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Durchschaubares für KjGlerInnen

des Diözesanverbandes Köln


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Was war dein ­schwierigster Abschied? Memories of my life Abschied als Chance Begreifen, was Tod bedeutet Bestattungen ­weltweit Das Wunder des Lebens Sprich mit deinen ­FreundInnen „Ich bestimme selbst über meinen Tod“ Das Spiel mit dem Tod „Schatten zeigen auf mich“

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Abschiedsspiele und Rituale

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Neue Geistliche Leitung „Jugend­verbände spielen eine große Rolle“ Einblick in den ­Verband Das KjG-Fortbildungsprogramm 2011 Lautstark in die Zukunft Eine KjG-Stadt für Kinder Termine

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Wie eine Compilation … Comics gegen den Tod Schmutziges Geschäft Als ob jeder Tag zehn Jahre zählt …

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Foto: Flügelwesen/photocase.com

Wenn ich mich von einem Freund, einer Freundin oder einer Liebe verabschieden muss, setze ich mich früher oder später an meine Anlage und nehme ein Mix-Tape auf. Das klingt ein bisschen wie aus einem englischen Poproman abgeschaut – doch es hilft. Da singt dann mein Lieblings-Songwriter Joseph Arthur “I pictured you in the sun, wondering what went wrong”, der britische Indie-Star David Ford brummt zu süßen Geigen “Go to hell…” und Debbie Harry erklärt: „I didn’t have the nerve to say no“. Ein einziges Lied kann eine Trennung nicht erfassen: Es braucht viele verschiedene Melodien, Texte und Stimmungen, um einem Abschied gerecht zu werden. Dass Abschied sehr unterschiedliche Gefühle hervorrufen kann, beschreibt Viviana Kutz in ihrem Artikel „Abschied als Chance“ auf Seite 7. Denn obwohl sie sich nicht gerne von Menschen und Sachen verabschiedet, schätzt sie auch den

Neubeginn, den eine Trennung ermöglicht. Doch bevor etwas Neues beginnen kann, dauert es: Trauer und Abschied – besonders ein endgültiger Abschied – brauchen Zeit und Raum, weiß der Kölner Bestatter Christoph Kuckelkorn in unserem Gespräch „Begreifen, was Tod bedeutet“ ab Seite 8. Das Lied von Joseph Arthur endet mit “may god’s love be with you”. So beschreibt es von allen Abschiedsgefühlen das schönste, das ich mir vorstellen kann: In eine ungewisse Zukunft zu gehen und doch behütet sein von guten Wünschen und Gottes Segen. Ich wünsche dir einen schönen Herbst und eine gute Zeit mit der transparent-Ausgabe und ihren vielen verschiedenen Seiten zu Abschied, Trauer und Tod. Steffi Maier Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der KjG im Erzbistum Köln

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Was war dein ­schwierigster Abschied? Die transparent-Umfrage

Der Wechsel von der Grundschule aufs Gymnasium war für mich der schlimmste Wechsel, weil ich mich da von so vielen Freunden verabschieden musste. Jule, 10 Jahre

Vor zwei Jahren habe ich im Sommerurlaub ein Mädchen aus Bulgarien kennen gelernt. Der Abschied von ihr war sehr schwierig für mich, weil man im Urlaub alles zusammen gemacht hat, sich danach aber gar nicht mehr sehen konnte. Jan Richard, 15 Jahre

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Mein schlimmster Abschied war für mich, als mein Pferd Lui eingeschläfert wurde. Chiara, 10 Jahre

Mein schwierigster Abschied war von einem Freund aus meiner Klassenstufe, der im Sommer nach dem Abitur tödlich verunglückt ist. Während dieser Zeit und auch während der Beerdigung war ich in Urlaub, ich konnte also nicht dabei sein. Nach dem Sommer hat sich der gemeinsame Freundeskreise verloren – zu einem bewussten Abschied ist es deshalb nie gekommen. Max, 20 Jahre


Mein schlimmster Abschied ist jedes zweite Wochenende, wenn ich mich wieder für zwei Wochen von meiner Freundin, meinen Freunden und meiner Familie verabschieden muss, weil ich für meinen Job ans andere Ende Deutschlands muss.

Mein bislang wohl schwerster Abschied war am Flughafen bevor ich für vier Monate nach Buenos Aires geflogen bin und mich von meiner Familie und meinem Freund verabschieden musste. Saskia, 25 Jahre

Stephan, 26 Jahre

Für mich steht jedes Jahr wieder ein schwerer Abschied bevor, wenn die KjGDiözesankonferenz vorbei ist und ich mich von allen verabschieden muss. Im Laufe der Diko komme ich mit so vielen KjGlerInnen ins Gespräch, die ich danach wieder ein Jahr nicht sehe. Das tut jedes Jahr aufs Neue sehr weh. Anne

Der bisher schlimmste Abschied war für mich, als meine Oma gestorben ist – weil der Tod ein zunächst einmal endgültiger Abschied ist. Charlotte, 16 Jahre

Umfrage: vk und StS

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Memories of my life Linda Martin über Erinnerungen und Abschied „Tschüss und alles Gute für die Zukunft“ zu sagen, wenn Menschen für mich an Bedeutung verloren haben.

„Wohnung ausmisten“ steht momentan auf all meinen to-do-Listen für die Semesterferien – und trotzdem verdränge ich diese dringende Aufgabe immer wieder. Es fällt mir unendlich schwer, mich von Sachen zu trennen, selbst wenn es nur ein Geschenkpapier

Foto: Rudi401/photocase.com

■■ Platz für Neues

Schöne Erinnerungen „abzulegen“ kann weh tun, macht aber frei für Neues.

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von einem netten Präsent ist, oder ein Shirt, das ich bei meinem ersten Kuss getragen habe. Es fällt mir schwer mich von Dingen zu trennen, obwohl sie keinen Zweck mehr haben. Es fällt mir schwer, Abschied zu nehmen und Altes abzulegen, weil es weh tut. Ich kann mich nicht gut von Sachen und Personen trennen, die einmal eine wichtige Rolle im Leben gespielt haben und an die ich mich gerne erinnere. Besonders schwer ist es, mit vergangenen Beziehungen abzuschließen: Jemandem

Abschied nehmen ist hart und schmerzvoll. Aber wenn man diesen Schritt gegangen ist – sich trennt, etwas abschließt, einen neuen Weg geht – und den Schmerz überwunden hat, ist man frei für Neues. Ich bin oft überrascht, dass ich nach einem Abschied die Welt mit neuen Augen und mit neuen Gefühlen entdecken kann. Ich bin überrascht über die Leichtigkeit, die mir mit all den Lasten und Dingen im Schrank unbekannt war. Nach dem Ausmisten ist Platz für Neues und Unentdecktes. Es ist mehr Raum, auch wenn das Alte nicht ganz wegfällt: Nach dem Abschied füllt sich in meinem Herz eine Kiste mit der Aufschrift „Vergangenheit, abgeschlossen“. Dort drin sind all die guten Erinnerungen aufgehoben.

■■ Noch ein Mal erinnern Nach sechs Wochen Aufschieben geht es für mich nun doch daran, ordentlich auszumisten und ein letztes Mal das mittlerweile viel zu kleine Shirt anzuziehen und mich zu erinnern. Danach kommt es dann endlich in den Altkleiderbeutel und die Erinnerung wird in meiner „Kiste“ im Herz ablegt. (lm)


Abschied als Chance Viviana Kutz auf der Suche nach den schönen Seiten von Abschied

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ch mag keine Abschiede. Abschied verbinde ich mit schlimmen Ereignissen wie der Tod von engen Verwandten, und auch mit weniger endgültigen, aber trotzdem traurigen Ereignissen wie der Abschied von Freundinnen und Freunden aus dem Urlaub, das Ende der Ferien und so weiter. Das sind für mich alles sehr negative Eindrücke. Doch wenn ich etwas länger über Abschiede nachdenke, fallen mir auch andere Seiten auf.

■■ Neue Eindrücke

Foto: morguefile

Eine Freundin hat ein Auslandsjahr in Amerika verbracht und sagt, dass der Abschied von ihren Freunden, ihren Freundinnen und ihrer Familie der schlimmste Abschied ihres Lebens war. Am Flughafen wäre sie wahrscheinlich am liebsten nicht ins Flugzeug gestiegen, sondern wieder zu ihren Eltern ins Auto. Jetzt, nach ihrem Auslandsaufenthalt, ist sie froh, dass sie den Abschied gewagt und eine tolle, aufregende und neue Erfahrung gemacht hat.

■■ Gutes aussprechen Neben den tollen neuen Erfahrungen im Ausland hat sie schon vor ihrem Abflug eine gute Seite des Abschieds kennengelernt: Nie zuvor haben ihr so viele Leute gesagt, wie wichtig sie ihnen ist und wie sehr sie sie vermissen werden. Die Trennung auf Zeit war Anlass für liebevoll gestaltete Fotoalben, die sie sich heute noch gerne anschaut. Dass „ein Abschied immer dazu verleitet, etwas zu sagen, was man sonst nicht ausgesprochen hätte“ (Michel de Montaigne) gefällt mir: Ich möchte in Zukunft versuchen, die guten Seiten des Abschieds mehr wahrzunehmen. (vk) Viviana Kutz wünscht sich für ihre Beerdigung, dass alle Leute in bunter Kleidung kommen und so feiern, als ob sie weiterleben würde.

