann / Daniel Frick Globi im alten China Globi Verlag 100 Seiten, Fr. 21.50 Auch als Hörbuch erhältlich.


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Grégoire Nappey

Auf zur Schweiz

Fakten, Regeln, Geschichten

Geschichten, Mythen, Legenden

Stehst du offside, wenn du die Abseitsregel erklären sollst? Und wieso misst ein Fuss­ balltor 7,32 × 2,44 Meter? «Schweiz am Ball» informiert Fussball­ begeisterte wie Laien. Regeln, Hinter­gründe und Rekorde rund um das runde Leder mit den witzigen Illustrationen von Mix & Remix. ISBN 978-3-03713-309-5 Fr. 16.90

Warum gibt es in der Schweiz vier Landessprachen? Und wo liegen die Wurzeln der Schweiz? «Auf zur Schweiz» informiert kurz und verständlich zur Schweizer Geschichte. Den nötigen Schuss Humor steuern die Illustrationen von Mix & Remix bei. ISBN 978-3-03713-317-0 Fr. 16.90

Impressum Herausgeber und Auslieferung: Kinder- und Jugendmedien Zürich Bachstrasse 1, 8633 Wolfhausen Telefon: 055 263 21 00, E-Mail: kjm-zh@bluewin.ch, www.kjm-zh.ch Redaktion und Gestaltung: Andrea Neuhäuser Kaufmann Layout und Desktop-Produktion: www.kgtraimondi.ch Druck: AVD GOLDACH AG, www.avd.ch Gedruckt auf chlorfrei gebleichtes Papier. Auflage 2015: 28 000. Nachdruck verboten. Wir werden unterstützt vom Zusammenschluss der verschiedenen Regionalgruppen von Kinder- und Jugendmedien Schweiz, www.kjm.ch. Alle Bücher, die vorgestellt werden, kannst du in jeder Buchhandlung kaufen oder in deiner Bibliothek ausleihen. Bibliotheken erhalten sie bereits aufgearbeitet bei der SBD.bibliotheksservice ag, www.sbd.ch.

Geschichte • Mythen • Legenden

Infomobil «Bücher auf Achse» Infomobil «Bücher auf Achse» – das kleine Me­­di­en­event auf dem Pausen­platz ist Informations­quelle über neue Bücher für Kinder und Jugend­liche! Der neu renovierte Ausstellungswagen ist während vieler Wochen in der ganzen Schweiz Tag für Tag im Einsatz! Im Infomobil «Bücher auf Achse» sind mehr als 1000 Bücher und weitere Medien ausgestellt. Jedes Jahr im Herbst wird der Be­­stand ausgetauscht, sodass stets das neuste Angebot an Bil­derbüchern, Erstlesebüchern, Kinder- und Jugendromanen, Comics, Sach­ büch­ern für alle Altersstufen und Hörbüchern vorhanden ist. Schulen, Bibliotheken und Elternvereine können den Wa­gen zu einem günstigen Tarif tage- oder wochenweise mieten. Informationen und Anmeldung: www.kjm-zh.ch Tagesmiete (exkl. Transport): Kanton Zürich: Fr. 50.–, übrige Schweiz: Fr. 60.–

KIM-Lesemagazin 2015 | Mittelstufe  
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