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Begreifen, was Tod bedeutet D

er Kölner Bestatter Christoph Kuckelkorn hat seinen Traumberuf gefunden. Ramona Kreutz hat mit ihm über Trauer, Abschied und die schönen Seiten des Berufs gesprochen.

Foto: J. Badura, Köln/Festkomitee Kölner Karneval

transparent u Herr Kuckelkorn, Bestatter ist ein außergewöhnlicher Beruf. Sie sind täglich mit dem Thema Tod konfrontiert. Warum haben Sie diesen Beruf ergriffen? Kuckelkorn u Man könnte es einfach machen und sagen, ich sei in den Beruf hineingeboren worden, immerhin bin die fünfte Generation unserer Familie, die diesen Beruf ausübt. Ich habe schon früh die Schattenseiten, aber auch die schönen Seiten des Berufs kennengelernt. Für mich stand schon früh fest, dass Bestatter mein Traumberuf ist. transparent u Was sind die schönen Seiten des Berufs?

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Kuckelkorn u Man lernt Menschen in einer Ausnahmesituation

kennen, ohne die Fassade, die sie oft nach außen zeigen – das ist sehr aufregend. Viele Menschen kommen unstrukturiert und emotional aufgelöst zu uns. Wir helfen dabei alles zu strukturieren, einen schönen Abschied zu gestalten und damit die Trauer zu verarbeiten. Wenn man die Menschen später wieder trifft und sieht, dass sie wieder mit beiden Beinen im Leben stehen, ist das eine schöne Motivation. transparent u Sie leiten nicht nur ein großes Kölner Bestattungshaus, Sie sind auch Leiter des Kölner Rosenmontagszuges. Brauchen Sie den bunten Karneval als Ausgleich zu den Beerdigungen?

Christoph Kuckelkorn (46) arbeitet seit 1984 im elterlichen Betrieb, der Firma Pietät Medard Kuckelkorn. Nach seine Ausbildung als Bestatter und einem Auslandspraktikum in einem Bestattungsinstitut in den USA legte er 1997 die Prüfung zum Thanatopraktiker (Totenversorger) ab. 2001 erwarb er als erster Kölner Bestatter den Handwerkskammerabschluss „Bestattermeister“. Christoph Kuckelkorn ist verheiratet und Vater von sechs Kindern.

Zwei Welten, eine Berufung: Sowohl die Leitung des Kölner Rosenmontagsumzuges als auch die Organisation von individuellen Beerdigungen erfordern großen Perfektionismus von Bestatter Christoph Kuckelkorn


transparent u Bei Ihnen im Haus gibt es so genannte Abschiedsräume. Wie gestaltet man einen guten Abschied? Kuckelkorn u Ich finde es besonders wichtig, dass Angehörige die Chance haben, sich am offenen Sarg von den Verstorbenen zu verabschieden. So kann man begreifen, was Tod bedeutet; wenn man die kalte Hand eines Verstorbenen berührt hat, der einem nahe stand,

dann merkt man, dass das ein entseelter Körper ist – und kann leichter loslassen. Das heißt, der Trauerprozess kommt in Gang, man realisiert den Tod. In den Abschiedsräumen geben wir Angehörigen Zeit und Platz sich zu verabschieden. Sie bekommen von uns einen Schlüssel mit dem sie zu jeder Tages‑und Nachtzeit zu dem Verstorbenen gehen können. Sie können Freunde und Freundinnen dazu holen. Früher hat man das zu Hause gemacht, aber heute fehlt manchmal der Raum und einige möchten das auch einfach nicht. transparent u Haben Sie sich bereits auf Ihre eigene Beerdigung vorbereitet? Kuckelkorn u Ja, es ist schon alles geplant. Allerdings ändern sich meine Pläne immer wieder, weil ich ständig neue Eindrücke bekomme. Man hört ein Musikstück von dem man denkt: „Wow, das muss auf jeden Fall auf meiner Beerdigung gespielt werden“, oder es kommt ein neues Sargmodell rein und man denkt sich „Das wäre was für mich“. Wir tauschen uns unter den Mitarbeitenden und in der Familie auch immer wieder aus. Als Bestatter lebt man sehr nahe an dem Thema Tod, das beeinflusst die Planung natürlich. (mo)

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Foto: bobby fisher/photocase.com

Kuckelkorn u In der Dimension, in der ich Karneval organisiere, ist es ein Job – und der ist dem Bestattungsberuf sehr ähnlich. Natürlich steht beides unter sehr unterschiedlichen emotionalen Vorzeichen: mal lachend, mal weinend. Das heißt aber nicht, dass man nicht auch beim Karneval mal weint, oder auf einer Beerdigung mal lacht. Was beide Jobs vereint ist die tausendprozentige Organisation dahinter: Es darf nichts schief gehen, man kann nicht einfach etwas nachbessern. Dieser Perfektionismus wird sowohl beim Rosenmontagszug, wie bei einer Beerdigung gefordert. Außerdem sind beide Bereiche sehr kreativ: Bei jedem Sterbefall wird eine individuelle Trauerfeier geplant und der Rosenmontagszug fordert auch viele kreative Ideen.


Bestattungen ­weltweit er Tod ist für uns in Deutschland ein sehr trauriges und bewegendes Ereignis. In vielen anderen Kulturen ist er jedoch keineswegs ein Grund für Tränen. Statt Trauerfeiern in der Kirche feiern die Menschen in Mexiko beispielsweise den Tod mit einem großen Fest auf dem Friedhof. Zusammen wird gegessen, getrunken und an die Toten erinnert. Die japanische Kultur hingegen unterscheidet zwischen einem guten und einem schlechten Tod: Der gute Tod ist schnell, friedlich und im Beisein der Familie. Der schlechte Tod aber ist einsam und schmerzvoll. In den Sarg der Verstorbenen werden persönliche Sachen gelegt. Außerdem noch ein

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Gehstock und ein paar Münzen, damit der Tote die Fahrt über den Fluss der Unterwelt zahlen kann. Die Hindus tragen ihre Alten oder Kranken kurz vor deren Tod auf einen Platz vor ihr Dorf. Der Kopf wird dort in Richtung Süden gelegt, denn dort vermuten die Hindus den Totengott Yama. Die Leichen werden dann öffentlich verbrannt und die Asche an die Natur übergeben. Eine ganz besondere Bestattung gibt in Griechenland: Nach einer langen und schmucklosen Beerdigung wird das Grab nach circa sechs bis sieben Jahren wieder geöffnet. Sind fast nur noch die Knochen vorhanden, ist dies ein Zeichen dafür, dass Gott den Toten angenommen hat. (ap)

Foto: designritter/photocase.com

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Das Wunder des Lebens Wenn die Erinnerung stärker ist als der Tod, ist die Auferstehung erlebbar

■■ Einander nicht gewiss sein „Abschied muss man üben“, singt Heinz Rudolf Kunze. Leichter gesagt als getan. Für Nedde war dies nicht möglich. Ihr Bruder war ein Weltenbummler, er starb auf einer seiner Reisen in Brasilien. Kein Gedanke an einen Abschied für immer. Aber Kunze sagt etwas Wichtiges: Wir dürfen einander nicht zu

gewiss sein. Dass ich dich habe und du mich – für immer – das ist nicht selbstverständlich. Eine Reise ist auch ein Abschied. Oder ein Streit. Darin muss man geübt sein.

■■ Erinnerungen sind stärker „Ich habe in der letzten Zeit oft daran gedacht, einfach an die See zu fahren, wo ich eine sehr schöne Zeit mit Dir erleben durfte“, schreibt Tarols Vater. „Dort würde ich weit hinaus ins Meer gehen und mich einfach in die Wellen fallen lassen, um unterzutauchen, mit der Hoffnung, dich dort oder an einem anderen Ort wieder zu finden.“ Was nach jedem Abschied bleibt, ist die Erinnerung. Auch nach dem grausamen Abschied, der Tod heißt. „Für immer und ewig sind da Spuren deines Lebens, diverse Bilder, Gefühle und Augenblicke, die uns an dich erinnern und uns glauben lassen, dass du bei uns

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Foto: Mr.Michbeck/photocase.com

„Es ist als wäre meine andere Hälfte gelähmt, nicht mehr vorhanden. Wir waren wie siamesische Zwillinge, nix ging ohne den anderen. Petra hat letztens zu mir gesagt, wenn sich einer von uns beiden geschnitten hat, hat der andere geblutet. Wie Recht sie doch damit hat. Wie konntest Du mich nur alleine lassen, verdammt!“ Auf einem Internetfriedhof schreibt Nedde dies an ihren toten Bruder Tarol. Hier kann man virtuelle Grabsteine aufstellen. BesucherInnen können Grablichter entzünden, Blumen niederlegen und Gedanken in ein Kondolenzbuch eintragen.


bist.“, schreibt der Vater weiter. Nur Menschen können Erinnerungen auslöschen. Selbst der Tod hat hier keine Macht. Erinnerungen sind stärker. Dem Vater scheint dies gewiss, wenn er fortfährt: „Wir haben Dich nicht verloren, Du bist uns nur schon mal vorausgegangen. Verloren hätten wir Dich nur, wenn wir uns nicht mehr an Dich erinnern würden. Das aber tun wir für immer und ewig.“

■■ Die Weite ermessen Wenn also schon Erinnerungen stärker sind als der Tod, so dürfen Menschen dies als Hinweis verstehen, dass der Tod eine Brücke ist, deren Weite allerdings niemand kennt. Hier beginnt etwas, das ChristInnen die „Auferstehung der Toten“ nennen. Auferstehung heißt dann: Wir werden diese Weite ermessen. Und vielleicht erst dann endgültig verstehen, was es bedeutet hat zu leben. Ein Freund hat für Tarol einen Text der Gruppe Selig gepostet: „Wir werden uns wiedersehen. Vielleicht nur um zu verstehen, dass das Leben an sich manche Wunder verspricht. Ob Du‘s glaubst oder nicht.“ Peter Otten Geistlicher Leiter der KjG im Erzbistum Köln

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Sprich mit deinen ­FreundInnen Trauernde lösen oft Unsicherheit aus. Trotzdem ist es wichtig, für sie da zu sein. Dass die Vögel der Sorge und des Kummers über deinem Haupt fliegen, kannst du nicht ändern, aber dass sie Nester in deinem Haar bauen, das kannst du verhindern. Wenn die Schwermut dich überfällt, so vertreib sie, soweit du kannst, und wenn es nicht anders gelingt, so sprich mit Freunden über Dinge, an denen du Freude hast. Martin Luther

„…sprich mit Freunden über Dinge, an denen du Freude hast.“ So endet Martin Luthers Gedicht, das ich manchmal auf eine Karte schreibe, wenn Freunde oder Freundinnen in Trauer sind. Es sind keine leeren Worte, es ist ein Angebot. Ich will für Menschen, die ich mag, da sein – besonders wenn es ihnen schlecht geht.


■■ Stabile Seitenlage für ­Trauernde Erste Hilfe bei Trauernden ist ein bisschen wie Erste Hilfe nach einem Unfall: Nur nichts zu tun, ist wirklich falsch. Zwar gibt es keine stabile Seitenlage nach einem Trauerfall, aber es gibt das stabile Da-sein, das stabile Neben-dir-sitzen, das stabile Hand-halten. Viele scheuen sich davor, Menschen in Trauer anzusprechen oder sie für den Kino‑ oder den Kneipenbesuch einzuladen. Sie haben Angst, nicht mit der Situation umgehen zu können oder keinen Trost spenden zu können. Angst vor den eigenen Gefühlen und dem Freund oder der Freundin in der Trauer nicht gerecht zu werden. Als Freund oder Freundin ist man aber gerade in schweren Zeiten dazu verpflichtet, sich anzubieten, über den eigenen Schatten zu springen und die neue, herausfordernde Situation anzunehmen.

■■ Nicht ausweichen Kurz vor der KjG-Ferienfahrt rief eine Mutter bei uns an: Der Vater einer unserer Teilnehmerinnen, ihr Mann, sei vor zwei Wochen gestorben. Die Tochter möchte trotzdem mit auf die Freizeit fahren, sie gehe gut mit dem Tod ihres Vaters um. Natürlich gab es Sorgen im Leitungsteam, ob wir der Trauer eines Kindes um seinen Vater gewachsen sind. Jede und jeder im Team sollte vorab überlegen, was er oder sie sagen kann, um zu trösten, oder um als GesprächspartnerIn da zu sein. Zu

wirklich schwierigen Situationen kam es nicht – vor allem, weil das Mädchen es uns sehr leicht machte. Aber auch, weil wir nicht auswichen, wenn es ernst wurde. Als wir Teelicht-Gläser bemalten und sie mir anschließend ihr schönes Glas zeigte, sagte sie: „Das ist für meinen Vater …“. „Ist das für sein Grab?“, fragte ich und zeigte ihr damit, dass ich keine Angst habe mit ihr darüber zu sprechen. Ich merkte, dass sie dafür dankbar war und obwohl wir uns nie länger über den Tod unterhielten, erwähnte sie ihren Vater hier und da. Ich hatte das Gefühl, dass wir eine Stimmung schaffen konnten, in der ihre Trauer oder Gespräche über ihren Vater kein Tabu waren – weder für sie noch für die anderen.

■■ Trauer braucht Zeit Eine Freundin von mir hat vor zwei Jahren einen Verlust erlitten und konnte lange nur wenig darüber sprechen. Damals war ich viel bei ihr. Wir waren zu Hause, sahen gemeinsam fern, gingen irgendwann wieder raus ins Freibad und ins Kino. In diesem Sommer – mehr als zwei Jahre später – lagen wir beide gemütlich am Rhein, als sie anfing über den damaligen Verlust zu reden. Das zeigte mir: Es ist immer wichtig, sich als Zuhörerin anzubieten, auch wenn das Angebot erst lange Zeit später angenommen wird. (le) Lena Bloemacher möchte im Sommer sterben („wenn alles hell ist und die Erde für Spaten leicht“, G. Benn) und unter blauem Himmel beerdigt werden. Sie wünscht sich, dass alle Beerdigungs-Gäste mindestens ein knallbuntes Accessoire an ihrer Kleidung haben.

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Foto: manun/photocase.com

Ich stelle mich zur Verfügung, ganz gleich, ob sie reden wollen oder nicht.


„Ich bestimme selbst über meinen Tod“ Sterbehilfe und christlicher Glaube

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hilfe geleistet werden, also indem man lebensverlängernde Maßnahmen unterlässt. Aktive Sterbehilfe hingegen, das Herbeiführen des Todes zum Beispiel durch tödlich wirkende Medikamente, ist verboten. Aber es gibt auch Ausnahmen ganz in unserer Nähe: Niederlande, Belgien und Luxemburg. Die Verkürzung des Lebens widerspricht dem christlichen Grundsatz, das Leben zu wahren. Auf der anderen Seite besteht die Pflicht, den Willen und die Würde eines Sterbenden zu respektieren. Ohne Frage – als ChristIn steht man in einer solchen Situation vor keiner leichten Entscheidung. (bm)

Die Patientenverfügung Eine Patientenverfügung kann nur gemeinsam mit einem Rechtsanwalt/ einer Rechtsanwältin und nach ärztlicher Beratung errichtet werden. Sie kann nicht nur für Alte und Kranke wichtig sein, sondern auch für junge Leute, etwa wenn sie nach einem Verkehrsunfall ihren Willen nicht mehr äußern können. Neben dem Treffen von Verfügungen sollte man außerdem eine Angehörige/einen Angehörigen mit der Umsetzung des Patientenwillens betrauen. Das muss mit Hilfe einer Vorsorgevollmacht geschehen. Weitere Infos unter: www.bmj.de

Foto: complize/photocase.com

„Ich wünsche, dass alle lebenserhaltenden Maßnahmen unterlassen werden“ oder „Ich wünsche, die Unterlassung von Versuchen zur Wiederbelebung“. Mit solchen Formulierungen gibt man in einer so genannten Patientenverfügung seinen Willen kund. Sie gilt für die Fälle, in denen ein Patient oder eine Patientin keine selbstständigen Entscheidungen mehr äußern kann. ÄrztInnen und Angehörige sind an diese Vorausverfügungen gebunden und dürfen sie nicht missachten. Der Wille des Patienten bzw. der Patientin und damit die Würde des Menschen sollen gewahrt bleiben. Eine juristisch saubere, moralisch jedoch schwierige Lösung. Denn wer bestimmt über das Leben und sein Ende? Wenn Gott es mir geschenkt hat, darf ich es dann einfach aus der Hand geben? Darf ich von anderen verlangen, es für mich zu tun? Und wo beginnt für die anderen die Sterbehilfe? Für behandelnde ÄrztInnen, die zur Lebenserhaltung verpflichtet sind, wie für die Angehörigen ist es oft keine leichte Entscheidung, einen Sterbewunsch zu akzeptieren. Mit einer Patientenverfügung darf jedoch nur passive Sterbe-


Das Spiel mit dem Tod I

m Sommer 2010 erschien ­StarCraft II. Alex Stiehl hat sich das Computerspiel sofort gekauft.

Wie alle, die es kaum erwarten können, dass ein neues Buch oder Spiel in den Handel kommt, habe auch ich mir direkt am Erscheinungstag von StarCraft II das Spiel gekauft und angespielt. Ich war begeistert von den Manövern, die ich mit meinen Truppen vollziehen konnte, um meine Gegenspieler im Battle.net zu bezwingen. In einer kurzen Spielpause fiel mir eine Unterhaltung ein, die ich vor einer Weile auf einer Party mitbekommen hatte: Ein ehemaliger Wehrdienstleistender erzählte von den Übungsmanövern, an denen er während seiner Dienstzeit gegen Berufssoldaten teilgenommen hatte. Voller Stolz berichtete er, dass seine Truppen kaum Verluste hinnehmen mussten, während es auf der Gegenseite nur wenig Überlebende gab. Die Begeisterung, mit der er davon berichtete, wie er mit seinem Maschinengewehr mehrere Dutzend Soldaten verstümmelte oder gar tötete, befremdete mich. Zwar sterben in einem Manöver keine Menschen, aber es simuliert ein reales Gefecht, in dem der eine Soldat/die eine Soldatin den anderen/die andere tötet. Ich frage mich, ob es einen Unterschied gibt zwischen seiner Begeisterung im Manöver und meinem Spaß an

„StarCraft II: Wings of Liberty“

der Vernichtung animierter Lichtpunkte. In beiden Fällen besteht die Macht des Gegners/der Gegnerin in der Stärke seiner/ihrer Truppen. Überwindet man die gegnerische Macht, stellt sich ein Gefühl der Überlegenheit ein. Während der Soldat/die Soldatin seine/ihre Stärke auskostet, freue ich mich über mein spielerisches Geschick: Die eigenen Fähigkeiten zu bestätigen und zu gewinnen, ist ein gutes Gefühl. Computerspiele haben für mich diesen Effekt und sind ein spannender Zeitvertreib. Doch sollte man offen sein und erkennen, dass der Tod, den man im Spiel in Kauf nimmt, bittere Realität sein kann. In diesem Bewusstsein werde ich auch weiterhin die Vernichtung virtueller Aliens genießen. (as) Alex Stiehl (29) vergisst Trauer am schnellsten, wenn er in einem Verlust die Chance für etwas Neues entdeckt. Sein Motto: Wenn das Leben dir Steine in den Weg wirft, dann baue etwas Schönes daraus.

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„Schatten zeigen auf mich“ Die Emo-Bewegung mag es düster und traurig

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und Gedichten. Auf der Emo-Plattform Emostar schreibt ein User, der sich Shame nennt, zum Beispiel: „Ich kann meine Gedanken nicht zähmen, bin ständig mit mir selbst am reden, innerer Konflikt, und keiner kann es verstehen. Stelle mir Sachen vor, sie tragen mein Lachen fort, Sachen die bestimmt nicht passieren, Schatten zeigen auf mich, lachend, sagen: Sieh mal dieser Spacken Sensibel und gefühlsbetont: Emos wollen ihr Leben nicht von Geld und Leistungsdruck bestimmen lassen. dort“.

Foto: Janina Schulte

chwarze Kleidung, dunkle Lidschatten, schwarz gefärbte Haare, Piercings in der Lippe – so tragen Emos ihre Gefühlswelt nach außen. Emocore entwickelte sich in den 1980er Jahren aus Hard-

core und Punk und war eher eine Musikrichtung als eine Jugendbewegung. Erst mit der Jahrtausendwende wurde Emocore zu einer eigenständigen Jugendkultur.

■■ Schmerz und Konflikte Emos beschreiben sich als sehr sensibel und gefühlsbetont. Themen wie Schmerz und Trauer verarbeiten sie dabei in Liedern

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■■ Kontakt zu Gleich­ gesinnten Das Klischee, dass alle Anhänger und Anhängerinnen des Emo sich selbst verletzen, um ihre Probleme zu verarbeiten, stimmt selbstverständlich nicht. Dennoch fühlen sich Jugendliche mit selbstverletzendem Verhalten oft zu dieser Szene hingezogen, da diese als offen und nicht ausgrenzend gilt.


Buchtipp „Emo. Porträt einer Szene“ ist ein Sammelband, der Emo als Mode, Jugendkultur und Musikstil beleuchtet, ohne den gängigen Vorurteilen zu erliegen. Neben Ausätzen zur historischen Entwicklung lohnen sich besonders die Texte zum Männerbild und über Androgynität in der Szene. „Emo. Porträt einer Szene“ von Martin Büsser u. a. (Hg.) ist im Ventil Verlag erschienen und kostet 16,90 Euro.

In vielen Fällen finden Emos im Internet Kontakt zu anderen, mit denen sie sich – auch anonym – austauschen können.

■■ Auf der Suche Interessant ist, dass junge Menschen, die eigentlich am Anfang ihres Lebens stehen, sich mit so traurigen Themen wie Schmerz und Tod beschäftigen. Vielleicht liegt es daran, dass Leistung und Geld zunehmend an Bedeutung in der Gesellschaft gewinnen. Jugendliche, die ihren Platz in der Welt noch suchen, gehen unterschiedlich mit diesen und anderen Belastungen um. Emos suchen nach Halt, Orientierung und Zuspruch, indem sie sich mit der vermeintlich trostlosen Seite des Lebens identifizieren und sich in ihrer Freizeit intensiv damit auseinandersetzen. (kmz) Katinka Zinner wünscht sich für ihre Beerdigung nicht nur traurige Gesichter, sondern schöne Erinnerungen und lustige Geschichten. Dennoch schweigt sie selbst bei Beerdigungen, da sie unsicher ist, was sie sagen soll.

Lieblingslieder der Redaktion Der Song, der auf meiner Beerdigung gespielt werden soll Pink Floyd: The great gig in the sky – Auf meiner Beerdigung soll „The great gig in the sky“ von Pink Floyd laufen – das ist große Musikgeschichte. Und: Wer möchte nach seinem Tod nicht den ganz großen Gig haben? You‘ve gotta go sometime. (Kai Regener) Pete Yorn: Lose you – „I just have to wander through this world/Alone …“ Ich kann mich kaum entscheiden, so viele Lieder sollten auf meiner Beerdigung laufen. Aber für den Moment gewinnt „Lose You“ – weil es so gut ausdrückt, wie wenig ich mir vorstellen kann all meine Lieben zu verlieren. (Lena Bloemacher) Dragonforce: Dawn over a new world – Eine sehr schöne Metal-Ballade, die davon erzählt, dass am Ende etwas Neues beginnt. (Alex Stiehl) Wise Guys: Träum vom Meer – Ein ruhiges, emotionales Lied, das ausdrückt, wie ich mir das Ende meines Lebens wünsche: Erfüllt, gelassen und liebevoll. Außerdem schwingt etwas Geheimnisvolles mit – wer weiß, was noch kommt… (Max Pilger) Scorpions: Wind of change – Ich weiß gar nicht so genau warum, aber für meine Beerdigung wünsche ich mir, dass „Wind of change“ gespielt wird. (Viviana Kutz) Robert Wyatt: At last I am free – Eigentlich ist „At last I am free“ ein Lied über das Ende einer kaputten Liebe. Aber wenn Robert Wyatt es singt, bekommt der Song neue Bedeutung und wird zum perfekten Beerdigungslied. (Steffi Maier)

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Methoden-Guide Methoden für Gruppen zum Abschied nehmen

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m Ende einer Freizeit oder eines Wochenendes, an dem TeilnehmerInnen und LeiterInnen eine intensive Zeit miteinander verbracht haben, ist es wichtig, jeder und jedem die Möglichkeit zu geben, Abschied zu nehmen. Setzt man keinen klaren Zeitpunkt, an dem es heißt „verabschiedet euch jetzt“ besteht die Gefahr, dass der Abschied verpasst wird und ein unbefriedigendes Gefühl zurückbleibt. Dieser Zeitpunkt muss nicht unbedingt der letzte Moment nach dem Aussteigen aus dem Bus sein, er kann auch schon am Vorabend oder kurz vor der Abfahrt eingeleitet werden.

■■Seminar-Souvenir

Koffer schreiben

Zeitrahmen: Letzter Tag der Freizeit Die TeilnehmerInnen bekommen ein in Form Zielgruppe: Kinder, eines Koffers gestaltetes Papier, auf dem der Jugendliche, Erwachsene jeweilige Name steht. Diese Papiere werden Hilfsmittel: Papier in am letzten Tag der Freizeit oder des Seminars Form eines Koffers, Stifte zusammen mit Stiften an einer gut zugänglichen Stelle ausgelegt. Jetzt haben alle TeilnehmerInnen die Möglichkeit, sich untereinander Botschaften mit auf den Weg zu geben. Diese Koffer werden entweder während der Abschlussrunde oder im Bus auf der Rückfahrt an die entsprechenden Personen verteilt und stellen eine schöne Erinnerung an die Freizeit dar. Für das Beschreiben der Koffer gelten folgende Regeln: ■■Es sollen nur positive Dinge, keine Beleidigungen o. Ä. aufgeschrieben werden. ■■Das Beschreiben der Koffer findet nur an dem vorgesehenen Ort statt, da ansonsten Koffer in Zimmern verschwinden und nicht mehr auftauchen.

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Der Koffer nimmt etwas Schönes mit nach Hause.


JedeR TeilnehmerIn bastelt sich einen Briefkasten mit dem eigenen Namen darauf. Diese werden im Gruppenraum aufgehangen. Jetzt haben alle die Möglichkeit, sich gegenseitig Abschiedsbriefe zu schreiben und in die entsprechenden Briefkästen zu werfen. Diese Methode ist ausführlicher und möglicherweise intensiver als die „KofferMethode“, allerdings ist sie auch weniger transparent. Daher sollte die BriefkastenMethode nur in Gruppen genutzt werden, in denen keine besondere Befürchtung besteht, dass Einzelne diese Methode für anonyme Sticheleien nutzen.

Zeitrahmen: Letzter Tag der Freizeit Zielgruppe: Jugend­ liche, Erwachsene Hilfsmittel: Schuh­ kartons oder Pappe, buntes Papier, Stifte

Foto: alex2.0/photocase.com

■■Abschiedsbriefe

Schreib mal wieder

■■Abschiedsmurmeln

Briefe trösten über den Abschied hinweg.

Murmeln verschenken JedeR TeilnehmerIn bekommt eine handvoll Murmeln. Im Laufe des Tages kann jedeR seine Murmeln den Personen schenken, die für ihn oder sie besonders wichtig geworden sind. Dazu gehört auch, der entsprechenden Person zu sagen, warum er oder sie diese Murmel bekommt. Am Ende einer gemeinsamen Fahrt kann diese Methode gute Gelegenheiten für intensive Abschiede schaffen.

Zeitrahmen: Letzter Tag der Freizeit Zielgruppe: Kinder, Jugendliche, Erwachsene Hilfsmittel: Murmeln

Mit Murmeln bleibt man verbunden.

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■■Abschiedsrituale

■■Ritual

Kleine Rituale sind gut geeignet, um das Ende einer Freizeit zu markieren. Das kann ein bestimmtes Lied sein, das gemeinsam gesungen wird oder ein kleines gemeinsames Spiel sein. Wichtig ist, dass alle mitmachen.

Die „Tschöö-sage-Schnecke“ Alle stellen sich im Kreis auf; eineR beginnt dem Nachbarn/der Nachbarin Tschüss zu sagen und geht in diese Richtung immer eine Person weiter, die anderen folgen. So haben sich am Ende alle gegenseitig die Hand geschüttelt.

■■Stille Verabschiedung

Zum Abschied hilft viel Geschrei.

Handauflegen Vorbereitung: Für die Methode ist eine gute Umgebung wichtig: Es läuft ruhige, emotionale Musik zum Thema Abschied, während der Übung wird nicht gesprochen, der Raum ist schön dekoriert. Alle gehen langsam in einer Reihe im Kreis umher. Wer sich bereit fühlt geht still in die Mitte und schließt die Augen. Daraufhin bewegt sich der Rest der Gruppe schweigend auf sie oder ihn zu und legt eine Hand auf den Körper (Arme, Hände, Rücken, Schultern etc.). Dabei nimmt sich jedeR so viel Zeit, wie er/sie braucht, um sich zu verabschieden. Anschließend kehren alle in den sich Bildlegende bewegenden Kreis zurück und warten auf den oder die Nächste. Eine ungewöhnliche Methode, die sehr bewegend sein kann. Wichtig ist allerdings eine ungestörte, vertraute Atmosphäre.

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Foto: mi.la/photocase.com

■■Lautstark

Mazunga Alle stehen im Kreis und beginnen mit leichten Lockerungsübungen. Danach gehen alle leicht in die Knie und jemand beginnt in voller Lautstärke die Silbe „Ma!“ zu brüllen. Dabei streckt er bzw. sie Arme und Oberkörper in den Kreis. Daraufhin steigt der/die rechte NachbarIn ein, der/ die Nächste folgt usw., so dass das Geschrei wie in einer Welle um den Kreis geht und dabei immer lauter wird. Ist das „Ma!“ wieder am Anfang angekommen, schreien alle „Zunga!“, richten sich dabei auf und ziehen die Arme zurück an den Körper.


■■Abschlussreflexionen Ebenso wichtig wie der Abschied von der Gruppe ist der „Abschied“ vom Thema. Alle sollten die Gelegenheit bekommen, sich inhaltlich zu der Freizeit zu äußern und ein Feedback zu geben. Dafür ist eine Abschlussreflexion sinnvoll.

■■Hand aufs Herz

Faustformel Nacheinander geben alle TeilnehmerInnen anhand ihrer fünf Finger eine differenzierte Rückmeldung zur Freizeit. Die verschiedenen Finger stehen alle für einen anderen Themenbereich: ■■Daumen: Das hat mir gut gefallen. Das war topp! ■■Zeigefinger: Darauf möchte ich hinweisen. Das habe ich gelernt ■■Mittelfinger: Das hat mir gestunken! Das war nicht gut. ■■Ringfinger: Das fällt mir zur Gruppe ein. So habe ich die Stimmung erlebt. ■■Kleiner Finger: Das kam mir zu kurz. Dazu hätte ich noch Gesprächsbedarf. Die „Faustformel“ eignet sich gut, um in relativ kurzer Zeit von allen SpielerInnen eine differenzierte Rückmeldung zu bekommen. Das hat mir gefallen. Doch aufgepasst. Es kommen noch alle Finger dran.

■■Prost & Adieu

Reflektier-Bar Ein Tisch mit verschiedenen Säften, Cocktaildekorationen und einem großen durchsichtigen Gefäß wird vorbereitet. An einer Wand hängt sichtbar für alle eine große Menükarte. Auf dieser Karte ist jeder Saft inklusive seiner Bedeutung aufgeführt. Jeder Saft steht für etwas Anderes, zum Beispiel: ■■Apfelsaft: Inhalt, Programm ■■Orangensaft: Nutzen, Erkenntnis ■■Sprudelwasser: Lebendigkeit, Kreativität ■■Zitrone: Spaß, Atmosphäre in der Gruppe ■■Grapefruitsaft: Bitterkeit, Unangenehmes ■■Dekoration wie Schirmchen oder Früchte: ­Rahmenbedingungen, Umfeld Die richtige Mischung macht die Abschlussreflexion.

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Die Menükarte wird vorgestellt und die einzelnen Punkte werden erläutert. Danach sind alle aufgefordert, das zurückliegende Programm nach diesen Punkten zu bewerten. Die TeilnehmerInnen gehen nacheinander hinter die Bar und schütten, je nachdem wie sie den jeweiligen Punkt bewerten, mehr oder weniger Saft in das Gefäß. In kurzen Worten erläutern sie ihre Meinung. Nachdem alle an der Reihe waren, werden feierlich die Gläser gefüllt und die gesamte Gruppe stößt mit ihrem ganz persönlichen Stimmungscocktail an. Kommentar: Diese Reflexionsmethode ist etwas aufwendig in der Vorbereitung, aber je feierlicher und detailverliebter das Ambiente gestaltet wurde, desto festlicher wirkt sie und bietet so einen angemessenen Rahmen für eine gelungene Veranstaltung. Die passende Garderobe der TeilnehmerInnen tut ihr übriges.

■■Grüße vom Seminar

Viele Grüße Es werden viele Postkarten auf dem Boden verteilt. Die TeilnehmerInnen sind eingeladen, den soeben entstandenen Souvenirladen zu besuchen und ein bis zwei Postkarten zu kaufen. Die gewählten Bildmotive sollten sich auf möglichst eindrückliche Momente der bisherigen Freizeit beziehen und den Freundinnen und Freunden zu Hause einen guten Eindruck vermitteln, wie der/die AbsenderIn der Karte den bisherigen (Reise–)Verlauf erlebt hat. Auf die Karte können die TeilnehmerInnen einen kurzen Text schreiben, in dem sie von der Reisegruppe erzählen und kurz berichten, wie es ihnen geht. Wenn alle soweit sind, werden die Karten verschickt, d. h. jedeR zeigt der Gruppe seine ausgewählten Postkarten und liest den Text vor. Kommentar: Möchte man die Postkarten mehrfach nutzen, können die Texte auch auf separate Moderationskarten geschrieben werden. Ansichtskarten lassen viel erkennen und geben Raum für Reflexionen.

Quelle Abschlussreflexionen: Abenteuer Spiel 2 – Eine Sammlung Kooperativer Abenteuerspiele. Augsburg: Ziel-Verlag 2010

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Methodenzusammenstellung: Max Pilger und Christoph Sonntag


Die SiedlerInnen von Münster Dieses Spiel ist eine Abwandlung des bekannten Brettspiels „Die Siedler von Catan“. Die Kinder bilden in Gruppen den Stadtrat verschiedener Stadtteile. Jede Gruppe soll ihren Stadtteil lebenswert und wirtschaftlich erhalten. Gemessen wird der Erfolg in Punkten. Siegpunkte gibt es für die Anzahl der BürgerInnen in einem Stadtteil sowie für das Erreichen einer Masteraufgabe.

■■Rollenspiel

Die Story In kleinen Gruppen bildet ihr den Vorsitz verschiedener Stadtteile. Ihr könnt Fabriken und Kraftwerke bauen, um euren Stadtteil mit Rohstoffen und Energie zu versorgen. Damit könnt ihr verschiedene Gebäude bauen, in denen eure BürgerInnen ihre Freizeit verbringen. Gefällt es den EinwohnerInnen bei euch, so wächst euer Stadtteil. Dann müsst ihr natürlich Wohnungen für eure neuen MitbürgerInnen bauen. Je lebenswerter euer Stadtteil ist, desto glücklicher sind eure EinwohnerInnen. Und die sind nicht undankbar: Mit ihren Steuern unterstützen sie euch, damit ihr weiterhin für sie sorgt.

Charakter des Spiels: Plan‑ und Wettkampfspiel. Je weitläufiger die HändlerInnen verteilt sind, desto bewegungsintensiver wird das Spiel. TeilnehmerInnen: 18–80 Kinder in Kleingruppen von 6–10 Personen LeiterInnen: Pro Kleingruppe eine Leitungsperson plus mehrere Leitungspersonen als Energie‑ und RohstoffhändlerInnen sowie als BauunternehmerInnen, die verstreut auf dem Gelände ihre Produkte anbieten. Räumlichkeiten: Ein großer Versammlungsraum und mehrere kleine Räume Zeitrahmen: 2,5 Stunden

Download: Die komplette Spielanleitung zum Download findest du auf www. kjg-koeln.de/Methoden Einen möglichst lebenswerten Stadtteil zu schaffen ist das Ziel dieser "Siedler"-Variation, die KjGler und KjGlerInnen aus Münster entwickelt haben.

Quelle: KjG Dözesanverband Münster

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Peter Otten ist neuer Geistlicher Leiter der KjG Nach Satzungsänderung hat der Diözesanverband Köln erstmals einen Pastoralreferenten beauftragt nen und KjGler verspätete. Umso besser verliefen die Wahlen und die Anträge: Eine sehr beeindruckende Vorstellung des Kandidaten zur Geistlichen Leitung, Peter Otten, führte zur einstimmigen Das neue Leitungsteam inklusive einer Premiere: Der Geistliche Leiter Peter Otten (2.v. l.) ist Pastoralreferent. Wahl des 40-jährigen Pastoralreferenten, der sein Amt Anfang lein aber fein, so kann man Oktober in der Diözesanstelle die Außerordentliche Diöantritt. „Jugendpastoral und zesankonferenz im Don Bosco Jugendverbände sind sehr wichClub in Köln beschreiben. 65 tig, auch mir. Sie helfen Kinder Delegierte aus den verschiedeund Jugendlichen herauszufinnen Regionen kamen Anfang den, wer sie sind, und lassen sie September, um eine neue GeistVerantwortung übernehmen. liche Leitung zu wählen und Jugendverbände verbinden über Anträge zu entscheiden. und lassen Kinder und JugendLeider konnte die Konferenz liche vielleicht die wichtigste erst eine halbe Stunde später Botschaft in ihrem Leben als geplant starten, da sich die spüren: Niemand kann etwas Anreise durch eine Vollsperrung ohne einen anderen“, erklärte auf der A3 für einige KjGlerin-

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Die Beitragserhöhung Für die Umsetzung und Kommunikation der Beitragserhöhung wird es demnächst im Newsletter und auf www.kjg-koeln.de Materialien geben. Wer Fragen zur Beitragserhöhung hat, kann sich gerne an Diözesanleiterin Katharina Schwellenbach wenden (Telefon 0221.1642 6561, katharina. schwellenbach@kjg-koeln.de). Alle Beschlüsse der außerordentlichen Diözesankonferenz 2010 gibt es Wortlaut auf www.kjg-koeln.de unter: Team und Gremien > Diözesankonferenz.

Peter Otten seine Motivation für das neue Amt. Mit der Wahl des Theologen und Journalisten wurde nach zweieinhalbjäriger Vakanz erstmals kein Priester zur Geistlichen Leitung gewählt. Auch der Antrag zur Erhöhung des KjG-Mitgliedsbeitrags um sechs Euro wurde mit großer Mehrheit angenommen. Neben den großen Entscheidungen war natürlich auch Zeit für die anderen wichtigen Dinge im KjG-Leben: Es wurden „kaninis“ getauscht und man hatte die Möglichkeit viele KjGlerInnen kennenzulernen und wiederzusehen. (StS)

„Jugend­ verbände spielen eine große Rolle“ N

ach langer Suche hat die KjG wieder einen Geistlichen Leiter: Peter Otten. Linda Martin hat mit dem Theologen und ­Journalisten gesprochen.

transparent-Redakteurin Linda spricht mit Peter Otten über Motivation und Visionen.

transparent u Herzlichen Glückwunsch zur erfolgreichen Wahl! Wie fühlt es sich an, mit einem einstimmigen Wahlergebnis gewählt zu sein? Und was sagst du zu dem etwas ungewöhnlichen Bewerbungsverfahren in der KjG? Peter u Das Gefühl ist toll – denn es ist halt eine Wahl, da muss man auch damit rechnen, nicht gewählt zu werden. Ich freue mich sehr über den

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großen Vertrauensvorschuss der Konferenz. Schon in der Vorbereitung hab ich viel Unterstützung und Wohlwollen erfahren und in einzelnen Gesprächen nach der Konferenz positive Rückmeldung bekommen. Für mich bedeutet das einen großen Rückenwind. Ich hab ein sehr hohes Maß an Demokratie und Respekt inner-

Peter u In der Zeit als Pastoralreferent in Köln-Höhenberg/ Vingst und Geistlicher Leiter der örtlichen KjG habe ich den Verband auf Pfarrebene kennen gelernt und bin mit den Strukturen vertraut. Für die Arbeit in der Diözesanstelle muss ich mir einige Zeit nehmen, um die Verbandsstruktur insgesamt kennen zu lernen. transparent u Wie bist du auf die Stelle als Geistlicher Leiter der KjG Köln gekommen und was waren die Anreize dich zu bewerben?

Freut sich, wieder direkt mit Kindern und Jugendlichen arbeiten zu können: der frisch gewählte Geistliche Leiter der KjG Peter Otten.

halb der Konferenz beobachtet. Das Interesse der Jugendlichen an Mitbestimmung war für mich sehr spürbar. transparent u Wie ist bislang deine Erfahrung mit der KjG oder anderen Jugendverbänden?

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Peter u Erst einmal gibt es eine pragmatische Seite: BDKJ-Diözesanpräses Dirk Bingener hat mich gefragt, ob ich mir das vorstellen kann. Und da hab ich nicht lange gezögert. Mich hat die Lust gepackt, wieder direkter mit Jugendlichen zu arbeiten und aktiver in Projekten Kontakte zu haben. Als Referent in einer Abteilung wie der Jugendseelsorge kommt das manchmal leider zu kurz. Ein weiterer Grund ist die Veränderung in den Pfarreien zurzeit. Wie soll es mit der Jugendarbeit weiter gehen? Jugendverbände spielen da eine große Rolle. transparent u Visionen der Mitglieder haben einen sehr hohen


Stellenwert in der KjG. Was ist deine Vision für die Zukunft? Peter u Im Wort „Jugendverband“ steckt „Verbindung“ – und dies ist für mich sehr wichtig. Wir leben in einer Gesellschaft, in der Parallelgesellschaften gebildet werden. Jugendverbände können mithelfen, das zu verhindern. Wir sollten Verbindung schaffen zwischen Jugendlichen, unabhängig von Faktoren wie Bildung, Kultur, etc. Und: Wir brauchen Synergieeffekte: In Höhenberg/ Vingst spielt Ökumene eine große Rolle. In diesem Bereich können Jugendverbände und Kirchen noch viel mehr tun. Drittens glaube ich, dass Religion und Glauben stark zur Persönlichkeitsentwicklung beitragen: Sie stärken unsere Motivation zur Kompetenzbildung und Persönlichkeitsentwicklung. Ich glaube, es ist Gottes Wille, dass jeder Mensch kommunikativ und fröhlich ist und zum funktionierenden Gemeinwesen beiträgt. transparent u Vielen Dank für deine Offenheit und den kurzen Einblick in deine Motivation und Vision. Wir wünschen dir einen guten Start! Interview: lm

Einblick in den V ­ erband M

ein Name ist Ramona Kreutz, genannt Mo. Ich bin 20 Jahre alt und mache mein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in der Diözesanstelle der KjG in Köln. Zusammen mit meiner Zwillingsschwester und meiner Mutter wohne ich in Dormagen. Ich bin kein KjGMitglied, kenne die KjG aber schon seit vielen Jahren, weil meine Schwester und viele Freundinnen und Freunde in der KjG sind. Umso interessanter ist es für mich, jetzt einen richtigen Einblick in den Verband zu erhalten. Ein FSJ mache ich, weil ich mich weder für eine Ausbildung noch für ein Studium entscheiden konnte – und mir selbst die Zeit geben wollte, meine Fähigkeiten und Interessen zu entdecken. Die Diözesanstelle scheint dafür ideal zu sein, denn ich bin umgeben von kreativen und engagierten Menschen, die viele verschiedene Projekte für Kinder und Jugendliche planen und umsetzen. Ich denke, da kann ich viel lernen. Ich freu mich auf die Zeit und darauf, viele KjGlerinnen und KjGler kennenzulernen. Ramona Kreutz Telefon 0221.1642 6458, ramona.kreutz@kjg-koeln.de

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Das KjG-Fortbildungsprogramm 2011

Foto: Martin Ossendorf

Go!, das Fortbildungsprogramm 2011 mit exklusiven Angeboten für KjGlerinnen und KjGler erscheint im November

Das Go!-Highlight „Awari“ aus dem Jahr 2009 steht in diesem Jahr wieder auf dem Programm

Neu in diesem Jahr ■■„Two in one“ und „Four in one“ – so funktionieren die neuen Themenschulungstage. Der Clou: An einem einzigen Tag hast du die Möglichkeit verschiedene Seminare (Kindermitbestimmung, Pressearbeit, Sexualpädagogik, Moderation und Präsentation, Elternarbeit, Aufsichtspflicht und Recht) zu besuchen. Perfekt für einen gemeinsamen Leitungsrunden-Ausflug in die Diözesanstelle!

Erprobt und für gut befunden ■■ Workshop-Pakte „to go“ für Bildungsteile auf Regionalkonferenzen, Stammtische

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usw. zu den Themen: KjG-Themen-Tapas (klingt lecker, wird es auch!), Web 2.0 für die KjG-Arbeit, Umweltschutz und Nachhaltigkeit, Neue Spiele für Gruppen, Prävention von Mobbing und Gewalt ■■Seminare für KjGlerinnen und KjGler – von „Awari – Abenteuer, Wagnis, Risiko“ bis „Finanzschulung“ ■■Angebote für Lehrerinnen, Lehrer und Hauptamtliche aus der Jugendarbeit ■■Angebote für Schulklassen und Azubis Bestell dir schon jetzt dein Go!-Programm 2011 per Mail an info@kjg-koeln.de.

Die Go!-Termine 11. bis 13. Februar – Grundlagenseminar für Schulungsmitarbeitende 27. Februar – Thementag eins: Kindermitbestimmung, Sexualpädagogik, Elternarbeit und Recht 27. März – Finanzschulung 27. bis 29. Mai – Kooperative Abenteuerspiele 1. bis 3. Juli – Awari: Abenteuer, Wagnis, Risiko 25. September – Finanzschulung 9. Oktober – Thementag zwei: Moderieren & Präsentieren und lokale ­Pressearbeit für die KjG 11. bis 12. November – Treffen aller KjG-­ Regionalleitungen


Lautstark in die Zukunft KjG-Kinder machen Politik beim Kinder‑ und Jugendgipfel in Karlsruhe

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was sie verändern möchten.“ Die Ergebnisse wurden am Samstag im Karlsruher Schloss der Politik und Öffentlichkeit präsentiert. Johannes Stober (SPD), Gisela Splett (Die Grünen) und Dr. Hans-Ulrich Rülke (FDP), Mitglieder des Landtages von Baden-Württemberg, stellten sich dort den KjGlerInnen und diskutierten mit ihnen über deren Vorstellungen von Umweltschutz und Kindermitbestimmung. Die Forderungen der Kinder und Jugendlichen gehen jedoch nicht allein an die 120 Kinder und Jugendliche zwischen 8 und 15 Jahren waren in Karlsuhe bei LautStark!, darunter auch einige aus der KjG St. Heinrich aus Köln-Deutz. Adresse der Politik, sie selbst wollen einen Beitrag leisten: Eine KjG-Gruppe will einen Aktionstag für Nutzung fossiler Brennstoffe, kostenlose Seniorinnen und Senioren gestalten, eine Sprachkurse für Menschen mit Migrationsandere ihre Pfarrei von Gebäudedämmung hintergrund – das sind einige der Fordeüberzeugen, eine dritte Werbung für die rungen, die die Kinder und Jugendlichen Anti-Atom-Demo machen. beim Kinder- und Jugendgipfel „Laut„Dass sich Kinder und Jugendliche eine Stark!“ entwickelt haben. eigene Meinung bilden und diese auch „LautStark! will Kindern eine Stimme vertreten können ist keine neue Erkenntgeben, sie unterstützen, sich in Themen nis. Doch sie wird in der Praxis leider viel einzuarbeiten und ihnen eine Plattform in zu selten umgesetzt. Deshalb ist es wichtig, der Öffentlichkeit bieten“, erklärt Giovanna dass die KjG Partizipationsmöglichkeiten Debatin, Diözesanleiterin der KjG im Erzbiswie LautStark! bietet.“ erläutert Anne tum Freiburg. „Die Kinder und Jugendlichen Schirmer, Bundesleiterin der KjG, die Ziele haben in Workshops die Themen Schule, der Veranstaltung. Kindermitbestimmung, Energie, Umweltschutz und multikulturelle Gesellschaft Wolfgang Finke besprochen – und gemeinsam überlegt, KjG-Bundesverband Foto: Nina Grützmacher

ommunales Wahlrecht ab 16, Mitsprache bei der Einstellung von Lehrerinnen und Lehrern, Ausstieg aus der

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Eine KjG-Stadt für Kinder

Alle Fotos zeigen die Kinderstadt „Düsseldörfchen“

Vom 18. bis 22. Oktober regieren in Hilden acht- bis zwölfjährige KjGlerinnen und KjGler

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ir entwickeln Währungskreisläufe, diskutieren das Grundgesetz, telefonieren mit MessebauerInnen und komponieren Lieder: Die Vorbereitungen für die Kinderstadt sind in vollem Gang …

■■ Was ist die KjG-Kinderstadt? Die Kinderstadt ist wie eine richtige Stadt – aber hier bestimmen die Kinder, was sie tun wollen und wie sie das gemeinsame Leben regeln. Es gibt eine eigene KinderstadtWährung (Tacken) und tägliche Versammlungen der Kinder. Die Kinder können arbeiten gehen, sich politisch engagieren, essen gehen,

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sich selbständig machen oder sich bei einem der Spiel‑und Spaßangebote vergnügen. Es gibt viele verschiedene Betriebe und Ämter in der Kinderstadt, zum Beispiel eine Schreinerei, ein Kiosk, ein Theater, eine Kinderstadtzeitung, ein Taxidienst und eine Agentur für Arbeit.

Der Tagesablauf in der Kinderstadt 7:30 – 9:00 9:00

9:30 – 12:30

13:00 – 14:00 14:30 – 16:30

17:00 – 18:00

18:00 18:00 – 19:00 19:30 – 21:00

22:00

Frühstück Die Kinder, die nicht in der Kinderstadt schlafen, kommen an. Die Ämter der Kinderstadt öffnen.  Die Kinderstadt-BewohnerInnen arbeiten in den Betrieben und Ämtern oder belegen Seminare in der Uni. Gemeinsames Mittagessen Stadtleben: Die Kinder arbeiten in den Betrieben und Ämtern oder genießen ihre Freizeit, gehen einkaufen, in den Sportpark oder lesen die Kinderstadt-Zeitung.  Der „Rat aller Kinder“ tagt und das BürgermeisterInnen-Team wird gewählt. Die Kinder, die nicht in der Kinderstadt schlafen werden abgeholt. Gemeinsames Abendessen Die Kinder können ihr selbst verdientes Geld für Kino, Disko, im Pub oder beim Zirkus ausgeben oder bei einer „Traumreise“ in der Kirche entspannen. Nachtruhe


■■ Aktuelles von der ­Kinderstadt Die Kinder-Online-Redaktion berichtet täglich auf www.kjg-koeln. de/kinderstadt vom Leben in der KjG-Kinderstadt. Besucherinnen und Besucher können im „Elterngarten“ Kaffee trinken und eine Kinderstadt-Führung für TouristInnen buchen. Weitere Infos gibt es in der KjG-Diözesanstelle unter 0221.1642 6432.

Eine Tina ­für die Kinderstadt KjGlerin Tina Düster (23) studiert Soziale Arbeit in Köln und macht von September bis Dezember ihr Praxissemester bei der KjG. Schwerpunkt ihres Praktikums ist das Kinderstadt-Projekt. Tina über die KinderstadtVorbereitungen: „Ich bin total gespannt, ob alles so klappt wie wir uns das vorstellen. Außerdem bin ich neugierig darauf, zu sehen wie die Kinder ihre Stadt gestalten wollen und wie sie dies umsetzen. Und ganz besonders freue ich mich auf das Eis aus dem Café …“ Kontakt: Christina Düster (Telefon: 0221.1642 6465, christina.duester@kjg-koeln.de)

Stadtregeln der KjG-Kinderstadt (Auszüge) Arbeit und Geld verdienen ■■Die Arbeitsplätze werden in der Agentur für Arbeit vergeben. ■■Der Handel mit Arbeitskarten ist strengstens verboten. ■■Nach Beendigung der Arbeit erhältst du einen Lohn­zettel, den du zusammen mit der Arbeitskarte in der Bank gegen Bargeld einlösen kannst. ■■Der Lohn ist bei allen Arbeiten gleich und beträgt 10 Tacken pro Stunde. Davon gehen 2 Tacken pro Stunde als Steuer in die Stadtkasse. Arbeitslosigkeit ■■Wenn du keine der angebotenen Arbeitsstellen machen möchtest, kannst du nach Abschluss einer persönlichen Berufsberatung bei der Agentur für Arbeit ein Arbeits­ losengeld beantragen. ■■Das Arbeitslosengeld beträgt 7 Tacken, von denen du 1 Tacken als Steuer in die Stadtkasse zahlst. Studium ■■An der Universität kannst du studieren oder als Professor oder Professorin Vorlesungen halten. ■■Das Studium wird wie Arbeit bezahlt. Regierung ■■Die KjG-Kinderstadt hat eine Bürgermeisterin und einen Bürgermeister, die gemeinsam die Regierung übernehmen. ■■Das BürgermeisterInnenamt wird für zwei Tage gewählt und wird wie jeder andere Beruf bezahlt. Rat aller Kinder ■Jeden ■ Tag findet der Rat aller Kinder statt. ■■In dem Rat aller Kinder kannst du neue Gesetze und Regeln für die Kinderstadt vorschlagen. ■■Stimmberechtigt sind nur die Kinder.

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Termine 2010/2011 Termine 2010 18. bis 22. Oktober – Die große KjG-Kinderstadt in Hilden 6. bis 7. November – Regional­ konferenz der KjG-Region Oberberg 10. November – Mitglieder­ versammlung 12. bis 14. November – Werkwochenende in und für Haus Sonnenberg 12. bis 14. November – Regional­ konferenz der KjG-Region Mettmann 19. bis 21. November – Diözesan­ ausschuss 26. bis 28. November – Diözesanversammlung des BDKJ im Erzbistum Köln 3. bis 5. Dezember – „Wochenend & Sonnenschein …“ – Das praktische Klausurwochenende-Paket für ­Leitungsrunden in Haus Sonnenberg Termine 2011 11. bis 13. Februar – KjG-Schulung: Grundlagenseminar 27. Februar – KjG-Thementag: Kindermitbestimmung, Sexualpädagogik, Elternarbeit und Recht 27. März – Finanzschulung 8. bis 10. April – Diözesankonferenz 27. bis 29. Mai – KjG-Schulung: ­Kooperative Abenteuerspiele 2. bis 5. Juni – KjG-Bundes­ volleyballturnier in Weilheim. Infos unter: bvt2011.de 1. bis 3. Juli – KjG-Schulung: Awari – Abenteuer, Wagnis, Risiko.

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Wie eine Compilation aus einer Hand

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s war im Sommer des Jahres 2003, als ein in Deutschland weitgehend unbekannter Brite namens Ed Harcourt als Erster in den See neben dem Festivalgelände in Haldern am Niederrhein sprang. Anschließend entfachte er mit seiner Musik ein emotionales Feuerwerk gleich einem Irrwisch auf der Bühne und am Piano, jammte mit BrightEyes-Sänger Conor Oberst und versuchte auch – leicht betrunken wirkend – beim Cardigans-Konzert mitzuspielen. Nun hat jener Brite nach vierjähriger Abstinenz ein neues Album veröffentlicht. Wer diesen Tonträger einlegt, ohne zu wissen, dass es sich um ein und den gleichen Interpreten handelt, könnte „Lustre“ für eine geschmackssichere Indiepop-Compilation halten. Das reicht von Coldplay-Anleihen (church of no religion) über Ron Sexsmith und Ben Folds bis zu Rufus Wainwright und gar den Beach Boys. Vielleicht kann Harcourt auf seinem neuen Album vorgeworfen werden, er sei zu vielseitig, habe kein klares Profil. Aber gerade die düstere Seite und das viel zitierte emotionale Feuerwerk sind sein Profil – besonders in so herzzerreißenden Balladen wie „killed by the morning sun“ oder „fears of a father“. Und da schließt sich der Kreis: „Lustre“ kann sowohl mit „Brillanz“, „Feuer“ und „Ruhm“ übersetzt werden. Letzterer sei dem sympathischen Songwriter nachhaltig gegönnt. (Wolfgang A. Noethen) Ed Harcourt: Lustre (Piano Wolf/ALIVE)


Comics gegen den Tod

Schmutziges Geschäft

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onald ist 14 Jahre alt und möchte sein „erstes Mal“ erleben. Das Problem: Er ist todkrank und die Zeit läuft gegen ihn. Das ist aber nicht die einzige Schwierigkeit: Mit seinen Eltern hat er Ärger und mit seinem Bruder liegt er im Dauer-Clinch. Außerdem haben ihm seine Eltern zur Bewältigung der Krankheit einen Psychologen zur Seite gestellt, der selbst eine Menge Probleme hat. Wenn Donald genug von der Welt hat, begibt er sich in die Welt der Comics: Er zeichnet den unsterblichen Miracle Man. Dieses Buch ist wie das wahre Leben: „Superhero“ macht traurig, es ist ungerecht – aber trotzdem unglaublich komisch und lustig. Die Geschichte ist niemals unrealistisch, aber absurd und überraschend. Wenn man das Buch gelesen hat, weiß man, dass der Tod nie fair ist. Aber man weiß auch, dass man das Beste aus seinem Leben machen kann und es genießen sollte – mit allen Höhen und Tiefen. „Superhero“ ist eine Mischung aus Roman, Comic und Theaterstück, die Anthony McCarten gekonnt ineinander übergehen lässt. Anthony McCarten: Superhero. Kai Regener (24) stellt sich bei Todesfällen und schweren Krankheiten von FreundInnen, Bekannten und Verwandten immer wieder die Frage, auf die er keine Antwort weiß: Warum ist Gott ungerecht?

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ose, eine alleinerziehende Mutter, steckt tief in einer Finanzkrise. Mit kleinen Jobs verdient sie nicht genug für sich und ihren kleinen Sohn. Eine neue Idee muss her: Rose sattelt um und gründet mit ihrer Schwester Norah eine Reinigungsfirma: „Sunshine Cleaning“. Doch dieses Geschäft ist alles andere als normal. Die beiden Schwestern reinigen Tatorte, sie kratzen Blut von den Wänden, schmeißen vergammeltes Essen

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Als ob jeder Tag zehn Jahre zählt …

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weg und entsorgen abgetrennte Körperteile. Unterstützt werden sie dabei von ihrem Vater Joe, der immer neue kuriose Ideen entwickelt, um sich finanziell über Wasser zu halten. Doch nicht nur durch ihre Firma kommen die beiden Schwestern mit dem Thema Tod in Berührung: Sie haben auch stark mit der eigenen Vergangenheit zu kämpfen … „Sunshine Cleaning“ – eine ernste Geschichte von zwei komplett verschiedenen Schwestern, mit Humor und Feingefühl versehen. Eine sehr interessante Mischung, die zum Nachdenken über das eigene Leben anregt. (ap) Christine Jeffs (Regie): Sunshine Cleaning

er kleine Oskar ist an Leukämie erkrankt und möchte dennoch sein komplettes Leben gelebt haben, bevor er die Welt verlassen muss. Auf den Rat seiner Krankenschwester lebt er deshalb jeden Tag, als ob er zehn Jahre seines Lebens erlebten würde. Er verliebt sich, heiratet seine große Liebe (die ebenfalls schwerkranke Peggy) und erlebt seine Midlife Crisis. Am Ende seines Lebens ist er zufrieden, alles in seinen Möglichkeiten Stehende erreicht zu haben und nicht mehr der kleine Junge zu sein. Zusammen mit den anderen Kindern im Kinderhospiz erlebt und nutzt der die Zeit, die ihm bleibt. Die lustige und sehr rührende Geschichte des zehnjährigen Oskars gibt einen Einblick in die Tragik, die der Tod von Kindern mit sich bringt und zeigt, wie Kinder mit dem schweren Thema umgehen können. Die Ängste und Bedürfnisse von Oskar berühren den Leser/die Leserin und stimmen nachdenklich. (lm) Eric-Emmanuel Schmitt: Oskar und die Dame in Rosa

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transparent transparent Einzelbezug Redaktion

Korrektur Endredaktion Layout Titelbild Druck Auflage Anschrift

wird herausgegeben von der Diözesanleitung der Katholischen jungen Gemeinde im Erzbistum Köln und richtet sich als Meinungs – und Informationsblatt an alle verantwortlichen MitarbeiterInnen im Diözesanverband. erscheint viermal im Jahr ist für MitarbeiterInnen im Abo-System kostenlos erhältlich. Der Bezugspreis von 5,– € ist im Mitgliedsbeitrag erhalten. Mitglieder des Fördervereins können transparent kostenlos im Einzelbezug erhalten. Lena Bloemacher (le), Ramona Kreutz (mo), Viviana Kutz (vk), Steffi Maier (sm), Benedict Martin (bm) (V. i. S. d. P.), Linda Martin (lm), Anne Pilger (ap), Max Pilger (mp), Steffen Schmidt (StS), Alexander Stiehl (as), Michael Schwarz (ms) und Katinka Zinner (kmz). Brigitte Steven und Holger Walz Steffi Maier Thomas Jakobi, www.partout.info photocase.com Druckerei Schöttler, Ratingen 1 700 Exemplare Redaktion transparent, Steinfelder Gasse 20–22, 50670 Köln www.kjg-koeln.de, transparent@kjg-koeln.de

Beiträge mit Namen oder Fundstelle geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Herausgeberin wieder. Wir bedanken uns für eingeschickte Leser/innenbriefe, Artikel etc. Für evtl. Kürzungen bitten wir um Verständnis. Die Weiterverwendung der mit Vornamen oder Kürzel gezeichneten Artikel in anderen KjG-Organen ist erwünscht. Wir bitten um Quellenangabe und Zusendung von Belegexemplaren. Weiterverwendung aller anderen Artikel – auch auszugsweise – nur mit Genehmigung der Verfasser/innen.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der KjG-Diözesanstelle Telefon 0221.1642 6432, Telefax 0221.1642 6841, info@kjg-koeln.de Öffnungszeiten: Mo–Do: 10:00–13:00 Uhr und 14:00–17:00 Uhr Fr: 10:00–14:00 Uhr Diözesanleitung

Benedict Martin Tim Mertens Peter Otten Katharina Schwellenbach

Diözesanleiter Diözesanleiter Geistlicher Leiter Diözesanleiterin

ReferentInnen

Steffi Maier Thomas Pieger Christoph Sonntag Holger Walz

Öffentlichkeitsarbeit, Gender Mainstreaming Bildungsstätte „Haus Sonnenberg“ Schulungsarbeit Gesellschaftspolitische und theologische Themen

Geschäftsführung

Heike Blankenstein

Geschäftsführerin

Sekretariat

Martina Coutellier Andrea Schiefer Brigitte Steven

Bestellungen und Verkauf, Ausleihe Mitgliederbetreuung Diko, DA-Organisation

FSJ

Ramona Kreutz

Freiwilliges Soziales Jahr

Praxissemester

Christina Düster

Projekt: Die KjG-Kinderstadt

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KjG Diözesanstelle, Steinfelder Gasse 20–22, 50670 Köln PVSt., Deutsche Post AG, „Entgelt bezahlt“ 42933

kanini sucht ein Zuhause Unser Sammelalbum-Maskottchen zieht bei dir ein, wenn du bis zur Diözesankonferenz 2011 ein volles KjG-kanini-Sammelalbum vorweisen kannst. Also: KjG-Veranstaltungen besuchen, kaninis ­abstauben und tauschen, tauschen, tauschen …


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